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Besuch aus der Heimat – Karibuni Uganda Mama und Papa

Liebe Leserinnen und Leser,
heute möchte ich euch von der schönen, abwechslungsreichen und aufregenden Zeit mit unseren Familien erzählen.

Drei Tage nach meinem Geburtstag brachen wir nach Kampala auf. Hier besuchten wir unsere Freundinnen Linda und Maike, die zentral in Kampala wohnen und gingen anlässlich meines Geburtstages auch nochmal feiern, was in Alenga ja absolut nicht möglich ist und sich ein bisschen mehr wie eine normale Geburtstagsfeier angefühlt hat: Mit Freunden Bier, Pizza und Kuchen (danke dafür nochmal!!) genießen und danach zum Tanzen in den Club. Gemeinsam hatten wir einen richtig schönen Abend! Am Tag danach brachen wir nach Entebbe auf, was ca. eine Stunde von Kampala entfernt ist. Wir fuhren also schon mal in unsere schöne Unterkunft, genossen die warme Dusche und das kuschelige Bett und holten dann unsere Familie vom Flughafen ab! Das war vielleicht ein tolles Gefühl, bekannte Gesichter wiederzusehen und in den Arm zu nehmen. Vorher waren wir aufgeregter als bei unserer eigenen Ankunft: Ob sie es wohl schaffen würden, durch die Kontrolle zu kommen, ob sie mit dem Visum alles richtig gemacht hatten usw. .. :-D. Zum Glück hat alles gut geklappt und die Vier (Mama, Papa, Conny (Francescas Mama) und Leon (Francescas kleiner Bruder)) schienen sogar einen angenehmen Flug gehabt zu haben.

Entebbe und Kampala

Gemeinsam verbrachten wir zwei Tage im schönen Entebbe, das direkt am Viktoriasee liegt. Da Francesca und ich ja Silvester hier gefeiert haben, kannten wir uns gut aus und führten unseren Besuch zu all den schönen Plätzen. Es war ein lustiges Gefühl für mich, die ja immer die Jüngste in der Familie war, meine Eltern herumzuführen, ihnen Dinge zu erklären und die Planung zu übernehmen. Wir besuchten den botanischen Garten Entebbes und unsere Mütter bestaunten eigentlich den ganzen Tag lang, wie schön denn alles blühe und wie grün die Natur sei! Ja, Uganda ist wirklich ein traumhaftes Land! Außerdem gingen wir an den Strand, aßen frischen Viktoriaseebarsch und feierten am Pfingstsonntag einen schönen Gottesdienst in Entebbe. Danach brachen wir dann nach Kampala auf. Für unsere Eltern ein ziemlicher Schock und ich war froh, dass wir erst ein wenig in Entebbe waren, damit sie sich eingewöhnen konnten. Die Hauptstadt Ugandas, sie ist einfach laut, voll, dreckig und beim ersten Mal ziemlich überfordernd. Zum Glück kennen Francesca und ich uns ja inzwischen aus, haben ein paar Freunde vor Ort und so verbrachten wir in Kampala sehr spannende Tage. Wir stellten unsere Eltern den Combonis und den Schwestern in Kampala vor, die sie sehr herzlich begrüßten und willkommen hießen. Außerdem fuhren wir mit ihnen im Matatu (öffentliches Taxi/Kleinbus) bis in das Stadtzentrum, wo wir die schönen Stoffe und Kleider auf dem belebten Markt bewunderten und gleich auch was einkauften. Natürlich fing ich auf dem Markt an zu handeln, erstens weil einem als Weiße grundsätzlich der doppelte Preis genannt wird und zweitens weil ich inzwischen die echten Preise für Stoffe gut kenne und mich deshalb erst nicht über den Tisch ziehen lassen möchte. Daran mussten Mama und Papa sich erstmal gewöhnen und es war ihnen zunächst auch etwas unangenehm. Außerdem waren unsere Familien sehr begeistert von dem schönen Markt mitten in Kampala. Dort gibt es alle möglichen Früchte und einheimischen Spezialitäten, die sie gleich mal auskosten durften. Darunter der typische Kochbananenbrei (Matooke), Erdnusssoße, Chapati/Rolex und ein Obstsalat mit Zuckerrohr, Stinkfrucht, Papaya, Avocado und vielem mehr. Hmm… ein kulinarischer Exkurs.
Am Ende unseres ausgiebigen Tages in der Innenstadt erlebten unsere Eltern dann noch die Rush-hour Kampalas. Aus dem Zentrum sind es, bei wenig Verkehr, ca. 15 Minuten bis nach Mbuya Hill, wo die Combonis wohnen. Wir haben dafür dann eine geschlagene Stunde gebraucht. Francesca und ich schlugen gleich zu Beginn vor, dass wir doch am besten ein Boda nehmen sollten, weil die Autos zu dieser Zeit im Stau stecken bleiben würden. Schon in Entebbe waren wir kurze Strecken mit dem Boda gefahren und Papa und Leon hatten auch richtig Gefallen daran gefunden. Doch die Mütter streikten. Also machten wir uns durch den Verkehr und die Menschenmassen auf die Suche nach dem richtigen Matatu. Als wir im Taxi saßen, ging es dann natürlich nur schleppend voran. Der Taxifahrer war typisch ugandisch, bremste in der letzten Sekunde und so auch ganz kurz vor einem die Straße überquerenden Laster. „Also diese Verkehrssituation ist so erschreckend, furchtbar, das muss doch bald alles zusammenbrechen und kollabieren…“ kommentierten unsere leicht verschreckten Eltern. Lange Rede, kurzer Sinn: Wir kamen in der Dunkelheit völlig erschöpft, aber voll von unvergesslichen Eindrücken an und rundeten den Tag mit einem gemütlichen Abendessen beim Inder und einer weiteren heiklen Uber-Fahrt ab.  😀
Am nächsten Tag machten wir Kulturprogramm. Gemeinsam besichtigten wir die Kasubi Tombs, wo wir viel über die hochspannende Kultur der Buganda (die größte Volksgruppe Ugandas) und ihrer Könige lernten. In den Tombs werden die Könige beerdigt und auf dem ganzen Gelände verteilt ihre zahlreichen Frauen und Kinder. Die Buganda verehren ihre Könige schon seit ewigen Zeiten und sind ihren alten Traditionen und Bräuchen noch heute treu und legen viel Wert darauf.
Im Anschluss besuchten wir noch das ugandische Nationalmuseum, das auch für Francesca und mich noch einmal viele neue Erkenntnisse über dieses vielfältige und facettenreiche Land brachte. Abends gingen wir dann gemeinsam mit Stan und Fafa (den wir zufällig bei den Combonis getroffen hatten) sehr lecker essen. Für uns war es schön, dass unsere Eltern bereits Stan gut kennenlernten, der ja für das ganze Jahr unser Mentor und unsere Bezugsperson ist, und außerdem zufällig die Chance bekamen Fafa kennenzulernen, der sich zuvor so lieb um uns gekümmert hatte. Zusammen gingen wir in ein sehr besonderes Restaurant Kampalas, in dem Francesca und ich gleich mal einen kleinen Kulturschock bekamen, weil alles so europäisch eingerichtet und zubereitet war. Das Essen war sehr lecker und Fafa, Stan, Francesca und ich probierten gemeinsam die Frösche, deren Fleisch erstaunlich nach saftigem Hühnchen geschmeckt hat.
Der Abend war sehr schön und ein toller Abschluss für die Tage in Kampala. Denn am nächsten Morgen war es schon soweit, dass wir gemeinsam mit Stan nach Alenga aufbrechen wollten. Die Aufregung bei allen stieg… !

Mit Mama und Papa in Alenga

 Am Mittwoch kamen wir gegen Mittag in Alenga an. Nach einer Fahrt, die schonmal einen kleinen Vorgeschmack auf die Straßen Ugandas gab. Durchgerüttelt und durchgeschüttelt wurden wir von den Schülerinnen und Schwestern in Empfang genommen, die mit Jubel und Gesang gleich mal alle neuen Gäste in den Arm nahmen, so wie es hier eben üblich ist. Im Anschluss lernten unsere Eltern die anderen beiden Priester und die Köchinnen bei einem schönen gemeinsamen Mittagessen kennen. Nachdem wir die vollgepackten großen Koffer ausgepackt und Mitbringsel, Geschenke und Leckereien sortiert hatten, machten wir eine kleine Alenga-Rundtour und gingen im Anschluss auf den kleinen Wochenmarkt. Hier zeigten wir unserem Besuch die typischen Leckereien und einige unserer Freunde. Natürlich kommt es hier nicht alle Tage vor, dass sechs Deutsche den kleinen Dorfmarkt besuchen und auch wenn sich die Bewohner Alengas schon an Francesca und mich gewöhnt haben, erregten wir viel Aufsehen und zogen die Aufmerksamkeit auf uns. Für unsere Eltern war der Markt mit Sicherheit ein aufwühlendes Erlebnis, denn dort wird man sehr mit der Armut und dem Leben von der Subsistenzwirtschaft hier konfrontiert. Meinen Vater bedrückte anschließend, dass er mehrmals nach Geld gefragt wurde oder danach, etwas für jemanden zu kaufen. Das passiert auch mir noch gelegentlich (inzwischen seltener) und zeigt das Bild des wohlhabenden Weißen, das tief in vielen Köpfen ist.
Am nächsten Tag zeigten wir unseren Eltern den Schlafsaal. Sie waren nachdrücklich begeistert wie weit das Projekt inzwischen gekommen ist und wie viel mit Hilfe eurer Spenden zustande kommen konnte! Geschockt waren sie davon, dass in dem jetzigen Schlafsaal auf engstem Raum 60 Mädchen schlafen müssen. Die Vorfreude der Mädchen in den neuen Saal zu ziehen steigt auch täglich…!
Außerdem besuchten wir alle gemeinsam Francescas Arbeitsplatz, die Krankenstation. Francesca zeigte und erklärte ihnen das Gelände, die einzelnen Abteilungen, von Labor zur Medikamentenausgabe und zur Entbindungsstation. Besonders genau schauten sie sich das Labor an, wo Dickens und Bernard, Francescas Kollegen, stolz ihr Equipment präsentierten. Von der Handzentrifuge bis zum Malariatest hatte Francesca die Chance Vieles zu erklären.
Meine Mutter war von der Tatsache geschockt, dass alle den Geburtenraum einfach betreten dürfen ohne Kleidung oder Schuhe zu wechseln. Die Gesundheitsversorgung hier im Dorf ist mit den deutschen Standards eben absolut nicht zu vergleichen und gerade auf die Sterilisation wird kein großer Wert gelegt. So schlafen auch alle Patientinnen in einem Raum, aufgeteilt nach Müttern, die entbunden haben, und Schwangeren mit Komplikationen, und Keime können sich schnell vermehren. Beeindruckt waren sie auch davon wie viele Schwangere zum Vorsorgetermin kamen und auf dem Boden saßen um dort stundenlang auf die Untersuchung zu warten. Die Schwangeren zeigen während der langen Wartezeit keine schlechte Laune, sondern unterhalten sich und tauschen die neuesten Geschichten aus.
Zudem unterrichtete ich am Freitag zwei Stunden Computer im ersten Jahrgang und so bekam unser Besuch die Chance sich den Computerunterricht anzuschauen. In den ersten Stunden nach den Ferien wird in allen Fächern zunächst das Examen vom letzten Term besprochen und so alter Unterrichtsstoff wiederholt. Anschließend arbeiteten die Mädchen praktisch an den Laptops und ich versuchte die Kontrolle zu behalten. Das ist nämlich nicht immer leicht, wenn wie im ersten Jahr 36 Mädchen an 9 Laptops arbeiten sollen, nach Möglichkeit alle mitmachen sollen und die Stromversorgung auch nicht immer klappt. Da heißt es dann oft „Greta, come here!“, „No, first come here, our power is off!“ und ich erkläre eigentlich gerade einer anderen Gruppe noch die Aufgabe. Nichtdestotrotz macht mir der Computerunterricht viel Spaß und den Schülerinnen erst recht. Leon war besonders erstaunt, dass er immer die Möglichkeit hatte allein an einem Computer in der Schule zu arbeiten, während die Mädchen in fünfer Gruppen arbeiten müssen. Aber hier ist es so besonders, dass Computer überhaupt unterrichtet wird, dass es bei vielen der Grund ist, warum sie unsere Schule in Alenga auswählen.
Nicht nur ich sollte während der gemeinsamen Tage in Alenga den Mädchen etwas beibringen, sondern auch mein Vater, der von Beruf Zahnarzt ist. Die kleine Aufklärungsstunde über Mund- und Zahnhygiene sowie den Aufbau des Gebisses war mir ein besonderes Anliegen, weil eigentlich jede Woche ein Mädchen über Zahnschmerzen klagt und die generelle Aufklärung über einfachste Zahnhygiene sehr schlecht ist. Zuvor haben mir die Mädchen berichtet: Ich putze meine Zähne nur morgens. Wenn das wenigstens für alle stimmen würde… Nach Papas Unterricht wissen sie jetzt zumindest wie wichtig es ist sich mindestens zweimal pro Tag die Zähne zu putzen und wie das richtig geht.
Schon Säuglinge bekommen süße Getränke und man kann bei vielen der Grundschulkinder schon schwarze Verfärbungen an den Schneidezähnen beobachten. Einige unserer Freunde, die kaum über 20 sind, haben schon verfaulte Zähne und riesige Zahnlücken.

Freitagabends luden die Schwestern uns und die Priester zu einem Festessen im Hof ein. Es gab die leckeren Gerichte der Schwestern wie zum Beispiel gegrilltes Hühnchen, Viktoriabarsch, Chapati und natürlich einen riesigen Kuchen zum Nachtisch, den unsere Mütter ganz romantisch zu zweit anschnitten und darüber lachten, dass das in Deutschland Brauch auf Hochzeiten ist. Nachdem alle völlig überfuttert in ihren Stühle saßen, kamen die Schülerinnen und hießen unsere Familien mit vielen Tänzen, Gedichten und Liedern willkommen. Diese liebevolle Geste rührte sie natürlich (mal wieder- wie eigentlich alles die ganze Zeit) sehr.
Am Samstag nahm Fr. Stan uns mit zu einer kirchlichen Hochzeit. Dies war auch für Francesca und mich die erste Chance eine kirchliche Hochzeit zu sehen, denn zuvor waren wir immer auf den traditionellen Introductions gewesen. Die Messe war etwas außerhalb von Alenga in einer der kleineren Kapellen und die Gemeinde feierte das Brautpaar sehr euphorisch. Das Brautpaar war schon seit vielen Jahren traditionell verheiratet und hatte sich jetzt mit über 60 Jahren noch zur kirchlichen Trauung in Weiß entschlossen. Im Anschluss an die wunderbar lebhafte Messe begaben wir uns zum Brautpaar nach Hause, wo es reichlich Programm, welches den Introductions ähnlich ist, und leckeres ugandisches Essen gab, von dem unsere Eltern natürlich eine viel zu kleine Portion nahmen. Es war eine wunderbare Gelegenheit für unseren Besuch so in die Kultur der Langi hineinschauen zu dürfen und wir wurden auch herzlich aufgenommen und behandelt, obwohl uns niemand kannte und wir für alle Fremde waren. Diese Offenheit und Gastfreundschaft in der Kultur ist ein großartiges Geschenk und wurde mir während dieser Tage wieder besonders bewusst.
Am Sonntag war es dann soweit, das Highlight in Alenga stand an: Der Gottesdienst. Während Francesca und ich auf unseren Stammplätzen beim Chor Platz nahmen, saßen unsere Eltern bei den Schwestern, denn von dort aus hat man die beste Sicht auf das wunderbare Geschehen in der Messe. Während Conny zu Tränen gerührt das Hosanna mitsang, schoss Leon fleißig Fotos und Mama und Papa begnügten sich damit die Lesung auf Englisch im Buch zu verfolgen, denn natürlich war die ganze Messe auf Lango.
Nach der Messe stimmte unsere Freundin Paska noch ein Lied an und schon waren alle begeistert in der Kirche am Tanzen und forderten unsere Familien zum Mitmachen auf. Für mich war es sehr schön zu sehen, dass meine Freunde hier sich so über den Besuch meiner Eltern freuten, euphorisch mit ihnen tanzten und sangen und alle die Zeit so in vollen Zügen genossen.
Die Zeit in Alenga sollte besonders schön abgerundet werden durch Besuche bei unseren besten Freundinnen, Anna sowie die Schwestern Mary und Paska. Alle wollten uns unbedingt einladen und haben, zunächst zum Bedauern unserer Eltern, weil die Angst hatten, dass gleich zwei Ziegen und Hühner für sie geschlachtet werden, auch kein Nein akzeptiert. Im Nachhinein waren sie dann aber doch sehr froh, dass sie die Chance mitgenommen hatten, denn die Besuche verraten natürlich nochmal viel über das Leben der Bewohner Alengas. Wie immer wurden wir alle sehnsüchtig erwartet, es gab unglaublich viel zu erzählen und reichlich zu essen. Leon machte sich wieder viele kleine Freunde, indem er Luftballons und Süßigkeiten verteilte und Fotos machte und sie den Kindern im Anschluss zeigte, was stets für große Begeisterung sorgt.
Besonders beeindruckt waren alle, weil die Gastgeber gerne und mit vollem Herzen alles für ihre Gäste geben und schön machen. Hier ist es Brauch, dass man die Gäste so herzlich willkommen heißt wie man kann und nie geizig mit Besitz und Eigentum umgeht. Alles wird gerne geteilt und zubereitet. Conny war angetan davon, dass die Menschen so viel mehr im JETZT leben und dadurch den Augenblick viel mehr genießen können als wir, die von der stressigen Konsumgesellschaft geprägt sind. Während viele der Deutschen die Einstellung haben stets zu sparen, zu sparen, zu sparen und den letzten Cent umzudrehen, auch wenn sie das nicht müssten, wird hier verbraucht, was da ist und nicht gegeizt. In Deutschland wird aus meiner Sicht oft unnötig gespart. Vielleicht ein Euro macht den Unterschied an der Fleischtheke zwischen Biofleisch und Massentierhaltungsfleisch aus und gekauft wird natürlich, obwohl man es besser wissen müsste, das Billigere. Ein runder Geburtstag wird nicht gefeiert, weil auf ein neues Auto gespart werden müsse. Hier erfahre ich alltäglich, wie unwichtig Materielles wird, solange man genug hat um seine Familie zu ernähren und für die Kinder eine Bildung garantieren zu können. Es ist so viel schöner, wenn man den Moment lebt, ihn mit seinen Liebsten genießt, statt sich ständig Sorgen zu machen. Von der Lebensfreude, die die Menschen hier verspüren, obwohl einige nicht wissen wie sie ihren Kindern die Schulbildung finanzieren sollen oder existenzielle Probleme nicht lösen können, könnte sich (fast) jeder Deutsche, der um seine Luxusprobleme kreist, eine Scheibe abschneiden.
Unsere erlebnisreiche Zeit in Alenga, die mir noch einmal vor Augen geführt hat, wie gut ich hier angekommen bin, wie sehr ich hier zu Hause bin und was für ein Geschenk all meine lieben Freunde hier sind,  neigte sich dem Ende zu und nach einem für unsere Eltern sehr schweren Abschied machten wir uns in unserem schicken Safariauto, das uns in Alenga abholte, auf in den Urlaub!

