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Wie kommt die Erdnuss in die Tüte?

Liebe Leserinnen und Leser,

 

heute möchte ich euch ganz kurz davon berichten, was die letzten Wochen hier im Konvent vor sich gegangen ist. Für mich hat das wieder einmal gezeigt wie unbewusst und einfach wir uns in Deutschland Lebensmittel beschaffen. Da heißt es nämlich, wenn man abends Lust auf irgendetwas hat: „Ich fahr noch schnell in den Supermarkt, bin gleich wieder da.“. Dann greift man schnell ins Regal, nimmt sich noch eine Dose gesalzene Erdnüsse als Snack mit und zu Hause auf dem Sofa genießt man diese dann.
Wo die Erdnüsse herkommen, wo sie gepflanzt wurden, wer sie geerntet, getrocknet, geschält, sortiert und gesalzen hat, das spielt keine Rolle und den Großteil haben vermutlich sowieso Maschinen übernommen – unfassbar, wie technisiert und schnell (immer auf dem Sprung, stets im Stress des Alltags gefangen) wir leben.

Die Ernährung in Alenga steht im krassen Kontrast dazu. Und deshalb möchte ich euch heute davon erzählen wie Schwester Consentina und schließlich auch Greta und ich in den letzten beiden Wochen mit der Erdnuss-Ernte beschäftigt waren.

Die Erdnüsse wurden nach dem Ende der Trockenzeit (im Februar) gesät und dann regelmäßig von Unkraut befreit, während sie wuchsen.
Vor ca. zwei Wochen hat die 85-jährige Sister Con schließlich angefangen die fertigen Erdnusspflanzen im Feld zu ernten und in den Innenhof zum Trocknen zu legen. Nach einiger Zeit war der gesamte Platz im Innenhof belegt und Sister hat die Pflanzen regelmäßig in der prallen Mittagssonne gedreht, damit die Erdnüsse trocknen.
Eine Woche später war alles gut getrocknet und Sister begann die Nüsse, die an der Wurzel unter der Erde wachsen, von der Erde und der Pflanze zu befreien. Dabei halfen wir ihr dann gemeinsam mit einigen Schülerinnen und da wir uns um diese Zeit normalerweise alle in der Kirche zum Rosenkranz beten befinden, haben wir gleich mal den Rosenkranz mit der Arbeit verknüpft. Ungefähr 2 Stunden brauchten wir mit allen 20 Helfern um die Erdnüsse zu sortieren.
Die Erdnüsse haben wir dann auf einem großen Haufen auf der Terrasse gesammelt. Anschließend werden die Nüsse geschält. Das ist eine ziemlich ermüdende Arbeit, denn nach der 150. Nuss schmerzen die Finger sehr und der Ertrag erscheint winzig im Vergleich zur Mühe, die man mit der Erdnuss-Ernte hat.

Die im Norden Ugandas bekannteste Verarbeitungsform der Erdnüsse ist das sogenannte Odi. Um Odi zu produzieren, werden die geschälten Nüsse geröstet und dann durch langes Reiben und anschließendes Sieben von ihrer Haut befreit. Dann bringt man die Nüsse zur Mühle. Odi besteht allerdings nicht nur aus Erdnuss sondern auch aus Sesam. Zum Mahlvorgang gibt man also auch zuvor gerösteten Sesam dazu. Nach ungefähr 15 Minuten erhält man das fertige und super leckere Odi, was hauptsächlich zum Frühstück zusammen mit Süßkartoffeln oder Cassava genossen wird oder zum Kochen der ebenfalls für den Norden Ugandas typischen Speise Malakwan (Spinat ähnliche Blätter mit Odi gemischt).

Das war es auch schon zur Erdnuss 🙂 . Mich werden diese Erfahrungen deutlich bewusster und verändert durch den Supermarkt laufen lassen.

Ganz liebe Grüße in die Heimat, in die ich in weniger als zwei Wochen ja auch schon zurückkehre,

Eure Francesca

Vom Feld zum Mund, von der Nuss zum Odi

Hallo ihr Lieben,
heute möchte ich euch ganz kurz davon berichten, was die letzten Wochen hier im Konvent vor sich gegangen ist. Für mich hat das wieder einmal gezeigt wie unbewusst und einfach wir in Deutschland Nahrung zu uns nehmen können. Da heißt es nämlich, wenn man abends Lust auf irgendetwas hat: „Ich fahr noch schnell in den Supermarkt, bin gleich wieder da.“. Dann greift man schnell zweimal ins Regal, nimmt sich noch eine Dose gesalzene Erdnüsse als Snack mit und zu Hause auf dem Sofa genießt man diese dann. Wo die Erdnüsse herkommen, wo sie gepflanzt wurden, wer sie geerntet, getrocknet, geschält, sortiert und gesalzen hat, das spielt keine Rolle und den Großteil haben vermutlich sowieso Maschinen übernommen – unfassbar, wie technisiert und schnell (immer auf dem Sprung, stets im Stress des Alltags gefangen) wir leben.
Die Ernährung in Alenga steht im krassen Kontrast dazu. Und deshalb möchte ich euch heute davon erzählen wie Schwester Concentina und schließlich auch wir in den letzten beiden Wochen mit der Erdnuss-Ernte beschäftigt waren.
Die Erdnüsse wurden nach dem Ende der Trockenzeit (im Februar) gesät und dann regelmäßig von Unkraut befreit, während sie wuchsen. Vor ca. zwei Wochen hat die 85-jährige Sister Con schließlich angefangen die fertigen Erdnusspflanzen im Feld zu ernten und in den Innenhof zum Trocknen zu legen. Nach einiger Zeit war der gesamte Platz im Innenhof belegt und Sister hat die Pflanzen regelmäßig in der prallen Mittagssonne gedreht, damit die Erdnüsse trocknen. Eine Woche später war alles gut getrocknet und Sister begann die Nüsse, die an der Wurzel unter der Erde wachsen, von der Erde und der Pflanze zu befreien. Dabei halfen wir ihr dann gemeinsam mit einigen Schülerinnen und da wir uns um diese Zeit normalerweise alle in der Kirche zum Rosenkranz beten befinden, haben wir gleich mal den Rosenkranz mit der Arbeit verknüpft. Ungefähr 2 Stunden brauchten wir mit allen 20 Helfern um die Erdnüsse zu sortieren. Die Erdnüsse haben wir dann auf einem großen Haufen auf der Terrasse gesammelt. Anschließend werden die Nüsse geschält. Das ist eine ziemlich ermüdende Arbeit, denn nach der 150. Nuss schmerzen die Finger sehr und der Ertrag erscheint winzig im Vergleich zur Mühe, die man mit der Erdnuss-Ernte hat.
Die im Norden Ugandas bekannteste Verarbeitungsform der Erdnüsse ist das sogenannte Odi. Um Odi zu produzieren, werden die geschälten Nüsse geröstet und dann durch langes Reiben und anschließendes Sieben von ihrer Haut befreit. Dann bringt man die Nüsse zur Mühle. Odi besteht allerdings nicht nur aus Erdnuss sondern auch aus Sesam. Zum Mahlvorgang gibt man also auch zuvor gerösteten Sesam dazu. Nach ungefähr 15 Minuten erhält man das fertige und super leckere Odi, was hauptsächlich zum Frühstück zusammen mit Süßkartoffeln oder Cassava genossen wird oder zum Kochen der ebenfalls für den Norden Ugandas typischen Speise Malakwan (Spinat ähnliche Blätter mit Odi gemischt).

