Schlagwort-Archive: Freiwilligenarbeit in Afrika

Beginn meines MaZ-Dienst

Nach über achtmonatiger Vorbereitungszeit begann am 4. August 2018 endlich mein Auslandsjahr. Ich betrat das Flugzeug mit gemischten Gefühlen. Einerseits habe ich meine Freunde, Familie, Bekannte und mein gewohntes Umfeld für ein Jahr verlassen und werde alles sicherlich auch vermissen, anderseits war die Vorfreude auf Tansania und die neuen Eindrücke riesig. Zweiteres Gefühl überwog deutlich. Zusammen mit Carlotta und Jeanette, zwei Freiwilligen der Steyler- Missionarinnen, die in einem Waisenhaus in Bugoba (nähe Viktoriasee) mithelfen werden, flogen wir vom Münchner Flughafen los. Der Flug verlief ohne Probleme, lediglich das Warten auf das Visum am Flughafen in Dar Es Salaam, oder auch nur Dar, wie es von Einheimischen abgekürzt wird, verzögerte sich etwas. Am Flughafen angekommen wurden wir von Lukas, der 2010 einen Freiwilligendienst in Mkuranga absolviert hatte, abgeholt und nach Kurasini in ein Ordenshaus der Salvatorianer gebracht. Dort trafen wir auf Iris und Philomena, meine „Vorgängerinnen“ aus Mkuranga. Sie haben uns am nächsten Tag mit organisatorischen Dingen wie Geldabheben, Besorgen einer tansanischen Handynummer sowie Kaufen der Bustickets nach Morogoro geholfen. Morogoro liegt circa 5-6 Stunden westlich von Dar Es Salaam entfernt. Dort ist die Sprachschule, in der wir einen knapp vierwöchigen Sprachkurs absolviert haben. Hier wurden uns die Grundkenntnisse des Kishualilis vermittelt. Ein normaler Unterrichtstag sah wie folgt aus: um 8:00 morgens oder auch 2 Uhr Swahilitime begann der Unterricht. Hier wird im Alltag eine andere Zeitrechnung verwendet. So beginnt die Swahili- Zeitrechnung bei Sonnenaufgang, sozusagen mit der Stunde 0 (6 Uhr morgens). Die erste Stunde des Tages endet um 7 Uhr morgens, woraus sich auch die Uhrzeit, nämlich 1 Uhr Swahili- Zeit (saa moja), ableitet. Entsprechend dieser Zeitrechnung (als Eselsbrücke subtrahiert oder addiert man jeweils sechs Stunden zu unserer Zeit) ist also 9 Uhr vormittags die dritte Stunde und 14 Uhr nachmittags die achte Stunde. Besonders in den ersten Wochen hat dies häufig zu Verwirrungen geführt, mittlerweile bereitet es mir kaum noch Probleme. Um 10:00 wurde der Unterricht für eine halbe Stunde pausiert. In der teatime wurde dann gemeinsam mit den Lehrern Tee und Kaffee getrunken zusätzlich gab es noch kleine Snacks. Um 12:00 Uhr endete der Unterricht am Vormittag und die Mittagspause begann. Von 14:30 -16:00 war erneut Unterricht. In der Summe ergab dies fünf Stunden Kishualili- Unterricht pro Tag. Meistens waren wir nach dem Unterricht mental ziemlich erschöpft, denn der Unterricht sowie die Lehrmaterialien waren auf Englisch. Es war deswegen ziemlich anstregend, immer zwischen Kishualili, Englisch und Deutsch zu übersetzen. Die Tatsache, dass wir nur zu dritt Unterricht hatten, hat diesen Effekt nicht verringert. Die Wochenenden in der Sprachschule waren von den Lehrern gut organisiert. So wanderten wir beispielsweise zu einem deutschen Kolonialhaus, das 1911 gebaut wurde und das immer noch bewohnt ist. Obale, ein maasaischer Sprachlehrer, begleitete uns Sprachschüler zu einen lokalen Maasai- Markt, bei dem vor allem Kühe, Ziegen verkauft/gekauft und geschlachtet wurden. Außerdem brachte er uns die Kultur des Maasaistammes und die Aufgaben eines Maasais näher. Das Highlight während der Zeit in der Sprachschule war aber ohne Frage der Besuch des Mikumi-Nationalparks am zweiten Wochenende. Dieser Trip wurde von Philomena, der Vorfreiwilligen, organisiert. Am Samstag ging es dann früh morgens los, da in der Morgendämmerung die Wahrscheinlichkeit am höchsten ist, Tiere in ihrer freien Wildbahn zu sehen. Von den berüchtigten „Big Five“ (Büffel, Elefant, Leopard, Löwe und Nashorn) sahen wir drei in ihrer natürlichen Lebensumgebung, nämlich Büffel, Elefanten und Löwen. Am Sonntag wanderten wir im Udzungwa Mountains Nationalpark zu einem Wasserfall. Nach dem Sprachkurs trennten sich die Wege für Carlotta, Jeanette und mich. Die beiden Mädchen fuhren ins ca. 24 Busstunden entfernte Bukoba, um dort ihr Projekt anzutreten. Für mich dagegen ging es zurück nach Dar Es Salaam. Dort war ich erneut im Ordenshaus der Salvatorianer in Kurasini untergebracht, in dem wir nach der Ankuft bereits gewohnt haben. Hier verbrachte ich weitere neun Nächte. Ziel dieses Aufenthaltes war, das Jahresvisum für mich zu beantragen. Im Unterschied zu Frewilligen in anderen Ländern, die ihr Jahresvisum bereits vor dem Hinflug bekommen haben, ist bei uns Freiwilligen in Tansania das Vorgehen etwas anders. Wir sind mit dem normalen Touristenvisum eingereist, welches drei Monate gültig ist. In diesen drei Monaten kümmert sich der/die Freiwillige um das Jahresvisum. Nachdem meine entsprechenden Unterlagen abgegeben worden waren, wurde ich von meinem Verantwortlichen, Fr. Ayub, nach Mkuranga gebracht. Mittlerweile bin ich schon knapp eine Woche in Mkuranga und hatte bereits meine ersten Tage im Projekt. Ausführlichere Informationen zu meiner Arbeit und Mkuranga kommen im nächsten Bericht.

Kwa heri!
Johannes Wutte

Zu Hause bei Hebamme Gloria

Kurz bevor ich zurück nach Deutschland geflogen bin, habe ich meine Arbeitskollegin und Freundin Acio Gloria besucht und sie gebeten mich ein bisschen an ihrem Leben teilnehmen zu lassen.

Acio Gloria mit dem Kind einer Freundin

Gloria ist 22 Jahre alt und wurde in Minakulu, im Norden Ugandas geboren. Sie hat 14 Geschwister und typisch für die ugandische Kultur hat ihr Vater zwei Ehefrauen. Polygamie kommt hier sehr häufig vor und ist für mich immer noch sehr schwierig zu verstehen. Gloria hat es einfach im Laufe ihrer Kindheit erfahren, dass ihr Vater noch eine Frau neben ihrer Mutter hat. Ihre Mutter ist die erste Frau und hat neun Kinder,  Gloria ist das sechste Kind. Mit der zweiten Ehefrau (49 Jahre alt) hat der Mann nochmal 5 Kinder. Früher haben die beiden Frauen aufgrund ihrer Jobs weit auseinander gelebt. Glorias Vater ist mittlerweile in Rente und 66 Jahre alt. Ihre Mutter ist mit 58 Jahren noch Grundschullehrerin. Irgendwann hat ihre Mutter einen anderen Job in einer neuen Schule gefunden und jetzt wohnen beide Frauen sehr nah zusammen, jedoch nicht in einem Haus. Gloria kennt alle ihre Geschwister und die ganze Familie trifft sich auch manchmal zusammen, denn die beiden Frauen, so berichtet mir Gloria, hassen sich nicht, sondern kommen miteinander aus. Der Vater ist dann eine Woche lang bei einer Frau und die nächste Woche bei der Zweiten. Ich habe allerdings auch schon erzählt bekommen, dass sich die erste und zweite (dritte, vierte, fünfte,…) Ehefrau oft überhaupt nicht ausstehen können und sich nahezu bekriegen. So habe ich im Health Center auch mal eine Frau gesehen die von ihrer Co-Ehefrau mit heißem Öl übergossen wurde und schlimme Verbrennungen hatte. Außerdem wissen Greta und ich von unseren Freundinnen Mary und Paska, dass sie sich auch von ihren Ehemännern getrennt haben, weil beide eine zweite Frau wollten und Mary und Paska das nicht aushalten konnten.
Auch Gloria erzählt mir, dass sie auf keinen Fall eine zweite Ehefrau haben will weil sie es schrecklich findet und sehr eifersüchtig wäre weil sie dann weniger Aufmerksamkeit von ihrem Ehemann bekommen würde.

So sieht Glorias Alltag aus

Die Hebamme wohnt in einer der vom Health Center gemieteten Wohnungen. Sie hat ein kleines Schlafzimmer in das gerade mal ihr Bett, ein Spiegel und ihre Klamotten passen. Nebenan ist direkt die Küche die sie sich mit einem anderen Bewohner des Hofes teilt. Die Dusche und Toilette befindet sich natürlich draußen und werden auch zusammen genutzt. Der Chef Jaspher, mit Frau Martha und Tochter Michelle, der Fahrer Andrew und die beiden anderen Hebammen Mary und Immaculate wohnen ebenfalls in dem gleichen Innenhof. Das Health Center hat nämlich nur ein kleines Mitarbeiterwohnhaus in das ca. 2 Leute passen und welches gerade renoviert wird. Sie benötigen also dringend weitere eigene Häuser, damit die Mieten nicht jeden Monat anfallen. Viele der Mitarbeiter kommen von weit weg und benötigen deshalb einen Wohnplatz.

Früher stand sie oft um 5 Uhr auf um direkt für eine Stunde auf ihr Feld zu gehen. Da das Feld aber leider eine halbe Stunde entfernt liegt, kam sie dann erst um 7 zurück, ging dann duschen, machte das Haus sauber, und aß ein kleines Frühstück zum Beispiel Cassava (Wurzel) mit Tee.
Zurzeit geht sie nicht besonders viel auf das Feld und wenn dann eher abends gegen 17 Uhr nach der Arbeit. Das heißt sie steht um 6.30 Uhr auf, erledigt ihre Aufgaben zu Hause und geht dann zwischen 8 und 9 Uhr in die Arbeit. Wie ihr ja sicher in meinem ersten Blogeintrag über meine Arbeitsstelle gelesen habt ist das mit der Zeit hier so eine spezielle Sache. Eigentlich sollten alle Angestellten um 8 Uhr im Health Center sein. Als ich dort in meiner ersten Woche erschien, war aber niemand zu sehen…. Ich kam dann auch nie früher als 9 Uhr, denn vorher ist eh niemand dort. Das heißt es ist eigentlich ziemlich locker und man erledigt erst alle Aufgaben die man hat und geht dann ganz entspannt zur Arbeit, wenn man eben fertig ist.
Was am Anfang für mich noch sehr ungewohnt und komisch war, lernte ich im Laufe des Jahres wirklich sehr zu schätzen. Mir ist allerdings bewusst, dass es in Deutschland niemals möglich wäre irgendwann, wenn man bereit ist, zur Arbeit zu erscheinen. Vor allem in Krankenhäusern würde ein riesiges Chaos ausbrechen und Patienten wären in Gefahr, wenn kein Personal da wäre. In Alenga ist das kein Problem: morgens ist eh nicht viel los und falls etwas Schlimmes passieren sollte, weiß eh jeder wo die Krankenschwestern wohnen um Hilfe zu holen.
Gloria kennt die Probleme der Unzuverlässigkeit, der Unpünktlichkeit und der mangelnden Zusammenarbeit der Kolleginnen und Kollegen. Ihre Arbeitszeit geht eigentlich von 8 Uhr bis 14 Uhr und dann sollte die nächste Schicht kommen. Da das Personal nach ihr aber zu spät kommt und oft nur schlecht ausgebildete Krankenhelferinnen sind, muss Gloria mindestens drei Mal die Woche bis 17 Uhr bleiben um die ganze Arbeit alleine fertig zu machen.
Wenn sie von der Arbeit nach Hause kommt kocht sie und geht eventuell noch aufs Feld. Viel Zeit bleibt da aber nicht mehr, da es schon um 18.30 Uhr dunkel wird und das Kochen mit Kohle sehr viel Zeit in Anspruch nimmt.

Gloria besuchte eine staatlich unterstütze Missions-Schule und konnte mit 19 Jahren auf die Hebammen Schule in Gulu gehen. „Ich fand es schrecklich, dass so viele Frauen während der Geburt sterben, obwohl es vermeidbar wäre. Ich wünsche mir, dass ich noch viel mehr Wissen über die Gynäkologie bekomme“, erklärt mir Gloria ihre Entscheidung Hebamme zu werden. Die teure 2 ½ jährige Ausbildung konnte Gloria nur erfolgreich beenden, weil ihre Mutter einen Job hat und weil die Familie extra für sie ein Stück ihres Landes verkauft hat, um genug Geld  zu haben. Das finde ich sehr beeindruckend, denn auch die meisten der anderen Geschwister konnten eine Ausbildung machen beziehungsweise besuchen eine Schule. Ihr jüngstes Geschwisterkind ist 13 Jahre und das älteste 34 Jahre alt. Die eine ist Schneiderin, die andere Krankenschwester, Lehrerin und ein Bruder ist Schreiner. Ihm fehlt leider das Geld um sich Material und Werkzeuge für die Arbeit zu kaufen, weswegen er nicht als Schreiner arbeiten kann. Ihr ältester Bruder hat einen Realschulabschluss, ist aber psychisch krank und arbeitet deswegen nicht sondern macht den ganzen Tag eigentlich gar nichts. Man spürt, die Eltern von Gloria strengen sich wirklich an, dass alle Kinder versorgt werden und eine Chance auf einen Job bekommen.

Als ich in Alenga ankam, gab es nur zwei Hebammen, Sharon und Gloria, und die beiden waren wirklich überfordert und hatten nur ca. 3-4 Tage im Monat frei. Als Sharon in ein staatliches Krankenhaus gewechselt hat, war Gloria die einzige in der Entbindungsstation und das war wirklich die Hölle für sie. Im April kamen dann zum Glück zwei weitere Hebammen: Mary Filda und Immaculate. Das war eine große Entlastung für Gloria und jetzt hat sie ca. 8 freie Tage im Monat.

Wenn sie frei hat fährt sie gerne zu ihrer Familie in die Nähe von Gulu. Dort hat sie auch ihren 30 Jahre alten Freund James kennen gelernt. Er war damals in der Nähe ihres Elternhauses bei Freunden zu Besuch und so trafen sie sich das erste Mal. „Wir haben dann öfter etwas unternommen und irgendwann hat er mich gefragt, ob ich mit ihm zusammen sein will. Ich habe „ja“ gesagt und jetzt sind wir schon seit zwei Jahren ein Paar.“, berichtet sie mir.
Gerade in meiner Arbeit sehe ich oft sehr junge Frauen, die gezwungen wurden einen 15 Jahre älteren Mann zu heiraten und keine Wahl hatten. Als ich Gloria frage, ob sie eine Wahl hatte, antwortet sie ganz klar: „Ja, ich hatte eine Wahl aber ich wollte mit ihm zusammen sein!“ Gloria erklärt mir, dass es etwas mit dem Bildungsstand der Leute zu tun hat. Beide sind gebildet und haben einen Job (er ist Lehrer), während viele der jungen Mädchen in Alenga  nur drei Jahre in der Schule waren und somit keine Perspektive haben. Sie können keine Ausbildung machen, kein Geld verdienen und sind abhängig von ihrem Partner. Viele Eltern kümmern sich nicht richtig um ihre Kinder und wollen nur den Brautpreis haben und so landen die 16-jährigen Mädchen das erste Mal schwanger mit ihrem 45-jährigen Ehemann bei Gloria und mir bei der Schwangerschaftsvorsorge. Sowas war für mich immer schrecklich zu sehen und es gibt mir ein bisschen Hoffnung, dass es in den Städten und bei gebildeten Ugandern mittlerweile anders laufen kann.
Gloria und James machen schon richtige Zukunftspläne: strahlend erzählt sie mir, dass die beiden ein Stück Land in Dokolo, eine Stunde von Lira, gekauft haben und dort ein Haus bauen wollen. „Ich will eine eigene Familie gründen“, sagt  sie stolz. Sie wünscht sich drei Kinder, James will nur zwei aber das wird sich sicher noch regeln. „Das  nächste Mal, wenn du nach Uganda kommst, bin ich schwanger“, verspricht sie mir. Ich finde es toll, dass sie so glücklich ist und ich kaufe es ihr wirklich ab.
Mich interessiert natürlich, ob es eine Art Hierarchie in ihrer Beziehung gibt. In Alenga ist es kaum zu übersehen, dass Männer mehr wert sind als Frauen. Wenn ein Ehepaar zur Untersuchung kommt setzt sich der Mann auf den Stuhl und lässt seine schwangere Frau einfach stehen. In Deutschland würde fast jeder der schwangeren Frau den Stuhl anbieten aber hier ist es ganz normal, dass der Mann es bequem haben muss und die Frau sich zurück nimmt. Es gibt natürlich auch hier Ausnahmen aber das andere überwiegt leider. Zudem gibt es viel häusliche Gewalt und viele Männer schlagen ihre Frauen, wenn sie nicht das machen was er will. Gloria sagt, dass James nicht so sei und auch noch nie Handgreiflich geworden ist. Ich bekräftige sie und sage ihr, dass sie sich das niemals gefallen lassen soll, falls mal etwas passiert. Daraufhin lächelt sie nur.
Außerdem erkläre ich ihr meinen Eindruck des Hinkniens der Frauen in der Lango Kultur. Wenn eine Frau einen Mann oder eine höhergestellt Person  begrüßt, kniet sie sich hin und gibt ihm die Hand. Ein Mann jedoch, muss sich niemals hinknien. Aus meiner Sicht zeigt das ganz deutlich eine Unterordnung der Frau, denn wenn beide gleich wären, könnte sich der Mann ja auch hinknien. Diese Thematik beschäftigt mich seit Anfang an und viele Langi sagen mir, dass es nichts mit Hierarchie zu tun hat sondern einfach die Kultur ist. Zuerst sagt Gloria mir, dass sie sich auch in seltenen Fällen vor Personen kniet, wenn die Person wirklich hoch angesehen ist und sie sagt auch mir, dass es einfach Teil der Kultur sei. Nach meiner Erklärung gibt sie jedoch zu, dass sie denkt, dass man schon eine gewisse Unterordnung der Frau erkennen kann und, dass diese sehr tief in der Kultur verwurzelt ist. Viele andere Freiwillige oder Tutoren sagen Greta und mir, dass es Kultur ist und, dass wir es nicht ändern dürfen, uns nicht einmischen sollen, damit wir die Kultur nicht zerstören oder europäisieren. Aber ist es so schlimm, wenn man den Teil einer Kultur ein bisschen ändert, um Frauen in der Gesellschaft mit mehr Respekt und Gleichberechtigung behandeln zu können? Ist das wirklich ein Kulturverlust oder nicht eher eine Kulturbereicherung??? Natürlich sagen wir keinem Menschen in Alenga: „Nein, du darfst dich auf keinen Fall hinknien, das ist sehr schlecht!“, denn das wäre wirklich eine Einmischung in die Kultur. Aber wir versuchen mit den Schülerinnen oder Freunden mit Respekt vor ihrer Kultur darüber zu reden um zu zeigen, dass es auch anders geht, was es bedeutet und wie es bei uns in Deutschland so ist, denn das interessiert sie ja auch.

Gloria ärgert sich oft über das Gesundheitssystem in Uganda und über die Politik. Sie findet es gut, dass der Staat die HIV- und Malaria-Tests und auch die Medikamente sowie die Impfungen für Kinder zahlt jedoch ist sie oft überfordert und allein gelassen. Ihr Traum wäre es in einem staatlichen Krankenhaus zu arbeiten, denn dort gibt es geregelte Arbeitszeiten, besseres Gehalt und eine Rente ab einem Alter von 65 Jahren. Wenn man nicht in einer staatlichen Einrichtung arbeitet bekommt man nämlich überhaupt keine Rente und muss so lange arbeiten wie man kann. Auch einige der Mitarbeiter im Health Center sind über 70 Jahre alt und können noch nicht an den Ruhestand denken, da sie sonst auf der Straße landen würden.
Natürlich belastet Gloria auch die Politik mit der überall spürbaren Korruption und der Aufhebung der Altersbegrenzung für den 73-jährigen Präsidenten. Viele Menschen haben nach 32  Jahren genug von Museveni und sagen es wird Zeit, dass er sein Amt verlässt. Seit seiner Amtszeit hat er die ugandische Verfassung mehrmals geändert, um weiterhin Präsident bleiben zu können, denn eigentlich hätte er 2021 nicht mehr zur Wahl antreten können, da das Alterslimit bei 75 Jahren lag. Nachdem er diese Regelung aber im Dezember 2017 nach einer gewaltvollen Auseinandersetzung im Parlament  aufgehoben hat, kann er nun theoretisch lebenslang als Staatsoberhaupt regieren.

Nun bin ich auch schon wieder am Ende meines Berichtes angelangt. Ich hoffe es war interessant mal einen persönlichen Einblick in das Leben von Gloria zu bekommen. Ich vermisse Alenga unglaublich stark und bin auch noch nicht so richtig in Deutschland angekommen, das wird sicher noch etwas dauern. Ein Update zum Schlafsaal und ein Artikel zum Abschied von Alenga werden auch bald noch kommen.

Liebe Grüße, vielleicht trifft man sich ja mal!

Eure Francesca

Geschützt ins Leben

Hallo nach Hause,

in ein paar Tagen geht es zurück nach Deutschland. Ich möchte euch aber noch unbedingt etwas von meiner Arbeitsstelle im Health Center erzählen. Wie schon in meinem ersten Artikel erwähnt, gibt es immer an verschiedenen Tagen unterschiedliche Aufgaben. Genauer möchte ich heute auf den Donnerstag eingehen: Den Impftag.

Die Impfungen gehören zum Gesundheitsprogramm von Uganda das die minimale medizinische Versorgung für jeden gewährleisten soll. So sollen Babys vor ihrem ersten Geburtstag fünf Mal zum Impfen gehen, alle Frauen im gebärfähigen Alter (auch Schwangere) zum Schutz des Neugeborenen und der Mutter gegen Tetanus geimpft sein und alle Mädchen im Alter von 10 Jahren die HPV Impfung bekommen. Das Ganze ist kostenlos und wird vom Staat bezahlt.
Ab und zu gehen ein paar Mitarbeiter der Krankenstation in eine Grundschule oder kleinere Dörfer, um dort die Kinder gegen Tetanus und die Mädchen ab 9 Jahren gegen Gebärmutterhalskrebs(HPV) zu impfen und ihnen Tabletten zum entwurmen zu geben.

