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Abschluss und doch kein Ende

So schnell vergeht ein Jahr: Nach 12 ereignisreichen Monaten trafen am 19. September die „Missionar/-innen auf Zeit (MaZ)“ wieder in Nürnberg aufeinander. Es war das letzte Seminar, bei dem alle gemeinsam von ihren Einsatzländern und Erfahrungen berichteten. Und während bei der Abreise vor einem Jahr Aufregung und Abenteuerlust herrschte, spürte man nun einen Schuss Sehnsucht und Melancholie. Der Freiwilligeneinsatz war fast zu kurz. David Knoblauch fasst die Stimmung zusammen: „Was bei unserer Verabschiedung noch in ferner Zukunft lag, war für uns im Rückblick einen Wimpernschlag lang.“

Mit dabei waren auch Pater Georg Fichtl, Pater Günther Hofmann, Linda Ponradl und Lukas Korosec. Unter ihrer Anleitung  reflektierten die Rückkehrer den eigenen Einsatz. Aber auch die Zukunft wurde dikutiert und Möglichkeiten aufgezeigt, sich weiterhin im MaZ Programm zu engagieren. Unter anderem diskutierten alle Stereotype über die eignenen Einsatzländer, skizzierten ihre Erlebnisse und Gefühle während des Einsatzjahres. Außerdem wurden  Präsentationen zur eigenen Einsatzstelle und den eigenen Erlebnissen vor Ort vorbereitet. Die Präsentationen sollen nicht nur an diesem Wochenende, sondern auch  später bei den eigenen Solidaritätskreisen zum Einsatz kommen.

Über das Highlight des Wochenendes waren sich alle einig: Bei den gemeinsamen Abenden konnten sich alle austauschen und erfuhren so auch viel über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede, die die Länder, Stellen und sie selbst ausmachen und die jeden Einsatz zu einer einmaligen Erfahrung machten. Diese Erfahrungen brachten die jungen Missionare am Ende gemeinsam vor Gott. Mit dem Seminar ging der Einsatz zu Ende „und doch“ – so schreibt uns David Knoblauch – „bleibt die Hoffnung, dass es damit nicht zu Ende geht, sondern neue Freundschaften in die Welt hinausgehen, um von den gemeinsamen Erfahrungen zu erzählen“.

Juhuuu, der neue Schlafsaal ist fertig!!!

Na, wenn das mal keine Punktlandung war: Am Sonntag, den 22. Juli, haben wir unsere „Princess Dom “ (den Namen haben sich die Mädchen selbst ausgedacht) eingeweiht.

Im Februar hatten wir mit dem Bau begonnen und seither ging es täglich einen Schritt voran auf der Baustelle. Dank Eurer zahlreichen Spenden konnten wir unsere Idee einen neuen Schlafsaal in Alenga zu bauen super realisieren! Ich habe mich wirklich gefreut, wie viele Menschen aus der Heimat mich unterstützt haben und einen Teil dazu beitragen wollten, damit die Schlafsituation der Mädchen verbessert werden konnte.

Und ich kann euch allen versichern, mit dem neuen Schlafsaal haben wir einen riesigen Fortschritt gemeistert und nicht nur die Direktorin und die Lehrer sondern insbesondere die knapp 60 Mädchen haben sich täglich an der Baustelle gefreut.

Noch einmal zur Erinnerung: Im vorherigen Gebäude mussten die 60 Mädchen auf sehr engem Raum in alten Betten schlafen. Dem Gebäude fehlt jede Isolierung, sodass es sich in der Trockenzeit auf ca. 50 Grad aufheizte. Als ich den Schlafsaal betreten habe, lief mir nach nur zwei Minuten der Schweiß über den Rücken und die Luft war so schlecht, dass ich heilfroh war, als ich wieder nach draußen konnte. Außerdem hat das alte Gebäude viele offene Stellen durch die zuweilen Schlangen, aber vorzugsweise Ratten und andere Tiere ihren Weg ins Innere wagten. Also im Fazit: Ein furchtbarer Zustand und ich bin mehr als froh, dass die Situation nun – dank eurer Hilfe – verändert werden konnte.

Das neue Gebäude kann ca. 60 Mädchen beherbergen, es gibt 20 Dreierstockbetten, die das ermöglichen. Der Saal ist räumlich in zwei Teile geschnitten, damit es ein bisschen mehr Struktur und Ordnung gibt. Hinter den Betten sind an der Wand befestigte Ablageflächen, die dazu dienen, dass die Mädchen ihre Koffer und Taschen abstellen können. Unter der Ablagefläche ist dann Platz für die Kanister zum Wasser holen und die Eimer zum Duschen. Im Zuge des Baus wurden auch die Duschen erneuert, statt 2 Duschkabinen für 60 Mädchen gibt es nun 6 und das „Abflusssystem“ konnte verbessert werden.

Die „Princess Dom“ ist gut isoliert worden und beim Betreten des Gebäudes wurde sofort spürbar, dass die Luft und die Temperatur sehr viel angenehmer sind.

Außerdem konnten wir von den Spendengeldern 40 Moskitonetze kaufen, sodass jedes Bett über zwei Moskitonetze verfügen wird. Diese werden dann so aufgehangen, dass alle drei Mädchen vor den Mücken geschützt sind. Das war uns ein besonderes Anliegen, denn die Schülerinnen haben zuvor nicht alle ein Moskitonetz von zu Hause mitgebracht und so sind Viele an Malaria erkrankt, da die Gefahr ohne ein Netz nochmal deutlich steigt.

Ich denke, dass die nachfolgenden Fotos euch am besten zeigen wie toll der Schlafsaal geworden ist und wie dankbar euch alle in Alenga sind!

Ich spreche meinen Dank hier zum Schluss jetzt einfach nochmal auf Lango aus und sage: „Apwoyo matek!“ (Herzlichen Dank!).

Ganz liebe Grüße

Eure Francesca

Auf den Spuren der spannenden politischen Lage Ugandas

Hallo ihr Lieben,

heute melde ich mich nach einiger Zeit endlich mal wieder mit einem Bericht über die letzten Wochen. Wie ihr ja schon aus dem letzten Bericht wisst, haben wir die Schulferien genutzt und sind Anfang Mai in den Norden Ugandas aufgebrochen. Schööön wars.. und viel haben wir erlebt:

Besuch in Gulu

Am Montag Mittag kamen wir in Gulu an, wo wir von Sister Katherine, eine junge Schwester der Little Sisters of Mary Immaculate Gulu, sehr herzlich empfangen wurden. Mit Nonnen dieses Ordens sind wir gut vertraut, weil diesem auch unsere drei Schwestern in Alenga angehören und wir in Kampala stets bei ihnen unterkommen dürfen.

Sister Katherine zeigte uns die verschiedenen Klöster des Ordens und wir wurden überall liebevoll begrüßt. Die Häuser sind sehr schön gestaltet und im Innenhof werden stets Blumen angepflanzt, die die Schwestern versorgen. Als wir die Äbtissin trafen, hatten wir eine sehr lustige Begegnung. Wir sind hier in Uganda nämlich schon ein bisschen berühmt .. J. So betraten wir gemeinsam mit Sister Katherine den Raum und wollten uns gerade vorstellen, als sie uns verdutzt anschaute und fragte: „Seid ihr nicht die Mädchen aus dem Leadership Magazine?“. „Ja, die sind wir.“, antworteten wir ihr und mussten lachen, zum einen, weil wir den Artikel zu dem Zeitpunkt selbst noch nicht gelesen hatten und zum anderen, weil uns jetzt wildfremde Personen aus der Zeitung kennen.

Die Auswirkungen LRA auf ein Krankenhaus in Gulu

Es war sehr beeindruckend zu sehen was die Schwestern alles aufbauen und leisten und wie warmherzig sie sich um alte und kranke Mitschwestern kümmern. Dieses Kloster liegt direkt in der Nähe des berühmten Krankenhauses St. Mary Hospital Lacor, das während der Terrorherrschaft Idi Amins 1959 von italienischen Missionaren aufgebaut wurde. Zu dieser Zeit gab es allerdings nur 30 Betten und die nötigste Grundversorgung. In den folgenden Jahren übernahm das Ehepaar Piero und Lucille Corti (ein italienischer Pädiater und eine kanadische Chirugin) die Leitung.
In den späten 1980er und 1990er Jahren war der Norden Ugandas geprägt vom Bürgerkrieg der LRA (Lord’s Resistance Army) und deren Anführer Joseph Kony. Dabei wurde auch das Krankenhaus immer wieder Opfer der furchtbaren Anschläge und Entführungen von Mitarbeitern. Noch heute spürt man in ganz Gulu die Auswirkungen der Rebellen und ihrer Anschläge. Joseph Kony hat zahlreiche Kinder entführt und sie zu Soldaten ausgebildet, sodass 66.000 Kindersoldaten für ihm kämpfen mussten. Aus dem Norden Ugandas sind in dieser Zeit 2 Millionen Menschen in den Süden geflohen. Seit 2006 hat sich die LRA aus Uganda zurückgezogen.
Im Jahr 2000 wurde das Krankenhaus auch Opfer der großen Ebola-Epidemie, sodass 224 Menschen starben. Darunter waren auch 13 der 100 freiwillig in Lacor gebliebenen Mitarbeiter unter ihnen auch der ugandische Leiter Dr. Lukwiya.
Auch wir hatten während unserer Tage in Gulu die Möglichkeit das Krankenhaus zu besichtigen. Heute gibt es über 400 Betten, 600 Mitarbeiter und weit mehr als 300.000 Patienten pro Jahr. Die Patienten warten in riesigen Schlangen vor den Behandlungszimmern. Oft kommen sie schon früh morgens, um überhaupt eine Chance auf die Behandlung zu haben. Viele müssen abends wieder nach Hause gehen ohne einen Arzt gesehen zu haben. Dann kommen sie am folgenden Tag wieder und die Warterei geht von vorn los.
Das Gelände ist riesengroß und es gibt viele Spezialabteilungen für beispielsweise Tuberkulose-, HIV/AIDS Patienten und Schwangere. Außerdem werden KrankenpflegerInnen, Laborfachkräfte und MedizinstudentInnen ausgebildet. Der besonders gute Ruf des Krankenhauses – es galt lange als eines der Besten in Ostafrika- bringt ihm stets noch viele Patienten ein, auch wenn die Versorgungslage mittlerweile schlechter geworden ist und die Möglichkeiten durch das ugandische Gesundheitssystem begrenzt sind.
Für Francesca und mich war es besonders spannend dieses Krankenhaus zu sehen, tiefere Einblicke in die Gesundheitsversorgung Ugandas zu bekommen und hat meinen Wunsch Ärztin zu werden auch nochmal verstärkt. (Fotos gibt es leider nicht, es war nicht erlaubt zu fotografieren.)Außer der Besichtigung des Krankenhauses unternahmen wir natürlich auch noch andere Dinge in Gulu. Gemeinsam mit Sister Katherine waren wir auf dem riesigen Markt der Stadt wo es von Fisch über Früchten zu Trommeln und anderen ugandischen Musikinstrumenten wirklich alles gibt. Außerdem erkundeten wir die Stadt ein bisschen auf eigene Faust und da Gulu wirklich übersichtlich aufgebaut ist, fanden wir uns auch ganz schnell gut zurecht.

Mary – Queen of Peace P/S

Dank unserer Freundin, Schwester Mary, die wir schon seit September aus Kampala kennen, hatten wir noch die Möglichkeit eine Grundschule etwas außerhalb von Gulu zu besuchen. So fuhren wir mit dem Boda über 45 Minuten aus Gulu hinaus und mitten hinein in die umliegenden Dörfer und ins Grüne. Bei der Grundschule angekommen, nahm Schwester Angelina uns sehr herzlich in Empfang und zeigte uns das tolle Gelände der immer größer werdenden Schule. Beim Anblick der schön gestalteten Klassenräume, des luxuriösen Lehrerzimmers (sogar mit Sofa und Fernseher!!!) und dem Ausblick auf die grüne Natur ringsrum wurde ich fast ein bisschen wehmütig und neidisch. Zum einen, weil meine Schule zu Hause nie so wunderbar in der Natur lag und zum anderen, weil die Möglichkeiten in Alenga deutlich begrenzter sind.
Sister Angelina, die bereits 75 Jahre alt ist, ist eine sehr engagierte Schulleiterin, die sich stets für das Wohl ihrer Schüler einsetzt. So waren, obwohl es ja Ferienzeit war, immer noch knapp 20 Schüler und Schülerinnen vor Ort, die keine Möglichkeit hatten nach Hause zu kommen (beispielsweise Waisen) oder die lernschwach sind und so noch zusätzliche Unterstützung bekommen.
Die Schule wurde gemeinsam mit dem angehängten Health Centre nach dem Ende der Rebellenzeit mit Hilfe amerikanischer Sponsoren gegründet und trägt deshalb den hoffnungsvollen Namen Maria- Mutter des Friedens.

Zu Besuch bei Bruder Konrad in Layibi

Als Comboni- Freiwillige sind wir auch in ganz Uganda (und fast überall auf der Welt) immer gleich mit neuen Missionaren verknüpft, die sich für uns verantwortlich fühlen und gerne bei sich auf nehmen. Das ist ein total großes Geschenk und wurde uns bei dieser Reise nochmal so richtig bewusst.
So kam es, dass wir während unserer Tage in Gulu den deutschen Comboni Missionar Bruder Konrad in seiner Arbeitsstelle besuchen durften. Bruder Konrad leitet in Gulu eine riesige Berufsschule, in der alle möglichen Berufe ausgebildet werden: Vom Tischler zum KfZ- Mechaniker, vom Frisör zum Koch, vom Elektriker zum Schneider. Diese Berufsschule bietet vielen jungen Menschen eine Perspektive und vor allem nicht nur eine Ausbildung, sondern danach auch eine sichere Arbeitsstelle, da die Berufsschule angehängte Betriebe hat und so alle Schüler übernehmen kann. Besondere Unterstützung gibt es hier auch für geistig und körperlich Behinderte sowie für die aus der Zeit der LRA übrig gebliebenen Kindersoldaten, die schwer traumatisiert sind. Bruder Konrad berichtete, dass es sehr problematisch sei, die ehemaligen Kindersoldaten in die Schulalltag einzugliedern und, dass es an psychologischer Betreuung mangle. Die Schule wurde weitesgehend mit Hilfe von Spenden aus Italien und Deutschland aufgebaut, gerade die zahlreichen Maschinen wurden importiert, aber mittlerweile finanziert sie sich durch Schulgebühren und Aufträge fast ausschließlich selbst.
Danach lernten wir noch die Mitbrüder von Konrad kennen und trafen Bruder Hans- Dieter Ritterbecks, den wir im Laufe der Vorbereitung in Ellwangen kennengelernt hatten, per Zufall ebenfalls an. So verbrachten wir noch eine schöne Zeit mit den Missionaren in Layibi und sahen bei dieser Gelegenheit auch das Hauptversammlungshaus der Combonis in Uganda, was wunderschön angelegt und gepflegt hinter der Berufsschule steht.
Im Anschluss fuhren wir auf Rat von Bruder Konrad noch zu den Comboni Samaritans of Gulu. Dies ist eine Berufsstätte für behinderte Menschen, HIV/AIDS Erkrankte und benachteiligte Erwachsene. Dort wird jede Menge kunstvolle Handarbeit hergestellt. Einen Großteil davon machen Textilien aus, es wird gestrickt, genäht, gefärbt, gewebt und bedruckt. Außerdem werden alte Werbeplakate zu Schmuck verarbeitet und aus Bananenblättern werden Taschen und Postkarten hergestellt. Das haben wir gleich mal ausgenutzt, um den angehängten Shop leer zu räumen. Leider konnten wir nicht mit der zuständigen Comboni Schwester sprechen, aber wir erkundeten das Gelände auf eigene Faust und trafen einen Lagermitarbeiter, der uns erklärte, dass die Arbeiter und Arbeiterinnen hier ein festes Gehalt bekämen und Sozialarbeiter diese aus den umliegenden Gemeinden holten, um ihnen eine Perspektive statt Arbeitslosigkeit zu bieten.
Dieser Tag in Gulu war voller Eindrücke und Erlebnisse, die mir wieder einmal vor Augen führten, welch großartige Arbeit die Combonis hier in Uganda leisten und wieviel Hoffnung und Möglichkeiten sie mit sich bringen.

So kam auch das Ende unserer Tage in Gulu und schweren Herzens verabschiedeten wir uns von Sister Katherine bevor wir in den Bus nach Moyo stiegen.

Moyo- Palorinya- Die Grenze zum Südsudan

Nach einer mal wieder ziemlich anstrengenden Busfahrt (ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, wie das ohne Panne klappen konnte) kamen wir in Moyo an, wo wir von Bruder Fafa in Empfang genommen wurden. Fafa ist ein Comboni Missionar, der ebenso wie unser Mentor Stan aus Togo stammt. Bruder Fafa, Bruder Erich Fischschnaller (aus Schwaben) sowie Father Jesus (Mexiko) und Father Martin (Spanien) sind im Februar 2017 aus ihrer Gemeinde im Südsudan geflohen, nachdem die politische Situation für sie selbst zu gefährlich wurde. Der Sudan ist schon lange Zeit ein Krisengebiet und viele Menschen haben sich nach der Unabhängigkeit des Südsudans 2011 eine Besserung versprochen. Doch seit 2013 bekämpfen sich die Regierungspartei und die Opposition aufgrund der Machtverteilung und Besitztümer der Ölvorkommen und obwohl 2015 ein Friedensvertrag unterschrieben wurde, herrscht ein Bürgerkrieg unermesslichen Ausmaßes. Da im Südsudan seit Februar 2017 eine Dürre vorherrscht, ist außerdem über die Hälfte der Bevölkerung von einer großen Hungersnot bedroht und auf zugeteilte Nahrung angewiesen, mehr als eine Millionen Jungen und Mädchen sind akut unterernährt. Aus dem Südsudan sind bereits 2,5 Millionen Menschen in die Nachbarländer geflohen sowie weitere 2 Millionen, die im Land selbst fliehen mussten. Somit ist ein Drittel der Bevölkerung entwurzelt. Uganda hat davon 1,4 Millionen Flüchtlinge aufgenommen. Im Südsudan treffen also Krieg und Hungersnot zusammen und treiben die Menschen in die Flucht.
Gemeinsam mit den Menschen ihrer Gemeinde und den Katechisten haben Bruder Fafa und Bruder Erich eine traumatisierende Flucht erleben müssen. Nach und nach haben sie ihr Hab und Gut aus dem Haus im Südsudan nach Moyo gebracht, die Fahrt über die Grenze ist stets gefährlich, Fafa kündigt sich vorher bei den Grenzsoldaten an und klärt alles gut ab. Zum Glück haben die Brüder wichtige Kontakte vor Ort, die ihnen dabei helfen alles über die Grenze zu transportieren. Ihr Haus wurde geplündert, die Soldaten und Rebellen klauen und zerstören alles. Jetzt bauen sie sich in Palorinya, nahe des Flüchtlingscamps, ein neues Leben auf. Natürlich hoffen alle bald in den Südsudan zurückkehren zu können, aber das wird nach Einschätzung Fafas wohl noch mehr als fünf Jahre dauern. Deshalb bauen sie gerade eine Unterkunft für die Comboni- Missionare. Dazu gehört auch ein großes Landwirtschaftsprojekt, mit Kühen, Schweinen, Ziegen, Hasen, Hühnern und Feldern. An diesem Projekt arbeiten viele gut ausgebildete Südsudanesen mit, die Fafa mit dieser Arbeit unterstützt, damit sie ihre Traumata überwinden können. Bruder Fafa erklärte uns, dass es im Camp an psychologischer Hilfe mangelt und deshalb eine sinnvolle Aufgabe und tägliche Beschäftigung die beste Chance sei, um das Erlebte zu verarbeiten. Fafa kümmerte sich sehr liebevoll um seine zwei Gäste und zeigte uns voller Energie sein Projekt. Er selbst hat das Haus mitkonstruiert und beaufsichtigt täglich den Bau.