Safari Uganda- schöne Tage und viele platte Reifen

Die nächste Woche verbrachten wir in der wunderschönen und vielseitigen Natur Ugandas. Für Francesca und mich war es zum einen ein großes Geschenk, dass wir nun noch einmal intensive Tage des Austausches verbringen konnten und nach einer so langen Zeit ohne Familie wieder gemeinsam etwas erlebten. Zum anderen wissen wir es sehr wertzuschätzen, dass wir so einen großen Teil des Westens Ugandas und seiner reichen Naturschätze sehen durften. Winston Churchill sagte einmal, dass Uganda die Perle Afrikas sei und auch wenn ich viele Teile des Kontinents noch nicht gesehen habe, würde ich diese Aussage nach dem Urlaub ohne nachzudenken bestätigen. Von übergrüner, weiter Graslandschaft am Albertnil zu hügeliger Vulkanlandschaft mit Kraterseen zu dichtem Regenwald, Uganda ist mit einer Vielfalt gesegnet, die mich immer wieder beeindruckt.
Mir als Freiwillige fiel es nicht leicht als Touristin in Uganda unterwegs zu sein. Denn dadurch, dass ich mich hier inzwischen so zu Hause fühle, beschäftige ich mich auch viel mit der Rassismus- Problematik. Da bekommt man beim Tourismus oft Angst, dass die Kultur der Ugander nicht genügend wertgeschätzt wird, dass über sie hinweg bestimmt wird oder sie ausgenutzt und als Zootiere ausgestellt werden. Gerade die Beobachtung, dass die Besucher der Nationalparks zu 90% weiß sind, ist für mich eine traurige Tatsache, die das große Gefälle in unserer globalisierten Welt zeigt.
Meine Erfahrungen nach dieser Reise bestätigen aber, dass viele der Ugander (vielleicht auch durch ihre tolle Gastfreundschaft bedingt) den Tourismus sehr wertschätzen und ihre Natur gerne der Welt öffnen möchten, solange sie bewahrt bleibt. Der Tourismus ist natürlich auch hier – wie in so vielen Ländern der Erde – eine begehrte Einnahmequelle, die dabei hilft Infrastrukturen zu verbessern, die umliegende Dörfer zu unterstützen und die Nationalparks zu schützen. Uganda ist zwar ein noch sehr unentdecktes Reiseland, was wohl durch den langen Krieg und die Größe bedingt ist, hat aber inzwischen 1,3 Millionen Touristen pro Jahr. Durch den aufblühenden Tourismus werden natürlich auch Arbeitsplätze geschaffen und viele junge Leute erhalten die Chance auf einen guten Job.
Es ist sehr wichtig beide Seiten Ugandas sehen zu können. Für uns Freiwillige wäre es eine verpasste Chance, wenn wir das ganze Jahr in Alenga bleiben würden und so nur eine Seite dieses vielseitigen Landes entdecken können. Mir wäre dann der Eindruck hängen geblieben, dass es in Uganda hauptsächlich Armut und Dorfleben gibt. Dabei gibt es riesige, gut entwickelte Städte, wunderschöne Anlagen in den Parks und auch richtig gute Krankenhäuser und Universitäten. Hier entwickelt sich sehr viel und ich bin gespannt wie Alenga in zehn Jahren aussieht.

Ein kurzer Blick auf den Schlafsaal

Dank eurer großen Unterstützung – vielen Dank auch noch einmal an alle, die anlässlich meines Geburtstages gespendet haben, das hat mich sehr gefreut! – ist der Schlafsaal nun fast fertig. Die Wände sind verputzt, die Stromleitungen verlegt und wenn alles in zwei Wochen getrocket ist, wird gestrichen und eine Einweihungsparty gefeiert! Auch die 18 Dreistockbetten werden schon gebaut und die Moskitonetze sind bestellt. Ihr seht also: Es neigt sich dem Ende zu!

Zukunftspläne

Und auch in diesem Artikel möchte ich noch einmal um Spenden bitten. Die Meisten von euch haben schon so viel gegeben und das freut mich jeden Tag aufs Neue, aber seit das Sammeln der Spenden so erfolgreich läuft, kommen uns auch viele neue Ideen in den Kopf. Zum Einen möchten wir dem Health Centre gerne ca. 2500 Euro bereitstellen, damit ein Zaun um das Gelände gebaut werden kann. Momentan fehlt dieser Zaun und so laufen erstens ständig Kühe, Schweine oder streunende Hunde, die Krankheitserreger übertragen, über das Gelände und zweitens sind die Krankenschwestern nicht geschützt und fühlen sich sehr unsicher, wenn sie die ganze Nacht alleine Dienst haben.

Zum Anderen gibt es die Möglichkeit für zwei Mädchen eine Patenschaft für das dritte Ausbildungsjahr, das seit diesem Februar neu bei uns an der Schule ist, zu übernehmen. Dort erlangen sie zusätzlich zur Schneiderinnenausbildung eine Designlehre. Die Kosten für das dritte Ausbildungsjahr belaufen sich auf 280 Euro. Das Geld kann gerne auch in Raten bezahlt werden. Bei Interesse an einer Patenschaft, meldet euch gerne bei mir unter greta.berges@gmx.de.

Die Spendenadresse ist:

Comboni-Missionare KöR, 73479 Ellwangen

IBAN: DE66 6145 0050 0110 6170 15

BIC: OASPDE6AXXX

Verwendungszweck: MaZ Margareta Berges (628) Alenga, Uganda

So meine Lieben, das war es auch schon wieder von mir. Ich bin auf der einen Seite seeehr traurig, dass mir nun nur noch 4 Wochen in Uganda bleiben. Auf der anderen Seite wächst natürlich auch mit der Zeit ein bisschen die Vorfreude auf zu Hause und darauf alle wieder zu treffen… Jedenfalls werde ich die letzten Wochen hier noch einmal genießen, da die Schule ja wieder angefangen hat, arbeite ich bis zum Ende noch einmal besonders intensiv, was mich aber sehr freut, da die Arbeit als Lehrerin mir während des Jahres große Freude bereitet hat. Außerdem stehen noch ein paar Feste an: Momentan bereiten wir gerade die Examensfeier für die Jahrgänge aus 2016 und 2017 vor, die im Juli stattfinden wird. Dort werden wir dann auch unser Theaterstück mit den Mädchen vorführen.

Bis ganz bald, ich freue mich von euch zu hören,

eure Greta

Buscalan (#5)

Hallo zusammen,

Inzwischen sind schon mehr als 75 % meines Einsatzes hier auf den Philippinen Geschichte. Ganz besondere Erfahrungen, die ich natürlich niemandem vorenthalten möchte, konnte ich in der Kar- und Osterwoche sowie den darauffolgenden Tagen machen. Zum besseren Verständnis und zur besseren Orientierung habe ich eine Karte erstellt, auf der die Orte markiert sind, die ich auf den Philippinen schon besucht habe. 

Gefährten vom Dach

Am Donnerstag vor Palmsonntag machten Simon, Peter und ich uns auf den Weg nach Buscalan. Zum einen wollten wir unseren Freund Theo dort wiedersehen, zum anderen reizte uns die Erfahrung, nachdem uns Theo und Peter schon vieles über das Dorf und die Menschen vor Ort berichtet hatten. Moritz konnte leider nicht mit, weil er den Besuch seiner Eltern erwartete. Früh morgens gegen sechs Uhr kamen wir in Bontoc, der nächstgrößeren Stadt, an. Wir gingen kurz auf den Markt, um noch einiges Gemüse und Obst für unseren einwöchigen Aufenthalt zu besorgen, bevor wir dann gegen viertel acht auf das Dach des Jeepneys kletterten, das uns ein Stück weiter in Richtung Buscalan bringen sollte. Schon vom Dach aus konnten wir eine atemberaubende Landschaft bestaunen, die sich uns überall bot. Die Straße war nicht gerade sonderlich breit, weshalb sich das Ganze manchmal etwas abenteuerlich gestaltete. Nichtsdestotrotz kamen wir wohlbehalten an der nächsten Station, einem kleinen Store an. Dort fanden wir einige Motorradfahrer vor, die darauf warteten, Leute zum sogenannten „Turningpoint“ zu bringen. Inzwischen war unsere Gruppe schon um drei weitere Leute gewachsen, die wir auf dem Dach des Jeepneys kennen lernten. Auch die Fahrt mit dem Motorrad war recht spannend, denn abgesehen vom Zustand der Straße hatten wir einiges an Gepäck dabei. Am Turningpoint kamen wir aber wiederum sicher an. Von dort aus machten wir uns ans letzte Stück Weg, das uns noch vom Dorf trennte, nämlich den Fußweg, der zunächst abwärts in ein schmales Tal mit einem Wasserfall und von dort wieder nach oben ins Dorf führte. Das hört sich alles etwas idyllischer an als es war, denn wir haben einige zig Höhenmeter überwunden, was in aller Herrgottsfrühe um ca. neun Uhr inklusive Gepäck nicht so ohne ist. Buscalan liegt zudem noch auf ca. 1000 Metern Höhe, was dem Aufstieg noch einmal einen eigenen Geschmack verleiht. Aber auch dieses Hindernis konnten wir überwinden und wir erreichten schließlich das Dorf. Dort wurden wir von unserem Freund Theo, der insgesamt schon einige Monate in Buscalan weilt, am Checkpoint empfangen. Da auch Peter im Dorf kein unbeschriebenes Blatt ist, konnten wir ihn als unseren Guide für die Woche nehmen, was die Registrierung beim Checkpoint sehr viel angenehmer machte. Untergebracht wurden wir in einem sogenannten „homestay“, der Übernachtungsmöglichkeit, die sich bei verschiedenen Familien im Dorf dort bietet. Der Preis für die Übernachtung stellt zudem gratis Reis und Kaffee bereit, welches beides im Dorf selbst gepflanzt und weiter verarbeitet wird. Da sich das Dorf vor einige Jahren den Touristen öffnete, um die Kultur mit diesen zu teilen, wurde eine Einrichtung wie der Checkpoint zur besseren Organisation nötig.

Einige Informationen vorab

Buscalan liegt in der Provinz Kalinga und bildet das eigene, gleichnamige Barangay. Dort leben die „Butbut“, eine eigene Volksgruppe mit langer Tradition und sehr interessanter Vergangenheit. Sie sprechen ihre eigene Sprache, ebenfalls „butbut“ genannt. In früheren Zeiten waren die Menschen, die dort leben, vor allem aufgrund ihrer „headhunter“, in der Umgebung berühmt berüchtigt. Als Headhunter bezeichnete man die Krieger des Dorfes. Bei Kämpfen mit benachbarten Dörfern oder anderen Feinden wie beispielsweise den Japanern im zweiten Weltkrieg trennten diese nämlich die Köpfe der getöteten Feinde ab, um diese zur Abschreckung weiterer Angreifer in der Nähe des Dorfes zu postieren. Heutzutage zieht es viele Touristen aufgrund der traditionellen Tattoos dort hin, die Männer zu damaliger Zeit durch Headhunting, Frauen aufgrund ihrer Schönheit erhalten haben. Die Tattoos werden nicht mit einer Maschine, sondern von Hand gestochen. Dazu verwenden die Tätowierer zwei Stöcke: In einem befindet sich ein kleines Loch, in welches ein Dorn gesteckt wird. An diesen wird immer wieder die Farbe geschmiert, die auf ganz natürliche Weise aus Kohle gewonnen wird. Mit dem zweiten Stock wird nun vorsichtig auf den Stock mit dem Dorn geklopft und so die Tinte in die Haut übertragen.

Die Bekannteste und zugleich mit ungefähr 100 Jahren die drittälteste Person im Dorf, Whang-Od tätowiert auch heute noch Touristen. Aufgrund ihrer eingeschränkten Sehfähigkeit und dem großen Andrang an Wochenenden und Feiertagen beschränkt sie sich inzwischen aber nur noch auf kleinere Tattoos. Für größere sind beispielsweise Grace und Elyiang, die das Handwerk ihrer Großtante fortführen möchten, oder auch andere Tattoo-Künstler aus dem Dorf zuständig. Whang-Od ist es selbst ein großes Anliegen, diese Tradition zu bewahren und an die nächste Generation weiterzugeben. Wer sich weitere Informationen zu diesem Thema holen möchte, dem seien diese Dokumentationen empfohlen: 

Im Dorf angekommen

Nach unserer Ankunft machten wir uns zunächst einmal zu unserem Homestay auf, um unser Gepäck abzuladen und die erste Tasse Kaffee zu trinken, die einfach nur hervorragend schmeckte. Danach haben wir uns mit Peter zunächst einmal ein wenig im Dorf umgesehen. Da zwei unserer Gefährten vom Dach bereits am nächsten Tag schon wieder abreisen wollte, begaben wir uns mit diesen auch direkt zu einer der Tattoo-Künstlerinnen. Dort konnten wir dann das erste Mal beobachten, wie die Tattoos gestochen werden. Auf dem Heimweg beobachtete ich dann noch einige Männer beim Schachspielen. Da die anderen schon weitergelaufen waren, konnte ich den Weg zurück zum Homestay aufgrund meiner Verwirrung und mangelnder Ortskenntnis nicht finden. Die Leute vor Ort waren aber sehr freundlich und hilfsbereit, sodass mir ein Mann seinen Sohn voraus schickte, um mir den Weg zu zeigen.

Den Abend ließen wir dann nach dem gemeinsamen Kochen und Essen noch gemütlich ausklingen. Der Reis aus Buscalan ist nicht, wie man ihn üblich kennt weiß, sondern meist rot. Einen wirklichen geschmacklichen Unterschied konnte ich nicht feststellen. Aufgrund der großen Anzahl an Menschen müssen sich die Leute aus dem Dorf aber auch zusätzlich noch mit Reis aus der Umgebung wie z.B. aus Tabuk eindecken. Gemeinsam mit uns im Homestay waren außerdem noch eine französische Tattoo-Künstlerin sowie der Amerikaner Gabriel.

Am nächsten Morgen trafen Simon, Gabriel und ich uns mit Theo, um ihm zu helfen, für den Store der Familie, bei der er lebt, einige Dinge vom Turningpoint abzuholen. Insgesamt liefen wir zwei mal dorthin und wieder nach oben ins Dorf, unterbrochen von einigen Essenspausen am Turningpoint und im Dorf sowie einigen Trinkpausen am Wasserfall. An ebenjenem konnten wir am Nachmittag dann auch noch die Gelegenheit nutzen und Baden gehen. Viele Jungs aus dem Dorf waren auch dort, oft im Adamskostüm unterwegs. Nach dem Baden sammelten sie aus dem Umkreis einer kleinen, trockengelegten Reisterrasse haufenweise Gestrüpp, Blätter und Äste zusammen, um daraus ein Feuer zu machen, an dem man sich wunderbar trocknen konnte.

Am darauffolgenden Tag machten Simon und ich uns zu einer kleinen Wanderung am Vormittag auf, die uns zur ein ganzes Stück oberhalb vom Dorf gelegenen Grundschule führte. Dort genossen wir die wunderbare Aussicht und das wunderbar sonnige Wetter. Gegen Mittag machten wir uns wieder auf den Rückweg ins Dorf, um mit dem Kochen anzufangen. Gabriel und die Französin waren am Morgen schon wieder abgereist. Gemeinsam mit Peter und Jan, einem deutschen Fotografen, machten wir uns am Nachmittag auf den Weg, um uns die Reisterrassen anzusehen, die das Dorf an der oberen Hangseite umgeben. Dort waren noch einige Frauen dabei, den Reis zu pflanzen. Das war wirklich beeindruckend zu sehen, mit was für einer Geschwindigkeit und Geschicklichkeit das vonstatten ging. Das Anpflanzen des Reises ist in Buscalan Sache der erstgeborenen Frauen. Man glaubt, dass das für die Ernte einen besseren Ertrag bringt. Nicht wenig verwunderlich also, dass einige ältere Frauen im Ort unterwegs sind, die extrem gebückt laufen.

Am nächsten Morgen brachen Peter und ich gemeinsam mit Jan, der sich auf den Rückweg begab, früh morgens nach Bontoc auf, um uns die Tickets für die Rückfahrt mit dem Bus zu organisieren.

Nachdem dies erledigt und wir uns wieder auf dem Dach des Jeepneys auf der Rückfahrt befanden, lernten wir bereits schon den nächsten Deutschen kennen. Auch er sollte ein Begleiter für die nächsten Tage sein.

Bei Charlie, dem Captain des Dorfes und dem Betreiber unseres Homestays, verbringen verschiedene Jugendliche ihre Sommer- und damit schulfreien Monate, um sich dort durch Mithilfe ihr Taschengeld aufzubessern. Da Brand, einer dieser Jungs bei Charlie, der Enkel des Captains aus dem Nachbardorf Butbut-Proper ist, bot sich für uns am darauffolgenden Tag die Gelegenheit, eine kleine Wanderung ins Nachbardorf zu unternehmen. Der Weg führte uns über die Reisterrassen und einen Pfad bzw. Straße am Berg entlang. Über die gesamte Zeit konnten wir dort die schöne Landschaft bewundern. Angekommen im Dorf konnte man schon einige deutliche Unterschiede feststellen: Das Dorf insgesamt wirkte schon einmal viel entzerrter und war viel lockerer strukturiert als Buscalan. Auch konnte man bemerken, dass die Dorfbewohner Weiße nicht so oft zu sehen bekommen wie die Leute aus ihrem Nachbarort. Nichtsdestotrotz wurden wir freundlich aufgenommen und vom Captain des Dorfes, Brands Großvater, zu einer Tasse Kaffee und ein paar Keksen eingeladen. Unser Rückweg führte uns dann über das Dorf Loccong, das auf dem Bergkamm oberhalb von Buscalan liegt.

Simon und ich verbrachten den nächsten Tag eigentlich hauptsächlich damit, für den Store von Theos Familie Bierkisten oder für die anstehende Hochzeit Holzstücke hoch zu tragen. Diese Holzstücke waren in etwa 70 cm lang und hatten einen Durchmesser von circa 20-25 cm. Als Dank für die Mithilfe wurden Simon, Peter und ich Abends noch bei der Familie der Braut zum Essen eingeladen.

Da der darauffolgende Tag der Geburtstag von Clarissa, einer der Mädels von Theos Familie, war, durften auch wir mit zur Geburtstagsfeier zum Wasserfall. Bei solch einem Anlass ist es üblich, dass das Geburtstagskind zwei bis drei Hühner für das Essen sponsert. Diese wurden am Wasserfall, über die Reisterrassen oberhalb des Dorfes zu erreichen, direkt gerupft und weiter zu Suppe verarbeitetet. Die Suppe wurde dann zusammen mit, wer hätte es gedacht, Reis gegessen. Wie es sich für so einen Anlass gehört, wurde der Reis und das Hühnchen dann auf Palmblättern, die auf dem Boden ausgebreitet werden, serviert. Bei den Filipinos ist das als „buddle fight“ bekannt. Eingenommen wurde das Mahl mit den Händen.

Obwohl wir uns schon am Nachmittag auf den Weg machten und uns das Warten aufs Essen mit Musik und diversen Getränken vertrieben, war es beim Baden im Wasserfall doch relativ frisch. Danach wurde allerdings wieder ein kleines Feuer gemacht, an dem man sich gut trocknen konnte. Mit der einsetzenden Dämmerung machten wir uns dann wieder auf den Weg zurück ins Dorf.

Am unserem letzten Tag machten Simon und ich uns dann früh morgens wieder auf den Weg zum Turningpoint, um dort das nach Bontoc fahrende Jeepney um neun Uhr zu nehmen.

Ein unerwartetes Event

Wir sollten aber schon am direkt darauffolgenden Freitag nach Buscalan zurückkehren, da wir während unseres ersten Aufenthalts von Charlie zur Hochzeit eines Familienmitglieds am kommenden Freitag und Samstag eingeladen wurden.

So machten Simon und ich uns am Donnerstag wieder auf den Weg in den Norden. Wir kamen wieder am Freitagvormittag im Dorf an und machten uns wieder zum Homestay bei Charlie auf. Dort trafen wir auf Peter, der immer noch dort weilte.

Die Hochzeit sollte am Freitag Abend beginnen. Bei den Hochzeiten gibt es unterschiedliche Varianten, je nachdem, ob das Pärchen schon Kinder hat oder nicht. Haben die Heiratswilligen schon Töchter bzw. Söhne, so entfällt die eigentliche Zeremonie und es findet nur die Feier statt. Andernfalls erfolgt für das Brautpaar eine Zeremonie. Bei der Hochzeit, an der wir teilnehmen konnten, hatte das Paar schon Kinder, weshalb am Samstag Nachmittag keine Zeremonie stattfand.