Die ersten Male war ich wirklich immer wieder überrascht und geschockt wie viele Mütter mit ihren Babys kommen und wie laut die Kinder schreien können!!
So gut wie jede Woche ist in der Krankenstation am Donnerstag die Hölle los. Die lange Bank in der Ambulanz reicht nie aus und viele Frauen sitzen auf dem Boden und warten bis sie an der Reihe sind. Natürlich hat auch wieder jedes Kind ein eigenes Heft, in dem die Impfungen und Termine aufgeschrieben werden. So bekommen die Babys Die Impfung gegen Kinderlähmung, Hepatitis B, Rotaviren, Tuberkulose, Influenza, Masern, Pneumokokken,  und Keuchhusten/Tetanus/Diphtherie und für Mädchen zwischen 9 und 14 die HPV Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs.

Natürlich läuft das bei uns im Health Center nicht immer so rund. Oft fehlen die Impfungen oder Spritzen oder es gibt nicht genügend für alle. Letzte Woche gab es im ganzen Distrikt keine einzige Impfung gegen Tetanus mehr… Zudem wurde zum Beispiel die Rotavirus Impfung eingeführt. Dafür wurden eine Hebamme und eine Schwesternhelferin in der nächsten Stadt über den Virus und den Möglichen Schutz aufgeklärt. Sie bekamen Informationsmaterial und auch eine Praxiseinführung. Dieses Wissen gaben sie dann an alle Mitarbeiter weiter. Leider gab es nur eine Box mit dem Impfstoff und die ist jetzt natürlich leer. Dazu kommt die schlechte Lagerung. Ein Kühlschrank fällt immer wieder aus und die Kühlkette wird dadurch oft unterbrochen und die Impfungen zu warm  aufbewahrt.

Wenn die Mütter aufgerufen werden, kommen sie in den Impfraum und setzten sich dort mit vielen weiteren Frauen auf eine Bank. Dann wird ein Kind nach dem anderen geimpft, was natürlich immer mit lautem Geschrei und nassen Windeln (oder Tüchern) endet bis die Nächsten an der Reihe sind. Es mangelt auch hier wieder einmal an Hygiene, da sich die Krankenschwestern zwischendurch nicht die Hände waschen sondern wie am Fließband arbeiten (Es gibt immer neue Spritzen!!) Jedes Kind wird in einem unserer zahlreichen Registern aufgeschrieben, damit man auch sehen kann welche Impfungen es wirklich bekommen hat. Anschließend bekommen sie den nächsten Termin mitgeteilt. Die ersten Impfungen gegen Tuberkulose und Polio bekommen sie gleich am ersten Donnerstag nach der Geburt und müssen dann nach sechs Wochen wiederkommen. Hebamme Gloria erzählte mir, dass sehr viele Mütter am Anfang zum impfen kommen aber nur ganz Wenige die Immunisierung vervollständigen und viele nicht wieder kommen, obwohl noch Impfungen fehlen. Der Grund dafür: vielen Frauen fehlt das nötige Transportmittel um die Krankenstation zu erreichen. Vor Allem aber fehlt es an Wissen über die Wichtigkeit von einem vollständigen Impfschutz. Die Mütter kennen die Vorteile dieser Impfungen nicht und denken es sei nicht so bedeutend. Gloria und ihre Kollegen versuchen aber immer die Patienten über Impfungen aufzuklären und Bewusstsein zu vermitteln.

Mir tun die Babys immer unglaublich leid, wenn sie gepikst werden und anfangen zu weinen. Deswegen versuche ich diese Aufgabe immer jemand anderem zu überlassen 🙂
Nach so einem Tag bin ich immer ziemlich froh, wenn ich aus der lauten Krankenstation (sogar Greta hört das Geschrei noch in der Schule) nach Hause gehen und meine Ohren entspannen kann. 😛

Liebe Grüße und bis bald!

Eure Francesca

Wie kommt die Erdnuss in die Tüte?

Liebe Leserinnen und Leser,

 

heute möchte ich euch ganz kurz davon berichten, was die letzten Wochen hier im Konvent vor sich gegangen ist. Für mich hat das wieder einmal gezeigt wie unbewusst und einfach wir uns in Deutschland Lebensmittel beschaffen. Da heißt es nämlich, wenn man abends Lust auf irgendetwas hat: „Ich fahr noch schnell in den Supermarkt, bin gleich wieder da.“. Dann greift man schnell ins Regal, nimmt sich noch eine Dose gesalzene Erdnüsse als Snack mit und zu Hause auf dem Sofa genießt man diese dann.
Wo die Erdnüsse herkommen, wo sie gepflanzt wurden, wer sie geerntet, getrocknet, geschält, sortiert und gesalzen hat, das spielt keine Rolle und den Großteil haben vermutlich sowieso Maschinen übernommen – unfassbar, wie technisiert und schnell (immer auf dem Sprung, stets im Stress des Alltags gefangen) wir leben.

Die Ernährung in Alenga steht im krassen Kontrast dazu. Und deshalb möchte ich euch heute davon erzählen wie Schwester Consentina und schließlich auch Greta und ich in den letzten beiden Wochen mit der Erdnuss-Ernte beschäftigt waren.

Die Erdnüsse wurden nach dem Ende der Trockenzeit (im Februar) gesät und dann regelmäßig von Unkraut befreit, während sie wuchsen.
Vor ca. zwei Wochen hat die 85-jährige Sister Con schließlich angefangen die fertigen Erdnusspflanzen im Feld zu ernten und in den Innenhof zum Trocknen zu legen. Nach einiger Zeit war der gesamte Platz im Innenhof belegt und Sister hat die Pflanzen regelmäßig in der prallen Mittagssonne gedreht, damit die Erdnüsse trocknen.
Eine Woche später war alles gut getrocknet und Sister begann die Nüsse, die an der Wurzel unter der Erde wachsen, von der Erde und der Pflanze zu befreien. Dabei halfen wir ihr dann gemeinsam mit einigen Schülerinnen und da wir uns um diese Zeit normalerweise alle in der Kirche zum Rosenkranz beten befinden, haben wir gleich mal den Rosenkranz mit der Arbeit verknüpft. Ungefähr 2 Stunden brauchten wir mit allen 20 Helfern um die Erdnüsse zu sortieren.
Die Erdnüsse haben wir dann auf einem großen Haufen auf der Terrasse gesammelt. Anschließend werden die Nüsse geschält. Das ist eine ziemlich ermüdende Arbeit, denn nach der 150. Nuss schmerzen die Finger sehr und der Ertrag erscheint winzig im Vergleich zur Mühe, die man mit der Erdnuss-Ernte hat.

Die im Norden Ugandas bekannteste Verarbeitungsform der Erdnüsse ist das sogenannte Odi. Um Odi zu produzieren, werden die geschälten Nüsse geröstet und dann durch langes Reiben und anschließendes Sieben von ihrer Haut befreit. Dann bringt man die Nüsse zur Mühle. Odi besteht allerdings nicht nur aus Erdnuss sondern auch aus Sesam. Zum Mahlvorgang gibt man also auch zuvor gerösteten Sesam dazu. Nach ungefähr 15 Minuten erhält man das fertige und super leckere Odi, was hauptsächlich zum Frühstück zusammen mit Süßkartoffeln oder Cassava genossen wird oder zum Kochen der ebenfalls für den Norden Ugandas typischen Speise Malakwan (Spinat ähnliche Blätter mit Odi gemischt).

Das war es auch schon zur Erdnuss 🙂 . Mich werden diese Erfahrungen deutlich bewusster und verändert durch den Supermarkt laufen lassen.

Ganz liebe Grüße in die Heimat, in die ich in weniger als zwei Wochen ja auch schon zurückkehre,

Eure Francesca

Vom Feld zum Mund, von der Nuss zum Odi

Hallo ihr Lieben,
heute möchte ich euch ganz kurz davon berichten, was die letzten Wochen hier im Konvent vor sich gegangen ist. Für mich hat das wieder einmal gezeigt wie unbewusst und einfach wir in Deutschland Nahrung zu uns nehmen können. Da heißt es nämlich, wenn man abends Lust auf irgendetwas hat: „Ich fahr noch schnell in den Supermarkt, bin gleich wieder da.“. Dann greift man schnell zweimal ins Regal, nimmt sich noch eine Dose gesalzene Erdnüsse als Snack mit und zu Hause auf dem Sofa genießt man diese dann. Wo die Erdnüsse herkommen, wo sie gepflanzt wurden, wer sie geerntet, getrocknet, geschält, sortiert und gesalzen hat, das spielt keine Rolle und den Großteil haben vermutlich sowieso Maschinen übernommen – unfassbar, wie technisiert und schnell (immer auf dem Sprung, stets im Stress des Alltags gefangen) wir leben.
Die Ernährung in Alenga steht im krassen Kontrast dazu. Und deshalb möchte ich euch heute davon erzählen wie Schwester Concentina und schließlich auch wir in den letzten beiden Wochen mit der Erdnuss-Ernte beschäftigt waren.
Die Erdnüsse wurden nach dem Ende der Trockenzeit (im Februar) gesät und dann regelmäßig von Unkraut befreit, während sie wuchsen. Vor ca. zwei Wochen hat die 85-jährige Sister Con schließlich angefangen die fertigen Erdnusspflanzen im Feld zu ernten und in den Innenhof zum Trocknen zu legen. Nach einiger Zeit war der gesamte Platz im Innenhof belegt und Sister hat die Pflanzen regelmäßig in der prallen Mittagssonne gedreht, damit die Erdnüsse trocknen. Eine Woche später war alles gut getrocknet und Sister begann die Nüsse, die an der Wurzel unter der Erde wachsen, von der Erde und der Pflanze zu befreien. Dabei halfen wir ihr dann gemeinsam mit einigen Schülerinnen und da wir uns um diese Zeit normalerweise alle in der Kirche zum Rosenkranz beten befinden, haben wir gleich mal den Rosenkranz mit der Arbeit verknüpft. Ungefähr 2 Stunden brauchten wir mit allen 20 Helfern um die Erdnüsse zu sortieren. Die Erdnüsse haben wir dann auf einem großen Haufen auf der Terrasse gesammelt. Anschließend werden die Nüsse geschält. Das ist eine ziemlich ermüdende Arbeit, denn nach der 150. Nuss schmerzen die Finger sehr und der Ertrag erscheint winzig im Vergleich zur Mühe, die man mit der Erdnuss-Ernte hat.
Die im Norden Ugandas bekannteste Verarbeitungsform der Erdnüsse ist das sogenannte Odi. Um Odi zu produzieren, werden die geschälten Nüsse geröstet und dann durch langes Reiben und anschließendes Sieben von ihrer Haut befreit. Dann bringt man die Nüsse zur Mühle. Odi besteht allerdings nicht nur aus Erdnuss sondern auch aus Sesam. Zum Mahlvorgang gibt man also auch zuvor gerösteten Sesam dazu. Nach ungefähr 15 Minuten erhält man das fertige und super leckere Odi, was hauptsächlich zum Frühstück zusammen mit Süßkartoffeln oder Cassava genossen wird oder zum Kochen der ebenfalls für den Norden Ugandas typischen Speise Malakwan (Spinat ähnliche Blätter mit Odi gemischt).

Das war es auch schon zur Erdnuss 🙂 . Mich werden diese Erfahrungen deutlich bewusster und verändert durch den Supermarkt laufen lassen… und euch?

Ganz liebe Grüße in die Heimat, in die ich in weniger als zwei Wochen ja auch schon zurückkehren werde,

eure Greta

Herzlich Willkommen in meinem neuen zu Hause

Hallo ihr Lieben,
heute möchte ich euch von der schönen, abwechslungsreichen und aufregenden Zeit mit unseren Familien erzählen.

Drei Tage nach Gretas Geburtstag brachen wir nach Kampala auf. Hier besuchten wir unsere Freundinnen Linda und Maike, die zentral in Kampala wohnen und gingen anlässlich des Geburtstages auch nochmal feiern, was in Alenga ja absolut nicht möglich ist und sich ein bisschen mehr wie eine normale Geburtstagsfeier angefühlt hat: Mit Freunden Bier, Pizza und Kuchen genießen und danach zum Tanzen in den Club. Gemeinsam hatten wir einen richtig schönen Abend! Am Tag danach brachen wir nach Entebbe auf, was ca. eine Stunde von Kampala entfernt ist. Wir fuhren also schon mal in unsere schöne Unterkunft, genossen die warme Dusche und das kuschelige Bett und holten dann unsere Familie vom Flughafen ab! Das war vielleicht ein tolles Gefühl, bekannte Gesichter wiederzusehen und in den Arm zu nehmen. Vorher waren wir aufgeregter als bei unserer eigenen Ankunft: Ob sie es wohl schaffen würden, durch die Kontrolle zu kommen, ob sie mit dem Visum alles richtig gemacht hatten usw. .. 🙂 . Zum Glück hat alles gut geklappt und die Vier (Mama und mein Bruder Leon, Tina und Robert(Gretas Eltern)) schienen sogar einen angenehmen Flug gehabt zu haben.

 

Entebbe und Kampala

Gemeinsam verbrachten wir zwei Tage im schönen Entebbe, das direkt am Viktoriasee liegt. Da Grtea und ich ja Silvester hier gefeiert haben, kannten wir uns gut aus und führten unseren Besuch zu all den schönen Plätzen. Es war ein tolles Gefühl für mich, die ja unseren Besuch herumzuführen, ihnen Dinge zu erklären und die Planung zu übernehmen. Wir besuchten den botanischen Garten Entebbes und unsere Mütter bestaunten eigentlich den ganzen Tag lang, wie schön denn alles blühe und wie grün die Natur sei! Ja, Uganda ist wirklich ein traumhaftes Land! Außerdem gingen wir an den Strand, aßen frischen Viktoriaseebarsch und feierten am Pfingstsonntag einen schönen Gottesdienst in Entebbe.

Danach brachen wir dann nach Kampala auf. Für unsere Eltern ein ziemlicher Schock und ich war froh, dass wir erst ein wenig in Entebbe waren, damit sie sich eingewöhnen konnten. Die Hauptstadt Ugandas, sie ist einfach laut, voll, dreckig und beim ersten Mal ziemlich überfordernd. Zum Glück kennen Greta und ich uns ja inzwischen aus, haben ein paar Freunde vor Ort und so verbrachten wir in Kampala sehr spannende Tage. Wir stellten unsere Eltern den Combonis und den Schwestern in Kampala vor, die sie sehr herzlich begrüßten und willkommen hießen. Außerdem fuhren wir mit ihnen im Matatu (öffentliches Taxi/Kleinbus) bis in das Stadtzentrum, wo wir die schönen Stoffe und Kleider auf dem belebten Markt bewunderten und gleich auch was einkauften. Natürlich fing ich auf dem Markt an zu handeln, erstens weil einem als Weiße grundsätzlich der doppelte Preis genannt wird und zweitens weil ich inzwischen die echten Preise für Stoffe gut kenne und mich deshalb erst nicht über den Tisch ziehen lassen möchte. Daran die Eltern sich erstmal gewöhnen und es war ihnen zunächst auch etwas unangenehm. Außerdem waren unsere Familien sehr begeistert von dem schönen Markt mitten in Kampala, und froh, denn ohne unsere Kenntnisse würden sie sich nie auf so einen lauten und lebhaften Markt trauen. Dort gibt es alle möglichen Früchte und einheimischen Spezialitäten, die sie gleich mal auskosten durften. Darunter der typische Kochbananenbrei (Matooke), Erdnusssoße, Chapati/Rolex und ein Obstsalat mit Zuckerrohr, Stinkfrucht, Papaya, Avocado und vielem mehr. Hmm… ein kulinarischer Exkurs.

Am Ende unseres ausgiebigen Tages in der Innenstadt erlebten unsere Eltern dann noch die Rush-Hour Kampalas. Aus dem Zentrum sind es, bei wenig Verkehr, ca. 15 Minuten bis nach Mbuya Hill, wo die Combonis wohnen. Wir haben dafür dann eine geschlagene Stunde gebraucht. Greta und ich schlugen gleich zu Beginn vor, dass wir doch am besten ein Boda nehmen sollten, weil die Autos zu dieser Zeit im Stau stecken bleiben würden. Schon in Entebbe waren wir kurze Strecken mit dem Boda gefahren und Papa und Leon hatten auch richtig Gefallen daran gefunden. Doch die Mütter streikten. Also machten wir uns durch den Verkehr und die Menschenmassen auf die Suche nach dem richtigen Matatu. Als wir im Taxi saßen, ging es dann natürlich nur schleppend voran. Der Taxifahrer war typisch ugandisch, bremste in der letzten Sekunde und so auch ganz kurz vor einem die Straße überquerenden Laster.  „Also diese Verkehrssituation ist so erschreckend, furchtbar, das muss doch bald alles zusammenbrechen und kollabieren…“ kommentierten unsere leicht verschreckten Eltern. Lange Rede, kurzer Sinn: Wir kamen in der Dunkelheit völlig erschöpft, aber voll von unvergesslichen Eindrücken an und rundeten den Tag mit einem gemütlichen Abendessen beim Inder und einer weiteren heiklen Uber-Fahrt (zu siebt gequetscht in ein Auto) ab. J

Am nächsten Tag machten wir Kulturprogramm. Gemeinsam besichtigten wir die Kasubi Tombs, wo wir viel über die hochspannende Kultur der Buganda (die größte Volksgruppe Ugandas) und ihrer Könige lernten. In den Tombs werden die Könige beerdigt und auf dem ganzen Gelände verteilt ihre zahlreichen Frauen und Kinder. Die ganzen Frauen oder immer eine Vertreterin aus der Familie der Frauen der Könige leben noch heute auf dem Gelände. Die Buganda verehren ihre Könige schon seit ewigen Zeiten und sind ihren alten Traditionen und Bräuchen noch heute treu und legen viel Wert darauf.

Im Anschluss besuchten wir noch das ugandische Nationalmuseum, das auch für Greta und mich noch einmal viele neue Erkenntnisse über dieses vielfältige und facettenreiche Land brachte.  Abends gingen wir dann gemeinsam mit Stan und Fafa (den wir zufällig bei den Combonis getroffen hatten) sehr lecker essen. Für uns war es schön, dass unsere Eltern bereits Stan gut kennenlernten, der ja für das ganze Jahr unser Mentor und unsere Bezugsperson ist, und außerdem zufällig die Chance bekamen Fafa kennenzulernen, der sich zuvor so lieb um uns gekümmert hatte. Zusammen gingen wir in ein sehr besonderes Restaurant Kampalas, in dem Greta und ich gleich mal einen kleinen Kulturschock bekamen, weil alles so europäisch und elegant eingerichtet und zubereitet war. Das Essen war sehr lecker und Fafa, Stan, Greta und ich probierten gemeinsam die Frösche, deren Fleisch erstaunlich nach saftigem Hühnchen geschmeckt hat.

Der Abend war sehr schön und ein toller Abschluss für die Tage in Kampala. Denn am nächsten Morgen war es schon soweit, dass wir gemeinsam mit Stan nach Alenga aufbrechen wollten. Die Aufregung bei allen stieg… !

 

Mit Mama und Leon in unserem zu Hause

Am Mittwoch kamen wir gegen Mittag in Alenga an. Nach einer Fahrt, die schonmal einen kleinen Vorgeschmack auf die Straßen Ugandas gab. Durchgerüttelt und durchgeschüttelt wurden wir von den Schülerinnen und Schwestern in Empfang genommen, die mit Jubel und Gesang gleich mal alle neuen Gäste in den Arm nahmen, so wie es hier eben üblich ist. Im Anschluss lernten unsere Eltern die anderen beiden Priester und die Köchinnen bei einem schönen gemeinsamen Mittagessen kennen. Nachdem wir die vollgepackten großen Koffer ausgepackt und Mitbringsel, Spenden, Geschenke und Leckereien sortiert hatten, machten wir eine kleine Alenga-Rundtour und gingen im Anschluss auf den kleinen Wochenmarkt. Hier zeigten wir unserem Besuch die typischen Leckereien und einige unserer Freunde. Natürlich kommt es hier nicht alle Tage vor, dass sechs Deutsche den kleinen Dorfmarkt besuchen und auch wenn sich die Bewohner Alengas schon an Greta und mich gewöhnt haben, erregten wir viel Aufsehen und zogen die Aufmerksamkeit auf uns. Für unsere Eltern war der Markt mit Sicherheit ein aufwühlendes Erlebnis, denn dort wird man sehr mit der Armut und dem Leben von der Subsistenzwirtschaft hier konfrontiert. Meinen Vater bedrückte anschließend, dass er mehrmals nach Geld gefragt wurde oder danach, etwas für jemanden zu kaufen. Das passiert auch mir noch gelegentlich (inzwischen seltener) und zeigt das Bild des wohlhabenden Weißen, das tief in vielen Köpfen verankert ist.

Am nächsten Tag zeigten wir unseren Eltern den Schlafsaal. Sie waren nachdrücklich begeistert wie weit das Projekt inzwischen gekommen ist und wie viel mit Hilfe eurer Spenden zustande kommen konnte! Geschockt waren sie davon, dass in dem jetzigen Schlafsaal auf engstem Raum 60 Mädchen schlafen müssen. Die Vorfreude der Mädchen in den neuen Saal zu ziehen steigt auch täglich…!

Außerdem besuchten wir alle gemeinsam meinen Arbeitsplatz, die Krankenstation. Ich zeigte und erklärte ihnen das Gelände, die einzelnen Abteilungen, von Labor zur Medikamentenausgabe und zur Entbindungsstation. Besonders genau schauten sie sich das Labor an, wo Dickens und Bernard, meine Kollegen, stolz ihr Equipment präsentierten. Von der Handzentrifuge bis zum Malariatest hatte ich die Chance Vieles zu erklären.
Gretas Mutter war von der Tatsache geschockt, dass alle den Geburtenraum einfach betreten dürfen ohne Kleidung oder Schuhe zu wechseln. Die Gesundheitsversorgung hier im Dorf ist mit den deutschen Standards eben absolut nicht zu vergleichen und gerade auf die Sterilisation wird kein großer Wert gelegt. So schlafen auch alle Patientinnen in einem Raum, aufgeteilt nach Müttern, die entbunden haben, und Schwangeren mit Komplikationen, und Keime können sich schnell vermehren. Beeindruckt waren sie auch davon wie viele Schwangere zum Vorsorgetermin kamen und auf dem Boden saßen um dort stundenlang auf die Untersuchung zu warten. Die Schwangeren zeigen während der langen Wartezeit keine schlechte Laune, sondern unterhalten sich und tauschen die neuesten Geschichten aus. Es war wirklich schön und wichtig meiner Mama und meinem Bruder meine Arbeitsstelle zu zeigen. So wissen sie jetzt genau wo ich arbeite und können sich alles besser vorstellen und nachvollziehen.