Das war es auch schon zur Erdnuss 🙂 . Mich werden diese Erfahrungen deutlich bewusster und verändert durch den Supermarkt laufen lassen… und euch?

Ganz liebe Grüße in die Heimat, in die ich in weniger als zwei Wochen ja auch schon zurückkehren werde,

eure Greta

Besuch aus der Heimat – Karibuni Uganda Mama und Papa

Liebe Leserinnen und Leser,
heute möchte ich euch von der schönen, abwechslungsreichen und aufregenden Zeit mit unseren Familien erzählen.

Drei Tage nach meinem Geburtstag brachen wir nach Kampala auf. Hier besuchten wir unsere Freundinnen Linda und Maike, die zentral in Kampala wohnen und gingen anlässlich meines Geburtstages auch nochmal feiern, was in Alenga ja absolut nicht möglich ist und sich ein bisschen mehr wie eine normale Geburtstagsfeier angefühlt hat: Mit Freunden Bier, Pizza und Kuchen (danke dafür nochmal!!) genießen und danach zum Tanzen in den Club. Gemeinsam hatten wir einen richtig schönen Abend! Am Tag danach brachen wir nach Entebbe auf, was ca. eine Stunde von Kampala entfernt ist. Wir fuhren also schon mal in unsere schöne Unterkunft, genossen die warme Dusche und das kuschelige Bett und holten dann unsere Familie vom Flughafen ab! Das war vielleicht ein tolles Gefühl, bekannte Gesichter wiederzusehen und in den Arm zu nehmen. Vorher waren wir aufgeregter als bei unserer eigenen Ankunft: Ob sie es wohl schaffen würden, durch die Kontrolle zu kommen, ob sie mit dem Visum alles richtig gemacht hatten usw. .. :-D. Zum Glück hat alles gut geklappt und die Vier (Mama, Papa, Conny (Francescas Mama) und Leon (Francescas kleiner Bruder)) schienen sogar einen angenehmen Flug gehabt zu haben.

