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Vom Feld zum Mund, von der Nuss zum Odi

Hallo ihr Lieben,
heute möchte ich euch ganz kurz davon berichten, was die letzten Wochen hier im Konvent vor sich gegangen ist. Für mich hat das wieder einmal gezeigt wie unbewusst und einfach wir in Deutschland Nahrung zu uns nehmen können. Da heißt es nämlich, wenn man abends Lust auf irgendetwas hat: „Ich fahr noch schnell in den Supermarkt, bin gleich wieder da.“. Dann greift man schnell zweimal ins Regal, nimmt sich noch eine Dose gesalzene Erdnüsse als Snack mit und zu Hause auf dem Sofa genießt man diese dann. Wo die Erdnüsse herkommen, wo sie gepflanzt wurden, wer sie geerntet, getrocknet, geschält, sortiert und gesalzen hat, das spielt keine Rolle und den Großteil haben vermutlich sowieso Maschinen übernommen – unfassbar, wie technisiert und schnell (immer auf dem Sprung, stets im Stress des Alltags gefangen) wir leben.
Die Ernährung in Alenga steht im krassen Kontrast dazu. Und deshalb möchte ich euch heute davon erzählen wie Schwester Concentina und schließlich auch wir in den letzten beiden Wochen mit der Erdnuss-Ernte beschäftigt waren.
Die Erdnüsse wurden nach dem Ende der Trockenzeit (im Februar) gesät und dann regelmäßig von Unkraut befreit, während sie wuchsen. Vor ca. zwei Wochen hat die 85-jährige Sister Con schließlich angefangen die fertigen Erdnusspflanzen im Feld zu ernten und in den Innenhof zum Trocknen zu legen. Nach einiger Zeit war der gesamte Platz im Innenhof belegt und Sister hat die Pflanzen regelmäßig in der prallen Mittagssonne gedreht, damit die Erdnüsse trocknen. Eine Woche später war alles gut getrocknet und Sister begann die Nüsse, die an der Wurzel unter der Erde wachsen, von der Erde und der Pflanze zu befreien. Dabei halfen wir ihr dann gemeinsam mit einigen Schülerinnen und da wir uns um diese Zeit normalerweise alle in der Kirche zum Rosenkranz beten befinden, haben wir gleich mal den Rosenkranz mit der Arbeit verknüpft. Ungefähr 2 Stunden brauchten wir mit allen 20 Helfern um die Erdnüsse zu sortieren. Die Erdnüsse haben wir dann auf einem großen Haufen auf der Terrasse gesammelt. Anschließend werden die Nüsse geschält. Das ist eine ziemlich ermüdende Arbeit, denn nach der 150. Nuss schmerzen die Finger sehr und der Ertrag erscheint winzig im Vergleich zur Mühe, die man mit der Erdnuss-Ernte hat.
Die im Norden Ugandas bekannteste Verarbeitungsform der Erdnüsse ist das sogenannte Odi. Um Odi zu produzieren, werden die geschälten Nüsse geröstet und dann durch langes Reiben und anschließendes Sieben von ihrer Haut befreit. Dann bringt man die Nüsse zur Mühle. Odi besteht allerdings nicht nur aus Erdnuss sondern auch aus Sesam. Zum Mahlvorgang gibt man also auch zuvor gerösteten Sesam dazu. Nach ungefähr 15 Minuten erhält man das fertige und super leckere Odi, was hauptsächlich zum Frühstück zusammen mit Süßkartoffeln oder Cassava genossen wird oder zum Kochen der ebenfalls für den Norden Ugandas typischen Speise Malakwan (Spinat ähnliche Blätter mit Odi gemischt).

Das war es auch schon zur Erdnuss 🙂 . Mich werden diese Erfahrungen deutlich bewusster und verändert durch den Supermarkt laufen lassen… und euch?