Außerdem durften wir die ebenfalls geflohenen Comboni Schwestern kennenlernen. Diese engagieren sich stark und setzen sich vor allem für die geflüchteten Frauen ein, indem sie diesen Mikrokredite bereitstellen, um ein eigenes Geschäft wie zum Beispiel einen Lebensmittelladen, einen Frisörsalon oder ähnliches aufzubauen. All diese Initiativen werden geleistet, obwohl die Flüchtlinge keine Arbeitserlaubnis haben. Es ist allerdings der einzige Weg, sich eine eigene Existenz aufzubauen und kleines Geld zu verdienen. Außerdem finanzieren sie mit Hilfe ausländischer Sponsoren für viele der Mädchen eine gute Schulausbildung.
Generell sind die Möglichkeiten für die Kinder zur Schule zu gehen gut, jedes Kind kann eine Schule besuchen. Allerdings sind die Schulen so überfüllt und es gibt Platz- und Lehrermangel, sodass die eine Hälfte der SchülerInnen am Vormittag unterricht wird und die andere Hälfte erst am Nachmittag kommt und bis zum Abend Unterricht hat.
Bruder Fafa zeigte uns mit dem Auto das riesige Flüchtlingscamp Palorinya und am Sonntag feierten wir gemeinsam mit Father Martin eine schöne Messe in einer improvisierten Kirche aus Holzstöcken und zerrissenen Planen. Die Kirche war sehr gut besucht, es gab einen Chor und die Katechisten begleiteten den Gesang mit der Trommel. Eigentlich war die Messe auf Englisch. Allerdings wurden die Gebete auf Arabisch gesprochen und die Predigt hielt Father Martin dann auf Englisch. Drei Gemeindemitglieder übersetzten seine Worte dann auf Sudanesisch-Arabisch, Dschuba-Arabisch und Madi (Sprache in der Grenzregion Uganda-Südsudan). Das machte es zwar auf der einen Seite etwas schwer der Predigt zu folgen, war aber auf der anderen Seite ein ganz außergewöhnliches Erlebnis. So werden die Hoffnung bringenden Worte des Priesters an alle weitergegeben.
Die Fahrt durch das Camp beeindruckte mich nachhaltig. Jedem Flüchtling, der in der Erstaufnahmestation ankommt, wird mit seiner Familie ein Stück Land zuteil, dass er bebauen darf. Dazu werden ihm die nötigen Materialien für ein Haus sowie einige Samen beispielsweise für den Maisanbau zugeteilt. Inzwischen hat Palorinya ein richtiges Stadtzentrum entwickelt, in dem es allerlei Läden, eine KfZ-Werkstatt und Krankenhäuser gibt. Das Camp ist also wie eine eigene Stadt etwas außerhalb von Moyo und ist so groß, dass über 200.000 Menschen darin Platz finden.
Die Ugander haben also große Teile ihres Landes abgegeben, damit sich die Südsudanesen ein neues Leben hier aufbauen können. Außerdem hat Fafa uns berichtet, dass die Ugander die Südsudanesen sehr gut aufgenommen haben und er weder mit Auseinandersetzungen im Camp noch mit Auseinandersetzungen zwischen Ugandern und Südsudanesen Probleme hat. Rund 76,8% der Flüchtlinge sind Christen, was das friedliche Zusammenleben im Camp begünstigt. Und alle vereint die starke Hoffnung, dass sie bald wieder in ihre Heimat zurückkehren können.
Erschreckend waren die langen Schlangen an den Wasserpumpen. Über 200 der großen Kanister standen dort und warteten darauf gefüllt zu werden. Den Menschen mangelt es also an Wasser, vor allem weil es in der Zeit wenig geregnet hatte. Wenn der Regen kommt, bringt er allerdings auch große Probleme für die Menschen mit, deren Häuser noch nicht befestigt sind, da sie unterspült und weggeschwemmt werden.
Bruder Fafa würde sich sehr über finanzielle Unterstützung freuen, die unter anderem der Wasserversorgung im Camp zu gute kommt! Wenn ihr etwas spezielles unterstützen möchtet, könnt ihr das natürlich auch auf Englisch im Verwendungszweck angeben. Der Bankaccount ist:

Bank: Stanbic Bank

Account name: Comboni Missionaries Moyo

Account number: 9030014148298

SWIFT Adresse: SBICUGKX

 Wir verbrachten sehr schöne, lehrreiche und beeindruckende Tage bei Bruder Fafa in Moyo, die uns für immer im Gedächtnis bleiben werden.

Mein 19. Geburtstag in Alenga

Am 14. Mai war es dann soweit: ich bin 19 Jahre alt geworden. Das hatten die Schwestern und Priester mit der Zeit auch irgendwie rausbekommen und so wurde es ein richtig schöner Tag. Gestartet haben Francesca und ich mit einem ausgiebigen Frühstück, Francesca hatte die Küche mit sehr viel Liebe dekoriert und wir genossen Toast, Spiegeleier und was es so gab. Während des Frühstücks kamen schon Babra, Sharon und Morine vorbei und sangen mir ein kleines Ständchen. Die drei Mädchen sind während der Ferien im Konvent untergekommen. Während Babra und Sharon Schülerinnen, der Näherinnenschule sind, die sich zu Hause nicht wohl fühlen und gebeten haben über die Ferien bei den Schwestern leben zu dürfen, ist Morine noch etwas jünger und geht auf die Apele P/S, über die wir auch schon berichtet haben. Sie wohnt schon seit zwei Jahren bei den Schwestern und nennt alle drei auch ganz frei Mama, was total niedlich ist. Jedenfalls sangen die Drei mir ein wunderbares Happy Birthday und überreichten frisch aus dem Garten gepflückte Blumen.
Danach kam dann der etwas unerfreuliche Teil des Tages: Wir mussten die ganzen Gästezimmer putzen. Fegen, wischen und nochmal wischen. Mit Musik war die Putzaktion dann doch nicht so schlecht und weil wir ja schließlich für unsere Eltern wischten, ließ es sich erst recht aushalten. Die Vorfreude stieg nämlich täglich sehr, auch wenn ich es gar nicht realisieren konnte, dass sie in wenigen Tagen in Uganda sein würden.
Am Abend gab es dann ein kleines Fest für mich gemeinsam mit den Schwestern und Priestern, Francesca, Sister Evaline und Sister Anne tanzten sogar für mich und es gab leckeren Kuchen! Glücklich und erschöpft nach der langen Putzaction fielen wir am Abend ins Bett.

Apwoyo kwano! Vielen Dank fürs Lesen und viel Spaß beim nächsten Artikel, in dem ich vom Besuch unserer Eltern berichten werde.

Eure Greta

Erste Fortschritte sind sichtbar

Liebe Leserinnen und Leser,

zu Beginn dieses Artikels möchte ich mich erst einmal bei den zahlreichen Spendern bedanken, die das Projekt in Alenga bereits unterstützt haben!

Ich habe mich über die vielen Reaktionen auf meinen Zeitungsartikel und die Rundmail gefreut und am Ende ist tatsächlich so viel zusammengekommen, dass wir nun nicht nur die beiden kleinen Jungen, Timothy und Oscar, zu einer privaten Schule schicken konnten, sondern auch Paten für neun der Schülerinnen, die ich unterrichte, gefunden haben. Diese Patenschaften sind etwas ganz Besonderes und nehmen den Mädchen einige Sorgen, so dass sie sich in der Schule hoffentlich freier fühlen und ganz auf das Lernen konzentrieren können.

Eine Baustelle auf dem Schulgelände

Außerdem haben wir ausreichend Spenden bekommen, um mit dem Bau des Schlafsaals starten zu können. Direkt nach unserem Urlaub haben wir gemeinsam mit unserem Mentor, Father Stan, ein Gespräch mit dem Architekten geführt und alles in die Wege geleitet.

Inzwischen lassen sich die Baufortschritte wirklich sehen, so dass ich beschlossen habe, euch ein kleines Zwischenupdate zu geben:

Tatsächlich fehlt uns aber immer noch Geld für den Bau des Schlafsaals. Wir haben uns von vornherein für die etwas teurere Option entschieden, die eine Isolation des Gebäudes beinhaltet. Der jetzige Schlafraum hat keine ausreichenden Lüftungsmöglichkeiten und wenn knapp 60 Mädchen dort schlafen, kann man sich vorstellen, dass es wirklich unangenehm ist. Gerade in der Trockenzeit, die jetzt hinter uns liegt, bleibt es auch nachts so heiß, dass man im Sitzen anfängt zu schwitzen. Nun hat die Regenzeit begonnen, was nicht nur eine angenehme Auswirkung auf die Temperaturen zeigt, sondern auch die Natur ist endlich wieder grün und die Landwirtschaft kann beginnen.

Nun vom Wetterbericht wieder zurück zum Thema: Wir brauchen noch Spendengelder, zum einen, um die Isolation finanzieren zu können und zum anderen für die Innenausstattung des Saals: Stockbetten, Moskitonetze (momentan schlafen ca. die Hälfte der Mädchen ohne Netz) und andere kleine Anschaffungen.
Ich würde mich also sehr freuen, wenn unter meinen Leserinnen und Lesern noch jemand Lust hat zu spenden! Gerne darf das Projekt auch in Freundes-, Familien- oder Nachbarschaftskreise getragen werden.

Comboni-Missionare KöR, 73479 Ellwangen

IBAN: DE66 6145 0050 0110 6170 15

BIC: OASPDE6AXXX

Verwendungszweck: MaZ Margareta Berges (628) Alenga, Uganda

Bei Fragen oder Anregungen meldet euch einfach bei mir unter greta.berges[@]gmx.de.

Ich wurde nun schon häufig gefragt, ob das Geld denn wirklich bei mir ankommt etc.: Die Spende wird von der Missionsprokura in Deutschland vollständig und ohne Abzug nach Uganda überwiesen. Die Prokura der Comboni-Missionare in Uganda behält dann ca. 5% der Spende für sich als Bearbeitungsgebühr und um Arbeitskräfte zu bezahlen. Daraus folgt, dass 95% der Spende hier bei mir ankommen und direkt in den Schlafsaal fließen. Der Bau wird durch eine einheimische Firma aus unserem Nachbardorf Ibuje geleitet und organisiert, alle Arbeitskräfte stammen aus Alenga und Umgebung.

Noch kurz zu mir und zur Schule

Abgesehen vom äußerst professionellen Betrachten der Baustelle, was sich dank meiner Unkenntnis eher darauf beläuft oberkörperfreien Männern ein freundliches „Apwoyo tic“ (Danke für Ihre Arbeit) zuzurufen – keine Sorge, Father Stan kennt sich besser aus und hat ein Auge auf die Baustelle geworfen – geht es mir hier in Alenga nach wie vor richtig gut!
In der Schule stehen diese Woche schon die „Mid Term Exams“ an, was mir mal wieder gezeigt hat, dass die Zeit viel zu schnell vergeht. Klausur stellen und korrigieren, das macht mir am wenigsten Spaß an meiner Arbeit. Ja, dieses Jahr hilft mir tatsächlich auch Empathie für meine ehemaligen Lehrer zu entwickeln. Etwas spät zwar, aber für die Universität reicht es ja noch. 🙂

Ansonsten verbringe ich gerne Zeit in der Schule, egal, ob mit den Mädchen während des Unterrichts und in ihrer Freizeit, mit den Lehrern in den Pausen oder an der Nähmaschine. Als Freiwillige stehe ich etwas zwischen den Stühlen – schließlich bin ich kaum älter als die meisten Mädels und habe selbst gerade erst die Schule beendet, aber auf der anderen Seite stehe ich vormittags als Autoritätsperson vor der Klasse, ermahne störende Schülerinnen und vergebe Noten. Das ist nicht immer ganz leicht, aber ich habe mich gut eingefunden, versuche den Mittelweg zu finden und wurde von Sister Anne „senior woman teacher“ getauft, was das ganz genau bedeutet, habe ich aber noch nicht rausgefunden.

Am Sonntag, den 4. März, haben wir eine Einführungsparty für die neuen Erstklässler, die seit Februar bei uns sind, gefeiert. Es war ein schönes Fest mit kurzen Reden, viel Tanz, Musik und leckerem Essen, das wir zuvor alle gemeinsam gekocht hatten. Ich habe den Tag mit den Mädchen sehr genossen. Besonders lustig war es, als sie Fotos auf meinem Handy angeschaut haben und mich in Hot Pans und Top irgendwo in Berlin gesehen haben. Danach haben sie mich detailliert zum deutschen Kleidungsstil ausgefragt und ich musste viel lachen. Inzwischen habe ich mich schon so an meine knielangen Röcke gewöhnt, dass selbst ich kurz aufschrecke, wenn ich ein Foto von mir in Hot Pans sehe. Penina, ein besonders aufgewecktes Mädchen, hat mich direkt mal gefragt, ob sie meine Hot Pans haben könne. Sie würde dann nach Entebbe an den Strand fahren und sie dort tragen.

Ihr Lieben, vielen Dank für euer Interesse, eure Unterstützung und alle lieben Nachrichten, die ich hier empfange.

Ganz liebe Grüße aus dem wunderschönen Alenga,

eure Greta

Sicherheit (#4)

Hallo zusammen,

Inzwischen schreiben wir schon das Jahr 2018 und, wie sollte es anders sein, es hat sich schon wieder so einiges ereignet.

Nachdem wir unseren Marathon an Weihnachtsfeiern erfolgreich absolviert hatten, hatten wir die Woche vor Weihnachten ab dem 20. Dezember bis hin zum 2. Januar frei. Heilig Abend und den ersten Weihnachtsfeiertag haben wir noch in New Manila verbracht. Am 24. Dezember abends haben wir nach der Kirche zusammen Kässpätzle gekocht und deutsches Bier getrunken. Anschließend haben wir noch eine kleine Bescherung gehabt und den Abend gemeinsam mit einem Freund, der noch zu einem kurzen Besuch vorbeikam, ausklingen lassen. Am 25. Dezember bereiteten wir uns am Vormittag ein paar schöne Schnitzel mit Kartoffelsalat zu. Die Schnitzel waren sehr lecker, der Kartoffelsalat in Ordnung, aber auch noch ausbaufähig. Wir haben dann eben doch nicht so viel Erfahrung wie unsere Mamas und Omas… Den Abend des 25. Dezembers haben wir dann noch mit einer kräftigen Brotzeit abgeschlossen, die wir dank einiger Wurst, die ich aus dem Ries noch hatte und welche zu viel für die Gastgeschenke war, in vollen Zügen genießen konnten. Mit von der Partie war unser Freund Peter, mit dem wir uns noch am selben Abend auf die Reise begaben.

Alles in Allem hatte ich mir Weihnachten ohne meine Familie viel schlimmer vorgestellt, aber mit Moritz und Simon habe ich doch ein ganz schönes Fest gehabt. Vielleicht liegt das auch daran, das es einige Dinge gab, welche an die bisherigen Weihnachtsfeste erinnert haben: wie jedes Jahr habe ich wieder viel zu viel gegessen und war nach jedem Mahl einfach nur babbsatt, das Essen und das Bier waren deutsch, was vielleicht noch viel mehr an Weihnachten zu Hause erinnert hat.

Wie bereits gesagt zogen wir noch direkt am Abend des 25. Dezembers los und kamen noch vor dem Morgengrauen des 26. Dezembers in Alaminos in der Nähe von den Hundred Islands in der Provinz Pangasinan an. Wir verbrachten die Tage dort gemeinsam mit Jan, einem deutschen Freund von Peter, bei Peters Tante. Wir sind in der gemeinsamen Zeit dort immer zusammen auf dem Markt zum Einkaufen gegangen und haben viel zusammen gekocht. Für einen Tag sind wir in der Nähe zu einem sehr idyllischen und wahnsinnig schönen Wasserfall gefahren. Das Wasser dort hat mich wegen der Farbe ganz stark an die Plitvicer Seen erinnert, auch die Umgebung war etwas ähnlich. Wir konnten dort baden und einige Zeit an diesem schönen Ort verweilen, bevor es wieder zurück nach Alaminos ging.