Als Vorbereitung auf die Hochzeit ist es Brauch, dass der Bräutigam und seine Freunde zwei bis drei Kalabaw, eine Art Wasserbüffel, der ganz viel zur Arbeit in den Reisfeldern eingesetzt wird, für das Essen stiftet. Für die Braut ist ähnliches angesagt: sie hat circa drei Schweine zu besorgen. Obwohl im ganzen Dorf Schweine unterwegs sind, die dort unterwegs sind wie anderorts Hunde und Katzen, werden diese nicht für diese Zwecke geschlachtet, sondern eigens gesonderte hergeschafft. Die Tradition verlangt es, dass die Freunde der Heiratenden die Tiere aus dem jeweiligen aktuellen Heimatort heranschaffen. Deshalb konnten wir am Freitag immer wieder Männer die Tiere, zum Teil schon geschlachtet und aufgeteilt, zum Teil noch lebend, an dünnen Stämmen den Berg hoch tragen sehen. Wenn man von dem Gewicht eines durchschnittlichen Schweines ausgeht, kann man sich vorstellen, was für eine schweißtreibende Arbeit das ist.

Am Freitag Abend versammelten sich also viele Leute zu Musik und Tanz auf einem kleinen Platz im Dorf, unweit von Charlies Homestay gelegen. Es war eine Abwechslung aus den traditionellen Tänzen mit eigenen Instrumenten, aus Sonderwünschen oder aus für jedermann angebotene Tänze. Zudem gaben ein paar Leute Gesangseinlagen zum Besten. Die traditionellen Instrumente sind Percussion-Instrumente. Sie ähneln ein wenig grifflosen Pfannen aus Kupfer in unterschiedlichen Größen, aufgehängt an einer Schnur. Darauf geschlagen wird mit einem der Größe entsprechenden Stock. Aufgrund der unterschiedlichen Größen und der Art, wie man darauf schlägt, entstehen natürlich unterschiedliche Klangfarben. Diese werden aus drei verschiedenen Pattern zu einem Rhythmus zusammengefügt. Während des Spielens tanzen die Männer hintereinander umher, währenddessen kommen irgendwann die Frauen hinzu, die innerhalb der Schlange der Männer eine eigene Schlange bilden und zur Musik tanzen. Der Tanz besteht aus Vor-und Zurückbewegen der zur Seite hin ausgestreckten Oberarme sowie verschiedenen Schritten der Füße. Die Videoaufnahme sollte den eben beschriebenen Ablauf etwas besser erklären.

Nachdem wir am Samstag Vormittag dann ausschlafen konnten und uns zum gemeinsamen Mittagessen mit Theo und einigen seiner Freunden und Freundinnen trafen, wurden am Samstag die Tänze des Vortages bis in die späte Nacht fortgesetzt. Wie bereits erläutert, entfiel eine Zeremonie für das Brautpaar. Als kleines Geschenk für das Brautpaar brachten wir eine Postkarte von Deutschland, original Bayerisches Bier und eine frisch gekochte Mahlzeit mit.

Am nächsten Morgen ging es für uns dann leider schon wieder zurück, da unsere Kinder und die Arbeit mit ihnen rief. Auf der Rückfahrt konnten wir noch einmal die schöne Aussicht vom Dach des Jeepneys genießen.

Der weitere Verlauf der nächsten Wochen

Den 1. Mai, der wie in der Deutschland Tag der Arbeit und somit Feiertag ist, nutzen wir zu einem verlängerten Wochenende und so machten Peter, Simon und ich uns erstmals gemeinsam mit Moritz auf nach Buscalan. Wir begaben uns am Mittwoch Abend auf unsere erneute Reise und kamen wiederum gegen sieben Uhr in der Früh an. Nach unserem Einkauf auf dem Markt liefen wir zum Jeepney, das uns nach Buscalan bringen sollte und luden unser Gepäck ab. Abfahrt ist um neun Uhr, so der Fahrer, weshalb wir die Zwischenzeit nutzen, um eine Kleinigkeit zu essen.

Als wir gegen dreiviertel neun Uhr die Straße Richtung dem Abfahrtspunkt liefen, sahen wir bereits eines wegfahren. Wir dachten uns zuerst nur: Gut, das wird schon nicht unseres gewesen sein, es fahren ja bestimmt noch andere in diese Richtung. Nachdem wir aber zwei Minuten später ankamen, stellten wir fest, dass es doch unseres war, das nun mit dem Gepäck auf dem Dach davon gefahren ist. Wir schnappten uns also schnell ein Trycicle und folgten dem Fahrzeug. Da nach einigen Kurven schon wieder einige Leute zustiegen, dauerte die Verfolgung nicht lange und wir konnten zu unserem Gepäck aufs Dach klettern. Angesichts der Vielzahl an Leuten im und auf dem Gefährt war es auch nicht weiter verwunderlich, dass der Fahrer nicht mehr auf weitere Passagiere warten wollte. Nach einer schönen, sonnigen Fahrt erreichten wir nach dem kleinen Fußmarsch wieder das Dorf. Auf dem Weg dorthin bemerkten wir, dass der Weg vom Turningpoint zum Dorf mithilfe dreier Bagger bearbeitet und so ein ganzes Stück breiter gemacht werden sollte.

In Buscalan angekommen trafen wir wieder Theo, der uns ein weiteres mal freudig begrüßte. Aufgrund der Vielzahl an Filipinos und anderer Touristen, die wegen des 1. Mais auf die selbe Idee wie wir gekommen sind, kamen wir in Charlies Homestay schon gar nicht mehr unter. Das war kein Problem, denn so kamen wir in Anna‘s Homestay in Theos und auch Charlies Nachbarschaft unter.

Die weiteren Tage waren nicht sonderlich spektakulär: Wir kochten wieder gemeinsam, halfen verschiedenste Dinge vom Turningpoint nach oben zu transportieren, waren unten am Wasserfall beim Baden und ein wenig im Dorf unterwegs. Dabei konnten wir wieder einige sehr interessante Leute kennen lernen. Wie bereits gesagt, waren aber wahnsinnig viele Leute da, was das Ganze etwas unentspannter machte. Die Dorfbewohner hatten alle Hände voll zu tun, alle Homestays waren bis auf des letzte Bett ausgebucht, jeden Tag kamen neue Touristengruppen ins Dorf, es wurde fast rund um die Uhr und überall tätowiert. Wir machten uns am Sonntagnachmittag dann schon wieder auf den Heimweg und waren Montag früh morgens wieder in Manila. Dadurch hatten wir noch genug Zeit, um uns für die Graduation der älteren Schüler und damit Highschool-Absolventen aus dem Center auszuruhen, die am frühen Nachmittag beginnen sollte.

Neben der Graduation war ein weiteres Highlight in den letzten Wochen die Segnung des Centers in Payatas, das Anfang das Jahres renoviert und umgebaut wurde. Neben einem größeren Klassenzimmer im Obergeschoss inklusive einer Toilette wurde im Untergeschoss ein abgeschlossenes Zimmer für die Küche eingerichtet. Der Unterricht mit meinen Kindern nimmt soweit seinen gewohnten Lauf, die Sommerhitze erschwert diesen allerdings etwas. Zum einen sind die Kinder etwas anders drauf und häufig etwas überdreht, zum anderen machen fast alle Kinder einen Mittagsschlaf, weswegen ich die Stunden am Nachmittag manchmal absagen muss.

Viele Grüße aus Manila

Jakob

Happy Birthday to me!

Ich möchte euch diesesmal von einem unvergesslichen Tag erzählen – meinem Geburtstag in Mkuranga. Ja, in Tansania ist es üblich, dass man sich selbst feiert. Nicht wie in Deutschland, wo man nie weiß, ob man Andere daran erinnern soll, dass heute der große Tag ist oder sich einfach leise für sich alleine freuen soll. Da ich aber die deutsche Art und Weise gewohnt bin, habe ich es auch so gemacht. Nur wenige wussten Bescheid (dachte ich zumindest) und so wollte ich morgens ganz normal in die Arbeit gehen. Philo, die Süße, hat mich zum Frühstück mit einem selbst gekochten Pudding überrascht! <3 Nochmal vielen Dank dafür! Pudding haben wir beide schon ewig nicht mehr gegessen! Dementsprechend haben wir uns wie kleine Kinder gefreut! 😀 Danach, als ich in die Arbeit aufbrechen wollte, hat Philo mir gebeichtet, dass sie meinen Arbeitskollegen von meinem Geburtstag erzählt hat und ich nun auf Schnitzeljagd, statt in die Arbeit, gehen darf! Die Schnitzeljagd hatte 19 Stationen- für jedes Jahr eine Station. Die Stationen waren im Zimmer, Esszimmer, in der Farm, im Stall… einfach überall, wo wir so tag täglich hinkommen. Nach drei Stunden Rätsel lösen, mit der Hilfe von den Brüdern und einem Freund habe ich dann endlich meine Überraschung gefunden… und einen Affen… wir wissen bis heute nicht, warum jemand einen Affen gefangen hat und in den Stall gesperrt hat….. 😀 Dann ließen wir die Korken knallen und haben angestoßen (natürlich mit alkoholfreien Sekt, war ja noch früh am Morgen). Zurück im Zimmer wollten wir uns nun doch endlich für die Arbeit fertig machen….. zzzzzz upsiiiii wir sind beide eingeschlafen und erst am Nachmittag wieder aufgewacht. Was aber letzten Endes kein Problem war, da Philo Bescheid gegeben hat. Dann sind wir noch kurz in die Arbeit geeilt und haben uns für unseren freien Tag bedankt.

Danach ging es ab in den Chor, wie jeden Dienstag. Wir haben viele Lieder gesungen, und irgendwann kam Philo zu mir und wollte den Schlüssel haben, weil sie aufs Klo musste. Insgeheim hat sie aber einen Geburtstagskuchen, Messer, Feuerzeug, eine Kerze und Servietten geholt. Ich habe wirklich nichts geahnt, aber Philo hat mit allen Leuten aus dem Chor eine Überraschungsparty geplant. Es war so unglaublich schön. Ima hat den Geburtstagskuchen organisiert, Pasco Soda für alle und es wurde gesungen und getanzt! Ich war überwältigt! Dann durfte ich den Kuchen anschneiden und das Füttern ging los!

Das ist eine Tradition, die ich ziemlich lustig finde. Feiert in Tansania jemand seinen Geburtstag, wird das Geburtstagskind von drei oder vier Gästen mit einem Mundgerechtem Stück Kuchen auf einem Zahnstocher aufgespießt gefüttert. Danach füttert das Geburtstagskind jeden Gast einzeln. Die Jungs aus dem Chor haben mich noch ein bisschen geärgert und mir Zuckerguss ins Gesicht geschmiert, damit ich auf den Fotos auch wunderhübsch aussehe! 😀

Schlafsaal, HIV und ein Jubiläum

Hallo meine Lieben,

es ist einiges passiert seit wir im Februar mit dem ersten Schulsemester 2018 begonnen haben. Am 27. April sind die Mädchen nach Hause gefahren bzw. gegangen und wir haben uns für die kommenden drei Wochen voneinander verabschiedet. Die meisten haben sich sehr auf die Ferien und auf zu Hause gefreut, einige wenige jedoch haben keine Möglichkeit nach Hause zu fahren oder haben sich vor zu Hause aufgrund schwieriger Familiensituationen gefürchtet, sodass in den Ferien zwei Schülerinnen im Konvent der Schwestern bleiben und für sie Gartenarbeiten etc. verrichten. Im Gegenzug dürfen sie umsonst hier schlafen und essen und haben ein gut behütetes Umfeld.

Schlafsaal
Als Erstes möchte ich euch ein Update in Bezug auf den Bau des Schlafsaals geben, denn seit ihr das letzte Mal Fotos gesehen habt, ist es gut voran gekommen und das Dach ist drauf. Leider ging es in den letzten zwei Wochen langsamer voran, denn der Preis für den Zement ist in die Höhe geschossen und pro Sack waren es fast 4 Euro mehr als zu Beginn berechnet.
Das war wohl die Folge einiger Anschaffungen in den Zementfabriken, laut der Aussagen der Bauarbeiter gibt es neue Maschinen zum Zement mischen und insgesamt wird sich dadurch eine Senkung des Preises versprochen. Wie auch immer, in der zweiten Maiwoche werden die Bauarbeitet hoffentlich weiter machen und wir wieder neue Fortschritte erkennen können.
Nach wie vor sammeln wir weitere Spenden für die Innenausstattung des Schlafsaals, denn wir möchten den Schülerinnen gerne Stockbetten und Moskitonetze sowie Kleiderhaken und ähnliches zur Verfügung stellen. Also wenn ihr wen kennt, der noch wen kennt, der sich gerne hier in Alenga für junge Mädchen engagieren möchte, meldet euch doch gerne! Euch allen, meinen fleißigen Leserinnen und Lesern, möchte ich jetzt auch für euer Interesse, euer Engagement und eure Unterstützung danken! Ich habe nicht erwartet, dass ich von so vielen Menschen aus der Heimat Rückmeldung und Hilfe bekomme und es ist ein schönes Gefühl zu wissen, dass ihr an mich denkt.

Die folgenden Fotos sprechen für sich sich:

HIV, AIDS und der weiblichen Zyklus
Außerdem habe ich euch im letzten Blogeintrag ja von unseren Extrastunden mit den Schülerinnen erzählt, in denen wir zunächst Geographie und ein bisschen Geschichte behandelt haben. Nun sind wir dazu übergegangen über HIV und AIDS zu sprechen. Im Vorfeld waren wir uns unsicher inwiefern wir über Kondome als Schutz vor Geschlechtskrankheiten sprechen dürfen, da die Schule in katholischer Trägerschaft ist und es im örtlichen Health Centre, das ebenfalls in katholischer Trägerschaft ist, auch keine Kondome gibt. Die dafür von USAID angebrachten Kästen sind stets leer. Generell erfahre ich hier im Austausch mit den Schwestern und einigen der Priestern einen konservativen Katholizismus. Doch man kann so etwas nicht generalisieren und unser Mentor Fr. Stan, der Gemeindepriester Alengas, war begeistert von unserer Idee mit den Mädchen über HIV und AIDS zu sprechen und gab uns den Segen dafür, Kondome als Schutz zu besprechen. Am Ende des Gesprächs lachte er und sagte: „Glaubt nicht, dass nur ihr den Mädchen etwas beibringen werdet. Sie werden euch mit den lokalen Sichtweisen sicherlich auch belehren.“.

Stan sollte Recht behalten. Nachdem wir mit der wohl einfachsten Frage, wofür die beiden Abkürzungen HIV und AIDS denn eigentlich stehen – na, weiß das jeder von euch? – begonnen hatten, erklärten wir die möglichen Übertragungswege und die dafür jeweils verantwortlichen hochinfektiösen Körperflüssigkeiten. Während die große Mehrheit genau wusste, wofür die Abkürzungen stehen, brach bei den Erklärungen zum ersten Mal großes Gelächter aus. Wir machten weiter mit dem Vorkommen von HIV in Uganda, hier sind ca. 1,5 Millionen Menschen infiziert, wobei mit einer großen Dunkelziffer zu rechnen ist. Davon sind 150.000 unter 14 Jahre alt. Der Präsident Ugandas, Yoweri Museveni, hat sich vor einiger Zeit erfolgreich dafür eingesetzt, die Infektionsrate von HIV zu verringern. Mittlerweile jedoch ist die Rate wieder angestiegen und trotz kostenloser Tests, Behandlung und Medikamente kennen viele ihren HIV-Status nicht (ähnlich wie in Deutschland, wo die HIV-Rate übrigens auch steigt statt sinkt…).

Weiter haben Greta und ich dann versucht Ratschläge zu geben wie man sich am besten vor HIV schützen kann und bestmögliche Verhaltensweisen, wenn man positiv getestet wurde. Ausschlaggebend war für uns, den Mädchen zu vermitteln, dass sie ihren Freund zunächst nach seinem HIV-Status befragen und auch den Eigenen testen ohne sich zu schämen oder Angst zu haben. Außerdem versuchten wir klar zu machen wie wichtig Kondome in Bezug auf jegliche Geschlechtskrankheiten sind und, dass sie den Männern nicht glauben sollten, wenn diese behaupten negativ zu sein, die Übertragung von HI-Viren durch ihr jeweiliges Verhalten zu vermeiden oder Kondome generell ablehnen.

Im Anschluss ließen wir Zeit für Fragen, denn schon während unserer Erläuterungen merkten wir, dass die Mädchen z.T. deutlich andere Vorstellungen und vor allem allerlei Fragen an uns hatten. Das war der Moment, der mich schockierte und mir vor Augen führte welch ein Glück ich habe, dass ich so gut aufgeklärt wurde, mit meinen Eltern und Lehrern offen über diese Themen sprechen konnte und das Internet als Antwort auf Fragen jeder Art nutzen kann. Die Mädchen erzählten mir, dass sie es erkennen würden, wenn jemand an AIDS erkrankt sei, denn die Farbe der Lippen würde sich verändern und dieses Erkennen genüge als Schutz. Weiter ging es damit, dass der Bruder eines Mädchens ihr erzählt habe, dass man bis zum 18. Lebensjahr das erste Mal gehabt haben müsse, ansonsten würde die Vagina der Frau zu klein werden und man könne niemals mit einem Mann schlafen. Ich wurde außerdem gefragt, ob es stimmen würde, dass Männer sterben würden, wenn man ihnen nicht, wann immer sie es wünschen, sexuelle Befriedigung gibt. Ich versuchte nach bestem Wissen souverän auf diese Fragen zu antworten. Davon abgesehen wurde ich auch viel über den weiblichen Zyklus gefragt, warum nur Frauen ihre Blutungen bekommen, warum das Ganze manchmal mit Schmerzen verbunden ist und so weiter. Demnach kamen wir auf die Idee, in der nächsten Stunde über das weibliche Geschlechtsorgan, den Zyklus und unterschiedliche Verhütungsmethoden bzw. Familienplanung zu sprechen. Anhand des Plakates könnt ihr sehen, dass wir den Verlauf des Zyklus erklärt haben, einmal im „Normallfall“ (unbefruchtet) und einmal mit befruchteter Eizelle. Außerdem zeigten wir anhand einiger Bilder die prenatale Entwicklung von der Zelle zum Baby. Gerade beim Ultraschallbild staunten sie sehr und erkannten den Fötus nicht. Im Anschluss führten wir die Benutzung eines Kondoms an einer Karotte vor, was zur allgemeinen Erheiterung führte, aber auch sichtbar das Interesse weckte. Abgesehen vom Kondom stellten wir auch weitere Verhütungsmethoden wie z.B. die Anti-Baby-Pille, die Drei-Monats-Spritze und die Spirale vor, die alle vor Ort in den staattlichen Krankenstationen erhältlich und größtenteils umsonst sind. Der Staat stellt diese Dinge unter dem Oberbegriff „Family Planning“ frei zur Verfügung, um die Fertilitätsrate von 5,6 (bei uns in der ruralen Gegend liegt sie eher bei 7) zu senken, da die Bevölkerung zu schnell wächst. Vergleicht man den Altersdurchschnitt zwischen Uganda und Deutschland, stellt man schnell fest, dass die Ugander eine besonders junge Bevölkerung sind, eine Studie im Jahr 2005 hat Uganda als jüngstes Land hervorgehoben. In Deutschland liegt der Altersdurchschnitt bei 42,1 Jahren, während er in Uganda bei 14,8 Jahren liegt. Die Hälfte aller Ugander ist 16 Jahre oder jünger, während die Hälfte der Deutschen jünger als 47 Jahre ist.
Im Anschluss stellten die Mädchen uns wieder interessante Fragen, beispielsweise ob man als Frau sterben würde, wenn das Kondom in der Vagina stecken bleiben würde oder wie oft man ein Kondom benutzen könne. Als wir diese Frage in die Klasse zurück gaben, erhielten wir als Antwort „10 Mal!!“, was wir natürlich schnell richtig stellten.

Nach den Ferien werden wir mit diesen Themen weitermachen, wer noch Ideen und Anregungen hat, darf sich jederzeit gerne melden!

