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Jeepneys, türkisblaues Meer und strahlende Kinderaugen (#6)

Hallo zusammen,

Inzwischen ist mein Jahr auf den Philippinen schon wieder vorbei. Auch wenn ich seit Anfang August zurück in meiner Heimat bin, möchte ich niemandem vorenthalten, wie sich meine letzten Monate auf den Philippinen gestaltet haben. In den Pfingstferien kam meine Familie zu Besuch, worüber meine Mutter in einem ‚Gastbeitrag‘ im Folgenden berichtet:

Als ich mich mit meinen Kindern Mitte Mai auf den Weg zu unserem Jakob auf die Philippinen machte, hatten wir alle keine Ahnung, was uns erwarten würde. Nicht nur, weil Jakob sich das Reiseprogramm für uns überlegt und es bis zum Ende geheim gehalten hatte, sondern auch, weil wir in eine ganz  andere Kultur eingetaucht sind, die mich total fasziniert hat. Jakobs erste Blog-Einträge, mit denen er uns an seiner Welt ein wenig teilhaben ließ, gingen über den Verkehr in Manila und den daran beteiligten Fahrzeugen. Ich muss zugeben, dass ich mich damals etwas darüber gewundert habe. Mittlerweile weiß ich, dass der Verkehr in Manila einen großen Anteil an der Atmosphäre dieser Stadt hat. Natürlich, Großstadtlärm wie in vielen Städten auch bei uns. Aber das Wie ist doch ein komplett anderes. In all dem Gewusel von Autos, Bussen, Tricycles, Jeepneys, Mopeds und dazwischen Fußgängern scheint es kaum Verkehrsregeln zu geben. Es wird rechts und links überholt, die Spuren werden wild gewechselt – aber: es funktioniert. Das Hupen, das permanent durch die Straßen tönt, ist kein aggressives Hupen, sondern eher ein auf sich aufmerksam machen. Und die wichtigste Verkehrsregel scheint zu sein, dass man nicht nur sich im Blick hat, sondern auch die Verkehrsteilnehmer um einen herum. So können Tricycles und Jeepneys ohne Probleme wieder in den fließenden Verkehr einfädeln, wenn sie neue Fahrgäste aufgenommen haben.

Diese Rücksichtnahme und das Aufeinanderschauen haben wir auch in den Begegnungen mit den Menschen auf den Philippinen erfahren. Überall wurden wir freundlich und zuvorkommend behandelt, man war stets bemüht, uns unsere Wünsche zu erfüllen, uns zu helfen, es wurde darauf geachtet,  dass es uns gut geht und wir uns wohl fühlen. Dies führte zu Erfahrungen, die bei uns hier undenkbar wären. So wurden uns, als wir morgens um 5 Uhr in unserer Unterkunft auf der Insel Coron ankamen, Betten in zwei sogenannten „nipa huts“ (traditionelle Häuser aus natürlichen Materialien wie der Nipapalme, deren Blätter häufig für die Dachkonstruktion verwendet werden) zur Verfügung gestellt, damit wir uns ausruhen können, weil unser gebuchtes Zimmer noch nicht frei war. Oder wir konnten einen Nachtisch, den wir schon einmal gegessen hatten und der unglaublich lecker war, aus einem Nachbarrestaurant bestellen. Haben Sie schon einmal versucht, eine Speisekarte aus dem Nachbarlokal zu ordern?

Auch die Menschen in Payatas sind uns mit großer Offenheit und äußerst freundlich begegnet als wir mit Jakob und Moritz einen Tag dort verbrachten und sie bei ihrer Arbeit begleiten durften. Dieser Tag hat mich sehr beeindruckt. Da war zum einen diese ganz andere Art zu leben, unterschiedliche Häuser, Straßen, die befestigt waren, aber auch Wege, die nur aus Erde bestanden. Frauen, die ihre Wäsche in Bottichen auf dem Platz vor dem Haus wuschen und Kinder, die mit einem Gartenschlauch abgeduscht wurden. In all das haben wir einen Einblick bekommen als wir mit den beiden Mazlern die Kinder in ihren Häusern abholten. Zum anderen erlebten wir äußerst offene und gastfreundliche Menschen. Wir wurden herzlich begrüßt, wir durften gerne Fotos machen und am Ende des Tages wurden wir von einer Familie noch zum Essen eingeladen. Kein Misstrauen, keine Zurückhaltung, sondern Offenheit und Wohlwollen schlugen uns entgegen.

Was Moritz und Jakob für die Kinder in Payatas leisten, ist beeindruckend. Die gemeinsamen Unterrichtsstunden, die an vielen völlig unterschiedlichen Plätzen in dieser Gegend stattfinden, sind sehr strukturiert aufgebaut und versuchen die Kinder in unterschiedlichen Bereichen anzusprechen. Nach der Begrüßung „Good morning, Teacher Jakob!“ und einem gemeinsamen Gebet versucht Jakob durch eine kleine Fragerunde über Lieblingsessen, -farben und anderem die Kinder mit der englischen Sprache ein wenig vertraut zu machen.

An unserem Besuchstag durften sie eines unserer mitgebrachten Puzzle zusammensetzen und dabei die Tiere auf Englisch benennen. „W“ und „X“ waren die Buchstaben, die sie an diesem Tag bei Jakob wiederholten und auf einem Arbeitsblatt schreiben mussten. Einige der Kinder waren da sehr geschickt, andere mussten sich schon mühen und brauchten Geduld. Viel Freude bereitete ihnen das Ausmalen eines Bildes, das auf dem Arbeitsblatt abgedruckt war – und noch größere Freude, dass sie aus dem Arbeitsblatt einen Papierflieger falten und ihn fliegen lassen durften. Die Gruppen, die auf einem Platz neben dem Friedhof unterrichtet wurden, vertieften die Buchstaben durch Laufspiele und Memoryspielen. Mit Freude lauschten die Kinder Jakob und Moritz als sie Märchen auf Tagalog vorlasen – für uns war es interessant zuzuhören obwohl wir nichts verstanden. Trotz der zum Teil eher schwierigen Umstände (die Kinder stehen um einen wackeligen Tisch, sie sitzen und schreiben auf einem Holzbrett, das über zwei Steine gelegt ist… da wirken unsere Diskussionen über die Ausstattung von Klassenzimmern mit Whiteboard und Beamer etwas befremdlich) gelingt es Moritz und Jakob, den Kindern das für die Einschulung notwendige Wissen zu vermitteln. So konnten die Kinder in Moritz Gruppe fehlende Buchstaben im Alphabet ergänzen und bei Jakob die bereits erlernten Buchstaben bei diversen Spielen wiederholen. Zum Mittagessen waren wir im Center eingeladen – Jeremy hatte für uns ein leckeres Mittagessen gezaubert und wir durften neben den Lehrerinnen und Lehrern, die die Jugendlichen unterrichten, auch Sister Frances kennenlernen.

Jakob zeigte uns nicht nur seine Arbeit und die quirlige Stadt Manila, sondern weitere wunderbare Ecken der Philippinen. Nach einer 14-stündigen Fahrt mit einer Fähre kamen wir auf der Insel Busuanga an. Ein Bummel durch den Ort Coron, der Besuch auf dem örtlichen Markt, nächtliches Kanufahren mit Besichtigen der Glühwürmchen in den Mangrovenbäumen und des faszinierenden fluoreszierenden Planktons standen ebenso auf dem Programm wie ein Besuch auf der Nachbarinsel Culion, auf der über 100 Jahre lang eine Leprakolonie bestand. Einen traumhaften Tag verbrachten wir beim Stand Up Paddeling, bei dem wir durch einsame Lagunen und unter Mangrovenbäumen paddelten. Immer wieder landeten wir auf fantastischen Inseln und wurden auf einer mit einem auf dem Boot zubereiteten leckeren Essen verwöhnt. Das Baden in heißen Quellen rundete diesen einmaligen Tag ab – für manchen Sonnenbrand bedeutete das fast eine homöopathische Behandlung nach Hahnemann „Gleiches mit Gleichem behandeln“. Die Besteigung eines kleinen Hügels während des Sonnenaufgangs bot uns einen phantastischen Blick auf einige der über 7000 Inseln der Philippinen. Unsere nächsten Erlebnisse durfen wir auf der Insel Palawan machen: Islandhopping, Schnorcheln, Besuch eines Wasserfalls und immer wieder Einblicke in das Leben der Menschen.

Unseren letzten Abend verbrachten wir mit „unseren Jungs“ Moritz, Simon und Jakob in „Fred’s Bar“. Leckeres Essen – wie immer auf unserer Reise – gute Gespräche, eine tolle Atmosphäre bei immer noch 30° und viele liebe Menschen um uns herum. So wie an diesem letzten Abend konnte ich auf der ganzen Reise spüren, wie sehr Jakob in diesem fernen Land angekommen war. Er, Moritz und Simon erfüllen ihre Arbeit mit und für die Kinder mit Herzblut. Innerhalb kürzester Zeit haben sie Freunde gefunden und Kontakte geknüpft – an dieser Stelle eine großes Dankeschön an Peter, der uns stolz und voller Begeisterung durch Intramuros und Chinatown führte. Sie erleben das Land und die Menschen in allen Facetten: bei ihrer Arbeit im Slum, beim Weggehen und Party feiern ebenso wie bei ihren Ausflügen und Reisen in verschiedenste Regionen des Landes. Sie verbringen viel Zeit in dem Bergdorf Buscalan, leben dort mit den Menschen und packen mit an, wo ihre Hilfe gebraucht wird. Sie genießen die einmaligen und unbeschreiblich schönen Inseln und setzen sich mit der Frage des Lebensstils auseinander. Nach dem, wie wir Jakob dort erlebt hatten, konnte ich beruhigt wieder nach Hause fliegen. Und es war eine intensive Zeit für uns als Familie – den ganzen Tag (und die Nächte) miteinander verbringen, Fantastisches erleben und viel Zeit zum Reden und Erzählen haben. Nun fiebern wir hier seinem Nachhausekommen in wenigen Tagen entgegen, denn unsere Reise liegt schon einige Wochen zurück. Trotzdem sind unsere Erfahrungen auf den Philippinen noch sehr präsent. Nicht nur, weil ich in meinem Religionsunterricht immer wieder davon erzählt und Bilder gezeigt und vielen Menschen voller Begeisterung berichtete habe, sondern auch, weil diese Reise für mich und Jakobs Geschwister uns in eine neue Welt, in Jakobs Welt, hat eintauchen lassen und uns sehr berührt hat.

Salamat po, Jakob, für diese einmalige, wunderbare Zeit mit

dir auf den Philippinen!

Christine, Paul, Magdalena und Anna

P.S. Inzwischen ist unser Jakob wieder bei uns und wir genießen die gemeinsame Zeit in vollen Zügen!

Vier Gringas auf den Spuren der Inkas – Unsere Reise im Süden Perus

San Genaro, den 03.06.2018

Rucksack gepackt, Sonnenhut auf und Kamera um den Hals gewickelt? Meine lieben Freunde und Leser, habt ihr euch auch schon einmal so richtig touristisch gefühlt? Seit meinem Aufenthalt hier in Peru habe ich das Gefühl vom „Tourist sein“ irgendwie fast vergessen, meine Reisen bisher waren eher weniger touristisch und das ist wertvoll. Jedoch, um unter anderem eines der sieben Weltwunder zu sehen, war es notwendig, in den sauren Apfel zu beißen, denn wir vier Gringas (üblicher Ausdruck für Ausländer, wurde ursprünglich für die Bürger der Vereinigten Staaten verwendet, ist nicht als abwertend zu verstehen) machten uns auf den Weg ins touristische Zentrum Perus. So viel sei schon mal zu Beginn gesagt: Peru ist reich beschenkt von einer unglaublich wundervollen Natur!

Erste Station: Cusco, Zentrum des peruanischen Hochlandes

Von Meereshöhe flogen wir in einer Stunde nach Cusco, die Hauptstadt des damaligen Inkareichs (indigene urbane Kultur), welche auf circa 3400 Meter liegt. Ein beachtliche Höhe, an die wir uns alle erst einmal gewöhnen mussten. Höhen- und Kopfschmerztabletten gehörten zur täglichen Nahrungsaufnahme. Angekommen in unserer Unterkunft erlebte ich schon die erste Überraschung: Nach mehr als sieben Monaten durfte ich das erste Mal wieder eine richtig heiße Dusche genießen. Meine Haut schien sich aufzulösen, so weich wie sich das angefühlt hat. Freude machte sich in mir breit, ich fühlte mich wie neu geboren.

Den ersten Tag verbrachten wir in der Stadt selbst und schlenderten auf dem Markt herum, auf dem man die beliebten Perupullis usw., übrigens um einiges billiger, bekommt. Sonst haben wir uns einen gemütlichen Tag gemacht, weitere Touren geplant und uns mit Cocatee gestärkt, von dem man aber leider ziemlich oft auf die Toilette musste… Und nein, Cocatee ist keine Droge, bis zum Kokain fehlen einige chemische Verfahren 🙂

Diospi Suyana: Im Vertrauen auf Gott Visionen leben

Am Tag darauf stand für mich ein besonderer, auch persönlicher, Ausflug an. Circa 2,5 Stunden außerhalb Cuscos, in Curahuasi, besuchten wir das Krankenhaus „Diospi Suyana“ (aus dem Quechua: Vertrauen auf Gott), welches von dem deutschen Ärzteehepaar Klaus-Dieter und Martina John gemeinsam mit dem deutschen Trägerverein „Diospi Suyana“ aufgebaut wurde. Mit viel Arbeit, Vertrauen, Privat- und Firmenspenden wurde etwas Wunderbares möglich. Täglich ist das Krankenhaus überbesucht; durch wöchentliche Losungen wird festgelegt, wer einen Termin bekommt. Patienten, die schon länger warten, werden zusätzlich auf eine Liste geschrieben, sodass möglichst alle früher oder später die Möglichkeit haben, untersucht zu werden.

Generell wird versucht, dass die Patienten ihre Kosten selbst übernehmen, jedoch gibt es immer wieder Ausnahmefälle (die von einer Sozialarbeiterin geprüft werden), in denen das Krankenhaus die Kosten übernimmt oder aushilft. Es gibt deutsche, peruanische, chilenische, australische, und international vielfältige Angestellte in Diospi Suyana. Kranke reisen oft von weit weg an (auch teilweise aus dem umgebenden Ausland), um in Curahuasi versorgt zu werden. Um die Wartezeit zu versüßen laufen regelmäßig Filmchen über die Entstehung des Krankenhauses oder biblische Einheiten.

Diospi Suyana besteht aus mehreren Bereichen und ist mit Geräten ausgestattet, die dem deutschen Standard gerecht werden, sogar teils übertreffen. Krankenstation, Notfallaufnahme, OP-Säle, Logopädiezentrum, Zahnarztpraxis, bereitstehende Augenarztpraxis (Augenarzt noch gesucht), EEG (Elektroenzephalografie), Kreissaal, Labore, Bibliothek, eigenes Medienzentrum (es wird viel Öffentlichkeitsarbeit durch Radio, Fernsehen, usw. geleistet), eigene Kapelle (jeden Morgen gibt es eine Messe für Mitarbeiter und Patienten), eigenes Amphitheater für Veranstaltungen: das sind einige der Bereiche die durch jahrelange Arbeit aufgebaut wurden.

Für mich war dieser Tag hochmotivierend und besonders. Mein Wunsch, Medizin zu studieren und selbst mal als Ärztin tätig zu sein, wurde wieder mal bestätigt, auf eine Art und Weise, die mich begeistert und motiviert. Am Schluss konnten wir Martina John noch kurz sehen. Meiner Meinung nach ist sie eine starke Frau, die auch unter Hochstress ihr Lachen, ihre Überzeugung, ihre Motivation und ihren Glauben nicht verliert. Ihr Mann ist die meiste Zeit auf Reisen und hält Vorträge über ihr gemeinsames Projekt.

Machu Picchu: Auf den Spuren der Inkas

Ein Highlight war die alte Inkastätte Machu Picchu, die seit dem 15. Jahrhundert gut erhalten blieb und Anfang des 20. Jahrhunderts wieder entdeckt wurde. Die Inkas herrschten zwischen dem 13.und 16. Jahrhundert, auch über Peru hinaus, bis die Spanier dann das Land eroberten. Machu Picchu (aus dem Quechua: alter Gipfel) liegt auf 2400 Metern und bedarf mehr als einer Tagesreise, um ihn zu bewundern.

So machten wir uns auf den Weg mit dem Combi (Kleinbus) nach Hidroeléctrica. Dort angekommen nach sieben Stunden holpriger Fahrt ging es dann erst richtig los. Rund zehn Kilometer wanderten wir dann an den Zugschienen entlang. Dieser Weg war wunderbar, eine atemberaubende Natur. Ich hätte ewig so laufen können, entlang am Fluss. Am Abend erreichten wir Aguas Calientes, die letzte Station bevor es hoch auf den Berg ging. Nach einer kurzen Nacht standen wir pünktlich um vier Uhr morgens bereit und der Bus brachte uns hoch.

Machu Picchu selbst war sehr eindrücklich und auch mit dem Wetter hatten wir Glück: Erst sehr neblig, jedoch erzeugte dies eine mysteriöse Stimmung, die besonders war. Und dann kam die Sonne raus und wir konnten nun auch den Huayna Picchu betrachten. Nach einer Führung durch die damaligen Häuser, Klassenräume usw. verbrachten wir noch ein Weilchen und genossen den Ausblick.

Dann liefen wir wieder die ganze Wanderstrecke zurück, fuhren von Hidroeléctrica nach Cusco und fielen erschöpft, aber glücklich in unser Bett.

Zweite Station: Puno am Titicacasee

Nachdem wir am letzten Tag in Cusco noch die Salzterrassen bestaunten verbrachten wir eine Nacht im Bus in Richtung Puno. Am Titicacasee waren wir einen Tag und fuhren auf die Inselgruppe „Uros“. Dieser Ausflug hat mich ein wenig enttäuscht muss ich sagen. Der See ist wunderschön, kein Frage. Die Tour zu den Einheimischen der Inseln (noch heute leben dort Menschen und fahren wöchentlich nach Puno rein, um Lebensmittel zu kaufen) war für mich jedoch ein bisschen abschreckend. Statt einfach zu zeigen, wie sie wirklich leben hat es für mich eher wie ein Zirkus zur Bespaßung der Touristen gewirkt, wir wurden fast gedrängt auf ein kleines Boot für ein bisschen Kleingeld zu steigen, um auf dem See zehn Minuten zu fahren.

