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Beginn meines MaZ-Dienst

Nach über achtmonatiger Vorbereitungszeit begann am 4. August 2018 endlich mein Auslandsjahr. Ich betrat das Flugzeug mit gemischten Gefühlen. Einerseits habe ich meine Freunde, Familie, Bekannte und mein gewohntes Umfeld für ein Jahr verlassen und werde alles sicherlich auch vermissen, anderseits war die Vorfreude auf Tansania und die neuen Eindrücke riesig. Zweiteres Gefühl überwog deutlich. Zusammen mit Carlotta und Jeanette, zwei Freiwilligen der Steyler- Missionarinnen, die in einem Waisenhaus in Bugoba (nähe Viktoriasee) mithelfen werden, flogen wir vom Münchner Flughafen los. Der Flug verlief ohne Probleme, lediglich das Warten auf das Visum am Flughafen in Dar Es Salaam, oder auch nur Dar, wie es von Einheimischen abgekürzt wird, verzögerte sich etwas. Am Flughafen angekommen wurden wir von Lukas, der 2010 einen Freiwilligendienst in Mkuranga absolviert hatte, abgeholt und nach Kurasini in ein Ordenshaus der Salvatorianer gebracht. Dort trafen wir auf Iris und Philomena, meine „Vorgängerinnen“ aus Mkuranga. Sie haben uns am nächsten Tag mit organisatorischen Dingen wie Geldabheben, Besorgen einer tansanischen Handynummer sowie Kaufen der Bustickets nach Morogoro geholfen. Morogoro liegt circa 5-6 Stunden westlich von Dar Es Salaam entfernt. Dort ist die Sprachschule, in der wir einen knapp vierwöchigen Sprachkurs absolviert haben. Hier wurden uns die Grundkenntnisse des Kishualilis vermittelt. Ein normaler Unterrichtstag sah wie folgt aus: um 8:00 morgens oder auch 2 Uhr Swahilitime begann der Unterricht. Hier wird im Alltag eine andere Zeitrechnung verwendet. So beginnt die Swahili- Zeitrechnung bei Sonnenaufgang, sozusagen mit der Stunde 0 (6 Uhr morgens). Die erste Stunde des Tages endet um 7 Uhr morgens, woraus sich auch die Uhrzeit, nämlich 1 Uhr Swahili- Zeit (saa moja), ableitet. Entsprechend dieser Zeitrechnung (als Eselsbrücke subtrahiert oder addiert man jeweils sechs Stunden zu unserer Zeit) ist also 9 Uhr vormittags die dritte Stunde und 14 Uhr nachmittags die achte Stunde. Besonders in den ersten Wochen hat dies häufig zu Verwirrungen geführt, mittlerweile bereitet es mir kaum noch Probleme. Um 10:00 wurde der Unterricht für eine halbe Stunde pausiert. In der teatime wurde dann gemeinsam mit den Lehrern Tee und Kaffee getrunken zusätzlich gab es noch kleine Snacks. Um 12:00 Uhr endete der Unterricht am Vormittag und die Mittagspause begann. Von 14:30 -16:00 war erneut Unterricht. In der Summe ergab dies fünf Stunden Kishualili- Unterricht pro Tag. Meistens waren wir nach dem Unterricht mental ziemlich erschöpft, denn der Unterricht sowie die Lehrmaterialien waren auf Englisch. Es war deswegen ziemlich anstregend, immer zwischen Kishualili, Englisch und Deutsch zu übersetzen. Die Tatsache, dass wir nur zu dritt Unterricht hatten, hat diesen Effekt nicht verringert. Die Wochenenden in der Sprachschule waren von den Lehrern gut organisiert. So wanderten wir beispielsweise zu einem deutschen Kolonialhaus, das 1911 gebaut wurde und das immer noch bewohnt ist. Obale, ein maasaischer Sprachlehrer, begleitete uns Sprachschüler zu einen lokalen Maasai- Markt, bei dem vor allem Kühe, Ziegen verkauft/gekauft und geschlachtet wurden. Außerdem brachte er uns die Kultur des Maasaistammes und die Aufgaben eines Maasais näher. Das Highlight während der Zeit in der Sprachschule war aber ohne Frage der Besuch des Mikumi-Nationalparks am zweiten Wochenende. Dieser Trip wurde von Philomena, der Vorfreiwilligen, organisiert. Am Samstag ging es dann früh morgens los, da in der Morgendämmerung die Wahrscheinlichkeit am höchsten ist, Tiere in ihrer freien Wildbahn zu sehen. Von den berüchtigten „Big Five“ (Büffel, Elefant, Leopard, Löwe und Nashorn) sahen wir drei in ihrer natürlichen Lebensumgebung, nämlich Büffel, Elefanten und Löwen. Am Sonntag wanderten wir im Udzungwa Mountains Nationalpark zu einem Wasserfall. Nach dem Sprachkurs trennten sich die Wege für Carlotta, Jeanette und mich. Die beiden Mädchen fuhren ins ca. 24 Busstunden entfernte Bukoba, um dort ihr Projekt anzutreten. Für mich dagegen ging es zurück nach Dar Es Salaam. Dort war ich erneut im Ordenshaus der Salvatorianer in Kurasini untergebracht, in dem wir nach der Ankuft bereits gewohnt haben. Hier verbrachte ich weitere neun Nächte. Ziel dieses Aufenthaltes war, das Jahresvisum für mich zu beantragen. Im Unterschied zu Frewilligen in anderen Ländern, die ihr Jahresvisum bereits vor dem Hinflug bekommen haben, ist bei uns Freiwilligen in Tansania das Vorgehen etwas anders. Wir sind mit dem normalen Touristenvisum eingereist, welches drei Monate gültig ist. In diesen drei Monaten kümmert sich der/die Freiwillige um das Jahresvisum. Nachdem meine entsprechenden Unterlagen abgegeben worden waren, wurde ich von meinem Verantwortlichen, Fr. Ayub, nach Mkuranga gebracht. Mittlerweile bin ich schon knapp eine Woche in Mkuranga und hatte bereits meine ersten Tage im Projekt. Ausführlichere Informationen zu meiner Arbeit und Mkuranga kommen im nächsten Bericht.

Kwa heri!
Johannes Wutte

Jeepneys, türkisblaues Meer und strahlende Kinderaugen (#6)

Hallo zusammen,

Inzwischen ist mein Jahr auf den Philippinen schon wieder vorbei. Auch wenn ich seit Anfang August zurück in meiner Heimat bin, möchte ich niemandem vorenthalten, wie sich meine letzten Monate auf den Philippinen gestaltet haben. In den Pfingstferien kam meine Familie zu Besuch, worüber meine Mutter in einem ‚Gastbeitrag‘ im Folgenden berichtet:

Als ich mich mit meinen Kindern Mitte Mai auf den Weg zu unserem Jakob auf die Philippinen machte, hatten wir alle keine Ahnung, was uns erwarten würde. Nicht nur, weil Jakob sich das Reiseprogramm für uns überlegt und es bis zum Ende geheim gehalten hatte, sondern auch, weil wir in eine ganz  andere Kultur eingetaucht sind, die mich total fasziniert hat. Jakobs erste Blog-Einträge, mit denen er uns an seiner Welt ein wenig teilhaben ließ, gingen über den Verkehr in Manila und den daran beteiligten Fahrzeugen. Ich muss zugeben, dass ich mich damals etwas darüber gewundert habe. Mittlerweile weiß ich, dass der Verkehr in Manila einen großen Anteil an der Atmosphäre dieser Stadt hat. Natürlich, Großstadtlärm wie in vielen Städten auch bei uns. Aber das Wie ist doch ein komplett anderes. In all dem Gewusel von Autos, Bussen, Tricycles, Jeepneys, Mopeds und dazwischen Fußgängern scheint es kaum Verkehrsregeln zu geben. Es wird rechts und links überholt, die Spuren werden wild gewechselt – aber: es funktioniert. Das Hupen, das permanent durch die Straßen tönt, ist kein aggressives Hupen, sondern eher ein auf sich aufmerksam machen. Und die wichtigste Verkehrsregel scheint zu sein, dass man nicht nur sich im Blick hat, sondern auch die Verkehrsteilnehmer um einen herum. So können Tricycles und Jeepneys ohne Probleme wieder in den fließenden Verkehr einfädeln, wenn sie neue Fahrgäste aufgenommen haben.

Diese Rücksichtnahme und das Aufeinanderschauen haben wir auch in den Begegnungen mit den Menschen auf den Philippinen erfahren. Überall wurden wir freundlich und zuvorkommend behandelt, man war stets bemüht, uns unsere Wünsche zu erfüllen, uns zu helfen, es wurde darauf geachtet,  dass es uns gut geht und wir uns wohl fühlen. Dies führte zu Erfahrungen, die bei uns hier undenkbar wären. So wurden uns, als wir morgens um 5 Uhr in unserer Unterkunft auf der Insel Coron ankamen, Betten in zwei sogenannten „nipa huts“ (traditionelle Häuser aus natürlichen Materialien wie der Nipapalme, deren Blätter häufig für die Dachkonstruktion verwendet werden) zur Verfügung gestellt, damit wir uns ausruhen können, weil unser gebuchtes Zimmer noch nicht frei war. Oder wir konnten einen Nachtisch, den wir schon einmal gegessen hatten und der unglaublich lecker war, aus einem Nachbarrestaurant bestellen. Haben Sie schon einmal versucht, eine Speisekarte aus dem Nachbarlokal zu ordern?

Auch die Menschen in Payatas sind uns mit großer Offenheit und äußerst freundlich begegnet als wir mit Jakob und Moritz einen Tag dort verbrachten und sie bei ihrer Arbeit begleiten durften. Dieser Tag hat mich sehr beeindruckt. Da war zum einen diese ganz andere Art zu leben, unterschiedliche Häuser, Straßen, die befestigt waren, aber auch Wege, die nur aus Erde bestanden. Frauen, die ihre Wäsche in Bottichen auf dem Platz vor dem Haus wuschen und Kinder, die mit einem Gartenschlauch abgeduscht wurden. In all das haben wir einen Einblick bekommen als wir mit den beiden Mazlern die Kinder in ihren Häusern abholten. Zum anderen erlebten wir äußerst offene und gastfreundliche Menschen. Wir wurden herzlich begrüßt, wir durften gerne Fotos machen und am Ende des Tages wurden wir von einer Familie noch zum Essen eingeladen. Kein Misstrauen, keine Zurückhaltung, sondern Offenheit und Wohlwollen schlugen uns entgegen.

Was Moritz und Jakob für die Kinder in Payatas leisten, ist beeindruckend. Die gemeinsamen Unterrichtsstunden, die an vielen völlig unterschiedlichen Plätzen in dieser Gegend stattfinden, sind sehr strukturiert aufgebaut und versuchen die Kinder in unterschiedlichen Bereichen anzusprechen. Nach der Begrüßung „Good morning, Teacher Jakob!“ und einem gemeinsamen Gebet versucht Jakob durch eine kleine Fragerunde über Lieblingsessen, -farben und anderem die Kinder mit der englischen Sprache ein wenig vertraut zu machen.

An unserem Besuchstag durften sie eines unserer mitgebrachten Puzzle zusammensetzen und dabei die Tiere auf Englisch benennen. „W“ und „X“ waren die Buchstaben, die sie an diesem Tag bei Jakob wiederholten und auf einem Arbeitsblatt schreiben mussten. Einige der Kinder waren da sehr geschickt, andere mussten sich schon mühen und brauchten Geduld. Viel Freude bereitete ihnen das Ausmalen eines Bildes, das auf dem Arbeitsblatt abgedruckt war – und noch größere Freude, dass sie aus dem Arbeitsblatt einen Papierflieger falten und ihn fliegen lassen durften. Die Gruppen, die auf einem Platz neben dem Friedhof unterrichtet wurden, vertieften die Buchstaben durch Laufspiele und Memoryspielen. Mit Freude lauschten die Kinder Jakob und Moritz als sie Märchen auf Tagalog vorlasen – für uns war es interessant zuzuhören obwohl wir nichts verstanden. Trotz der zum Teil eher schwierigen Umstände (die Kinder stehen um einen wackeligen Tisch, sie sitzen und schreiben auf einem Holzbrett, das über zwei Steine gelegt ist… da wirken unsere Diskussionen über die Ausstattung von Klassenzimmern mit Whiteboard und Beamer etwas befremdlich) gelingt es Moritz und Jakob, den Kindern das für die Einschulung notwendige Wissen zu vermitteln. So konnten die Kinder in Moritz Gruppe fehlende Buchstaben im Alphabet ergänzen und bei Jakob die bereits erlernten Buchstaben bei diversen Spielen wiederholen. Zum Mittagessen waren wir im Center eingeladen – Jeremy hatte für uns ein leckeres Mittagessen gezaubert und wir durften neben den Lehrerinnen und Lehrern, die die Jugendlichen unterrichten, auch Sister Frances kennenlernen.

Jakob zeigte uns nicht nur seine Arbeit und die quirlige Stadt Manila, sondern weitere wunderbare Ecken der Philippinen. Nach einer 14-stündigen Fahrt mit einer Fähre kamen wir auf der Insel Busuanga an. Ein Bummel durch den Ort Coron, der Besuch auf dem örtlichen Markt, nächtliches Kanufahren mit Besichtigen der Glühwürmchen in den Mangrovenbäumen und des faszinierenden fluoreszierenden Planktons standen ebenso auf dem Programm wie ein Besuch auf der Nachbarinsel Culion, auf der über 100 Jahre lang eine Leprakolonie bestand. Einen traumhaften Tag verbrachten wir beim Stand Up Paddeling, bei dem wir durch einsame Lagunen und unter Mangrovenbäumen paddelten. Immer wieder landeten wir auf fantastischen Inseln und wurden auf einer mit einem auf dem Boot zubereiteten leckeren Essen verwöhnt. Das Baden in heißen Quellen rundete diesen einmaligen Tag ab – für manchen Sonnenbrand bedeutete das fast eine homöopathische Behandlung nach Hahnemann „Gleiches mit Gleichem behandeln“. Die Besteigung eines kleinen Hügels während des Sonnenaufgangs bot uns einen phantastischen Blick auf einige der über 7000 Inseln der Philippinen. Unsere nächsten Erlebnisse durfen wir auf der Insel Palawan machen: Islandhopping, Schnorcheln, Besuch eines Wasserfalls und immer wieder Einblicke in das Leben der Menschen.

Unseren letzten Abend verbrachten wir mit „unseren Jungs“ Moritz, Simon und Jakob in „Fred’s Bar“. Leckeres Essen – wie immer auf unserer Reise – gute Gespräche, eine tolle Atmosphäre bei immer noch 30° und viele liebe Menschen um uns herum. So wie an diesem letzten Abend konnte ich auf der ganzen Reise spüren, wie sehr Jakob in diesem fernen Land angekommen war. Er, Moritz und Simon erfüllen ihre Arbeit mit und für die Kinder mit Herzblut. Innerhalb kürzester Zeit haben sie Freunde gefunden und Kontakte geknüpft – an dieser Stelle eine großes Dankeschön an Peter, der uns stolz und voller Begeisterung durch Intramuros und Chinatown führte. Sie erleben das Land und die Menschen in allen Facetten: bei ihrer Arbeit im Slum, beim Weggehen und Party feiern ebenso wie bei ihren Ausflügen und Reisen in verschiedenste Regionen des Landes. Sie verbringen viel Zeit in dem Bergdorf Buscalan, leben dort mit den Menschen und packen mit an, wo ihre Hilfe gebraucht wird. Sie genießen die einmaligen und unbeschreiblich schönen Inseln und setzen sich mit der Frage des Lebensstils auseinander. Nach dem, wie wir Jakob dort erlebt hatten, konnte ich beruhigt wieder nach Hause fliegen. Und es war eine intensive Zeit für uns als Familie – den ganzen Tag (und die Nächte) miteinander verbringen, Fantastisches erleben und viel Zeit zum Reden und Erzählen haben. Nun fiebern wir hier seinem Nachhausekommen in wenigen Tagen entgegen, denn unsere Reise liegt schon einige Wochen zurück. Trotzdem sind unsere Erfahrungen auf den Philippinen noch sehr präsent. Nicht nur, weil ich in meinem Religionsunterricht immer wieder davon erzählt und Bilder gezeigt und vielen Menschen voller Begeisterung berichtete habe, sondern auch, weil diese Reise für mich und Jakobs Geschwister uns in eine neue Welt, in Jakobs Welt, hat eintauchen lassen und uns sehr berührt hat.

Salamat po, Jakob, für diese einmalige, wunderbare Zeit mit

dir auf den Philippinen!

Christine, Paul, Magdalena und Anna

P.S. Inzwischen ist unser Jakob wieder bei uns und wir genießen die gemeinsame Zeit in vollen Zügen!

Geschützt ins Leben

Hallo nach Hause,

in ein paar Tagen geht es zurück nach Deutschland. Ich möchte euch aber noch unbedingt etwas von meiner Arbeitsstelle im Health Center erzählen. Wie schon in meinem ersten Artikel erwähnt, gibt es immer an verschiedenen Tagen unterschiedliche Aufgaben. Genauer möchte ich heute auf den Donnerstag eingehen: Den Impftag.

Die Impfungen gehören zum Gesundheitsprogramm von Uganda das die minimale medizinische Versorgung für jeden gewährleisten soll. So sollen Babys vor ihrem ersten Geburtstag fünf Mal zum Impfen gehen, alle Frauen im gebärfähigen Alter (auch Schwangere) zum Schutz des Neugeborenen und der Mutter gegen Tetanus geimpft sein und alle Mädchen im Alter von 10 Jahren die HPV Impfung bekommen. Das Ganze ist kostenlos und wird vom Staat bezahlt.
Ab und zu gehen ein paar Mitarbeiter der Krankenstation in eine Grundschule oder kleinere Dörfer, um dort die Kinder gegen Tetanus und die Mädchen ab 9 Jahren gegen Gebärmutterhalskrebs(HPV) zu impfen und ihnen Tabletten zum entwurmen zu geben.

Die ersten Male war ich wirklich immer wieder überrascht und geschockt wie viele Mütter mit ihren Babys kommen und wie laut die Kinder schreien können!!
So gut wie jede Woche ist in der Krankenstation am Donnerstag die Hölle los. Die lange Bank in der Ambulanz reicht nie aus und viele Frauen sitzen auf dem Boden und warten bis sie an der Reihe sind. Natürlich hat auch wieder jedes Kind ein eigenes Heft, in dem die Impfungen und Termine aufgeschrieben werden. So bekommen die Babys Die Impfung gegen Kinderlähmung, Hepatitis B, Rotaviren, Tuberkulose, Influenza, Masern, Pneumokokken,  und Keuchhusten/Tetanus/Diphtherie und für Mädchen zwischen 9 und 14 die HPV Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs.

Natürlich läuft das bei uns im Health Center nicht immer so rund. Oft fehlen die Impfungen oder Spritzen oder es gibt nicht genügend für alle. Letzte Woche gab es im ganzen Distrikt keine einzige Impfung gegen Tetanus mehr… Zudem wurde zum Beispiel die Rotavirus Impfung eingeführt. Dafür wurden eine Hebamme und eine Schwesternhelferin in der nächsten Stadt über den Virus und den Möglichen Schutz aufgeklärt. Sie bekamen Informationsmaterial und auch eine Praxiseinführung. Dieses Wissen gaben sie dann an alle Mitarbeiter weiter. Leider gab es nur eine Box mit dem Impfstoff und die ist jetzt natürlich leer. Dazu kommt die schlechte Lagerung. Ein Kühlschrank fällt immer wieder aus und die Kühlkette wird dadurch oft unterbrochen und die Impfungen zu warm  aufbewahrt.

Wenn die Mütter aufgerufen werden, kommen sie in den Impfraum und setzten sich dort mit vielen weiteren Frauen auf eine Bank. Dann wird ein Kind nach dem anderen geimpft, was natürlich immer mit lautem Geschrei und nassen Windeln (oder Tüchern) endet bis die Nächsten an der Reihe sind. Es mangelt auch hier wieder einmal an Hygiene, da sich die Krankenschwestern zwischendurch nicht die Hände waschen sondern wie am Fließband arbeiten (Es gibt immer neue Spritzen!!) Jedes Kind wird in einem unserer zahlreichen Registern aufgeschrieben, damit man auch sehen kann welche Impfungen es wirklich bekommen hat. Anschließend bekommen sie den nächsten Termin mitgeteilt. Die ersten Impfungen gegen Tuberkulose und Polio bekommen sie gleich am ersten Donnerstag nach der Geburt und müssen dann nach sechs Wochen wiederkommen. Hebamme Gloria erzählte mir, dass sehr viele Mütter am Anfang zum impfen kommen aber nur ganz Wenige die Immunisierung vervollständigen und viele nicht wieder kommen, obwohl noch Impfungen fehlen. Der Grund dafür: vielen Frauen fehlt das nötige Transportmittel um die Krankenstation zu erreichen. Vor Allem aber fehlt es an Wissen über die Wichtigkeit von einem vollständigen Impfschutz. Die Mütter kennen die Vorteile dieser Impfungen nicht und denken es sei nicht so bedeutend. Gloria und ihre Kollegen versuchen aber immer die Patienten über Impfungen aufzuklären und Bewusstsein zu vermitteln.

Mir tun die Babys immer unglaublich leid, wenn sie gepikst werden und anfangen zu weinen. Deswegen versuche ich diese Aufgabe immer jemand anderem zu überlassen 🙂
Nach so einem Tag bin ich immer ziemlich froh, wenn ich aus der lauten Krankenstation (sogar Greta hört das Geschrei noch in der Schule) nach Hause gehen und meine Ohren entspannen kann. 😛

Liebe Grüße und bis bald!

Eure Francesca

Besuch aus der Heimat – Karibuni Uganda Mama und Papa

Liebe Leserinnen und Leser,
heute möchte ich euch von der schönen, abwechslungsreichen und aufregenden Zeit mit unseren Familien erzählen.

Drei Tage nach meinem Geburtstag brachen wir nach Kampala auf. Hier besuchten wir unsere Freundinnen Linda und Maike, die zentral in Kampala wohnen und gingen anlässlich meines Geburtstages auch nochmal feiern, was in Alenga ja absolut nicht möglich ist und sich ein bisschen mehr wie eine normale Geburtstagsfeier angefühlt hat: Mit Freunden Bier, Pizza und Kuchen (danke dafür nochmal!!) genießen und danach zum Tanzen in den Club. Gemeinsam hatten wir einen richtig schönen Abend! Am Tag danach brachen wir nach Entebbe auf, was ca. eine Stunde von Kampala entfernt ist. Wir fuhren also schon mal in unsere schöne Unterkunft, genossen die warme Dusche und das kuschelige Bett und holten dann unsere Familie vom Flughafen ab! Das war vielleicht ein tolles Gefühl, bekannte Gesichter wiederzusehen und in den Arm zu nehmen. Vorher waren wir aufgeregter als bei unserer eigenen Ankunft: Ob sie es wohl schaffen würden, durch die Kontrolle zu kommen, ob sie mit dem Visum alles richtig gemacht hatten usw. .. :-D. Zum Glück hat alles gut geklappt und die Vier (Mama, Papa, Conny (Francescas Mama) und Leon (Francescas kleiner Bruder)) schienen sogar einen angenehmen Flug gehabt zu haben.

Entebbe und Kampala

Gemeinsam verbrachten wir zwei Tage im schönen Entebbe, das direkt am Viktoriasee liegt. Da Francesca und ich ja Silvester hier gefeiert haben, kannten wir uns gut aus und führten unseren Besuch zu all den schönen Plätzen. Es war ein lustiges Gefühl für mich, die ja immer die Jüngste in der Familie war, meine Eltern herumzuführen, ihnen Dinge zu erklären und die Planung zu übernehmen. Wir besuchten den botanischen Garten Entebbes und unsere Mütter bestaunten eigentlich den ganzen Tag lang, wie schön denn alles blühe und wie grün die Natur sei! Ja, Uganda ist wirklich ein traumhaftes Land! Außerdem gingen wir an den Strand, aßen frischen Viktoriaseebarsch und feierten am Pfingstsonntag einen schönen Gottesdienst in Entebbe. Danach brachen wir dann nach Kampala auf. Für unsere Eltern ein ziemlicher Schock und ich war froh, dass wir erst ein wenig in Entebbe waren, damit sie sich eingewöhnen konnten. Die Hauptstadt Ugandas, sie ist einfach laut, voll, dreckig und beim ersten Mal ziemlich überfordernd. Zum Glück kennen Francesca und ich uns ja inzwischen aus, haben ein paar Freunde vor Ort und so verbrachten wir in Kampala sehr spannende Tage. Wir stellten unsere Eltern den Combonis und den Schwestern in Kampala vor, die sie sehr herzlich begrüßten und willkommen hießen. Außerdem fuhren wir mit ihnen im Matatu (öffentliches Taxi/Kleinbus) bis in das Stadtzentrum, wo wir die schönen Stoffe und Kleider auf dem belebten Markt bewunderten und gleich auch was einkauften. Natürlich fing ich auf dem Markt an zu handeln, erstens weil einem als Weiße grundsätzlich der doppelte Preis genannt wird und zweitens weil ich inzwischen die echten Preise für Stoffe gut kenne und mich deshalb erst nicht über den Tisch ziehen lassen möchte. Daran mussten Mama und Papa sich erstmal gewöhnen und es war ihnen zunächst auch etwas unangenehm. Außerdem waren unsere Familien sehr begeistert von dem schönen Markt mitten in Kampala. Dort gibt es alle möglichen Früchte und einheimischen Spezialitäten, die sie gleich mal auskosten durften. Darunter der typische Kochbananenbrei (Matooke), Erdnusssoße, Chapati/Rolex und ein Obstsalat mit Zuckerrohr, Stinkfrucht, Papaya, Avocado und vielem mehr. Hmm… ein kulinarischer Exkurs.
Am Ende unseres ausgiebigen Tages in der Innenstadt erlebten unsere Eltern dann noch die Rush-hour Kampalas. Aus dem Zentrum sind es, bei wenig Verkehr, ca. 15 Minuten bis nach Mbuya Hill, wo die Combonis wohnen. Wir haben dafür dann eine geschlagene Stunde gebraucht. Francesca und ich schlugen gleich zu Beginn vor, dass wir doch am besten ein Boda nehmen sollten, weil die Autos zu dieser Zeit im Stau stecken bleiben würden. Schon in Entebbe waren wir kurze Strecken mit dem Boda gefahren und Papa und Leon hatten auch richtig Gefallen daran gefunden. Doch die Mütter streikten. Also machten wir uns durch den Verkehr und die Menschenmassen auf die Suche nach dem richtigen Matatu. Als wir im Taxi saßen, ging es dann natürlich nur schleppend voran. Der Taxifahrer war typisch ugandisch, bremste in der letzten Sekunde und so auch ganz kurz vor einem die Straße überquerenden Laster. „Also diese Verkehrssituation ist so erschreckend, furchtbar, das muss doch bald alles zusammenbrechen und kollabieren…“ kommentierten unsere leicht verschreckten Eltern. Lange Rede, kurzer Sinn: Wir kamen in der Dunkelheit völlig erschöpft, aber voll von unvergesslichen Eindrücken an und rundeten den Tag mit einem gemütlichen Abendessen beim Inder und einer weiteren heiklen Uber-Fahrt ab.  😀
Am nächsten Tag machten wir Kulturprogramm. Gemeinsam besichtigten wir die Kasubi Tombs, wo wir viel über die hochspannende Kultur der Buganda (die größte Volksgruppe Ugandas) und ihrer Könige lernten. In den Tombs werden die Könige beerdigt und auf dem ganzen Gelände verteilt ihre zahlreichen Frauen und Kinder. Die Buganda verehren ihre Könige schon seit ewigen Zeiten und sind ihren alten Traditionen und Bräuchen noch heute treu und legen viel Wert darauf.
Im Anschluss besuchten wir noch das ugandische Nationalmuseum, das auch für Francesca und mich noch einmal viele neue Erkenntnisse über dieses vielfältige und facettenreiche Land brachte. Abends gingen wir dann gemeinsam mit Stan und Fafa (den wir zufällig bei den Combonis getroffen hatten) sehr lecker essen. Für uns war es schön, dass unsere Eltern bereits Stan gut kennenlernten, der ja für das ganze Jahr unser Mentor und unsere Bezugsperson ist, und außerdem zufällig die Chance bekamen Fafa kennenzulernen, der sich zuvor so lieb um uns gekümmert hatte. Zusammen gingen wir in ein sehr besonderes Restaurant Kampalas, in dem Francesca und ich gleich mal einen kleinen Kulturschock bekamen, weil alles so europäisch eingerichtet und zubereitet war. Das Essen war sehr lecker und Fafa, Stan, Francesca und ich probierten gemeinsam die Frösche, deren Fleisch erstaunlich nach saftigem Hühnchen geschmeckt hat.
Der Abend war sehr schön und ein toller Abschluss für die Tage in Kampala. Denn am nächsten Morgen war es schon soweit, dass wir gemeinsam mit Stan nach Alenga aufbrechen wollten. Die Aufregung bei allen stieg… !