Golden Jubilee – 50 Jahre Diözese Lira
Das Jahr 2018 ist das goldene Jubiläum unserer Diözese Lira, hier in Nordwest Uganda. Dafür reist der Bischof von Gemeinde zu Gemeinde um diesen Anlass ausgiebig zu feiern. Wir merkten hier schon Wochen zuvor die Aufregung über das anstehende Ereignis. So begannen wir vier Wochen vor dem 15. April schon mit den Chorproben. Dabei waren wir viele Sängerinnen und Sänger aus der ganzen Gemeinde und hatten sogar einen richtigen Chorleiter. Dieser war sehr ambitioniert und bemüht, dass der Chor einen exzellenten Auftritt abliefern wird, was ihm nicht nur Sympathiepunkte unter uns Mitgliedern einbrachte. Aber das viele Üben (bis zu sieben Stunden am Tag), die zahlreichen Vorbereitungen und Meetings haben sich gelohnt. Der Bischof wurde herzlich in Empfang genommen, das Gelände war wunderbar geschmückt, alle hatten sich fein rausgeputzt und sogar wichtige Politiker waren in unser kleines Dorf gekommen, um an der Spendensammlung teilzunehmen. Während der Messe wurde der Bischof mit Geschenken überhäuft, er bekam sechs Wassermelonen, hunderte Avocados und Bananen sowie Ziegen, Hühner und allerlei anderes. Die Christen Alengas haben mit Jubel, Tanz und Großzügigkeit ihre Dankbarkeit gegenüber dem italienischen Bischof Franzelli ausgedrückt. Dabei kam sogar der hochrespektierte König der Langi und hielt eine längere Rede über die Wahrung der Kultur. Um das Programm bunt zu gestalten, haben Artisten, die Frauengilde, unsere Schülerinnen und die Jugend der Charismatischen Christen jeweils etwas aufgeführt, gesungen und getanzt.  Im Anschluss gab es, wie bei jedem Fest hier, ein riesiges Festmahl, das leider nicht für die zahlreichen Besucher gereicht hat, so dass am Ende einige Kinder leer ausgingen. Dann halfen wir ganz schnell wieder beim Abbau der Festzelte und einige Stunden nach Ende des Festes, sah es auch schon wieder aus wie immer.

Fingerabdrücke in Alenga hinterlassen
Vergangene Woche haben Greta und ich unsere kreative Ader ausgelassen. Dabei gestalteten wir ein Freiwilligenbord, auf dem wir uns mit unseren Fingerabdrücke verewigt haben. Die Bedeutung ist sehr symbolisch zu betrachten: Die Pusteblumen stehen für uns Freiwillige (Greta und ich sind bereits Nummer 5 und 6 der Freiwilligen in Alenga), die hier jeweils eine neue Heimat gefunden haben, sich selbst verwirklichen können und ihre Samenschirme in die Welt tragen möchten, welche wiederum Blüten tragen werden. Die Samen sind unsere Fingerabdrücke, da jeder seine individuellen Spuren hinterlässt. Nun fehlen nur noch  unsere Fotos, dann ist das Freiwilligenbrett komplett.

Ihr Lieben, das war es auch schon wieder von mir. Morgen brechen wir in den Norden Ugandas auf. Dabei werden wir nach Gulu und Moyo reisen, einige Schwestern besuchen und gemeinsam mit zwei Comboni Brüdern das größte Flüchtlingscamp der Welt in Moyo besuchen. Wir freuen uns auf diese Erfahrungen sehr und werden anschließend berichten.

Herzliche Grüße

Eure Francesca

Erste Fortschritte sind sichtbar

Liebe Leserinnen und Leser,

zu Beginn dieses Artikels möchte ich mich erst einmal bei den zahlreichen Spendern bedanken, die das Projekt in Alenga bereits unterstützt haben!

Ich habe mich über die vielen Reaktionen auf meinen Zeitungsartikel und die Rundmail gefreut und am Ende ist tatsächlich so viel zusammengekommen, dass wir nun nicht nur die beiden kleinen Jungen, Timothy und Oscar, zu einer privaten Schule schicken konnten, sondern auch Paten für neun der Schülerinnen, die ich unterrichte, gefunden haben. Diese Patenschaften sind etwas ganz Besonderes und nehmen den Mädchen einige Sorgen, so dass sie sich in der Schule hoffentlich freier fühlen und ganz auf das Lernen konzentrieren können.

Eine Baustelle auf dem Schulgelände

Außerdem haben wir ausreichend Spenden bekommen, um mit dem Bau des Schlafsaals starten zu können. Direkt nach unserem Urlaub haben wir gemeinsam mit unserem Mentor, Father Stan, ein Gespräch mit dem Architekten geführt und alles in die Wege geleitet.

Inzwischen lassen sich die Baufortschritte wirklich sehen, so dass ich beschlossen habe, euch ein kleines Zwischenupdate zu geben:

Tatsächlich fehlt uns aber immer noch Geld für den Bau des Schlafsaals. Wir haben uns von vornherein für die etwas teurere Option entschieden, die eine Isolation des Gebäudes beinhaltet. Der jetzige Schlafraum hat keine ausreichenden Lüftungsmöglichkeiten und wenn knapp 60 Mädchen dort schlafen, kann man sich vorstellen, dass es wirklich unangenehm ist. Gerade in der Trockenzeit, die jetzt hinter uns liegt, bleibt es auch nachts so heiß, dass man im Sitzen anfängt zu schwitzen. Nun hat die Regenzeit begonnen, was nicht nur eine angenehme Auswirkung auf die Temperaturen zeigt, sondern auch die Natur ist endlich wieder grün und die Landwirtschaft kann beginnen.

Nun vom Wetterbericht wieder zurück zum Thema: Wir brauchen noch Spendengelder, zum einen, um die Isolation finanzieren zu können und zum anderen für die Innenausstattung des Saals: Stockbetten, Moskitonetze (momentan schlafen ca. die Hälfte der Mädchen ohne Netz) und andere kleine Anschaffungen.
Ich würde mich also sehr freuen, wenn unter meinen Leserinnen und Lesern noch jemand Lust hat zu spenden! Gerne darf das Projekt auch in Freundes-, Familien- oder Nachbarschaftskreise getragen werden.

Comboni-Missionare KöR, 73479 Ellwangen

IBAN: DE66 6145 0050 0110 6170 15

BIC: OASPDE6AXXX

Verwendungszweck: MaZ Margareta Berges (628) Alenga, Uganda

Bei Fragen oder Anregungen meldet euch einfach bei mir unter greta.berges[@]gmx.de.

Ich wurde nun schon häufig gefragt, ob das Geld denn wirklich bei mir ankommt etc.: Die Spende wird von der Missionsprokura in Deutschland vollständig und ohne Abzug nach Uganda überwiesen. Die Prokura der Comboni-Missionare in Uganda behält dann ca. 5% der Spende für sich als Bearbeitungsgebühr und um Arbeitskräfte zu bezahlen. Daraus folgt, dass 95% der Spende hier bei mir ankommen und direkt in den Schlafsaal fließen. Der Bau wird durch eine einheimische Firma aus unserem Nachbardorf Ibuje geleitet und organisiert, alle Arbeitskräfte stammen aus Alenga und Umgebung.

Noch kurz zu mir und zur Schule

Abgesehen vom äußerst professionellen Betrachten der Baustelle, was sich dank meiner Unkenntnis eher darauf beläuft oberkörperfreien Männern ein freundliches „Apwoyo tic“ (Danke für Ihre Arbeit) zuzurufen – keine Sorge, Father Stan kennt sich besser aus und hat ein Auge auf die Baustelle geworfen – geht es mir hier in Alenga nach wie vor richtig gut!
In der Schule stehen diese Woche schon die „Mid Term Exams“ an, was mir mal wieder gezeigt hat, dass die Zeit viel zu schnell vergeht. Klausur stellen und korrigieren, das macht mir am wenigsten Spaß an meiner Arbeit. Ja, dieses Jahr hilft mir tatsächlich auch Empathie für meine ehemaligen Lehrer zu entwickeln. Etwas spät zwar, aber für die Universität reicht es ja noch. 🙂

Ansonsten verbringe ich gerne Zeit in der Schule, egal, ob mit den Mädchen während des Unterrichts und in ihrer Freizeit, mit den Lehrern in den Pausen oder an der Nähmaschine. Als Freiwillige stehe ich etwas zwischen den Stühlen – schließlich bin ich kaum älter als die meisten Mädels und habe selbst gerade erst die Schule beendet, aber auf der anderen Seite stehe ich vormittags als Autoritätsperson vor der Klasse, ermahne störende Schülerinnen und vergebe Noten. Das ist nicht immer ganz leicht, aber ich habe mich gut eingefunden, versuche den Mittelweg zu finden und wurde von Sister Anne „senior woman teacher“ getauft, was das ganz genau bedeutet, habe ich aber noch nicht rausgefunden.

Am Sonntag, den 4. März, haben wir eine Einführungsparty für die neuen Erstklässler, die seit Februar bei uns sind, gefeiert. Es war ein schönes Fest mit kurzen Reden, viel Tanz, Musik und leckerem Essen, das wir zuvor alle gemeinsam gekocht hatten. Ich habe den Tag mit den Mädchen sehr genossen. Besonders lustig war es, als sie Fotos auf meinem Handy angeschaut haben und mich in Hot Pans und Top irgendwo in Berlin gesehen haben. Danach haben sie mich detailliert zum deutschen Kleidungsstil ausgefragt und ich musste viel lachen. Inzwischen habe ich mich schon so an meine knielangen Röcke gewöhnt, dass selbst ich kurz aufschrecke, wenn ich ein Foto von mir in Hot Pans sehe. Penina, ein besonders aufgewecktes Mädchen, hat mich direkt mal gefragt, ob sie meine Hot Pans haben könne. Sie würde dann nach Entebbe an den Strand fahren und sie dort tragen.

Ihr Lieben, vielen Dank für euer Interesse, eure Unterstützung und alle lieben Nachrichten, die ich hier empfange.

Ganz liebe Grüße aus dem wunderschönen Alenga,

eure Greta

Neue Orte, neue Geschichten: unser Urlaub

Mambo !

Heute möchten wir euch von den Erlebnissen erzählen, die wir während unserer Reise von Ende Dezember bis Anfang Februar sammeln durften.

Am 28. Dezember ging es mit dem Bus aus Alenga nach Kampala los. Das war direkt ein nervenaufreibendes Spektakel für unsere deutschen Herzen:
In Alenga hatte der Bus eine Stunde Verspätung und wir hatten uns schon fast darauf eingestellt, dass wir erst am nächsten Tag fahren werden, als er dann doch noch kam und uns sechs Stunden später im New Taxi Park Kampalas absetzte. Wir waren ziemlich mit Gepäck beladen und wollten nun eins der sehr günstigen öffentlichen Taxis (zugelassen auf 14 Personen, beladen stets mit mehr) in die Richtung unserer Unterkunft bei den Combonis nehmen. Dafür muss man in Kampala in den Old Taxi Park. Da wir uns mit dem Weg nicht ganz sicher waren, fragten wir unseren Busfahrer um Hilfe. Dieser schickte uns mit seinem Freund los. Auf dem Weg beobachteten wir, wie ein Mann einen auf dem Boden schlafenden Mann ausraubte. Er durchsuchte vor den Augen aller seine Taschen und niemand unternahm etwas dagegen, auch wir waren nicht mutig genug. Außerdem öffneten im Gedränge zwischen vielen Menschen, hupenden Autos, Verkaufsständen und aufdringlichen Verkäufern einige Männer unsere Rucksäcke und zogen uns an ihnen zurück. Passiert ist uns aber zum Glück nichts und wir kamen  heil bei den Combonis an. Fest steht, dass Kampala eine anstrengende und überfordernde Großstadt sein kann, wenn man sich nicht gut genug auskennt.

Erster Stop: Entebbe

Silvester verbrachten wir in der am Viktoriasee gelegenen Stadt Entebbe. Dort fanden wir durch unser Hotel schnell einen ugandischen Freund, der Lust hatte mit uns in den nächsten Tagen die Stadt zu erkunden, uns Orte zu zeigen und mit uns ins neue Jahr zu feiern. Also trafen wir uns mit einigen seiner Freunde in einem wirklich coolen Club und es wurde eine lustige Tanznacht. Leider wurde Francesca kurz vor Schluss das Handy geklaut, wie es eben auch so oft in Deutschland im Club passiert.

Dennoch verbrachten wir sehr schöne Tage in Entebbe, besuchten die Botanical Gardens, die Ankunftsstelle der ersten katholischen Missionare in Uganda und das Wildlife Education Centre (WEC). Das WEC ist dafür gedacht, dass einheimische Familien, die sich die hohen Nationalparkgebühren nicht leisten können, auch in Kontakt mit der Tiervielfalt ihres Landes kommen. Leider sind die Gehege, insbesondere für Löwen, Geparden und Schlangen, viel zu klein und nicht sehr gut gepflegt, also taucht hier die Problematik vieler Zoos auf.

Außerdem fuhren wir an den Strand, wo uns sofort die Unterschiede zwischen ländlicher Gegend und der Stadt auffielen. Während in Alenga jede Frau sehr darauf bedacht ist, ihre Knie nicht zu zeigen, sahen wir in Entebbe und gerade am Strand viele Uganderinnen mit kurzen Röcken, Tops und Bikinis. Da merkten wir so richtig, wie uns unsere Umgebung prägt, so viel freie Haut hat uns erstmal geschockt.

An unserem letzten Tag dort machten wir einen Tagesauflug nach Jinja. Jinja ist die zweitgrößte Stadt Ugandas, in der auch viele Menschen indischer Herkunft wohnen. Dort bewunderten wir den Nilursprung und den riesigen Markt im Zentrum der Stadt, auf dem es eine unfassbare Auswahl an Obst, Gemüse und Gewürzen gibt.

Ugandas paradiesische Süßwasser Karibik: Die Ssese-Inseln

Wir verbrachten sechs wunderbar entspannte Tage auf der Hauptinsel der aus 84 Inseln bestehenden Inselgruppe. Wir nutzen die Zeit für Tage am Strand, Spaziergänge durch die Stadt, eine Besichtigung der Höhle des Buganda-Königs, eine aufregende Waldwanderung auf eigene Faust an einen einsamen Strand und eine Bootsfahrt zur „Virgin Island“. Dort sahen wir aus einigen Metern Entfernung ein Krokodil, viele bunte und interessante Vögel und auch sonst beeindruckte uns die unangerührte Flora und Fauna sehr.

Außerdem entschieden wir uns auch für eine Fahrradtour. Dafür liehen wir uns die Mountainbikes eines Freundes, die vielversprechender aussahen als sie waren, und eine grobe Karte der Insel, auf der wir den westlichsten Punkt der Insel als unser Ziel entdeckten. Dort angekommen sind wir leider nie… Erst mühten wir uns einige Stunden auf den Bergen der Insel ab und dann verloren wir den Weg komplett und machten einen kurzen Abstecher in den dichtbewachsenen Palmenwald. Dort überkam uns auch eine Schreckminute, als ein großes Tier direkt neben uns von einer Palme sprang, weshalb wir uns fix wieder auf die Räder schwangen und auf den Rückweg begaben.

Auf dem Weg zurück kamen wir bei „Bery´s Place“ vorbei. Dort nimmt ein deutsch-belgischer Krankenpfleger junge Mädchen zwischen 5 und 22 Jahren auf, die beispielsweise AIDS- Waisen oder Opfer von häuslicher Gewalt oder Missbrauch geworden sind. Die HIV- Rate auf den Ssese- Inseln ist erschreckend hoch, ca. 38 Prozent sind laut Studie positiv und nach Berys Vermutungen liegt die Dunkelziffer bei 50 Prozent. Er hat sich zur Aufgabe gemacht, die Mädchen über ihre Rechte aufzuklären, ihnen Bildung zu ermöglichen und auch eine psychologische Betreuung anzubieten. Das Projekt ist sein Lebenswerk und finanziert sich über Sponsoren aus dem Ausland. Uns hat das Projekt und das Gelände direkt am Viktoriasee sehr beeindruckt und inspiriert und durch einige Gespräche mit den Mädchen konnten wir merken, dass auch ihnen das Heim gefällt und sie die Schule genießen und verschiedene Zukunftsträume haben. Wer Interesse an dem Projekt gefunden hat, kann sich auf Berys Website unter www.BerysPlace.org informieren oder ihm eine E-mail an b.glaser@skynet.be schreiben.

Zu Besuch bei Peter: Katende

Auf dem Weg von den Ssese-Inseln nach Kampala blieben wir für eine Nacht bei Peter, einem anderen weltwärts-Freiwilligen, den wir schon während der Vorbereitung in Deutschland kennengelernt hatten.

Er lebt in Katende, einer Kleinstadt im Süden Kampalas, gemeinsam mit einigen Priestern und unterrichtet dort in verschiedenen Schulen Mathematik, Informatik und Deutsch. Uns fiel direkt ein großer Unterschied zu unserem Umfeld auf: Die Schulen Katendes sind teure Privatschulen und eine der Secondary Schools gehört zu den besten 15 Schulen Ugandas. Das Gelände dieser Secondary School war größer, gepflegter und moderner als meine Schule zu Hause. Auf dem Grundstück sahen wir überall Mottos und Denkanstöße für die SchülerInnen, wie zum Beispiel „Keep being a virgin.“(„bleibe Jungfrau“), aber auch „Everyone is equal.“(„Jeder ist gleich“).

Außerdem merkten wir im Austausch mit Peter und den Menschen aus seinem Umfeld auch, dass zwischen dem Süden und Norden Ugandas viele Unterschiede bestehen. Dies sieht man beispielsweise an der Infrastruktur, die im Süden deutlich besser ausgebaut ist. In der Umgebung Kampalas sind weitestgehend alle Straßen geteert und selbst in den kleinen Dörfern besteht eine gute Taxianbindung. Dadurch, dass es im wirtschaftlich starken Süden mehr und bessere Arbeitsplätze gibt, hat ein größerer Teil der Bevölkerung einen festen Job, was auch im äußeren Erscheinungsbild zu erkennen ist, weil z.B. mehr Frauen im Salon gemachte Frisuren aus Kunsthaar haben. In Alenga und Umgebung hingegen leben viele Menschen von Subsistenzwirtschaft und haben keine festen Arbeitsstellen.
Wir verbrachten einen schönen Abend mit Peter und einigen der Priester in einer der zahlreichen Bars Katendes und genossen es, die Möglichkeit zu haben am Abend ausgehen zu können, da das für uns in Alenga so nicht möglich ist.

Next Stop: Tansania

Am Ende einer anstrengenden und nervenaufreibenden 36-stündigen Busfahrt durch einen Großteil von Tansania, auf der maximal fünfminütige Toilettenpausen eingelegt wurden, fielen wir in Dar Es Salaam unseren Freundinnen Philo und Iris in die Arme. Gemeinsam verbrachten wir zwei schöne Tage in Dar Es Salaam. Die Stadt liegt wunderbar am Indischen Ozean und von ihrer Lage profitiert auch die Wirtschaft der Stadt. Ein ganz anderes Großstadtbild zeichnet sich hier ab, als wir es von Kampala gewöhnt sind.

Wir erkundeten unter anderem den riesigen Fischmarkt und stellten uns ein leckeres Picknick zusammen, was wir dann wirklich völlig aus Versehen auf der Polizeimarinestation genossen, auf der Suche nach einem schönen Plätzchen mit Ausblick aufs Meer. Dank unseres überragenden Charmes, Philos und Iris sehr guten Kisuaheli Kenntnissen und eines Mandasis durften wir dann tatsächlich unser Picknick dort zu Ende genießen. Die diensthabenden Polizisten hat der Anblick vier weißer Mädels, die Fisch, Früchte und andere Leckereien verschlingen, offenbar sehr erheitert.

Wo wir aus dem Staunen nicht mehr herauskamen: Sansibar

Zu viert wollten wir uns einige Tage Urlaub auf der Trauminsel Sansibar gönnen. Schon bei der Fährüberfahrt von Dar Es Salaam aus waren wir völlig im Urlaubsglück angekommen und der Wind des indischen Ozeans wehte so richtig durch unser Haar.