Zudem unterrichtete Greta am Freitag zwei Stunden Computer im ersten Jahrgang und so bekam unser Besuch die Chance sich den Computerunterricht anzuschauen. In den ersten Stunden nach den Ferien wird in allen Fächern zunächst das Examen vom  letzten Term besprochen und so alter Unterrichtsstoff wiederholt. Anschließend arbeiteten die Mädchen praktisch an den Laptops und Greta versuchte die Kontrolle zu behalten. Das ist nämlich nicht immer leicht, wenn wie im ersten Jahr 36 Mädchen an 9 Laptops arbeiten, nach Möglichkeit alle mitmachen sollen und die Stromversorgung auch nicht immer klappt. Da heißt es dann oft „Greta, come here!“, „No, first come here, our power is off!“ und sie erklärt eigentlich gerade einer anderen Gruppe noch die Aufgabe. Nichtdestotrotz macht Greta der Computerunterricht viel Spaß und den Schülerinnen erst recht. Leon war besonders erstaunt, dass er immer die Möglichkeit hatte allein an einem Computer in der Schule zu arbeiten, während die Mädchen in fünfer Gruppen arbeiten müssen. Aber hier ist es so besonders, dass Computer überhaupt unterrichtet wird, dass es bei vielen der Grund ist, warum sie unsere Schule in Alenga auswählen.

Nicht nur Greta sollte während der gemeinsamen Tage in Alenga den Mädchen etwas beibringen, sondern auch ihr Vater, der von Beruf Zahnarzt ist. Die kleine Aufklärungsstunde über Mund- und Zahnhygiene sowie den Aufbau des Gebisses war uns ein besonderes Anliegen, weil eigentlich jede Woche ein Mädchen über Zahnschmerzen klagt und die generelle Aufklärung über einfachste Zahnhygiene sehr schlecht ist. Zuvor haben mir die Mädchen berichtet: Ich putze meine Zähne nur morgens. Wenn das wenigstens für alle stimmen würde… Nach Roberts Unterricht wissen sie jetzt zumindest wie wichtig es ist sich mindestens zweimal pro Tag die Zähne zu putzen und wie das richtig geht.
Schon Säuglinge bekommen süße Getränke und man kann bei vielen der Grundschulkinder schon schwarze Verfärbungen an den Schneidezähnen beobachten. Einige unserer Freunde, die kaum über 20 sind, haben schon verfaulte Zähne und riesige Zahnlücken.

 

Freitagabends luden die Schwestern uns und die Priester zu einem Festessen im Hof ein. Es gab die leckeren Gerichte der Schwestern wie zum Beispiel gegrilltes Hühnchen, Viktoriabarsch, Chapati und natürlich einen riesigen Kuchen zum Nachtisch, den unsere Mütter ganz romantisch zu zweit anschnitten und darüber lachten, dass das in Deutschland Brauch auf Hochzeiten ist. Nachdem alle völlig überfuttert in ihren Stühle saßen, kamen die Schülerinnen und hießen unsere Familien mit vielen Tänzen, Gedichten und Liedern willkommen. Diese liebevolle Geste rührte sie natürlich (mal wieder- wie eigentlich alles die ganze Zeit) sehr.

Am Samstag nahm Fr. Stan uns mit zu einer kirchlichen Hochzeit. Dies war auch für Greta und mich die erste Chance eine kirchliche Hochzeit zu sehen, denn zuvor waren wir immer auf den traditionellen Introductions gewesen. Die Messe war etwas außerhalb von Alenga in einer der kleineren Kapellen und die Gemeinde feierte das Brautpaar sehr euphorisch. Das Brautpaar war schon seit vielen Jahren traditionell verheiratet und hatte sich jetzt mit über 60 Jahren noch zur kirchlichen Trauung in Weiß entschlossen. Im Anschluss an die wunderbar lebhafte Messe begaben wir uns zum Brautpaar nach Hause, wo es reichlich Programm, welches den Introductions ähnlich ist, und leckeres ugandisches Essen gab, von dem unsere Eltern natürlich eine viel zu kleine Portion nahmen. Es war eine wunderbare Gelegenheit für unseren Besuch so in die Kultur der Langi hineinschauen zu dürfen und wir wurden auch herzlich aufgenommen und behandelt, obwohl uns niemand kannte und wir für alle Fremde waren. Diese Offenheit und Gastfreundschaft in der Kultur ist ein großartiges Geschenk und wurde mir während dieser Tage wieder besonders bewusst.

Am Sonntag war es dann soweit, das Highlight in Alenga stand an: Der Gottesdienst. Während Greta und ich auf unseren Stammplätzen beim Chor Platz nahmen, saßen unsere Eltern bei den Schwestern, denn von dort aus hat man die beste Sicht auf das wunderbare Geschehen in der Messe. Während Mama zu Tränen gerührt das Hosanna mitsang, schoss Leon fleißig Fotos und Gretas Eltern begnügten sich damit die Lesung auf Englisch im Buch zu verfolgen, denn natürlich war die ganze Messe auf Lango.
Nach der Messe stimmte unsere Freundin Paska noch ein Lied an und schon waren alle begeistert in der Kirche am Tanzen und forderten unsere Familien zum Mitmachen auf. Für mich war es sehr schön zu sehen, dass meine Freunde hier sich so über den Besuch meiner Eltern freuten, euphorisch mit ihnen tanzten und sangen und alle die Zeit so in vollen Zügen genossen.

 

Die Zeit in Alenga sollte besonders schön abgerundet werden durch Besuche bei unseren besten Freundinnen, Anna sowie die Schwestern Mary und Paska. Alle wollten uns unbedingt einladen und haben, zunächst zur Sorge unserer Eltern, weil die Angst hatten, dass gleich zwei Ziegen und Hühner für sie geschlachtet werden, auch kein Nein akzeptiert. Im Nachhinein waren sie dann aber doch sehr froh, dass sie die Chance mitgenommen hatten, denn die Besuche verraten natürlich nochmal viel über das Leben der Bewohner Alengas. Wie immer wurden wir alle sehnsüchtig erwartet, es gab unglaublich viel zu erzählen und reichlich zu essen. Leon machte sich wieder viele kleine Freunde, indem er Luftballons und Süßigkeiten verteilte und Fotos machte und sie den Kindern im Anschluss zeigte, was stets für große Begeisterung sorgt.

Besonders beeindruckt waren alle, weil die Gastgeber gerne und mit vollem Herzen alles für ihre Gäste geben und schön machen. Hier ist es Brauch, dass man die Gäste so herzlich willkommen heißt wie man kann und nie geizig mit Besitz und Eigentum umgeht. Alles wird gerne geteilt und zubereitet. Meine Mama war sehr angetan davon, dass die Menschen so viel mehr im JETZT leben und dadurch den Augenblick viel mehr genießen können als wir, die von der stressigen Konsumgesellschaft geprägt sind. Während viele der Deutschen die Einstellung haben stets zu sparen, zu sparen, zu sparen und den letzten Cent umzudrehen, auch wenn sie das nicht müssten, wird hier verbraucht, was da ist und nicht gegeizt. In Deutschland wird aus meiner Sicht oft unnötig gespart.  Vielleicht ein Euro macht den Unterschied an der Fleischtheke zwischen Biofleisch und Massentierhaltungsfleisch aus und gekauft wird natürlich, obwohl man es besser wissen müsste, das Billigere.  Ein runder Geburtstag wird nicht gefeiert, weil auf ein neues Auto gespart werden müsse. Hier erfahre ich alltäglich, wie unwichtig Materielles wird, solange man genug hat um seine Familie zu ernähren und für die Kinder eine Bildung garantieren zu können. Es ist so viel schöner, wenn man den Moment lebt, ihn mit seinen Liebsten genießt, statt sich ständig Sorgen zu machen. Von der Lebensfreude, die die Menschen hier verspüren, obwohl einige nicht wissen wie sie ihren Kindern die Schulbildung finanzieren sollen oder existenzielle Probleme nicht lösen können, könnte sich (fast) jeder Deutsche, der um seine Luxusprobleme kreist, eine Scheibe abschneiden.

 

Unsere erlebnisreiche Zeit in Alenga neigte sich dem Ende zu und nach einem für unsere Eltern sehr schweren und tränenreichen Abschied machten wir uns in unserem schicken Safariauto, das uns in Alenga abholte, auf in den Urlaub!

 

Safari Uganda- schöne Tage und viele platte Reifen

Die nächste Woche verbrachten wir in der wunderschönen und vielseitigen Natur Ugandas. Für Greta und mich war es zum einen ein großes Geschenk, dass wir nun noch einmal intensive Tage des Austausches verbringen konnten und nach einer so langen Zeit ohne Familie wieder gemeinsam etwas erlebten. Zum anderen wissen wir es sehr wertzuschätzen, dass wir so einen großen Teil des Westens Ugandas und seiner reichen Naturschätze sehen durften. Winston Churchill sagte einmal, dass Uganda die Perle Afrikas sei und auch wenn ich viele Teile des Kontinents noch nicht gesehen habe, würde ich diese Aussage nach dem Urlaub ohne nachzudenken bestätigen. Von übergrüner, weiter Graslandschaft am Albertnil zu hügeliger Vulkanlandschaft mit Kraterseen zu dichtem Regenwald, Uganda ist mit einer Vielfalt gesegnet, die mich immer wieder beeindruckt.
Ja, wir hatten tatsächlich fünf Platte Reifen und es war immer an der gleichen Stelle des Autos (unter Gretas Hintern)!! Zauberei oder war Greta einfach nur zu schwer? Nachdem Tina ihren Rosenkranz umgehängt hatte und Greta und ich Platz getauscht haben ging den Rest der Fahrt alles gut.

Mir als Freiwillige fiel es nicht leicht als Touristin in Uganda unterwegs zu sein. Denn dadurch, dass ich mich hier inzwischen so zu Hause fühle, beschäftige ich mich auch viel mit der Rassismus- Problematik. Da bekommt man beim Tourismus oft Angst, dass die Kultur der Ugander nicht genügend wertgeschätzt wird, dass über sie hinweg bestimmt wird oder sie ausgenutzt und als Zootiere ausgestellt werden. Gerade die Beobachtung, dass die Besucher der Nationalparks zu 90% weiß sind, ist für mich eine traurige Tatsache, die das große Gefälle in unserer globalisierten Welt zeigt.

Meine Erfahrungen nach dieser Reise bestätigen aber, dass viele der Ugander (vielleicht auch durch ihre tolle Gastfreundschaft bedingt) den Tourismus sehr wertschätzen und ihre Natur gerne der Welt öffnen möchten, solange sie bewahrt bleibt. Der Tourismus ist natürlich auch hier – wie in so vielen Ländern der Erde – eine begehrte Einnahmequelle, die dabei hilft Infrastrukturen zu verbessern, die umliegenden Dörfer zu unterstützen und die Nationalparks zu schützen. Uganda ist zwar ein noch sehr unentdecktes Reiseland, was wohl durch den langen Krieg und die Größe bedingt ist, hat aber inzwischen 1,3 Millionen Touristen pro Jahr. Durch den aufblühenden Tourismus werden natürlich auch Arbeitsplätze geschaffen und viele junge Leute erhalten die Chance auf einen guten Job.

Es ist sehr wichtig beide Seiten Ugandas sehen zu können. Für uns Freiwillige wäre es eine verpasste Chance, wenn wir das ganze Jahr in Alenga bleiben würden und so nur eine Seite dieses vielseitigen Landes entdecken können. Mir wäre dann der Eindruck hängen geblieben, dass es in Uganda hauptsächlich Armut und Dorfleben gibt. Und das stimmt nicht!! Denn es gibt riesige, gut entwickelte Städte, große Einkaufsmalls, wunderschöne Anlagen in den Parks und auch richtig gute Krankenhäuser und Universitäten. Hier entwickelt sich sehr viel und ich bin gespannt wie Alenga in zehn Jahren aussieht.

 

Nun ist der Besuch von unseren Familien schon wieder vorbei, die Zeit verging so schnell. Ich bin sehr dankbar, dass meine Mama und Leon hier in Alenga waren, denn nur so bekommen sie nochmal einen richtigen Einblick in mein Leben und können es viel besser verstehen und nachvollziehen was ich alles erlebt habe. So wird es sicherlich leichter hier Abschied zu nehmen, weil Mama und Leon dann zu Hause auch wissen was ich vermisse und was ich meine, wenn ich etwas erzähle. Außerdem bekommt man als Tourist sonst nie die Chance so in das Leben und die Kultur der Leute einzutauchen wie hier in Alenga während meines Freiwilligendienstes. Ich bin so froh, dass sie hier waren und alles sehen konnten.

 

Unser Projekt der Schlafsaal

Dank Eurer großen Unterstützung ist der Schlafsaal nun fast fertig. Die Wände sind verputzt, die Stromleitungen verlegt und wenn alles in zwei Wochen getrocknet ist, wird gestrichen und eine Einweihungsparty gefeiert! Auch die 18 Dreistockbetten werden schon gebaut und die Moskitonetze sind bestellt. Ihr seht also: Es neigt sich dem Ende zu!

Zukunftspläne

Und auch in diesem Artikel möchte ich noch einmal um Spenden bitten. Die Meisten von euch haben schon so viel gegeben und das freut mich jeden Tag aufs Neue, aber seit das Sammeln der Spenden so erfolgreich läuft, kommen uns auch viele neue Ideen in den Kopf. Zum Einen möchten wir dem Health Center gerne ca. 2500 Euro bereitstellen, damit ein Zaun um das Gelände gebaut werden kann. Momentan fehlt dieser Zaun und so laufen erstens ständig Kühe, Schweine oder streunende Hunde, die Krankheitserreger übertragen, über das Gelände und zweitens sind die Nachtschwestern nicht geschützt und fühlen sich sehr unsicher, wenn sie die ganze Nacht alleine Dienst haben.

Zum Anderen gibt es die Möglichkeit für zwei Mädchen eine Patenschaft für das dritte Ausbildungsjahr, das seit diesem Februar neu bei uns an der Schule ist, zu übernehmen. Dort erlangen sie zusätzlich zur Schneiderinnenausbildung eine Designlehre. Die Kosten für das dritte Ausbildungsjahr belaufen sich auf 280 Euro. Das Geld kann gerne auch in Raten bezahlt werden. Bei Interesse an einer Patenschaft, meldet euch gerne bei mir unter Francesca.cyris@yahoo.com

Die Spendenadresse ist:

Comboni-Missionare KöR, 73479 Ellwangen
IBAN: DE66 6145 0050 0110 6170 15
BIC: OASPDE6AXXX
Verwendungszweck: MaZ Francesca Cyris (631) Alenga, Uganda

So meine Lieben, das war es auch schon wieder von mir.  Ich bin auf der einen Seite seeehr traurig, dass mir nun nur noch 4 Wochen in Uganda bleiben und kann es gar nicht fassen. Auf der anderen Seite wächst natürlich auch mit der Zeit ein bisschen die Vorfreude auf zu Hause und darauf alle wieder zu treffen… Jedenfalls werde ich die letzten Wochen hier noch einmal sehr mit meiner Arbeit im Health Center und unseren Freunden genießen. Ich möchte gar nicht daran denken, dass ich das alle bald verlassen muss und hier nie wieder leben werde, sondern nur noch als Gast wiederkomme-das aber hoffentlich sehr bald. Außerdem stehen noch ein paar Feste an: Momentan bereiten wir gerade die Examensfeier für die Jahrgänge aus 2016 und 2017 vor, die im Juli stattfinden wird.

 

Bis dann ihr alle,

Eure Francesca

P.S. Wir sind auch sehr traurig wegen der WM. Wir haben das Spiel gerade eben im Center  mit ein paar Freunden angeschaut…. Lasst den Kopf nicht hängen. 🙂

Den eigenen Horizont erweitern (Teil 1)

Liebe Leserinnen und Leser,

mit der Zeit bin ich das wirklich: Eingetaucht, Abgetaucht in die Kultur der Langi hier in Alenga. Dennoch wird man eigentlich täglich mit kulturellen Unterschieden konfrontiert, wir haben unseren voll gepackten kulturellen Rucksack eben stets dabei und tragen ihn manchmal gern, manchmal ungern mit uns herum. Heute möchte ich euch gerne einen kurzen Einblick in die Kultur dieser kleinen Volksgruppe (6% der Ugander gehören zu den Langi) geben. Leider verstehe ich auch nach einiger Zeit hier noch immer nicht alles, dafür ist die sprachliche Barriere zu groß. Dennoch ist mir an vielen Stellen etwas aufgefallen, an das ich mich nun schon gewöhnt habe. Einige Verhaltensweisen habe ich sogar angenommen. Also gut, ich möchte starten mit einem Einblick in das allseits bekannte und in den Augen mancher platt diskutierte Thema Zeit:

Das Zeitverständnis – Morgenmuffel, nein danke!
Samstag Morgen, gegen halb 10 ein gemütliches Familienfrühstück, die Kinder noch im Schlafanzug, die Eltern in ihre Zeitung vertieft und alle sind glücklich darüber, dass sie heute mal wieder so richtig ausschlafen konnten… Nein, das würde wohl allen hier in Alenga sehr komisch und skuril vorkommen.
Hier läuft es eher so: Samstags wird um 6 Uhr aufgestanden und nach einer kurzen Katzenwäsche und eventuell einer Kleinigkeit zu Essen macht sich die ganze Familie auf, um im Garten zu arbeiten. Dann wird gesäht, gegraben, umgegraben, geerntet, bewässert und körperlich richtig hart gearbeitet. Wenn es mittags richtig heiß wird, kehren sie heim und essen zu Mittag, ruhen sich aus oder erledigen kleinere Arbeiten im Haus, waschen und putzen. Nachmittags geht es nochmal in den Garten oder vielleicht auf den Markt im nahe gelegenen Ort Ibuje entweder zum Verkaufen oder zum Einkaufen von selbstangebauter Ware.
Richtig ausschlafen und sich erholen, das ist wenn man bis 7 Uhr geschlafen hat und danach nicht in den Garten musste, sondern direkt damit beginnen konnte z.B. Erdnüsse zu schälen und zu rösten.
Mein Körper hat sich seit ich in Alenga lebe zwar umgestellt, ich wache eigentlich täglich mit der Sonne auf, aber dann kann ich mich auch gut nochmal kurz umdrehen und weiter dösen. Eine Anpassung an das Frühaufstehen kommt fast automatisch, da wir mit Schwestern zusammenleben, die jeden Tag um halb 7 zum Morgengebet aufbrechen, und die Schülerinnen auch täglich um viertel vor 7 in die Messe gehen. Wenn man erst gegen 9 Uhr morgens das Haus verlässt, heißt es gleich: „You were lost! Why?“. Daran sieht man auch, dass es hier überhaupt nicht üblich ist Zeit im Haus zu verbringen. Während man in Deutschland viele Arbeiten auch im Haus verrichten kann und oft viel Zeit drinnen verbringt, nutzen die Langi ihr Haus hier auf dem Dorf weitestgehend zum Schlafen und ein anderes zum Kochen. Ansonsten werden alle Arbeiten draußen verrichtet.

Was ich zugeben muss: ich freue mich wieder auf ein gemütliches Frühstück am Samstagmorgen im Schlafanzug!!

Die Uhr in Ostafrika
Wenn ich 10 Uhr morgens sage, meine ich auch 10 Uhr morgens. Jaaa, schön wärs. Das klappt auf der einen Seite nicht, weil niemand pünktlich da sein würde und auf der anderen Seite nicht, weil die Uhr auf Swahili und auf Lango anders gelesen wird. 7 Uhr morgens ist auf Lango nämlich „cawa acel“ (die erste Stunde). Von dort an wird dann bis 12 gezählt und 7 Uhr abends ist dann wieder die erste Stunde. Leicht verwirrend, so etwas habe ich in Deutschland noch nie gehört. Aber wenn man sich auf Englisch unterhält, benutzen alle das britische a.m und p.m. und meinen dann auch 10 Uhr morgens, wenn sie 10 Uhr morgens sagen. Da wäre dann nur noch die Pünktlichkeit…
Wie wir in unserem Osterartikel schon beschrieben haben, passt das Sprichwort „Die Europäer haben Uhren, die Afrikaner haben die Zeit“ hier oft wirklich. Wenn eine Chorprobe auf 4 Uhr nachmittags angesetzt ist, sollte man frühestens zwei Stunden später mal schauen, ob die ersten schon eingetrudelt sind. Dann wird natürlich auch nicht mit den wenigen, die da sind, begonnen, sondern sich lieber noch unterhalten und Witze gemacht, bis dann irgendwann genug da sind, um zu beginnen oder aber es fällt aus, weil einfach nicht alle gekommen sind.
Natürlich ist das Thema der Pünktlichkeit in Afrika ein großes Klischee, aber für uns hat es sich hier häufig bestätigt. Unsere Arbeitsstellen sind perfekte Beispiele dafür, dass es zweierlei Einstellungen gibt: Während bei mir der offizielle Arbeitsbeginn 8 Uhr ist, aber alle erst gegen halb 10 gemütlich eintrudeln, beginnen Gretas Unterrichtsstunden um halb 9 und keine Minute später. Die Lehrer sind immer schon früh morgens in der Schule und achten sehr genau darauf, dass pünktlich begonnen wird. Mittlerweile haben sich auch alle Schülerinnen daran gewöhnt, dass sie pünktlich im Klassenraum sitzen müssen. Zu Beginn konnte Greta deutlich merken, dass ihnen das schwer fiel.