Für mich war das eine Welt, in der ich mich nicht wohlgefühlt habe und ich bedauere es, dass richtige Touristen nur diesen Einblick in Peru bekommen. Das ist sehr schade. Aber auch über diese Erfahrung bin ich dankbar, da ich so die Unterschiede zwischen den Touristenorten und San Genaro in Chorrillos noch klarer fassen kann.

Jedoch waren wir nur kurz in Puno und haben nur die erste Inselgruppe besucht, David meinte zum Beispiel, dass es ihm sehr gut gefallen hat. Vielleicht hätte ich dort nochmal einen anderen Eindruck bekommen. Deshalb: jeder macht andere Erfahrungen, meine war dieses Mal zwiegespalten, gelohnt hat es sich allemal.

Dritte Station: Arequipa, Besuch bei Patricia

Nach einer weiteren Nacht im Bus, kamen wir in Arequipa an, wo Patricia auf uns wartete. Sie ist eine weitere Freiwillige unserer Organisation und ich freute mich sehr, sie wieder zu sehen und endlich ihr Projekt kennenzulernen. Auch mit Pater Conrado konnte ich Bekanntschaft schließen und besuchte am Abend seinen Gottesdienst. Patricia hat uns die Stadt gezeigt, ich muss sagen Arequipa ist eine der schönsten, die ich bis jetzt gesehen habe.

Colca-Canyon: Touristenschock und wundervolle Natur

Eines der vielen Naturwunder Perus, die man gesehen haben sollte, ist definitiv der Colca-Canyon. Mit bis zu 3.200 Metern Tiefe ist er einer der größten Canyons weltweit. Wir waren zwei Tage unterwegs und es war wirklich schön. Ich saß im Bus und konnte nicht aufhören aus dem Fenster zu schauen und zu staunen. Weite Landschaften, Vulkane und schneebedeckte Berge, Tiere, die man selten sieht,… Am Abend genossen wir die wilde Landschaft von den Thermalbädern aus, die sich im Freien direkt am Fluss befanden. Ein Traum. Am zweiten Tag kamen wir dann am Cruz del Condor an, diejenige Stelle, an der man mit ein bisschen Glück und Geduld die Andenkondore zu Gesicht bekommt. Sie zählen zu einen der schwersten Greifvögel und können eine Spannweite von bis zu über 300 Zentimeter erreichen. Diese Vögel waren beeindruckend und gewaltig.

Der Colca-Canyon hat mir sehr gefallen; einzige Krux an der Sache: Wir waren mit einem Bus voller Touristen unterwegs. Das ist normal, für mich war das aber echt ein kleiner Kulturschock. Bei dem Verhalten der Touristen blieb mir manchmal der Mund offen stehen, eine Frau, die ein Babyalpaka fast gewalttätig festhält, nur um ein perfektes Foto zu schießen war dabei nur eine von vielen Situationen in denen ich mich fremd geschämt habe. Auch, dass der Bus alle zehn Minuten an Verkaufsständen auf dem Weg anhielt (dabei gibt es wirklich bei jedem Stand dasselbe zu erwerben) und alle aus dem Bus rausstürmten als wäre nur heute SALE; das war einfach zu viel.

Ich kam mir noch nie so fremd unter Touristen vor, wie an diesen zwei Tagen. Leichtes Heimweh nach San Genaro machte sich breit :).

Kindergarten und Kloster

Am letzten Tag besuchten wir noch den Kindergarten, in dem Patricia ein Jahr lang als Missionarin auf Zeit arbeitet. In einem Viertel prekärer Verhältnisse befindet sich dieser, direkt neben einer Kapelle der Combonis. Sofort haben wir Mädels uns in die Kinder verliebt. Der Kindergarten gefiel mir gut, er war sehr geräumig, bot gute Spielmöglichkeiten und Gruppenräume. Mein Herz ging auf, als ich sah, dass die Kinder (teils erst drei Jahre alt) schon Paartanz lernen. Es war zu süß… vor allem als dann auf einmal zwei Jungs um die Gunst eines Mädels buhlten. Ach Kind sein ist schon etwas Schönes…

Außerdem besuchten wir noch das Kloster Santa Catalina in Arequipa, in dem noch heute circa 20 Nonnen leben. Es war groß und wirklich schön, eine kleine Stadt in der Stadt.

Schon wieder Abschied…

Die Zeit mit meinen Liebsten verflog viel zu schnell, wie erwartet. Wir verbrachten eine wunderbare Zeit, für mich ist es sehr wertvoll, dass sie gesehen haben, wo ich lebe und arbeite. Die Reise war auch wunderschön, wenn auch anstrengend und für mich mit einem kleinen Tourismusschock verbunden. Jedoch waren ja auch einige Punkte auf dem Programm, die alles andere als touristisch waren, deshalb: Ein super gutes Gefühl bleibt.

Oft kann man dem Tourismus nicht entgehen, aber immer kann man sich selbst treu bleiben und seine Prioritäten setzen.

In diesem Sinne, habt eine schöne Woche meine lieben, grüßt mir die Heimat und bis ganz bald 🙂

Muchos saludos!

Eure Marlene Helena

Buscalan (#5)

Hallo zusammen,

Inzwischen sind schon mehr als 75 % meines Einsatzes hier auf den Philippinen Geschichte. Ganz besondere Erfahrungen, die ich natürlich niemandem vorenthalten möchte, konnte ich in der Kar- und Osterwoche sowie den darauffolgenden Tagen machen. Zum besseren Verständnis und zur besseren Orientierung habe ich eine Karte erstellt, auf der die Orte markiert sind, die ich auf den Philippinen schon besucht habe. 

Gefährten vom Dach

Am Donnerstag vor Palmsonntag machten Simon, Peter und ich uns auf den Weg nach Buscalan. Zum einen wollten wir unseren Freund Theo dort wiedersehen, zum anderen reizte uns die Erfahrung, nachdem uns Theo und Peter schon vieles über das Dorf und die Menschen vor Ort berichtet hatten. Moritz konnte leider nicht mit, weil er den Besuch seiner Eltern erwartete. Früh morgens gegen sechs Uhr kamen wir in Bontoc, der nächstgrößeren Stadt, an. Wir gingen kurz auf den Markt, um noch einiges Gemüse und Obst für unseren einwöchigen Aufenthalt zu besorgen, bevor wir dann gegen viertel acht auf das Dach des Jeepneys kletterten, das uns ein Stück weiter in Richtung Buscalan bringen sollte. Schon vom Dach aus konnten wir eine atemberaubende Landschaft bestaunen, die sich uns überall bot. Die Straße war nicht gerade sonderlich breit, weshalb sich das Ganze manchmal etwas abenteuerlich gestaltete. Nichtsdestotrotz kamen wir wohlbehalten an der nächsten Station, einem kleinen Store an. Dort fanden wir einige Motorradfahrer vor, die darauf warteten, Leute zum sogenannten „Turningpoint“ zu bringen. Inzwischen war unsere Gruppe schon um drei weitere Leute gewachsen, die wir auf dem Dach des Jeepneys kennen lernten. Auch die Fahrt mit dem Motorrad war recht spannend, denn abgesehen vom Zustand der Straße hatten wir einiges an Gepäck dabei. Am Turningpoint kamen wir aber wiederum sicher an. Von dort aus machten wir uns ans letzte Stück Weg, das uns noch vom Dorf trennte, nämlich den Fußweg, der zunächst abwärts in ein schmales Tal mit einem Wasserfall und von dort wieder nach oben ins Dorf führte. Das hört sich alles etwas idyllischer an als es war, denn wir haben einige zig Höhenmeter überwunden, was in aller Herrgottsfrühe um ca. neun Uhr inklusive Gepäck nicht so ohne ist. Buscalan liegt zudem noch auf ca. 1000 Metern Höhe, was dem Aufstieg noch einmal einen eigenen Geschmack verleiht. Aber auch dieses Hindernis konnten wir überwinden und wir erreichten schließlich das Dorf. Dort wurden wir von unserem Freund Theo, der insgesamt schon einige Monate in Buscalan weilt, am Checkpoint empfangen. Da auch Peter im Dorf kein unbeschriebenes Blatt ist, konnten wir ihn als unseren Guide für die Woche nehmen, was die Registrierung beim Checkpoint sehr viel angenehmer machte. Untergebracht wurden wir in einem sogenannten „homestay“, der Übernachtungsmöglichkeit, die sich bei verschiedenen Familien im Dorf dort bietet. Der Preis für die Übernachtung stellt zudem gratis Reis und Kaffee bereit, welches beides im Dorf selbst gepflanzt und weiter verarbeitet wird. Da sich das Dorf vor einige Jahren den Touristen öffnete, um die Kultur mit diesen zu teilen, wurde eine Einrichtung wie der Checkpoint zur besseren Organisation nötig.

Einige Informationen vorab

Buscalan liegt in der Provinz Kalinga und bildet das eigene, gleichnamige Barangay. Dort leben die „Butbut“, eine eigene Volksgruppe mit langer Tradition und sehr interessanter Vergangenheit. Sie sprechen ihre eigene Sprache, ebenfalls „butbut“ genannt. In früheren Zeiten waren die Menschen, die dort leben, vor allem aufgrund ihrer „headhunter“, in der Umgebung berühmt berüchtigt. Als Headhunter bezeichnete man die Krieger des Dorfes. Bei Kämpfen mit benachbarten Dörfern oder anderen Feinden wie beispielsweise den Japanern im zweiten Weltkrieg trennten diese nämlich die Köpfe der getöteten Feinde ab, um diese zur Abschreckung weiterer Angreifer in der Nähe des Dorfes zu postieren. Heutzutage zieht es viele Touristen aufgrund der traditionellen Tattoos dort hin, die Männer zu damaliger Zeit durch Headhunting, Frauen aufgrund ihrer Schönheit erhalten haben. Die Tattoos werden nicht mit einer Maschine, sondern von Hand gestochen. Dazu verwenden die Tätowierer zwei Stöcke: In einem befindet sich ein kleines Loch, in welches ein Dorn gesteckt wird. An diesen wird immer wieder die Farbe geschmiert, die auf ganz natürliche Weise aus Kohle gewonnen wird. Mit dem zweiten Stock wird nun vorsichtig auf den Stock mit dem Dorn geklopft und so die Tinte in die Haut übertragen.

Die Bekannteste und zugleich mit ungefähr 100 Jahren die drittälteste Person im Dorf, Whang-Od tätowiert auch heute noch Touristen. Aufgrund ihrer eingeschränkten Sehfähigkeit und dem großen Andrang an Wochenenden und Feiertagen beschränkt sie sich inzwischen aber nur noch auf kleinere Tattoos. Für größere sind beispielsweise Grace und Elyiang, die das Handwerk ihrer Großtante fortführen möchten, oder auch andere Tattoo-Künstler aus dem Dorf zuständig. Whang-Od ist es selbst ein großes Anliegen, diese Tradition zu bewahren und an die nächste Generation weiterzugeben. Wer sich weitere Informationen zu diesem Thema holen möchte, dem seien diese Dokumentationen empfohlen: 

Im Dorf angekommen

Nach unserer Ankunft machten wir uns zunächst einmal zu unserem Homestay auf, um unser Gepäck abzuladen und die erste Tasse Kaffee zu trinken, die einfach nur hervorragend schmeckte. Danach haben wir uns mit Peter zunächst einmal ein wenig im Dorf umgesehen. Da zwei unserer Gefährten vom Dach bereits am nächsten Tag schon wieder abreisen wollte, begaben wir uns mit diesen auch direkt zu einer der Tattoo-Künstlerinnen. Dort konnten wir dann das erste Mal beobachten, wie die Tattoos gestochen werden. Auf dem Heimweg beobachtete ich dann noch einige Männer beim Schachspielen. Da die anderen schon weitergelaufen waren, konnte ich den Weg zurück zum Homestay aufgrund meiner Verwirrung und mangelnder Ortskenntnis nicht finden. Die Leute vor Ort waren aber sehr freundlich und hilfsbereit, sodass mir ein Mann seinen Sohn voraus schickte, um mir den Weg zu zeigen.

Den Abend ließen wir dann nach dem gemeinsamen Kochen und Essen noch gemütlich ausklingen. Der Reis aus Buscalan ist nicht, wie man ihn üblich kennt weiß, sondern meist rot. Einen wirklichen geschmacklichen Unterschied konnte ich nicht feststellen. Aufgrund der großen Anzahl an Menschen müssen sich die Leute aus dem Dorf aber auch zusätzlich noch mit Reis aus der Umgebung wie z.B. aus Tabuk eindecken. Gemeinsam mit uns im Homestay waren außerdem noch eine französische Tattoo-Künstlerin sowie der Amerikaner Gabriel.

Am nächsten Morgen trafen Simon, Gabriel und ich uns mit Theo, um ihm zu helfen, für den Store der Familie, bei der er lebt, einige Dinge vom Turningpoint abzuholen. Insgesamt liefen wir zwei mal dorthin und wieder nach oben ins Dorf, unterbrochen von einigen Essenspausen am Turningpoint und im Dorf sowie einigen Trinkpausen am Wasserfall. An ebenjenem konnten wir am Nachmittag dann auch noch die Gelegenheit nutzen und Baden gehen. Viele Jungs aus dem Dorf waren auch dort, oft im Adamskostüm unterwegs. Nach dem Baden sammelten sie aus dem Umkreis einer kleinen, trockengelegten Reisterrasse haufenweise Gestrüpp, Blätter und Äste zusammen, um daraus ein Feuer zu machen, an dem man sich wunderbar trocknen konnte.

Am darauffolgenden Tag machten Simon und ich uns zu einer kleinen Wanderung am Vormittag auf, die uns zur ein ganzes Stück oberhalb vom Dorf gelegenen Grundschule führte. Dort genossen wir die wunderbare Aussicht und das wunderbar sonnige Wetter. Gegen Mittag machten wir uns wieder auf den Rückweg ins Dorf, um mit dem Kochen anzufangen. Gabriel und die Französin waren am Morgen schon wieder abgereist. Gemeinsam mit Peter und Jan, einem deutschen Fotografen, machten wir uns am Nachmittag auf den Weg, um uns die Reisterrassen anzusehen, die das Dorf an der oberen Hangseite umgeben. Dort waren noch einige Frauen dabei, den Reis zu pflanzen. Das war wirklich beeindruckend zu sehen, mit was für einer Geschwindigkeit und Geschicklichkeit das vonstatten ging. Das Anpflanzen des Reises ist in Buscalan Sache der erstgeborenen Frauen. Man glaubt, dass das für die Ernte einen besseren Ertrag bringt. Nicht wenig verwunderlich also, dass einige ältere Frauen im Ort unterwegs sind, die extrem gebückt laufen.

Am nächsten Morgen brachen Peter und ich gemeinsam mit Jan, der sich auf den Rückweg begab, früh morgens nach Bontoc auf, um uns die Tickets für die Rückfahrt mit dem Bus zu organisieren.

Nachdem dies erledigt und wir uns wieder auf dem Dach des Jeepneys auf der Rückfahrt befanden, lernten wir bereits schon den nächsten Deutschen kennen. Auch er sollte ein Begleiter für die nächsten Tage sein.

Bei Charlie, dem Captain des Dorfes und dem Betreiber unseres Homestays, verbringen verschiedene Jugendliche ihre Sommer- und damit schulfreien Monate, um sich dort durch Mithilfe ihr Taschengeld aufzubessern. Da Brand, einer dieser Jungs bei Charlie, der Enkel des Captains aus dem Nachbardorf Butbut-Proper ist, bot sich für uns am darauffolgenden Tag die Gelegenheit, eine kleine Wanderung ins Nachbardorf zu unternehmen. Der Weg führte uns über die Reisterrassen und einen Pfad bzw. Straße am Berg entlang. Über die gesamte Zeit konnten wir dort die schöne Landschaft bewundern. Angekommen im Dorf konnte man schon einige deutliche Unterschiede feststellen: Das Dorf insgesamt wirkte schon einmal viel entzerrter und war viel lockerer strukturiert als Buscalan. Auch konnte man bemerken, dass die Dorfbewohner Weiße nicht so oft zu sehen bekommen wie die Leute aus ihrem Nachbarort. Nichtsdestotrotz wurden wir freundlich aufgenommen und vom Captain des Dorfes, Brands Großvater, zu einer Tasse Kaffee und ein paar Keksen eingeladen. Unser Rückweg führte uns dann über das Dorf Loccong, das auf dem Bergkamm oberhalb von Buscalan liegt.

Simon und ich verbrachten den nächsten Tag eigentlich hauptsächlich damit, für den Store von Theos Familie Bierkisten oder für die anstehende Hochzeit Holzstücke hoch zu tragen. Diese Holzstücke waren in etwa 70 cm lang und hatten einen Durchmesser von circa 20-25 cm. Als Dank für die Mithilfe wurden Simon, Peter und ich Abends noch bei der Familie der Braut zum Essen eingeladen.

Da der darauffolgende Tag der Geburtstag von Clarissa, einer der Mädels von Theos Familie, war, durften auch wir mit zur Geburtstagsfeier zum Wasserfall. Bei solch einem Anlass ist es üblich, dass das Geburtstagskind zwei bis drei Hühner für das Essen sponsert. Diese wurden am Wasserfall, über die Reisterrassen oberhalb des Dorfes zu erreichen, direkt gerupft und weiter zu Suppe verarbeitetet. Die Suppe wurde dann zusammen mit, wer hätte es gedacht, Reis gegessen. Wie es sich für so einen Anlass gehört, wurde der Reis und das Hühnchen dann auf Palmblättern, die auf dem Boden ausgebreitet werden, serviert. Bei den Filipinos ist das als „buddle fight“ bekannt. Eingenommen wurde das Mahl mit den Händen.

Obwohl wir uns schon am Nachmittag auf den Weg machten und uns das Warten aufs Essen mit Musik und diversen Getränken vertrieben, war es beim Baden im Wasserfall doch relativ frisch. Danach wurde allerdings wieder ein kleines Feuer gemacht, an dem man sich gut trocknen konnte. Mit der einsetzenden Dämmerung machten wir uns dann wieder auf den Weg zurück ins Dorf.

Am unserem letzten Tag machten Simon und ich uns dann früh morgens wieder auf den Weg zum Turningpoint, um dort das nach Bontoc fahrende Jeepney um neun Uhr zu nehmen.