Nungwi

Unser erstes Ziel war Nungwi, ganz im Norden der Insel, wo wir uns eine ganz schöne Unterkunft direkt am Strand ausgesucht hatten. Sofort verliebten wir uns in den weitläufigen Strand und das türkisfarbene Meer unter strahlend blauem Himmel. Wie herrlich war es, endlich wieder schwimmen zu gehen, schließlich war das auf den Ssese-Inseln wegen der hohen Bilharziosegefahr im Viktoriasee nicht möglich gewesen.

Doch der Kulturschock holte uns schnell ein: Greta und ich sind es gewöhnt, stets die einzigen Weißen zu sein und davon kann man auf Sansibar wohl kaum sprechen. Überall Touristen und wir mittendrin, jetzt eben auch als Touristen. Wir mussten uns erstmal daran gewöhnen, dass man jetzt auf Deutsch nicht mehr sagen kann was man will, denn die Gefahr, dass es jemand versteht, war ja akut gestiegen. Doch der Schock war schnell überwunden, schließlich waren wir ja auch als Urlauber dort.

Besonderes Highlight in Nungwi war unsere Schnorcheltour nach Memba Island. Die Fahrt mit einem Holzsegelboot war ziemlich stürmisch, so dass doch glatt ein Drittel der Besatzung seekrank wurde. Leider gehörte ich auch dazu, aber mir ging es schnell wieder besser. Trotzdem genossen alle das Schnorcheln sehr: Bunte und vielfältige Fischarten in Korallenriffen, Wasserpflanzen und vieles mehr. Die Krönung war das anschließende Barbecue, was wir auf dem Dach des Schiffes genossen. Es gab Thunfisch, Chapati, Salat und Obst zum satt essen. Wirklich lecker! Die Heimfahrt verlief dann zum Glück auch etwas ruhiger, sodass niemandem mehr übel wurde und alle die Sonne und den Wind des Meeres genossen.
Generell war es für uns alle ein wirkliches Highlight in dieser Woche wieder europäisch essen zu können. Leider auch zu europäischen Preisen, aber Pizza, Pasta, Fisch und Eis genossen wir trotzdem.

Kulturen prallen aufeinander: Stone Town

Zum Abschluss unserer Tage auf Sansibar verbrachten wir auch noch zwei Nächte in der historisch geprägten Hauptstadt. Zuerst machten wir eine Stadttour, bei der wir die Beeinflussung der Architektur durch Araber, Inder und Sansibaris bewundern konnten. Typisch für Stone Town sind die verschiedenen Türstile der Gebäude und die engen, verschlungenen Gassen, die man ansonsten in Ostafrika nicht sieht. Außerdem hatten wir die Chance, den alten Sklavenmarkt der Stadt und das zugehörige Museum zu besichtigen. Das war zutiefst bedrückend, aber auch sehr interessant. Die Anglikanische Kathedrale wurde 1873-1880 von der „Universities Mission“ des bekannten David Livingstone und dem britischen Bischof Edward Steere auf dem früheren Sklavenmarkt erbaut. Als David Livingstone 1856 nach Sansibar kam, begann er politischen Druck auf den Sultan auszuüben, der den Sklavenhandel am 06. Juni 1873 endgültig verbot. Am Standplatz des Altars soll früher der Baum gestanden haben, an dem die Sklaven zum Verkauf angekettet wurden. In den Kellergebäuden besichtigten wir die Räume, in denen ca. 75 Sklaven auf engstem Raum bis zu ihrem Verkauf einquartiert wurden.

Wir sahen außerdem das bekannte House of Wonders (Weltkulturerbe), das das erste Haus in Ostafrika mit Elektrizität und fließendem Wasser war, den Arabischen Fort, den Sultanspalast und die Old Dispensary. Stone Town ist eine kulturell und historisch sehr beeindruckende Stadt und auf jeden Fall eine Reise wert.

Abends lockte es uns auf die beliebten Forodhani Gardens der Stadt, auf denen es alle möglichen Leckereien wie frischen Fisch, sansibarische Pizza, Eintopf und frischgepresste Säfte mit Kokosnuss, Passionsfrucht und Drachenfrucht gibt.
Kurz vor der Abreise machten wir noch das typische Touriangebot mit: Die Spice-Tour. Durch den Einfluss der Araber und Inder ist Sansibar ein Paradies der Gewürze. So bewunderten wir z.B. Vanille-, Zimt-, Pfeffer-, Ingwer-, Muskatnuss-, Kümmel- und Nelkenpflanzen. Wir durften auch alles probieren und zum krönenden Abschluss gab es frischgepflückte Kokosnuss und Prinzessinnenausstattung aus Blättern.

Zu Besuch bei Philo und Iris: Mkuranga

Natürlich wollten Greta und ich auch die Einsatzstelle unserer Freundinnen besuchen und gingen mit ihnen an ihre Arbeitsplätze. Während Iris in einem Kindergarten unterrichtet, arbeitet Philomena in der örtlichen Krankenstation. Die beiden scheinen auch sehr gut in ihrer Einsatzstelle angekommen zu sein und es hat uns viel Spaß gemacht, im Kindergarten für gute Laune und Unterhaltung zu sorgen. Es fiel uns schwer zu sehen, wie hart die Kinder aus erzieherischen Maßnahmen auf Hand und Schulter geschlagen werden und, dass dies zum Alltag gehört, genau wie das vom Lehrer angeleitete Ausbuhen von Kindern durch ihre Mitschüler.
Wir hatten eine wunderbare Zeit zu viert und es war toll, so eine intensive Möglichkeit zum Austausch zu haben. Gerne könnt ihr auch ihren Blog hier auf der Website lesen.

Zwischenseminar in Nairobi

Dieser Austausch ging beim Zwischenseminar weiter. Gemeinsam mit 17 weiteren Freiwilligen aus Uganda und Kenia verbrachten wir eine Woche  in Nairobi. Wir wohnten im Luxusviertel Nairobis bei Benediktinerschwestern und waren überwältigt von den riesigen Villen, der nahegelegenen Shoppingmall und den Bewohner dieses Viertels, schließlich sind wir als Freiwillige in ganz anderen Verhältnissen der Einsatzländer untergebracht. Kurz hatten wir einen Kulturschock, denn es hat sich angefühlt als hätte uns jemand in ein Flugzeug in die USA gesetzt.

Während des Seminars hatten wir die Chance, die bisherigen sechs Monate zu reflektieren, viele wichtige Themen wie z.B. globale Ungerechtigkeit, Gewalt in der Erziehung, politische Situationen der Einsatzländer oder Geschlechterrollen zu diskutieren und auch einen Ausblick auf unsere kommende Zeit hier zu werfen. Diese Gespräche haben uns sehr dabei geholfen, sich an den Sinn des Dienstes zu erinnern und wichtige Informationen aus der Vorbereitung wieder ins Gedächtnis zu rufen. Beispielsweise das Respektieren der Kultur mit gleichzeitigem Austausch über unsere Kulturkreise ohne etwas der deutschen Standards aufzwingen zu wollen. Greta und mir fällt das gerade in Bezug auf die vor Männern knienden Frauen in Alenga sehr schwer. Für uns wirkt es wie eine Erniedrigung der Frau, hier ist es ein Zeichen von Respekt und tief in der Kultur verwurzelt.
Bei diesen komplexen Themen brachen oft kontroverse Diskussionen aus, an denen man merken konnte, dass es nicht leicht ist, sich eine eindeutige Meinung zu bilden, da es viele verschiedene Blickwinkel gibt.

Am letzten Abend feierten wir noch alle gemeinsam in meinen 20. Geburtstag rein, während wir am Tag meines Geburtstags leider den ganzen Tag im Bus saßen auf dem Rückweg nach Kampala.

Zurück in der Heimat

Seit vergangenem Samstag sind wir wieder in unserer neuen Heimat Alenga. Es war wunderbar, hier die vertrauten Gesichter wiederzutreffen, neue Schülerinnen kennenzulernen und wieder im Alltag anzukommen. Inzwischen ist es schon fast als wären wir gar nicht weg gewesen, auch wenn wir unsere Langokenntnisse wieder etwas auffrischen müssen.
Wir können gar nicht fassen, dass schon die Hälfte unseres Einsatzes vorbei ist, die Zeit rast!!! Die kommenden sechs Monate werden wir in vollen Zügen genießen und freuen uns auch schon auf das Osterfest in Alenga und den Besuch unserer Eltern im Mai.

Ausblick auf einen neuen Schlafsaal

Zurück in der neuen Heimat bedeutet auch zurück im Projekt: Jetzt beginnen wir mit dem Bau des neuen Schlafsaals für die Mädchen und möchten uns bei allen Spendern herzlich bedanken. Gerne darf, wer möchte, auch jetzt noch für den Schlafsaal und seine Ausstattung spenden. Wir freuen uns sehr über euer Interesse und eure Unterstützung.

Comboni-Missionare KöR, 73479 Ellwangen

IBAN: DE66 6145 0050 0110 6170 15

BIC: OASPDE6AXXX

Verwendungszweck: MaZ Francesca Cyris (631) Alenga, Uganda

Ich melde mich bald wieder und freue mich auch von euch zu hören!

Ganz liebe und gut erholte Grüße
Eure Francesca

 

Nach Weihnachten und Neujahr…

Jetzt melde ich mich wieder, um etwas über die letzten Wochen und auch die Weihnachtszeit zu berichten!

Durch die Wintermonate ohne dicke Jacke, Mütze und Handschuhe – stattdessen T-Shirt, Shorts und Flip-Flops.

Das beschreibt eigentlich schon ganz gut, wie die Weihnachtsferien hier verbracht wurden, zunächst möchte ich allerdings noch von einem Event berichten, das noch vor der Weihnachtspause an meiner Arbeitsstelle in Payatas stattgefunden hat: nämlich die Christmasparty mit unseren Kids.

Zusammen mit den Lehrern aus Payatas und Herrn Mayer konnten wir  über 60 unserer Schüler einladen, um gemeinsam das sich zu Ende neigende (Schul-)Jahr zu beenden. Bevor es die Geschenke und eines der Lieblingsgerichte der meisten Kinder (Hühnchen und Spaghetti im Filipino Style) gab, hatten sie eine Menge Spaß an verschiedenen Spielen, welche auf sieben Stationen verteilt wurden. Ich habe davor noch nie alle meine Kindergruppen auf einem Haufen erlebt und hätte ehrlich gesagt eigentlich ein ziemliches Chaos erwartet, aber entgegen meinen Erwartungen verlief alles relativ geordnet.

Die Hauptsache: die Kids hatten viel Spaß und haben sich sehr über Essen und Geschenke gefreut, auch wenn viele nach den Spielestationen schon ziemlich erschöpft wirkten – eigentlich überhaupt kein Wunder bei diesen Temperaturen!

Insgesamt bin ich in den letzten Monaten sicherlich auf mindestens fünf Weihnachtsfeiern gewesen, und das schon bevor das tatsächliche Weihnachtsfest gefeiert wurde – diese Tasache unterstreicht ein weiteres Mal, welch hohe Bedeutung Weihnachten und andere Feste, bei denen die Familie im Zentrum stehen, nach wie vor haben.

Nachdem die Vielzahl an Festen „überstanden“ war, machten wir uns gemeinsam mit einer Gruppe philippinischer Freunde auf den Weg nach Alaminos City, um dort die bekannte Inselgruppe „100 Islands“ zu besichtigen.

Die Bilder sagen an sich wirklich schon genug: atemberaubende Landschaft, tolles Wetter…aaaahh.

Von den 100 Islands ging es dann über Neujahr weiter nach San Juan, La Union, einem bekannten Surfer Spot. Dort wurde dann direkt auch etwas gesurft, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Verletzungstechnisch hatte ich allerdings Glück!

Dank dem el Union Cafe dort kam ich auch endlich in den Genuss des besten Kaffees, den ich seit meiner Ausreise gefunden habe… es besteht also doch noch Hoffnung.

Liebe Grüße und (verspätet :D) ein frohes neues Jahr euch allen!

euer Mo

 

 

Joy to the world-ein besonderes Weihnachtsfest in Alenga

Liebe Leserinnen und Leser,

ich hoffe, dass ihr eine schöne und besinnliche Weihnachtszeit im Kreise eurer Lieben verbracht habt. Das Weihnachtsfest ist ja immer ein besonderer Anlass um alle wiederzutreffen und gemeinsame Tage zu genießen.

Trotz der vielen Kilometer, die mich in diesem Jahr von meiner Familie in der Heimat getrennt haben, konnte auch ich die Advents- und Weihnachtszeit auf eine neue und sehr aufregende Art genießen.
Dank vieler Pakete unserer Familien haben wir die Wohnung schön dekoriert und viele Plätzchen, Christstollen und Schokolade gegessen. Da kam sogar richtig Weihnachtsstimmung auf, wenn wir abends im Kerzenschein zusammen saßen. Sobald wir die Wohnung verließen, schlugen uns allerdings die Hitze, die von der Trockenzeit geprägte Landschaft und ein völlig undekoriertes Alenga entgegen. Da fühlte es sich sofort eher nach Hochsommer als nach Weihnachtszeit an.

Gewöhnungsbedürftiger Weihnachtsschmuck

Als wir die Schwestern in der Adventszeit abends zum Essen einluden, fanden sie unsere Dekoration zwar sehr schön, aber Schwester Anne fragte uns deutlich verwundert, warum wir denn so früh geschmückt hätten. Sie kennen unseren Brauch z.B. vom Adventskranz schon, aber hier ist das nicht üblich. Auch in der Kirche fehlte der Adventskranz. Diese war lediglich in lila gehalten.
Die Schwestern begannen erst am 23. Dezember ihre Kapelle und ihren Speisesaal zu schmücken. Mit Begeisterung baten sie uns um etwas Hilfe, ihren Tannenbaum und ihre Krippe aufzustellen. Schwester Anne warnte uns zwar schon vor dem eher scheußlichen Plastiktannenbaum, doch uns stand der Schock wohl ziemlich ins Gesicht geschrieben, als sie die Deko auspackten, denn sie forderte uns gleich auf, sie bitte nicht auszulachen.
Mit Müh und Not verzierten wir das Plastikgebilde mit bunten Glitzer-Plastikgirlanden, Plastikkugeln und eine bunte, nicht funktionsfähige Lichterkette durfte natürlich auch nicht fehlen… Die gleichen Girlanden fanden sich auch im Esszimmer wieder. Die Schwestern schienen sehr glücklich mit der Dekoration und der Vorfreude auf das anstehende Weihnachtsfest!

Zuvor hatten wir auch schon Pater Justin dabei geholfen, ihre Krippe aufzustellen, wofür wir ein bisschen Grünzeug aus dem Wald gesammelt hatten. Die Krippe der Priester besteht aus drei Porzellanfiguren und ist sehr geschmackvoll.
All diese Dekorationen haben uns mehr und mehr auf das Weihnachtsfest eingestimmt.

Geschenke und Chorproben

Außerdem verbrachten Greta und ich viel Zeit mit den täglichen Chorproben für das Weihnachtsfest und es war deutlich zu spüren, dass sich alle in der Gemeinde auf das Fest freuten und Vorbereitungen trafen wie zum Beispiel Unmengen an Lebensmitteln auf dem Markt einzukaufen und das Haus zu putzen.
Dadurch, dass wir die letzten zwei Wochen vor dem Weihnachtsfest gemeinsam in der Krankenstation gearbeitet haben und nebenbei auch sehr beschäftigt waren, hatten wir gar keine Zeit um traurig zu sein, dass wir zu Hause alles verpassen.

Schon Anfang Dezember verließen uns unsere Schülerinnen, die für die großen Ferien bis Februar nach Hause fuhren.
Zum Abschied verbrachten wir einen lustigen Tanzabend mit ihnen, schauten „Aristocats“ und überreichten ihnen unsere Weihnachtsgeschenke. Für jede hatten wir ein Foto ausgedruckt, einen kleinen Brief geschrieben und dank der Idee Sister Annes hatten wir auch für jede zwei Binden gekauft. Diese Binden aus besonderen Materialien und Stoff sind mehrmals verwendbar, gut auswaschbar und angesichts der sanitären Anlagen hier eine hygienische Lösung. Für Mädchen und Frauen aus den Dörfern Ugandas bringt die Menstruation deutlich größere Probleme mit sich als wir uns vorstellen konnten. Die erwerblichen Binden sind zu teuer, so dass oft nur eine einzige Binde während der gesamten Periode getragen wird oder komplett auf die Binden verzichtet wird und beispielsweise nur ein altes T- shirt in die Unterhose gelegt wird.

Vierter Advent und Heiligabend

Am Sonntag, den 24. Dezember, gingen Greta und ich wie immer morgens in den Gottesdienst. Die Gemeinde erwartete hier ein anderes Gesicht, denn Pater Pontianus war zu Weihnachten nach Alenga gekommen. Er hat keine eigene Gemeinde in Lira und deshalb laden ihn die Priester jedes Jahr ein. Er hielt die letzte Adventsmesse und übersetzte einige Teile der Predigt für uns sogar in Englisch, was wir als sehr aufmerksam empfanden.
Die Adventszeit ist auch hier eine besinnliche Zeit, in der man zur Ruhe kommen soll und sich auf die Geburt Jesu Christi vorbereitet. Aus diesem Grund wurde in der Kirche vier Sonntage lang nicht getanzt.
Im Anschluss an den Gottesdienst wurde dann als Vorbereitung für die Nachtmesse die Krippe bestückt – sogar ein Weihnachtsmann fand seinen Platz – und es wurden bunte Girlanden aufgehangen. Die lilane Verkleidung des Altars wurde entfernt und neue Dekorationen fanden ihren Platz.
Nach dem Gottesdienst besuchten wir unsere enge Freundin Anna um mit ihr gemeinsam zu kochen und zu essen und einfach nochmal Zeit miteinander zu verbringen. Wir übergaben ihr ein kleines Weihnachtsgeschenk, über das sie sich sehr freute. Anschließend besuchten wir noch kurz Sharon und Gloria, weil wir auch für die beiden ein Geschenk mit Nagellack vorbereitet haben, da sie unseren zuvor begeistert gelobt hatten.
Total satt zwängten wir uns am Abend in unsere frisch gebügelten Kleider und machten uns auf den Weg zur Kirche. Die Christmette war sehr schön und durch die Dunkelheit kam auch eine einmalig festliche Stimmung auf. Außerdem durfte endlich wieder getanzt werden! Darüber haben sich alle offensichtlich sehr gefreut und tanzten voller Freude über die Geburt Jesu Christi.
Während der Messe wurden noch ca. 40 Neugeborene getauft, was die festliche Atmosphäre verstärkte und in der Weihnachtsnacht auch ein schönes Symbol war. Hier ist es üblich, dass die Priester an Hochfesten oder besonderen Feiertagen viele Kinder auf einmal taufen. Eine einzelne Taufe wie wir sie aus Deutschland kennen, gibt es hier nicht.

Danach saßen wir gemütlich zusammen und haben eine kleine Bescherung gemacht, bevor wir mit unseren Familien telefonierten.

Das Weihnachtsfest

Am Morgen des 25. Dezembers ging es mit unserem Gottesdienstmarathon weiter. Wir verbrachten geschlagene vier Stunden in der Kirche. Zu Beginn kam ein Polizist und verkündete uns, dass alle nochmal das Kirchengebäude verlassen müssten, um die Sicherheitsvorkehrungen zu verstärken, weil in den Städten vermehrte Anzeichen auf Terrororganisationen zu finden seien. Deshalb müssten sich auch in den Dörfern alle Menschen zu schützen wissen und mehr auf die eigene Sicherheit achten. Eher halbherzig wurden dann alle Kirchgänger noch einmal durchsucht bevor sie das Gebäude wieder betreten durften.
Dann wurde eine schöne, lebensfrohe und ausgelassene Messe gefeiert. Für uns war es toll zu sehen, dass die Kirche kaum merklich voller war, als an einem normalen Sonntag und man nicht wie zu Hause einen Unterschied von 500 Leuten in der Weihnachtsmesse hat.