Entebbe und Kampala

Gemeinsam verbrachten wir zwei Tage im schönen Entebbe, das direkt am Viktoriasee liegt. Da Francesca und ich ja Silvester hier gefeiert haben, kannten wir uns gut aus und führten unseren Besuch zu all den schönen Plätzen. Es war ein lustiges Gefühl für mich, die ja immer die Jüngste in der Familie war, meine Eltern herumzuführen, ihnen Dinge zu erklären und die Planung zu übernehmen. Wir besuchten den botanischen Garten Entebbes und unsere Mütter bestaunten eigentlich den ganzen Tag lang, wie schön denn alles blühe und wie grün die Natur sei! Ja, Uganda ist wirklich ein traumhaftes Land! Außerdem gingen wir an den Strand, aßen frischen Viktoriaseebarsch und feierten am Pfingstsonntag einen schönen Gottesdienst in Entebbe. Danach brachen wir dann nach Kampala auf. Für unsere Eltern ein ziemlicher Schock und ich war froh, dass wir erst ein wenig in Entebbe waren, damit sie sich eingewöhnen konnten. Die Hauptstadt Ugandas, sie ist einfach laut, voll, dreckig und beim ersten Mal ziemlich überfordernd. Zum Glück kennen Francesca und ich uns ja inzwischen aus, haben ein paar Freunde vor Ort und so verbrachten wir in Kampala sehr spannende Tage. Wir stellten unsere Eltern den Combonis und den Schwestern in Kampala vor, die sie sehr herzlich begrüßten und willkommen hießen. Außerdem fuhren wir mit ihnen im Matatu (öffentliches Taxi/Kleinbus) bis in das Stadtzentrum, wo wir die schönen Stoffe und Kleider auf dem belebten Markt bewunderten und gleich auch was einkauften. Natürlich fing ich auf dem Markt an zu handeln, erstens weil einem als Weiße grundsätzlich der doppelte Preis genannt wird und zweitens weil ich inzwischen die echten Preise für Stoffe gut kenne und mich deshalb erst nicht über den Tisch ziehen lassen möchte. Daran mussten Mama und Papa sich erstmal gewöhnen und es war ihnen zunächst auch etwas unangenehm. Außerdem waren unsere Familien sehr begeistert von dem schönen Markt mitten in Kampala. Dort gibt es alle möglichen Früchte und einheimischen Spezialitäten, die sie gleich mal auskosten durften. Darunter der typische Kochbananenbrei (Matooke), Erdnusssoße, Chapati/Rolex und ein Obstsalat mit Zuckerrohr, Stinkfrucht, Papaya, Avocado und vielem mehr. Hmm… ein kulinarischer Exkurs.
Am Ende unseres ausgiebigen Tages in der Innenstadt erlebten unsere Eltern dann noch die Rush-hour Kampalas. Aus dem Zentrum sind es, bei wenig Verkehr, ca. 15 Minuten bis nach Mbuya Hill, wo die Combonis wohnen. Wir haben dafür dann eine geschlagene Stunde gebraucht. Francesca und ich schlugen gleich zu Beginn vor, dass wir doch am besten ein Boda nehmen sollten, weil die Autos zu dieser Zeit im Stau stecken bleiben würden. Schon in Entebbe waren wir kurze Strecken mit dem Boda gefahren und Papa und Leon hatten auch richtig Gefallen daran gefunden. Doch die Mütter streikten. Also machten wir uns durch den Verkehr und die Menschenmassen auf die Suche nach dem richtigen Matatu. Als wir im Taxi saßen, ging es dann natürlich nur schleppend voran. Der Taxifahrer war typisch ugandisch, bremste in der letzten Sekunde und so auch ganz kurz vor einem die Straße überquerenden Laster. „Also diese Verkehrssituation ist so erschreckend, furchtbar, das muss doch bald alles zusammenbrechen und kollabieren…“ kommentierten unsere leicht verschreckten Eltern. Lange Rede, kurzer Sinn: Wir kamen in der Dunkelheit völlig erschöpft, aber voll von unvergesslichen Eindrücken an und rundeten den Tag mit einem gemütlichen Abendessen beim Inder und einer weiteren heiklen Uber-Fahrt ab.  😀
Am nächsten Tag machten wir Kulturprogramm. Gemeinsam besichtigten wir die Kasubi Tombs, wo wir viel über die hochspannende Kultur der Buganda (die größte Volksgruppe Ugandas) und ihrer Könige lernten. In den Tombs werden die Könige beerdigt und auf dem ganzen Gelände verteilt ihre zahlreichen Frauen und Kinder. Die Buganda verehren ihre Könige schon seit ewigen Zeiten und sind ihren alten Traditionen und Bräuchen noch heute treu und legen viel Wert darauf.
Im Anschluss besuchten wir noch das ugandische Nationalmuseum, das auch für Francesca und mich noch einmal viele neue Erkenntnisse über dieses vielfältige und facettenreiche Land brachte. Abends gingen wir dann gemeinsam mit Stan und Fafa (den wir zufällig bei den Combonis getroffen hatten) sehr lecker essen. Für uns war es schön, dass unsere Eltern bereits Stan gut kennenlernten, der ja für das ganze Jahr unser Mentor und unsere Bezugsperson ist, und außerdem zufällig die Chance bekamen Fafa kennenzulernen, der sich zuvor so lieb um uns gekümmert hatte. Zusammen gingen wir in ein sehr besonderes Restaurant Kampalas, in dem Francesca und ich gleich mal einen kleinen Kulturschock bekamen, weil alles so europäisch eingerichtet und zubereitet war. Das Essen war sehr lecker und Fafa, Stan, Francesca und ich probierten gemeinsam die Frösche, deren Fleisch erstaunlich nach saftigem Hühnchen geschmeckt hat.
Der Abend war sehr schön und ein toller Abschluss für die Tage in Kampala. Denn am nächsten Morgen war es schon soweit, dass wir gemeinsam mit Stan nach Alenga aufbrechen wollten. Die Aufregung bei allen stieg… !

