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Big City Life – Mein erster Monat

Big City Life – ein Titel, ein Song, eine Einstellung. Das Lied selbst steht dem Großstadtleben sehr kritisch gegenüber. Es handelt von Einsamkeit, Druck und Lieblosigkeit. Dem kann ich jedoch absolut nicht zustimmen. War ich doch vor ungefähr einem Monat noch im Besitz von einem ganz normalen Life, so erhielt es aufgrund des Umzuges nach Manila nicht nur einen ganz normalen sondern den quadrierten akademischen Grad B.C. – ich war nun also im Besitz eines B.C. Life im Ausland. Totales Neuland für den Dorfjungen aus Niederbayern. Es hat sich von heute auf morgen vieles geändert:

Englisch und Tagalog anstatt Deutsch und Bayrisch

Duschen kalt und mit Kübel anstatt warm und mit extra großem XXL Raindance Duschkopf (auf Tagalog übrigens: „draußen“)

Brett mit 5cm Matratze anstatt 300L Wasserbett

Kakerlaken und Ratten anstatt Hund und Katze (streichelt die beiden mal für mich)

Redhorse anstatt Augustiner

Jeepney und Tricycle anstatt Auto mit Klimaanlage

Reis und Reis anstatt Schweinebraten und Schnitzel

Am auffälligsten ist jedoch die vollkommen andere Mentalität der Filipinos im vergleich zu Deutschen. Mir ist es nie aufgefallen und in Deutschland hätte ich auch niemanden zugestimmt wenn mir jemand gesagt hätte wir wären ein mürrisches Volk, aber dem ist im allgemeinen schon eher so. Die Menschen hier sind einfach viel offener, herzlicher und vor allem wird viel mehr gelacht!

Überlege doch einfach mal wann du  das letzte mal durch eine Stadt gegangen bist, dich eine wildfremde Person angelächelt hat und dir im gleichen Atemzug ein simples aber äußerst freundliches „Guten Tag!“ zugeworfen hat. 

       – Du liegst absolut richtig. Das ist dir noch nie passiert! Aber sowas macht dich einfach fröhlich.

Und genau dieses Beispiel zeigt die Mentalität der Menschen hier sehr gut: man wird sich sehr schwer tun eine unfreundliche Person aufzufinden. Wenn man mit Respekt und Höflichkeit durch die Straßen geht kriegt man es doppelt und dreifach zurückgezahlt. 

Zwei der vorherigen Freiwilligen hier haben mich in den ersten Wochen herumgeführt und mir gezeigt wie man diese neuen Lebensumstände am besten meistern kann, was ehrlich gesagt eine unglaublich große Hilfe war/ist. Danke an euch beide noch einmal!

Von Slums und dem Umgang mit dem Tod in dieser Kultur bis hin zu einer atemberaubenden Aussicht auf die Skyline Manilas von einem der vielen Designer Tower habe ich schon vieles erlebt. Man braucht nicht lange um zu verstehen dass genau diese extremen Gegensätze und die gigantische Kluft zwischen arm und reich (obwohl manchmal nur einen Zaun entfernt) die Hauptprobleme der Stadt sind.

Die meiste Zeit habe ich aber nicht auf Erkundungstour sondern in meinem Praktikum im Kindergarten, welches sich nun dem Ende nähert, verbracht. Nun muss ich aber vornweg sagen dass die Kinder zwar eins zu eins das Alter deutscher Kindergärten und Kitas (2-5 Jahre) haben, man es aber definitiv nicht miteinander vergleichen kann. Den Rackern wird unter anderem bereits Lesen, Schreiben und der Unterschied zwischen Vokalen und Konsonanten beigebracht. Für mich war dies sehr praktisch, da ich so nicht nur den Umgang mit Kindern sondern auch gleich das Unterrichten mit verschiedenen Methoden ausprobieren und üben konnte. Ich habe die Zeit dort wirklich genossen, man hatte ziemlich viele Situationen zum lachen und die Arbeit mit den Kids ist einfach toll. Dennoch freue ich mich auch schon sehr darauf meine Arbeit in den Slums anzufangen.

Ich hoffe der Beitrag war halbwegs Interessant und Informativ. Falls aber spezielle Fragen aufgekommen sind kannst du  mir diese natürlich gerne an daniel.manila@web.de stellen. Ich werde diese dann entweder per Mail oder in meinem nächsten Beitrag bzw. Rundbrief beantworten. Falls du diesen Rundbrief auch erhalten möchtest schreibe mir einfach eine Mail an oben genannte Adresse mit „Rundbrief“ im Betreff.

Ansonsten wünsche ich dir beste grüße aus Manila,

vielleicht machst du ja jemand anderem mal eine Freude mit einem „Guten Tag!“

Daniel

Jeepneys, türkisblaues Meer und strahlende Kinderaugen (#6)

Hallo zusammen,

Inzwischen ist mein Jahr auf den Philippinen schon wieder vorbei. Auch wenn ich seit Anfang August zurück in meiner Heimat bin, möchte ich niemandem vorenthalten, wie sich meine letzten Monate auf den Philippinen gestaltet haben. In den Pfingstferien kam meine Familie zu Besuch, worüber meine Mutter in einem ‚Gastbeitrag‘ im Folgenden berichtet:

Als ich mich mit meinen Kindern Mitte Mai auf den Weg zu unserem Jakob auf die Philippinen machte, hatten wir alle keine Ahnung, was uns erwarten würde. Nicht nur, weil Jakob sich das Reiseprogramm für uns überlegt und es bis zum Ende geheim gehalten hatte, sondern auch, weil wir in eine ganz  andere Kultur eingetaucht sind, die mich total fasziniert hat. Jakobs erste Blog-Einträge, mit denen er uns an seiner Welt ein wenig teilhaben ließ, gingen über den Verkehr in Manila und den daran beteiligten Fahrzeugen. Ich muss zugeben, dass ich mich damals etwas darüber gewundert habe. Mittlerweile weiß ich, dass der Verkehr in Manila einen großen Anteil an der Atmosphäre dieser Stadt hat. Natürlich, Großstadtlärm wie in vielen Städten auch bei uns. Aber das Wie ist doch ein komplett anderes. In all dem Gewusel von Autos, Bussen, Tricycles, Jeepneys, Mopeds und dazwischen Fußgängern scheint es kaum Verkehrsregeln zu geben. Es wird rechts und links überholt, die Spuren werden wild gewechselt – aber: es funktioniert. Das Hupen, das permanent durch die Straßen tönt, ist kein aggressives Hupen, sondern eher ein auf sich aufmerksam machen. Und die wichtigste Verkehrsregel scheint zu sein, dass man nicht nur sich im Blick hat, sondern auch die Verkehrsteilnehmer um einen herum. So können Tricycles und Jeepneys ohne Probleme wieder in den fließenden Verkehr einfädeln, wenn sie neue Fahrgäste aufgenommen haben.

Diese Rücksichtnahme und das Aufeinanderschauen haben wir auch in den Begegnungen mit den Menschen auf den Philippinen erfahren. Überall wurden wir freundlich und zuvorkommend behandelt, man war stets bemüht, uns unsere Wünsche zu erfüllen, uns zu helfen, es wurde darauf geachtet,  dass es uns gut geht und wir uns wohl fühlen. Dies führte zu Erfahrungen, die bei uns hier undenkbar wären. So wurden uns, als wir morgens um 5 Uhr in unserer Unterkunft auf der Insel Coron ankamen, Betten in zwei sogenannten „nipa huts“ (traditionelle Häuser aus natürlichen Materialien wie der Nipapalme, deren Blätter häufig für die Dachkonstruktion verwendet werden) zur Verfügung gestellt, damit wir uns ausruhen können, weil unser gebuchtes Zimmer noch nicht frei war. Oder wir konnten einen Nachtisch, den wir schon einmal gegessen hatten und der unglaublich lecker war, aus einem Nachbarrestaurant bestellen. Haben Sie schon einmal versucht, eine Speisekarte aus dem Nachbarlokal zu ordern?

Auch die Menschen in Payatas sind uns mit großer Offenheit und äußerst freundlich begegnet als wir mit Jakob und Moritz einen Tag dort verbrachten und sie bei ihrer Arbeit begleiten durften. Dieser Tag hat mich sehr beeindruckt. Da war zum einen diese ganz andere Art zu leben, unterschiedliche Häuser, Straßen, die befestigt waren, aber auch Wege, die nur aus Erde bestanden. Frauen, die ihre Wäsche in Bottichen auf dem Platz vor dem Haus wuschen und Kinder, die mit einem Gartenschlauch abgeduscht wurden. In all das haben wir einen Einblick bekommen als wir mit den beiden Mazlern die Kinder in ihren Häusern abholten. Zum anderen erlebten wir äußerst offene und gastfreundliche Menschen. Wir wurden herzlich begrüßt, wir durften gerne Fotos machen und am Ende des Tages wurden wir von einer Familie noch zum Essen eingeladen. Kein Misstrauen, keine Zurückhaltung, sondern Offenheit und Wohlwollen schlugen uns entgegen.

Was Moritz und Jakob für die Kinder in Payatas leisten, ist beeindruckend. Die gemeinsamen Unterrichtsstunden, die an vielen völlig unterschiedlichen Plätzen in dieser Gegend stattfinden, sind sehr strukturiert aufgebaut und versuchen die Kinder in unterschiedlichen Bereichen anzusprechen. Nach der Begrüßung „Good morning, Teacher Jakob!“ und einem gemeinsamen Gebet versucht Jakob durch eine kleine Fragerunde über Lieblingsessen, -farben und anderem die Kinder mit der englischen Sprache ein wenig vertraut zu machen.

An unserem Besuchstag durften sie eines unserer mitgebrachten Puzzle zusammensetzen und dabei die Tiere auf Englisch benennen. „W“ und „X“ waren die Buchstaben, die sie an diesem Tag bei Jakob wiederholten und auf einem Arbeitsblatt schreiben mussten. Einige der Kinder waren da sehr geschickt, andere mussten sich schon mühen und brauchten Geduld. Viel Freude bereitete ihnen das Ausmalen eines Bildes, das auf dem Arbeitsblatt abgedruckt war – und noch größere Freude, dass sie aus dem Arbeitsblatt einen Papierflieger falten und ihn fliegen lassen durften. Die Gruppen, die auf einem Platz neben dem Friedhof unterrichtet wurden, vertieften die Buchstaben durch Laufspiele und Memoryspielen. Mit Freude lauschten die Kinder Jakob und Moritz als sie Märchen auf Tagalog vorlasen – für uns war es interessant zuzuhören obwohl wir nichts verstanden. Trotz der zum Teil eher schwierigen Umstände (die Kinder stehen um einen wackeligen Tisch, sie sitzen und schreiben auf einem Holzbrett, das über zwei Steine gelegt ist… da wirken unsere Diskussionen über die Ausstattung von Klassenzimmern mit Whiteboard und Beamer etwas befremdlich) gelingt es Moritz und Jakob, den Kindern das für die Einschulung notwendige Wissen zu vermitteln. So konnten die Kinder in Moritz Gruppe fehlende Buchstaben im Alphabet ergänzen und bei Jakob die bereits erlernten Buchstaben bei diversen Spielen wiederholen. Zum Mittagessen waren wir im Center eingeladen – Jeremy hatte für uns ein leckeres Mittagessen gezaubert und wir durften neben den Lehrerinnen und Lehrern, die die Jugendlichen unterrichten, auch Sister Frances kennenlernen.

Jakob zeigte uns nicht nur seine Arbeit und die quirlige Stadt Manila, sondern weitere wunderbare Ecken der Philippinen. Nach einer 14-stündigen Fahrt mit einer Fähre kamen wir auf der Insel Busuanga an. Ein Bummel durch den Ort Coron, der Besuch auf dem örtlichen Markt, nächtliches Kanufahren mit Besichtigen der Glühwürmchen in den Mangrovenbäumen und des faszinierenden fluoreszierenden Planktons standen ebenso auf dem Programm wie ein Besuch auf der Nachbarinsel Culion, auf der über 100 Jahre lang eine Leprakolonie bestand. Einen traumhaften Tag verbrachten wir beim Stand Up Paddeling, bei dem wir durch einsame Lagunen und unter Mangrovenbäumen paddelten. Immer wieder landeten wir auf fantastischen Inseln und wurden auf einer mit einem auf dem Boot zubereiteten leckeren Essen verwöhnt. Das Baden in heißen Quellen rundete diesen einmaligen Tag ab – für manchen Sonnenbrand bedeutete das fast eine homöopathische Behandlung nach Hahnemann „Gleiches mit Gleichem behandeln“. Die Besteigung eines kleinen Hügels während des Sonnenaufgangs bot uns einen phantastischen Blick auf einige der über 7000 Inseln der Philippinen. Unsere nächsten Erlebnisse durfen wir auf der Insel Palawan machen: Islandhopping, Schnorcheln, Besuch eines Wasserfalls und immer wieder Einblicke in das Leben der Menschen.

Unseren letzten Abend verbrachten wir mit „unseren Jungs“ Moritz, Simon und Jakob in „Fred’s Bar“. Leckeres Essen – wie immer auf unserer Reise – gute Gespräche, eine tolle Atmosphäre bei immer noch 30° und viele liebe Menschen um uns herum. So wie an diesem letzten Abend konnte ich auf der ganzen Reise spüren, wie sehr Jakob in diesem fernen Land angekommen war. Er, Moritz und Simon erfüllen ihre Arbeit mit und für die Kinder mit Herzblut. Innerhalb kürzester Zeit haben sie Freunde gefunden und Kontakte geknüpft – an dieser Stelle eine großes Dankeschön an Peter, der uns stolz und voller Begeisterung durch Intramuros und Chinatown führte. Sie erleben das Land und die Menschen in allen Facetten: bei ihrer Arbeit im Slum, beim Weggehen und Party feiern ebenso wie bei ihren Ausflügen und Reisen in verschiedenste Regionen des Landes. Sie verbringen viel Zeit in dem Bergdorf Buscalan, leben dort mit den Menschen und packen mit an, wo ihre Hilfe gebraucht wird. Sie genießen die einmaligen und unbeschreiblich schönen Inseln und setzen sich mit der Frage des Lebensstils auseinander. Nach dem, wie wir Jakob dort erlebt hatten, konnte ich beruhigt wieder nach Hause fliegen. Und es war eine intensive Zeit für uns als Familie – den ganzen Tag (und die Nächte) miteinander verbringen, Fantastisches erleben und viel Zeit zum Reden und Erzählen haben. Nun fiebern wir hier seinem Nachhausekommen in wenigen Tagen entgegen, denn unsere Reise liegt schon einige Wochen zurück. Trotzdem sind unsere Erfahrungen auf den Philippinen noch sehr präsent. Nicht nur, weil ich in meinem Religionsunterricht immer wieder davon erzählt und Bilder gezeigt und vielen Menschen voller Begeisterung berichtete habe, sondern auch, weil diese Reise für mich und Jakobs Geschwister uns in eine neue Welt, in Jakobs Welt, hat eintauchen lassen und uns sehr berührt hat.

Salamat po, Jakob, für diese einmalige, wunderbare Zeit mit

dir auf den Philippinen!

Christine, Paul, Magdalena und Anna

P.S. Inzwischen ist unser Jakob wieder bei uns und wir genießen die gemeinsame Zeit in vollen Zügen!

Buscalan (#5)

Hallo zusammen,

Inzwischen sind schon mehr als 75 % meines Einsatzes hier auf den Philippinen Geschichte. Ganz besondere Erfahrungen, die ich natürlich niemandem vorenthalten möchte, konnte ich in der Kar- und Osterwoche sowie den darauffolgenden Tagen machen. Zum besseren Verständnis und zur besseren Orientierung habe ich eine Karte erstellt, auf der die Orte markiert sind, die ich auf den Philippinen schon besucht habe. 

Gefährten vom Dach

Am Donnerstag vor Palmsonntag machten Simon, Peter und ich uns auf den Weg nach Buscalan. Zum einen wollten wir unseren Freund Theo dort wiedersehen, zum anderen reizte uns die Erfahrung, nachdem uns Theo und Peter schon vieles über das Dorf und die Menschen vor Ort berichtet hatten. Moritz konnte leider nicht mit, weil er den Besuch seiner Eltern erwartete. Früh morgens gegen sechs Uhr kamen wir in Bontoc, der nächstgrößeren Stadt, an. Wir gingen kurz auf den Markt, um noch einiges Gemüse und Obst für unseren einwöchigen Aufenthalt zu besorgen, bevor wir dann gegen viertel acht auf das Dach des Jeepneys kletterten, das uns ein Stück weiter in Richtung Buscalan bringen sollte. Schon vom Dach aus konnten wir eine atemberaubende Landschaft bestaunen, die sich uns überall bot. Die Straße war nicht gerade sonderlich breit, weshalb sich das Ganze manchmal etwas abenteuerlich gestaltete. Nichtsdestotrotz kamen wir wohlbehalten an der nächsten Station, einem kleinen Store an. Dort fanden wir einige Motorradfahrer vor, die darauf warteten, Leute zum sogenannten „Turningpoint“ zu bringen. Inzwischen war unsere Gruppe schon um drei weitere Leute gewachsen, die wir auf dem Dach des Jeepneys kennen lernten. Auch die Fahrt mit dem Motorrad war recht spannend, denn abgesehen vom Zustand der Straße hatten wir einiges an Gepäck dabei. Am Turningpoint kamen wir aber wiederum sicher an. Von dort aus machten wir uns ans letzte Stück Weg, das uns noch vom Dorf trennte, nämlich den Fußweg, der zunächst abwärts in ein schmales Tal mit einem Wasserfall und von dort wieder nach oben ins Dorf führte. Das hört sich alles etwas idyllischer an als es war, denn wir haben einige zig Höhenmeter überwunden, was in aller Herrgottsfrühe um ca. neun Uhr inklusive Gepäck nicht so ohne ist. Buscalan liegt zudem noch auf ca. 1000 Metern Höhe, was dem Aufstieg noch einmal einen eigenen Geschmack verleiht. Aber auch dieses Hindernis konnten wir überwinden und wir erreichten schließlich das Dorf. Dort wurden wir von unserem Freund Theo, der insgesamt schon einige Monate in Buscalan weilt, am Checkpoint empfangen. Da auch Peter im Dorf kein unbeschriebenes Blatt ist, konnten wir ihn als unseren Guide für die Woche nehmen, was die Registrierung beim Checkpoint sehr viel angenehmer machte. Untergebracht wurden wir in einem sogenannten „homestay“, der Übernachtungsmöglichkeit, die sich bei verschiedenen Familien im Dorf dort bietet. Der Preis für die Übernachtung stellt zudem gratis Reis und Kaffee bereit, welches beides im Dorf selbst gepflanzt und weiter verarbeitet wird. Da sich das Dorf vor einige Jahren den Touristen öffnete, um die Kultur mit diesen zu teilen, wurde eine Einrichtung wie der Checkpoint zur besseren Organisation nötig.