Ein unerwartetes Event

Wir sollten aber schon am direkt darauffolgenden Freitag nach Buscalan zurückkehren, da wir während unseres ersten Aufenthalts von Charlie zur Hochzeit eines Familienmitglieds am kommenden Freitag und Samstag eingeladen wurden.

So machten Simon und ich uns am Donnerstag wieder auf den Weg in den Norden. Wir kamen wieder am Freitagvormittag im Dorf an und machten uns wieder zum Homestay bei Charlie auf. Dort trafen wir auf Peter, der immer noch dort weilte.

Die Hochzeit sollte am Freitag Abend beginnen. Bei den Hochzeiten gibt es unterschiedliche Varianten, je nachdem, ob das Pärchen schon Kinder hat oder nicht. Haben die Heiratswilligen schon Töchter bzw. Söhne, so entfällt die eigentliche Zeremonie und es findet nur die Feier statt. Andernfalls erfolgt für das Brautpaar eine Zeremonie. Bei der Hochzeit, an der wir teilnehmen konnten, hatte das Paar schon Kinder, weshalb am Samstag Nachmittag keine Zeremonie stattfand.

Als Vorbereitung auf die Hochzeit ist es Brauch, dass der Bräutigam und seine Freunde zwei bis drei Kalabaw, eine Art Wasserbüffel, der ganz viel zur Arbeit in den Reisfeldern eingesetzt wird, für das Essen stiftet. Für die Braut ist ähnliches angesagt: sie hat circa drei Schweine zu besorgen. Obwohl im ganzen Dorf Schweine unterwegs sind, die dort unterwegs sind wie anderorts Hunde und Katzen, werden diese nicht für diese Zwecke geschlachtet, sondern eigens gesonderte hergeschafft. Die Tradition verlangt es, dass die Freunde der Heiratenden die Tiere aus dem jeweiligen aktuellen Heimatort heranschaffen. Deshalb konnten wir am Freitag immer wieder Männer die Tiere, zum Teil schon geschlachtet und aufgeteilt, zum Teil noch lebend, an dünnen Stämmen den Berg hoch tragen sehen. Wenn man von dem Gewicht eines durchschnittlichen Schweines ausgeht, kann man sich vorstellen, was für eine schweißtreibende Arbeit das ist.

Am Freitag Abend versammelten sich also viele Leute zu Musik und Tanz auf einem kleinen Platz im Dorf, unweit von Charlies Homestay gelegen. Es war eine Abwechslung aus den traditionellen Tänzen mit eigenen Instrumenten, aus Sonderwünschen oder aus für jedermann angebotene Tänze. Zudem gaben ein paar Leute Gesangseinlagen zum Besten. Die traditionellen Instrumente sind Percussion-Instrumente. Sie ähneln ein wenig grifflosen Pfannen aus Kupfer in unterschiedlichen Größen, aufgehängt an einer Schnur. Darauf geschlagen wird mit einem der Größe entsprechenden Stock. Aufgrund der unterschiedlichen Größen und der Art, wie man darauf schlägt, entstehen natürlich unterschiedliche Klangfarben. Diese werden aus drei verschiedenen Pattern zu einem Rhythmus zusammengefügt. Während des Spielens tanzen die Männer hintereinander umher, währenddessen kommen irgendwann die Frauen hinzu, die innerhalb der Schlange der Männer eine eigene Schlange bilden und zur Musik tanzen. Der Tanz besteht aus Vor-und Zurückbewegen der zur Seite hin ausgestreckten Oberarme sowie verschiedenen Schritten der Füße. Die Videoaufnahme sollte den eben beschriebenen Ablauf etwas besser erklären.

Nachdem wir am Samstag Vormittag dann ausschlafen konnten und uns zum gemeinsamen Mittagessen mit Theo und einigen seiner Freunden und Freundinnen trafen, wurden am Samstag die Tänze des Vortages bis in die späte Nacht fortgesetzt. Wie bereits erläutert, entfiel eine Zeremonie für das Brautpaar. Als kleines Geschenk für das Brautpaar brachten wir eine Postkarte von Deutschland, original Bayerisches Bier und eine frisch gekochte Mahlzeit mit.

Am nächsten Morgen ging es für uns dann leider schon wieder zurück, da unsere Kinder und die Arbeit mit ihnen rief. Auf der Rückfahrt konnten wir noch einmal die schöne Aussicht vom Dach des Jeepneys genießen.

Der weitere Verlauf der nächsten Wochen

Den 1. Mai, der wie in der Deutschland Tag der Arbeit und somit Feiertag ist, nutzen wir zu einem verlängerten Wochenende und so machten Peter, Simon und ich uns erstmals gemeinsam mit Moritz auf nach Buscalan. Wir begaben uns am Mittwoch Abend auf unsere erneute Reise und kamen wiederum gegen sieben Uhr in der Früh an. Nach unserem Einkauf auf dem Markt liefen wir zum Jeepney, das uns nach Buscalan bringen sollte und luden unser Gepäck ab. Abfahrt ist um neun Uhr, so der Fahrer, weshalb wir die Zwischenzeit nutzen, um eine Kleinigkeit zu essen.

Als wir gegen dreiviertel neun Uhr die Straße Richtung dem Abfahrtspunkt liefen, sahen wir bereits eines wegfahren. Wir dachten uns zuerst nur: Gut, das wird schon nicht unseres gewesen sein, es fahren ja bestimmt noch andere in diese Richtung. Nachdem wir aber zwei Minuten später ankamen, stellten wir fest, dass es doch unseres war, das nun mit dem Gepäck auf dem Dach davon gefahren ist. Wir schnappten uns also schnell ein Trycicle und folgten dem Fahrzeug. Da nach einigen Kurven schon wieder einige Leute zustiegen, dauerte die Verfolgung nicht lange und wir konnten zu unserem Gepäck aufs Dach klettern. Angesichts der Vielzahl an Leuten im und auf dem Gefährt war es auch nicht weiter verwunderlich, dass der Fahrer nicht mehr auf weitere Passagiere warten wollte. Nach einer schönen, sonnigen Fahrt erreichten wir nach dem kleinen Fußmarsch wieder das Dorf. Auf dem Weg dorthin bemerkten wir, dass der Weg vom Turningpoint zum Dorf mithilfe dreier Bagger bearbeitet und so ein ganzes Stück breiter gemacht werden sollte.

In Buscalan angekommen trafen wir wieder Theo, der uns ein weiteres mal freudig begrüßte. Aufgrund der Vielzahl an Filipinos und anderer Touristen, die wegen des 1. Mais auf die selbe Idee wie wir gekommen sind, kamen wir in Charlies Homestay schon gar nicht mehr unter. Das war kein Problem, denn so kamen wir in Anna‘s Homestay in Theos und auch Charlies Nachbarschaft unter.

Die weiteren Tage waren nicht sonderlich spektakulär: Wir kochten wieder gemeinsam, halfen verschiedenste Dinge vom Turningpoint nach oben zu transportieren, waren unten am Wasserfall beim Baden und ein wenig im Dorf unterwegs. Dabei konnten wir wieder einige sehr interessante Leute kennen lernen. Wie bereits gesagt, waren aber wahnsinnig viele Leute da, was das Ganze etwas unentspannter machte. Die Dorfbewohner hatten alle Hände voll zu tun, alle Homestays waren bis auf des letzte Bett ausgebucht, jeden Tag kamen neue Touristengruppen ins Dorf, es wurde fast rund um die Uhr und überall tätowiert. Wir machten uns am Sonntagnachmittag dann schon wieder auf den Heimweg und waren Montag früh morgens wieder in Manila. Dadurch hatten wir noch genug Zeit, um uns für die Graduation der älteren Schüler und damit Highschool-Absolventen aus dem Center auszuruhen, die am frühen Nachmittag beginnen sollte.

Neben der Graduation war ein weiteres Highlight in den letzten Wochen die Segnung des Centers in Payatas, das Anfang das Jahres renoviert und umgebaut wurde. Neben einem größeren Klassenzimmer im Obergeschoss inklusive einer Toilette wurde im Untergeschoss ein abgeschlossenes Zimmer für die Küche eingerichtet. Der Unterricht mit meinen Kindern nimmt soweit seinen gewohnten Lauf, die Sommerhitze erschwert diesen allerdings etwas. Zum einen sind die Kinder etwas anders drauf und häufig etwas überdreht, zum anderen machen fast alle Kinder einen Mittagsschlaf, weswegen ich die Stunden am Nachmittag manchmal absagen muss.

Viele Grüße aus Manila

Jakob

Weg aus dem Alltag

Wie ein kleines Europa – Urlaub auf Sansibar

Im Januar haben wir mit Greta und Francesca, den beiden MaZlern aus Uganda, Urlaub auf Sansibar gemacht. In Dar es Salaam wollten wir die beiden dann vom Busbahnhof abholen. Doch wie so oft in diesem Jahr hat sich die Planung hier etwas schwierig gestaltet. Die erste Info war: Sie kommen um zwei Uhr in der Nacht an, was uns schon etwas seltsam vorkam, aber man weiß ja nie. Irgendwann ist uns dann in den Sinn gekommen, dass sie vermutlich in der „Tansanischen Zeit“ um zwei ankommen. Das heißt auf deutsch so viel wie acht Uhr morgens (In Tansania beginnt man nämlich mit der ersten Stunde des Tages das rechnen. Somit ist sieben Uhr die erste Stunde). Als wir dies jedoch feststellten, gab es noch das kleine Kommunikationsproblem, weil sie mittlerweile schon die Landesgrenze überschritten hatten und somit nicht erreichbar waren, weil sie ja nur eine ugandische SIM-Karte hatten. Aus dem acht Uhr morgens am nächsten Tag wurde dann doch drei Uhr nachmittags und wir waren alle froh, als wir uns in die Arme nehmen konnten.

Auf Sansibar hatten wir eine schöne und erholsame Zeit. Wir waren überrascht… so unglaublich viele Touristen!!! Und auch so viele Deutsche. Es war sehr ungewohnt, sich mit so vielen Menschen auf Deutsch unterhalten zu können! 😀 Und, dadurch, dass so viele deutsche Touristen auf Sansibar Urlaub machen, können auch erstaunlich viele Sansibarer deutsch sprechen. Beispielsweise haben wir unsere Gewürztour auf deutscher Sprache gemacht. Was dort auch ziemlich lustig für Philo und mich war, dass niemand erwartet hat, dass wir Kiswahili sprechen können.

 

Zwischenseminar

Im Februar hatten wir dann eine Woche Zwischenseminar in Dar es Salaam. Organisiert wurde das Seminar von den Spiritanern. Die Leiter waren ehemalige Freiwillige und Pater Gasto. Wir waren insgesamt 24 Freiwillige aus Tansania, Kenia, Ruanda und Sambia von verschiedensten Entsendeorganisationen. Somit waren wir eine buntgemischte Gruppe und es war unglaublich interessant, was jeder so in dem halben Jahr erlebt hat. In dem Seminar ging es hauptsächlich darum, sich auszutauschen, über Probleme im Projekt zu reden und sich gegenseitig Tipps zu geben. Es war faszinierend, wie die Gruppe innerhalb so kurzer Zeit zusammengewachsen ist, obwohl die meisten sich davor noch gar nicht kannten. Man konnte wirklich mit jedem offen reden und es wurde nie langweilig. In dem Seminar haben Philo und ich auch wieder einmal festgestellt, wie viel Glück wir mit unserer Einsatzstelle haben und auch, dass wir uns so unglaublich gut verstehen… wir haben immer was zu lachen. Wir hatten auch eine „open space“ Einheit, was mir persönlich sehr gut gefallen hat. Was bedeutet: wir, die Freiwilligen, überlegen uns Themen, über die wir reden wollen. Und es konnte wirklich jedes Thema gewählt werden… es ging von Projektspenden, Unterrichtsmethoden, als Weißer in Tansania, Frauen in Tansania bis hin zu Kleidersucht, wo wir uns über verschiedene Kleiderschnitte ausgetauscht haben, oder Kinderlieder. Das schöne beim Open space ist, dass man sich aussuchen kann wo man hingeht, zu jeder Zeit die Gruppe wechseln kann und es egal ist, wenn man Schlussendlich bei einem komplett anderem Thema landet. Wir haben auch verschiedene Methoden zur Konfliktlösung gelernt. Uns den Film „Blickwechsel“ angeschaut, welcher zeigt, was die Menschen im Einsatzort von den Freiwilligen denken und vieles mehr. Am letzten Abend wurde ein bunter Abend veranstaltet, was unglaublich viel Spaß gemacht hat. Die Teamer haben uns am Ende mit einem Schoko-Fondue überrascht, worüber wir uns alle wie kleine Kinder gefreut haben und so viel wie nur möglich gegessen haben! Somit war die Seminarwoche auch wieder total schnell vorbei und jeder von uns hat viel zum nachdenken mitgenommen!

 

Mit einem Gast zurück in Mkuranga

Eine der Freiwilligen, Jessica, hat kurzerhand entschlossen, nach dem Seminar mit nach Mkuranga zu fahren. Für fünf Tage war Jessica bei uns mit dabei, hat im Kindergarten die Kinder beschäftigt und auch bei Philos Arbeit vorbeigeschaut. Und wir haben festgestellt: es ist tatsächlich auch möglich, in  unserem eh schon relativ kleinem Zimmer auch zu dritt zu schlafen! 😀 Als jedoch am letzten Abend eine Maus in unserem Zimmer war, wurde uns das dann doch zu eng und wir haben Brother Jeremiah mit unseren Schreien aus dem Schlaf gerissen, damit er uns hilft. Mit einem großen Stock gerüstet kam er dann in unser Zimmer… blöderweise hat sich die Maus aber in der Zwischenzeit wieder sehr gut versteckt und wir haben sehr lange gebraucht, um sie zu finden. Dann hat Brother Jeremiah auch noch Brother Michael um Hilfe gebeten. Jessica und ich haben aus sicherer Entfernung (draußen) beobachtet, wie Philo und die zwei Brüder die Maus in unserem Zimmer gejagt haben. Nach ca zwei Stunden haben sie die Maus endlich erwischt und wir konnten in unser nun sehr verwüstetes Zimmer zurück und erst einmal aufräumen… Beim Frühstück hat man gemerkt, dass alle eine unruhige Nacht hinter sich hatten… wir wegen der Maus, die zwei Brüder wegen der Jagdaktion und die anderen wegen unseren schreien. Ja, wir halten unsere Brüder und Pfarrer in Mkuranga immer auf trapp! 😀

Liebe Grüße XOXO

Mein dritter Rundbrief

Hallo zusammen,

Inzwischen ist bei uns der Winter mit seinen angenehmen 25-30° C schon wieder vorbei und der Sommer naht mit großen Schritten. Das macht sich mit stetig steigenden Temperaturen sowie steigender Luftfeuchtigkeit bemerkbar. Die Sommermonate sind hauptsächlich April und Mai.

Abgesehen vom Temperaturumschwung hat sich wieder viel getan in den vergangenen Wochen:

Zwischenseminar in La Libertad

Zunächst einmal fand Ende Januar beziehungsweise Anfang Februar unser fünftägiges Zwischenseminar im Ort La Libertad auf der Insel Negros statt. Diese wird zu Visayas, der mittleren der drei großen Inselgruppen, gezählt. Zusammen mit 13 weiteren Freiwilligen, die einen Einsatz in den unterschiedlichsten Teilen der Philippinen absolvieren, verbrachten Moritz, Simon und ich das Seminar unter der Leitung von zwei Betreuern, die beide auch schon über längere Zeit auf den Philippinen gelebt und gearbeitet haben, mit verschiedenen Einheiten rund um unseren Einsatz. Nach dem Kennenlernen der gegenseitigen Einsatzstellen und dem Austausch von dort gemachten Erfahrungen, drehten sich die Einheiten vor allem um die kulturellen Unterschiede, worauf ich aber später noch genauer eingehen möchte. Zusätzlich konnten wir für unsere Arbeit mit den Kindern noch einige Anregungen und Tipps mit nach Hause nehmen. Des Weiteren stand noch ein persönliches Gespräch mit einem der Betreuer über unser Befinden an, um dieses dann unserer Organisation zurückzumelden.

Das Resort, in dem wir untergebracht waren, wird vom Ort La Libertad betrieben und ist eine Art Gemeinschaftsprojekt, das auf der Mithilfe einiger Leute aus den verschiedenen Ortsteilen und Dörfern basiert. Am Donnerstag hatten wir dann auch die Möglichkeit, den Bürgermeister, eine wirklich interessante Persönlichkeit, kennen zu lernen. Er lud uns spontan für einen Tagesausflug zu einer nicht allzu weit entfernten Sandbank ein, auf der die Gemeinde einige Häuser auf Stelzen über dem Wasser an Gäste vermietet. Dort war für Verpflegung reichlich gesorgt: neben Banana cue, Kamote (Süßkartoffeln, beides wird zunächst frittiert und danach durch darüber gegebenen und karamellisierenden Zucker gesüßt), frischer Buko und Bier ergab sich für uns die Möglichkeit, frische Seeigel und Austern zu probieren. Auf der Sandbank bot sich neben dem Schwimmen außerdem eine gute Gelegenheit, um zu Schnorcheln. Dort konnten wir neben Fischen und Seeigeln auch Seesterne finden. Abgerundet wurde unser Tag zurück im Resort dann mit einer Einladung zu Lechon, ein Spanferkel, das der Bürgermeister extra für uns zubereiten ließ, und danach zum Karaoke, welches bei den Filipinos überaus beliebt ist.

Auftritt im Music Museum

Des Weiteren fanden unsere Theaterproben ihren Höhepunkt in der Aufführung im Music Museum. Nach einer Critic ́s Night und einem Auftritt in Cavite, einem Konvent der Salvatorianer in Tagaytay City, sowie weiteren etlichen Proben ging dann am 24. Februar unsere Hauptaufführung im wahrsten Sinne des Wortes über die Bühne. Wir trafen uns bereits am frühen Morgen zum Schminken und zum Kostüme anprobieren, am Nachmittag standen dann ein Durchlauf mit Kopfbügelmikrofonen und allem Drum und Dran auf dem Spiel, bevor ab 19 Uhr die Zuschauer den Saal betraten. Darunter befand sich ein ganz besonderer Gast, nämlich eine Dame, die schon bereits zweimal als „National Artist“ für Theater nominiert wurde. Gegen 20 Uhr begann dann die Aufführung, welche zu unserer vollen Zufriedenheit verlief. Angesichts der Zahl an verkauften Tickets ist davon auszugehen, dass auch der eigentliche Zweck, Spenden für die Organisation zu generieren, erfüllt ist.