Mit Mama und Papa in Alenga

 Am Mittwoch kamen wir gegen Mittag in Alenga an. Nach einer Fahrt, die schonmal einen kleinen Vorgeschmack auf die Straßen Ugandas gab. Durchgerüttelt und durchgeschüttelt wurden wir von den Schülerinnen und Schwestern in Empfang genommen, die mit Jubel und Gesang gleich mal alle neuen Gäste in den Arm nahmen, so wie es hier eben üblich ist. Im Anschluss lernten unsere Eltern die anderen beiden Priester und die Köchinnen bei einem schönen gemeinsamen Mittagessen kennen. Nachdem wir die vollgepackten großen Koffer ausgepackt und Mitbringsel, Geschenke und Leckereien sortiert hatten, machten wir eine kleine Alenga-Rundtour und gingen im Anschluss auf den kleinen Wochenmarkt. Hier zeigten wir unserem Besuch die typischen Leckereien und einige unserer Freunde. Natürlich kommt es hier nicht alle Tage vor, dass sechs Deutsche den kleinen Dorfmarkt besuchen und auch wenn sich die Bewohner Alengas schon an Francesca und mich gewöhnt haben, erregten wir viel Aufsehen und zogen die Aufmerksamkeit auf uns. Für unsere Eltern war der Markt mit Sicherheit ein aufwühlendes Erlebnis, denn dort wird man sehr mit der Armut und dem Leben von der Subsistenzwirtschaft hier konfrontiert. Meinen Vater bedrückte anschließend, dass er mehrmals nach Geld gefragt wurde oder danach, etwas für jemanden zu kaufen. Das passiert auch mir noch gelegentlich (inzwischen seltener) und zeigt das Bild des wohlhabenden Weißen, das tief in vielen Köpfen ist.
Am nächsten Tag zeigten wir unseren Eltern den Schlafsaal. Sie waren nachdrücklich begeistert wie weit das Projekt inzwischen gekommen ist und wie viel mit Hilfe eurer Spenden zustande kommen konnte! Geschockt waren sie davon, dass in dem jetzigen Schlafsaal auf engstem Raum 60 Mädchen schlafen müssen. Die Vorfreude der Mädchen in den neuen Saal zu ziehen steigt auch täglich…!
Außerdem besuchten wir alle gemeinsam Francescas Arbeitsplatz, die Krankenstation. Francesca zeigte und erklärte ihnen das Gelände, die einzelnen Abteilungen, von Labor zur Medikamentenausgabe und zur Entbindungsstation. Besonders genau schauten sie sich das Labor an, wo Dickens und Bernard, Francescas Kollegen, stolz ihr Equipment präsentierten. Von der Handzentrifuge bis zum Malariatest hatte Francesca die Chance Vieles zu erklären.
Meine Mutter war von der Tatsache geschockt, dass alle den Geburtenraum einfach betreten dürfen ohne Kleidung oder Schuhe zu wechseln. Die Gesundheitsversorgung hier im Dorf ist mit den deutschen Standards eben absolut nicht zu vergleichen und gerade auf die Sterilisation wird kein großer Wert gelegt. So schlafen auch alle Patientinnen in einem Raum, aufgeteilt nach Müttern, die entbunden haben, und Schwangeren mit Komplikationen, und Keime können sich schnell vermehren. Beeindruckt waren sie auch davon wie viele Schwangere zum Vorsorgetermin kamen und auf dem Boden saßen um dort stundenlang auf die Untersuchung zu warten. Die Schwangeren zeigen während der langen Wartezeit keine schlechte Laune, sondern unterhalten sich und tauschen die neuesten Geschichten aus.
Zudem unterrichtete ich am Freitag zwei Stunden Computer im ersten Jahrgang und so bekam unser Besuch die Chance sich den Computerunterricht anzuschauen. In den ersten Stunden nach den Ferien wird in allen Fächern zunächst das Examen vom letzten Term besprochen und so alter Unterrichtsstoff wiederholt. Anschließend arbeiteten die Mädchen praktisch an den Laptops und ich versuchte die Kontrolle zu behalten. Das ist nämlich nicht immer leicht, wenn wie im ersten Jahr 36 Mädchen an 9 Laptops arbeiten sollen, nach Möglichkeit alle mitmachen sollen und die Stromversorgung auch nicht immer klappt. Da heißt es dann oft „Greta, come here!“, „No, first come here, our power is off!“ und ich erkläre eigentlich gerade einer anderen Gruppe noch die Aufgabe. Nichtdestotrotz macht mir der Computerunterricht viel Spaß und den Schülerinnen erst recht. Leon war besonders erstaunt, dass er immer die Möglichkeit hatte allein an einem Computer in der Schule zu arbeiten, während die Mädchen in fünfer Gruppen arbeiten müssen. Aber hier ist es so besonders, dass Computer überhaupt unterrichtet wird, dass es bei vielen der Grund ist, warum sie unsere Schule in Alenga auswählen.
Nicht nur ich sollte während der gemeinsamen Tage in Alenga den Mädchen etwas beibringen, sondern auch mein Vater, der von Beruf Zahnarzt ist. Die kleine Aufklärungsstunde über Mund- und Zahnhygiene sowie den Aufbau des Gebisses war mir ein besonderes Anliegen, weil eigentlich jede Woche ein Mädchen über Zahnschmerzen klagt und die generelle Aufklärung über einfachste Zahnhygiene sehr schlecht ist. Zuvor haben mir die Mädchen berichtet: Ich putze meine Zähne nur morgens. Wenn das wenigstens für alle stimmen würde… Nach Papas Unterricht wissen sie jetzt zumindest wie wichtig es ist sich mindestens zweimal pro Tag die Zähne zu putzen und wie das richtig geht.
Schon Säuglinge bekommen süße Getränke und man kann bei vielen der Grundschulkinder schon schwarze Verfärbungen an den Schneidezähnen beobachten. Einige unserer Freunde, die kaum über 20 sind, haben schon verfaulte Zähne und riesige Zahnlücken.

Freitagabends luden die Schwestern uns und die Priester zu einem Festessen im Hof ein. Es gab die leckeren Gerichte der Schwestern wie zum Beispiel gegrilltes Hühnchen, Viktoriabarsch, Chapati und natürlich einen riesigen Kuchen zum Nachtisch, den unsere Mütter ganz romantisch zu zweit anschnitten und darüber lachten, dass das in Deutschland Brauch auf Hochzeiten ist. Nachdem alle völlig überfuttert in ihren Stühle saßen, kamen die Schülerinnen und hießen unsere Familien mit vielen Tänzen, Gedichten und Liedern willkommen. Diese liebevolle Geste rührte sie natürlich (mal wieder- wie eigentlich alles die ganze Zeit) sehr.
Am Samstag nahm Fr. Stan uns mit zu einer kirchlichen Hochzeit. Dies war auch für Francesca und mich die erste Chance eine kirchliche Hochzeit zu sehen, denn zuvor waren wir immer auf den traditionellen Introductions gewesen. Die Messe war etwas außerhalb von Alenga in einer der kleineren Kapellen und die Gemeinde feierte das Brautpaar sehr euphorisch. Das Brautpaar war schon seit vielen Jahren traditionell verheiratet und hatte sich jetzt mit über 60 Jahren noch zur kirchlichen Trauung in Weiß entschlossen. Im Anschluss an die wunderbar lebhafte Messe begaben wir uns zum Brautpaar nach Hause, wo es reichlich Programm, welches den Introductions ähnlich ist, und leckeres ugandisches Essen gab, von dem unsere Eltern natürlich eine viel zu kleine Portion nahmen. Es war eine wunderbare Gelegenheit für unseren Besuch so in die Kultur der Langi hineinschauen zu dürfen und wir wurden auch herzlich aufgenommen und behandelt, obwohl uns niemand kannte und wir für alle Fremde waren. Diese Offenheit und Gastfreundschaft in der Kultur ist ein großartiges Geschenk und wurde mir während dieser Tage wieder besonders bewusst.
Am Sonntag war es dann soweit, das Highlight in Alenga stand an: Der Gottesdienst. Während Francesca und ich auf unseren Stammplätzen beim Chor Platz nahmen, saßen unsere Eltern bei den Schwestern, denn von dort aus hat man die beste Sicht auf das wunderbare Geschehen in der Messe. Während Conny zu Tränen gerührt das Hosanna mitsang, schoss Leon fleißig Fotos und Mama und Papa begnügten sich damit die Lesung auf Englisch im Buch zu verfolgen, denn natürlich war die ganze Messe auf Lango.
Nach der Messe stimmte unsere Freundin Paska noch ein Lied an und schon waren alle begeistert in der Kirche am Tanzen und forderten unsere Familien zum Mitmachen auf. Für mich war es sehr schön zu sehen, dass meine Freunde hier sich so über den Besuch meiner Eltern freuten, euphorisch mit ihnen tanzten und sangen und alle die Zeit so in vollen Zügen genossen.
Die Zeit in Alenga sollte besonders schön abgerundet werden durch Besuche bei unseren besten Freundinnen, Anna sowie die Schwestern Mary und Paska. Alle wollten uns unbedingt einladen und haben, zunächst zum Bedauern unserer Eltern, weil die Angst hatten, dass gleich zwei Ziegen und Hühner für sie geschlachtet werden, auch kein Nein akzeptiert. Im Nachhinein waren sie dann aber doch sehr froh, dass sie die Chance mitgenommen hatten, denn die Besuche verraten natürlich nochmal viel über das Leben der Bewohner Alengas. Wie immer wurden wir alle sehnsüchtig erwartet, es gab unglaublich viel zu erzählen und reichlich zu essen. Leon machte sich wieder viele kleine Freunde, indem er Luftballons und Süßigkeiten verteilte und Fotos machte und sie den Kindern im Anschluss zeigte, was stets für große Begeisterung sorgt.
Besonders beeindruckt waren alle, weil die Gastgeber gerne und mit vollem Herzen alles für ihre Gäste geben und schön machen. Hier ist es Brauch, dass man die Gäste so herzlich willkommen heißt wie man kann und nie geizig mit Besitz und Eigentum umgeht. Alles wird gerne geteilt und zubereitet. Conny war angetan davon, dass die Menschen so viel mehr im JETZT leben und dadurch den Augenblick viel mehr genießen können als wir, die von der stressigen Konsumgesellschaft geprägt sind. Während viele der Deutschen die Einstellung haben stets zu sparen, zu sparen, zu sparen und den letzten Cent umzudrehen, auch wenn sie das nicht müssten, wird hier verbraucht, was da ist und nicht gegeizt. In Deutschland wird aus meiner Sicht oft unnötig gespart. Vielleicht ein Euro macht den Unterschied an der Fleischtheke zwischen Biofleisch und Massentierhaltungsfleisch aus und gekauft wird natürlich, obwohl man es besser wissen müsste, das Billigere. Ein runder Geburtstag wird nicht gefeiert, weil auf ein neues Auto gespart werden müsse. Hier erfahre ich alltäglich, wie unwichtig Materielles wird, solange man genug hat um seine Familie zu ernähren und für die Kinder eine Bildung garantieren zu können. Es ist so viel schöner, wenn man den Moment lebt, ihn mit seinen Liebsten genießt, statt sich ständig Sorgen zu machen. Von der Lebensfreude, die die Menschen hier verspüren, obwohl einige nicht wissen wie sie ihren Kindern die Schulbildung finanzieren sollen oder existenzielle Probleme nicht lösen können, könnte sich (fast) jeder Deutsche, der um seine Luxusprobleme kreist, eine Scheibe abschneiden.
Unsere erlebnisreiche Zeit in Alenga, die mir noch einmal vor Augen geführt hat, wie gut ich hier angekommen bin, wie sehr ich hier zu Hause bin und was für ein Geschenk all meine lieben Freunde hier sind,  neigte sich dem Ende zu und nach einem für unsere Eltern sehr schweren Abschied machten wir uns in unserem schicken Safariauto, das uns in Alenga abholte, auf in den Urlaub!

Safari Uganda- schöne Tage und viele platte Reifen

Die nächste Woche verbrachten wir in der wunderschönen und vielseitigen Natur Ugandas. Für Francesca und mich war es zum einen ein großes Geschenk, dass wir nun noch einmal intensive Tage des Austausches verbringen konnten und nach einer so langen Zeit ohne Familie wieder gemeinsam etwas erlebten. Zum anderen wissen wir es sehr wertzuschätzen, dass wir so einen großen Teil des Westens Ugandas und seiner reichen Naturschätze sehen durften. Winston Churchill sagte einmal, dass Uganda die Perle Afrikas sei und auch wenn ich viele Teile des Kontinents noch nicht gesehen habe, würde ich diese Aussage nach dem Urlaub ohne nachzudenken bestätigen. Von übergrüner, weiter Graslandschaft am Albertnil zu hügeliger Vulkanlandschaft mit Kraterseen zu dichtem Regenwald, Uganda ist mit einer Vielfalt gesegnet, die mich immer wieder beeindruckt.
Mir als Freiwillige fiel es nicht leicht als Touristin in Uganda unterwegs zu sein. Denn dadurch, dass ich mich hier inzwischen so zu Hause fühle, beschäftige ich mich auch viel mit der Rassismus- Problematik. Da bekommt man beim Tourismus oft Angst, dass die Kultur der Ugander nicht genügend wertgeschätzt wird, dass über sie hinweg bestimmt wird oder sie ausgenutzt und als Zootiere ausgestellt werden. Gerade die Beobachtung, dass die Besucher der Nationalparks zu 90% weiß sind, ist für mich eine traurige Tatsache, die das große Gefälle in unserer globalisierten Welt zeigt.
Meine Erfahrungen nach dieser Reise bestätigen aber, dass viele der Ugander (vielleicht auch durch ihre tolle Gastfreundschaft bedingt) den Tourismus sehr wertschätzen und ihre Natur gerne der Welt öffnen möchten, solange sie bewahrt bleibt. Der Tourismus ist natürlich auch hier – wie in so vielen Ländern der Erde – eine begehrte Einnahmequelle, die dabei hilft Infrastrukturen zu verbessern, die umliegende Dörfer zu unterstützen und die Nationalparks zu schützen. Uganda ist zwar ein noch sehr unentdecktes Reiseland, was wohl durch den langen Krieg und die Größe bedingt ist, hat aber inzwischen 1,3 Millionen Touristen pro Jahr. Durch den aufblühenden Tourismus werden natürlich auch Arbeitsplätze geschaffen und viele junge Leute erhalten die Chance auf einen guten Job.
Es ist sehr wichtig beide Seiten Ugandas sehen zu können. Für uns Freiwillige wäre es eine verpasste Chance, wenn wir das ganze Jahr in Alenga bleiben würden und so nur eine Seite dieses vielseitigen Landes entdecken können. Mir wäre dann der Eindruck hängen geblieben, dass es in Uganda hauptsächlich Armut und Dorfleben gibt. Dabei gibt es riesige, gut entwickelte Städte, wunderschöne Anlagen in den Parks und auch richtig gute Krankenhäuser und Universitäten. Hier entwickelt sich sehr viel und ich bin gespannt wie Alenga in zehn Jahren aussieht.

Ein kurzer Blick auf den Schlafsaal

Dank eurer großen Unterstützung – vielen Dank auch noch einmal an alle, die anlässlich meines Geburtstages gespendet haben, das hat mich sehr gefreut! – ist der Schlafsaal nun fast fertig. Die Wände sind verputzt, die Stromleitungen verlegt und wenn alles in zwei Wochen getrocket ist, wird gestrichen und eine Einweihungsparty gefeiert! Auch die 18 Dreistockbetten werden schon gebaut und die Moskitonetze sind bestellt. Ihr seht also: Es neigt sich dem Ende zu!

Zukunftspläne

Und auch in diesem Artikel möchte ich noch einmal um Spenden bitten. Die Meisten von euch haben schon so viel gegeben und das freut mich jeden Tag aufs Neue, aber seit das Sammeln der Spenden so erfolgreich läuft, kommen uns auch viele neue Ideen in den Kopf. Zum Einen möchten wir dem Health Centre gerne ca. 2500 Euro bereitstellen, damit ein Zaun um das Gelände gebaut werden kann. Momentan fehlt dieser Zaun und so laufen erstens ständig Kühe, Schweine oder streunende Hunde, die Krankheitserreger übertragen, über das Gelände und zweitens sind die Krankenschwestern nicht geschützt und fühlen sich sehr unsicher, wenn sie die ganze Nacht alleine Dienst haben.

Zum Anderen gibt es die Möglichkeit für zwei Mädchen eine Patenschaft für das dritte Ausbildungsjahr, das seit diesem Februar neu bei uns an der Schule ist, zu übernehmen. Dort erlangen sie zusätzlich zur Schneiderinnenausbildung eine Designlehre. Die Kosten für das dritte Ausbildungsjahr belaufen sich auf 280 Euro. Das Geld kann gerne auch in Raten bezahlt werden. Bei Interesse an einer Patenschaft, meldet euch gerne bei mir unter greta.berges@gmx.de.

Die Spendenadresse ist:

Comboni-Missionare KöR, 73479 Ellwangen

IBAN: DE66 6145 0050 0110 6170 15

BIC: OASPDE6AXXX

Verwendungszweck: MaZ Margareta Berges (628) Alenga, Uganda

So meine Lieben, das war es auch schon wieder von mir. Ich bin auf der einen Seite seeehr traurig, dass mir nun nur noch 4 Wochen in Uganda bleiben. Auf der anderen Seite wächst natürlich auch mit der Zeit ein bisschen die Vorfreude auf zu Hause und darauf alle wieder zu treffen… Jedenfalls werde ich die letzten Wochen hier noch einmal genießen, da die Schule ja wieder angefangen hat, arbeite ich bis zum Ende noch einmal besonders intensiv, was mich aber sehr freut, da die Arbeit als Lehrerin mir während des Jahres große Freude bereitet hat. Außerdem stehen noch ein paar Feste an: Momentan bereiten wir gerade die Examensfeier für die Jahrgänge aus 2016 und 2017 vor, die im Juli stattfinden wird. Dort werden wir dann auch unser Theaterstück mit den Mädchen vorführen.

Bis ganz bald, ich freue mich von euch zu hören,

eure Greta

Buscalan (#5)

Hallo zusammen,

Inzwischen sind schon mehr als 75 % meines Einsatzes hier auf den Philippinen Geschichte. Ganz besondere Erfahrungen, die ich natürlich niemandem vorenthalten möchte, konnte ich in der Kar- und Osterwoche sowie den darauffolgenden Tagen machen. Zum besseren Verständnis und zur besseren Orientierung habe ich eine Karte erstellt, auf der die Orte markiert sind, die ich auf den Philippinen schon besucht habe. 

Gefährten vom Dach

Am Donnerstag vor Palmsonntag machten Simon, Peter und ich uns auf den Weg nach Buscalan. Zum einen wollten wir unseren Freund Theo dort wiedersehen, zum anderen reizte uns die Erfahrung, nachdem uns Theo und Peter schon vieles über das Dorf und die Menschen vor Ort berichtet hatten. Moritz konnte leider nicht mit, weil er den Besuch seiner Eltern erwartete. Früh morgens gegen sechs Uhr kamen wir in Bontoc, der nächstgrößeren Stadt, an. Wir gingen kurz auf den Markt, um noch einiges Gemüse und Obst für unseren einwöchigen Aufenthalt zu besorgen, bevor wir dann gegen viertel acht auf das Dach des Jeepneys kletterten, das uns ein Stück weiter in Richtung Buscalan bringen sollte. Schon vom Dach aus konnten wir eine atemberaubende Landschaft bestaunen, die sich uns überall bot. Die Straße war nicht gerade sonderlich breit, weshalb sich das Ganze manchmal etwas abenteuerlich gestaltete. Nichtsdestotrotz kamen wir wohlbehalten an der nächsten Station, einem kleinen Store an. Dort fanden wir einige Motorradfahrer vor, die darauf warteten, Leute zum sogenannten „Turningpoint“ zu bringen. Inzwischen war unsere Gruppe schon um drei weitere Leute gewachsen, die wir auf dem Dach des Jeepneys kennen lernten. Auch die Fahrt mit dem Motorrad war recht spannend, denn abgesehen vom Zustand der Straße hatten wir einiges an Gepäck dabei. Am Turningpoint kamen wir aber wiederum sicher an. Von dort aus machten wir uns ans letzte Stück Weg, das uns noch vom Dorf trennte, nämlich den Fußweg, der zunächst abwärts in ein schmales Tal mit einem Wasserfall und von dort wieder nach oben ins Dorf führte. Das hört sich alles etwas idyllischer an als es war, denn wir haben einige zig Höhenmeter überwunden, was in aller Herrgottsfrühe um ca. neun Uhr inklusive Gepäck nicht so ohne ist. Buscalan liegt zudem noch auf ca. 1000 Metern Höhe, was dem Aufstieg noch einmal einen eigenen Geschmack verleiht. Aber auch dieses Hindernis konnten wir überwinden und wir erreichten schließlich das Dorf. Dort wurden wir von unserem Freund Theo, der insgesamt schon einige Monate in Buscalan weilt, am Checkpoint empfangen. Da auch Peter im Dorf kein unbeschriebenes Blatt ist, konnten wir ihn als unseren Guide für die Woche nehmen, was die Registrierung beim Checkpoint sehr viel angenehmer machte. Untergebracht wurden wir in einem sogenannten „homestay“, der Übernachtungsmöglichkeit, die sich bei verschiedenen Familien im Dorf dort bietet. Der Preis für die Übernachtung stellt zudem gratis Reis und Kaffee bereit, welches beides im Dorf selbst gepflanzt und weiter verarbeitet wird. Da sich das Dorf vor einige Jahren den Touristen öffnete, um die Kultur mit diesen zu teilen, wurde eine Einrichtung wie der Checkpoint zur besseren Organisation nötig.

Einige Informationen vorab

Buscalan liegt in der Provinz Kalinga und bildet das eigene, gleichnamige Barangay. Dort leben die „Butbut“, eine eigene Volksgruppe mit langer Tradition und sehr interessanter Vergangenheit. Sie sprechen ihre eigene Sprache, ebenfalls „butbut“ genannt. In früheren Zeiten waren die Menschen, die dort leben, vor allem aufgrund ihrer „headhunter“, in der Umgebung berühmt berüchtigt. Als Headhunter bezeichnete man die Krieger des Dorfes. Bei Kämpfen mit benachbarten Dörfern oder anderen Feinden wie beispielsweise den Japanern im zweiten Weltkrieg trennten diese nämlich die Köpfe der getöteten Feinde ab, um diese zur Abschreckung weiterer Angreifer in der Nähe des Dorfes zu postieren. Heutzutage zieht es viele Touristen aufgrund der traditionellen Tattoos dort hin, die Männer zu damaliger Zeit durch Headhunting, Frauen aufgrund ihrer Schönheit erhalten haben. Die Tattoos werden nicht mit einer Maschine, sondern von Hand gestochen. Dazu verwenden die Tätowierer zwei Stöcke: In einem befindet sich ein kleines Loch, in welches ein Dorn gesteckt wird. An diesen wird immer wieder die Farbe geschmiert, die auf ganz natürliche Weise aus Kohle gewonnen wird. Mit dem zweiten Stock wird nun vorsichtig auf den Stock mit dem Dorn geklopft und so die Tinte in die Haut übertragen.

Die Bekannteste und zugleich mit ungefähr 100 Jahren die drittälteste Person im Dorf, Whang-Od tätowiert auch heute noch Touristen. Aufgrund ihrer eingeschränkten Sehfähigkeit und dem großen Andrang an Wochenenden und Feiertagen beschränkt sie sich inzwischen aber nur noch auf kleinere Tattoos. Für größere sind beispielsweise Grace und Elyiang, die das Handwerk ihrer Großtante fortführen möchten, oder auch andere Tattoo-Künstler aus dem Dorf zuständig. Whang-Od ist es selbst ein großes Anliegen, diese Tradition zu bewahren und an die nächste Generation weiterzugeben. Wer sich weitere Informationen zu diesem Thema holen möchte, dem seien diese Dokumentationen empfohlen: 

Im Dorf angekommen

Nach unserer Ankunft machten wir uns zunächst einmal zu unserem Homestay auf, um unser Gepäck abzuladen und die erste Tasse Kaffee zu trinken, die einfach nur hervorragend schmeckte. Danach haben wir uns mit Peter zunächst einmal ein wenig im Dorf umgesehen. Da zwei unserer Gefährten vom Dach bereits am nächsten Tag schon wieder abreisen wollte, begaben wir uns mit diesen auch direkt zu einer der Tattoo-Künstlerinnen. Dort konnten wir dann das erste Mal beobachten, wie die Tattoos gestochen werden. Auf dem Heimweg beobachtete ich dann noch einige Männer beim Schachspielen. Da die anderen schon weitergelaufen waren, konnte ich den Weg zurück zum Homestay aufgrund meiner Verwirrung und mangelnder Ortskenntnis nicht finden. Die Leute vor Ort waren aber sehr freundlich und hilfsbereit, sodass mir ein Mann seinen Sohn voraus schickte, um mir den Weg zu zeigen.

Den Abend ließen wir dann nach dem gemeinsamen Kochen und Essen noch gemütlich ausklingen. Der Reis aus Buscalan ist nicht, wie man ihn üblich kennt weiß, sondern meist rot. Einen wirklichen geschmacklichen Unterschied konnte ich nicht feststellen. Aufgrund der großen Anzahl an Menschen müssen sich die Leute aus dem Dorf aber auch zusätzlich noch mit Reis aus der Umgebung wie z.B. aus Tabuk eindecken. Gemeinsam mit uns im Homestay waren außerdem noch eine französische Tattoo-Künstlerin sowie der Amerikaner Gabriel.

Am nächsten Morgen trafen Simon, Gabriel und ich uns mit Theo, um ihm zu helfen, für den Store der Familie, bei der er lebt, einige Dinge vom Turningpoint abzuholen. Insgesamt liefen wir zwei mal dorthin und wieder nach oben ins Dorf, unterbrochen von einigen Essenspausen am Turningpoint und im Dorf sowie einigen Trinkpausen am Wasserfall. An ebenjenem konnten wir am Nachmittag dann auch noch die Gelegenheit nutzen und Baden gehen. Viele Jungs aus dem Dorf waren auch dort, oft im Adamskostüm unterwegs. Nach dem Baden sammelten sie aus dem Umkreis einer kleinen, trockengelegten Reisterrasse haufenweise Gestrüpp, Blätter und Äste zusammen, um daraus ein Feuer zu machen, an dem man sich wunderbar trocknen konnte.

Am darauffolgenden Tag machten Simon und ich uns zu einer kleinen Wanderung am Vormittag auf, die uns zur ein ganzes Stück oberhalb vom Dorf gelegenen Grundschule führte. Dort genossen wir die wunderbare Aussicht und das wunderbar sonnige Wetter. Gegen Mittag machten wir uns wieder auf den Rückweg ins Dorf, um mit dem Kochen anzufangen. Gabriel und die Französin waren am Morgen schon wieder abgereist. Gemeinsam mit Peter und Jan, einem deutschen Fotografen, machten wir uns am Nachmittag auf den Weg, um uns die Reisterrassen anzusehen, die das Dorf an der oberen Hangseite umgeben. Dort waren noch einige Frauen dabei, den Reis zu pflanzen. Das war wirklich beeindruckend zu sehen, mit was für einer Geschwindigkeit und Geschicklichkeit das vonstatten ging. Das Anpflanzen des Reises ist in Buscalan Sache der erstgeborenen Frauen. Man glaubt, dass das für die Ernte einen besseren Ertrag bringt. Nicht wenig verwunderlich also, dass einige ältere Frauen im Ort unterwegs sind, die extrem gebückt laufen.