Einige Informationen vorab

Buscalan liegt in der Provinz Kalinga und bildet das eigene, gleichnamige Barangay. Dort leben die „Butbut“, eine eigene Volksgruppe mit langer Tradition und sehr interessanter Vergangenheit. Sie sprechen ihre eigene Sprache, ebenfalls „butbut“ genannt. In früheren Zeiten waren die Menschen, die dort leben, vor allem aufgrund ihrer „headhunter“, in der Umgebung berühmt berüchtigt. Als Headhunter bezeichnete man die Krieger des Dorfes. Bei Kämpfen mit benachbarten Dörfern oder anderen Feinden wie beispielsweise den Japanern im zweiten Weltkrieg trennten diese nämlich die Köpfe der getöteten Feinde ab, um diese zur Abschreckung weiterer Angreifer in der Nähe des Dorfes zu postieren. Heutzutage zieht es viele Touristen aufgrund der traditionellen Tattoos dort hin, die Männer zu damaliger Zeit durch Headhunting, Frauen aufgrund ihrer Schönheit erhalten haben. Die Tattoos werden nicht mit einer Maschine, sondern von Hand gestochen. Dazu verwenden die Tätowierer zwei Stöcke: In einem befindet sich ein kleines Loch, in welches ein Dorn gesteckt wird. An diesen wird immer wieder die Farbe geschmiert, die auf ganz natürliche Weise aus Kohle gewonnen wird. Mit dem zweiten Stock wird nun vorsichtig auf den Stock mit dem Dorn geklopft und so die Tinte in die Haut übertragen.

Die Bekannteste und zugleich mit ungefähr 100 Jahren die drittälteste Person im Dorf, Whang-Od tätowiert auch heute noch Touristen. Aufgrund ihrer eingeschränkten Sehfähigkeit und dem großen Andrang an Wochenenden und Feiertagen beschränkt sie sich inzwischen aber nur noch auf kleinere Tattoos. Für größere sind beispielsweise Grace und Elyiang, die das Handwerk ihrer Großtante fortführen möchten, oder auch andere Tattoo-Künstler aus dem Dorf zuständig. Whang-Od ist es selbst ein großes Anliegen, diese Tradition zu bewahren und an die nächste Generation weiterzugeben. Wer sich weitere Informationen zu diesem Thema holen möchte, dem seien diese Dokumentationen empfohlen: 

Im Dorf angekommen

Nach unserer Ankunft machten wir uns zunächst einmal zu unserem Homestay auf, um unser Gepäck abzuladen und die erste Tasse Kaffee zu trinken, die einfach nur hervorragend schmeckte. Danach haben wir uns mit Peter zunächst einmal ein wenig im Dorf umgesehen. Da zwei unserer Gefährten vom Dach bereits am nächsten Tag schon wieder abreisen wollte, begaben wir uns mit diesen auch direkt zu einer der Tattoo-Künstlerinnen. Dort konnten wir dann das erste Mal beobachten, wie die Tattoos gestochen werden. Auf dem Heimweg beobachtete ich dann noch einige Männer beim Schachspielen. Da die anderen schon weitergelaufen waren, konnte ich den Weg zurück zum Homestay aufgrund meiner Verwirrung und mangelnder Ortskenntnis nicht finden. Die Leute vor Ort waren aber sehr freundlich und hilfsbereit, sodass mir ein Mann seinen Sohn voraus schickte, um mir den Weg zu zeigen.

Den Abend ließen wir dann nach dem gemeinsamen Kochen und Essen noch gemütlich ausklingen. Der Reis aus Buscalan ist nicht, wie man ihn üblich kennt weiß, sondern meist rot. Einen wirklichen geschmacklichen Unterschied konnte ich nicht feststellen. Aufgrund der großen Anzahl an Menschen müssen sich die Leute aus dem Dorf aber auch zusätzlich noch mit Reis aus der Umgebung wie z.B. aus Tabuk eindecken. Gemeinsam mit uns im Homestay waren außerdem noch eine französische Tattoo-Künstlerin sowie der Amerikaner Gabriel.

Am nächsten Morgen trafen Simon, Gabriel und ich uns mit Theo, um ihm zu helfen, für den Store der Familie, bei der er lebt, einige Dinge vom Turningpoint abzuholen. Insgesamt liefen wir zwei mal dorthin und wieder nach oben ins Dorf, unterbrochen von einigen Essenspausen am Turningpoint und im Dorf sowie einigen Trinkpausen am Wasserfall. An ebenjenem konnten wir am Nachmittag dann auch noch die Gelegenheit nutzen und Baden gehen. Viele Jungs aus dem Dorf waren auch dort, oft im Adamskostüm unterwegs. Nach dem Baden sammelten sie aus dem Umkreis einer kleinen, trockengelegten Reisterrasse haufenweise Gestrüpp, Blätter und Äste zusammen, um daraus ein Feuer zu machen, an dem man sich wunderbar trocknen konnte.

Am darauffolgenden Tag machten Simon und ich uns zu einer kleinen Wanderung am Vormittag auf, die uns zur ein ganzes Stück oberhalb vom Dorf gelegenen Grundschule führte. Dort genossen wir die wunderbare Aussicht und das wunderbar sonnige Wetter. Gegen Mittag machten wir uns wieder auf den Rückweg ins Dorf, um mit dem Kochen anzufangen. Gabriel und die Französin waren am Morgen schon wieder abgereist. Gemeinsam mit Peter und Jan, einem deutschen Fotografen, machten wir uns am Nachmittag auf den Weg, um uns die Reisterrassen anzusehen, die das Dorf an der oberen Hangseite umgeben. Dort waren noch einige Frauen dabei, den Reis zu pflanzen. Das war wirklich beeindruckend zu sehen, mit was für einer Geschwindigkeit und Geschicklichkeit das vonstatten ging. Das Anpflanzen des Reises ist in Buscalan Sache der erstgeborenen Frauen. Man glaubt, dass das für die Ernte einen besseren Ertrag bringt. Nicht wenig verwunderlich also, dass einige ältere Frauen im Ort unterwegs sind, die extrem gebückt laufen.

Am nächsten Morgen brachen Peter und ich gemeinsam mit Jan, der sich auf den Rückweg begab, früh morgens nach Bontoc auf, um uns die Tickets für die Rückfahrt mit dem Bus zu organisieren.

Nachdem dies erledigt und wir uns wieder auf dem Dach des Jeepneys auf der Rückfahrt befanden, lernten wir bereits schon den nächsten Deutschen kennen. Auch er sollte ein Begleiter für die nächsten Tage sein.

Bei Charlie, dem Captain des Dorfes und dem Betreiber unseres Homestays, verbringen verschiedene Jugendliche ihre Sommer- und damit schulfreien Monate, um sich dort durch Mithilfe ihr Taschengeld aufzubessern. Da Brand, einer dieser Jungs bei Charlie, der Enkel des Captains aus dem Nachbardorf Butbut-Proper ist, bot sich für uns am darauffolgenden Tag die Gelegenheit, eine kleine Wanderung ins Nachbardorf zu unternehmen. Der Weg führte uns über die Reisterrassen und einen Pfad bzw. Straße am Berg entlang. Über die gesamte Zeit konnten wir dort die schöne Landschaft bewundern. Angekommen im Dorf konnte man schon einige deutliche Unterschiede feststellen: Das Dorf insgesamt wirkte schon einmal viel entzerrter und war viel lockerer strukturiert als Buscalan. Auch konnte man bemerken, dass die Dorfbewohner Weiße nicht so oft zu sehen bekommen wie die Leute aus ihrem Nachbarort. Nichtsdestotrotz wurden wir freundlich aufgenommen und vom Captain des Dorfes, Brands Großvater, zu einer Tasse Kaffee und ein paar Keksen eingeladen. Unser Rückweg führte uns dann über das Dorf Loccong, das auf dem Bergkamm oberhalb von Buscalan liegt.

Simon und ich verbrachten den nächsten Tag eigentlich hauptsächlich damit, für den Store von Theos Familie Bierkisten oder für die anstehende Hochzeit Holzstücke hoch zu tragen. Diese Holzstücke waren in etwa 70 cm lang und hatten einen Durchmesser von circa 20-25 cm. Als Dank für die Mithilfe wurden Simon, Peter und ich Abends noch bei der Familie der Braut zum Essen eingeladen.

Da der darauffolgende Tag der Geburtstag von Clarissa, einer der Mädels von Theos Familie, war, durften auch wir mit zur Geburtstagsfeier zum Wasserfall. Bei solch einem Anlass ist es üblich, dass das Geburtstagskind zwei bis drei Hühner für das Essen sponsert. Diese wurden am Wasserfall, über die Reisterrassen oberhalb des Dorfes zu erreichen, direkt gerupft und weiter zu Suppe verarbeitetet. Die Suppe wurde dann zusammen mit, wer hätte es gedacht, Reis gegessen. Wie es sich für so einen Anlass gehört, wurde der Reis und das Hühnchen dann auf Palmblättern, die auf dem Boden ausgebreitet werden, serviert. Bei den Filipinos ist das als „buddle fight“ bekannt. Eingenommen wurde das Mahl mit den Händen.

Obwohl wir uns schon am Nachmittag auf den Weg machten und uns das Warten aufs Essen mit Musik und diversen Getränken vertrieben, war es beim Baden im Wasserfall doch relativ frisch. Danach wurde allerdings wieder ein kleines Feuer gemacht, an dem man sich gut trocknen konnte. Mit der einsetzenden Dämmerung machten wir uns dann wieder auf den Weg zurück ins Dorf.

Am unserem letzten Tag machten Simon und ich uns dann früh morgens wieder auf den Weg zum Turningpoint, um dort das nach Bontoc fahrende Jeepney um neun Uhr zu nehmen.

Ein unerwartetes Event

Wir sollten aber schon am direkt darauffolgenden Freitag nach Buscalan zurückkehren, da wir während unseres ersten Aufenthalts von Charlie zur Hochzeit eines Familienmitglieds am kommenden Freitag und Samstag eingeladen wurden.

So machten Simon und ich uns am Donnerstag wieder auf den Weg in den Norden. Wir kamen wieder am Freitagvormittag im Dorf an und machten uns wieder zum Homestay bei Charlie auf. Dort trafen wir auf Peter, der immer noch dort weilte.

Die Hochzeit sollte am Freitag Abend beginnen. Bei den Hochzeiten gibt es unterschiedliche Varianten, je nachdem, ob das Pärchen schon Kinder hat oder nicht. Haben die Heiratswilligen schon Töchter bzw. Söhne, so entfällt die eigentliche Zeremonie und es findet nur die Feier statt. Andernfalls erfolgt für das Brautpaar eine Zeremonie. Bei der Hochzeit, an der wir teilnehmen konnten, hatte das Paar schon Kinder, weshalb am Samstag Nachmittag keine Zeremonie stattfand.

Als Vorbereitung auf die Hochzeit ist es Brauch, dass der Bräutigam und seine Freunde zwei bis drei Kalabaw, eine Art Wasserbüffel, der ganz viel zur Arbeit in den Reisfeldern eingesetzt wird, für das Essen stiftet. Für die Braut ist ähnliches angesagt: sie hat circa drei Schweine zu besorgen. Obwohl im ganzen Dorf Schweine unterwegs sind, die dort unterwegs sind wie anderorts Hunde und Katzen, werden diese nicht für diese Zwecke geschlachtet, sondern eigens gesonderte hergeschafft. Die Tradition verlangt es, dass die Freunde der Heiratenden die Tiere aus dem jeweiligen aktuellen Heimatort heranschaffen. Deshalb konnten wir am Freitag immer wieder Männer die Tiere, zum Teil schon geschlachtet und aufgeteilt, zum Teil noch lebend, an dünnen Stämmen den Berg hoch tragen sehen. Wenn man von dem Gewicht eines durchschnittlichen Schweines ausgeht, kann man sich vorstellen, was für eine schweißtreibende Arbeit das ist.

Am Freitag Abend versammelten sich also viele Leute zu Musik und Tanz auf einem kleinen Platz im Dorf, unweit von Charlies Homestay gelegen. Es war eine Abwechslung aus den traditionellen Tänzen mit eigenen Instrumenten, aus Sonderwünschen oder aus für jedermann angebotene Tänze. Zudem gaben ein paar Leute Gesangseinlagen zum Besten. Die traditionellen Instrumente sind Percussion-Instrumente. Sie ähneln ein wenig grifflosen Pfannen aus Kupfer in unterschiedlichen Größen, aufgehängt an einer Schnur. Darauf geschlagen wird mit einem der Größe entsprechenden Stock. Aufgrund der unterschiedlichen Größen und der Art, wie man darauf schlägt, entstehen natürlich unterschiedliche Klangfarben. Diese werden aus drei verschiedenen Pattern zu einem Rhythmus zusammengefügt. Während des Spielens tanzen die Männer hintereinander umher, währenddessen kommen irgendwann die Frauen hinzu, die innerhalb der Schlange der Männer eine eigene Schlange bilden und zur Musik tanzen. Der Tanz besteht aus Vor-und Zurückbewegen der zur Seite hin ausgestreckten Oberarme sowie verschiedenen Schritten der Füße. Die Videoaufnahme sollte den eben beschriebenen Ablauf etwas besser erklären.

Nachdem wir am Samstag Vormittag dann ausschlafen konnten und uns zum gemeinsamen Mittagessen mit Theo und einigen seiner Freunden und Freundinnen trafen, wurden am Samstag die Tänze des Vortages bis in die späte Nacht fortgesetzt. Wie bereits erläutert, entfiel eine Zeremonie für das Brautpaar. Als kleines Geschenk für das Brautpaar brachten wir eine Postkarte von Deutschland, original Bayerisches Bier und eine frisch gekochte Mahlzeit mit.

Am nächsten Morgen ging es für uns dann leider schon wieder zurück, da unsere Kinder und die Arbeit mit ihnen rief. Auf der Rückfahrt konnten wir noch einmal die schöne Aussicht vom Dach des Jeepneys genießen.

Der weitere Verlauf der nächsten Wochen

Den 1. Mai, der wie in der Deutschland Tag der Arbeit und somit Feiertag ist, nutzen wir zu einem verlängerten Wochenende und so machten Peter, Simon und ich uns erstmals gemeinsam mit Moritz auf nach Buscalan. Wir begaben uns am Mittwoch Abend auf unsere erneute Reise und kamen wiederum gegen sieben Uhr in der Früh an. Nach unserem Einkauf auf dem Markt liefen wir zum Jeepney, das uns nach Buscalan bringen sollte und luden unser Gepäck ab. Abfahrt ist um neun Uhr, so der Fahrer, weshalb wir die Zwischenzeit nutzen, um eine Kleinigkeit zu essen.

Als wir gegen dreiviertel neun Uhr die Straße Richtung dem Abfahrtspunkt liefen, sahen wir bereits eines wegfahren. Wir dachten uns zuerst nur: Gut, das wird schon nicht unseres gewesen sein, es fahren ja bestimmt noch andere in diese Richtung. Nachdem wir aber zwei Minuten später ankamen, stellten wir fest, dass es doch unseres war, das nun mit dem Gepäck auf dem Dach davon gefahren ist. Wir schnappten uns also schnell ein Trycicle und folgten dem Fahrzeug. Da nach einigen Kurven schon wieder einige Leute zustiegen, dauerte die Verfolgung nicht lange und wir konnten zu unserem Gepäck aufs Dach klettern. Angesichts der Vielzahl an Leuten im und auf dem Gefährt war es auch nicht weiter verwunderlich, dass der Fahrer nicht mehr auf weitere Passagiere warten wollte. Nach einer schönen, sonnigen Fahrt erreichten wir nach dem kleinen Fußmarsch wieder das Dorf. Auf dem Weg dorthin bemerkten wir, dass der Weg vom Turningpoint zum Dorf mithilfe dreier Bagger bearbeitet und so ein ganzes Stück breiter gemacht werden sollte.

