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Herzlich Willkommen in meinem neuen zu Hause

Hallo ihr Lieben,
heute möchte ich euch von der schönen, abwechslungsreichen und aufregenden Zeit mit unseren Familien erzählen.

Drei Tage nach Gretas Geburtstag brachen wir nach Kampala auf. Hier besuchten wir unsere Freundinnen Linda und Maike, die zentral in Kampala wohnen und gingen anlässlich des Geburtstages auch nochmal feiern, was in Alenga ja absolut nicht möglich ist und sich ein bisschen mehr wie eine normale Geburtstagsfeier angefühlt hat: Mit Freunden Bier, Pizza und Kuchen genießen und danach zum Tanzen in den Club. Gemeinsam hatten wir einen richtig schönen Abend! Am Tag danach brachen wir nach Entebbe auf, was ca. eine Stunde von Kampala entfernt ist. Wir fuhren also schon mal in unsere schöne Unterkunft, genossen die warme Dusche und das kuschelige Bett und holten dann unsere Familie vom Flughafen ab! Das war vielleicht ein tolles Gefühl, bekannte Gesichter wiederzusehen und in den Arm zu nehmen. Vorher waren wir aufgeregter als bei unserer eigenen Ankunft: Ob sie es wohl schaffen würden, durch die Kontrolle zu kommen, ob sie mit dem Visum alles richtig gemacht hatten usw. .. 🙂 . Zum Glück hat alles gut geklappt und die Vier (Mama und mein Bruder Leon, Tina und Robert(Gretas Eltern)) schienen sogar einen angenehmen Flug gehabt zu haben.

 

Entebbe und Kampala

Gemeinsam verbrachten wir zwei Tage im schönen Entebbe, das direkt am Viktoriasee liegt. Da Grtea und ich ja Silvester hier gefeiert haben, kannten wir uns gut aus und führten unseren Besuch zu all den schönen Plätzen. Es war ein tolles Gefühl für mich, die ja unseren Besuch herumzuführen, ihnen Dinge zu erklären und die Planung zu übernehmen. Wir besuchten den botanischen Garten Entebbes und unsere Mütter bestaunten eigentlich den ganzen Tag lang, wie schön denn alles blühe und wie grün die Natur sei! Ja, Uganda ist wirklich ein traumhaftes Land! Außerdem gingen wir an den Strand, aßen frischen Viktoriaseebarsch und feierten am Pfingstsonntag einen schönen Gottesdienst in Entebbe.

Danach brachen wir dann nach Kampala auf. Für unsere Eltern ein ziemlicher Schock und ich war froh, dass wir erst ein wenig in Entebbe waren, damit sie sich eingewöhnen konnten. Die Hauptstadt Ugandas, sie ist einfach laut, voll, dreckig und beim ersten Mal ziemlich überfordernd. Zum Glück kennen Greta und ich uns ja inzwischen aus, haben ein paar Freunde vor Ort und so verbrachten wir in Kampala sehr spannende Tage. Wir stellten unsere Eltern den Combonis und den Schwestern in Kampala vor, die sie sehr herzlich begrüßten und willkommen hießen. Außerdem fuhren wir mit ihnen im Matatu (öffentliches Taxi/Kleinbus) bis in das Stadtzentrum, wo wir die schönen Stoffe und Kleider auf dem belebten Markt bewunderten und gleich auch was einkauften. Natürlich fing ich auf dem Markt an zu handeln, erstens weil einem als Weiße grundsätzlich der doppelte Preis genannt wird und zweitens weil ich inzwischen die echten Preise für Stoffe gut kenne und mich deshalb erst nicht über den Tisch ziehen lassen möchte. Daran die Eltern sich erstmal gewöhnen und es war ihnen zunächst auch etwas unangenehm. Außerdem waren unsere Familien sehr begeistert von dem schönen Markt mitten in Kampala, und froh, denn ohne unsere Kenntnisse würden sie sich nie auf so einen lauten und lebhaften Markt trauen. Dort gibt es alle möglichen Früchte und einheimischen Spezialitäten, die sie gleich mal auskosten durften. Darunter der typische Kochbananenbrei (Matooke), Erdnusssoße, Chapati/Rolex und ein Obstsalat mit Zuckerrohr, Stinkfrucht, Papaya, Avocado und vielem mehr. Hmm… ein kulinarischer Exkurs.

Am Ende unseres ausgiebigen Tages in der Innenstadt erlebten unsere Eltern dann noch die Rush-Hour Kampalas. Aus dem Zentrum sind es, bei wenig Verkehr, ca. 15 Minuten bis nach Mbuya Hill, wo die Combonis wohnen. Wir haben dafür dann eine geschlagene Stunde gebraucht. Greta und ich schlugen gleich zu Beginn vor, dass wir doch am besten ein Boda nehmen sollten, weil die Autos zu dieser Zeit im Stau stecken bleiben würden. Schon in Entebbe waren wir kurze Strecken mit dem Boda gefahren und Papa und Leon hatten auch richtig Gefallen daran gefunden. Doch die Mütter streikten. Also machten wir uns durch den Verkehr und die Menschenmassen auf die Suche nach dem richtigen Matatu. Als wir im Taxi saßen, ging es dann natürlich nur schleppend voran. Der Taxifahrer war typisch ugandisch, bremste in der letzten Sekunde und so auch ganz kurz vor einem die Straße überquerenden Laster.  „Also diese Verkehrssituation ist so erschreckend, furchtbar, das muss doch bald alles zusammenbrechen und kollabieren…“ kommentierten unsere leicht verschreckten Eltern. Lange Rede, kurzer Sinn: Wir kamen in der Dunkelheit völlig erschöpft, aber voll von unvergesslichen Eindrücken an und rundeten den Tag mit einem gemütlichen Abendessen beim Inder und einer weiteren heiklen Uber-Fahrt (zu siebt gequetscht in ein Auto) ab. J

Am nächsten Tag machten wir Kulturprogramm. Gemeinsam besichtigten wir die Kasubi Tombs, wo wir viel über die hochspannende Kultur der Buganda (die größte Volksgruppe Ugandas) und ihrer Könige lernten. In den Tombs werden die Könige beerdigt und auf dem ganzen Gelände verteilt ihre zahlreichen Frauen und Kinder. Die ganzen Frauen oder immer eine Vertreterin aus der Familie der Frauen der Könige leben noch heute auf dem Gelände. Die Buganda verehren ihre Könige schon seit ewigen Zeiten und sind ihren alten Traditionen und Bräuchen noch heute treu und legen viel Wert darauf.

Im Anschluss besuchten wir noch das ugandische Nationalmuseum, das auch für Greta und mich noch einmal viele neue Erkenntnisse über dieses vielfältige und facettenreiche Land brachte.  Abends gingen wir dann gemeinsam mit Stan und Fafa (den wir zufällig bei den Combonis getroffen hatten) sehr lecker essen. Für uns war es schön, dass unsere Eltern bereits Stan gut kennenlernten, der ja für das ganze Jahr unser Mentor und unsere Bezugsperson ist, und außerdem zufällig die Chance bekamen Fafa kennenzulernen, der sich zuvor so lieb um uns gekümmert hatte. Zusammen gingen wir in ein sehr besonderes Restaurant Kampalas, in dem Greta und ich gleich mal einen kleinen Kulturschock bekamen, weil alles so europäisch und elegant eingerichtet und zubereitet war. Das Essen war sehr lecker und Fafa, Stan, Greta und ich probierten gemeinsam die Frösche, deren Fleisch erstaunlich nach saftigem Hühnchen geschmeckt hat.

Der Abend war sehr schön und ein toller Abschluss für die Tage in Kampala. Denn am nächsten Morgen war es schon soweit, dass wir gemeinsam mit Stan nach Alenga aufbrechen wollten. Die Aufregung bei allen stieg… !

 

Mit Mama und Leon in unserem zu Hause

Am Mittwoch kamen wir gegen Mittag in Alenga an. Nach einer Fahrt, die schonmal einen kleinen Vorgeschmack auf die Straßen Ugandas gab. Durchgerüttelt und durchgeschüttelt wurden wir von den Schülerinnen und Schwestern in Empfang genommen, die mit Jubel und Gesang gleich mal alle neuen Gäste in den Arm nahmen, so wie es hier eben üblich ist. Im Anschluss lernten unsere Eltern die anderen beiden Priester und die Köchinnen bei einem schönen gemeinsamen Mittagessen kennen. Nachdem wir die vollgepackten großen Koffer ausgepackt und Mitbringsel, Spenden, Geschenke und Leckereien sortiert hatten, machten wir eine kleine Alenga-Rundtour und gingen im Anschluss auf den kleinen Wochenmarkt. Hier zeigten wir unserem Besuch die typischen Leckereien und einige unserer Freunde. Natürlich kommt es hier nicht alle Tage vor, dass sechs Deutsche den kleinen Dorfmarkt besuchen und auch wenn sich die Bewohner Alengas schon an Greta und mich gewöhnt haben, erregten wir viel Aufsehen und zogen die Aufmerksamkeit auf uns. Für unsere Eltern war der Markt mit Sicherheit ein aufwühlendes Erlebnis, denn dort wird man sehr mit der Armut und dem Leben von der Subsistenzwirtschaft hier konfrontiert. Meinen Vater bedrückte anschließend, dass er mehrmals nach Geld gefragt wurde oder danach, etwas für jemanden zu kaufen. Das passiert auch mir noch gelegentlich (inzwischen seltener) und zeigt das Bild des wohlhabenden Weißen, das tief in vielen Köpfen verankert ist.

Am nächsten Tag zeigten wir unseren Eltern den Schlafsaal. Sie waren nachdrücklich begeistert wie weit das Projekt inzwischen gekommen ist und wie viel mit Hilfe eurer Spenden zustande kommen konnte! Geschockt waren sie davon, dass in dem jetzigen Schlafsaal auf engstem Raum 60 Mädchen schlafen müssen. Die Vorfreude der Mädchen in den neuen Saal zu ziehen steigt auch täglich…!

Außerdem besuchten wir alle gemeinsam meinen Arbeitsplatz, die Krankenstation. Ich zeigte und erklärte ihnen das Gelände, die einzelnen Abteilungen, von Labor zur Medikamentenausgabe und zur Entbindungsstation. Besonders genau schauten sie sich das Labor an, wo Dickens und Bernard, meine Kollegen, stolz ihr Equipment präsentierten. Von der Handzentrifuge bis zum Malariatest hatte ich die Chance Vieles zu erklären.
Gretas Mutter war von der Tatsache geschockt, dass alle den Geburtenraum einfach betreten dürfen ohne Kleidung oder Schuhe zu wechseln. Die Gesundheitsversorgung hier im Dorf ist mit den deutschen Standards eben absolut nicht zu vergleichen und gerade auf die Sterilisation wird kein großer Wert gelegt. So schlafen auch alle Patientinnen in einem Raum, aufgeteilt nach Müttern, die entbunden haben, und Schwangeren mit Komplikationen, und Keime können sich schnell vermehren. Beeindruckt waren sie auch davon wie viele Schwangere zum Vorsorgetermin kamen und auf dem Boden saßen um dort stundenlang auf die Untersuchung zu warten. Die Schwangeren zeigen während der langen Wartezeit keine schlechte Laune, sondern unterhalten sich und tauschen die neuesten Geschichten aus. Es war wirklich schön und wichtig meiner Mama und meinem Bruder meine Arbeitsstelle zu zeigen. So wissen sie jetzt genau wo ich arbeite und können sich alles besser vorstellen und nachvollziehen.

Zudem unterrichtete Greta am Freitag zwei Stunden Computer im ersten Jahrgang und so bekam unser Besuch die Chance sich den Computerunterricht anzuschauen. In den ersten Stunden nach den Ferien wird in allen Fächern zunächst das Examen vom  letzten Term besprochen und so alter Unterrichtsstoff wiederholt. Anschließend arbeiteten die Mädchen praktisch an den Laptops und Greta versuchte die Kontrolle zu behalten. Das ist nämlich nicht immer leicht, wenn wie im ersten Jahr 36 Mädchen an 9 Laptops arbeiten, nach Möglichkeit alle mitmachen sollen und die Stromversorgung auch nicht immer klappt. Da heißt es dann oft „Greta, come here!“, „No, first come here, our power is off!“ und sie erklärt eigentlich gerade einer anderen Gruppe noch die Aufgabe. Nichtdestotrotz macht Greta der Computerunterricht viel Spaß und den Schülerinnen erst recht. Leon war besonders erstaunt, dass er immer die Möglichkeit hatte allein an einem Computer in der Schule zu arbeiten, während die Mädchen in fünfer Gruppen arbeiten müssen. Aber hier ist es so besonders, dass Computer überhaupt unterrichtet wird, dass es bei vielen der Grund ist, warum sie unsere Schule in Alenga auswählen.

Nicht nur Greta sollte während der gemeinsamen Tage in Alenga den Mädchen etwas beibringen, sondern auch ihr Vater, der von Beruf Zahnarzt ist. Die kleine Aufklärungsstunde über Mund- und Zahnhygiene sowie den Aufbau des Gebisses war uns ein besonderes Anliegen, weil eigentlich jede Woche ein Mädchen über Zahnschmerzen klagt und die generelle Aufklärung über einfachste Zahnhygiene sehr schlecht ist. Zuvor haben mir die Mädchen berichtet: Ich putze meine Zähne nur morgens. Wenn das wenigstens für alle stimmen würde… Nach Roberts Unterricht wissen sie jetzt zumindest wie wichtig es ist sich mindestens zweimal pro Tag die Zähne zu putzen und wie das richtig geht.
Schon Säuglinge bekommen süße Getränke und man kann bei vielen der Grundschulkinder schon schwarze Verfärbungen an den Schneidezähnen beobachten. Einige unserer Freunde, die kaum über 20 sind, haben schon verfaulte Zähne und riesige Zahnlücken.