Ganz liebe Grüße in die Heimat, in die ich in weniger als zwei Wochen ja auch schon zurückkehren werde,

eure Greta

„Uganda has a lack of technology, but many resources“

Vor ein paar Tagen war ein ganz besonderer Tag. Ich durfte Patrick auf sein Feld begleiten. Seit ein paar Wochen arbeitet er dort sehr hart, um Trocken-Reis anzupflanzen.

Wir wollten ganz früh weg. Ausgemacht war also sechs Uhr morgens. Schlussendlich hieß das sechs Uhr ugandische Zeit, wie die Leute das hier so gerne ausdrücken, und er hat mich um 20 nach sechs am Tor der Sisters abgeholt. Gemeinsam sind wir dann mit dem Fahrrad gefahren. Er hat noch einen Jungen auf dem Gepäckträger mitgenommen, denn ich von der sechsten Klasse kenne. Es stellte sich heraus, dass es sein Neffe Ronald ist und er heute wegen der Feldarbeit nicht zur Schule gehen wird.

Es war etwas ganz Neues für mich, einfach auf der Straße so früh am Morgen mit dem Fahrrad zu fahren. Patrick kommt aus Tarogali und wurde nur durch seine Arbeit als Katechist nach Alenga versetzt. Das bedeutet natürlich auch, dass seine Felder im nächsten Dorf sind und er jeden Tag dort hinfahren muss. Da es am Tag davor und die ganze Nacht stark geregnet hatte, sind wir auf der einfachen, ungeteerten Straße auch durch große Pfützen gefahren. Zum Glück hatte ich mir ausnahmsweise eine Hose und meine Sportschuhe angezogen. Nach ungefähr einer dreiviertel Stunde Fahrt, auf der Patrick gefühlt 100 mal gefragt wurde, was wir denn machen und ob ich auf dem Feld arbeiten kann und wir sehr vielen Leuten, vor allem Schulkindern auf ihrem oft langen Weg zur Schule begegnet sind, kamen wir in Tarogali an.

Während der Fahrt musste Ronald absteigen und den Weg laufen, da das Hinterrad einen Platten bekam. Wir sind dann zu dem Zuhause von Patricks Bruder gefahren, weil dort seine zwei Ochsen und der Ochsenkarren auf uns warteten. Wir trafen dort die Frau seines Bruders waschend an, um sieben Uhr in der Früh und es sah nicht danach aus, als ob sie erst gerade angefangen hätte.

Während Patrick seine Ochsen an den Wagen befestigte, ging langsam die Sonne auf und es wurde immer heller. Mich hat es richtig verwundert, wie die Kühe auf ihn gehört haben und die nächsten Schritte wussten: einen Bogen laufen, um gerade zu stehen, den Kopf herunternehmen, damit sie angeschnallt werden können oder die Kommandos steh, lauf,…

In dieser Zeit kam Ronald auch an und mit einem Bekannten von Patrick sind wir dann zum Feld gelaufen. Die Kühe kannten den Weg, wussten wann sie abbiegen und dass sie links laufen müssen. Am Feld angekommen wurde die Pflugmaschine an die Ochsen gekettet und es ging los. Patrick hat die Pflugmaschine geführt, der Bekannte die Kühe gelenkt und angetrieben und Ronald und ich haben Reis und zwei Reihen Mais per Hand gesät. Es war echt cool. Zum Glück konnte er ein wenig Englisch und wir unterhielten uns gut. Er fragte mich Lango-Vokabeln ab, erzählte mir von seinen Familienverhältnissen, von der Schule, dem Unterrichtsstoff und stellte mir viele Fragen über Deutschland, meine Familie und Allgemeines.