Am nächsten Morgen brachen Peter und ich gemeinsam mit Jan, der sich auf den Rückweg begab, früh morgens nach Bontoc auf, um uns die Tickets für die Rückfahrt mit dem Bus zu organisieren.

Nachdem dies erledigt und wir uns wieder auf dem Dach des Jeepneys auf der Rückfahrt befanden, lernten wir bereits schon den nächsten Deutschen kennen. Auch er sollte ein Begleiter für die nächsten Tage sein.

Bei Charlie, dem Captain des Dorfes und dem Betreiber unseres Homestays, verbringen verschiedene Jugendliche ihre Sommer- und damit schulfreien Monate, um sich dort durch Mithilfe ihr Taschengeld aufzubessern. Da Brand, einer dieser Jungs bei Charlie, der Enkel des Captains aus dem Nachbardorf Butbut-Proper ist, bot sich für uns am darauffolgenden Tag die Gelegenheit, eine kleine Wanderung ins Nachbardorf zu unternehmen. Der Weg führte uns über die Reisterrassen und einen Pfad bzw. Straße am Berg entlang. Über die gesamte Zeit konnten wir dort die schöne Landschaft bewundern. Angekommen im Dorf konnte man schon einige deutliche Unterschiede feststellen: Das Dorf insgesamt wirkte schon einmal viel entzerrter und war viel lockerer strukturiert als Buscalan. Auch konnte man bemerken, dass die Dorfbewohner Weiße nicht so oft zu sehen bekommen wie die Leute aus ihrem Nachbarort. Nichtsdestotrotz wurden wir freundlich aufgenommen und vom Captain des Dorfes, Brands Großvater, zu einer Tasse Kaffee und ein paar Keksen eingeladen. Unser Rückweg führte uns dann über das Dorf Loccong, das auf dem Bergkamm oberhalb von Buscalan liegt.

Simon und ich verbrachten den nächsten Tag eigentlich hauptsächlich damit, für den Store von Theos Familie Bierkisten oder für die anstehende Hochzeit Holzstücke hoch zu tragen. Diese Holzstücke waren in etwa 70 cm lang und hatten einen Durchmesser von circa 20-25 cm. Als Dank für die Mithilfe wurden Simon, Peter und ich Abends noch bei der Familie der Braut zum Essen eingeladen.

Da der darauffolgende Tag der Geburtstag von Clarissa, einer der Mädels von Theos Familie, war, durften auch wir mit zur Geburtstagsfeier zum Wasserfall. Bei solch einem Anlass ist es üblich, dass das Geburtstagskind zwei bis drei Hühner für das Essen sponsert. Diese wurden am Wasserfall, über die Reisterrassen oberhalb des Dorfes zu erreichen, direkt gerupft und weiter zu Suppe verarbeitetet. Die Suppe wurde dann zusammen mit, wer hätte es gedacht, Reis gegessen. Wie es sich für so einen Anlass gehört, wurde der Reis und das Hühnchen dann auf Palmblättern, die auf dem Boden ausgebreitet werden, serviert. Bei den Filipinos ist das als „buddle fight“ bekannt. Eingenommen wurde das Mahl mit den Händen.

Obwohl wir uns schon am Nachmittag auf den Weg machten und uns das Warten aufs Essen mit Musik und diversen Getränken vertrieben, war es beim Baden im Wasserfall doch relativ frisch. Danach wurde allerdings wieder ein kleines Feuer gemacht, an dem man sich gut trocknen konnte. Mit der einsetzenden Dämmerung machten wir uns dann wieder auf den Weg zurück ins Dorf.

Am unserem letzten Tag machten Simon und ich uns dann früh morgens wieder auf den Weg zum Turningpoint, um dort das nach Bontoc fahrende Jeepney um neun Uhr zu nehmen.

Ein unerwartetes Event

Wir sollten aber schon am direkt darauffolgenden Freitag nach Buscalan zurückkehren, da wir während unseres ersten Aufenthalts von Charlie zur Hochzeit eines Familienmitglieds am kommenden Freitag und Samstag eingeladen wurden.

So machten Simon und ich uns am Donnerstag wieder auf den Weg in den Norden. Wir kamen wieder am Freitagvormittag im Dorf an und machten uns wieder zum Homestay bei Charlie auf. Dort trafen wir auf Peter, der immer noch dort weilte.

Die Hochzeit sollte am Freitag Abend beginnen. Bei den Hochzeiten gibt es unterschiedliche Varianten, je nachdem, ob das Pärchen schon Kinder hat oder nicht. Haben die Heiratswilligen schon Töchter bzw. Söhne, so entfällt die eigentliche Zeremonie und es findet nur die Feier statt. Andernfalls erfolgt für das Brautpaar eine Zeremonie. Bei der Hochzeit, an der wir teilnehmen konnten, hatte das Paar schon Kinder, weshalb am Samstag Nachmittag keine Zeremonie stattfand.

Als Vorbereitung auf die Hochzeit ist es Brauch, dass der Bräutigam und seine Freunde zwei bis drei Kalabaw, eine Art Wasserbüffel, der ganz viel zur Arbeit in den Reisfeldern eingesetzt wird, für das Essen stiftet. Für die Braut ist ähnliches angesagt: sie hat circa drei Schweine zu besorgen. Obwohl im ganzen Dorf Schweine unterwegs sind, die dort unterwegs sind wie anderorts Hunde und Katzen, werden diese nicht für diese Zwecke geschlachtet, sondern eigens gesonderte hergeschafft. Die Tradition verlangt es, dass die Freunde der Heiratenden die Tiere aus dem jeweiligen aktuellen Heimatort heranschaffen. Deshalb konnten wir am Freitag immer wieder Männer die Tiere, zum Teil schon geschlachtet und aufgeteilt, zum Teil noch lebend, an dünnen Stämmen den Berg hoch tragen sehen. Wenn man von dem Gewicht eines durchschnittlichen Schweines ausgeht, kann man sich vorstellen, was für eine schweißtreibende Arbeit das ist.

Am Freitag Abend versammelten sich also viele Leute zu Musik und Tanz auf einem kleinen Platz im Dorf, unweit von Charlies Homestay gelegen. Es war eine Abwechslung aus den traditionellen Tänzen mit eigenen Instrumenten, aus Sonderwünschen oder aus für jedermann angebotene Tänze. Zudem gaben ein paar Leute Gesangseinlagen zum Besten. Die traditionellen Instrumente sind Percussion-Instrumente. Sie ähneln ein wenig grifflosen Pfannen aus Kupfer in unterschiedlichen Größen, aufgehängt an einer Schnur. Darauf geschlagen wird mit einem der Größe entsprechenden Stock. Aufgrund der unterschiedlichen Größen und der Art, wie man darauf schlägt, entstehen natürlich unterschiedliche Klangfarben. Diese werden aus drei verschiedenen Pattern zu einem Rhythmus zusammengefügt. Während des Spielens tanzen die Männer hintereinander umher, währenddessen kommen irgendwann die Frauen hinzu, die innerhalb der Schlange der Männer eine eigene Schlange bilden und zur Musik tanzen. Der Tanz besteht aus Vor-und Zurückbewegen der zur Seite hin ausgestreckten Oberarme sowie verschiedenen Schritten der Füße. Die Videoaufnahme sollte den eben beschriebenen Ablauf etwas besser erklären.

Nachdem wir am Samstag Vormittag dann ausschlafen konnten und uns zum gemeinsamen Mittagessen mit Theo und einigen seiner Freunden und Freundinnen trafen, wurden am Samstag die Tänze des Vortages bis in die späte Nacht fortgesetzt. Wie bereits erläutert, entfiel eine Zeremonie für das Brautpaar. Als kleines Geschenk für das Brautpaar brachten wir eine Postkarte von Deutschland, original Bayerisches Bier und eine frisch gekochte Mahlzeit mit.

Am nächsten Morgen ging es für uns dann leider schon wieder zurück, da unsere Kinder und die Arbeit mit ihnen rief. Auf der Rückfahrt konnten wir noch einmal die schöne Aussicht vom Dach des Jeepneys genießen.

Der weitere Verlauf der nächsten Wochen

Den 1. Mai, der wie in der Deutschland Tag der Arbeit und somit Feiertag ist, nutzen wir zu einem verlängerten Wochenende und so machten Peter, Simon und ich uns erstmals gemeinsam mit Moritz auf nach Buscalan. Wir begaben uns am Mittwoch Abend auf unsere erneute Reise und kamen wiederum gegen sieben Uhr in der Früh an. Nach unserem Einkauf auf dem Markt liefen wir zum Jeepney, das uns nach Buscalan bringen sollte und luden unser Gepäck ab. Abfahrt ist um neun Uhr, so der Fahrer, weshalb wir die Zwischenzeit nutzen, um eine Kleinigkeit zu essen.

Als wir gegen dreiviertel neun Uhr die Straße Richtung dem Abfahrtspunkt liefen, sahen wir bereits eines wegfahren. Wir dachten uns zuerst nur: Gut, das wird schon nicht unseres gewesen sein, es fahren ja bestimmt noch andere in diese Richtung. Nachdem wir aber zwei Minuten später ankamen, stellten wir fest, dass es doch unseres war, das nun mit dem Gepäck auf dem Dach davon gefahren ist. Wir schnappten uns also schnell ein Trycicle und folgten dem Fahrzeug. Da nach einigen Kurven schon wieder einige Leute zustiegen, dauerte die Verfolgung nicht lange und wir konnten zu unserem Gepäck aufs Dach klettern. Angesichts der Vielzahl an Leuten im und auf dem Gefährt war es auch nicht weiter verwunderlich, dass der Fahrer nicht mehr auf weitere Passagiere warten wollte. Nach einer schönen, sonnigen Fahrt erreichten wir nach dem kleinen Fußmarsch wieder das Dorf. Auf dem Weg dorthin bemerkten wir, dass der Weg vom Turningpoint zum Dorf mithilfe dreier Bagger bearbeitet und so ein ganzes Stück breiter gemacht werden sollte.

In Buscalan angekommen trafen wir wieder Theo, der uns ein weiteres mal freudig begrüßte. Aufgrund der Vielzahl an Filipinos und anderer Touristen, die wegen des 1. Mais auf die selbe Idee wie wir gekommen sind, kamen wir in Charlies Homestay schon gar nicht mehr unter. Das war kein Problem, denn so kamen wir in Anna‘s Homestay in Theos und auch Charlies Nachbarschaft unter.

Die weiteren Tage waren nicht sonderlich spektakulär: Wir kochten wieder gemeinsam, halfen verschiedenste Dinge vom Turningpoint nach oben zu transportieren, waren unten am Wasserfall beim Baden und ein wenig im Dorf unterwegs. Dabei konnten wir wieder einige sehr interessante Leute kennen lernen. Wie bereits gesagt, waren aber wahnsinnig viele Leute da, was das Ganze etwas unentspannter machte. Die Dorfbewohner hatten alle Hände voll zu tun, alle Homestays waren bis auf des letzte Bett ausgebucht, jeden Tag kamen neue Touristengruppen ins Dorf, es wurde fast rund um die Uhr und überall tätowiert. Wir machten uns am Sonntagnachmittag dann schon wieder auf den Heimweg und waren Montag früh morgens wieder in Manila. Dadurch hatten wir noch genug Zeit, um uns für die Graduation der älteren Schüler und damit Highschool-Absolventen aus dem Center auszuruhen, die am frühen Nachmittag beginnen sollte.

Neben der Graduation war ein weiteres Highlight in den letzten Wochen die Segnung des Centers in Payatas, das Anfang das Jahres renoviert und umgebaut wurde. Neben einem größeren Klassenzimmer im Obergeschoss inklusive einer Toilette wurde im Untergeschoss ein abgeschlossenes Zimmer für die Küche eingerichtet. Der Unterricht mit meinen Kindern nimmt soweit seinen gewohnten Lauf, die Sommerhitze erschwert diesen allerdings etwas. Zum einen sind die Kinder etwas anders drauf und häufig etwas überdreht, zum anderen machen fast alle Kinder einen Mittagsschlaf, weswegen ich die Stunden am Nachmittag manchmal absagen muss.

Viele Grüße aus Manila

Jakob

Auf zu neuen Ufern

Pfinstklausur der Coaches

Seit der Herbstklausur hat sich unser Freiwilligenprogramm verändert. Denn nach dem Weggang von Brigitte Rolfes, unserer Koordinatorin für das Freiwilligenprogramm, haben wir die Organisation des Programms in Deutschland an die Diözese Rottenburg-Stuttgart abgetreten. Sie wird zukünftig die Vorbereitung unserer deutschen Missionare auf Zeit und die Abwicklung der Finanzierung über das bundesweite „Weltwärts-Programm“ für uns durchführen. Durch diese Umstrukturierung können wir auch weiterhin jungen Menschen einen freiwilligen Einsatz in unseren sozialen Projekten ermöglichen. Die ersten MaZ aus der neuen Zusammenarbeit reisen bereits diesen August aus.

Doch welche Auswirkungen hat diese Umstrukturierung für die Coaches? Das Treffen vor Pfingsten in der Nähe von Regensburg gab überzeugend Antwort: Eva Ludwig aus Wernau, verantwortlich für die Servicestelle „Weltkirchliche Friedensdienste“ der Diözese Rottenburg-Stuttgart, kam eigens und beantwortete die vielen Fragen souverän. Die Coaches sind weiterhin wichtig bei Werbung und Auswahl, bei Begleitung und Rückkehr. Zudem sollten sie den Kontakt zu den Einsatzstellen pflegen. Fazit: Sie werden weiterhin dringend gebraucht.

Eingetaucht in eine fremde Kultur

Liebe Leserinnen und Leser,

mit der Zeit bin ich das wirklich: Eingetaucht, Abgetaucht in die Kultur der Langi hier in Alenga. Dennoch wird man eigentlich täglich mit kulturellen Unterschieden konfrontiert, wir haben unseren voll gepackten kulturellen Rucksack eben stets dabei und tragen ihn manchmal gern, manchmal ungern mit uns herum. Heute möchte ich euch gerne einen kurzen Einblick in die Kultur dieser kleinen Volksgruppe (6% der Ugander gehören zu den Langi) geben. Leider verstehe ich auch nach einiger Zeit hier noch immer nicht alles, dafür ist die sprachliche Barriere zu groß. Dennoch ist mir an vielen Stellen etwas aufgefallen, an das ich mich nun schon gewöhnt habe, einige Verhaltensweisen sogar angenommen habe. Also gut, ich möchte starten mit einem Einblick in das allseits bekannte und in den Augen mancher platt diskutierte Thema Zeit:

Das Zeitverständnis

Morgenmuffel, nein danke!

Samstag Morgen, gegen halb 10 ein gemütliches Familienfrühstück, die Kinder noch im Schlafanzug, die Eltern in ihre Zeitung vertieft und alle sind glücklich darüber, dass sie heute mal wieder so richtig ausschlafen konnten… Nein, das würde wohl allen hier in Alenga sehr komisch und skuril vorkommen.

Hier läuft es eher so: Samstags wird um 6 Uhr aufgestanden und nach einer kurzen Katzenwäsche und eventuell einer Kleinigkeit zu Essen macht sich die ganze Familie auf, um im Garten zu arbeiten. Dann wird gesäht, gegraben, umgegraben, geerntet, bewässert und körperlich richtig hart gearbeitet. Wenn es mittags richtig heiß wird, kehren sie heim und essen zu Mittag, ruhen sich aus oder erledigen kleinere Arbeiten im Haus, waschen und putzen. Nachmittags geht es nochmal in den Garten oder vielleicht auf den Markt im nahe gelegenen Ort Ibuje entweder zum Verkaufen oder zum Einkaufen von selbstangebauter Ware.

Richtig ausschlafen und sich erholen, das ist wenn man bis 7 Uhr geschlafen hat und danach nicht in den Garten musste, sondern direkt damit beginnen konnte z.B. Erdnüsse zu schälen und zu rösten.

Mein Körper hat sich seit ich in Alenga lebe zwar umgestellt, ich wache eigentlich täglich mit der Sonne auf, aber dann kann ich mich auch gut nochmal kurz umdrehen und weiter dösen. Eine Anpassung an das Frühaufstehen kommt fast automatisch, da wir mit Schwestern zusammenleben, die jeden Tag um halb 7 zum Morgengebet aufbrechen, und die Schülerinnen auch täglich um viertel vor 7 in die Messe gehen. Wenn man erst gegen 9 Uhr morgens das Haus verlässt, heißt es gleich: „You were lost! Why?“. Daran sieht man auch, dass es hier überhaupt nicht üblich ist Zeit im Haus zu verbringen. Während man in Deutschland viele Arbeiten auch im Haus verrichten kann und oft viel Zeit drinnen verbringt, nutzen die Langi ihr Haus hier auf dem Dorf weitesgehend zum Schlafen und ein anderes zum Kochen. Ansonsten werden alle Arbeiten draußen verrichtet.
Was ich zugeben muss: ich freue mich wieder auf ein gemütliches Frühstück am Samstagmorgen im Schlafanzug!! J

Die Uhr in Ostafrika

Wenn ich 10 Uhr morgens sage, meine ich auch 10 Uhr morgens. Jaaa, schön wärs. Das klappt auf der einen Seite nicht, weil niemand pünktlich da sein würde und auf der anderen Seite nicht, weil die Uhr auf Swahili und auf Lango anders gelesen wird. 7 Uhr morgens ist auf Lango nämlich „cawa acel“ (die erste Stunde). Von dort an wird dann bis 12 gezählt und 7 Uhr abends ist dann wieder die erste Stunde. Leicht verwirrend, so etwas habe ich in Deutschland noch nie gehört. Aber wenn man sich auf Englisch unterhält, benutzen alle das britische a.m und p.m. und meinen dann auch 10 Uhr morgens, wenn sie 10 Uhr morgens sagen. Da wäre dann nur noch die Pünktlichkeit…
Wie wir in unserem Osterartikel schon beschrieben haben, passt das Sprichwort „Die Europäer haben Uhren, die Afrikaner haben die Zeit“ hier oft wirklich. Wenn eine Chorprobe auf 4 Uhr nachmittags angesetzt ist, sollte man frühestens zwei Stunden später mal schauen, ob die ersten schon eingetrudelt sind. Dann wird natürlich auch nicht mit den wenigen, die da sind, begonnen, sondern sich lieber noch unterhalten und Witze gemacht, bis dann irgendwann genug da sind, um zu beginnen oder aber es fällt aus, weil einfach nicht alle gekommen sind.
Natürlich ist das Thema der Pünktlichkeit in Afrika ein großes Klischee, aber für uns hat es sich hier häufig bestätigt. Unsere Arbeitsstellen sind perfekte Beispiele dafür, dass es zweierlei Einstellungen gibt: Während bei Francesca der offizielle Arbeitsbeginn 8 Uhr ist, aber alle erst gegen halb 10 gemütlich eintrudeln, beginnen meine Unterrichtsstunden um halb 9 und keine Minute später. Die Lehrer sind immer schon früh morgens in der Schule und achten sehr genau darauf, dass pünktlich begonnen wird. Mittlerweile haben sich auch alle Schülerinnen daran gewöhnt, dass sie pünktlich im Klassenraum sitzen müssen. Zu Beginn konnte ich deutlich merken, dass ihnen das schwer fiel.

Hexerei – die Lösung für alles

Dieses Thema war wirklich völlig neu für uns. Die Langi neigen dazu jegliche Ereignisse, die ihnen komisch vorkommen, mit dem Satz „That was witchcraft!“ abzutun.
So muss zum Beispiel bei der Heirat gut aufgepasst werden, damit man sich nicht mit einer Hexerfamilie verbündet. Als wir eine Freundin auf dieses Thema ansprachen, sagte sie uns, dass diese Familien dann alles Böse auf dich übertragen könnten. Wenn man ihn einem Konflikt mit ihnen stünde oder sie eine persönliche Abneigung gegen jemanden hätten, käme es nicht selten vor, dass sie diese Person vergiften oder verhexten, sodass diese am nächsten Tag schwerst krank oder gar tot sei.
Außerdem erzählte unsere Freundin Grace uns, dass sie in Kampala mithilfe von Hexerei ausgeraubt wurde. Jemand fragte sie auf der Straße, ob sie ihm Geld wechseln könne. Das tat sie. Einige Minuten später wollte sie an der Ladenkasse bezahlen und fand in ihrer Tasche statt Geld nur Zeitschriften. Ihre Erklärung: Die Frau hatte einen Hexentrunk auf das getauschte Geld geschmiert und so hat dieser das Geld aus ihrer Tasche gehext und die Zeitschriften hinein. Falls jetzt jemand denkt, dass ich scherze: Nein, das ist mein Ernst. Die Leute glauben fest an die Hexerei und es sind dann auch keine Vermutungen, die darüber angestellt werden, sondern es heißt stets „Ich weiß, dass diese Person mich verhexen wollte…“.
Einer der Kollegen Francescas hat ihr auf diese Weise auch erklärt, wie es hier in Uganda zu psychischen Krankheiten komme: Es gäbe Dämonen, die nachts auf die Terrasse kommen, laut schreien und tanzen, der Betroffene winde sich dann im Schlaf, versuche sich zu wehren, schaffe es aber nicht und dann übernehme der Dämon den Geist des Betroffenen. Deshalb war sich ihr Kollege auch sicher, dass es in Deutschland keine psychischen Krankheiten gäbe, weil es dort ja keine Dämonen geben könne.
Es ist für mich unfassbar wie sehr der Glauben an Hexerei verwurzelt ist und ständig als Erklärung verwendet wird.

Die Subsistenzwirtschaft und der Alkoholismus- Gehen sie Hand in Hand?

80% der Ugander sind in der Landwirtschaft tätig. Deren Anteil am Bruttoinlandsprodukt liegt bei rund 40 %. Die fruchtbaren vulkanischen Böden vielerorts sichern gute Ernten. Doch gerade momentan bleibt in Alenga trotz der Regenzeit der Regen aus und die Bauern müssen die Auswirkungen der Erderwärmung schmerzlich spüren. Freunde erzählten uns, dass sie bis vor zwei Jahren keinen Nieselregen gekannt hätten. Doch mittlerweile sind die Folgen der Erderwärmung so gravierend, dass viele schlechtere Ernten haben als zuvor.
Fast alle Bauern bauen nur für den eigenen Bedarf an (Subsistenzwirtschaft). Die Hauptanbaufrüchte sind Kochbananen (Matooke), Reis, Cassava und Bohnen. Wichtigste Exportprodukte Ugandas sind Kaffee, Baumwolle, Tabak und Tee. Bekannt unter dem Namen „Victoriasee-Barsch“ist an den europäischen Fischtheken außerdem der Tilapia.
Hier in der ruralen Gegend Alengas ist die Subsistenzwirtschaft nicht nur weit verbreitet, sondern Teil jedes Haushaltes. Wir kennen niemanden hier, der keinen eigenen Garten hat und dort Essen für sich und seine Familie anbaut. Da wird dann auch zwischen Familienmitglieder hin und her getauscht, Süßkartoffeln gegen Cassava etc.. Bei manchen bleibt im Garten etwas übrig. Dann verkaufen sie es auf dem Markt oder einfach in der Nachbarschaft. Daraus folgt, was ich ganz wunderbar finde, dass man bei fast allen der Produkte weiß, wo sie herkommen, wer sie angebaut hat und, dass der Einkauf die lokale Produktion unterstützt. Dieses Bewusstsein wird mich bei meinen zukünftigen Lebensmitteleinkäufen in Deutschland begleiten. Wieso nicht den Apfel kaufen, der vielleicht zweite Klasse ist, aber aus dem Landkreis kommt, statt einen Apfel der aus Brasilien eingeflogen wurde und so zur geringeren Umweltverschmutzung beitragen, unter der unsere Erde leiden muss.
Viele der Männer und Frauen hier sind also Bauern. Sie arbeiten täglich hart und was an Geld am Ende übrig bleibt ist oft wenig. Da kommen dann Probleme auf, z.B. wie die Schulgebühren für die Kinder bezahlt werden können oder die Gebühren im Krankenhaus. Gerade in Bezug auf die medizinische Versorgung spürt man, dass die Menschen hier auf das Arbeiten im Feld angewiesen sind. Wenn es in der Nacht geregnet hat, weiß Francesca schon, dass sie heute nur wenige Patienten haben wird, da diese sich dann zunächst um ihren Garten kümmern müssen, bevor sie ins Krankenhaus kommen können. Auch Schwangere arbeiten oft bis kurz vor der Geburt sowie direkt nach der Geburt wieder und verpassen deshalb auch einige der Vorsorgetermine.
Wie man sieht, ist die Beschäftigung der Menschen hier sehr ähnlich. Manche haben natürlich einen größeren Garten und gleichzeitig noch einen anderen Job, so dass sie besser verdienen oder sich zumindest durch ein Nebenbusiness – wie beispielsweise unsere Freundin Anna, die durch das Brauen des Cassavaschnaps’ eine weitere Einnahmequelle hat – etwas dazu verdienen. Dennoch leben viele der Einwohner Alengas und der Dörfer der Umgebung an der Armutsgrenze. Das bringt nicht nur die oben genannten Probleme der fehlenden Schulgebühren für die Kinder, sondern noch zwei weitere: 1. Die Fortpflanzungsrate steigt, da es an anderen Freizeitbeschäftigungen fehlt (so hat Father Stan es uns erklärt) und 2., der Alkoholkonsum der Männer steigt. Diese begeben sich oft abends ins Centre (die „Stadtmitte“ Alengas mit kleinen Bars) und betrinken sich dort, bevor sie nachts völlig betrunken nach Hause kommen. Frauen sieht man dort eigentlich nie, als verheiratete Frau gehört es sich nicht mehr auszugehen und auch vorher ist das in Alenga schwierig, da gerne Gerüchte verbreitet werden und man sehr auf seinen Ruf und den der Familie achten muss. In kleineren Städten wie Apac aber, sei es durchaus üblich, dass unverheiratete Frauen abends auch in den Club oder eine Bar gingen, berichtete unsere Freundin Grace. Der hohe Alkoholkonsum der Langi-Männer wird häufig von den Schwestern oder anderen bemängelt. Francescas Kollegin Gloria z.B. kommt nicht aus dem Langi Gebiet und hat uns erzählt, dass sie niemals einen Mann von hier heiraten würde aufgrund der Neigung zum Saufen am Abend. Häufig hört man, wie die Leute in ihren Gesprächen bemängeln, dass dieser oder jener ein „drunko“ sei oder wie sie über die Kinder des „drunko“ reden. Nach meinem Gefühl, findet der Alkoholismus hier weniger versteckt statt, als ich es aus Deutschland von Alkoholikern kenne. Wenn man vormittags auf der Hauptstraße Richtung Ibuje läuft, kann es gut vorkommen, dass man einem völlig betrunkenen Mann mit Waragi (ugandischer Schnaps aus Cassava) in der Hand begegnet. Dieser Alkoholkonsum hat sicher noch weitere Ursprünge, abgesehen von der Frustration über die Armut und die Arbeitslosigkeit, aber dies scheint wohl oft ausschlaggebend. Abgesehen von der Arbeit auf dem Feld gibt es hier wenig Jobmöglichkeiten, man kann sein eigenes Geschäft als kleiner Lebensmittelhändlern oder als Schneiderin eröffnen, als Krankenschwester in der lokalen Krankenstation arbeiten, aber dafür braucht man eben eine gute Schulausbildung, die mit Kosten verbunden ist und deshalb vielen hier fehlt. Uganda, das jüngste Land auf der Welt, mit 77%, die jünger als 30 Jahre sind, hat auch mit großer Landflucht zu kämpfen. Denn gut bezahlte Jobs, für die man eine bestimmte Ausbildung braucht, findet man nur in den Städten. Eine schockende Zahl ist die Arbeitslosigkeitsrate der Jugend und jungen Erwachsenen: Sie liegt bei 83% für alle zwischen 15 und 25 Jahren.
Am Ende dieses Absatzes möchte ich Nelson Mandela zitieren, der einmal gesagt hat: „Education is the most powerful weapon to change this world.“.

