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Abschluss und doch kein Ende

So schnell vergeht ein Jahr: Nach 12 ereignisreichen Monaten trafen am 19. September die „Missionar/-innen auf Zeit (MaZ)“ wieder in Nürnberg aufeinander. Es war das letzte Seminar, bei dem alle gemeinsam von ihren Einsatzländern und Erfahrungen berichteten. Und während bei der Abreise vor einem Jahr Aufregung und Abenteuerlust herrschte, spürte man nun einen Schuss Sehnsucht und Melancholie. Der Freiwilligeneinsatz war fast zu kurz. David Knoblauch fasst die Stimmung zusammen: „Was bei unserer Verabschiedung noch in ferner Zukunft lag, war für uns im Rückblick einen Wimpernschlag lang.“

Mit dabei waren auch Pater Georg Fichtl, Pater Günther Hofmann, Linda Ponradl und Lukas Korosec. Unter ihrer Anleitung  reflektierten die Rückkehrer den eigenen Einsatz. Aber auch die Zukunft wurde dikutiert und Möglichkeiten aufgezeigt, sich weiterhin im MaZ Programm zu engagieren. Unter anderem diskutierten alle Stereotype über die eignenen Einsatzländer, skizzierten ihre Erlebnisse und Gefühle während des Einsatzjahres. Außerdem wurden  Präsentationen zur eigenen Einsatzstelle und den eigenen Erlebnissen vor Ort vorbereitet. Die Präsentationen sollen nicht nur an diesem Wochenende, sondern auch  später bei den eigenen Solidaritätskreisen zum Einsatz kommen.

Über das Highlight des Wochenendes waren sich alle einig: Bei den gemeinsamen Abenden konnten sich alle austauschen und erfuhren so auch viel über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede, die die Länder, Stellen und sie selbst ausmachen und die jeden Einsatz zu einer einmaligen Erfahrung machten. Diese Erfahrungen brachten die jungen Missionare am Ende gemeinsam vor Gott. Mit dem Seminar ging der Einsatz zu Ende „und doch“ – so schreibt uns David Knoblauch – „bleibt die Hoffnung, dass es damit nicht zu Ende geht, sondern neue Freundschaften in die Welt hinausgehen, um von den gemeinsamen Erfahrungen zu erzählen“.

Salamat Pilipinas! – Abschied nach 13 Monaten

Hallo zusammen!

In meinem letzten Blogeintrag möchte ich euch einiges über meine letzten Wochen und Monate, aber auch über den bald anstehenden Abschied berichten.

Zugegeben, es fühlt sich schon etwas seltsam an zu wissen bzw. zu realisieren, dass sich meine Zeit hier auf den Philippinen (zumindest vorerst) zu Ende neigt. Es fühlt sich gleichsam wie eine sehr lange aber auch irgendwie kurze Zeit an, vor allem weil einfach unglaublich viel erlebt und gelernt wurde und so einige wichtige Erfahrungen gesammelt wurden. Da kann es einem schon so vorkommen als würde ein ganzes Jahr einfach mal so vorbeiziehen.

Von einigen sehr guten Freunden musste ich in den letzten Tagen und Wochen schon Abschied nehmen, was mir überhaupt nicht leicht fiel und das schon wehmütige Bauchgefühl noch verstärkte. In einigen Tagen werde ich mich dann auch von den Kindern und Familien in Payatas verabschieden müssen, was bestimmt auch nicht so einfach werden wird.

Der Gedanke, dass ich hoffentlich sehr bald wieder hierher zurückkommen kann, tröstet darüber glücklicherweise ein wenig hinweg.

Ich bin unglaublich dankbar und froh, die Gelegenheit ergriffen und mich für die Philippinen entschieden zu haben. Es war und ist eine tolle Erfahrung etwas an die Kinder weiterzugeben können aber auch selbst so unfassbar viel zurückzubekommen und zu lernen.

Noch nach über einem Jahr beeindruckt mich die Art und Lebensweise der Menschen vor Ort immer wieder aufs Neue. Die Aufgeschlossenheit, Bescheidenheit und schlicht, die Fröhlichkeit der Leute trotz den teilweise sehr „einfachen“ und schwierigen Lebensumständen werde ich ganz sicher nie vergessen.

Stets wird gegeben, eingeladen und geteilt, obwohl man selbst nicht besonders viel hat. Man stellt seine eigenen Bedürfnisse teils in den Hintergrund, um ja nicht die Gäste oder gar die eigene Familie zu vernachlässigen. Gerade im Rückblick auf das Jahr werde ich mir dieser Tatsachen immer mehr bewusst und umso mehr bin ich davon beeindruckt. Zufrieden und glücklich zu sein mit dem, was man hat, selbst wenn es nicht sehr viel ist.

Das und vieles mehr werde ich bestimmt bald sehr vermissen.

 

Nun möchte ich aber noch von einem sehr besonderen Event, welches letzten Monat stattgefunden hat, erzählen.

Anfang Juli hatten wir nämlich unsere Abschlussfeier mit den Kids in Payatas. Zusammen mit den Kindern von Jakob fuhren wir mit mehreren Jeepneys zum Ort der Feier. Dank den Spenden konnten wir sogar eine tolle Location mit Swimming Pools organisieren, worüber sich die Kinder mit am Meisten gefreut haben. Alles in allem war es ein sehr gelungener Tag, die Kinder als auch die Eltern, welche als Begleitung dabei waren hatten sehr viel Spaß. Jedes der Kinder durfte seinen Handabdruck auf der großen Leinwand in bunten Farben hinterlassen und anschließend wurden noch eigene Bilder auf kleineren Leinwänden gestaltet. Außerdem erhielten die Kinder ihre Zertifikate als Zeichen der Anerkennung, das Programm absolviert zu haben. Dann gab es noch Geschenktüten mit Schulmaterialien und Süßigkeiten und ein leckeres Mittagessen. Bevor unsere eigentliche Überraschung, eine kleine Clown Show und Gesichtsbemalung an der Reihe war, gab es für alle ungefähr zwei Stunden Zeit um die Swimming Pools ausgiebig zu nutzen. Die Feier beendeten wir mit dem gemeinsamen Singen unseres „Graduation-Songs“, was ein wirklich emotionaler Moment war. Schließlich wurden noch die Zertifikate verteilt, danach ging es dann auch schon wieder zurück nach Payatas.

Da bei diesem Event leider nicht alle meiner und Jakobs Schüler anwesend sein konnten, haben wir ein paar Wochen später ein kleines Nachholevent veranstaltet, um auch mit den übrigen Kindern noch die Bilder zu malen, ihnen ihre Geschenke und Zertifikate auszuteilen und ihnen trotzdem noch eine Freude zu machen, obwohl sie ja das eigentliche Event verpasst hatten.

Nach diesen Veranstaltungen ging es für mich direkt weiter nach Siargao, einer Insel im Süden des Landes, welche als Surfer Paradies bekannt ist. Gesurft wurde dort dann auch so gut wie jeden Tag. Dafür konnte ich mich sogar dazu motivieren früh morgens aufzustehen und kurz nach Sonnenaufgang schon einige Stunden auf dem Wasser zu verbringen um zu üben. Zum Urlaub auf Siargao hier noch eine kleine Auswahl an Bildern:

 

In meinem letzten Blogeintrag habe ich euch außerdem versprochen, das besagte Video endlich mit euch zu teilen. Unter diesem Link kann man sich nun den Trailer ansehen: https://drive.google.com/open?id=1gVBcw98Bml1ZqUncQehXY9VTn7TBi3sb

Das Video entstand zusammen mit den anderen beiden Freiwilligen, Jakob und Simon. Wir haben zwei Tage in Payatas und einen Tag in Parola gefilmt und ich habe mich dann im Anschluss an den Schnitt gesetzt und eine ganze Weile daran herumgebastelt. Deshalb freue ich mich sehr, dieses Projekt nun mit euch teilen zu dürfen und damit hoffentlich einen nochmal besseren Einblick zu geben als mit dem Berichten oder Fotos. Ich wünsche viel Spaß beim Anschauen!

Unterdessen bin ich bereits dabei, mich auf meine baldige Abreise vorzubereiten und versuche mein Bestes um auch den Rest der noch anstehenden Abschiede zu überleben 🙄

 

Einen lieben Gruß nach Deutschland und bis bald,

euer Moritz  😀

Jeepneys, türkisblaues Meer und strahlende Kinderaugen (#6)

Hallo zusammen,

Inzwischen ist mein Jahr auf den Philippinen schon wieder vorbei. Auch wenn ich seit Anfang August zurück in meiner Heimat bin, möchte ich niemandem vorenthalten, wie sich meine letzten Monate auf den Philippinen gestaltet haben. In den Pfingstferien kam meine Familie zu Besuch, worüber meine Mutter in einem ‚Gastbeitrag‘ im Folgenden berichtet:

Als ich mich mit meinen Kindern Mitte Mai auf den Weg zu unserem Jakob auf die Philippinen machte, hatten wir alle keine Ahnung, was uns erwarten würde. Nicht nur, weil Jakob sich das Reiseprogramm für uns überlegt und es bis zum Ende geheim gehalten hatte, sondern auch, weil wir in eine ganz  andere Kultur eingetaucht sind, die mich total fasziniert hat. Jakobs erste Blog-Einträge, mit denen er uns an seiner Welt ein wenig teilhaben ließ, gingen über den Verkehr in Manila und den daran beteiligten Fahrzeugen. Ich muss zugeben, dass ich mich damals etwas darüber gewundert habe. Mittlerweile weiß ich, dass der Verkehr in Manila einen großen Anteil an der Atmosphäre dieser Stadt hat. Natürlich, Großstadtlärm wie in vielen Städten auch bei uns. Aber das Wie ist doch ein komplett anderes. In all dem Gewusel von Autos, Bussen, Tricycles, Jeepneys, Mopeds und dazwischen Fußgängern scheint es kaum Verkehrsregeln zu geben. Es wird rechts und links überholt, die Spuren werden wild gewechselt – aber: es funktioniert. Das Hupen, das permanent durch die Straßen tönt, ist kein aggressives Hupen, sondern eher ein auf sich aufmerksam machen. Und die wichtigste Verkehrsregel scheint zu sein, dass man nicht nur sich im Blick hat, sondern auch die Verkehrsteilnehmer um einen herum. So können Tricycles und Jeepneys ohne Probleme wieder in den fließenden Verkehr einfädeln, wenn sie neue Fahrgäste aufgenommen haben.

Diese Rücksichtnahme und das Aufeinanderschauen haben wir auch in den Begegnungen mit den Menschen auf den Philippinen erfahren. Überall wurden wir freundlich und zuvorkommend behandelt, man war stets bemüht, uns unsere Wünsche zu erfüllen, uns zu helfen, es wurde darauf geachtet,  dass es uns gut geht und wir uns wohl fühlen. Dies führte zu Erfahrungen, die bei uns hier undenkbar wären. So wurden uns, als wir morgens um 5 Uhr in unserer Unterkunft auf der Insel Coron ankamen, Betten in zwei sogenannten „nipa huts“ (traditionelle Häuser aus natürlichen Materialien wie der Nipapalme, deren Blätter häufig für die Dachkonstruktion verwendet werden) zur Verfügung gestellt, damit wir uns ausruhen können, weil unser gebuchtes Zimmer noch nicht frei war. Oder wir konnten einen Nachtisch, den wir schon einmal gegessen hatten und der unglaublich lecker war, aus einem Nachbarrestaurant bestellen. Haben Sie schon einmal versucht, eine Speisekarte aus dem Nachbarlokal zu ordern?

Auch die Menschen in Payatas sind uns mit großer Offenheit und äußerst freundlich begegnet als wir mit Jakob und Moritz einen Tag dort verbrachten und sie bei ihrer Arbeit begleiten durften. Dieser Tag hat mich sehr beeindruckt. Da war zum einen diese ganz andere Art zu leben, unterschiedliche Häuser, Straßen, die befestigt waren, aber auch Wege, die nur aus Erde bestanden. Frauen, die ihre Wäsche in Bottichen auf dem Platz vor dem Haus wuschen und Kinder, die mit einem Gartenschlauch abgeduscht wurden. In all das haben wir einen Einblick bekommen als wir mit den beiden Mazlern die Kinder in ihren Häusern abholten. Zum anderen erlebten wir äußerst offene und gastfreundliche Menschen. Wir wurden herzlich begrüßt, wir durften gerne Fotos machen und am Ende des Tages wurden wir von einer Familie noch zum Essen eingeladen. Kein Misstrauen, keine Zurückhaltung, sondern Offenheit und Wohlwollen schlugen uns entgegen.

Was Moritz und Jakob für die Kinder in Payatas leisten, ist beeindruckend. Die gemeinsamen Unterrichtsstunden, die an vielen völlig unterschiedlichen Plätzen in dieser Gegend stattfinden, sind sehr strukturiert aufgebaut und versuchen die Kinder in unterschiedlichen Bereichen anzusprechen. Nach der Begrüßung „Good morning, Teacher Jakob!“ und einem gemeinsamen Gebet versucht Jakob durch eine kleine Fragerunde über Lieblingsessen, -farben und anderem die Kinder mit der englischen Sprache ein wenig vertraut zu machen.

An unserem Besuchstag durften sie eines unserer mitgebrachten Puzzle zusammensetzen und dabei die Tiere auf Englisch benennen. „W“ und „X“ waren die Buchstaben, die sie an diesem Tag bei Jakob wiederholten und auf einem Arbeitsblatt schreiben mussten. Einige der Kinder waren da sehr geschickt, andere mussten sich schon mühen und brauchten Geduld. Viel Freude bereitete ihnen das Ausmalen eines Bildes, das auf dem Arbeitsblatt abgedruckt war – und noch größere Freude, dass sie aus dem Arbeitsblatt einen Papierflieger falten und ihn fliegen lassen durften. Die Gruppen, die auf einem Platz neben dem Friedhof unterrichtet wurden, vertieften die Buchstaben durch Laufspiele und Memoryspielen. Mit Freude lauschten die Kinder Jakob und Moritz als sie Märchen auf Tagalog vorlasen – für uns war es interessant zuzuhören obwohl wir nichts verstanden. Trotz der zum Teil eher schwierigen Umstände (die Kinder stehen um einen wackeligen Tisch, sie sitzen und schreiben auf einem Holzbrett, das über zwei Steine gelegt ist… da wirken unsere Diskussionen über die Ausstattung von Klassenzimmern mit Whiteboard und Beamer etwas befremdlich) gelingt es Moritz und Jakob, den Kindern das für die Einschulung notwendige Wissen zu vermitteln. So konnten die Kinder in Moritz Gruppe fehlende Buchstaben im Alphabet ergänzen und bei Jakob die bereits erlernten Buchstaben bei diversen Spielen wiederholen. Zum Mittagessen waren wir im Center eingeladen – Jeremy hatte für uns ein leckeres Mittagessen gezaubert und wir durften neben den Lehrerinnen und Lehrern, die die Jugendlichen unterrichten, auch Sister Frances kennenlernen.

Jakob zeigte uns nicht nur seine Arbeit und die quirlige Stadt Manila, sondern weitere wunderbare Ecken der Philippinen. Nach einer 14-stündigen Fahrt mit einer Fähre kamen wir auf der Insel Busuanga an. Ein Bummel durch den Ort Coron, der Besuch auf dem örtlichen Markt, nächtliches Kanufahren mit Besichtigen der Glühwürmchen in den Mangrovenbäumen und des faszinierenden fluoreszierenden Planktons standen ebenso auf dem Programm wie ein Besuch auf der Nachbarinsel Culion, auf der über 100 Jahre lang eine Leprakolonie bestand. Einen traumhaften Tag verbrachten wir beim Stand Up Paddeling, bei dem wir durch einsame Lagunen und unter Mangrovenbäumen paddelten. Immer wieder landeten wir auf fantastischen Inseln und wurden auf einer mit einem auf dem Boot zubereiteten leckeren Essen verwöhnt. Das Baden in heißen Quellen rundete diesen einmaligen Tag ab – für manchen Sonnenbrand bedeutete das fast eine homöopathische Behandlung nach Hahnemann „Gleiches mit Gleichem behandeln“. Die Besteigung eines kleinen Hügels während des Sonnenaufgangs bot uns einen phantastischen Blick auf einige der über 7000 Inseln der Philippinen. Unsere nächsten Erlebnisse durfen wir auf der Insel Palawan machen: Islandhopping, Schnorcheln, Besuch eines Wasserfalls und immer wieder Einblicke in das Leben der Menschen.

Unseren letzten Abend verbrachten wir mit „unseren Jungs“ Moritz, Simon und Jakob in „Fred’s Bar“. Leckeres Essen – wie immer auf unserer Reise – gute Gespräche, eine tolle Atmosphäre bei immer noch 30° und viele liebe Menschen um uns herum. So wie an diesem letzten Abend konnte ich auf der ganzen Reise spüren, wie sehr Jakob in diesem fernen Land angekommen war. Er, Moritz und Simon erfüllen ihre Arbeit mit und für die Kinder mit Herzblut. Innerhalb kürzester Zeit haben sie Freunde gefunden und Kontakte geknüpft – an dieser Stelle eine großes Dankeschön an Peter, der uns stolz und voller Begeisterung durch Intramuros und Chinatown führte. Sie erleben das Land und die Menschen in allen Facetten: bei ihrer Arbeit im Slum, beim Weggehen und Party feiern ebenso wie bei ihren Ausflügen und Reisen in verschiedenste Regionen des Landes. Sie verbringen viel Zeit in dem Bergdorf Buscalan, leben dort mit den Menschen und packen mit an, wo ihre Hilfe gebraucht wird. Sie genießen die einmaligen und unbeschreiblich schönen Inseln und setzen sich mit der Frage des Lebensstils auseinander. Nach dem, wie wir Jakob dort erlebt hatten, konnte ich beruhigt wieder nach Hause fliegen. Und es war eine intensive Zeit für uns als Familie – den ganzen Tag (und die Nächte) miteinander verbringen, Fantastisches erleben und viel Zeit zum Reden und Erzählen haben. Nun fiebern wir hier seinem Nachhausekommen in wenigen Tagen entgegen, denn unsere Reise liegt schon einige Wochen zurück. Trotzdem sind unsere Erfahrungen auf den Philippinen noch sehr präsent. Nicht nur, weil ich in meinem Religionsunterricht immer wieder davon erzählt und Bilder gezeigt und vielen Menschen voller Begeisterung berichtete habe, sondern auch, weil diese Reise für mich und Jakobs Geschwister uns in eine neue Welt, in Jakobs Welt, hat eintauchen lassen und uns sehr berührt hat.

Salamat po, Jakob, für diese einmalige, wunderbare Zeit mit

dir auf den Philippinen!

Christine, Paul, Magdalena und Anna

P.S. Inzwischen ist unser Jakob wieder bei uns und wir genießen die gemeinsame Zeit in vollen Zügen!

Zu Hause bei Hebamme Gloria

Kurz bevor ich zurück nach Deutschland geflogen bin, habe ich meine Arbeitskollegin und Freundin Acio Gloria besucht und sie gebeten mich ein bisschen an ihrem Leben teilnehmen zu lassen.

Acio Gloria mit dem Kind einer Freundin

Gloria ist 22 Jahre alt und wurde in Minakulu, im Norden Ugandas geboren. Sie hat 14 Geschwister und typisch für die ugandische Kultur hat ihr Vater zwei Ehefrauen. Polygamie kommt hier sehr häufig vor und ist für mich immer noch sehr schwierig zu verstehen. Gloria hat es einfach im Laufe ihrer Kindheit erfahren, dass ihr Vater noch eine Frau neben ihrer Mutter hat. Ihre Mutter ist die erste Frau und hat neun Kinder,  Gloria ist das sechste Kind. Mit der zweiten Ehefrau (49 Jahre alt) hat der Mann nochmal 5 Kinder. Früher haben die beiden Frauen aufgrund ihrer Jobs weit auseinander gelebt. Glorias Vater ist mittlerweile in Rente und 66 Jahre alt. Ihre Mutter ist mit 58 Jahren noch Grundschullehrerin. Irgendwann hat ihre Mutter einen anderen Job in einer neuen Schule gefunden und jetzt wohnen beide Frauen sehr nah zusammen, jedoch nicht in einem Haus. Gloria kennt alle ihre Geschwister und die ganze Familie trifft sich auch manchmal zusammen, denn die beiden Frauen, so berichtet mir Gloria, hassen sich nicht, sondern kommen miteinander aus. Der Vater ist dann eine Woche lang bei einer Frau und die nächste Woche bei der Zweiten. Ich habe allerdings auch schon erzählt bekommen, dass sich die erste und zweite (dritte, vierte, fünfte,…) Ehefrau oft überhaupt nicht ausstehen können und sich nahezu bekriegen. So habe ich im Health Center auch mal eine Frau gesehen die von ihrer Co-Ehefrau mit heißem Öl übergossen wurde und schlimme Verbrennungen hatte. Außerdem wissen Greta und ich von unseren Freundinnen Mary und Paska, dass sie sich auch von ihren Ehemännern getrennt haben, weil beide eine zweite Frau wollten und Mary und Paska das nicht aushalten konnten.
Auch Gloria erzählt mir, dass sie auf keinen Fall eine zweite Ehefrau haben will weil sie es schrecklich findet und sehr eifersüchtig wäre weil sie dann weniger Aufmerksamkeit von ihrem Ehemann bekommen würde.

So sieht Glorias Alltag aus

Die Hebamme wohnt in einer der vom Health Center gemieteten Wohnungen. Sie hat ein kleines Schlafzimmer in das gerade mal ihr Bett, ein Spiegel und ihre Klamotten passen. Nebenan ist direkt die Küche die sie sich mit einem anderen Bewohner des Hofes teilt. Die Dusche und Toilette befindet sich natürlich draußen und werden auch zusammen genutzt. Der Chef Jaspher, mit Frau Martha und Tochter Michelle, der Fahrer Andrew und die beiden anderen Hebammen Mary und Immaculate wohnen ebenfalls in dem gleichen Innenhof. Das Health Center hat nämlich nur ein kleines Mitarbeiterwohnhaus in das ca. 2 Leute passen und welches gerade renoviert wird. Sie benötigen also dringend weitere eigene Häuser, damit die Mieten nicht jeden Monat anfallen. Viele der Mitarbeiter kommen von weit weg und benötigen deshalb einen Wohnplatz.

Früher stand sie oft um 5 Uhr auf um direkt für eine Stunde auf ihr Feld zu gehen. Da das Feld aber leider eine halbe Stunde entfernt liegt, kam sie dann erst um 7 zurück, ging dann duschen, machte das Haus sauber, und aß ein kleines Frühstück zum Beispiel Cassava (Wurzel) mit Tee.
Zurzeit geht sie nicht besonders viel auf das Feld und wenn dann eher abends gegen 17 Uhr nach der Arbeit. Das heißt sie steht um 6.30 Uhr auf, erledigt ihre Aufgaben zu Hause und geht dann zwischen 8 und 9 Uhr in die Arbeit. Wie ihr ja sicher in meinem ersten Blogeintrag über meine Arbeitsstelle gelesen habt ist das mit der Zeit hier so eine spezielle Sache. Eigentlich sollten alle Angestellten um 8 Uhr im Health Center sein. Als ich dort in meiner ersten Woche erschien, war aber niemand zu sehen…. Ich kam dann auch nie früher als 9 Uhr, denn vorher ist eh niemand dort. Das heißt es ist eigentlich ziemlich locker und man erledigt erst alle Aufgaben die man hat und geht dann ganz entspannt zur Arbeit, wenn man eben fertig ist.
Was am Anfang für mich noch sehr ungewohnt und komisch war, lernte ich im Laufe des Jahres wirklich sehr zu schätzen. Mir ist allerdings bewusst, dass es in Deutschland niemals möglich wäre irgendwann, wenn man bereit ist, zur Arbeit zu erscheinen. Vor allem in Krankenhäusern würde ein riesiges Chaos ausbrechen und Patienten wären in Gefahr, wenn kein Personal da wäre. In Alenga ist das kein Problem: morgens ist eh nicht viel los und falls etwas Schlimmes passieren sollte, weiß eh jeder wo die Krankenschwestern wohnen um Hilfe zu holen.
Gloria kennt die Probleme der Unzuverlässigkeit, der Unpünktlichkeit und der mangelnden Zusammenarbeit der Kolleginnen und Kollegen. Ihre Arbeitszeit geht eigentlich von 8 Uhr bis 14 Uhr und dann sollte die nächste Schicht kommen. Da das Personal nach ihr aber zu spät kommt und oft nur schlecht ausgebildete Krankenhelferinnen sind, muss Gloria mindestens drei Mal die Woche bis 17 Uhr bleiben um die ganze Arbeit alleine fertig zu machen.
Wenn sie von der Arbeit nach Hause kommt kocht sie und geht eventuell noch aufs Feld. Viel Zeit bleibt da aber nicht mehr, da es schon um 18.30 Uhr dunkel wird und das Kochen mit Kohle sehr viel Zeit in Anspruch nimmt.

Gloria besuchte eine staatlich unterstütze Missions-Schule und konnte mit 19 Jahren auf die Hebammen Schule in Gulu gehen. „Ich fand es schrecklich, dass so viele Frauen während der Geburt sterben, obwohl es vermeidbar wäre. Ich wünsche mir, dass ich noch viel mehr Wissen über die Gynäkologie bekomme“, erklärt mir Gloria ihre Entscheidung Hebamme zu werden. Die teure 2 ½ jährige Ausbildung konnte Gloria nur erfolgreich beenden, weil ihre Mutter einen Job hat und weil die Familie extra für sie ein Stück ihres Landes verkauft hat, um genug Geld  zu haben. Das finde ich sehr beeindruckend, denn auch die meisten der anderen Geschwister konnten eine Ausbildung machen beziehungsweise besuchen eine Schule. Ihr jüngstes Geschwisterkind ist 13 Jahre und das älteste 34 Jahre alt. Die eine ist Schneiderin, die andere Krankenschwester, Lehrerin und ein Bruder ist Schreiner. Ihm fehlt leider das Geld um sich Material und Werkzeuge für die Arbeit zu kaufen, weswegen er nicht als Schreiner arbeiten kann. Ihr ältester Bruder hat einen Realschulabschluss, ist aber psychisch krank und arbeitet deswegen nicht sondern macht den ganzen Tag eigentlich gar nichts. Man spürt, die Eltern von Gloria strengen sich wirklich an, dass alle Kinder versorgt werden und eine Chance auf einen Job bekommen.

Als ich in Alenga ankam, gab es nur zwei Hebammen, Sharon und Gloria, und die beiden waren wirklich überfordert und hatten nur ca. 3-4 Tage im Monat frei. Als Sharon in ein staatliches Krankenhaus gewechselt hat, war Gloria die einzige in der Entbindungsstation und das war wirklich die Hölle für sie. Im April kamen dann zum Glück zwei weitere Hebammen: Mary Filda und Immaculate. Das war eine große Entlastung für Gloria und jetzt hat sie ca. 8 freie Tage im Monat.