Im Anschluss an die Messe waren wir bei Mary und Pasca, zwei Freundinnen aus Alenga, und ihrer großen Familie zum Weihnachtsfest eingeladen. Hier feiern alle Familien am 25. Dezember und den Kindern werden auch einige Süßigkeiten oder Spielsachen geschenkt. Vom übertriebenen und überfordernden Geschenkewahnsinn, den Kinder in Deutschland oft erleben, ist hier nichts zu spüren. Das war für uns eine ausgesprochen angenehme Erfahrung und etwas, das wir wirklich nicht vermisst haben! Wir brachten für die Familie kleine Geschenke mit, einfach als Aufmerksamkeit und ein bisschen auch aus Gewohnheit.
Den Tag verbrachten wir dann damit, beim Kochen zu helfen, die Familie kennenzulernen und nette Gespräche zu führen. Es war wunderbar zu sehen, dass alle Kinder von Mary nach Alenga gekommen waren, um gemeinsam zu feiern! Die beiden kümmerten sich sogar um den Transport ihrer ältesten Schwester, die schon sehr krank und schwach ist, damit sie am Weihnachtsfest nicht allein sein muss. Das war ein tolles Bild: Vittoria, Mary und Pascas 90-jährige Mutter, feierte gemeinsam mit drei Töchtern, Enkeln und Urenkeln.
Mary und Pasca legen großen Wert auf die Bildung ihrer Kinder und Enkel und geben sich größte Mühe, damit alle eine angesehene Schule besuchen können und später finanziell unabhängig werden. Das ist gerade in Alenga etwas sehr Besonderes.
Beispielsweise Marys ältester Sohn arbeitet als Finanzbuchhalter in Kampala und lebt dort mit Frau und Kindern. Er zahlt nun die Ausbildungsgebühren seiner Schwester und hat zum Beispiel auch dem Fußballverein Alengas einen komplett neuen Trikotsatz mit Schuhen, Schonern und allem was dazu gehört, gesponsert.

Gegen Abend verließen wir die gemütliche Familienatmosphäre und trafen uns mit den Priestern und Schwestern zum gemeinsamen Abendessen. Wie immer an Festtagen gab es genug zu essen und trinken und die Stimmung war ausgelassen und fröhlich. Wir führten zu später Stunde sogar einige deutsche Tänze vor, das klappte eher schlecht als recht, war aber sehr lustig.
Dank der Päckchen unserer Familien konnten wir eine ganze Menge deutscher Süßigkeiten wie zum Beispiel Lebkuchen, Stollen, Marzipan und Zimtsterne mitbringen, über die sich alle sehr gefreut haben. Außerdem brachten wir für alle kleine und liebevoll ausgesuchte Geschenke mit.

Letztendlich wurde es so spät, dass die Priester sogar beschlossen die Morgenmesse ausfallen zu lassen, womit niemand ein Problem zu haben schien, da wir von den Ereignissen der letzten Tage noch total platt und übermüdet waren.

Boxing Day – 26. Dezember

Der zweite Weihnachtsfeiertag wird hier als „Boxing Day“ gefeiert, was gerade unter den Jugendlichen bekannt ist. So beschloss der Chor Alengas am 26. Dezember ein kleines Fest zu veranstalten, bei dem sie für die Schwestern und Priester lecker kochen. Außerdem kamen einige Beamte aus dem Bezirk, um das Projekt, das die Jugend gemeinsam mit Father Justin aufbaut hat, anzuschauen und sie in Theorie und Praxis weiter zu belehren. Dabei geht es um die Herstellung von Ziegeln und deren Weiterverkauf in Alenga und Umgebung. Auch wir waren dabei und brachten zum Nachtisch selbstgemachtes Mandasi (frittiertes Gebäck) und Haribo Gummibärchen mit, die alle mit Begeisterung probierten und genossen.

Ab in den Urlaub

Am 28. Dezember war es dann für uns endlich so weit: Mit gepackten Taschen standen wir um halb sieben an der Straße und warteten auf den Bus nach Kampala.
Über unsere Reise, die verschiedenen Orte und unsere Erlebnisse berichten wir dann im Februar ausführlich!

Am Ende möchte ich mich noch ganz herzlich bei allen bedanken, die dieses Weihnachtsfest nach meinen Zeitungsartikeln und dem Blogaufrug als Anregung gesehen haben, unser Projekt in Alenga in Form einer Patenschaft oder einer Spende für den Schlafsaal finanziell zu unterstützen! Ich freue mich unglaublich darüber, wie viele Menschen ihr Interesse zeigen und wie viel wir dadurch hier in Bewegung setzen können. Es ist ein schönes Gefühl zu wissen, dass das eigene Projekt in der Heimat Unterstützung findet und besprochen wird. Gerne könnt ihr mir bei Fragen und Anregungen unter Francesca.Cyris@yahoo.com schreiben!

Nun sende ich euch ganz liebe und gut erholte Grüße von den Ssese- Inseln im Viktoriasee, wünsche euch ein glückliches und gesundes Jahr 2018 und freue mich von euch zu hören!

Eure Francesca

Traditionen hautnah erleben: Hochzeit!

Hallihallo,

heute erwartet euch ein spannender Bericht über meine Erlebnisse bei einer traditionellen ugandischen Hochzeit:

Am dritten Advent waren Greta und ich bei Jasper, dem Chef der Krankenstation, und seiner Verlobten Martha zur traditionellen Hochzeit eingeladen. Diese dient der offiziellen Vorstellung des Mannes bei den Eltern der zukünftigen Ehefrau.
Für Hochzeiten suchen alle ihre schönsten Gomas (traditionelle Kleider) oder Kleider heraus und auch wir zogen unsere nagelneuen Kleider aus Lira zum ersten Mal an.
Zuvor beschäftigten uns natürlich viele Fragen und so holten wir uns den Rat von einer Freundin, was man denn mitbringen könnte. Sie riet uns unter anderem zu Geschirr, so dass wir in Lira einige Teller besorgten.
Durch meine Arbeitskolleginnen, Sharon und Gloria, erfuhren wir dann aber, dass es angemessener ist, dem Bräutigam schon vorher Geld zu geben, um ihn finanziell bei der Vorbereitung des Festes zu unterstützen. Also gaben wir Jasper jede etwas Geld und zu unserer Verwunderung schrieb er uns und den Betrag auf eine Liste mit allen Mitarbeitern der Krankenstation.
Hier ist es üblich, dass der Bräutigam in vollem Umfang für das Hochzeitsfest aufkommt und der Familie der Frau eine großzügigen „Brautpreis“ anbietet. Dieser besteht unter Anderem aus Kühen, Hühnern, Ziegen und anderen materiellen Dingen, deren Anzahl sich am Bildungsgrad der Frau misst.

Mit DJ und Moderator gehts in den Hafen der Ehe

Das Fest fand in Marthas Heimatdorf statt und wir fuhren ca. zwei Stunden lang mit dem Krankenwagen der Krankenstation. Wir hofften inständig, dass an diesem Tag niemand in ein größeres Krankenhaus verlegt werden musste. Mit 14 Personen saßen wir auf engstem Raum hinten in dem Krankenwagen und dank der drückenden Hitze wurde die Fahrt auch richtig unangenehm. Umso glücklicher waren wir, als das Ziel endlich erreicht war und wir das wunderbar dekorierte Festgelände mit vielen Zelten erblickten. Sogar ein roter Teppich und ein Torbogen, durch den jeder Gast schreiten musste, um einen pinken Blumenanstecker zu bekommen, waren aufgebaut. Die ganze Zeit wurde das Fest von zwei sehr lauten Moderatoren auf Lango geleitet, die das Programm bekannt gaben und das Publikum bespaßen und bei Laune halten sollten. Natürlich ließen sie auch die Chance nicht aus, mit uns ihre Witze zu machen. Für Greta und mich waren solche Moderatoren sehr ungewohnt und etwas anstrengend, da sie die ganze Zeit laut geredet haben, der DJ im Hintergrund Lacher eingespielt hat und es wirklich keine freie Minute gab. Aber zu einem gelungenen Fest scheinen hier solche Moderatoren dazu zu gehören.

Der erste Programmpunkt war die Diskussion der männlichen Familienoberhäupter darüber, ob der von Jasper gebrachte Brautpreis ausreichend ist. Dafür zogen diese sich eine Weile zurück und die Gäste warteten geduldig auf ihre Entscheidung. Nachdem die Männer übereingekommen waren, wurden die Mütter von Jasper und Martha zusammengeführt und alle Frauen haben diese Feier sehr lebendig mit viel Tanz und Jubel begleitet. Die beiden Mütter standen dabei im Mittelpunkt des Tanzkreises und haben sich umarmt.

Wo ist die Braut?!

Als nächstes kam die sogenannte Brautsuche, bei der die ca. fünfzehn Brautjungfern in verschiedenen Gruppen in gleichen Kleidern in die Mitte des Festplatzes getanzt sind und sich dort auf eine Matte knien mussten. Dann suchten einige Freunde des Bräutigams in lustiger Atmosphäre nach der Braut. Sobald sie verneinten, dass Martha dabei sei, tanzte die Gruppe zurück und kam in neuer Konstellation wieder. Das geschah ca. fünfmal. Auf einmal kamen die Brautjungfern von allen Seiten des Festplatzes und tanzten in dessen Mitte. Und in einer Reihe waren auch unverkennbar Martha und ihre Trauzeugin. Es war leicht zu erkennen, sie hatten die schönsten Gomas an, waren aufwändig geschminkt und hatten teuren Haarschmuck. Die beiden knieten sich in die Mitte der Matte, während alle Brautjungfern sie umkreisten und mit Musik um sie herumtanzten und sie so versteckten. Nach einer langen Zeit der „Suche“ konnten Jasper und sein Trauzeuge endlich den Kreis der Brautjungfern durchbrechen und bahnten sich den Weg zu Martha. Um allen seinen Erfolg zu zeigen, hob Jasper seine Verlobte hoch und schritt mit ihr über den Festplatz. Am Tag nach der Hochzeit erzählten uns die Schwestern, dass die Braut normalerweise wirklich unter den Brautjungfern versteckt wird und diese dann sogar Masken und Tücher tragen, um es den Männern wirklich schwer zu machen.

Daraufhin kamen viele Freunde und hoben die beiden hoch, tanzten, jubelten und zeigten ihre Freude über die Hochzeit.

Hochzeitszeremonie mit Ringtausch

Im Anschluss hielten beide eine kleine Dankesrede an ihre eigenen Eltern und diese kamen zu Wort.
Obwohl die traditionelle Hochzeit kein kirchliches Fest ist, ist sie hier doch Voraussetzung um überhaupt kirchlich heiraten zu können. So war auch ein katholischer Katechist anwesend, der eine Rede hielt, eine Bibelstelle verlas und ein Gebet für die Ehe der beiden sprach. Für uns war sehr befremdlich, dass die Moderaten sogar währenddessen noch ihre Späßchen trieben.
Als nächstes stand der Austausch der Ringe und der Geschenke auf dem Programm, wofür Martha schnell das Kleid gewechselt hatte. Traditionsgemäß knieten Martha und ihre Trauzeugin vor Jasper und dessen Trauzeugen. Während Martha Jasper den Ring ansteckte und ihm eine Uhr und eine Anstecknadel überreichte, zupfte ihr Trauzeugin, die während der ganzen Zeremonie immer mit ihr im Mittelpunkt stand, ständig ihr Kleid, ihre Haare und ihren Schmuck zurecht. Anschließend überreichte Jasper Martha ebenfalls einen Ring und wunderschönen Schmuck aus Glitzersteinen.

Anschließend verschwanden die Braut und ihre Freundin schnell, um noch einmal das Outfit und die Frisur zu wechseln. In neuem Kleid wurden dann die Hochzeitstorten angeschnitten. Ein kleiner Teil wurde unter allen ungefähr 400 Anwesenden verteilt. Die restlichen Torten wurden an besondere Persönlichkeiten oder Gruppierungen verschenkt, z.B. an Marthas Schwestern, die Priester oder an die Mitarbeiter des Health Centers.
Daraufhin wurde von allen Freunden und Tanzbegeisterten die Tanzfläche erobert und ausgelassen das Fest genossen.

Als letzter offizieller Punkt war angesetzt, dass jeder der wollte, dem Brautpaar noch etwas Geld schenken konnte und gratulierte. Anschließend servierte der Catering-Service riesige Portionen verschiedenster ugandischer Speisen für alle Gäste. Dazu gab es Bier und Soda und aus deutscher Gewohnheit griffen wir zum Bier. Erst später bemerkten wir, dass alle anderen Frauen Soda tranken.
Als wir ca. die Hälfte unseres Tellers verspeist hatten, kam unsere Freundin Mary und teilte uns mit, dass wir jetzt mit dem Krankenwagen wieder aufbrechen müssten. Ziemlich verwundert ließen wir unsere Teller stehen und passten uns dem Rest an, in dem wir unser Bier in leere Plastikwasserflaschen umfüllten. Fast fluchtartig verließen alle Gäste sofort das Gelände und stiegen in die Autos. Als wir nach dem Grund fragten, erklärte Mary uns, dass sie die Dunkelheit auf den langen Strecken fürchten und nach dem Essen nur noch engste Familienmitglieder und Anwohner dableiben und bis spät in die Nacht feiern.
Wir fanden das unglaublich schade und waren sehr überrumpelt, weil wir uns auf das Tanzen und die inoffizielle Feier schon den ganzen Tag gefreut hatten.

Relativ erschöpft, aber sehr glücklich darüber, dass wir diesen Tag erleben durften, fielen wir am Abend in Alenga ins Bett.

Uns hat dieses Fest wirklich gut gefallen, weil deutlich wurde, wie sehr die Traditionen hier wertgeschätzt und zelebriert werden. Die Stimmung war unvergleichbar gut und ausgelassen und alle haben es sehr genossen zu tanzen, zu singen und das Brautpaar zu feiern.

Vielen Dank an meine fleißigen Leser und Grüße in die Heimat!

Eure Francesca

Mein zweiter Rundbrief

Hallo zusammen,

Mit meinem nächsten Rundbrief zu Weihnachten möchte ich zunächst einmal allen ein Frohes gesegnetes Weihnachtsfest und eine schöne, erholsame Zeit mit der Familie sowie einen guten Rutsch in das kommende Jahr wünschen.

Ich werde die Weihnachtsfeiertage dieses Jahr erstmals nicht zusammen mit meiner Familie verbringen können, was sehr schade ist, aber mit meinen beiden Mit-Freiwilligen wird das mit Sicherheit auch ganz schön.

In den letzten Tagen und Wochen war hier in Manila mächtig was los. Neben einigen weiteren Theaterproben für „A Midsummernight‘s Dream“ von William Shakespeare und dem normalen Unterricht standen etliche Weihnachtsfeiern an. Die erste war mit der jährlich stattfindenden Charity Christmasparty von Puso sa Puso auch zugleich die größte: über 300 Helfer fanden sich am 2. Dezember in der Turnhalle eines Universitätsgeländes zusammen, um mehr als 1000 Kindern aus Pfarreien aus verschiedenen Gegenden in Manila ein paar schöne Stunden zu bereiten. Nachdem die Kinder und ihre begleitenden Freiwilligen das Organisatorische vor dem Eingang geregelt haben, durchliefen sie zehn verschiedene Stationen, an denen sie Spiele spielen und Preise gewinnen oder etwas zu essen sowie Geschenke erhalten konnten. Ich war an der Station, an der jedes Kind einen Luftballon bekam, und habe daher mit einigen anderen Helfern im Laufe des Vormittags der Anzahl der Kinder entsprechend mehr als 1000 Luftballons aufgepumpt und verknotet. Im weiteren Verlauf wurde gegessen und einige Geschenke verlost, gefolgt von der Vorführung eines Artisten und der abschließenden Scienceshow, bei der es verschiedene naturwissenschaftliche Experimente für die Kinder zu bestaunen und auch zum Mitmachen gab. Am Ende war es für die Kinder denke ich eine wirklich gute Veranstaltung und auch für uns als Helfer war es schön mitzuwirken, auch wenn der Anblick von 1000 Kindern auf einem Haufen nicht wirklich alltäglich ist.

Am 13. Dezember folgte dann die Weihnachtsfeier und damit auch der Abschluss des Unterrichtsjahres für die Kinder, die Moritz und ich unterrichten. Dafür haben wir auf dem Platz vor der Sagrada Familia Chapel sieben verschiedene Stationen mit Spielen wie Eierlauf, Dosenwerfen und Reise nach Jerusalem aufgebaut. Damit das Ganze auch einigermaßen zivilisiert ablaufen kann, haben die Kinder am Eingang gleich Bändchen bekommen, welche sie einer bestimmten Gruppe und einem verantwortlichen Helfer zuweist. Mit diesem Helfer konnten die Gruppen dann die Stationen der Reihe nach durchgehen, nachdem die Veranstaltung mit einem Gebet und einigen Sätzen zu Beginn eröffnet wurde. Nach den verschiedenen Stationen konnten die Kinder sich dann mit Spaghetti, hier auf den Philippinen in der Regel süß, Hühnchen und Saft sowie kleinen Snacks stärken. An solch einer Feier für die Kinder dürfen natürlich auch Geschenke nicht fehlen, die von einem Weihnachtsmann gebracht wurden, der Simon verblüffend ähnlich sah. Die Geschenksäckchen enthielten neben Spielzeug, Süßigkeiten und Flipflops auch einige Stifte und Blöcke. Mit der Bescherung war dann auch für die Kinder das Ende der Veranstaltung gekommen, bei der sie, so mein Eindruck, eine Menge Spaß und Freude haben konnten. Sie haben sich auf dieses Event auch schon eine ganze Weile gefreut und dafür auch echt rausgeputzt und sich schick gemacht, da war ich total überrascht.

Ein Fest für Menschen, die auf der Straße leben

Unserer eigene Weihnachtsfeier folgte dann die Weinachtsfeier von Simon und weiteren Freiwilligen aus Parola, die nach einem ähnlichen Prinzip am Samstag stattfand.

Am Donnerstag war in Parola dann eine Weihnachtsfeier für Menschen, die, so wie ich es verstanden habe, alle auf der Straße leben. Für diese 30 Familien hat das Team aus Parola ein Programm vorbereitet, das nach einigen Spielen und Vorführungen mit Essen sowie Geschenk- beziehungsweise Versorgungspaketen für alle abgerundet wurde. Im Anschluss daran hatten die Lehrer aus Parola dann noch mit ihren Schülern einen kleinen Jahresabschluss.

Ähnlich wie am Donnerstag wurden auch am darauffolgenden Tag in Payatas verschiedene Hilfspakete an Befürftige verteilt, was von den Schülern aus dem Center übernommen wurde. Für diese fand am Nachmittag dann wiederum ihre Weihnachtsfeier vor der Sagrada Family Chapel statt. Das Programm bestand wiederum aus Spielen, Essen und Musik, da sich unter den Schülern eine eigene Band zusammengefunden hat. Hier ist es bei solchen Feiern typisch, dass die Teilnehmer eine Darbietung geben, weshalb wir sowohl einige Tänze als auch Lieder zu sehen und hören bekamen, die die Schüler vorbereitet haben.

Weihnachtsfeier mit deutschen Liedern

Für die Mitarbeiter von Puso sa Puso war dann am darauffolgenden Montag die Weihnachtsfeier im Konvent bei Father Artur. Nach einem Gottesdienst in der Hauskapelle und anschließendem Essen fanden sich alle zusammen, um sich die gegenseitigen Darbietungen anzusehen. Auch wir kamen um diesen Spaß nicht herum und trällerten daher mit unseren engelsgleichen Stimmen zwei deutsche Weihnachtslieder. Um dem Ganzen etwas mehr Volumen zu verleihen, haben wir einige der Anwesenden dazu geholt und dazu gebracht, unsere deutschen Lieder mitzusingen, was dann so eine ganz lustige Sache war. Im Anschluss daran wurde noch gewichtelt, sprich, jeder hat ein Geschenk vorbereitet, das dann an einen anderen verlost wurde.