Mit Mama und Papa in Alenga

 Am Mittwoch kamen wir gegen Mittag in Alenga an. Nach einer Fahrt, die schonmal einen kleinen Vorgeschmack auf die Straßen Ugandas gab. Durchgerüttelt und durchgeschüttelt wurden wir von den Schülerinnen und Schwestern in Empfang genommen, die mit Jubel und Gesang gleich mal alle neuen Gäste in den Arm nahmen, so wie es hier eben üblich ist. Im Anschluss lernten unsere Eltern die anderen beiden Priester und die Köchinnen bei einem schönen gemeinsamen Mittagessen kennen. Nachdem wir die vollgepackten großen Koffer ausgepackt und Mitbringsel, Geschenke und Leckereien sortiert hatten, machten wir eine kleine Alenga-Rundtour und gingen im Anschluss auf den kleinen Wochenmarkt. Hier zeigten wir unserem Besuch die typischen Leckereien und einige unserer Freunde. Natürlich kommt es hier nicht alle Tage vor, dass sechs Deutsche den kleinen Dorfmarkt besuchen und auch wenn sich die Bewohner Alengas schon an Francesca und mich gewöhnt haben, erregten wir viel Aufsehen und zogen die Aufmerksamkeit auf uns. Für unsere Eltern war der Markt mit Sicherheit ein aufwühlendes Erlebnis, denn dort wird man sehr mit der Armut und dem Leben von der Subsistenzwirtschaft hier konfrontiert. Meinen Vater bedrückte anschließend, dass er mehrmals nach Geld gefragt wurde oder danach, etwas für jemanden zu kaufen. Das passiert auch mir noch gelegentlich (inzwischen seltener) und zeigt das Bild des wohlhabenden Weißen, das tief in vielen Köpfen ist.
Am nächsten Tag zeigten wir unseren Eltern den Schlafsaal. Sie waren nachdrücklich begeistert wie weit das Projekt inzwischen gekommen ist und wie viel mit Hilfe eurer Spenden zustande kommen konnte! Geschockt waren sie davon, dass in dem jetzigen Schlafsaal auf engstem Raum 60 Mädchen schlafen müssen. Die Vorfreude der Mädchen in den neuen Saal zu ziehen steigt auch täglich…!
Außerdem besuchten wir alle gemeinsam Francescas Arbeitsplatz, die Krankenstation. Francesca zeigte und erklärte ihnen das Gelände, die einzelnen Abteilungen, von Labor zur Medikamentenausgabe und zur Entbindungsstation. Besonders genau schauten sie sich das Labor an, wo Dickens und Bernard, Francescas Kollegen, stolz ihr Equipment präsentierten. Von der Handzentrifuge bis zum Malariatest hatte Francesca die Chance Vieles zu erklären.
Meine Mutter war von der Tatsache geschockt, dass alle den Geburtenraum einfach betreten dürfen ohne Kleidung oder Schuhe zu wechseln. Die Gesundheitsversorgung hier im Dorf ist mit den deutschen Standards eben absolut nicht zu vergleichen und gerade auf die Sterilisation wird kein großer Wert gelegt. So schlafen auch alle Patientinnen in einem Raum, aufgeteilt nach Müttern, die entbunden haben, und Schwangeren mit Komplikationen, und Keime können sich schnell vermehren. Beeindruckt waren sie auch davon wie viele Schwangere zum Vorsorgetermin kamen und auf dem Boden saßen um dort stundenlang auf die Untersuchung zu warten. Die Schwangeren zeigen während der langen Wartezeit keine schlechte Laune, sondern unterhalten sich und tauschen die neuesten Geschichten aus.
Zudem unterrichtete ich am Freitag zwei Stunden Computer im ersten Jahrgang und so bekam unser Besuch die Chance sich den Computerunterricht anzuschauen. In den ersten Stunden nach den Ferien wird in allen Fächern zunächst das Examen vom letzten Term besprochen und so alter Unterrichtsstoff wiederholt. Anschließend arbeiteten die Mädchen praktisch an den Laptops und ich versuchte die Kontrolle zu behalten. Das ist nämlich nicht immer leicht, wenn wie im ersten Jahr 36 Mädchen an 9 Laptops arbeiten sollen, nach Möglichkeit alle mitmachen sollen und die Stromversorgung auch nicht immer klappt. Da heißt es dann oft „Greta, come here!“, „No, first come here, our power is off!“ und ich erkläre eigentlich gerade einer anderen Gruppe noch die Aufgabe. Nichtdestotrotz macht mir der Computerunterricht viel Spaß und den Schülerinnen erst recht. Leon war besonders erstaunt, dass er immer die Möglichkeit hatte allein an einem Computer in der Schule zu arbeiten, während die Mädchen in fünfer Gruppen arbeiten müssen. Aber hier ist es so besonders, dass Computer überhaupt unterrichtet wird, dass es bei vielen der Grund ist, warum sie unsere Schule in Alenga auswählen.
Nicht nur ich sollte während der gemeinsamen Tage in Alenga den Mädchen etwas beibringen, sondern auch mein Vater, der von Beruf Zahnarzt ist. Die kleine Aufklärungsstunde über Mund- und Zahnhygiene sowie den Aufbau des Gebisses war mir ein besonderes Anliegen, weil eigentlich jede Woche ein Mädchen über Zahnschmerzen klagt und die generelle Aufklärung über einfachste Zahnhygiene sehr schlecht ist. Zuvor haben mir die Mädchen berichtet: Ich putze meine Zähne nur morgens. Wenn das wenigstens für alle stimmen würde… Nach Papas Unterricht wissen sie jetzt zumindest wie wichtig es ist sich mindestens zweimal pro Tag die Zähne zu putzen und wie das richtig geht.
Schon Säuglinge bekommen süße Getränke und man kann bei vielen der Grundschulkinder schon schwarze Verfärbungen an den Schneidezähnen beobachten. Einige unserer Freunde, die kaum über 20 sind, haben schon verfaulte Zähne und riesige Zahnlücken.