Wenn sie frei hat fährt sie gerne zu ihrer Familie in die Nähe von Gulu. Dort hat sie auch ihren 30 Jahre alten Freund James kennen gelernt. Er war damals in der Nähe ihres Elternhauses bei Freunden zu Besuch und so trafen sie sich das erste Mal. „Wir haben dann öfter etwas unternommen und irgendwann hat er mich gefragt, ob ich mit ihm zusammen sein will. Ich habe „ja“ gesagt und jetzt sind wir schon seit zwei Jahren ein Paar.“, berichtet sie mir.
Gerade in meiner Arbeit sehe ich oft sehr junge Frauen, die gezwungen wurden einen 15 Jahre älteren Mann zu heiraten und keine Wahl hatten. Als ich Gloria frage, ob sie eine Wahl hatte, antwortet sie ganz klar: „Ja, ich hatte eine Wahl aber ich wollte mit ihm zusammen sein!“ Gloria erklärt mir, dass es etwas mit dem Bildungsstand der Leute zu tun hat. Beide sind gebildet und haben einen Job (er ist Lehrer), während viele der jungen Mädchen in Alenga  nur drei Jahre in der Schule waren und somit keine Perspektive haben. Sie können keine Ausbildung machen, kein Geld verdienen und sind abhängig von ihrem Partner. Viele Eltern kümmern sich nicht richtig um ihre Kinder und wollen nur den Brautpreis haben und so landen die 16-jährigen Mädchen das erste Mal schwanger mit ihrem 45-jährigen Ehemann bei Gloria und mir bei der Schwangerschaftsvorsorge. Sowas war für mich immer schrecklich zu sehen und es gibt mir ein bisschen Hoffnung, dass es in den Städten und bei gebildeten Ugandern mittlerweile anders laufen kann.
Gloria und James machen schon richtige Zukunftspläne: strahlend erzählt sie mir, dass die beiden ein Stück Land in Dokolo, eine Stunde von Lira, gekauft haben und dort ein Haus bauen wollen. „Ich will eine eigene Familie gründen“, sagt  sie stolz. Sie wünscht sich drei Kinder, James will nur zwei aber das wird sich sicher noch regeln. „Das  nächste Mal, wenn du nach Uganda kommst, bin ich schwanger“, verspricht sie mir. Ich finde es toll, dass sie so glücklich ist und ich kaufe es ihr wirklich ab.
Mich interessiert natürlich, ob es eine Art Hierarchie in ihrer Beziehung gibt. In Alenga ist es kaum zu übersehen, dass Männer mehr wert sind als Frauen. Wenn ein Ehepaar zur Untersuchung kommt setzt sich der Mann auf den Stuhl und lässt seine schwangere Frau einfach stehen. In Deutschland würde fast jeder der schwangeren Frau den Stuhl anbieten aber hier ist es ganz normal, dass der Mann es bequem haben muss und die Frau sich zurück nimmt. Es gibt natürlich auch hier Ausnahmen aber das andere überwiegt leider. Zudem gibt es viel häusliche Gewalt und viele Männer schlagen ihre Frauen, wenn sie nicht das machen was er will. Gloria sagt, dass James nicht so sei und auch noch nie Handgreiflich geworden ist. Ich bekräftige sie und sage ihr, dass sie sich das niemals gefallen lassen soll, falls mal etwas passiert. Daraufhin lächelt sie nur.
Außerdem erkläre ich ihr meinen Eindruck des Hinkniens der Frauen in der Lango Kultur. Wenn eine Frau einen Mann oder eine höhergestellt Person  begrüßt, kniet sie sich hin und gibt ihm die Hand. Ein Mann jedoch, muss sich niemals hinknien. Aus meiner Sicht zeigt das ganz deutlich eine Unterordnung der Frau, denn wenn beide gleich wären, könnte sich der Mann ja auch hinknien. Diese Thematik beschäftigt mich seit Anfang an und viele Langi sagen mir, dass es nichts mit Hierarchie zu tun hat sondern einfach die Kultur ist. Zuerst sagt Gloria mir, dass sie sich auch in seltenen Fällen vor Personen kniet, wenn die Person wirklich hoch angesehen ist und sie sagt auch mir, dass es einfach Teil der Kultur sei. Nach meiner Erklärung gibt sie jedoch zu, dass sie denkt, dass man schon eine gewisse Unterordnung der Frau erkennen kann und, dass diese sehr tief in der Kultur verwurzelt ist. Viele andere Freiwillige oder Tutoren sagen Greta und mir, dass es Kultur ist und, dass wir es nicht ändern dürfen, uns nicht einmischen sollen, damit wir die Kultur nicht zerstören oder europäisieren. Aber ist es so schlimm, wenn man den Teil einer Kultur ein bisschen ändert, um Frauen in der Gesellschaft mit mehr Respekt und Gleichberechtigung behandeln zu können? Ist das wirklich ein Kulturverlust oder nicht eher eine Kulturbereicherung??? Natürlich sagen wir keinem Menschen in Alenga: „Nein, du darfst dich auf keinen Fall hinknien, das ist sehr schlecht!“, denn das wäre wirklich eine Einmischung in die Kultur. Aber wir versuchen mit den Schülerinnen oder Freunden mit Respekt vor ihrer Kultur darüber zu reden um zu zeigen, dass es auch anders geht, was es bedeutet und wie es bei uns in Deutschland so ist, denn das interessiert sie ja auch.

Gloria ärgert sich oft über das Gesundheitssystem in Uganda und über die Politik. Sie findet es gut, dass der Staat die HIV- und Malaria-Tests und auch die Medikamente sowie die Impfungen für Kinder zahlt jedoch ist sie oft überfordert und allein gelassen. Ihr Traum wäre es in einem staatlichen Krankenhaus zu arbeiten, denn dort gibt es geregelte Arbeitszeiten, besseres Gehalt und eine Rente ab einem Alter von 65 Jahren. Wenn man nicht in einer staatlichen Einrichtung arbeitet bekommt man nämlich überhaupt keine Rente und muss so lange arbeiten wie man kann. Auch einige der Mitarbeiter im Health Center sind über 70 Jahre alt und können noch nicht an den Ruhestand denken, da sie sonst auf der Straße landen würden.
Natürlich belastet Gloria auch die Politik mit der überall spürbaren Korruption und der Aufhebung der Altersbegrenzung für den 73-jährigen Präsidenten. Viele Menschen haben nach 32  Jahren genug von Museveni und sagen es wird Zeit, dass er sein Amt verlässt. Seit seiner Amtszeit hat er die ugandische Verfassung mehrmals geändert, um weiterhin Präsident bleiben zu können, denn eigentlich hätte er 2021 nicht mehr zur Wahl antreten können, da das Alterslimit bei 75 Jahren lag. Nachdem er diese Regelung aber im Dezember 2017 nach einer gewaltvollen Auseinandersetzung im Parlament  aufgehoben hat, kann er nun theoretisch lebenslang als Staatsoberhaupt regieren.

Nun bin ich auch schon wieder am Ende meines Berichtes angelangt. Ich hoffe es war interessant mal einen persönlichen Einblick in das Leben von Gloria zu bekommen. Ich vermisse Alenga unglaublich stark und bin auch noch nicht so richtig in Deutschland angekommen, das wird sicher noch etwas dauern. Ein Update zum Schlafsaal und ein Artikel zum Abschied von Alenga werden auch bald noch kommen.

Liebe Grüße, vielleicht trifft man sich ja mal!

Eure Francesca

Wie kommt die Erdnuss in die Tüte?

Liebe Leserinnen und Leser,

 

heute möchte ich euch ganz kurz davon berichten, was die letzten Wochen hier im Konvent vor sich gegangen ist. Für mich hat das wieder einmal gezeigt wie unbewusst und einfach wir uns in Deutschland Lebensmittel beschaffen. Da heißt es nämlich, wenn man abends Lust auf irgendetwas hat: „Ich fahr noch schnell in den Supermarkt, bin gleich wieder da.“. Dann greift man schnell ins Regal, nimmt sich noch eine Dose gesalzene Erdnüsse als Snack mit und zu Hause auf dem Sofa genießt man diese dann.
Wo die Erdnüsse herkommen, wo sie gepflanzt wurden, wer sie geerntet, getrocknet, geschält, sortiert und gesalzen hat, das spielt keine Rolle und den Großteil haben vermutlich sowieso Maschinen übernommen – unfassbar, wie technisiert und schnell (immer auf dem Sprung, stets im Stress des Alltags gefangen) wir leben.

Die Ernährung in Alenga steht im krassen Kontrast dazu. Und deshalb möchte ich euch heute davon erzählen wie Schwester Consentina und schließlich auch Greta und ich in den letzten beiden Wochen mit der Erdnuss-Ernte beschäftigt waren.

Die Erdnüsse wurden nach dem Ende der Trockenzeit (im Februar) gesät und dann regelmäßig von Unkraut befreit, während sie wuchsen.
Vor ca. zwei Wochen hat die 85-jährige Sister Con schließlich angefangen die fertigen Erdnusspflanzen im Feld zu ernten und in den Innenhof zum Trocknen zu legen. Nach einiger Zeit war der gesamte Platz im Innenhof belegt und Sister hat die Pflanzen regelmäßig in der prallen Mittagssonne gedreht, damit die Erdnüsse trocknen.
Eine Woche später war alles gut getrocknet und Sister begann die Nüsse, die an der Wurzel unter der Erde wachsen, von der Erde und der Pflanze zu befreien. Dabei halfen wir ihr dann gemeinsam mit einigen Schülerinnen und da wir uns um diese Zeit normalerweise alle in der Kirche zum Rosenkranz beten befinden, haben wir gleich mal den Rosenkranz mit der Arbeit verknüpft. Ungefähr 2 Stunden brauchten wir mit allen 20 Helfern um die Erdnüsse zu sortieren.
Die Erdnüsse haben wir dann auf einem großen Haufen auf der Terrasse gesammelt. Anschließend werden die Nüsse geschält. Das ist eine ziemlich ermüdende Arbeit, denn nach der 150. Nuss schmerzen die Finger sehr und der Ertrag erscheint winzig im Vergleich zur Mühe, die man mit der Erdnuss-Ernte hat.

Die im Norden Ugandas bekannteste Verarbeitungsform der Erdnüsse ist das sogenannte Odi. Um Odi zu produzieren, werden die geschälten Nüsse geröstet und dann durch langes Reiben und anschließendes Sieben von ihrer Haut befreit. Dann bringt man die Nüsse zur Mühle. Odi besteht allerdings nicht nur aus Erdnuss sondern auch aus Sesam. Zum Mahlvorgang gibt man also auch zuvor gerösteten Sesam dazu. Nach ungefähr 15 Minuten erhält man das fertige und super leckere Odi, was hauptsächlich zum Frühstück zusammen mit Süßkartoffeln oder Cassava genossen wird oder zum Kochen der ebenfalls für den Norden Ugandas typischen Speise Malakwan (Spinat ähnliche Blätter mit Odi gemischt).

Das war es auch schon zur Erdnuss 🙂 . Mich werden diese Erfahrungen deutlich bewusster und verändert durch den Supermarkt laufen lassen.

Ganz liebe Grüße in die Heimat, in die ich in weniger als zwei Wochen ja auch schon zurückkehre,

Eure Francesca

Auf den Spuren der spannenden politischen Lage Ugandas

Hallo ihr Lieben,

heute melde ich mich nach einiger Zeit endlich mal wieder mit einem Bericht über die letzten Wochen. Wie ihr ja schon aus dem letzten Bericht wisst, haben wir die Schulferien genutzt und sind Anfang Mai in den Norden Ugandas aufgebrochen. Schööön wars.. und viel haben wir erlebt:

Besuch in Gulu

Am Montag Mittag kamen wir in Gulu an, wo wir von Sister Katherine, eine junge Schwester der Little Sisters of Mary Immaculate Gulu, sehr herzlich empfangen wurden. Mit Nonnen dieses Ordens sind wir gut vertraut, weil diesem auch unsere drei Schwestern in Alenga angehören und wir in Kampala stets bei ihnen unterkommen dürfen.

Sister Katherine zeigte uns die verschiedenen Klöster des Ordens und wir wurden überall liebevoll begrüßt. Die Häuser sind sehr schön gestaltet und im Innenhof werden stets Blumen angepflanzt, die die Schwestern versorgen. Als wir die Äbtissin trafen, hatten wir eine sehr lustige Begegnung. Wir sind hier in Uganda nämlich schon ein bisschen berühmt .. J. So betraten wir gemeinsam mit Sister Katherine den Raum und wollten uns gerade vorstellen, als sie uns verdutzt anschaute und fragte: „Seid ihr nicht die Mädchen aus dem Leadership Magazine?“. „Ja, die sind wir.“, antworteten wir ihr und mussten lachen, zum einen, weil wir den Artikel zu dem Zeitpunkt selbst noch nicht gelesen hatten und zum anderen, weil uns jetzt wildfremde Personen aus der Zeitung kennen.

Die Auswirkungen LRA auf ein Krankenhaus in Gulu

Es war sehr beeindruckend zu sehen was die Schwestern alles aufbauen und leisten und wie warmherzig sie sich um alte und kranke Mitschwestern kümmern. Dieses Kloster liegt direkt in der Nähe des berühmten Krankenhauses St. Mary Hospital Lacor, das während der Terrorherrschaft Idi Amins 1959 von italienischen Missionaren aufgebaut wurde. Zu dieser Zeit gab es allerdings nur 30 Betten und die nötigste Grundversorgung. In den folgenden Jahren übernahm das Ehepaar Piero und Lucille Corti (ein italienischer Pädiater und eine kanadische Chirugin) die Leitung.
In den späten 1980er und 1990er Jahren war der Norden Ugandas geprägt vom Bürgerkrieg der LRA (Lord’s Resistance Army) und deren Anführer Joseph Kony. Dabei wurde auch das Krankenhaus immer wieder Opfer der furchtbaren Anschläge und Entführungen von Mitarbeitern. Noch heute spürt man in ganz Gulu die Auswirkungen der Rebellen und ihrer Anschläge. Joseph Kony hat zahlreiche Kinder entführt und sie zu Soldaten ausgebildet, sodass 66.000 Kindersoldaten für ihm kämpfen mussten. Aus dem Norden Ugandas sind in dieser Zeit 2 Millionen Menschen in den Süden geflohen. Seit 2006 hat sich die LRA aus Uganda zurückgezogen.
Im Jahr 2000 wurde das Krankenhaus auch Opfer der großen Ebola-Epidemie, sodass 224 Menschen starben. Darunter waren auch 13 der 100 freiwillig in Lacor gebliebenen Mitarbeiter unter ihnen auch der ugandische Leiter Dr. Lukwiya.
Auch wir hatten während unserer Tage in Gulu die Möglichkeit das Krankenhaus zu besichtigen. Heute gibt es über 400 Betten, 600 Mitarbeiter und weit mehr als 300.000 Patienten pro Jahr. Die Patienten warten in riesigen Schlangen vor den Behandlungszimmern. Oft kommen sie schon früh morgens, um überhaupt eine Chance auf die Behandlung zu haben. Viele müssen abends wieder nach Hause gehen ohne einen Arzt gesehen zu haben. Dann kommen sie am folgenden Tag wieder und die Warterei geht von vorn los.
Das Gelände ist riesengroß und es gibt viele Spezialabteilungen für beispielsweise Tuberkulose-, HIV/AIDS Patienten und Schwangere. Außerdem werden KrankenpflegerInnen, Laborfachkräfte und MedizinstudentInnen ausgebildet. Der besonders gute Ruf des Krankenhauses – es galt lange als eines der Besten in Ostafrika- bringt ihm stets noch viele Patienten ein, auch wenn die Versorgungslage mittlerweile schlechter geworden ist und die Möglichkeiten durch das ugandische Gesundheitssystem begrenzt sind.
Für Francesca und mich war es besonders spannend dieses Krankenhaus zu sehen, tiefere Einblicke in die Gesundheitsversorgung Ugandas zu bekommen und hat meinen Wunsch Ärztin zu werden auch nochmal verstärkt. (Fotos gibt es leider nicht, es war nicht erlaubt zu fotografieren.)Außer der Besichtigung des Krankenhauses unternahmen wir natürlich auch noch andere Dinge in Gulu. Gemeinsam mit Sister Katherine waren wir auf dem riesigen Markt der Stadt wo es von Fisch über Früchten zu Trommeln und anderen ugandischen Musikinstrumenten wirklich alles gibt. Außerdem erkundeten wir die Stadt ein bisschen auf eigene Faust und da Gulu wirklich übersichtlich aufgebaut ist, fanden wir uns auch ganz schnell gut zurecht.

Mary – Queen of Peace P/S

Dank unserer Freundin, Schwester Mary, die wir schon seit September aus Kampala kennen, hatten wir noch die Möglichkeit eine Grundschule etwas außerhalb von Gulu zu besuchen. So fuhren wir mit dem Boda über 45 Minuten aus Gulu hinaus und mitten hinein in die umliegenden Dörfer und ins Grüne. Bei der Grundschule angekommen, nahm Schwester Angelina uns sehr herzlich in Empfang und zeigte uns das tolle Gelände der immer größer werdenden Schule. Beim Anblick der schön gestalteten Klassenräume, des luxuriösen Lehrerzimmers (sogar mit Sofa und Fernseher!!!) und dem Ausblick auf die grüne Natur ringsrum wurde ich fast ein bisschen wehmütig und neidisch. Zum einen, weil meine Schule zu Hause nie so wunderbar in der Natur lag und zum anderen, weil die Möglichkeiten in Alenga deutlich begrenzter sind.
Sister Angelina, die bereits 75 Jahre alt ist, ist eine sehr engagierte Schulleiterin, die sich stets für das Wohl ihrer Schüler einsetzt. So waren, obwohl es ja Ferienzeit war, immer noch knapp 20 Schüler und Schülerinnen vor Ort, die keine Möglichkeit hatten nach Hause zu kommen (beispielsweise Waisen) oder die lernschwach sind und so noch zusätzliche Unterstützung bekommen.
Die Schule wurde gemeinsam mit dem angehängten Health Centre nach dem Ende der Rebellenzeit mit Hilfe amerikanischer Sponsoren gegründet und trägt deshalb den hoffnungsvollen Namen Maria- Mutter des Friedens.

Zu Besuch bei Bruder Konrad in Layibi

Als Comboni- Freiwillige sind wir auch in ganz Uganda (und fast überall auf der Welt) immer gleich mit neuen Missionaren verknüpft, die sich für uns verantwortlich fühlen und gerne bei sich auf nehmen. Das ist ein total großes Geschenk und wurde uns bei dieser Reise nochmal so richtig bewusst.
So kam es, dass wir während unserer Tage in Gulu den deutschen Comboni Missionar Bruder Konrad in seiner Arbeitsstelle besuchen durften. Bruder Konrad leitet in Gulu eine riesige Berufsschule, in der alle möglichen Berufe ausgebildet werden: Vom Tischler zum KfZ- Mechaniker, vom Frisör zum Koch, vom Elektriker zum Schneider. Diese Berufsschule bietet vielen jungen Menschen eine Perspektive und vor allem nicht nur eine Ausbildung, sondern danach auch eine sichere Arbeitsstelle, da die Berufsschule angehängte Betriebe hat und so alle Schüler übernehmen kann. Besondere Unterstützung gibt es hier auch für geistig und körperlich Behinderte sowie für die aus der Zeit der LRA übrig gebliebenen Kindersoldaten, die schwer traumatisiert sind. Bruder Konrad berichtete, dass es sehr problematisch sei, die ehemaligen Kindersoldaten in die Schulalltag einzugliedern und, dass es an psychologischer Betreuung mangle. Die Schule wurde weitesgehend mit Hilfe von Spenden aus Italien und Deutschland aufgebaut, gerade die zahlreichen Maschinen wurden importiert, aber mittlerweile finanziert sie sich durch Schulgebühren und Aufträge fast ausschließlich selbst.
Danach lernten wir noch die Mitbrüder von Konrad kennen und trafen Bruder Hans- Dieter Ritterbecks, den wir im Laufe der Vorbereitung in Ellwangen kennengelernt hatten, per Zufall ebenfalls an. So verbrachten wir noch eine schöne Zeit mit den Missionaren in Layibi und sahen bei dieser Gelegenheit auch das Hauptversammlungshaus der Combonis in Uganda, was wunderschön angelegt und gepflegt hinter der Berufsschule steht.
Im Anschluss fuhren wir auf Rat von Bruder Konrad noch zu den Comboni Samaritans of Gulu. Dies ist eine Berufsstätte für behinderte Menschen, HIV/AIDS Erkrankte und benachteiligte Erwachsene. Dort wird jede Menge kunstvolle Handarbeit hergestellt. Einen Großteil davon machen Textilien aus, es wird gestrickt, genäht, gefärbt, gewebt und bedruckt. Außerdem werden alte Werbeplakate zu Schmuck verarbeitet und aus Bananenblättern werden Taschen und Postkarten hergestellt. Das haben wir gleich mal ausgenutzt, um den angehängten Shop leer zu räumen. Leider konnten wir nicht mit der zuständigen Comboni Schwester sprechen, aber wir erkundeten das Gelände auf eigene Faust und trafen einen Lagermitarbeiter, der uns erklärte, dass die Arbeiter und Arbeiterinnen hier ein festes Gehalt bekämen und Sozialarbeiter diese aus den umliegenden Gemeinden holten, um ihnen eine Perspektive statt Arbeitslosigkeit zu bieten.
Dieser Tag in Gulu war voller Eindrücke und Erlebnisse, die mir wieder einmal vor Augen führten, welch großartige Arbeit die Combonis hier in Uganda leisten und wieviel Hoffnung und Möglichkeiten sie mit sich bringen.

So kam auch das Ende unserer Tage in Gulu und schweren Herzens verabschiedeten wir uns von Sister Katherine bevor wir in den Bus nach Moyo stiegen.

Moyo- Palorinya- Die Grenze zum Südsudan

Nach einer mal wieder ziemlich anstrengenden Busfahrt (ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, wie das ohne Panne klappen konnte) kamen wir in Moyo an, wo wir von Bruder Fafa in Empfang genommen wurden. Fafa ist ein Comboni Missionar, der ebenso wie unser Mentor Stan aus Togo stammt. Bruder Fafa, Bruder Erich Fischschnaller (aus Schwaben) sowie Father Jesus (Mexiko) und Father Martin (Spanien) sind im Februar 2017 aus ihrer Gemeinde im Südsudan geflohen, nachdem die politische Situation für sie selbst zu gefährlich wurde. Der Sudan ist schon lange Zeit ein Krisengebiet und viele Menschen haben sich nach der Unabhängigkeit des Südsudans 2011 eine Besserung versprochen. Doch seit 2013 bekämpfen sich die Regierungspartei und die Opposition aufgrund der Machtverteilung und Besitztümer der Ölvorkommen und obwohl 2015 ein Friedensvertrag unterschrieben wurde, herrscht ein Bürgerkrieg unermesslichen Ausmaßes. Da im Südsudan seit Februar 2017 eine Dürre vorherrscht, ist außerdem über die Hälfte der Bevölkerung von einer großen Hungersnot bedroht und auf zugeteilte Nahrung angewiesen, mehr als eine Millionen Jungen und Mädchen sind akut unterernährt. Aus dem Südsudan sind bereits 2,5 Millionen Menschen in die Nachbarländer geflohen sowie weitere 2 Millionen, die im Land selbst fliehen mussten. Somit ist ein Drittel der Bevölkerung entwurzelt. Uganda hat davon 1,4 Millionen Flüchtlinge aufgenommen. Im Südsudan treffen also Krieg und Hungersnot zusammen und treiben die Menschen in die Flucht.
Gemeinsam mit den Menschen ihrer Gemeinde und den Katechisten haben Bruder Fafa und Bruder Erich eine traumatisierende Flucht erleben müssen. Nach und nach haben sie ihr Hab und Gut aus dem Haus im Südsudan nach Moyo gebracht, die Fahrt über die Grenze ist stets gefährlich, Fafa kündigt sich vorher bei den Grenzsoldaten an und klärt alles gut ab. Zum Glück haben die Brüder wichtige Kontakte vor Ort, die ihnen dabei helfen alles über die Grenze zu transportieren. Ihr Haus wurde geplündert, die Soldaten und Rebellen klauen und zerstören alles. Jetzt bauen sie sich in Palorinya, nahe des Flüchtlingscamps, ein neues Leben auf. Natürlich hoffen alle bald in den Südsudan zurückkehren zu können, aber das wird nach Einschätzung Fafas wohl noch mehr als fünf Jahre dauern. Deshalb bauen sie gerade eine Unterkunft für die Comboni- Missionare. Dazu gehört auch ein großes Landwirtschaftsprojekt, mit Kühen, Schweinen, Ziegen, Hasen, Hühnern und Feldern. An diesem Projekt arbeiten viele gut ausgebildete Südsudanesen mit, die Fafa mit dieser Arbeit unterstützt, damit sie ihre Traumata überwinden können. Bruder Fafa erklärte uns, dass es im Camp an psychologischer Hilfe mangelt und deshalb eine sinnvolle Aufgabe und tägliche Beschäftigung die beste Chance sei, um das Erlebte zu verarbeiten. Fafa kümmerte sich sehr liebevoll um seine zwei Gäste und zeigte uns voller Energie sein Projekt. Er selbst hat das Haus mitkonstruiert und beaufsichtigt täglich den Bau.

