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Zur Heimat und dem Globalen Müllproblem

Heimat

Land, Landesteil oder Ort, in dem man [geboren und] aufgewachsen ist oder sich durch ständigen Aufenthalt zu Hause fühlt (oft als gefühlsbetonter Ausdruck enger Verbundenheit gegenüber einer bestimmten Gegend). – Duden

Als ich vor nun mittlerweile mehr als 11 Monaten die Reise nach Manila angetreten bin war ich mir bewusst dass ich genau dies für ein Jahr hinter mir lassen werde. Der Abreise immer näher kommend muss ich feststellen dass ich nun wieder eine Heimat verlassen werde.

Ich bin ein absolutes Dorfkind. Der Dorftratsch gehörte genauso zu meinem Leben wie die Kühe auf der Weide gegenüber. Ein Bus fährt morgens raus und abends einer wieder rein, ansonsten galt es das Fahrrad oder das Auto zu nutzen. Vom Balkon der Ausblick in die bergige Landschaft des Bayrischen Waldes und wenn etwas Föhn herrschte den Sonnenuntergang mit Sicht auf die Alpen genießen. Metro Manila (ca. 23 Millionen Einwohner) ist davon so ziemich das absolute Gegenteil. Eine Weltmetropole von der es nichts vegleichbares in Deutschland (Berlin: 3,7 Millionen Einwohner, Bayern: 13 Millionen Einwohner) gibt.

Von einer solchen Idylle kommend habe ich nicht damit gerechnet mich jemals zu 100% heimisch zu fühlen doch über die Zeit hat sich genau dieses Gefühl ausgebreitet. Jedes mal wenn ich mit anderen Freiwilligen Reisen war wusste ich mich über die Stadt, den Lärm und den Smog zu beschweren doch wenn ich dann von paradisischen „Postkarten-Locations“ zurück bei meiner Wohnung in Quezon City kam fühlte ich mich dennoch zu Hause. Die Dinge die ich in Deutschland vermissen werde sind genauso unzählig wie die Dinge auf die ich mich schon wieder in Deutschland freue.

Das Globale Müllproblem

Eine Frage die mir häufig gestellt wurde ist, ob denn das Müllproblem hier tatsächlich so dramatisch sei, wie oft in den Medien dargestellt. Klare Antwort: Ja. Es gibt nunmal kein so nettes Müllsystem wie in Deutschland und ja, es liegt auch im vergleich zu Deutschland viel Müll rum. Wir Deutschen machen es uns, wie nahe zu jeder Industriestaat, an dieser Stelle leicht und argumentieren wie schön sauber es denn bei uns sei, wie gut wir auf die Umwelt achten. Im besten Fall zeigen wir noch mit gehobenem Finger auf andere. Die Realität ist aber eine ganz andere!

Als Vergleichsinstrument für solche Statistiken gibt es den Ökologischen Fußabdruck:

  • Während in Deutschland eine Person im Schnitt 5,3 gha (Globale Hektar) benötigt liegt dieser Wert in den Philippinen lediglich bei 1,1 gha. Mehr als 4,8 mal so Hoch!
  • In Deutschland haben wir pro Person eine Kapazität von 1,7 gha.
  • In den Philippinen sind lediglich 0,6 gha vorhanden.
  • Man kommt also auf das Ergebnis dass beide Länder ein sogennantes Ökodefizit aufweisen: -3,6 gha in Deutschland und –0,5 gha auf den Philippinen.
  • D.h. das Ökodefizit eines Deutschen, ist 7,2 mal so hoch wie das das eines Filipinos!

Mir ist bewusst dass ich hier auf eine gewisse Weise Schnitzel mit Reis vergleiche, da ich von reinem Müll auf die gesamte Nachhaltigkeit gesprungen bin (welche den Müll aber einschließt). Und ja, es gibt Länder die noch eine schlechtere Bilanz haben. Mit dem Finger auf andere zeigen und sagen „die sind aber viel schlimmer“ ist aber auch nicht richtig. Als gemeiner Bürger sollte man also sich selbst zur Rechenschaft ziehen und seinen Konsum inklusive dessen Folgen zwei mal Überdenken bevor man über andere Urteilt.