Hexerei – die Lösung für alles
Dieses Thema war wirklich völlig neu für uns. Die Langi neigen dazu jegliche Ereignisse, die ihnen komisch vorkommen, mit dem Satz „That was witchcraft!“ -> „Das war Hexerei“ abzutun.
So muss zum Beispiel bei der Heirat gut aufgepasst werden, dass man sich nicht mit einer Hexerfamilie verbündet. Als wir eine Freundin auf dieses Thema ansprachen, sagte sie uns, dass diese Familien dann alles Böse auf dich übertragen könnten. Wenn man ihn einem Konflikt mit ihnen stünde oder sie eine persönliche Abneigung gegen jemanden hätten, käme es nicht selten vor, dass sie diese Person vergiften oder verhexten, sodass diese am nächsten Tag schwerst krank oder gar tot sei.
Außerdem erzählte unsere Freundin Grace uns, dass sie in Kampala mithilfe von Hexerei ausgeraubt wurde. Jemand fragte sie auf der Straße, ob sie ihm Geld wechseln könne. Das tat sie. Einige Minuten später wollte sie an der Ladenkasse bezahlen und fand in ihrer Tasche statt Geld nur Zeitschriften. Ihre Erklärung: Die Frau hatte einen Hexentrank auf das getauschte Geld geschmiert und so das Geld aus ihrer Tasche gehext und die Zeitschriften hinein. Falls jetzt jemand denkt, dass ich scherze: Nein, das ist mein Ernst. Die Leute glauben fest an die Hexerei und es sind dann auch keine Vermutungen,  sondern es heißt stets „Ich weiß, dass diese Person mich verhexen wollte…“.
Einer meiner Kollegen hat mir auf diese Weise auch erklärt, wie es hier in Uganda zu psychischen Krankheiten komme: Es gäbe Dämonen, die nachts auf die Terrasse kommen, laut schreien und tanzen. Der Betroffene winde sich dann im Schlaf, versuche sich zu wehren, schaffe es aber nicht und dann übernehme der Dämon den Geist des Betroffenen. Außerdem kann es auch passieren, dass dich deine Nachbarn verhexen, weil sie z.B. neidisch auf dein Geld sind, und du dann dadurch verrückt wirst. Deshalb war sich mein Kollege auch sicher, dass es in Deutschland keine psychischen Krankheiten gäbe, weil es dort ja keine Dämonen geben könne.
Es ist für mich unfassbar wie sehr der Glauben an Hexerei verwurzelt ist und ständig als Erklärung verwendet wird.

 

Die Subsistenzwirtschaft und der Alkoholismus – Gehen sie Hand in Hand?
80% der Ugander sind in der Landwirtschaft tätig. Deren Anteil am Bruttoinlandsprodukt liegt bei rund 40 %. Die fruchtbaren vulkanischen Böden vielerorts sichern gute Ernten. Doch gerade momentan bleibt in Alenga trotz der Regenzeit der Regen aus und die Bauern müssen die Auswirkungen der Erderwärmung schmerzlich spüren. Freunde erzählten uns, dass sie bis vor zwei Jahren keinen Nieselregen gekannt hätten. Doch mittlerweile sind die Folgen der Erderwärmung so gravierend, dass viele schlechtere Ernten haben als zuvor.

Fast alle Bauern bauen nur für den eigenen Bedarf an (Subsistenzwirtschaft). Die Hauptanbaufrüchte sind Kochbananen (Matooke), Reis, Cassava und Bohnen.

Wichtigste Exportprodukte Ugandas sind Kaffee, Baumwolle, Tabak und Tee. Bekannt unter dem Namen „Victoriasee-Barsch“ ist an den europäischen Fischtheken außerdem der Tilapia.

Hier in der ruralen Gegend Alengas ist die Subsistenzwirtschaft nicht nur weit verbreitet, sondern Teil jedes Haushaltes. Wir kennen niemanden hier, der keinen eigenen Garten hat und dort Essen für sich und seine Familie anbaut. Da wird dann auch zwischen Familienmitglieder hin und her getauscht, Süßkartoffeln gegen Cassava etc.. Bei manchen bleibt im Garten etwas übrig. Dann verkaufen sie es auf dem Markt oder einfach in der Nachbarschaft. Daraus folgt, was ich ganz wunderbar finde, dass man bei fast allen Produkten weiß, wo sie herkommen, wer sie angebaut hat und, dass der Einkauf die lokale Produktion unterstützt. Dieses Bewusstsein wird mich bei meinen zukünftigen Lebensmitteleinkäufen in Deutschland begleiten. Wieso nicht den Apfel kaufen, der vielleicht zweite Klasse ist, aber aus dem Landkreis kommt, statt einen Apfel, der aus Brasilien eingeflogen wurde? So trägt man zur geringeren Umweltverschmutzung bei, unter der unsere Erde leiden muss.
Viele der Männer und Frauen hier sind also Bauern. Sie arbeiten täglich hart und was an Geld am Ende übrig bleibt, ist oft wenig. Da kommen dann Probleme auf, z.B. wie die Schulgebühren für die Kinder bezahlt werden können oder die Gebühren im Krankenhaus. Gerade in Bezug auf die medizinische Versorgung spürt man, dass die Menschen hier auf das Arbeiten im Feld angewiesen sind. Wenn es in der Nacht geregnet hat, weiß ich schon, dass wir heute nur wenige Patienten haben werden, da diese sich dann zunächst um ihren Garten kümmern müssen, bevor sie ins Krankenhaus kommen können. Auch Schwangere arbeiten oft bis kurz vor der Geburt sowie direkt nach der Geburt wieder und verpassen deshalb auch einige der Vorsorgetermine. Wenn ich die Hebamme Gloria frage, warum so viele Frauen eine Fehlgeburt oder Schmerzen im Bauch und Rücken haben, ist die Antwort meistens: weil sie zu viel arbeiten.
Wie man sieht, ist die Beschäftigung der Menschen hier sehr ähnlich. Manche haben natürlich einen größeren Garten und gleichzeitig noch einen anderen Job, so dass sie besser verdienen oder sich zumindest durch ein Nebenbusiness – wie beispielsweise unsere Freundin Anna, die durch das Brauen des Cassavaschnaps’ eine weitere Einnahmequelle hat – etwas dazu verdienen. Dennoch leben viele der Einwohner Alengas und der Dörfer der Umgebung an der Armutsgrenze. Das bringt nicht nur die oben genannten Probleme der fehlenden Schulgebühren für die Kinder, sondern noch zwei weitere: 1. Die Fortpflanzungsrate steigt, da es an anderen Freizeitbeschäftigungen fehlt (so hat Father Stan es uns erklärt). Abends wird es schon gegen sieben dunkel und dann haben die Leute kein Licht und natürlich auch keinen Fernseher oder ähnliches. 2. Der Alkoholkonsum der Männer steigt. Diese begeben sich oft abends ins Center (die „Stadtmitte“ Alengas mit kleinen Bars) und betrinken sich dort, bevor sie nachts völlig betrunken nach Hause kommen. Frauen sieht man dort eigentlich nie. Als verheiratete Frau gehört es sich nicht mehr auszugehen und auch vorher ist das in Alenga schwierig, da gerne Gerüchte verbreitet werden und man sehr auf seinen Ruf und den der Familie achten muss. Meine Kolleginnen können abends nie rausgehen und in der Öffentlichkeit ein Bier trinken oder im Center sitzen, da sie sonst in ihrem Job nicht mehr ernst genommen werden und einen schlechten Ruf bekommen. In kleineren Städten wie Apac aber, sei es durchaus üblich, dass unverheiratete Frauen abends auch in den Club oder eine Bar gingen, berichtete unsere Freundin Grace. Der hohe Alkoholkonsum der Langi-Männer wird häufig von den Schwestern oder anderen bemängelt. Hebamme Gloria z.B. kommt nicht aus dem Langi Gebiet und hat uns erzählt, dass sie niemals einen  Mann von hier heiraten würde aufgrund der Neigung zum zu viel trinken am Abend. Häufig hört man, wie die Leute in ihren Gesprächen bemängeln, dass dieser oder jener ein „drunko“ sei oder wie sie über die Kinder des „drunko“ reden. Nach meinem Gefühl, findet der Alkoholismus hier weniger versteckt statt, als ich es aus Deutschland von Alkoholikern kenne. Wenn man vormittags auf der Hauptstraße Richtung Ibuje läuft, kann es gut vorkommen, dass man einem völlig betrunkenen Mann mit Waragi (ugandischer Schnaps aus Cassava) in der Hand begegnet. Dieser Alkoholkonsum hat sicher noch weitere Ursprünge, abgesehen von der Frustration über die Armut und die Arbeitslosigkeit, aber dies scheint wohl oft ausschlaggebend. Abgesehen von der Arbeit auf dem Feld gibt es hier wenig Jobmöglichkeiten, man kann sein eigenes Geschäft als kleiner Lebensmittelhändlern oder als Schneiderin eröffnen, als  Krankenschwester in der lokalen Krankenstation arbeiten, aber dafür braucht man eben eine gute Schulausbildung, die mit Kosten verbunden ist und deshalb vielen hier fehlt. Uganda, das jüngste Land auf der Welt, mit 77%, die jünger als 30 Jahre sind, hat auch mit großer Landflucht zu kämpfen. Denn gut bezahlte Jobs, für die man eine bestimmte Ausbildung braucht, findet man nur in den Städten. Eine schockierende Zahl ist die Arbeitslosigkeitsrate der Jugend und jungen Erwachsenen: Sie liegt bei 83% für alle zwischen 15 und 25 Jahren.

Am Ende dieses Absatzes möchte ich Nelson Mandela zitieren, der einmal gesagt hat: „Education is the most powerful weapon to change this world.“.

Ihr Lieben, das war es auch schon wieder von mir. Ich freue mich über eure Kommentare zu dieser ersten Sammlung kultureller Eindrücke aus Alenga.  Ich kann euch schon jetzt versprechen, es wird bei Gelegenheit eine Fortsetzung geben.

Ganz liebe Grüße in die Heimat

Francesca

Uganda – Ein Kontinent mit 500 Einwohnern

Hallo ihr treuen LeserInnen,

heute möchte ich euch kurz von den zusätzlichen Unterrichtsstunden erzählen, die Greta und ich seit Februar am Freitagabend mit den Mädchen machen.

Schon seit Beginn meines Einsatzes in Alenga ist mir immer wieder – egal, ob in der Freizeit oder durch Gretas Erzählungen aus dem Unterricht – aufgefallen, dass die Schülerinnen große Lücken in Bezug auf Allgemeinwissen haben, das für mich selbstverständlich schien.
Beispiele dafür sind, dass sie keinerlei Vorstellung haben wie die Welt abgesehen von Uganda und seinen Nachbarländern aussieht oder, dass sie nicht wissen was eine Fähre ist und wofür sie verwendet werden kann. Das trifft natürlich nicht auf alle zu, sondern variiert von Person zu Person und den unterschiedlichen Stufen der Schulausbildung.
Aber da in der Berufsschule auch Mädchen sind, die nur vier Jahre lang die Grundschule besucht haben, fallen große Lücken schnell auf. Generell empfinde ich, dass ein Vorstellungsvermögen für all das fehlt, was hinter Alenga und der nächsten Großstadt Lira in der Welt alles kommt.
In Deutschland hatte ich das Privileg, theoretische Erkenntnisse beispielsweise über Geographie in der Schule zu gewinnen und die dann praktisch durch Reisen in andere Länder, sogar auf andere Kontinente zu vertiefen. Das – was für viele Deutsche zum Leben dazu gehört – scheint für die Schülerinnen hier in Alenga unerreichbar und wie ein weit entfernter Traum.
Dennoch haben Greta und ich beschlossen: Die grundlegende Theorie können wir liefern und mit Spiel und Spaß interessant gestalten.

Also begannen wir mit einer ganz generell gefassten Unterrichtsstunde über „Die Welt“. Dank einer großzügigen Spende der Buchhandlung Terwelp in Cloppenburg, konnten wir dafür sogar tolle Weltkarten verteilen, in die wir Notizen, Kreuze und Kreise machten. Wir bauten diese Stunde als Quiz auf, was den Mädchen gut gefallen hat. Frage Nummer 1 war: Wie viele Kontinente gibt es und was sind ihre Namen?
Für einige wenige, ein Klacks. Andere waren verzweifelt: „Francesca, was ist ein Kontinent?“, wurde ich gefragt. Andere fragten nicht, sondern schrieben nach einer kurzen Diskussion in der Kleingruppe auf: „Es gibt 53 Kontinente.“, dann folgten die Namen einiger Länder Afrikas, die sie aus der Karte abschrieben. „Brasilien, Uganda, Russland und Australien“ war eine weitere Antwort.
Wie ihr seht, ein kunterbunter Mix aus weitgehend falschen Vermutungen. Das schockte uns schon sehr. Klar, auch in Deutschland gibt es riesige Lücken an Allgemeinwissen, ich gebe zu, dass auch ich – trotz 12 Jahren Schule und einem Abitur in der Tasche – viele Dinge nicht weiß und mein Allgemeinwissen auffrischen sollte. Aber sind denn die Namen der Kontinente nicht einfach jedem klar, fragte ich mich? Sie sind wohl so „klar“, wie hier jedem bewusst ist, wie man seinen Garten am besten bepflanzt, was welches Gewächs ist sobald man in die Natur schaut und wie man Bohnen und Posho kocht. Wenn mich jemand danach fragt, sind meine Antworten meist auch kreativer Unsinn. In Alenga ist eben ein anderes Wissen altäglich viel wichtiger, da ist es nicht von Bedeutung, wie die Hauptstadt der Mongolei heißt, sonder in welchem Boden Cassava am besten wächst und wie man Reis am besten von Steinen und Körnern befreit, bevor man ihn auf einer Feuerstelle kocht. Was dieses Wissen und harte körperliche Arbeit betrifft, kennen sich die Schülerinnen bestens aus und haben ein starkes Durchhaltevermögen.
Ich durfte also lernen, dass grundlegendes Wissen sich unterscheidet und der Mensch eben gern das behält, was für ihn gerade wichtig ist.
Im Verlauf der weiteren Unterrichtsstunde kam es auch zu anderen lustigen Antworten. „Auf der Welt leben 7000 Menschen.“, „Der höchste Berg ist der Mt. Rwenzori in Westuganda“ etc. Aber es gab auch viele richtige Antworten, beispielsweise war allen klar, dass der längste Fluss der Welt der Nil ist.
Die Weltkarten waren jedenfalls eine super Idee, begeistert haben die Mädchen nach verschiedenen Ländern gesucht, ein Kreuz am Kaspischen Meer und im Himalaya Gebirge gesetzt.

In der darauffolgenden Stunde beschäftigten wir uns dann nur mit dem Kontinent Afrika. Wieder gestalteten wir die Stunde als ein Quiz und merkten gleich zu Beginn, dass es den Mädchen etwas leichter fiel. Wir fragten nach der Gesamtanzahl aller Länder Afrikas, nach den größten Hauptstädten, dem höchsten Berg, dem größten See und die Antworten kamen, z.T. mit etwas Hilfe durch die Karten, bei den Hauptstädten sehr flüssig. Gerade den Viktoriasee und den Ursprung des Nils in ihm kennen alle gut, wenn auch viele noch nicht da waren. Bei all dem halfen auch wieder unsere Weltkarten. Auf die Frage, wie viele Menschen in Afrika insgesamt leben, haben wir Antworten von 500 Menschen bis eine Billionen bekommen. Das Vorstellungsvermögen für Zahlen scheint auch ausbaufähig zu sein.

Unser nächster Schritt war eine Stunde über Uganda, in der wir uns nicht so sehr auf die Geographie konzentrierten, sondern auf generelle Informationen, die wir in einer Mindmap an der Tafel festhielten. Wir haben einige Fragen gestellt und dann zahlreiche Antworten bekommen. Nachbarländer, wichtigste historische Personen und Ereignisse schienen bekannt zu sein. Außerdem präsentierten wir auch ein paar Fakten wie zum Beispiel die Kindersterblichkeitsrate, die mit ca. 13% die höchste in Ostafrika ist. Über diese hohe Zahl freuten sich die Mädels erst, bis wir erklärten, was das bedeutet und dass es an Krankheiten und schlechter medizinischer Versorgung liegt.
Als wir die Geschichte Ugandas präsentierten, wussten sie sehr gut, dass Uganda von 1890- 1962 britisches Protektorat war und danach durch Obote und Idi Amin eine Zeit der grausamen Bürgerkriege kam. Als Greta erzählte, dass in dieser Zeit von 1971- 1986 eine halbe Millionen Ugander starben, fehlte aber wieder etwas das Vorstellungsvermögen für eine solche Ziffer.
Außerdem präsentierten wir die HIV-Rate Ugandas, 1,46 Millionen Menschen von 36 Millionen Ugandern sind offiziell infiziert, als Auftakt für unsere nächste Unterrichtseinheit. Wir werden einige Aufklärungsstunden zur Fortpflanzung, zu HIV und AIDS, zu Verhütung und dem verantwortungsvollen Umgang mit Sexualität machen.

Das war es auch schon wieder von uns. Gerne dürft ihr euch melden, falls ihr Anregungen und Ideen für die Extrastunden habt.

Viele liebe Grüße

Eure Francesca

Und, wie viele Kontinente hat unsere Erde eigentlich?

Hallo ihr Lieben,

heute möchte ich euch kurz von den zusätzlichen Unterrichtsstunden erzählen, die Francesca und ich seit Februar am Freitag Abend mit den Mädchen machen. Schon seit Beginn meines Einsatzes in Alenga ist mir immer wieder – egal, ob während des Unterrichts oder in der Freizeit – aufgefallen, dass die Schülerinnen große Lücken in Bezug auf Allgemeinwissen haben, das für mich selbstverständlich schien. Beispiele dafür sind, dass sie keinerlei Vorstellung haben wie die Welt abgesehen von Uganda und seinen Nachbarländern aussieht oder, dass sie nicht wissen was eine Fähre ist und wofür sie verwendet werden kann. Das trifft natürlich nicht auf alle zu, sondern variiert von Person zu Person und den unterschiedlichen Stufen der Schulausbildung.
Aber da ich auf der Berufsschule auch Mädchen unterrichte, die nur vier Jahre lang die Grundschule besucht haben, fallen große Lücken schnell auf. Generell empfinde ich, dass ein Vorstellungsvermögen für all das fehlt, was hinter Alenga und der nächsten Großstadt Lira in der Welt alles kommt.
Ich habe erleben dürfen, dass theoretische Erkenntnisse beispielsweise über Geographie in der Schule gewonnen werden und die dann praktisch durch Reisen in andere Länder, sogar auf andere Kontinente vertieft wurden. Das – was für viele Deutsche zum Leben dazu gehört – scheint für die Schülerinnen hier in Alenga unerreichbar und wie ein weit entfernter Traum.
Dennoch haben Francesca und ich beschlossen: Die grundlegende Theorie können wir liefern und mit Spiel und Spaß interessant gestalten. Also begannen wir mit einer ganz generell gefassten Unterrichtsstunde über „Die Welt“. Dank einer großzügigen Spende der Buchhandlung Terwelp in Cloppenburg, konnten wir dafür sogar tolle Weltkarten verteilen, in die wir Notizen, Kreuze und Kreise machten. Wir bauten diese Stunde als Quiz auf, was den Mädchen gut gefallen hat. Frage Nummer 1 war: Wie viele Kontinente gibt es und was sind ihre Namen?
Für einige wenige, ein Klacks. Andere waren verzweifelt: „Greta, was ist ein Kontinent?“, wurde ich gefragt. Andere fragten nicht, sondern schrieben nach einer kurzen Diskussion in der Kleingruppe auf: „Es gibt 53 Kontinente.“, dann folgten die Namen einiger Länder Afrikas, die sie aus der Karte abschrieben. „Brasilien, Uganda, Russland und Australien“ war eine weitere Antwort.
Wie ihr seht, ein kunterbunter Mix aus weitgehend falschen Vermutungen. Das schockte uns schon sehr. Klar, auch in Deutschland gibt es riesige Lücken an Allgemeinwissen, ich gebe zu, dass auch ich – trotz 12 Jahren Schule und einem Abitur in der Tasche – viele Dinge nicht weiß und mein Allgemeinwissen auffrischen sollte. Aber sind denn die Namen der Kontinente nicht einfach jedem klar, fragte ich mich? Sie sind wohl so „klar“, wie hier jedem bewusst ist, wie man seinen Garten am besten bepflanzt, was welches Gewächs ist sobald man in die Natur schaut und wie man Bohnen und Posho kocht. Wenn mich jemand danach fragt, sind meine Antworten meist auch kreativer Unsinn.
Ich durfte also lernen, dass grundlegendes Wissen sich unterscheidet und der Mensch eben gern das behält, was für ihn gerade wichtig ist. In Alenga ist eben ein anderes Wissen alltäglich viel wichtiger, da ist es nicht von Bedeutung, wie die Hauptstadt der Mongolei heißt, sondern in welchem Boden Cassava am besten wächst und wie man Reis am schnellsten von Steinen und Körnern befreit bevor man ihn auf einer Feuerholzstelle kocht. Was dieses Wissen und praktische sowie körperliche Arbeit betrifft, kennen sich die Schülerinnen bestens aus und haben ein starkes Durchhaltevermögen.
Im Verlauf der weiteren Unterrichtsstunde kam es auch zu anderen lustigen Antworten. „Auf der Welt leben 7000 Menschen.“, „Der höchste Berg ist der Mt. Rwenzori in Westuganda“ etc..Aber es gab auch viele richtige Antworten, beispielsweise war allen klar, dass der längste Fluss der Welt der Nil ist.
Die Weltkarten waren jedenfalls ein super Idee, begeistert haben die Mädchen nach verschiedenen Ländern gesucht, ein Kreuz am Kaspischen Meer und im Himalaya Gebirge gesetzt.
In der darauffolgenden Stunde beschäftigten wir uns dann nur mit dem Kontinent Afrika. Wieder gestalteten wir die Stunde als ein Quiz und merkten gleich zu Beginn, dass es den Mädchen etwas leichter fiel. Wir fragten nach der Gesamtanzahl aller Länder Afrikas, nach den größten Hauptstädten, dem höchsten Berg, dem größten See und die Antworten kamen z.T. mit etwas Hilfe bei den Hauptstädten sehr flüssig. Gerade den Viktoriasee und den Ursprung des Nils in ihm kennen alle gut, wenn auch viele noch nicht da waren. Bei all dem halfen auch wieder unsere Weltkarten. Auf die Frage wie viele Menschen in Afrika insgesamt leben haben wir Antworten von 500 Menschen bis eine Billionen bekommen. Das Vorstellungsvermögen für Zahlen scheint auch ausbaufähig zu sein.
Unser nächster Schritt war eine Stunde über Uganda, in der wir uns nicht so sehr auf die Geographie konzentrierten, sondern auf generelle Informationen, die wir in einer Mindmap an der Tafel festhielten. Wir haben einige Fragen gestellt und dann zahlreiche Antworten bekommen. Nachbarländer, wichtigste historische Personen und Ereignisse schienen bekannt zu sein. Außerdem präsentierten wir auch ein paar Fakten wie zum Beispiel die Kindersterblichkeitsrate, die mit ca. 13% die höchste in Ostafrika ist. Über diese hohe Zahl freuten sich die Mädels erst, bis wir erklärten, was das bedeutet und dass es an Krankheiten und schlechter medizinischer Versorgung liegt.
Als wir die Geschichte Ugandas präsentierten, wussten sie sehr gut, dass Uganda von 1890- 1962 britisches Protektorat war und danach durch Obote und Idi Amin eine Zeit der grausamen Bürgerkriege kam. Als ich erzählte, dass in dieser Zeit von 1971- 1986 eine halbe Millionen Ugander starben, fehlte aber wieder etwas das Vorstellungsvermögen für eine solche Ziffer.
Außerdem präsentierten wir die HIV-Rate Ugandas, 1,46 Millionen Menschen von 36 Millionen Ugandern sind offiziell infiziert, als Auftakt für unsere nächste Unterrichtseinheit. Wir werden einige Aufklärungsstunden zur Fortpflanzung, zu HIV und AIDS, zu Verhütung und dem verantwortungsvollem Umgang mit Sexualität machen.