Program evaluation in Nasugbu

Vergangene Woche reisten dann das gesamte Personal aus beiden Centern unter der Leitung von Sister Frances und Sister Mila nach Nasugbu zur „Program Evaluation“. Nach der Ankunft am Dienstag in einem sehr schönen und großen Wochenendhaus, das uns eine mit den Salvatorianern befreundete Familie zur Verfügung stellte, drehte es sich die darauffolgenden Tage um die einzelnen Programme von Puso sa Puso: Welche Ziele aus vorangegangenen Plänen wurden erreicht? Welche Neuerungen oder Veränderungen gab es? Wie sieht es mit Plänen für die Zukunft aus? Dabei wurde natürlich auch unser Programm, das „Basic Home Base Tutorial Programm“ unter dem Namen „Eskwelahan ng Buhay“, unter die Lupe genommen und wir konnten unsere Sicht auf die Dinge teilen. Zudem machten wir uns über „non measurable benefits“ Gedanken, also welche Vorteile die Teilnehmer der verschiedenen Programme von Puso sa Puso haben, die nicht beziffert und gemessen werden können.

Zwischen unseren Meetings blieb natürlich immer wieder Freiraum fürs Kochen und gemeinsame Essen, Entspannen oder am Strand oder im Pool schwimmen gehen. Am Donnerstagnachmittag machten wir uns dann wieder auf den Rückweg. Dieser führte uns über den Konvent der Salvatorianer in Cavite, in dem wir eingeladen waren, eine Nacht zu verbringen. Es war schön, mit den dortigen Patern und Schülern ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen. Am nächsten Morgen traten wir dann den letzten Teil unserer Rückreise an, der uns über einige schöne Aussichtsplätze und Attraktionen, wie zum Beispiel den People‘s park in the sky oder Sonya‘s Garden führten, bei denen wir dann jeweils einen kleinen Stopp einlegten. Eine ganz wichtige Station, die bei den Filipinos auf keiner Reise fehlen darf, war dann auch noch das „Pasalubong-Center“. Als „Pasalubong“ bezeichnet man ein Mitbringsel von seiner Reise für Freunde und Familie zuhause. Dies kann von lokalen Essensspezialitäten bis hin zu Schlüsselanhängern alles Mögliche sein.

Abgesehen von diesen außerplanmäßigen Aktivitäten nahm natürlich der Unterricht mit den Kindern ganz normal seinen Lauf. Diese machen weiterhin Schritt für Schritt ihre Fortschritte. Mit dem Alphabet sind wir schon ein ganzes Stück weiter. Ich versuche natürlich während meinen Stunden die bisherigen Inhalte immer wieder zu wiederholen. Auch in anderen Bereichen merke ich deutliche Veränderungen, beispielsweise ihr Verhalten gegenüber den anderen Schülern.

Zu erwähnen ist außerdem noch Lorenz, ein Besucher aus München, der drei Wochen hier auf den Philippinen weilte, um sich Puso sa Puso genauer anzuschauen. Zwei Wochen verbrachte er jetzt hier mit uns in Manila, bevor es für ihn für die Karwoche nach Cavite weiterging.

Kulturelle Unterschiede

Wie angesprochen behandelt dieser Rundbrief die kulturellen Unterschiede, über die wir uns bei unserem Zwischenseminar ausgetauscht haben. Was man sich da zunächst einmal bewusst machen muss, ist die Existenz der anderen Kultur und die damit verbundenen unterschiedlich geprägten Ansichten. Eine unserer Einheiten, die das wunderbar darstellte, lief folgendermaßen ab: Zwei telefonierende Freunde sollen sich anhand einer Karte einen Weg durch eine Stadt bahnen. Allerdings hat Freund A eine Karte mit Beschriftungen, Freund B eine Karte ohne Beschriftungen. Der Clou an der Geschichte war, dass die Karten spiegelverkehrt waren, sprich ein Gesprächspartner redet die ganze Zeit von etwas, was für den anderen nicht klar ersichtlich ist, weil es sich für ihn auf der anderen Seite der Karte befindet. Solange man das nicht realisiert hat, führt das zu sehr viel Verzweiflung und Aufregung und man beginnt, alles Mögliche, auch sich selbst, zu hinterfragen. Wenn man allerdings realisiert hat, was der Unterschied zwischen beiden Karten ist, lässt sich die Aufgabe recht schnell lösen. Im übertragenen Sinne bedeutet das also, dass man sich zunächst einmal darüber im Klaren sein muss, dass die Kultur vor Ort Unterschiede zur eigenen aufweist und man nicht von den gleichen Gegebenheiten ausgehen kann. Hat man dies erst einmal verstanden, so kann ein guter Austausch erfolgen. Wichtig ist allerdings, so unsere Betreuer, seine eigene Kultur nicht komplett für die andere aufzugeben, da so kein Austausch entstehen könne.

Ein prägender kultureller Unterschied ist zunächst einmal das Zeitgefühl: Wir, die Deutschen, getaktet wie ein Uhrwerk und stets um genaueste Pünktlichkeit bemüht, gegenüber den Filipinos mit ihrer „Philipino time“, welche bedeutet, dass der Treffpunkt nicht auf eine präzise Minute beschränkt ist, sondern diese Minute und außerdem noch weitere eineinhalb Stunden umfasst. Das sind jetzt natürlich nur übertriebene Stereotypen, es gibt selbstverständlich auch hier sehr pünktliche Leute und auch Deutsche wie mich, die bei Weitem nicht zu den Pünktlichsten gehören. Dennoch ist dieser Unterschied hier nicht zu vernachlässigen, gerade bei der Planung gewisser Events. Verstärkt wird dieser Faktor hier in Manila vermutlich noch durch die Verkehrssituation.

Einen weiteren Unterschied stellt der Umgang mit Konfliktsituationen dar: während sich die Deutschen ihren offenen Umgang und das direkte Ansprechen von Problemen und Differenzen geloben, halten die Filipinos sich eher an die indirekte Kommunikation. Ein Problem (oder auch Kritik) wird über eine andere Person mitgeteilt, die im Prinzip als Mittelsmann fungiert.

Des Weiteren nimmt bei Filipinos die Familie einen anderen Stellenwert ein, als wir es hier in Deutschland schon vielerorts gewohnt sind. Die Familie ist der zentrale Dreh- und Angelpunkt im Leben. Die Familie umfasst allerdings nicht nur die Geschwister, Eltern und Großeltern sondern alles bis hin zur Großtante und Großcousine.

Wie ich schon selbst erfahren habe, können derartige Unterschiede leicht zu Verwirrung oder Missverständnissen führen, helfen aber nichtsdestotrotz, die Kultur besser zu verstehen.

Für uns steht in der kommenden Karwoche jetzt auch erst einmal nichts mehr Schultechnisches auf dem Plan. Daher sind Simon und ich am Sonntagabend mit Peter losgezogen und haben uns auf eine weitere Reise begeben, von der ich dann in meinem nächsten Blogeintrag berichten kann. Ich hoffe, Ihr konntet schöne und erholsame Kar- und Ostertage mit euren Familien verbringen!

Viele Grüße aus Manila

Jakob

Neue Orte, neue Geschichten: unser Urlaub

Mambo !

Heute möchten wir euch von den Erlebnissen erzählen, die wir während unserer Reise von Ende Dezember bis Anfang Februar sammeln durften.

Am 28. Dezember ging es mit dem Bus aus Alenga nach Kampala los. Das war direkt ein nervenaufreibendes Spektakel für unsere deutschen Herzen:
In Alenga hatte der Bus eine Stunde Verspätung und wir hatten uns schon fast darauf eingestellt, dass wir erst am nächsten Tag fahren werden, als er dann doch noch kam und uns sechs Stunden später im New Taxi Park Kampalas absetzte. Wir waren ziemlich mit Gepäck beladen und wollten nun eins der sehr günstigen öffentlichen Taxis (zugelassen auf 14 Personen, beladen stets mit mehr) in die Richtung unserer Unterkunft bei den Combonis nehmen. Dafür muss man in Kampala in den Old Taxi Park. Da wir uns mit dem Weg nicht ganz sicher waren, fragten wir unseren Busfahrer um Hilfe. Dieser schickte uns mit seinem Freund los. Auf dem Weg beobachteten wir, wie ein Mann einen auf dem Boden schlafenden Mann ausraubte. Er durchsuchte vor den Augen aller seine Taschen und niemand unternahm etwas dagegen, auch wir waren nicht mutig genug. Außerdem öffneten im Gedränge zwischen vielen Menschen, hupenden Autos, Verkaufsständen und aufdringlichen Verkäufern einige Männer unsere Rucksäcke und zogen uns an ihnen zurück. Passiert ist uns aber zum Glück nichts und wir kamen  heil bei den Combonis an. Fest steht, dass Kampala eine anstrengende und überfordernde Großstadt sein kann, wenn man sich nicht gut genug auskennt.

Erster Stop: Entebbe

Silvester verbrachten wir in der am Viktoriasee gelegenen Stadt Entebbe. Dort fanden wir durch unser Hotel schnell einen ugandischen Freund, der Lust hatte mit uns in den nächsten Tagen die Stadt zu erkunden, uns Orte zu zeigen und mit uns ins neue Jahr zu feiern. Also trafen wir uns mit einigen seiner Freunde in einem wirklich coolen Club und es wurde eine lustige Tanznacht. Leider wurde Francesca kurz vor Schluss das Handy geklaut, wie es eben auch so oft in Deutschland im Club passiert.

Dennoch verbrachten wir sehr schöne Tage in Entebbe, besuchten die Botanical Gardens, die Ankunftsstelle der ersten katholischen Missionare in Uganda und das Wildlife Education Centre (WEC). Das WEC ist dafür gedacht, dass einheimische Familien, die sich die hohen Nationalparkgebühren nicht leisten können, auch in Kontakt mit der Tiervielfalt ihres Landes kommen. Leider sind die Gehege, insbesondere für Löwen, Geparden und Schlangen, viel zu klein und nicht sehr gut gepflegt, also taucht hier die Problematik vieler Zoos auf.

Außerdem fuhren wir an den Strand, wo uns sofort die Unterschiede zwischen ländlicher Gegend und der Stadt auffielen. Während in Alenga jede Frau sehr darauf bedacht ist, ihre Knie nicht zu zeigen, sahen wir in Entebbe und gerade am Strand viele Uganderinnen mit kurzen Röcken, Tops und Bikinis. Da merkten wir so richtig, wie uns unsere Umgebung prägt, so viel freie Haut hat uns erstmal geschockt.

An unserem letzten Tag dort machten wir einen Tagesauflug nach Jinja. Jinja ist die zweitgrößte Stadt Ugandas, in der auch viele Menschen indischer Herkunft wohnen. Dort bewunderten wir den Nilursprung und den riesigen Markt im Zentrum der Stadt, auf dem es eine unfassbare Auswahl an Obst, Gemüse und Gewürzen gibt.

Ugandas paradiesische Süßwasser Karibik: Die Ssese-Inseln

Wir verbrachten sechs wunderbar entspannte Tage auf der Hauptinsel der aus 84 Inseln bestehenden Inselgruppe. Wir nutzen die Zeit für Tage am Strand, Spaziergänge durch die Stadt, eine Besichtigung der Höhle des Buganda-Königs, eine aufregende Waldwanderung auf eigene Faust an einen einsamen Strand und eine Bootsfahrt zur „Virgin Island“. Dort sahen wir aus einigen Metern Entfernung ein Krokodil, viele bunte und interessante Vögel und auch sonst beeindruckte uns die unangerührte Flora und Fauna sehr.

Außerdem entschieden wir uns auch für eine Fahrradtour. Dafür liehen wir uns die Mountainbikes eines Freundes, die vielversprechender aussahen als sie waren, und eine grobe Karte der Insel, auf der wir den westlichsten Punkt der Insel als unser Ziel entdeckten. Dort angekommen sind wir leider nie… Erst mühten wir uns einige Stunden auf den Bergen der Insel ab und dann verloren wir den Weg komplett und machten einen kurzen Abstecher in den dichtbewachsenen Palmenwald. Dort überkam uns auch eine Schreckminute, als ein großes Tier direkt neben uns von einer Palme sprang, weshalb wir uns fix wieder auf die Räder schwangen und auf den Rückweg begaben.

Auf dem Weg zurück kamen wir bei „Bery´s Place“ vorbei. Dort nimmt ein deutsch-belgischer Krankenpfleger junge Mädchen zwischen 5 und 22 Jahren auf, die beispielsweise AIDS- Waisen oder Opfer von häuslicher Gewalt oder Missbrauch geworden sind. Die HIV- Rate auf den Ssese- Inseln ist erschreckend hoch, ca. 38 Prozent sind laut Studie positiv und nach Berys Vermutungen liegt die Dunkelziffer bei 50 Prozent. Er hat sich zur Aufgabe gemacht, die Mädchen über ihre Rechte aufzuklären, ihnen Bildung zu ermöglichen und auch eine psychologische Betreuung anzubieten. Das Projekt ist sein Lebenswerk und finanziert sich über Sponsoren aus dem Ausland. Uns hat das Projekt und das Gelände direkt am Viktoriasee sehr beeindruckt und inspiriert und durch einige Gespräche mit den Mädchen konnten wir merken, dass auch ihnen das Heim gefällt und sie die Schule genießen und verschiedene Zukunftsträume haben. Wer Interesse an dem Projekt gefunden hat, kann sich auf Berys Website unter www.BerysPlace.org informieren oder ihm eine E-mail an b.glaser@skynet.be schreiben.

Zu Besuch bei Peter: Katende

Auf dem Weg von den Ssese-Inseln nach Kampala blieben wir für eine Nacht bei Peter, einem anderen weltwärts-Freiwilligen, den wir schon während der Vorbereitung in Deutschland kennengelernt hatten.

Er lebt in Katende, einer Kleinstadt im Süden Kampalas, gemeinsam mit einigen Priestern und unterrichtet dort in verschiedenen Schulen Mathematik, Informatik und Deutsch. Uns fiel direkt ein großer Unterschied zu unserem Umfeld auf: Die Schulen Katendes sind teure Privatschulen und eine der Secondary Schools gehört zu den besten 15 Schulen Ugandas. Das Gelände dieser Secondary School war größer, gepflegter und moderner als meine Schule zu Hause. Auf dem Grundstück sahen wir überall Mottos und Denkanstöße für die SchülerInnen, wie zum Beispiel „Keep being a virgin.“(„bleibe Jungfrau“), aber auch „Everyone is equal.“(„Jeder ist gleich“).

Außerdem merkten wir im Austausch mit Peter und den Menschen aus seinem Umfeld auch, dass zwischen dem Süden und Norden Ugandas viele Unterschiede bestehen. Dies sieht man beispielsweise an der Infrastruktur, die im Süden deutlich besser ausgebaut ist. In der Umgebung Kampalas sind weitestgehend alle Straßen geteert und selbst in den kleinen Dörfern besteht eine gute Taxianbindung. Dadurch, dass es im wirtschaftlich starken Süden mehr und bessere Arbeitsplätze gibt, hat ein größerer Teil der Bevölkerung einen festen Job, was auch im äußeren Erscheinungsbild zu erkennen ist, weil z.B. mehr Frauen im Salon gemachte Frisuren aus Kunsthaar haben. In Alenga und Umgebung hingegen leben viele Menschen von Subsistenzwirtschaft und haben keine festen Arbeitsstellen.
Wir verbrachten einen schönen Abend mit Peter und einigen der Priester in einer der zahlreichen Bars Katendes und genossen es, die Möglichkeit zu haben am Abend ausgehen zu können, da das für uns in Alenga so nicht möglich ist.

Next Stop: Tansania

Am Ende einer anstrengenden und nervenaufreibenden 36-stündigen Busfahrt durch einen Großteil von Tansania, auf der maximal fünfminütige Toilettenpausen eingelegt wurden, fielen wir in Dar Es Salaam unseren Freundinnen Philo und Iris in die Arme. Gemeinsam verbrachten wir zwei schöne Tage in Dar Es Salaam. Die Stadt liegt wunderbar am Indischen Ozean und von ihrer Lage profitiert auch die Wirtschaft der Stadt. Ein ganz anderes Großstadtbild zeichnet sich hier ab, als wir es von Kampala gewöhnt sind.

Wir erkundeten unter anderem den riesigen Fischmarkt und stellten uns ein leckeres Picknick zusammen, was wir dann wirklich völlig aus Versehen auf der Polizeimarinestation genossen, auf der Suche nach einem schönen Plätzchen mit Ausblick aufs Meer. Dank unseres überragenden Charmes, Philos und Iris sehr guten Kisuaheli Kenntnissen und eines Mandasis durften wir dann tatsächlich unser Picknick dort zu Ende genießen. Die diensthabenden Polizisten hat der Anblick vier weißer Mädels, die Fisch, Früchte und andere Leckereien verschlingen, offenbar sehr erheitert.

Wo wir aus dem Staunen nicht mehr herauskamen: Sansibar

Zu viert wollten wir uns einige Tage Urlaub auf der Trauminsel Sansibar gönnen. Schon bei der Fährüberfahrt von Dar Es Salaam aus waren wir völlig im Urlaubsglück angekommen und der Wind des indischen Ozeans wehte so richtig durch unser Haar.

Nungwi

Unser erstes Ziel war Nungwi, ganz im Norden der Insel, wo wir uns eine ganz schöne Unterkunft direkt am Strand ausgesucht hatten. Sofort verliebten wir uns in den weitläufigen Strand und das türkisfarbene Meer unter strahlend blauem Himmel. Wie herrlich war es, endlich wieder schwimmen zu gehen, schließlich war das auf den Ssese-Inseln wegen der hohen Bilharziosegefahr im Viktoriasee nicht möglich gewesen.

Doch der Kulturschock holte uns schnell ein: Greta und ich sind es gewöhnt, stets die einzigen Weißen zu sein und davon kann man auf Sansibar wohl kaum sprechen. Überall Touristen und wir mittendrin, jetzt eben auch als Touristen. Wir mussten uns erstmal daran gewöhnen, dass man jetzt auf Deutsch nicht mehr sagen kann was man will, denn die Gefahr, dass es jemand versteht, war ja akut gestiegen. Doch der Schock war schnell überwunden, schließlich waren wir ja auch als Urlauber dort.