Schöne Grüße aus Manila,

Daniel

 

 

Zurück in der neuen Heimat – Jahresbeginn in Lima

Trujillo, den 17.01.18

Heimat. Ja, Lima ist Heimat für mich. Gerade mal fünf Monate wohne ich hier, und es fühlt sich wie eine Ewigkeit an. Manchmal bin ich ein bisschen traurig, wenn ich daran denke, dass ich „schon“ in sieben Monaten wieder nach Deutschland zurückkehren werde. Auch wenn ich wirklich viele Dinge vermisse, fühle ich mich schon lange angekommen in der Hauptstadt Perus und durch meine Offenheit und viel Eigeninitiative habe ich mir schon ein beachtliches Netzwerk an Kontakten aufgebaut, sei es an meiner Hauptarbeitsstelle, bei den Ministranten oder bei sonstigen Freizeitaktivitäten. Ich lebe mit vollem Herzblut hier und werde mein „zweites Leben“ am anderen Ende der Welt wohl immer vermissen, in meinem Herzen bewahren und immer wieder aufs Neue entflammen, wenn ich Besuche abstatten werde.

Mit Elan neue Ideen angehen

Nach meiner Reise in den Norden habe ich mich super gefühlt, wieder im Alltag angekommen zu sein, habe ich doch meine Kiddies super doll vermisst. Mit voller Motivation zum Jahresbeginn habe ich nun vor, mein Geigenprojekt umzusetzen, da es endlich einige Räume mit Türen gibt und somit Platz, um Geigenunterricht zu geben. Deshalb habe ich ein kleines Plakat gebastelt und eine Liste ausgehängt, in die sich Interessierte eintragen können. Mal schauen, wie es sich dann umsetzen lässt,  auch zeitlich. Vor allem wird es aber schwierig, da bis jetzt nur eine Violine vorhanden ist, nämlich die, die ich von zu Hause mitgebracht habe. Aber davon lasse ich mich nicht unterkriegen und gehe dieses Vorhaben mit Mut und Zuversicht in den nächsten Wochen an.

Sternsingen bei Sonnenschein

Auch bei den Ministranten war die Wiedersehensfreude beiderseits groß, mein Herz ging auf, als ich endlich wieder Gemeinschaft mit meinen Freunden verbringen konnte. Da habe ich dann auch noch mein Wichtelgeschenk nachgereicht bekommen. Am 06. Januar machten wir uns auf den Weg und zogen als “los reyes magos“ (Hl. Drei Könige) los, um die Häuser zu segnen. Dabei sind mir wieder einige Unterschiede zu Deutschland aufgefallen. Zum ersten, klar, anstatt in der Kälte zu erfrieren, liefen wir im T-Shirt und in kurzer Hose umher, die Könige schwitzten unter ihren Gewändern. Außerdem gab es keinen bestimmten Plan, welche Ministranten für welche Häuser verantwortlich sind, insgesamt besuchten wir vielleicht acht Häuser, also sehr wenige, wenn ich im Kopf habe, wie ich damals von Haus zu Haus gezogen bin, stundenlang. Hier läuft das alles eher gemütlich ab, so wie immer hehe 🙂 Das heißt man kehrt erst in das Haus ein, bleibt nicht davor stehen, sagt dann den Text auf (ich habe auch einen Part übernommen), singt ein Liedchen und klebt dann den Segen an die Tür. Fast in jedem Haus gab es dann auch etwas zum Trinken und Naschen als Stärkung, jedoch habe ich mich noch nicht ausgelastet gefühlt, es kam mir eher wie ein ständiges Rasten vor. Was auch auffiel war, dass viele Leute gar nicht wollten, dass die Sternsinger kommen, was mich sehr überraschte, diese aktive Antihaltung. Somit waren wir auch hauptsächlich in Häusern der Gemeindemitglieder. Es war auf jeden Fall toll, dabei gewesen zu sein, somit mitzuerleben, wie es in einem anderen Land abläuft.