Liebe Leserinnen und Leser, zum Abschluss dieses Artikels möchte ich euch einladen, einmal euer Wissen zu Afrika und Uganda zu testen. Wir haben euch ein kleines Quiz dazu erstellt. Viel Spaß dabei 🙂

Das war es auch schon wieder von mir. Gerne dürft ihr euch melden, falls ihr Anregungen und Ideen für die Extrastunden habt.

Seid ganz lieb gegrüßt

eure Greta

 

Der afrikanische Kontinent hat 54 Länder. Jüngstes Land ist der Südsudan: er erlangte 2011 seine Unabhängigkeit vom Sudan.

In Uganda leben 36 Millionen Menschen.

Posho ist Maisbrei und wird somit aus Maismehl gekocht.

In Uganda sind 84% Christen. Davon sind 40% katholisch und 32% evangelisch. 12% gehören zum Beispiel den Pfingstlergemeinden oder anderen christlichen Gemeinden an. 13% der Bevölkerung sind Muslimisch und 3% haben eine Naturreligion.

Museveni ist seit 1986 der präsident Ugandas. Vergangenes Jahr hat er Gesetze umgeschrieben, damit es keine Alterbegrenzung mehr gibt und er trotz seiner 73 Jahren nochmal gewählt werden kann.

Die Fertilitätsrate liegt bei 5,7. Hier in Alenga auf dem Land bekommen viele Frauen allerdings mehr als 6 Kinder und nicht selten sieht Francesca bei ihrer Arbeit, dass die Frau gerade ihre 10. Schwangerschaft austrägt. In den Städten Ugandas nutzen immer mehr Menschen die Möglichkeiten der Medizin, um weniger Kinder zu bekommen und eine Familie zu planen, damit auch genug Geld da ist, um jedes Kind in die Schule schicken zu können.

In Uganda leben vier Völker mit mehr als 45 ethnische Gruppen. Diese vier sind: Bantu, Sudanische Gruppe, Niloten, Pygmäen.

Die Nachbarländer sind: Demokratische Republik Kongo, Tansania, Kenia, Ruanda und Südsudan.

In Uganda werden über 70 Sprachen gesprochen. Zum Beispiel Luganda (Süden/Kampala), Luo: Lango, Acholi, Alur, etc.

Uganda hat bereits über 1 Millionen registrierte Flüchtlinge aus den Ländern Sudan, Südsudan, Congo, Ethiopien, Eritrea, Burundi und Ruanda aufgenommen. In echt sind es wahrscheinlich noch viel mehr. Uganda hat aus dem Südsudan ca. 489’000 Flüchtlinge aufgenommen, während „nur“ 362’000 Menschen die Flucht über das Mittelmeer nach Europa angetreten haben….

Schwarz=Die Farbe der Menschen
Gelb=Sonnenlicht
Rot=Steht für das Blut über das die Menschen in Uganda untereinander und mit der ganzen Welt verbunden sind; für Brüderschaft

In Uganda leben mehr als die Hälfte der auf der Welt lebenden Berggorillas (ca.400).

Aber der Engel sprach zu den Frauen: „Fürchtet euch nicht!“ – Mt 28, 5-6

Liebe Leserinnen und Leser,
ich hoffe, dass ihr eine schöne Osterzeit mit all euren Lieben verbracht habt. Heute möchte ich euch erzählen, wie ich hier in Alenga die Fastenzeit und das Osterfest verbracht habe.

Die Fastenzeit

Am Aschermittwoch begannen wir die Fastenzeit mit einem schönen Gottesdienst am Morgen. Der Beginn der enthaltsamen Fastenzeit bedeutete, wie schon in der besinnlichen Adventszeit, dass in der Kirche nicht mehr getanzt werden durfte. Stattdessen gab es jeden Freitag Nachmittag einen Kreuzweg mit anschließendem Rosenkranz beten und der Möglichkeit zur Beichte.  Uns hat überrascht, wie viele Kinder und Jugendliche während dieser Zeit fast wöchentlich gebeichtet haben. Das kennen wir aus Deutschland nicht.

Während sich in Deutschland viele ein festes Fastenziel vornehmen, wie das Verzichten auf Alkohol oder Süßigkeiten, haben wir hier kein derartiges Verzichten mitbekommen. Sister Anne hat mir erzählt, dass die Schülerinnen während des Religionsunterrichts auf die Frage, wie sie ihre Fastenzeit gestalten wollen, geantwortet haben, dass sie so arm seien, dass sie doch auf nichts verzichten können, sie haben ja sowieso nichts und würden nur Maisbrei mit Bohnen essen. Es ist uns hier schon oft aufgefallen, dass ein Standardsatz ist: “Wir sind ja arm, wir haben nichts.“ Das wird gern gesagt, egal ob man einen guten Job hat oder arbeitslos ist.

Die Priester und Schwestern haben die Mädchen stattdessen ermutigt, durch Taten zu Fasten. Das heißt also, anderen zu helfen, den Hass überwinden, Streitereien schlichten und Liebe im Alltag zeigen und leben.

Einweihung von Unterrichtsräumen in einer Primary School

Am 22. März waren wir gemeinsam mit Sister Anne, Sister Evaline und Father Stan an der Apele Primary School, über die wir schon zu Beginn im Blog berichtet haben, um an einer Einweihungsfeier für drei neue Klassenräume teilzunehmen, die dort mit Stans Hilfe entstanden sind. Eine deutsche Organisation namens „Vier Steine für Afrika“ (www.viersteinefuerafrika.de) hat das Geld für dieses Gebäude gesammelt, und durch Stan als Kontaktmann vor Ort können solche Projekte hier gelingen und verwirklicht werden.

Es war ein wirklich schönes Fest, alle SchülerInnen haben etwas vorbereitet und auf Englisch gesungen, getanzt und Gedichte aufgesagt. Sogar die ganz Kleinen aus der Nursery School (Kindergarten) haben ein englisches Lied mit passendem Tanz aufgeführt. Auch die Eltern haben Showbeiträge geliefert und durch Reden und ein leckeres Essen wurde das Fest abgerundet. Zu guter Letzt durften noch alle wichtigen und einflussreichen Besucher wie beispielsweise der Vorsitzende der Grundschulen des Apac Districts und eine lokale Politikerin und alle weißen Anwesenden (wir zwei) ein Stück Land kaufen und mit einem kleinen Blümchen bepflanzen. Das Geld kommt der Entwicklung der Schule zu gute. Als wir zum Einpflanzen die Hacke schwangen, wurden wir ziemlich ausgelacht und wir schafften zwei Hiebe, bevor uns ein besorgter Mann die Hacke aus der Hand riss und sich selbst an die Arbeit machte. Wir werden dank unserer Hautfarbe oft als empfindlich und zart eingestuft und dementsprechend körperlich unterschätzt.

Introduction von Francis – endlich Tanzen!

Am folgenden Wochenende waren wir wieder mal auf eine Introduction (traditionelle Hochzeit) eingeladen. Dieses Mal heiratete unser Freund Francis, der gemeinsam mit uns im Chor ist und immer während der Messe das Keyboard spielt. Die Hochzeit fand bei Francis zu Hause statt, was ungewöhnlich ist, normalerweise wird die Hochzeit im Heimatdorf der Frau ausgerichtet. Hier gab es weniger traditionelle Programmpunkte als bei Jaspers und Marthas Hochzeit, über die wir im Januar berichtet haben. Zu Beginn schnitten die Gäste das Band durch und wurden mit viel Jubel in den Festbereich geführt. Anschließend folgte eine ewig lange Vorstellungsrunde von allen anwesenden Gästen und den verschiedenen Verwandtschaftsverhältnissen. Der Katechist Alengas, Patrick, segnete das Brautpaar und predigte darüber, wie wichtig es sei mit der, für die Hochzeit auserwählten Frau, zusammen zu bleiben und für ein stabiles und harmonisches Zusammenleben zu sorgen, statt sie gegen eine andere Frau auszutauschen und sie mit den Kindern allein zu lassen. Eine solche Verantwortungslosigkeit in Bezug auf die Ehe und die Familie gibt es hier häufiger, viele der Schülerinnen leben allein mit der Mutter, mit ihrem Vater und Stiefmutter Nummer drei oder gar bei Großeltern oder entfernten Verwandten, weil beide Eltern nach dem Ende der Ehe verschwunden sind.

Da die Hochzeit bei Francis stattfand, wurden dann einige Männer für die „Brautsuche“ unter einer Decke vorgebracht und die Brautjungfern  haben nach dem Bräutigam Ausschau gehalten. Als Francis als Letzter unter der Decke hervorkam, wurde gejubelt, getanzt und das offizielle Programm war beendet, sodass Greta und ich uns mit Freunden von Francis unterhielten und Fotos machten. Als es Essen gab, wurden wir wie besondere Ehrengäste behandelt, was uns eher unangenehm war, aber sich nicht ändern ließ, und durften mit einigen Männern separat Essen. Wir unterhielten uns mit ihnen über Sprachen und sie waren sich sehr einig darin, dass man, wenn man Deutsch beherrscht, keinerlei Probleme mehr hat. Sie entwarfen endgültig Zukunftsträume, wie sie eines Tages in Deutschland leben würden, als wir ihnen erzählten, dass der Mann bei uns keine teure Mitgift für die Zukünftige bezahlen muss.

Im Anschluss wurde dann richtig ausgelassen getanzt, worüber auch wir uns freuten, denn bei Jasper mussten wir ja schon vor dem Tanz aufbrechen. Zunächst tanzten nur die Frauen und reichten Flaschen mit Alkohol umher, während die Männer etwas abseits saßen und dort den lokalen Schnaps aus Eimern genossen. Später aber tanzten auch die Männer, wobei Frauen und Männer keineswegs zusammen tanzten und man deutlich gemerkt hat, dass viele Männer, je später es wurde, betrunkener und unangenehmer wurden. Gegen neun Uhr verließen wir das Fest, schließlich wohnen wir ja bei Schwestern und müssen auf unseren Ruf achten, was hier wirklich nicht leicht ist, da alles gleich im ganzen Dorf rumerzählt wird.

Fun Fact: In letzter Zeit haben wir viel gebacken und dementsprechend viele Eier gekauft. Dann wurde ich in der Arbeit gleich mal darauf angesprochen, dass wir so viele Eier äßen und davon dick würden und, dass wir sie bei Jasper kaufen sollten, statt vorne im Center. Ach ja, das Dorfleben ist doch wunderbar.

Palmsonntag – Beginn der Karwoche

Den Palmsonntag begannen wir mit einer fröhlichen und ausgelassenen Prozession. Ein bisschen von der Kirche entfernt, standen wir zum anfänglichen Gebet in der Sonne und schwangen unsere Palmzweige – endlich mal ein Palmsonntag mit richtigen Palmblättern statt Palmbuschen aus Palmkätzchen und Buchsbaum. Viele Kinder und auch die Schülerinnen hatten ihre Palmwedel wunderschön mit Blüten verziert und gemeinsam mit den fröhlichen Liedern des Palmsonntags kam eine tolle Atmosphäre während der Prozession auf. Ungefähr auf der Hälfte der Prozession entschied sich dann aber ein Teil der Gläubigen, schnell eine Abkürzung zu nehmen, um in der Kirche noch einen guten Sitzplatz zu bekommen, denn es war unfassbar viel los. Die Messe war lebhaft und, wie eigentlich immer hier, sehr lang. Danach gönnten wir uns ein leckeres Frühstück und einen entspannten Tag, bevor wir abends für die Priester lecker kochten.

Gründonnerstag – Fußwaschung und die Feier des letzten Abendmahls

Karfreitag – Er starb für uns am Kreuz

Nachdem Greta am Vormittag noch unterrichten musste, während ich frei hatte, – ja, auch in Uganda ist Karfreitag ein Feiertag, aber in Sister Annes Internat gibt es selten auch „unterrichtsfrei“ – machten wir uns um zwölf Uhr zum großen Kreuzweg auf. Wir gingen ca. zwei Kilometer und passierten dabei die 14 Stationen des Kreuzwegs. Bei jeder Station wurde angehalten, die passende Bibelstelle verlesen und gebetet. Anschließend trugen verschiedene Gläubige das Kreuz bis zur nächsten Station und so kamen wir gleichzeitig mit dem Gewitter in der Kirche an.

Dann begannen wir mit der Karfreitagsliturgie. Die Lesung wurde von Mitgliedern des Chors vorgetragen, leider nicht so schön und feierlich wie ich es von zu Hause gewohnt bin. Zur Kreuzverehrung kamen die Gläubigen auf Knien nach vorn an den Altar und berührten und küssten den Gekreuzigten. Am Ende wurde die am Gründonnerstag geweihte Hostie aus dem Tabernakel, dessen Platz Greta Donnerstag Vormittag mit den Sisters dekoriert hatte, geholt und verteilt. Die super Konstruktion mit Tesafilm hielt leider nicht, so dass die Tücher schon halb abfielen. Aber daran störte sich niemand.
Zum Schluss wurde dann der Altar leer geräumt und alle verließen nach und nach die Kirche.

Introduction von Brown – Von Gewohnheiten und kulturellen Unterschieden

Am Samstag waren Greta und ich dann erneut auf eine Hochzeit eingeladen. Als unser Freund Brown uns einlud, sagte er uns, dass die Besucher um elf Uhr ankommen sollten und um zwölf Uhr werde die Hochzeit beginnen. Wir verabredeten uns um zehn Uhr mit unserer Freundin Anna, um dann gemeinsam auf Brown zu warten, der uns mit einem Auto für die Feier abholen wollte. Anna war, obwohl wir eine halbe Stunde zu spät waren und uns schon Sorgen machten, noch im Garten am Arbeiten und begrüßte uns um halb zwölf mit den Worten „Ihr seid aber früh!“ Dann bekamen wir erst mal ein kleines Frühstück und sie stellte sich doch glatt in die Küche, um uns ein Mittagessen zuzubereiten. So genossen wir noch gemeinsame und schöne Stunden bei Anna, die sich nach und nach ganz gemütlich fertig machte, wir machten noch ein Mittagsschläfchen und um halb vier holte Brown uns dann auch mal mit dem Taxi ab. Kaum zu glauben, dass wir nach sieben Monaten in Alenga immer noch derartige Anfängerfehler machen, aber man wird solche deutschen Gewohnheiten, die sich neunzehn Jahre lang eingebrannt haben, einfach nicht so schnell wieder los. Wie sagt man noch gleich? „Die Europäer haben die Uhr, die Afrikaner haben die Zeit.“

Als wir auf dem Hochzeitsgelände ankamen, mit 15 Leuten (inklusive Bräutigam, auf den für den Beginn der Feier gewartet wurde) stiegen wir aus einem Wagen für neun,  ging es dann auch gleich mit viel Jubel, Tanz und Partyatmosphäre los und es begann ein schön gestaltetes Fest. Es gab einen lustigen Moderator, der besonders begeistert davon war, zwei deutsche Mädchen unter den Besuchern zu entdecken und deshalb auch alles auf Englisch übersetzte. Die Verhandlung der ältesten Männer der Familien über die Mitgift zu Beginn dauerte wieder Ewigkeiten, Brown musste für seine Verlobte drei Kühe und neun Ziegen und natürlich noch alles mögliche andere bringen. Nach einigen Reden und offiziellerem Programm, begann die lustig gestaltete Brautsuche, bei der viele Brautjungfern kamen, unter denen die Freunde des Bräutigams die wirkliche Braut zu entdecken versuchten. In einer Runde verkleideten sich drei Frauen als Alte und spielten das Ganze wirklich richtig gut, samt zitterigen Händen und verlangsamter Sprache. Als die richtige Braut, Sharon, gefunden wurde, folgte die Vorstellung des Mannes bei den Eltern der Braut und umgekehrt, wobei Browns Eltern bereits beide verstorben sind, sodass seine Tante und sein Onkel stattdessen anwesend waren.

Dann übergaben sich die beiden kleine Hochzeitsgeschenke und die Hochzeitstorte wurde unter den Gästen verteilt. Es ist hier üblich, dass mehrere kleine Kuchen gebacken werden, damit die besonderen Gästen wie z.B. der Katechist oder Kollegen, einen Kuchen mit nach Hause nehmen können.

Danach wurde es für uns schon stressig, denn um 19 Uhr begann die Osternacht (und die Gottesdienste beginnen tatsächlich immer pünktlich, auch wenn viele Gläubige grundsätzlich eine halbe Stunde zu spät kommen). Natürlich durften wir nicht gehen bevor wir gegessen hatten, auch wenn das Buffet erst um viertel vor sieben aufgebaut wurde und wir, um die Sisters nicht zu enttäuschen, wirklich gehen wollten. Also aßen wir in Rekordgeschwindigkeit um dann einen der Männer vom Essen abzuhalten, damit er uns mit dem Motorrad zur Kirche bringen konnte. Gerade rechtzeitig kamen wir an der Kirche an und entdeckten die Gläubigen draußen am Osterfeuer. Im selben Moment kamen Father Justin und die Messdiener, um die Osternacht zu beginnen.

Die Osternacht – eine Explosion der Lebensfreude

Draußen am Osterfeuer weihte Father Justin die Osterkerze und wir entzündeten unsere Osterkerzen. Wie überall auf der Welt in der Osternacht war die Stimmung unverwechselbar schön und das Wissen darüber, dass nun überall Christen versammelt waren, um die Auferstehung ihres Herrn zu feiern, war dieses Jahr, so fern von zu Hause, toll. Gemeinsam zogen wir in die Kirche ein und begannen die Messe zu feiern. Flavia, eine Freundin, sang die Psalmen der Lesung wunderschön und als später das Licht angemacht wurde und zur Gabenbereitung wieder getanzt werden durfte, explodierten die Menschen. Jubeln, Tanzen, Singen, Klatschen, Trommeln, all das nahm kein Ende mehr und es war wunderbar zu sehen mit was für einer guten Laune wir „Jesus ocer“ (Lango für „Jesus lebt“) verkündeten und verkörperten. Mitten in dieser guten Laune wurden um die 30 Kinder getauft, was zur Auferstehung Christi symbolisch passte. Als der Gottesdienst endete, war zu spüren, dass unsere Tanzlust noch nicht zu Ende war. Also ging es nach dem Auszug des Priesters weiter: Der Chor stimmte Lieder an und die Gemeinde ging auf in den Tänzen zur Auferstehung Christi. Kurz vor Mitternacht taumelten wir, noch berauscht vom Geruch des Weihrauchs und der Musik, aus der Kirche und freuten uns auf eine Dusche und unser Bett, bevor wir am Ostersonntag um acht Uhr die nächste Messe besuchten.

Ostersonntag – Bemalte Eier gibt’s auch in Uganda

Den Ostersonntag begannen wir also mit dem Gottesdienst. Diesmal wurde von Beginn an getanzt und Kinder und Frauen gaben sich besondere Mühe mit dem Gestalten der Tänze. Die feierliche Atmosphäre vom Vortag hatten wir alle noch nicht verloren und brachten damit auch diese Messe wieder zum Leben.

Dieses Mal predigte Father Stan über die Ambivalenzen der Auferstehung. Zu Beginn fragte er uns: „Ist Jesus auferstanden?“ und selbstverständlich antworteten wir alle mit „Ja, Jesus lebt!“ Um die Gemeinde etwas zu provozieren meinte er dann, dass es ja schön sei, dass wir uns damit so sicher seien, aber woher wir dass denn wissen wollen? Schließlich hätten wir ihn ja noch nie gesehen, oder? Es gäbe ja auch viele andere Menschen, die behaupten, ihr Onkel sei auferstanden. Um die Auferstehung zu verkünden reiche es  nicht, nur aus der Bibel vorzulesen und zu sagen „Ja, Jesus lebt“. Nein, wir müssen die Auferstehung (all-)täglich leben, indem wir darauf vertrauen, dass Jesus in uns lebt und wir seine Grundwerte in uns aufnehmen und in der Welt verbreiten. Jesus hatte viele gute Taten vollbracht und Wunder getan, sodass auch wir als Christen uns daran orientieren und Nächstenliebe und Zusammenhalt zeigen sollen. Denn somit ist Jesus auferstanden und lebt in uns weiter. Eine besonders schöne Predigt am Ostersonntag.

Nach einigen weiteren Tänzen im Anschluss an die Messe gingen wir heim und verbrachten den Tag mit den Mädchen in der Schule, dem Vorbereiten einer Pizza und bunt bemalter Eier für die Party mit den Sisters und Fathers am Abend, die wir sehr genossen. Auch hier merkte man die gute Laune angesichts des Osterfestes und die ausgelassene Stimmung. Am Ende versuchten wir uns sogar noch in westafrikanischen Tänzen (Stan und Justin kommen aus Togo und Benin) und tanzten beim Abspülen total satt vom leckeren Essen mit den Sisters weiter zu ugandischer Musik.

Ostermontag – Ein Tag bei Mary und Paska

Am Ostermontag hatten Greta und ich dann auch noch frei und so schliefen wir erstmal ein bisschen aus, bevor wir uns daran machten, Brownies für unsere Freundin Paska zu backen. Paska bedeutet auf Lango Ostern und sie trägt den Namen, weil sie am Ostersonntag morgens geboren ist. Jetzt feiert sie ihren Geburtstag jedes Jahr an Ostern und zur Feier des Tages brachten wir ihr den leckeren Kuchen mit. Als wir ankamen, schälten wir zunächst geschlagene drei Stunden Erdnüsse, die Mary dann röstete und mit Sesam mischte, um sie später zur Mahlmaschine für Odi (die für den Norden Ugandas typische Erdnusspaste, die wir so lieben) zu bringen. Im Anschluss daran gab es Mittagessen und wir unterhielten uns nett mit den beiden und spielten mit Kindern, Enkeln, Neffen und Nichten – bei ihnen ist immer viel los.