Besonderes Highlight in Nungwi war unsere Schnorcheltour nach Memba Island. Die Fahrt mit einem Holzsegelboot war ziemlich stürmisch, so dass doch glatt ein Drittel der Besatzung seekrank wurde. Leider gehörte ich auch dazu, aber mir ging es schnell wieder besser. Trotzdem genossen alle das Schnorcheln sehr: Bunte und vielfältige Fischarten in Korallenriffen, Wasserpflanzen und vieles mehr. Die Krönung war das anschließende Barbecue, was wir auf dem Dach des Schiffes genossen. Es gab Thunfisch, Chapati, Salat und Obst zum satt essen. Wirklich lecker! Die Heimfahrt verlief dann zum Glück auch etwas ruhiger, sodass niemandem mehr übel wurde und alle die Sonne und den Wind des Meeres genossen.
Generell war es für uns alle ein wirkliches Highlight in dieser Woche wieder europäisch essen zu können. Leider auch zu europäischen Preisen, aber Pizza, Pasta, Fisch und Eis genossen wir trotzdem.

Kulturen prallen aufeinander: Stone Town

Zum Abschluss unserer Tage auf Sansibar verbrachten wir auch noch zwei Nächte in der historisch geprägten Hauptstadt. Zuerst machten wir eine Stadttour, bei der wir die Beeinflussung der Architektur durch Araber, Inder und Sansibaris bewundern konnten. Typisch für Stone Town sind die verschiedenen Türstile der Gebäude und die engen, verschlungenen Gassen, die man ansonsten in Ostafrika nicht sieht. Außerdem hatten wir die Chance, den alten Sklavenmarkt der Stadt und das zugehörige Museum zu besichtigen. Das war zutiefst bedrückend, aber auch sehr interessant. Die Anglikanische Kathedrale wurde 1873-1880 von der „Universities Mission“ des bekannten David Livingstone und dem britischen Bischof Edward Steere auf dem früheren Sklavenmarkt erbaut. Als David Livingstone 1856 nach Sansibar kam, begann er politischen Druck auf den Sultan auszuüben, der den Sklavenhandel am 06. Juni 1873 endgültig verbot. Am Standplatz des Altars soll früher der Baum gestanden haben, an dem die Sklaven zum Verkauf angekettet wurden. In den Kellergebäuden besichtigten wir die Räume, in denen ca. 75 Sklaven auf engstem Raum bis zu ihrem Verkauf einquartiert wurden.

Wir sahen außerdem das bekannte House of Wonders (Weltkulturerbe), das das erste Haus in Ostafrika mit Elektrizität und fließendem Wasser war, den Arabischen Fort, den Sultanspalast und die Old Dispensary. Stone Town ist eine kulturell und historisch sehr beeindruckende Stadt und auf jeden Fall eine Reise wert.

Abends lockte es uns auf die beliebten Forodhani Gardens der Stadt, auf denen es alle möglichen Leckereien wie frischen Fisch, sansibarische Pizza, Eintopf und frischgepresste Säfte mit Kokosnuss, Passionsfrucht und Drachenfrucht gibt.
Kurz vor der Abreise machten wir noch das typische Touriangebot mit: Die Spice-Tour. Durch den Einfluss der Araber und Inder ist Sansibar ein Paradies der Gewürze. So bewunderten wir z.B. Vanille-, Zimt-, Pfeffer-, Ingwer-, Muskatnuss-, Kümmel- und Nelkenpflanzen. Wir durften auch alles probieren und zum krönenden Abschluss gab es frischgepflückte Kokosnuss und Prinzessinnenausstattung aus Blättern.

Zu Besuch bei Philo und Iris: Mkuranga

Natürlich wollten Greta und ich auch die Einsatzstelle unserer Freundinnen besuchen und gingen mit ihnen an ihre Arbeitsplätze. Während Iris in einem Kindergarten unterrichtet, arbeitet Philomena in der örtlichen Krankenstation. Die beiden scheinen auch sehr gut in ihrer Einsatzstelle angekommen zu sein und es hat uns viel Spaß gemacht, im Kindergarten für gute Laune und Unterhaltung zu sorgen. Es fiel uns schwer zu sehen, wie hart die Kinder aus erzieherischen Maßnahmen auf Hand und Schulter geschlagen werden und, dass dies zum Alltag gehört, genau wie das vom Lehrer angeleitete Ausbuhen von Kindern durch ihre Mitschüler.
Wir hatten eine wunderbare Zeit zu viert und es war toll, so eine intensive Möglichkeit zum Austausch zu haben. Gerne könnt ihr auch ihren Blog hier auf der Website lesen.

Zwischenseminar in Nairobi

Dieser Austausch ging beim Zwischenseminar weiter. Gemeinsam mit 17 weiteren Freiwilligen aus Uganda und Kenia verbrachten wir eine Woche  in Nairobi. Wir wohnten im Luxusviertel Nairobis bei Benediktinerschwestern und waren überwältigt von den riesigen Villen, der nahegelegenen Shoppingmall und den Bewohner dieses Viertels, schließlich sind wir als Freiwillige in ganz anderen Verhältnissen der Einsatzländer untergebracht. Kurz hatten wir einen Kulturschock, denn es hat sich angefühlt als hätte uns jemand in ein Flugzeug in die USA gesetzt.

Während des Seminars hatten wir die Chance, die bisherigen sechs Monate zu reflektieren, viele wichtige Themen wie z.B. globale Ungerechtigkeit, Gewalt in der Erziehung, politische Situationen der Einsatzländer oder Geschlechterrollen zu diskutieren und auch einen Ausblick auf unsere kommende Zeit hier zu werfen. Diese Gespräche haben uns sehr dabei geholfen, sich an den Sinn des Dienstes zu erinnern und wichtige Informationen aus der Vorbereitung wieder ins Gedächtnis zu rufen. Beispielsweise das Respektieren der Kultur mit gleichzeitigem Austausch über unsere Kulturkreise ohne etwas der deutschen Standards aufzwingen zu wollen. Greta und mir fällt das gerade in Bezug auf die vor Männern knienden Frauen in Alenga sehr schwer. Für uns wirkt es wie eine Erniedrigung der Frau, hier ist es ein Zeichen von Respekt und tief in der Kultur verwurzelt.
Bei diesen komplexen Themen brachen oft kontroverse Diskussionen aus, an denen man merken konnte, dass es nicht leicht ist, sich eine eindeutige Meinung zu bilden, da es viele verschiedene Blickwinkel gibt.

Am letzten Abend feierten wir noch alle gemeinsam in meinen 20. Geburtstag rein, während wir am Tag meines Geburtstags leider den ganzen Tag im Bus saßen auf dem Rückweg nach Kampala.

Zurück in der Heimat

Seit vergangenem Samstag sind wir wieder in unserer neuen Heimat Alenga. Es war wunderbar, hier die vertrauten Gesichter wiederzutreffen, neue Schülerinnen kennenzulernen und wieder im Alltag anzukommen. Inzwischen ist es schon fast als wären wir gar nicht weg gewesen, auch wenn wir unsere Langokenntnisse wieder etwas auffrischen müssen.
Wir können gar nicht fassen, dass schon die Hälfte unseres Einsatzes vorbei ist, die Zeit rast!!! Die kommenden sechs Monate werden wir in vollen Zügen genießen und freuen uns auch schon auf das Osterfest in Alenga und den Besuch unserer Eltern im Mai.

Ausblick auf einen neuen Schlafsaal

Zurück in der neuen Heimat bedeutet auch zurück im Projekt: Jetzt beginnen wir mit dem Bau des neuen Schlafsaals für die Mädchen und möchten uns bei allen Spendern herzlich bedanken. Gerne darf, wer möchte, auch jetzt noch für den Schlafsaal und seine Ausstattung spenden. Wir freuen uns sehr über euer Interesse und eure Unterstützung.

Comboni-Missionare KöR, 73479 Ellwangen

IBAN: DE66 6145 0050 0110 6170 15

BIC: OASPDE6AXXX

Verwendungszweck: MaZ Francesca Cyris (631) Alenga, Uganda

Ich melde mich bald wieder und freue mich auch von euch zu hören!

Ganz liebe und gut erholte Grüße
Eure Francesca

 

Sicherheit (#4)

Hallo zusammen,

Inzwischen schreiben wir schon das Jahr 2018 und, wie sollte es anders sein, es hat sich schon wieder so einiges ereignet.

Nachdem wir unseren Marathon an Weihnachtsfeiern erfolgreich absolviert hatten, hatten wir die Woche vor Weihnachten ab dem 20. Dezember bis hin zum 2. Januar frei. Heilig Abend und den ersten Weihnachtsfeiertag haben wir noch in New Manila verbracht. Am 24. Dezember abends haben wir nach der Kirche zusammen Kässpätzle gekocht und deutsches Bier getrunken. Anschließend haben wir noch eine kleine Bescherung gehabt und den Abend gemeinsam mit einem Freund, der noch zu einem kurzen Besuch vorbeikam, ausklingen lassen. Am 25. Dezember bereiteten wir uns am Vormittag ein paar schöne Schnitzel mit Kartoffelsalat zu. Die Schnitzel waren sehr lecker, der Kartoffelsalat in Ordnung, aber auch noch ausbaufähig. Wir haben dann eben doch nicht so viel Erfahrung wie unsere Mamas und Omas… Den Abend des 25. Dezembers haben wir dann noch mit einer kräftigen Brotzeit abgeschlossen, die wir dank einiger Wurst, die ich aus dem Ries noch hatte und welche zu viel für die Gastgeschenke war, in vollen Zügen genießen konnten. Mit von der Partie war unser Freund Peter, mit dem wir uns noch am selben Abend auf die Reise begaben.

Alles in Allem hatte ich mir Weihnachten ohne meine Familie viel schlimmer vorgestellt, aber mit Moritz und Simon habe ich doch ein ganz schönes Fest gehabt. Vielleicht liegt das auch daran, das es einige Dinge gab, welche an die bisherigen Weihnachtsfeste erinnert haben: wie jedes Jahr habe ich wieder viel zu viel gegessen und war nach jedem Mahl einfach nur babbsatt, das Essen und das Bier waren deutsch, was vielleicht noch viel mehr an Weihnachten zu Hause erinnert hat.

Wie bereits gesagt zogen wir noch direkt am Abend des 25. Dezembers los und kamen noch vor dem Morgengrauen des 26. Dezembers in Alaminos in der Nähe von den Hundred Islands in der Provinz Pangasinan an. Wir verbrachten die Tage dort gemeinsam mit Jan, einem deutschen Freund von Peter, bei Peters Tante. Wir sind in der gemeinsamen Zeit dort immer zusammen auf dem Markt zum Einkaufen gegangen und haben viel zusammen gekocht. Für einen Tag sind wir in der Nähe zu einem sehr idyllischen und wahnsinnig schönen Wasserfall gefahren. Das Wasser dort hat mich wegen der Farbe ganz stark an die Plitvicer Seen erinnert, auch die Umgebung war etwas ähnlich. Wir konnten dort baden und einige Zeit an diesem schönen Ort verweilen, bevor es wieder zurück nach Alaminos ging.

Am nächsten Morgen machten wir uns schon sehr früh daran, zu kochen und das Essen einzupacken, denn es sollte schon bald losgehen in den Hafen und von dort weiter zum Islandhopping bei den Hundred Islands. Die Hundred Islands sind ein großer Nationalpark und umfassen ein riesiges Areal von vielen vielen Inseln in unterschiedlichster Form und Ausprägung. Einige der Inseln sind noch so gut wie unberührt, wohingegen andere schon einige Häuser und Dinge wie eine Seilbahn haben, welches den Touristen dient. Mit unserem Bootsmann, der uns über den Tag begleitete und von Insel zu Insel brachte, haben wir auch zunächst zwei Inseln dieser Art besucht, welche wirklich sehr schön, aber von sehr vielen Leuten frequentiert waren. Auf einer konnten wir auf einen kleinen Berg laufen, von welchem sich uns ein wirklich guter Blick auf die wahnsinnig schöne Umgebung bot. Auf einer der Inseln, welche wir bei unserer Fahrt passierten, stand eine riesige Jesus-Statue aus Stein, ähnlich wie die in Rio de Janeiro. Andere Inseln, so erklärte uns Peter, werden aufgrund ihrer Gestalt von den Leuten mit Tieren wie beispielsweise einer Schildkröte verglichen. Die letzte Insel, die wir aufsuchten, war fernab von den vielen Leuten und wir hatten sie fast komplett für uns allein, so war es auch mit Abstand die beste von allen. Das Wasser dort war wahnsinnig klar und der Strand sehr schön. Auf der einen Seite der Insel waren hohe, bewachsene Felsen, auf denen man ein wenig herum klettern konnte. In der Mitte hatte sich das Wasser einen Weg durch die Felsen gebahnt und lief zu einem flachen, etwas größeren Teich in der Mitte zusammen. Die komplette Insel war von sehr flachem Wasser umgeben, was zum Schnorcheln fast schon wieder zu flach, aber nicht weniger schön war. Wir konnten wieder eine tolle Unterwasserwelt sehen und einige schöne Fische bewundern. Simon konnte außerdem schmerzhafte Bekanntschaft mit einem Seeigel machen, eine dauerhafte Freundschaft wurde daraus aber nicht.

Wir haben dort dann den kompletten restlichen Tag mit Essen, Trinken, Klettern, Schnorcheln und Nichtstun verbracht, bis wir uns dann gegen 17:00 Uhr wieder auf den Rückweg machten. Theoretisch hätten wir auch auf einer der Inseln übernachten können, allerdings darf man dann kein Lagerfeuer machen und außerdem zog es Jan am nächsten Tag in aller Früh schon weiter in die Berge, weshalb wir uns dann doch dagegen entschieden. Im Nachhinein dann vielleicht doch ganz gut, denn von Teacher Althea aus dem Konvent in Loyola erfuhr ich einige Zeit später, dass die Inseln des Nachts ganz gerne von Ratten aufgesucht werden.

Von Alaminos ging es am nächsten Tag auch schon wieder weiter nach La Union. Die ca. 130 Kilometer zogen sich in verschiedenen Bussen ganze sieben Stunden, was etwas nervig war. Wir kamen dann gegen 16:30 in der kleinen Ferienwohnung in La Union, genauer gesagt San Juan, an. In dieser Wohnung hatten wir eine kleine Terrasse mit Blick auf das Meer, was wirklich wunderbar war. La Union ist besonders bei Surfern beliebt, da die Gegend bekannt ist für gute Wellen.

Wir machten uns nach unserer Ankunft erst mal auf nach San Fernando, die nächstgrößere Stadt, um dort einzukaufen. Da die Jeepneys alle voll besetzt waren, fuhren wir per Anhalter auf der Ladefläche eines kleinen Trucks mit. Nach dem Einkauf und dem anschließenden Abendessen ließen wir den Abend und die Nacht noch in einer Bar am Strand ausklingen. Im Laufe der nächsten Tage kamen noch weitere Freunde aus Manila, die zum Teil das neue Jahr mit uns in La Union am Strand verbrachten.

Den nächsten Tag verbrachten wir am Strand und dort konnten wir uns auch erstmals am Surfen probieren. Wie so viele Dinge auf der Welt ist das eine Sache, die viel einfacher und lässiger aussieht, als es wirklich ist. Das beginnt schon damit, die richtige Welle und dann auch noch das richtige Timing zu finden. Alles nicht so einfach, aber ich möchte da auf jeden Fall dran bleiben, wenn es geht.

Am Silvesterabend machten wir uns nach dem gemeinsamen Essen wieder auf an den Strand in die Bar und verbrachten dann die ersten Sekunden des neuen Jahres im Wasser, von wo aus wir ein schönes Feuerwerk bewundern konnten. Nach Mitternacht wurden dann am Strand einige Lagerfeuer angezündet, um die sich viele Menschen versammelten. Der Start ins neue Jahr war dieses Jahr ein ganzes Stück anders, als ich es sonst so gewohnt war, am Strand aber auch wirklich cool.

Am Abend des 1. Januars haben wir uns dann auch schon wieder auf den Rückweg gemacht, was recht flott ging und nach fünf Stunden Fahrt waren wir dann schon wieder in Manila.

Für uns und unsere Kids ging es am 3. Januar dann schon wieder mit dem Unterricht los. Ich habe jetzt angefangen, mit meinen Schülern die ersten Buchstaben des ABCs zu schreiben, was eigentlich schon ganz gut klappt. Auch wenn die Stunden manchmal doch sehr durchwachsen waren, denke ich, dass die Kinder schon einige Fortschritte gemacht haben.

Des Weiteren steht unser Theaterstück „A Midsummernight‘s Dream“ kurz vor seiner Premiere. Um für die letzten Details noch einmal einen Blick von Außenstehenden zu bekommen, wurde vergangenes Wochenende zur sogenannten „Critics night“ ins Konvent geladen. Es kam beispielsweise die Frau, die das Stück adaptiert hat, einige Mitarbeiter von Puso sa Puso und Mitglieder der Salvatorianer sowie einige externe Gäste. Unter der Woche hatten schon 15 Schüler aus Payatas die Möglichkeit, an einem Praktikum teilzunehmen, dass ihnen einen Einblick in die Erstellung von Bühnenbild und Requisiten sowie den Ablauf hinter den Kulissen des Stücks gab, bei dem dann in diesem Zuge die benötigten Dinge für unser Stück hergestellt beziehungsweise die Abläufe geübt wurden.

Diesen Freitag fand dann im Konvent in Loyola noch das „feast of languages“ (zu Deutsch: Fest der Sprachen) statt. Hierbei wurden die Länder Dänemark, Indonesien, Sri Lanka, East Timor, Kenia sowie die Philippinen genauer unter die Lupe genommen, was jene Länder und ihre Sprache(n) anbelangt. Die Vorträge wurden von Teacher Althea, welcher sieben Jahre in Dänemark gelebt hat, salvatorianischen Priestern aus Kenia sowie den Englisch-Schülern in Loyola, die aus genannten Ländern in Südostasien stammen, vorbereitet. Auch wir wurden eingeladen und konnten einen Einblick zu Deutschland und seiner Sprache geben.