Ihr Lieben, das war es auch schon wieder von mir. Ich freue mich über eure Kommentare zu dieser ersten Sammlung kultureller Eindrücke aus Alenga. Ich kann euch schon jetzt versprechen, es wird bei Gelegenheit eine Fortsetzung geben.

Ganz liebe Grüße in die Heimat

eure Greta

Allerlei Neues aus Alenga

Hallo meine Lieben,

es ist einiges passiert seit wir im Februar mit dem ersten Schulsemester 2018 begonnen haben. Am 27. April sind die Mädchen nach Hause gefahren bzw. gegangen und wir haben uns für die kommenden drei Wochen voneinander verabschiedet. Die meisten haben sich sehr auf die Ferien und auf zu Hause gefreut, einige wenige jedoch haben keine Möglichkeit nach Hause zu fahren oder haben sich vor zu Hause aufgrund schwieriger Familiensituationen gefürchtet, sodass in den Ferien zwei Schülerinnen im Konvent der Schwestern bleiben und für sie Gartenarbeiten etc. verrichten. Im Gegenzug dürfen sie umsonst hier schlafen und essen und haben ein gut behütetes Umfeld.

Schlafsaal

Als Erstes möchte ich euch ein Update in Bezug auf den Bau des Schlafsaals geben, denn seit ihr das letzte Mal Fotos gesehen habt, ist es gut voran gekommen und das Dach ist drauf. Leider ging es in den letzten zwei Wochen langsamer voran, denn der Preis für den Zement ist in die Höhe geschossen und pro Sack waren es fast 4 Euro mehr als zu Beginn berechnet.
Das war wohl die Folge einiger Anschaffungen in den Zementfabriken. Laut Aussagen der Bauarbeiter gibt es neue Maschinen zum Zement mischen und insgesamt wird sich dadurch eine Senkung des Preises versprochen. Wie auch immer, in der zweiten Maiwoche werden die Bauarbeiten hoffentlich weiterlaufen und wir wieder neue Fortschritte erkennen können.
Nach wie vor sammeln wir weitere Spenden für die Innenausstattung des Schlafsaals, denn wir möchten den Schülerinnen gerne Stockbetten und Moskitonetze sowie Kleiderhaken und ähnliches zur Verfügung stellen. Also wenn ihr wen kennt, der noch wen kennt, der sich gerne hier in Alenga für junge Mädchen engagieren möchte, meldet euch doch gerne! Euch allen, meinen fleißigen Leserinnen und Lesern, möchte ich jetzt auch für euer Interesse, euer Engagement und eure Unterstützung danken! Ich habe nicht erwartet, dass ich von so vielen Menschen aus der Heimat Rückmeldung und Hilfe bekomme. Es ist ein schönes Gefühl zu wissen, dass ihr an mich denkt.
Die Fotos sprechen für sich selbst, der Baufortschritt ist fantastisch.

Über HIV und AIDS zum weiblichen Zyklus

Außerdem habe ich euch im letzten Blogeintrag von unseren Extrastunden mit den Schülerinnen erzählt, in denen wir zunächst Geographie und ein bisschen Geschichte behandelt haben. Nun sind wir dazu übergegangen, über HIV und AIDS zu sprechen. Im Vorfeld waren wir uns unsicher, inwiefern wir über Kondome als Schutz vor Geschlechtskrankheiten sprechen dürfen, da die Schule in katholischer Trägerschaft ist und es im örtlichen Health Centre, das ebenfalls in katholischer Trägerschaft ist, auch keine Kondome gibt. Die dafür von USAID angebrachten Kästen sind stets leer. Generell erfahre ich hier im Austausch mit den Schwestern und einigen der Priester einen konservativen Katholizismus. Doch man kann so etwas nicht generalisieren und unser Mentor Fr. Stan, der Gemeindepriester Alengas, war begeistert von unserer Idee mit den Mädchen über HIV und AIDS zu sprechen und gab uns den Segen dafür, Kondome als Schutz zu besprechen. Am Ende des Gesprächs lachte er und sagte: „Glaubt nicht, dass nur ihr den Mädchen etwas beibringen werdet. Sie werden euch mit den lokalen Sichtweisen sicherlich auch belehren.“

Stan sollte Recht behalten. Nachdem wir mit der wohl einfachsten Frage, wofür die beiden Abkürzungen HIV und AIDS denn eigentlich stehen – na, weiß das jeder von euch? – begonnen hatten, erklärten wir die möglichen Übertragungswege und die dafür jeweils verantwortlichen hochinfektiösen Körperflüssigkeiten. Während die große Mehrheit genau wusste, wofür die Abkürzungen stehen, brach bei den Erklärungen zum ersten Mal großes Gelächter aus. Wir machten weiter mit dem Vorkommen von HIV in Uganda, hier sind ca. 1,5 Millionen Menschen infiziert, wobei mit einer großen Dunkelziffer zu rechnen ist. Davon sind 150.000 unter 14 Jahre alt. Der Präsident Ugandas, Yoweri Museveni, hat sich vor einiger Zeit erfolgreich dafür eingesetzt, die Infektionsrate von HIV zu verringern. Mittlerweile jedoch ist die Rate wieder angestiegen und trotz kostenloser Tests, Behandlung und Medikamente kennen viele ihren HIV-Status nicht (ähnlich wie in Deutschland, wo die HIV-Rate übrigens auch steigt statt sinkt…).

Weiter haben wir dann versucht Ratschläge zu geben, wie man sich am besten vor HIV schützen kann und bestmögliche Verhaltensweisen, wenn man positiv getestet wurde. Ausschlaggebend war für uns, den Mädchen zu vermitteln, dass sie ihren Freund zunächst nach seinem HIV-Status befragen und auch den Eigenen testen, ohne sich zu schämen oder Angst zu haben. Außerdem versuchten wir klar zu machen wie wichtig Kondome in Bezug auf jegliche Geschlechtskrankheiten sind und, dass sie den Männern nicht glauben sollten, wenn diese behaupten HIV-negativ zu sein, die Übertragung von HI-Viren durch ihr jeweiliges Verhalten zu vermeiden oder Kondome generell ablehnen.

Im Anschluss ließen wir Zeit für Fragen, denn schon während unserer Erläuterungen merkten wir, dass die Mädchen z.T. deutlich andere Vorstellungen und vor allem allerlei Fragen an uns hatten. Das war der Moment, der mich schockierte und mir vor Augen führte, welch ein Glück ich habe, dass ich so gut aufgeklärt wurde, mit meinen Eltern und Lehrern offen über diese Themen sprechen konnte und das Internet als Antwort auf Fragen jeder Art nutzen kann. Die Mädchen erzählten mir, dass sie es erkennen würden, wenn jemand an AIDS erkrankt sei, denn die Farbe der Lippen würde sich verändern und dieses Erkennen genüge als Schutz. Weiter ging es damit, dass der Bruder eines Mädchens ihr erzählt habe, dass man bis zum 18. Lebensjahr das erste Mal gehabt haben müsse, ansonsten würde die Vagina der Frau zu klein werden und man könne niemals mit einem Mann schlafen. Ich wurde außerdem gefragt, ob es stimmen würde, dass Männer sterben würden, wenn man ihnen nicht, wann immer sie es wünschen, sexuelle Befriedigung gibt. Ich versuchte nach bestem Wissen souverän auf diese Fragen zu antworten. Davon abgesehen wurde ich auch viel über den weiblichen Zyklus gefragt, warum nur Frauen ihre Blutungen bekommen, warum das Ganze manchmal mit Schmerzen verbunden ist und so weiter. Demnach kamen wir auf die Idee, in der nächsten Stunde über das weibliche Geschlechtsorgan, den Zyklus und unterschiedliche Verhütungsmethoden bzw. über Familienplanung zu sprechen. Anhand des Plakates könnt ihr sehen, dass wir den Verlauf des Zyklus erklärt haben, einmal im „Normalfall“ (unbefruchtet) und einmal mit befruchteter Eizelle. Außerdem zeigten wir anhand einiger Bilder die prenatale Entwicklung von der Zelle zum Baby. Gerade beim Ultraschallbild staunten sie sehr und erkannten den Fötus nicht. Im Anschluss führten wir die Benutzung eines Kondoms an einer Karotte vor, was zur allgemeinen Erheiterung führte, aber auch sichtbar das Interesse weckte. Abgesehen vom Kondom stellten wir auch weitere Verhütungsmethoden wie z.B. die Anti-Baby-Pille, die Drei-Monats-Spritze und die Spirale vor, die alle vor Ort in den staatlichen Krankenstationen erhältlich und größtenteils umsonst sind. Der Staat stellt diese Dinge unter dem Oberbegriff „Family Planning“ frei zur Verfügung, um die Fertilitätsrate von 5,6 (bei uns in der ruralen Gegend liegt sie eher bei 7) zu senken, da die Bevölkerung zu schnell wächst. Vergleicht man den Altersdurchschnitt zwischen Uganda und Deutschland, stellt man schnell fest, dass die Ugander eine besonders junge Bevölkerung sind. Eine Studie im Jahr 2005 hat Uganda als jüngstes Land hervorgehoben. In Deutschland liegt der Altersdurchschnitt bei 42,1 Jahren, während er in Uganda bei 14,8 Jahren liegt. Die Hälfte aller Ugander ist 16 Jahre oder jünger, während die Hälfte der Deutschen jünger als 47 Jahre ist.
Im Anschluss stellten die Mädchen uns wieder interessante Fragen, beispielsweise ob man als Frau sterben würde, wenn das Kondom in der Vagina stecken bleiben würde oder wie oft man ein Kondom benutzen könne. Als wir diese Frage in die Klasse zurück gaben, erhielten wir als Antwort „10 Mal!!“, was wir natürlich schnell richtig stellten.
Nach den Ferien werden wir mit diesen Themen weitermachen, wer noch Ideen und Anregungen hat, darf sich jederzeit gerne melden!

Golden Jubilee – 50 Jahre Diözese Lira

Das Jahr 2018 ist das goldene Jubiläum unserer Diözese Lira, hier in Nordwest Uganda. Dafür reist der Bischof von Gemeinde zu Gemeinde um diesen Anlass ausgiebig zu feiern. Wir merkten hier schon Wochen zuvor die Aufregung über das anstehende Ereignis. So begannen wir vier Wochen vor dem 15. April schon mit den Chorproben. Dabei waren viele Sängerinnen und Sänger aus der ganzen Gemeinde und wir hatten sogar einen richtigen Chorleiter. Dieser war sehr ambitioniert und bemüht, dass der Chor einen exzellenten Auftritt abliefern wird, was ihm nicht nur Sympathiepunkte unter uns Mitgliedern einbrachte. Aber das viele Üben (bis zu sieben Stunden am Tag), die zahlreichen Vorbereitungen und Meetings haben sich gelohnt. Der Bischof wurde herzlich in Empfang genommen, das Gelände war wunderbar geschmückt, alle hatten sich fein rausgeputzt und sogar wichtige Politiker waren in unser kleines Dorf gekommen, um an der Spendensammlung teilzunehmen. Während der Messe wurde der Bischof mit Geschenken überhäuft, er bekam sechs Wassermelonen, hunderte Avocados und Bananen sowie Ziegen, Hühner und allerlei anderes. Die Christen Alengas haben mit Jubel, Tanz und Großzügigkeit ihre Dankbarkeit gegenüber dem italienischen Bischof Franzelli ausgedrückt. Dabei kam sogar der hochrespektierte König der Langi und hielt eine längere Rede über die Wahrung der Kultur. Um das Programm bunt zu gestalten, haben Artisten, die Frauengilde, unsere Schülerinnen und die Jugend der Charismatischen Christen jeweils etwas aufgeführt, gesungen und getanzt. Im Anschluss gab es, wie bei jedem Fest hier, ein riesiges Festmahl, das leider nicht für die zahlreichen Besucher gereicht hat, so dass am Ende einige Kinder leer ausgingen. Dann halfen wir ganz schnell wieder beim Abbau der Festzelte und einige Stunden nach Ende des Festes, sah es auch schon wieder aus wie immer.

Fingerabdrücke in Alenga hinterlassen

Vergangene Woche haben wir unsere kreative Ader ausgelassen. Dabei gestalteten wir ein Freiwilligenbord, auf dem wir uns mit unseren Fingerabdrücke verewigt haben. Die Bedeutung ist sehr symbolisch zu betrachten: Die Pusteblumen stehen für uns Freiwillige (Francesca und ich sind bereits Nummer 5 und 6 der Freiwilligen in Alenga), die hier jeweils eine neue Heimat gefunden haben, sich selbst verwirklichen können und ihre Samenschirme in die Welt tragen möchten, welche wiederum Blüten tragen werden. Die Samen sind unsere Fingerabdrücke, da jeder seine individuellen Spuren hinterlässt. Nun fehlen nur noch unsere Fotos, dann ist das Freiwilligenbrett komplett.

Ihr Lieben, das war es auch schon wieder von mir. Morgen brechen wir in den Norden Ugandas auf. Dabei werden wir nach Gulu und Moyo reisen, einige Schwestern besuchen und gemeinsam mit zwei Comboni Brüdern das größte Flüchtlingscamp der Welt in Moyo besuchen. Wir freuen uns auf diese Erfahrungen sehr und werden anschließend berichten.

Ganz liebe Grüße

Eure Greta

Uganda – Ein Kontinent mit 500 Einwohnern

Hallo ihr treuen LeserInnen,

heute möchte ich euch kurz von den zusätzlichen Unterrichtsstunden erzählen, die Greta und ich seit Februar am Freitagabend mit den Mädchen machen.

Schon seit Beginn meines Einsatzes in Alenga ist mir immer wieder – egal, ob in der Freizeit oder durch Gretas Erzählungen aus dem Unterricht – aufgefallen, dass die Schülerinnen große Lücken in Bezug auf Allgemeinwissen haben, das für mich selbstverständlich schien.
Beispiele dafür sind, dass sie keinerlei Vorstellung haben wie die Welt abgesehen von Uganda und seinen Nachbarländern aussieht oder, dass sie nicht wissen was eine Fähre ist und wofür sie verwendet werden kann. Das trifft natürlich nicht auf alle zu, sondern variiert von Person zu Person und den unterschiedlichen Stufen der Schulausbildung.
Aber da in der Berufsschule auch Mädchen sind, die nur vier Jahre lang die Grundschule besucht haben, fallen große Lücken schnell auf. Generell empfinde ich, dass ein Vorstellungsvermögen für all das fehlt, was hinter Alenga und der nächsten Großstadt Lira in der Welt alles kommt.
In Deutschland hatte ich das Privileg, theoretische Erkenntnisse beispielsweise über Geographie in der Schule zu gewinnen und die dann praktisch durch Reisen in andere Länder, sogar auf andere Kontinente zu vertiefen. Das – was für viele Deutsche zum Leben dazu gehört – scheint für die Schülerinnen hier in Alenga unerreichbar und wie ein weit entfernter Traum.
Dennoch haben Greta und ich beschlossen: Die grundlegende Theorie können wir liefern und mit Spiel und Spaß interessant gestalten.

Also begannen wir mit einer ganz generell gefassten Unterrichtsstunde über „Die Welt“. Dank einer großzügigen Spende der Buchhandlung Terwelp in Cloppenburg, konnten wir dafür sogar tolle Weltkarten verteilen, in die wir Notizen, Kreuze und Kreise machten. Wir bauten diese Stunde als Quiz auf, was den Mädchen gut gefallen hat. Frage Nummer 1 war: Wie viele Kontinente gibt es und was sind ihre Namen?
Für einige wenige, ein Klacks. Andere waren verzweifelt: „Francesca, was ist ein Kontinent?“, wurde ich gefragt. Andere fragten nicht, sondern schrieben nach einer kurzen Diskussion in der Kleingruppe auf: „Es gibt 53 Kontinente.“, dann folgten die Namen einiger Länder Afrikas, die sie aus der Karte abschrieben. „Brasilien, Uganda, Russland und Australien“ war eine weitere Antwort.
Wie ihr seht, ein kunterbunter Mix aus weitgehend falschen Vermutungen. Das schockte uns schon sehr. Klar, auch in Deutschland gibt es riesige Lücken an Allgemeinwissen, ich gebe zu, dass auch ich – trotz 12 Jahren Schule und einem Abitur in der Tasche – viele Dinge nicht weiß und mein Allgemeinwissen auffrischen sollte. Aber sind denn die Namen der Kontinente nicht einfach jedem klar, fragte ich mich? Sie sind wohl so „klar“, wie hier jedem bewusst ist, wie man seinen Garten am besten bepflanzt, was welches Gewächs ist sobald man in die Natur schaut und wie man Bohnen und Posho kocht. Wenn mich jemand danach fragt, sind meine Antworten meist auch kreativer Unsinn. In Alenga ist eben ein anderes Wissen altäglich viel wichtiger, da ist es nicht von Bedeutung, wie die Hauptstadt der Mongolei heißt, sonder in welchem Boden Cassava am besten wächst und wie man Reis am besten von Steinen und Körnern befreit, bevor man ihn auf einer Feuerstelle kocht. Was dieses Wissen und harte körperliche Arbeit betrifft, kennen sich die Schülerinnen bestens aus und haben ein starkes Durchhaltevermögen.
Ich durfte also lernen, dass grundlegendes Wissen sich unterscheidet und der Mensch eben gern das behält, was für ihn gerade wichtig ist.
Im Verlauf der weiteren Unterrichtsstunde kam es auch zu anderen lustigen Antworten. „Auf der Welt leben 7000 Menschen.“, „Der höchste Berg ist der Mt. Rwenzori in Westuganda“ etc. Aber es gab auch viele richtige Antworten, beispielsweise war allen klar, dass der längste Fluss der Welt der Nil ist.
Die Weltkarten waren jedenfalls eine super Idee, begeistert haben die Mädchen nach verschiedenen Ländern gesucht, ein Kreuz am Kaspischen Meer und im Himalaya Gebirge gesetzt.

In der darauffolgenden Stunde beschäftigten wir uns dann nur mit dem Kontinent Afrika. Wieder gestalteten wir die Stunde als ein Quiz und merkten gleich zu Beginn, dass es den Mädchen etwas leichter fiel. Wir fragten nach der Gesamtanzahl aller Länder Afrikas, nach den größten Hauptstädten, dem höchsten Berg, dem größten See und die Antworten kamen, z.T. mit etwas Hilfe durch die Karten, bei den Hauptstädten sehr flüssig. Gerade den Viktoriasee und den Ursprung des Nils in ihm kennen alle gut, wenn auch viele noch nicht da waren. Bei all dem halfen auch wieder unsere Weltkarten. Auf die Frage, wie viele Menschen in Afrika insgesamt leben, haben wir Antworten von 500 Menschen bis eine Billionen bekommen. Das Vorstellungsvermögen für Zahlen scheint auch ausbaufähig zu sein.

Unser nächster Schritt war eine Stunde über Uganda, in der wir uns nicht so sehr auf die Geographie konzentrierten, sondern auf generelle Informationen, die wir in einer Mindmap an der Tafel festhielten. Wir haben einige Fragen gestellt und dann zahlreiche Antworten bekommen. Nachbarländer, wichtigste historische Personen und Ereignisse schienen bekannt zu sein. Außerdem präsentierten wir auch ein paar Fakten wie zum Beispiel die Kindersterblichkeitsrate, die mit ca. 13% die höchste in Ostafrika ist. Über diese hohe Zahl freuten sich die Mädels erst, bis wir erklärten, was das bedeutet und dass es an Krankheiten und schlechter medizinischer Versorgung liegt.
Als wir die Geschichte Ugandas präsentierten, wussten sie sehr gut, dass Uganda von 1890- 1962 britisches Protektorat war und danach durch Obote und Idi Amin eine Zeit der grausamen Bürgerkriege kam. Als Greta erzählte, dass in dieser Zeit von 1971- 1986 eine halbe Millionen Ugander starben, fehlte aber wieder etwas das Vorstellungsvermögen für eine solche Ziffer.
Außerdem präsentierten wir die HIV-Rate Ugandas, 1,46 Millionen Menschen von 36 Millionen Ugandern sind offiziell infiziert, als Auftakt für unsere nächste Unterrichtseinheit. Wir werden einige Aufklärungsstunden zur Fortpflanzung, zu HIV und AIDS, zu Verhütung und dem verantwortungsvollen Umgang mit Sexualität machen.

Das war es auch schon wieder von uns. Gerne dürft ihr euch melden, falls ihr Anregungen und Ideen für die Extrastunden habt.

Viele liebe Grüße

Eure Francesca

1. Frage

Wie viele Länder hat Afrika?

Der afrikanische Kontinent hat 54 Länder. Jüngstes Land ist der Südsudan: er erlangte 2011 seine Unabhängigkeit vom Sudan.

2. Frage

Wie viele Menschen leben in Uganda?

In Uganda leben 36 Millionen Menschen.

3. Frage

Aus was wird Posho hergestellt?

Posho ist Maisbrei und wird somit aus Maismehl gekocht.

4. Frage

Wie viel Prozent der Ugander sind Christen?

In Uganda sind 84% Christen. Davon sind 40% katholisch und 32% evangelisch. 12% gehören zum Beispiel den Pfingstlergemeinden oder anderen christlichen Gemeinden an. 13% der Bevölkerung sind Muslimisch und 3% haben eine Naturreligion.

5. Frage

Seit wann ist Yoweri Museveni der präsident Ugandas?

Museveni ist seit 1986 der präsident Ugandas. Vergangenes Jahr hat er Gesetze umgeschrieben, damit es keine Alterbegrenzung mehr gibt und er trotz seiner 73 Jahren nochmal gewählt werden kann.

6. Frage

Wie hoch ist die Fertilitätsrate?

Die Fertilitätsrate liegt bei 5,7. Hier in Alenga auf dem Land bekommen viele Frauen allerdings mehr als 6 Kinder und nicht selten sehe ich bei meiner Arbeit, dass die Frau gerade ihre 10. Schwangerschaft austrägt. In den Städten Ugandas nutzen immer mehr Menschen die Möglichkeiten der Medizin, um weniger Kinder zu bekommen und eine Familie zu planen, damit auch genug Geld da ist, um jedes Kind in die Schule schicken zu können.

7. Frage

Wie viele ethnische Gruppen leben in Uganda?

In Uganda leben vier Völker mit mehr als 45 ethnische Gruppen. Diese vier sind: Bantu, Sudanische Gruppe, Niloten, Pygmäen.

8. Frage

Was sind die Nachbarländer von Uganda?

Die Nachbarländer sind: Demokratische Republik Kongo, Tansania, Kenia, Ruanda, Südsudan.

9. Frage

Wie viele Sprachen werden in Uganda gesprochen?

In Uganda werden über 70 Sprachen gesprochen. Zum Beispiel Luganda (Süden/Kampala), Luo: Lango, Acholi, Alur, etc.

10. Frage

Wie viele Flüchtlinge hat Uganda aufgenommen?

Uganda hat bereits über 1 Millionen registrierte Flüchtlinge aus den Ländern Sudan, Südsudan, Congo, Ethiopien, Eritrea, Burundi und Ruanda aufgenommen. In echt sind es wahrscheinlich noch viel mehr. Uganda hat aus dem Südsudan ca. 489’000 Flüchtlinge aufgenommen, während „nur“ 362’000 Menschen die Flucht über das Mittelmeer nach Europa angetreten haben….

11. Frage

Welche Bedeutung haben die Farben der ugandischen Flagge?

Schwarz=Die Farbe der Menschen
Gelb=Sonnenlicht
Rot=Steht für das Blut über das die Menschen in Uganda untereinander und mit der ganzen Welt verbunden sind, für Bruderschaft

12. Frage

Welche vom Aussterben bedrohte Tierart lebt in den Bergen Ugandas?

In Uganda leben mehr als die Hälfte der auf der Welt lebenden Berggorillas (ca.400).

Und, wie viele Kontinente hat unsere Erde eigentlich?

Hallo ihr Lieben,

heute möchte ich euch kurz von den zusätzlichen Unterrichtsstunden erzählen, die Francesca und ich seit Februar am Freitag Abend mit den Mädchen machen. Schon seit Beginn meines Einsatzes in Alenga ist mir immer wieder – egal, ob während des Unterrichts oder in der Freizeit – aufgefallen, dass die Schülerinnen große Lücken in Bezug auf Allgemeinwissen haben, das für mich selbstverständlich schien. Beispiele dafür sind, dass sie keinerlei Vorstellung haben wie die Welt abgesehen von Uganda und seinen Nachbarländern aussieht oder, dass sie nicht wissen was eine Fähre ist und wofür sie verwendet werden kann. Das trifft natürlich nicht auf alle zu, sondern variiert von Person zu Person und den unterschiedlichen Stufen der Schulausbildung.
Aber da ich auf der Berufsschule auch Mädchen unterrichte, die nur vier Jahre lang die Grundschule besucht haben, fallen große Lücken schnell auf. Generell empfinde ich, dass ein Vorstellungsvermögen für all das fehlt, was hinter Alenga und der nächsten Großstadt Lira in der Welt alles kommt.
Ich habe erleben dürfen, dass theoretische Erkenntnisse beispielsweise über Geographie in der Schule gewonnen werden und die dann praktisch durch Reisen in andere Länder, sogar auf andere Kontinente vertieft wurden. Das – was für viele Deutsche zum Leben dazu gehört – scheint für die Schülerinnen hier in Alenga unerreichbar und wie ein weit entfernter Traum.
Dennoch haben Francesca und ich beschlossen: Die grundlegende Theorie können wir liefern und mit Spiel und Spaß interessant gestalten. Also begannen wir mit einer ganz generell gefassten Unterrichtsstunde über „Die Welt“. Dank einer großzügigen Spende der Buchhandlung Terwelp in Cloppenburg, konnten wir dafür sogar tolle Weltkarten verteilen, in die wir Notizen, Kreuze und Kreise machten. Wir bauten diese Stunde als Quiz auf, was den Mädchen gut gefallen hat. Frage Nummer 1 war: Wie viele Kontinente gibt es und was sind ihre Namen?
Für einige wenige, ein Klacks. Andere waren verzweifelt: „Greta, was ist ein Kontinent?“, wurde ich gefragt. Andere fragten nicht, sondern schrieben nach einer kurzen Diskussion in der Kleingruppe auf: „Es gibt 53 Kontinente.“, dann folgten die Namen einiger Länder Afrikas, die sie aus der Karte abschrieben. „Brasilien, Uganda, Russland und Australien“ war eine weitere Antwort.
Wie ihr seht, ein kunterbunter Mix aus weitgehend falschen Vermutungen. Das schockte uns schon sehr. Klar, auch in Deutschland gibt es riesige Lücken an Allgemeinwissen, ich gebe zu, dass auch ich – trotz 12 Jahren Schule und einem Abitur in der Tasche – viele Dinge nicht weiß und mein Allgemeinwissen auffrischen sollte. Aber sind denn die Namen der Kontinente nicht einfach jedem klar, fragte ich mich? Sie sind wohl so „klar“, wie hier jedem bewusst ist, wie man seinen Garten am besten bepflanzt, was welches Gewächs ist sobald man in die Natur schaut und wie man Bohnen und Posho kocht. Wenn mich jemand danach fragt, sind meine Antworten meist auch kreativer Unsinn.
Ich durfte also lernen, dass grundlegendes Wissen sich unterscheidet und der Mensch eben gern das behält, was für ihn gerade wichtig ist. In Alenga ist eben ein anderes Wissen alltäglich viel wichtiger, da ist es nicht von Bedeutung, wie die Hauptstadt der Mongolei heißt, sondern in welchem Boden Cassava am besten wächst und wie man Reis am schnellsten von Steinen und Körnern befreit bevor man ihn auf einer Feuerholzstelle kocht. Was dieses Wissen und praktische sowie körperliche Arbeit betrifft, kennen sich die Schülerinnen bestens aus und haben ein starkes Durchhaltevermögen.
Im Verlauf der weiteren Unterrichtsstunde kam es auch zu anderen lustigen Antworten. „Auf der Welt leben 7000 Menschen.“, „Der höchste Berg ist der Mt. Rwenzori in Westuganda“ etc..Aber es gab auch viele richtige Antworten, beispielsweise war allen klar, dass der längste Fluss der Welt der Nil ist.
Die Weltkarten waren jedenfalls ein super Idee, begeistert haben die Mädchen nach verschiedenen Ländern gesucht, ein Kreuz am Kaspischen Meer und im Himalaya Gebirge gesetzt.
In der darauffolgenden Stunde beschäftigten wir uns dann nur mit dem Kontinent Afrika. Wieder gestalteten wir die Stunde als ein Quiz und merkten gleich zu Beginn, dass es den Mädchen etwas leichter fiel. Wir fragten nach der Gesamtanzahl aller Länder Afrikas, nach den größten Hauptstädten, dem höchsten Berg, dem größten See und die Antworten kamen z.T. mit etwas Hilfe bei den Hauptstädten sehr flüssig. Gerade den Viktoriasee und den Ursprung des Nils in ihm kennen alle gut, wenn auch viele noch nicht da waren. Bei all dem halfen auch wieder unsere Weltkarten. Auf die Frage wie viele Menschen in Afrika insgesamt leben haben wir Antworten von 500 Menschen bis eine Billionen bekommen. Das Vorstellungsvermögen für Zahlen scheint auch ausbaufähig zu sein.
Unser nächster Schritt war eine Stunde über Uganda, in der wir uns nicht so sehr auf die Geographie konzentrierten, sondern auf generelle Informationen, die wir in einer Mindmap an der Tafel festhielten. Wir haben einige Fragen gestellt und dann zahlreiche Antworten bekommen. Nachbarländer, wichtigste historische Personen und Ereignisse schienen bekannt zu sein. Außerdem präsentierten wir auch ein paar Fakten wie zum Beispiel die Kindersterblichkeitsrate, die mit ca. 13% die höchste in Ostafrika ist. Über diese hohe Zahl freuten sich die Mädels erst, bis wir erklärten, was das bedeutet und dass es an Krankheiten und schlechter medizinischer Versorgung liegt.
Als wir die Geschichte Ugandas präsentierten, wussten sie sehr gut, dass Uganda von 1890- 1962 britisches Protektorat war und danach durch Obote und Idi Amin eine Zeit der grausamen Bürgerkriege kam. Als ich erzählte, dass in dieser Zeit von 1971- 1986 eine halbe Millionen Ugander starben, fehlte aber wieder etwas das Vorstellungsvermögen für eine solche Ziffer.
Außerdem präsentierten wir die HIV-Rate Ugandas, 1,46 Millionen Menschen von 36 Millionen Ugandern sind offiziell infiziert, als Auftakt für unsere nächste Unterrichtseinheit. Wir werden einige Aufklärungsstunden zur Fortpflanzung, zu HIV und AIDS, zu Verhütung und dem verantwortungsvollem Umgang mit Sexualität machen.