Am nächsten Morgen machten wir uns schon sehr früh daran, zu kochen und das Essen einzupacken, denn es sollte schon bald losgehen in den Hafen und von dort weiter zum Islandhopping bei den Hundred Islands. Die Hundred Islands sind ein großer Nationalpark und umfassen ein riesiges Areal von vielen vielen Inseln in unterschiedlichster Form und Ausprägung. Einige der Inseln sind noch so gut wie unberührt, wohingegen andere schon einige Häuser und Dinge wie eine Seilbahn haben, welches den Touristen dient. Mit unserem Bootsmann, der uns über den Tag begleitete und von Insel zu Insel brachte, haben wir auch zunächst zwei Inseln dieser Art besucht, welche wirklich sehr schön, aber von sehr vielen Leuten frequentiert waren. Auf einer konnten wir auf einen kleinen Berg laufen, von welchem sich uns ein wirklich guter Blick auf die wahnsinnig schöne Umgebung bot. Auf einer der Inseln, welche wir bei unserer Fahrt passierten, stand eine riesige Jesus-Statue aus Stein, ähnlich wie die in Rio de Janeiro. Andere Inseln, so erklärte uns Peter, werden aufgrund ihrer Gestalt von den Leuten mit Tieren wie beispielsweise einer Schildkröte verglichen. Die letzte Insel, die wir aufsuchten, war fernab von den vielen Leuten und wir hatten sie fast komplett für uns allein, so war es auch mit Abstand die beste von allen. Das Wasser dort war wahnsinnig klar und der Strand sehr schön. Auf der einen Seite der Insel waren hohe, bewachsene Felsen, auf denen man ein wenig herum klettern konnte. In der Mitte hatte sich das Wasser einen Weg durch die Felsen gebahnt und lief zu einem flachen, etwas größeren Teich in der Mitte zusammen. Die komplette Insel war von sehr flachem Wasser umgeben, was zum Schnorcheln fast schon wieder zu flach, aber nicht weniger schön war. Wir konnten wieder eine tolle Unterwasserwelt sehen und einige schöne Fische bewundern. Simon konnte außerdem schmerzhafte Bekanntschaft mit einem Seeigel machen, eine dauerhafte Freundschaft wurde daraus aber nicht.

Wir haben dort dann den kompletten restlichen Tag mit Essen, Trinken, Klettern, Schnorcheln und Nichtstun verbracht, bis wir uns dann gegen 17:00 Uhr wieder auf den Rückweg machten. Theoretisch hätten wir auch auf einer der Inseln übernachten können, allerdings darf man dann kein Lagerfeuer machen und außerdem zog es Jan am nächsten Tag in aller Früh schon weiter in die Berge, weshalb wir uns dann doch dagegen entschieden. Im Nachhinein dann vielleicht doch ganz gut, denn von Teacher Althea aus dem Konvent in Loyola erfuhr ich einige Zeit später, dass die Inseln des Nachts ganz gerne von Ratten aufgesucht werden.

Von Alaminos ging es am nächsten Tag auch schon wieder weiter nach La Union. Die ca. 130 Kilometer zogen sich in verschiedenen Bussen ganze sieben Stunden, was etwas nervig war. Wir kamen dann gegen 16:30 in der kleinen Ferienwohnung in La Union, genauer gesagt San Juan, an. In dieser Wohnung hatten wir eine kleine Terrasse mit Blick auf das Meer, was wirklich wunderbar war. La Union ist besonders bei Surfern beliebt, da die Gegend bekannt ist für gute Wellen.

Wir machten uns nach unserer Ankunft erst mal auf nach San Fernando, die nächstgrößere Stadt, um dort einzukaufen. Da die Jeepneys alle voll besetzt waren, fuhren wir per Anhalter auf der Ladefläche eines kleinen Trucks mit. Nach dem Einkauf und dem anschließenden Abendessen ließen wir den Abend und die Nacht noch in einer Bar am Strand ausklingen. Im Laufe der nächsten Tage kamen noch weitere Freunde aus Manila, die zum Teil das neue Jahr mit uns in La Union am Strand verbrachten.

Den nächsten Tag verbrachten wir am Strand und dort konnten wir uns auch erstmals am Surfen probieren. Wie so viele Dinge auf der Welt ist das eine Sache, die viel einfacher und lässiger aussieht, als es wirklich ist. Das beginnt schon damit, die richtige Welle und dann auch noch das richtige Timing zu finden. Alles nicht so einfach, aber ich möchte da auf jeden Fall dran bleiben, wenn es geht.

Am Silvesterabend machten wir uns nach dem gemeinsamen Essen wieder auf an den Strand in die Bar und verbrachten dann die ersten Sekunden des neuen Jahres im Wasser, von wo aus wir ein schönes Feuerwerk bewundern konnten. Nach Mitternacht wurden dann am Strand einige Lagerfeuer angezündet, um die sich viele Menschen versammelten. Der Start ins neue Jahr war dieses Jahr ein ganzes Stück anders, als ich es sonst so gewohnt war, am Strand aber auch wirklich cool.

Am Abend des 1. Januars haben wir uns dann auch schon wieder auf den Rückweg gemacht, was recht flott ging und nach fünf Stunden Fahrt waren wir dann schon wieder in Manila.

Für uns und unsere Kids ging es am 3. Januar dann schon wieder mit dem Unterricht los. Ich habe jetzt angefangen, mit meinen Schülern die ersten Buchstaben des ABCs zu schreiben, was eigentlich schon ganz gut klappt. Auch wenn die Stunden manchmal doch sehr durchwachsen waren, denke ich, dass die Kinder schon einige Fortschritte gemacht haben.

Des Weiteren steht unser Theaterstück „A Midsummernight‘s Dream“ kurz vor seiner Premiere. Um für die letzten Details noch einmal einen Blick von Außenstehenden zu bekommen, wurde vergangenes Wochenende zur sogenannten „Critics night“ ins Konvent geladen. Es kam beispielsweise die Frau, die das Stück adaptiert hat, einige Mitarbeiter von Puso sa Puso und Mitglieder der Salvatorianer sowie einige externe Gäste. Unter der Woche hatten schon 15 Schüler aus Payatas die Möglichkeit, an einem Praktikum teilzunehmen, dass ihnen einen Einblick in die Erstellung von Bühnenbild und Requisiten sowie den Ablauf hinter den Kulissen des Stücks gab, bei dem dann in diesem Zuge die benötigten Dinge für unser Stück hergestellt beziehungsweise die Abläufe geübt wurden.

Diesen Freitag fand dann im Konvent in Loyola noch das „feast of languages“ (zu Deutsch: Fest der Sprachen) statt. Hierbei wurden die Länder Dänemark, Indonesien, Sri Lanka, East Timor, Kenia sowie die Philippinen genauer unter die Lupe genommen, was jene Länder und ihre Sprache(n) anbelangt. Die Vorträge wurden von Teacher Althea, welcher sieben Jahre in Dänemark gelebt hat, salvatorianischen Priestern aus Kenia sowie den Englisch-Schülern in Loyola, die aus genannten Ländern in Südostasien stammen, vorbereitet. Auch wir wurden eingeladen und konnten einen Einblick zu Deutschland und seiner Sprache geben.

Was in der Reihe über den Alltag in Manila auch nicht fehlen darf und was einen immensen Unterschied zu Deutschland darstellt, ist der Aspekt der Sicherheit. Hier in Manila steht vor jeder Bank, jedem Supermarkt, jeder Mall, jeder Bahnstation und vielen anderen Geschäften eine Sicherheitsbeamte oder ein Sicherheitsbeamter, der die Leute kontrolliert. Dafür werden meist die Hüften und der Bauch ein wenig abgetastet, wenn man einen Rucksack oder eine Tasche dabei hat, muss man diese öffnen, damit die BeamtInnen den Inhalt mit einem Stock etwas durchgehen können. Bei den Kontrollen vor dem Zug, dem LRT, mussten wir auch schon Geschenke, die wir eingepackt für die Weihnachtsfeier dabei hatten, auspacken und konnten diese dann nach der Kontrolle wieder dort einpacken. Die Sicherheitskräfte sind mindestens mit einem Knüppel, in der Regel aber mit einer Pistole wenn nicht sogar in einigen Fällen mit schwererem Geschütz wie einem Maschinengewehr oder einer Pumpgun bewaffnet. Wie viel Sinn die Kontrollen durch dieses Personal wirklich ergeben, ist die Frage. Allerdings kann man auf jeden Fall festhalten, dass der Sicherheitssektor einen nicht unbedeutenden Wirtschaftsteil darstellt. Dies manifestiert sich auch in den sogenannten Gated communities. Das sind Siedlungen, die Tag und Nacht von Sicherheitspersonal überwacht werden und in denen gerade die reichere Bevölkerungsschicht lebt.

Des Weiteren sieht man auch im Straßenverkehr häufig gepanzerte Fahrzeuge, die Geld für Geschäfte und Banken von A nach B transportieren. Hin und wieder habe ich auch schon Fahrzeuge der Armee in der Stadt herumfahren sehen.

Generell gewöhnt man sich an dieses Bild eigentlich doch recht schnell. In Deutschland habe ich mich eigentlich eher immer unsicherer gefühlt, wenn beispielsweise bewaffnete Polizisten an einem größeren Bahnhof gesehen habe, weil ich mir gedacht habe: Ei, da muss doch was im Busch sein, die laufen doch hier nicht einfach so umher. Hier ist es inzwischen völlig normal und ich fühle mich nicht wirklich unsicherer deswegen, was ich mich in den Gegenden, in denen ich mich hier in der Metro Manila bewege, eigentlich sowieso nie tue.

Für Moritz, Simon und mich geht es jetzt dann erst mal zum Zwischenseminar auf die Insel Negros in die Nähe der Stadt Dumaguete City.

Viele Grüße aus Manila

Jakob

Mit viel Prozent in den Advent

Hallöchen ihr Lieben,
heute ein kleiner Bericht von eurem Dreamteam aus Alenga zu unserem ersten Advent:

Morgens gingen wir wie jeden Sonntag um acht Uhr in die Kirche. Da wir Teil des Chors sind, haben wir deshalb eigentlich immer gute Sitzplätze und es ist ein schönes Gefühl auf diese Weise in die Gemeinde integriert zu sein. Leider hing kein riesiger Adventskranz am Altar, auf dem die erste Kerze brannte, weil der Brauch hier nicht bekannt ist. In den Adventsgottesdiensten darf aufgrund der besinnlichen Vorbereitungszeit auf Christi Geburt nicht getanzt werden, was wir schade und ungewohnt fanden. Wir freuen uns schon darauf, wenn in der Weihnachtsmesse dann alle wieder voller Elan und Freude singen, tanzen und klatschen.

Erste Erfahrungen als Schnapsbrennerin

Danach besuchten wir unsere Freundin Anna, wo wir auch Walter und Brown trafen, ebenfalls Freunde von hier. Anna hatte uns eingeladen, mit ihr gemeinsam zu kochen und zu essen und dieses Mal auch Schnaps zu brauen. Wir waren sofort begeistert und freuten uns sehr auf den Besuch.

Als wir ankamen, hatte Anna bereits einige Flaschen Schnaps hergestellt und so gesellten wir uns einfach dazu, schauten zu, stellten Fragen und halfen mit, wo es ging. Der Schnaps wird aus Cassava gebraut. Cassava ist eine Pflanze und gehört zu den Wolfsmilchgewächsen. Das hat hier eigentlich jeder im Garten, sie wird gegessen und gekocht wie Kartoffel und wir finden sie super lecker.

Für den Schnaps wird die Cassava gemahlen, mit Wasser vermengt und dieser Mix wird eine Woche lang stehen gelassen, um zu gären. Dann füllt man es in sogenannte „Gulus“, die man fest verschließt und erhitzt. Wenn es innen so heiß ist, dass der Dampf aus dem Topf kommt, führt man einen Schlauch ein, über den der Dampf in eine Schüssel mit kaltem Wasser geleitet wird, abkühlt und dann in kondensierte Form als Schnaps aus dem Topf in die Flasche läuft (s. Fotos). Chemikalisch ist das sicher nicht perfekt ausgedrückt, dafür hätten wir in der Schule wohl besser aufpassen müssen.
Jedenfalls ist das Ganze ziemlich viel Arbeit, aber der Schnaps schmeckt gar nicht schlecht und lässt sich laut Anna sehr gut im Dorf verkaufen. Wir haben ihn warm probiert und fanden ihn auch ganz schön stark, aber trotzdem besser als erwartet.
Nebenbei haben wir noch gemeinsam gekocht und dann – wie immer bei Anna – super lecker und viel zu viel gegessen. Zufrieden und glücklich gingen wir am späten Nachmittag wieder Heim.

Ein schöner und lustiger erster Advent bei 35 Grad im Schatten. Hier kommt durch die Päckchen unserer Eltern mit Plätzchen, Dekoration und Adventskalender im Haus sogar ein bisschen Weihnachtsstimmung auf, sobald man das Haus aber verlässt, sieht man keine Deko oder Vorbereitungen, wie wir sie gewöhnt sind, sodass man schnell vergisst, dass Dezember ist.

Sonnige Grüße aus Alenga in die kalte Heimat,

Francesca und Greta

Das Tricycle (#3)

Hallo zusammen,

Inzwischen ist es schon wieder eine ganze Weile her, dass ich meinen letzten Eintrag geschrieben habe. Es tut mir leid, dass ich euch wiederum so lange auf Neuigkeiten von den Philippinen habe warten lassen müssen. Eine Sache, die ich aber zunächst noch unbedingt erwähnen muss, sind die Orientierungstage für alle Interessierten am MaZ-Programm für den kommenden Sommer. Diese finden am 02.12.2017 beziehungsweise 13.01.2018 in Nürnberg statt. Weitere Details dazu finden sich unter cosamaz.org. Bitte auch gerne im Bekannten- und Freundeskreis Werbung dafür machen und es verbreiten! Dankeschön.

ABC- und Zahlenunterricht mit Dreijährigen

In den letzten Wochen lerne ich die Kinder im Unterricht immer besser kennen und zum Teil auch besser unter Kontrolle zu halten. Dies gelingt natürlich nicht immer, man darf schließlich auch nicht vergessen, dass die Kinder zum Teil erst drei Jahre alt sind und in was für einer Umgebung sie aufwachsen. In diesen Fällen helfen mir die Eltern sehr oft weiter, die mir inzwischen schon viel mehr vertrauen, was sich dadurch bemerkbar macht, dass sie sich im Hintergrund halten oder die Kinder nur zum Unterricht bringen und kaum noch in den Unterricht eingreifen. Derzeit versuche ich meinen Kindern durch Memory die ersten Buchstaben des ABC beizubringen. Ich hoffe, dass sie so die Buchstaben zunächst kennen lernen, was das Schreibenlernen später hoffentlich erleichtert. Ein weiterer fester Bestandteil ist weiterhin das Gebet zu Beginn und zum Schluss der Stunde sowie das Nachfahren von Linien und Ausmalen von Bildern. Durch letzteres soll die Fertigkeit im Stifthalten und Handhaben trainiert werden. Hierbei habe ich auch angefangen, den Kindern beizubringen nach den Stiften höflich zu fragen, bevor sie diese bekommen, was inzwischen schon ganz gut funktioniert. Sowohl beim Memory als auch bei anderen Spielen wie Domino oder bei Puzzles binde ich es immer wieder mit ein, die Kinder etwas zählen zu lassen, um auch die Zahlen im Zahlenraum von eins bis zwanzig zu verfestigen. Da Simon schon vergangene Woche frei hatte, in welcher Moritz und ich gearbeitet haben, während wir diese Woche keinen Unterricht haben und Simon arbeitet, konnte Simon uns beide einen Tag bei unserer Arbeit begleiten und einige Fotos mit uns und den Kindern machen, auf die viele von euch sicherlich schon sehnsüchtig gewartet haben. Ich hoffe, es kann auch einen ganz guten Eindruck in die Stunden mit den Kindern geben.

Probenmarathon und Landerkundung

Weiterhin investieren wir viel Zeit und Mühe in die Tanz- und Theaterproben für das Theaterstück im kommenden Jahr. Die letzten drei Tage hatten wir einen wahren Probenmarathon von morgens bis abends und zudem hatten wir die erste Darbietung der „Rohversion“ vor zwei Personen, die unser Spiel das erste Mal gesehen haben und so konstruktive Kritik üben konnten. Bis zu unserer ersten Aufführung im Februar werden nun die Feinheiten und Details weiter ausgearbeitet und vertieft.

Da wir vergangenen Montag sowie diese Woche frei hatten, nutzten wir die freie Zeit, um uns wieder einige Flecken dieses Landes anzusehen. Zum einen haben Moritz, Simon, einige andere Freunde und ich uns auf die Insel Tingloy zum Masasa Beach aufgemacht. Dort haben wir eine Nacht verbracht und waren die beiden Tage, die wir auf dieser Insel verbracht haben, vor allem am Strand. Der helle Sand sowie das klare Wasser dort waren sehr beeindruckend. Auch die Bootsfahrt zu der Insel war wirklich gut, weil wir um die gesamte Insel zunächst herumfuhren, um auf die Südseite zu gelangen. Auf diese Weise haben wir sehr viel zu Gesicht bekommen.

Als ich einmal auf dem Weg zum Strand war und den Weg an einer etwa drei Meter hohen Felswand entlang lief, fiel plötzlich aus heiterem Himmel eine riesige, schwarze Echse mit gelben Punkten mit einem lauten Klatscher neben dem Weg in den Sand. Das Tier war locker über sechzig Zentimeter lang und ich war genauso erstaunt wie die anderen Leute in der Nähe und als ich wirklich registriert hatte, was passiert ist, war die Echse auch schon wieder zwischen die Felsen geschlüpft und verschwunden.

Atemberaubende Landschaft

In der Nacht auf Sonntag habe ich mich gemeinsam mit Mirko und Tere auf den Weg zur Insel „Cagbalete Island“ zu Teres Tante gemacht. Diese betreibt dort das sehr schöne Resort „Villa Noe Beach“, in dem wir zwei Nächte verbringen konnten. Den ersten Tag sind wir wieder die letzte Strecke mit dem Boot angereist und konnten von diesem aus wieder die wunderschöne Gegend begutachten. Vom Boot aus mussten wir die letzten hundert Meter zum Strand waten, da bereits die Ebbe eingesetzt hatte und das Boot nicht näher an den Strand fahren konnte. Das Wasser dort war wieder wahnsinnig klar, der Sand total hell und überall Palmen mit Kokosnüssen. Am ersten Tag haben wir die Zimmer bezogen und den Strand ein bisschen erkundet. Außerdem haben wir nach Norden durch eine weite Gras- und Waldlandschaft in den kleinen Hafen aufgemacht, um dort etwas zu essen und uns diesen ein wenig anzusehen. Wegen des Regens der Tage zuvor waren die Wege zum Teil unter Wasser gestanden, was das ganze etwas hinauszögerte.

Nachdem wir zurück im Resort waren und mit zurückkommender Flut noch etwas badeten, ging ich auch schon gleich nach dem Abendessen ins Bett, da mir die Tante den Sonnenaufgang empfahl, der zwischen 4:30 und 5:00 Uhr morgens beginnen sollte. Das frühe Aufstehen für diesen hat sich auch wirklich gelohnt, es war wirklich wunderschön, langsam die Sonne hinter den Bergen und über dem Meer aufgehen zu sehen.