Was in der Reihe über den Alltag in Manila auch nicht fehlen darf und was einen immensen Unterschied zu Deutschland darstellt, ist der Aspekt der Sicherheit. Hier in Manila steht vor jeder Bank, jedem Supermarkt, jeder Mall, jeder Bahnstation und vielen anderen Geschäften eine Sicherheitsbeamte oder ein Sicherheitsbeamter, der die Leute kontrolliert. Dafür werden meist die Hüften und der Bauch ein wenig abgetastet, wenn man einen Rucksack oder eine Tasche dabei hat, muss man diese öffnen, damit die BeamtInnen den Inhalt mit einem Stock etwas durchgehen können. Bei den Kontrollen vor dem Zug, dem LRT, mussten wir auch schon Geschenke, die wir eingepackt für die Weihnachtsfeier dabei hatten, auspacken und konnten diese dann nach der Kontrolle wieder dort einpacken. Die Sicherheitskräfte sind mindestens mit einem Knüppel, in der Regel aber mit einer Pistole wenn nicht sogar in einigen Fällen mit schwererem Geschütz wie einem Maschinengewehr oder einer Pumpgun bewaffnet. Wie viel Sinn die Kontrollen durch dieses Personal wirklich ergeben, ist die Frage. Allerdings kann man auf jeden Fall festhalten, dass der Sicherheitssektor einen nicht unbedeutenden Wirtschaftsteil darstellt. Dies manifestiert sich auch in den sogenannten Gated communities. Das sind Siedlungen, die Tag und Nacht von Sicherheitspersonal überwacht werden und in denen gerade die reichere Bevölkerungsschicht lebt.

Des Weiteren sieht man auch im Straßenverkehr häufig gepanzerte Fahrzeuge, die Geld für Geschäfte und Banken von A nach B transportieren. Hin und wieder habe ich auch schon Fahrzeuge der Armee in der Stadt herumfahren sehen.

Generell gewöhnt man sich an dieses Bild eigentlich doch recht schnell. In Deutschland habe ich mich eigentlich eher immer unsicherer gefühlt, wenn beispielsweise bewaffnete Polizisten an einem größeren Bahnhof gesehen habe, weil ich mir gedacht habe: Ei, da muss doch was im Busch sein, die laufen doch hier nicht einfach so umher. Hier ist es inzwischen völlig normal und ich fühle mich nicht wirklich unsicherer deswegen, was ich mich in den Gegenden, in denen ich mich hier in der Metro Manila bewege, eigentlich sowieso nie tue.

Für Moritz, Simon und mich geht es jetzt dann erst mal zum Zwischenseminar auf die Insel Negros in die Nähe der Stadt Dumaguete City.

Viele Grüße aus Manila

Jakob

Von Spontanität und Gastfreundschaft

Hallo liebe Leser,

im Kindergarten sind zur Zeit Ferien und da haben wir kurzerhand entschlossen, verschiedene Häuser der Salvatorianer in Tansania zu besuchen. Wir haben lange überlegt, wo wir unsere Reise beginnen sollen und haben uns dann für die Stadt Masasi im Süden Tansanias entschieden. Dort ist ein großes Haus, wo alle Salvatorianer Brüder Tansanias ihr Gelübte ablegen. Demnach war praktisch schon jedes Mitglied dieses Ordens dort.

Bruder Jeremiah aus Mkuranga hat uns deshalb am Sonntag zur Busstation begleitet, um dort mit uns ein Busticket für den nächsten Tag zu bekommen. Da zur Weihnachtszeit viele Menschen hier Urlaub haben, vor allem sehr viele Schüler, und zu ihren Familien reisen, hatten wir das Pech, dass es keine Tickets mehr gab. Alle haben uns empfohlen, einfach noch einen Tag zu warten, um am Dienstag ein sicheres Ticket zu bekommen. Wir blieben aber stur und wollten trotzdem schon am Montag nach Masasi reisen. Es gibt nämlich Busse, die keine festen Abfahrtszeiten haben, bei denen man mit viel Glück spontan mitreisen kann. Dieses Glück hatten wir nicht. Am Montagmorgen warteten wir seit sieben Uhr voller Hoffnung auf einen Bus nach Masasi, in dem noch zwei Plätze frei waren. Nach fünf Stunden haben wir uns sehr gefreut, als uns mitgeteilt wurde, dass ein Bus mit freien Plätzen auf dem Weg ist. Zu früh gefreut. Kurz vor Mkuranga hatte dieser Bus eine Reifenpanne und der Angestellte der Busstation teilte uns mit, dass dies unsere letzte Mitfahrgelegenheit gewesen wäre. Immer noch stur wollten wir einfach unsere Reise heute starten. Deshalb haben wir kurzerhand beschlossen, nach Morogoro zu fahren, um dort ein anderes Haus der Salvatorianer zu besuchen. In Tansania ist oftmals Spontanität gefragt… 😀 Dort gab es dann keine Komplikationen mehr. Binnen einer halben Stunde war der Bus da und wir sind schnurstracks nach Morogoro gefahren. Bruder Jeremiah hat uns wieder weitergeholfen und uns in besagter Stadt angekündigt.

Gastfreundschaft wird hier groß geschrieben, egal ob man Gäste erwartet oder nicht, es nimmt sich immer jemand Zeit. Um sieben Uhr abends wurden wir von Bruder Daniel von der Busstation abgeholt und zu der Jordan University (Haus der Salvatorianer in Morogoro) gebracht. Auf dem Weg dorthin hat er uns noch zum Essen eingeladen. Wir wurden hier sehr herzlich aufgenommen und auch gleich vom Chef des Hauses begrüßt, wie es hier zu Lande üblich ist. Wir sind immer wieder aufs neue überrascht, wie viel Zeit sich die Brüder für uns nehmen, um uns willkommen zu heißen.

Heute früh haben wir uns dann auf die Suche nach dem Frühstücksraum gemacht. Dabei sind wir auf Bruder Raphael gestoßen, der sich ganze zwei Stunden Zeit genommen hat, um uns den Campus der Universität zu zeigen. In der Jordan University studieren rund 3000 bis 4000 Studenten. Darunter 216 angehende Brüder verschiedener Ordensgemeinschaften. Man kann hier Theologie, Jura und auch Wirtschaft und ähnliches studieren. Das Haus, die Universität und das ganze Gelände sind beeindruckend groß und ungewohnt still, da die Hauptstraße weit entfernt ist. Wir haben uns gefreut, dass unsere Reise, trotz kleinen anfänglichen Schwierigkeiten, doch noch so schön wurde und wir durch all diese Zufälle die Möglichkeit bekommen haben, eine tansanische Universität zu besichtigen.

Wir sind gespannt, wo es uns die nächsten Tage hintreiben wird.

Liebe Grueße aus Morogoro,

Philo und Iris

Das Tricycle (#3)

Hallo zusammen,

Inzwischen ist es schon wieder eine ganze Weile her, dass ich meinen letzten Eintrag geschrieben habe. Es tut mir leid, dass ich euch wiederum so lange auf Neuigkeiten von den Philippinen habe warten lassen müssen. Eine Sache, die ich aber zunächst noch unbedingt erwähnen muss, sind die Orientierungstage für alle Interessierten am MaZ-Programm für den kommenden Sommer. Diese finden am 02.12.2017 beziehungsweise 13.01.2018 in Nürnberg statt. Weitere Details dazu finden sich unter cosamaz.org. Bitte auch gerne im Bekannten- und Freundeskreis Werbung dafür machen und es verbreiten! Dankeschön.

ABC- und Zahlenunterricht mit Dreijährigen

In den letzten Wochen lerne ich die Kinder im Unterricht immer besser kennen und zum Teil auch besser unter Kontrolle zu halten. Dies gelingt natürlich nicht immer, man darf schließlich auch nicht vergessen, dass die Kinder zum Teil erst drei Jahre alt sind und in was für einer Umgebung sie aufwachsen. In diesen Fällen helfen mir die Eltern sehr oft weiter, die mir inzwischen schon viel mehr vertrauen, was sich dadurch bemerkbar macht, dass sie sich im Hintergrund halten oder die Kinder nur zum Unterricht bringen und kaum noch in den Unterricht eingreifen. Derzeit versuche ich meinen Kindern durch Memory die ersten Buchstaben des ABC beizubringen. Ich hoffe, dass sie so die Buchstaben zunächst kennen lernen, was das Schreibenlernen später hoffentlich erleichtert. Ein weiterer fester Bestandteil ist weiterhin das Gebet zu Beginn und zum Schluss der Stunde sowie das Nachfahren von Linien und Ausmalen von Bildern. Durch letzteres soll die Fertigkeit im Stifthalten und Handhaben trainiert werden. Hierbei habe ich auch angefangen, den Kindern beizubringen nach den Stiften höflich zu fragen, bevor sie diese bekommen, was inzwischen schon ganz gut funktioniert. Sowohl beim Memory als auch bei anderen Spielen wie Domino oder bei Puzzles binde ich es immer wieder mit ein, die Kinder etwas zählen zu lassen, um auch die Zahlen im Zahlenraum von eins bis zwanzig zu verfestigen. Da Simon schon vergangene Woche frei hatte, in welcher Moritz und ich gearbeitet haben, während wir diese Woche keinen Unterricht haben und Simon arbeitet, konnte Simon uns beide einen Tag bei unserer Arbeit begleiten und einige Fotos mit uns und den Kindern machen, auf die viele von euch sicherlich schon sehnsüchtig gewartet haben. Ich hoffe, es kann auch einen ganz guten Eindruck in die Stunden mit den Kindern geben.

Probenmarathon und Landerkundung

Weiterhin investieren wir viel Zeit und Mühe in die Tanz- und Theaterproben für das Theaterstück im kommenden Jahr. Die letzten drei Tage hatten wir einen wahren Probenmarathon von morgens bis abends und zudem hatten wir die erste Darbietung der „Rohversion“ vor zwei Personen, die unser Spiel das erste Mal gesehen haben und so konstruktive Kritik üben konnten. Bis zu unserer ersten Aufführung im Februar werden nun die Feinheiten und Details weiter ausgearbeitet und vertieft.

Da wir vergangenen Montag sowie diese Woche frei hatten, nutzten wir die freie Zeit, um uns wieder einige Flecken dieses Landes anzusehen. Zum einen haben Moritz, Simon, einige andere Freunde und ich uns auf die Insel Tingloy zum Masasa Beach aufgemacht. Dort haben wir eine Nacht verbracht und waren die beiden Tage, die wir auf dieser Insel verbracht haben, vor allem am Strand. Der helle Sand sowie das klare Wasser dort waren sehr beeindruckend. Auch die Bootsfahrt zu der Insel war wirklich gut, weil wir um die gesamte Insel zunächst herumfuhren, um auf die Südseite zu gelangen. Auf diese Weise haben wir sehr viel zu Gesicht bekommen.

Als ich einmal auf dem Weg zum Strand war und den Weg an einer etwa drei Meter hohen Felswand entlang lief, fiel plötzlich aus heiterem Himmel eine riesige, schwarze Echse mit gelben Punkten mit einem lauten Klatscher neben dem Weg in den Sand. Das Tier war locker über sechzig Zentimeter lang und ich war genauso erstaunt wie die anderen Leute in der Nähe und als ich wirklich registriert hatte, was passiert ist, war die Echse auch schon wieder zwischen die Felsen geschlüpft und verschwunden.

Atemberaubende Landschaft

In der Nacht auf Sonntag habe ich mich gemeinsam mit Mirko und Tere auf den Weg zur Insel „Cagbalete Island“ zu Teres Tante gemacht. Diese betreibt dort das sehr schöne Resort „Villa Noe Beach“, in dem wir zwei Nächte verbringen konnten. Den ersten Tag sind wir wieder die letzte Strecke mit dem Boot angereist und konnten von diesem aus wieder die wunderschöne Gegend begutachten. Vom Boot aus mussten wir die letzten hundert Meter zum Strand waten, da bereits die Ebbe eingesetzt hatte und das Boot nicht näher an den Strand fahren konnte. Das Wasser dort war wieder wahnsinnig klar, der Sand total hell und überall Palmen mit Kokosnüssen. Am ersten Tag haben wir die Zimmer bezogen und den Strand ein bisschen erkundet. Außerdem haben wir nach Norden durch eine weite Gras- und Waldlandschaft in den kleinen Hafen aufgemacht, um dort etwas zu essen und uns diesen ein wenig anzusehen. Wegen des Regens der Tage zuvor waren die Wege zum Teil unter Wasser gestanden, was das ganze etwas hinauszögerte.

Nachdem wir zurück im Resort waren und mit zurückkommender Flut noch etwas badeten, ging ich auch schon gleich nach dem Abendessen ins Bett, da mir die Tante den Sonnenaufgang empfahl, der zwischen 4:30 und 5:00 Uhr morgens beginnen sollte. Das frühe Aufstehen für diesen hat sich auch wirklich gelohnt, es war wirklich wunderschön, langsam die Sonne hinter den Bergen und über dem Meer aufgehen zu sehen.

Um 7:30 Uhr haben wir uns dann außerdem schon wieder zum sogenannten „island hopping“ aufgemacht. Wörtlich übersetzt heißt das „Insel-hüpfen“ und beschreibt eigentlich ganz gut, was man dabei macht: Man fährt mit dem Boot von Insel zu Insel und schaut sich die sehenswerten Dinge dort an. In unserem Fall waren es nur zwei Inseln, was auch kein Problem und echt toll war. Zunächst haben wir uns eine beeindruckende Felsformation mit einer Höhle angeschaut. Von dort aus war der Plan eigentlich, zu einem Wasserfall zu fahren, aufgrund des starken Wellengangs war dies leider nicht möglich, weshalb wir direkt zum nächsten Strand weitergefahren sind.

An diesem Strand war mit zunehmender Ebbe nicht nur eine riesige Sandbank aus leuchtend weißem Sand sowie glasklares Wasser zu finden sondern auch überall Mangrovenbäume in den unterschiedlichsten Formen und Größen, angefangen von kleinen, aus dem Sand sprießenden Sprossen bis hin zu sehr alten Bäumen mit einem riesigen Wurzelsystem. Aufgrund ihrer Einzigartigkeit stehen die Mangrovenwälder dort auch unter strengem Naturschutz, hat Teres Tante mir erklärt.

Bald darauf machten wir uns auch schon wieder auf den Weg zu der kleinen Stadt am Hafen, um dort etwas zu Mittag zu Essen bevor es einige hundert Meter entfernt von der Küste dann wieder zum Schnorcheln ging. Auch hier gab es, wie beim letzten Mal auch schon, wahnsinnig viele und sehr unterschiedliche Fische und Korallen zu bewundern.

Da Tere und Mirko ihrerseits von der Produktion von kurzen Videos zu bestimmten Reisezielen in den Philippinen leben, könnt ihr hier auch ein Video zu unserem Ausflug finden.

Dieses Mal gehts ums Trycicle

Das nächste Verkehrsmittel, das ich euch im Zuge dieses Eintrags vorstellen möchte, ist das Trycicle. Ein Tricycle ist im Prinzip ein Motorad oder Moped mit einem Beiwagen, das Personen von A nach B transportiert. Je nachdem, in welcher Gegend man sich befindet, fahren diese Fahrzeuge ihre Passagiere über kürzere oder längere Distanzen. Hier in Manila beschränkt sich dies zumeist auf einen bestimmten Stadtteil, den die Fahrzeuge befahren. Je nach Stadtteil variiert dann auch die Farbe der Tricyles. Bei uns in der Gegend beispielsweise sind sie grün, wenn wir in die Arbeit fahren blau oder wenn wir ins Konvent möchten weiß.

In der Provinz legen die Tricycles dann auch oft weitere Strecken zurück. In Baler beispielsweise wurden wir jeweils über eine halbe Stunde zu unseren Ausflugszielen hin und zurück gefahren.

Abhängig von der Zahl der zurückgelegten Kilometer und der mitfahrenden Gäste variiert dann auch der Preis pro Passagier. Auf dem Weg nach Payatas beispielsweise sind es 9 Pesos (ca. 15 Eurocent) pro Person, wenn mehr als fünf Fahrgäste mit von der Partie sind.

Wie genau die Tricycles aufgebaut sind, hängt auch von der Gegend ab, in der man sich gerade befindet. In der Regel ist der Beiwagen des Tricycles eher eine kleine Kabine, zum Teil sogar mit einer Tür. Darin befindet sich eine Sitzbank, auf die sich zwei Leute mit Blick in Fahrtrichtung mehr oder weniger quetschen. Mit Blick zur äußeren Straßenseite sitzt dann in er Regel noch eine weitere Person im Innenraum auf einer schmalen Sitzfläche. Zum Teil haben die Tricycles hinter der Kabine dann auch noch eine Ablage für Gepäckstücke angebracht, was ich sehr praktisch finde, gerade, wenn man mit etwas mehr unterwegs ist. In der Provinz habe ich auch schon Tricycles gesehen, die nach hinten offen waren und eine weitere Sitzbank dort hatten, sodass die Passagiere im Prinzip Rücken an Rücken sitzen. Es kommt auch manchmal vor, dass sich ein Fahrgast, der noch mit möchte, hinten auf die Kabine stellt und dort mitfährt.

Hinter dem Fahrer sitzen dann normalerweise noch zwei weitere Personen quer zur Fahrtrichtung. Damit diese ein wenig mehr Platz haben, sind an die meisten Tricycles noch eine Verlängerung der Sitzbank hinzugefügt. Zusammen mit dieser Verlängerung ist zumeist auch das Dach über dem Fahrzeug angebracht, manchmal sieht man sogar noch eine daran angebrachte Frontscheibe für den Fahrer.

Falls es regnen sollte, hat in der Regel jeder Fahrer einige Planen dabei, die er dann am Dachgestell befestigt, um sich und die Passagiere hinter sich vor dem Gröbsten zu schützen.

Neben der Funktion des Transports von Passagieren werden Trycicles zum Transport von allen möglichen Dingen im Alltag verwendet, dann besteht der Beiwagen meist aus einem Gestell, das die zu transportierenden Dinge besser fasst. Oft werden sie genutzt, um Trinkwasserkanister oder Gasflaschen zu transportieren, man sieht aber auch alle möglichen anderen Dinge wie zum Beispiel Metallstäbe darauf herumfahren.

Meiner Meinung nach sind Trycicles sehr oft ziemlich eng und unbequem, was vermutlich aber auch an meiner Körpergröße und daraus resultierenden Schwierigkeiten liegen mag.