In Buscalan angekommen trafen wir wieder Theo, der uns ein weiteres mal freudig begrüßte. Aufgrund der Vielzahl an Filipinos und anderer Touristen, die wegen des 1. Mais auf die selbe Idee wie wir gekommen sind, kamen wir in Charlies Homestay schon gar nicht mehr unter. Das war kein Problem, denn so kamen wir in Anna‘s Homestay in Theos und auch Charlies Nachbarschaft unter.

Die weiteren Tage waren nicht sonderlich spektakulär: Wir kochten wieder gemeinsam, halfen verschiedenste Dinge vom Turningpoint nach oben zu transportieren, waren unten am Wasserfall beim Baden und ein wenig im Dorf unterwegs. Dabei konnten wir wieder einige sehr interessante Leute kennen lernen. Wie bereits gesagt, waren aber wahnsinnig viele Leute da, was das Ganze etwas unentspannter machte. Die Dorfbewohner hatten alle Hände voll zu tun, alle Homestays waren bis auf des letzte Bett ausgebucht, jeden Tag kamen neue Touristengruppen ins Dorf, es wurde fast rund um die Uhr und überall tätowiert. Wir machten uns am Sonntagnachmittag dann schon wieder auf den Heimweg und waren Montag früh morgens wieder in Manila. Dadurch hatten wir noch genug Zeit, um uns für die Graduation der älteren Schüler und damit Highschool-Absolventen aus dem Center auszuruhen, die am frühen Nachmittag beginnen sollte.

Neben der Graduation war ein weiteres Highlight in den letzten Wochen die Segnung des Centers in Payatas, das Anfang das Jahres renoviert und umgebaut wurde. Neben einem größeren Klassenzimmer im Obergeschoss inklusive einer Toilette wurde im Untergeschoss ein abgeschlossenes Zimmer für die Küche eingerichtet. Der Unterricht mit meinen Kindern nimmt soweit seinen gewohnten Lauf, die Sommerhitze erschwert diesen allerdings etwas. Zum einen sind die Kinder etwas anders drauf und häufig etwas überdreht, zum anderen machen fast alle Kinder einen Mittagsschlaf, weswegen ich die Stunden am Nachmittag manchmal absagen muss.

Viele Grüße aus Manila

Jakob

Mein dritter Rundbrief

Hallo zusammen,

Inzwischen ist bei uns der Winter mit seinen angenehmen 25-30° C schon wieder vorbei und der Sommer naht mit großen Schritten. Das macht sich mit stetig steigenden Temperaturen sowie steigender Luftfeuchtigkeit bemerkbar. Die Sommermonate sind hauptsächlich April und Mai.

Abgesehen vom Temperaturumschwung hat sich wieder viel getan in den vergangenen Wochen:

Zwischenseminar in La Libertad

Zunächst einmal fand Ende Januar beziehungsweise Anfang Februar unser fünftägiges Zwischenseminar im Ort La Libertad auf der Insel Negros statt. Diese wird zu Visayas, der mittleren der drei großen Inselgruppen, gezählt. Zusammen mit 13 weiteren Freiwilligen, die einen Einsatz in den unterschiedlichsten Teilen der Philippinen absolvieren, verbrachten Moritz, Simon und ich das Seminar unter der Leitung von zwei Betreuern, die beide auch schon über längere Zeit auf den Philippinen gelebt und gearbeitet haben, mit verschiedenen Einheiten rund um unseren Einsatz. Nach dem Kennenlernen der gegenseitigen Einsatzstellen und dem Austausch von dort gemachten Erfahrungen, drehten sich die Einheiten vor allem um die kulturellen Unterschiede, worauf ich aber später noch genauer eingehen möchte. Zusätzlich konnten wir für unsere Arbeit mit den Kindern noch einige Anregungen und Tipps mit nach Hause nehmen. Des Weiteren stand noch ein persönliches Gespräch mit einem der Betreuer über unser Befinden an, um dieses dann unserer Organisation zurückzumelden.

Das Resort, in dem wir untergebracht waren, wird vom Ort La Libertad betrieben und ist eine Art Gemeinschaftsprojekt, das auf der Mithilfe einiger Leute aus den verschiedenen Ortsteilen und Dörfern basiert. Am Donnerstag hatten wir dann auch die Möglichkeit, den Bürgermeister, eine wirklich interessante Persönlichkeit, kennen zu lernen. Er lud uns spontan für einen Tagesausflug zu einer nicht allzu weit entfernten Sandbank ein, auf der die Gemeinde einige Häuser auf Stelzen über dem Wasser an Gäste vermietet. Dort war für Verpflegung reichlich gesorgt: neben Banana cue, Kamote (Süßkartoffeln, beides wird zunächst frittiert und danach durch darüber gegebenen und karamellisierenden Zucker gesüßt), frischer Buko und Bier ergab sich für uns die Möglichkeit, frische Seeigel und Austern zu probieren. Auf der Sandbank bot sich neben dem Schwimmen außerdem eine gute Gelegenheit, um zu Schnorcheln. Dort konnten wir neben Fischen und Seeigeln auch Seesterne finden. Abgerundet wurde unser Tag zurück im Resort dann mit einer Einladung zu Lechon, ein Spanferkel, das der Bürgermeister extra für uns zubereiten ließ, und danach zum Karaoke, welches bei den Filipinos überaus beliebt ist.

Auftritt im Music Museum

Des Weiteren fanden unsere Theaterproben ihren Höhepunkt in der Aufführung im Music Museum. Nach einer Critic ́s Night und einem Auftritt in Cavite, einem Konvent der Salvatorianer in Tagaytay City, sowie weiteren etlichen Proben ging dann am 24. Februar unsere Hauptaufführung im wahrsten Sinne des Wortes über die Bühne. Wir trafen uns bereits am frühen Morgen zum Schminken und zum Kostüme anprobieren, am Nachmittag standen dann ein Durchlauf mit Kopfbügelmikrofonen und allem Drum und Dran auf dem Spiel, bevor ab 19 Uhr die Zuschauer den Saal betraten. Darunter befand sich ein ganz besonderer Gast, nämlich eine Dame, die schon bereits zweimal als „National Artist“ für Theater nominiert wurde. Gegen 20 Uhr begann dann die Aufführung, welche zu unserer vollen Zufriedenheit verlief. Angesichts der Zahl an verkauften Tickets ist davon auszugehen, dass auch der eigentliche Zweck, Spenden für die Organisation zu generieren, erfüllt ist.

Program evaluation in Nasugbu

Vergangene Woche reisten dann das gesamte Personal aus beiden Centern unter der Leitung von Sister Frances und Sister Mila nach Nasugbu zur „Program Evaluation“. Nach der Ankunft am Dienstag in einem sehr schönen und großen Wochenendhaus, das uns eine mit den Salvatorianern befreundete Familie zur Verfügung stellte, drehte es sich die darauffolgenden Tage um die einzelnen Programme von Puso sa Puso: Welche Ziele aus vorangegangenen Plänen wurden erreicht? Welche Neuerungen oder Veränderungen gab es? Wie sieht es mit Plänen für die Zukunft aus? Dabei wurde natürlich auch unser Programm, das „Basic Home Base Tutorial Programm“ unter dem Namen „Eskwelahan ng Buhay“, unter die Lupe genommen und wir konnten unsere Sicht auf die Dinge teilen. Zudem machten wir uns über „non measurable benefits“ Gedanken, also welche Vorteile die Teilnehmer der verschiedenen Programme von Puso sa Puso haben, die nicht beziffert und gemessen werden können.

Zwischen unseren Meetings blieb natürlich immer wieder Freiraum fürs Kochen und gemeinsame Essen, Entspannen oder am Strand oder im Pool schwimmen gehen. Am Donnerstagnachmittag machten wir uns dann wieder auf den Rückweg. Dieser führte uns über den Konvent der Salvatorianer in Cavite, in dem wir eingeladen waren, eine Nacht zu verbringen. Es war schön, mit den dortigen Patern und Schülern ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen. Am nächsten Morgen traten wir dann den letzten Teil unserer Rückreise an, der uns über einige schöne Aussichtsplätze und Attraktionen, wie zum Beispiel den People‘s park in the sky oder Sonya‘s Garden führten, bei denen wir dann jeweils einen kleinen Stopp einlegten. Eine ganz wichtige Station, die bei den Filipinos auf keiner Reise fehlen darf, war dann auch noch das „Pasalubong-Center“. Als „Pasalubong“ bezeichnet man ein Mitbringsel von seiner Reise für Freunde und Familie zuhause. Dies kann von lokalen Essensspezialitäten bis hin zu Schlüsselanhängern alles Mögliche sein.

Abgesehen von diesen außerplanmäßigen Aktivitäten nahm natürlich der Unterricht mit den Kindern ganz normal seinen Lauf. Diese machen weiterhin Schritt für Schritt ihre Fortschritte. Mit dem Alphabet sind wir schon ein ganzes Stück weiter. Ich versuche natürlich während meinen Stunden die bisherigen Inhalte immer wieder zu wiederholen. Auch in anderen Bereichen merke ich deutliche Veränderungen, beispielsweise ihr Verhalten gegenüber den anderen Schülern.

Zu erwähnen ist außerdem noch Lorenz, ein Besucher aus München, der drei Wochen hier auf den Philippinen weilte, um sich Puso sa Puso genauer anzuschauen. Zwei Wochen verbrachte er jetzt hier mit uns in Manila, bevor es für ihn für die Karwoche nach Cavite weiterging.

Kulturelle Unterschiede

Wie angesprochen behandelt dieser Rundbrief die kulturellen Unterschiede, über die wir uns bei unserem Zwischenseminar ausgetauscht haben. Was man sich da zunächst einmal bewusst machen muss, ist die Existenz der anderen Kultur und die damit verbundenen unterschiedlich geprägten Ansichten. Eine unserer Einheiten, die das wunderbar darstellte, lief folgendermaßen ab: Zwei telefonierende Freunde sollen sich anhand einer Karte einen Weg durch eine Stadt bahnen. Allerdings hat Freund A eine Karte mit Beschriftungen, Freund B eine Karte ohne Beschriftungen. Der Clou an der Geschichte war, dass die Karten spiegelverkehrt waren, sprich ein Gesprächspartner redet die ganze Zeit von etwas, was für den anderen nicht klar ersichtlich ist, weil es sich für ihn auf der anderen Seite der Karte befindet. Solange man das nicht realisiert hat, führt das zu sehr viel Verzweiflung und Aufregung und man beginnt, alles Mögliche, auch sich selbst, zu hinterfragen. Wenn man allerdings realisiert hat, was der Unterschied zwischen beiden Karten ist, lässt sich die Aufgabe recht schnell lösen. Im übertragenen Sinne bedeutet das also, dass man sich zunächst einmal darüber im Klaren sein muss, dass die Kultur vor Ort Unterschiede zur eigenen aufweist und man nicht von den gleichen Gegebenheiten ausgehen kann. Hat man dies erst einmal verstanden, so kann ein guter Austausch erfolgen. Wichtig ist allerdings, so unsere Betreuer, seine eigene Kultur nicht komplett für die andere aufzugeben, da so kein Austausch entstehen könne.

Ein prägender kultureller Unterschied ist zunächst einmal das Zeitgefühl: Wir, die Deutschen, getaktet wie ein Uhrwerk und stets um genaueste Pünktlichkeit bemüht, gegenüber den Filipinos mit ihrer „Philipino time“, welche bedeutet, dass der Treffpunkt nicht auf eine präzise Minute beschränkt ist, sondern diese Minute und außerdem noch weitere eineinhalb Stunden umfasst. Das sind jetzt natürlich nur übertriebene Stereotypen, es gibt selbstverständlich auch hier sehr pünktliche Leute und auch Deutsche wie mich, die bei Weitem nicht zu den Pünktlichsten gehören. Dennoch ist dieser Unterschied hier nicht zu vernachlässigen, gerade bei der Planung gewisser Events. Verstärkt wird dieser Faktor hier in Manila vermutlich noch durch die Verkehrssituation.

Einen weiteren Unterschied stellt der Umgang mit Konfliktsituationen dar: während sich die Deutschen ihren offenen Umgang und das direkte Ansprechen von Problemen und Differenzen geloben, halten die Filipinos sich eher an die indirekte Kommunikation. Ein Problem (oder auch Kritik) wird über eine andere Person mitgeteilt, die im Prinzip als Mittelsmann fungiert.

Des Weiteren nimmt bei Filipinos die Familie einen anderen Stellenwert ein, als wir es hier in Deutschland schon vielerorts gewohnt sind. Die Familie ist der zentrale Dreh- und Angelpunkt im Leben. Die Familie umfasst allerdings nicht nur die Geschwister, Eltern und Großeltern sondern alles bis hin zur Großtante und Großcousine.

Wie ich schon selbst erfahren habe, können derartige Unterschiede leicht zu Verwirrung oder Missverständnissen führen, helfen aber nichtsdestotrotz, die Kultur besser zu verstehen.

Für uns steht in der kommenden Karwoche jetzt auch erst einmal nichts mehr Schultechnisches auf dem Plan. Daher sind Simon und ich am Sonntagabend mit Peter losgezogen und haben uns auf eine weitere Reise begeben, von der ich dann in meinem nächsten Blogeintrag berichten kann. Ich hoffe, Ihr konntet schöne und erholsame Kar- und Ostertage mit euren Familien verbringen!

Viele Grüße aus Manila

Jakob

Das Tricycle (#3)

Hallo zusammen,

Inzwischen ist es schon wieder eine ganze Weile her, dass ich meinen letzten Eintrag geschrieben habe. Es tut mir leid, dass ich euch wiederum so lange auf Neuigkeiten von den Philippinen habe warten lassen müssen. Eine Sache, die ich aber zunächst noch unbedingt erwähnen muss, sind die Orientierungstage für alle Interessierten am MaZ-Programm für den kommenden Sommer. Diese finden am 02.12.2017 beziehungsweise 13.01.2018 in Nürnberg statt. Weitere Details dazu finden sich unter cosamaz.org. Bitte auch gerne im Bekannten- und Freundeskreis Werbung dafür machen und es verbreiten! Dankeschön.

ABC- und Zahlenunterricht mit Dreijährigen

In den letzten Wochen lerne ich die Kinder im Unterricht immer besser kennen und zum Teil auch besser unter Kontrolle zu halten. Dies gelingt natürlich nicht immer, man darf schließlich auch nicht vergessen, dass die Kinder zum Teil erst drei Jahre alt sind und in was für einer Umgebung sie aufwachsen. In diesen Fällen helfen mir die Eltern sehr oft weiter, die mir inzwischen schon viel mehr vertrauen, was sich dadurch bemerkbar macht, dass sie sich im Hintergrund halten oder die Kinder nur zum Unterricht bringen und kaum noch in den Unterricht eingreifen. Derzeit versuche ich meinen Kindern durch Memory die ersten Buchstaben des ABC beizubringen. Ich hoffe, dass sie so die Buchstaben zunächst kennen lernen, was das Schreibenlernen später hoffentlich erleichtert. Ein weiterer fester Bestandteil ist weiterhin das Gebet zu Beginn und zum Schluss der Stunde sowie das Nachfahren von Linien und Ausmalen von Bildern. Durch letzteres soll die Fertigkeit im Stifthalten und Handhaben trainiert werden. Hierbei habe ich auch angefangen, den Kindern beizubringen nach den Stiften höflich zu fragen, bevor sie diese bekommen, was inzwischen schon ganz gut funktioniert. Sowohl beim Memory als auch bei anderen Spielen wie Domino oder bei Puzzles binde ich es immer wieder mit ein, die Kinder etwas zählen zu lassen, um auch die Zahlen im Zahlenraum von eins bis zwanzig zu verfestigen. Da Simon schon vergangene Woche frei hatte, in welcher Moritz und ich gearbeitet haben, während wir diese Woche keinen Unterricht haben und Simon arbeitet, konnte Simon uns beide einen Tag bei unserer Arbeit begleiten und einige Fotos mit uns und den Kindern machen, auf die viele von euch sicherlich schon sehnsüchtig gewartet haben. Ich hoffe, es kann auch einen ganz guten Eindruck in die Stunden mit den Kindern geben.

Probenmarathon und Landerkundung

Weiterhin investieren wir viel Zeit und Mühe in die Tanz- und Theaterproben für das Theaterstück im kommenden Jahr. Die letzten drei Tage hatten wir einen wahren Probenmarathon von morgens bis abends und zudem hatten wir die erste Darbietung der „Rohversion“ vor zwei Personen, die unser Spiel das erste Mal gesehen haben und so konstruktive Kritik üben konnten. Bis zu unserer ersten Aufführung im Februar werden nun die Feinheiten und Details weiter ausgearbeitet und vertieft.

Da wir vergangenen Montag sowie diese Woche frei hatten, nutzten wir die freie Zeit, um uns wieder einige Flecken dieses Landes anzusehen. Zum einen haben Moritz, Simon, einige andere Freunde und ich uns auf die Insel Tingloy zum Masasa Beach aufgemacht. Dort haben wir eine Nacht verbracht und waren die beiden Tage, die wir auf dieser Insel verbracht haben, vor allem am Strand. Der helle Sand sowie das klare Wasser dort waren sehr beeindruckend. Auch die Bootsfahrt zu der Insel war wirklich gut, weil wir um die gesamte Insel zunächst herumfuhren, um auf die Südseite zu gelangen. Auf diese Weise haben wir sehr viel zu Gesicht bekommen.