Liebe Leserinnen und Leser, zum Abschluss dieses Artikels möchte ich euch einladen, einmal euer Wissen zu Afrika und Uganda zu testen. Wir haben euch ein kleines Quiz dazu erstellt. Viel Spaß dabei 🙂

Das war es auch schon wieder von mir. Gerne dürft ihr euch melden, falls ihr Anregungen und Ideen für die Extrastunden habt.

Seid ganz lieb gegrüßt

eure Greta

1. Frage

Wie viele Länder hat der afrikanische Kontinent?

Der afrikanische Kontinent hat 54 Länder. Jüngstes Land ist der Südsudan: er erlangte 2011 seine Unabhängigkeit vom Sudan.

2. Frage

Wie viele Menschen leben in Uganda?

In Uganda leben 36 Millionen Menschen.

3. Frage

Aus was wird der in Ostafrika bekannte Posho hergestellt?

Posho ist Maisbrei und wird somit aus Maismehl gekocht.

4. Frage

Wie viel Prozent der Ugander sind Christen?

In Uganda sind 84% Christen. Davon sind 40% katholisch und 32% evangelisch. 12% gehören zum Beispiel den Pfingstlergemeinden oder anderen christlichen Gemeinden an. 13% der Bevölkerung sind Muslimisch und 3% haben eine Naturreligion.

5. Frage

Seit wann ist Yoweri Museveni der Präsident Ugandas?

Museveni ist seit 1986 der präsident Ugandas. Vergangenes Jahr hat er Gesetze umgeschrieben, damit es keine Alterbegrenzung mehr gibt und er trotz seiner 73 Jahren nochmal gewählt werden kann.

6. Frage

Wie hoch ist die Fertilitätsrate?

Die Fertilitätsrate liegt bei 5,7. Hier in Alenga auf dem Land bekommen viele Frauen allerdings mehr als 6 Kinder und nicht selten sieht Francesca bei ihrer Arbeit, dass die Frau gerade ihre 10. Schwangerschaft austrägt. In den Städten Ugandas nutzen immer mehr Menschen die Möglichkeiten der Medizin, um weniger Kinder zu bekommen und eine Familie zu planen, damit auch genug Geld da ist, um jedes Kind in die Schule schicken zu können.

7. Frage

Wie viele ethnische Gruppen leben in Uganda?

In Uganda leben vier Völker mit mehr als 45 ethnische Gruppen. Diese vier sind: Bantu, Sudanische Gruppe, Niloten, Pygmäen.

8. Frage

Was sind die Namen der Nachbarländer Ugandas?

Die Nachbarländer sind: Demokratische Republik Kongo, Tansania, Kenia, Ruanda und Südsudan.

9. Frage

Wie viele Sprachen werden in Uganda gesprochen?

In Uganda werden über 70 Sprachen gesprochen. Zum Beispiel Luganda (Süden/Kampala), Luo: Lango, Acholi, Alur, etc.

10. Frage

Wie viele Flüchtlinge hat Uganda aufgenommen?

Uganda hat bereits über 1 Millionen registrierte Flüchtlinge aus den Ländern Sudan, Südsudan, Congo, Ethiopien, Eritrea, Burundi und Ruanda aufgenommen. In echt sind es wahrscheinlich noch viel mehr. Uganda hat aus dem Südsudan ca. 489’000 Flüchtlinge aufgenommen, während „nur“ 362’000 Menschen die Flucht über das Mittelmeer nach Europa angetreten haben….

11. Frage

Welche Bedeutungen haben die Farben der ugandischen Flagge?

Schwarz=Die Farbe der Menschen
Gelb=Sonnenlicht
Rot=Steht für das Blut über das die Menschen in Uganda untereinander und mit der ganzen Welt verbunden sind; für Brüderschaft

12. Frage

Welche vom Aussterben bedrohte Tierart lebt in den Bergen Ugandas?

In Uganda leben mehr als die Hälfte der auf der Welt lebenden Berggorillas (ca.400).

Aber der Engel sprach zu den Frauen: „Fürchtet euch nicht!“ – Mt 28, 5-6

Liebe Leserinnen und Leser,
ich hoffe, dass ihr eine schöne Osterzeit mit all euren Lieben verbracht habt. Heute möchte ich euch erzählen, wie ich hier in Alenga die Fastenzeit und das Osterfest verbracht habe.

Die Fastenzeit

Am Aschermittwoch begannen wir die Fastenzeit mit einem schönen Gottesdienst am Morgen. Der Beginn der enthaltsamen Fastenzeit bedeutete, wie schon in der besinnlichen Adventszeit, dass in der Kirche nicht mehr getanzt werden durfte. Stattdessen gab es jeden Freitag Nachmittag einen Kreuzweg mit anschließendem Rosenkranz beten und der Möglichkeit zur Beichte.  Uns hat überrascht, wie viele Kinder und Jugendliche während dieser Zeit fast wöchentlich gebeichtet haben. Das kennen wir aus Deutschland nicht.

Während sich in Deutschland viele ein festes Fastenziel vornehmen, wie das Verzichten auf Alkohol oder Süßigkeiten, haben wir hier kein derartiges Verzichten mitbekommen. Sister Anne hat mir erzählt, dass die Schülerinnen während des Religionsunterrichts auf die Frage, wie sie ihre Fastenzeit gestalten wollen, geantwortet haben, dass sie so arm seien, dass sie doch auf nichts verzichten können, sie haben ja sowieso nichts und würden nur Maisbrei mit Bohnen essen. Es ist uns hier schon oft aufgefallen, dass ein Standardsatz ist: “Wir sind ja arm, wir haben nichts.“ Das wird gern gesagt, egal ob man einen guten Job hat oder arbeitslos ist.

Die Priester und Schwestern haben die Mädchen stattdessen ermutigt, durch Taten zu Fasten. Das heißt also, anderen zu helfen, den Hass überwinden, Streitereien schlichten und Liebe im Alltag zeigen und leben.

Einweihung von Unterrichtsräumen in einer Primary School

Am 22. März waren wir gemeinsam mit Sister Anne, Sister Evaline und Father Stan an der Apele Primary School, über die wir schon zu Beginn im Blog berichtet haben, um an einer Einweihungsfeier für drei neue Klassenräume teilzunehmen, die dort mit Stans Hilfe entstanden sind. Eine deutsche Organisation namens „Vier Steine für Afrika“ (www.viersteinefuerafrika.de) hat das Geld für dieses Gebäude gesammelt, und durch Stan als Kontaktmann vor Ort können solche Projekte hier gelingen und verwirklicht werden.

Es war ein wirklich schönes Fest, alle SchülerInnen haben etwas vorbereitet und auf Englisch gesungen, getanzt und Gedichte aufgesagt. Sogar die ganz Kleinen aus der Nursery School (Kindergarten) haben ein englisches Lied mit passendem Tanz aufgeführt. Auch die Eltern haben Showbeiträge geliefert und durch Reden und ein leckeres Essen wurde das Fest abgerundet. Zu guter Letzt durften noch alle wichtigen und einflussreichen Besucher wie beispielsweise der Vorsitzende der Grundschulen des Apac Districts und eine lokale Politikerin und alle weißen Anwesenden (wir zwei) ein Stück Land kaufen und mit einem kleinen Blümchen bepflanzen. Das Geld kommt der Entwicklung der Schule zu gute. Als wir zum Einpflanzen die Hacke schwangen, wurden wir ziemlich ausgelacht und wir schafften zwei Hiebe, bevor uns ein besorgter Mann die Hacke aus der Hand riss und sich selbst an die Arbeit machte. Wir werden dank unserer Hautfarbe oft als empfindlich und zart eingestuft und dementsprechend körperlich unterschätzt.

Introduction von Francis – endlich Tanzen!

Am folgenden Wochenende waren wir wieder mal auf eine Introduction (traditionelle Hochzeit) eingeladen. Dieses Mal heiratete unser Freund Francis, der gemeinsam mit uns im Chor ist und immer während der Messe das Keyboard spielt. Die Hochzeit fand bei Francis zu Hause statt, was ungewöhnlich ist, normalerweise wird die Hochzeit im Heimatdorf der Frau ausgerichtet. Hier gab es weniger traditionelle Programmpunkte als bei Jaspers und Marthas Hochzeit, über die wir im Januar berichtet haben. Zu Beginn schnitten die Gäste das Band durch und wurden mit viel Jubel in den Festbereich geführt. Anschließend folgte eine ewig lange Vorstellungsrunde von allen anwesenden Gästen und den verschiedenen Verwandtschaftsverhältnissen. Der Katechist Alengas, Patrick, segnete das Brautpaar und predigte darüber, wie wichtig es sei mit der, für die Hochzeit auserwählten Frau, zusammen zu bleiben und für ein stabiles und harmonisches Zusammenleben zu sorgen, statt sie gegen eine andere Frau auszutauschen und sie mit den Kindern allein zu lassen. Eine solche Verantwortungslosigkeit in Bezug auf die Ehe und die Familie gibt es hier häufiger, viele der Schülerinnen leben allein mit der Mutter, mit ihrem Vater und Stiefmutter Nummer drei oder gar bei Großeltern oder entfernten Verwandten, weil beide Eltern nach dem Ende der Ehe verschwunden sind.

Da die Hochzeit bei Francis stattfand, wurden dann einige Männer für die „Brautsuche“ unter einer Decke vorgebracht und die Brautjungfern  haben nach dem Bräutigam Ausschau gehalten. Als Francis als Letzter unter der Decke hervorkam, wurde gejubelt, getanzt und das offizielle Programm war beendet, sodass Greta und ich uns mit Freunden von Francis unterhielten und Fotos machten. Als es Essen gab, wurden wir wie besondere Ehrengäste behandelt, was uns eher unangenehm war, aber sich nicht ändern ließ, und durften mit einigen Männern separat Essen. Wir unterhielten uns mit ihnen über Sprachen und sie waren sich sehr einig darin, dass man, wenn man Deutsch beherrscht, keinerlei Probleme mehr hat. Sie entwarfen endgültig Zukunftsträume, wie sie eines Tages in Deutschland leben würden, als wir ihnen erzählten, dass der Mann bei uns keine teure Mitgift für die Zukünftige bezahlen muss.

Im Anschluss wurde dann richtig ausgelassen getanzt, worüber auch wir uns freuten, denn bei Jasper mussten wir ja schon vor dem Tanz aufbrechen. Zunächst tanzten nur die Frauen und reichten Flaschen mit Alkohol umher, während die Männer etwas abseits saßen und dort den lokalen Schnaps aus Eimern genossen. Später aber tanzten auch die Männer, wobei Frauen und Männer keineswegs zusammen tanzten und man deutlich gemerkt hat, dass viele Männer, je später es wurde, betrunkener und unangenehmer wurden. Gegen neun Uhr verließen wir das Fest, schließlich wohnen wir ja bei Schwestern und müssen auf unseren Ruf achten, was hier wirklich nicht leicht ist, da alles gleich im ganzen Dorf rumerzählt wird.

Fun Fact: In letzter Zeit haben wir viel gebacken und dementsprechend viele Eier gekauft. Dann wurde ich in der Arbeit gleich mal darauf angesprochen, dass wir so viele Eier äßen und davon dick würden und, dass wir sie bei Jasper kaufen sollten, statt vorne im Center. Ach ja, das Dorfleben ist doch wunderbar.

Palmsonntag – Beginn der Karwoche

Den Palmsonntag begannen wir mit einer fröhlichen und ausgelassenen Prozession. Ein bisschen von der Kirche entfernt, standen wir zum anfänglichen Gebet in der Sonne und schwangen unsere Palmzweige – endlich mal ein Palmsonntag mit richtigen Palmblättern statt Palmbuschen aus Palmkätzchen und Buchsbaum. Viele Kinder und auch die Schülerinnen hatten ihre Palmwedel wunderschön mit Blüten verziert und gemeinsam mit den fröhlichen Liedern des Palmsonntags kam eine tolle Atmosphäre während der Prozession auf. Ungefähr auf der Hälfte der Prozession entschied sich dann aber ein Teil der Gläubigen, schnell eine Abkürzung zu nehmen, um in der Kirche noch einen guten Sitzplatz zu bekommen, denn es war unfassbar viel los. Die Messe war lebhaft und, wie eigentlich immer hier, sehr lang. Danach gönnten wir uns ein leckeres Frühstück und einen entspannten Tag, bevor wir abends für die Priester lecker kochten.

Gründonnerstag – Fußwaschung und die Feier des letzten Abendmahls

Karfreitag – Er starb für uns am Kreuz

Nachdem Greta am Vormittag noch unterrichten musste, während ich frei hatte, – ja, auch in Uganda ist Karfreitag ein Feiertag, aber in Sister Annes Internat gibt es selten auch „unterrichtsfrei“ – machten wir uns um zwölf Uhr zum großen Kreuzweg auf. Wir gingen ca. zwei Kilometer und passierten dabei die 14 Stationen des Kreuzwegs. Bei jeder Station wurde angehalten, die passende Bibelstelle verlesen und gebetet. Anschließend trugen verschiedene Gläubige das Kreuz bis zur nächsten Station und so kamen wir gleichzeitig mit dem Gewitter in der Kirche an.

Dann begannen wir mit der Karfreitagsliturgie. Die Lesung wurde von Mitgliedern des Chors vorgetragen, leider nicht so schön und feierlich wie ich es von zu Hause gewohnt bin. Zur Kreuzverehrung kamen die Gläubigen auf Knien nach vorn an den Altar und berührten und küssten den Gekreuzigten. Am Ende wurde die am Gründonnerstag geweihte Hostie aus dem Tabernakel, dessen Platz Greta Donnerstag Vormittag mit den Sisters dekoriert hatte, geholt und verteilt. Die super Konstruktion mit Tesafilm hielt leider nicht, so dass die Tücher schon halb abfielen. Aber daran störte sich niemand.
Zum Schluss wurde dann der Altar leer geräumt und alle verließen nach und nach die Kirche.

Introduction von Brown – Von Gewohnheiten und kulturellen Unterschieden

Am Samstag waren Greta und ich dann erneut auf eine Hochzeit eingeladen. Als unser Freund Brown uns einlud, sagte er uns, dass die Besucher um elf Uhr ankommen sollten und um zwölf Uhr werde die Hochzeit beginnen. Wir verabredeten uns um zehn Uhr mit unserer Freundin Anna, um dann gemeinsam auf Brown zu warten, der uns mit einem Auto für die Feier abholen wollte. Anna war, obwohl wir eine halbe Stunde zu spät waren und uns schon Sorgen machten, noch im Garten am Arbeiten und begrüßte uns um halb zwölf mit den Worten „Ihr seid aber früh!“ Dann bekamen wir erst mal ein kleines Frühstück und sie stellte sich doch glatt in die Küche, um uns ein Mittagessen zuzubereiten. So genossen wir noch gemeinsame und schöne Stunden bei Anna, die sich nach und nach ganz gemütlich fertig machte, wir machten noch ein Mittagsschläfchen und um halb vier holte Brown uns dann auch mal mit dem Taxi ab. Kaum zu glauben, dass wir nach sieben Monaten in Alenga immer noch derartige Anfängerfehler machen, aber man wird solche deutschen Gewohnheiten, die sich neunzehn Jahre lang eingebrannt haben, einfach nicht so schnell wieder los. Wie sagt man noch gleich? „Die Europäer haben die Uhr, die Afrikaner haben die Zeit.“

Als wir auf dem Hochzeitsgelände ankamen, mit 15 Leuten (inklusive Bräutigam, auf den für den Beginn der Feier gewartet wurde) stiegen wir aus einem Wagen für neun,  ging es dann auch gleich mit viel Jubel, Tanz und Partyatmosphäre los und es begann ein schön gestaltetes Fest. Es gab einen lustigen Moderator, der besonders begeistert davon war, zwei deutsche Mädchen unter den Besuchern zu entdecken und deshalb auch alles auf Englisch übersetzte. Die Verhandlung der ältesten Männer der Familien über die Mitgift zu Beginn dauerte wieder Ewigkeiten, Brown musste für seine Verlobte drei Kühe und neun Ziegen und natürlich noch alles mögliche andere bringen. Nach einigen Reden und offiziellerem Programm, begann die lustig gestaltete Brautsuche, bei der viele Brautjungfern kamen, unter denen die Freunde des Bräutigams die wirkliche Braut zu entdecken versuchten. In einer Runde verkleideten sich drei Frauen als Alte und spielten das Ganze wirklich richtig gut, samt zitterigen Händen und verlangsamter Sprache. Als die richtige Braut, Sharon, gefunden wurde, folgte die Vorstellung des Mannes bei den Eltern der Braut und umgekehrt, wobei Browns Eltern bereits beide verstorben sind, sodass seine Tante und sein Onkel stattdessen anwesend waren.

Dann übergaben sich die beiden kleine Hochzeitsgeschenke und die Hochzeitstorte wurde unter den Gästen verteilt. Es ist hier üblich, dass mehrere kleine Kuchen gebacken werden, damit die besonderen Gästen wie z.B. der Katechist oder Kollegen, einen Kuchen mit nach Hause nehmen können.

Danach wurde es für uns schon stressig, denn um 19 Uhr begann die Osternacht (und die Gottesdienste beginnen tatsächlich immer pünktlich, auch wenn viele Gläubige grundsätzlich eine halbe Stunde zu spät kommen). Natürlich durften wir nicht gehen bevor wir gegessen hatten, auch wenn das Buffet erst um viertel vor sieben aufgebaut wurde und wir, um die Sisters nicht zu enttäuschen, wirklich gehen wollten. Also aßen wir in Rekordgeschwindigkeit um dann einen der Männer vom Essen abzuhalten, damit er uns mit dem Motorrad zur Kirche bringen konnte. Gerade rechtzeitig kamen wir an der Kirche an und entdeckten die Gläubigen draußen am Osterfeuer. Im selben Moment kamen Father Justin und die Messdiener, um die Osternacht zu beginnen.

Die Osternacht – eine Explosion der Lebensfreude

Draußen am Osterfeuer weihte Father Justin die Osterkerze und wir entzündeten unsere Osterkerzen. Wie überall auf der Welt in der Osternacht war die Stimmung unverwechselbar schön und das Wissen darüber, dass nun überall Christen versammelt waren, um die Auferstehung ihres Herrn zu feiern, war dieses Jahr, so fern von zu Hause, toll. Gemeinsam zogen wir in die Kirche ein und begannen die Messe zu feiern. Flavia, eine Freundin, sang die Psalmen der Lesung wunderschön und als später das Licht angemacht wurde und zur Gabenbereitung wieder getanzt werden durfte, explodierten die Menschen. Jubeln, Tanzen, Singen, Klatschen, Trommeln, all das nahm kein Ende mehr und es war wunderbar zu sehen mit was für einer guten Laune wir „Jesus ocer“ (Lango für „Jesus lebt“) verkündeten und verkörperten. Mitten in dieser guten Laune wurden um die 30 Kinder getauft, was zur Auferstehung Christi symbolisch passte. Als der Gottesdienst endete, war zu spüren, dass unsere Tanzlust noch nicht zu Ende war. Also ging es nach dem Auszug des Priesters weiter: Der Chor stimmte Lieder an und die Gemeinde ging auf in den Tänzen zur Auferstehung Christi. Kurz vor Mitternacht taumelten wir, noch berauscht vom Geruch des Weihrauchs und der Musik, aus der Kirche und freuten uns auf eine Dusche und unser Bett, bevor wir am Ostersonntag um acht Uhr die nächste Messe besuchten.

Ostersonntag – Bemalte Eier gibt’s auch in Uganda

Den Ostersonntag begannen wir also mit dem Gottesdienst. Diesmal wurde von Beginn an getanzt und Kinder und Frauen gaben sich besondere Mühe mit dem Gestalten der Tänze. Die feierliche Atmosphäre vom Vortag hatten wir alle noch nicht verloren und brachten damit auch diese Messe wieder zum Leben.

Dieses Mal predigte Father Stan über die Ambivalenzen der Auferstehung. Zu Beginn fragte er uns: „Ist Jesus auferstanden?“ und selbstverständlich antworteten wir alle mit „Ja, Jesus lebt!“ Um die Gemeinde etwas zu provozieren meinte er dann, dass es ja schön sei, dass wir uns damit so sicher seien, aber woher wir dass denn wissen wollen? Schließlich hätten wir ihn ja noch nie gesehen, oder? Es gäbe ja auch viele andere Menschen, die behaupten, ihr Onkel sei auferstanden. Um die Auferstehung zu verkünden reiche es  nicht, nur aus der Bibel vorzulesen und zu sagen „Ja, Jesus lebt“. Nein, wir müssen die Auferstehung (all-)täglich leben, indem wir darauf vertrauen, dass Jesus in uns lebt und wir seine Grundwerte in uns aufnehmen und in der Welt verbreiten. Jesus hatte viele gute Taten vollbracht und Wunder getan, sodass auch wir als Christen uns daran orientieren und Nächstenliebe und Zusammenhalt zeigen sollen. Denn somit ist Jesus auferstanden und lebt in uns weiter. Eine besonders schöne Predigt am Ostersonntag.

Nach einigen weiteren Tänzen im Anschluss an die Messe gingen wir heim und verbrachten den Tag mit den Mädchen in der Schule, dem Vorbereiten einer Pizza und bunt bemalter Eier für die Party mit den Sisters und Fathers am Abend, die wir sehr genossen. Auch hier merkte man die gute Laune angesichts des Osterfestes und die ausgelassene Stimmung. Am Ende versuchten wir uns sogar noch in westafrikanischen Tänzen (Stan und Justin kommen aus Togo und Benin) und tanzten beim Abspülen total satt vom leckeren Essen mit den Sisters weiter zu ugandischer Musik.

Ostermontag – Ein Tag bei Mary und Paska

Am Ostermontag hatten Greta und ich dann auch noch frei und so schliefen wir erstmal ein bisschen aus, bevor wir uns daran machten, Brownies für unsere Freundin Paska zu backen. Paska bedeutet auf Lango Ostern und sie trägt den Namen, weil sie am Ostersonntag morgens geboren ist. Jetzt feiert sie ihren Geburtstag jedes Jahr an Ostern und zur Feier des Tages brachten wir ihr den leckeren Kuchen mit. Als wir ankamen, schälten wir zunächst geschlagene drei Stunden Erdnüsse, die Mary dann röstete und mit Sesam mischte, um sie später zur Mahlmaschine für Odi (die für den Norden Ugandas typische Erdnusspaste, die wir so lieben) zu bringen. Im Anschluss daran gab es Mittagessen und wir unterhielten uns nett mit den beiden und spielten mit Kindern, Enkeln, Neffen und Nichten – bei ihnen ist immer viel los.

Ihr Lieben, das war es auch schon wieder von mir. Ich habe hier ein erlebnisreiches und wunderbares Osterfest verbracht und bin wieder um einige Erfahrungen reicher geworden. Ich freue mich aber auch darauf, dass ich das nächste Osterfest wieder gemeinsam mit meiner Familie zu Hause bei deutschem Essen, Osterlamm und Ostereiern verbringen werde, so ein bisschen fehlen die Traditionen, an die man sich mit der Zeit so sehr gewöhnt, schon.

Ich freue mich von euch zu hören und auch noch über jede weitere Spende für den Schlafsaal (Kontoadresse im Blogeintrag vorher).

An Alle, die in Deutschland im medizinischen Bereich tätig sind: Das Health Center, in dem ich arbeite, kann alles mögliche an Untersuchungsgeräten gebrauchen. Wenn also jemand unbenutzte Blutdruckgeräte, Fieberthermometer oder anderes zu Hause oder in der Praxis rumliegen hat, würde ich mich sehr freuen, wenn diese Dinge an meine Mama Conny weitergegeben werden, damit sie die dann im Mai mitbringen kann (bitte nichts kaufen, Geldspenden gerne -> Verwendungszweck: Alenga, H/C)

Ganz liebe und vor allem von der Sonne und Lebensfreunde gewärmte Grüße

Eure Francesca

 

Mein dritter Rundbrief

Hallo zusammen,

Inzwischen ist bei uns der Winter mit seinen angenehmen 25-30° C schon wieder vorbei und der Sommer naht mit großen Schritten. Das macht sich mit stetig steigenden Temperaturen sowie steigender Luftfeuchtigkeit bemerkbar. Die Sommermonate sind hauptsächlich April und Mai.

Abgesehen vom Temperaturumschwung hat sich wieder viel getan in den vergangenen Wochen:

Zwischenseminar in La Libertad

Zunächst einmal fand Ende Januar beziehungsweise Anfang Februar unser fünftägiges Zwischenseminar im Ort La Libertad auf der Insel Negros statt. Diese wird zu Visayas, der mittleren der drei großen Inselgruppen, gezählt. Zusammen mit 13 weiteren Freiwilligen, die einen Einsatz in den unterschiedlichsten Teilen der Philippinen absolvieren, verbrachten Moritz, Simon und ich das Seminar unter der Leitung von zwei Betreuern, die beide auch schon über längere Zeit auf den Philippinen gelebt und gearbeitet haben, mit verschiedenen Einheiten rund um unseren Einsatz. Nach dem Kennenlernen der gegenseitigen Einsatzstellen und dem Austausch von dort gemachten Erfahrungen, drehten sich die Einheiten vor allem um die kulturellen Unterschiede, worauf ich aber später noch genauer eingehen möchte. Zusätzlich konnten wir für unsere Arbeit mit den Kindern noch einige Anregungen und Tipps mit nach Hause nehmen. Des Weiteren stand noch ein persönliches Gespräch mit einem der Betreuer über unser Befinden an, um dieses dann unserer Organisation zurückzumelden.