Viele Grüße aus Manila

Jakob

Den Rhythmus fühlen

Die allermeisten von uns haben irgendwann in ihrem Leben schon einmal einen Tanzkurs besucht und wissen daher auch ungefähr, wie man das Tanzen in Deutschland beigebracht bekommt. Man erlernt erst einen Grundschritt, dann vielleicht ein paar Figuren und der Takt wird eingezählt solange bis es sitzt. Am Wochenende vom 8. Auf den 10. September 2017 wurde mir auf die Frage, wie ich denn zu tanzen hätte, geantwortet, ich müsse mich einfach zum Rhythmus der Musik bewegen.
Marlene und ich hatten nämlich an dem besagten Wochenende die Möglichkeit bekommen bei der Feier der Patronin des Dorf namens Apata in der Nähe von Jauja mitzutanzen. Die Dorfpatronin ist die Virgen Navitad de Cocharcas, also eine der vielen Varianten der Jungfrau Maria in Peru. Ermöglicht wurde uns dies durch Aracelly, die ebenfalls in Lima wohnt, deren Familie jedoch aus Apata stammt. Sie ist die Cousine meiner Spanisch-Tandempartnerin und inzwischen auch eine gute Freundin.

Die Anreise und unsere ersten Schritte auf 3300 Metern
Unsere Reise begann Donnerstagnacht in Lima mit Cruz del Sur. Zu Cruz del Sur ist zu sagen, dass man für einen relativ guten Preis (Rund 80 Soles; das entspricht rund 20 Euro) sehr komfortabel reist. Aracelly hat uns diese Busgesellschaft empfohlen, da der Weg in die Berge häufig schwieriger ist als zurück und durch Sauerstoffanreicherung im Bus sind die Auswirkungen der Höhe geringer, sodass keiner von uns an allzu starker „soroche“ litt. So nennt man hier die Höhenkrankheit und sie macht sich unter anderem durch starke Kopfschmerzen, Kreislaufschwäche und Übelkeit bemerkbar.
In bequemen Sitzen, einer kleinen Filmauswahl und einem Busservice mit Getränken und Essen, waren wir rund sieben Stunden auf dem Weg nach Jauja. Da es die gesamte Zeit über dunkel war, konnten wir von den sich auftürmenden Bergen nur wenig sehen, sodass wir die Zeit nutzten um uns auszuschlafen.
Als dann schließlich die Sonne aufging, konnten wir zum ersten Mal die Landschaft von Jauja bewundern. Tatsächlich überragten die Gipfel der umgebenden Berge uns nicht so sehr, wie man es zum Beispiel von den Alpen kennt, da die lokalen Flüsse große Ebenen zwischen den Bergrücken geschaffen haben. In Jauja angekommen, machten wir nach langem Sitzen unsere ersten Schritte und ich war erstaunt, dass abgesehen von einem leichten Schwächegefühl, das mich auch den restlichen Tag über begleitet hat, nicht viel von der Höhe zu spüren war. Der Bruder von Aracelly, der am vorigen Tag bereits mit seiner Familie angereist war, holte uns ab und brachte uns nach Apata zu dem Haus seiner Großmutter. Dort konnten wir eine Kleinigkeit frühstücken und legten uns danach noch ein bisschen Schlafen um fit zu sein für das Fest am Nachmittag.
Viele Häuser in Apata sind ähnlich in ihrem Aufbau: Es gibt normalerweise einen kleinen Innenhof, in dem sich häufig die Küche in einem überdachten Teil befindet. An den Hof schließen sich rundherum mehrere Zimmer an, in dem die Mitglieder der Familie wohnen. In unserem Fall befanden sich alle Zimmer in einem zweiten Stockwerk und es gab eine weitere kleine Küche in einem der Zimmer.
Unterschiede zu Lima gibt es vor allem auch in dem Material aus dem die Häuser gebaut werden. Während die meisten Häuser in Lima, sowie das Haus von Aracellys Großmutter, aus Ziegelsteinen aufgebaut werden, gibt es in der Region um Jauja auch Häuser, die aus verdichteter Erde bestehen. Damit die Wände stabil genug sind, wird die Erde vorher mit Holzfasern und Steinen vermischt und gebaut wird nur im Winter, weil es dann weitestgehend trocken bleibt. Um alles vor dem Regen zu schützen, werden die Häuser mit Tonziegeln gedeckt und die Dächer ragen etwas über die Außenwände hinaus.

Den Rhythmus fühlen und improvisieren
Für die Austragung der Tänze und für die Musik sind an jedem Tag des Festes verschiedene Familien zuständig und so konnten wir uns bei der Familie von Aracelly beteiligen. Deshalb gingen wir am späten Vormittag mit Aracelly auf die Suche nach der traditionellen Kleidung eines „chutos“. So wird die Rolle genannt, die ich bei dem Tanz übernehmen sollte. Eigentlich hätte einer der Onkel von Aracelly mir vorher noch zeigen sollen, wie man ungefähr tanzt, jedoch bis Marlene ihre Tracht bekam und anlegte, was sich bei einigen Kleidungsschichten als sehr schwierig herausstellt, ging es danach auch direkt los. Das „orchestra“, das bereits den ganzen Tag über in dem kleinen Innenhof geprobt hatte, machte sich spielend auf den Weg zum Dorfplatz und vor ihnen zuerst die „chutos“, gefolgt von den tanzenden Frauen in ihren Trachten und den „mayores“, einer anderen Tanzrolle mit Maskierung. Dort angekommen wird getanzt und tatsächlich ist es nicht schwer den „chuto“ zu tanzen, in den Rhythmus zu kommen war für mich allerdings nicht ganz so leicht. Im Prinzip laufen die Tänze wie folgt ab: Die Geigen und eine Harfe des „orchestras“ beginnen leise zu spielen und alle bringen sich in Position und wenn die Bläser dazu einsetzen, fangen alle Tänzer an zu tanzen. Zu Beginn passiert das alles auf einer Stelle und später wird beim Tanzen dann der Dorfplatz umrundet und an jeder Ecke des Platzes gibt es für die Tänzer dann Bier. Dabei teilen sich immer mehrere eine Flasche Bier und es geht ein Glas reihum in das man einschenkt. Aufgrund der Höhenlage von Apata verzichtete ich allerdings vorerst auf das Bier, weil ich nicht wusste, wie mein Körper darauf reagieren würde. Im Prinzip lief in etwa so der gesamte Abend ab bis um 24:00 Uhr ein sogenanntes „castillo“, bei dem es sich um eine Konstruktion aus Bambusstäben handelt an die verschiedene Feuerwerkskörper befestigt sind, entzündet wurde.

Die Ruhe genießen
Am zweiten Tag konnten wir ausschlafen, denn für den Morgen war nichts geplant. Jedenfalls versuchten wir das, denn das „orchestra“ probte wieder morgens direkt unter unserem Zimmer. Gegessen wurde um 12:00 Uhr bei einer Tante von Aracelly mit vielen weiteren Verwandten und es gab jedes Mal sehr große Portionen, die man so aus Deutschland nicht gewohnt ist. Die harte Arbeit als Bauer in der Sierra braucht viel Energie und dementsprechend sind die Portionen. Die Bauern um Jauja herum arbeiten auch an den Wochenenden und außer zu Dorffesten gibt es eigentlich kaum Freizeit. Nach dem Essen wurde im Innenhof zur Musik des „orchestras“ getanzt und anschließend gingen wir mit Aracelly und ihrem Bruder sowie dessen Frau und Tochter auf eine kleine Wanderung zu einem nahe gelegenen Felsen, der in der Vergangenheit die Form einer Marienstatue hatte und deshalb als Wallfahrtsort für die Gemeinde von Apata dient. Dabei war es zum ersten Mal wieder richtig ruhig und man konnte die wunderschöne Landschaft um Apata herum genießen.
Später fuhren wir dann nach Huancayo, das etwa eine Stunde von Apata entfernt liegt und aßen etwas und besichtigten den „Parque de la identidat de huanca“, welcher als Denkmal für die Huanca-Kultur dient, zu der die meisten Menschen in der Region Junín gehören. Am Abend gingen wir wieder auf das Fest nach Apata und feierten mit den anderen.

Mystische Bergseen und ein Besuch auf dem Friedhof
Für den dritten Tag war ein Besuch der „laguna de paca“ geplant, um diese und andere Orte rund um Jauja ragen sich viele Legenden und ich möchte in einem späteren Bericht einmal auf Legenden aus Peru eingehen, denn es gibt eine große Fülle an Geschichten hierzu.
Der Sonntagmorgen lief eigentlich ab wie sonst auch, das „orchestra“ spielte, wir trafen uns bei einer Tante um zu essen und es wurde getanzt. Am frühen Nachmittag machten Aracelly und ich dann einen Spaziergang durch das Dorf und trafen dabei zufällig auf eine ihrer Tanten, die gerade auf dem Weg war um ihre vier Kühe von der Weide zu holen und bot an, dass wir dabei helfen können. Wirklich hilfreich waren wir zwar nicht, denn die Kühe kannten den Weg zurück in den Stall selbst, aber es war schön zu sehen, wie die Felder in Apata aussehen und wie die Tiere gehalten werden.
Anschließend besuchten wir -Aracelly, Marlene und ich- den lokalen Friedhof, um Blumen an den Gräbern von Aracellys verstorbenen Verwandten abzulegen. Danach ging es mit einem „collectivo“ nach Jauja und von dort aus weiter zur „laguna de paca“, wo wir einen Fährmann bezahlten um uns über den See zu fahren und uns ein wenig zum See zu erzählen. Es gibt eine kleine Insel in der Mitte des Sees von der man sagt, dass dort Nixen leben und es gibt einen Berggrat in Sichtweite des Sees der einem schlafenendem Menschen gleicht und deshalb „indio dormido“ genannt wird. Im Anschluss der kleinen Bootsfahrt aßen wir in einem Restaurant am See Pachamanca. Dabei handelt es sich um Fleisch und verschiedenes Gemüse, das in einer Kuhle im Boden mit heißen Steinen gegart wird. Wieder zurück in Apata packten wir nur noch unser Zeug, gingen kurz auf das Fest um nochmal etwas zu essen und ein paar Runden Tischfussball an einem der vielen Stände zu spielen und machten uns dann mit einer anderen Busfahrtgesellschaft auf den Heimweg nach Lima.

 

Angekommen in Manila – vom Dorf in die Millionenstadt

Liebe LeserInnen,

kamusta kayo? – zu deutsch: Wie geht’s euch?

Ich bin mittlerweile auf den Philippinen angekommen, die ersten Tage/Wochen sind gut überstanden und nun melde ich mich hier mit meinem ersten Blogeintrag.

Die Zeit vergeht hier unglaublich schnell – kaum in Manila angekommen, waren die ersten 3 Wochen auch schon vorbei und der Tagalog-Crashkurs absolviert. Bis jetzt gefällt es mir richtig gut hier, man wird mit einer großen Herzlichkeit und Gastfreundschaft behandelt und das doch sehr reislastige Essen mundet, auch wenn ich noch eine Weile brauchen werde bis alles probiert ist.

Das Klima ist zurzeit relativ mild – wir hatten das Glück, in der Regenzeit anzukommen, in welcher sich die Hitze meist in Grenzen hält (der blitzartig und häufig auftretende Regen leider nicht). Nichtsdestotrotz sind meistens Temperaturen über 30 Grad angesagt, welche man in Kombination mit der sehr hohen Luftfeuchtigkeit definitiv als gewöhungsbedürftig bezeichnen kann.

Die Stadt selbst ist kaum mit meinem Heimatort, dem 700-Seelen-Dorf Sonderbuch zu vergleichen, allein der Lärmpegel hier und die Menge der Menschen auf den Straßen, lässt ihn fast schon wie eine ausgestorbene und verlassene Siedlung erscheinen. Egal welches Verkehrsmittel man hier wählt, man sollte stets mehr Zeit einplanen, da Verzögerungen im Verkehr Alltag sind. Zum Glück genügt es oft, das Wort „Traffic“ auszusprechen und schon hat man einen überaus akzeptablen Grund für eventuelles Zuspätkommen angegeben.

In der kurzen Zeit sind wir schon ein wenig herumgekommen, an einem der ersten Wochenenden verschlug es uns bereits nach Batangas, ein Ort der ungefähr zwei Stunden außerhalb von Manila liegt. Dort durften wir an einem Teambuilding-Event teilnehmen und hatten gleichzeitig die Chance, das gesamte Puso sa Puso Team kennenzulernen.

Batangas Landschaft

 

Shercon Resort Batangas

 

Die nächsten Wochen schauen wir in einem Kindergarten in Manila den Teachers dort über die Schulter und versuchen uns einige Lernmethoden für unseren eigenen Unterricht anzueignen bzw. allgemein Erfahrungen im Umgang mit Kindern zu sammeln, bevor es dann mit der richtigen Arbeit in Payatas bzw. Parola losgeht…

Danke fürs Lesen und bis bald,

Moritz

 

Mein erster Rundbrief

Hallo!

Mit meinem ersten von vier Rundbriefen schicke ich viele Grüße von den Philippinen und einen herzlichen Dank an alle, die bisher Teil meines Unterstützerkreises sind oder es vielleicht noch werden (hierfür könnt ihr mich einfach über die Verantwortlichen kontaktieren). Um zusätzlich benachrichtigt zu werden, wenn ein neuer Blogeintrag von mir erscheint, könnt ihr mir auf der Seite cosamaz.org folgen, dann werdet ihr automatisch benachrichtigt. Nicht erschrecken, diese sollten zwei mal im Monat erscheinen, dabei handelt es sich aber nur um einen kurzen Text von circa einer halben Seite, also bei weitem nicht so lange wie die Rundbriefe.

Woche 1 
Meine Reise begann gemeinsam mit meinen Mit-
Freiwilligen Simon und Moritz wie geplant mit der Ausreise am 2. August.  Wir flogen abends gegen 22:00 Uhr von München aus über Maskat im Oman nach Manila und kamen dort wie geplant zur Ortszeit am Donnerstag gegen 21:00 Uhr an, die reine Reisedauer betrug damit circa 16 Stunden. Am Flughafen konnten wir gleich Father Artur, den Verantwortlichen für das Projekt und uns Freiwillige,  sowie Alex, einen der Freiwilligen aus dem Vorjahr, kennen lernen. Es ist wirklich super, dass Alex bis Ende August verlängern konnte, weil er uns so alles zeigen kann und wir nicht von Anfang an auf uns alleine gestellt sind, was die Sache deutlich erschweren würde. Vom Flughafen aus ging es für uns dann direkt in die Wohnung. Bei der Autofahrt konnte ich schon deutlich merken, wie sehr sich der Verkehr im allgemeinen und besonders die Fahrgewohnheiten der Verkehrsteilnehmer in Manila sich von meinem gewohnten Bild aus Deutschland unterscheidet. In der Wohnung angekommen, lernten wir gleich unsere weiteren Mitbewohner, zwei polnische Freiwillige namens Danusia und Piotr kennen, die bis Ende September in der philippinischen Metropole bleiben werden. Unser Appartement befindet sich in der Stadt Quezon City, einer der zwölf Städte in die Metropolregion Manila. Dort wiederum leben wir im Stadtteil New Manila, einer relativ neuen und wirklich sicheren Gegend. Unsere Wohnung selbst ist eine Anliegerwohnung einer netten Professorin, deren Haus sich direkt an unsere Wohnung anschließt. Das Appartement selbst besteht aus einem großen Wohnraum im Erdgeschoss, der sowohl Küche und Essbereich als auch Wohnzimmer und Arbeitszimmer verbindet. Außerdem befindet sich im Erdgeschoss noch unser Bad mit Dusche und WC. In den beiden Schlafzimmern im 1. Stock schlafen im Moment die beiden Polen sowie Alex und Simon. Aufgrund der momentanen Wohnsituation in der Wohnung schlafen Moritz und ich noch auf einer Matratze beziehungsweise einem Schlafsofa unten im Wohnzimmer, aber wir werden die Zimmer oben beziehen, wenn Alex beziehungsweise Danusia und Piotr abgereist sind. Meiner Meinung nach ist die Wohnung echt super, wirklich sauber und geräumig, sodass es im Moment mit sechs statt vier Leuten völlig in Ordnung ist. Die Lage ist außerdem klasse, weil man ungefähr gleich weit von den Einsatzstellen in Parola und Payatas entfernt ist, die Zugstation ist in weniger als fünf Minuten per Fuß zu erreichen, genau wie ein Supermarkt, eine Wäscherei,  die riesige Mall „Robinsons Magnolia“ und eine Eatery. Als Eatery bezeichnet man ein kleines Restaurant, in dem Filipinas oder Filipinos eine bestimmte Auswahl an Gerichten kochen, von welchen man sich eines oder mehrere aussuchen kann und in der Regel mit Reis kombiniert. Meine Erfahrung mit diesen Restaurants ist bisher wirklich gut, das Essen ist total lecker und zudem preiswert. All diese Dinge zeigte uns Alex in unseren ersten Tagen in Manila, außerdem noch wie wir zu Father Artur ins Konvent kommen, wie und wo wir kostenlos Geld abheben können, wo man Geld wechseln kann, wie und wo man das WLAN oder die Kosten für Strom bezahlt und noch vieles mehr. Auch aus diesem Grund bin ich Alex wirklich sehr dankbar, dass er sich dafür eingesetzt hat, noch länger in Manila bleiben zu dürfen. 

Der erste wirkliche Programmpunkt war für uns am Tag nach unserer Ankunft das Mittagessen im Konvent, bei dem wir uns mit Father Artur unterhalten konnten und er uns seine Wünsche und Regeln für eine gute Zeit und Zusammenarbeit mit ihm mitteilte. Im Konvent wurden wir an diesem Tag von allen total nett empfangen und begrüßt, dort leben neben Father Artur und einem weiteren Pater junge Männer aus Nachbarstaaten der Philippinen oder aus den Philippinen selbst, die anstreben Priester zu werden. Hierfür erhalten sie für mindestens ein Jahr im Konvent Englischunterricht. Das Wochenende und den darauffolgenen Montag hatten wir noch frei, um uns ein Stück weit einzugewöhnen war das wirklich sehr gut. Am Tag unserer Ankunft beziehungsweise am Tag danach kamen neben uns auch Alex‘ deutsche Freunde auf die Philippinen. Mit ihnen haben wir am Wochenende etwas unternommen, bevor sie am Sonntag losgereist sind, um ans Meer zu gehen. Alex hat uns außerdem seinen philippinischen Freund Jansky vorgestellt, mit dem wir den Sonntag verbracht haben. Mit ihm zusammen haben wir Adobo gekocht, ein typisch philippinsches und richtig leckeres Gericht mit Hühnchen oder Schwein und Soyasoße. Am Sonntagabend bin ich mit Moritz noch in eine nahe gelegene Kirche gegangen und ich war auch wirklich überrascht, wie viele Gottesdienstbesucher im Vergleich zu Deutschland da waren.