Ihr Lieben, das war es auch schon wieder von mir. Ich habe hier ein erlebnisreiches und wunderbares Osterfest verbracht und bin wieder um einige Erfahrungen reicher geworden. Ich freue mich aber auch darauf, dass ich das nächste Osterfest wieder gemeinsam mit meiner Familie zu Hause bei deutschem Essen, Osterlamm und Ostereiern verbringen werde, so ein bisschen fehlen die Traditionen, an die man sich mit der Zeit so sehr gewöhnt, schon.

Ich freue mich von euch zu hören und auch noch über jede weitere Spende für den Schlafsaal (Kontoadresse im Blogeintrag vorher).

An Alle, die in Deutschland im medizinischen Bereich tätig sind: Das Health Center, in dem ich arbeite, kann alles mögliche an Untersuchungsgeräten gebrauchen. Wenn also jemand unbenutzte Blutdruckgeräte, Fieberthermometer oder anderes zu Hause oder in der Praxis rumliegen hat, würde ich mich sehr freuen, wenn diese Dinge an meine Mama Conny weitergegeben werden, damit sie die dann im Mai mitbringen kann (bitte nichts kaufen, Geldspenden gerne -> Verwendungszweck: Alenga, H/C)

Ganz liebe und vor allem von der Sonne und Lebensfreunde gewärmte Grüße

Eure Francesca

 

Wenn ein Highlight das nächste jagt: Urlaub!

Mambo !

Heute möchten wir euch von den Erlebnissen erzählen, die wir während unserer Reise von Ende Dezember bis Anfang Februar sammeln durften:

Am 28. Dezember ging es mit dem Bus aus Alenga nach Kampala los. Das war direkt ein nervenaufreibendes Spektakel für unsere deutschen Herzen:
In Alenga hatte der Bus eine Stunde Verspätung und wir hatten uns schon fast darauf eingestellt, dass wir erst am nächsten Tag fahren werden, als er dann doch noch kam und uns sechs Stunden später im New Taxi Park Kampalas absetzte. Wir waren ziemlich mit Gepäck beladen und wollten nun eins der sehr günstigen öffentlichen Taxis (zugelassen auf 14 Personen, beladen stets mit mehr) in die Richtung unserer Unterkunft bei den Combonis nehmen. Dafür muss man in Kampala in den Old Taxi Park. Da wir uns mit dem Weg nicht ganz sicher waren, fragten wir unseren Busfahrer um Hilfe. Dieser schickte uns mit seinem Freund los. Auf dem Weg beobachteten wir, wie ein Mann einen auf dem Boden schlafenden Mann ausraubte. Er durchsuchte vor den Augen aller seine Taschen und niemand unternahm etwas dagegen, auch wir waren nicht mutig genug.
Außerdem öffneten im Gedränge zwischen vielen Menschen, hupenden Autos, Verkaufsständen und aufdringlichen Verkäufern einige Männer unsere Rucksäcke und zogen uns an ihnen zurück. Passiert ist uns aber zum Glück nichts und wir kamen heile bei den Combonis an. Fest steht, dass Kampala eine anstrengende und überfordernde Großstadt sein kann, wenn man sich nicht gut genug auskennt.

Erster Stop: Entebbe

Silvester verbrachten wir in der am Viktoriasee gelegenen Stadt Entebbe. Dort fanden wir durch unser Hotel schnell einen ugandischen Freund, der Lust hatte mit uns in den nächsten Tagen die Stadt zu erkunden, uns Orte zu zeigen und an Neujahr mit uns feiern zu gehen. Also trafen wir uns mit einigen seiner Freunde in einem wirklich coolen Club und es wurde eine lustige Tanznacht. Leider wurde Francesca kurz vor Schluss das Handy geklaut, wie es eben auch so oft in Deutschland im Club passiert.
Dennoch verbrachten wir sehr schöne Tage in Entebbe, besuchten die Botanical Gardens, die Ankunftsstelle der ersten katholischen Missionare in Uganda und das Wildlife Education Centre. Das WEC ist dafür gedacht, dass einheimische Familien, die sich die hohen Nationalparkgebühren nicht leisten können, auch in Kontakt mit der Tiervielfalt ihres Landes kommen. Leider sind die Gehege, insbesondere für Löwen, Geparden und Schlangen, viel zu klein und nicht sehr gut gepflegt, also die Problematik vieler Zoos.
Außerdem fuhren wir an den Strand, wo uns sofort die Unterschiede zwischen ländlicher Gegend und der Stadt auffielen. Während in Alenga jede Frau sehr darauf bedacht ist, ihre Knie nicht zu zeigen, sahen wir in Entebbe und gerade am Strand viele Uganderinnen mit kurzen Röcken, Tops und Bikinis. Da merkten wir so richtig, wie uns unsere Umgebung prägt, so viel freie Haut hat uns erstmal geschockt.
An unserem letzten Tag dort machten wir einen Tagesauflug nach Jinja. Jinja ist die zweitgrößte Stadt Ugandas und es gibt dort viele Menschen indischer Herkunft. Dort bewunderten wir den Nilursprung und den riesigen Markt im Zentrum der Stadt, auf dem es eine unfassbare Auswahl an Obst, Gemüse und Gewürzen gibt.

Ugandas paradiesische Süßwasser-Karibik: Die Ssese- Inseln

Wir verbrachten sechs wunderbar entspannte Tage auf der Hauptinsel der aus 84 Inseln bestehenden Inselgruppe. Wir nutzen die Zeit für Tage am Strand, Spaziergänge durch die Stadt, eine Besichtigung der Höhle des Buganda-Königs, eine aufregende Waldwanderung auf eigene Faust an einem einsamen Strand und eine Bootsfahrt zu „Virgin Island“. Dort sahen wir aus einigen Metern Entfernung ein Krokodil, viele bunte und interessante Vögel und auch sonst beeindruckte uns die unangerührte Flora und Fauna sehr.
Außerdem entschieden wir uns auch für eine Fahrradtour. Dafür liehen wir uns die Mountainbikes eines Freundes, die vielversprechender aussahen als sie waren, und eine grobe Karte der Insel, auf der wir den westlichsten Punkt der Insel als unser Ziel entdeckten. Dort angekommen sind wir leider nie… Erst mühten wir uns einige Stunden auf den Bergen der Insel ab und dann verloren wir den Weg komplett und machten einen kurzen Abstecher in den dichtbewachsenen Palmenwald. Dort überkam uns auch eine Schreckminute, als ein Tier direkt neben uns von einer Palme sprang, weshalb wir uns fix wieder auf die Räder schwangen und auf den Rückweg begaben.
Auf dem Weg zurück kamen wir bei „Bery´s Place“ vorbei. Dort nimmt ein deutsch-belgischer Krankenpfleger junge Mädchen zwischen 5 und 22 Jahren auf, die beispielsweise AIDS- Waisen oder Opfer von häuslicher Gewalt oder Missbrauch geworden sind. Die HIV- Rate auf den Ssese- Inseln ist erschreckend hoch, ca. 38 Prozent sind laut Studie positiv und nach Berys Vermutungen liegt die Dunkelziffer bei 50 Prozent. Er hat sich zur Aufgabe gemacht, die Mädchen über ihre Rechte aufzuklären, ihnen Bildung zu ermöglichen und auch eine psychologische Betreuung anzubieten. Das Projekt ist sein Lebenswerk und finanziert sich über Sponsoren aus dem Ausland. Uns hat das Projekt beeindruckt und inspiriert und das Gelände direkt am Viktoriasee sehr beeindruckt und durch einige Gespräche mit den Mädchen konnten wir merken, dass auch ihnen das Heim gefällt und sie die Schule genießen und verschiedene Zukunftsträume haben. Wer Interesse an dem Projekt gefunden hat, kann sich auf Berys Website unter www.BerysPlace.org informieren oder ihm eine E-mail an b.glaser@skynet.be schreiben.

Zu Besuch bei Peter: Katende

Auf dem Weg von den Ssese-Inseln nach Kampala blieben wir für eine Nacht bei Peter, einem anderen weltwärts-Freiwilligen, den wir schon während der Vorbereitung in Deutschland kennengelernt hatten.
Er lebt in Katende, einer Kleinstadt im Süden Kampalas, gemeinsam mit einigen Priestern und unterrichtet dort in verschiedenen Schulen Mathematik, Informatik und Deutsch. Uns fiel direkt ein großer Unterschied zu unserem Umfeld auf: Die Schulen Katendes sind teure Privatschulen und eine der Secondary Schools gehört zu den besten 15 Schulen Ugandas. Das Gelände dieser Secondary School war größer, gepflegter und moderner als meine Schule zu Hause. Auf dem Grundstück sahen wir überall Mottos und Denkanstöße für die SchülerInnen, wie zum Beispiel „Keep being a virgin.“, aber auch „Everyone is equal.“.
Außerdem merkten wir im Austausch mit Peter und den Menschen aus seinem Umfeld auch, dass zwischen dem Süden und Norden Ugandas viele Unterschiede bestehen. Dies sieht man beispielsweise an der Infrastruktur, die im Süden deutlich besser ausgebaut ist. In der Umgebung Kampalas sind weitestgehend alle Straßen geteert und selbst in den kleinen Dörfern besteht eine gute Taxianbindung. Dadurch, dass es im wirtschaftlich starken Süden mehr und bessere Arbeitsplätze gibt, hat ein größerer Teil der Bevölkerung einen festen Job, was auch im äußeren Erscheinungsbild zu erkennen ist, weil mehr Frauen im Salon gemachte Frisuren aus Kunsthaar haben. In Alenga und Umgebung hingegen sind viele Menschen selbstständig, betreiben also Subsistenzwirtschaft und haben keine festen Arbeitsstellen.
Wir verbrachten einen schönen Abend mit Peter und einigen der Priester in einer der zahlreichen Bars Katendes und genossen es, die Möglichkeit zu haben, am Abend ausgehen zu können, da das für uns in Alenga so nicht möglich ist.

Next Stop: Tansania

Am Ende einer anstrengenden und nervenaufreibenden 36-stündigen Busfahrt durch einen Großteil von Tansania, auf der maximal fünfminütige Toilettenpausen eingelegt wurden, fielen wir in Dar Es Salaam unseren Freundinnen Philo und Iris in die Arme. Gemeinsam verbrachten wir zwei schöne Tage in Dar Es Salaam. Die Stadt liegt wunderbar am Ozean und von ihrer Lage profitiert auch die Wirtschaft der Stadt. Ein ganz anderes Großstadtbild zeichnet sich hier ab als wir es von Kampala gewöhnt sind.
Wir erkundeten unter anderem den riesigen Fischmarkt und stellten uns ein leckeres Picknick zusammen, was wir dann wirklich völlig aus Versehen auf der Polizeimarinestation genossen, auf der Suche nach einem schönen Plätzchen mit Ausblick aufs Meer. Dank unseres überragenden Charmes, Philos und Iris sehr guten Kisuaheli Kenntnissen und eines Mandasis durften wir dann tatsächlich unser Picknick dort zu Ende genießen. Die diensthaben Polizisten hat der Anblick vier weißer Mädels, die Fisch, Früchte und andere Leckereien verschlingen, offenbar sehr erheitert.

Wo wir aus dem Staunen nicht mehr herauskamen: Sansibar

Zu viert wollten wir uns einige Tage Urlaub auf der Trauminsel Sansibar gönnen. Schon bei der Fährüberfahrt von Dar Es Salaam aus waren wir völlig im Urlaubsglück angekommen und ließen uns vom Wind des indischen Ozeans so richtig durchpusten.

Ein Strandparadies: Nungwi

Unser erstes Ziel war Nungwi, ganz im Norden der Insel, wo wir uns eine ganz schöne Unterkunft direkt am Strand ausgesucht hatten. Sofort verliebten wir uns in den weitläufigen Strand und das türkisfarbene Meer unter strahlend blauem Himmel. Wie herrlich war es, endlich wieder schwimmen zu gehen, schließlich war das auf den Ssese-Inseln wegen der hohen Bilharziosegefahr im Viktoria nicht möglich gewesen.
Doch der Kulturschock holte uns schnell ein: Francesca und ich sind es gewöhnt, stets die einzigen Weißen zu sein und davon kann man auf Sansibar wohl kaum sprechen. Überall Touristen und wir mittendrin, jetzt eben auch als Touristen. Wir mussten uns erstmal daran gewöhnen, dass man jetzt auf Deutsch nicht mehr sagen kann was man will, denn die Gefahr, dass es jemand versteht, war ja akut gestiegen.
Der Schock war aber schnell überwunden, schließlich waren wir ja auch als Urlauber dort.
Besonderes Highlight in Nungwi war unsere Schnorcheltour nach Memba Island. Die Fahrt mit einem Holzsegelboot war ziemlich stürmisch, so dass doch glatt ein Drittel der Besatzung seekrank wurde. Stolz kann ich hier festhalten, dass ich nicht dazu gehörte. Die Norddeutschen sind eben abgehärteter und seefester als die am gemütlichen Gardasee urlaubenden Bayern.
Trotzdem genossen alle das Schnorcheln sehr: Bunte und vielfältige Fischarten in Korallenriffen, Wasserpflanzen und vieles mehr. Die Krönung war das anschließende Barbecue, was wir auf dem Dach des Schiffes genossen. Es gab Thunfisch, Chapati, Salat und Obst zum satt essen. Wirklich lecker! Die Heimfahrt verlief dann zum Glück auch etwas ruhiger, sodass niemandem mehr übel wurde und alle die Sonne und den Wind des Meeres genossen. Generell war es für uns alle ein wirkliches Highlight in dieser Woche, wieder europäisch essen zu können. Leider auch zu europäischen Preisen, aber Pizza, Pasta, Fisch und Eis genossen wir trotzdem.

Kulturen prallen aufeinander: Stone Town

Zum Abschluss unserer Tage auf Sansibar verbrachten wir auch noch zwei Nächte in der historisch geprägten Hauptstadt. Zuerst machten wir eine Stadttour, bei der wir die Beeinflussung der Architektur durch Araber, Inder und Sansibaris bewundern konnten. Typisch für Stone Town sind die verschiedenen Türstile der Gebäude und die engen, verschlungenen Gassen, die man ansonsten in Ostafrika nicht sieht. Außerdem hatten wir die Chance, den alten Sklavenmarkt der Stadt und das zugehörige Museum zu besichtigen. Das war zutiefst bedrückend, aber auch sehr interessant. Die Anglikanische Kathedrale wurde 1873-1880 von der „Universities Mission“ des bekannten David Livingstone und dem britischen Bischof Edward Steere auf dem früheren Sklavenmarkt erbaut. Als David Livingstone 1856 nach Sansibar kam, begann er politischen Druck auf den Sultan auszuüben, der den Sklavenhandel am 06. Juni 1873 endgültig verbot. Am Standplatz des Altars soll früher der Baum gestanden haben, an dem die Sklaven zum Verkauf angekettet wurden. In den Kellergebäuden besichtigten wir die Räume, in denen ca. 75 Sklaven auf engstem Raum bis zu ihrem Verkauf einquartiert wurden.

Wir sahen außerdem das bekannte House of Wonders (Weltkulturerbe), das das erste Haus in Ostafrika mit Elektrizität und fließendem Wasser war, den Arabischen Fort, den Sultanspalast und die Old Dispensary. Stone Town ist eine kulturell und historisch sehr beeindruckende Stadt und auf jeden Fall eine Reise wert.

Abends lockte es uns auf die beliebten Forodhani Gardens der Stadt, auf dem es alle möglichen Leckereien wie frischen Fisch, sansibarische Pizza und Eintopf oder frischgepresste Säfte mit Kokosnuss, Passionsfrucht und Drachenfrucht.
Kurz vor der Abreise machten wir noch das typische Touriangebot mit: Die Spice-Tour. Durch den Einfluss der Araber und Inder ist Sansibar ein Paradies der Gewürze. So bewunderten wir z.B. Vanille-, Zimt-, Pfeffer-, Ingwer-, Muskatnuss-, Kümmel- und Nelkenpflanzen. Wir durften auch alles probieren und zum krönende Abschluss gab es frischgepflückte Kokosnuss und Prinzessinnenausstattung aus Blättern.

Zu Besuch bei Philo und Iris: Mkuranga

Natürlich wollten wir auch die Einsatzstelle unserer Freundinnen besuchen und gingen mit ihnen an ihre Arbeitsplätze. Während Iris in einem Kindergarten unterrichtet, arbeitet Philomena in der örtlichen Krankenstation. Die beiden scheinen auch sehr gut in ihrer Einsatzstelle angekommen zu sein und es hat uns viel Spaß gemacht, im Kindergarten für gute Laune und Unterhaltung zu sorgen. Es fiel uns schwer zu sehen wie hart die Kinder aus erzieherischen Maßnahmen auf Hand und Schulter geschlagen werden und, dass dies zum Alltag gehört, genau wie das vom Lehrer angeleitete Ausbuhen von Kindern durch ihre Mitschüler.
Wir hatten eine wunderbare Zeit zu viert und es war toll, so eine intensive Möglichkeit zum Austausch zu haben. Gerne könnt ihr auch ihren Blog hier auf der Website lesen.

Zwischenseminar in Nairobi

Dieser Austausch ging beim Zwischenseminar weiter. Gemeinsam mit 17 weiteren Freiwilligen aus Uganda und Kenia verbrachten wir eine Woche in Nairobi. Wir wohnten im Luxusviertel  Nairobis (Karen) bei Benediktinerschwestern und waren überwältigt von den riesigen Villen, der nahegelegenen Shoppingmall und den Bewohner dieses Viertels, schließlich sind wir als Freiwillige in ganz anderen Verhältnissen der Einsatzländer untergebracht. Kurz hat es sich angefühlt, als hätte uns jemand in ein Flugzeug in die U.S.A. gesetzt.
Während des Seminars hatten wir die Chance, die bisherigen sechs Monate zu reflektieren, viele wichtige Themen wie z.B. globale Ungerechtigkeit, Gewalt in der Erziehung, politische Situationen der Einsatzländer oder Geschlechterrollen zu diskutieren und auch einen Ausblick auf unsere kommende Zeit hier zu werfen. Diese Gespräche haben uns sehr dabei geholfen, sich an den Sinn des Dienstes zu erinnern und wichtige Informationen aus der Vorbereitung wieder ins Gedächtnis zu rufen. Beispielsweise das Respektieren der Kultur mit gleichzeitigem Austausch über unsere Kulturkreise ohne etwas der deutschen Standards aufzwingen zu wollen. Francesca und mir fällt das gerade in Bezug auf die vor Männern knienden Frauen in Alenga sehr schwer. Für uns wirkt es wie eine Erniedrigung der Frau, hier ist es ein Zeichen von Respekt und tief in der Kultur verwurzelt.
Bei diesen komplexen Themen brachen oft Diskussionen aus, an denen man merken konnte, dass es nicht leicht ist, sich eine eindeutige Meinung zu bilden, da es viele verschiedene Blickwinkel gibt.
Am letzten Abend feierten wir noch alle gemeinsam in Francescas 20. Geburtstag rein, während wir an ihrem Geburtstag leider den ganzen Tag im Bus saßen auf dem Rückweg nach Kampala.

Zurück in der neuen Heimat

Seit vergangenem Samstag sind wir wieder in unserer neuen Heimat Alenga. Es war wunderbar, hier die vertrauten Gesichter wiederzutreffen, neue Schülerinnen kennenzulernen und wieder im Alltag anzukommen. Inzwischen ist es schon fast, als wären wir gar nicht weg gewesen, auch wenn wir unsere Langokenntnisse wieder etwas auffrischen müssen.
Wir können gar nicht fassen, dass schon die Hälfte unserer Einsatzes vorbei ist, die Zeit rast!!! Die kommenden sechs Monate werden wir in vollen Zügen genießen und freuen uns auch schon auf das Osterfest in Alenga und den Besuch unserer Eltern im Mai.

Ausblick auf den neuen Schlafsaal

Zurück in der Heimat bedeutet auch zurück im Projekt: Jetzt beginnen wir mit dem Bau des neuen Schlafsaals für die Mädchen und möchten uns bei allen Spendern herzlich bedanken. Gerne darf, wer möchte, auch jetzt noch für den Schlafsaal und seine Ausstattung spenden. Wir freuen uns sehr über euer Interesse und eure Unterstützung.

Comboni-Missionare KöR, 73479 Ellwangen
IBAN: DE66 6145 0050 0110 6170 15
BIC: OASPDE6AXXX
Verwendungszweck: MaZ Margareta Berges (628) Alenga, Uganda

Ich melde mich bald wieder und freue mich auch von euch zu hören!

Ganz liebe und gut erholte Grüße

eure Greta

Traditionen hautnah erleben: Hochzeit!

Hallihallo,

heute erwartet euch ein spannender Bericht über meine Erlebnisse bei einer traditionellen ugandischen Hochzeit:

Am dritten Advent waren Greta und ich bei Jasper, dem Chef der Krankenstation, und seiner Verlobten Martha zur traditionellen Hochzeit eingeladen. Diese dient der offiziellen Vorstellung des Mannes bei den Eltern der zukünftigen Ehefrau.
Für Hochzeiten suchen alle ihre schönsten Gomas (traditionelle Kleider) oder Kleider heraus und auch wir zogen unsere nagelneuen Kleider aus Lira zum ersten Mal an.
Zuvor beschäftigten uns natürlich viele Fragen und so holten wir uns den Rat von einer Freundin, was man denn mitbringen könnte. Sie riet uns unter anderem zu Geschirr, so dass wir in Lira einige Teller besorgten.
Durch meine Arbeitskolleginnen, Sharon und Gloria, erfuhren wir dann aber, dass es angemessener ist, dem Bräutigam schon vorher Geld zu geben, um ihn finanziell bei der Vorbereitung des Festes zu unterstützen. Also gaben wir Jasper jede etwas Geld und zu unserer Verwunderung schrieb er uns und den Betrag auf eine Liste mit allen Mitarbeitern der Krankenstation.
Hier ist es üblich, dass der Bräutigam in vollem Umfang für das Hochzeitsfest aufkommt und der Familie der Frau eine großzügigen „Brautpreis“ anbietet. Dieser besteht unter Anderem aus Kühen, Hühnern, Ziegen und anderen materiellen Dingen, deren Anzahl sich am Bildungsgrad der Frau misst.