Außerdem durften wir die ebenfalls geflohenen Comboni Schwestern kennenlernen. Diese engagieren sich stark und setzen sich vor allem für die geflüchteten Frauen ein, indem sie diesen Mikrokredite bereitstellen, um ein eigenes Geschäft wie zum Beispiel einen Lebensmittelladen, einen Frisörsalon oder ähnliches aufzubauen. All diese Initiativen werden geleistet, obwohl die Flüchtlinge keine Arbeitserlaubnis haben. Es ist allerdings der einzige Weg, sich eine eigene Existenz aufzubauen und kleines Geld zu verdienen. Außerdem finanzieren sie mit Hilfe ausländischer Sponsoren für viele der Mädchen eine gute Schulausbildung.
Generell sind die Möglichkeiten für die Kinder zur Schule zu gehen gut, jedes Kind kann eine Schule besuchen. Allerdings sind die Schulen so überfüllt und es gibt Platz- und Lehrermangel, sodass die eine Hälfte der SchülerInnen am Vormittag unterricht wird und die andere Hälfte erst am Nachmittag kommt und bis zum Abend Unterricht hat.
Bruder Fafa zeigte uns mit dem Auto das riesige Flüchtlingscamp Palorinya und am Sonntag feierten wir gemeinsam mit Father Martin eine schöne Messe in einer improvisierten Kirche aus Holzstöcken und zerrissenen Planen. Die Kirche war sehr gut besucht, es gab einen Chor und die Katechisten begleiteten den Gesang mit der Trommel. Eigentlich war die Messe auf Englisch. Allerdings wurden die Gebete auf Arabisch gesprochen und die Predigt hielt Father Martin dann auf Englisch. Drei Gemeindemitglieder übersetzten seine Worte dann auf Sudanesisch-Arabisch, Dschuba-Arabisch und Madi (Sprache in der Grenzregion Uganda-Südsudan). Das machte es zwar auf der einen Seite etwas schwer der Predigt zu folgen, war aber auf der anderen Seite ein ganz außergewöhnliches Erlebnis. So werden die Hoffnung bringenden Worte des Priesters an alle weitergegeben.
Die Fahrt durch das Camp beeindruckte mich nachhaltig. Jedem Flüchtling, der in der Erstaufnahmestation ankommt, wird mit seiner Familie ein Stück Land zuteil, dass er bebauen darf. Dazu werden ihm die nötigen Materialien für ein Haus sowie einige Samen beispielsweise für den Maisanbau zugeteilt. Inzwischen hat Palorinya ein richtiges Stadtzentrum entwickelt, in dem es allerlei Läden, eine KfZ-Werkstatt und Krankenhäuser gibt. Das Camp ist also wie eine eigene Stadt etwas außerhalb von Moyo und ist so groß, dass über 200.000 Menschen darin Platz finden.
Die Ugander haben also große Teile ihres Landes abgegeben, damit sich die Südsudanesen ein neues Leben hier aufbauen können. Außerdem hat Fafa uns berichtet, dass die Ugander die Südsudanesen sehr gut aufgenommen haben und er weder mit Auseinandersetzungen im Camp noch mit Auseinandersetzungen zwischen Ugandern und Südsudanesen Probleme hat. Rund 76,8% der Flüchtlinge sind Christen, was das friedliche Zusammenleben im Camp begünstigt. Und alle vereint die starke Hoffnung, dass sie bald wieder in ihre Heimat zurückkehren können.
Erschreckend waren die langen Schlangen an den Wasserpumpen. Über 200 der großen Kanister standen dort und warteten darauf gefüllt zu werden. Den Menschen mangelt es also an Wasser, vor allem weil es in der Zeit wenig geregnet hatte. Wenn der Regen kommt, bringt er allerdings auch große Probleme für die Menschen mit, deren Häuser noch nicht befestigt sind, da sie unterspült und weggeschwemmt werden.
Bruder Fafa würde sich sehr über finanzielle Unterstützung freuen, die unter anderem der Wasserversorgung im Camp zu gute kommt! Wenn ihr etwas spezielles unterstützen möchtet, könnt ihr das natürlich auch auf Englisch im Verwendungszweck angeben. Der Bankaccount ist:

Bank: Stanbic Bank

Account name: Comboni Missionaries Moyo

Account number: 9030014148298

SWIFT Adresse: SBICUGKX

 Wir verbrachten sehr schöne, lehrreiche und beeindruckende Tage bei Bruder Fafa in Moyo, die uns für immer im Gedächtnis bleiben werden.

Mein 19. Geburtstag in Alenga

Am 14. Mai war es dann soweit: ich bin 19 Jahre alt geworden. Das hatten die Schwestern und Priester mit der Zeit auch irgendwie rausbekommen und so wurde es ein richtig schöner Tag. Gestartet haben Francesca und ich mit einem ausgiebigen Frühstück, Francesca hatte die Küche mit sehr viel Liebe dekoriert und wir genossen Toast, Spiegeleier und was es so gab. Während des Frühstücks kamen schon Babra, Sharon und Morine vorbei und sangen mir ein kleines Ständchen. Die drei Mädchen sind während der Ferien im Konvent untergekommen. Während Babra und Sharon Schülerinnen, der Näherinnenschule sind, die sich zu Hause nicht wohl fühlen und gebeten haben über die Ferien bei den Schwestern leben zu dürfen, ist Morine noch etwas jünger und geht auf die Apele P/S, über die wir auch schon berichtet haben. Sie wohnt schon seit zwei Jahren bei den Schwestern und nennt alle drei auch ganz frei Mama, was total niedlich ist. Jedenfalls sangen die Drei mir ein wunderbares Happy Birthday und überreichten frisch aus dem Garten gepflückte Blumen.
Danach kam dann der etwas unerfreuliche Teil des Tages: Wir mussten die ganzen Gästezimmer putzen. Fegen, wischen und nochmal wischen. Mit Musik war die Putzaktion dann doch nicht so schlecht und weil wir ja schließlich für unsere Eltern wischten, ließ es sich erst recht aushalten. Die Vorfreude stieg nämlich täglich sehr, auch wenn ich es gar nicht realisieren konnte, dass sie in wenigen Tagen in Uganda sein würden.
Am Abend gab es dann ein kleines Fest für mich gemeinsam mit den Schwestern und Priestern, Francesca, Sister Evaline und Sister Anne tanzten sogar für mich und es gab leckeren Kuchen! Glücklich und erschöpft nach der langen Putzaction fielen wir am Abend ins Bett.

Apwoyo kwano! Vielen Dank fürs Lesen und viel Spaß beim nächsten Artikel, in dem ich vom Besuch unserer Eltern berichten werde.

Eure Greta

Buscalan (#5)

Hallo zusammen,

Inzwischen sind schon mehr als 75 % meines Einsatzes hier auf den Philippinen Geschichte. Ganz besondere Erfahrungen, die ich natürlich niemandem vorenthalten möchte, konnte ich in der Kar- und Osterwoche sowie den darauffolgenden Tagen machen. Zum besseren Verständnis und zur besseren Orientierung habe ich eine Karte erstellt, auf der die Orte markiert sind, die ich auf den Philippinen schon besucht habe. 

Gefährten vom Dach

Am Donnerstag vor Palmsonntag machten Simon, Peter und ich uns auf den Weg nach Buscalan. Zum einen wollten wir unseren Freund Theo dort wiedersehen, zum anderen reizte uns die Erfahrung, nachdem uns Theo und Peter schon vieles über das Dorf und die Menschen vor Ort berichtet hatten. Moritz konnte leider nicht mit, weil er den Besuch seiner Eltern erwartete. Früh morgens gegen sechs Uhr kamen wir in Bontoc, der nächstgrößeren Stadt, an. Wir gingen kurz auf den Markt, um noch einiges Gemüse und Obst für unseren einwöchigen Aufenthalt zu besorgen, bevor wir dann gegen viertel acht auf das Dach des Jeepneys kletterten, das uns ein Stück weiter in Richtung Buscalan bringen sollte. Schon vom Dach aus konnten wir eine atemberaubende Landschaft bestaunen, die sich uns überall bot. Die Straße war nicht gerade sonderlich breit, weshalb sich das Ganze manchmal etwas abenteuerlich gestaltete. Nichtsdestotrotz kamen wir wohlbehalten an der nächsten Station, einem kleinen Store an. Dort fanden wir einige Motorradfahrer vor, die darauf warteten, Leute zum sogenannten „Turningpoint“ zu bringen. Inzwischen war unsere Gruppe schon um drei weitere Leute gewachsen, die wir auf dem Dach des Jeepneys kennen lernten. Auch die Fahrt mit dem Motorrad war recht spannend, denn abgesehen vom Zustand der Straße hatten wir einiges an Gepäck dabei. Am Turningpoint kamen wir aber wiederum sicher an. Von dort aus machten wir uns ans letzte Stück Weg, das uns noch vom Dorf trennte, nämlich den Fußweg, der zunächst abwärts in ein schmales Tal mit einem Wasserfall und von dort wieder nach oben ins Dorf führte. Das hört sich alles etwas idyllischer an als es war, denn wir haben einige zig Höhenmeter überwunden, was in aller Herrgottsfrühe um ca. neun Uhr inklusive Gepäck nicht so ohne ist. Buscalan liegt zudem noch auf ca. 1000 Metern Höhe, was dem Aufstieg noch einmal einen eigenen Geschmack verleiht. Aber auch dieses Hindernis konnten wir überwinden und wir erreichten schließlich das Dorf. Dort wurden wir von unserem Freund Theo, der insgesamt schon einige Monate in Buscalan weilt, am Checkpoint empfangen. Da auch Peter im Dorf kein unbeschriebenes Blatt ist, konnten wir ihn als unseren Guide für die Woche nehmen, was die Registrierung beim Checkpoint sehr viel angenehmer machte. Untergebracht wurden wir in einem sogenannten „homestay“, der Übernachtungsmöglichkeit, die sich bei verschiedenen Familien im Dorf dort bietet. Der Preis für die Übernachtung stellt zudem gratis Reis und Kaffee bereit, welches beides im Dorf selbst gepflanzt und weiter verarbeitet wird. Da sich das Dorf vor einige Jahren den Touristen öffnete, um die Kultur mit diesen zu teilen, wurde eine Einrichtung wie der Checkpoint zur besseren Organisation nötig.

Einige Informationen vorab

Buscalan liegt in der Provinz Kalinga und bildet das eigene, gleichnamige Barangay. Dort leben die „Butbut“, eine eigene Volksgruppe mit langer Tradition und sehr interessanter Vergangenheit. Sie sprechen ihre eigene Sprache, ebenfalls „butbut“ genannt. In früheren Zeiten waren die Menschen, die dort leben, vor allem aufgrund ihrer „headhunter“, in der Umgebung berühmt berüchtigt. Als Headhunter bezeichnete man die Krieger des Dorfes. Bei Kämpfen mit benachbarten Dörfern oder anderen Feinden wie beispielsweise den Japanern im zweiten Weltkrieg trennten diese nämlich die Köpfe der getöteten Feinde ab, um diese zur Abschreckung weiterer Angreifer in der Nähe des Dorfes zu postieren. Heutzutage zieht es viele Touristen aufgrund der traditionellen Tattoos dort hin, die Männer zu damaliger Zeit durch Headhunting, Frauen aufgrund ihrer Schönheit erhalten haben. Die Tattoos werden nicht mit einer Maschine, sondern von Hand gestochen. Dazu verwenden die Tätowierer zwei Stöcke: In einem befindet sich ein kleines Loch, in welches ein Dorn gesteckt wird. An diesen wird immer wieder die Farbe geschmiert, die auf ganz natürliche Weise aus Kohle gewonnen wird. Mit dem zweiten Stock wird nun vorsichtig auf den Stock mit dem Dorn geklopft und so die Tinte in die Haut übertragen.

Die Bekannteste und zugleich mit ungefähr 100 Jahren die drittälteste Person im Dorf, Whang-Od tätowiert auch heute noch Touristen. Aufgrund ihrer eingeschränkten Sehfähigkeit und dem großen Andrang an Wochenenden und Feiertagen beschränkt sie sich inzwischen aber nur noch auf kleinere Tattoos. Für größere sind beispielsweise Grace und Elyiang, die das Handwerk ihrer Großtante fortführen möchten, oder auch andere Tattoo-Künstler aus dem Dorf zuständig. Whang-Od ist es selbst ein großes Anliegen, diese Tradition zu bewahren und an die nächste Generation weiterzugeben. Wer sich weitere Informationen zu diesem Thema holen möchte, dem seien diese Dokumentationen empfohlen: 

Im Dorf angekommen

Nach unserer Ankunft machten wir uns zunächst einmal zu unserem Homestay auf, um unser Gepäck abzuladen und die erste Tasse Kaffee zu trinken, die einfach nur hervorragend schmeckte. Danach haben wir uns mit Peter zunächst einmal ein wenig im Dorf umgesehen. Da zwei unserer Gefährten vom Dach bereits am nächsten Tag schon wieder abreisen wollte, begaben wir uns mit diesen auch direkt zu einer der Tattoo-Künstlerinnen. Dort konnten wir dann das erste Mal beobachten, wie die Tattoos gestochen werden. Auf dem Heimweg beobachtete ich dann noch einige Männer beim Schachspielen. Da die anderen schon weitergelaufen waren, konnte ich den Weg zurück zum Homestay aufgrund meiner Verwirrung und mangelnder Ortskenntnis nicht finden. Die Leute vor Ort waren aber sehr freundlich und hilfsbereit, sodass mir ein Mann seinen Sohn voraus schickte, um mir den Weg zu zeigen.

Den Abend ließen wir dann nach dem gemeinsamen Kochen und Essen noch gemütlich ausklingen. Der Reis aus Buscalan ist nicht, wie man ihn üblich kennt weiß, sondern meist rot. Einen wirklichen geschmacklichen Unterschied konnte ich nicht feststellen. Aufgrund der großen Anzahl an Menschen müssen sich die Leute aus dem Dorf aber auch zusätzlich noch mit Reis aus der Umgebung wie z.B. aus Tabuk eindecken. Gemeinsam mit uns im Homestay waren außerdem noch eine französische Tattoo-Künstlerin sowie der Amerikaner Gabriel.

Am nächsten Morgen trafen Simon, Gabriel und ich uns mit Theo, um ihm zu helfen, für den Store der Familie, bei der er lebt, einige Dinge vom Turningpoint abzuholen. Insgesamt liefen wir zwei mal dorthin und wieder nach oben ins Dorf, unterbrochen von einigen Essenspausen am Turningpoint und im Dorf sowie einigen Trinkpausen am Wasserfall. An ebenjenem konnten wir am Nachmittag dann auch noch die Gelegenheit nutzen und Baden gehen. Viele Jungs aus dem Dorf waren auch dort, oft im Adamskostüm unterwegs. Nach dem Baden sammelten sie aus dem Umkreis einer kleinen, trockengelegten Reisterrasse haufenweise Gestrüpp, Blätter und Äste zusammen, um daraus ein Feuer zu machen, an dem man sich wunderbar trocknen konnte.

Am darauffolgenden Tag machten Simon und ich uns zu einer kleinen Wanderung am Vormittag auf, die uns zur ein ganzes Stück oberhalb vom Dorf gelegenen Grundschule führte. Dort genossen wir die wunderbare Aussicht und das wunderbar sonnige Wetter. Gegen Mittag machten wir uns wieder auf den Rückweg ins Dorf, um mit dem Kochen anzufangen. Gabriel und die Französin waren am Morgen schon wieder abgereist. Gemeinsam mit Peter und Jan, einem deutschen Fotografen, machten wir uns am Nachmittag auf den Weg, um uns die Reisterrassen anzusehen, die das Dorf an der oberen Hangseite umgeben. Dort waren noch einige Frauen dabei, den Reis zu pflanzen. Das war wirklich beeindruckend zu sehen, mit was für einer Geschwindigkeit und Geschicklichkeit das vonstatten ging. Das Anpflanzen des Reises ist in Buscalan Sache der erstgeborenen Frauen. Man glaubt, dass das für die Ernte einen besseren Ertrag bringt. Nicht wenig verwunderlich also, dass einige ältere Frauen im Ort unterwegs sind, die extrem gebückt laufen.

Am nächsten Morgen brachen Peter und ich gemeinsam mit Jan, der sich auf den Rückweg begab, früh morgens nach Bontoc auf, um uns die Tickets für die Rückfahrt mit dem Bus zu organisieren.

Nachdem dies erledigt und wir uns wieder auf dem Dach des Jeepneys auf der Rückfahrt befanden, lernten wir bereits schon den nächsten Deutschen kennen. Auch er sollte ein Begleiter für die nächsten Tage sein.

Bei Charlie, dem Captain des Dorfes und dem Betreiber unseres Homestays, verbringen verschiedene Jugendliche ihre Sommer- und damit schulfreien Monate, um sich dort durch Mithilfe ihr Taschengeld aufzubessern. Da Brand, einer dieser Jungs bei Charlie, der Enkel des Captains aus dem Nachbardorf Butbut-Proper ist, bot sich für uns am darauffolgenden Tag die Gelegenheit, eine kleine Wanderung ins Nachbardorf zu unternehmen. Der Weg führte uns über die Reisterrassen und einen Pfad bzw. Straße am Berg entlang. Über die gesamte Zeit konnten wir dort die schöne Landschaft bewundern. Angekommen im Dorf konnte man schon einige deutliche Unterschiede feststellen: Das Dorf insgesamt wirkte schon einmal viel entzerrter und war viel lockerer strukturiert als Buscalan. Auch konnte man bemerken, dass die Dorfbewohner Weiße nicht so oft zu sehen bekommen wie die Leute aus ihrem Nachbarort. Nichtsdestotrotz wurden wir freundlich aufgenommen und vom Captain des Dorfes, Brands Großvater, zu einer Tasse Kaffee und ein paar Keksen eingeladen. Unser Rückweg führte uns dann über das Dorf Loccong, das auf dem Bergkamm oberhalb von Buscalan liegt.

Simon und ich verbrachten den nächsten Tag eigentlich hauptsächlich damit, für den Store von Theos Familie Bierkisten oder für die anstehende Hochzeit Holzstücke hoch zu tragen. Diese Holzstücke waren in etwa 70 cm lang und hatten einen Durchmesser von circa 20-25 cm. Als Dank für die Mithilfe wurden Simon, Peter und ich Abends noch bei der Familie der Braut zum Essen eingeladen.

Da der darauffolgende Tag der Geburtstag von Clarissa, einer der Mädels von Theos Familie, war, durften auch wir mit zur Geburtstagsfeier zum Wasserfall. Bei solch einem Anlass ist es üblich, dass das Geburtstagskind zwei bis drei Hühner für das Essen sponsert. Diese wurden am Wasserfall, über die Reisterrassen oberhalb des Dorfes zu erreichen, direkt gerupft und weiter zu Suppe verarbeitetet. Die Suppe wurde dann zusammen mit, wer hätte es gedacht, Reis gegessen. Wie es sich für so einen Anlass gehört, wurde der Reis und das Hühnchen dann auf Palmblättern, die auf dem Boden ausgebreitet werden, serviert. Bei den Filipinos ist das als „buddle fight“ bekannt. Eingenommen wurde das Mahl mit den Händen.

Obwohl wir uns schon am Nachmittag auf den Weg machten und uns das Warten aufs Essen mit Musik und diversen Getränken vertrieben, war es beim Baden im Wasserfall doch relativ frisch. Danach wurde allerdings wieder ein kleines Feuer gemacht, an dem man sich gut trocknen konnte. Mit der einsetzenden Dämmerung machten wir uns dann wieder auf den Weg zurück ins Dorf.

Am unserem letzten Tag machten Simon und ich uns dann früh morgens wieder auf den Weg zum Turningpoint, um dort das nach Bontoc fahrende Jeepney um neun Uhr zu nehmen.

Ein unerwartetes Event

Wir sollten aber schon am direkt darauffolgenden Freitag nach Buscalan zurückkehren, da wir während unseres ersten Aufenthalts von Charlie zur Hochzeit eines Familienmitglieds am kommenden Freitag und Samstag eingeladen wurden.

So machten Simon und ich uns am Donnerstag wieder auf den Weg in den Norden. Wir kamen wieder am Freitagvormittag im Dorf an und machten uns wieder zum Homestay bei Charlie auf. Dort trafen wir auf Peter, der immer noch dort weilte.

Die Hochzeit sollte am Freitag Abend beginnen. Bei den Hochzeiten gibt es unterschiedliche Varianten, je nachdem, ob das Pärchen schon Kinder hat oder nicht. Haben die Heiratswilligen schon Töchter bzw. Söhne, so entfällt die eigentliche Zeremonie und es findet nur die Feier statt. Andernfalls erfolgt für das Brautpaar eine Zeremonie. Bei der Hochzeit, an der wir teilnehmen konnten, hatte das Paar schon Kinder, weshalb am Samstag Nachmittag keine Zeremonie stattfand.

Als Vorbereitung auf die Hochzeit ist es Brauch, dass der Bräutigam und seine Freunde zwei bis drei Kalabaw, eine Art Wasserbüffel, der ganz viel zur Arbeit in den Reisfeldern eingesetzt wird, für das Essen stiftet. Für die Braut ist ähnliches angesagt: sie hat circa drei Schweine zu besorgen. Obwohl im ganzen Dorf Schweine unterwegs sind, die dort unterwegs sind wie anderorts Hunde und Katzen, werden diese nicht für diese Zwecke geschlachtet, sondern eigens gesonderte hergeschafft. Die Tradition verlangt es, dass die Freunde der Heiratenden die Tiere aus dem jeweiligen aktuellen Heimatort heranschaffen. Deshalb konnten wir am Freitag immer wieder Männer die Tiere, zum Teil schon geschlachtet und aufgeteilt, zum Teil noch lebend, an dünnen Stämmen den Berg hoch tragen sehen. Wenn man von dem Gewicht eines durchschnittlichen Schweines ausgeht, kann man sich vorstellen, was für eine schweißtreibende Arbeit das ist.

Am Freitag Abend versammelten sich also viele Leute zu Musik und Tanz auf einem kleinen Platz im Dorf, unweit von Charlies Homestay gelegen. Es war eine Abwechslung aus den traditionellen Tänzen mit eigenen Instrumenten, aus Sonderwünschen oder aus für jedermann angebotene Tänze. Zudem gaben ein paar Leute Gesangseinlagen zum Besten. Die traditionellen Instrumente sind Percussion-Instrumente. Sie ähneln ein wenig grifflosen Pfannen aus Kupfer in unterschiedlichen Größen, aufgehängt an einer Schnur. Darauf geschlagen wird mit einem der Größe entsprechenden Stock. Aufgrund der unterschiedlichen Größen und der Art, wie man darauf schlägt, entstehen natürlich unterschiedliche Klangfarben. Diese werden aus drei verschiedenen Pattern zu einem Rhythmus zusammengefügt. Während des Spielens tanzen die Männer hintereinander umher, währenddessen kommen irgendwann die Frauen hinzu, die innerhalb der Schlange der Männer eine eigene Schlange bilden und zur Musik tanzen. Der Tanz besteht aus Vor-und Zurückbewegen der zur Seite hin ausgestreckten Oberarme sowie verschiedenen Schritten der Füße. Die Videoaufnahme sollte den eben beschriebenen Ablauf etwas besser erklären.

Nachdem wir am Samstag Vormittag dann ausschlafen konnten und uns zum gemeinsamen Mittagessen mit Theo und einigen seiner Freunden und Freundinnen trafen, wurden am Samstag die Tänze des Vortages bis in die späte Nacht fortgesetzt. Wie bereits erläutert, entfiel eine Zeremonie für das Brautpaar. Als kleines Geschenk für das Brautpaar brachten wir eine Postkarte von Deutschland, original Bayerisches Bier und eine frisch gekochte Mahlzeit mit.

Am nächsten Morgen ging es für uns dann leider schon wieder zurück, da unsere Kinder und die Arbeit mit ihnen rief. Auf der Rückfahrt konnten wir noch einmal die schöne Aussicht vom Dach des Jeepneys genießen.

Der weitere Verlauf der nächsten Wochen

Den 1. Mai, der wie in der Deutschland Tag der Arbeit und somit Feiertag ist, nutzen wir zu einem verlängerten Wochenende und so machten Peter, Simon und ich uns erstmals gemeinsam mit Moritz auf nach Buscalan. Wir begaben uns am Mittwoch Abend auf unsere erneute Reise und kamen wiederum gegen sieben Uhr in der Früh an. Nach unserem Einkauf auf dem Markt liefen wir zum Jeepney, das uns nach Buscalan bringen sollte und luden unser Gepäck ab. Abfahrt ist um neun Uhr, so der Fahrer, weshalb wir die Zwischenzeit nutzen, um eine Kleinigkeit zu essen.

Als wir gegen dreiviertel neun Uhr die Straße Richtung dem Abfahrtspunkt liefen, sahen wir bereits eines wegfahren. Wir dachten uns zuerst nur: Gut, das wird schon nicht unseres gewesen sein, es fahren ja bestimmt noch andere in diese Richtung. Nachdem wir aber zwei Minuten später ankamen, stellten wir fest, dass es doch unseres war, das nun mit dem Gepäck auf dem Dach davon gefahren ist. Wir schnappten uns also schnell ein Trycicle und folgten dem Fahrzeug. Da nach einigen Kurven schon wieder einige Leute zustiegen, dauerte die Verfolgung nicht lange und wir konnten zu unserem Gepäck aufs Dach klettern. Angesichts der Vielzahl an Leuten im und auf dem Gefährt war es auch nicht weiter verwunderlich, dass der Fahrer nicht mehr auf weitere Passagiere warten wollte. Nach einer schönen, sonnigen Fahrt erreichten wir nach dem kleinen Fußmarsch wieder das Dorf. Auf dem Weg dorthin bemerkten wir, dass der Weg vom Turningpoint zum Dorf mithilfe dreier Bagger bearbeitet und so ein ganzes Stück breiter gemacht werden sollte.

In Buscalan angekommen trafen wir wieder Theo, der uns ein weiteres mal freudig begrüßte. Aufgrund der Vielzahl an Filipinos und anderer Touristen, die wegen des 1. Mais auf die selbe Idee wie wir gekommen sind, kamen wir in Charlies Homestay schon gar nicht mehr unter. Das war kein Problem, denn so kamen wir in Anna‘s Homestay in Theos und auch Charlies Nachbarschaft unter.

Die weiteren Tage waren nicht sonderlich spektakulär: Wir kochten wieder gemeinsam, halfen verschiedenste Dinge vom Turningpoint nach oben zu transportieren, waren unten am Wasserfall beim Baden und ein wenig im Dorf unterwegs. Dabei konnten wir wieder einige sehr interessante Leute kennen lernen. Wie bereits gesagt, waren aber wahnsinnig viele Leute da, was das Ganze etwas unentspannter machte. Die Dorfbewohner hatten alle Hände voll zu tun, alle Homestays waren bis auf des letzte Bett ausgebucht, jeden Tag kamen neue Touristengruppen ins Dorf, es wurde fast rund um die Uhr und überall tätowiert. Wir machten uns am Sonntagnachmittag dann schon wieder auf den Heimweg und waren Montag früh morgens wieder in Manila. Dadurch hatten wir noch genug Zeit, um uns für die Graduation der älteren Schüler und damit Highschool-Absolventen aus dem Center auszuruhen, die am frühen Nachmittag beginnen sollte.

Neben der Graduation war ein weiteres Highlight in den letzten Wochen die Segnung des Centers in Payatas, das Anfang das Jahres renoviert und umgebaut wurde. Neben einem größeren Klassenzimmer im Obergeschoss inklusive einer Toilette wurde im Untergeschoss ein abgeschlossenes Zimmer für die Küche eingerichtet. Der Unterricht mit meinen Kindern nimmt soweit seinen gewohnten Lauf, die Sommerhitze erschwert diesen allerdings etwas. Zum einen sind die Kinder etwas anders drauf und häufig etwas überdreht, zum anderen machen fast alle Kinder einen Mittagsschlaf, weswegen ich die Stunden am Nachmittag manchmal absagen muss.

Viele Grüße aus Manila

Jakob

Update Juni – Lebenszeichen aus Manila

Liebe Leserinnen und Leser, Interessenten und Unterstützer,

Nun ist es wirklich schon eine ganze Weile her, seitdem ich mich zuletzt mit einem Artikel gemeldet habe. In den letzten Wochen und Monaten ist mal wieder sehr viel passiert und ich habe so einiges erlebt und gelernt.

Ich lebe nun seit guten 10 Monaten hier auf den Philippinen und habe mich mittlerweile so sehr an den Alltag und alles drumherum gewöhnt, dass ich mir kaum mehr vorstellen kann in einigen Monaten schon wieder nach Deutschland zurückzukehren. Um ehrlich zu sein, erwische ich mich des Öfteren selbst bei dem Versuch, einfach nicht daran zu denken und jene Tatsache zu unterdrücken. Etwas, was ich mir noch vor der Ausreise letzten August nicht hätte ausmalen können.