 

Freitagabends luden die Schwestern uns und die Priester zu einem Festessen im Hof ein. Es gab die leckeren Gerichte der Schwestern wie zum Beispiel gegrilltes Hühnchen, Viktoriabarsch, Chapati und natürlich einen riesigen Kuchen zum Nachtisch, den unsere Mütter ganz romantisch zu zweit anschnitten und darüber lachten, dass das in Deutschland Brauch auf Hochzeiten ist. Nachdem alle völlig überfuttert in ihren Stühle saßen, kamen die Schülerinnen und hießen unsere Familien mit vielen Tänzen, Gedichten und Liedern willkommen. Diese liebevolle Geste rührte sie natürlich (mal wieder- wie eigentlich alles die ganze Zeit) sehr.

Am Samstag nahm Fr. Stan uns mit zu einer kirchlichen Hochzeit. Dies war auch für Greta und mich die erste Chance eine kirchliche Hochzeit zu sehen, denn zuvor waren wir immer auf den traditionellen Introductions gewesen. Die Messe war etwas außerhalb von Alenga in einer der kleineren Kapellen und die Gemeinde feierte das Brautpaar sehr euphorisch. Das Brautpaar war schon seit vielen Jahren traditionell verheiratet und hatte sich jetzt mit über 60 Jahren noch zur kirchlichen Trauung in Weiß entschlossen. Im Anschluss an die wunderbar lebhafte Messe begaben wir uns zum Brautpaar nach Hause, wo es reichlich Programm, welches den Introductions ähnlich ist, und leckeres ugandisches Essen gab, von dem unsere Eltern natürlich eine viel zu kleine Portion nahmen. Es war eine wunderbare Gelegenheit für unseren Besuch so in die Kultur der Langi hineinschauen zu dürfen und wir wurden auch herzlich aufgenommen und behandelt, obwohl uns niemand kannte und wir für alle Fremde waren. Diese Offenheit und Gastfreundschaft in der Kultur ist ein großartiges Geschenk und wurde mir während dieser Tage wieder besonders bewusst.

Am Sonntag war es dann soweit, das Highlight in Alenga stand an: Der Gottesdienst. Während Greta und ich auf unseren Stammplätzen beim Chor Platz nahmen, saßen unsere Eltern bei den Schwestern, denn von dort aus hat man die beste Sicht auf das wunderbare Geschehen in der Messe. Während Mama zu Tränen gerührt das Hosanna mitsang, schoss Leon fleißig Fotos und Gretas Eltern begnügten sich damit die Lesung auf Englisch im Buch zu verfolgen, denn natürlich war die ganze Messe auf Lango.
Nach der Messe stimmte unsere Freundin Paska noch ein Lied an und schon waren alle begeistert in der Kirche am Tanzen und forderten unsere Familien zum Mitmachen auf. Für mich war es sehr schön zu sehen, dass meine Freunde hier sich so über den Besuch meiner Eltern freuten, euphorisch mit ihnen tanzten und sangen und alle die Zeit so in vollen Zügen genossen.

 

Die Zeit in Alenga sollte besonders schön abgerundet werden durch Besuche bei unseren besten Freundinnen, Anna sowie die Schwestern Mary und Paska. Alle wollten uns unbedingt einladen und haben, zunächst zur Sorge unserer Eltern, weil die Angst hatten, dass gleich zwei Ziegen und Hühner für sie geschlachtet werden, auch kein Nein akzeptiert. Im Nachhinein waren sie dann aber doch sehr froh, dass sie die Chance mitgenommen hatten, denn die Besuche verraten natürlich nochmal viel über das Leben der Bewohner Alengas. Wie immer wurden wir alle sehnsüchtig erwartet, es gab unglaublich viel zu erzählen und reichlich zu essen. Leon machte sich wieder viele kleine Freunde, indem er Luftballons und Süßigkeiten verteilte und Fotos machte und sie den Kindern im Anschluss zeigte, was stets für große Begeisterung sorgt.

Besonders beeindruckt waren alle, weil die Gastgeber gerne und mit vollem Herzen alles für ihre Gäste geben und schön machen. Hier ist es Brauch, dass man die Gäste so herzlich willkommen heißt wie man kann und nie geizig mit Besitz und Eigentum umgeht. Alles wird gerne geteilt und zubereitet. Meine Mama war sehr angetan davon, dass die Menschen so viel mehr im JETZT leben und dadurch den Augenblick viel mehr genießen können als wir, die von der stressigen Konsumgesellschaft geprägt sind. Während viele der Deutschen die Einstellung haben stets zu sparen, zu sparen, zu sparen und den letzten Cent umzudrehen, auch wenn sie das nicht müssten, wird hier verbraucht, was da ist und nicht gegeizt. In Deutschland wird aus meiner Sicht oft unnötig gespart.  Vielleicht ein Euro macht den Unterschied an der Fleischtheke zwischen Biofleisch und Massentierhaltungsfleisch aus und gekauft wird natürlich, obwohl man es besser wissen müsste, das Billigere.  Ein runder Geburtstag wird nicht gefeiert, weil auf ein neues Auto gespart werden müsse. Hier erfahre ich alltäglich, wie unwichtig Materielles wird, solange man genug hat um seine Familie zu ernähren und für die Kinder eine Bildung garantieren zu können. Es ist so viel schöner, wenn man den Moment lebt, ihn mit seinen Liebsten genießt, statt sich ständig Sorgen zu machen. Von der Lebensfreude, die die Menschen hier verspüren, obwohl einige nicht wissen wie sie ihren Kindern die Schulbildung finanzieren sollen oder existenzielle Probleme nicht lösen können, könnte sich (fast) jeder Deutsche, der um seine Luxusprobleme kreist, eine Scheibe abschneiden.

 

Unsere erlebnisreiche Zeit in Alenga neigte sich dem Ende zu und nach einem für unsere Eltern sehr schweren und tränenreichen Abschied machten wir uns in unserem schicken Safariauto, das uns in Alenga abholte, auf in den Urlaub!

 

Safari Uganda- schöne Tage und viele platte Reifen

Die nächste Woche verbrachten wir in der wunderschönen und vielseitigen Natur Ugandas. Für Greta und mich war es zum einen ein großes Geschenk, dass wir nun noch einmal intensive Tage des Austausches verbringen konnten und nach einer so langen Zeit ohne Familie wieder gemeinsam etwas erlebten. Zum anderen wissen wir es sehr wertzuschätzen, dass wir so einen großen Teil des Westens Ugandas und seiner reichen Naturschätze sehen durften. Winston Churchill sagte einmal, dass Uganda die Perle Afrikas sei und auch wenn ich viele Teile des Kontinents noch nicht gesehen habe, würde ich diese Aussage nach dem Urlaub ohne nachzudenken bestätigen. Von übergrüner, weiter Graslandschaft am Albertnil zu hügeliger Vulkanlandschaft mit Kraterseen zu dichtem Regenwald, Uganda ist mit einer Vielfalt gesegnet, die mich immer wieder beeindruckt.
Ja, wir hatten tatsächlich fünf Platte Reifen und es war immer an der gleichen Stelle des Autos (unter Gretas Hintern)!! Zauberei oder war Greta einfach nur zu schwer? Nachdem Tina ihren Rosenkranz umgehängt hatte und Greta und ich Platz getauscht haben ging den Rest der Fahrt alles gut.

Mir als Freiwillige fiel es nicht leicht als Touristin in Uganda unterwegs zu sein. Denn dadurch, dass ich mich hier inzwischen so zu Hause fühle, beschäftige ich mich auch viel mit der Rassismus- Problematik. Da bekommt man beim Tourismus oft Angst, dass die Kultur der Ugander nicht genügend wertgeschätzt wird, dass über sie hinweg bestimmt wird oder sie ausgenutzt und als Zootiere ausgestellt werden. Gerade die Beobachtung, dass die Besucher der Nationalparks zu 90% weiß sind, ist für mich eine traurige Tatsache, die das große Gefälle in unserer globalisierten Welt zeigt.

Meine Erfahrungen nach dieser Reise bestätigen aber, dass viele der Ugander (vielleicht auch durch ihre tolle Gastfreundschaft bedingt) den Tourismus sehr wertschätzen und ihre Natur gerne der Welt öffnen möchten, solange sie bewahrt bleibt. Der Tourismus ist natürlich auch hier – wie in so vielen Ländern der Erde – eine begehrte Einnahmequelle, die dabei hilft Infrastrukturen zu verbessern, die umliegenden Dörfer zu unterstützen und die Nationalparks zu schützen. Uganda ist zwar ein noch sehr unentdecktes Reiseland, was wohl durch den langen Krieg und die Größe bedingt ist, hat aber inzwischen 1,3 Millionen Touristen pro Jahr. Durch den aufblühenden Tourismus werden natürlich auch Arbeitsplätze geschaffen und viele junge Leute erhalten die Chance auf einen guten Job.

Es ist sehr wichtig beide Seiten Ugandas sehen zu können. Für uns Freiwillige wäre es eine verpasste Chance, wenn wir das ganze Jahr in Alenga bleiben würden und so nur eine Seite dieses vielseitigen Landes entdecken können. Mir wäre dann der Eindruck hängen geblieben, dass es in Uganda hauptsächlich Armut und Dorfleben gibt. Und das stimmt nicht!! Denn es gibt riesige, gut entwickelte Städte, große Einkaufsmalls, wunderschöne Anlagen in den Parks und auch richtig gute Krankenhäuser und Universitäten. Hier entwickelt sich sehr viel und ich bin gespannt wie Alenga in zehn Jahren aussieht.

 

Nun ist der Besuch von unseren Familien schon wieder vorbei, die Zeit verging so schnell. Ich bin sehr dankbar, dass meine Mama und Leon hier in Alenga waren, denn nur so bekommen sie nochmal einen richtigen Einblick in mein Leben und können es viel besser verstehen und nachvollziehen was ich alles erlebt habe. So wird es sicherlich leichter hier Abschied zu nehmen, weil Mama und Leon dann zu Hause auch wissen was ich vermisse und was ich meine, wenn ich etwas erzähle. Außerdem bekommt man als Tourist sonst nie die Chance so in das Leben und die Kultur der Leute einzutauchen wie hier in Alenga während meines Freiwilligendienstes. Ich bin so froh, dass sie hier waren und alles sehen konnten.

 

Unser Projekt der Schlafsaal

Dank Eurer großen Unterstützung ist der Schlafsaal nun fast fertig. Die Wände sind verputzt, die Stromleitungen verlegt und wenn alles in zwei Wochen getrocknet ist, wird gestrichen und eine Einweihungsparty gefeiert! Auch die 18 Dreistockbetten werden schon gebaut und die Moskitonetze sind bestellt. Ihr seht also: Es neigt sich dem Ende zu!

Zukunftspläne

Und auch in diesem Artikel möchte ich noch einmal um Spenden bitten. Die Meisten von euch haben schon so viel gegeben und das freut mich jeden Tag aufs Neue, aber seit das Sammeln der Spenden so erfolgreich läuft, kommen uns auch viele neue Ideen in den Kopf. Zum Einen möchten wir dem Health Center gerne ca. 2500 Euro bereitstellen, damit ein Zaun um das Gelände gebaut werden kann. Momentan fehlt dieser Zaun und so laufen erstens ständig Kühe, Schweine oder streunende Hunde, die Krankheitserreger übertragen, über das Gelände und zweitens sind die Nachtschwestern nicht geschützt und fühlen sich sehr unsicher, wenn sie die ganze Nacht alleine Dienst haben.

Zum Anderen gibt es die Möglichkeit für zwei Mädchen eine Patenschaft für das dritte Ausbildungsjahr, das seit diesem Februar neu bei uns an der Schule ist, zu übernehmen. Dort erlangen sie zusätzlich zur Schneiderinnenausbildung eine Designlehre. Die Kosten für das dritte Ausbildungsjahr belaufen sich auf 280 Euro. Das Geld kann gerne auch in Raten bezahlt werden. Bei Interesse an einer Patenschaft, meldet euch gerne bei mir unter Francesca.cyris@yahoo.com

Die Spendenadresse ist:

Comboni-Missionare KöR, 73479 Ellwangen
IBAN: DE66 6145 0050 0110 6170 15
BIC: OASPDE6AXXX
Verwendungszweck: MaZ Francesca Cyris (631) Alenga, Uganda

So meine Lieben, das war es auch schon wieder von mir.  Ich bin auf der einen Seite seeehr traurig, dass mir nun nur noch 4 Wochen in Uganda bleiben und kann es gar nicht fassen. Auf der anderen Seite wächst natürlich auch mit der Zeit ein bisschen die Vorfreude auf zu Hause und darauf alle wieder zu treffen… Jedenfalls werde ich die letzten Wochen hier noch einmal sehr mit meiner Arbeit im Health Center und unseren Freunden genießen. Ich möchte gar nicht daran denken, dass ich das alle bald verlassen muss und hier nie wieder leben werde, sondern nur noch als Gast wiederkomme-das aber hoffentlich sehr bald. Außerdem stehen noch ein paar Feste an: Momentan bereiten wir gerade die Examensfeier für die Jahrgänge aus 2016 und 2017 vor, die im Juli stattfinden wird.