Freitagabends luden die Schwestern uns und die Priester zu einem Festessen im Hof ein. Es gab die leckeren Gerichte der Schwestern wie zum Beispiel gegrilltes Hühnchen, Viktoriabarsch, Chapati und natürlich einen riesigen Kuchen zum Nachtisch, den unsere Mütter ganz romantisch zu zweit anschnitten und darüber lachten, dass das in Deutschland Brauch auf Hochzeiten ist. Nachdem alle völlig überfuttert in ihren Stühle saßen, kamen die Schülerinnen und hießen unsere Familien mit vielen Tänzen, Gedichten und Liedern willkommen. Diese liebevolle Geste rührte sie natürlich (mal wieder- wie eigentlich alles die ganze Zeit) sehr.
Am Samstag nahm Fr. Stan uns mit zu einer kirchlichen Hochzeit. Dies war auch für Francesca und mich die erste Chance eine kirchliche Hochzeit zu sehen, denn zuvor waren wir immer auf den traditionellen Introductions gewesen. Die Messe war etwas außerhalb von Alenga in einer der kleineren Kapellen und die Gemeinde feierte das Brautpaar sehr euphorisch. Das Brautpaar war schon seit vielen Jahren traditionell verheiratet und hatte sich jetzt mit über 60 Jahren noch zur kirchlichen Trauung in Weiß entschlossen. Im Anschluss an die wunderbar lebhafte Messe begaben wir uns zum Brautpaar nach Hause, wo es reichlich Programm, welches den Introductions ähnlich ist, und leckeres ugandisches Essen gab, von dem unsere Eltern natürlich eine viel zu kleine Portion nahmen. Es war eine wunderbare Gelegenheit für unseren Besuch so in die Kultur der Langi hineinschauen zu dürfen und wir wurden auch herzlich aufgenommen und behandelt, obwohl uns niemand kannte und wir für alle Fremde waren. Diese Offenheit und Gastfreundschaft in der Kultur ist ein großartiges Geschenk und wurde mir während dieser Tage wieder besonders bewusst.
Am Sonntag war es dann soweit, das Highlight in Alenga stand an: Der Gottesdienst. Während Francesca und ich auf unseren Stammplätzen beim Chor Platz nahmen, saßen unsere Eltern bei den Schwestern, denn von dort aus hat man die beste Sicht auf das wunderbare Geschehen in der Messe. Während Conny zu Tränen gerührt das Hosanna mitsang, schoss Leon fleißig Fotos und Mama und Papa begnügten sich damit die Lesung auf Englisch im Buch zu verfolgen, denn natürlich war die ganze Messe auf Lango.
Nach der Messe stimmte unsere Freundin Paska noch ein Lied an und schon waren alle begeistert in der Kirche am Tanzen und forderten unsere Familien zum Mitmachen auf. Für mich war es sehr schön zu sehen, dass meine Freunde hier sich so über den Besuch meiner Eltern freuten, euphorisch mit ihnen tanzten und sangen und alle die Zeit so in vollen Zügen genossen.
Die Zeit in Alenga sollte besonders schön abgerundet werden durch Besuche bei unseren besten Freundinnen, Anna sowie die Schwestern Mary und Paska. Alle wollten uns unbedingt einladen und haben, zunächst zum Bedauern unserer Eltern, weil die Angst hatten, dass gleich zwei Ziegen und Hühner für sie geschlachtet werden, auch kein Nein akzeptiert. Im Nachhinein waren sie dann aber doch sehr froh, dass sie die Chance mitgenommen hatten, denn die Besuche verraten natürlich nochmal viel über das Leben der Bewohner Alengas. Wie immer wurden wir alle sehnsüchtig erwartet, es gab unglaublich viel zu erzählen und reichlich zu essen. Leon machte sich wieder viele kleine Freunde, indem er Luftballons und Süßigkeiten verteilte und Fotos machte und sie den Kindern im Anschluss zeigte, was stets für große Begeisterung sorgt.
Besonders beeindruckt waren alle, weil die Gastgeber gerne und mit vollem Herzen alles für ihre Gäste geben und schön machen. Hier ist es Brauch, dass man die Gäste so herzlich willkommen heißt wie man kann und nie geizig mit Besitz und Eigentum umgeht. Alles wird gerne geteilt und zubereitet. Conny war angetan davon, dass die Menschen so viel mehr im JETZT leben und dadurch den Augenblick viel mehr genießen können als wir, die von der stressigen Konsumgesellschaft geprägt sind. Während viele der Deutschen die Einstellung haben stets zu sparen, zu sparen, zu sparen und den letzten Cent umzudrehen, auch wenn sie das nicht müssten, wird hier verbraucht, was da ist und nicht gegeizt. In Deutschland wird aus meiner Sicht oft unnötig gespart. Vielleicht ein Euro macht den Unterschied an der Fleischtheke zwischen Biofleisch und Massentierhaltungsfleisch aus und gekauft wird natürlich, obwohl man es besser wissen müsste, das Billigere. Ein runder Geburtstag wird nicht gefeiert, weil auf ein neues Auto gespart werden müsse. Hier erfahre ich alltäglich, wie unwichtig Materielles wird, solange man genug hat um seine Familie zu ernähren und für die Kinder eine Bildung garantieren zu können. Es ist so viel schöner, wenn man den Moment lebt, ihn mit seinen Liebsten genießt, statt sich ständig Sorgen zu machen. Von der Lebensfreude, die die Menschen hier verspüren, obwohl einige nicht wissen wie sie ihren Kindern die Schulbildung finanzieren sollen oder existenzielle Probleme nicht lösen können, könnte sich (fast) jeder Deutsche, der um seine Luxusprobleme kreist, eine Scheibe abschneiden.
Unsere erlebnisreiche Zeit in Alenga, die mir noch einmal vor Augen geführt hat, wie gut ich hier angekommen bin, wie sehr ich hier zu Hause bin und was für ein Geschenk all meine lieben Freunde hier sind,  neigte sich dem Ende zu und nach einem für unsere Eltern sehr schweren Abschied machten wir uns in unserem schicken Safariauto, das uns in Alenga abholte, auf in den Urlaub!

Safari Uganda- schöne Tage und viele platte Reifen

Die nächste Woche verbrachten wir in der wunderschönen und vielseitigen Natur Ugandas. Für Francesca und mich war es zum einen ein großes Geschenk, dass wir nun noch einmal intensive Tage des Austausches verbringen konnten und nach einer so langen Zeit ohne Familie wieder gemeinsam etwas erlebten. Zum anderen wissen wir es sehr wertzuschätzen, dass wir so einen großen Teil des Westens Ugandas und seiner reichen Naturschätze sehen durften. Winston Churchill sagte einmal, dass Uganda die Perle Afrikas sei und auch wenn ich viele Teile des Kontinents noch nicht gesehen habe, würde ich diese Aussage nach dem Urlaub ohne nachzudenken bestätigen. Von übergrüner, weiter Graslandschaft am Albertnil zu hügeliger Vulkanlandschaft mit Kraterseen zu dichtem Regenwald, Uganda ist mit einer Vielfalt gesegnet, die mich immer wieder beeindruckt.
Mir als Freiwillige fiel es nicht leicht als Touristin in Uganda unterwegs zu sein. Denn dadurch, dass ich mich hier inzwischen so zu Hause fühle, beschäftige ich mich auch viel mit der Rassismus- Problematik. Da bekommt man beim Tourismus oft Angst, dass die Kultur der Ugander nicht genügend wertgeschätzt wird, dass über sie hinweg bestimmt wird oder sie ausgenutzt und als Zootiere ausgestellt werden. Gerade die Beobachtung, dass die Besucher der Nationalparks zu 90% weiß sind, ist für mich eine traurige Tatsache, die das große Gefälle in unserer globalisierten Welt zeigt.
Meine Erfahrungen nach dieser Reise bestätigen aber, dass viele der Ugander (vielleicht auch durch ihre tolle Gastfreundschaft bedingt) den Tourismus sehr wertschätzen und ihre Natur gerne der Welt öffnen möchten, solange sie bewahrt bleibt. Der Tourismus ist natürlich auch hier – wie in so vielen Ländern der Erde – eine begehrte Einnahmequelle, die dabei hilft Infrastrukturen zu verbessern, die umliegende Dörfer zu unterstützen und die Nationalparks zu schützen. Uganda ist zwar ein noch sehr unentdecktes Reiseland, was wohl durch den langen Krieg und die Größe bedingt ist, hat aber inzwischen 1,3 Millionen Touristen pro Jahr. Durch den aufblühenden Tourismus werden natürlich auch Arbeitsplätze geschaffen und viele junge Leute erhalten die Chance auf einen guten Job.
Es ist sehr wichtig beide Seiten Ugandas sehen zu können. Für uns Freiwillige wäre es eine verpasste Chance, wenn wir das ganze Jahr in Alenga bleiben würden und so nur eine Seite dieses vielseitigen Landes entdecken können. Mir wäre dann der Eindruck hängen geblieben, dass es in Uganda hauptsächlich Armut und Dorfleben gibt. Dabei gibt es riesige, gut entwickelte Städte, wunderschöne Anlagen in den Parks und auch richtig gute Krankenhäuser und Universitäten. Hier entwickelt sich sehr viel und ich bin gespannt wie Alenga in zehn Jahren aussieht.