Als ich einmal auf dem Weg zum Strand war und den Weg an einer etwa drei Meter hohen Felswand entlang lief, fiel plötzlich aus heiterem Himmel eine riesige, schwarze Echse mit gelben Punkten mit einem lauten Klatscher neben dem Weg in den Sand. Das Tier war locker über sechzig Zentimeter lang und ich war genauso erstaunt wie die anderen Leute in der Nähe und als ich wirklich registriert hatte, was passiert ist, war die Echse auch schon wieder zwischen die Felsen geschlüpft und verschwunden.

Atemberaubende Landschaft

In der Nacht auf Sonntag habe ich mich gemeinsam mit Mirko und Tere auf den Weg zur Insel „Cagbalete Island“ zu Teres Tante gemacht. Diese betreibt dort das sehr schöne Resort „Villa Noe Beach“, in dem wir zwei Nächte verbringen konnten. Den ersten Tag sind wir wieder die letzte Strecke mit dem Boot angereist und konnten von diesem aus wieder die wunderschöne Gegend begutachten. Vom Boot aus mussten wir die letzten hundert Meter zum Strand waten, da bereits die Ebbe eingesetzt hatte und das Boot nicht näher an den Strand fahren konnte. Das Wasser dort war wieder wahnsinnig klar, der Sand total hell und überall Palmen mit Kokosnüssen. Am ersten Tag haben wir die Zimmer bezogen und den Strand ein bisschen erkundet. Außerdem haben wir nach Norden durch eine weite Gras- und Waldlandschaft in den kleinen Hafen aufgemacht, um dort etwas zu essen und uns diesen ein wenig anzusehen. Wegen des Regens der Tage zuvor waren die Wege zum Teil unter Wasser gestanden, was das ganze etwas hinauszögerte.

Nachdem wir zurück im Resort waren und mit zurückkommender Flut noch etwas badeten, ging ich auch schon gleich nach dem Abendessen ins Bett, da mir die Tante den Sonnenaufgang empfahl, der zwischen 4:30 und 5:00 Uhr morgens beginnen sollte. Das frühe Aufstehen für diesen hat sich auch wirklich gelohnt, es war wirklich wunderschön, langsam die Sonne hinter den Bergen und über dem Meer aufgehen zu sehen.

Um 7:30 Uhr haben wir uns dann außerdem schon wieder zum sogenannten „island hopping“ aufgemacht. Wörtlich übersetzt heißt das „Insel-hüpfen“ und beschreibt eigentlich ganz gut, was man dabei macht: Man fährt mit dem Boot von Insel zu Insel und schaut sich die sehenswerten Dinge dort an. In unserem Fall waren es nur zwei Inseln, was auch kein Problem und echt toll war. Zunächst haben wir uns eine beeindruckende Felsformation mit einer Höhle angeschaut. Von dort aus war der Plan eigentlich, zu einem Wasserfall zu fahren, aufgrund des starken Wellengangs war dies leider nicht möglich, weshalb wir direkt zum nächsten Strand weitergefahren sind.

An diesem Strand war mit zunehmender Ebbe nicht nur eine riesige Sandbank aus leuchtend weißem Sand sowie glasklares Wasser zu finden sondern auch überall Mangrovenbäume in den unterschiedlichsten Formen und Größen, angefangen von kleinen, aus dem Sand sprießenden Sprossen bis hin zu sehr alten Bäumen mit einem riesigen Wurzelsystem. Aufgrund ihrer Einzigartigkeit stehen die Mangrovenwälder dort auch unter strengem Naturschutz, hat Teres Tante mir erklärt.

Bald darauf machten wir uns auch schon wieder auf den Weg zu der kleinen Stadt am Hafen, um dort etwas zu Mittag zu Essen bevor es einige hundert Meter entfernt von der Küste dann wieder zum Schnorcheln ging. Auch hier gab es, wie beim letzten Mal auch schon, wahnsinnig viele und sehr unterschiedliche Fische und Korallen zu bewundern.

Da Tere und Mirko ihrerseits von der Produktion von kurzen Videos zu bestimmten Reisezielen in den Philippinen leben, könnt ihr hier auch ein Video zu unserem Ausflug finden.

Dieses Mal gehts ums Trycicle

Das nächste Verkehrsmittel, das ich euch im Zuge dieses Eintrags vorstellen möchte, ist das Trycicle. Ein Tricycle ist im Prinzip ein Motorad oder Moped mit einem Beiwagen, das Personen von A nach B transportiert. Je nachdem, in welcher Gegend man sich befindet, fahren diese Fahrzeuge ihre Passagiere über kürzere oder längere Distanzen. Hier in Manila beschränkt sich dies zumeist auf einen bestimmten Stadtteil, den die Fahrzeuge befahren. Je nach Stadtteil variiert dann auch die Farbe der Tricyles. Bei uns in der Gegend beispielsweise sind sie grün, wenn wir in die Arbeit fahren blau oder wenn wir ins Konvent möchten weiß.

In der Provinz legen die Tricycles dann auch oft weitere Strecken zurück. In Baler beispielsweise wurden wir jeweils über eine halbe Stunde zu unseren Ausflugszielen hin und zurück gefahren.

Abhängig von der Zahl der zurückgelegten Kilometer und der mitfahrenden Gäste variiert dann auch der Preis pro Passagier. Auf dem Weg nach Payatas beispielsweise sind es 9 Pesos (ca. 15 Eurocent) pro Person, wenn mehr als fünf Fahrgäste mit von der Partie sind.

Wie genau die Tricycles aufgebaut sind, hängt auch von der Gegend ab, in der man sich gerade befindet. In der Regel ist der Beiwagen des Tricycles eher eine kleine Kabine, zum Teil sogar mit einer Tür. Darin befindet sich eine Sitzbank, auf die sich zwei Leute mit Blick in Fahrtrichtung mehr oder weniger quetschen. Mit Blick zur äußeren Straßenseite sitzt dann in er Regel noch eine weitere Person im Innenraum auf einer schmalen Sitzfläche. Zum Teil haben die Tricycles hinter der Kabine dann auch noch eine Ablage für Gepäckstücke angebracht, was ich sehr praktisch finde, gerade, wenn man mit etwas mehr unterwegs ist. In der Provinz habe ich auch schon Tricycles gesehen, die nach hinten offen waren und eine weitere Sitzbank dort hatten, sodass die Passagiere im Prinzip Rücken an Rücken sitzen. Es kommt auch manchmal vor, dass sich ein Fahrgast, der noch mit möchte, hinten auf die Kabine stellt und dort mitfährt.

Hinter dem Fahrer sitzen dann normalerweise noch zwei weitere Personen quer zur Fahrtrichtung. Damit diese ein wenig mehr Platz haben, sind an die meisten Tricycles noch eine Verlängerung der Sitzbank hinzugefügt. Zusammen mit dieser Verlängerung ist zumeist auch das Dach über dem Fahrzeug angebracht, manchmal sieht man sogar noch eine daran angebrachte Frontscheibe für den Fahrer.

Falls es regnen sollte, hat in der Regel jeder Fahrer einige Planen dabei, die er dann am Dachgestell befestigt, um sich und die Passagiere hinter sich vor dem Gröbsten zu schützen.

Neben der Funktion des Transports von Passagieren werden Trycicles zum Transport von allen möglichen Dingen im Alltag verwendet, dann besteht der Beiwagen meist aus einem Gestell, das die zu transportierenden Dinge besser fasst. Oft werden sie genutzt, um Trinkwasserkanister oder Gasflaschen zu transportieren, man sieht aber auch alle möglichen anderen Dinge wie zum Beispiel Metallstäbe darauf herumfahren.

Meiner Meinung nach sind Trycicles sehr oft ziemlich eng und unbequem, was vermutlich aber auch an meiner Körpergröße und daraus resultierenden Schwierigkeiten liegen mag.

Viele Grüße aus Manila

Jakob

Ein Jeepney (#2)

Hallo zusammen,

Inzwischen ist es schon wieder einige Wochen her, dass ich mich mit meinem letzten Blogeintrag gemeldet habe, und so einiges ist passiert. Ich und meine Mit-Freiwilligen stecken nun schon mitten in der Arbeit, die Vorbereitungen für das Theater sind intensiv angelaufen, wir finden uns inzwischen schon ein ganzes Stück besser zurecht, lernen weiter viele neue Dinge kennen und die Sprache Tagalog, mit der ich durch die Arbeit häufiger in Kontakt bin, verstehe ich schon ein ganzes Stück besser.

Eindrücke aus Payatas
Die Arbeitsstelle von mir und Moritz ist der Slum Payatas, einem Gebiet in Manila, in dem sich wahnsinnig viel um Müll dreht. Man hat den Eindruck, dass die gesamte Metro Manila hier ihren Müll ablädt, wenn man auf dem Weg zur Arbeit zahlreiche Deponien und Mülllaster passiert. Das Gebiet, in dem wir zuständig sind, stellt dabei allerdings nur einen wahnsinnig kleinen Teil dar. Für uns ist dort der Orientierungspunkt neben der „Sagrada Familia Chapel“, einer kleinen, einfachen Kirche, das Center. Dieses zweistöckige Gebäude umfasst zwei große Zimmer, die sowohl Klassenzimmer als auch Arbeitsplatz darstellen. Außerdem gibt es neben drei Toiletten eine Küchenzeile, in der täglich Reis für das Ulam, also das eigentliche Gericht zum Reis, gekocht wird. In den Klassenzimmern unterrichten neben einigen freiwilligen Helfern und Referenten vor allem die drei Lehrer Erika, Jeremy und Edwin. Diese bereiten gerade die älteren Schüler auf die Prüfungen kommenden November vor. Im Center trifft man außerdem Sister Frances, hier für Puso sa Puso verantwortlich, sowie die Social Workerin Celine an, die ganz viel im Kontakt mit den Familien steht. Celine war es auch, die uns am ersten Tag mit einer kleinen Orientierung einführte, uns zu den Plätzen mitnahm, an denen wir unterrichten sollten, und uns den Familien vor Ort vorstellte. So hatten wir die Möglichkeit, einen ersten Blick auf die neue und für uns ungewohnte Umgebung zu werfen. Viele der Familien dort leben in Häusern aus unverputzem Stein, andere in welchen, die aus Blech und Holz gebaut wurden. Manche Häuser sind mehrstöckig, die Mehrheit aber einstöckig, Einige haben Fenster aus Fensterglas, andere einen Vorhang, um es zu verschließen.

Den Rest unserer Woche konnten wir uns auf unsere erste Unterrichtseinheit mit den Kindern am Freitag vorbereiten und Ideen und Material im Center sammeln. Die Gruppen, die wir unterrichten, haben bis zu ihrer Abreise die beiden polnischen Freiwilligen Danusia und Piotr unterrichtet. Pro Tag unterrichten wir, so der Plan, fünf Klassen mit insgesamt 28 Schülern. Dass dieser Plan nicht immer einfach umzusetzen ist, liegt daran, dass zum Teil Stunden nicht stattfinden können, weil sich die Kinder im Moment irgendwo anders herumtreiben oder gerade schlafen. Zum eigentlichen Stundenbeginn waren, zumindest am Anfang, die Schüler sowieso noch nicht da. Inzwischen funktioniert das aber in einigen Klassen ganz gut, oft sind die Eltern auch stark dahinter her. Zum Teil läuft es aber auch nicht nach der geplanten Liste, weil einige der Kinder noch nie aufgetaucht sind, aus welchen Gründen weiß ich nicht. Dafür nehmen oft andere Kinder an meinem Unterricht teil, zum Teil sind sie eigentlich zu alt dafür. Ein weiterer Grund dafür, dass der Unterricht nicht stattfinden kann, sind Taifunwarnungen oder Streiks im Nahverkehr, die es jetzt wie heute schon mehrere Male gegeben hat.

Unterrichtsbedingungen in den Familien
Die Plätze, an denen ich unterrichte, unterscheiden sich ganz stark voneinander. Bei zwei der Familien gibt es für alle Kinder einen Sitzplatz auf einem Stuhl oder auf einer Bank am Tisch. Eine Klasse hat aber zum Beispiel meist nur einen Tisch, um den die Kinder stehen, zwei andere wiederum unterrichte ich am selben Platz, einer Bank, der gegenüber ich mich auf einen Stuhl setze, einen Tisch gibt es hier nicht. Alle Klassen werden bei guten Wetter draußen unterrichtet, was den Unterricht oft erschwert, weil die Kinder durch alles Mögliche abgelenkt werden können wie zum Beispiel Leute oder Tiere, die vorbeilaufen, oder Fahrzeuge, die vorbeifahren. In meiner Anfangszeit merke ich gerade, dass es überhaupt sehr schwierig ist, die Aufmerksamkeit der Kinder zu gewinnen und diese ständig zu haben, da die Aufmerksamkeitsspanne in diesem Alter unglaublich kurz ist. Daher probiere ich viele verschiedene Sachen aus, wie ich es am besten anstelle. Generell besteht der Inhalt meiner Stunden derzeit noch daraus, herauszufinden, wie viel die Kinder schon wissen oder können. Dabei können meine Schüler, aber auch die Eltern, einen schier zur Weißglut bringen: Die Kinder, wenn sie sich nicht anständig benehmen, überhaupt nicht aufpassen oder etwas komplett anderes machen, als ich ihnen sage; die Eltern, die oft mit von der Partie sind, weil sie ihre Kinder selbst unter Druck setzen, damit diese beispielsweise schon nach einer Sekunde das Richtige sagen und tun, ihnen die Lösung vorplappern, die noch nicht einmal stimmen muss, oder aber, weil sie sich mit den anderen Eltern im Hintergrund lautstark unterhalten und so den Lärmpegel, der ohnehin schon hoch ist, weiter steigern.

Gerade am Anfang waren die Stunden des Öfteren sehr frustrierend, aber das gehört zu diesem Lernprozess einfach dazu. Ich merke im Moment aber schon eine Verbesserung, tue mich auch mit der Vorbereitung der Stunden leichter und die Arbeit bereitet mir manchmal wirklich Freude. Ich hoffe das bleibt so.

Stimm- und Tanzübungen für ein Theaterstück
Eine Sache, die im Moment einen großen Teil unserer Freizeit einnimmt, sind die Vorbereitungen auf das Theaterstück „A Midsummernight’s Dream“ von William Shakespeare. Hierfür absolvieren wir gerade mit den angehenden Priestern aus dem Konvent in Loyola und den Kollegen aus Payatas und Parola immer wieder Workshops. Diese zielen darauf ab, unsere Fertigkeiten im Bereich Stimmbeherrschung und -variation sowie Tanz und Bewegung zu verbessern. Eigens dafür gibt es einen professionellen Tanzlehrer und einen Coach, der sich beruflich dem Theater spielen hingibt und uns dieses, mit allem was dazugehört, näher bringen möchte. Daher sollen wir im Moment auch unsere Textstellen lernen und üben. Die Freizeit, die für uns übrig bleibt, lohnt sich nicht wirklich, um am Wochenende große Ausflüge zu machen. Was sich aber perfekt eignet und was wir jetzt schon zwei mal mit Aldrin unternommen haben, sind Trips zu einer Wakeboard-Anlage in der Nähe von Manila. Es macht wahnsinnig viel Spaß, auch wenn ich erst beim zweiten Mal wirklich mehr als 20 Meter gefahren bin. Auch dies ist wiederum ein echt guter Weg, eine Weile aus der Stadt zu kommen und sich auszupowern.
Ansonsten gab es in letzter Zeit einige Momente, in denen ich wirklich Sehnsucht nach Zuhause hatte, nach Familie, Freunden und vielen anderen Dingen. Ich vermisse hier einfache Dinge wie Brot, da die Philippinen ein Land sind, das vom Weiß- und Toastbrot beherrscht wird. Da tut es ganz gut, wenn man hin und wieder ein bisschen Blasmusik hören kann. Auch die deutsche Wurst, die ich als Gastgeschenk dabei hatte und die wir letztens im Center mit den anderen gegessen haben, hat einfach fabelhaft geschmeckt.

Typisch für die Philippinen: das Jeepney
Wie versprochen, möchte ich in den Blogeinträgen immer einiges erklären, was typisch für die Philippinen ist. Heute ist das Jeepney an der Reihe. Ein Jeepney, kurz Jeep genannt, ist ein Fahrzeug, das im öffentlichen Nahverkehr eine tragende Rolle spielt, man sieht sie hier überall herumfahren. Ihren Ursprung haben die Jeepneys in den amerikanischen Armeetrucks, die nach Abzug der Amerikaner auf den Philippinen blieben und munter umgebaut wurden. Die Fahrzeuge sind weitaus länger als die ursprünglichen Trucks und in dieser Form kaum wiederzuerkennen. Elementare Dinge, die jedes Jeepney besitzt und ausmacht, ist der mittige Einstieg am hinteren Ende des Fahrzeugs und zwei lange Sitzbänke rechter- und linkerhand dieses Einstiegs, die bis zum Fahrersitz reichen, dazu parallel zwei Stangen an der Decke, an denen man sich während der Fahrt festhalten kann. Weiter ist unter der Windschutzscheibe und an den Seiten angeschrieben, zwischen welchen beiden Punkten das Jeepney hin und her pendelt. Um zu erfahren, welche markanten Punkte auf dem Weg dieser festgelegten Route liegen, schaut man auf die Windschutzscheibe, hier werden nämlich immer Schildchen geklemmt, auf denen diese Information steht. Hat man ein Jeepney erblickt, dass diese Route fährt, winkt man einfach kurz dem Fahrer und dieser hält schnellstmöglich an, dabei ist es ihm meist völlig egal, ob er gerade mitten auf einer Kreuzung steht beziehungsweise andere Fahrzeuge blockiert. Möchte man bezahlen, sagt man einfach kurz „bayad po“ und das Geld wird nach vorne durchgereicht. Sagt man „para po“ oder zieht man an einer Leine, die in vielen Jeepneys an der Decke befestigt ist und ein Lämpchen beim Fahrer aufblinken lässt, so hält das Jeepney an und lässt die Fahrgäste aussteigen. Ein Jeepney fasst in der Regel circa zwanzig Fahrgäste, dann sitzt man allerdings auch drin wie in einer Sardinenbüchse.