 

Bis dann ihr alle,

Eure Francesca

P.S. Wir sind auch sehr traurig wegen der WM. Wir haben das Spiel gerade eben im Center  mit ein paar Freunden angeschaut…. Lasst den Kopf nicht hängen. 🙂

In die Lehrerrolle schlüpfen – Vacaciónes Útiles in Trujillo

Lima, den 04.02.18

Buenos días mis amigos! Die letzten drei Wochen durfte ich in Porvenir, in Trujillo, verbringen. Trujillo ist eine sehr süße Stadt nördlich von Lima. Auf Vorschlag von Roberto waren David und ich nun auch in anderen Orten tätig. So verschlug es David nochmal in den Regenwald nach Pangoa. Ich durfte hingegen in Trujillo in die Lehrerrolle schlüpfen. Momentan sind in Peru die großen Sommerferien, jedoch gibt es in den meisten Städten ein Förderprogramm, das sich „Vacaciónes Útiles“ nennt. Hier können Kinder kostenlos, oder für sehr wenig Geld, auch in den Ferien lernen.

Englischlehrer/-in gesucht

In den Schulen wird zwar oft Englisch unterrichtet, jedoch auf einem geringen Niveau, selbst die Lehrkräfte beherrschen größtenteils die Sprache nur ausreichend. Grundsätzlich sprechen wenige Peruaner Englisch, meist nur diejenigen, die an einer Universität studieren. Nach den drei Wochen wird mir erst richtig bewusst, wie wertgeschätzt ich wurde, denn außer mir gab es keine Englischlehrerin für die Vacaciónes Útiles. Gleich am ersten Tag ging es schon los mit der ersten Unterrichtsstunde. Ich hatte eine Klasse mit ca. 20-25 Kindern zwischen 6-13 Jahren. Die Arbeit machte mir sehr Spaß, da ich für alles selbst zuständig und verantwortlich war. Endlich war ich herausgefordert und konnte meinen Ideen freien Lauf lassen und den Unterricht frei gestalten. So fing ich erst mal bei null an, also mit den „Basics“, die Personen, das Verb „to be“, die Zahlen von 1-20, und vieles mehr. Vor allem die Aussprache war den Kindern fremd, deshalb habe ich viel Wert darauf gelegt, die Wörter langsam und genau auszusprechen und es die Schüler wiederholen zu lassen, sodass sie ein Gefühl für die Fremdsprache entwickeln. Regelmäßige Tests gehörten auch zum Programm. Es war eine tolle Erfahrung, mal selbst vorne zu stehen und zu lehren, man bekommt eine ganz andere Perspektive als zu Schulzeiten. Außerdem hat es total Spaß gemacht, den Kindern ein bisschen Englisch beizubringen und zu sehen, wie sehr sich manche angestrengt haben. In dieser Zeit war ich also der „teacher“ oder die „miss“. Ein paar Male gab ich auch Einzelunterricht, wenn sehr junge Kinder kamen.

Über den Englischunterricht hinaus

Die Freiheit und die Verantwortung, die ich in diesen drei Wochen hatte, nutzte ich ebenfalls, um mit den Kindern ein paar wichtige Themen zu besprechen. So schloss ich schon ein paar Tage vor Ende der Zeit mit dem Englischkurs ab und organisierte noch Tageseinheiten. Zum einen sprach ich über die Umwelt, besonders über den vielen Müll, der überall auf den Straßen zu finden ist, das ist ein generelles Problem in Peru. Für mich ist es wichtig, gerade den Kindern immer wieder vor Augen zu führen, dass das der Umwelt schadet, wo doch gerade Peru so ein unglaublich schönes Land mit vielseitiger Natur ist. In diesem Problem übernehmen die Eltern oft nicht die Verantwortung, da sie den Müll manchmal selbst einfach auf die Straße werfen. Somit gilt es für die Kinder folglich als selbstverständlich, dass die offene Straße ein Mülleimer ist. Des Weiteren sprach ich generell über einzelne Themen zur „Umwelt“, beispielsweise über Ökosysteme. Auch den Padres liegt dieses Thema sehr am Herzen, Pater Juan hat sogar ein Kinderbuch geschrieben zum Thema Umwelt und Co. Darüber hinaus gab es dann noch eine Einheit zur Ernährung. Es ist sehr auffällig, dass sich besonders die Kinder immer Kekse kaufen, wenn sie nicht schon selbst welche dabei haben. Stattdessen sollte man Wert darauf legen, dass sie sich zum Beispiel ein Obst mitnehmen, wo das Obst in Peru doch so geschmacksintensiv ist! Am letzten Tag machte ich noch eine kleine Einheit zum christlichen Glauben. Die Quintessenz war, dass wir alle Gott nah sein können, egal ob Papst, Priester, Kind, Mann oder Frau. Abgeschlossen habe ich mit einem Gespräch über Träume und wieder mal war ich überrascht, wie vielfältig die Ideen waren. Fast jedes Kind hatte schon seinen eigenen Traum, etwas zu studieren: Jura, Architektur, Sprachen,… Es war wirklich viel dabei. Den Kindern gab ich noch mit auf den Weg, dass sie nie aufhören sollen zu träumen.

Das Leben als Laienmissionarin

Nebenbei war ich viel mit Irma unterwegs. Zusammen besuchten wir Familien, beteten, oder besuchten auch Kranke, brachten die Hostie zu älteren Menschen nach Hause. Es war vielfältig und spannend mitzuerleben, wie der Alltag Irmas ausschaut. Vor allem aber auch, dass im eigentlich so „katholischen Peru“, doch sehr viele Menschen überhaupt nichts mit dem Glauben zu tun haben. Umso schöner, trotzdem in Kontakt zu treten. Gemeinsam mit Irma besuchte ich auch einige Gottesdienste, unter anderem natürlich die Messe des Papstes (mehr dazu könnt ihr in meinem vorherigen Bericht „Wir sollten uns nie der Hoffnung berauben lassen“ lesen). Die Bibelzeit bei Irmas Nachbarn war sehr schön, da wir viel diskutieren konnten und auch ich meine Gedanken teilen konnte. Bei ihnen durfte ich mich immer mal wieder Internet klauen, sodass ich weiterhin Berichte verfassen konnte, das war toll. Gelebt habe ich mit Irma zusammen mit ihren Verwandten. Wie selbstverständlich wurde ich von allen herzlich aufgenommen. Es war sehr familiär, was mir gut gefiel. Einmal fuhr ich alleine in die Stadt und auf dem Rückweg haben dann so viele auf mich gewartet vor dem Haus (auch die Nachbarn), dass ich auch ja an der richtigen Stelle aus dem Bus aussteige. Das war ein bewegender Moment. Alle wollten, dass es mir gut geht, und alle waren so erfreut darüber, dass ich dort war, als Lehrerin, aber auch so in ihrem Alltag Teil haben durfte. Überraschenderweise stand an einem Abend, als ich Irma auf ein Treffen der Missionare begleitet habe, Pater José in der Tür, das war ziemlich cool.

Surfen, Fußball und Erdbeben

Sonst war auch noch einiges los. Einen Tag verbrachte ich mit der Familie, die ich beim Papstbesuch kennengelernt habe, in einem Sportzentrum: Das war eine komplett andere Welt, eigentlich so, wie ich es aus Deutschland kenne, aber hier in Peru doch so fremd. Außerdem habe ich mir den für Trujillo bekannten Marinera-Tanz gesehen. Das war schön. Mit Micaela, die aus Lima kommt und gerade bei ihrer Familie zu Besuch ist, war ich an einem Morgen surfen. Trujillo ist ein bekannter Strand zum Surfen, aber leider konnten wir es nicht ganz auskosten, da an diesem Morgen fast keine Wellen da waren. Aber es war trotzdem sehr schön, wieder im Meer zu sein :). Mit den Kiddies spielte ich auch Fußball, obwohl das definitiv nicht zu meinen Talenten gehört, aber sie hatten eine unglaubliche Freude daran mit „teacher Marlene“ zu spielen. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag habe ich dann mein zweites Erdbeben in Peru erlebt, dieses Mal aber habe ich es gleich registriert. Verhältnismäßig soll es ein starkes gewesen sein. Jedenfalls schien die Erde eine Ewigkeit zu wackeln, kein Wunder, dass mich dies direkt aus dem Schlaf riss. Kurz überlegte ich, das Haus zu verlassen, aber dann hat es glücklicherweise schon aufgehört. Auch wenn ich mich bei Irma sicher gefühlt habe, es war sehr komisch. Solche Gefahren kenne ich von Deutschland nicht.

Emotionale Bindung

Die Zeit war eine sehr schöne Erfahrung, da es mich überwältig, wie sehr mich die Menschen in ihr Herz geschlossen haben und dies auch äußern, in Worten oder Handlungen. Immer wenn mich jemand sah, rief er mich von weitem. Immer ein Lächeln, ein Handzeichen, ein Gespräch,… Es war so herzlich. Die Abschiede waren emotional, die Nachbarn Irmas waren traurig, mich gehen zu lassen und wünschten mir das Beste. Irmas Mutter hatte Tränen in den Augen, sie war immer sehr süß. Auch der kleine Darlyn vom Zimmer nebenan hat eine Bindung aufgebaut und schenkte mir noch ein Armband zum Abschied. Besonders an diesem letzten Tag wurde mir bewusst, wie prägend diese Zeit war, ich habe die Kinder in mein Herz geschlossen und war sehr berührt, als sie mir beim Abschiedsfest so schöne Plakate gestaltet haben. Dieser Moment, als ich mit dem Taxi wegfuhr und alle hinterher gewinkt haben… ach, unvergesslich :). Irma begleitete mich zum Bus und wünschte mir noch Gottes Segen. Sie ist eine wirklich tolle Frau, ich werde sie vermissen.

Mal wieder zurück in der neuen Heimat

Gestern war ich dann wider in der Heimat und habe meine Ministranten wieder gesehen und im Casa war ich auch kurz. Jetzt gibt es ganz viele Angebote und in meine Geigenliste haben sich einige Kinder eingetragen. Dazu bald aber mehr, denn nun geht es morgen schon wieder weiter auf das Zwischenseminar, etwas außerhalb von Lima. Ich bekomme ein bisschen Bauchweh bei dem Gedanken, dass jetzt schon Halbzeit ist 🙁

Meine Lieben, macht´s gut, bald werdet ihr wieder von mir hören. Ich wünsche euch eine schöne Woche!

Herzlichst

Eure Marlene Helena

Sicherheit (#4)

Hallo zusammen,

Inzwischen schreiben wir schon das Jahr 2018 und, wie sollte es anders sein, es hat sich schon wieder so einiges ereignet.

Nachdem wir unseren Marathon an Weihnachtsfeiern erfolgreich absolviert hatten, hatten wir die Woche vor Weihnachten ab dem 20. Dezember bis hin zum 2. Januar frei. Heilig Abend und den ersten Weihnachtsfeiertag haben wir noch in New Manila verbracht. Am 24. Dezember abends haben wir nach der Kirche zusammen Kässpätzle gekocht und deutsches Bier getrunken. Anschließend haben wir noch eine kleine Bescherung gehabt und den Abend gemeinsam mit einem Freund, der noch zu einem kurzen Besuch vorbeikam, ausklingen lassen. Am 25. Dezember bereiteten wir uns am Vormittag ein paar schöne Schnitzel mit Kartoffelsalat zu. Die Schnitzel waren sehr lecker, der Kartoffelsalat in Ordnung, aber auch noch ausbaufähig. Wir haben dann eben doch nicht so viel Erfahrung wie unsere Mamas und Omas… Den Abend des 25. Dezembers haben wir dann noch mit einer kräftigen Brotzeit abgeschlossen, die wir dank einiger Wurst, die ich aus dem Ries noch hatte und welche zu viel für die Gastgeschenke war, in vollen Zügen genießen konnten. Mit von der Partie war unser Freund Peter, mit dem wir uns noch am selben Abend auf die Reise begaben.

Alles in Allem hatte ich mir Weihnachten ohne meine Familie viel schlimmer vorgestellt, aber mit Moritz und Simon habe ich doch ein ganz schönes Fest gehabt. Vielleicht liegt das auch daran, das es einige Dinge gab, welche an die bisherigen Weihnachtsfeste erinnert haben: wie jedes Jahr habe ich wieder viel zu viel gegessen und war nach jedem Mahl einfach nur babbsatt, das Essen und das Bier waren deutsch, was vielleicht noch viel mehr an Weihnachten zu Hause erinnert hat.

Wie bereits gesagt zogen wir noch direkt am Abend des 25. Dezembers los und kamen noch vor dem Morgengrauen des 26. Dezembers in Alaminos in der Nähe von den Hundred Islands in der Provinz Pangasinan an. Wir verbrachten die Tage dort gemeinsam mit Jan, einem deutschen Freund von Peter, bei Peters Tante. Wir sind in der gemeinsamen Zeit dort immer zusammen auf dem Markt zum Einkaufen gegangen und haben viel zusammen gekocht. Für einen Tag sind wir in der Nähe zu einem sehr idyllischen und wahnsinnig schönen Wasserfall gefahren. Das Wasser dort hat mich wegen der Farbe ganz stark an die Plitvicer Seen erinnert, auch die Umgebung war etwas ähnlich. Wir konnten dort baden und einige Zeit an diesem schönen Ort verweilen, bevor es wieder zurück nach Alaminos ging.