Um 7:30 Uhr haben wir uns dann außerdem schon wieder zum sogenannten „island hopping“ aufgemacht. Wörtlich übersetzt heißt das „Insel-hüpfen“ und beschreibt eigentlich ganz gut, was man dabei macht: Man fährt mit dem Boot von Insel zu Insel und schaut sich die sehenswerten Dinge dort an. In unserem Fall waren es nur zwei Inseln, was auch kein Problem und echt toll war. Zunächst haben wir uns eine beeindruckende Felsformation mit einer Höhle angeschaut. Von dort aus war der Plan eigentlich, zu einem Wasserfall zu fahren, aufgrund des starken Wellengangs war dies leider nicht möglich, weshalb wir direkt zum nächsten Strand weitergefahren sind.

An diesem Strand war mit zunehmender Ebbe nicht nur eine riesige Sandbank aus leuchtend weißem Sand sowie glasklares Wasser zu finden sondern auch überall Mangrovenbäume in den unterschiedlichsten Formen und Größen, angefangen von kleinen, aus dem Sand sprießenden Sprossen bis hin zu sehr alten Bäumen mit einem riesigen Wurzelsystem. Aufgrund ihrer Einzigartigkeit stehen die Mangrovenwälder dort auch unter strengem Naturschutz, hat Teres Tante mir erklärt.

Bald darauf machten wir uns auch schon wieder auf den Weg zu der kleinen Stadt am Hafen, um dort etwas zu Mittag zu Essen bevor es einige hundert Meter entfernt von der Küste dann wieder zum Schnorcheln ging. Auch hier gab es, wie beim letzten Mal auch schon, wahnsinnig viele und sehr unterschiedliche Fische und Korallen zu bewundern.

Da Tere und Mirko ihrerseits von der Produktion von kurzen Videos zu bestimmten Reisezielen in den Philippinen leben, könnt ihr hier auch ein Video zu unserem Ausflug finden.

Dieses Mal gehts ums Trycicle

Das nächste Verkehrsmittel, das ich euch im Zuge dieses Eintrags vorstellen möchte, ist das Trycicle. Ein Tricycle ist im Prinzip ein Motorad oder Moped mit einem Beiwagen, das Personen von A nach B transportiert. Je nachdem, in welcher Gegend man sich befindet, fahren diese Fahrzeuge ihre Passagiere über kürzere oder längere Distanzen. Hier in Manila beschränkt sich dies zumeist auf einen bestimmten Stadtteil, den die Fahrzeuge befahren. Je nach Stadtteil variiert dann auch die Farbe der Tricyles. Bei uns in der Gegend beispielsweise sind sie grün, wenn wir in die Arbeit fahren blau oder wenn wir ins Konvent möchten weiß.

In der Provinz legen die Tricycles dann auch oft weitere Strecken zurück. In Baler beispielsweise wurden wir jeweils über eine halbe Stunde zu unseren Ausflugszielen hin und zurück gefahren.

Abhängig von der Zahl der zurückgelegten Kilometer und der mitfahrenden Gäste variiert dann auch der Preis pro Passagier. Auf dem Weg nach Payatas beispielsweise sind es 9 Pesos (ca. 15 Eurocent) pro Person, wenn mehr als fünf Fahrgäste mit von der Partie sind.

Wie genau die Tricycles aufgebaut sind, hängt auch von der Gegend ab, in der man sich gerade befindet. In der Regel ist der Beiwagen des Tricycles eher eine kleine Kabine, zum Teil sogar mit einer Tür. Darin befindet sich eine Sitzbank, auf die sich zwei Leute mit Blick in Fahrtrichtung mehr oder weniger quetschen. Mit Blick zur äußeren Straßenseite sitzt dann in er Regel noch eine weitere Person im Innenraum auf einer schmalen Sitzfläche. Zum Teil haben die Tricycles hinter der Kabine dann auch noch eine Ablage für Gepäckstücke angebracht, was ich sehr praktisch finde, gerade, wenn man mit etwas mehr unterwegs ist. In der Provinz habe ich auch schon Tricycles gesehen, die nach hinten offen waren und eine weitere Sitzbank dort hatten, sodass die Passagiere im Prinzip Rücken an Rücken sitzen. Es kommt auch manchmal vor, dass sich ein Fahrgast, der noch mit möchte, hinten auf die Kabine stellt und dort mitfährt.

Hinter dem Fahrer sitzen dann normalerweise noch zwei weitere Personen quer zur Fahrtrichtung. Damit diese ein wenig mehr Platz haben, sind an die meisten Tricycles noch eine Verlängerung der Sitzbank hinzugefügt. Zusammen mit dieser Verlängerung ist zumeist auch das Dach über dem Fahrzeug angebracht, manchmal sieht man sogar noch eine daran angebrachte Frontscheibe für den Fahrer.

Falls es regnen sollte, hat in der Regel jeder Fahrer einige Planen dabei, die er dann am Dachgestell befestigt, um sich und die Passagiere hinter sich vor dem Gröbsten zu schützen.

Neben der Funktion des Transports von Passagieren werden Trycicles zum Transport von allen möglichen Dingen im Alltag verwendet, dann besteht der Beiwagen meist aus einem Gestell, das die zu transportierenden Dinge besser fasst. Oft werden sie genutzt, um Trinkwasserkanister oder Gasflaschen zu transportieren, man sieht aber auch alle möglichen anderen Dinge wie zum Beispiel Metallstäbe darauf herumfahren.

Meiner Meinung nach sind Trycicles sehr oft ziemlich eng und unbequem, was vermutlich aber auch an meiner Körpergröße und daraus resultierenden Schwierigkeiten liegen mag.

Viele Grüße aus Manila

Jakob

Gottes Segen für die Prüflinge

Hallo ihr Lieben,

heute möchten Greta und ich euch etwas über unsere Erfahrungen mit der Examensvorbereitung der SchülerInnen in Uganda berichten.

Besuch einer Privatschule

Letzten Donnerstag besuchten wir gemeinsam mit den Sisters und Father Justin eine besonders angesehene private Primary School in Apele. Durch den Kolonialismus, in dem die Briten das britische Bildungssystem in Uganda installiert haben, orientiert sich das ugandische noch heute am britischen Schulsystem und die Primary School geht von der ersten bis zur siebten Klasse. Die Sisters kennen den Schulleiter gut und auch wir durften ihn zuvor schon kennenlernen, so dass er uns ausdrücklich eingeladen hatte und sich sehr über den Besuch freute.
Anlass des Besuchs war das sogenannte „Dedication Prayer“. Das wurde hier vor einigen Jahren eingeführt und dient der mentalen Vorbereitung auf das Abschlussexamen, indem man Gott um seinen Beistand bittet und für die Chance auf Bildung dankt.
Bei der Ankunft fiel Greta und mir sofort auf, dass das ganze Schulgelände besonders sorgfältig angelegt und gepflegt ist. Bei näherem Kontakt mit den SchülerInnen bemerkten wir schnell, dass hier mit mehr Druck Englisch gelehrt wird als in der staatlichen Primary School Alengas und es den SchülerInnen leichter fiel, sich mit uns zu unterhalten.

Die SchülerInnen haben große Träume
Die Feier begann mit einer langen Messe, in der Father Justin die 40 SchülerInnen des Abschlussjahrgangs und auch ihre Hefte und Stifte segnete.  Am Ende fragte Father Justin die angehenden Absolventinnen und Absolventen nach ihren Berufswünschen. Die Jungen und Mädchen haben große Träume. Bei den Mädchen war insbesondere der Beruf der Krankenschwester beliebt, während die Jungs vielfältigere Pläne wie zum Beispiel Arzt, Pilot, Bankmanager, Priester und sogar Präsident haben.
Nach der Messe durfte jeder Gast, Lehrer und der Schulleiter eine kleine Rede halten. So durften auch wir zu Wort kommen und haben dabei von unseren ersten Lango Kenntnissen Gebrauch gemacht. Als kleinen Motivationsschub verteilten wir anschließend Süßigkeiten an die Prüflinge.
Nach einer kleinen Führung über das Schulgelände und einer ewig andauernden Fotosession, in der wir uns fühlten wie die Attraktion des Jahres, lud uns der Schulleiter zu sich zum Mittagessen ein.

Den SchülerInnen der Apele Primary School wünschen wir, dass ihre Eltern weiterhin Wert auf gute Bildung legen und sie deshalb finanziell unterstützen und nicht dazu zwingen, zu Hause oder auf dem Feld arbeiten zu müssen. Außerdem ist die Gefahr gerade bei Mädchen groß, dass sie schon unter 18 Jahren verheiratet werden und Kinder bekommen, weil vielen Eltern der Profit durch die Kühe der Familie des Ehemanns besonders wichtig ist. Kühe sind hier ein Symbol für Reichtum und Ansehen und somit sehr begehrt.

Die Feier für unsere Mädchen

Diesen Mittwoch fand dann ein ähnliches Fest für den Abschlussjahrgang der Nähschule in Alenga statt. Da unsere Schülerinnen ein buntes Programm für den Gottesdienst vorbereiteten, durften auch Greta und ich daran teilnehmen, indem wir uns der Tänzer-Gruppe anschlossen.
Nach einigen Proben fühlten wir uns immer noch sehr unsicher und wacklig auf den Beinen, während die Mädchen in ihren traditionellen Tänzen voll aufgehen konnten. Der Chor trommelte, rasselte und sang voller Elan und uns lief der Schweiß hinunter. Trotz unserer leichten Unbeholfenheit und Aufregung machte das Tanzen uns großen Spaß und alle Anwesenden waren von unseren Tänzen begeistert. Greta und ich bekamen viel Lob, und die Gemeinschaft freute sich, dass wir uns so gut mit den Schülerinnen verstehen und uns in die Kultur integrieren.

Eine Rede halten – das gehört zu jedem Fest dazu!
Wieder segnete Father Justin die Schülerinnen mit viel Weihwasser, was aufgrund ihres tief verwurzelten Glaubens besonders bedeutungsvoll, schön und wichtig für sie war. Nach Ende der Messe gingen wir gemeinsam in die Versammlungshalle der Schule, wo das Fest durch leckeres Mittagessen, Reden und Tänze abgerundet wurde. Besonders wundervoll war, wie sehr die Mädchen sich darüber freuten mal im Mittelpunkt stehen zu dürfen und ihre eigenen Auftritte vor der Schulgemeinschaft genossen. Auch wir kamen wieder zu Wort und versuchten den Mädchen einige Ratschläge für die Zukunft zu geben. Wir rieten ihnen unter anderem sich einen anständigen Mann auszusuchen, ihre Familie gut zu planen und dabei nie zu vergessen, dass sie durch ihre Ausbildung zur Näherin nun finanziell unabhängige und gut gebildete, noch sehr junge, Frauen sind.
Diese Worte empfinden wir als passend, da es der Schule ein großes Anliegen ist, dass die Mädchen sich durch die Ausbildung aus der in ihren Familien weit verbreiteten Armut befreien. Die Armut wird oft bedingt durch fehlende Bildung und die damit verbundene fehlende Aufklärungsarbeit, so dass Arbeitslosigkeit und mangelnde Verhütungsmethoden das Resultat sind. Weil einige Männer mit ihrer Lebenssituation unzufrieden sind, neigen einige davon hier zum Alkoholismus und es kommt manchmal dazu, dass Männer ihre Frauen schlecht behandeln oder missbrauchen und sich nach einiger Zeit eine neue bzw. zusätzliche Ehefrau suchen, sodass Frau und Kinder auf sich allein gestellt sind. Ein weiteres Ziel der Schule, und etwas, was Sister Anne den Schülerinnen immer versucht einzuprägen, ist, dass sie nicht zu früh heiraten und zu früh Kinder bekommen sollen. Es passiert hier, dass Mädchen, gerade mit niedrigem Bildungsstand, mit 17 Jahren das erste Mal  schwanger werden. Diese jungen Mütter haben kaum eine Perspektive, und ohne Bildung und eventuell auch noch mit einem Ehemann, der zu viel Alkohol trinkt, haben sie nur geringe Chancen auf ein zufriedenstellendes Leben.
Ich denke, nach dieser kurzen Erläuterung wird deutlich, wie wichtig es für Frauen ist (hier, aber auch auf der ganzen Welt), finanziell undabhängig zu sein.
Nach diesen Worten teilten wir zur Motivationsanregung wieder kleine Süßigkeitentüten aus, die die Schülerinnen mit viel Jubel entgegen nahmen.

Wir gehören dazu
Für uns ist es ein besonders schönes Gefühl, nun schon so in die Schulgemeinschaft integriert zu sein und enge Beziehungen zu den Mädchen aufzubauen. Die Proben waren besonders abwechslungsreich und lustig und die lockere Atmosphäre trug dazu bei,  dass wir uns noch wohler fühlen.

Danke fürs Lesen!
Wir werden euch in den nächsten Wochen noch mehr über unsere Arbeitsstellen und das ugandische Schulsystem berichten.

Kraft tanken vor wichtigen Prüfungen

Hallo ihr Lieben,

heute möchte ich euch etwas über unsere Erfahrungen mit der Examensvorbereitung der SchülerInnen in Uganda berichten.

Besuch einer Privatschule

Letzten Donnerstag besuchten wir gemeinsam mit den Sisters und Father Justin eine besonders angesehene private Primary School in Apele. Durch den Kolonialismus, in dem die Briten das britische Bildungssystem in Uganda installiert haben, orientiert sich das ugandische noch heute am britischen Schulsystem und die Primary School geht von der ersten bis zur siebten Klasse. Die Sisters kennen den Schulleiter gut und auch wir durften ihn zuvor schon kennenlernen, so dass er uns ausdrücklich eingeladen hatte und sich sehr über den Besuch freute.
Anlass des Besuchs war das sogenannte „dedication prayer“. Das wurde hier vor einigen Jahren eingeführt und dient der mentalen Vorbereitung auf das Abschlussexamen, indem man Gott um seinen Beistand bittet und für die Chance auf Bildung dankt.
Bei der Ankunft fiel uns sofort auf, dass das ganze Schulgelände besonders sorgfältig angelegt und gepflegt ist. Bei näherem Kontakt mit den SchülerInnen bemerkten wir schnell, dass hier mit mehr Druck Englisch gelehrt wird als in der staatlichen Primary School Alengas und es den SchülerInnen leichter fiel, sich mit uns zu unterhalten.

Die SchülerInnen haben große Träume
Die Feier begann mit einer langen Messe, in der Father Justin die 40 SchülerInnen des Abschlussjahrgangs und auch ihre Hefte und Stifte segnete. Am Ende fragte Father Justin die angehenden Absolventinnen und Absolventen nach ihren Berufswünschen. Die Jungen und Mädchen haben große Träume. Bei den Mädchen war insbesondere der Beruf der Krankenschwester beliebt, während die Jungs vielfältigere Pläne wie zum Beispiel Arzt, Pilot, Bankmanager, Priester und sogar Präsident haben.
Nach der Messe durfte jeder Gast und auch Lehrer und Schulleiter eine kleine Rede halten. So durften auch wir zu Wort kommen und haben dabei von unseren ersten Lango-Kenntnissen Gebrauch gemacht. Als kleinen Motivationsschub verteilten wir anschließend Süßigkeiten an die Prüflinge.
Nach einer kleinen Führung über das Schulgelände und einer ewig andauernden Fotosession, in der wir uns fühlten wie die Attraktion des Jahres, lud uns der Schulleiter zu sich zum Mittagessen ein.
Den SchülerInnen der Apele Primary School wünschen wir, dass ihre Eltern weiterhin Wert auf gute Bildung legen und sie deshalb finanziell unterstützen und nicht dazu zwingen, zu Hause oder auf dem Feld arbeiten zu müssen. Außerdem ist die Gefahr gerade bei Mädchen groß, dass sie schon unter 18 Jahren verheiratet werden und Kinder bekommen, weil vielen Eltern der Profit durch die Kühe der Familie des Ehemanns besonders wichtig ist. Kühe sind hier ein Symbol für Reichtum und Ansehen.

Die Feier für unsere Mädchen

Diesen Mittwoch fand dann ein ähnliches Fest für den Abschlussjahrgang der Nähschule in Alenga statt. Da unsere Schülerinnen ein buntes Programm für den Gottesdienst vorbereiteten, durften auch wir daran teilnehmen, indem wir uns der Tänzer-Gruppe anschlossen.
Nach einigen Proben fühlten wir uns zwar immer noch sehr unsicher und wacklig auf den Beinen, während die Mädchen in ihren traditionellen Tänzen voll aufgehen konnten. Der Chor trommelte, rasselte und sang voller Elan und uns lief der Schweiß hinunter. Trotz unserer leichten Unbeholfenheit machte uns das Tanzen großen Spaß und alle Anwesenden waren von unserem Auftritt begeistert.

Eine Rede halten – das gehört zu jedem Fest dazu!
Wieder segnete Father Justin die Schülerinnen, was für sie aufgrund ihrer tief verwurzelten Religiosität ein bedeutungsvoller Moment war. Nach Ende der Messe gingen wir gemeinsam in die Assembly Hall der Schule, wo das Fest durch leckeres Mittagessen, Reden und Tänze abgerundet wurde. Besonders schön war, wie sehr die Mädchen sich darüber freuten mal im Mittelpunkt stehen zu dürfen und ihre eigenen Auftritte vor der Schulgemeinschaft genossen. Auch wir kamen wieder zu Wort und versuchten den Mädchen einige Ratschläge für die Zukunft zu geben. Wir rieten ihnen unter anderem, sich einen anständigen Mann auszusuchen, ihre Familie gut zu planen und dabei nie zu vergessen, dass sie durch ihre Ausbildung zur Näherin nun finanziell unabhängige und gut gebildete junge Frauen sind. Diese Worte finden wir besonders passend, weil es ein wichtiges Anliegen der Schule und auch ihrer Direktorin ist, dass die Mädchen sich durch die Ausbildung aus der in ihren Familien weit verbreiteten Armut befreien. Die Armut wird oft bedingt durch fehlende Bildung und die damit verbundene Aufklärungsarbeit, so dass Arbeitslosigkeit, mangelnde Verhütungsmethoden das Resultat sind. Weil sie mit ihrer Lebenssituation unzufrieden sind, neigen einige Männer hier zum Alkoholismus und es kommt manchmal dazu, dass Männer ihre Frauen schlecht behandeln oder misshandeln und sich nach einiger Zeit eine neue Ehefrau suchen, sodass Frau und Kinder auf sich allein gestellt sind. Ich denke an dieser kurzen Erläuterung wird deutlich, wie wichtig es für Frauen ist (hier, aber auch auf der ganzen Welt), finanziell unabhängig zu sein.
Nach diesen Worten teilten wir zur Motivationsanregung für die Prüfungen wieder kleine Süßigkeitentüten aus, die die Schülerinnen mit viel Jubel und leuchtenden Augen entgegen nahmen.