Kreative Gestaltung der Jeepneys
Bei der sonstigen Gestaltung der Jeepneys ist der Kreativität der Besitzer keine Grenze gesetzt. Von sehr schlicht gehaltenen über total verchromten bis hin zu mit knallbunten Grafittiybildern bemalten Fahrzeugen findet man alles. Häufig wird auf dem Kühlergrill oder an der Seitenwand ein großer Mercedes-Stern befestigt, auf der Motorhaube sieht man oft viele Pferdefiguren oder mehrere sehr lang gezogene Hupen. Die Hupe hat nicht nur teilweise sehr seltsame Klänge sondern wird auch ganz unterschiedlich betätigt, oft wurde sie so umgebaut, dass man an einem Strick oder einer Kette an der Decke ziehen muss. Manche Jeepneys sind tiefer gelegt oder fahren beispielsweise vorne mit kleineren Reifen als hinten. Der Auspuff einiger Jeeps wurde derart bearbeitet, dass er nicht nur wahnsinnig laut ist, sondern auch ein eher röhrendes Geräusch von sich gibt. Je nach Fahrzeug sind zum Teil fette Boxen verbaut, aus denen laute Musik schallt, passend dazu manchmal blinkende Lichter an der Decke. Die Decke der Jeepneys ist manchmal mit Leder überzogen, dazwischen eventuell einige Spiegelvarianten, manchmal besteht er aus bemaltem Holz. Verglaste Fenster hat ein Jeepney in der Regel, abgesehen von der Windschutzscheibe und eventuell den Scheiben der Fahrer- beziehungsweise Beifahrertür nicht. Manchmal sieht man Schiebefenster aus Plastik, der Standard ist aber eigentlich kein Fenster. Falls das Wetter umschlägt und es regnet, werden einfach durchsichtige Plastikplanen, die oben am Fensterrahmen befestigt sind, ausgerollt.

Ein weiterer Punkt, der ganz stark von Gefährt zu Gefährt variiert, ist der Komfort: einige Jeepneys sind sehr bequem und gut gepolstert, bei anderen wiederum hat man das Gefühl, auf einem Brett zu sitzen. Aufgrund meiner Größe habe ich auch das Gefühl, dass ich zum Jeepneyfahren nicht geeignet bin, da ich des Öfteren nicht aufrecht sitzen kann oder meine Füße sehr weit in den Gang ragen und die Leute nur schwer daran vorbeikommen. Das Aussteigen bleibt meinem Kopf auch manchmal in schmerzhafter Erinnerung.

Wahnsinnig bequem ist das Jeepneyfahren generell eigentlich nicht, es hängt natürlich immer von den Fahrkünsten des Fahrers ab, wobei ich finde, dass Fahrkomfort und -gefühl eher an einen Bulldog als an ein Auto erinnern.

Der Preis für eine Fahrt variiert je nach Strecke zwischen acht und zwanzig Pesos, so meine Erfahrung. Manche der Fahrgäste bezahlen auch wirklich erst, wenn sie am Zielort angekommen sind. Bemerkenswert ist aber wirklich, dass jeder bezahlt. Ich bezweifle, dass das in Deutschland genau so funktionieren könnte, ob da auch wirklich alle Menschen so ehrlich wären.

Der enge Gottesbezug der Filipinos zeigt sich auch bei den Jeepneys. An fast jedem findet man einen Rosenkranz, eine Marien- oder Jesusfigur sowie Sprüche wie „God bless our trip“ (=Gott segne unsere Fahrt) angebracht. Viele Fahrer machen beispielsweise zudem ein Kreuzzeichen, bevor sie losfahren.

Über die Fahrer und das Begleitpersonal
Bei den Fahrern hat man das Gefühl, dass es eine ganz eigene Community und ein ganz eigener Schlag Leute ist, nicht selten sieht man einen Fahrer auf der Rückbank seines Jeepneys übernachten. Oft unterhalten sich die Fahrer zweier Jeepneys, wenn sie gerade zufällig nebeneinander im Verkehr zum Stehen kommen oder rufen sich im Vorbeifahren etwas zu. Am Geschäft mit den Gefährten sind aber nicht nur die Fahrer, sondern weitaus mehr Personen beteiligt. So gibt es des Öfteren Fahrer, die neben sich auf dem Beifahrersitz jemanden haben, der für sie das Geld kassiert, die Schilder wechselt, die Punkte auf der Route für die mögliche Fahrgäste auf der Straße ausruft oder für die Musik zuständig ist. An Punkten, an denen viele Jeepneys ihre Kunden aufgabeln, stehen auch häufig Leute, die die Passagiere in die richtigen Fahrzeuge weisen und diese füllen, um so von jedem Fahrer ein bisschen Geld zu bekommen. Wiederum andere verkaufen auf den Straßen gekühltes Wasser, Snacks, Zeitungen oder stapelweise Lappen, mit denen die Fahrer häufig über das Lenkrad oder den Schaltknauf wischen. Laut meinem Reiseführer sind es circa 60.000 Jeepneys, die täglich in Manila unterwegs sind, also ein wahnsinnig wichtiger Teil der öffentlichen Verkehrsmittel. Da ist es klar, dass viele Menschen aufgrund eines Streiks der Fahrer nur schwer ihren Zielort erreichen können. Heute und gestern zum Beispiel hatten wir frei, weil die Fahrer streiken, um sich so gegen Pläne der Regierung zu wehren, die alle Jeepneys, die älter als 15 Jahre alt sind, aus dem Verkehr ziehen möchten und diese durch modernisierte Versionen ersetzen möchten. Diese sieht man vereinzelt schon, haben allerdings weitaus weniger Charme, sind nicht mehr einzigartig sondern standardisiert und würden Manila ein Stück Kultur und eine eigene Lebensweise rauben. Dafür spricht allerdings, dass so die Luft ein gutes Stück weit entlastet werden würde, da Jeepneys sicher nicht zu den Fahrzeugen mit den besten Abgaswerten gehören. Es wird mit Sicherheit eine spannende Frage bleiben.

Viele Grüße aus Manila

Jakob

Aufbruchsstimmung

Liebe Freunde, Verwandte und Interessierte,

das Glück kommt erneut über Euch – ich habe einen Artikel vollendet!

Da Ihr bestimmt auf der Suche nach einem trockenen Arbeitsbericht seid, möchte ich Euch diesen Gefallen gerne tun.

Heute ist es der 11.10.2017 und meine Zeit in Manila schreitet voran. Was heißt „schreiten“? Die Zeit fliegt!

Sowieso besteht die Theorie, dass die Zeit hier schneller vergeht – was auch die zwei jährlichen Jahreszeiten erklären würde. Es ist Zeit für einen Lagebericht der neuen Art, die Perspektive wird geändert.

Was machen wir aus der Zeit, nicht was macht die Zeit mit uns?

Montag – Freitag 9-14 Uhr: Mit Kindern und Familien in Parola Wissen gegen wertvolle Erfahrungen eintauschen.

Der Wechselkurs ist undefinierbar, die Organisation nach wie vor schleppend. Man muss sehr bedacht Vertrauen gewinnen und wer sagt schon gern zu unbekannten Kids: „Tut mir Leid, Du darfst heute nicht.“?

Pro Unterrichtseinheit ca. 12-15 Kinder. Mal mehr, mal weniger. Mal Unbekannte, mal Bekannte. Gekontert werden diese nicht kalkulierbaren Größen durch die Rekrutierung älterer Kinder, die mich physisch und mental während des Unterrichts unterstützen und als freiwillige Dolmetscher, Krisenmanager, Psychologen und Türsteher tätig sind.
Um auf diese Umstände adäquat reagieren zu können, muss man sagen, dass Klassengröße, Unterrichtszeit etc. von Woche zu Woche variieren – in Bewegung bleiben ist wichtiger denn je.

Die Gestaltung der Unterrichtseinheiten – und warum nur die Hälfte davon offensichtlich ist, wird übrigens im nächsten Artikel behandelt!

Neben den täglichen Hürden, auch außerunterrichtlich (gerade heute habe ich für zwei km Stadtverkehr stolze 1,5 Stunden benötigt), gefällt es mir in der Gegend immer besser. Einige Gesichter sind mittlerweile bekannt, aus verschiedenen Gates grüßen mich Bewohner aller Altersklassen. Manchmal kommt es mir so vor, als würde man sich an die Gegebenheiten und Umstände sehr schnell anpassen. Man fühlt sich wohl. Ist das naiv? Bitte den letzten Artikel lesen.

Was machen wir sonst mit unserer Zeit? Januar bis März steht ein großes Spendenprojekt an – dafür nehmen wir regelmäßig an Workshops teil. Das frisst Zeit. Viel Zeit. Weitere Infos kommen zeitnah, sobald die Verschweigenheitserklärung nicht mehr greift! Des Weiteren beginnen wir bald mit der Organisation unserer Weihnachtsfeier – die Aufgaben hierfür haben wir aufgeteilt und jeder packt mit an!

Darüber hinaus, was tut sich in unseren zwei Learning Centern in Parola und Payatas?

Beide Lernstandorte wachsen. In Payatas wird gerade eine neue Schule gebaut, das bestehende Haus baulich erweitert (die Planung hierfür läuft).
In Parola sind wir gerade eine Kooperation mit sechs weiteren Nichtregierungsorganisationen (NRO) eingegangen, um uns gegenseitig bei unserer Arbeit zu unterstützen. Inhalt der heutigen Besprechung war die „Versetzung“ von 30 Schülern der anderen Organisationen zu Puso sa Puso!

Zusätzlich zu diesem organisatorischen Reingewinn sind auch wir auf der Suche nach einem größeren Learning Center, da es langsam aber sicher an Platz mangelt.

Was soll man dazu sagen?
Der momentane Pioniergeist ist erfrischend und motiviert! Das näherrückende zehnjährige Jubiläum wird mit Sicherheit ein voller Erfolg.
Beeindruckend, was hier tagtäglich geleistet wird.

Viele Grüße in die Welt

Simon

Für zusätzliche Fotos: Instagram (Simon_b.g)

Reflexion eines ganzen Jahres

Das Reflexionsseminar ist für uns Teamer wohl eines der spannendsten Seminare: nach ihrem einjährigen MaZ-Einsatz im Ausland treffen wir die Freiwilligen zum ersten Mal wieder und jedes Mal ist es eine große Freude, ihren Berichten zu lauschen und zu sehen, wie sehr sich jede und jeder einzelne entwickelt hat. Alle freuten sich, einander wiederzusehen und wiederzuhaben.

Wir trafen uns am Freitagabend, 29.09.2017, in Nürnberg, an dem Ort, wo der MaZ-Einsatz mit der Vorbereitung vor über eineinhalb Jahren begonnen hatte. Fünf Tage, bis Dienstag, dem 03.10.2017, nahmen wir uns für die Reflexion Zeit. So durften alle in einem Vortrat ihre Projekte und Erfahrungen präsentierten und die Vielfalt der Projekte und Erlebnisse wurde deutlich. Außerdem reflektierten die MaZ ihre eigene persönliche Entwicklung, setzten sich mit ihrer „emotionalen Kurve“ während des Jahres auseinander und besprachen nocheinmal die unterschiedlichen Rollen, die sie während ihres Einsatzes ausfüllen mussten, und die Erwartungen, die mit diesen Rollen verbunden werden. In welcher Rolle habe ich mich wohl gefühlt? Was war schwierig für mich? War ich über- oder unterfordert? Mit diesen Fragen beschäftigten wir uns, wobei auch kleine Krisen und Konflikte angesprochen und bearbeitet wurden. So sollten alle zu einem guten Abschluss es Jahres finden. Aber auch der Spaß kam nicht zu kurz: Im MaZ-Raum wurde jeden Abend bis spät in die Nacht erzählt, ausgetauscht und gespielt.

Darüber hinaus stellte das MaZ-Team zusammen mit einer Vertreterin des „Arbeitskreises Rückkehrer“ Engagementsmöglichkeiten nach dem MaZ-Einsatz vor, im kirchlichen aber auch gesellschaftspolitischen Bereich. Denn die meisten zurückgekehrten MaZ möchten ihre Erfahrungen in die Gesellschaft einbringen und sich für eine gerechtere Welt einsetzen – auch Zuhause.

Wir wünschen den zurückgekehrten MaZ alles Gute auf ihrem weiteren Lebensweg und hoffen, sie bei Ehemaligentreffen oder anderen Veranstaltungen wiederzusehen!

Wir sind naiv!

Liebe Freunde, Verwandte, Interessierte,

…es ist soweit! Es ist tatsächlich passiert!

Ein paar Wochen hat es gedauert und was soll ich sagen….es ist passiert!

Vor zwei Tagen hat mein Mitstreiter Moritz doch tatsächlich abends erstmals den magischen Satz erwähnt. Den Satz, mit dem ich nicht gerechnet hätte: „Simon, irgendwie hab ich gar kein Bock in zehn Monaten wieder das Land zu verlassen!“

TRUE STORY. Insgeheim stimmt es ja. Aber warum kommt der Satz jetzt? Warum nicht erst in fünf Monaten? Wie naiv sind wir?

Schließlich kennen wir noch nicht ansatzweise 1% dieser Stadt, noch nicht 0,0000001% aller schönen Plätze und noch weniger Prozent aller Erfahrungen und Menschen. Tja, vielleicht sind wir naiv. Aber was hat uns – wenn die Annahme überhaupt stimmt – dazu gebracht?

Tja, vielleicht…

…vielleicht ist es die Arbeit und unser veränderter Alltag. Seit einigen Tagen sind wir nun in den Slums von Manila voll eingebunden.

Nach dem Aufstehen um sechs bis sieben Uhr (wer eine Schlummerfunktion besitzt, der versteht die Zeitangabe) begeben wir uns auf den Weg nach Payatas (Jakob und Moritz) bzw. Parola (mein Einsatzort), um dort unserer primären Tätigkeit, dem Unterricht von Kindern der Gegend, nachzugehen.

Von Anfang an haben wir hier bei der Umsetzung unseres „Lehrauftrags“ freie Hand, was Organisation und Umsetzung anbelangt. Einzige Voraussetzung: der Unterricht muss im Gebiet stattfinden, ohne feste Klassenräume. Die Tatsache, dass nichts zu 100% planbar ist, zieht sich dabei durch den Tag, Klassen werden größer, die Häuser, in denen wir unterrichten, müssen gewechselt werden und vieles mehr.

Diese vermeintlichen Probleme machen in letzter Konsequenz Spaß, bestärkt durch die Tatsache, dass alles durch eine gewisse Grundentspannung angegangen wird. Ich korrigiere den letzten Satz. Macht nicht immer Spaß.

Wie dem auch sei, es ist nicht immer alles komplett entspannt. Hört sich auch viel zu romantisch an.

Die Gegend ist sehr arm, Kriminalität und Gewalt gehören leider zur Tagesordnung. Man sieht definitv viel.

Aber nichtsdestotrotz sind die Bewohner der Gegend freundlich – war klar, dass der Satz kommt, oder? So selbstverständlich ist das gar nicht.
Insgesamt mag ich es, in Parola zu arbeiten, vor Ort Zeit zu verbringen und durch die engen Gassen zu schlendern – stets mit fünf bis zehn Kindern um mich herum: die besten Securities, die man sich in dieser Gegend vorstellen kann. Die Arbeit macht Spaß, die Atmosphäre ist auf eine gewisse Weise einzigartig und der Adrenalinpegel hoch. Ich würde nicht tauschen wollen.

Gerade kümmere ich mich nach wie vor um die Einteilung der Klassen und Erstellung eines Lernplans. Hierbei unterscheide ich nach Vorkenntnissen und Alter. So die Theorie …

Neben dem Arbeitsalltag gibt es ebenfalls eine positive Form der Routine, die gerade Stück für Stück einzieht:

1. Logistische Zeiteffizienz: Der Umgang mit dem Nahverkehr wird routinierter, was im Endeffekt heißt, dass man schneller günstige Transportmöglichkeiten und schnellere Routen findet.

2. Heranschleichende Kosteneffizienz: Es werden nach und nach Einsparpotentiale entdeckt, so wurden beispielsweise die Wäschereikosten nach Betrachtung des Wettbewerbsmarkts erfolgreich um 37,5% reduziert.

3. Wachsende Kontinuität: Nach zwei Wochen Sprachkurs, mehreren Wochen Vorbereitung im Kindergarten etc. tut es gut, nun etwas über einen längeren Zeitraum aufbauen zu können.

4. Wir haben super viele neue Leute kennen gelernt!

Sind es diese Gründe, die uns bereits nach 15,3% der Zeit diesen voreiligen Schluss ziehen lassen?
Naja. Wohl mehr eine Vermutung, die sich gerade beginnt zu bestätigen.