Am nächsten Morgen machten wir uns schon sehr früh daran, zu kochen und das Essen einzupacken, denn es sollte schon bald losgehen in den Hafen und von dort weiter zum Islandhopping bei den Hundred Islands. Die Hundred Islands sind ein großer Nationalpark und umfassen ein riesiges Areal von vielen vielen Inseln in unterschiedlichster Form und Ausprägung. Einige der Inseln sind noch so gut wie unberührt, wohingegen andere schon einige Häuser und Dinge wie eine Seilbahn haben, welches den Touristen dient. Mit unserem Bootsmann, der uns über den Tag begleitete und von Insel zu Insel brachte, haben wir auch zunächst zwei Inseln dieser Art besucht, welche wirklich sehr schön, aber von sehr vielen Leuten frequentiert waren. Auf einer konnten wir auf einen kleinen Berg laufen, von welchem sich uns ein wirklich guter Blick auf die wahnsinnig schöne Umgebung bot. Auf einer der Inseln, welche wir bei unserer Fahrt passierten, stand eine riesige Jesus-Statue aus Stein, ähnlich wie die in Rio de Janeiro. Andere Inseln, so erklärte uns Peter, werden aufgrund ihrer Gestalt von den Leuten mit Tieren wie beispielsweise einer Schildkröte verglichen. Die letzte Insel, die wir aufsuchten, war fernab von den vielen Leuten und wir hatten sie fast komplett für uns allein, so war es auch mit Abstand die beste von allen. Das Wasser dort war wahnsinnig klar und der Strand sehr schön. Auf der einen Seite der Insel waren hohe, bewachsene Felsen, auf denen man ein wenig herum klettern konnte. In der Mitte hatte sich das Wasser einen Weg durch die Felsen gebahnt und lief zu einem flachen, etwas größeren Teich in der Mitte zusammen. Die komplette Insel war von sehr flachem Wasser umgeben, was zum Schnorcheln fast schon wieder zu flach, aber nicht weniger schön war. Wir konnten wieder eine tolle Unterwasserwelt sehen und einige schöne Fische bewundern. Simon konnte außerdem schmerzhafte Bekanntschaft mit einem Seeigel machen, eine dauerhafte Freundschaft wurde daraus aber nicht.

Wir haben dort dann den kompletten restlichen Tag mit Essen, Trinken, Klettern, Schnorcheln und Nichtstun verbracht, bis wir uns dann gegen 17:00 Uhr wieder auf den Rückweg machten. Theoretisch hätten wir auch auf einer der Inseln übernachten können, allerdings darf man dann kein Lagerfeuer machen und außerdem zog es Jan am nächsten Tag in aller Früh schon weiter in die Berge, weshalb wir uns dann doch dagegen entschieden. Im Nachhinein dann vielleicht doch ganz gut, denn von Teacher Althea aus dem Konvent in Loyola erfuhr ich einige Zeit später, dass die Inseln des Nachts ganz gerne von Ratten aufgesucht werden.

Von Alaminos ging es am nächsten Tag auch schon wieder weiter nach La Union. Die ca. 130 Kilometer zogen sich in verschiedenen Bussen ganze sieben Stunden, was etwas nervig war. Wir kamen dann gegen 16:30 in der kleinen Ferienwohnung in La Union, genauer gesagt San Juan, an. In dieser Wohnung hatten wir eine kleine Terrasse mit Blick auf das Meer, was wirklich wunderbar war. La Union ist besonders bei Surfern beliebt, da die Gegend bekannt ist für gute Wellen.

Wir machten uns nach unserer Ankunft erst mal auf nach San Fernando, die nächstgrößere Stadt, um dort einzukaufen. Da die Jeepneys alle voll besetzt waren, fuhren wir per Anhalter auf der Ladefläche eines kleinen Trucks mit. Nach dem Einkauf und dem anschließenden Abendessen ließen wir den Abend und die Nacht noch in einer Bar am Strand ausklingen. Im Laufe der nächsten Tage kamen noch weitere Freunde aus Manila, die zum Teil das neue Jahr mit uns in La Union am Strand verbrachten.

Den nächsten Tag verbrachten wir am Strand und dort konnten wir uns auch erstmals am Surfen probieren. Wie so viele Dinge auf der Welt ist das eine Sache, die viel einfacher und lässiger aussieht, als es wirklich ist. Das beginnt schon damit, die richtige Welle und dann auch noch das richtige Timing zu finden. Alles nicht so einfach, aber ich möchte da auf jeden Fall dran bleiben, wenn es geht.

Am Silvesterabend machten wir uns nach dem gemeinsamen Essen wieder auf an den Strand in die Bar und verbrachten dann die ersten Sekunden des neuen Jahres im Wasser, von wo aus wir ein schönes Feuerwerk bewundern konnten. Nach Mitternacht wurden dann am Strand einige Lagerfeuer angezündet, um die sich viele Menschen versammelten. Der Start ins neue Jahr war dieses Jahr ein ganzes Stück anders, als ich es sonst so gewohnt war, am Strand aber auch wirklich cool.

Am Abend des 1. Januars haben wir uns dann auch schon wieder auf den Rückweg gemacht, was recht flott ging und nach fünf Stunden Fahrt waren wir dann schon wieder in Manila.

Für uns und unsere Kids ging es am 3. Januar dann schon wieder mit dem Unterricht los. Ich habe jetzt angefangen, mit meinen Schülern die ersten Buchstaben des ABCs zu schreiben, was eigentlich schon ganz gut klappt. Auch wenn die Stunden manchmal doch sehr durchwachsen waren, denke ich, dass die Kinder schon einige Fortschritte gemacht haben.

Des Weiteren steht unser Theaterstück „A Midsummernight‘s Dream“ kurz vor seiner Premiere. Um für die letzten Details noch einmal einen Blick von Außenstehenden zu bekommen, wurde vergangenes Wochenende zur sogenannten „Critics night“ ins Konvent geladen. Es kam beispielsweise die Frau, die das Stück adaptiert hat, einige Mitarbeiter von Puso sa Puso und Mitglieder der Salvatorianer sowie einige externe Gäste. Unter der Woche hatten schon 15 Schüler aus Payatas die Möglichkeit, an einem Praktikum teilzunehmen, dass ihnen einen Einblick in die Erstellung von Bühnenbild und Requisiten sowie den Ablauf hinter den Kulissen des Stücks gab, bei dem dann in diesem Zuge die benötigten Dinge für unser Stück hergestellt beziehungsweise die Abläufe geübt wurden.

Diesen Freitag fand dann im Konvent in Loyola noch das „feast of languages“ (zu Deutsch: Fest der Sprachen) statt. Hierbei wurden die Länder Dänemark, Indonesien, Sri Lanka, East Timor, Kenia sowie die Philippinen genauer unter die Lupe genommen, was jene Länder und ihre Sprache(n) anbelangt. Die Vorträge wurden von Teacher Althea, welcher sieben Jahre in Dänemark gelebt hat, salvatorianischen Priestern aus Kenia sowie den Englisch-Schülern in Loyola, die aus genannten Ländern in Südostasien stammen, vorbereitet. Auch wir wurden eingeladen und konnten einen Einblick zu Deutschland und seiner Sprache geben.

Was in der Reihe über den Alltag in Manila auch nicht fehlen darf und was einen immensen Unterschied zu Deutschland darstellt, ist der Aspekt der Sicherheit. Hier in Manila steht vor jeder Bank, jedem Supermarkt, jeder Mall, jeder Bahnstation und vielen anderen Geschäften eine Sicherheitsbeamte oder ein Sicherheitsbeamter, der die Leute kontrolliert. Dafür werden meist die Hüften und der Bauch ein wenig abgetastet, wenn man einen Rucksack oder eine Tasche dabei hat, muss man diese öffnen, damit die BeamtInnen den Inhalt mit einem Stock etwas durchgehen können. Bei den Kontrollen vor dem Zug, dem LRT, mussten wir auch schon Geschenke, die wir eingepackt für die Weihnachtsfeier dabei hatten, auspacken und konnten diese dann nach der Kontrolle wieder dort einpacken. Die Sicherheitskräfte sind mindestens mit einem Knüppel, in der Regel aber mit einer Pistole wenn nicht sogar in einigen Fällen mit schwererem Geschütz wie einem Maschinengewehr oder einer Pumpgun bewaffnet. Wie viel Sinn die Kontrollen durch dieses Personal wirklich ergeben, ist die Frage. Allerdings kann man auf jeden Fall festhalten, dass der Sicherheitssektor einen nicht unbedeutenden Wirtschaftsteil darstellt. Dies manifestiert sich auch in den sogenannten Gated communities. Das sind Siedlungen, die Tag und Nacht von Sicherheitspersonal überwacht werden und in denen gerade die reichere Bevölkerungsschicht lebt.

Des Weiteren sieht man auch im Straßenverkehr häufig gepanzerte Fahrzeuge, die Geld für Geschäfte und Banken von A nach B transportieren. Hin und wieder habe ich auch schon Fahrzeuge der Armee in der Stadt herumfahren sehen.

Generell gewöhnt man sich an dieses Bild eigentlich doch recht schnell. In Deutschland habe ich mich eigentlich eher immer unsicherer gefühlt, wenn beispielsweise bewaffnete Polizisten an einem größeren Bahnhof gesehen habe, weil ich mir gedacht habe: Ei, da muss doch was im Busch sein, die laufen doch hier nicht einfach so umher. Hier ist es inzwischen völlig normal und ich fühle mich nicht wirklich unsicherer deswegen, was ich mich in den Gegenden, in denen ich mich hier in der Metro Manila bewege, eigentlich sowieso nie tue.

Für Moritz, Simon und mich geht es jetzt dann erst mal zum Zwischenseminar auf die Insel Negros in die Nähe der Stadt Dumaguete City.

Viele Grüße aus Manila

Jakob

Joy to the world-ein besonderes Weihnachtsfest in Alenga

Liebe Leserinnen und Leser,

ich hoffe, dass ihr eine schöne und besinnliche Weihnachtszeit im Kreise eurer Lieben verbracht habt. Das Weihnachtsfest ist ja immer ein besonderer Anlass um alle wiederzutreffen und gemeinsame Tage zu genießen.

Trotz der vielen Kilometer, die mich in diesem Jahr von meiner Familie in der Heimat getrennt haben, konnte auch ich die Advents- und Weihnachtszeit auf eine neue und sehr aufregende Art genießen.
Dank vieler Pakete unserer Familien haben wir die Wohnung schön dekoriert und viele Plätzchen, Christstollen und Schokolade gegessen. Da kam sogar richtig Weihnachtsstimmung auf, wenn wir abends im Kerzenschein zusammen saßen. Sobald wir die Wohnung verließen, schlugen uns allerdings die Hitze, die von der Trockenzeit geprägte Landschaft und ein völlig undekoriertes Alenga entgegen. Da fühlte es sich sofort eher nach Hochsommer als nach Weihnachtszeit an.

Gewöhnungsbedürftiger Weihnachtsschmuck

Als wir die Schwestern in der Adventszeit abends zum Essen einluden, fanden sie unsere Dekoration zwar sehr schön, aber Schwester Anne fragte uns deutlich verwundert, warum wir denn so früh geschmückt hätten. Sie kennen unseren Brauch z.B. vom Adventskranz schon, aber hier ist das nicht üblich. Auch in der Kirche fehlte der Adventskranz. Diese war lediglich in lila gehalten.
Die Schwestern begannen erst am 23. Dezember ihre Kapelle und ihren Speisesaal zu schmücken. Mit Begeisterung baten sie uns um etwas Hilfe, ihren Tannenbaum und ihre Krippe aufzustellen. Schwester Anne warnte uns zwar schon vor dem eher scheußlichen Plastiktannenbaum, doch uns stand der Schock wohl ziemlich ins Gesicht geschrieben, als sie die Deko auspackten, denn sie forderte uns gleich auf, sie bitte nicht auszulachen.
Mit Müh und Not verzierten wir das Plastikgebilde mit bunten Glitzer-Plastikgirlanden, Plastikkugeln und eine bunte, nicht funktionsfähige Lichterkette durfte natürlich auch nicht fehlen… Die gleichen Girlanden fanden sich auch im Esszimmer wieder. Die Schwestern schienen sehr glücklich mit der Dekoration und der Vorfreude auf das anstehende Weihnachtsfest!

Zuvor hatten wir auch schon Pater Justin dabei geholfen, ihre Krippe aufzustellen, wofür wir ein bisschen Grünzeug aus dem Wald gesammelt hatten. Die Krippe der Priester besteht aus drei Porzellanfiguren und ist sehr geschmackvoll.
All diese Dekorationen haben uns mehr und mehr auf das Weihnachtsfest eingestimmt.

Geschenke und Chorproben

Außerdem verbrachten Greta und ich viel Zeit mit den täglichen Chorproben für das Weihnachtsfest und es war deutlich zu spüren, dass sich alle in der Gemeinde auf das Fest freuten und Vorbereitungen trafen wie zum Beispiel Unmengen an Lebensmitteln auf dem Markt einzukaufen und das Haus zu putzen.
Dadurch, dass wir die letzten zwei Wochen vor dem Weihnachtsfest gemeinsam in der Krankenstation gearbeitet haben und nebenbei auch sehr beschäftigt waren, hatten wir gar keine Zeit um traurig zu sein, dass wir zu Hause alles verpassen.

Schon Anfang Dezember verließen uns unsere Schülerinnen, die für die großen Ferien bis Februar nach Hause fuhren.
Zum Abschied verbrachten wir einen lustigen Tanzabend mit ihnen, schauten „Aristocats“ und überreichten ihnen unsere Weihnachtsgeschenke. Für jede hatten wir ein Foto ausgedruckt, einen kleinen Brief geschrieben und dank der Idee Sister Annes hatten wir auch für jede zwei Binden gekauft. Diese Binden aus besonderen Materialien und Stoff sind mehrmals verwendbar, gut auswaschbar und angesichts der sanitären Anlagen hier eine hygienische Lösung. Für Mädchen und Frauen aus den Dörfern Ugandas bringt die Menstruation deutlich größere Probleme mit sich als wir uns vorstellen konnten. Die erwerblichen Binden sind zu teuer, so dass oft nur eine einzige Binde während der gesamten Periode getragen wird oder komplett auf die Binden verzichtet wird und beispielsweise nur ein altes T- shirt in die Unterhose gelegt wird.