Ich bin wirklich dankbar und glücklich, diese Chance bekommen und ergriffen zu haben und es fällt mir wirklich nicht leicht all die Eindrücke und Erlebnisse in einem solchen Artikel zusammenzufassen. Nun ja, ich werde es nun zumindest versuchen, indem ich über Dinge berichte, die mir mehr oder weniger spontan einfallen.

Ein sehr eindrucksvolles Erlebnis waren für mich in den letzten Wochen die Ausflüge nach Buscalan, ein kleines Dorf mitten in den Bergen. Mit dem Bus ungefähr 13 Stunden weg von Manila.

Bekannt für die traditionelle Tattoo – Kunst lockt dieser Ort zwar mehr und mehr Touristen an, nichtsdestotrotz beeindruckte mich, wie ruhig und vergleichsweise langsam das Leben dort vor sich geht. Umso mehr im direkten Vergleich mit dem teilweise eher hektischen Manila.

Die Menschen dort begegnen einem mit einem unvergleichbaren Respekt und ich fühlte mich dort sofort willkommen und aufgenommen, fast so als wäre es meine zweite Heimat.

Diese gesamte Atmosphäre wird durch die tolle Landschaft, das Bergpanorama und die unzähligen Reisterrassen nur noch verstärkt.

Zurück in Manila, befinden wir uns unterdessen bereits in den letzten Unterrichtswochen mit unseren Kindern. Ich habe vor kurzem ein Videoprojekt abgeschlossen, das den Alltag von uns Freiwilligen zeigt, begleitet und sicherlich einen nochmal besseren Eindruck als die Bilder und Berichte geben kann. Ich freue mich schon sehr, euch dieses Video demnächst zeigen zu können bzw. es im Rahmen meines nächsten Blogeintrags zu veröffentlichen.

Des weiteren sind wir gerade dabei, das letzte große Event für unsere Kinder zu organisieren. Einen Ausflug in einen Naturpark oder Zoo mit anschließendem Mittagessen wird es noch geben und direkt im Anschluss findet dann die Graduation (Abschlussfeier) statt. Um diese Veranstaltung zu realisieren und unseren Kindern eine große Freude machen zu können, sind wir auf Spenden angewiesen. Für mich ist dies eine wirkliche Herzensangelegenheit, da vor allem die Abschlussfeier unser letztes Zusammenkommen mit den Kindern sein wird. Wer sich also vorstellen könnte, einen Betrag zu spenden und uns zu unterstützen oder auch ein paar genauere Infos zu den geplanten Events haben möchte, kann sich sehr gerne jederzeit bei mir melden (mo.koerner.blb@gmail.com).

 

Hier noch ein paar besondere Momente, eingefangen während des Unterrichts mit einigen meiner Kids in Payatas. Diese Gruppe unterrichte ich immer morgens von 9-10 Uhr. Jede Menge Spaß aber auch konzentriertes Arbeiten sind garantiert! 😀

Vielen herzlichen Dank im Voraus und liebe Grüße an euch alle,

euer Moritz

Ein Besuch in Bruchsal

Vorbereitungsseminar der neuen Servicestelle Wernau

Die Umstrukturierung unserer Vorbereitung erfolgte im Frühjahr sehr schnell. Schon Anfang März begann für die beiden MaZ, die auf salvatorianische Stellen gehen, die Vorbereitung durch die Servicestelle für „Weltkirchliche Friedensdienste“ der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Pater Georg besuchte das zweite Seminar um Christi Himmelfahrt und erlebte im Naturfreundehaus in Bruchsal eine große, recht bunte und lebendige Gruppe. Das fünfköpfige Leitungsteam gab den Fragen viel Raum, brachte aber auch selbst Themen wie eigene Befindlichkeit, Umgang mit Kulturunterschiede oder Armut und Not ein. In Untergruppen tauschte man sich auch über den Glauben aus. Sein Eindruck: Die jungen Leute sind in guten Händen.

Den eigenen Horizont erweitern (Teil 1)

Liebe Leserinnen und Leser,

mit der Zeit bin ich das wirklich: Eingetaucht, Abgetaucht in die Kultur der Langi hier in Alenga. Dennoch wird man eigentlich täglich mit kulturellen Unterschieden konfrontiert, wir haben unseren voll gepackten kulturellen Rucksack eben stets dabei und tragen ihn manchmal gern, manchmal ungern mit uns herum. Heute möchte ich euch gerne einen kurzen Einblick in die Kultur dieser kleinen Volksgruppe (6% der Ugander gehören zu den Langi) geben. Leider verstehe ich auch nach einiger Zeit hier noch immer nicht alles, dafür ist die sprachliche Barriere zu groß. Dennoch ist mir an vielen Stellen etwas aufgefallen, an das ich mich nun schon gewöhnt habe. Einige Verhaltensweisen habe ich sogar angenommen. Also gut, ich möchte starten mit einem Einblick in das allseits bekannte und in den Augen mancher platt diskutierte Thema Zeit:

Das Zeitverständnis – Morgenmuffel, nein danke!
Samstag Morgen, gegen halb 10 ein gemütliches Familienfrühstück, die Kinder noch im Schlafanzug, die Eltern in ihre Zeitung vertieft und alle sind glücklich darüber, dass sie heute mal wieder so richtig ausschlafen konnten… Nein, das würde wohl allen hier in Alenga sehr komisch und skuril vorkommen.
Hier läuft es eher so: Samstags wird um 6 Uhr aufgestanden und nach einer kurzen Katzenwäsche und eventuell einer Kleinigkeit zu Essen macht sich die ganze Familie auf, um im Garten zu arbeiten. Dann wird gesäht, gegraben, umgegraben, geerntet, bewässert und körperlich richtig hart gearbeitet. Wenn es mittags richtig heiß wird, kehren sie heim und essen zu Mittag, ruhen sich aus oder erledigen kleinere Arbeiten im Haus, waschen und putzen. Nachmittags geht es nochmal in den Garten oder vielleicht auf den Markt im nahe gelegenen Ort Ibuje entweder zum Verkaufen oder zum Einkaufen von selbstangebauter Ware.
Richtig ausschlafen und sich erholen, das ist wenn man bis 7 Uhr geschlafen hat und danach nicht in den Garten musste, sondern direkt damit beginnen konnte z.B. Erdnüsse zu schälen und zu rösten.
Mein Körper hat sich seit ich in Alenga lebe zwar umgestellt, ich wache eigentlich täglich mit der Sonne auf, aber dann kann ich mich auch gut nochmal kurz umdrehen und weiter dösen. Eine Anpassung an das Frühaufstehen kommt fast automatisch, da wir mit Schwestern zusammenleben, die jeden Tag um halb 7 zum Morgengebet aufbrechen, und die Schülerinnen auch täglich um viertel vor 7 in die Messe gehen. Wenn man erst gegen 9 Uhr morgens das Haus verlässt, heißt es gleich: „You were lost! Why?“. Daran sieht man auch, dass es hier überhaupt nicht üblich ist Zeit im Haus zu verbringen. Während man in Deutschland viele Arbeiten auch im Haus verrichten kann und oft viel Zeit drinnen verbringt, nutzen die Langi ihr Haus hier auf dem Dorf weitestgehend zum Schlafen und ein anderes zum Kochen. Ansonsten werden alle Arbeiten draußen verrichtet.

Was ich zugeben muss: ich freue mich wieder auf ein gemütliches Frühstück am Samstagmorgen im Schlafanzug!!

Die Uhr in Ostafrika
Wenn ich 10 Uhr morgens sage, meine ich auch 10 Uhr morgens. Jaaa, schön wärs. Das klappt auf der einen Seite nicht, weil niemand pünktlich da sein würde und auf der anderen Seite nicht, weil die Uhr auf Swahili und auf Lango anders gelesen wird. 7 Uhr morgens ist auf Lango nämlich „cawa acel“ (die erste Stunde). Von dort an wird dann bis 12 gezählt und 7 Uhr abends ist dann wieder die erste Stunde. Leicht verwirrend, so etwas habe ich in Deutschland noch nie gehört. Aber wenn man sich auf Englisch unterhält, benutzen alle das britische a.m und p.m. und meinen dann auch 10 Uhr morgens, wenn sie 10 Uhr morgens sagen. Da wäre dann nur noch die Pünktlichkeit…
Wie wir in unserem Osterartikel schon beschrieben haben, passt das Sprichwort „Die Europäer haben Uhren, die Afrikaner haben die Zeit“ hier oft wirklich. Wenn eine Chorprobe auf 4 Uhr nachmittags angesetzt ist, sollte man frühestens zwei Stunden später mal schauen, ob die ersten schon eingetrudelt sind. Dann wird natürlich auch nicht mit den wenigen, die da sind, begonnen, sondern sich lieber noch unterhalten und Witze gemacht, bis dann irgendwann genug da sind, um zu beginnen oder aber es fällt aus, weil einfach nicht alle gekommen sind.
Natürlich ist das Thema der Pünktlichkeit in Afrika ein großes Klischee, aber für uns hat es sich hier häufig bestätigt. Unsere Arbeitsstellen sind perfekte Beispiele dafür, dass es zweierlei Einstellungen gibt: Während bei mir der offizielle Arbeitsbeginn 8 Uhr ist, aber alle erst gegen halb 10 gemütlich eintrudeln, beginnen Gretas Unterrichtsstunden um halb 9 und keine Minute später. Die Lehrer sind immer schon früh morgens in der Schule und achten sehr genau darauf, dass pünktlich begonnen wird. Mittlerweile haben sich auch alle Schülerinnen daran gewöhnt, dass sie pünktlich im Klassenraum sitzen müssen. Zu Beginn konnte Greta deutlich merken, dass ihnen das schwer fiel.

Hexerei – die Lösung für alles
Dieses Thema war wirklich völlig neu für uns. Die Langi neigen dazu jegliche Ereignisse, die ihnen komisch vorkommen, mit dem Satz „That was witchcraft!“ -> „Das war Hexerei“ abzutun.
So muss zum Beispiel bei der Heirat gut aufgepasst werden, dass man sich nicht mit einer Hexerfamilie verbündet. Als wir eine Freundin auf dieses Thema ansprachen, sagte sie uns, dass diese Familien dann alles Böse auf dich übertragen könnten. Wenn man ihn einem Konflikt mit ihnen stünde oder sie eine persönliche Abneigung gegen jemanden hätten, käme es nicht selten vor, dass sie diese Person vergiften oder verhexten, sodass diese am nächsten Tag schwerst krank oder gar tot sei.
Außerdem erzählte unsere Freundin Grace uns, dass sie in Kampala mithilfe von Hexerei ausgeraubt wurde. Jemand fragte sie auf der Straße, ob sie ihm Geld wechseln könne. Das tat sie. Einige Minuten später wollte sie an der Ladenkasse bezahlen und fand in ihrer Tasche statt Geld nur Zeitschriften. Ihre Erklärung: Die Frau hatte einen Hexentrank auf das getauschte Geld geschmiert und so das Geld aus ihrer Tasche gehext und die Zeitschriften hinein. Falls jetzt jemand denkt, dass ich scherze: Nein, das ist mein Ernst. Die Leute glauben fest an die Hexerei und es sind dann auch keine Vermutungen,  sondern es heißt stets „Ich weiß, dass diese Person mich verhexen wollte…“.
Einer meiner Kollegen hat mir auf diese Weise auch erklärt, wie es hier in Uganda zu psychischen Krankheiten komme: Es gäbe Dämonen, die nachts auf die Terrasse kommen, laut schreien und tanzen. Der Betroffene winde sich dann im Schlaf, versuche sich zu wehren, schaffe es aber nicht und dann übernehme der Dämon den Geist des Betroffenen. Außerdem kann es auch passieren, dass dich deine Nachbarn verhexen, weil sie z.B. neidisch auf dein Geld sind, und du dann dadurch verrückt wirst. Deshalb war sich mein Kollege auch sicher, dass es in Deutschland keine psychischen Krankheiten gäbe, weil es dort ja keine Dämonen geben könne.
Es ist für mich unfassbar wie sehr der Glauben an Hexerei verwurzelt ist und ständig als Erklärung verwendet wird.

 

Die Subsistenzwirtschaft und der Alkoholismus – Gehen sie Hand in Hand?
80% der Ugander sind in der Landwirtschaft tätig. Deren Anteil am Bruttoinlandsprodukt liegt bei rund 40 %. Die fruchtbaren vulkanischen Böden vielerorts sichern gute Ernten. Doch gerade momentan bleibt in Alenga trotz der Regenzeit der Regen aus und die Bauern müssen die Auswirkungen der Erderwärmung schmerzlich spüren. Freunde erzählten uns, dass sie bis vor zwei Jahren keinen Nieselregen gekannt hätten. Doch mittlerweile sind die Folgen der Erderwärmung so gravierend, dass viele schlechtere Ernten haben als zuvor.

Fast alle Bauern bauen nur für den eigenen Bedarf an (Subsistenzwirtschaft). Die Hauptanbaufrüchte sind Kochbananen (Matooke), Reis, Cassava und Bohnen.

Wichtigste Exportprodukte Ugandas sind Kaffee, Baumwolle, Tabak und Tee. Bekannt unter dem Namen „Victoriasee-Barsch“ ist an den europäischen Fischtheken außerdem der Tilapia.

Hier in der ruralen Gegend Alengas ist die Subsistenzwirtschaft nicht nur weit verbreitet, sondern Teil jedes Haushaltes. Wir kennen niemanden hier, der keinen eigenen Garten hat und dort Essen für sich und seine Familie anbaut. Da wird dann auch zwischen Familienmitglieder hin und her getauscht, Süßkartoffeln gegen Cassava etc.. Bei manchen bleibt im Garten etwas übrig. Dann verkaufen sie es auf dem Markt oder einfach in der Nachbarschaft. Daraus folgt, was ich ganz wunderbar finde, dass man bei fast allen Produkten weiß, wo sie herkommen, wer sie angebaut hat und, dass der Einkauf die lokale Produktion unterstützt. Dieses Bewusstsein wird mich bei meinen zukünftigen Lebensmitteleinkäufen in Deutschland begleiten. Wieso nicht den Apfel kaufen, der vielleicht zweite Klasse ist, aber aus dem Landkreis kommt, statt einen Apfel, der aus Brasilien eingeflogen wurde? So trägt man zur geringeren Umweltverschmutzung bei, unter der unsere Erde leiden muss.
Viele der Männer und Frauen hier sind also Bauern. Sie arbeiten täglich hart und was an Geld am Ende übrig bleibt, ist oft wenig. Da kommen dann Probleme auf, z.B. wie die Schulgebühren für die Kinder bezahlt werden können oder die Gebühren im Krankenhaus. Gerade in Bezug auf die medizinische Versorgung spürt man, dass die Menschen hier auf das Arbeiten im Feld angewiesen sind. Wenn es in der Nacht geregnet hat, weiß ich schon, dass wir heute nur wenige Patienten haben werden, da diese sich dann zunächst um ihren Garten kümmern müssen, bevor sie ins Krankenhaus kommen können. Auch Schwangere arbeiten oft bis kurz vor der Geburt sowie direkt nach der Geburt wieder und verpassen deshalb auch einige der Vorsorgetermine. Wenn ich die Hebamme Gloria frage, warum so viele Frauen eine Fehlgeburt oder Schmerzen im Bauch und Rücken haben, ist die Antwort meistens: weil sie zu viel arbeiten.
Wie man sieht, ist die Beschäftigung der Menschen hier sehr ähnlich. Manche haben natürlich einen größeren Garten und gleichzeitig noch einen anderen Job, so dass sie besser verdienen oder sich zumindest durch ein Nebenbusiness – wie beispielsweise unsere Freundin Anna, die durch das Brauen des Cassavaschnaps’ eine weitere Einnahmequelle hat – etwas dazu verdienen. Dennoch leben viele der Einwohner Alengas und der Dörfer der Umgebung an der Armutsgrenze. Das bringt nicht nur die oben genannten Probleme der fehlenden Schulgebühren für die Kinder, sondern noch zwei weitere: 1. Die Fortpflanzungsrate steigt, da es an anderen Freizeitbeschäftigungen fehlt (so hat Father Stan es uns erklärt). Abends wird es schon gegen sieben dunkel und dann haben die Leute kein Licht und natürlich auch keinen Fernseher oder ähnliches. 2. Der Alkoholkonsum der Männer steigt. Diese begeben sich oft abends ins Center (die „Stadtmitte“ Alengas mit kleinen Bars) und betrinken sich dort, bevor sie nachts völlig betrunken nach Hause kommen. Frauen sieht man dort eigentlich nie. Als verheiratete Frau gehört es sich nicht mehr auszugehen und auch vorher ist das in Alenga schwierig, da gerne Gerüchte verbreitet werden und man sehr auf seinen Ruf und den der Familie achten muss. Meine Kolleginnen können abends nie rausgehen und in der Öffentlichkeit ein Bier trinken oder im Center sitzen, da sie sonst in ihrem Job nicht mehr ernst genommen werden und einen schlechten Ruf bekommen. In kleineren Städten wie Apac aber, sei es durchaus üblich, dass unverheiratete Frauen abends auch in den Club oder eine Bar gingen, berichtete unsere Freundin Grace. Der hohe Alkoholkonsum der Langi-Männer wird häufig von den Schwestern oder anderen bemängelt. Hebamme Gloria z.B. kommt nicht aus dem Langi Gebiet und hat uns erzählt, dass sie niemals einen  Mann von hier heiraten würde aufgrund der Neigung zum zu viel trinken am Abend. Häufig hört man, wie die Leute in ihren Gesprächen bemängeln, dass dieser oder jener ein „drunko“ sei oder wie sie über die Kinder des „drunko“ reden. Nach meinem Gefühl, findet der Alkoholismus hier weniger versteckt statt, als ich es aus Deutschland von Alkoholikern kenne. Wenn man vormittags auf der Hauptstraße Richtung Ibuje läuft, kann es gut vorkommen, dass man einem völlig betrunkenen Mann mit Waragi (ugandischer Schnaps aus Cassava) in der Hand begegnet. Dieser Alkoholkonsum hat sicher noch weitere Ursprünge, abgesehen von der Frustration über die Armut und die Arbeitslosigkeit, aber dies scheint wohl oft ausschlaggebend. Abgesehen von der Arbeit auf dem Feld gibt es hier wenig Jobmöglichkeiten, man kann sein eigenes Geschäft als kleiner Lebensmittelhändlern oder als Schneiderin eröffnen, als  Krankenschwester in der lokalen Krankenstation arbeiten, aber dafür braucht man eben eine gute Schulausbildung, die mit Kosten verbunden ist und deshalb vielen hier fehlt. Uganda, das jüngste Land auf der Welt, mit 77%, die jünger als 30 Jahre sind, hat auch mit großer Landflucht zu kämpfen. Denn gut bezahlte Jobs, für die man eine bestimmte Ausbildung braucht, findet man nur in den Städten. Eine schockierende Zahl ist die Arbeitslosigkeitsrate der Jugend und jungen Erwachsenen: Sie liegt bei 83% für alle zwischen 15 und 25 Jahren.

Am Ende dieses Absatzes möchte ich Nelson Mandela zitieren, der einmal gesagt hat: „Education is the most powerful weapon to change this world.“.

Ihr Lieben, das war es auch schon wieder von mir. Ich freue mich über eure Kommentare zu dieser ersten Sammlung kultureller Eindrücke aus Alenga.  Ich kann euch schon jetzt versprechen, es wird bei Gelegenheit eine Fortsetzung geben.

Ganz liebe Grüße in die Heimat

Francesca

Allerlei Neues aus Alenga

Hallo meine Lieben,

es ist einiges passiert seit wir im Februar mit dem ersten Schulsemester 2018 begonnen haben. Am 27. April sind die Mädchen nach Hause gefahren bzw. gegangen und wir haben uns für die kommenden drei Wochen voneinander verabschiedet. Die meisten haben sich sehr auf die Ferien und auf zu Hause gefreut, einige wenige jedoch haben keine Möglichkeit nach Hause zu fahren oder haben sich vor zu Hause aufgrund schwieriger Familiensituationen gefürchtet, sodass in den Ferien zwei Schülerinnen im Konvent der Schwestern bleiben und für sie Gartenarbeiten etc. verrichten. Im Gegenzug dürfen sie umsonst hier schlafen und essen und haben ein gut behütetes Umfeld.

Schlafsaal

Als Erstes möchte ich euch ein Update in Bezug auf den Bau des Schlafsaals geben, denn seit ihr das letzte Mal Fotos gesehen habt, ist es gut voran gekommen und das Dach ist drauf. Leider ging es in den letzten zwei Wochen langsamer voran, denn der Preis für den Zement ist in die Höhe geschossen und pro Sack waren es fast 4 Euro mehr als zu Beginn berechnet.
Das war wohl die Folge einiger Anschaffungen in den Zementfabriken. Laut Aussagen der Bauarbeiter gibt es neue Maschinen zum Zement mischen und insgesamt wird sich dadurch eine Senkung des Preises versprochen. Wie auch immer, in der zweiten Maiwoche werden die Bauarbeiten hoffentlich weiterlaufen und wir wieder neue Fortschritte erkennen können.
Nach wie vor sammeln wir weitere Spenden für die Innenausstattung des Schlafsaals, denn wir möchten den Schülerinnen gerne Stockbetten und Moskitonetze sowie Kleiderhaken und ähnliches zur Verfügung stellen. Also wenn ihr wen kennt, der noch wen kennt, der sich gerne hier in Alenga für junge Mädchen engagieren möchte, meldet euch doch gerne! Euch allen, meinen fleißigen Leserinnen und Lesern, möchte ich jetzt auch für euer Interesse, euer Engagement und eure Unterstützung danken! Ich habe nicht erwartet, dass ich von so vielen Menschen aus der Heimat Rückmeldung und Hilfe bekomme. Es ist ein schönes Gefühl zu wissen, dass ihr an mich denkt.
Die Fotos sprechen für sich selbst, der Baufortschritt ist fantastisch.

Über HIV und AIDS zum weiblichen Zyklus

Außerdem habe ich euch im letzten Blogeintrag von unseren Extrastunden mit den Schülerinnen erzählt, in denen wir zunächst Geographie und ein bisschen Geschichte behandelt haben. Nun sind wir dazu übergegangen, über HIV und AIDS zu sprechen. Im Vorfeld waren wir uns unsicher, inwiefern wir über Kondome als Schutz vor Geschlechtskrankheiten sprechen dürfen, da die Schule in katholischer Trägerschaft ist und es im örtlichen Health Centre, das ebenfalls in katholischer Trägerschaft ist, auch keine Kondome gibt. Die dafür von USAID angebrachten Kästen sind stets leer. Generell erfahre ich hier im Austausch mit den Schwestern und einigen der Priester einen konservativen Katholizismus. Doch man kann so etwas nicht generalisieren und unser Mentor Fr. Stan, der Gemeindepriester Alengas, war begeistert von unserer Idee mit den Mädchen über HIV und AIDS zu sprechen und gab uns den Segen dafür, Kondome als Schutz zu besprechen. Am Ende des Gesprächs lachte er und sagte: „Glaubt nicht, dass nur ihr den Mädchen etwas beibringen werdet. Sie werden euch mit den lokalen Sichtweisen sicherlich auch belehren.“

Stan sollte Recht behalten. Nachdem wir mit der wohl einfachsten Frage, wofür die beiden Abkürzungen HIV und AIDS denn eigentlich stehen – na, weiß das jeder von euch? – begonnen hatten, erklärten wir die möglichen Übertragungswege und die dafür jeweils verantwortlichen hochinfektiösen Körperflüssigkeiten. Während die große Mehrheit genau wusste, wofür die Abkürzungen stehen, brach bei den Erklärungen zum ersten Mal großes Gelächter aus. Wir machten weiter mit dem Vorkommen von HIV in Uganda, hier sind ca. 1,5 Millionen Menschen infiziert, wobei mit einer großen Dunkelziffer zu rechnen ist. Davon sind 150.000 unter 14 Jahre alt. Der Präsident Ugandas, Yoweri Museveni, hat sich vor einiger Zeit erfolgreich dafür eingesetzt, die Infektionsrate von HIV zu verringern. Mittlerweile jedoch ist die Rate wieder angestiegen und trotz kostenloser Tests, Behandlung und Medikamente kennen viele ihren HIV-Status nicht (ähnlich wie in Deutschland, wo die HIV-Rate übrigens auch steigt statt sinkt…).

Weiter haben wir dann versucht Ratschläge zu geben, wie man sich am besten vor HIV schützen kann und bestmögliche Verhaltensweisen, wenn man positiv getestet wurde. Ausschlaggebend war für uns, den Mädchen zu vermitteln, dass sie ihren Freund zunächst nach seinem HIV-Status befragen und auch den Eigenen testen, ohne sich zu schämen oder Angst zu haben. Außerdem versuchten wir klar zu machen wie wichtig Kondome in Bezug auf jegliche Geschlechtskrankheiten sind und, dass sie den Männern nicht glauben sollten, wenn diese behaupten HIV-negativ zu sein, die Übertragung von HI-Viren durch ihr jeweiliges Verhalten zu vermeiden oder Kondome generell ablehnen.

Im Anschluss ließen wir Zeit für Fragen, denn schon während unserer Erläuterungen merkten wir, dass die Mädchen z.T. deutlich andere Vorstellungen und vor allem allerlei Fragen an uns hatten. Das war der Moment, der mich schockierte und mir vor Augen führte, welch ein Glück ich habe, dass ich so gut aufgeklärt wurde, mit meinen Eltern und Lehrern offen über diese Themen sprechen konnte und das Internet als Antwort auf Fragen jeder Art nutzen kann. Die Mädchen erzählten mir, dass sie es erkennen würden, wenn jemand an AIDS erkrankt sei, denn die Farbe der Lippen würde sich verändern und dieses Erkennen genüge als Schutz. Weiter ging es damit, dass der Bruder eines Mädchens ihr erzählt habe, dass man bis zum 18. Lebensjahr das erste Mal gehabt haben müsse, ansonsten würde die Vagina der Frau zu klein werden und man könne niemals mit einem Mann schlafen. Ich wurde außerdem gefragt, ob es stimmen würde, dass Männer sterben würden, wenn man ihnen nicht, wann immer sie es wünschen, sexuelle Befriedigung gibt. Ich versuchte nach bestem Wissen souverän auf diese Fragen zu antworten. Davon abgesehen wurde ich auch viel über den weiblichen Zyklus gefragt, warum nur Frauen ihre Blutungen bekommen, warum das Ganze manchmal mit Schmerzen verbunden ist und so weiter. Demnach kamen wir auf die Idee, in der nächsten Stunde über das weibliche Geschlechtsorgan, den Zyklus und unterschiedliche Verhütungsmethoden bzw. über Familienplanung zu sprechen. Anhand des Plakates könnt ihr sehen, dass wir den Verlauf des Zyklus erklärt haben, einmal im „Normalfall“ (unbefruchtet) und einmal mit befruchteter Eizelle. Außerdem zeigten wir anhand einiger Bilder die prenatale Entwicklung von der Zelle zum Baby. Gerade beim Ultraschallbild staunten sie sehr und erkannten den Fötus nicht. Im Anschluss führten wir die Benutzung eines Kondoms an einer Karotte vor, was zur allgemeinen Erheiterung führte, aber auch sichtbar das Interesse weckte. Abgesehen vom Kondom stellten wir auch weitere Verhütungsmethoden wie z.B. die Anti-Baby-Pille, die Drei-Monats-Spritze und die Spirale vor, die alle vor Ort in den staatlichen Krankenstationen erhältlich und größtenteils umsonst sind. Der Staat stellt diese Dinge unter dem Oberbegriff „Family Planning“ frei zur Verfügung, um die Fertilitätsrate von 5,6 (bei uns in der ruralen Gegend liegt sie eher bei 7) zu senken, da die Bevölkerung zu schnell wächst. Vergleicht man den Altersdurchschnitt zwischen Uganda und Deutschland, stellt man schnell fest, dass die Ugander eine besonders junge Bevölkerung sind. Eine Studie im Jahr 2005 hat Uganda als jüngstes Land hervorgehoben. In Deutschland liegt der Altersdurchschnitt bei 42,1 Jahren, während er in Uganda bei 14,8 Jahren liegt. Die Hälfte aller Ugander ist 16 Jahre oder jünger, während die Hälfte der Deutschen jünger als 47 Jahre ist.
Im Anschluss stellten die Mädchen uns wieder interessante Fragen, beispielsweise ob man als Frau sterben würde, wenn das Kondom in der Vagina stecken bleiben würde oder wie oft man ein Kondom benutzen könne. Als wir diese Frage in die Klasse zurück gaben, erhielten wir als Antwort „10 Mal!!“, was wir natürlich schnell richtig stellten.
Nach den Ferien werden wir mit diesen Themen weitermachen, wer noch Ideen und Anregungen hat, darf sich jederzeit gerne melden!