Wir gehören dazu
Für Francesca und mich ist es ein tolles Gefühl, nun schon so in die Schulgemeinschaft integriert zu sein und enge Beziehungen zu den Mädchen aufzubauen. Die Proben waren abwechslungsreich und lustig und die immer lockere Atmosphäre mit den Mädchen trägt dazu bei, dass wir uns in Alenga noch wohler fühlen.

Danke fürs Lesen!
In den nächsten Wochen werde ich unter anderem noch mehr über meinen Einsatz als Lehrerin und über das ugandische Schulsystem berichten.

Durchatmen

Barranco, den 23.10.2017

Endlich! Intensiv spüre ich, wie sich die Ruhe und Zufriedenheit in mir breit macht, wenn das Wasser an meinem Körper entlanggleitet. Wie ich es, als langjährige Schwimmerin, vermisst habe. Und dann auch noch im pazifischen Ozean. Der Geruch und Geschmack nach Salz, und der Sand unter mir lassen mich frei fühlen. Nach langer Verzögerung scheint sich der Frühling hier durchzusetzen und es wird warm. Trotz Morgenkühle und Nebel hält mich nichts mehr davon ab, ins kühle Meer zu schreiten, um dann doch noch von der Sonne und einem blauem Himmel begrüßt zu werden. Der erste Badetag in Barranco ist sehr schön. Zudem ist es auch eine Möglichkeit, mal durchzuatmen, es ist kaum etwas los, demnach relativ ruhig. Das brauche ich hier auch mal ab und zu: Abschalten und Ruhe. Dafür werde ich mir zukünftig auch immer wieder bewusst Zeit nehmen. Ich liebe Action und Abenteuer, wenn etwas passiert und es nie langweilig wird. Genauso aber bin ich gerne mal in Stille und lasse meine Seele baumeln.

Hallo meine Freunde, es gibt mal wieder einiges zu erzählen!
Letzte Woche habe ich einen Versuch gestartet, mal eine Zeit lang in Ruhe zu verbringen. Dafür habe ich mich auf den Weg hoch nach 27 de Junio gemacht,  auf den Sandhügel (dort wohnen einige Kinder vom Casa). Beim letzten Mal war es da oben sehr still im Vergleich zu unten und ich dachte mir, das ist eine gute Möglichkeit, um abzuschalten. Oben angekommen, gab es einen Stein, der einlud, sich hier eine Zeit lang niederzulassen. Leider machten mir einige Hunde einen Strich durch die Rechnung und da ich es nicht riskieren wollte, gebissen zu werden, entschloss ich mich dazu, wieder runterzugehen. Nicht ganz der eigentliche Plan, aber nun ja. Umso toller war der Morgen dann am Meer, drei Tage später.

Ruhe und Stille waren theoretisch auch für Sonntag, den 22.10.2017 vorprogrammiert, denn in ganz Peru war die Volkszählung (el censo). Das heißt, viele Freiwillige, Schüler und Mitarbeiter ziehen um die Häuser, klopfen und zählen die Menschen. Demnach galt es von morgens 8:00 Uhr bis 17:00 Uhr in den Häusern zu bleiben. So blieben auch wir in unserer Wohnung. Schon krass die Vorstellung, dass Lima auf einmal menschenleer ist. Trotzdem liefen auf den Straßen Leute herum, wahrscheinlich waren sie schon gezählt. An so eine Durchführung wäre in Deutschland nie zu denken. Und letztendlich wusste keiner genau, wie es ablaufen würde. Vor allem kamen Fragen auf wie zum Beispiel: Was machen Touristen, die an diesem Tag am Flughafen landen oder eine Tour nach Macchu Picchu gebucht haben? Für mich war das eine komische Situation und ich bezweifle auch, dass jedes Haus abgeklappert wurde… Aber es war auch cool, wann bekommt man schon mal eine Volkszählung auf diese Art mit? Jedenfalls waren die Straßen San Genaros trotzdem nicht menschenleer, wenn auch um einiges leerer als sonst. Ich würde echt gerne wissen, wie viele Busse an diesem Tag gefahren sind, eine krasse Vorstellung, dass in ganz Peru für ein paar Stunden der Verkehr lahm liegt.

Ministrantendienst in Santa Rosa
Seit letzter Woche bin ich bei den Ministranten der Gemeinde Santa Rosa, ich habe dort eine Freundin und da ich in Deutschland einige Zeit ministriert habe und mir das Leben in der Gemeinde schon immer wichtig gewesen ist, war es ein Wunsch von mir, dort teilzunehmen. Herzlich wurde ich aufgenommen und schon nach dem ersten Treffen war mir klar, dass das eine ziemlich coole Gruppe ist. Gleich am Freitag (20.10.2017) durfte ich dann zum ersten Mal ministrieren. Dass ich allein sein würde, hatte mir jedoch niemand gesagt. So musste ich dann, nach einer einminütigen Einweisung vor dem Gottesdienst, auf meine Kenntnisse aus Deutschland vertrauen. Mit ein paar kleinen Fehlern und Verzögerungen ging es aber dann doch erstaunlich gut und es war schön, das auf eigene Faust organisiert zu haben. Es hat sehr Spaß gemacht. Mit meinem Spanisch ist nun doch schon einiges möglich. Am Sonntag gab es einen internationalen Gottesdienst, in dem ich sogar etwas vorlesen durfte. Es war eine besondere Ehre für mich, dass mir schon so früh die Aufgabe zu Teil wurde, der Gemeinde etwas vorzutragen. Gegen Ende des Gottesdienstes habe ich dann mein erstes Erdbeben erlebt, wobei ich erst im Nachhinein registriert habe, dass es eines war. Auf einmal standen die Menschen auf und ich wusste nicht, was los war, es ist schwer zu beschreiben, weil ich sowas natürlich nicht gewohnt bin. Schon komisch, dass das, was für mich schon immer felsenfest und sicher war, auf einmal zu beben beginnt. Daran denkt man in Deutschland gar nicht. Ein einziges Abenteuer hier!

Das Fußballspiel (Peru gegen Kolumbien) ging übrigens 1:1 aus, somit müssen sich die Peruaner bis Mitte November gedulden. Da wird dann das entscheidende Spiel über die WM-Qualifikation gegen Neuseeland stattfinden.

Besuch einer Militärbasis
Am Sonntag, 15.10.2017, haben David und ich mit Aracelly und ihrem Vater die Marinebasis in Lima (Callao) besucht, da Tag der offenen Tür war. Das war interessant zu sehen, vor allem gab es auch ein U-boot, das in Deutschland produziert wurde. Wie die Dinge um die Welt gehen… Es ist schön, Aracelly zu kennen, da wir immer wieder etwas zusammen unternehmen und viel von ihr über Peru und die Menschen erfahren.

Seit letztem Sonntag wohnen wir hier zu viert in der WG, da Andrea (aus Südtirol), eine Ergotherapeutin, für drei Monate hier leben wird. Sie ist mit der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ hier. Wir verstehen uns super, es ist auch toll, weibliche Unterstützung zu haben, hehe. Aber auch zu viert sind wir eine tolle Gruppe! Andrea wird dann hauptsächlich in einem Therapiezentrum in der Nähe arbeiten.

Mit den Kindern wird es nach wie vor nicht langweilig: letzten Mittwoch bereicherten sie mit ihrem Auftritt ein Fest hier in der Gemeinde. Ein Fest für behinderte Kinder (fiesta de los niños con habilidades diferentes). Das war mal ’ne Party! Schön zu sehen, wie viel Wert darauf gelegt wird, zwischenmenschliche Beziehungen zu pflegen, obgleich gesund oder krank, arm oder reich(er). Hier kommt es auf die Gemeinschaft an, und das erfüllt das Herz wirklich.

Krankenbesuche
Des Weiteren ist zurzeit eine österreichische Ärztin (Karin) da. Sie war schon mehrmals auf eigene Faust hier und hilft, wo sie kann. Ich habe das Glück, ein bisschen mit ihr unterwegs sein zu können. Ich bewundere sie für ihren Einsatz und ihre Leidenschaft. Gerade für mich ist es sehr wertvoll und interessant, Einblick in ihre Arbeit hier zu bekommen, da ich gerne Medizin studieren würde. Vor allem aber identifiziere ich mich mit ihrer Motivation hinter dem Arztsein. So laufen wir, nur ein paar Straßen unterhalb meiner Wohnung, über Sand und Stein und besuchen Kranke. Diese Bilder werde ich nie vergessen. Oft werden einfache Krankheiten lange nicht therapiert, da kein Geld und keine Unterstützung da ist. So leben die Menschen mit den Krankheiten und die niedrigen hygienischen Standards machen die Situation dann auch nicht besser. Sehr auffällig ist hier unter anderem der Zustand der Zähne. Vielen Kindern fehlen schon Zähne weil sie verfault waren und rausgenommen wurden. Karin und ich haben für die Kinder der Hausaugabenbetreuung Zahnbürsten und  –creme besorgt, die Kinder sind voll darauf abgefahren. Einer Familie wurde zudem ein Engel geschickt: Karin fiel in einem Gottesdienst ein kleines Mädchen (drei Jahre alt) mit einem gutartigen Tumor im Gesicht auf. Die Mutter ist sehr besorgt und wartet schon seit der Geburt ihrer ersten Tochter darauf, dass etwas passiert. Geändert hat sich bis jetzt jedoch nur die Farbe und Größe des Tumors. Generell wissen hier einige Ärzte oft auch nicht wirklich Bescheid, empfehlen absurde Therapiemöglichkeiten und versuchen so, sogar den ärmsten das Geld aus der Tasche zu ziehen (nach Berichten Karins). Traurig. Bei einem Gespräch über Befund und weiteres Verfahren habe ich dann die Rolle der Übersetzerin eingenommen, und ich war erstaunt, wie gut es geklappt hat. Letztendlich wird es wahrscheinlich daraus hinauslaufen, dass Karin die Kleine nach Österreich holt und eine Operation organisiert. Durch eine kurze Begegnung wird nun also das Leben einer Familie verändert und genau das sind diese Momente, an denen man festhalten sollte.

Am Wochenende wird das 150-jährige Jubiläum der Combonimissionare gefeiert, das wird bestimmt ein tolles Fest! Ich freue mich schon, die Prozession als Ministrantin begleiten zu dürfen.

Wie ihr seht, sind meine Tage nach wie vor mit purem Leben und purer Leidenschaft gefüllt. Zwischen all dem Stress, den Aufgaben und Verpflichtungen: Gönnt euch immer wieder Momente für euch selbst, atmet durch und genießt das Leben. Es ist verdammt gut!

In diesem Sinne, bis bald und ganz herzliche Grüße

Eure Marlene Helena

 

Ein Jeepney (#2)

Hallo zusammen,

Inzwischen ist es schon wieder einige Wochen her, dass ich mich mit meinem letzten Blogeintrag gemeldet habe, und so einiges ist passiert. Ich und meine Mit-Freiwilligen stecken nun schon mitten in der Arbeit, die Vorbereitungen für das Theater sind intensiv angelaufen, wir finden uns inzwischen schon ein ganzes Stück besser zurecht, lernen weiter viele neue Dinge kennen und die Sprache Tagalog, mit der ich durch die Arbeit häufiger in Kontakt bin, verstehe ich schon ein ganzes Stück besser.

Eindrücke aus Payatas
Die Arbeitsstelle von mir und Moritz ist der Slum Payatas, einem Gebiet in Manila, in dem sich wahnsinnig viel um Müll dreht. Man hat den Eindruck, dass die gesamte Metro Manila hier ihren Müll ablädt, wenn man auf dem Weg zur Arbeit zahlreiche Deponien und Mülllaster passiert. Das Gebiet, in dem wir zuständig sind, stellt dabei allerdings nur einen wahnsinnig kleinen Teil dar. Für uns ist dort der Orientierungspunkt neben der „Sagrada Familia Chapel“, einer kleinen, einfachen Kirche, das Center. Dieses zweistöckige Gebäude umfasst zwei große Zimmer, die sowohl Klassenzimmer als auch Arbeitsplatz darstellen. Außerdem gibt es neben drei Toiletten eine Küchenzeile, in der täglich Reis für das Ulam, also das eigentliche Gericht zum Reis, gekocht wird. In den Klassenzimmern unterrichten neben einigen freiwilligen Helfern und Referenten vor allem die drei Lehrer Erika, Jeremy und Edwin. Diese bereiten gerade die älteren Schüler auf die Prüfungen kommenden November vor. Im Center trifft man außerdem Sister Frances, hier für Puso sa Puso verantwortlich, sowie die Social Workerin Celine an, die ganz viel im Kontakt mit den Familien steht. Celine war es auch, die uns am ersten Tag mit einer kleinen Orientierung einführte, uns zu den Plätzen mitnahm, an denen wir unterrichten sollten, und uns den Familien vor Ort vorstellte. So hatten wir die Möglichkeit, einen ersten Blick auf die neue und für uns ungewohnte Umgebung zu werfen. Viele der Familien dort leben in Häusern aus unverputzem Stein, andere in welchen, die aus Blech und Holz gebaut wurden. Manche Häuser sind mehrstöckig, die Mehrheit aber einstöckig, Einige haben Fenster aus Fensterglas, andere einen Vorhang, um es zu verschließen.

Den Rest unserer Woche konnten wir uns auf unsere erste Unterrichtseinheit mit den Kindern am Freitag vorbereiten und Ideen und Material im Center sammeln. Die Gruppen, die wir unterrichten, haben bis zu ihrer Abreise die beiden polnischen Freiwilligen Danusia und Piotr unterrichtet. Pro Tag unterrichten wir, so der Plan, fünf Klassen mit insgesamt 28 Schülern. Dass dieser Plan nicht immer einfach umzusetzen ist, liegt daran, dass zum Teil Stunden nicht stattfinden können, weil sich die Kinder im Moment irgendwo anders herumtreiben oder gerade schlafen. Zum eigentlichen Stundenbeginn waren, zumindest am Anfang, die Schüler sowieso noch nicht da. Inzwischen funktioniert das aber in einigen Klassen ganz gut, oft sind die Eltern auch stark dahinter her. Zum Teil läuft es aber auch nicht nach der geplanten Liste, weil einige der Kinder noch nie aufgetaucht sind, aus welchen Gründen weiß ich nicht. Dafür nehmen oft andere Kinder an meinem Unterricht teil, zum Teil sind sie eigentlich zu alt dafür. Ein weiterer Grund dafür, dass der Unterricht nicht stattfinden kann, sind Taifunwarnungen oder Streiks im Nahverkehr, die es jetzt wie heute schon mehrere Male gegeben hat.

Unterrichtsbedingungen in den Familien
Die Plätze, an denen ich unterrichte, unterscheiden sich ganz stark voneinander. Bei zwei der Familien gibt es für alle Kinder einen Sitzplatz auf einem Stuhl oder auf einer Bank am Tisch. Eine Klasse hat aber zum Beispiel meist nur einen Tisch, um den die Kinder stehen, zwei andere wiederum unterrichte ich am selben Platz, einer Bank, der gegenüber ich mich auf einen Stuhl setze, einen Tisch gibt es hier nicht. Alle Klassen werden bei guten Wetter draußen unterrichtet, was den Unterricht oft erschwert, weil die Kinder durch alles Mögliche abgelenkt werden können wie zum Beispiel Leute oder Tiere, die vorbeilaufen, oder Fahrzeuge, die vorbeifahren. In meiner Anfangszeit merke ich gerade, dass es überhaupt sehr schwierig ist, die Aufmerksamkeit der Kinder zu gewinnen und diese ständig zu haben, da die Aufmerksamkeitsspanne in diesem Alter unglaublich kurz ist. Daher probiere ich viele verschiedene Sachen aus, wie ich es am besten anstelle. Generell besteht der Inhalt meiner Stunden derzeit noch daraus, herauszufinden, wie viel die Kinder schon wissen oder können. Dabei können meine Schüler, aber auch die Eltern, einen schier zur Weißglut bringen: Die Kinder, wenn sie sich nicht anständig benehmen, überhaupt nicht aufpassen oder etwas komplett anderes machen, als ich ihnen sage; die Eltern, die oft mit von der Partie sind, weil sie ihre Kinder selbst unter Druck setzen, damit diese beispielsweise schon nach einer Sekunde das Richtige sagen und tun, ihnen die Lösung vorplappern, die noch nicht einmal stimmen muss, oder aber, weil sie sich mit den anderen Eltern im Hintergrund lautstark unterhalten und so den Lärmpegel, der ohnehin schon hoch ist, weiter steigern.

Gerade am Anfang waren die Stunden des Öfteren sehr frustrierend, aber das gehört zu diesem Lernprozess einfach dazu. Ich merke im Moment aber schon eine Verbesserung, tue mich auch mit der Vorbereitung der Stunden leichter und die Arbeit bereitet mir manchmal wirklich Freude. Ich hoffe das bleibt so.