Ein kurzer Blick auf den Schlafsaal

Dank eurer großen Unterstützung – vielen Dank auch noch einmal an alle, die anlässlich meines Geburtstages gespendet haben, das hat mich sehr gefreut! – ist der Schlafsaal nun fast fertig. Die Wände sind verputzt, die Stromleitungen verlegt und wenn alles in zwei Wochen getrocket ist, wird gestrichen und eine Einweihungsparty gefeiert! Auch die 18 Dreistockbetten werden schon gebaut und die Moskitonetze sind bestellt. Ihr seht also: Es neigt sich dem Ende zu!

Zukunftspläne

Und auch in diesem Artikel möchte ich noch einmal um Spenden bitten. Die Meisten von euch haben schon so viel gegeben und das freut mich jeden Tag aufs Neue, aber seit das Sammeln der Spenden so erfolgreich läuft, kommen uns auch viele neue Ideen in den Kopf. Zum Einen möchten wir dem Health Centre gerne ca. 2500 Euro bereitstellen, damit ein Zaun um das Gelände gebaut werden kann. Momentan fehlt dieser Zaun und so laufen erstens ständig Kühe, Schweine oder streunende Hunde, die Krankheitserreger übertragen, über das Gelände und zweitens sind die Krankenschwestern nicht geschützt und fühlen sich sehr unsicher, wenn sie die ganze Nacht alleine Dienst haben.

Zum Anderen gibt es die Möglichkeit für zwei Mädchen eine Patenschaft für das dritte Ausbildungsjahr, das seit diesem Februar neu bei uns an der Schule ist, zu übernehmen. Dort erlangen sie zusätzlich zur Schneiderinnenausbildung eine Designlehre. Die Kosten für das dritte Ausbildungsjahr belaufen sich auf 280 Euro. Das Geld kann gerne auch in Raten bezahlt werden. Bei Interesse an einer Patenschaft, meldet euch gerne bei mir unter greta.berges@gmx.de.

Die Spendenadresse ist:

Comboni-Missionare KöR, 73479 Ellwangen

IBAN: DE66 6145 0050 0110 6170 15

BIC: OASPDE6AXXX

Verwendungszweck: MaZ Margareta Berges (628) Alenga, Uganda

So meine Lieben, das war es auch schon wieder von mir. Ich bin auf der einen Seite seeehr traurig, dass mir nun nur noch 4 Wochen in Uganda bleiben. Auf der anderen Seite wächst natürlich auch mit der Zeit ein bisschen die Vorfreude auf zu Hause und darauf alle wieder zu treffen… Jedenfalls werde ich die letzten Wochen hier noch einmal genießen, da die Schule ja wieder angefangen hat, arbeite ich bis zum Ende noch einmal besonders intensiv, was mich aber sehr freut, da die Arbeit als Lehrerin mir während des Jahres große Freude bereitet hat. Außerdem stehen noch ein paar Feste an: Momentan bereiten wir gerade die Examensfeier für die Jahrgänge aus 2016 und 2017 vor, die im Juli stattfinden wird. Dort werden wir dann auch unser Theaterstück mit den Mädchen vorführen.

Bis ganz bald, ich freue mich von euch zu hören,

eure Greta

Buscalan (#5)

Hallo zusammen,

Inzwischen sind schon mehr als 75 % meines Einsatzes hier auf den Philippinen Geschichte. Ganz besondere Erfahrungen, die ich natürlich niemandem vorenthalten möchte, konnte ich in der Kar- und Osterwoche sowie den darauffolgenden Tagen machen. Zum besseren Verständnis und zur besseren Orientierung habe ich eine Karte erstellt, auf der die Orte markiert sind, die ich auf den Philippinen schon besucht habe. 

Gefährten vom Dach

Am Donnerstag vor Palmsonntag machten Simon, Peter und ich uns auf den Weg nach Buscalan. Zum einen wollten wir unseren Freund Theo dort wiedersehen, zum anderen reizte uns die Erfahrung, nachdem uns Theo und Peter schon vieles über das Dorf und die Menschen vor Ort berichtet hatten. Moritz konnte leider nicht mit, weil er den Besuch seiner Eltern erwartete. Früh morgens gegen sechs Uhr kamen wir in Bontoc, der nächstgrößeren Stadt, an. Wir gingen kurz auf den Markt, um noch einiges Gemüse und Obst für unseren einwöchigen Aufenthalt zu besorgen, bevor wir dann gegen viertel acht auf das Dach des Jeepneys kletterten, das uns ein Stück weiter in Richtung Buscalan bringen sollte. Schon vom Dach aus konnten wir eine atemberaubende Landschaft bestaunen, die sich uns überall bot. Die Straße war nicht gerade sonderlich breit, weshalb sich das Ganze manchmal etwas abenteuerlich gestaltete. Nichtsdestotrotz kamen wir wohlbehalten an der nächsten Station, einem kleinen Store an. Dort fanden wir einige Motorradfahrer vor, die darauf warteten, Leute zum sogenannten „Turningpoint“ zu bringen. Inzwischen war unsere Gruppe schon um drei weitere Leute gewachsen, die wir auf dem Dach des Jeepneys kennen lernten. Auch die Fahrt mit dem Motorrad war recht spannend, denn abgesehen vom Zustand der Straße hatten wir einiges an Gepäck dabei. Am Turningpoint kamen wir aber wiederum sicher an. Von dort aus machten wir uns ans letzte Stück Weg, das uns noch vom Dorf trennte, nämlich den Fußweg, der zunächst abwärts in ein schmales Tal mit einem Wasserfall und von dort wieder nach oben ins Dorf führte. Das hört sich alles etwas idyllischer an als es war, denn wir haben einige zig Höhenmeter überwunden, was in aller Herrgottsfrühe um ca. neun Uhr inklusive Gepäck nicht so ohne ist. Buscalan liegt zudem noch auf ca. 1000 Metern Höhe, was dem Aufstieg noch einmal einen eigenen Geschmack verleiht. Aber auch dieses Hindernis konnten wir überwinden und wir erreichten schließlich das Dorf. Dort wurden wir von unserem Freund Theo, der insgesamt schon einige Monate in Buscalan weilt, am Checkpoint empfangen. Da auch Peter im Dorf kein unbeschriebenes Blatt ist, konnten wir ihn als unseren Guide für die Woche nehmen, was die Registrierung beim Checkpoint sehr viel angenehmer machte. Untergebracht wurden wir in einem sogenannten „homestay“, der Übernachtungsmöglichkeit, die sich bei verschiedenen Familien im Dorf dort bietet. Der Preis für die Übernachtung stellt zudem gratis Reis und Kaffee bereit, welches beides im Dorf selbst gepflanzt und weiter verarbeitet wird. Da sich das Dorf vor einige Jahren den Touristen öffnete, um die Kultur mit diesen zu teilen, wurde eine Einrichtung wie der Checkpoint zur besseren Organisation nötig.