Abschließend hier ein kurzes Dankwort an Alex Meisinger, unseren Vorgänger und guten Kumpel.
Er hat sich für unsere Eingewöhnungszeit sehr viel Zeit genommen und uns viel gezeigt. An dieser offiziellen Stelle nochmal vielen Dank für deine Ratschläge und Deine Zeit!
Wünschen wir ihm alle viel Erfolg bei seinem Studium in Regensburg – und jeder, der diesen Text liest und in Regensburg wohnt, möge ihm Bitte ein Bier ausgeben – das macht die philippinisch-deutsche Preisdifferenz gleich erträglicher.

Viele Grüße in die Welt!

Der Verkehr in Manila (#1)

Hallo zusammen,

Inzwischen bin ich nun schon die siebte Woche auf den Philippinen. Das Praktikum im Kindergarten ging am Freitag zu Ende, bald werden wir unsere Arbeit im Slum beginnen. Im Kindergarten konnte ich gute Einblicke in die Arbeit mit Kindern im Alter von zwei bis sechs Jahre erhalten, was die Anforderungen an die Kinder sind, was konkret von ihnen erwartet wird. Als ich gesehen habe, welchem Leistungsdruck die Kinder schon in solchem Alter ausgesetzt sind, war ich manchmal richtig froh um meine Kindergartenjahre, die ich als sehr gut in Erinnerung habe. Ich denke, man sollte das System, Kindern in solch jungen Jahren schon so viel beibringen zu wollen, auf jeden Fall kritisch überdenken. Ich hoffe ich kann meinen Unterricht so gestalten, dass die Kinder relativ stress- und druckfrei lernen können.

Neben der Arbeit mit den Kindern laufen gerade die Vorbereitungen für ein Theaterstück, das im Frühjahr aufgeführt werden soll. Dadurch sollen Spenden für „Puso sa Puso“ generiert werden. Das Projekt wird sehr professionell angegangen, es gibt verschiedene Verantwortliche für Bühne, Performance, Kostüme und vieles mehr. Der erste Part der Vorbereitung war ein Workshop sowie das Vorsprechen und Maßenehmen im Konvent letzten Donnerstag- und Freitagnachmittag.

Des Weiteren konnte ich schon sehr viele weitere interessante Leute kennen lernen und weitere schöne Orte entdecken, die gar nicht so weit entfernt von Manila liegen. Letzten Samstag beispielsweise war ich gemeinsam mit meinen Mit-Freiwilligen Simon und Moritz sowie Christina und Aldrin beim Wandern beziehungsweise Klettern auf dem „Mount Pamitinan“. Trotz der Tatsache, dass wir den Aufstieg schon um circa sieben Uhr morgens begannen, um nicht in voller Hitze den 426 Meter hohen Berg zu überwinden, machten uns die Temperatur und die hohe Luftfeuchtigkeit doch sehr zu schaffen.

Das Wochenende zuvor verbrachte ich mit Moritz, Simon, Christina, Anna, Janzky, Tere und Mirko im „Bus Stop Dive Resort“ nahe Lemery City, circa zwei bis drei Stunden von Manila entfernt. Wir machten uns wieder früh morgens auf den Weg und waren gegen neun Uhr morgens an unserer Unterkunft für Samstag und Sonntag. Das Resort befindet sich in einer kleinen Bucht, zu der man circa 15-30 Minuten mit dem Boot unterwegs ist. Man könnte die Bucht auch zu Fuß durch den Wald erreichen, allerdings mit Gepäck etwas unbequem und mit drei Stunden Dauer auch etwas lang. Direkt vor der Haustür des Resorts befindet sich das felsige Meer mit einem riesigen, wunderschönen Korallenriff. Hier kann man sehr gut tauchen und schnorcheln. Wir haben uns auf Letzteres beschränkt, schon diese Erfahrung war einfach der Hammer! Das Korallenriff sah wahnsinnig schön aus, überall konnte man Fische unterschiedlichster Farbe und Größe bewundern, sogar einen Tintenfisch habe ich kurz gesehen. Da Mirko und Tere professionell Videos produzieren, haben sie auch diesen Ort in tollen Bildern festgehalten, welche ihr unter folgendem Link auf ihrem Blog finden könnt: Life of Mirco and Tere. Gerade weil man in dieser Bucht „nur“ Tauchen, Schnorcheln und Baden konnte, waren die zwei Tage, die wir dort verbrachten sehr ruhig und entspannend. Generell ist es sehr erholsam, wenn man einige Zeit aus dem lauten und oft sehr dreckigen Manila raus in die Natur kommt.

Neben einem kurzen Überblick über meine persönliche momentane Situation und mein Tun möchte ich in Blogeinträgen eben auch einige Dinge zur Stadt sowie zu Land und Leute erzählen beziehungsweise erklären. Beginnen möchte ich mit der Verkehrssituation in der Metro Manila: Nahezu jedes öffentliche Verkehrsmittel rollt hier über die Straße. Einzige Ausnahme stellen hier LRT beziehungsweise MRT dar. Diese Zugnetze lassen sich ein wenig mit deutschen S-Bahnen vergleichen. Aber auf diese Bahn werde ich, wie auf alle anderen Verkehrsmittel, noch einmal gesondert in den nächsten Blogeinträgen eingehen. Da alle anderen öffentlichen, mir bekannten Verkehrsmittel in der Metro Manila auf der Straße fahren, führt das gerade in der Rushhour zu lästigen Staus. Egal ob man also Taxi, Jeepney, Bus, Moped oder Tricycle fährt, wie schnell man ankommt bestimmt die aktuelle Verkehrslage. Die viel befahrenen Straßen sind oft gut ausgebaut, es gibt überall Ampeln und Zebrastreifen. Die Ampeln zeigen hier sogar oft an, wie viele Sekunden man noch warten muss, bis wieder grün ist. Außerdem schalten die Fußgängerampeln von grün auf ein rotes Blinkemännchen um, damit man weiß, dass man jetzt dann doch besser nicht mehr oder sehr schnell die Straße überquert. Was ich aus Deutschland nur vom Hören kenne, hier in Manila aber Normalität ist, sind Polizisten, die den Verkehr an großen Kreuzungen regeln. Zum Fahrverhalten der Verkehrsteilnehmer hier passt folgende Regel, die mir Sister Frances gesagt hat: „if there’s some space, it’s yours“. Auf Deutsch bedeutet das so viel wie „Wenn irgendwo Platz ist, dann ist es deiner“. Der Verkehr hier richtet sich, so scheint es mir, ein wenig nach ungeschriebenen Regeln, es läuft alles nicht so geordnet ab wie in Deutschland, aber es läuft. Für jeden Fahrer das anscheinend wichtigste Element des Autos ist die Hupe. Egal was, egal wo, es wird gehupt. Dabei hupt man nicht nur, um dem anderen seinen Unmut zu zeigen sondern hier hupt man glaube ich prinzipiell viel mehr, um auf sich aufmerksam zu machen, also andere Verkehrsteilnehmer zu warnen. So hupen manche Fahrer beispielsweise kurz bevor sie eine leere Kreuzung überqueren, um zu signalisieren: Obacht, hier komme ich. Durch die vielen Fahrzeuge mit ihren Abgasen ist hier die Luftverschmutzung logischerweise auch entsprechend heftig. Gerade wenn man kurz an einer Ampel wartet, riecht man schon, wie unsauber die Luft ist. Vorbeifahrende Fahrzeuge, die dunkle Rußwolken ausspucken, wenn Gas gegeben wird, veranschaulichen das Ganze. Als wir vom Gipfel des Berges vergangenes Wochenende Richtung Metro Manila blickten, konnte man über dem gesamten Gebiet den Smog in Form einer dunklen Wolke sehen.

Bisher konnten wir immer ein Stück des Weges mit dem LRT fahren, was vieles einfacher und bequemer machte, allerdings ändert sich das, wenn die Arbeit im Slum beginnt.

Viele Grüße aus Manila

Jakob

Konsequentes Teilen und Klima-Ping-Pong

Heute ist der 12. September 2017 und mittlerweile befinden wir uns in der sechsten Aufenthaltswoche in Manila auf den Philippinen. Nachdem meine Mitstreiter Jakob und Moritz ausführlich unter anderem über unser bisheriges Programm berichtet haben, hier mein persönlicher erster Eindruck:

Manila, AKA die Stadt mit dem chaotischsten Verkehr, den ich je erleben werde
– aber dazu später mehr.

Vorletzte Woche Freitag haben wir unseren Sprachkurs beendet und in einem Kindergarten im Nordosten der Stadt ein Praktikum angefangen, um unsere theoretischen Kenntnisse anzuwenden. Der erste Umgang mit Kindern unserer Lernzielgruppe bereitet uns auf unseren näherrückenden Einsatz vor und wird voraussichtlich einige Wochen in Anspruch nehmen.

Ebenfalls durften wir an einem Team Building der Pusa sa Puso Inc. teilnehmen, was uns nicht nur viele neue Freunde, sondern auch einen ersten Überblick bezüglich der Organisation gegeben hat. Was hier in wenigen Jahren aufgebaut wurde ist wirklich beachtlich!

Die ersten Tage

Primär ist mir das Klima aufgefallen. Ein Schritt aus dem Flughafen auf die Straße und man kann vermuten, was einen klimatisch ungefähr erwartet. Was sich sehr banal anhört, fällt tatsächlich am öftesten auf. Jedes Mal, wenn man Gebäude oder geschlossene Fortbewegungsmittel verlässt, werden aus anfänglich 20 Grad mindestens 30 Grad (mit 85 Prozent Luftfeuchtigkeit). Der ständige Wechsel zwischen heiß und kalt verlangt dem Kreislauf zwar einiges ab, dieser wird aber wiederum von der sehr nahrhaften Ernährung gestärkt. Duschen ist am Tag mindestens zweimal angesagt, niedrige Verbraucherpreise im Bereich Reingung und Wasser ebnen uns jedoch den Weg zu einer hygienisch ertragbaren Situation. Unser wichtigstes elektronisches Gerät ist neben dem Computer mit Sicherheit die Air Condition, welche für kurze Zeit die Temperatur unserer Wohnung auf ein angenehmes Niveau senken kann.

Neben der klimatischen Situation ist es auch die Intensität der Stadt an sich, die beeindruckt. Manila ist eine riesige Metropole, die ohne eine Minute Pause 24 Stunden am Tag pulsiert. Durch die chaotische Straßenführung schieben sich tausende Autos und nahezu jeder Teil der Stadt ist nur mit Verzögerung erreichbar. Jeder Bürgersteig ist voller Menschen und Geschäfte und durch das rege Treiben entsteht ein hoher Geräuschpegel.

Der Verkehr, hierzulande „traffic“ genannt, verschlingt jeden Tag einige Stunden Zeit und wirkt am Anfang einschüchternd, da man von Deutschland ein anderes Maß an Verkehrsregeln gewohnt ist. Nicht jedoch in Manila. Das Gesetz des Stärkeren bzw. Schnelleren scheint zu zählen und ein jeder Teilnehmer kommt auf den zahlreichen RIESIGEN Kreuzungen schonmal ins Schwitzen, wenn der Nachbar zu einem unerwartenden Überholmanöver ansetzt.

Hört sich aber schlimmer an als es ist. Wenn man sich daran gewöhnt hat, sieht man ein, dass man vielleicht genau nach solchen Unregelmäßigkeiten gesucht hat. Und wenn man diese Unregelmäßigkeit regelmäßig erlebt, wird auch hieraus eine Konstante in unserem zu 100% verschwitzten Alltag.

Sucht man hier auf den ersten Blick vergeblich nach vermeintlichen Standards, so wird einem schnell bewusst, was man von der Kultur und den hier lebenden Menschen viel lernen kann. Die Einwohner dieses Landes, die ich bisher kennenlernen durfte, sind wie erwartet sehr freundlich und es wird aus Prinzip alles ohne zu Fagen geteilt – auch der Spotify Premium Account! Thank you Aldrin! Gastfreundlichkeit wird hier intensiv gelebt und sehr selbstverständlich praktiziert – unabhängig davon, wie viel man hat!

Wenn man die Möglichkeit bekommt hier viel zu lernen, dann hat das nur zu einem kleinen Teil mit Sprache und Straßenverkehr zu tun…

Die ersten Tage in dieser neuen Kultur lassen einen viele Vergleiche ziehen. Worin unterscheidet sich Manila von deutschen Städten? Essen. Straßen. Menschen. Zahl der Obdachlosen. Flughafen. Preise. Essen. Zuverlässichkeit der Müllabfuhr. Zahl der Toiletten in Restaurants. Wie lapidar!

Warum bin ich eigentlich hier?

Nach Vergleich der Tatsachen macht es den Eindruck, dass trotz vieler Herausforderungen die Menschen in Manila oft glücklicher sind. Thanks for having us!

Wir freuen uns auf die baldige Aufnahme unserer Arbeit! Nähere Infos im Anmarsch…
Eindruck: 10/10

Für zusätzliche Fotos: Instagram (Simon_b.g) (moritz.koerner) (Jakob überzeugen wir noch)

Angekommen in Manila – vom Dorf in die Millionenstadt

Liebe LeserInnen,

kamusta kayo? – zu deutsch: Wie geht’s euch?

Ich bin mittlerweile auf den Philippinen angekommen, die ersten Tage/Wochen sind gut überstanden und nun melde ich mich hier mit meinem ersten Blogeintrag.

Die Zeit vergeht hier unglaublich schnell – kaum in Manila angekommen, waren die ersten 3 Wochen auch schon vorbei und der Tagalog-Crashkurs absolviert. Bis jetzt gefällt es mir richtig gut hier, man wird mit einer großen Herzlichkeit und Gastfreundschaft behandelt und das doch sehr reislastige Essen mundet, auch wenn ich noch eine Weile brauchen werde bis alles probiert ist.

Das Klima ist zurzeit relativ mild – wir hatten das Glück, in der Regenzeit anzukommen, in welcher sich die Hitze meist in Grenzen hält (der blitzartig und häufig auftretende Regen leider nicht). Nichtsdestotrotz sind meistens Temperaturen über 30 Grad angesagt, welche man in Kombination mit der sehr hohen Luftfeuchtigkeit definitiv als gewöhungsbedürftig bezeichnen kann.

Die Stadt selbst ist kaum mit meinem Heimatort, dem 700-Seelen-Dorf Sonderbuch zu vergleichen, allein der Lärmpegel hier und die Menge der Menschen auf den Straßen, lässt ihn fast schon wie eine ausgestorbene und verlassene Siedlung erscheinen. Egal welches Verkehrsmittel man hier wählt, man sollte stets mehr Zeit einplanen, da Verzögerungen im Verkehr Alltag sind. Zum Glück genügt es oft, das Wort „Traffic“ auszusprechen und schon hat man einen überaus akzeptablen Grund für eventuelles Zuspätkommen angegeben.

In der kurzen Zeit sind wir schon ein wenig herumgekommen, an einem der ersten Wochenenden verschlug es uns bereits nach Batangas, ein Ort der ungefähr zwei Stunden außerhalb von Manila liegt. Dort durften wir an einem Teambuilding-Event teilnehmen und hatten gleichzeitig die Chance, das gesamte Puso sa Puso Team kennenzulernen.

Batangas Landschaft

 

Shercon Resort Batangas

 

Die nächsten Wochen schauen wir in einem Kindergarten in Manila den Teachers dort über die Schulter und versuchen uns einige Lernmethoden für unseren eigenen Unterricht anzueignen bzw. allgemein Erfahrungen im Umgang mit Kindern zu sammeln, bevor es dann mit der richtigen Arbeit in Payatas bzw. Parola losgeht…

Danke fürs Lesen und bis bald,

Moritz

 

Von der LIEBE im LEBEN begleitet…

Im letzten Blog habe ich von meiner Ankunft berichtet. Nun ist ein sehr bunter „All-tag“ eingekehrt. Das Wort Alltag wird oft sehr negativ assoziiert. Hier ist es sehr wichtig für die Bewohnerinnen. Es gibt Sicherheit und Halt, einen geregelten Ablauf leben zu können.

Die Bewohnerinnen, wen und was meine ich hier überhaupt?

Dienstag 04.30 Uhr, durch das geöffnete Fenster kommt eine kühle Brise, es ist ein sanftes Erwachen, durch die Klänge aus der Moschee im Dorf. Das Morgengebet wird hier bei Sonnenaufgang gebetet. Da weiß ich, ich kann noch ein wenig schlafen. Um 6.00 Uhr werde ich dann von dem Glockenklang aus der Emmauskirche geweckt, die Vögel versuchen diesen Klang immer zu übertönen. 🙂

Morgengebet

Um 6.30 Uhr beten wir in der Hauskapelle, das gemeinsame Morgengebet. Die Kraftportion für den ganzen Tag. Danach gibt es ein köstliches Frühstück.

Um 7.30 Uhr startet der Arbeitstag. Wir beginnen ihn immer mit einem Meeting, einem Bericht der Nachtschicht. Ach ja, was heißt wir: Das sind die arabischen Mitarbeiterinnen, Schwestern und Volontärinnen.