Förderung in den Ferien, Vacaciónes Útiles

Momentan sind in Peru Schulferien, währenddessen gibt es von den Gemeinden aus die sogenannten vacaciónes útiles (“nützliche Ferien“). Dort können Kinder für ca. fünf Euro mehrere Wochen gefördert werden, ihren Lerninhalt nochmal wiederholen und vertiefen. Einmal hielt ich schon eine Englischstunde, in der ich die Zahlen von 1-10 lehrte. Was mich störte war, dass der Unterricht eigentlich um acht Uhr beginnt, bis aber alle Kinder gekommen waren und es mal wirklich losging mit Lernen, war es dann auch schon halb zehn. Und die halbstündige Pause wird gerne auf eine Stunde verlängert. Das finde ich dann sehr schade, da viel Zeit verloren geht, die wichtig wäre für die Kinder. Jedoch ist es wertvoll zu sehen, wie es in anderen Kulturen abläuft, Deutschland ist da manchmal ein extremes Gegenbeispiel mit unserer heutigen Leistungsgesellschaft. Da werden ausländische Einwohner dann oft schnell als “faul“ abgestempelt, ohne zu hinterfragen aus welchem Kulturkontext diese Person stammt, ohne zu wissen, dass dort oft ein anderes Verhältnis zur Zeit besteht. Leider werde ich nicht so viel mitbekommen von diesem Ferienprojekt, da ich drei Wochen in Trujillo arbeiten werde, dazu aber im nächsten Eintrag mehr.

Immer Leben…

Sonst habe ich wieder einiges erlebt die letzten zwei Wochen. Im Casa habe ich einen Abend die Chorprobe komplett alleine geleitet, da Oscar im Haus beschäftigt war. Das war so toll! Unvorbereitet mal kurz die komplette Verantwortung und Leitung übernehmen. Da waren dann viele Kompetenzen gefragt: die sprachliche, musikalische, autoritäre,… Genau mein Ding. Das war mal sehr schön, richtig herausgefordert zu sein, etwas selbst in die Hand zu nehmen. Es hat dann auch alles gut geklappt und ich denke, ich konnte den Kindern meine Tips verständlich nahebringen. Einen Sonntag begleitete ich Oscar nach Barranco in seine Gemeinde zum Gottesdienst, da sang ich kurzfristig im Chor mit. Im Haus der Talente habe ich ein E-Piano gefunden und konnte es letzte Woche endlich mal auspacken und anstecken, sodass ich die letzten Tage stundenlang Klavier spielte, habe ich das Musizieren doch schon sehr vermisst. Letzte Woche war ich wieder Schwimmen, jedoch ist es ziemlich kompliziert ins Freibad reinzukommen, da es normal viel kostet und es bisher immer ein Freund von mir gemanagt hat. Einfach nur nervig… Ich vermisse mein regelmäßiges Training im Aquafit Oberkochen sehr! Chiss und Samu haben sich einen Kleinbus gekauft und waren eifrig damit beschäftigt ihn auf Vordermann zu bringen. Während sie in Peru reisen, wird ein Mechaniker die letzten Sachen erledigen und dann können sie mit ihrem neuen Baby starten 🙂 Bevor es für sie losging, waren wir nochmal zusammen surfen, jedoch gab es leider fast keine Wellen. So trieben wir überwiegend auf dem Meer und warteten.