Golden Jubilee – 50 Jahre Diözese Lira

Das Jahr 2018 ist das goldene Jubiläum unserer Diözese Lira, hier in Nordwest Uganda. Dafür reist der Bischof von Gemeinde zu Gemeinde um diesen Anlass ausgiebig zu feiern. Wir merkten hier schon Wochen zuvor die Aufregung über das anstehende Ereignis. So begannen wir vier Wochen vor dem 15. April schon mit den Chorproben. Dabei waren viele Sängerinnen und Sänger aus der ganzen Gemeinde und wir hatten sogar einen richtigen Chorleiter. Dieser war sehr ambitioniert und bemüht, dass der Chor einen exzellenten Auftritt abliefern wird, was ihm nicht nur Sympathiepunkte unter uns Mitgliedern einbrachte. Aber das viele Üben (bis zu sieben Stunden am Tag), die zahlreichen Vorbereitungen und Meetings haben sich gelohnt. Der Bischof wurde herzlich in Empfang genommen, das Gelände war wunderbar geschmückt, alle hatten sich fein rausgeputzt und sogar wichtige Politiker waren in unser kleines Dorf gekommen, um an der Spendensammlung teilzunehmen. Während der Messe wurde der Bischof mit Geschenken überhäuft, er bekam sechs Wassermelonen, hunderte Avocados und Bananen sowie Ziegen, Hühner und allerlei anderes. Die Christen Alengas haben mit Jubel, Tanz und Großzügigkeit ihre Dankbarkeit gegenüber dem italienischen Bischof Franzelli ausgedrückt. Dabei kam sogar der hochrespektierte König der Langi und hielt eine längere Rede über die Wahrung der Kultur. Um das Programm bunt zu gestalten, haben Artisten, die Frauengilde, unsere Schülerinnen und die Jugend der Charismatischen Christen jeweils etwas aufgeführt, gesungen und getanzt. Im Anschluss gab es, wie bei jedem Fest hier, ein riesiges Festmahl, das leider nicht für die zahlreichen Besucher gereicht hat, so dass am Ende einige Kinder leer ausgingen. Dann halfen wir ganz schnell wieder beim Abbau der Festzelte und einige Stunden nach Ende des Festes, sah es auch schon wieder aus wie immer.

Fingerabdrücke in Alenga hinterlassen

Vergangene Woche haben wir unsere kreative Ader ausgelassen. Dabei gestalteten wir ein Freiwilligenbord, auf dem wir uns mit unseren Fingerabdrücke verewigt haben. Die Bedeutung ist sehr symbolisch zu betrachten: Die Pusteblumen stehen für uns Freiwillige (Francesca und ich sind bereits Nummer 5 und 6 der Freiwilligen in Alenga), die hier jeweils eine neue Heimat gefunden haben, sich selbst verwirklichen können und ihre Samenschirme in die Welt tragen möchten, welche wiederum Blüten tragen werden. Die Samen sind unsere Fingerabdrücke, da jeder seine individuellen Spuren hinterlässt. Nun fehlen nur noch unsere Fotos, dann ist das Freiwilligenbrett komplett.

Ihr Lieben, das war es auch schon wieder von mir. Morgen brechen wir in den Norden Ugandas auf. Dabei werden wir nach Gulu und Moyo reisen, einige Schwestern besuchen und gemeinsam mit zwei Comboni Brüdern das größte Flüchtlingscamp der Welt in Moyo besuchen. Wir freuen uns auf diese Erfahrungen sehr und werden anschließend berichten.

Ganz liebe Grüße

Eure Greta

Und, wie viele Kontinente hat unsere Erde eigentlich?

Hallo ihr Lieben,

heute möchte ich euch kurz von den zusätzlichen Unterrichtsstunden erzählen, die Francesca und ich seit Februar am Freitag Abend mit den Mädchen machen. Schon seit Beginn meines Einsatzes in Alenga ist mir immer wieder – egal, ob während des Unterrichts oder in der Freizeit – aufgefallen, dass die Schülerinnen große Lücken in Bezug auf Allgemeinwissen haben, das für mich selbstverständlich schien. Beispiele dafür sind, dass sie keinerlei Vorstellung haben wie die Welt abgesehen von Uganda und seinen Nachbarländern aussieht oder, dass sie nicht wissen was eine Fähre ist und wofür sie verwendet werden kann. Das trifft natürlich nicht auf alle zu, sondern variiert von Person zu Person und den unterschiedlichen Stufen der Schulausbildung.
Aber da ich auf der Berufsschule auch Mädchen unterrichte, die nur vier Jahre lang die Grundschule besucht haben, fallen große Lücken schnell auf. Generell empfinde ich, dass ein Vorstellungsvermögen für all das fehlt, was hinter Alenga und der nächsten Großstadt Lira in der Welt alles kommt.
Ich habe erleben dürfen, dass theoretische Erkenntnisse beispielsweise über Geographie in der Schule gewonnen werden und die dann praktisch durch Reisen in andere Länder, sogar auf andere Kontinente vertieft wurden. Das – was für viele Deutsche zum Leben dazu gehört – scheint für die Schülerinnen hier in Alenga unerreichbar und wie ein weit entfernter Traum.
Dennoch haben Francesca und ich beschlossen: Die grundlegende Theorie können wir liefern und mit Spiel und Spaß interessant gestalten. Also begannen wir mit einer ganz generell gefassten Unterrichtsstunde über „Die Welt“. Dank einer großzügigen Spende der Buchhandlung Terwelp in Cloppenburg, konnten wir dafür sogar tolle Weltkarten verteilen, in die wir Notizen, Kreuze und Kreise machten. Wir bauten diese Stunde als Quiz auf, was den Mädchen gut gefallen hat. Frage Nummer 1 war: Wie viele Kontinente gibt es und was sind ihre Namen?
Für einige wenige, ein Klacks. Andere waren verzweifelt: „Greta, was ist ein Kontinent?“, wurde ich gefragt. Andere fragten nicht, sondern schrieben nach einer kurzen Diskussion in der Kleingruppe auf: „Es gibt 53 Kontinente.“, dann folgten die Namen einiger Länder Afrikas, die sie aus der Karte abschrieben. „Brasilien, Uganda, Russland und Australien“ war eine weitere Antwort.
Wie ihr seht, ein kunterbunter Mix aus weitgehend falschen Vermutungen. Das schockte uns schon sehr. Klar, auch in Deutschland gibt es riesige Lücken an Allgemeinwissen, ich gebe zu, dass auch ich – trotz 12 Jahren Schule und einem Abitur in der Tasche – viele Dinge nicht weiß und mein Allgemeinwissen auffrischen sollte. Aber sind denn die Namen der Kontinente nicht einfach jedem klar, fragte ich mich? Sie sind wohl so „klar“, wie hier jedem bewusst ist, wie man seinen Garten am besten bepflanzt, was welches Gewächs ist sobald man in die Natur schaut und wie man Bohnen und Posho kocht. Wenn mich jemand danach fragt, sind meine Antworten meist auch kreativer Unsinn.
Ich durfte also lernen, dass grundlegendes Wissen sich unterscheidet und der Mensch eben gern das behält, was für ihn gerade wichtig ist. In Alenga ist eben ein anderes Wissen alltäglich viel wichtiger, da ist es nicht von Bedeutung, wie die Hauptstadt der Mongolei heißt, sondern in welchem Boden Cassava am besten wächst und wie man Reis am schnellsten von Steinen und Körnern befreit bevor man ihn auf einer Feuerholzstelle kocht. Was dieses Wissen und praktische sowie körperliche Arbeit betrifft, kennen sich die Schülerinnen bestens aus und haben ein starkes Durchhaltevermögen.
Im Verlauf der weiteren Unterrichtsstunde kam es auch zu anderen lustigen Antworten. „Auf der Welt leben 7000 Menschen.“, „Der höchste Berg ist der Mt. Rwenzori in Westuganda“ etc..Aber es gab auch viele richtige Antworten, beispielsweise war allen klar, dass der längste Fluss der Welt der Nil ist.
Die Weltkarten waren jedenfalls ein super Idee, begeistert haben die Mädchen nach verschiedenen Ländern gesucht, ein Kreuz am Kaspischen Meer und im Himalaya Gebirge gesetzt.
In der darauffolgenden Stunde beschäftigten wir uns dann nur mit dem Kontinent Afrika. Wieder gestalteten wir die Stunde als ein Quiz und merkten gleich zu Beginn, dass es den Mädchen etwas leichter fiel. Wir fragten nach der Gesamtanzahl aller Länder Afrikas, nach den größten Hauptstädten, dem höchsten Berg, dem größten See und die Antworten kamen z.T. mit etwas Hilfe bei den Hauptstädten sehr flüssig. Gerade den Viktoriasee und den Ursprung des Nils in ihm kennen alle gut, wenn auch viele noch nicht da waren. Bei all dem halfen auch wieder unsere Weltkarten. Auf die Frage wie viele Menschen in Afrika insgesamt leben haben wir Antworten von 500 Menschen bis eine Billionen bekommen. Das Vorstellungsvermögen für Zahlen scheint auch ausbaufähig zu sein.
Unser nächster Schritt war eine Stunde über Uganda, in der wir uns nicht so sehr auf die Geographie konzentrierten, sondern auf generelle Informationen, die wir in einer Mindmap an der Tafel festhielten. Wir haben einige Fragen gestellt und dann zahlreiche Antworten bekommen. Nachbarländer, wichtigste historische Personen und Ereignisse schienen bekannt zu sein. Außerdem präsentierten wir auch ein paar Fakten wie zum Beispiel die Kindersterblichkeitsrate, die mit ca. 13% die höchste in Ostafrika ist. Über diese hohe Zahl freuten sich die Mädels erst, bis wir erklärten, was das bedeutet und dass es an Krankheiten und schlechter medizinischer Versorgung liegt.
Als wir die Geschichte Ugandas präsentierten, wussten sie sehr gut, dass Uganda von 1890- 1962 britisches Protektorat war und danach durch Obote und Idi Amin eine Zeit der grausamen Bürgerkriege kam. Als ich erzählte, dass in dieser Zeit von 1971- 1986 eine halbe Millionen Ugander starben, fehlte aber wieder etwas das Vorstellungsvermögen für eine solche Ziffer.
Außerdem präsentierten wir die HIV-Rate Ugandas, 1,46 Millionen Menschen von 36 Millionen Ugandern sind offiziell infiziert, als Auftakt für unsere nächste Unterrichtseinheit. Wir werden einige Aufklärungsstunden zur Fortpflanzung, zu HIV und AIDS, zu Verhütung und dem verantwortungsvollem Umgang mit Sexualität machen.

Liebe Leserinnen und Leser, zum Abschluss dieses Artikels möchte ich euch einladen, einmal euer Wissen zu Afrika und Uganda zu testen. Wir haben euch ein kleines Quiz dazu erstellt. Viel Spaß dabei 🙂

Das war es auch schon wieder von mir. Gerne dürft ihr euch melden, falls ihr Anregungen und Ideen für die Extrastunden habt.

Seid ganz lieb gegrüßt

eure Greta

1. Frage

Wie viele Länder hat der afrikanische Kontinent?

Der afrikanische Kontinent hat 54 Länder. Jüngstes Land ist der Südsudan: er erlangte 2011 seine Unabhängigkeit vom Sudan.

2. Frage

Wie viele Menschen leben in Uganda?

In Uganda leben 36 Millionen Menschen.

3. Frage

Aus was wird der in Ostafrika bekannte Posho hergestellt?

Posho ist Maisbrei und wird somit aus Maismehl gekocht.

4. Frage

Wie viel Prozent der Ugander sind Christen?

In Uganda sind 84% Christen. Davon sind 40% katholisch und 32% evangelisch. 12% gehören zum Beispiel den Pfingstlergemeinden oder anderen christlichen Gemeinden an. 13% der Bevölkerung sind Muslimisch und 3% haben eine Naturreligion.

5. Frage

Seit wann ist Yoweri Museveni der Präsident Ugandas?

Museveni ist seit 1986 der präsident Ugandas. Vergangenes Jahr hat er Gesetze umgeschrieben, damit es keine Alterbegrenzung mehr gibt und er trotz seiner 73 Jahren nochmal gewählt werden kann.

6. Frage

Wie hoch ist die Fertilitätsrate?

Die Fertilitätsrate liegt bei 5,7. Hier in Alenga auf dem Land bekommen viele Frauen allerdings mehr als 6 Kinder und nicht selten sieht Francesca bei ihrer Arbeit, dass die Frau gerade ihre 10. Schwangerschaft austrägt. In den Städten Ugandas nutzen immer mehr Menschen die Möglichkeiten der Medizin, um weniger Kinder zu bekommen und eine Familie zu planen, damit auch genug Geld da ist, um jedes Kind in die Schule schicken zu können.

7. Frage

Wie viele ethnische Gruppen leben in Uganda?

In Uganda leben vier Völker mit mehr als 45 ethnische Gruppen. Diese vier sind: Bantu, Sudanische Gruppe, Niloten, Pygmäen.

8. Frage

Was sind die Namen der Nachbarländer Ugandas?

Die Nachbarländer sind: Demokratische Republik Kongo, Tansania, Kenia, Ruanda und Südsudan.

9. Frage

Wie viele Sprachen werden in Uganda gesprochen?

In Uganda werden über 70 Sprachen gesprochen. Zum Beispiel Luganda (Süden/Kampala), Luo: Lango, Acholi, Alur, etc.

10. Frage

Wie viele Flüchtlinge hat Uganda aufgenommen?

Uganda hat bereits über 1 Millionen registrierte Flüchtlinge aus den Ländern Sudan, Südsudan, Congo, Ethiopien, Eritrea, Burundi und Ruanda aufgenommen. In echt sind es wahrscheinlich noch viel mehr. Uganda hat aus dem Südsudan ca. 489’000 Flüchtlinge aufgenommen, während „nur“ 362’000 Menschen die Flucht über das Mittelmeer nach Europa angetreten haben….

11. Frage

Welche Bedeutungen haben die Farben der ugandischen Flagge?

Schwarz=Die Farbe der Menschen
Gelb=Sonnenlicht
Rot=Steht für das Blut über das die Menschen in Uganda untereinander und mit der ganzen Welt verbunden sind; für Brüderschaft

12. Frage

Welche vom Aussterben bedrohte Tierart lebt in den Bergen Ugandas?

In Uganda leben mehr als die Hälfte der auf der Welt lebenden Berggorillas (ca.400).

Aber der Engel sprach zu den Frauen: „Fürchtet euch nicht!“ – Mt 28, 5-6

Liebe Leserinnen und Leser,
ich hoffe, dass ihr eine schöne Osterzeit mit all euren Lieben verbracht habt. Heute möchte ich euch erzählen, wie ich hier in Alenga die Fastenzeit und das Osterfest verbracht habe.

Die Fastenzeit

Am Aschermittwoch begannen wir die Fastenzeit mit einem schönen Gottesdienst am Morgen. Der Beginn der enthaltsamen Fastenzeit bedeutete, wie schon in der besinnlichen Adventszeit, dass in der Kirche nicht mehr getanzt werden durfte. Stattdessen gab es jeden Freitag Nachmittag einen Kreuzweg mit anschließendem Rosenkranz beten und der Möglichkeit zur Beichte.  Uns hat überrascht, wie viele Kinder und Jugendliche während dieser Zeit fast wöchentlich gebeichtet haben. Das kennen wir aus Deutschland nicht.

Während sich in Deutschland viele ein festes Fastenziel vornehmen, wie das Verzichten auf Alkohol oder Süßigkeiten, haben wir hier kein derartiges Verzichten mitbekommen. Sister Anne hat mir erzählt, dass die Schülerinnen während des Religionsunterrichts auf die Frage, wie sie ihre Fastenzeit gestalten wollen, geantwortet haben, dass sie so arm seien, dass sie doch auf nichts verzichten können, sie haben ja sowieso nichts und würden nur Maisbrei mit Bohnen essen. Es ist uns hier schon oft aufgefallen, dass ein Standardsatz ist: “Wir sind ja arm, wir haben nichts.“ Das wird gern gesagt, egal ob man einen guten Job hat oder arbeitslos ist.

Die Priester und Schwestern haben die Mädchen stattdessen ermutigt, durch Taten zu Fasten. Das heißt also, anderen zu helfen, den Hass überwinden, Streitereien schlichten und Liebe im Alltag zeigen und leben.

Einweihung von Unterrichtsräumen in einer Primary School

Am 22. März waren wir gemeinsam mit Sister Anne, Sister Evaline und Father Stan an der Apele Primary School, über die wir schon zu Beginn im Blog berichtet haben, um an einer Einweihungsfeier für drei neue Klassenräume teilzunehmen, die dort mit Stans Hilfe entstanden sind. Eine deutsche Organisation namens „Vier Steine für Afrika“ (www.viersteinefuerafrika.de) hat das Geld für dieses Gebäude gesammelt, und durch Stan als Kontaktmann vor Ort können solche Projekte hier gelingen und verwirklicht werden.

Es war ein wirklich schönes Fest, alle SchülerInnen haben etwas vorbereitet und auf Englisch gesungen, getanzt und Gedichte aufgesagt. Sogar die ganz Kleinen aus der Nursery School (Kindergarten) haben ein englisches Lied mit passendem Tanz aufgeführt. Auch die Eltern haben Showbeiträge geliefert und durch Reden und ein leckeres Essen wurde das Fest abgerundet. Zu guter Letzt durften noch alle wichtigen und einflussreichen Besucher wie beispielsweise der Vorsitzende der Grundschulen des Apac Districts und eine lokale Politikerin und alle weißen Anwesenden (wir zwei) ein Stück Land kaufen und mit einem kleinen Blümchen bepflanzen. Das Geld kommt der Entwicklung der Schule zu gute. Als wir zum Einpflanzen die Hacke schwangen, wurden wir ziemlich ausgelacht und wir schafften zwei Hiebe, bevor uns ein besorgter Mann die Hacke aus der Hand riss und sich selbst an die Arbeit machte. Wir werden dank unserer Hautfarbe oft als empfindlich und zart eingestuft und dementsprechend körperlich unterschätzt.

Introduction von Francis – endlich Tanzen!

Am folgenden Wochenende waren wir wieder mal auf eine Introduction (traditionelle Hochzeit) eingeladen. Dieses Mal heiratete unser Freund Francis, der gemeinsam mit uns im Chor ist und immer während der Messe das Keyboard spielt. Die Hochzeit fand bei Francis zu Hause statt, was ungewöhnlich ist, normalerweise wird die Hochzeit im Heimatdorf der Frau ausgerichtet. Hier gab es weniger traditionelle Programmpunkte als bei Jaspers und Marthas Hochzeit, über die wir im Januar berichtet haben. Zu Beginn schnitten die Gäste das Band durch und wurden mit viel Jubel in den Festbereich geführt. Anschließend folgte eine ewig lange Vorstellungsrunde von allen anwesenden Gästen und den verschiedenen Verwandtschaftsverhältnissen. Der Katechist Alengas, Patrick, segnete das Brautpaar und predigte darüber, wie wichtig es sei mit der, für die Hochzeit auserwählten Frau, zusammen zu bleiben und für ein stabiles und harmonisches Zusammenleben zu sorgen, statt sie gegen eine andere Frau auszutauschen und sie mit den Kindern allein zu lassen. Eine solche Verantwortungslosigkeit in Bezug auf die Ehe und die Familie gibt es hier häufiger, viele der Schülerinnen leben allein mit der Mutter, mit ihrem Vater und Stiefmutter Nummer drei oder gar bei Großeltern oder entfernten Verwandten, weil beide Eltern nach dem Ende der Ehe verschwunden sind.

Da die Hochzeit bei Francis stattfand, wurden dann einige Männer für die „Brautsuche“ unter einer Decke vorgebracht und die Brautjungfern  haben nach dem Bräutigam Ausschau gehalten. Als Francis als Letzter unter der Decke hervorkam, wurde gejubelt, getanzt und das offizielle Programm war beendet, sodass Greta und ich uns mit Freunden von Francis unterhielten und Fotos machten. Als es Essen gab, wurden wir wie besondere Ehrengäste behandelt, was uns eher unangenehm war, aber sich nicht ändern ließ, und durften mit einigen Männern separat Essen. Wir unterhielten uns mit ihnen über Sprachen und sie waren sich sehr einig darin, dass man, wenn man Deutsch beherrscht, keinerlei Probleme mehr hat. Sie entwarfen endgültig Zukunftsträume, wie sie eines Tages in Deutschland leben würden, als wir ihnen erzählten, dass der Mann bei uns keine teure Mitgift für die Zukünftige bezahlen muss.

Im Anschluss wurde dann richtig ausgelassen getanzt, worüber auch wir uns freuten, denn bei Jasper mussten wir ja schon vor dem Tanz aufbrechen. Zunächst tanzten nur die Frauen und reichten Flaschen mit Alkohol umher, während die Männer etwas abseits saßen und dort den lokalen Schnaps aus Eimern genossen. Später aber tanzten auch die Männer, wobei Frauen und Männer keineswegs zusammen tanzten und man deutlich gemerkt hat, dass viele Männer, je später es wurde, betrunkener und unangenehmer wurden. Gegen neun Uhr verließen wir das Fest, schließlich wohnen wir ja bei Schwestern und müssen auf unseren Ruf achten, was hier wirklich nicht leicht ist, da alles gleich im ganzen Dorf rumerzählt wird.

Fun Fact: In letzter Zeit haben wir viel gebacken und dementsprechend viele Eier gekauft. Dann wurde ich in der Arbeit gleich mal darauf angesprochen, dass wir so viele Eier äßen und davon dick würden und, dass wir sie bei Jasper kaufen sollten, statt vorne im Center. Ach ja, das Dorfleben ist doch wunderbar.

Palmsonntag – Beginn der Karwoche

Den Palmsonntag begannen wir mit einer fröhlichen und ausgelassenen Prozession. Ein bisschen von der Kirche entfernt, standen wir zum anfänglichen Gebet in der Sonne und schwangen unsere Palmzweige – endlich mal ein Palmsonntag mit richtigen Palmblättern statt Palmbuschen aus Palmkätzchen und Buchsbaum. Viele Kinder und auch die Schülerinnen hatten ihre Palmwedel wunderschön mit Blüten verziert und gemeinsam mit den fröhlichen Liedern des Palmsonntags kam eine tolle Atmosphäre während der Prozession auf. Ungefähr auf der Hälfte der Prozession entschied sich dann aber ein Teil der Gläubigen, schnell eine Abkürzung zu nehmen, um in der Kirche noch einen guten Sitzplatz zu bekommen, denn es war unfassbar viel los. Die Messe war lebhaft und, wie eigentlich immer hier, sehr lang. Danach gönnten wir uns ein leckeres Frühstück und einen entspannten Tag, bevor wir abends für die Priester lecker kochten.

Gründonnerstag – Fußwaschung und die Feier des letzten Abendmahls

Karfreitag – Er starb für uns am Kreuz

Nachdem Greta am Vormittag noch unterrichten musste, während ich frei hatte, – ja, auch in Uganda ist Karfreitag ein Feiertag, aber in Sister Annes Internat gibt es selten auch „unterrichtsfrei“ – machten wir uns um zwölf Uhr zum großen Kreuzweg auf. Wir gingen ca. zwei Kilometer und passierten dabei die 14 Stationen des Kreuzwegs. Bei jeder Station wurde angehalten, die passende Bibelstelle verlesen und gebetet. Anschließend trugen verschiedene Gläubige das Kreuz bis zur nächsten Station und so kamen wir gleichzeitig mit dem Gewitter in der Kirche an.

Dann begannen wir mit der Karfreitagsliturgie. Die Lesung wurde von Mitgliedern des Chors vorgetragen, leider nicht so schön und feierlich wie ich es von zu Hause gewohnt bin. Zur Kreuzverehrung kamen die Gläubigen auf Knien nach vorn an den Altar und berührten und küssten den Gekreuzigten. Am Ende wurde die am Gründonnerstag geweihte Hostie aus dem Tabernakel, dessen Platz Greta Donnerstag Vormittag mit den Sisters dekoriert hatte, geholt und verteilt. Die super Konstruktion mit Tesafilm hielt leider nicht, so dass die Tücher schon halb abfielen. Aber daran störte sich niemand.
Zum Schluss wurde dann der Altar leer geräumt und alle verließen nach und nach die Kirche.