Einige Informationen vorab

Buscalan liegt in der Provinz Kalinga und bildet das eigene, gleichnamige Barangay. Dort leben die „Butbut“, eine eigene Volksgruppe mit langer Tradition und sehr interessanter Vergangenheit. Sie sprechen ihre eigene Sprache, ebenfalls „butbut“ genannt. In früheren Zeiten waren die Menschen, die dort leben, vor allem aufgrund ihrer „headhunter“, in der Umgebung berühmt berüchtigt. Als Headhunter bezeichnete man die Krieger des Dorfes. Bei Kämpfen mit benachbarten Dörfern oder anderen Feinden wie beispielsweise den Japanern im zweiten Weltkrieg trennten diese nämlich die Köpfe der getöteten Feinde ab, um diese zur Abschreckung weiterer Angreifer in der Nähe des Dorfes zu postieren. Heutzutage zieht es viele Touristen aufgrund der traditionellen Tattoos dort hin, die Männer zu damaliger Zeit durch Headhunting, Frauen aufgrund ihrer Schönheit erhalten haben. Die Tattoos werden nicht mit einer Maschine, sondern von Hand gestochen. Dazu verwenden die Tätowierer zwei Stöcke: In einem befindet sich ein kleines Loch, in welches ein Dorn gesteckt wird. An diesen wird immer wieder die Farbe geschmiert, die auf ganz natürliche Weise aus Kohle gewonnen wird. Mit dem zweiten Stock wird nun vorsichtig auf den Stock mit dem Dorn geklopft und so die Tinte in die Haut übertragen.

Die Bekannteste und zugleich mit ungefähr 100 Jahren die drittälteste Person im Dorf, Whang-Od tätowiert auch heute noch Touristen. Aufgrund ihrer eingeschränkten Sehfähigkeit und dem großen Andrang an Wochenenden und Feiertagen beschränkt sie sich inzwischen aber nur noch auf kleinere Tattoos. Für größere sind beispielsweise Grace und Elyiang, die das Handwerk ihrer Großtante fortführen möchten, oder auch andere Tattoo-Künstler aus dem Dorf zuständig. Whang-Od ist es selbst ein großes Anliegen, diese Tradition zu bewahren und an die nächste Generation weiterzugeben. Wer sich weitere Informationen zu diesem Thema holen möchte, dem seien diese Dokumentationen empfohlen: 

Im Dorf angekommen

Nach unserer Ankunft machten wir uns zunächst einmal zu unserem Homestay auf, um unser Gepäck abzuladen und die erste Tasse Kaffee zu trinken, die einfach nur hervorragend schmeckte. Danach haben wir uns mit Peter zunächst einmal ein wenig im Dorf umgesehen. Da zwei unserer Gefährten vom Dach bereits am nächsten Tag schon wieder abreisen wollte, begaben wir uns mit diesen auch direkt zu einer der Tattoo-Künstlerinnen. Dort konnten wir dann das erste Mal beobachten, wie die Tattoos gestochen werden. Auf dem Heimweg beobachtete ich dann noch einige Männer beim Schachspielen. Da die anderen schon weitergelaufen waren, konnte ich den Weg zurück zum Homestay aufgrund meiner Verwirrung und mangelnder Ortskenntnis nicht finden. Die Leute vor Ort waren aber sehr freundlich und hilfsbereit, sodass mir ein Mann seinen Sohn voraus schickte, um mir den Weg zu zeigen.

Den Abend ließen wir dann nach dem gemeinsamen Kochen und Essen noch gemütlich ausklingen. Der Reis aus Buscalan ist nicht, wie man ihn üblich kennt weiß, sondern meist rot. Einen wirklichen geschmacklichen Unterschied konnte ich nicht feststellen. Aufgrund der großen Anzahl an Menschen müssen sich die Leute aus dem Dorf aber auch zusätzlich noch mit Reis aus der Umgebung wie z.B. aus Tabuk eindecken. Gemeinsam mit uns im Homestay waren außerdem noch eine französische Tattoo-Künstlerin sowie der Amerikaner Gabriel.

Am nächsten Morgen trafen Simon, Gabriel und ich uns mit Theo, um ihm zu helfen, für den Store der Familie, bei der er lebt, einige Dinge vom Turningpoint abzuholen. Insgesamt liefen wir zwei mal dorthin und wieder nach oben ins Dorf, unterbrochen von einigen Essenspausen am Turningpoint und im Dorf sowie einigen Trinkpausen am Wasserfall. An ebenjenem konnten wir am Nachmittag dann auch noch die Gelegenheit nutzen und Baden gehen. Viele Jungs aus dem Dorf waren auch dort, oft im Adamskostüm unterwegs. Nach dem Baden sammelten sie aus dem Umkreis einer kleinen, trockengelegten Reisterrasse haufenweise Gestrüpp, Blätter und Äste zusammen, um daraus ein Feuer zu machen, an dem man sich wunderbar trocknen konnte.