Eine politisch gespaltene Situation

Vielleicht hat ja der eine oder andere von euch mitbekommen, dass es in letzter Zeit Proteste in Lima gab, wegen des Präsidenten. Das wollte ich dann genauer wissen, und habe es ausgenutzt, nicht auf Google angewiesen zu sein. Als ich Juan eine kurze Zeit sah, löcherte ich ihn ein bisschen mit politischen Fragen, es musste schnell gehen, deshalb hier ein grober Überblick der politischen Situation Perus:

Alberto Fujimori, der ehemalige Präsident Perus zur Terrorismuszeiten, saß im Gefängnis, da er Menschen umbringen lassen hat und ein Diktator war zu dieser Zeit. Seine Tochter und sein Sohn sitzen beide in der Opposition der Regierung, wobei die beiden einige Meinungsverschiedenheiten haben, was die Politik betrifft. Während seine Tochter, Keika Sofía Fujimori, die Gründerin der neuen Partei der Opposition ist, sie den sogenannten „Fujimorismus“ eingeführt hat, distanziert sich deren Bruder, Kenji Fujimori, eher von ihr und ist damit beschäftigt, alles daran zu setzen, dass sein Vater freigesprochen wird, was er letztendlich vor Kurzem erreichte. Wie kam es dazu? Die Situation ist ziemlich verwirrend und meiner Meinung nach widersprechen sich einige Handlungen. Jedenfalls wurde ein Misstrauensvotum gegenüber dem aktuellen Präsidenten, Pedro Pablo Kuczynski ausgesprochen. Die Opposition drängt darauf, dass der Präsident seinen Posten abgibt, und stellt sich in vielen Entscheidungen quer. Juan meinte, dass die Opposition dauerhaft für Unruhe sorge, und es eigentlich ausweglos erscheine, irgendwie Kompromisse zu finden, egal welche Entscheidungen Kuczynski träfe. Nun setzte sich der Sohn Fujimoris dafür ein, dass zehn Mitglieder der Opposition für den Präsidenten stimmten, somit das Misstrauensvotum für den Präsidenten ausging. Auch innerhalb der Opposition herrschen Meinungsverschiedenheiten. Letztendlich wurde Fujimori daraufhin vom jetzigen Präsidenten freigesprochen. Deshalb  gab es auch die vielen Proteste gegen Pedro Kuczynski, da viele nun in Angst leben und empört sind, dass Fujimori nun wieder ein freier Mann ist. Man sieht, die Situation ist ziemlich verstrickt und sehr problematisch, da nun ein Großteil der Bevölkerung dem Präsidenten nicht mehr vertraut.

Da bin ich doch wieder sehr froh, in Deutschland zu leben, auch wenn ich immer noch schockiert bin, dass es seit so langer Zeit wieder eine extremistische Partei in den Bundestag geschafft hat.

Mein Jahresbeginn war also ziemlich voller Leben gefüllt, und hat mir bestätigt, dass ich mit Leib und Seele in Lima angekommen bin, meinem Zuhause.

Das heißt natürlich nicht, dass ich mein anderes Zuhause vergesse habe 🙂

In Gedanken grüßt euch herzlich

Eure Marlene Helena

Die schönsten Orte sind die unberührten – Auf Entdeckungstour im Norden Perus

Trujillo, den 14.01.18

Hallo meine Lieben! Erstmal: Feliz Año Nuevo! Ich hoffe, dass ihr alle einen guten Start ins neue Jahr hattet. Mein Jahreswechsel war einmalig und wunderschön, dazu später aber mehr. Seit meinem letzten Bericht ist ja nun schon wieder fast ein Monat vergangen, ein ziemlich aufregender und facettenreicher Monat.