Vierter Advent und Heiligabend

Am Sonntag, den 24. Dezember, gingen Greta und ich wie immer morgens in den Gottesdienst. Die Gemeinde erwartete hier ein anderes Gesicht, denn Pater Pontianus war zu Weihnachten nach Alenga gekommen. Er hat keine eigene Gemeinde in Lira und deshalb laden ihn die Priester jedes Jahr ein. Er hielt die letzte Adventsmesse und übersetzte einige Teile der Predigt für uns sogar in Englisch, was wir als sehr aufmerksam empfanden.
Die Adventszeit ist auch hier eine besinnliche Zeit, in der man zur Ruhe kommen soll und sich auf die Geburt Jesu Christi vorbereitet. Aus diesem Grund wurde in der Kirche vier Sonntage lang nicht getanzt.
Im Anschluss an den Gottesdienst wurde dann als Vorbereitung für die Nachtmesse die Krippe bestückt – sogar ein Weihnachtsmann fand seinen Platz – und es wurden bunte Girlanden aufgehangen. Die lilane Verkleidung des Altars wurde entfernt und neue Dekorationen fanden ihren Platz.
Nach dem Gottesdienst besuchten wir unsere enge Freundin Anna um mit ihr gemeinsam zu kochen und zu essen und einfach nochmal Zeit miteinander zu verbringen. Wir übergaben ihr ein kleines Weihnachtsgeschenk, über das sie sich sehr freute. Anschließend besuchten wir noch kurz Sharon und Gloria, weil wir auch für die beiden ein Geschenk mit Nagellack vorbereitet haben, da sie unseren zuvor begeistert gelobt hatten.
Total satt zwängten wir uns am Abend in unsere frisch gebügelten Kleider und machten uns auf den Weg zur Kirche. Die Christmette war sehr schön und durch die Dunkelheit kam auch eine einmalig festliche Stimmung auf. Außerdem durfte endlich wieder getanzt werden! Darüber haben sich alle offensichtlich sehr gefreut und tanzten voller Freude über die Geburt Jesu Christi.
Während der Messe wurden noch ca. 40 Neugeborene getauft, was die festliche Atmosphäre verstärkte und in der Weihnachtsnacht auch ein schönes Symbol war. Hier ist es üblich, dass die Priester an Hochfesten oder besonderen Feiertagen viele Kinder auf einmal taufen. Eine einzelne Taufe wie wir sie aus Deutschland kennen, gibt es hier nicht.

Danach saßen wir gemütlich zusammen und haben eine kleine Bescherung gemacht, bevor wir mit unseren Familien telefonierten.

Das Weihnachtsfest

Am Morgen des 25. Dezembers ging es mit unserem Gottesdienstmarathon weiter. Wir verbrachten geschlagene vier Stunden in der Kirche. Zu Beginn kam ein Polizist und verkündete uns, dass alle nochmal das Kirchengebäude verlassen müssten, um die Sicherheitsvorkehrungen zu verstärken, weil in den Städten vermehrte Anzeichen auf Terrororganisationen zu finden seien. Deshalb müssten sich auch in den Dörfern alle Menschen zu schützen wissen und mehr auf die eigene Sicherheit achten. Eher halbherzig wurden dann alle Kirchgänger noch einmal durchsucht bevor sie das Gebäude wieder betreten durften.
Dann wurde eine schöne, lebensfrohe und ausgelassene Messe gefeiert. Für uns war es toll zu sehen, dass die Kirche kaum merklich voller war, als an einem normalen Sonntag und man nicht wie zu Hause einen Unterschied von 500 Leuten in der Weihnachtsmesse hat.

Im Anschluss an die Messe waren wir bei Mary und Pasca, zwei Freundinnen aus Alenga, und ihrer großen Familie zum Weihnachtsfest eingeladen. Hier feiern alle Familien am 25. Dezember und den Kindern werden auch einige Süßigkeiten oder Spielsachen geschenkt. Vom übertriebenen und überfordernden Geschenkewahnsinn, den Kinder in Deutschland oft erleben, ist hier nichts zu spüren. Das war für uns eine ausgesprochen angenehme Erfahrung und etwas, das wir wirklich nicht vermisst haben! Wir brachten für die Familie kleine Geschenke mit, einfach als Aufmerksamkeit und ein bisschen auch aus Gewohnheit.
Den Tag verbrachten wir dann damit, beim Kochen zu helfen, die Familie kennenzulernen und nette Gespräche zu führen. Es war wunderbar zu sehen, dass alle Kinder von Mary nach Alenga gekommen waren, um gemeinsam zu feiern! Die beiden kümmerten sich sogar um den Transport ihrer ältesten Schwester, die schon sehr krank und schwach ist, damit sie am Weihnachtsfest nicht allein sein muss. Das war ein tolles Bild: Vittoria, Mary und Pascas 90-jährige Mutter, feierte gemeinsam mit drei Töchtern, Enkeln und Urenkeln.
Mary und Pasca legen großen Wert auf die Bildung ihrer Kinder und Enkel und geben sich größte Mühe, damit alle eine angesehene Schule besuchen können und später finanziell unabhängig werden. Das ist gerade in Alenga etwas sehr Besonderes.
Beispielsweise Marys ältester Sohn arbeitet als Finanzbuchhalter in Kampala und lebt dort mit Frau und Kindern. Er zahlt nun die Ausbildungsgebühren seiner Schwester und hat zum Beispiel auch dem Fußballverein Alengas einen komplett neuen Trikotsatz mit Schuhen, Schonern und allem was dazu gehört, gesponsert.

Gegen Abend verließen wir die gemütliche Familienatmosphäre und trafen uns mit den Priestern und Schwestern zum gemeinsamen Abendessen. Wie immer an Festtagen gab es genug zu essen und trinken und die Stimmung war ausgelassen und fröhlich. Wir führten zu später Stunde sogar einige deutsche Tänze vor, das klappte eher schlecht als recht, war aber sehr lustig.
Dank der Päckchen unserer Familien konnten wir eine ganze Menge deutscher Süßigkeiten wie zum Beispiel Lebkuchen, Stollen, Marzipan und Zimtsterne mitbringen, über die sich alle sehr gefreut haben. Außerdem brachten wir für alle kleine und liebevoll ausgesuchte Geschenke mit.

Letztendlich wurde es so spät, dass die Priester sogar beschlossen die Morgenmesse ausfallen zu lassen, womit niemand ein Problem zu haben schien, da wir von den Ereignissen der letzten Tage noch total platt und übermüdet waren.

Boxing Day – 26. Dezember

Der zweite Weihnachtsfeiertag wird hier als „Boxing Day“ gefeiert, was gerade unter den Jugendlichen bekannt ist. So beschloss der Chor Alengas am 26. Dezember ein kleines Fest zu veranstalten, bei dem sie für die Schwestern und Priester lecker kochen. Außerdem kamen einige Beamte aus dem Bezirk, um das Projekt, das die Jugend gemeinsam mit Father Justin aufbaut hat, anzuschauen und sie in Theorie und Praxis weiter zu belehren. Dabei geht es um die Herstellung von Ziegeln und deren Weiterverkauf in Alenga und Umgebung. Auch wir waren dabei und brachten zum Nachtisch selbstgemachtes Mandasi (frittiertes Gebäck) und Haribo Gummibärchen mit, die alle mit Begeisterung probierten und genossen.

Ab in den Urlaub

Am 28. Dezember war es dann für uns endlich so weit: Mit gepackten Taschen standen wir um halb sieben an der Straße und warteten auf den Bus nach Kampala.
Über unsere Reise, die verschiedenen Orte und unsere Erlebnisse berichten wir dann im Februar ausführlich!

Am Ende möchte ich mich noch ganz herzlich bei allen bedanken, die dieses Weihnachtsfest nach meinen Zeitungsartikeln und dem Blogaufrug als Anregung gesehen haben, unser Projekt in Alenga in Form einer Patenschaft oder einer Spende für den Schlafsaal finanziell zu unterstützen! Ich freue mich unglaublich darüber, wie viele Menschen ihr Interesse zeigen und wie viel wir dadurch hier in Bewegung setzen können. Es ist ein schönes Gefühl zu wissen, dass das eigene Projekt in der Heimat Unterstützung findet und besprochen wird. Gerne könnt ihr mir bei Fragen und Anregungen unter Francesca.Cyris@yahoo.com schreiben!

Nun sende ich euch ganz liebe und gut erholte Grüße von den Ssese- Inseln im Viktoriasee, wünsche euch ein glückliches und gesundes Jahr 2018 und freue mich von euch zu hören!

Eure Francesca

Mein zweiter Rundbrief

Hallo zusammen,

Mit meinem nächsten Rundbrief zu Weihnachten möchte ich zunächst einmal allen ein Frohes gesegnetes Weihnachtsfest und eine schöne, erholsame Zeit mit der Familie sowie einen guten Rutsch in das kommende Jahr wünschen.

Ich werde die Weihnachtsfeiertage dieses Jahr erstmals nicht zusammen mit meiner Familie verbringen können, was sehr schade ist, aber mit meinen beiden Mit-Freiwilligen wird das mit Sicherheit auch ganz schön.

In den letzten Tagen und Wochen war hier in Manila mächtig was los. Neben einigen weiteren Theaterproben für „A Midsummernight‘s Dream“ von William Shakespeare und dem normalen Unterricht standen etliche Weihnachtsfeiern an. Die erste war mit der jährlich stattfindenden Charity Christmasparty von Puso sa Puso auch zugleich die größte: über 300 Helfer fanden sich am 2. Dezember in der Turnhalle eines Universitätsgeländes zusammen, um mehr als 1000 Kindern aus Pfarreien aus verschiedenen Gegenden in Manila ein paar schöne Stunden zu bereiten. Nachdem die Kinder und ihre begleitenden Freiwilligen das Organisatorische vor dem Eingang geregelt haben, durchliefen sie zehn verschiedene Stationen, an denen sie Spiele spielen und Preise gewinnen oder etwas zu essen sowie Geschenke erhalten konnten. Ich war an der Station, an der jedes Kind einen Luftballon bekam, und habe daher mit einigen anderen Helfern im Laufe des Vormittags der Anzahl der Kinder entsprechend mehr als 1000 Luftballons aufgepumpt und verknotet. Im weiteren Verlauf wurde gegessen und einige Geschenke verlost, gefolgt von der Vorführung eines Artisten und der abschließenden Scienceshow, bei der es verschiedene naturwissenschaftliche Experimente für die Kinder zu bestaunen und auch zum Mitmachen gab. Am Ende war es für die Kinder denke ich eine wirklich gute Veranstaltung und auch für uns als Helfer war es schön mitzuwirken, auch wenn der Anblick von 1000 Kindern auf einem Haufen nicht wirklich alltäglich ist.

Am 13. Dezember folgte dann die Weihnachtsfeier und damit auch der Abschluss des Unterrichtsjahres für die Kinder, die Moritz und ich unterrichten. Dafür haben wir auf dem Platz vor der Sagrada Familia Chapel sieben verschiedene Stationen mit Spielen wie Eierlauf, Dosenwerfen und Reise nach Jerusalem aufgebaut. Damit das Ganze auch einigermaßen zivilisiert ablaufen kann, haben die Kinder am Eingang gleich Bändchen bekommen, welche sie einer bestimmten Gruppe und einem verantwortlichen Helfer zuweist. Mit diesem Helfer konnten die Gruppen dann die Stationen der Reihe nach durchgehen, nachdem die Veranstaltung mit einem Gebet und einigen Sätzen zu Beginn eröffnet wurde. Nach den verschiedenen Stationen konnten die Kinder sich dann mit Spaghetti, hier auf den Philippinen in der Regel süß, Hühnchen und Saft sowie kleinen Snacks stärken. An solch einer Feier für die Kinder dürfen natürlich auch Geschenke nicht fehlen, die von einem Weihnachtsmann gebracht wurden, der Simon verblüffend ähnlich sah. Die Geschenksäckchen enthielten neben Spielzeug, Süßigkeiten und Flipflops auch einige Stifte und Blöcke. Mit der Bescherung war dann auch für die Kinder das Ende der Veranstaltung gekommen, bei der sie, so mein Eindruck, eine Menge Spaß und Freude haben konnten. Sie haben sich auf dieses Event auch schon eine ganze Weile gefreut und dafür auch echt rausgeputzt und sich schick gemacht, da war ich total überrascht.

Ein Fest für Menschen, die auf der Straße leben

Unserer eigene Weihnachtsfeier folgte dann die Weinachtsfeier von Simon und weiteren Freiwilligen aus Parola, die nach einem ähnlichen Prinzip am Samstag stattfand.

Am Donnerstag war in Parola dann eine Weihnachtsfeier für Menschen, die, so wie ich es verstanden habe, alle auf der Straße leben. Für diese 30 Familien hat das Team aus Parola ein Programm vorbereitet, das nach einigen Spielen und Vorführungen mit Essen sowie Geschenk- beziehungsweise Versorgungspaketen für alle abgerundet wurde. Im Anschluss daran hatten die Lehrer aus Parola dann noch mit ihren Schülern einen kleinen Jahresabschluss.