Introduction von Brown – Von Gewohnheiten und kulturellen Unterschieden

Am Samstag waren Greta und ich dann erneut auf eine Hochzeit eingeladen. Als unser Freund Brown uns einlud, sagte er uns, dass die Besucher um elf Uhr ankommen sollten und um zwölf Uhr werde die Hochzeit beginnen. Wir verabredeten uns um zehn Uhr mit unserer Freundin Anna, um dann gemeinsam auf Brown zu warten, der uns mit einem Auto für die Feier abholen wollte. Anna war, obwohl wir eine halbe Stunde zu spät waren und uns schon Sorgen machten, noch im Garten am Arbeiten und begrüßte uns um halb zwölf mit den Worten „Ihr seid aber früh!“ Dann bekamen wir erst mal ein kleines Frühstück und sie stellte sich doch glatt in die Küche, um uns ein Mittagessen zuzubereiten. So genossen wir noch gemeinsame und schöne Stunden bei Anna, die sich nach und nach ganz gemütlich fertig machte, wir machten noch ein Mittagsschläfchen und um halb vier holte Brown uns dann auch mal mit dem Taxi ab. Kaum zu glauben, dass wir nach sieben Monaten in Alenga immer noch derartige Anfängerfehler machen, aber man wird solche deutschen Gewohnheiten, die sich neunzehn Jahre lang eingebrannt haben, einfach nicht so schnell wieder los. Wie sagt man noch gleich? „Die Europäer haben die Uhr, die Afrikaner haben die Zeit.“

Als wir auf dem Hochzeitsgelände ankamen, mit 15 Leuten (inklusive Bräutigam, auf den für den Beginn der Feier gewartet wurde) stiegen wir aus einem Wagen für neun,  ging es dann auch gleich mit viel Jubel, Tanz und Partyatmosphäre los und es begann ein schön gestaltetes Fest. Es gab einen lustigen Moderator, der besonders begeistert davon war, zwei deutsche Mädchen unter den Besuchern zu entdecken und deshalb auch alles auf Englisch übersetzte. Die Verhandlung der ältesten Männer der Familien über die Mitgift zu Beginn dauerte wieder Ewigkeiten, Brown musste für seine Verlobte drei Kühe und neun Ziegen und natürlich noch alles mögliche andere bringen. Nach einigen Reden und offiziellerem Programm, begann die lustig gestaltete Brautsuche, bei der viele Brautjungfern kamen, unter denen die Freunde des Bräutigams die wirkliche Braut zu entdecken versuchten. In einer Runde verkleideten sich drei Frauen als Alte und spielten das Ganze wirklich richtig gut, samt zitterigen Händen und verlangsamter Sprache. Als die richtige Braut, Sharon, gefunden wurde, folgte die Vorstellung des Mannes bei den Eltern der Braut und umgekehrt, wobei Browns Eltern bereits beide verstorben sind, sodass seine Tante und sein Onkel stattdessen anwesend waren.

Dann übergaben sich die beiden kleine Hochzeitsgeschenke und die Hochzeitstorte wurde unter den Gästen verteilt. Es ist hier üblich, dass mehrere kleine Kuchen gebacken werden, damit die besonderen Gästen wie z.B. der Katechist oder Kollegen, einen Kuchen mit nach Hause nehmen können.

Danach wurde es für uns schon stressig, denn um 19 Uhr begann die Osternacht (und die Gottesdienste beginnen tatsächlich immer pünktlich, auch wenn viele Gläubige grundsätzlich eine halbe Stunde zu spät kommen). Natürlich durften wir nicht gehen bevor wir gegessen hatten, auch wenn das Buffet erst um viertel vor sieben aufgebaut wurde und wir, um die Sisters nicht zu enttäuschen, wirklich gehen wollten. Also aßen wir in Rekordgeschwindigkeit um dann einen der Männer vom Essen abzuhalten, damit er uns mit dem Motorrad zur Kirche bringen konnte. Gerade rechtzeitig kamen wir an der Kirche an und entdeckten die Gläubigen draußen am Osterfeuer. Im selben Moment kamen Father Justin und die Messdiener, um die Osternacht zu beginnen.

Die Osternacht – eine Explosion der Lebensfreude

Draußen am Osterfeuer weihte Father Justin die Osterkerze und wir entzündeten unsere Osterkerzen. Wie überall auf der Welt in der Osternacht war die Stimmung unverwechselbar schön und das Wissen darüber, dass nun überall Christen versammelt waren, um die Auferstehung ihres Herrn zu feiern, war dieses Jahr, so fern von zu Hause, toll. Gemeinsam zogen wir in die Kirche ein und begannen die Messe zu feiern. Flavia, eine Freundin, sang die Psalmen der Lesung wunderschön und als später das Licht angemacht wurde und zur Gabenbereitung wieder getanzt werden durfte, explodierten die Menschen. Jubeln, Tanzen, Singen, Klatschen, Trommeln, all das nahm kein Ende mehr und es war wunderbar zu sehen mit was für einer guten Laune wir „Jesus ocer“ (Lango für „Jesus lebt“) verkündeten und verkörperten. Mitten in dieser guten Laune wurden um die 30 Kinder getauft, was zur Auferstehung Christi symbolisch passte. Als der Gottesdienst endete, war zu spüren, dass unsere Tanzlust noch nicht zu Ende war. Also ging es nach dem Auszug des Priesters weiter: Der Chor stimmte Lieder an und die Gemeinde ging auf in den Tänzen zur Auferstehung Christi. Kurz vor Mitternacht taumelten wir, noch berauscht vom Geruch des Weihrauchs und der Musik, aus der Kirche und freuten uns auf eine Dusche und unser Bett, bevor wir am Ostersonntag um acht Uhr die nächste Messe besuchten.

Ostersonntag – Bemalte Eier gibt’s auch in Uganda

Den Ostersonntag begannen wir also mit dem Gottesdienst. Diesmal wurde von Beginn an getanzt und Kinder und Frauen gaben sich besondere Mühe mit dem Gestalten der Tänze. Die feierliche Atmosphäre vom Vortag hatten wir alle noch nicht verloren und brachten damit auch diese Messe wieder zum Leben.

Dieses Mal predigte Father Stan über die Ambivalenzen der Auferstehung. Zu Beginn fragte er uns: „Ist Jesus auferstanden?“ und selbstverständlich antworteten wir alle mit „Ja, Jesus lebt!“ Um die Gemeinde etwas zu provozieren meinte er dann, dass es ja schön sei, dass wir uns damit so sicher seien, aber woher wir dass denn wissen wollen? Schließlich hätten wir ihn ja noch nie gesehen, oder? Es gäbe ja auch viele andere Menschen, die behaupten, ihr Onkel sei auferstanden. Um die Auferstehung zu verkünden reiche es  nicht, nur aus der Bibel vorzulesen und zu sagen „Ja, Jesus lebt“. Nein, wir müssen die Auferstehung (all-)täglich leben, indem wir darauf vertrauen, dass Jesus in uns lebt und wir seine Grundwerte in uns aufnehmen und in der Welt verbreiten. Jesus hatte viele gute Taten vollbracht und Wunder getan, sodass auch wir als Christen uns daran orientieren und Nächstenliebe und Zusammenhalt zeigen sollen. Denn somit ist Jesus auferstanden und lebt in uns weiter. Eine besonders schöne Predigt am Ostersonntag.

Nach einigen weiteren Tänzen im Anschluss an die Messe gingen wir heim und verbrachten den Tag mit den Mädchen in der Schule, dem Vorbereiten einer Pizza und bunt bemalter Eier für die Party mit den Sisters und Fathers am Abend, die wir sehr genossen. Auch hier merkte man die gute Laune angesichts des Osterfestes und die ausgelassene Stimmung. Am Ende versuchten wir uns sogar noch in westafrikanischen Tänzen (Stan und Justin kommen aus Togo und Benin) und tanzten beim Abspülen total satt vom leckeren Essen mit den Sisters weiter zu ugandischer Musik.

Ostermontag – Ein Tag bei Mary und Paska

Am Ostermontag hatten Greta und ich dann auch noch frei und so schliefen wir erstmal ein bisschen aus, bevor wir uns daran machten, Brownies für unsere Freundin Paska zu backen. Paska bedeutet auf Lango Ostern und sie trägt den Namen, weil sie am Ostersonntag morgens geboren ist. Jetzt feiert sie ihren Geburtstag jedes Jahr an Ostern und zur Feier des Tages brachten wir ihr den leckeren Kuchen mit. Als wir ankamen, schälten wir zunächst geschlagene drei Stunden Erdnüsse, die Mary dann röstete und mit Sesam mischte, um sie später zur Mahlmaschine für Odi (die für den Norden Ugandas typische Erdnusspaste, die wir so lieben) zu bringen. Im Anschluss daran gab es Mittagessen und wir unterhielten uns nett mit den beiden und spielten mit Kindern, Enkeln, Neffen und Nichten – bei ihnen ist immer viel los.

Ihr Lieben, das war es auch schon wieder von mir. Ich habe hier ein erlebnisreiches und wunderbares Osterfest verbracht und bin wieder um einige Erfahrungen reicher geworden. Ich freue mich aber auch darauf, dass ich das nächste Osterfest wieder gemeinsam mit meiner Familie zu Hause bei deutschem Essen, Osterlamm und Ostereiern verbringen werde, so ein bisschen fehlen die Traditionen, an die man sich mit der Zeit so sehr gewöhnt, schon.

Ich freue mich von euch zu hören und auch noch über jede weitere Spende für den Schlafsaal (Kontoadresse im Blogeintrag vorher).

An Alle, die in Deutschland im medizinischen Bereich tätig sind: Das Health Center, in dem ich arbeite, kann alles mögliche an Untersuchungsgeräten gebrauchen. Wenn also jemand unbenutzte Blutdruckgeräte, Fieberthermometer oder anderes zu Hause oder in der Praxis rumliegen hat, würde ich mich sehr freuen, wenn diese Dinge an meine Mama Conny weitergegeben werden, damit sie die dann im Mai mitbringen kann (bitte nichts kaufen, Geldspenden gerne -> Verwendungszweck: Alenga, H/C)

Ganz liebe und vor allem von der Sonne und Lebensfreunde gewärmte Grüße

Eure Francesca

 

Mein dritter Rundbrief

Hallo zusammen,

Inzwischen ist bei uns der Winter mit seinen angenehmen 25-30° C schon wieder vorbei und der Sommer naht mit großen Schritten. Das macht sich mit stetig steigenden Temperaturen sowie steigender Luftfeuchtigkeit bemerkbar. Die Sommermonate sind hauptsächlich April und Mai.

Abgesehen vom Temperaturumschwung hat sich wieder viel getan in den vergangenen Wochen:

Zwischenseminar in La Libertad

Zunächst einmal fand Ende Januar beziehungsweise Anfang Februar unser fünftägiges Zwischenseminar im Ort La Libertad auf der Insel Negros statt. Diese wird zu Visayas, der mittleren der drei großen Inselgruppen, gezählt. Zusammen mit 13 weiteren Freiwilligen, die einen Einsatz in den unterschiedlichsten Teilen der Philippinen absolvieren, verbrachten Moritz, Simon und ich das Seminar unter der Leitung von zwei Betreuern, die beide auch schon über längere Zeit auf den Philippinen gelebt und gearbeitet haben, mit verschiedenen Einheiten rund um unseren Einsatz. Nach dem Kennenlernen der gegenseitigen Einsatzstellen und dem Austausch von dort gemachten Erfahrungen, drehten sich die Einheiten vor allem um die kulturellen Unterschiede, worauf ich aber später noch genauer eingehen möchte. Zusätzlich konnten wir für unsere Arbeit mit den Kindern noch einige Anregungen und Tipps mit nach Hause nehmen. Des Weiteren stand noch ein persönliches Gespräch mit einem der Betreuer über unser Befinden an, um dieses dann unserer Organisation zurückzumelden.

Das Resort, in dem wir untergebracht waren, wird vom Ort La Libertad betrieben und ist eine Art Gemeinschaftsprojekt, das auf der Mithilfe einiger Leute aus den verschiedenen Ortsteilen und Dörfern basiert. Am Donnerstag hatten wir dann auch die Möglichkeit, den Bürgermeister, eine wirklich interessante Persönlichkeit, kennen zu lernen. Er lud uns spontan für einen Tagesausflug zu einer nicht allzu weit entfernten Sandbank ein, auf der die Gemeinde einige Häuser auf Stelzen über dem Wasser an Gäste vermietet. Dort war für Verpflegung reichlich gesorgt: neben Banana cue, Kamote (Süßkartoffeln, beides wird zunächst frittiert und danach durch darüber gegebenen und karamellisierenden Zucker gesüßt), frischer Buko und Bier ergab sich für uns die Möglichkeit, frische Seeigel und Austern zu probieren. Auf der Sandbank bot sich neben dem Schwimmen außerdem eine gute Gelegenheit, um zu Schnorcheln. Dort konnten wir neben Fischen und Seeigeln auch Seesterne finden. Abgerundet wurde unser Tag zurück im Resort dann mit einer Einladung zu Lechon, ein Spanferkel, das der Bürgermeister extra für uns zubereiten ließ, und danach zum Karaoke, welches bei den Filipinos überaus beliebt ist.

Auftritt im Music Museum

Des Weiteren fanden unsere Theaterproben ihren Höhepunkt in der Aufführung im Music Museum. Nach einer Critic ́s Night und einem Auftritt in Cavite, einem Konvent der Salvatorianer in Tagaytay City, sowie weiteren etlichen Proben ging dann am 24. Februar unsere Hauptaufführung im wahrsten Sinne des Wortes über die Bühne. Wir trafen uns bereits am frühen Morgen zum Schminken und zum Kostüme anprobieren, am Nachmittag standen dann ein Durchlauf mit Kopfbügelmikrofonen und allem Drum und Dran auf dem Spiel, bevor ab 19 Uhr die Zuschauer den Saal betraten. Darunter befand sich ein ganz besonderer Gast, nämlich eine Dame, die schon bereits zweimal als „National Artist“ für Theater nominiert wurde. Gegen 20 Uhr begann dann die Aufführung, welche zu unserer vollen Zufriedenheit verlief. Angesichts der Zahl an verkauften Tickets ist davon auszugehen, dass auch der eigentliche Zweck, Spenden für die Organisation zu generieren, erfüllt ist.

Program evaluation in Nasugbu

Vergangene Woche reisten dann das gesamte Personal aus beiden Centern unter der Leitung von Sister Frances und Sister Mila nach Nasugbu zur „Program Evaluation“. Nach der Ankunft am Dienstag in einem sehr schönen und großen Wochenendhaus, das uns eine mit den Salvatorianern befreundete Familie zur Verfügung stellte, drehte es sich die darauffolgenden Tage um die einzelnen Programme von Puso sa Puso: Welche Ziele aus vorangegangenen Plänen wurden erreicht? Welche Neuerungen oder Veränderungen gab es? Wie sieht es mit Plänen für die Zukunft aus? Dabei wurde natürlich auch unser Programm, das „Basic Home Base Tutorial Programm“ unter dem Namen „Eskwelahan ng Buhay“, unter die Lupe genommen und wir konnten unsere Sicht auf die Dinge teilen. Zudem machten wir uns über „non measurable benefits“ Gedanken, also welche Vorteile die Teilnehmer der verschiedenen Programme von Puso sa Puso haben, die nicht beziffert und gemessen werden können.

Zwischen unseren Meetings blieb natürlich immer wieder Freiraum fürs Kochen und gemeinsame Essen, Entspannen oder am Strand oder im Pool schwimmen gehen. Am Donnerstagnachmittag machten wir uns dann wieder auf den Rückweg. Dieser führte uns über den Konvent der Salvatorianer in Cavite, in dem wir eingeladen waren, eine Nacht zu verbringen. Es war schön, mit den dortigen Patern und Schülern ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen. Am nächsten Morgen traten wir dann den letzten Teil unserer Rückreise an, der uns über einige schöne Aussichtsplätze und Attraktionen, wie zum Beispiel den People‘s park in the sky oder Sonya‘s Garden führten, bei denen wir dann jeweils einen kleinen Stopp einlegten. Eine ganz wichtige Station, die bei den Filipinos auf keiner Reise fehlen darf, war dann auch noch das „Pasalubong-Center“. Als „Pasalubong“ bezeichnet man ein Mitbringsel von seiner Reise für Freunde und Familie zuhause. Dies kann von lokalen Essensspezialitäten bis hin zu Schlüsselanhängern alles Mögliche sein.

Abgesehen von diesen außerplanmäßigen Aktivitäten nahm natürlich der Unterricht mit den Kindern ganz normal seinen Lauf. Diese machen weiterhin Schritt für Schritt ihre Fortschritte. Mit dem Alphabet sind wir schon ein ganzes Stück weiter. Ich versuche natürlich während meinen Stunden die bisherigen Inhalte immer wieder zu wiederholen. Auch in anderen Bereichen merke ich deutliche Veränderungen, beispielsweise ihr Verhalten gegenüber den anderen Schülern.

Zu erwähnen ist außerdem noch Lorenz, ein Besucher aus München, der drei Wochen hier auf den Philippinen weilte, um sich Puso sa Puso genauer anzuschauen. Zwei Wochen verbrachte er jetzt hier mit uns in Manila, bevor es für ihn für die Karwoche nach Cavite weiterging.

Kulturelle Unterschiede

Wie angesprochen behandelt dieser Rundbrief die kulturellen Unterschiede, über die wir uns bei unserem Zwischenseminar ausgetauscht haben. Was man sich da zunächst einmal bewusst machen muss, ist die Existenz der anderen Kultur und die damit verbundenen unterschiedlich geprägten Ansichten. Eine unserer Einheiten, die das wunderbar darstellte, lief folgendermaßen ab: Zwei telefonierende Freunde sollen sich anhand einer Karte einen Weg durch eine Stadt bahnen. Allerdings hat Freund A eine Karte mit Beschriftungen, Freund B eine Karte ohne Beschriftungen. Der Clou an der Geschichte war, dass die Karten spiegelverkehrt waren, sprich ein Gesprächspartner redet die ganze Zeit von etwas, was für den anderen nicht klar ersichtlich ist, weil es sich für ihn auf der anderen Seite der Karte befindet. Solange man das nicht realisiert hat, führt das zu sehr viel Verzweiflung und Aufregung und man beginnt, alles Mögliche, auch sich selbst, zu hinterfragen. Wenn man allerdings realisiert hat, was der Unterschied zwischen beiden Karten ist, lässt sich die Aufgabe recht schnell lösen. Im übertragenen Sinne bedeutet das also, dass man sich zunächst einmal darüber im Klaren sein muss, dass die Kultur vor Ort Unterschiede zur eigenen aufweist und man nicht von den gleichen Gegebenheiten ausgehen kann. Hat man dies erst einmal verstanden, so kann ein guter Austausch erfolgen. Wichtig ist allerdings, so unsere Betreuer, seine eigene Kultur nicht komplett für die andere aufzugeben, da so kein Austausch entstehen könne.

Ein prägender kultureller Unterschied ist zunächst einmal das Zeitgefühl: Wir, die Deutschen, getaktet wie ein Uhrwerk und stets um genaueste Pünktlichkeit bemüht, gegenüber den Filipinos mit ihrer „Philipino time“, welche bedeutet, dass der Treffpunkt nicht auf eine präzise Minute beschränkt ist, sondern diese Minute und außerdem noch weitere eineinhalb Stunden umfasst. Das sind jetzt natürlich nur übertriebene Stereotypen, es gibt selbstverständlich auch hier sehr pünktliche Leute und auch Deutsche wie mich, die bei Weitem nicht zu den Pünktlichsten gehören. Dennoch ist dieser Unterschied hier nicht zu vernachlässigen, gerade bei der Planung gewisser Events. Verstärkt wird dieser Faktor hier in Manila vermutlich noch durch die Verkehrssituation.

Einen weiteren Unterschied stellt der Umgang mit Konfliktsituationen dar: während sich die Deutschen ihren offenen Umgang und das direkte Ansprechen von Problemen und Differenzen geloben, halten die Filipinos sich eher an die indirekte Kommunikation. Ein Problem (oder auch Kritik) wird über eine andere Person mitgeteilt, die im Prinzip als Mittelsmann fungiert.

Des Weiteren nimmt bei Filipinos die Familie einen anderen Stellenwert ein, als wir es hier in Deutschland schon vielerorts gewohnt sind. Die Familie ist der zentrale Dreh- und Angelpunkt im Leben. Die Familie umfasst allerdings nicht nur die Geschwister, Eltern und Großeltern sondern alles bis hin zur Großtante und Großcousine.

Wie ich schon selbst erfahren habe, können derartige Unterschiede leicht zu Verwirrung oder Missverständnissen führen, helfen aber nichtsdestotrotz, die Kultur besser zu verstehen.

Für uns steht in der kommenden Karwoche jetzt auch erst einmal nichts mehr Schultechnisches auf dem Plan. Daher sind Simon und ich am Sonntagabend mit Peter losgezogen und haben uns auf eine weitere Reise begeben, von der ich dann in meinem nächsten Blogeintrag berichten kann. Ich hoffe, Ihr konntet schöne und erholsame Kar- und Ostertage mit euren Familien verbringen!

Viele Grüße aus Manila

Jakob

Erste Fortschritte sind sichtbar

Liebe Leserinnen und Leser,

zu Beginn dieses Artikels möchte ich mich erst einmal bei den zahlreichen Spendern bedanken, die das Projekt in Alenga bereits unterstützt haben!

Ich habe mich über die vielen Reaktionen auf meinen Zeitungsartikel und die Rundmail gefreut und am Ende ist tatsächlich so viel zusammengekommen, dass wir nun nicht nur die beiden kleinen Jungen, Timothy und Oscar, zu einer privaten Schule schicken konnten, sondern auch Paten für neun der Schülerinnen, die ich unterrichte, gefunden haben. Diese Patenschaften sind etwas ganz Besonderes und nehmen den Mädchen einige Sorgen, so dass sie sich in der Schule hoffentlich freier fühlen und ganz auf das Lernen konzentrieren können.

Eine Baustelle auf dem Schulgelände

Außerdem haben wir ausreichend Spenden bekommen, um mit dem Bau des Schlafsaals starten zu können. Direkt nach unserem Urlaub haben wir gemeinsam mit unserem Mentor, Father Stan, ein Gespräch mit dem Architekten geführt und alles in die Wege geleitet.

Inzwischen lassen sich die Baufortschritte wirklich sehen, so dass ich beschlossen habe, euch ein kleines Zwischenupdate zu geben:

Tatsächlich fehlt uns aber immer noch Geld für den Bau des Schlafsaals. Wir haben uns von vornherein für die etwas teurere Option entschieden, die eine Isolation des Gebäudes beinhaltet. Der jetzige Schlafraum hat keine ausreichenden Lüftungsmöglichkeiten und wenn knapp 60 Mädchen dort schlafen, kann man sich vorstellen, dass es wirklich unangenehm ist. Gerade in der Trockenzeit, die jetzt hinter uns liegt, bleibt es auch nachts so heiß, dass man im Sitzen anfängt zu schwitzen. Nun hat die Regenzeit begonnen, was nicht nur eine angenehme Auswirkung auf die Temperaturen zeigt, sondern auch die Natur ist endlich wieder grün und die Landwirtschaft kann beginnen.

Nun vom Wetterbericht wieder zurück zum Thema: Wir brauchen noch Spendengelder, zum einen, um die Isolation finanzieren zu können und zum anderen für die Innenausstattung des Saals: Stockbetten, Moskitonetze (momentan schlafen ca. die Hälfte der Mädchen ohne Netz) und andere kleine Anschaffungen.
Ich würde mich also sehr freuen, wenn unter meinen Leserinnen und Lesern noch jemand Lust hat zu spenden! Gerne darf das Projekt auch in Freundes-, Familien- oder Nachbarschaftskreise getragen werden.

Comboni-Missionare KöR, 73479 Ellwangen

IBAN: DE66 6145 0050 0110 6170 15

BIC: OASPDE6AXXX

Verwendungszweck: MaZ Margareta Berges (628) Alenga, Uganda

Bei Fragen oder Anregungen meldet euch einfach bei mir unter greta.berges[@]gmx.de.

Ich wurde nun schon häufig gefragt, ob das Geld denn wirklich bei mir ankommt etc.: Die Spende wird von der Missionsprokura in Deutschland vollständig und ohne Abzug nach Uganda überwiesen. Die Prokura der Comboni-Missionare in Uganda behält dann ca. 5% der Spende für sich als Bearbeitungsgebühr und um Arbeitskräfte zu bezahlen. Daraus folgt, dass 95% der Spende hier bei mir ankommen und direkt in den Schlafsaal fließen. Der Bau wird durch eine einheimische Firma aus unserem Nachbardorf Ibuje geleitet und organisiert, alle Arbeitskräfte stammen aus Alenga und Umgebung.

Noch kurz zu mir und zur Schule

Abgesehen vom äußerst professionellen Betrachten der Baustelle, was sich dank meiner Unkenntnis eher darauf beläuft oberkörperfreien Männern ein freundliches „Apwoyo tic“ (Danke für Ihre Arbeit) zuzurufen – keine Sorge, Father Stan kennt sich besser aus und hat ein Auge auf die Baustelle geworfen – geht es mir hier in Alenga nach wie vor richtig gut!
In der Schule stehen diese Woche schon die „Mid Term Exams“ an, was mir mal wieder gezeigt hat, dass die Zeit viel zu schnell vergeht. Klausur stellen und korrigieren, das macht mir am wenigsten Spaß an meiner Arbeit. Ja, dieses Jahr hilft mir tatsächlich auch Empathie für meine ehemaligen Lehrer zu entwickeln. Etwas spät zwar, aber für die Universität reicht es ja noch. 🙂

Ansonsten verbringe ich gerne Zeit in der Schule, egal, ob mit den Mädchen während des Unterrichts und in ihrer Freizeit, mit den Lehrern in den Pausen oder an der Nähmaschine. Als Freiwillige stehe ich etwas zwischen den Stühlen – schließlich bin ich kaum älter als die meisten Mädels und habe selbst gerade erst die Schule beendet, aber auf der anderen Seite stehe ich vormittags als Autoritätsperson vor der Klasse, ermahne störende Schülerinnen und vergebe Noten. Das ist nicht immer ganz leicht, aber ich habe mich gut eingefunden, versuche den Mittelweg zu finden und wurde von Sister Anne „senior woman teacher“ getauft, was das ganz genau bedeutet, habe ich aber noch nicht rausgefunden.

Am Sonntag, den 4. März, haben wir eine Einführungsparty für die neuen Erstklässler, die seit Februar bei uns sind, gefeiert. Es war ein schönes Fest mit kurzen Reden, viel Tanz, Musik und leckerem Essen, das wir zuvor alle gemeinsam gekocht hatten. Ich habe den Tag mit den Mädchen sehr genossen. Besonders lustig war es, als sie Fotos auf meinem Handy angeschaut haben und mich in Hot Pans und Top irgendwo in Berlin gesehen haben. Danach haben sie mich detailliert zum deutschen Kleidungsstil ausgefragt und ich musste viel lachen. Inzwischen habe ich mich schon so an meine knielangen Röcke gewöhnt, dass selbst ich kurz aufschrecke, wenn ich ein Foto von mir in Hot Pans sehe. Penina, ein besonders aufgewecktes Mädchen, hat mich direkt mal gefragt, ob sie meine Hot Pans haben könne. Sie würde dann nach Entebbe an den Strand fahren und sie dort tragen.

Ihr Lieben, vielen Dank für euer Interesse, eure Unterstützung und alle lieben Nachrichten, die ich hier empfange.

Ganz liebe Grüße aus dem wunderschönen Alenga,

eure Greta

Neue Orte, neue Geschichten: unser Urlaub

Mambo !

Heute möchten wir euch von den Erlebnissen erzählen, die wir während unserer Reise von Ende Dezember bis Anfang Februar sammeln durften.