Eine Busfahrt, die es in sich hat

Kurz vor Weihnachten ging es ja für David und mich Richtung Norden. Tatsächlich lag eine lange Reise vor uns. Mit dem Bus fuhren wir erstmal nach Chiclayo, 14 Stunden Fahrt an der Küste Perus entlang. Dort verbrachten wir dann einen Tag, um Luft zu schnappen, und besuchten unter anderem den Strand. Da hatte ich dann schon einen tollen Moment: es war heiß, die Sonne schien, der Strand war schön und ein paar Meter weiter waren einige Peruaner damit beschäftigt, ihre Fischerboote zu entleeren. Das war ein einmaliger Anblick. Den Fischen wird dann erstmal auf den Kopf geschlagen oder der Hals umgedreht, dass sie nicht länger leiden müssen. Ich habe mich wie im Film gefühlt, dazu noch unzählige Vögel, die am Strand umherschwirrten. Danach ging es, mit einem Bus der gefühlt vierten Klasse, nach Chachapoyas, unserem ersten Ziel. Wie es sich für einen Schwaben gehört, wollten David und ich natürlich auch bei den Fahrtkosten sparen, eindeutig ein Fehler, aber wir forderten es ja heraus, am eigenen Leib eine sehr unangenehme Fahrt zu erleben. Letztendlich verbrachten wir weitere zwölf Stunden in einer Schrottkiste, das muss ich jetzt leider so sagen, sonst wird es meinen damaligen Gefühlen nicht gerecht, ohne Klimaanlage, sodass man fast erstickte bei der schlechten Luft, aber natürlich gab es einen kleinen Fernseher, der auf übermäßiger Lautstärke lief und wie nicht anders zu erwarten, war es irgendein Kinderfilm, der mich nicht die Bohne interessierte. Somit wurde ich bis spät in die Nacht wach gehalten und als es dann endlich still war, war die Luft in diesem Bus allmählich so stickig, dass eindeutig keine Chance mehr bestand, zur Ruhe zu kommen. Also, Stöpsel rein, Musik an, an der kalten Busscheibe kleben, und auf den Morgen warten.

Andere Projekte kennenlernen

Endlich angekommen, wartete schon Franz auf uns und brachte uns in unser neues zu Hause für eine Woche. Gleich am ersten Nachmittag gab es eine Chocolatada in einer Schule und David, Janina, Ole und ich durften zusehen, wie Franz mit Herzblut seinem Job als Papa Noel, als Weihnachtsmann, nachging. Auch während der weiteren Tage durfte ich einen kleinen Einblick in die Arbeit der beiden gewinnen, Janina begleitete ich in das Altenheim, wo wir erst den Gottesdienst besuchten und später beim Frühstück halfen. Am Nachmittag begleitete ich Franz in die Schule für Kinder mit Behinderung, und ich muss sagen, das war sehr bewegend. Kinder mit den unterschiedlichsten Behinderungen kamen hier zusammen und hatten eine riesige Freude an den vorweihnachtlichen Veranstaltungen. Mit einem Kind habe ich mich sehr gut verstanden, es war taubstumm, am Schluss haben wir zusammen getanzt; der Kleine war total in seinem Element und hat den Rhythmus gefühlt, ohne die Musik zu hören.

„Gringo-tour“ kann jeder, wir reisen im Norden!

Im Gegensatz zu der üblichen „Gringo-tour“ im Süden Perus (Cusco, Macchu Picchu, Puno,…) ist der Norden Perus eher weniger touristisch, jedoch bietet die Natur wunderschöne Orte, die man gesehen haben sollte. Deshalb bin ich auch sehr froh, dass wir Franz und Janina besuchten, da wir sonst wohl eher nicht in den Norden gereist wären. Als erstes machten wir uns auf den Weg zur Festung von Kuélap, eine der wichtigsten archäologischen Stätten im Norden Perus, mittlerweile auch UNESCO-Welterbe. Eigentlich führt eine Seilbahn dort hoch, jedoch gab es in den Tagen davor ein heftiges Unwetter, wodurch diese zu unsicher wurde. Deshalb fuhren wir (anstatt 20 Minuten mit der Seilbahn) drei Stunden mit einem Combi (Kleinbus) im Slalom nach oben. Eine wahnsinnige Natur! Nach einem kurzen Fußmarsch nach oben konnten wir dann schon auf Entdeckertour gehen und ich durfte am eigenen Leib spüren, dass die sogenannten „Häuser in Originalform“ gar nicht mal so stabil sind, wie man es von Steinen erwartet 🙂