Ähnlich wie am Donnerstag wurden auch am darauffolgenden Tag in Payatas verschiedene Hilfspakete an Befürftige verteilt, was von den Schülern aus dem Center übernommen wurde. Für diese fand am Nachmittag dann wiederum ihre Weihnachtsfeier vor der Sagrada Family Chapel statt. Das Programm bestand wiederum aus Spielen, Essen und Musik, da sich unter den Schülern eine eigene Band zusammengefunden hat. Hier ist es bei solchen Feiern typisch, dass die Teilnehmer eine Darbietung geben, weshalb wir sowohl einige Tänze als auch Lieder zu sehen und hören bekamen, die die Schüler vorbereitet haben.

Weihnachtsfeier mit deutschen Liedern

Für die Mitarbeiter von Puso sa Puso war dann am darauffolgenden Montag die Weihnachtsfeier im Konvent bei Father Artur. Nach einem Gottesdienst in der Hauskapelle und anschließendem Essen fanden sich alle zusammen, um sich die gegenseitigen Darbietungen anzusehen. Auch wir kamen um diesen Spaß nicht herum und trällerten daher mit unseren engelsgleichen Stimmen zwei deutsche Weihnachtslieder. Um dem Ganzen etwas mehr Volumen zu verleihen, haben wir einige der Anwesenden dazu geholt und dazu gebracht, unsere deutschen Lieder mitzusingen, was dann so eine ganz lustige Sache war. Im Anschluss daran wurde noch gewichtelt, sprich, jeder hat ein Geschenk vorbereitet, das dann an einen anderen verlost wurde.

Weihnachtsfeier in Parola

Den endgültigen Abschluss dieses Marathons an Feiern bildete dann am Mittwoch eine Weihnachtsfeier in Parola, die von einem Priester für Kinder zwischen acht und zwölf Jahren ausgerichtet wurde. Hierfür mussten wir lediglich 100 Kinder organisieren und zur Veranstaltungshalle bringen. Deshalb haben wir uns, zusammen mit den Praktikantinnen, in die Gates aufgemacht, um die Kinder zusammen zu sammeln. Im Center in Parola helfen für einige Monate zehn Studentinnen von der Uni mit, sie begleiten Simon zum Beispiel im Unterricht oder wirken bei Veranstaltungen wie den Weihnachtsfeiern mit. In dem Gate, in dem Simon arbeitet, waren Moritz und ich bisher noch nie und es unterscheidet sich doch ein wenig von dem, was ich aus Payatas kenne, alles ist etwas enger und dunkler, die Leute aber auch hier allesamt sehr nett und hilfsbereit.

Nachdem wir unsere über 30 Kinder aus diesem Gate beisammen hatten, haben wir vier Tricycles organisiert, die die Kinder zum Veranstaltungsort bringen sollten. Das war dann etwas abenteuerlich, denn pro Tricycle mussten circa acht Kinder Platz finden, der Fahrer saß daher fast schon auf der Lenkstange und wir Freiwilligen konnten uns nur außen an die Kabine stellen. Am Ende lief aber dann doch alles gut und alle Kinder konnten nach der Veranstaltung mit Essen und Geschenken wieder wohlbehalten am Gate abgeliefert werden.

Rückblick auf fünf Monate auf den Philippinen

Inzwischen sind es nun schon fast fünf Monate, die vergangen sind und daher möchte ich an diesem Punkt eine kurze Reflexion über meinen bisherigen Aufenthalt anbringen.

Was ich auf jeden Fall sagen kann, ist, dass ich schon eine ganze Menge Erfahrung sammeln konnte und einiges erlebt habe. Für mich gab es hier viele Dinge, die neu waren und an die ich mich erst einmal gewöhnen musst. Nicht nur die fremde Kultur, die neue und schier nicht enden wollende Metropole und ein neues Land, sondern auch getrennt zu sein von Familie und Freunden, die ich in so manchem Moment doch schmerzlich vermisse. Hinzu kommt, nicht mehr zuhause bei den Eltern zu wohnen, sondern in einer WG. Das beinhaltet natürlich auch, sich selbst um Essen, Einkaufen, Wäsche (was hier zum Glück sehr einfach geht), Wohnung putzen und noch vieles mehr zu kümmern, was mich so bisher nur zum Teil betraf. Andere Dinge, bei denen man sich umgewöhnen muss, sind zum Beispiel der viele Reis und das man beispielsweise kein Wasser aus der Leitung trinken darf. Das war allerdings etwas, an das man sich recht schnell gewöhnt hat.

Weiter ist natürlich die Umgebung, in der ich jetzt lebe, eine völlig andere und der Alltag hat sich sehr verändert. Man lernt hier viel über die Kultur der Menschen vor Ort und im Umkehrschluss auch über seine eigene. Man merkt, wie organisiert und geplant vieles in Deutschland im Gegensatz zu den Philippinen abläuft. Dennoch funktioniert es hier, nervt aber zum Teil auch stark, wenn man etwas organisieren möchte. Eine weitere Sache, die man hier lernt, ist definitiv zu warten, egal ob im Jeepney im Verkehrschaos, auf die Kinder im Unterricht, auf den Bus, bis er endlich mit Passagieren voll ist und losfahren kann und noch vieles mehr.

Der nächste Schritt war dann die Arbeit im Slum, der eine Umgebung darstellt, die man so aus Deutschland überhaupt nicht gewohnt ist und mit der ich ohne diesen Freiwilligendienst wohl auch nie in Berührung gekommen wäre. Die Arbeit mit den Kindern gestaltete sich am Anfang etwas schwierig, aber mit der Zeit findet man schon rein.

Hier auf den Philippinen hatte ich außerdem die Chance, wahnsinnig viele neue und total interessante Leute aus allen möglichen Ländern kennen zu lernen und auch echt gute, neue Freunde zu finden.

Ich würde meine Entscheidung, diesen Einsatz zu machen, daher nicht bereuen, auch wenn es mit Sicherheit nicht immer einfach ist und war. Ich hoffe auch, weiterhin noch eine Menge Erfahrung sammeln zu können, und noch weitere schöne Flecken dieses Landes kennen zu lernen.

Falls auch ihr jemanden kennt oder selbst daran interessiert seid, eine solche Erfahrung zu machen, dem kann ich nur den Orientierungstag meiner Organisation am 13.01.2018 in Nürnberg empfehlen. Weitere Infos dazu finden sich auch unter cosamaz.org.

Für mich geht es jetzt nach den Feiertagen erst einmal wieder auf Reisen, von denen ich euch im neuen Jahr dann berichten kann. Bis dahin wünsche ich euch Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr! Außerdem möchte ich mich noch einmal für die Unterstützung bedanken, die ich von euch in jeglicher Form erhalten habe. Vielen, vielen Dank!

Viele Grüße aus Manila

Jakob

Unsere Familie

Unsere Familie! Familia yangu!

Mittlerweile haben Iris und ich uns schon gut eingelebt in unseren Alltag.

Wir haben, wie gesagt, unser eigenes Zimmer und Bad. Die Brüder/Brother und Pfarrer/Father haben wir mittlerweile auch schon besser kennengelernt.

Kurz eine kleine Vorstellungsrunde:

Die Fathers

Father Ayub ist unser offizieller Verantwortlicher hier, er hat als oberster Pfarrer eigentlich immer viel zu tun, ist sehr nett und hat ein Lachen, das einen mitreißen kann. Auch in der Kirche bringt er die Leute oft zum Lachen, was ziemlich bewundernswert ist. Er hat sich auch hauptsächlich mit uns um unser Visum gekümmert, hat uns die Stadt gezeigt und nimmt uns immer noch oft mit. Hat sich also wirklich Zeit genommen. Hier in der Gemeinschaft hat er das Sagen und die Verantwortung unter den Brüdern. Wir haben das Gefühl, dass er mit jedem gut klarkommt, und auch mit den Kindern aus dem Kindergarten kann er gut umgehen und sie zum Lachen bringen. Vor allem am Anfang waren wir echt froh, dass er unser Verantwortlicher ist.

Es gibt auch noch einen zweiten Pfarrer, den Father Kisima (zu Deutsch heißt Kisima übrigens „Brunnen“). Dieser ist neu in der Gemeinschaft in Mkuranga und ist erst seit vier Monaten hier. Auch voll lieb, er versucht uns immer beim Frühstück dazu zu bringen, mehr zu essen, was er auch schafft. Bis Ende Dezember gibt er noch Englischunterricht in der Schneiderschule, den Iris und ich dann im Januar übernehmen werden. Mittlerweile haben wir ihn auch schon etwas besser kennengelernt.

Die Brothers

Nun zu den Brüdern. Brother Jeremiah arbeitet mit mir im Dispensary (eine kleine Krankenstation). Er ist dort der Chef und die Verwaltung. Immer wenn man ihn fragt nimmt er sich Zeit und lacht ganz lieb, sodass man sich überhaupt nicht dumm vorkommt irgendwas zu fragen. Mit ihm haben wir auch schon einige lange Gespräche geführt. Er ist seit 2001 Bruder und seit 2010 hier in Mkuranga.

Brother Mikel arbeitet als Schreiner in der Schreinerei. Die werden wir demnächst auch besichtigen. Ihn sehen wir nicht ganz so oft wie die anderen, weil die Schreinerei ein bisschen weiter weg ist. Wenn wir aber mit ihm reden, ist er auch nett.

Zu allerletzt ist da noch Brother Mwenda Pole. Er arbeitet als Schneiderlehrer in der Schneiderschule (also ein Zimmer mit Schneiderschülern), das direkt am Kindergarten liegt, also gleich bei Iris Arbeitsstelle. Wenn er keinen Unterricht hält, arbeitet er entweder in der Shamba (so eine Art Farm) oder näht Kleidung für Mitbrüder oder Freunde. Seinen Namen finden wir ziemlich cool, er bedeutet wörtlich übersetzt „der langsam Gehende“, wohingegen er immer ziemlich fit und lustig drauf ist. Wenn man mit ihm redet, macht er meistens Späße mit uns, so ein bisschen ein Scherzkeks. Seit 2009/10 ist er in unserer Gemeinschaft in Mkuranga.

Wir habens gut getroffen mit der Zusammensetzung unserer kleinen Gruppe!

Liebe Grüße an alle!

Dezember 2017

Ugandische Vorlieben und Werte

Hallo ihr Lieben,

meine Zeit in Uganda ist fast vorbei. Bevor ich nächste Woche nach Hause fliege, will ich noch etwas über Dinge erzählen, die mir in diesem Jahr an den Ugandern aufgefallen sind:

Der Spruch „Die Deutschen haben Uhren, die Afrikaner haben Zeit“ kann ich für die Ugander auf jeden Fall bestätigen. Hier ein paar Beispiele.

Am Sonntag beginnt der Gottesdienst um acht Uhr und zumindest in unserer Gemeinde beginnt er dann auch pünktlich (Ich weiß nicht, wie das in anderen Gemeinden ist). Zu diesem Zeitpunkt ist die Kirche so voll wie in Deutschland (also höchstens halbvoll). Wenn man aber dann beim Halleluja um sich schaut, hat sich die Kirche vollständig gefüllt.

Dasselbe gilt für die meisten Veranstaltungen. Pauli hat in den ersten Ferien einen Computerkurs für Außenstehende gegeben und dafür davor Werbung im Radio gemacht, in welcher verkündet wurde, dass man am Montag um acht Uhr morgens zur Anmeldung kommen soll. Am Montag um acht Uhr waren genau zwei Leute da. Die Anderen sind dann den ganzen Tag über eingetrudelt und sogar drei Tage später und am Montag darauf kamen noch Leute.

Es ist hier nicht so wichtig, pünktlich zu sein. Pünktlichkeit gehört hier wahrscheinlich auch nicht unbedingt ins Erziehungsprogramm. Es macht den Leuten auch gar nichts aus, zu warten.

Das Land, das eigentlich missioniert werden sollte, ist Deutschland und nicht „Afrika“.

Unter dem Begriff „Missionar“ versteht man ja im klassischen Sinn eine Person (wahrscheinlich einen Europäer), die in ein – ihrer Meinung nach unterentwickeltes – Land geht und die Menschen, die sie als „heidnisch“ ansieht, von ihrem Glauben überzeugen möchte. Nachdem, was ich hier erfahren habe, wollen die Comboni-Missionare die Menschen nicht mehr von ihrem christlichen Glauben überzeugen. Das ist auch nicht notwendig, weil die meisten Menschen hier sowieso schon katholisch oder Christen sind (75% der Ugander sind Christen). Deswegen teilen sie nur den Glauben und sind zum Beispiel als Gemeindepfarrer aktiv oder arbeiten im Bereich der Entwicklungshilfe, zum Beispiel in Schulen, Krankenhäusern oder anderen Einrichtungen. Das nur am Rande.

Auf jeden Fall trifft man hier so gut wie niemanden, der nicht zur Kirche geht oder nicht gläubig ist. Gott ist hier immer und überall präsent und man vertraut auf ihn. Den Satz „God bless you“ hört man oft und man dankt Gott für alles. Vor und nach jeder Mahlzeit wird gebetet. Auch die Sakramente werden wirklich ernst genommen. Wir waren zum Beispiel auf einer Firmung, bei der knapp 300 Jugendliche gefirmt wurden.

Deswegen kann man ganz klar sagen, dass Uganda nicht mehr missioniert werden muss, wohingegen in Deutschland vielleicht sogar die Mehrheit Atheisten sind, was einen größeren Bedarf weckt, den Glauben dort hinzubringen.