Am 28. Dezember ging es mit dem Bus aus Alenga nach Kampala los. Das war direkt ein nervenaufreibendes Spektakel für unsere deutschen Herzen:
In Alenga hatte der Bus eine Stunde Verspätung und wir hatten uns schon fast darauf eingestellt, dass wir erst am nächsten Tag fahren werden, als er dann doch noch kam und uns sechs Stunden später im New Taxi Park Kampalas absetzte. Wir waren ziemlich mit Gepäck beladen und wollten nun eins der sehr günstigen öffentlichen Taxis (zugelassen auf 14 Personen, beladen stets mit mehr) in die Richtung unserer Unterkunft bei den Combonis nehmen. Dafür muss man in Kampala in den Old Taxi Park. Da wir uns mit dem Weg nicht ganz sicher waren, fragten wir unseren Busfahrer um Hilfe. Dieser schickte uns mit seinem Freund los. Auf dem Weg beobachteten wir, wie ein Mann einen auf dem Boden schlafenden Mann ausraubte. Er durchsuchte vor den Augen aller seine Taschen und niemand unternahm etwas dagegen, auch wir waren nicht mutig genug. Außerdem öffneten im Gedränge zwischen vielen Menschen, hupenden Autos, Verkaufsständen und aufdringlichen Verkäufern einige Männer unsere Rucksäcke und zogen uns an ihnen zurück. Passiert ist uns aber zum Glück nichts und wir kamen  heil bei den Combonis an. Fest steht, dass Kampala eine anstrengende und überfordernde Großstadt sein kann, wenn man sich nicht gut genug auskennt.

Erster Stop: Entebbe

Silvester verbrachten wir in der am Viktoriasee gelegenen Stadt Entebbe. Dort fanden wir durch unser Hotel schnell einen ugandischen Freund, der Lust hatte mit uns in den nächsten Tagen die Stadt zu erkunden, uns Orte zu zeigen und mit uns ins neue Jahr zu feiern. Also trafen wir uns mit einigen seiner Freunde in einem wirklich coolen Club und es wurde eine lustige Tanznacht. Leider wurde Francesca kurz vor Schluss das Handy geklaut, wie es eben auch so oft in Deutschland im Club passiert.

Dennoch verbrachten wir sehr schöne Tage in Entebbe, besuchten die Botanical Gardens, die Ankunftsstelle der ersten katholischen Missionare in Uganda und das Wildlife Education Centre (WEC). Das WEC ist dafür gedacht, dass einheimische Familien, die sich die hohen Nationalparkgebühren nicht leisten können, auch in Kontakt mit der Tiervielfalt ihres Landes kommen. Leider sind die Gehege, insbesondere für Löwen, Geparden und Schlangen, viel zu klein und nicht sehr gut gepflegt, also taucht hier die Problematik vieler Zoos auf.

Außerdem fuhren wir an den Strand, wo uns sofort die Unterschiede zwischen ländlicher Gegend und der Stadt auffielen. Während in Alenga jede Frau sehr darauf bedacht ist, ihre Knie nicht zu zeigen, sahen wir in Entebbe und gerade am Strand viele Uganderinnen mit kurzen Röcken, Tops und Bikinis. Da merkten wir so richtig, wie uns unsere Umgebung prägt, so viel freie Haut hat uns erstmal geschockt.

An unserem letzten Tag dort machten wir einen Tagesauflug nach Jinja. Jinja ist die zweitgrößte Stadt Ugandas, in der auch viele Menschen indischer Herkunft wohnen. Dort bewunderten wir den Nilursprung und den riesigen Markt im Zentrum der Stadt, auf dem es eine unfassbare Auswahl an Obst, Gemüse und Gewürzen gibt.

Ugandas paradiesische Süßwasser Karibik: Die Ssese-Inseln

Wir verbrachten sechs wunderbar entspannte Tage auf der Hauptinsel der aus 84 Inseln bestehenden Inselgruppe. Wir nutzen die Zeit für Tage am Strand, Spaziergänge durch die Stadt, eine Besichtigung der Höhle des Buganda-Königs, eine aufregende Waldwanderung auf eigene Faust an einen einsamen Strand und eine Bootsfahrt zur „Virgin Island“. Dort sahen wir aus einigen Metern Entfernung ein Krokodil, viele bunte und interessante Vögel und auch sonst beeindruckte uns die unangerührte Flora und Fauna sehr.

Außerdem entschieden wir uns auch für eine Fahrradtour. Dafür liehen wir uns die Mountainbikes eines Freundes, die vielversprechender aussahen als sie waren, und eine grobe Karte der Insel, auf der wir den westlichsten Punkt der Insel als unser Ziel entdeckten. Dort angekommen sind wir leider nie… Erst mühten wir uns einige Stunden auf den Bergen der Insel ab und dann verloren wir den Weg komplett und machten einen kurzen Abstecher in den dichtbewachsenen Palmenwald. Dort überkam uns auch eine Schreckminute, als ein großes Tier direkt neben uns von einer Palme sprang, weshalb wir uns fix wieder auf die Räder schwangen und auf den Rückweg begaben.

Auf dem Weg zurück kamen wir bei „Bery´s Place“ vorbei. Dort nimmt ein deutsch-belgischer Krankenpfleger junge Mädchen zwischen 5 und 22 Jahren auf, die beispielsweise AIDS- Waisen oder Opfer von häuslicher Gewalt oder Missbrauch geworden sind. Die HIV- Rate auf den Ssese- Inseln ist erschreckend hoch, ca. 38 Prozent sind laut Studie positiv und nach Berys Vermutungen liegt die Dunkelziffer bei 50 Prozent. Er hat sich zur Aufgabe gemacht, die Mädchen über ihre Rechte aufzuklären, ihnen Bildung zu ermöglichen und auch eine psychologische Betreuung anzubieten. Das Projekt ist sein Lebenswerk und finanziert sich über Sponsoren aus dem Ausland. Uns hat das Projekt und das Gelände direkt am Viktoriasee sehr beeindruckt und inspiriert und durch einige Gespräche mit den Mädchen konnten wir merken, dass auch ihnen das Heim gefällt und sie die Schule genießen und verschiedene Zukunftsträume haben. Wer Interesse an dem Projekt gefunden hat, kann sich auf Berys Website unter www.BerysPlace.org informieren oder ihm eine E-mail an b.glaser@skynet.be schreiben.

Zu Besuch bei Peter: Katende

Auf dem Weg von den Ssese-Inseln nach Kampala blieben wir für eine Nacht bei Peter, einem anderen weltwärts-Freiwilligen, den wir schon während der Vorbereitung in Deutschland kennengelernt hatten.

Er lebt in Katende, einer Kleinstadt im Süden Kampalas, gemeinsam mit einigen Priestern und unterrichtet dort in verschiedenen Schulen Mathematik, Informatik und Deutsch. Uns fiel direkt ein großer Unterschied zu unserem Umfeld auf: Die Schulen Katendes sind teure Privatschulen und eine der Secondary Schools gehört zu den besten 15 Schulen Ugandas. Das Gelände dieser Secondary School war größer, gepflegter und moderner als meine Schule zu Hause. Auf dem Grundstück sahen wir überall Mottos und Denkanstöße für die SchülerInnen, wie zum Beispiel „Keep being a virgin.“(„bleibe Jungfrau“), aber auch „Everyone is equal.“(„Jeder ist gleich“).

Außerdem merkten wir im Austausch mit Peter und den Menschen aus seinem Umfeld auch, dass zwischen dem Süden und Norden Ugandas viele Unterschiede bestehen. Dies sieht man beispielsweise an der Infrastruktur, die im Süden deutlich besser ausgebaut ist. In der Umgebung Kampalas sind weitestgehend alle Straßen geteert und selbst in den kleinen Dörfern besteht eine gute Taxianbindung. Dadurch, dass es im wirtschaftlich starken Süden mehr und bessere Arbeitsplätze gibt, hat ein größerer Teil der Bevölkerung einen festen Job, was auch im äußeren Erscheinungsbild zu erkennen ist, weil z.B. mehr Frauen im Salon gemachte Frisuren aus Kunsthaar haben. In Alenga und Umgebung hingegen leben viele Menschen von Subsistenzwirtschaft und haben keine festen Arbeitsstellen.
Wir verbrachten einen schönen Abend mit Peter und einigen der Priester in einer der zahlreichen Bars Katendes und genossen es, die Möglichkeit zu haben am Abend ausgehen zu können, da das für uns in Alenga so nicht möglich ist.

Next Stop: Tansania

Am Ende einer anstrengenden und nervenaufreibenden 36-stündigen Busfahrt durch einen Großteil von Tansania, auf der maximal fünfminütige Toilettenpausen eingelegt wurden, fielen wir in Dar Es Salaam unseren Freundinnen Philo und Iris in die Arme. Gemeinsam verbrachten wir zwei schöne Tage in Dar Es Salaam. Die Stadt liegt wunderbar am Indischen Ozean und von ihrer Lage profitiert auch die Wirtschaft der Stadt. Ein ganz anderes Großstadtbild zeichnet sich hier ab, als wir es von Kampala gewöhnt sind.

Wir erkundeten unter anderem den riesigen Fischmarkt und stellten uns ein leckeres Picknick zusammen, was wir dann wirklich völlig aus Versehen auf der Polizeimarinestation genossen, auf der Suche nach einem schönen Plätzchen mit Ausblick aufs Meer. Dank unseres überragenden Charmes, Philos und Iris sehr guten Kisuaheli Kenntnissen und eines Mandasis durften wir dann tatsächlich unser Picknick dort zu Ende genießen. Die diensthabenden Polizisten hat der Anblick vier weißer Mädels, die Fisch, Früchte und andere Leckereien verschlingen, offenbar sehr erheitert.

Wo wir aus dem Staunen nicht mehr herauskamen: Sansibar

Zu viert wollten wir uns einige Tage Urlaub auf der Trauminsel Sansibar gönnen. Schon bei der Fährüberfahrt von Dar Es Salaam aus waren wir völlig im Urlaubsglück angekommen und der Wind des indischen Ozeans wehte so richtig durch unser Haar.

Nungwi

Unser erstes Ziel war Nungwi, ganz im Norden der Insel, wo wir uns eine ganz schöne Unterkunft direkt am Strand ausgesucht hatten. Sofort verliebten wir uns in den weitläufigen Strand und das türkisfarbene Meer unter strahlend blauem Himmel. Wie herrlich war es, endlich wieder schwimmen zu gehen, schließlich war das auf den Ssese-Inseln wegen der hohen Bilharziosegefahr im Viktoriasee nicht möglich gewesen.

Doch der Kulturschock holte uns schnell ein: Greta und ich sind es gewöhnt, stets die einzigen Weißen zu sein und davon kann man auf Sansibar wohl kaum sprechen. Überall Touristen und wir mittendrin, jetzt eben auch als Touristen. Wir mussten uns erstmal daran gewöhnen, dass man jetzt auf Deutsch nicht mehr sagen kann was man will, denn die Gefahr, dass es jemand versteht, war ja akut gestiegen. Doch der Schock war schnell überwunden, schließlich waren wir ja auch als Urlauber dort.

Besonderes Highlight in Nungwi war unsere Schnorcheltour nach Memba Island. Die Fahrt mit einem Holzsegelboot war ziemlich stürmisch, so dass doch glatt ein Drittel der Besatzung seekrank wurde. Leider gehörte ich auch dazu, aber mir ging es schnell wieder besser. Trotzdem genossen alle das Schnorcheln sehr: Bunte und vielfältige Fischarten in Korallenriffen, Wasserpflanzen und vieles mehr. Die Krönung war das anschließende Barbecue, was wir auf dem Dach des Schiffes genossen. Es gab Thunfisch, Chapati, Salat und Obst zum satt essen. Wirklich lecker! Die Heimfahrt verlief dann zum Glück auch etwas ruhiger, sodass niemandem mehr übel wurde und alle die Sonne und den Wind des Meeres genossen.
Generell war es für uns alle ein wirkliches Highlight in dieser Woche wieder europäisch essen zu können. Leider auch zu europäischen Preisen, aber Pizza, Pasta, Fisch und Eis genossen wir trotzdem.

Kulturen prallen aufeinander: Stone Town

Zum Abschluss unserer Tage auf Sansibar verbrachten wir auch noch zwei Nächte in der historisch geprägten Hauptstadt. Zuerst machten wir eine Stadttour, bei der wir die Beeinflussung der Architektur durch Araber, Inder und Sansibaris bewundern konnten. Typisch für Stone Town sind die verschiedenen Türstile der Gebäude und die engen, verschlungenen Gassen, die man ansonsten in Ostafrika nicht sieht. Außerdem hatten wir die Chance, den alten Sklavenmarkt der Stadt und das zugehörige Museum zu besichtigen. Das war zutiefst bedrückend, aber auch sehr interessant. Die Anglikanische Kathedrale wurde 1873-1880 von der „Universities Mission“ des bekannten David Livingstone und dem britischen Bischof Edward Steere auf dem früheren Sklavenmarkt erbaut. Als David Livingstone 1856 nach Sansibar kam, begann er politischen Druck auf den Sultan auszuüben, der den Sklavenhandel am 06. Juni 1873 endgültig verbot. Am Standplatz des Altars soll früher der Baum gestanden haben, an dem die Sklaven zum Verkauf angekettet wurden. In den Kellergebäuden besichtigten wir die Räume, in denen ca. 75 Sklaven auf engstem Raum bis zu ihrem Verkauf einquartiert wurden.

Wir sahen außerdem das bekannte House of Wonders (Weltkulturerbe), das das erste Haus in Ostafrika mit Elektrizität und fließendem Wasser war, den Arabischen Fort, den Sultanspalast und die Old Dispensary. Stone Town ist eine kulturell und historisch sehr beeindruckende Stadt und auf jeden Fall eine Reise wert.

Abends lockte es uns auf die beliebten Forodhani Gardens der Stadt, auf denen es alle möglichen Leckereien wie frischen Fisch, sansibarische Pizza, Eintopf und frischgepresste Säfte mit Kokosnuss, Passionsfrucht und Drachenfrucht gibt.
Kurz vor der Abreise machten wir noch das typische Touriangebot mit: Die Spice-Tour. Durch den Einfluss der Araber und Inder ist Sansibar ein Paradies der Gewürze. So bewunderten wir z.B. Vanille-, Zimt-, Pfeffer-, Ingwer-, Muskatnuss-, Kümmel- und Nelkenpflanzen. Wir durften auch alles probieren und zum krönenden Abschluss gab es frischgepflückte Kokosnuss und Prinzessinnenausstattung aus Blättern.

Zu Besuch bei Philo und Iris: Mkuranga

Natürlich wollten Greta und ich auch die Einsatzstelle unserer Freundinnen besuchen und gingen mit ihnen an ihre Arbeitsplätze. Während Iris in einem Kindergarten unterrichtet, arbeitet Philomena in der örtlichen Krankenstation. Die beiden scheinen auch sehr gut in ihrer Einsatzstelle angekommen zu sein und es hat uns viel Spaß gemacht, im Kindergarten für gute Laune und Unterhaltung zu sorgen. Es fiel uns schwer zu sehen, wie hart die Kinder aus erzieherischen Maßnahmen auf Hand und Schulter geschlagen werden und, dass dies zum Alltag gehört, genau wie das vom Lehrer angeleitete Ausbuhen von Kindern durch ihre Mitschüler.
Wir hatten eine wunderbare Zeit zu viert und es war toll, so eine intensive Möglichkeit zum Austausch zu haben. Gerne könnt ihr auch ihren Blog hier auf der Website lesen.

Zwischenseminar in Nairobi

Dieser Austausch ging beim Zwischenseminar weiter. Gemeinsam mit 17 weiteren Freiwilligen aus Uganda und Kenia verbrachten wir eine Woche  in Nairobi. Wir wohnten im Luxusviertel Nairobis bei Benediktinerschwestern und waren überwältigt von den riesigen Villen, der nahegelegenen Shoppingmall und den Bewohner dieses Viertels, schließlich sind wir als Freiwillige in ganz anderen Verhältnissen der Einsatzländer untergebracht. Kurz hatten wir einen Kulturschock, denn es hat sich angefühlt als hätte uns jemand in ein Flugzeug in die USA gesetzt.

Während des Seminars hatten wir die Chance, die bisherigen sechs Monate zu reflektieren, viele wichtige Themen wie z.B. globale Ungerechtigkeit, Gewalt in der Erziehung, politische Situationen der Einsatzländer oder Geschlechterrollen zu diskutieren und auch einen Ausblick auf unsere kommende Zeit hier zu werfen. Diese Gespräche haben uns sehr dabei geholfen, sich an den Sinn des Dienstes zu erinnern und wichtige Informationen aus der Vorbereitung wieder ins Gedächtnis zu rufen. Beispielsweise das Respektieren der Kultur mit gleichzeitigem Austausch über unsere Kulturkreise ohne etwas der deutschen Standards aufzwingen zu wollen. Greta und mir fällt das gerade in Bezug auf die vor Männern knienden Frauen in Alenga sehr schwer. Für uns wirkt es wie eine Erniedrigung der Frau, hier ist es ein Zeichen von Respekt und tief in der Kultur verwurzelt.
Bei diesen komplexen Themen brachen oft kontroverse Diskussionen aus, an denen man merken konnte, dass es nicht leicht ist, sich eine eindeutige Meinung zu bilden, da es viele verschiedene Blickwinkel gibt.

Am letzten Abend feierten wir noch alle gemeinsam in meinen 20. Geburtstag rein, während wir am Tag meines Geburtstags leider den ganzen Tag im Bus saßen auf dem Rückweg nach Kampala.

Zurück in der Heimat

Seit vergangenem Samstag sind wir wieder in unserer neuen Heimat Alenga. Es war wunderbar, hier die vertrauten Gesichter wiederzutreffen, neue Schülerinnen kennenzulernen und wieder im Alltag anzukommen. Inzwischen ist es schon fast als wären wir gar nicht weg gewesen, auch wenn wir unsere Langokenntnisse wieder etwas auffrischen müssen.
Wir können gar nicht fassen, dass schon die Hälfte unseres Einsatzes vorbei ist, die Zeit rast!!! Die kommenden sechs Monate werden wir in vollen Zügen genießen und freuen uns auch schon auf das Osterfest in Alenga und den Besuch unserer Eltern im Mai.

Ausblick auf einen neuen Schlafsaal

Zurück in der neuen Heimat bedeutet auch zurück im Projekt: Jetzt beginnen wir mit dem Bau des neuen Schlafsaals für die Mädchen und möchten uns bei allen Spendern herzlich bedanken. Gerne darf, wer möchte, auch jetzt noch für den Schlafsaal und seine Ausstattung spenden. Wir freuen uns sehr über euer Interesse und eure Unterstützung.

Comboni-Missionare KöR, 73479 Ellwangen

IBAN: DE66 6145 0050 0110 6170 15

BIC: OASPDE6AXXX

Verwendungszweck: MaZ Francesca Cyris (631) Alenga, Uganda

Ich melde mich bald wieder und freue mich auch von euch zu hören!

Ganz liebe und gut erholte Grüße
Eure Francesca

 

Sicherheit (#4)

Hallo zusammen,

Inzwischen schreiben wir schon das Jahr 2018 und, wie sollte es anders sein, es hat sich schon wieder so einiges ereignet.

Nachdem wir unseren Marathon an Weihnachtsfeiern erfolgreich absolviert hatten, hatten wir die Woche vor Weihnachten ab dem 20. Dezember bis hin zum 2. Januar frei. Heilig Abend und den ersten Weihnachtsfeiertag haben wir noch in New Manila verbracht. Am 24. Dezember abends haben wir nach der Kirche zusammen Kässpätzle gekocht und deutsches Bier getrunken. Anschließend haben wir noch eine kleine Bescherung gehabt und den Abend gemeinsam mit einem Freund, der noch zu einem kurzen Besuch vorbeikam, ausklingen lassen. Am 25. Dezember bereiteten wir uns am Vormittag ein paar schöne Schnitzel mit Kartoffelsalat zu. Die Schnitzel waren sehr lecker, der Kartoffelsalat in Ordnung, aber auch noch ausbaufähig. Wir haben dann eben doch nicht so viel Erfahrung wie unsere Mamas und Omas… Den Abend des 25. Dezembers haben wir dann noch mit einer kräftigen Brotzeit abgeschlossen, die wir dank einiger Wurst, die ich aus dem Ries noch hatte und welche zu viel für die Gastgeschenke war, in vollen Zügen genießen konnten. Mit von der Partie war unser Freund Peter, mit dem wir uns noch am selben Abend auf die Reise begaben.

Alles in Allem hatte ich mir Weihnachten ohne meine Familie viel schlimmer vorgestellt, aber mit Moritz und Simon habe ich doch ein ganz schönes Fest gehabt. Vielleicht liegt das auch daran, das es einige Dinge gab, welche an die bisherigen Weihnachtsfeste erinnert haben: wie jedes Jahr habe ich wieder viel zu viel gegessen und war nach jedem Mahl einfach nur babbsatt, das Essen und das Bier waren deutsch, was vielleicht noch viel mehr an Weihnachten zu Hause erinnert hat.

Wie bereits gesagt zogen wir noch direkt am Abend des 25. Dezembers los und kamen noch vor dem Morgengrauen des 26. Dezembers in Alaminos in der Nähe von den Hundred Islands in der Provinz Pangasinan an. Wir verbrachten die Tage dort gemeinsam mit Jan, einem deutschen Freund von Peter, bei Peters Tante. Wir sind in der gemeinsamen Zeit dort immer zusammen auf dem Markt zum Einkaufen gegangen und haben viel zusammen gekocht. Für einen Tag sind wir in der Nähe zu einem sehr idyllischen und wahnsinnig schönen Wasserfall gefahren. Das Wasser dort hat mich wegen der Farbe ganz stark an die Plitvicer Seen erinnert, auch die Umgebung war etwas ähnlich. Wir konnten dort baden und einige Zeit an diesem schönen Ort verweilen, bevor es wieder zurück nach Alaminos ging.

Am nächsten Morgen machten wir uns schon sehr früh daran, zu kochen und das Essen einzupacken, denn es sollte schon bald losgehen in den Hafen und von dort weiter zum Islandhopping bei den Hundred Islands. Die Hundred Islands sind ein großer Nationalpark und umfassen ein riesiges Areal von vielen vielen Inseln in unterschiedlichster Form und Ausprägung. Einige der Inseln sind noch so gut wie unberührt, wohingegen andere schon einige Häuser und Dinge wie eine Seilbahn haben, welches den Touristen dient. Mit unserem Bootsmann, der uns über den Tag begleitete und von Insel zu Insel brachte, haben wir auch zunächst zwei Inseln dieser Art besucht, welche wirklich sehr schön, aber von sehr vielen Leuten frequentiert waren. Auf einer konnten wir auf einen kleinen Berg laufen, von welchem sich uns ein wirklich guter Blick auf die wahnsinnig schöne Umgebung bot. Auf einer der Inseln, welche wir bei unserer Fahrt passierten, stand eine riesige Jesus-Statue aus Stein, ähnlich wie die in Rio de Janeiro. Andere Inseln, so erklärte uns Peter, werden aufgrund ihrer Gestalt von den Leuten mit Tieren wie beispielsweise einer Schildkröte verglichen. Die letzte Insel, die wir aufsuchten, war fernab von den vielen Leuten und wir hatten sie fast komplett für uns allein, so war es auch mit Abstand die beste von allen. Das Wasser dort war wahnsinnig klar und der Strand sehr schön. Auf der einen Seite der Insel waren hohe, bewachsene Felsen, auf denen man ein wenig herum klettern konnte. In der Mitte hatte sich das Wasser einen Weg durch die Felsen gebahnt und lief zu einem flachen, etwas größeren Teich in der Mitte zusammen. Die komplette Insel war von sehr flachem Wasser umgeben, was zum Schnorcheln fast schon wieder zu flach, aber nicht weniger schön war. Wir konnten wieder eine tolle Unterwasserwelt sehen und einige schöne Fische bewundern. Simon konnte außerdem schmerzhafte Bekanntschaft mit einem Seeigel machen, eine dauerhafte Freundschaft wurde daraus aber nicht.

Wir haben dort dann den kompletten restlichen Tag mit Essen, Trinken, Klettern, Schnorcheln und Nichtstun verbracht, bis wir uns dann gegen 17:00 Uhr wieder auf den Rückweg machten. Theoretisch hätten wir auch auf einer der Inseln übernachten können, allerdings darf man dann kein Lagerfeuer machen und außerdem zog es Jan am nächsten Tag in aller Früh schon weiter in die Berge, weshalb wir uns dann doch dagegen entschieden. Im Nachhinein dann vielleicht doch ganz gut, denn von Teacher Althea aus dem Konvent in Loyola erfuhr ich einige Zeit später, dass die Inseln des Nachts ganz gerne von Ratten aufgesucht werden.

Von Alaminos ging es am nächsten Tag auch schon wieder weiter nach La Union. Die ca. 130 Kilometer zogen sich in verschiedenen Bussen ganze sieben Stunden, was etwas nervig war. Wir kamen dann gegen 16:30 in der kleinen Ferienwohnung in La Union, genauer gesagt San Juan, an. In dieser Wohnung hatten wir eine kleine Terrasse mit Blick auf das Meer, was wirklich wunderbar war. La Union ist besonders bei Surfern beliebt, da die Gegend bekannt ist für gute Wellen.

Wir machten uns nach unserer Ankunft erst mal auf nach San Fernando, die nächstgrößere Stadt, um dort einzukaufen. Da die Jeepneys alle voll besetzt waren, fuhren wir per Anhalter auf der Ladefläche eines kleinen Trucks mit. Nach dem Einkauf und dem anschließenden Abendessen ließen wir den Abend und die Nacht noch in einer Bar am Strand ausklingen. Im Laufe der nächsten Tage kamen noch weitere Freunde aus Manila, die zum Teil das neue Jahr mit uns in La Union am Strand verbrachten.

Den nächsten Tag verbrachten wir am Strand und dort konnten wir uns auch erstmals am Surfen probieren. Wie so viele Dinge auf der Welt ist das eine Sache, die viel einfacher und lässiger aussieht, als es wirklich ist. Das beginnt schon damit, die richtige Welle und dann auch noch das richtige Timing zu finden. Alles nicht so einfach, aber ich möchte da auf jeden Fall dran bleiben, wenn es geht.

Am Silvesterabend machten wir uns nach dem gemeinsamen Essen wieder auf an den Strand in die Bar und verbrachten dann die ersten Sekunden des neuen Jahres im Wasser, von wo aus wir ein schönes Feuerwerk bewundern konnten. Nach Mitternacht wurden dann am Strand einige Lagerfeuer angezündet, um die sich viele Menschen versammelten. Der Start ins neue Jahr war dieses Jahr ein ganzes Stück anders, als ich es sonst so gewohnt war, am Strand aber auch wirklich cool.

Am Abend des 1. Januars haben wir uns dann auch schon wieder auf den Rückweg gemacht, was recht flott ging und nach fünf Stunden Fahrt waren wir dann schon wieder in Manila.

Für uns und unsere Kids ging es am 3. Januar dann schon wieder mit dem Unterricht los. Ich habe jetzt angefangen, mit meinen Schülern die ersten Buchstaben des ABCs zu schreiben, was eigentlich schon ganz gut klappt. Auch wenn die Stunden manchmal doch sehr durchwachsen waren, denke ich, dass die Kinder schon einige Fortschritte gemacht haben.