Das Resort, in dem wir untergebracht waren, wird vom Ort La Libertad betrieben und ist eine Art Gemeinschaftsprojekt, das auf der Mithilfe einiger Leute aus den verschiedenen Ortsteilen und Dörfern basiert. Am Donnerstag hatten wir dann auch die Möglichkeit, den Bürgermeister, eine wirklich interessante Persönlichkeit, kennen zu lernen. Er lud uns spontan für einen Tagesausflug zu einer nicht allzu weit entfernten Sandbank ein, auf der die Gemeinde einige Häuser auf Stelzen über dem Wasser an Gäste vermietet. Dort war für Verpflegung reichlich gesorgt: neben Banana cue, Kamote (Süßkartoffeln, beides wird zunächst frittiert und danach durch darüber gegebenen und karamellisierenden Zucker gesüßt), frischer Buko und Bier ergab sich für uns die Möglichkeit, frische Seeigel und Austern zu probieren. Auf der Sandbank bot sich neben dem Schwimmen außerdem eine gute Gelegenheit, um zu Schnorcheln. Dort konnten wir neben Fischen und Seeigeln auch Seesterne finden. Abgerundet wurde unser Tag zurück im Resort dann mit einer Einladung zu Lechon, ein Spanferkel, das der Bürgermeister extra für uns zubereiten ließ, und danach zum Karaoke, welches bei den Filipinos überaus beliebt ist.

Auftritt im Music Museum

Des Weiteren fanden unsere Theaterproben ihren Höhepunkt in der Aufführung im Music Museum. Nach einer Critic ́s Night und einem Auftritt in Cavite, einem Konvent der Salvatorianer in Tagaytay City, sowie weiteren etlichen Proben ging dann am 24. Februar unsere Hauptaufführung im wahrsten Sinne des Wortes über die Bühne. Wir trafen uns bereits am frühen Morgen zum Schminken und zum Kostüme anprobieren, am Nachmittag standen dann ein Durchlauf mit Kopfbügelmikrofonen und allem Drum und Dran auf dem Spiel, bevor ab 19 Uhr die Zuschauer den Saal betraten. Darunter befand sich ein ganz besonderer Gast, nämlich eine Dame, die schon bereits zweimal als „National Artist“ für Theater nominiert wurde. Gegen 20 Uhr begann dann die Aufführung, welche zu unserer vollen Zufriedenheit verlief. Angesichts der Zahl an verkauften Tickets ist davon auszugehen, dass auch der eigentliche Zweck, Spenden für die Organisation zu generieren, erfüllt ist.

Program evaluation in Nasugbu

Vergangene Woche reisten dann das gesamte Personal aus beiden Centern unter der Leitung von Sister Frances und Sister Mila nach Nasugbu zur „Program Evaluation“. Nach der Ankunft am Dienstag in einem sehr schönen und großen Wochenendhaus, das uns eine mit den Salvatorianern befreundete Familie zur Verfügung stellte, drehte es sich die darauffolgenden Tage um die einzelnen Programme von Puso sa Puso: Welche Ziele aus vorangegangenen Plänen wurden erreicht? Welche Neuerungen oder Veränderungen gab es? Wie sieht es mit Plänen für die Zukunft aus? Dabei wurde natürlich auch unser Programm, das „Basic Home Base Tutorial Programm“ unter dem Namen „Eskwelahan ng Buhay“, unter die Lupe genommen und wir konnten unsere Sicht auf die Dinge teilen. Zudem machten wir uns über „non measurable benefits“ Gedanken, also welche Vorteile die Teilnehmer der verschiedenen Programme von Puso sa Puso haben, die nicht beziffert und gemessen werden können.

Zwischen unseren Meetings blieb natürlich immer wieder Freiraum fürs Kochen und gemeinsame Essen, Entspannen oder am Strand oder im Pool schwimmen gehen. Am Donnerstagnachmittag machten wir uns dann wieder auf den Rückweg. Dieser führte uns über den Konvent der Salvatorianer in Cavite, in dem wir eingeladen waren, eine Nacht zu verbringen. Es war schön, mit den dortigen Patern und Schülern ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen. Am nächsten Morgen traten wir dann den letzten Teil unserer Rückreise an, der uns über einige schöne Aussichtsplätze und Attraktionen, wie zum Beispiel den People‘s park in the sky oder Sonya‘s Garden führten, bei denen wir dann jeweils einen kleinen Stopp einlegten. Eine ganz wichtige Station, die bei den Filipinos auf keiner Reise fehlen darf, war dann auch noch das „Pasalubong-Center“. Als „Pasalubong“ bezeichnet man ein Mitbringsel von seiner Reise für Freunde und Familie zuhause. Dies kann von lokalen Essensspezialitäten bis hin zu Schlüsselanhängern alles Mögliche sein.

Abgesehen von diesen außerplanmäßigen Aktivitäten nahm natürlich der Unterricht mit den Kindern ganz normal seinen Lauf. Diese machen weiterhin Schritt für Schritt ihre Fortschritte. Mit dem Alphabet sind wir schon ein ganzes Stück weiter. Ich versuche natürlich während meinen Stunden die bisherigen Inhalte immer wieder zu wiederholen. Auch in anderen Bereichen merke ich deutliche Veränderungen, beispielsweise ihr Verhalten gegenüber den anderen Schülern.

Zu erwähnen ist außerdem noch Lorenz, ein Besucher aus München, der drei Wochen hier auf den Philippinen weilte, um sich Puso sa Puso genauer anzuschauen. Zwei Wochen verbrachte er jetzt hier mit uns in Manila, bevor es für ihn für die Karwoche nach Cavite weiterging.

Kulturelle Unterschiede

Wie angesprochen behandelt dieser Rundbrief die kulturellen Unterschiede, über die wir uns bei unserem Zwischenseminar ausgetauscht haben. Was man sich da zunächst einmal bewusst machen muss, ist die Existenz der anderen Kultur und die damit verbundenen unterschiedlich geprägten Ansichten. Eine unserer Einheiten, die das wunderbar darstellte, lief folgendermaßen ab: Zwei telefonierende Freunde sollen sich anhand einer Karte einen Weg durch eine Stadt bahnen. Allerdings hat Freund A eine Karte mit Beschriftungen, Freund B eine Karte ohne Beschriftungen. Der Clou an der Geschichte war, dass die Karten spiegelverkehrt waren, sprich ein Gesprächspartner redet die ganze Zeit von etwas, was für den anderen nicht klar ersichtlich ist, weil es sich für ihn auf der anderen Seite der Karte befindet. Solange man das nicht realisiert hat, führt das zu sehr viel Verzweiflung und Aufregung und man beginnt, alles Mögliche, auch sich selbst, zu hinterfragen. Wenn man allerdings realisiert hat, was der Unterschied zwischen beiden Karten ist, lässt sich die Aufgabe recht schnell lösen. Im übertragenen Sinne bedeutet das also, dass man sich zunächst einmal darüber im Klaren sein muss, dass die Kultur vor Ort Unterschiede zur eigenen aufweist und man nicht von den gleichen Gegebenheiten ausgehen kann. Hat man dies erst einmal verstanden, so kann ein guter Austausch erfolgen. Wichtig ist allerdings, so unsere Betreuer, seine eigene Kultur nicht komplett für die andere aufzugeben, da so kein Austausch entstehen könne.

Ein prägender kultureller Unterschied ist zunächst einmal das Zeitgefühl: Wir, die Deutschen, getaktet wie ein Uhrwerk und stets um genaueste Pünktlichkeit bemüht, gegenüber den Filipinos mit ihrer „Philipino time“, welche bedeutet, dass der Treffpunkt nicht auf eine präzise Minute beschränkt ist, sondern diese Minute und außerdem noch weitere eineinhalb Stunden umfasst. Das sind jetzt natürlich nur übertriebene Stereotypen, es gibt selbstverständlich auch hier sehr pünktliche Leute und auch Deutsche wie mich, die bei Weitem nicht zu den Pünktlichsten gehören. Dennoch ist dieser Unterschied hier nicht zu vernachlässigen, gerade bei der Planung gewisser Events. Verstärkt wird dieser Faktor hier in Manila vermutlich noch durch die Verkehrssituation.

Einen weiteren Unterschied stellt der Umgang mit Konfliktsituationen dar: während sich die Deutschen ihren offenen Umgang und das direkte Ansprechen von Problemen und Differenzen geloben, halten die Filipinos sich eher an die indirekte Kommunikation. Ein Problem (oder auch Kritik) wird über eine andere Person mitgeteilt, die im Prinzip als Mittelsmann fungiert.

Des Weiteren nimmt bei Filipinos die Familie einen anderen Stellenwert ein, als wir es hier in Deutschland schon vielerorts gewohnt sind. Die Familie ist der zentrale Dreh- und Angelpunkt im Leben. Die Familie umfasst allerdings nicht nur die Geschwister, Eltern und Großeltern sondern alles bis hin zur Großtante und Großcousine.

Wie ich schon selbst erfahren habe, können derartige Unterschiede leicht zu Verwirrung oder Missverständnissen führen, helfen aber nichtsdestotrotz, die Kultur besser zu verstehen.

Für uns steht in der kommenden Karwoche jetzt auch erst einmal nichts mehr Schultechnisches auf dem Plan. Daher sind Simon und ich am Sonntagabend mit Peter losgezogen und haben uns auf eine weitere Reise begeben, von der ich dann in meinem nächsten Blogeintrag berichten kann. Ich hoffe, Ihr konntet schöne und erholsame Kar- und Ostertage mit euren Familien verbringen!

Viele Grüße aus Manila

Jakob

Erste Fortschritte sind sichtbar

Liebe Leserinnen und Leser,

zu Beginn dieses Artikels möchte ich mich erst einmal bei den zahlreichen Spendern bedanken, die das Projekt in Alenga bereits unterstützt haben!

Ich habe mich über die vielen Reaktionen auf meinen Zeitungsartikel und die Rundmail gefreut und am Ende ist tatsächlich so viel zusammengekommen, dass wir nun nicht nur die beiden kleinen Jungen, Timothy und Oscar, zu einer privaten Schule schicken konnten, sondern auch Paten für neun der Schülerinnen, die ich unterrichte, gefunden haben. Diese Patenschaften sind etwas ganz Besonderes und nehmen den Mädchen einige Sorgen, so dass sie sich in der Schule hoffentlich freier fühlen und ganz auf das Lernen konzentrieren können.

Eine Baustelle auf dem Schulgelände

Außerdem haben wir ausreichend Spenden bekommen, um mit dem Bau des Schlafsaals starten zu können. Direkt nach unserem Urlaub haben wir gemeinsam mit unserem Mentor, Father Stan, ein Gespräch mit dem Architekten geführt und alles in die Wege geleitet.

Inzwischen lassen sich die Baufortschritte wirklich sehen, so dass ich beschlossen habe, euch ein kleines Zwischenupdate zu geben:

Tatsächlich fehlt uns aber immer noch Geld für den Bau des Schlafsaals. Wir haben uns von vornherein für die etwas teurere Option entschieden, die eine Isolation des Gebäudes beinhaltet. Der jetzige Schlafraum hat keine ausreichenden Lüftungsmöglichkeiten und wenn knapp 60 Mädchen dort schlafen, kann man sich vorstellen, dass es wirklich unangenehm ist. Gerade in der Trockenzeit, die jetzt hinter uns liegt, bleibt es auch nachts so heiß, dass man im Sitzen anfängt zu schwitzen. Nun hat die Regenzeit begonnen, was nicht nur eine angenehme Auswirkung auf die Temperaturen zeigt, sondern auch die Natur ist endlich wieder grün und die Landwirtschaft kann beginnen.

Nun vom Wetterbericht wieder zurück zum Thema: Wir brauchen noch Spendengelder, zum einen, um die Isolation finanzieren zu können und zum anderen für die Innenausstattung des Saals: Stockbetten, Moskitonetze (momentan schlafen ca. die Hälfte der Mädchen ohne Netz) und andere kleine Anschaffungen.
Ich würde mich also sehr freuen, wenn unter meinen Leserinnen und Lesern noch jemand Lust hat zu spenden! Gerne darf das Projekt auch in Freundes-, Familien- oder Nachbarschaftskreise getragen werden.

Comboni-Missionare KöR, 73479 Ellwangen

IBAN: DE66 6145 0050 0110 6170 15

BIC: OASPDE6AXXX

Verwendungszweck: MaZ Margareta Berges (628) Alenga, Uganda

Bei Fragen oder Anregungen meldet euch einfach bei mir unter greta.berges[@]gmx.de.

Ich wurde nun schon häufig gefragt, ob das Geld denn wirklich bei mir ankommt etc.: Die Spende wird von der Missionsprokura in Deutschland vollständig und ohne Abzug nach Uganda überwiesen. Die Prokura der Comboni-Missionare in Uganda behält dann ca. 5% der Spende für sich als Bearbeitungsgebühr und um Arbeitskräfte zu bezahlen. Daraus folgt, dass 95% der Spende hier bei mir ankommen und direkt in den Schlafsaal fließen. Der Bau wird durch eine einheimische Firma aus unserem Nachbardorf Ibuje geleitet und organisiert, alle Arbeitskräfte stammen aus Alenga und Umgebung.

Noch kurz zu mir und zur Schule

Abgesehen vom äußerst professionellen Betrachten der Baustelle, was sich dank meiner Unkenntnis eher darauf beläuft oberkörperfreien Männern ein freundliches „Apwoyo tic“ (Danke für Ihre Arbeit) zuzurufen – keine Sorge, Father Stan kennt sich besser aus und hat ein Auge auf die Baustelle geworfen – geht es mir hier in Alenga nach wie vor richtig gut!
In der Schule stehen diese Woche schon die „Mid Term Exams“ an, was mir mal wieder gezeigt hat, dass die Zeit viel zu schnell vergeht. Klausur stellen und korrigieren, das macht mir am wenigsten Spaß an meiner Arbeit. Ja, dieses Jahr hilft mir tatsächlich auch Empathie für meine ehemaligen Lehrer zu entwickeln. Etwas spät zwar, aber für die Universität reicht es ja noch. 🙂

Ansonsten verbringe ich gerne Zeit in der Schule, egal, ob mit den Mädchen während des Unterrichts und in ihrer Freizeit, mit den Lehrern in den Pausen oder an der Nähmaschine. Als Freiwillige stehe ich etwas zwischen den Stühlen – schließlich bin ich kaum älter als die meisten Mädels und habe selbst gerade erst die Schule beendet, aber auf der anderen Seite stehe ich vormittags als Autoritätsperson vor der Klasse, ermahne störende Schülerinnen und vergebe Noten. Das ist nicht immer ganz leicht, aber ich habe mich gut eingefunden, versuche den Mittelweg zu finden und wurde von Sister Anne „senior woman teacher“ getauft, was das ganz genau bedeutet, habe ich aber noch nicht rausgefunden.

Am Sonntag, den 4. März, haben wir eine Einführungsparty für die neuen Erstklässler, die seit Februar bei uns sind, gefeiert. Es war ein schönes Fest mit kurzen Reden, viel Tanz, Musik und leckerem Essen, das wir zuvor alle gemeinsam gekocht hatten. Ich habe den Tag mit den Mädchen sehr genossen. Besonders lustig war es, als sie Fotos auf meinem Handy angeschaut haben und mich in Hot Pans und Top irgendwo in Berlin gesehen haben. Danach haben sie mich detailliert zum deutschen Kleidungsstil ausgefragt und ich musste viel lachen. Inzwischen habe ich mich schon so an meine knielangen Röcke gewöhnt, dass selbst ich kurz aufschrecke, wenn ich ein Foto von mir in Hot Pans sehe. Penina, ein besonders aufgewecktes Mädchen, hat mich direkt mal gefragt, ob sie meine Hot Pans haben könne. Sie würde dann nach Entebbe an den Strand fahren und sie dort tragen.

Ihr Lieben, vielen Dank für euer Interesse, eure Unterstützung und alle lieben Nachrichten, die ich hier empfange.

Ganz liebe Grüße aus dem wunderschönen Alenga,

eure Greta

Sicherheit (#4)

Hallo zusammen,

Inzwischen schreiben wir schon das Jahr 2018 und, wie sollte es anders sein, es hat sich schon wieder so einiges ereignet.

Nachdem wir unseren Marathon an Weihnachtsfeiern erfolgreich absolviert hatten, hatten wir die Woche vor Weihnachten ab dem 20. Dezember bis hin zum 2. Januar frei. Heilig Abend und den ersten Weihnachtsfeiertag haben wir noch in New Manila verbracht. Am 24. Dezember abends haben wir nach der Kirche zusammen Kässpätzle gekocht und deutsches Bier getrunken. Anschließend haben wir noch eine kleine Bescherung gehabt und den Abend gemeinsam mit einem Freund, der noch zu einem kurzen Besuch vorbeikam, ausklingen lassen. Am 25. Dezember bereiteten wir uns am Vormittag ein paar schöne Schnitzel mit Kartoffelsalat zu. Die Schnitzel waren sehr lecker, der Kartoffelsalat in Ordnung, aber auch noch ausbaufähig. Wir haben dann eben doch nicht so viel Erfahrung wie unsere Mamas und Omas… Den Abend des 25. Dezembers haben wir dann noch mit einer kräftigen Brotzeit abgeschlossen, die wir dank einiger Wurst, die ich aus dem Ries noch hatte und welche zu viel für die Gastgeschenke war, in vollen Zügen genießen konnten. Mit von der Partie war unser Freund Peter, mit dem wir uns noch am selben Abend auf die Reise begaben.

Alles in Allem hatte ich mir Weihnachten ohne meine Familie viel schlimmer vorgestellt, aber mit Moritz und Simon habe ich doch ein ganz schönes Fest gehabt. Vielleicht liegt das auch daran, das es einige Dinge gab, welche an die bisherigen Weihnachtsfeste erinnert haben: wie jedes Jahr habe ich wieder viel zu viel gegessen und war nach jedem Mahl einfach nur babbsatt, das Essen und das Bier waren deutsch, was vielleicht noch viel mehr an Weihnachten zu Hause erinnert hat.

Wie bereits gesagt zogen wir noch direkt am Abend des 25. Dezembers los und kamen noch vor dem Morgengrauen des 26. Dezembers in Alaminos in der Nähe von den Hundred Islands in der Provinz Pangasinan an. Wir verbrachten die Tage dort gemeinsam mit Jan, einem deutschen Freund von Peter, bei Peters Tante. Wir sind in der gemeinsamen Zeit dort immer zusammen auf dem Markt zum Einkaufen gegangen und haben viel zusammen gekocht. Für einen Tag sind wir in der Nähe zu einem sehr idyllischen und wahnsinnig schönen Wasserfall gefahren. Das Wasser dort hat mich wegen der Farbe ganz stark an die Plitvicer Seen erinnert, auch die Umgebung war etwas ähnlich. Wir konnten dort baden und einige Zeit an diesem schönen Ort verweilen, bevor es wieder zurück nach Alaminos ging.

Am nächsten Morgen machten wir uns schon sehr früh daran, zu kochen und das Essen einzupacken, denn es sollte schon bald losgehen in den Hafen und von dort weiter zum Islandhopping bei den Hundred Islands. Die Hundred Islands sind ein großer Nationalpark und umfassen ein riesiges Areal von vielen vielen Inseln in unterschiedlichster Form und Ausprägung. Einige der Inseln sind noch so gut wie unberührt, wohingegen andere schon einige Häuser und Dinge wie eine Seilbahn haben, welches den Touristen dient. Mit unserem Bootsmann, der uns über den Tag begleitete und von Insel zu Insel brachte, haben wir auch zunächst zwei Inseln dieser Art besucht, welche wirklich sehr schön, aber von sehr vielen Leuten frequentiert waren. Auf einer konnten wir auf einen kleinen Berg laufen, von welchem sich uns ein wirklich guter Blick auf die wahnsinnig schöne Umgebung bot. Auf einer der Inseln, welche wir bei unserer Fahrt passierten, stand eine riesige Jesus-Statue aus Stein, ähnlich wie die in Rio de Janeiro. Andere Inseln, so erklärte uns Peter, werden aufgrund ihrer Gestalt von den Leuten mit Tieren wie beispielsweise einer Schildkröte verglichen. Die letzte Insel, die wir aufsuchten, war fernab von den vielen Leuten und wir hatten sie fast komplett für uns allein, so war es auch mit Abstand die beste von allen. Das Wasser dort war wahnsinnig klar und der Strand sehr schön. Auf der einen Seite der Insel waren hohe, bewachsene Felsen, auf denen man ein wenig herum klettern konnte. In der Mitte hatte sich das Wasser einen Weg durch die Felsen gebahnt und lief zu einem flachen, etwas größeren Teich in der Mitte zusammen. Die komplette Insel war von sehr flachem Wasser umgeben, was zum Schnorcheln fast schon wieder zu flach, aber nicht weniger schön war. Wir konnten wieder eine tolle Unterwasserwelt sehen und einige schöne Fische bewundern. Simon konnte außerdem schmerzhafte Bekanntschaft mit einem Seeigel machen, eine dauerhafte Freundschaft wurde daraus aber nicht.

Wir haben dort dann den kompletten restlichen Tag mit Essen, Trinken, Klettern, Schnorcheln und Nichtstun verbracht, bis wir uns dann gegen 17:00 Uhr wieder auf den Rückweg machten. Theoretisch hätten wir auch auf einer der Inseln übernachten können, allerdings darf man dann kein Lagerfeuer machen und außerdem zog es Jan am nächsten Tag in aller Früh schon weiter in die Berge, weshalb wir uns dann doch dagegen entschieden. Im Nachhinein dann vielleicht doch ganz gut, denn von Teacher Althea aus dem Konvent in Loyola erfuhr ich einige Zeit später, dass die Inseln des Nachts ganz gerne von Ratten aufgesucht werden.

Von Alaminos ging es am nächsten Tag auch schon wieder weiter nach La Union. Die ca. 130 Kilometer zogen sich in verschiedenen Bussen ganze sieben Stunden, was etwas nervig war. Wir kamen dann gegen 16:30 in der kleinen Ferienwohnung in La Union, genauer gesagt San Juan, an. In dieser Wohnung hatten wir eine kleine Terrasse mit Blick auf das Meer, was wirklich wunderbar war. La Union ist besonders bei Surfern beliebt, da die Gegend bekannt ist für gute Wellen.

Wir machten uns nach unserer Ankunft erst mal auf nach San Fernando, die nächstgrößere Stadt, um dort einzukaufen. Da die Jeepneys alle voll besetzt waren, fuhren wir per Anhalter auf der Ladefläche eines kleinen Trucks mit. Nach dem Einkauf und dem anschließenden Abendessen ließen wir den Abend und die Nacht noch in einer Bar am Strand ausklingen. Im Laufe der nächsten Tage kamen noch weitere Freunde aus Manila, die zum Teil das neue Jahr mit uns in La Union am Strand verbrachten.

Den nächsten Tag verbrachten wir am Strand und dort konnten wir uns auch erstmals am Surfen probieren. Wie so viele Dinge auf der Welt ist das eine Sache, die viel einfacher und lässiger aussieht, als es wirklich ist. Das beginnt schon damit, die richtige Welle und dann auch noch das richtige Timing zu finden. Alles nicht so einfach, aber ich möchte da auf jeden Fall dran bleiben, wenn es geht.

Am Silvesterabend machten wir uns nach dem gemeinsamen Essen wieder auf an den Strand in die Bar und verbrachten dann die ersten Sekunden des neuen Jahres im Wasser, von wo aus wir ein schönes Feuerwerk bewundern konnten. Nach Mitternacht wurden dann am Strand einige Lagerfeuer angezündet, um die sich viele Menschen versammelten. Der Start ins neue Jahr war dieses Jahr ein ganzes Stück anders, als ich es sonst so gewohnt war, am Strand aber auch wirklich cool.

Am Abend des 1. Januars haben wir uns dann auch schon wieder auf den Rückweg gemacht, was recht flott ging und nach fünf Stunden Fahrt waren wir dann schon wieder in Manila.

Für uns und unsere Kids ging es am 3. Januar dann schon wieder mit dem Unterricht los. Ich habe jetzt angefangen, mit meinen Schülern die ersten Buchstaben des ABCs zu schreiben, was eigentlich schon ganz gut klappt. Auch wenn die Stunden manchmal doch sehr durchwachsen waren, denke ich, dass die Kinder schon einige Fortschritte gemacht haben.

Des Weiteren steht unser Theaterstück „A Midsummernight‘s Dream“ kurz vor seiner Premiere. Um für die letzten Details noch einmal einen Blick von Außenstehenden zu bekommen, wurde vergangenes Wochenende zur sogenannten „Critics night“ ins Konvent geladen. Es kam beispielsweise die Frau, die das Stück adaptiert hat, einige Mitarbeiter von Puso sa Puso und Mitglieder der Salvatorianer sowie einige externe Gäste. Unter der Woche hatten schon 15 Schüler aus Payatas die Möglichkeit, an einem Praktikum teilzunehmen, dass ihnen einen Einblick in die Erstellung von Bühnenbild und Requisiten sowie den Ablauf hinter den Kulissen des Stücks gab, bei dem dann in diesem Zuge die benötigten Dinge für unser Stück hergestellt beziehungsweise die Abläufe geübt wurden.

Diesen Freitag fand dann im Konvent in Loyola noch das „feast of languages“ (zu Deutsch: Fest der Sprachen) statt. Hierbei wurden die Länder Dänemark, Indonesien, Sri Lanka, East Timor, Kenia sowie die Philippinen genauer unter die Lupe genommen, was jene Länder und ihre Sprache(n) anbelangt. Die Vorträge wurden von Teacher Althea, welcher sieben Jahre in Dänemark gelebt hat, salvatorianischen Priestern aus Kenia sowie den Englisch-Schülern in Loyola, die aus genannten Ländern in Südostasien stammen, vorbereitet. Auch wir wurden eingeladen und konnten einen Einblick zu Deutschland und seiner Sprache geben.

Was in der Reihe über den Alltag in Manila auch nicht fehlen darf und was einen immensen Unterschied zu Deutschland darstellt, ist der Aspekt der Sicherheit. Hier in Manila steht vor jeder Bank, jedem Supermarkt, jeder Mall, jeder Bahnstation und vielen anderen Geschäften eine Sicherheitsbeamte oder ein Sicherheitsbeamter, der die Leute kontrolliert. Dafür werden meist die Hüften und der Bauch ein wenig abgetastet, wenn man einen Rucksack oder eine Tasche dabei hat, muss man diese öffnen, damit die BeamtInnen den Inhalt mit einem Stock etwas durchgehen können. Bei den Kontrollen vor dem Zug, dem LRT, mussten wir auch schon Geschenke, die wir eingepackt für die Weihnachtsfeier dabei hatten, auspacken und konnten diese dann nach der Kontrolle wieder dort einpacken. Die Sicherheitskräfte sind mindestens mit einem Knüppel, in der Regel aber mit einer Pistole wenn nicht sogar in einigen Fällen mit schwererem Geschütz wie einem Maschinengewehr oder einer Pumpgun bewaffnet. Wie viel Sinn die Kontrollen durch dieses Personal wirklich ergeben, ist die Frage. Allerdings kann man auf jeden Fall festhalten, dass der Sicherheitssektor einen nicht unbedeutenden Wirtschaftsteil darstellt. Dies manifestiert sich auch in den sogenannten Gated communities. Das sind Siedlungen, die Tag und Nacht von Sicherheitspersonal überwacht werden und in denen gerade die reichere Bevölkerungsschicht lebt.

Des Weiteren sieht man auch im Straßenverkehr häufig gepanzerte Fahrzeuge, die Geld für Geschäfte und Banken von A nach B transportieren. Hin und wieder habe ich auch schon Fahrzeuge der Armee in der Stadt herumfahren sehen.

Generell gewöhnt man sich an dieses Bild eigentlich doch recht schnell. In Deutschland habe ich mich eigentlich eher immer unsicherer gefühlt, wenn beispielsweise bewaffnete Polizisten an einem größeren Bahnhof gesehen habe, weil ich mir gedacht habe: Ei, da muss doch was im Busch sein, die laufen doch hier nicht einfach so umher. Hier ist es inzwischen völlig normal und ich fühle mich nicht wirklich unsicherer deswegen, was ich mich in den Gegenden, in denen ich mich hier in der Metro Manila bewege, eigentlich sowieso nie tue.