Ein Fußmarsch, der Kräfte verlangt

Die zweite Attraktion bildete der drittgrößte Wasserfall der Welt: la catarata Gocta. Mit 770 Metern, in zwei Abschnitten aufgeteilt, ist er ein wahres Wunder der Natur. Schon die Busfahrt ins davorliegende Tal war unglaublich toll: Mit dem Combi mitten durch den Regenwald, wo man hinsieht alles grün und unberührt. Ich konnte gar nicht mehr aufhören zu staunen, sieht man das doch sonst wenn dann nur in Filmen. Von weitem konnte man den Wasserfall schon sehen, er kann ja nicht allzu weit weg sein; tja falsch gedacht. Die Wege im Regenwald sind nämlich so kurvig, dass wir dann erst noch 2,5 Stunden Fußmarsch vor uns hatten; und der hatte es in sich. Steile Wege bei erstechender Schwüle … das war ein e Herausforderung. Im Unterschied zu früher habe ich erst gar nicht versucht, mit den anderen mitzuhalten, stattdessen habe ich mein eigenes Tempo gefunden und den Wanderweg auch richtig genossen, ab und zu ein Videotagebuch gedreht und hatte nahezu immer ein Lächeln auf dem Gesicht. Verrückt, vor einem halben Jahr saß ich noch im Klassenzimmer, mitten in der Abiphase, und nun laufe ich hier mitten durch den Regenwald, ganz weit weg von zu Hause, mitten durch die unberührte Natur. Immer wieder versuche ich zu begreifen, welch ein Glück ich doch habe, diese Reise genießen zu dürfen und diese Erfahrungen in meinem Album hinzufügen zu können. Als wir dann endlich ankamen, registrierte wir erst, wie gewaltig und hoch dieser Wasserfall doch wirklich war, dabei konnten wir ja nur den unteren Teil davon sehen. Der Rückmarsch hatte es dann nochmal in sich, geregnet hat es auch, sodass ich nur noch ein nasses Säckchen war; ich habe den Regen aber genossen, da er so naturverbindend ist und außerdem in Lima nicht existiert. Welche Tücken und Schwierigkeiten dieser Fußmarsch noch so mit sich brachte, könnt ihr in Davids zweitem Artikel genauer erfahren.

Wer braucht schon einen Reiseführer, wenn man Kontakte hat?

Ein Geheimtipp, der nicht unbedingt in jedem Reiseführer steht, war Huancas, ein Canyon ganz in der Nähe von Chachapoyas (Canon del Sonche). Wie gut, dass wir Janina und Franz hatten, die sich schon sehr gut auskannten in ihrer neuen Heimat und Umgebung. So verbrachten wir den ersten Weihnachtsfeiertag (in Peru gibt es auch nur den ersten, 25.12.) auf einem Felsen des Canyons mit Paneton. Am Vorweihnachtstag besuchten wir noch Mendoza, die Heimat von Ole, einem peruanischen Freund, der ein Jahr in Deutschland als Reversefreiwilliger der Allianza verbracht hatte. In der Umgebung gab es dann eine Höhle zu besichtigen und mitten im Dschungel, neben einem Fluss, gab es dann ein Thermalbad. Ein absoluter Traum, wie man ihn nur aus Filmen kennt.