Des Weiteren steht unser Theaterstück „A Midsummernight‘s Dream“ kurz vor seiner Premiere. Um für die letzten Details noch einmal einen Blick von Außenstehenden zu bekommen, wurde vergangenes Wochenende zur sogenannten „Critics night“ ins Konvent geladen. Es kam beispielsweise die Frau, die das Stück adaptiert hat, einige Mitarbeiter von Puso sa Puso und Mitglieder der Salvatorianer sowie einige externe Gäste. Unter der Woche hatten schon 15 Schüler aus Payatas die Möglichkeit, an einem Praktikum teilzunehmen, dass ihnen einen Einblick in die Erstellung von Bühnenbild und Requisiten sowie den Ablauf hinter den Kulissen des Stücks gab, bei dem dann in diesem Zuge die benötigten Dinge für unser Stück hergestellt beziehungsweise die Abläufe geübt wurden.

Diesen Freitag fand dann im Konvent in Loyola noch das „feast of languages“ (zu Deutsch: Fest der Sprachen) statt. Hierbei wurden die Länder Dänemark, Indonesien, Sri Lanka, East Timor, Kenia sowie die Philippinen genauer unter die Lupe genommen, was jene Länder und ihre Sprache(n) anbelangt. Die Vorträge wurden von Teacher Althea, welcher sieben Jahre in Dänemark gelebt hat, salvatorianischen Priestern aus Kenia sowie den Englisch-Schülern in Loyola, die aus genannten Ländern in Südostasien stammen, vorbereitet. Auch wir wurden eingeladen und konnten einen Einblick zu Deutschland und seiner Sprache geben.

Was in der Reihe über den Alltag in Manila auch nicht fehlen darf und was einen immensen Unterschied zu Deutschland darstellt, ist der Aspekt der Sicherheit. Hier in Manila steht vor jeder Bank, jedem Supermarkt, jeder Mall, jeder Bahnstation und vielen anderen Geschäften eine Sicherheitsbeamte oder ein Sicherheitsbeamter, der die Leute kontrolliert. Dafür werden meist die Hüften und der Bauch ein wenig abgetastet, wenn man einen Rucksack oder eine Tasche dabei hat, muss man diese öffnen, damit die BeamtInnen den Inhalt mit einem Stock etwas durchgehen können. Bei den Kontrollen vor dem Zug, dem LRT, mussten wir auch schon Geschenke, die wir eingepackt für die Weihnachtsfeier dabei hatten, auspacken und konnten diese dann nach der Kontrolle wieder dort einpacken. Die Sicherheitskräfte sind mindestens mit einem Knüppel, in der Regel aber mit einer Pistole wenn nicht sogar in einigen Fällen mit schwererem Geschütz wie einem Maschinengewehr oder einer Pumpgun bewaffnet. Wie viel Sinn die Kontrollen durch dieses Personal wirklich ergeben, ist die Frage. Allerdings kann man auf jeden Fall festhalten, dass der Sicherheitssektor einen nicht unbedeutenden Wirtschaftsteil darstellt. Dies manifestiert sich auch in den sogenannten Gated communities. Das sind Siedlungen, die Tag und Nacht von Sicherheitspersonal überwacht werden und in denen gerade die reichere Bevölkerungsschicht lebt.

Des Weiteren sieht man auch im Straßenverkehr häufig gepanzerte Fahrzeuge, die Geld für Geschäfte und Banken von A nach B transportieren. Hin und wieder habe ich auch schon Fahrzeuge der Armee in der Stadt herumfahren sehen.

Generell gewöhnt man sich an dieses Bild eigentlich doch recht schnell. In Deutschland habe ich mich eigentlich eher immer unsicherer gefühlt, wenn beispielsweise bewaffnete Polizisten an einem größeren Bahnhof gesehen habe, weil ich mir gedacht habe: Ei, da muss doch was im Busch sein, die laufen doch hier nicht einfach so umher. Hier ist es inzwischen völlig normal und ich fühle mich nicht wirklich unsicherer deswegen, was ich mich in den Gegenden, in denen ich mich hier in der Metro Manila bewege, eigentlich sowieso nie tue.

Für Moritz, Simon und mich geht es jetzt dann erst mal zum Zwischenseminar auf die Insel Negros in die Nähe der Stadt Dumaguete City.

Viele Grüße aus Manila

Jakob

Nach Weihnachten und Neujahr…

Jetzt melde ich mich wieder, um etwas über die letzten Wochen und auch die Weihnachtszeit zu berichten!

Durch die Wintermonate ohne dicke Jacke, Mütze und Handschuhe – stattdessen T-Shirt, Shorts und Flip-Flops.

Das beschreibt eigentlich schon ganz gut, wie die Weihnachtsferien hier verbracht wurden, zunächst möchte ich allerdings noch von einem Event berichten, das noch vor der Weihnachtspause an meiner Arbeitsstelle in Payatas stattgefunden hat: nämlich die Christmasparty mit unseren Kids.

Zusammen mit den Lehrern aus Payatas und Herrn Mayer konnten wir  über 60 unserer Schüler einladen, um gemeinsam das sich zu Ende neigende (Schul-)Jahr zu beenden. Bevor es die Geschenke und eines der Lieblingsgerichte der meisten Kinder (Hühnchen und Spaghetti im Filipino Style) gab, hatten sie eine Menge Spaß an verschiedenen Spielen, welche auf sieben Stationen verteilt wurden. Ich habe davor noch nie alle meine Kindergruppen auf einem Haufen erlebt und hätte ehrlich gesagt eigentlich ein ziemliches Chaos erwartet, aber entgegen meinen Erwartungen verlief alles relativ geordnet.

Die Hauptsache: die Kids hatten viel Spaß und haben sich sehr über Essen und Geschenke gefreut, auch wenn viele nach den Spielestationen schon ziemlich erschöpft wirkten – eigentlich überhaupt kein Wunder bei diesen Temperaturen!

Insgesamt bin ich in den letzten Monaten sicherlich auf mindestens fünf Weihnachtsfeiern gewesen, und das schon bevor das tatsächliche Weihnachtsfest gefeiert wurde – diese Tasache unterstreicht ein weiteres Mal, welch hohe Bedeutung Weihnachten und andere Feste, bei denen die Familie im Zentrum stehen, nach wie vor haben.

Nachdem die Vielzahl an Festen „überstanden“ war, machten wir uns gemeinsam mit einer Gruppe philippinischer Freunde auf den Weg nach Alaminos City, um dort die bekannte Inselgruppe „100 Islands“ zu besichtigen.

Die Bilder sagen an sich wirklich schon genug: atemberaubende Landschaft, tolles Wetter…aaaahh.

Von den 100 Islands ging es dann über Neujahr weiter nach San Juan, La Union, einem bekannten Surfer Spot. Dort wurde dann direkt auch etwas gesurft, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Verletzungstechnisch hatte ich allerdings Glück!

Dank dem el Union Cafe dort kam ich auch endlich in den Genuss des besten Kaffees, den ich seit meiner Ausreise gefunden habe… es besteht also doch noch Hoffnung.

Liebe Grüße und (verspätet :D) ein frohes neues Jahr euch allen!

euer Mo

 

 

Traditionen hautnah erleben: Hochzeit!

Hallihallo,

heute erwartet euch ein spannender Bericht über meine Erlebnisse bei einer traditionellen ugandischen Hochzeit:

Am dritten Advent waren Greta und ich bei Jasper, dem Chef der Krankenstation, und seiner Verlobten Martha zur traditionellen Hochzeit eingeladen. Diese dient der offiziellen Vorstellung des Mannes bei den Eltern der zukünftigen Ehefrau.
Für Hochzeiten suchen alle ihre schönsten Gomas (traditionelle Kleider) oder Kleider heraus und auch wir zogen unsere nagelneuen Kleider aus Lira zum ersten Mal an.
Zuvor beschäftigten uns natürlich viele Fragen und so holten wir uns den Rat von einer Freundin, was man denn mitbringen könnte. Sie riet uns unter anderem zu Geschirr, so dass wir in Lira einige Teller besorgten.
Durch meine Arbeitskolleginnen, Sharon und Gloria, erfuhren wir dann aber, dass es angemessener ist, dem Bräutigam schon vorher Geld zu geben, um ihn finanziell bei der Vorbereitung des Festes zu unterstützen. Also gaben wir Jasper jede etwas Geld und zu unserer Verwunderung schrieb er uns und den Betrag auf eine Liste mit allen Mitarbeitern der Krankenstation.
Hier ist es üblich, dass der Bräutigam in vollem Umfang für das Hochzeitsfest aufkommt und der Familie der Frau eine großzügigen „Brautpreis“ anbietet. Dieser besteht unter Anderem aus Kühen, Hühnern, Ziegen und anderen materiellen Dingen, deren Anzahl sich am Bildungsgrad der Frau misst.

Mit DJ und Moderator gehts in den Hafen der Ehe

Das Fest fand in Marthas Heimatdorf statt und wir fuhren ca. zwei Stunden lang mit dem Krankenwagen der Krankenstation. Wir hofften inständig, dass an diesem Tag niemand in ein größeres Krankenhaus verlegt werden musste. Mit 14 Personen saßen wir auf engstem Raum hinten in dem Krankenwagen und dank der drückenden Hitze wurde die Fahrt auch richtig unangenehm. Umso glücklicher waren wir, als das Ziel endlich erreicht war und wir das wunderbar dekorierte Festgelände mit vielen Zelten erblickten. Sogar ein roter Teppich und ein Torbogen, durch den jeder Gast schreiten musste, um einen pinken Blumenanstecker zu bekommen, waren aufgebaut. Die ganze Zeit wurde das Fest von zwei sehr lauten Moderatoren auf Lango geleitet, die das Programm bekannt gaben und das Publikum bespaßen und bei Laune halten sollten. Natürlich ließen sie auch die Chance nicht aus, mit uns ihre Witze zu machen. Für Greta und mich waren solche Moderatoren sehr ungewohnt und etwas anstrengend, da sie die ganze Zeit laut geredet haben, der DJ im Hintergrund Lacher eingespielt hat und es wirklich keine freie Minute gab. Aber zu einem gelungenen Fest scheinen hier solche Moderatoren dazu zu gehören.

Der erste Programmpunkt war die Diskussion der männlichen Familienoberhäupter darüber, ob der von Jasper gebrachte Brautpreis ausreichend ist. Dafür zogen diese sich eine Weile zurück und die Gäste warteten geduldig auf ihre Entscheidung. Nachdem die Männer übereingekommen waren, wurden die Mütter von Jasper und Martha zusammengeführt und alle Frauen haben diese Feier sehr lebendig mit viel Tanz und Jubel begleitet. Die beiden Mütter standen dabei im Mittelpunkt des Tanzkreises und haben sich umarmt.

Wo ist die Braut?!

Als nächstes kam die sogenannte Brautsuche, bei der die ca. fünfzehn Brautjungfern in verschiedenen Gruppen in gleichen Kleidern in die Mitte des Festplatzes getanzt sind und sich dort auf eine Matte knien mussten. Dann suchten einige Freunde des Bräutigams in lustiger Atmosphäre nach der Braut. Sobald sie verneinten, dass Martha dabei sei, tanzte die Gruppe zurück und kam in neuer Konstellation wieder. Das geschah ca. fünfmal. Auf einmal kamen die Brautjungfern von allen Seiten des Festplatzes und tanzten in dessen Mitte. Und in einer Reihe waren auch unverkennbar Martha und ihre Trauzeugin. Es war leicht zu erkennen, sie hatten die schönsten Gomas an, waren aufwändig geschminkt und hatten teuren Haarschmuck. Die beiden knieten sich in die Mitte der Matte, während alle Brautjungfern sie umkreisten und mit Musik um sie herumtanzten und sie so versteckten. Nach einer langen Zeit der „Suche“ konnten Jasper und sein Trauzeuge endlich den Kreis der Brautjungfern durchbrechen und bahnten sich den Weg zu Martha. Um allen seinen Erfolg zu zeigen, hob Jasper seine Verlobte hoch und schritt mit ihr über den Festplatz. Am Tag nach der Hochzeit erzählten uns die Schwestern, dass die Braut normalerweise wirklich unter den Brautjungfern versteckt wird und diese dann sogar Masken und Tücher tragen, um es den Männern wirklich schwer zu machen.

Daraufhin kamen viele Freunde und hoben die beiden hoch, tanzten, jubelten und zeigten ihre Freude über die Hochzeit.

Hochzeitszeremonie mit Ringtausch

Im Anschluss hielten beide eine kleine Dankesrede an ihre eigenen Eltern und diese kamen zu Wort.
Obwohl die traditionelle Hochzeit kein kirchliches Fest ist, ist sie hier doch Voraussetzung um überhaupt kirchlich heiraten zu können. So war auch ein katholischer Katechist anwesend, der eine Rede hielt, eine Bibelstelle verlas und ein Gebet für die Ehe der beiden sprach. Für uns war sehr befremdlich, dass die Moderaten sogar währenddessen noch ihre Späßchen trieben.
Als nächstes stand der Austausch der Ringe und der Geschenke auf dem Programm, wofür Martha schnell das Kleid gewechselt hatte. Traditionsgemäß knieten Martha und ihre Trauzeugin vor Jasper und dessen Trauzeugen. Während Martha Jasper den Ring ansteckte und ihm eine Uhr und eine Anstecknadel überreichte, zupfte ihr Trauzeugin, die während der ganzen Zeremonie immer mit ihr im Mittelpunkt stand, ständig ihr Kleid, ihre Haare und ihren Schmuck zurecht. Anschließend überreichte Jasper Martha ebenfalls einen Ring und wunderschönen Schmuck aus Glitzersteinen.

Anschließend verschwanden die Braut und ihre Freundin schnell, um noch einmal das Outfit und die Frisur zu wechseln. In neuem Kleid wurden dann die Hochzeitstorten angeschnitten. Ein kleiner Teil wurde unter allen ungefähr 400 Anwesenden verteilt. Die restlichen Torten wurden an besondere Persönlichkeiten oder Gruppierungen verschenkt, z.B. an Marthas Schwestern, die Priester oder an die Mitarbeiter des Health Centers.
Daraufhin wurde von allen Freunden und Tanzbegeisterten die Tanzfläche erobert und ausgelassen das Fest genossen.

Als letzter offizieller Punkt war angesetzt, dass jeder der wollte, dem Brautpaar noch etwas Geld schenken konnte und gratulierte. Anschließend servierte der Catering-Service riesige Portionen verschiedenster ugandischer Speisen für alle Gäste. Dazu gab es Bier und Soda und aus deutscher Gewohnheit griffen wir zum Bier. Erst später bemerkten wir, dass alle anderen Frauen Soda tranken.
Als wir ca. die Hälfte unseres Tellers verspeist hatten, kam unsere Freundin Mary und teilte uns mit, dass wir jetzt mit dem Krankenwagen wieder aufbrechen müssten. Ziemlich verwundert ließen wir unsere Teller stehen und passten uns dem Rest an, in dem wir unser Bier in leere Plastikwasserflaschen umfüllten. Fast fluchtartig verließen alle Gäste sofort das Gelände und stiegen in die Autos. Als wir nach dem Grund fragten, erklärte Mary uns, dass sie die Dunkelheit auf den langen Strecken fürchten und nach dem Essen nur noch engste Familienmitglieder und Anwohner dableiben und bis spät in die Nacht feiern.
Wir fanden das unglaublich schade und waren sehr überrumpelt, weil wir uns auf das Tanzen und die inoffizielle Feier schon den ganzen Tag gefreut hatten.

Relativ erschöpft, aber sehr glücklich darüber, dass wir diesen Tag erleben durften, fielen wir am Abend in Alenga ins Bett.

Uns hat dieses Fest wirklich gut gefallen, weil deutlich wurde, wie sehr die Traditionen hier wertgeschätzt und zelebriert werden. Die Stimmung war unvergleichbar gut und ausgelassen und alle haben es sehr genossen zu tanzen, zu singen und das Brautpaar zu feiern.

Vielen Dank an meine fleißigen Leser und Grüße in die Heimat!

Eure Francesca

Mein zweiter Rundbrief

Hallo zusammen,

Mit meinem nächsten Rundbrief zu Weihnachten möchte ich zunächst einmal allen ein Frohes gesegnetes Weihnachtsfest und eine schöne, erholsame Zeit mit der Familie sowie einen guten Rutsch in das kommende Jahr wünschen.

Ich werde die Weihnachtsfeiertage dieses Jahr erstmals nicht zusammen mit meiner Familie verbringen können, was sehr schade ist, aber mit meinen beiden Mit-Freiwilligen wird das mit Sicherheit auch ganz schön.

In den letzten Tagen und Wochen war hier in Manila mächtig was los. Neben einigen weiteren Theaterproben für „A Midsummernight‘s Dream“ von William Shakespeare und dem normalen Unterricht standen etliche Weihnachtsfeiern an. Die erste war mit der jährlich stattfindenden Charity Christmasparty von Puso sa Puso auch zugleich die größte: über 300 Helfer fanden sich am 2. Dezember in der Turnhalle eines Universitätsgeländes zusammen, um mehr als 1000 Kindern aus Pfarreien aus verschiedenen Gegenden in Manila ein paar schöne Stunden zu bereiten. Nachdem die Kinder und ihre begleitenden Freiwilligen das Organisatorische vor dem Eingang geregelt haben, durchliefen sie zehn verschiedene Stationen, an denen sie Spiele spielen und Preise gewinnen oder etwas zu essen sowie Geschenke erhalten konnten. Ich war an der Station, an der jedes Kind einen Luftballon bekam, und habe daher mit einigen anderen Helfern im Laufe des Vormittags der Anzahl der Kinder entsprechend mehr als 1000 Luftballons aufgepumpt und verknotet. Im weiteren Verlauf wurde gegessen und einige Geschenke verlost, gefolgt von der Vorführung eines Artisten und der abschließenden Scienceshow, bei der es verschiedene naturwissenschaftliche Experimente für die Kinder zu bestaunen und auch zum Mitmachen gab. Am Ende war es für die Kinder denke ich eine wirklich gute Veranstaltung und auch für uns als Helfer war es schön mitzuwirken, auch wenn der Anblick von 1000 Kindern auf einem Haufen nicht wirklich alltäglich ist.

Am 13. Dezember folgte dann die Weihnachtsfeier und damit auch der Abschluss des Unterrichtsjahres für die Kinder, die Moritz und ich unterrichten. Dafür haben wir auf dem Platz vor der Sagrada Familia Chapel sieben verschiedene Stationen mit Spielen wie Eierlauf, Dosenwerfen und Reise nach Jerusalem aufgebaut. Damit das Ganze auch einigermaßen zivilisiert ablaufen kann, haben die Kinder am Eingang gleich Bändchen bekommen, welche sie einer bestimmten Gruppe und einem verantwortlichen Helfer zuweist. Mit diesem Helfer konnten die Gruppen dann die Stationen der Reihe nach durchgehen, nachdem die Veranstaltung mit einem Gebet und einigen Sätzen zu Beginn eröffnet wurde. Nach den verschiedenen Stationen konnten die Kinder sich dann mit Spaghetti, hier auf den Philippinen in der Regel süß, Hühnchen und Saft sowie kleinen Snacks stärken. An solch einer Feier für die Kinder dürfen natürlich auch Geschenke nicht fehlen, die von einem Weihnachtsmann gebracht wurden, der Simon verblüffend ähnlich sah. Die Geschenksäckchen enthielten neben Spielzeug, Süßigkeiten und Flipflops auch einige Stifte und Blöcke. Mit der Bescherung war dann auch für die Kinder das Ende der Veranstaltung gekommen, bei der sie, so mein Eindruck, eine Menge Spaß und Freude haben konnten. Sie haben sich auf dieses Event auch schon eine ganze Weile gefreut und dafür auch echt rausgeputzt und sich schick gemacht, da war ich total überrascht.

Ein Fest für Menschen, die auf der Straße leben

Unserer eigene Weihnachtsfeier folgte dann die Weinachtsfeier von Simon und weiteren Freiwilligen aus Parola, die nach einem ähnlichen Prinzip am Samstag stattfand.

Am Donnerstag war in Parola dann eine Weihnachtsfeier für Menschen, die, so wie ich es verstanden habe, alle auf der Straße leben. Für diese 30 Familien hat das Team aus Parola ein Programm vorbereitet, das nach einigen Spielen und Vorführungen mit Essen sowie Geschenk- beziehungsweise Versorgungspaketen für alle abgerundet wurde. Im Anschluss daran hatten die Lehrer aus Parola dann noch mit ihren Schülern einen kleinen Jahresabschluss.

Ähnlich wie am Donnerstag wurden auch am darauffolgenden Tag in Payatas verschiedene Hilfspakete an Befürftige verteilt, was von den Schülern aus dem Center übernommen wurde. Für diese fand am Nachmittag dann wiederum ihre Weihnachtsfeier vor der Sagrada Family Chapel statt. Das Programm bestand wiederum aus Spielen, Essen und Musik, da sich unter den Schülern eine eigene Band zusammengefunden hat. Hier ist es bei solchen Feiern typisch, dass die Teilnehmer eine Darbietung geben, weshalb wir sowohl einige Tänze als auch Lieder zu sehen und hören bekamen, die die Schüler vorbereitet haben.

Weihnachtsfeier mit deutschen Liedern

Für die Mitarbeiter von Puso sa Puso war dann am darauffolgenden Montag die Weihnachtsfeier im Konvent bei Father Artur. Nach einem Gottesdienst in der Hauskapelle und anschließendem Essen fanden sich alle zusammen, um sich die gegenseitigen Darbietungen anzusehen. Auch wir kamen um diesen Spaß nicht herum und trällerten daher mit unseren engelsgleichen Stimmen zwei deutsche Weihnachtslieder. Um dem Ganzen etwas mehr Volumen zu verleihen, haben wir einige der Anwesenden dazu geholt und dazu gebracht, unsere deutschen Lieder mitzusingen, was dann so eine ganz lustige Sache war. Im Anschluss daran wurde noch gewichtelt, sprich, jeder hat ein Geschenk vorbereitet, das dann an einen anderen verlost wurde.

Weihnachtsfeier in Parola

Den endgültigen Abschluss dieses Marathons an Feiern bildete dann am Mittwoch eine Weihnachtsfeier in Parola, die von einem Priester für Kinder zwischen acht und zwölf Jahren ausgerichtet wurde. Hierfür mussten wir lediglich 100 Kinder organisieren und zur Veranstaltungshalle bringen. Deshalb haben wir uns, zusammen mit den Praktikantinnen, in die Gates aufgemacht, um die Kinder zusammen zu sammeln. Im Center in Parola helfen für einige Monate zehn Studentinnen von der Uni mit, sie begleiten Simon zum Beispiel im Unterricht oder wirken bei Veranstaltungen wie den Weihnachtsfeiern mit. In dem Gate, in dem Simon arbeitet, waren Moritz und ich bisher noch nie und es unterscheidet sich doch ein wenig von dem, was ich aus Payatas kenne, alles ist etwas enger und dunkler, die Leute aber auch hier allesamt sehr nett und hilfsbereit.

Nachdem wir unsere über 30 Kinder aus diesem Gate beisammen hatten, haben wir vier Tricycles organisiert, die die Kinder zum Veranstaltungsort bringen sollten. Das war dann etwas abenteuerlich, denn pro Tricycle mussten circa acht Kinder Platz finden, der Fahrer saß daher fast schon auf der Lenkstange und wir Freiwilligen konnten uns nur außen an die Kabine stellen. Am Ende lief aber dann doch alles gut und alle Kinder konnten nach der Veranstaltung mit Essen und Geschenken wieder wohlbehalten am Gate abgeliefert werden.

Rückblick auf fünf Monate auf den Philippinen

Inzwischen sind es nun schon fast fünf Monate, die vergangen sind und daher möchte ich an diesem Punkt eine kurze Reflexion über meinen bisherigen Aufenthalt anbringen.

Was ich auf jeden Fall sagen kann, ist, dass ich schon eine ganze Menge Erfahrung sammeln konnte und einiges erlebt habe. Für mich gab es hier viele Dinge, die neu waren und an die ich mich erst einmal gewöhnen musst. Nicht nur die fremde Kultur, die neue und schier nicht enden wollende Metropole und ein neues Land, sondern auch getrennt zu sein von Familie und Freunden, die ich in so manchem Moment doch schmerzlich vermisse. Hinzu kommt, nicht mehr zuhause bei den Eltern zu wohnen, sondern in einer WG. Das beinhaltet natürlich auch, sich selbst um Essen, Einkaufen, Wäsche (was hier zum Glück sehr einfach geht), Wohnung putzen und noch vieles mehr zu kümmern, was mich so bisher nur zum Teil betraf. Andere Dinge, bei denen man sich umgewöhnen muss, sind zum Beispiel der viele Reis und das man beispielsweise kein Wasser aus der Leitung trinken darf. Das war allerdings etwas, an das man sich recht schnell gewöhnt hat.

Weiter ist natürlich die Umgebung, in der ich jetzt lebe, eine völlig andere und der Alltag hat sich sehr verändert. Man lernt hier viel über die Kultur der Menschen vor Ort und im Umkehrschluss auch über seine eigene. Man merkt, wie organisiert und geplant vieles in Deutschland im Gegensatz zu den Philippinen abläuft. Dennoch funktioniert es hier, nervt aber zum Teil auch stark, wenn man etwas organisieren möchte. Eine weitere Sache, die man hier lernt, ist definitiv zu warten, egal ob im Jeepney im Verkehrschaos, auf die Kinder im Unterricht, auf den Bus, bis er endlich mit Passagieren voll ist und losfahren kann und noch vieles mehr.

Der nächste Schritt war dann die Arbeit im Slum, der eine Umgebung darstellt, die man so aus Deutschland überhaupt nicht gewohnt ist und mit der ich ohne diesen Freiwilligendienst wohl auch nie in Berührung gekommen wäre. Die Arbeit mit den Kindern gestaltete sich am Anfang etwas schwierig, aber mit der Zeit findet man schon rein.

Hier auf den Philippinen hatte ich außerdem die Chance, wahnsinnig viele neue und total interessante Leute aus allen möglichen Ländern kennen zu lernen und auch echt gute, neue Freunde zu finden.

Ich würde meine Entscheidung, diesen Einsatz zu machen, daher nicht bereuen, auch wenn es mit Sicherheit nicht immer einfach ist und war. Ich hoffe auch, weiterhin noch eine Menge Erfahrung sammeln zu können, und noch weitere schöne Flecken dieses Landes kennen zu lernen.

Falls auch ihr jemanden kennt oder selbst daran interessiert seid, eine solche Erfahrung zu machen, dem kann ich nur den Orientierungstag meiner Organisation am 13.01.2018 in Nürnberg empfehlen. Weitere Infos dazu finden sich auch unter cosamaz.org.

Für mich geht es jetzt nach den Feiertagen erst einmal wieder auf Reisen, von denen ich euch im neuen Jahr dann berichten kann. Bis dahin wünsche ich euch Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr! Außerdem möchte ich mich noch einmal für die Unterstützung bedanken, die ich von euch in jeglicher Form erhalten habe. Vielen, vielen Dank!

Viele Grüße aus Manila

Jakob