Mit DJ und Moderator gehts in den Hafen der Ehe

Das Fest fand in Marthas Heimatdorf statt und wir fuhren ca. zwei Stunden lang mit dem Krankenwagen der Krankenstation. Wir hofften inständig, dass an diesem Tag niemand in ein größeres Krankenhaus verlegt werden musste. Mit 14 Personen saßen wir auf engstem Raum hinten in dem Krankenwagen und dank der drückenden Hitze wurde die Fahrt auch richtig unangenehm. Umso glücklicher waren wir, als das Ziel endlich erreicht war und wir das wunderbar dekorierte Festgelände mit vielen Zelten erblickten. Sogar ein roter Teppich und ein Torbogen, durch den jeder Gast schreiten musste, um einen pinken Blumenanstecker zu bekommen, waren aufgebaut. Die ganze Zeit wurde das Fest von zwei sehr lauten Moderatoren auf Lango geleitet, die das Programm bekannt gaben und das Publikum bespaßen und bei Laune halten sollten. Natürlich ließen sie auch die Chance nicht aus, mit uns ihre Witze zu machen. Für Greta und mich waren solche Moderatoren sehr ungewohnt und etwas anstrengend, da sie die ganze Zeit laut geredet haben, der DJ im Hintergrund Lacher eingespielt hat und es wirklich keine freie Minute gab. Aber zu einem gelungenen Fest scheinen hier solche Moderatoren dazu zu gehören.

Der erste Programmpunkt war die Diskussion der männlichen Familienoberhäupter darüber, ob der von Jasper gebrachte Brautpreis ausreichend ist. Dafür zogen diese sich eine Weile zurück und die Gäste warteten geduldig auf ihre Entscheidung. Nachdem die Männer übereingekommen waren, wurden die Mütter von Jasper und Martha zusammengeführt und alle Frauen haben diese Feier sehr lebendig mit viel Tanz und Jubel begleitet. Die beiden Mütter standen dabei im Mittelpunkt des Tanzkreises und haben sich umarmt.

Wo ist die Braut?!

Als nächstes kam die sogenannte Brautsuche, bei der die ca. fünfzehn Brautjungfern in verschiedenen Gruppen in gleichen Kleidern in die Mitte des Festplatzes getanzt sind und sich dort auf eine Matte knien mussten. Dann suchten einige Freunde des Bräutigams in lustiger Atmosphäre nach der Braut. Sobald sie verneinten, dass Martha dabei sei, tanzte die Gruppe zurück und kam in neuer Konstellation wieder. Das geschah ca. fünfmal. Auf einmal kamen die Brautjungfern von allen Seiten des Festplatzes und tanzten in dessen Mitte. Und in einer Reihe waren auch unverkennbar Martha und ihre Trauzeugin. Es war leicht zu erkennen, sie hatten die schönsten Gomas an, waren aufwändig geschminkt und hatten teuren Haarschmuck. Die beiden knieten sich in die Mitte der Matte, während alle Brautjungfern sie umkreisten und mit Musik um sie herumtanzten und sie so versteckten. Nach einer langen Zeit der „Suche“ konnten Jasper und sein Trauzeuge endlich den Kreis der Brautjungfern durchbrechen und bahnten sich den Weg zu Martha. Um allen seinen Erfolg zu zeigen, hob Jasper seine Verlobte hoch und schritt mit ihr über den Festplatz. Am Tag nach der Hochzeit erzählten uns die Schwestern, dass die Braut normalerweise wirklich unter den Brautjungfern versteckt wird und diese dann sogar Masken und Tücher tragen, um es den Männern wirklich schwer zu machen.

Daraufhin kamen viele Freunde und hoben die beiden hoch, tanzten, jubelten und zeigten ihre Freude über die Hochzeit.

Hochzeitszeremonie mit Ringtausch

Im Anschluss hielten beide eine kleine Dankesrede an ihre eigenen Eltern und diese kamen zu Wort.
Obwohl die traditionelle Hochzeit kein kirchliches Fest ist, ist sie hier doch Voraussetzung um überhaupt kirchlich heiraten zu können. So war auch ein katholischer Katechist anwesend, der eine Rede hielt, eine Bibelstelle verlas und ein Gebet für die Ehe der beiden sprach. Für uns war sehr befremdlich, dass die Moderaten sogar währenddessen noch ihre Späßchen trieben.
Als nächstes stand der Austausch der Ringe und der Geschenke auf dem Programm, wofür Martha schnell das Kleid gewechselt hatte. Traditionsgemäß knieten Martha und ihre Trauzeugin vor Jasper und dessen Trauzeugen. Während Martha Jasper den Ring ansteckte und ihm eine Uhr und eine Anstecknadel überreichte, zupfte ihr Trauzeugin, die während der ganzen Zeremonie immer mit ihr im Mittelpunkt stand, ständig ihr Kleid, ihre Haare und ihren Schmuck zurecht. Anschließend überreichte Jasper Martha ebenfalls einen Ring und wunderschönen Schmuck aus Glitzersteinen.

Anschließend verschwanden die Braut und ihre Freundin schnell, um noch einmal das Outfit und die Frisur zu wechseln. In neuem Kleid wurden dann die Hochzeitstorten angeschnitten. Ein kleiner Teil wurde unter allen ungefähr 400 Anwesenden verteilt. Die restlichen Torten wurden an besondere Persönlichkeiten oder Gruppierungen verschenkt, z.B. an Marthas Schwestern, die Priester oder an die Mitarbeiter des Health Centers.
Daraufhin wurde von allen Freunden und Tanzbegeisterten die Tanzfläche erobert und ausgelassen das Fest genossen.

Als letzter offizieller Punkt war angesetzt, dass jeder der wollte, dem Brautpaar noch etwas Geld schenken konnte und gratulierte. Anschließend servierte der Catering-Service riesige Portionen verschiedenster ugandischer Speisen für alle Gäste. Dazu gab es Bier und Soda und aus deutscher Gewohnheit griffen wir zum Bier. Erst später bemerkten wir, dass alle anderen Frauen Soda tranken.
Als wir ca. die Hälfte unseres Tellers verspeist hatten, kam unsere Freundin Mary und teilte uns mit, dass wir jetzt mit dem Krankenwagen wieder aufbrechen müssten. Ziemlich verwundert ließen wir unsere Teller stehen und passten uns dem Rest an, in dem wir unser Bier in leere Plastikwasserflaschen umfüllten. Fast fluchtartig verließen alle Gäste sofort das Gelände und stiegen in die Autos. Als wir nach dem Grund fragten, erklärte Mary uns, dass sie die Dunkelheit auf den langen Strecken fürchten und nach dem Essen nur noch engste Familienmitglieder und Anwohner dableiben und bis spät in die Nacht feiern.
Wir fanden das unglaublich schade und waren sehr überrumpelt, weil wir uns auf das Tanzen und die inoffizielle Feier schon den ganzen Tag gefreut hatten.

Relativ erschöpft, aber sehr glücklich darüber, dass wir diesen Tag erleben durften, fielen wir am Abend in Alenga ins Bett.

Uns hat dieses Fest wirklich gut gefallen, weil deutlich wurde, wie sehr die Traditionen hier wertgeschätzt und zelebriert werden. Die Stimmung war unvergleichbar gut und ausgelassen und alle haben es sehr genossen zu tanzen, zu singen und das Brautpaar zu feiern.

Vielen Dank an meine fleißigen Leser und Grüße in die Heimat!

Eure Francesca

It’s not a Goodbye, it’s just a „See you later“

Hallo liebe Leser,

Ehe man sich versieht, geht ein erlebnisreiches Jahr zu Ende und ich bin wieder in Deutschland.

Die letzten Wochen in Uganda waren nochmal sehr abwechslungsreich. Da Pauli einen Monat vor mir zurückgeflogen ist, habe ich ihr vor ihrer Abreise bei allem unter die Arme gegriffen. Eine Woche später habe ich mich nochmal auf den Weg nach Gulu gemacht. Von dort hat mich ein Priester mit nach Moyo in den Norden Ugandas mitgenommen. Dafür bin ich sehr dankbar, denn dort habe ich ein tolles Projekt entdeckt:

Ein Spanier hat vor ein paar Jahren ein Musikschulenprojekt angefangen und jetzt kommen jedes Jahr spanische Freiwillige dort hin, um den Kindern Blasinstrumente und Noten lesen beizubringen. Ich war dort eine Woche dabei und es hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich es ernsthaft in Betracht ziehe, dort irgendwann in den nächsten Jahren mitzumachen.

In Moyo habe ich mich auch mit zwei Comboni-Brüdern getroffen, die eigentlich im Süd-Sudan stationiert sind, aber jetzt mit den Flüchtlingen nach Uganda gekommen sind. Sie haben mich in das Refugee Settlement Palorina mitgenommen. Ich war positiv überrascht, als ich die Siedlung gesehen habe. Jede Familie hat ein Zelt mit circa 20m² und einen kleinen Garten, wo sie ihre Nahrung anpflanzen. Teilweise fangen sie schon an, sich selbst Häuser aus Holz und Lehm zu bauen. Trotzdem brauchen sie noch Unterstützung, denn die Nahrungsmittel sind immer noch knapp. Viel Beschäftigung gibt es abgesehen von dem kleinen Garten auch nicht, aber immerhin leben die Menschen dort in einigermaßen guten Verhältnissen und das ist angesichts der Tatsache, dass man nicht weiß, wann die Situation im Süd-Sudan sich bessert, beruhigend. Ich war nur in einer Flüchtlingssiedlung. Die richtigen Camps, wo die Flüchtlinge am Anfang hinkommen, sehen natürlich wieder anders aus.

Einführung der neuen Freiwilligen

Danach ging die Reise weiter nach Kampala, wo unsere Nachfolgerinnen Greta und Francesca schon gewartet haben. Da unser Verantwortlicher Father Stan noch im Heimaturlaub war, habe ich die beiden mitgenommen, ihnen alles gezeigt und Formalitäten erledigt. In Alenga angekommen sah ich schon ein Stück, wie man sich selbst verändert, wenn Leute frisch von Deutschland mit „normalen“ deutschen Ansichten dazukommen. Dinge, die die beiden überrumpelt haben und die sie ungewohnt oder seltsam fanden, fallen mir gar nicht mehr auf bzw. stören mich nicht mehr. Zum Beispiel wenn wir in Alenga ziemlich viel Stromausfall haben oder wenn die Toilette ausläuft.

Nach drei Wochen Abwesenheit kamen nach dem Sonntagsgottesdienst sehr viele Leute, die ich teilweise noch nicht näher kennengelernt habe, zu mir und haben überschwänglich ihre Freude über meine Rückkehr ausgedrückt. Ich war überrascht und es hat mir nochmal gezeigt, wie wichtig ich den Menschen hier geworden bin und wie sehr sie sich freuen, dass ich unter ihnen bin.

Abschied aus Uganda

Zurück in Alenga waren es für mich nur noch neun Tage in meiner ugandischen Heimat und viele Freunde haben mich nochmal zu sich nach Hause eingeladen. Also habe ich diese wenigen Tagen viel Zeit bei den Leuten verbracht, Greta und Francesca alles mögliche gezeigt und erklärt und auch einfach nur Zeit mit ihnen verbracht, mich von allen verabschiedet und nebenher versucht, meinen Koffer zu organisieren.

Nach zwei Tagen in Kampala, die ich mit den Sisters von dort verbracht habe und in denen ich mich von den anderen Combonis verabschiedet habe, ging es am 20. September ins Flugzeug. Der Flug war in Ordnung und von einem Moment auf den anderen war ich wieder in einer anderen Welt. Die ersten Dinge – sowohl positiv als auch negativ -, die mir am Flughafen aufgefallen sind: alles verläuft reibungslos und mit System. Viele Menschen rauchen, was in Uganda eine Seltenheit war. Die Autos halten am Zebrastreifen. Es ist kalt. Freude über meine Eltern und meine Freundin, die mich am Flughafen abgeholt haben. Trotz wenig Schlaf in der Flugnacht konnte und wollte ich nicht schlafen. Alles war so aufregend neu und gleichzeitig vertraut. In dem Moment, in dem ich zuhause in die Tür gelaufen bin, hatte ich das Gefühl, gestern erst raus gelaufen zu sein.

Am Abend wurde ich von einer geheimen Willkommensparty total überrascht, aber es war so toll, gleich meine Verwandten und Freunde zu sehen und es war ein wunderbarer Abend. Anschließend durfte ich in meinem schönen weichen Bett schlafen. Die erste Dusche war auch ein Traum! In den Genuss schleicht sich aber immer wieder ein schlechtes Gewissen über den hohen Wasserverbrauch ein, weil ich jetzt weiß, dass man mit 4 Litern Wasser genauso sauber wird.

Zurück im alten Leben

Jetzt bin ich schon wieder 10 Wochen zuhause und ich merke, dass man so schnell wieder in das

deutsche System und die alten Verhaltensmuster zurückkommt. Seit acht Wochen arbeite ich jetzt schon auf der Baustelle und habe meine Hobbys wieder aufgenommen und ich bin sehr zufrieden damit. Was aber bleibt, ist die Einstellung, die sich meiner Meinung total ins Positive verändert hat. Außerdem wird das Selbstbewusstsein durch so ein Jahr sehr gestärkt, was eine tolle Entwicklung ist.

Es ist ein sehr seltsames Gefühl, an dem Ort, der meine Heimat geworden ist, seine Zelte abbrechen zu müssen und in eine hochtechnisierte Welt mit Staubsauger und Waschmaschine zurück zu kehren, in der vieles auf Effizienz und Leistung ausgerichtet ist. Auch wenn es in diesem Jahr Krisen und schlechte Momente gab, war es so wertvoll und frei und ich würde es sofort wieder tun. In der Schule lernt man so vieles, das man nie wieder braucht,

aber während des Freiwilligendienstes lernt man so viel fürs Leben und sich selbst viel besser kennen. Außerdem beginnt man, seinen Lebensstandard zu schätzen. Manchmal habe ich mich hier schlecht gefühlt, dass ich fast unverdient in so guten Verhältnissen lebe und mir zum Beispiel einfach ein neues Smartphone kaufen kann, wenn das alte spinnt oder als Studentin ein Auto haben kann. Eine gute Freundin hier hat gesagt: „Fühle dich nicht schlecht deswegen oder lehne dieses Leben ab, aber sei dankbar für dieses Geschenk und wisse es zu schätzen.“ In meinen Augen betrifft das nicht nur das Materielle, sondern auch Beziehungen zur Familie, zu Freunden und anderen lieben Menschen, die einen unterstützen. Diese und weitere wertvolle Erkenntnisse habe ich in Alenga gewonnen und ich hoffe, einmal an diesen Ort zurückkommen zu können und meine Freunde dort wieder zu sehen, denn leider ist es schwierig, Kontakt zu halten, denn die Kommunikationsmittel sind beschränkt.

Uganda und Deutschland – zwei Paradiese

Wie Father Stan Alenga immer gerne beschreibt: “Have you ever gone to heaven? Now you are, because Alenga is heaven!“ Er hat recht. Das Paradies liegt wie Schönheit im Auge des Betrachters und es gibt verschiedenste Formen von Paradiesen. Sowohl Deutschland als auch Uganda sind ein Paradies. Uganda ist ein Paradies mit ganz viel Grün und tropischen Früchten, mit sehr großer Gastfreundschaft und der Freiheit von Leistungsdruck. Deutschland ist das Paradies für das „bequeme“ Leben, in dem man auf tollen Straßen in einer kurzen Zeit weite Wege zurücklegen kann, sich (fast) keine Sorgen um Malaria machen muss und in dem es viele Arbeitsplätze gibt. Natürlich zeigt jedes Land auch noch andere Aspekte, aber die guten Dinge sind es, für die man dankbar sein kann. Ich weiß jetzt beide Paradiese zu schätzen.

Auf diesem Weg möchte ich mich nochmal ganz herzlich bei allen bedanken, die mich in diesem Jahr begleitet haben, die an mich gedacht haben, die für mich gebetet haben, die gespendet haben. Ich habe das volle Ausmaß während meiner Abwesenheit gar nicht gesehen, aber es wird jetzt in den Gesprächen deutlich, wie gut ich begleitet war und es freut mich unheimlich und ich bin sehr dankbar dafür!

Das war mein letzter Bericht auf dem Blog, aber ich bin ja jetzt um den Weg und bin offen für Begegnungen und Gespräche.

Wir sehen uns!

Eure Kadda

Mit viel Prozent in den Advent

Hallöchen ihr Lieben,
heute ein kleiner Bericht von eurem Dreamteam aus Alenga zu unserem ersten Advent:

Morgens gingen wir wie jeden Sonntag um acht Uhr in die Kirche. Da wir Teil des Chors sind, haben wir deshalb eigentlich immer gute Sitzplätze und es ist ein schönes Gefühl auf diese Weise in die Gemeinde integriert zu sein. Leider hing kein riesiger Adventskranz am Altar, auf dem die erste Kerze brannte, weil der Brauch hier nicht bekannt ist. In den Adventsgottesdiensten darf aufgrund der besinnlichen Vorbereitungszeit auf Christi Geburt nicht getanzt werden, was wir schade und ungewohnt fanden. Wir freuen uns schon darauf, wenn in der Weihnachtsmesse dann alle wieder voller Elan und Freude singen, tanzen und klatschen.

Erste Erfahrungen als Schnapsbrennerin

Danach besuchten wir unsere Freundin Anna, wo wir auch Walter und Brown trafen, ebenfalls Freunde von hier. Anna hatte uns eingeladen, mit ihr gemeinsam zu kochen und zu essen und dieses Mal auch Schnaps zu brauen. Wir waren sofort begeistert und freuten uns sehr auf den Besuch.

Als wir ankamen, hatte Anna bereits einige Flaschen Schnaps hergestellt und so gesellten wir uns einfach dazu, schauten zu, stellten Fragen und halfen mit, wo es ging. Der Schnaps wird aus Cassava gebraut. Cassava ist eine Pflanze und gehört zu den Wolfsmilchgewächsen. Das hat hier eigentlich jeder im Garten, sie wird gegessen und gekocht wie Kartoffel und wir finden sie super lecker.

Für den Schnaps wird die Cassava gemahlen, mit Wasser vermengt und dieser Mix wird eine Woche lang stehen gelassen, um zu gären. Dann füllt man es in sogenannte „Gulus“, die man fest verschließt und erhitzt. Wenn es innen so heiß ist, dass der Dampf aus dem Topf kommt, führt man einen Schlauch ein, über den der Dampf in eine Schüssel mit kaltem Wasser geleitet wird, abkühlt und dann in kondensierte Form als Schnaps aus dem Topf in die Flasche läuft (s. Fotos). Chemikalisch ist das sicher nicht perfekt ausgedrückt, dafür hätten wir in der Schule wohl besser aufpassen müssen.
Jedenfalls ist das Ganze ziemlich viel Arbeit, aber der Schnaps schmeckt gar nicht schlecht und lässt sich laut Anna sehr gut im Dorf verkaufen. Wir haben ihn warm probiert und fanden ihn auch ganz schön stark, aber trotzdem besser als erwartet.
Nebenbei haben wir noch gemeinsam gekocht und dann – wie immer bei Anna – super lecker und viel zu viel gegessen. Zufrieden und glücklich gingen wir am späten Nachmittag wieder Heim.

Ein schöner und lustiger erster Advent bei 35 Grad im Schatten. Hier kommt durch die Päckchen unserer Eltern mit Plätzchen, Dekoration und Adventskalender im Haus sogar ein bisschen Weihnachtsstimmung auf, sobald man das Haus aber verlässt, sieht man keine Deko oder Vorbereitungen, wie wir sie gewöhnt sind, sodass man schnell vergisst, dass Dezember ist.

Sonnige Grüße aus Alenga in die kalte Heimat,

Francesca und Greta

„Zu Weihnachten anderen eine Freude bereiten“

Weihnachten, was heißt das eigentlich? Hektische Geschenkejagd am 23. Dezember, dichtes Gedränge auf dem Weihnachtsmarkt und endlose Wunschzettel verwöhnter Kinder? Wohl nicht nur, natürlich auch Familienzeit, gemütliches Plätzchenbacken im Leuchten des Adventskranzes und strahlende Kinderaugen voller Vorfreude auf die Bescherung!
Für uns steht fest: Weihnachten ist ein Fest der Liebe und der Freude.

Wir wollen die Chance, dass wir dieses Weihnachtsfest in einer anderen Kultur verbringen dürfen, nutzen, um Euch einzuladen, nicht nur den Liebsten zu Hause eine Freude zu bereiten, sondern den Blick auch auf andere Umstände in der Welt zu richten.

Patenschaftsprojekte

Pate werden für eine der Schülerinnen

Durch Gretas Arbeit als Freiwillige in der Näherinnenschule Alengas, in der sie Englisch- und Computerunterricht gibt und ich mit ihr Sport und Musik unterrichte, liegt uns insbesondere die Unterstützung unserer Schülerinnen am Herzen. Die Berufsschule ist hier eine große Chance, aus armen Familienverhältnissen zu entkommen und als Frau selbstständig Geld verdienen zu können.

Problematisch ist, dass in Uganda Schulgebühren gefordert werden müssen, weil der Staat nicht genug in den Bildungssektor investiert. Hier ist es keine Ausnahme, dass die Mädchen nur einen geringen Teil der Gebühren bezahlen können und deshalb zu spät nach den Ferien ins Internat zurückkehren, während der Schulzeit nach Hause geschickt werden müssen und sie mit fünfzehn bis achtzehn Jahren täglich große Sorgen belasten.

Hier vor Ort ist es den Schwestern und Father Stan, unserem Mentor, ein Anliegen, dass selbst sehr armen Mädchen mit familiär belastetem Hintergrund die Möglichkeit geboten werden kann zur Schule zu gehen. Damit dieses Konzept weiterhin gelingt, möchten wir ein Patenschaftsprojekt in die Wege leiten. Dieses Projekt unterstützt einige der Mädchen des Abschlussjahrganges 2018 finanziell und mental, mit denen wir momentan den Großteil unserer Zeit verbringen. Es kann ein Kontakt über Skype, Briefe etc. zwischen den Paten und ihren Patenkindern hergestellt werden, was für beide Seiten eine tolle Möglichkeit ist, aus der Unterstützung mehr als nur eine Spende zu machen.