Weihnachtsfeier in Parola

Den endgültigen Abschluss dieses Marathons an Feiern bildete dann am Mittwoch eine Weihnachtsfeier in Parola, die von einem Priester für Kinder zwischen acht und zwölf Jahren ausgerichtet wurde. Hierfür mussten wir lediglich 100 Kinder organisieren und zur Veranstaltungshalle bringen. Deshalb haben wir uns, zusammen mit den Praktikantinnen, in die Gates aufgemacht, um die Kinder zusammen zu sammeln. Im Center in Parola helfen für einige Monate zehn Studentinnen von der Uni mit, sie begleiten Simon zum Beispiel im Unterricht oder wirken bei Veranstaltungen wie den Weihnachtsfeiern mit. In dem Gate, in dem Simon arbeitet, waren Moritz und ich bisher noch nie und es unterscheidet sich doch ein wenig von dem, was ich aus Payatas kenne, alles ist etwas enger und dunkler, die Leute aber auch hier allesamt sehr nett und hilfsbereit.

Nachdem wir unsere über 30 Kinder aus diesem Gate beisammen hatten, haben wir vier Tricycles organisiert, die die Kinder zum Veranstaltungsort bringen sollten. Das war dann etwas abenteuerlich, denn pro Tricycle mussten circa acht Kinder Platz finden, der Fahrer saß daher fast schon auf der Lenkstange und wir Freiwilligen konnten uns nur außen an die Kabine stellen. Am Ende lief aber dann doch alles gut und alle Kinder konnten nach der Veranstaltung mit Essen und Geschenken wieder wohlbehalten am Gate abgeliefert werden.

Rückblick auf fünf Monate auf den Philippinen

Inzwischen sind es nun schon fast fünf Monate, die vergangen sind und daher möchte ich an diesem Punkt eine kurze Reflexion über meinen bisherigen Aufenthalt anbringen.

Was ich auf jeden Fall sagen kann, ist, dass ich schon eine ganze Menge Erfahrung sammeln konnte und einiges erlebt habe. Für mich gab es hier viele Dinge, die neu waren und an die ich mich erst einmal gewöhnen musst. Nicht nur die fremde Kultur, die neue und schier nicht enden wollende Metropole und ein neues Land, sondern auch getrennt zu sein von Familie und Freunden, die ich in so manchem Moment doch schmerzlich vermisse. Hinzu kommt, nicht mehr zuhause bei den Eltern zu wohnen, sondern in einer WG. Das beinhaltet natürlich auch, sich selbst um Essen, Einkaufen, Wäsche (was hier zum Glück sehr einfach geht), Wohnung putzen und noch vieles mehr zu kümmern, was mich so bisher nur zum Teil betraf. Andere Dinge, bei denen man sich umgewöhnen muss, sind zum Beispiel der viele Reis und das man beispielsweise kein Wasser aus der Leitung trinken darf. Das war allerdings etwas, an das man sich recht schnell gewöhnt hat.

Weiter ist natürlich die Umgebung, in der ich jetzt lebe, eine völlig andere und der Alltag hat sich sehr verändert. Man lernt hier viel über die Kultur der Menschen vor Ort und im Umkehrschluss auch über seine eigene. Man merkt, wie organisiert und geplant vieles in Deutschland im Gegensatz zu den Philippinen abläuft. Dennoch funktioniert es hier, nervt aber zum Teil auch stark, wenn man etwas organisieren möchte. Eine weitere Sache, die man hier lernt, ist definitiv zu warten, egal ob im Jeepney im Verkehrschaos, auf die Kinder im Unterricht, auf den Bus, bis er endlich mit Passagieren voll ist und losfahren kann und noch vieles mehr.

Der nächste Schritt war dann die Arbeit im Slum, der eine Umgebung darstellt, die man so aus Deutschland überhaupt nicht gewohnt ist und mit der ich ohne diesen Freiwilligendienst wohl auch nie in Berührung gekommen wäre. Die Arbeit mit den Kindern gestaltete sich am Anfang etwas schwierig, aber mit der Zeit findet man schon rein.

Hier auf den Philippinen hatte ich außerdem die Chance, wahnsinnig viele neue und total interessante Leute aus allen möglichen Ländern kennen zu lernen und auch echt gute, neue Freunde zu finden.

Ich würde meine Entscheidung, diesen Einsatz zu machen, daher nicht bereuen, auch wenn es mit Sicherheit nicht immer einfach ist und war. Ich hoffe auch, weiterhin noch eine Menge Erfahrung sammeln zu können, und noch weitere schöne Flecken dieses Landes kennen zu lernen.

Falls auch ihr jemanden kennt oder selbst daran interessiert seid, eine solche Erfahrung zu machen, dem kann ich nur den Orientierungstag meiner Organisation am 13.01.2018 in Nürnberg empfehlen. Weitere Infos dazu finden sich auch unter cosamaz.org.

Für mich geht es jetzt nach den Feiertagen erst einmal wieder auf Reisen, von denen ich euch im neuen Jahr dann berichten kann. Bis dahin wünsche ich euch Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr! Außerdem möchte ich mich noch einmal für die Unterstützung bedanken, die ich von euch in jeglicher Form erhalten habe. Vielen, vielen Dank!

Viele Grüße aus Manila

Jakob

It’s not a Goodbye, it’s just a „See you later“

Hallo liebe Leser,

Ehe man sich versieht, geht ein erlebnisreiches Jahr zu Ende und ich bin wieder in Deutschland.

Die letzten Wochen in Uganda waren nochmal sehr abwechslungsreich. Da Pauli einen Monat vor mir zurückgeflogen ist, habe ich ihr vor ihrer Abreise bei allem unter die Arme gegriffen. Eine Woche später habe ich mich nochmal auf den Weg nach Gulu gemacht. Von dort hat mich ein Priester mit nach Moyo in den Norden Ugandas mitgenommen. Dafür bin ich sehr dankbar, denn dort habe ich ein tolles Projekt entdeckt:

Ein Spanier hat vor ein paar Jahren ein Musikschulenprojekt angefangen und jetzt kommen jedes Jahr spanische Freiwillige dort hin, um den Kindern Blasinstrumente und Noten lesen beizubringen. Ich war dort eine Woche dabei und es hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich es ernsthaft in Betracht ziehe, dort irgendwann in den nächsten Jahren mitzumachen.

In Moyo habe ich mich auch mit zwei Comboni-Brüdern getroffen, die eigentlich im Süd-Sudan stationiert sind, aber jetzt mit den Flüchtlingen nach Uganda gekommen sind. Sie haben mich in das Refugee Settlement Palorina mitgenommen. Ich war positiv überrascht, als ich die Siedlung gesehen habe. Jede Familie hat ein Zelt mit circa 20m² und einen kleinen Garten, wo sie ihre Nahrung anpflanzen. Teilweise fangen sie schon an, sich selbst Häuser aus Holz und Lehm zu bauen. Trotzdem brauchen sie noch Unterstützung, denn die Nahrungsmittel sind immer noch knapp. Viel Beschäftigung gibt es abgesehen von dem kleinen Garten auch nicht, aber immerhin leben die Menschen dort in einigermaßen guten Verhältnissen und das ist angesichts der Tatsache, dass man nicht weiß, wann die Situation im Süd-Sudan sich bessert, beruhigend. Ich war nur in einer Flüchtlingssiedlung. Die richtigen Camps, wo die Flüchtlinge am Anfang hinkommen, sehen natürlich wieder anders aus.

Einführung der neuen Freiwilligen

Danach ging die Reise weiter nach Kampala, wo unsere Nachfolgerinnen Greta und Francesca schon gewartet haben. Da unser Verantwortlicher Father Stan noch im Heimaturlaub war, habe ich die beiden mitgenommen, ihnen alles gezeigt und Formalitäten erledigt. In Alenga angekommen sah ich schon ein Stück, wie man sich selbst verändert, wenn Leute frisch von Deutschland mit „normalen“ deutschen Ansichten dazukommen. Dinge, die die beiden überrumpelt haben und die sie ungewohnt oder seltsam fanden, fallen mir gar nicht mehr auf bzw. stören mich nicht mehr. Zum Beispiel wenn wir in Alenga ziemlich viel Stromausfall haben oder wenn die Toilette ausläuft.

Nach drei Wochen Abwesenheit kamen nach dem Sonntagsgottesdienst sehr viele Leute, die ich teilweise noch nicht näher kennengelernt habe, zu mir und haben überschwänglich ihre Freude über meine Rückkehr ausgedrückt. Ich war überrascht und es hat mir nochmal gezeigt, wie wichtig ich den Menschen hier geworden bin und wie sehr sie sich freuen, dass ich unter ihnen bin.

Abschied aus Uganda

Zurück in Alenga waren es für mich nur noch neun Tage in meiner ugandischen Heimat und viele Freunde haben mich nochmal zu sich nach Hause eingeladen. Also habe ich diese wenigen Tagen viel Zeit bei den Leuten verbracht, Greta und Francesca alles mögliche gezeigt und erklärt und auch einfach nur Zeit mit ihnen verbracht, mich von allen verabschiedet und nebenher versucht, meinen Koffer zu organisieren.

Nach zwei Tagen in Kampala, die ich mit den Sisters von dort verbracht habe und in denen ich mich von den anderen Combonis verabschiedet habe, ging es am 20. September ins Flugzeug. Der Flug war in Ordnung und von einem Moment auf den anderen war ich wieder in einer anderen Welt. Die ersten Dinge – sowohl positiv als auch negativ -, die mir am Flughafen aufgefallen sind: alles verläuft reibungslos und mit System. Viele Menschen rauchen, was in Uganda eine Seltenheit war. Die Autos halten am Zebrastreifen. Es ist kalt. Freude über meine Eltern und meine Freundin, die mich am Flughafen abgeholt haben. Trotz wenig Schlaf in der Flugnacht konnte und wollte ich nicht schlafen. Alles war so aufregend neu und gleichzeitig vertraut. In dem Moment, in dem ich zuhause in die Tür gelaufen bin, hatte ich das Gefühl, gestern erst raus gelaufen zu sein.

Am Abend wurde ich von einer geheimen Willkommensparty total überrascht, aber es war so toll, gleich meine Verwandten und Freunde zu sehen und es war ein wunderbarer Abend. Anschließend durfte ich in meinem schönen weichen Bett schlafen. Die erste Dusche war auch ein Traum! In den Genuss schleicht sich aber immer wieder ein schlechtes Gewissen über den hohen Wasserverbrauch ein, weil ich jetzt weiß, dass man mit 4 Litern Wasser genauso sauber wird.

Zurück im alten Leben

Jetzt bin ich schon wieder 10 Wochen zuhause und ich merke, dass man so schnell wieder in das

deutsche System und die alten Verhaltensmuster zurückkommt. Seit acht Wochen arbeite ich jetzt schon auf der Baustelle und habe meine Hobbys wieder aufgenommen und ich bin sehr zufrieden damit. Was aber bleibt, ist die Einstellung, die sich meiner Meinung total ins Positive verändert hat. Außerdem wird das Selbstbewusstsein durch so ein Jahr sehr gestärkt, was eine tolle Entwicklung ist.

Es ist ein sehr seltsames Gefühl, an dem Ort, der meine Heimat geworden ist, seine Zelte abbrechen zu müssen und in eine hochtechnisierte Welt mit Staubsauger und Waschmaschine zurück zu kehren, in der vieles auf Effizienz und Leistung ausgerichtet ist. Auch wenn es in diesem Jahr Krisen und schlechte Momente gab, war es so wertvoll und frei und ich würde es sofort wieder tun. In der Schule lernt man so vieles, das man nie wieder braucht,

aber während des Freiwilligendienstes lernt man so viel fürs Leben und sich selbst viel besser kennen. Außerdem beginnt man, seinen Lebensstandard zu schätzen. Manchmal habe ich mich hier schlecht gefühlt, dass ich fast unverdient in so guten Verhältnissen lebe und mir zum Beispiel einfach ein neues Smartphone kaufen kann, wenn das alte spinnt oder als Studentin ein Auto haben kann. Eine gute Freundin hier hat gesagt: „Fühle dich nicht schlecht deswegen oder lehne dieses Leben ab, aber sei dankbar für dieses Geschenk und wisse es zu schätzen.“ In meinen Augen betrifft das nicht nur das Materielle, sondern auch Beziehungen zur Familie, zu Freunden und anderen lieben Menschen, die einen unterstützen. Diese und weitere wertvolle Erkenntnisse habe ich in Alenga gewonnen und ich hoffe, einmal an diesen Ort zurückkommen zu können und meine Freunde dort wieder zu sehen, denn leider ist es schwierig, Kontakt zu halten, denn die Kommunikationsmittel sind beschränkt.

Uganda und Deutschland – zwei Paradiese

Wie Father Stan Alenga immer gerne beschreibt: “Have you ever gone to heaven? Now you are, because Alenga is heaven!“ Er hat recht. Das Paradies liegt wie Schönheit im Auge des Betrachters und es gibt verschiedenste Formen von Paradiesen. Sowohl Deutschland als auch Uganda sind ein Paradies. Uganda ist ein Paradies mit ganz viel Grün und tropischen Früchten, mit sehr großer Gastfreundschaft und der Freiheit von Leistungsdruck. Deutschland ist das Paradies für das „bequeme“ Leben, in dem man auf tollen Straßen in einer kurzen Zeit weite Wege zurücklegen kann, sich (fast) keine Sorgen um Malaria machen muss und in dem es viele Arbeitsplätze gibt. Natürlich zeigt jedes Land auch noch andere Aspekte, aber die guten Dinge sind es, für die man dankbar sein kann. Ich weiß jetzt beide Paradiese zu schätzen.

Auf diesem Weg möchte ich mich nochmal ganz herzlich bei allen bedanken, die mich in diesem Jahr begleitet haben, die an mich gedacht haben, die für mich gebetet haben, die gespendet haben. Ich habe das volle Ausmaß während meiner Abwesenheit gar nicht gesehen, aber es wird jetzt in den Gesprächen deutlich, wie gut ich begleitet war und es freut mich unheimlich und ich bin sehr dankbar dafür!

Das war mein letzter Bericht auf dem Blog, aber ich bin ja jetzt um den Weg und bin offen für Begegnungen und Gespräche.

Wir sehen uns!

Eure Kadda

Nicht nur ein Tag, sondern ein Monat.

Meine lieben Freunde,

etwas verspätet will ich noch ein wenig über den 28. Juli sprechen. Am 28. Juli ist el dia de la independencia von Peru (allerdings ohne Aliens, wer die Anspielung nicht versteht, sollte mehr Filme schauen). Auch wenn die Unabhängigkeitserklärung am 15. Juli 1821 erstellt wurde, ist sie erst am 28. Juli desselben Jahres in Kraft getreten. Seitdem wird jedes Jahr eben dieser Tag gefeiert, als die Herrschaft der Spanier über dieses schöne Land abgelegt wurde.

Aber da wir hier in Peru sind und sich keine Nachbarn bei Lärmbelästigung beschweren, wird eben nicht nur am 28. Juli gefeiert, sondern einfach im Juli.

Der Tag Perus ist eher der Monat Perus und deshalb gab es jede Woche mindestens zwei Feste, auf denen unsere Stelzentänzer getanzt haben.

Die in den Monaten und Woche davor eingeübten Choreografien gipfelten am 28. Juli in einer großen Vorführung in Santa Rosa, bei der Miri und ich mithelfen durften (wie auch bereits bei den Festen zuvor).

Zusammen mit den Stelzenkindern und einigen Eltern haben wir uns alles Nötige geschnappt und sind nach Santa Rosa gefahren. Wir haben beim Anlegen der Stelzen und Anziehen der bunten Kleidung geholfen und schließlich durften wir in der ersten Reihe zuschauen, wie die Kinder getanzt haben.

Liebe Grüße,

Lisa.

Den Rhythmus fühlen

Die allermeisten von uns haben irgendwann in ihrem Leben schon einmal einen Tanzkurs besucht und wissen daher auch ungefähr, wie man das Tanzen in Deutschland beigebracht bekommt. Man erlernt erst einen Grundschritt, dann vielleicht ein paar Figuren und der Takt wird eingezählt solange bis es sitzt. Am Wochenende vom 8. Auf den 10. September 2017 wurde mir auf die Frage, wie ich denn zu tanzen hätte, geantwortet, ich müsse mich einfach zum Rhythmus der Musik bewegen.
Marlene und ich hatten nämlich an dem besagten Wochenende die Möglichkeit bekommen bei der Feier der Patronin des Dorf namens Apata in der Nähe von Jauja mitzutanzen. Die Dorfpatronin ist die Virgen Navitad de Cocharcas, also eine der vielen Varianten der Jungfrau Maria in Peru. Ermöglicht wurde uns dies durch Aracelly, die ebenfalls in Lima wohnt, deren Familie jedoch aus Apata stammt. Sie ist die Cousine meiner Spanisch-Tandempartnerin und inzwischen auch eine gute Freundin.

Die Anreise und unsere ersten Schritte auf 3300 Metern
Unsere Reise begann Donnerstagnacht in Lima mit Cruz del Sur. Zu Cruz del Sur ist zu sagen, dass man für einen relativ guten Preis (Rund 80 Soles; das entspricht rund 20 Euro) sehr komfortabel reist. Aracelly hat uns diese Busgesellschaft empfohlen, da der Weg in die Berge häufig schwieriger ist als zurück und durch Sauerstoffanreicherung im Bus sind die Auswirkungen der Höhe geringer, sodass keiner von uns an allzu starker „soroche“ litt. So nennt man hier die Höhenkrankheit und sie macht sich unter anderem durch starke Kopfschmerzen, Kreislaufschwäche und Übelkeit bemerkbar.
In bequemen Sitzen, einer kleinen Filmauswahl und einem Busservice mit Getränken und Essen, waren wir rund sieben Stunden auf dem Weg nach Jauja. Da es die gesamte Zeit über dunkel war, konnten wir von den sich auftürmenden Bergen nur wenig sehen, sodass wir die Zeit nutzten um uns auszuschlafen.
Als dann schließlich die Sonne aufging, konnten wir zum ersten Mal die Landschaft von Jauja bewundern. Tatsächlich überragten die Gipfel der umgebenden Berge uns nicht so sehr, wie man es zum Beispiel von den Alpen kennt, da die lokalen Flüsse große Ebenen zwischen den Bergrücken geschaffen haben. In Jauja angekommen, machten wir nach langem Sitzen unsere ersten Schritte und ich war erstaunt, dass abgesehen von einem leichten Schwächegefühl, das mich auch den restlichen Tag über begleitet hat, nicht viel von der Höhe zu spüren war. Der Bruder von Aracelly, der am vorigen Tag bereits mit seiner Familie angereist war, holte uns ab und brachte uns nach Apata zu dem Haus seiner Großmutter. Dort konnten wir eine Kleinigkeit frühstücken und legten uns danach noch ein bisschen Schlafen um fit zu sein für das Fest am Nachmittag.
Viele Häuser in Apata sind ähnlich in ihrem Aufbau: Es gibt normalerweise einen kleinen Innenhof, in dem sich häufig die Küche in einem überdachten Teil befindet. An den Hof schließen sich rundherum mehrere Zimmer an, in dem die Mitglieder der Familie wohnen. In unserem Fall befanden sich alle Zimmer in einem zweiten Stockwerk und es gab eine weitere kleine Küche in einem der Zimmer.
Unterschiede zu Lima gibt es vor allem auch in dem Material aus dem die Häuser gebaut werden. Während die meisten Häuser in Lima, sowie das Haus von Aracellys Großmutter, aus Ziegelsteinen aufgebaut werden, gibt es in der Region um Jauja auch Häuser, die aus verdichteter Erde bestehen. Damit die Wände stabil genug sind, wird die Erde vorher mit Holzfasern und Steinen vermischt und gebaut wird nur im Winter, weil es dann weitestgehend trocken bleibt. Um alles vor dem Regen zu schützen, werden die Häuser mit Tonziegeln gedeckt und die Dächer ragen etwas über die Außenwände hinaus.