Besinnliches Weihnachtsfest

Aber nun zum Weihnachtsfest: ihr habt euch bestimmt gefragt, wie und wo ich gefeiert habe und vor allem wie es mir dabei erging. David und ich hatten das große Glück, wie Janina und Franz, bei deren Mentor Andreas und seiner Familie eingeladen zu sein. Andreas ist ein ehemaliger deutscher Freiwilliger und hat sich hier ein Eigenheim aufgebaut mit eigener Familie. Dadurch hatten wir europäisch peruanische Weinachten, das heißt, es gab sogar einen echten Baum, wenn auch mickrig, und zum Essen gab es Raclette, sehr liebevoll zubereitet. Außerdem habe ich an diesem Abend den besten Pisco Sour getrunken, von deutscher Hand gemacht, hehe 🙂 Es war ein sehr gemütlicher Abend und gegen Mitternacht gab es dann sogar Bescherung. Um Punkt zwölf ist es üblich, dass es Feuerwerk gibt, davon haben wir nicht so viel mitbekommen, da es in Chachapoyas ruhiger war. Ein Video von unseren Freunden aus Lima zeigt das komplette Gegenteil. Mir war es aber gerade recht, dass ich Weihnachten ruhig und besinnlich in gemütlicher Runde verbringen konnte. Somit habe ich mich auch sehr wohlgefühlt und die überraschende Post aus der Heimat, die David für mich mitgenommen hat, war wundervoll. Ich bin sehr glücklich über mein Weihnachten in Peru, auch wenn ich das in Deutschland vermisste und mich auf das nächste zusammen mit meiner Familie freue. Der Schnee, die Kälte, das Schnitzel mit Kartoffelsalat, die Weihnachtsmesse haben mir doch schon gefehlt. Und der Gottesdienst am darauffolgenden Abend in Chachapoyas hat mich überhaupt nicht zufrieden gestellt, er war sehr langweilig und einfach gestaltet, so als ob es kein besonderer Tag wäre, und die kitschige Krippe hat den ganzen Gottesdienst lang piepsige Geräusche gemacht. Davor hatte ich immer das Bild von einem unvergesslichen, überaus besonderen Festgottesdienst zu Jesu Geburt. Naja, man wird ja immer wieder eines besseren belehrt.

Immer tiefer in den Regenwald

Nach den Feiertagen kam dann Aracelly nach, eine Freundin aus Lima, und wir düsten am 27.12.17 mit einem Combi weiter in den Regenwald rein, nach Tarapoto. Das war sehr spannend, da ich am Naturbild gut erkennen konnte, dass wir immer weiter östlich in die Selva fuhren, das Landschaftsbild verwandelte sich immer mehr zum Regenwald, wie man ihn im Kopf hat. Mit meinem Husten war ich dann froh, als wir nach acht Stunden in Tarapoto ankamen, und auch noch ein Hostel mit akzeptablem Preis fanden (wir zahlten ca. 5 Euro die Nacht). Wir hatten schöne Tage, besuchten umliegende Orte (Wasserfall (Catarata Ahuashuyacu), ein Schloss (Castillo de Lamas), Moyobamba, eine Lagune (Laguna Azul de Sauce). Jedoch war diese Reise auch sehr anstrengend, da es schwül war, und mein Zimmer so stickig, dass ich in diesen Nächten kaum bis gar nicht geschlafen habe. Dann kam die Frage auf, wo wir Silvester verbringen wollen, und ich muss sagen, ich habe mich immer mehr nach Lima gesehnt. In meinem Leben hatte ich hier in Peru das erste Mal Heimweh, und zwar Heimweh nach Lima. Glücklicherweise, entgegen allen Erwartungen, haben wir doch tatsächlichen einen billigen Flug gefunden, sodass wir am 31.12. nachmittags zurück nach Lima fliegen konnten. Statt 33 Stunden anstrengender Busfahrt, hoben wir nun für eine knappe Stunde in die Wolken ab.

Rechtzeitig zum Jahreswechsel in der neuen Heimat

Das war ein wunderbares Gefühl, wieder in Lima zu sein. Die Reise war wirklich toll, jedoch ist es gerade in den letzten Tagen ziemlich anstrengend geworden und ich hatte eine intensive Zeit hinter mir, die mich prägt. Kurz den Rucksack ausgepackt, in Schale geworfen und schon gings ins Casa, wo die Gringos auf uns gewartet haben. Bei selbstgemachter Pizza stimmten wir den Abend ein, bevor es mit Schokofondue auf das Hausdach der Padres ging. Zusammen mit Juan sichteten wir dann das Feuerwerk. Was für ein Anblick! Danach tanzten wir in Barranco bis in die Morgenstunden. Übrigens gibt es einen Brauch an Silvester: Viele Peruaner tragen in dieser Nacht gelbe Unterwäsche, das soll Glück im nächsten Jahr bringen. Überall auf den Straßen wird deshalb gelbe Unterwäsche verkauft. Oder rote, die steht für die Liebe, oder auch grüne, für gutes Geld im folgenden Jahr. Wir haben uns dann doch lieber für eine gelbe Blume im Haar entschieden 🙂

Was passiert mit euren Spenden?