Stimm- und Tanzübungen für ein Theaterstück
Eine Sache, die im Moment einen großen Teil unserer Freizeit einnimmt, sind die Vorbereitungen auf das Theaterstück „A Midsummernight’s Dream“ von William Shakespeare. Hierfür absolvieren wir gerade mit den angehenden Priestern aus dem Konvent in Loyola und den Kollegen aus Payatas und Parola immer wieder Workshops. Diese zielen darauf ab, unsere Fertigkeiten im Bereich Stimmbeherrschung und -variation sowie Tanz und Bewegung zu verbessern. Eigens dafür gibt es einen professionellen Tanzlehrer und einen Coach, der sich beruflich dem Theater spielen hingibt und uns dieses, mit allem was dazugehört, näher bringen möchte. Daher sollen wir im Moment auch unsere Textstellen lernen und üben. Die Freizeit, die für uns übrig bleibt, lohnt sich nicht wirklich, um am Wochenende große Ausflüge zu machen. Was sich aber perfekt eignet und was wir jetzt schon zwei mal mit Aldrin unternommen haben, sind Trips zu einer Wakeboard-Anlage in der Nähe von Manila. Es macht wahnsinnig viel Spaß, auch wenn ich erst beim zweiten Mal wirklich mehr als 20 Meter gefahren bin. Auch dies ist wiederum ein echt guter Weg, eine Weile aus der Stadt zu kommen und sich auszupowern.
Ansonsten gab es in letzter Zeit einige Momente, in denen ich wirklich Sehnsucht nach Zuhause hatte, nach Familie, Freunden und vielen anderen Dingen. Ich vermisse hier einfache Dinge wie Brot, da die Philippinen ein Land sind, das vom Weiß- und Toastbrot beherrscht wird. Da tut es ganz gut, wenn man hin und wieder ein bisschen Blasmusik hören kann. Auch die deutsche Wurst, die ich als Gastgeschenk dabei hatte und die wir letztens im Center mit den anderen gegessen haben, hat einfach fabelhaft geschmeckt.

Typisch für die Philippinen: das Jeepney
Wie versprochen, möchte ich in den Blogeinträgen immer einiges erklären, was typisch für die Philippinen ist. Heute ist das Jeepney an der Reihe. Ein Jeepney, kurz Jeep genannt, ist ein Fahrzeug, das im öffentlichen Nahverkehr eine tragende Rolle spielt, man sieht sie hier überall herumfahren. Ihren Ursprung haben die Jeepneys in den amerikanischen Armeetrucks, die nach Abzug der Amerikaner auf den Philippinen blieben und munter umgebaut wurden. Die Fahrzeuge sind weitaus länger als die ursprünglichen Trucks und in dieser Form kaum wiederzuerkennen. Elementare Dinge, die jedes Jeepney besitzt und ausmacht, ist der mittige Einstieg am hinteren Ende des Fahrzeugs und zwei lange Sitzbänke rechter- und linkerhand dieses Einstiegs, die bis zum Fahrersitz reichen, dazu parallel zwei Stangen an der Decke, an denen man sich während der Fahrt festhalten kann. Weiter ist unter der Windschutzscheibe und an den Seiten angeschrieben, zwischen welchen beiden Punkten das Jeepney hin und her pendelt. Um zu erfahren, welche markanten Punkte auf dem Weg dieser festgelegten Route liegen, schaut man auf die Windschutzscheibe, hier werden nämlich immer Schildchen geklemmt, auf denen diese Information steht. Hat man ein Jeepney erblickt, dass diese Route fährt, winkt man einfach kurz dem Fahrer und dieser hält schnellstmöglich an, dabei ist es ihm meist völlig egal, ob er gerade mitten auf einer Kreuzung steht beziehungsweise andere Fahrzeuge blockiert. Möchte man bezahlen, sagt man einfach kurz „bayad po“ und das Geld wird nach vorne durchgereicht. Sagt man „para po“ oder zieht man an einer Leine, die in vielen Jeepneys an der Decke befestigt ist und ein Lämpchen beim Fahrer aufblinken lässt, so hält das Jeepney an und lässt die Fahrgäste aussteigen. Ein Jeepney fasst in der Regel circa zwanzig Fahrgäste, dann sitzt man allerdings auch drin wie in einer Sardinenbüchse.

Kreative Gestaltung der Jeepneys
Bei der sonstigen Gestaltung der Jeepneys ist der Kreativität der Besitzer keine Grenze gesetzt. Von sehr schlicht gehaltenen über total verchromten bis hin zu mit knallbunten Grafittiybildern bemalten Fahrzeugen findet man alles. Häufig wird auf dem Kühlergrill oder an der Seitenwand ein großer Mercedes-Stern befestigt, auf der Motorhaube sieht man oft viele Pferdefiguren oder mehrere sehr lang gezogene Hupen. Die Hupe hat nicht nur teilweise sehr seltsame Klänge sondern wird auch ganz unterschiedlich betätigt, oft wurde sie so umgebaut, dass man an einem Strick oder einer Kette an der Decke ziehen muss. Manche Jeepneys sind tiefer gelegt oder fahren beispielsweise vorne mit kleineren Reifen als hinten. Der Auspuff einiger Jeeps wurde derart bearbeitet, dass er nicht nur wahnsinnig laut ist, sondern auch ein eher röhrendes Geräusch von sich gibt. Je nach Fahrzeug sind zum Teil fette Boxen verbaut, aus denen laute Musik schallt, passend dazu manchmal blinkende Lichter an der Decke. Die Decke der Jeepneys ist manchmal mit Leder überzogen, dazwischen eventuell einige Spiegelvarianten, manchmal besteht er aus bemaltem Holz. Verglaste Fenster hat ein Jeepney in der Regel, abgesehen von der Windschutzscheibe und eventuell den Scheiben der Fahrer- beziehungsweise Beifahrertür nicht. Manchmal sieht man Schiebefenster aus Plastik, der Standard ist aber eigentlich kein Fenster. Falls das Wetter umschlägt und es regnet, werden einfach durchsichtige Plastikplanen, die oben am Fensterrahmen befestigt sind, ausgerollt.

Ein weiterer Punkt, der ganz stark von Gefährt zu Gefährt variiert, ist der Komfort: einige Jeepneys sind sehr bequem und gut gepolstert, bei anderen wiederum hat man das Gefühl, auf einem Brett zu sitzen. Aufgrund meiner Größe habe ich auch das Gefühl, dass ich zum Jeepneyfahren nicht geeignet bin, da ich des Öfteren nicht aufrecht sitzen kann oder meine Füße sehr weit in den Gang ragen und die Leute nur schwer daran vorbeikommen. Das Aussteigen bleibt meinem Kopf auch manchmal in schmerzhafter Erinnerung.

Wahnsinnig bequem ist das Jeepneyfahren generell eigentlich nicht, es hängt natürlich immer von den Fahrkünsten des Fahrers ab, wobei ich finde, dass Fahrkomfort und -gefühl eher an einen Bulldog als an ein Auto erinnern.

Der Preis für eine Fahrt variiert je nach Strecke zwischen acht und zwanzig Pesos, so meine Erfahrung. Manche der Fahrgäste bezahlen auch wirklich erst, wenn sie am Zielort angekommen sind. Bemerkenswert ist aber wirklich, dass jeder bezahlt. Ich bezweifle, dass das in Deutschland genau so funktionieren könnte, ob da auch wirklich alle Menschen so ehrlich wären.

Der enge Gottesbezug der Filipinos zeigt sich auch bei den Jeepneys. An fast jedem findet man einen Rosenkranz, eine Marien- oder Jesusfigur sowie Sprüche wie „God bless our trip“ (=Gott segne unsere Fahrt) angebracht. Viele Fahrer machen beispielsweise zudem ein Kreuzzeichen, bevor sie losfahren.

Über die Fahrer und das Begleitpersonal
Bei den Fahrern hat man das Gefühl, dass es eine ganz eigene Community und ein ganz eigener Schlag Leute ist, nicht selten sieht man einen Fahrer auf der Rückbank seines Jeepneys übernachten. Oft unterhalten sich die Fahrer zweier Jeepneys, wenn sie gerade zufällig nebeneinander im Verkehr zum Stehen kommen oder rufen sich im Vorbeifahren etwas zu. Am Geschäft mit den Gefährten sind aber nicht nur die Fahrer, sondern weitaus mehr Personen beteiligt. So gibt es des Öfteren Fahrer, die neben sich auf dem Beifahrersitz jemanden haben, der für sie das Geld kassiert, die Schilder wechselt, die Punkte auf der Route für die mögliche Fahrgäste auf der Straße ausruft oder für die Musik zuständig ist. An Punkten, an denen viele Jeepneys ihre Kunden aufgabeln, stehen auch häufig Leute, die die Passagiere in die richtigen Fahrzeuge weisen und diese füllen, um so von jedem Fahrer ein bisschen Geld zu bekommen. Wiederum andere verkaufen auf den Straßen gekühltes Wasser, Snacks, Zeitungen oder stapelweise Lappen, mit denen die Fahrer häufig über das Lenkrad oder den Schaltknauf wischen. Laut meinem Reiseführer sind es circa 60.000 Jeepneys, die täglich in Manila unterwegs sind, also ein wahnsinnig wichtiger Teil der öffentlichen Verkehrsmittel. Da ist es klar, dass viele Menschen aufgrund eines Streiks der Fahrer nur schwer ihren Zielort erreichen können. Heute und gestern zum Beispiel hatten wir frei, weil die Fahrer streiken, um sich so gegen Pläne der Regierung zu wehren, die alle Jeepneys, die älter als 15 Jahre alt sind, aus dem Verkehr ziehen möchten und diese durch modernisierte Versionen ersetzen möchten. Diese sieht man vereinzelt schon, haben allerdings weitaus weniger Charme, sind nicht mehr einzigartig sondern standardisiert und würden Manila ein Stück Kultur und eine eigene Lebensweise rauben. Dafür spricht allerdings, dass so die Luft ein gutes Stück weit entlastet werden würde, da Jeepneys sicher nicht zu den Fahrzeugen mit den besten Abgaswerten gehören. Es wird mit Sicherheit eine spannende Frage bleiben.

Viele Grüße aus Manila

Jakob

Aufbruchsstimmung

Liebe Freunde, Verwandte und Interessierte,

das Glück kommt erneut über Euch – ich habe einen Artikel vollendet!

Da Ihr bestimmt auf der Suche nach einem trockenen Arbeitsbericht seid, möchte ich Euch diesen Gefallen gerne tun.

Heute ist es der 11.10.2017 und meine Zeit in Manila schreitet voran. Was heißt „schreiten“? Die Zeit fliegt!

Sowieso besteht die Theorie, dass die Zeit hier schneller vergeht – was auch die zwei jährlichen Jahreszeiten erklären würde. Es ist Zeit für einen Lagebericht der neuen Art, die Perspektive wird geändert.

Was machen wir aus der Zeit, nicht was macht die Zeit mit uns?

Montag – Freitag 9-14 Uhr: Mit Kindern und Familien in Parola Wissen gegen wertvolle Erfahrungen eintauschen.

Der Wechselkurs ist undefinierbar, die Organisation nach wie vor schleppend. Man muss sehr bedacht Vertrauen gewinnen und wer sagt schon gern zu unbekannten Kids: „Tut mir Leid, Du darfst heute nicht.“?

Pro Unterrichtseinheit ca. 12-15 Kinder. Mal mehr, mal weniger. Mal Unbekannte, mal Bekannte. Gekontert werden diese nicht kalkulierbaren Größen durch die Rekrutierung älterer Kinder, die mich physisch und mental während des Unterrichts unterstützen und als freiwillige Dolmetscher, Krisenmanager, Psychologen und Türsteher tätig sind.
Um auf diese Umstände adäquat reagieren zu können, muss man sagen, dass Klassengröße, Unterrichtszeit etc. von Woche zu Woche variieren – in Bewegung bleiben ist wichtiger denn je.

Die Gestaltung der Unterrichtseinheiten – und warum nur die Hälfte davon offensichtlich ist, wird übrigens im nächsten Artikel behandelt!

Neben den täglichen Hürden, auch außerunterrichtlich (gerade heute habe ich für zwei km Stadtverkehr stolze 1,5 Stunden benötigt), gefällt es mir in der Gegend immer besser. Einige Gesichter sind mittlerweile bekannt, aus verschiedenen Gates grüßen mich Bewohner aller Altersklassen. Manchmal kommt es mir so vor, als würde man sich an die Gegebenheiten und Umstände sehr schnell anpassen. Man fühlt sich wohl. Ist das naiv? Bitte den letzten Artikel lesen.

Was machen wir sonst mit unserer Zeit? Januar bis März steht ein großes Spendenprojekt an – dafür nehmen wir regelmäßig an Workshops teil. Das frisst Zeit. Viel Zeit. Weitere Infos kommen zeitnah, sobald die Verschweigenheitserklärung nicht mehr greift! Des Weiteren beginnen wir bald mit der Organisation unserer Weihnachtsfeier – die Aufgaben hierfür haben wir aufgeteilt und jeder packt mit an!

Darüber hinaus, was tut sich in unseren zwei Learning Centern in Parola und Payatas?

Beide Lernstandorte wachsen. In Payatas wird gerade eine neue Schule gebaut, das bestehende Haus baulich erweitert (die Planung hierfür läuft).
In Parola sind wir gerade eine Kooperation mit sechs weiteren Nichtregierungsorganisationen (NRO) eingegangen, um uns gegenseitig bei unserer Arbeit zu unterstützen. Inhalt der heutigen Besprechung war die „Versetzung“ von 30 Schülern der anderen Organisationen zu Puso sa Puso!

Zusätzlich zu diesem organisatorischen Reingewinn sind auch wir auf der Suche nach einem größeren Learning Center, da es langsam aber sicher an Platz mangelt.

Was soll man dazu sagen?
Der momentane Pioniergeist ist erfrischend und motiviert! Das näherrückende zehnjährige Jubiläum wird mit Sicherheit ein voller Erfolg.
Beeindruckend, was hier tagtäglich geleistet wird.

Viele Grüße in die Welt

Simon

Für zusätzliche Fotos: Instagram (Simon_b.g)

Abgehärtet!

San Genaro, den 08.10.2017
Mein Kopf brummt, ständig muss ich husten, mir ist heiß und kalt, ich schwitze und doch bekomme ich Gänsehaut; ich bin erkältet. Zu meinem Glück sollte ich ausgerechnet jetzt Duschen gehen. Zu Hause würde ich mich freuen; an dieser Stelle käme ein heißes Erkältungsbad mit Früchtetee und entspannender Musik. Hier kostet es jedes Mal eine Menge Überwindung, sich unter die Dusche zu stellen und zu versuchen, sich irgendwie auf den Winter vorzubereiten, der gleich auf einen einströmen wird. Bei mir in Lima neigt sich der Winter dem Ende zu, langsam fängt der Frühling an, wobei hier genaugenommen nicht von vier Jahreszeiten die Rede ist, sondern von Sommer und Winter. Unterscheidungsmerkmal: Im Sommer ist der Himmel blau, im Winter bleibt er immer grau. Wie auch immer, ich spreche hier von Winter, da unser Duschwasser eiskalt ist. Ist man dann erstmal ein bisschen nass, entscheidet sich das gute Wasser des Öfteren mal um, doch nicht mehr zu kommen. Da steh ich dann, nass und krank, in der Hoffnung, dass dieser Duschgang doch endlich bald beendet ist.

Hallo meine lieben Freunde, mittlerweile bin ich wieder einigermaßen gesund, aber ich kann euch sagen, auch ohne Schnupfen, Husten oder sonstige Beschwerden ist das Duschen hier kein Traum. Aber es geht, man gewöhnt sich daran. Immerhin sollen kalte Duschen ja gesund sein…Was ich sagen will ist, dass ich nach zwei Monaten schon ziemlich abgehärtet bin. Nicht nur was das Duschen betrifft. Viele alltägliche Dinge erlebe ich hier anders als in Deutschland. So muss ich akzeptieren, dass die Wohnung immer etwas staubig sein wird, Lima ist eine sehr sandige Stadt, vor allem Chorrillos, oder, dass die Klospülung mal keine Lust hat, dass auch mal im Dunkeln gekocht werden muss, dass die Organisation hier einfach anders läuft, als ich es gewohnt bin, dass ich hier nie dunkles Brot finden werde, dass ich das Leitungswasser hier nicht trinken kann, da es Schwermetalle enthält, dass das Internet macht, was es will, dass es 24/7 laut ist (seien es hupende Autos, schreiende Kinder, bellende Hunde, laute Musik, diverse Alarmsirenen oder Feuerwerk). Manchmal wünsche ich mir schon, zu Hause auf meinem Sofa zu liegen, in den blauen Himmel zu schauen und vor allem eines zu hören: Nichts. Es ist gut, ein bisschen an zu Hause zu denken. Aber das ist auch die Erfahrung, die ich gesucht habe. Andere Umstände akzeptieren zu müssen, und trotzdem dieses Leben lieben zu lernen.

Am meisten werde ich hier jedoch abgehärtet, sehen zu können, wie manche Menschen leben. Da können sich die kleinen alltäglichen Hürden ganz schnell minimieren. Auch wenn mich die Kinder und Jugendlichen so oft zum Lachen bringen, lerne ich doch immer mehr über die individuellen Personen und deren Leben kennen und muss oft feststellen, dass jede(r) doch ihr (sein) ganz eigenes Kreuz zu tragen hat, sei es ein fehlender Vater, eine kriselnde Familiensituation, mangelndes Selbstbewusstsein, Einsamkeit, um einige zu nennen. Umso glücklicher bin ich, dass genau diese Menschen das Haus der Talente besuchen und ich Teil davon sein darf, ihnen eine Perspektive zu bieten.

In den letzten zwei Wochen habe ich wieder einiges erlebt und immer wieder bin ich erstaunt und gleichzeitig so dankbar, da es rückblickend einfach unglaublich ist. Nach diesen paar Wochen habe ich das große Glück, schon ziemlich gute Freundschaften aufgebaut zu haben bzw. aufzubauen. Da merke ich, dass das ein maßgeblicher Teil vom „Nehmen“ ist. Ich lebe hier mit Herzblut und habe viele Ideen. Gleichzeitig empfange ich jetzt schon so viel Herzlichkeit, Vertrauen und Freundschaft.

Am 30. September fand morgens eine kleine Ausstellung zum Thema Umwelt statt, welche sowohl Kinder aus dem Casa, als auch von der Hausaufgabenbetreuung besuchten. Das war eine schöne Konstellation. Diese Thementage, so will ich sie jetzt mal nennen, finden vier Mal im Jahr statt und werden hauptsächlich von der Sozialarbeiterin Ana Maria und Sophia  (sie macht auch die Bastelstunden im Casa) organisiert. Dieses Mal ging es um die Umwelt. Mit Quiz, Bitten für die Umwelt und Bastelwettbewerben wurden die Kinder an das Thema herangeführt. Mir hat es sehr gefallen, da es in meinen Augen wichtig ist, den Blick für die Umwelt zu schärfen, schon allein wenn man die Situation mit dem Müll hier betrachtet (man bekommt wirklich überall Plastiktüten, der Müll wird auf der Straße gesammelt, es gibt keine Mülltrennung).