Für Moritz, Simon und mich geht es jetzt dann erst mal zum Zwischenseminar auf die Insel Negros in die Nähe der Stadt Dumaguete City.

Viele Grüße aus Manila

Jakob

Mein zweiter Rundbrief

Hallo zusammen,

Mit meinem nächsten Rundbrief zu Weihnachten möchte ich zunächst einmal allen ein Frohes gesegnetes Weihnachtsfest und eine schöne, erholsame Zeit mit der Familie sowie einen guten Rutsch in das kommende Jahr wünschen.

Ich werde die Weihnachtsfeiertage dieses Jahr erstmals nicht zusammen mit meiner Familie verbringen können, was sehr schade ist, aber mit meinen beiden Mit-Freiwilligen wird das mit Sicherheit auch ganz schön.

In den letzten Tagen und Wochen war hier in Manila mächtig was los. Neben einigen weiteren Theaterproben für „A Midsummernight‘s Dream“ von William Shakespeare und dem normalen Unterricht standen etliche Weihnachtsfeiern an. Die erste war mit der jährlich stattfindenden Charity Christmasparty von Puso sa Puso auch zugleich die größte: über 300 Helfer fanden sich am 2. Dezember in der Turnhalle eines Universitätsgeländes zusammen, um mehr als 1000 Kindern aus Pfarreien aus verschiedenen Gegenden in Manila ein paar schöne Stunden zu bereiten. Nachdem die Kinder und ihre begleitenden Freiwilligen das Organisatorische vor dem Eingang geregelt haben, durchliefen sie zehn verschiedene Stationen, an denen sie Spiele spielen und Preise gewinnen oder etwas zu essen sowie Geschenke erhalten konnten. Ich war an der Station, an der jedes Kind einen Luftballon bekam, und habe daher mit einigen anderen Helfern im Laufe des Vormittags der Anzahl der Kinder entsprechend mehr als 1000 Luftballons aufgepumpt und verknotet. Im weiteren Verlauf wurde gegessen und einige Geschenke verlost, gefolgt von der Vorführung eines Artisten und der abschließenden Scienceshow, bei der es verschiedene naturwissenschaftliche Experimente für die Kinder zu bestaunen und auch zum Mitmachen gab. Am Ende war es für die Kinder denke ich eine wirklich gute Veranstaltung und auch für uns als Helfer war es schön mitzuwirken, auch wenn der Anblick von 1000 Kindern auf einem Haufen nicht wirklich alltäglich ist.

Am 13. Dezember folgte dann die Weihnachtsfeier und damit auch der Abschluss des Unterrichtsjahres für die Kinder, die Moritz und ich unterrichten. Dafür haben wir auf dem Platz vor der Sagrada Familia Chapel sieben verschiedene Stationen mit Spielen wie Eierlauf, Dosenwerfen und Reise nach Jerusalem aufgebaut. Damit das Ganze auch einigermaßen zivilisiert ablaufen kann, haben die Kinder am Eingang gleich Bändchen bekommen, welche sie einer bestimmten Gruppe und einem verantwortlichen Helfer zuweist. Mit diesem Helfer konnten die Gruppen dann die Stationen der Reihe nach durchgehen, nachdem die Veranstaltung mit einem Gebet und einigen Sätzen zu Beginn eröffnet wurde. Nach den verschiedenen Stationen konnten die Kinder sich dann mit Spaghetti, hier auf den Philippinen in der Regel süß, Hühnchen und Saft sowie kleinen Snacks stärken. An solch einer Feier für die Kinder dürfen natürlich auch Geschenke nicht fehlen, die von einem Weihnachtsmann gebracht wurden, der Simon verblüffend ähnlich sah. Die Geschenksäckchen enthielten neben Spielzeug, Süßigkeiten und Flipflops auch einige Stifte und Blöcke. Mit der Bescherung war dann auch für die Kinder das Ende der Veranstaltung gekommen, bei der sie, so mein Eindruck, eine Menge Spaß und Freude haben konnten. Sie haben sich auf dieses Event auch schon eine ganze Weile gefreut und dafür auch echt rausgeputzt und sich schick gemacht, da war ich total überrascht.

Ein Fest für Menschen, die auf der Straße leben

Unserer eigene Weihnachtsfeier folgte dann die Weinachtsfeier von Simon und weiteren Freiwilligen aus Parola, die nach einem ähnlichen Prinzip am Samstag stattfand.

Am Donnerstag war in Parola dann eine Weihnachtsfeier für Menschen, die, so wie ich es verstanden habe, alle auf der Straße leben. Für diese 30 Familien hat das Team aus Parola ein Programm vorbereitet, das nach einigen Spielen und Vorführungen mit Essen sowie Geschenk- beziehungsweise Versorgungspaketen für alle abgerundet wurde. Im Anschluss daran hatten die Lehrer aus Parola dann noch mit ihren Schülern einen kleinen Jahresabschluss.

Ähnlich wie am Donnerstag wurden auch am darauffolgenden Tag in Payatas verschiedene Hilfspakete an Befürftige verteilt, was von den Schülern aus dem Center übernommen wurde. Für diese fand am Nachmittag dann wiederum ihre Weihnachtsfeier vor der Sagrada Family Chapel statt. Das Programm bestand wiederum aus Spielen, Essen und Musik, da sich unter den Schülern eine eigene Band zusammengefunden hat. Hier ist es bei solchen Feiern typisch, dass die Teilnehmer eine Darbietung geben, weshalb wir sowohl einige Tänze als auch Lieder zu sehen und hören bekamen, die die Schüler vorbereitet haben.

Weihnachtsfeier mit deutschen Liedern

Für die Mitarbeiter von Puso sa Puso war dann am darauffolgenden Montag die Weihnachtsfeier im Konvent bei Father Artur. Nach einem Gottesdienst in der Hauskapelle und anschließendem Essen fanden sich alle zusammen, um sich die gegenseitigen Darbietungen anzusehen. Auch wir kamen um diesen Spaß nicht herum und trällerten daher mit unseren engelsgleichen Stimmen zwei deutsche Weihnachtslieder. Um dem Ganzen etwas mehr Volumen zu verleihen, haben wir einige der Anwesenden dazu geholt und dazu gebracht, unsere deutschen Lieder mitzusingen, was dann so eine ganz lustige Sache war. Im Anschluss daran wurde noch gewichtelt, sprich, jeder hat ein Geschenk vorbereitet, das dann an einen anderen verlost wurde.

Weihnachtsfeier in Parola

Den endgültigen Abschluss dieses Marathons an Feiern bildete dann am Mittwoch eine Weihnachtsfeier in Parola, die von einem Priester für Kinder zwischen acht und zwölf Jahren ausgerichtet wurde. Hierfür mussten wir lediglich 100 Kinder organisieren und zur Veranstaltungshalle bringen. Deshalb haben wir uns, zusammen mit den Praktikantinnen, in die Gates aufgemacht, um die Kinder zusammen zu sammeln. Im Center in Parola helfen für einige Monate zehn Studentinnen von der Uni mit, sie begleiten Simon zum Beispiel im Unterricht oder wirken bei Veranstaltungen wie den Weihnachtsfeiern mit. In dem Gate, in dem Simon arbeitet, waren Moritz und ich bisher noch nie und es unterscheidet sich doch ein wenig von dem, was ich aus Payatas kenne, alles ist etwas enger und dunkler, die Leute aber auch hier allesamt sehr nett und hilfsbereit.

Nachdem wir unsere über 30 Kinder aus diesem Gate beisammen hatten, haben wir vier Tricycles organisiert, die die Kinder zum Veranstaltungsort bringen sollten. Das war dann etwas abenteuerlich, denn pro Tricycle mussten circa acht Kinder Platz finden, der Fahrer saß daher fast schon auf der Lenkstange und wir Freiwilligen konnten uns nur außen an die Kabine stellen. Am Ende lief aber dann doch alles gut und alle Kinder konnten nach der Veranstaltung mit Essen und Geschenken wieder wohlbehalten am Gate abgeliefert werden.

Rückblick auf fünf Monate auf den Philippinen

Inzwischen sind es nun schon fast fünf Monate, die vergangen sind und daher möchte ich an diesem Punkt eine kurze Reflexion über meinen bisherigen Aufenthalt anbringen.

Was ich auf jeden Fall sagen kann, ist, dass ich schon eine ganze Menge Erfahrung sammeln konnte und einiges erlebt habe. Für mich gab es hier viele Dinge, die neu waren und an die ich mich erst einmal gewöhnen musst. Nicht nur die fremde Kultur, die neue und schier nicht enden wollende Metropole und ein neues Land, sondern auch getrennt zu sein von Familie und Freunden, die ich in so manchem Moment doch schmerzlich vermisse. Hinzu kommt, nicht mehr zuhause bei den Eltern zu wohnen, sondern in einer WG. Das beinhaltet natürlich auch, sich selbst um Essen, Einkaufen, Wäsche (was hier zum Glück sehr einfach geht), Wohnung putzen und noch vieles mehr zu kümmern, was mich so bisher nur zum Teil betraf. Andere Dinge, bei denen man sich umgewöhnen muss, sind zum Beispiel der viele Reis und das man beispielsweise kein Wasser aus der Leitung trinken darf. Das war allerdings etwas, an das man sich recht schnell gewöhnt hat.

Weiter ist natürlich die Umgebung, in der ich jetzt lebe, eine völlig andere und der Alltag hat sich sehr verändert. Man lernt hier viel über die Kultur der Menschen vor Ort und im Umkehrschluss auch über seine eigene. Man merkt, wie organisiert und geplant vieles in Deutschland im Gegensatz zu den Philippinen abläuft. Dennoch funktioniert es hier, nervt aber zum Teil auch stark, wenn man etwas organisieren möchte. Eine weitere Sache, die man hier lernt, ist definitiv zu warten, egal ob im Jeepney im Verkehrschaos, auf die Kinder im Unterricht, auf den Bus, bis er endlich mit Passagieren voll ist und losfahren kann und noch vieles mehr.

Der nächste Schritt war dann die Arbeit im Slum, der eine Umgebung darstellt, die man so aus Deutschland überhaupt nicht gewohnt ist und mit der ich ohne diesen Freiwilligendienst wohl auch nie in Berührung gekommen wäre. Die Arbeit mit den Kindern gestaltete sich am Anfang etwas schwierig, aber mit der Zeit findet man schon rein.

Hier auf den Philippinen hatte ich außerdem die Chance, wahnsinnig viele neue und total interessante Leute aus allen möglichen Ländern kennen zu lernen und auch echt gute, neue Freunde zu finden.

Ich würde meine Entscheidung, diesen Einsatz zu machen, daher nicht bereuen, auch wenn es mit Sicherheit nicht immer einfach ist und war. Ich hoffe auch, weiterhin noch eine Menge Erfahrung sammeln zu können, und noch weitere schöne Flecken dieses Landes kennen zu lernen.

Falls auch ihr jemanden kennt oder selbst daran interessiert seid, eine solche Erfahrung zu machen, dem kann ich nur den Orientierungstag meiner Organisation am 13.01.2018 in Nürnberg empfehlen. Weitere Infos dazu finden sich auch unter cosamaz.org.

Für mich geht es jetzt nach den Feiertagen erst einmal wieder auf Reisen, von denen ich euch im neuen Jahr dann berichten kann. Bis dahin wünsche ich euch Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr! Außerdem möchte ich mich noch einmal für die Unterstützung bedanken, die ich von euch in jeglicher Form erhalten habe. Vielen, vielen Dank!

Viele Grüße aus Manila

Jakob

Mit viel Prozent in den Advent

Hallöchen ihr Lieben,
heute ein kleiner Bericht von eurem Dreamteam aus Alenga zu unserem ersten Advent:

Morgens gingen wir wie jeden Sonntag um acht Uhr in die Kirche. Da wir Teil des Chors sind, haben wir deshalb eigentlich immer gute Sitzplätze und es ist ein schönes Gefühl auf diese Weise in die Gemeinde integriert zu sein. Leider hing kein riesiger Adventskranz am Altar, auf dem die erste Kerze brannte, weil der Brauch hier nicht bekannt ist. In den Adventsgottesdiensten darf aufgrund der besinnlichen Vorbereitungszeit auf Christi Geburt nicht getanzt werden, was wir schade und ungewohnt fanden. Wir freuen uns schon darauf, wenn in der Weihnachtsmesse dann alle wieder voller Elan und Freude singen, tanzen und klatschen.

Erste Erfahrungen als Schnapsbrennerin

Danach besuchten wir unsere Freundin Anna, wo wir auch Walter und Brown trafen, ebenfalls Freunde von hier. Anna hatte uns eingeladen, mit ihr gemeinsam zu kochen und zu essen und dieses Mal auch Schnaps zu brauen. Wir waren sofort begeistert und freuten uns sehr auf den Besuch.

Als wir ankamen, hatte Anna bereits einige Flaschen Schnaps hergestellt und so gesellten wir uns einfach dazu, schauten zu, stellten Fragen und halfen mit, wo es ging. Der Schnaps wird aus Cassava gebraut. Cassava ist eine Pflanze und gehört zu den Wolfsmilchgewächsen. Das hat hier eigentlich jeder im Garten, sie wird gegessen und gekocht wie Kartoffel und wir finden sie super lecker.

Für den Schnaps wird die Cassava gemahlen, mit Wasser vermengt und dieser Mix wird eine Woche lang stehen gelassen, um zu gären. Dann füllt man es in sogenannte „Gulus“, die man fest verschließt und erhitzt. Wenn es innen so heiß ist, dass der Dampf aus dem Topf kommt, führt man einen Schlauch ein, über den der Dampf in eine Schüssel mit kaltem Wasser geleitet wird, abkühlt und dann in kondensierte Form als Schnaps aus dem Topf in die Flasche läuft (s. Fotos). Chemikalisch ist das sicher nicht perfekt ausgedrückt, dafür hätten wir in der Schule wohl besser aufpassen müssen.
Jedenfalls ist das Ganze ziemlich viel Arbeit, aber der Schnaps schmeckt gar nicht schlecht und lässt sich laut Anna sehr gut im Dorf verkaufen. Wir haben ihn warm probiert und fanden ihn auch ganz schön stark, aber trotzdem besser als erwartet.
Nebenbei haben wir noch gemeinsam gekocht und dann – wie immer bei Anna – super lecker und viel zu viel gegessen. Zufrieden und glücklich gingen wir am späten Nachmittag wieder Heim.

Ein schöner und lustiger erster Advent bei 35 Grad im Schatten. Hier kommt durch die Päckchen unserer Eltern mit Plätzchen, Dekoration und Adventskalender im Haus sogar ein bisschen Weihnachtsstimmung auf, sobald man das Haus aber verlässt, sieht man keine Deko oder Vorbereitungen, wie wir sie gewöhnt sind, sodass man schnell vergisst, dass Dezember ist.

Sonnige Grüße aus Alenga in die kalte Heimat,

Francesca und Greta

Selbstgebrautes zum ersten Advent

Hallihallo ihr Lieben,

heute ein kleiner Bericht von eurem Dreamteam aus Alenga zu unserem ersten Advent:

Morgens gingen wir wie jeden Sonntag um acht Uhr in die Kirche. Da wir Teil des Chors sind, haben wir eigentlich immer gute Sitzplätze und es ist ein schönes Gefühl, auf diese Weise in die Gemeinde integriert zu sein. Leider hing kein riesiger Adventskranz am Altar, auf dem die erste Kerze brannte, weil der Brauch hier nicht bekannt ist.

In den Adventsgottesdiensten darf aufgrund der besinnlichen Vorbereitungszeit auf Christi Geburt nicht getanzt werden, was wir schade und ungewohnt fanden. Wir freuen uns schon darauf, wenn in der Weihnachtsmesse dann alle wieder voller Elan und Freude singen, tanzen und klatschen.

Erste Erfahrungen als Schnapsbrennerinnen

Danach besuchten wir unsere Freundin Anna, wo wir auch Walter und Brown trafen, ebenfalls Freunde von hier. Anna hatte uns eingeladen, mit ihr gemeinsam zu kochen und zu essen und dieses Mal auch Schnaps zu brauen. Wir waren sofort begeistert und freuten uns sehr auf den Besuch. Als wir ankamen, hatte Anna bereits einige Flaschen Schnaps hergestellt und so gesellten wir uns einfach dazu, schauten zu, stellten Fragen und halfen mit, wo es ging. Der Schnaps wird aus Cassava gebraut. Cassava ist eine Pflanze und gehört zu den Wolfsmilchgewächsen. Das hat hier eigentlich jeder im Garten, sie wird gegessen und gekocht wie Kartoffeln und wir finden sie super lecker.
Für den Schnaps wird die Cassava gemahlen, mit Wasser vermengt und dieser Mix wird eine Woche lang stehen gelassen, um zu gären.
Dann füllt man es in sogenannte „Gulus“, die man fest verschließt und erhitzt. Wenn es so heiß ist, dass der Dampf aus dem Topf kommt, führt man einen Schlauch ein, über den der Dampf in eine Schüssel mit kalten Wasser geleitet wird, abkühlt und dann in kondensierter Form als Schnaps in die Flasche läuft (s. Fotos).
Chemikalisch ist das sicher nicht perfekt ausgedrückt, dafür hätten wir in der Schule wohl besser aufpassen müssen.
Jedenfalls ist das Ganze ziemlich viel Arbeit, aber der Schnaps schmeckt gar nicht schlecht und lässt sich laut Anna sehr gut im Dorf verkaufen.
Wir haben ihn warm probiert und fanden ihn ganz schön stark, aber trotzdem besser als erwartet.

Nebenbei haben wir noch gemeinsam gekocht und dann – wie immer bei Anna – super lecker und viel zu viel gegessen. Zufrieden und glücklich gingen wir am späten Nachmittag wieder Heim.

Ein schöner und lustiger erster Advent bei 35 Grad im Schatten. Hier kommt durch die Päckchen unserer Eltern mit Plätzchen, Deko und Adventskalender im Haus sogar ein bisschen Weihnachtsstimmung auf, sobald man das Haus aber verlässt, sieht man keine Deko oder Vorbereitungen, wie wir sie gewöhnt sind, sodass man schnell vergisst, dass Dezember ist.

Sonnige Grüße aus Alenga in die kalte Heimat,

Francesca und Greta

Den Blick in die Welt richten

Liebe Leserinnen und Leser,

meine erste Zeit in Alenga verging wie im Flug und inzwischen rückt auch die Weihnachtszeit immer näher, mit der wir uns dieses Jahr ohne Tannenbaum, Weihnachtsmarkt und Kälte auf eine ganz neue Weise beschäftigen.

Weihnachten, was heißt das eigentlich? Hektische Geschenkejagd am 23. Dezember, dichtes Gedränge auf dem Weihnachtsmarkt und endlose Wunschzettel verwöhnter Kinder? Wohl nicht nur, natürlich auch Familienzeit, gemütliches Plätzchenbacken im Leuchten des Adventskranzes und strahlende Kinderaugen voller Vorfreude auf die Bescherung!

Für uns steht fest: Weihnachten ist ein Fest der Liebe und der Freude.

Wir wollen die Chance, dass wir dieses Weihnachtsfest in einer anderen Kultur verbringen dürfen, nutzen, um Sie einzuladen, nicht nur den Liebsten zu Hause eine Freude zu bereiten, sondern den Blick auch auf andere Umstände in der Welt zu richten.

In diesem Blogeintrag geht es also um unsere Projektideen für Alenga und am Ende des Artikels ist die Spendenadresse zu finden, auf die in den bereits veröffentlichten Zeitungsartikeln verwiesen wurde. Gerne darf überall Werbung gemacht werden, wenn es euch begeistert. Bei Fragen und Anmerkungen, meldet euch doch einfach oder kommentiert den Eintrag!

Patenschaftsprojekte

Pate werden für eine meiner Schülerinnen

Durch meine Arbeit als Freiwillige in der Schneiderinnenschule, liegt mir insbesondere die Unterstützung meiner Schülerinnen am Herzen. Die Berufsschule ist hier eine große Chance, aus armen Familienverhältnissen zu entkommen und als Frau selbstständig Geld verdienen zu können.

Problematisch ist, dass in Uganda Schulgebühren gefordert werden müssen, weil der Staat nicht genug in den Bildungssektor investiert. Hier ist es keine Ausnahme, dass die Mädchen nur einen geringen Teil der Gebühren bezahlen können und deshalb zu spät nach den Ferien ins Internat zurückkehren, während der Schulzeit nach Hause geschickt werden müssen und sie mit fünfzehn bis achtzehn Jahren täglich große Sorgen belasten.

Hier vor Ort ist es den Schwestern und Father Stan, unserem Mentor, ein Anliegen, dass selbst sehr armen Mädchen mit familiär belastetem Hintergrund die Möglichkeit geboten werden kann zur Schule zu gehen. Damit dieses Konzept weiterhin gelingt, möchten wir ein Patenschaftsprojekt zusammen mit Father Stan in die Wege leiten. Dieses Projekt unterstützt einige der Mädchen des Abschlussjahrganges 2018 finanziell und mental, mit denen ich momentan den Großteil meiner Zeit verbringe. Es kann ein Kontakt über Skype, Briefe etc. zwischen den Paten und ihren Patenkindern hergestellt werden, was für beide Seiten eine tolle Möglichkeit ist, aus der Unterstützung mehr als nur eine Spende zu machen.

Für den Jahrgang, der in diesem Jahr die zweijährige Ausbildung beendet hat, mussten wir feststellen, dass von den 26 Mädchen, die 2016 angefangen haben, nur zwölf die Abschlussprüfungen absolvierten. Die restlichen Mädchen haben die Schule aufgrund finanzieller oder familiärer Schwierigkeiten, einer Schwangerschaft oder einer Heirat auf Wunsch der Eltern abgebrochen. Diese Zustände sind aus deutscher Sicht schwer nachzuvollziehen und machen oft traurig, wenn man miterlebt, wie die Situation für junge Mädchen in vielen Gebieten Ugandas ist.

Unser Anliegen ist nun, dass alle neunzehn Mädchen, die in zwei Wochen für die Ferien nach Hause fahren werden, im Februar wieder kommen können und so im November des kommenden Jahres die Schulausbildung erfolgreich beenden können.

Wenn jemand zu dieser Art der Patenschaft Fragen hat oder das Interesse schon geweckt wurde, meldet euch doch einfach privat bei mir, dann kann ich genauere Informationen zu einzelnen Mädchen und ihrer Situation geben. Die Kosten für eine einjährige Patenschaft würden sich auf ca. 280 Euro für alle Kosten (medizinische Gebühr, Schulgebühr, Nahrung, Material fürs Nähen und die Examensgebühr) belaufen. Es gäbe auch die Möglichkeit, als Pate nur einen Teil dieser Gebühr zu übernehmen oder die Mädchen noch über den Abschluss an der Schule hier zu fördern, so dass ihnen beispielsweise eine Karriere als Berufsschullehrerin offen stehen würde. Das alles ist individuell nach eurem Belieben regelbar.

Pate werden für Timothy oder Oscar

Seit einigen Wochen kennen wir auch Timothy und Oscar, zwei sechsjährige Jungs. Beide hatten aufgrund zu geringer finanzieller Möglichkeiten bislang nicht die Chance die Vorschule zu besuchen, die hier sehr wichtig ist, um lesen und schreiben zu lernen und erste Englischkenntnisse zu erwerben.

Oscar ist Waise und lebt bei seiner Großmutter. Timothy ist Halbwaise und Sohn der Schulköchin und spielt jeden Tag auf dem Schulgelände herum. Oft merke ich, dass ihm sehr langweilig ist und der tägliche Kontakt zu Gleichaltrigen ihm sicher gut tun würde.

Für beide Jungen würde es mich unfassbar freuen, wenn sie die Chance auf einen Paten hätten! Ohne finanzielle Unterstützung wird Oscar gar nicht zur Schule gehen können und Timothy könnte nur die staatliche Grundschule in Alenga ermöglicht werden, in der leider nicht genügend Wert auf die Unterstützung des Einzelnen und den Erwerb von Englisch gelegt wird.

So eine Patenschaft muss allerdings gut überlegt sein und es ist wichtig, dass man sich auch aus der Ferne der Verantwortung bewusst ist, die man damit übernimmt. Man würde einem der Jungen zunächst drei Jahre „Nursery School“ finanzieren, ohne die ihnen nicht nur die nötigen Grundlagen, sondern auch die Erlaubnis fehlen würde, auf eine private Grundschule zu gehen, dann die siebenjährige, private „Primary School“ und im Anschluss die „Secondary School“, die man entweder nach vier Jahren (vergleichbar mit der Realschule) oder nach sechs Jahren (A-Levels = britisches Abitur) mit einem entsprechenden Abschluss beendet.

Eine Patenschaft für Timothy oder Oscar würde also zu einer gesamten Unterstützung ihrer Schullaufbahn werden und muss deshalb gut überlegt sein. Allerdings ist eine so intensive Patenschaft natürlich auch eine tolle Möglichkeit für engen Kontakt zum Schützling, man könnte sogar über einen Besuch in Uganda nachdenken.

Da ich nur in diesem Jahr hier vor Ort sein kann, wird die Patenschaft danach über Father Stan laufen, der viel Erfahrung in diesem Gebiet hat und für Fragen, Probleme oder ähnliches ein offenes Ohr hat.

Für genauere Informationen zu der Situation der beiden Jungen und der Organisation einer solchen Patenschaft sowie den auf euch zukommenden Kosten meldet euch doch bitte privat bei mir.

Ein neuer Schlafsaal

Außerdem planen wir zusammen mit Father Stan den Neubau des Schlafsaals der Mädchen. Momentan schlafen am Anfang des Schuljahres ca. 60 Mädchen auf engstem Raum in einem baufälligen Gebäude, das nicht richtig isoliert und deshalb immer unerträglich heiß ist. So haben Krankheiten schnell die Chance sich zu verbreiten und es gibt keinerlei Rückzugsmöglichkeiten für die Mädchen. Sie schlafen zum Teil in Dreifachstockbetten und ihre Koffer stehen direkt daneben auf dem Boden.

Zunächst werden wir uns auf einen ganz neuen Schlafsaal konzentrieren und wenn die finanziellen Mittel ausreichen, möchten wir auch das alte Gebäude renovieren. So wird den Schülerinnen ein angenehmer Schlafplatz, an dem sie sich wohlfühlen können, ermöglicht. Für den neuen Saal werden wir insbesondere auf eine angemessene Isolation achten und versuchen außerdem, einige Wünsche der Schülerinnen in die Planung mit aufzunehmen.

Wenn ihr Lust habt, den Bau des Schlafsaals finanziell zu unterstützen, spendet gerne an folgende Adresse:

Comboni-Missionare KöR, 73479 Ellwangen

IBAN: DE66 6145 0050 0110 6170 15

BIC: OASPDE6AXXX

Verwendungszweck: MaZ Margareta Berges (628) Alenga, Uganda

Gebt doch bei der Überweisung bitte eure Adresse an, wenn ihr eine Spendenquittung benötigt.

Ich danke allen LeserInnen für das große Interesse und die Unterstützung!

Genießt die Adventszeit und trinkt doch einen Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt für mich mit!

Eure Greta

„Zu Weihnachten anderen eine Freude bereiten“

Weihnachten, was heißt das eigentlich? Hektische Geschenkejagd am 23. Dezember, dichtes Gedränge auf dem Weihnachtsmarkt und endlose Wunschzettel verwöhnter Kinder? Wohl nicht nur, natürlich auch Familienzeit, gemütliches Plätzchenbacken im Leuchten des Adventskranzes und strahlende Kinderaugen voller Vorfreude auf die Bescherung!
Für uns steht fest: Weihnachten ist ein Fest der Liebe und der Freude.

Wir wollen die Chance, dass wir dieses Weihnachtsfest in einer anderen Kultur verbringen dürfen, nutzen, um Euch einzuladen, nicht nur den Liebsten zu Hause eine Freude zu bereiten, sondern den Blick auch auf andere Umstände in der Welt zu richten.