 

Seinen Vater kennt er nicht. Er lebt mit seiner Familie bei den Großeltern, da sein Vater zu viel Alkohol trinkt und daher nicht für seine Schulgebühren bezahlen kann. In der Schule ist er sehr gut, aber es ist jetzt schon klar, dass er die Secondary School nicht besuchen kann. Er hat mir auch einiges über Uganda erklärt, zum Beispiel alle Besonderheiten der Flagge und ich bekam sogar ein Ständchen der ugandischen Nationalhymne (Er ist 14 Jahre alt und gerade im Stimmbruch. Dadurch war es ganz lustig anzuhören). Es kam auch heraus, dass ich in ihm einen kleinen Verehrer gefunden habe. Ich bekam tausend Komplimente, wie schön ich doch sei und dass ich das Haar einer Katze habe.   😆 Und natürlich ist meine Hautfarbe sooo schön. Er hat mir auch gesagt, dass mich jeder Junge in Alenga heiraten möchte. 😉

Leider waren die Gummistiefel, die ich von den Sisters ausgeliehen hatte, viel zu klein… während wir die Reihen hin und her gelaufen sind, wurden die Schmerzen in den Füßen immer stärker, aber ich wollte mir nichts anmerken lassen. Am liebsten wäre ich wie Ronald barfuß gelaufen. Nachdem wir den ganzen Reis gesät hatten, habe ich gemerkt, dass ich fünf Blasen, davon eine fast bis zum bersten große Blase, an den Füßen bekommen habe. Meine Socken habe ich dann ausgezogen und hinten in den Schuh als Ersatzblasenpflaster genutzt. Das hat erstaunlich gut funktioniert.

Am Ende der Arbeit, um 12 Uhr, bekam jeder ein Päckchen mit Keksen und Patrick hat extra ein gekauftes Wasser für mich mitgebracht, da wir Europäer ihr Wasser nicht ungekocht/ungefiltert trinken können.

Wir haben die Kühe zurück gebracht und dann ging es wieder auf den Heimweg. Jetzt jedoch nicht mit dem Fahrrad, sondern mit dem Ochsenkarren. Es war echt witzig und wir haben uns super unterhalten. Zum Beispiel, dass er Angst hatte, dass ich nicht so lange durchhalte, was jedoch wiederlegt wurde. Patrick meinte: “Uganda has a lack of technology, but many resources. Germany has technology, but no resources.“ Worauf ich antwortete: “the technology is coming but the recourses will not come.“ Es ist mir immer wichtig, den Leuten zu zeigen, dass in meinem Fall Deutschland auch nicht nur positive Seiten hat, sowie auch die postiven Seiten ihrer Heimat klar aufzuzeigen. Wir sprachen auch davon, wie schwer es sein kann, einen Menschen zu heiraten, der aus einer anderen Kultur stammt. Auch mein nahender Abschied wurde angesprochen und was ich hier alles gelernt habe und wie sich die Sicht auf die Dinge und das Leben durch mein MaZ-Jahr verändert hat. Patrick hat das richtig schön ausgedrückt. Man braucht ein einfaches Leben zum glücklich sein. Keinen Luxus und Prunk, denn dann strebt man nur immer höher und will mehr und besser sein als andere. Man wird nie zufrieden sein mit dem, was man hat. Daher sollte man ein einfaches, aber glückliches Leben führen. Auf dem Weg kamen wir auch an einer Grundschule vorbei und mindestens 30 Kinder sind unserem Wagen hinterher gelaufen.

Bei dieser Fahrt habe ich mir auch noch ganzschön einen Sonnenbrand eingefangen. Der Vormittag auf dem Feld von Patrick hat mir jedoch richtig gut gefallen und ich bin glücklich, dass ich diese Art von Feldaufbereitung auch noch erleben durfte. Normalerweise gehe ich nur mit den Sisters oder den Lehrern der Schneiderschule ins Feld. Dort hacken wir dann oder ernten etwas. Zum Beispiel durfte ich vor einer Woche Erdnüsse ernten und vom Stängel entfernen, welche ich mit Sister Evaline und den Mädels der Schneiderschule gepflanzt habe. Es ist ein tolles Gefühl, etwas zu ernten, was man selbst durch harte Arbeit gepflanzt hat.

Mit diesen Eindrücken wünsche ich euch noch einen guten Start in die Woche!

Süße Grüße und bis bald!