Egal, ob Weihnachtsdeko, generell Dekoration, Kleidung und Schuhe,… alles ist in Uganda vier Stufen kitschiger als in Deutschland. Alles blinkt, glitzert, schimmert,… Sogar die Zertifikate vom Computerkurs sind auf ein schimmerndes und glitzerndes Papier gedruckt. Außerdem stehen die Ugander auf bunte, leuchtende Farben. Deswegen blinkt die Lichterkette auf der Krippe in der Kirche in rot, grün und blau. Auch die Kleider findet man in allen möglichen Farben. (By the way: die meisten Kleider hier sind second hand und kommen aus Industrieländern. Die Meisten davon werden dann hier verkauft. Daneben gibt es auch Kleider, die hier vor Ort genäht werden. Aber man kann ganz klar sehen, woher die Klamotten kommen, wenn jemand zum Beispiel ein Nike-T-Shirt trägt). Aber egal, von wo die Kleider sind, fest steht, dass leuchtende, bunte Farben und auch die Farbe Weiß sich sehr gut mit der ugandischen Hautfarbe kombinieren lassen, wohingegen braune und dunkle Kleider den Träger unscheinbar machen.

Kleiner Fun-Fact: Die Ugander scheinen bei Dunkelheit für mich unsichtbar.

Das war’s wieder von mir. Bis bald!

Kadda

Mein erster Rundbrief

Hallo!

Mit meinem ersten von vier Rundbriefen schicke ich viele Grüße von den Philippinen und einen herzlichen Dank an alle, die bisher Teil meines Unterstützerkreises sind oder es vielleicht noch werden (hierfür könnt ihr mich einfach über die Verantwortlichen kontaktieren). Um zusätzlich benachrichtigt zu werden, wenn ein neuer Blogeintrag von mir erscheint, könnt ihr mir auf der Seite cosamaz.org folgen, dann werdet ihr automatisch benachrichtigt. Nicht erschrecken, diese sollten zwei mal im Monat erscheinen, dabei handelt es sich aber nur um einen kurzen Text von circa einer halben Seite, also bei weitem nicht so lange wie die Rundbriefe.

Woche 1 
Meine Reise begann gemeinsam mit meinen Mit-
Freiwilligen Simon und Moritz wie geplant mit der Ausreise am 2. August.  Wir flogen abends gegen 22:00 Uhr von München aus über Maskat im Oman nach Manila und kamen dort wie geplant zur Ortszeit am Donnerstag gegen 21:00 Uhr an, die reine Reisedauer betrug damit circa 16 Stunden. Am Flughafen konnten wir gleich Father Artur, den Verantwortlichen für das Projekt und uns Freiwillige,  sowie Alex, einen der Freiwilligen aus dem Vorjahr, kennen lernen. Es ist wirklich super, dass Alex bis Ende August verlängern konnte, weil er uns so alles zeigen kann und wir nicht von Anfang an auf uns alleine gestellt sind, was die Sache deutlich erschweren würde. Vom Flughafen aus ging es für uns dann direkt in die Wohnung. Bei der Autofahrt konnte ich schon deutlich merken, wie sehr sich der Verkehr im allgemeinen und besonders die Fahrgewohnheiten der Verkehrsteilnehmer in Manila sich von meinem gewohnten Bild aus Deutschland unterscheidet. In der Wohnung angekommen, lernten wir gleich unsere weiteren Mitbewohner, zwei polnische Freiwillige namens Danusia und Piotr kennen, die bis Ende September in der philippinischen Metropole bleiben werden. Unser Appartement befindet sich in der Stadt Quezon City, einer der zwölf Städte in die Metropolregion Manila. Dort wiederum leben wir im Stadtteil New Manila, einer relativ neuen und wirklich sicheren Gegend. Unsere Wohnung selbst ist eine Anliegerwohnung einer netten Professorin, deren Haus sich direkt an unsere Wohnung anschließt. Das Appartement selbst besteht aus einem großen Wohnraum im Erdgeschoss, der sowohl Küche und Essbereich als auch Wohnzimmer und Arbeitszimmer verbindet. Außerdem befindet sich im Erdgeschoss noch unser Bad mit Dusche und WC. In den beiden Schlafzimmern im 1. Stock schlafen im Moment die beiden Polen sowie Alex und Simon. Aufgrund der momentanen Wohnsituation in der Wohnung schlafen Moritz und ich noch auf einer Matratze beziehungsweise einem Schlafsofa unten im Wohnzimmer, aber wir werden die Zimmer oben beziehen, wenn Alex beziehungsweise Danusia und Piotr abgereist sind. Meiner Meinung nach ist die Wohnung echt super, wirklich sauber und geräumig, sodass es im Moment mit sechs statt vier Leuten völlig in Ordnung ist. Die Lage ist außerdem klasse, weil man ungefähr gleich weit von den Einsatzstellen in Parola und Payatas entfernt ist, die Zugstation ist in weniger als fünf Minuten per Fuß zu erreichen, genau wie ein Supermarkt, eine Wäscherei,  die riesige Mall „Robinsons Magnolia“ und eine Eatery. Als Eatery bezeichnet man ein kleines Restaurant, in dem Filipinas oder Filipinos eine bestimmte Auswahl an Gerichten kochen, von welchen man sich eines oder mehrere aussuchen kann und in der Regel mit Reis kombiniert. Meine Erfahrung mit diesen Restaurants ist bisher wirklich gut, das Essen ist total lecker und zudem preiswert. All diese Dinge zeigte uns Alex in unseren ersten Tagen in Manila, außerdem noch wie wir zu Father Artur ins Konvent kommen, wie und wo wir kostenlos Geld abheben können, wo man Geld wechseln kann, wie und wo man das WLAN oder die Kosten für Strom bezahlt und noch vieles mehr. Auch aus diesem Grund bin ich Alex wirklich sehr dankbar, dass er sich dafür eingesetzt hat, noch länger in Manila bleiben zu dürfen. 

Der erste wirkliche Programmpunkt war für uns am Tag nach unserer Ankunft das Mittagessen im Konvent, bei dem wir uns mit Father Artur unterhalten konnten und er uns seine Wünsche und Regeln für eine gute Zeit und Zusammenarbeit mit ihm mitteilte. Im Konvent wurden wir an diesem Tag von allen total nett empfangen und begrüßt, dort leben neben Father Artur und einem weiteren Pater junge Männer aus Nachbarstaaten der Philippinen oder aus den Philippinen selbst, die anstreben Priester zu werden. Hierfür erhalten sie für mindestens ein Jahr im Konvent Englischunterricht. Das Wochenende und den darauffolgenen Montag hatten wir noch frei, um uns ein Stück weit einzugewöhnen war das wirklich sehr gut. Am Tag unserer Ankunft beziehungsweise am Tag danach kamen neben uns auch Alex‘ deutsche Freunde auf die Philippinen. Mit ihnen haben wir am Wochenende etwas unternommen, bevor sie am Sonntag losgereist sind, um ans Meer zu gehen. Alex hat uns außerdem seinen philippinischen Freund Jansky vorgestellt, mit dem wir den Sonntag verbracht haben. Mit ihm zusammen haben wir Adobo gekocht, ein typisch philippinsches und richtig leckeres Gericht mit Hühnchen oder Schwein und Soyasoße. Am Sonntagabend bin ich mit Moritz noch in eine nahe gelegene Kirche gegangen und ich war auch wirklich überrascht, wie viele Gottesdienstbesucher im Vergleich zu Deutschland da waren.

Woche 2
Unser Sprachkurs fand dann ab Dienstag im Konvent statt und wurde von den beiden Lehrerinnen Nica und Erika abgehalten. Hier lernten wir für zwei Wochen die Grundbegriffe und einige grammatikalische Strukturen, die uns im Alltag helfen sollten. Bis wir Tagalog wirklich fließend sprechen können, wird es mit Sicherheit noch lange dauern. Das stellt sich aber als kein schwerwiegendes Problem heraus, da in Manila sehr viel „Taglish“ gesprochen wird, also die Mischform aus Tagalog und Englisch. Doch gerade wenn die Arbeit im Slum beginnt, wird Tagalog mit Sicherheit sehr viel wichtiger werden.

Am Samstag starteten wir gemeinsam mit den Lehrern, die in Payatas, Parola und im Konvent arbeiten, zu einem dreitägigen Teambuilding-Seminar nach Batangas, circa 90 Kilometer von Quezon-City entfernt. Das gesamte Seminar verbrachten wir im tollen „Shercon Resort und Ecology Parc“. Neben den verschiedenen Programmpunkten und Vorträgen konnten wir alle Lehrer und Verantwortliche kennen lernen. Ursprünglich wollten wir am Tag unserer Abreise noch eine nahegelgene Vulkaninsel mit See im See anschauen, aufgrund der Wetterlage haben wir dieses Vorhaben dann aber vertagt.

Der Sprachkurs ging nach diesem verlängerten Wochenende in die zweite Runde, am Freitag wurde im Konvent der Todestag des Gründungsvaters der Salvatorianermissionen in Asien, Otto Hopfenmüller, zelebriert. Nach dem Gottesdienst in der Früh wurde dann neben Hopfenmüllers Leben die Philippinen, ihre Feste und die Gewohnheiten der Filipinos vorgestellt und die Feier mit dem Mittagessen abgerundet. Bei dem Vortrag wurden manche Stereotypen stärker oder weniger stark bedient, würde ich jetzt behaupten.

Woche 3
Da der vergangene Montag wiederum einen Feiertag darstellte, nutzten wir das verlängerte Wochenende, um nach Baler, einem Ort an der Ostküste von unserer Insel Luzon, circa 140 Kilometer Luftlinie entfernt von Manila, zu reisen. Wir, also Moritz, Simon, Anna, eine deutsche Bekannte von Simons Bruder, Alex und Peter, einer von Alex deutschen Freunden, sowie Aldrin, ein mit Alex befreundeter Filipino, starteten Freitag nachts mit dem Bus und waren in der früh um kurz nach fünf in der Unterkunft und zum Sonnenaufgang schon am Strand. Neben entspannen und am Meer sein haben wir uns am Samstag und Sonntag zwei Sehenswürdigkeiten in der Region angesehen: zum einen gibt es einen extrem schönen Wasserfall, genannt „Mother Falls„, der in einer gebirgigen Waldgegend gelegen ist. Hier waren wir außerdem Baden, was wirklich toll war, weil das Wasser im Vergleich zum Meer erfrischend kalt war. Am nächsten Tag haben wir uns den „Old Balete Tree„, einen über 600 Jahre alten Baum mit circa 12-15 Meter Durchmesser angeschaut, der im Prinzip aus tausenden Ästen besteht, die über diese lange Zeit so fest zusammengewachsen sind, dass man sowohl im Inneren als auch Außen gut herumklettern kann. 

Für diese Woche war eigentlich das Praktikum im Kindergarten angesetzt, das uns helfen soll uns an den Umgang mit den Kindern zu gewöhnen und die Aufgabe besser zu verstehen. Aufgrund von Unwettern war der Kindergarten Dienstags und Mittwochs geschlossen. Am Mittwoch sind Moritz, Simon und ich deshalb los, um uns „Parola“, den Slum in der Hafengegend, von Alex zeigen zu lassen. Da die angesetzte Messe im sogenannten Center, eine Wohnung die sich mit einem Lehrerzimmer vergleichen lässt, ausgefallen ist, sind wir vor dem Mittagessen mit den Lehrern schon los zum Slum. Parola an sich ist unterteilt in über 60 Gates, also Eingängen in den Slum, die sich entlang einer breiten Straße zum Hafen reihen. Ein Gate selbst haben wir nicht betreten, da Alex bereits schon seit einigen Wochen nicht mehr unterrichtet und deswegen nicht regelmäßig in sein Gate geht. Daher sind wir nur an allen Gates vorbeigelaufen, aber in keines reingegangen, doch auch diese Bilder waren schon sehr prägend.

Am Donnerstag stand der erste Tag im Kindergarten an. Bei diesem handelt es sich um einen privaten Kindergarten, die Kinder stammen also alle aus besseren Verhältnissen, weshalb zuhause teilweise nur Englisch gesprochen wird. Wie wir später erfuhren, ist das zum Teil ein Problem, da einige Kinder so kein Tagalog verstehen. Nach einer kurzen Vorstellung und ersten Einblicken durfte ich dann auch schon selbst an den Einheiten für die Kinder mitwirken. Neben spielen und essen waren einige Übungen zum Umgang mit dem Stift Bestandteil des Programms. Nachdem die Kinder dann abgeholt wurden, sind wir zum Essen mit den Erzieherinnen bei der Leiterin des Kindergartens eingeladen worden. Für nächste Woche sollten jeder von uns einige typisch deutsche Spiele oder Lieder vorbereiten, um diese den Kindern zu zeigen.

Am Freitag sind meine Mit-Freiwilligen, die beiden polnischen Freiwilligen und ich zu einer Jubiläumsfeier in den Slum „Payatas“ aufgebrochen. Gefeiert wurde das fünfjährige Bestehen von „Alsa Buhay“ in Payatas. Bei Alsa Buhay handelt es sich um ein Teilprojekt von Puso sa Puso und meiner eigentlichen Aufgabe, Kinder im Slum zuhause zu unterrichten und dadurch Bildung zu ermöglichen. Nach einer feierlichen Messe, bei der neben Father Artur und einigen Schwestern auch die Lehrer aus Parola sowie ein Großteil der Familien anwesend waren, folgten einige Aufführungen von verschiedenen Gruppen, die Teil von Puso sa Puso sind. Anschließend sind wir wiederum zum Essen mit den Schwestern und Lehrern eingeladen gewesen. Auch wenn ich noch keine wirklichen Einblicke in ein Gate in Parola hatte, konnte ich doch feststellen, dass die Struktur im Slum in Payatas eine andere ist, da die Menschen, die dort leben, nicht wie in Parola meist aus der Provence kommen und es als Übergang in die Stadt wahrnehmen, sondern über längere Zeit dort leben, weshalb der Aufbau und gewisse Strukturen schon verfestigen konnten.