Nun freue ich mich, wieder im Haus der Talente tätig zu sein und neue Projekte anzugehen. An dieser Stelle möchte ich nochmal meinen Dank aussprechen für die bisherige finanzielle Unterstützung für mein Projekt. Den Jahreswechsel möchte ich gerne dafür nutzen, um erneut einen kleinen Spendenaufruf zu starten und ein wenig darüber zu informieren, wie eure finanzielle Unterstützung eingesetzt wird vor Ort. Generell wird natürlich momentan immer Geld gebraucht für den Umbau des Hauses, es geht gut voran, jedoch fehlt noch einiges bis zur Fertigstellung, zum Beispiel muss ein Teil vom ersten Stock komplett rausgerissen werden, da er einsturzgefährdet ist. Das sind aber nicht einkalkulierte Kosten und somit verzögert es sich. In den kommenden Monaten haben David und ich auch vor, Spenden einzusetzen für den Umbau und Neukauf der Stelzen, da sie Hauptmerkmal des Casas sind. Mit den Stelzen haben die Kinder ihre Auftritte und repräsentieren das Haus der Talente. Des Weiteren werden wir am 10. Februar einen großen Ausflug organisieren zu einem Freizeitgelände. Dort waren die Kinder und auch Pater Juan erst einmal vor einigen Jahren, da vor allem die Hinfahrt mit dem Bus etwas kostet und die Kinder sich das nicht leisten können. Uns lag es am Herzen, auch etwas dazu beitragen zu können, dass die Kinder mal ein bisschen weiter rauskommen aus Chorrillos. Des Weiteren kam mir die Idee, eine Art „Gesundheitskasse“ aufzubauen. Gerade als Ärztin Karin da war, habe ich gemerkt, dass es oft an kleinen Beträgen scheitert, die jedoch ausschlaggebend für die Entwicklung der Kinder sind, seien es Einlagen für die Füße oder Wachstumshormone bei einem Kleinwüchsigen… Selbst kleinste Kosten können die Familien oft nicht tragen. So habe ich mit Juan gesprochen und werde organisieren, dass ein bisschen Geld zurückgelegt wird für Zeiten, in denen Karin oder auch andere Fachleute hier in der Gemeinde sind, dass sie dann auf etwas zurückgreifen können bei Bedarf.

Das sind momentan die Baustellen, wo wir eure Spenden einsetzen und es werden bestimmt noch ein paar Ideen hinzukommen. Ihr könnt sehen, eure finanzielle Unterstützung fällt auf fruchtbaren Boden, und ich werde euch immer wieder darüber informieren. Auch wenn Fragen aufkommen, schreibt mir jederzeit auf m.mangold-infomaz@gmx.de. Eure Unterstützung ist also gerne gesehen und wird sehr wertgeschätzt!

Comboni-Missionare KöR, 73479 Ellwangen                                                                                                           IBAN: DE66 6145 0050 0110 6170 15                                                                                                                      BIC: OASPDE6AXXX                                                                                                                              Verwendungszweck: *** Marlene Mangold (630), Peru ***

Herzlichen Dank auch für eure sonstige Unterstützung, sei es durch anhaltenden Kontakt oder durch Erzählen von mir und meinem Projekt.

Ich wünsche euch eine gute Zeit, einen guten Jahresbeginn, ich denke viel an euch meine liebe Familie, Freunde und Unterstützer!

PS: Wenn ihr das nächste Mal durch den Wald lauft oder draußen unterwegs seid, genießt doch mal die Natur bewusst. Das kann eine tolle Erfahrung sein.

Es grüßt euch herzlich

Eure Marlene Helena