Woche 2
Unser Sprachkurs fand dann ab Dienstag im Konvent statt und wurde von den beiden Lehrerinnen Nica und Erika abgehalten. Hier lernten wir für zwei Wochen die Grundbegriffe und einige grammatikalische Strukturen, die uns im Alltag helfen sollten. Bis wir Tagalog wirklich fließend sprechen können, wird es mit Sicherheit noch lange dauern. Das stellt sich aber als kein schwerwiegendes Problem heraus, da in Manila sehr viel „Taglish“ gesprochen wird, also die Mischform aus Tagalog und Englisch. Doch gerade wenn die Arbeit im Slum beginnt, wird Tagalog mit Sicherheit sehr viel wichtiger werden.

Am Samstag starteten wir gemeinsam mit den Lehrern, die in Payatas, Parola und im Konvent arbeiten, zu einem dreitägigen Teambuilding-Seminar nach Batangas, circa 90 Kilometer von Quezon-City entfernt. Das gesamte Seminar verbrachten wir im tollen „Shercon Resort und Ecology Parc“. Neben den verschiedenen Programmpunkten und Vorträgen konnten wir alle Lehrer und Verantwortliche kennen lernen. Ursprünglich wollten wir am Tag unserer Abreise noch eine nahegelgene Vulkaninsel mit See im See anschauen, aufgrund der Wetterlage haben wir dieses Vorhaben dann aber vertagt.

Der Sprachkurs ging nach diesem verlängerten Wochenende in die zweite Runde, am Freitag wurde im Konvent der Todestag des Gründungsvaters der Salvatorianermissionen in Asien, Otto Hopfenmüller, zelebriert. Nach dem Gottesdienst in der Früh wurde dann neben Hopfenmüllers Leben die Philippinen, ihre Feste und die Gewohnheiten der Filipinos vorgestellt und die Feier mit dem Mittagessen abgerundet. Bei dem Vortrag wurden manche Stereotypen stärker oder weniger stark bedient, würde ich jetzt behaupten.

Woche 3
Da der vergangene Montag wiederum einen Feiertag darstellte, nutzten wir das verlängerte Wochenende, um nach Baler, einem Ort an der Ostküste von unserer Insel Luzon, circa 140 Kilometer Luftlinie entfernt von Manila, zu reisen. Wir, also Moritz, Simon, Anna, eine deutsche Bekannte von Simons Bruder, Alex und Peter, einer von Alex deutschen Freunden, sowie Aldrin, ein mit Alex befreundeter Filipino, starteten Freitag nachts mit dem Bus und waren in der früh um kurz nach fünf in der Unterkunft und zum Sonnenaufgang schon am Strand. Neben entspannen und am Meer sein haben wir uns am Samstag und Sonntag zwei Sehenswürdigkeiten in der Region angesehen: zum einen gibt es einen extrem schönen Wasserfall, genannt „Mother Falls„, der in einer gebirgigen Waldgegend gelegen ist. Hier waren wir außerdem Baden, was wirklich toll war, weil das Wasser im Vergleich zum Meer erfrischend kalt war. Am nächsten Tag haben wir uns den „Old Balete Tree„, einen über 600 Jahre alten Baum mit circa 12-15 Meter Durchmesser angeschaut, der im Prinzip aus tausenden Ästen besteht, die über diese lange Zeit so fest zusammengewachsen sind, dass man sowohl im Inneren als auch Außen gut herumklettern kann. 

Für diese Woche war eigentlich das Praktikum im Kindergarten angesetzt, das uns helfen soll uns an den Umgang mit den Kindern zu gewöhnen und die Aufgabe besser zu verstehen. Aufgrund von Unwettern war der Kindergarten Dienstags und Mittwochs geschlossen. Am Mittwoch sind Moritz, Simon und ich deshalb los, um uns „Parola“, den Slum in der Hafengegend, von Alex zeigen zu lassen. Da die angesetzte Messe im sogenannten Center, eine Wohnung die sich mit einem Lehrerzimmer vergleichen lässt, ausgefallen ist, sind wir vor dem Mittagessen mit den Lehrern schon los zum Slum. Parola an sich ist unterteilt in über 60 Gates, also Eingängen in den Slum, die sich entlang einer breiten Straße zum Hafen reihen. Ein Gate selbst haben wir nicht betreten, da Alex bereits schon seit einigen Wochen nicht mehr unterrichtet und deswegen nicht regelmäßig in sein Gate geht. Daher sind wir nur an allen Gates vorbeigelaufen, aber in keines reingegangen, doch auch diese Bilder waren schon sehr prägend.

Am Donnerstag stand der erste Tag im Kindergarten an. Bei diesem handelt es sich um einen privaten Kindergarten, die Kinder stammen also alle aus besseren Verhältnissen, weshalb zuhause teilweise nur Englisch gesprochen wird. Wie wir später erfuhren, ist das zum Teil ein Problem, da einige Kinder so kein Tagalog verstehen. Nach einer kurzen Vorstellung und ersten Einblicken durfte ich dann auch schon selbst an den Einheiten für die Kinder mitwirken. Neben spielen und essen waren einige Übungen zum Umgang mit dem Stift Bestandteil des Programms. Nachdem die Kinder dann abgeholt wurden, sind wir zum Essen mit den Erzieherinnen bei der Leiterin des Kindergartens eingeladen worden. Für nächste Woche sollten jeder von uns einige typisch deutsche Spiele oder Lieder vorbereiten, um diese den Kindern zu zeigen.

Am Freitag sind meine Mit-Freiwilligen, die beiden polnischen Freiwilligen und ich zu einer Jubiläumsfeier in den Slum „Payatas“ aufgebrochen. Gefeiert wurde das fünfjährige Bestehen von „Alsa Buhay“ in Payatas. Bei Alsa Buhay handelt es sich um ein Teilprojekt von Puso sa Puso und meiner eigentlichen Aufgabe, Kinder im Slum zuhause zu unterrichten und dadurch Bildung zu ermöglichen. Nach einer feierlichen Messe, bei der neben Father Artur und einigen Schwestern auch die Lehrer aus Parola sowie ein Großteil der Familien anwesend waren, folgten einige Aufführungen von verschiedenen Gruppen, die Teil von Puso sa Puso sind. Anschließend sind wir wiederum zum Essen mit den Schwestern und Lehrern eingeladen gewesen. Auch wenn ich noch keine wirklichen Einblicke in ein Gate in Parola hatte, konnte ich doch feststellen, dass die Struktur im Slum in Payatas eine andere ist, da die Menschen, die dort leben, nicht wie in Parola meist aus der Provence kommen und es als Übergang in die Stadt wahrnehmen, sondern über längere Zeit dort leben, weshalb der Aufbau und gewisse Strukturen schon verfestigen konnten.

Allgemein
Generell gefällt es mir bisher sehr gut hier auf den Philippinen. An die Klimaumstellung habe ich mich inzwischen ganz gut gewöhnt, mein Körper hat sich zwar nicht wirklich umgestellt denke ich, aber man stört sich nicht mehr so stark daran, dass man ständig schwitzt. Außerdem ist im Moment noch „wet season“, also die Regenzeit, das bedeutet, das Klima ist von weniger heißen Temperaturen („nur“ circa 30 ° C), viel Niederschlag und hoher Luftfeuchtigkeit (circa 85%) geprägt. Was ich in Manila als eher störend empfinde ist der Verkehrslärm und die hohe Luftverschmutzung, mit der man im Alltag ständig konfrontiert ist. Zum Teil mag das bestimmt auch daran liegen, dass ich bisher noch nie (bewusst) in einer Großstadt gelebt habe. Wiederum ein Vorteil an der hohen Verkehrsdichte ist, dass man zu jeder Tages- und Nachtzeit jeden Ort in Manila erreichen kann, sei es über Taxi, Bahn, Jeepneys, Tricycles oder Bus. Ein weiterer Aspekt, der den Alltag sehr positiv beeinflusst, ist, dass die meisten Filipinos wahnsinnig freundliche Leute sind, egal ob sie dich zum ersten Mal sehen, ob sie dich kennen oder nicht, egal wer, jeder hat immer ein Lächeln oder ein „Hallo, wie geht’s, wo kommst du her“ parat. Hier spielt vermutlich auch ein Stück mit rein, dass wir als Weiße oft ein Stück anders behandelt werden, egal ob wir es möchten oder nicht. Eine weitere Sache, an die ich mich (für mich) überraschend schnell gewöhnt habe, ist Reis, der in
nahezu jeder Mahlzeit enthalten ist. Das Essen generell ist hier richtig lecker und in Eaterys mindestens genau so günstig, wie wenn man es selbst zuhause zubereiten würde. Für mich ist das daher optimal, weil es kostet nicht viel Geld, ich muss es nicht selbst kochen und kann jeden Tag etwas anderes essen.

In den kommenden Wochen steht für uns dann noch das Praktikum im Kindergarten an, daraufhin wird für uns die wirkliche Arbeit an der Einsatzstelle beginnen. Bis dahin euch alles Gute, vielen Dank und bei Wünschen, Fragen oder Anregungen einfach kurz bei mir melden. 

Viele Grüße

Jakob 

 

P.S. Weitere Bilder findet ihr in den Einträgen meiner Mitstreiter oder über die verlinkten Begriffe 🙂

Ein Stückchen Tirol mitten im Regenwald oder wie ich Peru besser kennen gelernt hab Teil 2

Lange Verschnaufspause nach meiner Familie hatte ich nicht. Kaum war eine Woche vergangen, kamen auch schon Lisas Eltern und circa eine Woche danach Anton, ein Comboni-Missionar aus Deutschland.

Ziemlich unerwartet bekam ich ein Angebot, dass ich nicht ablehnen konnte. Weiterlesen

Wie ich Peru besser kennengelernt habe

Hallihallo meine Lieben,

ja ich weiß, es ist lange her, aber dürft ihr euch gleich über zwei Einträge freuen.

Am ersten April war es so weit. Ich stand erwartungsvoll am Flughafen in Lima. Wohl erst sechs Stunden später als gedacht, weil die Flugzeuggesellschaft (oder wer immer dafür zuständig war) sich einen kleinen Aprilscherz erlaubt hatte.

Wie gebannt starrte ich auf die große schwarze Tafel, die in gelber verwaschener Schrift anzeigte, ob man noch weitere fünf Stunden warten darf oder endlich von der Qual erlöst wird.

„Flug aus Madrid – Ankunft 6:45 – delayed“, stand da in Großbuchstaben. Circa um halb zwölf stand ich mit dem Fahrer da und wartete.

Die Minuten waren wie langgezogener Kaugummi und um 12:30 Uhr stand ich von meinem Platz in der Nische auf und setzte mich direkt vor die schwarze Tafel und schaute sie alle zwei Minuten vorwurfsvoll an, bis sie das lang ersehnte Zeichen anzeigte: 12:45 Uhr Ankunft des Fliegers aus Madrid.

Circa zehn Minuten nach Ankunftszeit war die Tafel wieder so gnädig und zeigte „gelandet“ an.

Und zehn Minuten später sah ich sie endlich durch die mit Milchglas verglaste Tür des Ankunftsterminals schreiten. Ich sah meine Familie schon früher und winkte ihnen zu. Als sie mich entdeckten, wurden ihre Schritte kaum merklich zügiger.

Es folgte natürlich ein langes Umarmen und es kullerten vielleicht ein, zwei Tränen, doch schon kurz darauf saßen wir alle in dem großen Wagen und es ging ab nach Chorrillos, nach Hause.

Natürlich wurde ein bisschen über die Hitze geklagt und ab und zu ein Wörtchen über Limas Verkehr verloren, aber wir kamen doch heil im 1 ½ Stunden entfernten Chorrillos an.

Nach ein wenig Eingewöhnungszeit ging es schon nach zwei Tagen zurück in den Flieger, auch für mich. Der Flieger brachte uns direkt nach Arequipa, der weißen Stadt. Dort hatten wir leider auch nur eine kurze Zeit, um uns ein wenig umzusehen, denn kurz darauf ging es schon mit einem Guide für drei Tage ins Colca Tal.

Doch genug Zeit war, um sich die Stadt ein wenig genauer anzuschauen und Lena, einer anderen Freiwilligen, kurz in ihrem Projekt Hallo zu sagen.

Und schon saßen wir in einem Bus, der uns bis nach Chiway brachte und von dort aus ging es mit dem Auto direkt weiter in den Colca Cannon.

Dort sind wir mit unserem sehr lieben Guide drei Tage herumgewandert und haben uns einfach mal umgeschaut.

Schon viel zu bald mussten wir uns von ihm verabschieden und sind weiter nach Puno gefahren, die Stadt direkt am Titi Kaka See. All die Tage war das Wetter mit uns gnädig gewesen und wir hatten strahlende Sonnenschein, obwohl die Regenzeit noch nicht ganz zu Ende war. Auch hier in Puno enttäuschte uns das Wetter nicht.

Von Puno ging‘s ziemlich schnell weiter nach Cusco, der Touristenhochburg Perus. Ich hatte das Gefühl, es laufen mehr Touristen durch die Stadt, als Einheimische. Natürlich konnte man trotzdem das besonderen Flair der Stadt aufschnappen. Ich muss sagen, ich finde Cusco die schönste Stadt Perus, von denen, in denen ich bis jetzt gewesen bin.

Obwohl Cusco sehr schön anzusehen ist, ging es natürlich weiter mit unserer Reise und kurze Zeit später befanden wir uns im Zug nach Aguas Calientes, der Stadt direkt am Fuße von Machu Picchu.

Ich muss gestehen, es war ein atemberaubender Ausblick, vor allem der Aufstieg auf den Waynapicchu (ein Berg genau neben Machu Picchu. Für den Aufstieg braucht man, wenn man gemütlich geht, circa eine Stunde), den ich nur empfehlen kann.

Leider wurden wir mittags von einem ziemlich heftigen Regenschauer erwischt, der uns wirklich bis auf die Knochen durchnässt hat und wie ein Haufen begossene Pudel zogen wir den Rückzug ins Hostel an.

Nachdem wir uns abgetrocknet und einen kompletten Kleidungswechsel vollzogen hatten, die Schuhe ausgeschlossen (was wirklich ausgesprochen ungemütlich und eklig war) befanden wir uns auch schon wieder im Zug und im anschließenden Bus nach Cusco, wo uns eine weitere unliebsame Überraschung erwartete. In unserem Hotel gab es einen Buchungsfehler und wir standen auf einmal ohne Zimmer da. Gott sei Dank organisierte uns das Hotel gleich eine neue Bleibe und chauffierte uns direkt vor die Tür der neuen Zimmer.

Am nächsten Tag ging es schon wieder zurück nach Lima. Nach viel zu kurzer Zeit, wenn ihr mich fragt.

Dort machten wir uns noch ein paar schöne Tage und erkundeten die Stadt und meine Familie konnte einen kleinen Einblick in mein alltägliches Leben hier erhaschen, als sie mit mir ins Haus der Talente ging.

Ein weiteres Highlight waren natürlich auch die Gottesdienste hier, die während der Osterzeit hier stattfinden. So ganz anders als in Deutschland.

Wirklich viel zu bald musste ich uns wieder eine Fahrgelegenheit zum Flugharfen organisieren und als Juan und Jorge (unser Hausmeister) dann vor der Haustür abwartend standen, konnte ich es noch nicht so wirklich begreifen. Erst am Flughafen dann, als ich meine Familie in der kilometerlangen Check-In Schlange stehen lassen musste, weil Juan schon wieder zu seinem nächsten Termin musste, kamen die Tränen und der Abschied bestand aus vielem Drücken und nach Luft schnappen.

Im Auto zurück nach Chorrillos musste ich mich ein wenig zusammenreißen und unsere Wohnung kam mir auf einmal ganz leer vor, aber nach einer halben Woche war ich wieder vollkommen in meiner Arbeit versunken und meine Vorfreude auf meine Familie und Freunde ist noch genauso groß wie vorher.

Ein super Start in die Ferien

Hallöchen liebe Freunde

Seit meinem letzten Bericht ist nun doch schon etwas Zeit verstrichen, in der ich jedoch so einiges erlebt habe. Ich möchte euch zeigen, wie ich hier die Osterzeit verbracht habe, euch Maliam (eine Schülerin und Freundin) vorstellen, und meine Erlebnisse während meines Besuches von Judit in Matany (Uganda) und Niko in Kacheliba (Kenia) mit euch teilen.

Und da ich ja bekanntlich gern und viele Fotos mache, habe ich für euch heute ein paar mehr Bilder ausgewählt.  😉
Viel Spaß beim Lesen und Anschauen! Weiterlesen

Eine Woche wieder Deutsch fühlen

Hallihallöchen alle miteinander,

heute möchten wir euch von unserer Reise in Kenia erzählen. Wir waren dort in Nairobi in einem einwöchigen Zwischenseminar, das wir im Lauf unseres Einsatzes besuchen durften.  Weiterlesen

Nairobi – Kampala – Alenga und wieder nach Hause

Hallo ihr Lieben,
es wurde Zeit, dass ich mich mal wieder bei euch melde. Der letzte Monat war für mich sehr erlebnisreich! Weiterlesen

Zwischenseminar und Reiseerlebnisse

Hallo ihr Lieben  🙂

Nach einer Woche Zwischenseminar und einer Woche rumreisen melde ich mich wieder zurück aus Manila.

Es ist Halbzeit jetzt für mich. Unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht. Nur noch knappe fünf Monate und ich bin wieder zurück in Deutschland.

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Mein Besuch bei Judit in Matany

Hallihallo alle miteinander  😀

Ich möchte euch heute von meinem Besuch im Krankenhaus in Matany erzählen, der Einsatzstelle von Judit. Wie sich viele von euch bestimmt erinnern, bin ich gemeinsam mit Judit in Uganda angekommen, habe den Trennungsschmerz mit ihr überstanden, bin mit ihr gemeinsam vor Aufregung im Flugzeug wach geblieben und habe die erste Woche Uganda mit ihr in Kampala zusammen erlebt.

Nach nun schon geschlagenen zwei Monaten (kaum zu glauben, wie schnell die Zeit vergeht!!) findet nun unser erstes Wiedersehen statt. Klar: Freude pur! Weiterlesen