Nun gibt es Frühstück für die Habibdis (die Bewohnerinnen) und danach geht es an die erste Runde der Morgenhygiene. Am Vormittag geht es ab in den Garten oder zu einem langen Spaziergang im Gartengelände. Für die mobilen Frauen ist es ein Genuss am noch etwas angenehmeren Vormittag, vor der großen Hitze, durch den wundervollen gepflegten Garten unter den Olivenbäumen zu spazieren. Da erlebt man oft so manches Abenteuer und Erlebnis oder es ergibt sich ein Gespräch, bei dem das Zuhören eine ganz wichtige Rolle spielt. Noch verstehe ich nicht viel von der Sprache, aber für die Frauen ist es einfach wichtig, dass man ihnen zuhört. Es ist ein gemeinsames Lachen, Weinen, Spielen… LEBEN eben. 😊

Spaziergang am Vormittag

Nun geht es für uns MitarbeiterInnen in die Pause. Die Pausengespräche, bei Kaffee, manchmal auch arabischen Kaffee und Keksen, gehen über „Gott und die Welt“ und natürlich über unsere doch verschiedenen Kulturen, wo wir doch alle gleich sind und immer wieder auf Gemeinsamkeiten stoßen. Es sind sehr interessante Gespräche und immer ein Austausch. Natürlich ergibt sich in der Pause auch immer die Gelegenheit, ein paar neue Vokabeln zu üben.

Danach werden unsere Habibdis mit dem Mittagessen versorgt, um sie für die Siesta oder Freizeit vorzubereiten. Die Glocke zum gemeinsamen Mittagessen mit der Gemeinschaft läutet, so ist es nun auch für uns Zeit.

Zu meinem Lieblingsgericht habe ich hier, den hausgemachten Humus, die Oliven aus dem Garten, Falaffel und das Pitabrot gemacht. Das Essen hier, ist täglich ein Genuss und ein Augenschmaus. Außerdem sind wir hier reich gesegnet mit Früchten. Wobei ich mir die Frage stelle, wie um Himmelswillen 🙂 es möglich ist, dass solch ein wundervolles Geschenk an Früchten, bei so wenig Wasser, möglich ist. Ein spezieller Ort eben ;-).

Das Auge isst hier immer mit.

Danach heißt es auch für uns ein wenig ausruhen. Das ist jetzt bei den warmen  😉Temperaturen ein richtiger Segen. Am Nachmittag geht es zur Freizeitgestaltung. Die Habibdis sind sehr kreativ. Fatima die für ihr Leben gerne malt. Neeh ma die immer alle und überall anweist. Der Boss der Crew. Sie zeigt ihren Mitbewohnerinnen, mit viel Geduld, wie man schöne Halsketten bastelt. Das lieben fast alle Damen und es entstehen geradezu Kunstwerke. Suad die alle Kügelchen am Boden aufsammelt. Tamani die Lego liebt. Margo die ihr Bild steckt und viele mehr, so hat jeder seine Vorlieben. Ein ganz besonderes Erlebnis war die Geburtstagsparty von Margo.

 

Bei einigen Frauen, ist kein Geburtsdatum bekannt, so feiern wir auch diese Geburtstage an einem beliebigen Tag. Es gab Eis und es wurde viel getanzt. Ich hab sogar eine Showeinlage, ihr kennt mich ja, wie könnte ich anders 😉geliefert, also sagen wir ich habe es versucht „Schuhplattln“. Die Bewohnerinnen hatten sehr viel Spaß, als sie mich herumhüpfen sahen. Da bekam die eine oder andere einen Lachkrampf. 😊

Der Tag neigt sich nun dem Ende zu, und die Bewohnerinnen bekommen Abendessen und werden für das Bett fertig gemacht. Danach gibt es wieder ein kurzes Meeting und die Übergabe an den Nachtdienst. Nun geht es auch für uns an das Ende des Tages, zum gemeinsamen Abendgebet oder zum Gottesdienst.

Zur Gemeinschaft, dem Grundstock des Hauses: 😊

Die Gemeinschaft hier, ist sehr international. Kongo, Sri Lanka, Philippinen, Schweiz, Südtirol, Österreich ein Erlebnis, jedes Gebet und jeder Gottesdienst. Zu den Gottesdiensten kommen manchmal auch Besucher und ein paar der christlichen Bewohnerinnen. Der Gottesdienst wird so in mehreren Sprachen gefeiert und ist doch nie fremd. Diese Gebetszeiten schätze ich sehr, den Tag, wie er war zurückzugeben und Gott zu überlassen, mit ALLEM erlebten.

Danach geht es zum gemeinsamen Abendessen und zusammensitzen. Wir erzählen uns vom Erlebten und tauschen auch hier einfach unser LEBEN aus.

Wie ich anfangs geschrieben habe, ist es für die Bewohnerinnen ein sehr geregelter Ablauf. Dabei muss man auch die Bewohnerinnen verstehen, warum sie diesen Ablauf brauchen. Sie sind unterschiedlicher Verfassung. Es sind einige ältere, bettlägrige Frauen. Jüngere Frauen mit einer körperlichen und/oder geistigen Beeinträchtigung. Bei vielen kennt man die Vorgeschichten nicht bzw. welche Beeinträchtigung sie wirklich haben. Es sind oft sehr traurige Geschichte, die die Menschen natürlich sehr prägt. Doch mit dieser Liebe, die die Frauen hier erleben und die jeder versucht zu geben (HABIBDIS – Liebling) wachsen sie und natürlich wir, täglich.

Es ist ein Geben und ein Nehmen. Es geschehen hier an diesem sehr biblischen Emmaus, sozusagen auch solche Auferstehungserlebnisse. Manchmal kommen auch Reisegruppen zu Besuch. Dabei darf ich auch immer Mithelfen. Das ist immer eine sehr nette Begegnung mit sehr unterschiedlichen Menschen.

Nach einem Gespräch mit einer Studentengruppe des Theologischen Studienjahres, die uns besucht hat, zitiere ich von der Leitung des Beit Emmaus, Schwester Hildegard folgendes Erlebnis:

ALL we need is LOVE

“Eine der Bewohnerinnen, konnte nicht sprechen, man nahm auch an, dass sie es nie lernen würde, doch eines Tages begann sie, wie aus heiterem Himmel, sozusagen.. 😉 zu sprechen, sie kannte alle Namen der Mitarbeiter, der Bewohner, sie sprach plötzlich, das war wie ein Auferstehungserlebnis hier in Emmaus.“

Dem lässt sich nichts mehr hinzufügen… 😉

Das war jetzt ein kleiner Einblick, in mein Leben hier, über die anderen Aufgaben, berichte ich euch das nächste mal. Ich freue mich auf Eure Kommentare und bitte Euch um Euer Gebet, besonders für ALLE Menschen hier.

Eure Verena (Vera, Hasi, Eapfe, Haselmann… 😉)

Mein erster Rundbrief

Hallo!

Mit meinem ersten von vier Rundbriefen schicke ich viele Grüße von den Philippinen und einen herzlichen Dank an alle, die bisher Teil meines Unterstützerkreises sind oder es vielleicht noch werden (hierfür könnt ihr mich einfach über die Verantwortlichen kontaktieren). Um zusätzlich benachrichtigt zu werden, wenn ein neuer Blogeintrag von mir erscheint, könnt ihr mir auf der Seite cosamaz.org folgen, dann werdet ihr automatisch benachrichtigt. Nicht erschrecken, diese sollten zwei mal im Monat erscheinen, dabei handelt es sich aber nur um einen kurzen Text von circa einer halben Seite, also bei weitem nicht so lange wie die Rundbriefe.

Woche 1 
Meine Reise begann gemeinsam mit meinen Mit-
Freiwilligen Simon und Moritz wie geplant mit der Ausreise am 2. August.  Wir flogen abends gegen 22:00 Uhr von München aus über Maskat im Oman nach Manila und kamen dort wie geplant zur Ortszeit am Donnerstag gegen 21:00 Uhr an, die reine Reisedauer betrug damit circa 16 Stunden. Am Flughafen konnten wir gleich Father Artur, den Verantwortlichen für das Projekt und uns Freiwillige,  sowie Alex, einen der Freiwilligen aus dem Vorjahr, kennen lernen. Es ist wirklich super, dass Alex bis Ende August verlängern konnte, weil er uns so alles zeigen kann und wir nicht von Anfang an auf uns alleine gestellt sind, was die Sache deutlich erschweren würde. Vom Flughafen aus ging es für uns dann direkt in die Wohnung. Bei der Autofahrt konnte ich schon deutlich merken, wie sehr sich der Verkehr im allgemeinen und besonders die Fahrgewohnheiten der Verkehrsteilnehmer in Manila sich von meinem gewohnten Bild aus Deutschland unterscheidet. In der Wohnung angekommen, lernten wir gleich unsere weiteren Mitbewohner, zwei polnische Freiwillige namens Danusia und Piotr kennen, die bis Ende September in der philippinischen Metropole bleiben werden. Unser Appartement befindet sich in der Stadt Quezon City, einer der zwölf Städte in die Metropolregion Manila. Dort wiederum leben wir im Stadtteil New Manila, einer relativ neuen und wirklich sicheren Gegend. Unsere Wohnung selbst ist eine Anliegerwohnung einer netten Professorin, deren Haus sich direkt an unsere Wohnung anschließt. Das Appartement selbst besteht aus einem großen Wohnraum im Erdgeschoss, der sowohl Küche und Essbereich als auch Wohnzimmer und Arbeitszimmer verbindet. Außerdem befindet sich im Erdgeschoss noch unser Bad mit Dusche und WC. In den beiden Schlafzimmern im 1. Stock schlafen im Moment die beiden Polen sowie Alex und Simon. Aufgrund der momentanen Wohnsituation in der Wohnung schlafen Moritz und ich noch auf einer Matratze beziehungsweise einem Schlafsofa unten im Wohnzimmer, aber wir werden die Zimmer oben beziehen, wenn Alex beziehungsweise Danusia und Piotr abgereist sind. Meiner Meinung nach ist die Wohnung echt super, wirklich sauber und geräumig, sodass es im Moment mit sechs statt vier Leuten völlig in Ordnung ist. Die Lage ist außerdem klasse, weil man ungefähr gleich weit von den Einsatzstellen in Parola und Payatas entfernt ist, die Zugstation ist in weniger als fünf Minuten per Fuß zu erreichen, genau wie ein Supermarkt, eine Wäscherei,  die riesige Mall „Robinsons Magnolia“ und eine Eatery. Als Eatery bezeichnet man ein kleines Restaurant, in dem Filipinas oder Filipinos eine bestimmte Auswahl an Gerichten kochen, von welchen man sich eines oder mehrere aussuchen kann und in der Regel mit Reis kombiniert. Meine Erfahrung mit diesen Restaurants ist bisher wirklich gut, das Essen ist total lecker und zudem preiswert. All diese Dinge zeigte uns Alex in unseren ersten Tagen in Manila, außerdem noch wie wir zu Father Artur ins Konvent kommen, wie und wo wir kostenlos Geld abheben können, wo man Geld wechseln kann, wie und wo man das WLAN oder die Kosten für Strom bezahlt und noch vieles mehr. Auch aus diesem Grund bin ich Alex wirklich sehr dankbar, dass er sich dafür eingesetzt hat, noch länger in Manila bleiben zu dürfen. 

Der erste wirkliche Programmpunkt war für uns am Tag nach unserer Ankunft das Mittagessen im Konvent, bei dem wir uns mit Father Artur unterhalten konnten und er uns seine Wünsche und Regeln für eine gute Zeit und Zusammenarbeit mit ihm mitteilte. Im Konvent wurden wir an diesem Tag von allen total nett empfangen und begrüßt, dort leben neben Father Artur und einem weiteren Pater junge Männer aus Nachbarstaaten der Philippinen oder aus den Philippinen selbst, die anstreben Priester zu werden. Hierfür erhalten sie für mindestens ein Jahr im Konvent Englischunterricht. Das Wochenende und den darauffolgenen Montag hatten wir noch frei, um uns ein Stück weit einzugewöhnen war das wirklich sehr gut. Am Tag unserer Ankunft beziehungsweise am Tag danach kamen neben uns auch Alex‘ deutsche Freunde auf die Philippinen. Mit ihnen haben wir am Wochenende etwas unternommen, bevor sie am Sonntag losgereist sind, um ans Meer zu gehen. Alex hat uns außerdem seinen philippinischen Freund Jansky vorgestellt, mit dem wir den Sonntag verbracht haben. Mit ihm zusammen haben wir Adobo gekocht, ein typisch philippinsches und richtig leckeres Gericht mit Hühnchen oder Schwein und Soyasoße. Am Sonntagabend bin ich mit Moritz noch in eine nahe gelegene Kirche gegangen und ich war auch wirklich überrascht, wie viele Gottesdienstbesucher im Vergleich zu Deutschland da waren.

Woche 2
Unser Sprachkurs fand dann ab Dienstag im Konvent statt und wurde von den beiden Lehrerinnen Nica und Erika abgehalten. Hier lernten wir für zwei Wochen die Grundbegriffe und einige grammatikalische Strukturen, die uns im Alltag helfen sollten. Bis wir Tagalog wirklich fließend sprechen können, wird es mit Sicherheit noch lange dauern. Das stellt sich aber als kein schwerwiegendes Problem heraus, da in Manila sehr viel „Taglish“ gesprochen wird, also die Mischform aus Tagalog und Englisch. Doch gerade wenn die Arbeit im Slum beginnt, wird Tagalog mit Sicherheit sehr viel wichtiger werden.

Am Samstag starteten wir gemeinsam mit den Lehrern, die in Payatas, Parola und im Konvent arbeiten, zu einem dreitägigen Teambuilding-Seminar nach Batangas, circa 90 Kilometer von Quezon-City entfernt. Das gesamte Seminar verbrachten wir im tollen „Shercon Resort und Ecology Parc“. Neben den verschiedenen Programmpunkten und Vorträgen konnten wir alle Lehrer und Verantwortliche kennen lernen. Ursprünglich wollten wir am Tag unserer Abreise noch eine nahegelgene Vulkaninsel mit See im See anschauen, aufgrund der Wetterlage haben wir dieses Vorhaben dann aber vertagt.

Der Sprachkurs ging nach diesem verlängerten Wochenende in die zweite Runde, am Freitag wurde im Konvent der Todestag des Gründungsvaters der Salvatorianermissionen in Asien, Otto Hopfenmüller, zelebriert. Nach dem Gottesdienst in der Früh wurde dann neben Hopfenmüllers Leben die Philippinen, ihre Feste und die Gewohnheiten der Filipinos vorgestellt und die Feier mit dem Mittagessen abgerundet. Bei dem Vortrag wurden manche Stereotypen stärker oder weniger stark bedient, würde ich jetzt behaupten.

Woche 3
Da der vergangene Montag wiederum einen Feiertag darstellte, nutzten wir das verlängerte Wochenende, um nach Baler, einem Ort an der Ostküste von unserer Insel Luzon, circa 140 Kilometer Luftlinie entfernt von Manila, zu reisen. Wir, also Moritz, Simon, Anna, eine deutsche Bekannte von Simons Bruder, Alex und Peter, einer von Alex deutschen Freunden, sowie Aldrin, ein mit Alex befreundeter Filipino, starteten Freitag nachts mit dem Bus und waren in der früh um kurz nach fünf in der Unterkunft und zum Sonnenaufgang schon am Strand. Neben entspannen und am Meer sein haben wir uns am Samstag und Sonntag zwei Sehenswürdigkeiten in der Region angesehen: zum einen gibt es einen extrem schönen Wasserfall, genannt „Mother Falls„, der in einer gebirgigen Waldgegend gelegen ist. Hier waren wir außerdem Baden, was wirklich toll war, weil das Wasser im Vergleich zum Meer erfrischend kalt war. Am nächsten Tag haben wir uns den „Old Balete Tree„, einen über 600 Jahre alten Baum mit circa 12-15 Meter Durchmesser angeschaut, der im Prinzip aus tausenden Ästen besteht, die über diese lange Zeit so fest zusammengewachsen sind, dass man sowohl im Inneren als auch Außen gut herumklettern kann. 

Für diese Woche war eigentlich das Praktikum im Kindergarten angesetzt, das uns helfen soll uns an den Umgang mit den Kindern zu gewöhnen und die Aufgabe besser zu verstehen. Aufgrund von Unwettern war der Kindergarten Dienstags und Mittwochs geschlossen. Am Mittwoch sind Moritz, Simon und ich deshalb los, um uns „Parola“, den Slum in der Hafengegend, von Alex zeigen zu lassen. Da die angesetzte Messe im sogenannten Center, eine Wohnung die sich mit einem Lehrerzimmer vergleichen lässt, ausgefallen ist, sind wir vor dem Mittagessen mit den Lehrern schon los zum Slum. Parola an sich ist unterteilt in über 60 Gates, also Eingängen in den Slum, die sich entlang einer breiten Straße zum Hafen reihen. Ein Gate selbst haben wir nicht betreten, da Alex bereits schon seit einigen Wochen nicht mehr unterrichtet und deswegen nicht regelmäßig in sein Gate geht. Daher sind wir nur an allen Gates vorbeigelaufen, aber in keines reingegangen, doch auch diese Bilder waren schon sehr prägend.

Am Donnerstag stand der erste Tag im Kindergarten an. Bei diesem handelt es sich um einen privaten Kindergarten, die Kinder stammen also alle aus besseren Verhältnissen, weshalb zuhause teilweise nur Englisch gesprochen wird. Wie wir später erfuhren, ist das zum Teil ein Problem, da einige Kinder so kein Tagalog verstehen. Nach einer kurzen Vorstellung und ersten Einblicken durfte ich dann auch schon selbst an den Einheiten für die Kinder mitwirken. Neben spielen und essen waren einige Übungen zum Umgang mit dem Stift Bestandteil des Programms. Nachdem die Kinder dann abgeholt wurden, sind wir zum Essen mit den Erzieherinnen bei der Leiterin des Kindergartens eingeladen worden. Für nächste Woche sollten jeder von uns einige typisch deutsche Spiele oder Lieder vorbereiten, um diese den Kindern zu zeigen.