Seit gestern kümmern David, Jonathan und ich uns um das Casa, da Oskar unseren Hausmeister für eine Woche vertritt. Das ist schon ein bisschen anstrengend muss ich sagen, aber es macht natürlich auch Spaß und ich übernehme gerne (auch viel) Verantwortung. Ich denke, Jonathan ist hier gut angekommen und das Zusammenleben klappt gut, auch wenn manchmal die Vorstellungen, was den Haushalt betrifft, auseinander gehen. Man findet seine Wege, mit Offenheit und Ehrlichkeit kommt man ein ganzes Stück weit.

Die letzten zwei Sonntage waren wieder Feste in den Gemeinden, bei denen die Kinder mit ihren Stelzen getanzt haben, aber auch andere Gruppen vom Casa (Modern Dance, Ballett, Breakdance, Tinkus, traditioneller Tanz) haben ihr Können unter Beweis gestellt. Mittlerweile weiß ich schon genau, was zu tun ist und welche Vorbereitungen getroffen werden müssen für einen gelingenden Auftritt. Gerade die letzten Male haben mir wieder gezeigt, dass ich hier absolut richtig bin. Das Haus der Talente bietet eine wahnsinnige Vielfalt, sodass für jeden Geschmack etwas dabei ist und jeder seinen Platz finden kann- früher oder später. Wenn ich sehe, mit welcher Begeisterung die Kinder und Jugendliche ihre Talente entfalten, geht mir das Herz auf. Das fehlt mir manchmal in Deutschland: Das bloße Ausüben eines Talentes mit purer Herzensfreude, ganz ohne versteifte, kompetitive Denkmuster und die Möglichkeit, dass jeder und zu jeder Zeit einsteigen und mitmachen kann. Erst nach so kurzer Zeit kann ich mit ein bisschen Scharfsinnigkeit erkennen, wie Kinder und Jugendliche Fortschritte machen und sich gegenseitig helfen. Das ist sehr schön.

Am Dienstag wird es nochmal spannend hier, da die Nationalmannschaft Perus gegen Kolumbien ein Spiel hat (hier in Lima), und sich dadurch für die Fußballweltmeisterschaft 2018 qualifizieren will. Es wäre natürlich ein großes Fest und eine einmalige Situation für mich, wenn Peru gewinnen würde. Deshalb, immer schön die Daumen drücken: Arriba Peru!

Jeder Tag ist also mit Leben, Action und vielem mehr gefüllt, ich habe jetzt schon einiges vor und bin gespannt, was sich davon realisieren lässt. Mehr dazu in den nächsten Einträgen. Bis dahin eine gute Zeit, wenn ihr ins Gespräch kommt, erzählt gerne von mir und meinen Erfahrungen, das schlägt Brücken, die gedankliche Grenzen lösen.

Ich denke an euch.

Herzlichst

Eure Marlene Helena

Kwa herini! – Auf Wiedersehen

Der Abschied
Hallo ihr Lieben, jetzt schreibe ich aus Deutschland. Ich bin schon seit ungefähr zwei Monaten wieder hier. Als erstes möchte ich euch von dem Abschied von Mkuranga erzählen, die Zeit bis kurz vor dem Ende meines Einsatzes ging unglaublich schnell vorbei. Aus einem Monat wurden Wochen und kurz darauf ein Tag. Am Montag unserer letzten Woche haben wir unsere Abschiedsfeier gefeiert. Das war ein sehr schönes Fest, das wir zusammen mit den Dadas, den Frauen die in der Küche der Mission arbeiten, den Arbeiterinnen und Arbeitern aus der Krankenstation und dem Kindergarten und den Brüdern vorbereiteten. Besonders das gemeinsame Kochen mit den Frauen war ein sehr schönes Erlebnis, denn es war alles sehr vertraut und wir redeten sehr viel, immer wenn ich jemand bekannten bei den vielen Besorgungen begegnete, wurde für eine kurze Unterhaltung angehalten. „Jamani! Tutawamissi!“ „Freunde wir werden euch vermissen!“ War einer der häufigsten Sätze. Mir fiel der Abschied von den Kindern besonders schwer. Ich hatte am Freitag meinen letzten Arbeitstag und am Montag musste ich aber noch oft am Kindergarten vorbeilaufen, und jedes Mal kamen alle Kinder zum Zaun gelaufen und riefen „Wiedersehen Lehrerin, auf Wiedersehen!“ bis sie mich nicht mehr sehen konnten.  Das Fest am Abend war eine bewegende Feier: es kamen an die 50 Leute, die Brüder natürlich, die Arbeiter von Krankenstation und Kindergarten, die Salvatorianer Schwestern, die Novizinnen der Franziskaner, die Arbeiter vom Hof, die Putzfrau in der Krankenstation, der Wachmann… also eigentlich alle Leute, mit denen wir in diesem Jahr etwas zu tun gehabt hatten. Wir feierten eine traditionelle tansanische Sherehe, eine Feier, bei der Alyssa und ich die Ehrengäste waren. Dazu gehören sehr viel Traditionen, wie zum Beispiel, dass von jeder Gruppe ein Sprecher eine kurze Rede hält, in der uns gedankt wurde, oder dass wir uns vorne hinstellen und alle Gäste in einer Schlange nach vorne kommen, um mit uns anzustoßen und sich zu verabschieden. Die Feier hat mich sehr berührt und ich habe realisiert, mit wie vielen Menschen ich etwas zu tun hatte und wie sehr sie mich in ihrer Gemeinschaft aufgenommen haben. Am nächsten Tag haben wir uns noch von allen verabschiedet und sind dann noch zusammen mit Timo, dem Freiwilligen in der Demokratischen Republik Kongo, der seine letzten drei Wochen in Tansania verbrachte, für drei Tage nach Bagamoyo, einer alten Hafenstadt in der Nähe von Dar Es Salaam gefahren. Diese Zeit war sehr schön, auch um nochmal etwas Ruhe zu finden. Je näher der Abschied rückte, desto weniger wollte ich gehen. Doch schließlich war es soweit, ich konnte es überhaupt nicht begreifen und war unglaublich traurig.

Das Ankommen
Nach einem vierzehnstündigen Flug kamen wir schließlich in München an, mir erschien alles surreal. Alles war sauber und leer und „weiß“. Meine Mutter holte mich mit meiner Schwester und meinem Bruder vom Flughafen ab. Ich freute mich sehr, sie und später den Rest von meiner Familie wieder zu sehen. Die erste Woche zurück in Deutschland war sehr hart, ich kam mir auf eine seltsame Art und Weise entfremdet vor und gleichzeitig war mir alles alt bekannt.  Wieso gehen diese Menschen alle irgendwohin, ohne miteinander zu reden? Wieso muss hier immer alles so schnell gehen?  Ich war teilweise irgendwie überfordert und vermisste Tansania. Meine Schwester hat mir in dieser Zeit sehr geholfen, weil ich mit ihr über alles reden konnte, vor allem weil sie gerade von einer ähnlichen Zeit, einem Freiwilligendienst in Rumänien, zurückkam.  Alles in allem kann ich sagen, dass ich das Zurückkommen als viel schlimmer empfunden habe, als das Ankommen im Einsatzland. Aber ich bin trotzdem unglaublich dankbar, diese Erfahrung gemacht zu haben und all diese wunderbaren Menschen kennengelernt zu haben.

Kwa Herini – Auf wiedersehen!

Von meinen Erfahrungen in Uganda erzählen

Ich hatte schon zwei Mal die Gelegenheit, von meinen Erfahrungen als Freiwillige in Uganda in Form eines Bildvortrags zu erzählen. Der erste Vortrag war im Rahmen des Seniorenkaffees der Pfarrei Pfaffenhofen und wurde vom katholischen Frauenbund organisiert. Der zweite fand für den Rotary Club Pfaffenhofen statt.

Vielen Dank für das zahlreiche Kommen und das Interesse!

 

 

Abschied und Heimkehr

Hallo zusammen,
kaum zu glauben, dass ich jetzt schon seit sechs Wochen wieder zurück in Deutschland bin. Die Zeit vergeht auch hier sehr schnell!

Der Abschied von Matany ist mir sehr schwer gefallen. In einem Jahr habe ich mich so an die Menschen, die Arbeit, das Klima, die Kultur und die Sprache gewöhnt, dass es für mich nicht einfach war, das alles hinter mir zu lassen. In den letzten Tagen in Matany habe ich noch sehr viele Freunde besucht, ein Huhn (hat mir ein Freund geschenkt) geschlachtet, ein gemeinsames Frühstück für alle Krankenhausangestellten zusammen mit Beatrice organisiert und auch mit der „Pastoral Community“ meinen Abschied gefeiert.

Nach dieser sehr emotionalen und tränenreichen Zeit war ich noch mit einer Freundin in Lira auf der Jubiläumsfeier ihrer alten Schule, dann gings auch schon nach Kampala, wo Pauli bereits auf mich gewartet hat. Wir haben noch Freunde besucht und uns Einiges angeschaut.

Am 20. August 2017 ging unser Flug zurück nach Deutschland. Der Abschied vom uns so vertraut gewordenen Uganda mischte sich mit der Vorfreude auf das Wiedersehen von Freunden und Familie in Deutschland.
Am Anfang habe ich aber auch noch nicht realisiert, dass mein Jahr in Matany nun tatsächlich vorbei sein sollte. Du fliegst ein paar Stunden und schon bist du zurück im „alten Leben“, da braucht die Seele erstmal Zeit, um nachzukommen.
Inzwischen habe ich mich jedoch schon wieder gut eingelebt und auch wenn ich ab und zu Heimweh nach Uganda habe, so bin ich doch auch froh, mit sovielen Erfahrungen gestärkt wieder zurück zu sein.

 

Zum Schluss will ich mich bei allen bedanken, die meine Blogeinträge verfolgt haben und auch so Interesse an meinem Freiwilligendienst gezeigt haben!
Liebe Grüße und man sieht sich,
Judit

Reflexion eines ganzen Jahres

Das Reflexionsseminar ist für uns Teamer wohl eines der spannendsten Seminare: nach ihrem einjährigen MaZ-Einsatz im Ausland treffen wir die Freiwilligen zum ersten Mal wieder und jedes Mal ist es eine große Freude, ihren Berichten zu lauschen und zu sehen, wie sehr sich jede und jeder einzelne entwickelt hat. Alle freuten sich, einander wiederzusehen und wiederzuhaben.

Wir trafen uns am Freitagabend, 29.09.2017, in Nürnberg, an dem Ort, wo der MaZ-Einsatz mit der Vorbereitung vor über eineinhalb Jahren begonnen hatte. Fünf Tage, bis Dienstag, dem 03.10.2017, nahmen wir uns für die Reflexion Zeit. So durften alle in einem Vortrat ihre Projekte und Erfahrungen präsentierten und die Vielfalt der Projekte und Erlebnisse wurde deutlich. Außerdem reflektierten die MaZ ihre eigene persönliche Entwicklung, setzten sich mit ihrer „emotionalen Kurve“ während des Jahres auseinander und besprachen nocheinmal die unterschiedlichen Rollen, die sie während ihres Einsatzes ausfüllen mussten, und die Erwartungen, die mit diesen Rollen verbunden werden. In welcher Rolle habe ich mich wohl gefühlt? Was war schwierig für mich? War ich über- oder unterfordert? Mit diesen Fragen beschäftigten wir uns, wobei auch kleine Krisen und Konflikte angesprochen und bearbeitet wurden. So sollten alle zu einem guten Abschluss es Jahres finden. Aber auch der Spaß kam nicht zu kurz: Im MaZ-Raum wurde jeden Abend bis spät in die Nacht erzählt, ausgetauscht und gespielt.

Darüber hinaus stellte das MaZ-Team zusammen mit einer Vertreterin des „Arbeitskreises Rückkehrer“ Engagementsmöglichkeiten nach dem MaZ-Einsatz vor, im kirchlichen aber auch gesellschaftspolitischen Bereich. Denn die meisten zurückgekehrten MaZ möchten ihre Erfahrungen in die Gesellschaft einbringen und sich für eine gerechtere Welt einsetzen – auch Zuhause.

Wir wünschen den zurückgekehrten MaZ alles Gute auf ihrem weiteren Lebensweg und hoffen, sie bei Ehemaligentreffen oder anderen Veranstaltungen wiederzusehen!

Karibu Tanzania!

Hallo ihr lieben, endlich hört ihr auch etwas von mir aus dem weit entfernten Tansania!

Am 08.08.17 war es so weit. Meine Reise konnte beginnen. Bei meinem Zwischenstopp am Istanbuler Flughafen habe ich noch Viona und Marie getroffen, zwei MaZler der Steiler-Missionare. Mit ihnen verbrachte ich meine ersten vier Wochen hier in Tansania.

Geduld übt sich
Nach rund 20 Stunden Reise konnte unser Abenteuer nun starten. Da wir vor unserer Reise schon vorgewarnt wurden, dass man es hier mit der Planung meist nicht so genau nimmt, waren wir uns schon nicht ganz sicher, ob uns jemand vom Flughafen abholt. Naja, zu dritt mit sechs Koffern warten wir darauf, dass vielleicht doch jemand kommt. Nachdem wir eine Weile gestanden sind, stellen wir fest, dass daraus nichts wird. So haben wir uns dazu entschlossen, ein Taxi zu nehmen. Wir haben dem Taxifahrer unsere Adresse gegeben und gefragt, ob er sie kenne.  Seine Antwort: Ja – und eigentlich hat er damit nein gemeint, wie wir später herausgefunden haben. Wir sind zwei Stunden durch Dar Es Salaam gefahren und nachdem der Taxifahrer noch fünf verschiedene Leute nach dem Weg gefragt hat, sind wir letztenendes glücklich, sicher und total müde bei dem Haus der Salvatorianer in Kurasini angekommen. Dort wurden wir gleich sehr herzlich von den Brüdern empfangen, was uns sehr gefreut hat. Brother Kessy (einer der Brüder aus Kurasini) hat uns das Haus gezeigt, wir bekamen Frühstück und danach ging es dann auch schnell ab ins Bett. Am selben Tag haben wir unsere Reise nach Morogoro fortgesetzt und waren froh, nach dieser langen Reise endlich richtig anzukommen.

Sprachschule
Am nächsten Tag ging es dann gleich los mit dem Sprachkurs. Marie, Viona und ich waren zu dritt in einem Kurs. Unser Lehrer war Bwana Yusto, einer der Priester hier an der Schule. Wir haben hier Montag bis Freitag jeden Tag fünf Stunden Unterricht. Die Sprachschule war sehr schön, man hat hier wirklich viel gelernt. Nicht nur die Sprache, sondern auch Kleinigkeiten im Alltag wurden einem beigebracht. Zum Beispiel, dass man Geschenke immer mit zwei Händen annehmen soll um deinem Gegenüber Respekt zu zeigen und man auch immer darauf achten sollte, die rechte statt der linken Hand zu benutzen (was mir als Linkshänder ziemlich schwer fällt). In der Sprachschule haben wir uns alle gleich sehr wohlgefühlt. Die Sprachlehrer haben uns immer gerne weitergeholfen und alle unsere fragen beantwortet, die uns auf der Zunge gebrannt haben.

Das Highlight jeder Woche war der Samstagsausflug. Jeden Samstag ging es wo anders hin. Am ersten Samstag waren wir wandern, dann waren wir einmal auf einem Massaimarkt, sind in die Stadt gefahren und haben noch eine Safari gemacht. Unser schönster Ausflug ging zu einer Massai-Zeremonie, die von dem Onkel einer unserer Lehrer veranstaltet wurde. Die Zeremonie fand in einem Dorf statt und ging zwei ganze Tage (wir waren aber nur an einem Nachmittag da). Obale (unser Lehrer) hat uns erklärt, dass bei dieser Feier das „Erwachsen werden“ der Jungen im Alter von ca. 14 Jahren gefeiert wird. Für diese zwei Tage wurden 14 Kühe geschlachtet und uns wurde gesagt, dass insgesamt rund 200 Massai auf dem Fest waren. Es wurde sehr viel getanzt und gesungen. Insgesamt war es sehr eindrucksvoll und ein unvergessliches Erlebnis.

 

Daladala und Bajaji
Obale, einer unserer Lehrer, hat uns in die Kunst des Daladala-Fahrens eingewiesen… und das ist wirklich eine Kunst! Ein Daladala ist ein Minibus mit etwa 20 Sitzplätzen und so vielen Stehplätze wie nötig. Das Motto lautet hier: Einer geht immer noch rein! Wenn man neben einem Huhn, von anderen Menschen eingeengt, auf Zehenspitzen steht, um der Person hinter dir nicht auf die Füße zu treten, kann das Daladala fahren auch zu einer akrobatischen Meisterleistung werden. Nächste Hürde: das Umsteigen. Am Bus Terminal mussten wir immer das Daladala wechseln, um in die Innenstadt Morogoros zu kommen. Kaum sind wir ausgestiegen, wurden wir von lauter Menschen eingekreist, die auf uns eingeredet haben und uns wer weiß wohin fahren wollten. In diesem Moment waren wir richtig froh, dass wir einfach Obale nachlaufen konnten, der uns zum richtigen Daladala gewiesen hat.

Ein paar Tage später wollten wir es dann alleine schaffen, Daladala zu fahren. Zu dritt haben wir an der Haltestelle gewartet. Einige Daladalas sind an uns vorbeigefahren… Eins, das dann stehen blieb, war uns doch etwas zu voll, weshalb wir beschlossen haben, auf das nächste zu warten. Also haben wir gewartet und gewartet. Eins nach dem anderen ist vorbeigefahren ohne zu halten. Irgendwann hat sich doch ein Daladala oder ein Schulbus (wir waren uns da nicht ganz sicher) erbarmt und hat uns mitgenommen. Am nächsten Tag wurden wir aufgeklärt, dass man eine bestimmte Handbewegung machen muss, damit das Daladala hält.

Ein anderes beliebtes Fortbewegungsmittel hier ist das Bajaji. Das Bajaji hat drei Räder, ist halb offen, der Fahrer sitzt vorne und hinten ist Platz für drei Personen. Marie hat es immer mit einem Rasenmäher verglichen… 😀 Wie auch im Daladala muss man es mit der Sitzplatzzahl nicht so genau nehmen und so haben wir es schon zu acht in ein Bajaji geschafft.

Im Moment sind Philo und ich noch in Dar Es Salaam und hoffen, dass wir in den nächsten Tagen unsere Visa bekommen und es endlich nach Mkuranga gehen kann!