Für den Jahrgang, der in diesem Jahr die zweijährige Ausbildung beendet hat, mussten wir feststellen, dass von den 26 Mädchen, die 2016 angefangen haben, nur zwölf die Abschlussprüfungen absolvierten. Die restlichen Mädchen haben die Schule aufgrund finanzieller oder familiärer Schwierigkeiten, einer Schwangerschaft oder einer Heirat auf Wunsch der Eltern abgebrochen. Diese Zustände sind aus deutscher Sicht schwer nachzuvollziehen und machen oft traurig, wenn man miterlebt, wie die Situation für junge Mädchen in vielen Gebieten Ugandas ist.

Unser Anliegen ist nun, dass alle neunzehn Mädchen, die in zwei Wochen für die Ferien nach Hause fahren werden, im Februar wieder kommen können und so im November des kommenden Jahres die Schulausbildung erfolgreich beenden können.

Wenn jemand zu dieser Art der Patenschaft Fragen hat oder das Interesse schon geweckt wurde, meldet euch doch einfach privat bei mir (Francesca.Cyris@yahoo.com), dann kann ich genauere Informationen zu einzelnen Mädchen und ihrer Situation geben.
Die Kosten für eine einjährige Patenschaft würden sich auf ca. 280 Euro für alle Kosten (medizinische Gebühr, Schulgebühr, Nahrung, Material fürs Nähen und die Examensgebühr) belaufen. Es gäbe auch die Möglichkeit, als Pate nur einen Teil dieser Gebühr zu übernehmen oder die Mädchen noch über den Abschluss an der Schule hier zu fördern, so dass ihnen beispielsweise eine Karriere als Berufsschullehrerin offen stehen würde. Das alles ist individuell nach eurem Belieben regelbar.

Pate werden für Timothy oder Oscar

Seit einigen Wochen kennen wir auch Timothy und Oscar, zwei sechsjährige Jungs. Beide hatten aufgrund zu geringer finanzieller Möglichkeiten bislang nicht die Chance die Vorschule zu besuchen, die hier sehr wichtig ist, um lesen und schreiben zu lernen und erste Englischkenntnisse zu erwerben.

Oscar ist ein Waisenkind und lebt bei seiner Großmutter. Timothy ist Halbwaise und Sohn der Schulköchin und spielt jeden Tag auf dem Schulgelände herum. Oft merke ich, dass ihm sehr langweilig ist und der tägliche Kontakt zu Gleichaltrigen ihm gut tun würde.

Für beide Jungen würde es mich unfassbar freuen, wenn sie die Chance auf einen Paten hätten! Ohne finanzielle Unterstützung wird Oscar gar nicht zur Schule gehen können und Timothy könnte nur die staatliche Grundschule in Alenga ermöglicht werden, in der leider nicht genügend Wert auf die Unterstützung des Einzelnen und den Erwerb von Englisch gelegt wird. So eine Patenschaft muss allerdings gut überlegt sein und es ist wichtig, dass man sich auch aus der Ferne der Verantwortung bewusst ist, die man damit übernimmt. Zum Erlernen der Grundlagen, wie Lesen, Schreiben und etwas Englisch müssen die beiden, trotz ihres Alters, noch drei Jahre in die Nursery School (Kindergarten/Vorschule) gehen. Danch würden die Jungen in die siebenjährige, private „Primary School“ kommen. Im Anschluss wäre es natürlich toll, wenn ihnen auch die „Secondary School“ ermöglicht werden kann, die man entweder nach vier Jahren (vergleichbar mit der Realschule) oder nach sechs Jahren (A-Levels = britisches Abitur) mit einem entsprechenden Abschluss beendet.
Eine Patenschaft für Timothy oder Oscar würde also zu einer gesamten Unterstützung ihrer Schullaufbahn werden. So eine intensive Patenschaft ist dementsprechend auch eine tolle Möglichkeit für engen Kontakt zum Schützling und man könnte sogar über einen Besuch in Uganda nachdenken.

Für genauere Informationen zu der Situation der beiden Jungen und der Organisation einer solchen Patenschaft meldet euch doch bitte privat bei mir.

Ein neuer Schlafsaal

Außerdem planen wir zusammen mit Father Stan den Neubau des Schlafsaals der Mädchen. Momentan schlafen am Anfang des Schuljahres ca. 60 Mädchen auf engstem Raum in einem baufälligen Gebäude, das nicht richtig isoliert und deshalb immer unerträglich heiß ist. So haben Krankheiten schnell die Chance sich zu verbreiten und es gibt keinerlei Rückzugsmöglichkeiten für die Mädchen. Sie schlafen zum Teil in Dreifachstockbetten und ihre Koffer stehen direkt daneben auf dem Boden.

Zunächst werden wir uns auf einen ganz neuen Schlafsaal konzentrieren und wenn die finanziellen Mittel ausreichen, möchten wir auch das alte Gebäude renovieren. So wird den Schülerinnen ein angenehmer Schlafplatz, an dem sie sich wohlfühlen können, ermöglicht. Für den neuen Saal werden wir insbesondere auf eine angemessene Isolation achten und versuchen außerdem, einige Wünsche der Schülerinnen in die Planung mit aufzunehmen.

Wenn ihr Lust habt, den Bau des Schlafsaals finanziell zu unterstützen, spendet gerne an folgende Adresse:

Comboni-Missionare KöR, 73479 Ellwangen
KSK Ostalp
IBAN: DE66 6145 0050 0110 6170 15
BIC: OASPDE6AXXX
Verwendungszweck: MaZ Francesca Cyris (631) Alenga, Uganda

Ich freue mich auf die Verwirklichung unserer Pläne durch Eure Hilfe und bin überzeugt, dass gerade Projekte wie die Patenschaft eine Möglichkeit zum besseren Verständnis zwischen den beiden Ländern führen, die sich gerade in Bezug auf den Bildungsstandard und die Chancen für Mädchen gravierend unterscheiden.

Ich danke allen LeserInnen für das große Interesse und die Unterstützung!

Genießt die Advents- und Weihnachtszeit und trinkt einen oder zwei Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt für mich mit!

Eure Francesca

Gottes Segen für die Prüflinge

Hallo ihr Lieben,

heute möchten Greta und ich euch etwas über unsere Erfahrungen mit der Examensvorbereitung der SchülerInnen in Uganda berichten.

Besuch einer Privatschule

Letzten Donnerstag besuchten wir gemeinsam mit den Sisters und Father Justin eine besonders angesehene private Primary School in Apele. Durch den Kolonialismus, in dem die Briten das britische Bildungssystem in Uganda installiert haben, orientiert sich das ugandische noch heute am britischen Schulsystem und die Primary School geht von der ersten bis zur siebten Klasse. Die Sisters kennen den Schulleiter gut und auch wir durften ihn zuvor schon kennenlernen, so dass er uns ausdrücklich eingeladen hatte und sich sehr über den Besuch freute.
Anlass des Besuchs war das sogenannte „Dedication Prayer“. Das wurde hier vor einigen Jahren eingeführt und dient der mentalen Vorbereitung auf das Abschlussexamen, indem man Gott um seinen Beistand bittet und für die Chance auf Bildung dankt.
Bei der Ankunft fiel Greta und mir sofort auf, dass das ganze Schulgelände besonders sorgfältig angelegt und gepflegt ist. Bei näherem Kontakt mit den SchülerInnen bemerkten wir schnell, dass hier mit mehr Druck Englisch gelehrt wird als in der staatlichen Primary School Alengas und es den SchülerInnen leichter fiel, sich mit uns zu unterhalten.

Die SchülerInnen haben große Träume
Die Feier begann mit einer langen Messe, in der Father Justin die 40 SchülerInnen des Abschlussjahrgangs und auch ihre Hefte und Stifte segnete.  Am Ende fragte Father Justin die angehenden Absolventinnen und Absolventen nach ihren Berufswünschen. Die Jungen und Mädchen haben große Träume. Bei den Mädchen war insbesondere der Beruf der Krankenschwester beliebt, während die Jungs vielfältigere Pläne wie zum Beispiel Arzt, Pilot, Bankmanager, Priester und sogar Präsident haben.
Nach der Messe durfte jeder Gast, Lehrer und der Schulleiter eine kleine Rede halten. So durften auch wir zu Wort kommen und haben dabei von unseren ersten Lango Kenntnissen Gebrauch gemacht. Als kleinen Motivationsschub verteilten wir anschließend Süßigkeiten an die Prüflinge.
Nach einer kleinen Führung über das Schulgelände und einer ewig andauernden Fotosession, in der wir uns fühlten wie die Attraktion des Jahres, lud uns der Schulleiter zu sich zum Mittagessen ein.

Den SchülerInnen der Apele Primary School wünschen wir, dass ihre Eltern weiterhin Wert auf gute Bildung legen und sie deshalb finanziell unterstützen und nicht dazu zwingen, zu Hause oder auf dem Feld arbeiten zu müssen. Außerdem ist die Gefahr gerade bei Mädchen groß, dass sie schon unter 18 Jahren verheiratet werden und Kinder bekommen, weil vielen Eltern der Profit durch die Kühe der Familie des Ehemanns besonders wichtig ist. Kühe sind hier ein Symbol für Reichtum und Ansehen und somit sehr begehrt.

Die Feier für unsere Mädchen

Diesen Mittwoch fand dann ein ähnliches Fest für den Abschlussjahrgang der Nähschule in Alenga statt. Da unsere Schülerinnen ein buntes Programm für den Gottesdienst vorbereiteten, durften auch Greta und ich daran teilnehmen, indem wir uns der Tänzer-Gruppe anschlossen.
Nach einigen Proben fühlten wir uns immer noch sehr unsicher und wacklig auf den Beinen, während die Mädchen in ihren traditionellen Tänzen voll aufgehen konnten. Der Chor trommelte, rasselte und sang voller Elan und uns lief der Schweiß hinunter. Trotz unserer leichten Unbeholfenheit und Aufregung machte das Tanzen uns großen Spaß und alle Anwesenden waren von unseren Tänzen begeistert. Greta und ich bekamen viel Lob, und die Gemeinschaft freute sich, dass wir uns so gut mit den Schülerinnen verstehen und uns in die Kultur integrieren.

Eine Rede halten – das gehört zu jedem Fest dazu!
Wieder segnete Father Justin die Schülerinnen mit viel Weihwasser, was aufgrund ihres tief verwurzelten Glaubens besonders bedeutungsvoll, schön und wichtig für sie war. Nach Ende der Messe gingen wir gemeinsam in die Versammlungshalle der Schule, wo das Fest durch leckeres Mittagessen, Reden und Tänze abgerundet wurde. Besonders wundervoll war, wie sehr die Mädchen sich darüber freuten mal im Mittelpunkt stehen zu dürfen und ihre eigenen Auftritte vor der Schulgemeinschaft genossen. Auch wir kamen wieder zu Wort und versuchten den Mädchen einige Ratschläge für die Zukunft zu geben. Wir rieten ihnen unter anderem sich einen anständigen Mann auszusuchen, ihre Familie gut zu planen und dabei nie zu vergessen, dass sie durch ihre Ausbildung zur Näherin nun finanziell unabhängige und gut gebildete, noch sehr junge, Frauen sind.
Diese Worte empfinden wir als passend, da es der Schule ein großes Anliegen ist, dass die Mädchen sich durch die Ausbildung aus der in ihren Familien weit verbreiteten Armut befreien. Die Armut wird oft bedingt durch fehlende Bildung und die damit verbundene fehlende Aufklärungsarbeit, so dass Arbeitslosigkeit und mangelnde Verhütungsmethoden das Resultat sind. Weil einige Männer mit ihrer Lebenssituation unzufrieden sind, neigen einige davon hier zum Alkoholismus und es kommt manchmal dazu, dass Männer ihre Frauen schlecht behandeln oder missbrauchen und sich nach einiger Zeit eine neue bzw. zusätzliche Ehefrau suchen, sodass Frau und Kinder auf sich allein gestellt sind. Ein weiteres Ziel der Schule, und etwas, was Sister Anne den Schülerinnen immer versucht einzuprägen, ist, dass sie nicht zu früh heiraten und zu früh Kinder bekommen sollen. Es passiert hier, dass Mädchen, gerade mit niedrigem Bildungsstand, mit 17 Jahren das erste Mal  schwanger werden. Diese jungen Mütter haben kaum eine Perspektive, und ohne Bildung und eventuell auch noch mit einem Ehemann, der zu viel Alkohol trinkt, haben sie nur geringe Chancen auf ein zufriedenstellendes Leben.
Ich denke, nach dieser kurzen Erläuterung wird deutlich, wie wichtig es für Frauen ist (hier, aber auch auf der ganzen Welt), finanziell undabhängig zu sein.
Nach diesen Worten teilten wir zur Motivationsanregung wieder kleine Süßigkeitentüten aus, die die Schülerinnen mit viel Jubel entgegen nahmen.

Wir gehören dazu
Für uns ist es ein besonders schönes Gefühl, nun schon so in die Schulgemeinschaft integriert zu sein und enge Beziehungen zu den Mädchen aufzubauen. Die Proben waren besonders abwechslungsreich und lustig und die lockere Atmosphäre trug dazu bei,  dass wir uns noch wohler fühlen.

Danke fürs Lesen!
Wir werden euch in den nächsten Wochen noch mehr über unsere Arbeitsstellen und das ugandische Schulsystem berichten.

Kwa herini! – Auf Wiedersehen

Der Abschied
Hallo ihr Lieben, jetzt schreibe ich aus Deutschland. Ich bin schon seit ungefähr zwei Monaten wieder hier. Als erstes möchte ich euch von dem Abschied von Mkuranga erzählen, die Zeit bis kurz vor dem Ende meines Einsatzes ging unglaublich schnell vorbei. Aus einem Monat wurden Wochen und kurz darauf ein Tag. Am Montag unserer letzten Woche haben wir unsere Abschiedsfeier gefeiert. Das war ein sehr schönes Fest, das wir zusammen mit den Dadas, den Frauen die in der Küche der Mission arbeiten, den Arbeiterinnen und Arbeitern aus der Krankenstation und dem Kindergarten und den Brüdern vorbereiteten. Besonders das gemeinsame Kochen mit den Frauen war ein sehr schönes Erlebnis, denn es war alles sehr vertraut und wir redeten sehr viel, immer wenn ich jemand bekannten bei den vielen Besorgungen begegnete, wurde für eine kurze Unterhaltung angehalten. „Jamani! Tutawamissi!“ „Freunde wir werden euch vermissen!“ War einer der häufigsten Sätze. Mir fiel der Abschied von den Kindern besonders schwer. Ich hatte am Freitag meinen letzten Arbeitstag und am Montag musste ich aber noch oft am Kindergarten vorbeilaufen, und jedes Mal kamen alle Kinder zum Zaun gelaufen und riefen „Wiedersehen Lehrerin, auf Wiedersehen!“ bis sie mich nicht mehr sehen konnten.  Das Fest am Abend war eine bewegende Feier: es kamen an die 50 Leute, die Brüder natürlich, die Arbeiter von Krankenstation und Kindergarten, die Salvatorianer Schwestern, die Novizinnen der Franziskaner, die Arbeiter vom Hof, die Putzfrau in der Krankenstation, der Wachmann… also eigentlich alle Leute, mit denen wir in diesem Jahr etwas zu tun gehabt hatten. Wir feierten eine traditionelle tansanische Sherehe, eine Feier, bei der Alyssa und ich die Ehrengäste waren. Dazu gehören sehr viel Traditionen, wie zum Beispiel, dass von jeder Gruppe ein Sprecher eine kurze Rede hält, in der uns gedankt wurde, oder dass wir uns vorne hinstellen und alle Gäste in einer Schlange nach vorne kommen, um mit uns anzustoßen und sich zu verabschieden. Die Feier hat mich sehr berührt und ich habe realisiert, mit wie vielen Menschen ich etwas zu tun hatte und wie sehr sie mich in ihrer Gemeinschaft aufgenommen haben. Am nächsten Tag haben wir uns noch von allen verabschiedet und sind dann noch zusammen mit Timo, dem Freiwilligen in der Demokratischen Republik Kongo, der seine letzten drei Wochen in Tansania verbrachte, für drei Tage nach Bagamoyo, einer alten Hafenstadt in der Nähe von Dar Es Salaam gefahren. Diese Zeit war sehr schön, auch um nochmal etwas Ruhe zu finden. Je näher der Abschied rückte, desto weniger wollte ich gehen. Doch schließlich war es soweit, ich konnte es überhaupt nicht begreifen und war unglaublich traurig.

Das Ankommen
Nach einem vierzehnstündigen Flug kamen wir schließlich in München an, mir erschien alles surreal. Alles war sauber und leer und „weiß“. Meine Mutter holte mich mit meiner Schwester und meinem Bruder vom Flughafen ab. Ich freute mich sehr, sie und später den Rest von meiner Familie wieder zu sehen. Die erste Woche zurück in Deutschland war sehr hart, ich kam mir auf eine seltsame Art und Weise entfremdet vor und gleichzeitig war mir alles alt bekannt.  Wieso gehen diese Menschen alle irgendwohin, ohne miteinander zu reden? Wieso muss hier immer alles so schnell gehen?  Ich war teilweise irgendwie überfordert und vermisste Tansania. Meine Schwester hat mir in dieser Zeit sehr geholfen, weil ich mit ihr über alles reden konnte, vor allem weil sie gerade von einer ähnlichen Zeit, einem Freiwilligendienst in Rumänien, zurückkam.  Alles in allem kann ich sagen, dass ich das Zurückkommen als viel schlimmer empfunden habe, als das Ankommen im Einsatzland. Aber ich bin trotzdem unglaublich dankbar, diese Erfahrung gemacht zu haben und all diese wunderbaren Menschen kennengelernt zu haben.

Kwa Herini – Auf wiedersehen!

Von meinen Erfahrungen in Uganda erzählen

Ich hatte schon zwei Mal die Gelegenheit, von meinen Erfahrungen als Freiwillige in Uganda in Form eines Bildvortrags zu erzählen. Der erste Vortrag war im Rahmen des Seniorenkaffees der Pfarrei Pfaffenhofen und wurde vom katholischen Frauenbund organisiert. Der zweite fand für den Rotary Club Pfaffenhofen statt.

Vielen Dank für das zahlreiche Kommen und das Interesse!

 

 

Abschied und Heimkehr

Hallo zusammen,
kaum zu glauben, dass ich jetzt schon seit sechs Wochen wieder zurück in Deutschland bin. Die Zeit vergeht auch hier sehr schnell!

Der Abschied von Matany ist mir sehr schwer gefallen. In einem Jahr habe ich mich so an die Menschen, die Arbeit, das Klima, die Kultur und die Sprache gewöhnt, dass es für mich nicht einfach war, das alles hinter mir zu lassen. In den letzten Tagen in Matany habe ich noch sehr viele Freunde besucht, ein Huhn (hat mir ein Freund geschenkt) geschlachtet, ein gemeinsames Frühstück für alle Krankenhausangestellten zusammen mit Beatrice organisiert und auch mit der „Pastoral Community“ meinen Abschied gefeiert.

Nach dieser sehr emotionalen und tränenreichen Zeit war ich noch mit einer Freundin in Lira auf der Jubiläumsfeier ihrer alten Schule, dann gings auch schon nach Kampala, wo Pauli bereits auf mich gewartet hat. Wir haben noch Freunde besucht und uns Einiges angeschaut.

Am 20. August 2017 ging unser Flug zurück nach Deutschland. Der Abschied vom uns so vertraut gewordenen Uganda mischte sich mit der Vorfreude auf das Wiedersehen von Freunden und Familie in Deutschland.
Am Anfang habe ich aber auch noch nicht realisiert, dass mein Jahr in Matany nun tatsächlich vorbei sein sollte. Du fliegst ein paar Stunden und schon bist du zurück im „alten Leben“, da braucht die Seele erstmal Zeit, um nachzukommen.
Inzwischen habe ich mich jedoch schon wieder gut eingelebt und auch wenn ich ab und zu Heimweh nach Uganda habe, so bin ich doch auch froh, mit sovielen Erfahrungen gestärkt wieder zurück zu sein.

 

Zum Schluss will ich mich bei allen bedanken, die meine Blogeinträge verfolgt haben und auch so Interesse an meinem Freiwilligendienst gezeigt haben!
Liebe Grüße und man sieht sich,
Judit

Reflexion eines ganzen Jahres

Das Reflexionsseminar ist für uns Teamer wohl eines der spannendsten Seminare: nach ihrem einjährigen MaZ-Einsatz im Ausland treffen wir die Freiwilligen zum ersten Mal wieder und jedes Mal ist es eine große Freude, ihren Berichten zu lauschen und zu sehen, wie sehr sich jede und jeder einzelne entwickelt hat. Alle freuten sich, einander wiederzusehen und wiederzuhaben.

Wir trafen uns am Freitagabend, 29.09.2017, in Nürnberg, an dem Ort, wo der MaZ-Einsatz mit der Vorbereitung vor über eineinhalb Jahren begonnen hatte. Fünf Tage, bis Dienstag, dem 03.10.2017, nahmen wir uns für die Reflexion Zeit. So durften alle in einem Vortrat ihre Projekte und Erfahrungen präsentierten und die Vielfalt der Projekte und Erlebnisse wurde deutlich. Außerdem reflektierten die MaZ ihre eigene persönliche Entwicklung, setzten sich mit ihrer „emotionalen Kurve“ während des Jahres auseinander und besprachen nocheinmal die unterschiedlichen Rollen, die sie während ihres Einsatzes ausfüllen mussten, und die Erwartungen, die mit diesen Rollen verbunden werden. In welcher Rolle habe ich mich wohl gefühlt? Was war schwierig für mich? War ich über- oder unterfordert? Mit diesen Fragen beschäftigten wir uns, wobei auch kleine Krisen und Konflikte angesprochen und bearbeitet wurden. So sollten alle zu einem guten Abschluss es Jahres finden. Aber auch der Spaß kam nicht zu kurz: Im MaZ-Raum wurde jeden Abend bis spät in die Nacht erzählt, ausgetauscht und gespielt.

Darüber hinaus stellte das MaZ-Team zusammen mit einer Vertreterin des „Arbeitskreises Rückkehrer“ Engagementsmöglichkeiten nach dem MaZ-Einsatz vor, im kirchlichen aber auch gesellschaftspolitischen Bereich. Denn die meisten zurückgekehrten MaZ möchten ihre Erfahrungen in die Gesellschaft einbringen und sich für eine gerechtere Welt einsetzen – auch Zuhause.

Wir wünschen den zurückgekehrten MaZ alles Gute auf ihrem weiteren Lebensweg und hoffen, sie bei Ehemaligentreffen oder anderen Veranstaltungen wiederzusehen!