Am Freitag sind meine Mit-Freiwilligen, die beiden polnischen Freiwilligen und ich zu einer Jubiläumsfeier in den Slum „Payatas“ aufgebrochen. Gefeiert wurde das fünfjährige Bestehen von „Alsa Buhay“ in Payatas. Bei Alsa Buhay handelt es sich um ein Teilprojekt von Puso sa Puso und meiner eigentlichen Aufgabe, Kinder im Slum zuhause zu unterrichten und dadurch Bildung zu ermöglichen. Nach einer feierlichen Messe, bei der neben Father Artur und einigen Schwestern auch die Lehrer aus Parola sowie ein Großteil der Familien anwesend waren, folgten einige Aufführungen von verschiedenen Gruppen, die Teil von Puso sa Puso sind. Anschließend sind wir wiederum zum Essen mit den Schwestern und Lehrern eingeladen gewesen. Auch wenn ich noch keine wirklichen Einblicke in ein Gate in Parola hatte, konnte ich doch feststellen, dass die Struktur im Slum in Payatas eine andere ist, da die Menschen, die dort leben, nicht wie in Parola meist aus der Provence kommen und es als Übergang in die Stadt wahrnehmen, sondern über längere Zeit dort leben, weshalb der Aufbau und gewisse Strukturen schon verfestigen konnten.

Allgemein
Generell gefällt es mir bisher sehr gut hier auf den Philippinen. An die Klimaumstellung habe ich mich inzwischen ganz gut gewöhnt, mein Körper hat sich zwar nicht wirklich umgestellt denke ich, aber man stört sich nicht mehr so stark daran, dass man ständig schwitzt. Außerdem ist im Moment noch „wet season“, also die Regenzeit, das bedeutet, das Klima ist von weniger heißen Temperaturen („nur“ circa 30 ° C), viel Niederschlag und hoher Luftfeuchtigkeit (circa 85%) geprägt. Was ich in Manila als eher störend empfinde ist der Verkehrslärm und die hohe Luftverschmutzung, mit der man im Alltag ständig konfrontiert ist. Zum Teil mag das bestimmt auch daran liegen, dass ich bisher noch nie (bewusst) in einer Großstadt gelebt habe. Wiederum ein Vorteil an der hohen Verkehrsdichte ist, dass man zu jeder Tages- und Nachtzeit jeden Ort in Manila erreichen kann, sei es über Taxi, Bahn, Jeepneys, Tricycles oder Bus. Ein weiterer Aspekt, der den Alltag sehr positiv beeinflusst, ist, dass die meisten Filipinos wahnsinnig freundliche Leute sind, egal ob sie dich zum ersten Mal sehen, ob sie dich kennen oder nicht, egal wer, jeder hat immer ein Lächeln oder ein „Hallo, wie geht’s, wo kommst du her“ parat. Hier spielt vermutlich auch ein Stück mit rein, dass wir als Weiße oft ein Stück anders behandelt werden, egal ob wir es möchten oder nicht. Eine weitere Sache, an die ich mich (für mich) überraschend schnell gewöhnt habe, ist Reis, der in
nahezu jeder Mahlzeit enthalten ist. Das Essen generell ist hier richtig lecker und in Eaterys mindestens genau so günstig, wie wenn man es selbst zuhause zubereiten würde. Für mich ist das daher optimal, weil es kostet nicht viel Geld, ich muss es nicht selbst kochen und kann jeden Tag etwas anderes essen.

In den kommenden Wochen steht für uns dann noch das Praktikum im Kindergarten an, daraufhin wird für uns die wirkliche Arbeit an der Einsatzstelle beginnen. Bis dahin euch alles Gute, vielen Dank und bei Wünschen, Fragen oder Anregungen einfach kurz bei mir melden. 

Viele Grüße

Jakob 

 

P.S. Weitere Bilder findet ihr in den Einträgen meiner Mitstreiter oder über die verlinkten Begriffe 🙂

Meine ersten Eindrücke: Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe… Emmaus

Hey, meine Lieben 🙂

Wie ich im ersten Blogeintrag geschrieben habe, habe ich versprochen, bereits von meiner ersten Woche bzw. von der lehr-reichen Reise bis hierher zu berichten. Am Weg vom Flughafen zum „Nursing Home“ Beit Emmaus, wie das Pflegeheim genannt wird, hatten wir eine Autopanne. So standen wir mitten im, für mich irgendwo…, nichts ging mehr. Wir standen etwas ratlos vor dem nächsten Dorf, und sofort hielt ein Auto und wir wurden gleich gefragt, ob wir Hilfe benötigten. Schwester Hildegard ist nun bereits seit 16 Jahren hier und kennt natürlich die Leute, da kam noch der Arzt des Dorfes dazu, die Leuten hielten hier einfach und behoben das Problem, sodass wir nach Hause fahren konnten. Ich spürte regelrecht die Hilfsbereitschaft und den Einsatz der Palästinenser, es war so ein sehr schönes Ankommen in Emmaus.

So ging dieses Gefühl weiter, bereits am nächsten Tag lernte ich einige der Schwestern kennen und ich hatte einige Tage, hier gut anzukommen. In den ersten Arbeitstagen ging dieses Gefühl der Hilfsbereitschaft weiter. Ich lernte die arabischen Mitarbeiterinnen des Hauses kennen. Ich bin nun im Pflegebereich tätig. Natürlich ist für mich sehr viel Neues dabei, sagen wir ziemlich alles ist neu :).

Im „Beit Emmaus“ (Haus Emmaus) leben zurzeit 34 pflegebedürftige Frauen. Die Frauen sind unterschiedlicher Glaubenskonfessionen (Muslime und Christen) und unterschiedlichen Alters. Man wird immer mit „Habibdi“ angesprochen, was so viel wie „Liebling“, bedeutet. Dieses Wort „Habibdi“ ist kein leeres Wort, sondern wird täglich im Alltag angewendet, umgesetzt und gelebt. Gerade das macht das Leben sehr vielfältig und bunt hier in Emmaus. Es wird so viel Hilfe und Liebe untereinander und füreinander gelebt. Die Frauen, die beim Gehen beeinträchtigt sind, werden von anderen Frauen unterstützt oder mit Getränken versorgt. Natürlich kann ich hier nicht alles Erlebte niederschreiben. 🙂

Es ist einfach sehr schön zu sehen, mit welcher Behutsamkeit und Achtsamkeit hier gelebt wird. Das christliche „Beit Emmaus“ wird von den Salvatorianerinnen geleitet (übrigens sind die Gemeinschaft sowie eine Familie die einzigen Christen im Dorf). Es ist hier Platz für jeden. Es wird nie von Religion gesprochen, sondern es wird gelebt. Obwohl die Situation in dieser Gegend für die Leute natürlich sehr sehr schwierig ist, doch es verbindet die Leute untereinander und miteinander. Ich habe hier in Emmaus einfach das Gefühl, dass dieser Respekt dem Anderen gegenüber gezeigt und geLEBT wird. Nächstenliebe spürbar gemacht wird. So funktioniert auch gutes Zusammenleben, das wünsche ich uns allen. Besonders wurde mir das bewusst, als ich das erste mal das Morgengebet des Muezzin bei Sonnenaufgang hörte und dann um sechs Uhr die Kirchenglocken der Franziskanerkirche im Dorf, oder als wir bei Hochzeiten und Trauerfeiern eingeladen wurden. Es ist ein mitEINANDER.

Nach der ersten Arbeitswoche standen meine freien Tage an. Diese zweite Woche starteten wir mit einer Fahrt zum See Genesareth, um die Gegend zu erkunden und Mangos 🙂 „happy fresh Mangos“ zu pflücken. Eine schweißtreibende Arbeit bei 44 °C. 🙂 Die Heimfahrt holte uns wieder, mit einem anderen Auto, mit einer erneuten Autopanne ein. Wir hielten es kaum für möglich, jeden Montag ein Auto. 🙂 Diesmal standen wir irgendwo in Israel. Wir fuhren zu einer Tankstelle. Dort halfen uns sehr hilfsbereite und zuvorkommende Leute vom israelischen Militär und der Polizei bei unserem Problem weiter. Hilfsbereitschaft auf jeder Seite. 🙂

Ich freue mich von Euch zu hören und beim nächsten Blogeintrag  werde ich von der Kultur und dem Leben… was sonst 🙂 näher berichten.

Alles Liebe Euch, Eure Verena 🙂

Sendung: Ich mache mich auf den Weg von Gföhl nach Emmaus.

Am Sonntag, dem 23. Juli 2017, fand der Aussendungsgottesdienst in meiner Heimatpfarre Gföhl nach Emmaus statt. Den Gottesdienst durfte ich gestalten. Dabei wurde ich von Schwester Maria Schlackl (SDS) und Schwester Martina Winklehner (SDS) unterstützt, beide sind bereits früh morgens aus Linz angereist. Der Gottesdienst, der sich auf das Sonntagsevangelium (Mt 13,24-43) richtete, wurde von Pfarrer Thomas Pichler zelebriert. In den Fürbitten wurden insbesondere für den Weltfrieden, das Gottvertrauen und für alle „MissionarInnen auf Zeit“ und deren Angehörige gebetet.

Ich habe mich sehr gefreut, dass so viele Verwandte und Freunde aus allen Richtungen Niederösterreichs gekommen waren. Besonders gefreut hat mich, dass die Oberminis und viele von der Katholischen Jugend dabei waren. Die „flexible -Eapfe“ (Kartoffel) Tasche gefüllt mit Glückwünschen der Pfarrgemeinde ist ein besonderes Geschenk, das mitträgt. Das T- Shirt mit dem Psalm „Du führst mich hinaus ins Weite.“ werdet ihr auch noch auf Bildern sehen. Ich möchte mich hiermit auch herzlich bei meiner Pfarrgemeinde und jedem Einzelnen (es weiß ja jeder wofür ich IHM/IHR dankbar bin 😊) bedanken. So fühlt man sich in jeglicher Hinsicht sehr getragen. Bei dieser Feier konnte ich mich sehr gut von meiner Familie und Freunden verabschieden, um gut durchstarten zu können.

„Gehet hin in Frieden“ – diese Worte blieben besonders hängen. 😊

Bereits Montagmorgen ging es sehr früh gut be(ge)packt zum Flughafen Wien- Schwechat. Mein Bruder Andreas verabschiedete mich mit den Worten. Auf geht’s!!! Eine Freundin schloss mich nochmals in die Arme und begleitete mich zum Check in…

…am Flughafen in Tel Aviv wurde ich von Schwester Hildegard seeeehr herzlich in Empfang genommen. Denn es war doch eine sehr „lehr-reiche“ Reise, von Gföhl bis ich nach Emmaus (Qubeibeh). 😊

Mehr dazu beim nächsten Mal.

Bis dahin, alles Liebe Euch und Gottes Segen. 😊

Eure Verena (Eapfe, Hasi….)

 

Warum ich MaZ sein möchte

Die Spiritualität der Salvatorianerinnen ist mir im Laufe der Jahre sehr ans Herz gewachsen. Jesus als das Heil für alle Menschen zu erfahren und zu verkünden und Gott zu vertrauen, ihm etwas „zu-zu-trauen“. So kam ich auch zu „MaZ“ – Missionarin auf Zeit.

Alles beginnt mit einer Sehnsucht. Immer tiefer kam mir die Sehnsucht, dass ich gerne im Ausland, außerhalb des „Gewohnten“ tätig sein möchte und für den Menschen da sein möchte.

Ich kann diese Sehnsucht nun weiter gehen lassen… nach Emmaus.

… dort angekommen werde ich im Haus der Salvatorianerinnen, in der Betreuung von pflegebedürftigen Frauen, ein Jahr als „Missionarin auf Zeit“ (MaZ) tätig sein. In der Gemeinschaft mitzuleben – mitzuarbeiten- mitzubeten ist sicherlich eine große Stütze, um Startschwierigkeiten gut bewältigen zu können.

Schwester Hildegard Enzenhofer (SDS) leitet das „Beit Emmaus“ („Haus Emmaus“). Es ist ein Pflegeheim für palästinensische Frauen christlichen und muslimischen Glaubens, die aufgrund ihres Alters oder einer Behinderung auf Hilfe angewiesen sind. Es befindet sich in Qubeibeh, einem kleinen arabischen Dorf, das 12 km von Jerusalem entfernt liegt und wie die übrige Westbank zunehmend unter den Folgen des israelischen Mauerbaus leidet.

„Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und den Sinn der Schrift erschloss.“

Ich spüre, dass es in mir schon ein wenig brennt. Nach dieser intensiven Vorbereitungszeit bin ich schon sehr gespannt und ich bin bereit, meinen Einsatz in Emmaus zu beginnen. Emmaus weitergehen zu lassen… so, wie es kommen wird, dankbar anzunehmen was ist und was kommen wird.

Warum ich MaZ sein möchte

Nach ersten beruflichen Stationen möchte ich das Freiwilligenjahr nutzen, um durch sozialen Einsatz meinen eigenen Beitrag zu leisten und dadurch persönlich zu wachsen. Die Herausforderungen vor Ort werden prägend sein und ich freue mich auf die Vielzahl neuer Eindrücke. Die ehrliche und professionelle Organisation im Rahmen des MaZ-Programms bieten hierbei eine gute Hilfestellung. Das Vermitteln von Werten unter der Berücksichtigung eines stabilen Wertegerüsts stellt für mich einen weiteren Vorteil dar und ich freue mich auf die Zeit vor Ort!

Das Ende naht

Hallo ihr Lieben

Nach einer etwas längeren Pause melde ich mich auch wieder zurück.

Jetzt ist es bald soweit den Heimweg anzutreten. Irgendwie ist das ein ganz schön komisches Gefühl. Es fühlt sich noch nicht wirklich real an. Aber ich freue mich jedenfalls schon sehr auf zu Hause. Die letzten Wochen vergingen jetzt doch auch wie im Flug.

Am 3. Juni hatten wir unsere Abschiedsfeier mit unseren Kindern. Wir waren mit den Kindern in einem Park, dank Spenden einiger guter Freunde aus Deutschland. Die Organisation davor war ganz schön anstrengend. Dadurch, dass die Kinder in der Schule auch gerade ihre Graduation hatten, mussten wir unsere zweimal verschieben. Doch schlussendlich hatten wir am 3. Juni unsere Feier.

Das Wetter spielte leider nicht so gut mit… Zu allererst gingen die Eltern mit ihren Kindern eine Runde durch den Park. Sie hatten einen Guide, der ihnen alles erklärte und sie herumführte.

Unterwegs im Eco – Park

In der zwischenzeit haben Simone, die Learners, die anderen Lehrer und ich die Stühle und alles unter dem Pavillion hergerichtet.

Die Vorbereitung und die Willkommensrede von Simone

Die Eltern und Kidis kamen zurück. Wir starteten mit einer kleinen und kurzen Willkommensrede und gingen dann über zu unserem Überraschungsprogamm. Die Kinder und Eltern durften T-Shirts anmalen und selbstgestalten. Es hat allen, glaube ich, großen Spaß gemacht, da sie wirklich konzentriert und mit Eifer über eine Stunde an ihren T-shirts saßen und diese bemalt haben. Der Kreativität waren keine Grenzen gesetzt und es kamen wirklich die verschiedesten Ideen und Muster heraus.

Anschließend war die Certificate, also die Zeugnisübergabe. Ich fing mit meiner Gruppe an. Jedes Kind, das an meinem Unterricht teilgenommen hatte, bekam eine Urkunde und ein Geschenk, das auch Mithilfe der Spenden mehr geworden ist. Auch ein selbstgestaltetes Portfolio bekamen meine Kinder von mir, indem ich alle Arbeitsblätter und Fotos über das Jahr lang festgehalten hatte. Danach war auch die Zeugnisübergabe von Simones Gruppe.

Jarred & ich

Zeugnisübergabe

Ich werde sie vermissen

Auch ein Video mit vielen Fotos von den Kindern und unserer Arbeit haben wir an diesem Tag gezeigt. Auf einem anderen Video haben wir Danksagungen von Kinder und Eltern festgehalten und haben dieses Video auch vorgeführt. Ein Inspiring Video habe ich kreiert. In diesem Video habe ich versucht, die Kinder weiterhin zu motivieren, fleißig zu bleiben.

Danach aßen wir noch gemeinsam und dann hieß es Abschied nehmen. Alle Eltern und Kinder kamen nochmals zu mir her und bedankten sich. Das war ein ganz schön schwieriger Moment für mich.

Meine Gruppe

Am Ende des Monates werde ich noch mit den Lehrern aus Payatas die Fiesta verbringen und dann auch noch Abschied von ihnen nehmen. Ich glaube, das wird auch noch sehr schwierig für mich.

Auch das Verabschieden von meinen Freunden, die mir hier wirklich sehr ans Herz gewachsen sind, wird noch eine Herausforderung.

Ich versuche mich mit dem Gedanken „Man ist ja nicht aus der Welt, man kann sich ja wiedersehen“ zu trösten.

Das wars wieder von mir.

Bis ganz bald!

Warum ich MaZ sein möchte

Als MaZ ins Ausland zu gehen erscheint für mich attraktiv, weil man auf der einen Seite die Chance bekommt ein neues Land und eine fremde Kultur zu entdecken und sich andererseits gleichzeitig in sozialen Projekten engagieren und etwas von sich weitergeben kann. Genau diese Kombination bietet der Freiwilligeneinsatz als MaZ und deshalb habe ich mich dazu entschlossen, einen solchen Einsatz anzutreten.