Der aufregende Start in ein neues Leben

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

nun sind wir schon über drei Wochen in Uganda und ihr wartet sicher schon gespannt auf unseren Bericht:

Nachdem wir uns schweren Herzens am Flughafen von unseren Familien verabschieden mussten, begann die aufregende Reise. Wir waren sehr froh, als wir uns endlich in Istanbul wiedertrafen, um dann gemeinsam nach Entebbe zu fliegen.
Im regnerischen und dunklen Entebbe angekommen, warteten wir eine gefühlte Ewigkeit an der Immigration auf unsere Visa. Danach der erste Glücksmoment: unser gesamtes Gepäck war unversehrt angekommen und auch den Fahrer der Combonis fanden wir sofort. Völlig erledigt fielen wir an diesem Abend im Provincial House der Combonis in Kampala ins Bett.

Am Montag nahmen uns die Combonis herzlich in Empfang und zeigten uns schon ein Stück der Umgebung. Abends kam unsere Vorgängerin Katharina Hutter in Kampala an, worüber wir sehr glücklich waren. Gemeinsam erledigten wir in den nächsten Tagen wichtige Formalitäten wie die Arbeitserlaubnis, kauften Lebensmittel, Simkarten für unsere Handys und erkundeten die Hauptstadt. Dabei besichtigten wir auch das Namugongo Denkmal für die christlichen Märtyrer Ugandas. Dort werden mindestens 45 Märtyrer geehrt, die zwischen 1885 und 1887 durch den König Mwanga II. aufgrund ihres Glaubens verbrannt worden waren. Für die Ugander ist dies ein sehr bedeutender Ort, der auch als Pilgerstätte genutzt wird und wir haben unserem Guide angemerkt, wie stolz er auf dieses Denkmal ist, insbesondere weil es bereits von drei Päpsten besucht und gesegnet wurde.
Als Transportmittel nutzten wir dabei hauptsächlich das Boda Boda (Motorrad) oder die landesüblichen Taxis (Kleinbusse für bis zu 15 Personen) und bemerkten sowohl den für uns chaotischen und lauten Verkehr als auch die extreme Luftverschmutzung Kampalas. Boda Bodas haben den Vorteil, dass sie sich durch den dichten Verkehrsstau drängeln können, was zwar schneller zum Ziel führt, andererseits aber auch einige Schreckensmomente bei uns hervorrief.
Auf diese Weise gelangten wir zu den verschiedensten Märkten und konnten wunderschöne Stoffe, eine Vielzahl von Früchten und interessante Gerichte bewundern. Wir bemerkten, wie die Leute uns vermutlich aufgrund unserer Hautfarbe anstarrten und musterten.

Außerdem lernten wir durch die Little Sisters of Mary Immaculate of Gulu schon das einheimische Essen kennen. Hier ist es üblich, dreimal pro Tag warm zu essen. Das bedeutet also beispielsweise morgens Millet (fester Getreidebrei) und Matooke (Kochbanane), mittags Greens, Reis und Cassava und abends Bohnen, Kraut und Kartoffeln.

„Karibuni Alenga“ (Willkommen in Alenga)
Freitags ging es gemeinsam mit Father Justin, der am Mittwoch aus Alenga anreiste, und Katharina nach Alenga. Nach vier Stunden Autofahrt erreichten wir den Nil und setzten mit einer kleinen Fähre über. Von dort aus dauerte es noch ca. eine Stunde nach Alenga, während dieser Zeit betrachteten wir aufmerksam die wunderschöne, grüne und in weiten Teilen unberührte Landschaft Ugandas. In Alenga angekommen, lernten wir den wirklich lieben Father Alberto kennen, der alles direkt mit seinem Smartphone dokumentierte und auf Facebook postete. Auch die drei Sisters nahmen uns herzlich in Empfang. Katharina zeigte uns daraufhin die Wohnung, in der wir das nächste Jahr leben werden. Da das Haus drei Wochen lang nicht bewohnt war, bekamen wir gleich den allerersten großen Schock: In jeder Ecke Spinnenweben, Spinnen, Käfer, Geckos, Staub und noch mehr Spinnen. Gemeinsam machten wir uns also zuerst daran, die Wohnung zu putzen und wieder auf Vordermann zu bringen, bevor wir einräumten und bei den Fathers zu Abend aßen.

Das erste Highlight war dann der Gottesdienst am Sonntag. Zwar fühlten wir uns etwas verloren, da wir kein Wort verstanden (der Gottesdienst wird auf Lango zelebriert) und somit auch die Gebete und Abläufe nicht richtig nachvollziehen konnten, aber die Art, wie die Menschen hier ihren Glauben feiern und ausleben, ist so beeindruckend und voller Freude, dass wir von dieser Ausgelassenheit angesteckt wurden. Während der Messe wird unheimlich viel getanzt, geklatscht, gesungen und gejubelt. Man spürt sofort, dass der Glaube hier tiefer verwurzelt und von größerer Bedeutung für die Menschen ist.
Am Ende der Messe sollten wir uns vorstellen, wir bemerkten die neugierigen Blicke der Gemeinde und waren sehr aufgeregt, wurden aber durch erneuten Jubel und lautes Klatschen herzlich in Empfang genommen.
Nach der Messe umringte uns eine Kinderschar, wir lernten viele Freunde von Katharina kennen und einige kamen auch von sich aus auf uns zu und begrüßten uns.

In der folgenden Woche bekamen wir die Möglichkeit, viele Freunde von Katharina zu Hause zu besuchen, wurden viel zum Essen eingeladen und so konnte sie sich noch einmal von allen verabschieden und wir erste Kontakte knüpfen.

Besonders in Erinnerung geblieben ist uns ein Besuch bei Anna. Wir durften erfahren, wie anstrengend es hier ist zu kochen, während wir unsere mitgebrachten Erdnüsse bei praller Hitze zu Mehl zerstampften und Anna beim Kochen in dem verrauchten Küchenhaus halfen. Sie zeigte uns mit viel Geduld, wie sie ihr super leckeres Chapati (eine Art frittiertes Fladenbrot) zubereitet. Danach genossen wir gemeinsam das frisch zubereitete Essen, es gab Hühnchen, Chapati, Bohnen, Erdnusssoße, Süßkartoffeln und Soda – ein echtes Festmahl.
Dienstag liefen wir nach Ibuje, um dort einen kleinen Berg zu besteigen. Wir kämpften uns ganz schön durch das Gestrüpp, während einige Kinder federleicht den Berg hochliefen und uns belustigt beobachteten. Aber für die Aussicht hatte es sich wirklich gelohnt, wir erhielten einen tollen Eindruck von der Weitläufigkeit der grünen Landschaft und konnten sogar den Nil sehen.
Außerdem organisierte Father Justin uns einige Unterrichtsstunden Lango, was unseren Ehrgeiz, die lokale Sprache zu lernen, ankurbelte, auch wenn es wirklich schwierig ist sich mit einer so anderen Sprachfamilie vertraut zu machen.

Allein in Alenga
Am Montag ist Katharina für ihren Heimflug nach Kampala aufgebrochen. In den folgenden Tagen verbrachten wir viel Zeit mit dem Chor und lernten fleißig Lango, wobei uns die Jugendlichen des Chors unterstützten, was besonders lustig war und für viele Lacher sorgte.

Am Freitag wurden wir dann offiziell in der Schule von Sister Anna und Father Justin vorgestellt. Dabei lernten wir die drei Lehrer und einige der Schülerinnen der Father Egidio Memorial Vocational Training School kennen. Obwohl am Montag offizieller Schulbeginn war, sind viele Schülerinnen noch nicht da, weil sie beispielsweise zu Hause helfen müssen oder die Schulgebühren für den neuen Term noch nicht aufbringen können. Die anwesenden Schülerinnen nahmen uns mit zwei wunderschönen Liedern in Empfang und begrüßten uns mit vielen Umarmungen besonders herzlich. Im Anschluss spielten wir direkt einige Spiele mit ihnen und lernten sie so ein Stück weit kennen.

Samstag brachten uns Sister Anne und Sister Evaline bei, wie sie ihr Chapati und ihren Kuchen zubereiten. Wir durften sie dabei tatkräftig unterstützen und am Ende genossen wir gemeinsam die frisch gebratenen Chapati mit Bohnen. Es hat uns sehr viel Spaß gemacht die ugandische Küche zu entdecken und wir konnten viel von den Sisters lernen, mit ihnen lachen und die Zeit genießen.

Als Abschluss unserer dritten Woche hier nahm Father Justin uns mit auf Gottesdienstsafari nach Wigweng. Die Kapelle ist deutlich kleiner und einfacher als unsere Kirche in Alenga, aber wir spürten von Beginn an, wie sehr die Leute sich auf den Besuch des Priesters freuten. Ganz nach ugandischem Brauch begrüßten sie uns mit fröhlichen Gesängen und nach Ende der Messe bekamen wir reichlich zu essen. Die hohe Gastfreundschaft, deren Bedeutung tief in der Kultur verankert ist, beeindruckt und begeistert uns immer wieder, auch wenn wir uns manchmal unwohl fühlen.
Es löst beispielsweise Unbehagen in uns aus, wenn Mädchen in unserem Alter oder erwachsene Frauen sich vor uns hinknien, um uns beim Händewaschen zu helfen oder das Essen zu servieren. Außerdem schlachten die Menschen oft ein Huhn oder sogar eine Ziege für ihre Besucher, obwohl sie zusätzlich noch eine große Familie mit knappen Ressourcen versorgen müssen.
Anschließend fuhren wir gemeinsam mit Father Justin zum Lake Kwania, wo uns ein paar Fischer mit ihren Booten hinaus auf den wunderschönen und großen See brachten. Es war ein kurzweiliges Abenteuer, bei dem wir etwas Angst davor hatten, aus den schmalen Booten ins Wasser zu fallen oder ungewünscht Krokodilen zu begegnen.

Abends richteten die Sisters und Fathers eine Willkommensparty für uns aus. Wir genossen gemeinsam ein abwechslungsreiches Abendessen, das aus Fisch, Huhn, Reis, Salat, Millet, Chapati, Guacamole, Kürbis, Greens mit Erdnüssen und Gemüse bestand. Dazu gab es sehr leckeres ugandisches Bier und als Dessert den Kuchen, den wir am Vortag gemeinsam mit den Sisters gebacken hatten.
Erschöpft, gesättigt und glücklich fielen wir an diesem Sonntag ins Bett.
Die Zeit verging wie im Flug und wir haben schon zahlreiche Eindrücke sammeln können. In diesen ersten Wochen unserer Eingewöhnungsphase konnte natürlich noch kein geregelter Alltag entstehen und wir freuen uns darauf, nun mit der Arbeit im Health Center und in der Schule zu beginnen, um uns besser einzuleben, einzuarbeiten und einzugewöhnen.

Apwoyo kwano. (Danke fürs Lesen)

Eure Greta und Francesca

 

Safari ya Tanzania inaanza – die Reise nach Tansania hat begonnen

Nimefika – Ich bin angekommen

Hallo ihr Lieben!
Es wird Zeit, dass ich euch von meinem ersten Monat hier berichte!
Am 28. August bin ich mit dem Flieger in München nach Istanbul gestartet und dann weiter nach Dar Es Salaam. Dort hat mich dann zuverlässig meine Mitfreiwillige Iris Wallner abgeholt, ich war richtig froh, dass sie das gemacht hat und ich nicht auf irgendwen anderes warten musste. Nach einer Nacht in Dar Es Salaam sind wir weiter nach Morogoro in die Sprachschule gefahren. Dort habe ich den letzten Monat verbringen dürfen.

Shuleni ya lugha – in der Sprachschule
In der Sprachschule in Morogoro sollten wir nun die Grundlagen für Kiswahili lernen, denn in unserem späteren Einsatzort Mkuranga spricht so gut wie keiner Englisch.

Von Montag bis Freitag hatten wir Schule. Ich hatte ständig Einzelunterricht, da keiner mit mir zu der Zeit begonnen hatte Kiswahili zu lernen. Das war zwar anstrengend aber auch lustig, weil man mit den Lehrern auch Späße machen konnte. Jede Woche wechselt auch der Lehrer, damit ein bisschen durchgemischt wird.

Der Tagesplan sieht so aus:

08:00 – 10:00 Uhr Unterricht
10:00 – 10:30 Uhr Chai (Tee)
10:30 – 12:00 Uhr Unterricht
12:00 – 14:30 Uhr Mittagessen und Pause
14:30 – 16:00 Uhr Unterricht
16:00 Uhr Chai(Tee) und Pause
18:00 Uhr Abendessen

…also ziemlich viel Unterricht 😀

Mwisho wa wiki – Wochenende in der Sprachschule
Die Wochenenden in der Sprachschule waren nie langweilig. Den einen Tag sind wir in die Stadt (Morogoro) gefahren, dann waren wir Wandern in den Bergen oder auch auf dem Massaimarkt, alles in Begleitung der Lehrer. Es wurde sehr viel von der Schule aus organisiert.

Chakula – Essen
Nun zu einem der Grundbedürfnisse des Menschen: Essen. Hier in der Sprachschule in Morogoro gibt es fünf Mal am Tag etwas zu Essen, also reichlich!
Zum Frühstück gibt es wie bei uns Müsli, Brot mit Belag, Kaffee und Kaba (Kakao). Also wie in Deutschland – bis auf Wurst- oder Käseaufschnitte, die hab ich hier noch nicht gesehen.
Beim Chai (Tee) gibt es immer Tee, Kaffee und eine kleine Beilage wie Popcorn, süßes Brot oder Kekse.
Mittagessen und Abendessen sind hier warm und sehr europäisch geprägt. Was es immer gibt ist Reis, eine Soße mit Gemüse oder Fleisch, und so Grünzeugs. Dazu gibt’s abwechselnd Fisch, Fleisch, Pizza oder Lasagne.
Verhungern tut hier in der Sprachschule jedenfalls keiner – wie man erahnen kann.

Pesa – Geld
In Tansania gibt es Tansanische Schilling als Geldwährung. Momentan entsprechen 10 000 Tansanische Schilling 3,8 Euro.

Magari na kipilefti – Autos und Kreisverkehr
Hier in Tansania herrscht Linksverkehr, das ist definitiv eine Umstellung.
Selbst nach einer Woche bin ich in der Stadt noch erschrocken, wenn ich ein fahrerloses Auto hab rollen sehen, wobei der Fahrer natürlich einfach nur auf der anderen Seite am Lenkrad saß …
Wenn man am Beifahrersitz mitfährt und volle Sicht auf die Straße hat, hat man das Gefühl, man wäre ein Geisterfahrer und würde gleich mit den entgegenkommenden Fahrzeugen kollabieren.
Auch die Fahrweise hier ist anderes als in Deutschland, hier geht vieles durcheinander, und normalerweise schnallt sich keiner an, auch wenn Gurte da wären.
In Tansania ist die Geschwindigkeit auf 70 km/h begrenzt, auch in den Überlandstrecken. Ein Lehrer hat mir erzählt, dass der Staat diese Regelung erst vor ein paar Jahren eingeführt hat, da vorher so viele Unfälle passiert sind. Seitdem dauert das Reisen zwischen den Städten länger als zuvor.
Auf den Straßen sind hier hauptsächlich Pikipikis (Motorräder), Bagagis, normale Autos, Dalladallas, Basis (Kleinbusse), oder Lastwägen unterwegs. Regierungswagen erkennt man sofort an ihrem noblen Aussehen.
Die großen Straßen in Tansania sind gut ausgebaut. Ich finde, sie sind von der Qualität vergleichbar mit unseren Überlandstraßen. Also z. B. die von Schierling nach Eggmühl. So was wie unsere Autobahnen gibt’s hier nicht.

Kwa mara ya kwanza Malaria – zum ersten Mal Malaria
Diesen Montag war ich das erste Mal hier krank. Ich hab‘ mich gleich testen lassen auf Malaria. Die Malariateststation war ein kleines Häuschen direkt auf dem Schulcampus. Das Ergebnis war jedoch negativ. Also musste es etwas Anderes sein. Als es am Dienstag noch nicht besser war, bin ich noch mal mit Iris zum Malariatest. Um Malaria zu testen, stach der Doktor in meinen Mittelfinger und tat das Blut dann auf so eine Glasscheibe. Danach musste man nur zehn Minuten warten bis das Ergebnis fertig war. Diesmal ist das Ergebnis dann positiv ausgefallen. Wie mir der Doktor erklärt hat, hat sich das Malaria noch nicht sehr ausgebreitet gehabt und deshalb konnte er es gestern noch nicht erkennen. Als Medizin bekam ich ganz normal Tabletten. Mittwochabend war ich dann schon wieder ziemlich fit.

PS: Eigentlich habe ich bis jetzt immer ganz brav meine Malariaprophylaxe zu mir genommen, hab jetzt aber trotzdem Malaria bekommen. Jetzt hör ich erst mal auf damit, weil ich nicht denke, dass die Tabletten bei mir etwas nutzen.

„It’s not up to you“ – ,,Das ist nicht dein Problem”
Vorgestern, am Donnerstag, sind Iris und ich von Morogoro nach Dar Es Salaam gefahren, da wir in Dar Es Salaam noch Dokumente für das Visum nachreichen mussten. Danach soll es dann endlich in unsere Einsatzstelle nach Mkuranga gehen. Nach fünf Stunden Busfahrt sind wir in Dar Es Salaam angekommen. Dann mussten wir aber noch auf unseren Freund warten, der uns abholen sollte, denn er steckte im Verkehr fest. Der Busfahrer, mit dem wir beide mitgefahren sind, hat uns angeboten, bei ihm drinnen im Bus zu warten, da er meinte, dass es für zwei Weiße draußen im Dunkeln am Busbahnhof mit vier großen Koffern mit höchstwahrscheinlich teurem Inhalt, zu gefährlich sei. Im Bus haben wir uns noch zu dritt einen verpackten Kuchen geteilt, den wir als Abendessen gegessen haben. Irgendwann sind wir dann kurz draußen gestanden, weil wir uns ein anderes Taxi holen wollten. Jedenfalls hatte ich noch immer die Verpackung vom Essen in der Hand, und ich sah keinen Mülleimer, wo ich das wegschmeißen konnte. Also fragte ich den Busfahrer, wo ich das hinlegen sollte. Der lachte, nahm es mir aus der Hand, schmiss es auf die Straße und sagte: „It’s not up to you.“(=„Das ist nicht dein Problem“). In dem Moment fühlte ich mich richtig deutsch und ordentlich.