Den Rhythmus fühlen und improvisieren
Für die Austragung der Tänze und für die Musik sind an jedem Tag des Festes verschiedene Familien zuständig und so konnten wir uns bei der Familie von Aracelly beteiligen. Deshalb gingen wir am späten Vormittag mit Aracelly auf die Suche nach der traditionellen Kleidung eines „chutos“. So wird die Rolle genannt, die ich bei dem Tanz übernehmen sollte. Eigentlich hätte einer der Onkel von Aracelly mir vorher noch zeigen sollen, wie man ungefähr tanzt, jedoch bis Marlene ihre Tracht bekam und anlegte, was sich bei einigen Kleidungsschichten als sehr schwierig herausstellt, ging es danach auch direkt los. Das „orchestra“, das bereits den ganzen Tag über in dem kleinen Innenhof geprobt hatte, machte sich spielend auf den Weg zum Dorfplatz und vor ihnen zuerst die „chutos“, gefolgt von den tanzenden Frauen in ihren Trachten und den „mayores“, einer anderen Tanzrolle mit Maskierung. Dort angekommen wird getanzt und tatsächlich ist es nicht schwer den „chuto“ zu tanzen, in den Rhythmus zu kommen war für mich allerdings nicht ganz so leicht. Im Prinzip laufen die Tänze wie folgt ab: Die Geigen und eine Harfe des „orchestras“ beginnen leise zu spielen und alle bringen sich in Position und wenn die Bläser dazu einsetzen, fangen alle Tänzer an zu tanzen. Zu Beginn passiert das alles auf einer Stelle und später wird beim Tanzen dann der Dorfplatz umrundet und an jeder Ecke des Platzes gibt es für die Tänzer dann Bier. Dabei teilen sich immer mehrere eine Flasche Bier und es geht ein Glas reihum in das man einschenkt. Aufgrund der Höhenlage von Apata verzichtete ich allerdings vorerst auf das Bier, weil ich nicht wusste, wie mein Körper darauf reagieren würde. Im Prinzip lief in etwa so der gesamte Abend ab bis um 24:00 Uhr ein sogenanntes „castillo“, bei dem es sich um eine Konstruktion aus Bambusstäben handelt an die verschiedene Feuerwerkskörper befestigt sind, entzündet wurde.

Die Ruhe genießen
Am zweiten Tag konnten wir ausschlafen, denn für den Morgen war nichts geplant. Jedenfalls versuchten wir das, denn das „orchestra“ probte wieder morgens direkt unter unserem Zimmer. Gegessen wurde um 12:00 Uhr bei einer Tante von Aracelly mit vielen weiteren Verwandten und es gab jedes Mal sehr große Portionen, die man so aus Deutschland nicht gewohnt ist. Die harte Arbeit als Bauer in der Sierra braucht viel Energie und dementsprechend sind die Portionen. Die Bauern um Jauja herum arbeiten auch an den Wochenenden und außer zu Dorffesten gibt es eigentlich kaum Freizeit. Nach dem Essen wurde im Innenhof zur Musik des „orchestras“ getanzt und anschließend gingen wir mit Aracelly und ihrem Bruder sowie dessen Frau und Tochter auf eine kleine Wanderung zu einem nahe gelegenen Felsen, der in der Vergangenheit die Form einer Marienstatue hatte und deshalb als Wallfahrtsort für die Gemeinde von Apata dient. Dabei war es zum ersten Mal wieder richtig ruhig und man konnte die wunderschöne Landschaft um Apata herum genießen.
Später fuhren wir dann nach Huancayo, das etwa eine Stunde von Apata entfernt liegt und aßen etwas und besichtigten den „Parque de la identidat de huanca“, welcher als Denkmal für die Huanca-Kultur dient, zu der die meisten Menschen in der Region Junín gehören. Am Abend gingen wir wieder auf das Fest nach Apata und feierten mit den anderen.

Mystische Bergseen und ein Besuch auf dem Friedhof
Für den dritten Tag war ein Besuch der „laguna de paca“ geplant, um diese und andere Orte rund um Jauja ragen sich viele Legenden und ich möchte in einem späteren Bericht einmal auf Legenden aus Peru eingehen, denn es gibt eine große Fülle an Geschichten hierzu.
Der Sonntagmorgen lief eigentlich ab wie sonst auch, das „orchestra“ spielte, wir trafen uns bei einer Tante um zu essen und es wurde getanzt. Am frühen Nachmittag machten Aracelly und ich dann einen Spaziergang durch das Dorf und trafen dabei zufällig auf eine ihrer Tanten, die gerade auf dem Weg war um ihre vier Kühe von der Weide zu holen und bot an, dass wir dabei helfen können. Wirklich hilfreich waren wir zwar nicht, denn die Kühe kannten den Weg zurück in den Stall selbst, aber es war schön zu sehen, wie die Felder in Apata aussehen und wie die Tiere gehalten werden.
Anschließend besuchten wir -Aracelly, Marlene und ich- den lokalen Friedhof, um Blumen an den Gräbern von Aracellys verstorbenen Verwandten abzulegen. Danach ging es mit einem „collectivo“ nach Jauja und von dort aus weiter zur „laguna de paca“, wo wir einen Fährmann bezahlten um uns über den See zu fahren und uns ein wenig zum See zu erzählen. Es gibt eine kleine Insel in der Mitte des Sees von der man sagt, dass dort Nixen leben und es gibt einen Berggrat in Sichtweite des Sees der einem schlafenendem Menschen gleicht und deshalb „indio dormido“ genannt wird. Im Anschluss der kleinen Bootsfahrt aßen wir in einem Restaurant am See Pachamanca. Dabei handelt es sich um Fleisch und verschiedenes Gemüse, das in einer Kuhle im Boden mit heißen Steinen gegart wird. Wieder zurück in Apata packten wir nur noch unser Zeug, gingen kurz auf das Fest um nochmal etwas zu essen und ein paar Runden Tischfussball an einem der vielen Stände zu spielen und machten uns dann mit einer anderen Busfahrtgesellschaft auf den Heimweg nach Lima.

 

Was passiert eigentlich mit euren Spenden? – Teil 2

Hallo liebe Leser und Freunde,

Das Gebäude ist nun komplett fertig!

Am 2. Juli war das Haus zwar noch nicht ganz fertig, aber wir haben trotzdem mit der ganzen Schule eine kleine Einweihungsfeier gemacht. Die Schülerinnen haben am Vormittag gute Speisen gekocht und es wurde extra eine Ziege geschlachtet. Sister Anna und wir beiden wurden am Tor zur Schule für eine Prozession abgeholt und wir sind gemeinsam singend und tanzend zur Baustelle marschiert, haben das Gebäude einmal umrundet und anschließend auf der Veranda getanzt, um es zu segnen. Die eigentliche Feier folgte aufgrund des Schattens im vorderen Teil des Schulgeländes. Mit Essen, kurzen Reden, Liedern und Tänzen und lustigen Spielen war die Feier perfekt. Die Mädchen haben sich sehr bemüht und einiges vorbereitet und wir durften als Ehrengäste alles genießen.

Ein paar Tage später sind wir einmal von der Schule zum Convent gelaufen und dachten im Vorbeigehen: „Wow! Ist das ein schönes Haus!“ bis uns wieder einfiel, dass das ja das neue Haus ist. An diesem Tag konnten wir den ersten, weißen Anstrich genießen.

Danach waren wir ein paar Tage nicht in Alenga und bei unserer Rückkehr haben wir das Haus mit dem orangenen Anstrich in seiner strahlenden Pracht vorgefunden.

Wir sind sehr glücklich mit der Arbeit und dem Ergebnis und manchmal immer noch überwältigt, dass wir so etwas Großes aufgebaut haben, denn mit so viel Unterstützung hätten wir absolut nicht gerechnet! Wir möchten uns und auch im Namen der Schneiderschule und der ganzen Gemeinschaft in Alenga von ganzem Herzen bei allen Spendern bedanken! Selbst wenn die Gabe noch so klein war, hat sie einen guten Beitrag geleistet.

Am letzten Donnerstag haben wir das Haus offiziell mit einer Feier übergeben. Zu Gast waren unter anderem die Fathers, die Schulräte und alle Beteiligten der Schule. Die Schülerinnen haben wieder gesungen, getanzt und gekocht und es war ein schönes Fest mit traditionellem Band durchschneiden und Kuchen. Damit ist das Projekt offiziell abgeschlossen.

Jetzt wollen wir uns noch um Tische und Bänke bemühen, damit man mit diesem Raum auch etwas anfangen kann. Die Schülerinnen freuen sich schon, dort essen zu können und wer weiß, für was er noch verwendet wird. Möglichkeiten sind Unterricht, wenn die Klasse geteilt wird, Hochzeiten, Meetings und Schulfeste.

Und jetzt noch ein paar nicht mehr ganz so neue Neuigkeiten.

Im Juni hat sich unser Haushaltsalltag noch vergrößert. Seither haben wir immer bei den Priestern mitgegessen, doch jetzt hat sich das geändert. Wir haben einen Gaskocher und sogar einen Kühlschrank in unsere Küche bekommen und sind selbst losgezogen, um Geschirr und alles, was wir brauchen, zu kaufen.

Dafür sind wir auf den Wochenmarkt im nächsten größeren Dorf gegangen. Im Gegensatz zu Deutschland fängt der Markt immer erst nachmittags an und endet spät am Abend mit gemütlichen Bierrunden. Wir gehen allerdings nur zum Einkaufen hin. Auf dem Markt findet man neben Lebensmittel alles Mögliche, zum Beispiel Nägel, Schuhe, Geschirr und Stoffe. Wir haben dort das Meiste für unsere Küche gefunden. Unsere Eltern haben uns Anfang Juni bei ihrem Besuch ein paar wichtige Dinge wie Gewürze und Frühstücksaufstriche mitgebracht. Seitdem versorgen wir uns selbst. Wir versuchen, einheimische und deutsche Gerichte zu kombinieren. Die Auswahl ist nicht so groß, da wir viele Lebensmittel hier nicht finden und Ofengerichte gestalten sich auch schwierig. Was uns aber sehr freut ist die Freundlichkeit der Leute, die uns hin und wieder einfach so Mais oder anderes schenken. Sonntagabends laden wir die Priester immer zu uns zum Essen ein. Am ersten Sonntag haben wir zur Premiere gleich Spätzle aufgetischt.

Für unsere Kücheneinrichtung haben wir auch unsere Freizeitgestaltung eingebracht. Zum Beispiel haben wir die Topflappen selbst gehäkelt. Was uns fehlte, war der Stauraum. Zusammen mit dem Schreiner in Alenga hat Kadda ein Regal gebaut und dabei gleich gesehen, wie dieses Gewerbe hier funktioniert.

Anfang Juni wurde in Alenga ein neuer Jugendchor gegründet. Dort sind wir beigetreten. Das freut Kadda besonders, weil sie dadurch doch noch ihren Wunsch erfüllen und musikalisch aktiv sein kann. Wir lernen viele neue Lieder kennen und können den Text für uns aufschreiben und bringen ihnen manchmal auch unsere Lieder bei. Sehr begeistert sind sie auch von der Gitarre. Wir treffen uns fast jeden Tag mit den Jugendlichen, proben und gehen manchmal anschließend mit aufs Feld, um die Tomaten zu gießen, die sie als Projekt angepflanzt haben.

Macht’s gut und bis bald!

Kadda und Pauli

Events der letzten Monate

Es ist schon viel zu lange her seit ich meinen letzten Bericht geschrieben habe. Es ist eine Menge passiert in den letzten Monaten und darüber möchte ich in diesem Eintrag berichten.

Ereignisse in der Kirche
Mitte April hatte Jemboy seine Weihe zum Diakon, in sechs Monaten wird er dann zum Priester geweiht. Es war ein großes Fest hier mit 1000 Leuten, die aus Nah und Fern gekommen sind. Weiterlesen

Zwei Wochen Tapetenwechsel

Servus alle miteinander,

ich bin schon ziemlich im Verzug, aber ich möchte euch trotzdem noch von zwei erfahrungsreichen Wochen erzählen, die ich im Januar erlebt habe.

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Vom „Kicking Day“ zum „Boxing Day“

Die Allermeisten haben uns zu Weihnachten geschrieben: „Weihnachten mal ganz anders“ oder „es wird bestimmt ein ganz besonderes Weihnachten für dich“. Und sie haben Recht gehabt.

Also, ich fange mal ganz vorne an. Weiterlesen

Ein Event jagt das Nächste

Ein Event jagt das Nächste…
So kommt es mir seit Ende November bis jetzt Ende Januar vor.
Doch erst Mal eins nach dem Anderen. Weiterlesen

Feuerwerk an Weihnachten, Strand an Silvester

Fröhliche Weihnachten und ein gutes, neues Jahr! (Ich denke, ein ‚nachträglich‘ wäre hier recht passend.)

Nun doch etwas verspätet – sorry dafür – gibt es jetzt einen kleinen Text über die Feiertage und wie Miri und ich sie hier, in Lima verbracht haben.

Beginnen wir mit Weihnachten:

An sich läuft der Heiligabend in Peru – unseres Wissens nach – so ab:

Den Tag über gibt es keine größeren Mahlzeiten, irgendwann – je nach Haushalt – geht man in eine Weihnachtsmesse und nach Mitternacht – also in gewisser Weise schon am 1. Weihnachtsfeiertag – wird gegessen und es werden Geschenke verteilt. Ebenfalls um, bzw. kurz nach, Mitternacht gibt es überall – eher weniger legale – Feuerwerke und es wird mit der Familie, Freunden und auf der Straße auch mit Nachbarn gefeiert.

Nun zu unserem Heiligabend:

Aufgrund der sommerlichen Hitze – denn, nur um das noch einmal in Erinnerung zu rufen, hier ist im Moment Sommer und die Kinder haben Sommerferien – hat sich weder Miris, noch meine Weihnachtsstimmung an Heiligabend wirklich eingestellt.

Wir hatten zwar einige Komponenten für ein schönes Weihnachtsfest zur Verfügung: freier Tag, Bäumchen (eher Heckchen, aber dazu später mehr), Geschenke, Familie per Skype, Plätzchen, – zumindest für Miriam – Standardweihnachtsessen, Weihnachtsmusik per Internet, …

Aber die Stimmung kam einfach nicht recht auf.

Wir haben den Großteil des Tages eher trübsinnig und still verbracht, weil man an Weihnachten nun einmal gerne mit der Familie zusammen wäre, aber das war leider nicht direkt möglich. Wir konnten zwar mit unseren Eltern skypen, aber irgendwie war es eben nicht das Wahre.

Aber dann, dann kam die Bescherung.

Unter unserer Weihnachtshecke – um dazu eine kurze Vorgeschichte zu geben: In Lima gibt es um diese Jahreszeit keine Tannen und da Hecken mehr oder weniger wie Tannen aussehen, kann man sich eine kleine Hecke kaufen, wenn man keinen Plastikbaum will – hat das Christkind zum Klang von einer Spotify-Playlist die Geschenke deponiert. Es war bereits abends – den Baum haben wir Nachmittags geschmückt – dementsprechend dunkel und die – leider – bunten Lichter unserer kleinen Lichterkette haben unsere goldenen Weihnachtsbirnen feierlich erleuchtet. Neben Weihnachtsbirnen hingen auch noch rot-glitzernde Weihnachtsäpfel, ein Bärchen, ein Kugelpaar, das den Weihnachtsmann darstellen sollte und ein pinker, glitzriger Schmetterling als Stern am Baum – nur um das klar zustellen, da wir sowieso kein richtiges Zuhauseweihnachten haben konnten, haben wir uns die grässlich-schönsten Dinge im Einkaufszentrum besorgt, die wir finden konnten.

Weihnachtsstimmung in Heckenform

Unter unserer in vollkommener Schönheit erstrahlenden Weihnachtshecke lagen nun dank des Christkinds wahrhaft einzigartige Geschenke, die von farbenprächtigen Fabelwesen bis hin zu zweckentfremdeten Glücksspielen schwankten. Da das Christkind uns beiden Essen geschenkt hatte, brachen wir das peruanische Heiligabendfastentum frühzeitig und ergötzten uns am Boden unseres Eingangszimmers an multikulturellen Speisen, die mit teuren Getränken heruntergespült wurden. So und nicht anders haben wir es geschafft, trotz Hitze und Sommerkleidern, trotz fehlender Familie und bunten Lichterketten, ein Weihnachtsgefühl zu haben, das sich als solches beschreiben ließ.

Wir müssen voller Schande und Scham zugeben, dass wir diesen Funken Weihnachten, den wir gespürt haben, nicht aufgeben wollten und deshalb die erste Messe verpasst haben und stattdessen mit einem Freund aus Deutschland geskypt und gefeiert haben. Zu der zweiten Weihnachtsmesse, zu der uns Juan eingeladen hatte, sind wir etwas zu spät gekommen, da entgegen unserer Gewohnheit keine Busse in die Richtung der Kirche gefahren sind und der Weg zu Fuß deutlich länger dauert. Wir haben uns beeilt, haben es aber nicht mehr perfekt geschafft.

Gegen Ende der Messe hat Miriam – ganz im Gegensatz zu meiner Prophezeiung, dass ich in Tränen ausbrechen würde – begonnen zu weinen. Die Messe war schön, aber Heimweh ist nun einmal eine starke Emotion.

Nach nicht allzu langer Zeit haben sich die Tränen gelegt – auch wenn ich wegen eines Kommentars über den heimischen Schweinebraten, den ich dieses Jahr nicht an Weihnachten zu mir nehmen würde, ebenfalls den Tränen nahe war, denn ja, manchmal weint man wegen Essen – und wir sind zusammen mit Pater Juan zurück nach Hause gefahren. Wir haben Miris Lasagne – das Heiligabendessen ihrer Familie – mit zu den Patern genommen und uns um Mitternacht das Feuerwerk vom Dach aus angeschaut. Die Sicht, die wir hatten, war nicht zu toppen, da wir wegen unserer Lage im Viertel bereits erhöht wohnen und das Haus der Paters ebenfalls recht weit nach oben geht. Wir hatten einen wundervollen Panoramablick über Chorrillos und konnten sogar bis nach Miraflores sehen.

Der ganze Himmel hat geleuchtet.

Nachdem wir uns sattgesehen hatten, haben wir zusammen mit den Patern gegessen und haben ihnen ihre Geschenke – vor allem Plätzchen und ein Schreikissen für Juan – übergeben.

Irgendwann sind wir müde ins Bett gefallen.

Die Weihnachtsfeiertage haben wir vorwiegend essend und in der Kirche verbracht.

Jetzt zu Silvester:

Silvester wollten wir in der Innenstadt, in Barranco und Miraflores verbringen.

Wir haben uns zwei Betten in einem Hostel in der Nähe des Strands in Barranco genommen und sind daraufhin zum Kennedypark gefahren. Wir haben nette Leute – teils Peruaner, teils Europäer – kennengelernt und sind in Larcomar ins neue Jahr gerutscht. Larcomar liegt direkt oben an der Hochküste und dementsprechend konnten wir auch hier die Silvesterfeuerwerke in verschiedenen Vierteln beobachten. Einige Leute in Chorrillos haben gleichzeitig fünf Minuten vor Neujahr angefangen die Raketen in die Luft zu schießen. Fünf Minuten später ist dann der Rest gefolgt.

Da wir den ganzen Abend bereits mit einer Flasche Wein durch die Gegend gelaufen sind, haben wir uns nach einem mehr oder weniger kurzen Kampf mit dem Korken an den heimischen Strand gesetzt und dort unseren Wein getrunken. Nachdem die ganze Welt ins neue Jahr gerutscht ist, sind wir schlafen gegangen.

Ciao, mein lieber Leser und liebe Grüße aus dem Sommer,

Lisa

 

Viele Weihnachtsgrüße ohne Schnee bei 32 Grad und ein gutes neues Jahr 2017!

Weihnachten anders erleben

Hier auf den Philippinen ist Weihnachten eigentlich sehr ähnlich wie in Deutschland. Überall ist Weihnachtsdeko und es wird auch viel Weihnachtsmusik gespielt.

Wir hatten einige Weihnachtsfeiern in der Arbeit. Einmal mit unseren Kinder, einmal nur mit den Lehrern aus Parola und Payatas und einmal mit Father Artur im Convent.

Eine kurze Berichterstattung von unserer Christmas party mit den Kindern in Payatas 🙂

Eskwelahan ng Buhay Christmas Party Payatas 2016

(December, 14.12.2016)

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