Patenschaftsprojekte

Pate werden für eine der Schülerinnen

Durch Gretas Arbeit als Freiwillige in der Näherinnenschule Alengas, in der sie Englisch- und Computerunterricht gibt und ich mit ihr Sport und Musik unterrichte, liegt uns insbesondere die Unterstützung unserer Schülerinnen am Herzen. Die Berufsschule ist hier eine große Chance, aus armen Familienverhältnissen zu entkommen und als Frau selbstständig Geld verdienen zu können.

Problematisch ist, dass in Uganda Schulgebühren gefordert werden müssen, weil der Staat nicht genug in den Bildungssektor investiert. Hier ist es keine Ausnahme, dass die Mädchen nur einen geringen Teil der Gebühren bezahlen können und deshalb zu spät nach den Ferien ins Internat zurückkehren, während der Schulzeit nach Hause geschickt werden müssen und sie mit fünfzehn bis achtzehn Jahren täglich große Sorgen belasten.

Hier vor Ort ist es den Schwestern und Father Stan, unserem Mentor, ein Anliegen, dass selbst sehr armen Mädchen mit familiär belastetem Hintergrund die Möglichkeit geboten werden kann zur Schule zu gehen. Damit dieses Konzept weiterhin gelingt, möchten wir ein Patenschaftsprojekt in die Wege leiten. Dieses Projekt unterstützt einige der Mädchen des Abschlussjahrganges 2018 finanziell und mental, mit denen wir momentan den Großteil unserer Zeit verbringen. Es kann ein Kontakt über Skype, Briefe etc. zwischen den Paten und ihren Patenkindern hergestellt werden, was für beide Seiten eine tolle Möglichkeit ist, aus der Unterstützung mehr als nur eine Spende zu machen.

Für den Jahrgang, der in diesem Jahr die zweijährige Ausbildung beendet hat, mussten wir feststellen, dass von den 26 Mädchen, die 2016 angefangen haben, nur zwölf die Abschlussprüfungen absolvierten. Die restlichen Mädchen haben die Schule aufgrund finanzieller oder familiärer Schwierigkeiten, einer Schwangerschaft oder einer Heirat auf Wunsch der Eltern abgebrochen. Diese Zustände sind aus deutscher Sicht schwer nachzuvollziehen und machen oft traurig, wenn man miterlebt, wie die Situation für junge Mädchen in vielen Gebieten Ugandas ist.

Unser Anliegen ist nun, dass alle neunzehn Mädchen, die in zwei Wochen für die Ferien nach Hause fahren werden, im Februar wieder kommen können und so im November des kommenden Jahres die Schulausbildung erfolgreich beenden können.

Wenn jemand zu dieser Art der Patenschaft Fragen hat oder das Interesse schon geweckt wurde, meldet euch doch einfach privat bei mir (Francesca.Cyris@yahoo.com), dann kann ich genauere Informationen zu einzelnen Mädchen und ihrer Situation geben.
Die Kosten für eine einjährige Patenschaft würden sich auf ca. 280 Euro für alle Kosten (medizinische Gebühr, Schulgebühr, Nahrung, Material fürs Nähen und die Examensgebühr) belaufen. Es gäbe auch die Möglichkeit, als Pate nur einen Teil dieser Gebühr zu übernehmen oder die Mädchen noch über den Abschluss an der Schule hier zu fördern, so dass ihnen beispielsweise eine Karriere als Berufsschullehrerin offen stehen würde. Das alles ist individuell nach eurem Belieben regelbar.

Pate werden für Timothy oder Oscar

Seit einigen Wochen kennen wir auch Timothy und Oscar, zwei sechsjährige Jungs. Beide hatten aufgrund zu geringer finanzieller Möglichkeiten bislang nicht die Chance die Vorschule zu besuchen, die hier sehr wichtig ist, um lesen und schreiben zu lernen und erste Englischkenntnisse zu erwerben.

Oscar ist ein Waisenkind und lebt bei seiner Großmutter. Timothy ist Halbwaise und Sohn der Schulköchin und spielt jeden Tag auf dem Schulgelände herum. Oft merke ich, dass ihm sehr langweilig ist und der tägliche Kontakt zu Gleichaltrigen ihm gut tun würde.

Für beide Jungen würde es mich unfassbar freuen, wenn sie die Chance auf einen Paten hätten! Ohne finanzielle Unterstützung wird Oscar gar nicht zur Schule gehen können und Timothy könnte nur die staatliche Grundschule in Alenga ermöglicht werden, in der leider nicht genügend Wert auf die Unterstützung des Einzelnen und den Erwerb von Englisch gelegt wird. So eine Patenschaft muss allerdings gut überlegt sein und es ist wichtig, dass man sich auch aus der Ferne der Verantwortung bewusst ist, die man damit übernimmt. Zum Erlernen der Grundlagen, wie Lesen, Schreiben und etwas Englisch müssen die beiden, trotz ihres Alters, noch drei Jahre in die Nursery School (Kindergarten/Vorschule) gehen. Danch würden die Jungen in die siebenjährige, private „Primary School“ kommen. Im Anschluss wäre es natürlich toll, wenn ihnen auch die „Secondary School“ ermöglicht werden kann, die man entweder nach vier Jahren (vergleichbar mit der Realschule) oder nach sechs Jahren (A-Levels = britisches Abitur) mit einem entsprechenden Abschluss beendet.
Eine Patenschaft für Timothy oder Oscar würde also zu einer gesamten Unterstützung ihrer Schullaufbahn werden. So eine intensive Patenschaft ist dementsprechend auch eine tolle Möglichkeit für engen Kontakt zum Schützling und man könnte sogar über einen Besuch in Uganda nachdenken.

Für genauere Informationen zu der Situation der beiden Jungen und der Organisation einer solchen Patenschaft meldet euch doch bitte privat bei mir.

Ein neuer Schlafsaal

Außerdem planen wir zusammen mit Father Stan den Neubau des Schlafsaals der Mädchen. Momentan schlafen am Anfang des Schuljahres ca. 60 Mädchen auf engstem Raum in einem baufälligen Gebäude, das nicht richtig isoliert und deshalb immer unerträglich heiß ist. So haben Krankheiten schnell die Chance sich zu verbreiten und es gibt keinerlei Rückzugsmöglichkeiten für die Mädchen. Sie schlafen zum Teil in Dreifachstockbetten und ihre Koffer stehen direkt daneben auf dem Boden.

Zunächst werden wir uns auf einen ganz neuen Schlafsaal konzentrieren und wenn die finanziellen Mittel ausreichen, möchten wir auch das alte Gebäude renovieren. So wird den Schülerinnen ein angenehmer Schlafplatz, an dem sie sich wohlfühlen können, ermöglicht. Für den neuen Saal werden wir insbesondere auf eine angemessene Isolation achten und versuchen außerdem, einige Wünsche der Schülerinnen in die Planung mit aufzunehmen.

Wenn ihr Lust habt, den Bau des Schlafsaals finanziell zu unterstützen, spendet gerne an folgende Adresse:

Comboni-Missionare KöR, 73479 Ellwangen
KSK Ostalp
IBAN: DE66 6145 0050 0110 6170 15
BIC: OASPDE6AXXX
Verwendungszweck: MaZ Francesca Cyris (631) Alenga, Uganda

Ich freue mich auf die Verwirklichung unserer Pläne durch Eure Hilfe und bin überzeugt, dass gerade Projekte wie die Patenschaft eine Möglichkeit zum besseren Verständnis zwischen den beiden Ländern führen, die sich gerade in Bezug auf den Bildungsstandard und die Chancen für Mädchen gravierend unterscheiden.

Ich danke allen LeserInnen für das große Interesse und die Unterstützung!

Genießt die Advents- und Weihnachtszeit und trinkt einen oder zwei Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt für mich mit!

Eure Francesca

Mein Alltag in der Krankenstation: Babygeschrei und jede Menge Neues

Hallo ihr Lieben,

Nun bin ich schon seit drei Monaten in Uganda und arbeite schon neun Wochen in Alenga. Heute möchte ich euch etwas über meine Arbeit, was ich da so mache und was mir alles sofort aufgefallen ist, erzählen.

Die Struktur des Gesundheitssystems in Uganda

In diesem Teil möchte ich euch das Gesundheitssystem von Uganda etwas erläutern.
Uganda ist unterteilt in vier große Regionen: Norden, Osten, Süden, Westen. Diese Regionen sind wiederrum in 112 Districts (Bezirke) und diese in Counties (Landkreise) unterteilt. Die nächste Abstufung sind Sub-Counties, danach Parishes (Gemeinden) und als letztes die Villages (Dörfer).

In Uganda gibt es ca. 4500 Gesundheitseinrichtungen. 155 davon sind Krankenhäuser.
In den 65 Krankenhäusern im öffentlichen Sektor, von der Regierung finanziert, wurden die Gebühren abgeschafft, wodurch die Zahl der Patienten in den ambulanten Einrichtungen dramatisch angestiegen ist.
Private, nicht gewinnorientierte Anbieter besitzen 63 der Krankenhäuser. 75% der Anbieter sind religiöse Einrichtungen, die größten Anbieter sind das Uganda Catholic Medical Bureau (katholisch), das Uganda Protestant Medical Bureau (evangelisch), das Uganda Muslim Medical Bureau (muslimisch) und das Uganda orthodox medical bureau (orthodox).
Private gewinnorientierte Anbieter besitzen 27 der 155 Krankenhäuser.

Das Gesundheitssystem ist in ein nationales und ein in Distrikten orientiertes System unterteilt.
Der unterste Rang des in Distrikten organisierten Bereichs sind die Village Health Teams. Das sind freiwillige Gesundheitsarbeiter, die vor allem dafür sorgen sollen, dass die Gemeinschaft Wissen und Aufklärung über Krankheiten wie Durchfall, Malaria, Lungenentzündung und andere tropische Erkrankungen erhält. Sie verweisen die Kranken zum nächsten Health Center. Jedes Dorf sollte so ein Team haben, dieses ist somit für 1000 Leute zuständig.
Das nächste Level ist das Health Center II. Hier sollten eine Krankenschwester/-pfleger, eine Hebamme und mehrere Gesundheitsassistenten arbeiten. Diese ambulante Klinik behandelt übliche Krankheiten wie Malaria und bietet Schwangerschaftsvorsorge an. Sie ist zuständig für die Versorgung von ca. 5000 Einwohnern und jedes Parish sollte eines haben.
Das Health Center III sollte in jedem Sub-Countie vorhanden sein und bietet zu den Leistungen des HC II noch eine stationäre Aufnahme, ein Labor und eine gesundheitliche Versorgung speziell für Mütter. Ein HC III sollte 18 Mitarbeiter haben, geleitet von einem Clinical Officer. Clinical Officers haben eine Ausbildung zwischen einer Krankenschwester/Krankenpfleger und einem Arzt/ einer Ärztin.
Auf dem vorletzten Level sind die Health Center IV. Jedes County sollte eines haben und damit 100.000 Einwohner medizinisch versorgen. Zusätzlich zum HC III ist es hier möglich chirurgische Eingriffe, Notfalloperationen und eine umfassende Notfall-Geburtshilfe durchzuführen, sowie Bluttransfusionen zu geben.
Die letzte Stufe sind die Krankenhäuser. Hier werden zusätzlich zu den Leistungen des HC IV Gesundheitsprobleme erforscht, besprochen und Fortbildungen angeboten.

Auf nationaler Ebene gibt es zwei Arten von Krankenhäusern mit verschieden Stationen und Abteilungen. Zum Ersten die Regional Referral Hospitals, davon gibt es 14 im ganzen Land, und zum Zweiten die National Referral Hospitals, wovon es nur zwei gibt, die sich beide in der Hauptstadt Kampala befinden. Eins davon ist eine psychiatrische Klinik und das andere das beste und größte Krankenhaus von Uganda mit den besten Ärzten des Landes.

Das ist die Theorie. Die Realität sieht in Uganda ganz anders aus.

Meine persönliche Erfahrung

Ich arbeite in der Krankenstation des Dorfes Alenga. Es gehört dem Uganda Catholic Medical Bureau, ist ein Health Center III und damit eine sehr wichtige und schon etwas größere Einrichtung.

Das Health Center
An meinem ersten Tag zeigte mir Jasper, Krankenpfleger und Chef des Health Centers, das Gelände. Auf der einen Seite steht ein Gebäude mit der Dispensary (Arzneiausgabe), dem Untersuchungsraum, dem Büro des Chefs, dem Labor und einem Besprechungszimmer. Hier werden ankommende Patienten von Godfrey in ein Buch aufgenommen und müssen dann im Gang auf einer Bank warten bis sie aufgerufen werden. Im Besprechungszimmer fragt dann Jasper, der Medical Officer Richard oder eine der Hebammen, Sharon oder Gloria,  nach den Beschwerden. Anschließend werden sie oft zu u. A. Blut- oder Urinuntersuchung ins Labor geschickt. Danach kommen sie wieder ins Untersuchungszimmer und es wird die Diagnose gestellt und die Medikation aufgeschrieben. Zuletzt werden die Medikamente in der Dispensary ausgegeben und am Empfang bezahlt.

Auf der anderen Seite befindet sich die Maternity („Mutterschaft“). In diesem Gebäude werden schwangere Frauen untersucht, stationär vor und nach der Geburt behandelt und viele Babys geboren. Ungefähr 12 Betten stehen in dem großen Raum, die die meiste Zeit belegt sind. Nochmal drei Betten gibt es im Raum vor dem Geburtsraum für Frauen, die kurz vor oder nach der Geburt stehen. Außerdem gibt es einen Raum mit Inkubator für ein Frühgeborenes.

Des Weiteren befinden sich auf dem Gelände noch Dusche, Plumpsklo und ein Küchenhaus für die Patienten. Im Gegensatz zu Deutschland sind hier die Familienmitglieder des/der Kranken die meiste Zeit vor Ort. Sie kochen selber und waschen die Wäsche des Patienten. Ich finde es sehr schön, dass die Klienten hier die meiste Zeit nicht allein sein müssen, sondern von ihrer Familie umgeben sind. In Deutschland habe ich bei meiner Arbeit im Krankenhaus oft mitbekommen, dass gerade alte Menschen oft einsam waren und darüber sehr traurig waren.

Zwei Welten treffen aufeinander
Was mir sofort beim Betreten der Gebäude auffiel, war der riesige Unterschied zu den medizinischen Einrichtungen in Deutschland. Dort war ich es gewohnt überall im Krankenhaus Desinfektionsmittelspender und Waschbecken zu finden. Hier jedoch gibt es nur eine Stelle zum Händewaschen und Desinfektionsmittel nur zum Reinigen von Verletzungen und nicht für die Hände.
Als Jasper mir das Maßband zum Messen der Größe in der Maternity zeigte und mich daneben stellte, sagte er mir, dass ich 1,52m groß bin. Ich teilte ihm mit, dass das nicht stimmen kann, da ich 1,66m groß bin. Später an einem anderen Maßband stellte er dann fest, dass ich tatsächlich 1,66m groß bin. Er meinte nur „Oh okey, dann hat das jemand falsch aufgehängt“. Bis heute hängt das Maßband immer noch 14 cm in der Luft und die Frauen sind alle höchstens 1,60m groß. Das ist ein perfektes Beispiel dafür, wie hier oft dokumentiert wird. Alles wird sehr sorgfältig aufgeschrieben, jeder bekommt eine Patientennummer und jeder Besuch wird in einem der unzähligen Bücher registriert. Zudem werden viele Blätter für Studien und Umfragen ausgefüllt und weggeschickt. Das Problem ist dabei nur, dass es kaum jemanden interessiert, wenn die Maße falsch genommen werden. Zudem herrscht oft Zeitdruck, sodass einige Male schon der Blutdruck nur geraten und aufgeschrieben wurde. Ich ärgere mich oft, denn in meinen Augen sind solche Daten schon wichtig für die Krankengeschichte und genau in solchen Situationen merke ich auch, wie deutsch ich eigentlich bin. Ordnung, Sauberkeit und pünktlich sein – gute deutsche Klischeeeigenschaften, die ich vorher nie so bei mir wahrgenommen habe, da ich durchaus jemand bin, dessen Zimmer mal unaufgeräumt ist und die gerne mal zehn Minuten zu spät ist. Mir fiel es sehr schnell auf, wie anders es hier ist. In der Krankenstation stehen sehr viele Kisten mit alten Heften, losen Blättern oder kaputten Dingen. An der bröckelnden Wand hängt ein Dienstplan von Januar 2016. An der anderen ein zerrissenes Plakat einer Kampagne aus dem Jahr 2004. Jedes Mal frage ich mich, ob das sein muss und warum das niemanden außer mir stört.
Was mir außerdem sofort auffiel, war, dass jeder Klient sein eigenes Heft mitbringen muss, denn dort werden die Untersuchungs- und Testergebnisse, Diagnose und die Medikamente aufgeschrieben. Das ersetzt die bei uns in Deutschland übliche Patientenakte. Auf der einen Seite ist das in meinen  Augen eine gute Idee, da viele Leute unterschiedliche Krankenstationen besuchen und dann immer alle Informationen im Heft sind. Außerdem hätte das Health Center niemals genug Platz und vor allem Ordnung, um Akten systematisch aufzubewahren. HIV- Infizierte und AIDS-Kranke sind die Einzigen mit einer Akte im Health Center. Auf der anderen Seite kann man sich leicht vorstellen, dass es alles andere als ordentlich ist mit diesen Heften, denn viele sind zerknittert, gefaltet oder mit Öl befleckt. Außerdem fehlen oft Informationen oder die Hefte gehen verloren und es wird ein neues angefangen.

„Die Europäer haben die Uhr, wir haben die Zeit.“ – afrikanisches Sprichwort
Meine Arbeitszeit ist von 8.00-13.00 Uhr. Die ersten drei Wochen war ich vorbildlich pünktlich um 8.00 Uhr vor Ort und allein. Ich war stets die Erste, die im Health Center erschien, und sogar die Nachtschwester war schon nach Hause gegangen. Natürlich fühlte ich mich nicht sonderlich wohl, wenn ich über eine Stunde allein war, ich hatte Angst, dass auf einmal eine Mutter ihr Kind bekommt oder jemand mit Schmerzen ankommt. Dementsprechend passte ich mein Verhalten an und integrierte mich ganz gut, indem ich mittlerweile auch immer erst um 9.00 Uhr dort bin. In dem Buch, in dem man sich als Mitarbeiter einträgt, wenn man kommt, steht trotzdem die erste Person immer ca. um 8.10 Uhr drin. Soviel zur Dokumentation.

Lango – eine tägliche Herausforderung
Trotz der, in meinen Augen, großen Unordnung, Umständlichkeit, Unpünktlichkeit und mangelhaften Hygiene kommen die anderen Mitarbeiter immer mit einem Lächeln an ihren Arbeitsplatz und begrüßen mich immer fröhlich auf Lango. Mit meinen Sprachkenntnissen in Lango komme ich hier leider noch nicht sehr weit, begrüßen und ein paar einfache Sätze sagen funktioniert schon gut. Deswegen bin  ich sehr froh, dass meine Kollegen alle Englisch können. Das Problem ist, dass die meisten Patienten kein Englisch können. Oft versuchen sie, mit mir zu reden, doch leider verstehe ich es dann meistens nicht. Auch wenn Sharon mit den Patienten spricht und ihnen etwas erklärt, verstehe ich leider oft nur ein paar Wortfetzen. Ich versuche natürlich weiterhin, mein Lango zu verbessern und habe einmal die Woche mit Greta Unterricht bei einem der Lehrer aus der Näherinnenschule, wobei der Unterricht leider nicht so strukturiert und übersichtlich ist wie wir es von Deutschland gewohnt sind – wieder eine typisch deutsche Feststellung.

Mein Arbeitsbereich

Ich arbeite meistens mit Sharon oder Gloria zusammen in der Maternity. Dienstags und Freitag kommen die schwangeren Frauen. Wir messen den Blutdruck, wiegen sie und die Hebamme untersucht den Bauch und die Lage des Kindes mit ihren Händen. Je nachdem, wie weit das Kind vom Nabel der Mutter entfernt ist, kann sie ertasten in welcher Schwangerschaftswoche sie ist. Mit dem Pinard’schen Hörrohr erfasst sie dann noch den Herzschlag des Babys. Samstags wird seit ca. einem Jahr sogar eine Ultraschalluntersuchung für Frauen angeboten, bei denen das Baby schwer zu ertasten ist.

Malaria: eine weit verbreitete Krankheit in Uganda
Außerdem bekommen die Mütter hier ab der 16. Schwangerschaftswoche bei den Vorsorgeuntersuchungen Tabletten zur Malariaprophylaxe. Malaria ist eine durch den Stich der Anophelesmücke übertragene, fieberhafte und tropische Erkrankung. Sie kommt hier sehr häufig vor, kann aber meistens ohne Probleme mit Medikamenten behandelt werden. Laut dem ugandischen Gesundheitsministerium ist Uganda das Land mit dem größten Malariavorkommen weltweit: 478 von 1000 Personen bekommen pro Jahr Malaria. Malaria ist für werdende Mütter besonders gefährlich, da der Verlauf der Erkrankung schwerer ist als bei nicht-Schwangeren. Auch das Ungeborene kann geschädigt werden. Je nach Immunitätslage der Mutter kann der Fötus sich über die Plazenta der Mutter anstecken. Fehlgeburt, Wachstumsverzögerung und Frühgeburt können die Folge sein. Deswegen bekommen alle Schwangeren beim ersten Besuch ein Moskitonetz, um sich vor allem nachts schützen zu können.

HIV, AIDS und das Problem des Stillens
Im Labor werden die Frauen natürlich auch auf Infektionen und HIV getestet. Die Anzahl der Menschen mit HIV (Humanes Immundefizienz-Virus) ist in der Vergangenheit in Alenga immer mehr angestiegen. Das hat mich sehr verwundert, da man eigentlich davon ausgehen müsste, dass durch die bessere Aufklärung heutzutage die Menschen darüber Bescheid wissen wie sich HIV überträgt. HIV lässt sich neben Blut und anderen Körperflüssigkeiten auch über die Muttermilch übertragen, deswegen war ich zuerst sehr schockiert, als ich erfuhr, dass HIV positive Mütter ihr Baby stillen. Die Mutter, aber auch das Baby, um das Risiko einer Übertragung möglichst gering zu halten, müssen in dieser Situation Medikamente nehmen. Was mir schnell klar wurde ist, dass es natürlich für die Menschen hier keine andere Möglichkeit gibt, außer normal weiterzustillen. Babynahrung ist viel zu teuer und auch nicht erhältlich, außerdem hätten die Leute gar nicht das Wissen und die Möglichkeiten die Babynahrung herzustellen und zu lagern.
Zudem sollen die Schwangeren regelmäßig Tabletten zur gesunden Entwicklung des Babys nehmen wie z.B Folsäure und Eisen. Diese erhalten sie bei der Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchung. Jedoch gibt es nicht genügend von diesen Tabletten, deswegen werden oft viel zu wenige bzw. gar keine verteilt. Des Weiteren erhalten die werdenden Mütter regelmäßig eine Impfung gegen Tetanus.

Kinder bekommen Kinder
Erschreckend für mich ist das Alter der Schwangeren Frauen, denn viele von ihnen sind gerade 17 Jahre alt. Die Mädchen haben zum Teil nicht einmal die Primary School (1.-7. Klasse) beendet und sollen dann heiraten und Kinder bekommen, denn oft fehlt das Geld und das Interesse der Eltern um das Kind weiter in die Schule zu schicken. Im Durchschnitt bekommt eine Frau in Uganda 6,7 Kinder und nur 25% aller Frauen nutzen Verhütungsmittel (laut des Gesundheitsministeriums Ministry of Health). Gerade in einem Dorf wie Alenga bekommen die Frauen sehr viele Kinder und nicht selten steht in ihrem Heft, dass sie in der neunten Schwangerschaft sind aber zwei Kinder schon vor oder nach der Geburt verstorben sind.

Hilfe aus aller Welt
Finanziell unterstützt wird das ugandische Gesundheitssystem durch sehr viele Geldgeber aus dem Ausland. So wird das fünfjährige staatliche Uganda Health Systems Strengthening Project (UHSSP) finanziell von der Weltbank unterstützt. Das Ziel ist es, die Erkrankungs- und Sterblichkeitsraten zu senken und jedem Einwohner eine minimale Gesundheitsversorgung zu gewährleisten.
Ein Projekt von USAID ist das Voucher Plus System. Für 4000 Uganda Schilling, ca. einen Euro, können sich die Schwangeren Aufkleber kaufen, mit denen sie vier Vorsorgetermine, sowie Geburt und Nachsorge bezahlt bekommen. Das ist viel günstiger als ohne den Voucher und macht es vielen Frauen erst möglich, sicher in einem Health Center ihr Kind auf die Welt zu bringen. Es war ein schönes Gefühl zu sehen, wie sich eine Mutter letzte Woche gefreut hat als sie erfuhr, dass sie für die Geburt kein Geld mitbringen muss, sondern alles durch den Voucher bezahlt wird.
Auch in den anderen Bereichen der Krankenstation entdecke ich überall Aufkleber und Kartons mit Moskitonetzen der Hilfsorganisationen UK- und USAID.
Diese Unterstützung ist hier dringend nötig, da der Staat nur sehr wenig in  den Gesundheitssektor investiert. Da das Health Center in Alenga eine private Einrichtung ist, müssen die Kranken für ihre Medikamente und Laboruntersuchungen Geld bezahlen. Ein paar Medikamente, wie die der HIV-Infizierten, gibt es kostenlos, sie werden allerdings nicht vom Staat sondern von Hilfsorganisationen finanziert. Die Frage ist natürlich was passiert, wenn nach ein paar Jahren die finanziellen Hilfen aus dem Ausland eingestellt werden?

Große Herausforderungen
Wie ihr sicher aus meinem Artikel entnehmen könnt, ist das Gesundheitssystem alles andere als gut strukturiert und ausreichend. Viele Einwohner nehmen weite Entfernungen, oft zu Fuß, auf sich, um die Krankenstationen zu erreichen und müssen lange Zeit auf die Behandlung warten.
Häufig fehlt den Gesundheitseinrichtungen das Geld, um die nötige Medizin einzukaufen, und gerade in den staatlichen Einrichtungen fehlt es aufgrund der kostenlosen Behandlung und der kostenlosen Medikamente an allen Ecken. Natürlich fehlt auch den Bewohnern der Dörfer das Geld und viele begeben sich nicht einmal in ein Health Center, da sie sich die Behandlung sowieso nicht leisten können.
Zudem hat Uganda viel zu wenig ausgebildete Arbeiter im Gesundheitssektor und aufgrund der schlechten Bezahlung fehlt vielen die Motivation. Deshalb versuchen einige im Ausland zu arbeiten, um einen Arbeitsplatz mit besseren Bedingungen zu finden – ein Problem, das auch Deutschland hat.

Wertvolle Momente und Erfahrungen
Ich bin unglaublich froh, dass ich hier in Alenga einen so guten und interessanten Einblick in die medizinische Versorgung des Landes bekommen kann. Die Arbeit macht mir richtig viel Spaß und mit  Sharon und Gloria habe ich nicht nur supernette Kolleginnen sondern auch erste Freundinnen gefunden.
Ich lerne hier jeden Tag während meiner Arbeit etwas Neues kennen, das ich mir so nie vorgestellt hätte. Das gibt mir viel Stoff zum Nachdenken und macht mich oft wütend oder traurig über die Ungerechtigkeit auf der Welt.
Natürlich fällt es mir manchmal schwer, die Situation vor Ort zu begreifen und die Armut und den Mangel an fast allem so hautnah mitzubekommen. Trotzdem sehe ich viel Wunderbares, Schönes und Spannendes bei meiner Arbeit, wie zum Beispiel die Geburt eines Babys und die glücklichen Gesichter der Frauen, wenn ihnen gesagt wird, dass es ihrem ungeborenen Baby gut geht.

Jetzt ist erst einmal Schluss mit diesem Artikel. In naher Zukunft werde ich noch über weitere aufregende  Themen und unser Projekt in der Schule berichten.
Meine Mitfreiwillige Greta hat in ihrem Beitrag „Earning for the future“ einen sehr interessanten Beitrag über ihre Arbeit in der Näherinnenschule veröffentlicht, den ihr unbedingt lesen solltet!

Vielen Dank an alle fleißigen Leser.
Ich sende allerliebste Grüße in die Heimat und freue mich von euch zu hören,

eure Francesca