Allgemein
Generell gefällt es mir bisher sehr gut hier auf den Philippinen. An die Klimaumstellung habe ich mich inzwischen ganz gut gewöhnt, mein Körper hat sich zwar nicht wirklich umgestellt denke ich, aber man stört sich nicht mehr so stark daran, dass man ständig schwitzt. Außerdem ist im Moment noch „wet season“, also die Regenzeit, das bedeutet, das Klima ist von weniger heißen Temperaturen („nur“ circa 30 ° C), viel Niederschlag und hoher Luftfeuchtigkeit (circa 85%) geprägt. Was ich in Manila als eher störend empfinde ist der Verkehrslärm und die hohe Luftverschmutzung, mit der man im Alltag ständig konfrontiert ist. Zum Teil mag das bestimmt auch daran liegen, dass ich bisher noch nie (bewusst) in einer Großstadt gelebt habe. Wiederum ein Vorteil an der hohen Verkehrsdichte ist, dass man zu jeder Tages- und Nachtzeit jeden Ort in Manila erreichen kann, sei es über Taxi, Bahn, Jeepneys, Tricycles oder Bus. Ein weiterer Aspekt, der den Alltag sehr positiv beeinflusst, ist, dass die meisten Filipinos wahnsinnig freundliche Leute sind, egal ob sie dich zum ersten Mal sehen, ob sie dich kennen oder nicht, egal wer, jeder hat immer ein Lächeln oder ein „Hallo, wie geht’s, wo kommst du her“ parat. Hier spielt vermutlich auch ein Stück mit rein, dass wir als Weiße oft ein Stück anders behandelt werden, egal ob wir es möchten oder nicht. Eine weitere Sache, an die ich mich (für mich) überraschend schnell gewöhnt habe, ist Reis, der in
nahezu jeder Mahlzeit enthalten ist. Das Essen generell ist hier richtig lecker und in Eaterys mindestens genau so günstig, wie wenn man es selbst zuhause zubereiten würde. Für mich ist das daher optimal, weil es kostet nicht viel Geld, ich muss es nicht selbst kochen und kann jeden Tag etwas anderes essen.

In den kommenden Wochen steht für uns dann noch das Praktikum im Kindergarten an, daraufhin wird für uns die wirkliche Arbeit an der Einsatzstelle beginnen. Bis dahin euch alles Gute, vielen Dank und bei Wünschen, Fragen oder Anregungen einfach kurz bei mir melden. 

Viele Grüße

Jakob 

 

P.S. Weitere Bilder findet ihr in den Einträgen meiner Mitstreiter oder über die verlinkten Begriffe 🙂

Die Heldin, die ich bin

Buenas,

hier bin ich wieder.

Es ist nun auch schon ein kleines Weilchen her, aber vor einiger Zeit wurde mir die Aufgabe gegeben noch eine weitere Wand in der Kirche in Santa Rosa mit Blumen zu behängen. Weiterlesen

Mauerupdate – Nein, Mexiko zahlt nicht dafür

Buenas, mein Freund!

Wie du – soweit du meine vorherigen Blogeinträge gelesen hast – bereits weißt, haben Miriam und ich eine Mauer in Santa Rosa mit Blumen behängt.

Damit sind wir auch schon vor einiger Zeit fertig geworden.

Aber – wie das halt so ist – war unsere Arbeit damit noch nicht vorbei.

Am 30. Januar sind wir zusammen mit einem anderen nicht-MaZ-Freiwilligen namens David dorthin zurückgekehrt und haben die abgestorbenen Pflanzen ausgewechselt und ein Mandala an die Wand gemalt.

Die Arbeit hat insgesamt von 13 Uhr bis 22 Uhr gedauert und am Ende – Pater Juan hat uns lieber Weise nach Hause gefahren, weil er gerade vor Ort war – ist auch noch der Farbtopf auf die Sitzbezüge gekippt, weil der Deckel sich nicht richtig hat schließen lassen.

Im Folgenden gibt es ein paar Eindrücke von unserer Arbeit und dem Endprodukt.

Ciao,

deine Lisa.

Jumapili njema – Sonntags bei uns in Mkuranga

Hallo ihr Lieben,

Sonntags ist bei uns hier in Mkuranga immer ziemlich viel los. Der Tag beginnt für uns meistens schon um sechs Uhr in der Früh, da die erste Messe schon um halb sieben beginnt. Insgesamt gibt es drei Messen, die nacheinander stattfinden. Eine Messe dauert ungefähr zwei Stunden und alle sind immer ziemlich gut besucht. Insgesamt läuft der Gottesdienst ab wie bei uns in Deutschland, allerdings gibt es einige kleine Unterschiede: Weiterlesen

Vom „Kicking Day“ zum „Boxing Day“

Die Allermeisten haben uns zu Weihnachten geschrieben: „Weihnachten mal ganz anders“ oder „es wird bestimmt ein ganz besonderes Weihnachten für dich“. Und sie haben Recht gehabt.

Also, ich fange mal ganz vorne an. Weiterlesen

Feuerwerk an Weihnachten, Strand an Silvester

Fröhliche Weihnachten und ein gutes, neues Jahr! (Ich denke, ein ‚nachträglich‘ wäre hier recht passend.)

Nun doch etwas verspätet – sorry dafür – gibt es jetzt einen kleinen Text über die Feiertage und wie Miri und ich sie hier, in Lima verbracht haben.

Beginnen wir mit Weihnachten:

An sich läuft der Heiligabend in Peru – unseres Wissens nach – so ab:

Den Tag über gibt es keine größeren Mahlzeiten, irgendwann – je nach Haushalt – geht man in eine Weihnachtsmesse und nach Mitternacht – also in gewisser Weise schon am 1. Weihnachtsfeiertag – wird gegessen und es werden Geschenke verteilt. Ebenfalls um, bzw. kurz nach, Mitternacht gibt es überall – eher weniger legale – Feuerwerke und es wird mit der Familie, Freunden und auf der Straße auch mit Nachbarn gefeiert.

Nun zu unserem Heiligabend:

Aufgrund der sommerlichen Hitze – denn, nur um das noch einmal in Erinnerung zu rufen, hier ist im Moment Sommer und die Kinder haben Sommerferien – hat sich weder Miris, noch meine Weihnachtsstimmung an Heiligabend wirklich eingestellt.

Wir hatten zwar einige Komponenten für ein schönes Weihnachtsfest zur Verfügung: freier Tag, Bäumchen (eher Heckchen, aber dazu später mehr), Geschenke, Familie per Skype, Plätzchen, – zumindest für Miriam – Standardweihnachtsessen, Weihnachtsmusik per Internet, …

Aber die Stimmung kam einfach nicht recht auf.

Wir haben den Großteil des Tages eher trübsinnig und still verbracht, weil man an Weihnachten nun einmal gerne mit der Familie zusammen wäre, aber das war leider nicht direkt möglich. Wir konnten zwar mit unseren Eltern skypen, aber irgendwie war es eben nicht das Wahre.

Aber dann, dann kam die Bescherung.

Unter unserer Weihnachtshecke – um dazu eine kurze Vorgeschichte zu geben: In Lima gibt es um diese Jahreszeit keine Tannen und da Hecken mehr oder weniger wie Tannen aussehen, kann man sich eine kleine Hecke kaufen, wenn man keinen Plastikbaum will – hat das Christkind zum Klang von einer Spotify-Playlist die Geschenke deponiert. Es war bereits abends – den Baum haben wir Nachmittags geschmückt – dementsprechend dunkel und die – leider – bunten Lichter unserer kleinen Lichterkette haben unsere goldenen Weihnachtsbirnen feierlich erleuchtet. Neben Weihnachtsbirnen hingen auch noch rot-glitzernde Weihnachtsäpfel, ein Bärchen, ein Kugelpaar, das den Weihnachtsmann darstellen sollte und ein pinker, glitzriger Schmetterling als Stern am Baum – nur um das klar zustellen, da wir sowieso kein richtiges Zuhauseweihnachten haben konnten, haben wir uns die grässlich-schönsten Dinge im Einkaufszentrum besorgt, die wir finden konnten.

Weihnachtsstimmung in Heckenform

Unter unserer in vollkommener Schönheit erstrahlenden Weihnachtshecke lagen nun dank des Christkinds wahrhaft einzigartige Geschenke, die von farbenprächtigen Fabelwesen bis hin zu zweckentfremdeten Glücksspielen schwankten. Da das Christkind uns beiden Essen geschenkt hatte, brachen wir das peruanische Heiligabendfastentum frühzeitig und ergötzten uns am Boden unseres Eingangszimmers an multikulturellen Speisen, die mit teuren Getränken heruntergespült wurden. So und nicht anders haben wir es geschafft, trotz Hitze und Sommerkleidern, trotz fehlender Familie und bunten Lichterketten, ein Weihnachtsgefühl zu haben, das sich als solches beschreiben ließ.

Wir müssen voller Schande und Scham zugeben, dass wir diesen Funken Weihnachten, den wir gespürt haben, nicht aufgeben wollten und deshalb die erste Messe verpasst haben und stattdessen mit einem Freund aus Deutschland geskypt und gefeiert haben. Zu der zweiten Weihnachtsmesse, zu der uns Juan eingeladen hatte, sind wir etwas zu spät gekommen, da entgegen unserer Gewohnheit keine Busse in die Richtung der Kirche gefahren sind und der Weg zu Fuß deutlich länger dauert. Wir haben uns beeilt, haben es aber nicht mehr perfekt geschafft.

Gegen Ende der Messe hat Miriam – ganz im Gegensatz zu meiner Prophezeiung, dass ich in Tränen ausbrechen würde – begonnen zu weinen. Die Messe war schön, aber Heimweh ist nun einmal eine starke Emotion.

Nach nicht allzu langer Zeit haben sich die Tränen gelegt – auch wenn ich wegen eines Kommentars über den heimischen Schweinebraten, den ich dieses Jahr nicht an Weihnachten zu mir nehmen würde, ebenfalls den Tränen nahe war, denn ja, manchmal weint man wegen Essen – und wir sind zusammen mit Pater Juan zurück nach Hause gefahren. Wir haben Miris Lasagne – das Heiligabendessen ihrer Familie – mit zu den Patern genommen und uns um Mitternacht das Feuerwerk vom Dach aus angeschaut. Die Sicht, die wir hatten, war nicht zu toppen, da wir wegen unserer Lage im Viertel bereits erhöht wohnen und das Haus der Paters ebenfalls recht weit nach oben geht. Wir hatten einen wundervollen Panoramablick über Chorrillos und konnten sogar bis nach Miraflores sehen.

Der ganze Himmel hat geleuchtet.

Nachdem wir uns sattgesehen hatten, haben wir zusammen mit den Patern gegessen und haben ihnen ihre Geschenke – vor allem Plätzchen und ein Schreikissen für Juan – übergeben.

Irgendwann sind wir müde ins Bett gefallen.

Die Weihnachtsfeiertage haben wir vorwiegend essend und in der Kirche verbracht.

Jetzt zu Silvester:

Silvester wollten wir in der Innenstadt, in Barranco und Miraflores verbringen.

Wir haben uns zwei Betten in einem Hostel in der Nähe des Strands in Barranco genommen und sind daraufhin zum Kennedypark gefahren. Wir haben nette Leute – teils Peruaner, teils Europäer – kennengelernt und sind in Larcomar ins neue Jahr gerutscht. Larcomar liegt direkt oben an der Hochküste und dementsprechend konnten wir auch hier die Silvesterfeuerwerke in verschiedenen Vierteln beobachten. Einige Leute in Chorrillos haben gleichzeitig fünf Minuten vor Neujahr angefangen die Raketen in die Luft zu schießen. Fünf Minuten später ist dann der Rest gefolgt.

Da wir den ganzen Abend bereits mit einer Flasche Wein durch die Gegend gelaufen sind, haben wir uns nach einem mehr oder weniger kurzen Kampf mit dem Korken an den heimischen Strand gesetzt und dort unseren Wein getrunken. Nachdem die ganze Welt ins neue Jahr gerutscht ist, sind wir schlafen gegangen.

Ciao, mein lieber Leser und liebe Grüße aus dem Sommer,

Lisa

 

Denn Zeit ist Leben. Und das Leben wohnt im Herzen. – Momo, Michael Ende

Hola, lieber Leser! Wie gehts, wie stehts?

Der 23. Oktober war ein ruhiger Sonntag. Ein etwas zu ruhiger Sonntag. Wir haben uns nämlich ziemlich gelangweilt in unserer Wohnung. Und wie wir Neunzigerkinder im Laufe unseres Lebens gelernt haben, ist die Lösung für Langweile das Internet (du weißt doch, dass ich nur die Wahrheit sage, auch wenn es dir nicht gefällt).

Nun ja, zurück zum Thema.

An diesem Sonntag habe ich also ein wenig im Internet gesurft und ein – meiner Meinung nach – sehr cooles Upcycling-Projekt gefunden. Es ist nämlich möglich, aus großen Trinkplastikflaschen (von denen wir zur genüge haben, da wir das Wasser aus dem Hahn nicht trinken können) Blumentöpfe zu machen. Man benötigt nur eine Schere eine Nadel und einen stabilen Faden sowie – natürlich – die Flasche. Weiterlesen