Am darauffolgenden Tag machten Simon und ich uns zu einer kleinen Wanderung am Vormittag auf, die uns zur ein ganzes Stück oberhalb vom Dorf gelegenen Grundschule führte. Dort genossen wir die wunderbare Aussicht und das wunderbar sonnige Wetter. Gegen Mittag machten wir uns wieder auf den Rückweg ins Dorf, um mit dem Kochen anzufangen. Gabriel und die Französin waren am Morgen schon wieder abgereist. Gemeinsam mit Peter und Jan, einem deutschen Fotografen, machten wir uns am Nachmittag auf den Weg, um uns die Reisterrassen anzusehen, die das Dorf an der oberen Hangseite umgeben. Dort waren noch einige Frauen dabei, den Reis zu pflanzen. Das war wirklich beeindruckend zu sehen, mit was für einer Geschwindigkeit und Geschicklichkeit das vonstatten ging. Das Anpflanzen des Reises ist in Buscalan Sache der erstgeborenen Frauen. Man glaubt, dass das für die Ernte einen besseren Ertrag bringt. Nicht wenig verwunderlich also, dass einige ältere Frauen im Ort unterwegs sind, die extrem gebückt laufen.

Am nächsten Morgen brachen Peter und ich gemeinsam mit Jan, der sich auf den Rückweg begab, früh morgens nach Bontoc auf, um uns die Tickets für die Rückfahrt mit dem Bus zu organisieren.

Nachdem dies erledigt und wir uns wieder auf dem Dach des Jeepneys auf der Rückfahrt befanden, lernten wir bereits schon den nächsten Deutschen kennen. Auch er sollte ein Begleiter für die nächsten Tage sein.

Bei Charlie, dem Captain des Dorfes und dem Betreiber unseres Homestays, verbringen verschiedene Jugendliche ihre Sommer- und damit schulfreien Monate, um sich dort durch Mithilfe ihr Taschengeld aufzubessern. Da Brand, einer dieser Jungs bei Charlie, der Enkel des Captains aus dem Nachbardorf Butbut-Proper ist, bot sich für uns am darauffolgenden Tag die Gelegenheit, eine kleine Wanderung ins Nachbardorf zu unternehmen. Der Weg führte uns über die Reisterrassen und einen Pfad bzw. Straße am Berg entlang. Über die gesamte Zeit konnten wir dort die schöne Landschaft bewundern. Angekommen im Dorf konnte man schon einige deutliche Unterschiede feststellen: Das Dorf insgesamt wirkte schon einmal viel entzerrter und war viel lockerer strukturiert als Buscalan. Auch konnte man bemerken, dass die Dorfbewohner Weiße nicht so oft zu sehen bekommen wie die Leute aus ihrem Nachbarort. Nichtsdestotrotz wurden wir freundlich aufgenommen und vom Captain des Dorfes, Brands Großvater, zu einer Tasse Kaffee und ein paar Keksen eingeladen. Unser Rückweg führte uns dann über das Dorf Loccong, das auf dem Bergkamm oberhalb von Buscalan liegt.

Simon und ich verbrachten den nächsten Tag eigentlich hauptsächlich damit, für den Store von Theos Familie Bierkisten oder für die anstehende Hochzeit Holzstücke hoch zu tragen. Diese Holzstücke waren in etwa 70 cm lang und hatten einen Durchmesser von circa 20-25 cm. Als Dank für die Mithilfe wurden Simon, Peter und ich Abends noch bei der Familie der Braut zum Essen eingeladen.

Da der darauffolgende Tag der Geburtstag von Clarissa, einer der Mädels von Theos Familie, war, durften auch wir mit zur Geburtstagsfeier zum Wasserfall. Bei solch einem Anlass ist es üblich, dass das Geburtstagskind zwei bis drei Hühner für das Essen sponsert. Diese wurden am Wasserfall, über die Reisterrassen oberhalb des Dorfes zu erreichen, direkt gerupft und weiter zu Suppe verarbeitetet. Die Suppe wurde dann zusammen mit, wer hätte es gedacht, Reis gegessen. Wie es sich für so einen Anlass gehört, wurde der Reis und das Hühnchen dann auf Palmblättern, die auf dem Boden ausgebreitet werden, serviert. Bei den Filipinos ist das als „buddle fight“ bekannt. Eingenommen wurde das Mahl mit den Händen.

Obwohl wir uns schon am Nachmittag auf den Weg machten und uns das Warten aufs Essen mit Musik und diversen Getränken vertrieben, war es beim Baden im Wasserfall doch relativ frisch. Danach wurde allerdings wieder ein kleines Feuer gemacht, an dem man sich gut trocknen konnte. Mit der einsetzenden Dämmerung machten wir uns dann wieder auf den Weg zurück ins Dorf.

Am unserem letzten Tag machten Simon und ich uns dann früh morgens wieder auf den Weg zum Turningpoint, um dort das nach Bontoc fahrende Jeepney um neun Uhr zu nehmen.

Ein unerwartetes Event

Wir sollten aber schon am direkt darauffolgenden Freitag nach Buscalan zurückkehren, da wir während unseres ersten Aufenthalts von Charlie zur Hochzeit eines Familienmitglieds am kommenden Freitag und Samstag eingeladen wurden.

So machten Simon und ich uns am Donnerstag wieder auf den Weg in den Norden. Wir kamen wieder am Freitagvormittag im Dorf an und machten uns wieder zum Homestay bei Charlie auf. Dort trafen wir auf Peter, der immer noch dort weilte.

Die Hochzeit sollte am Freitag Abend beginnen. Bei den Hochzeiten gibt es unterschiedliche Varianten, je nachdem, ob das Pärchen schon Kinder hat oder nicht. Haben die Heiratswilligen schon Töchter bzw. Söhne, so entfällt die eigentliche Zeremonie und es findet nur die Feier statt. Andernfalls erfolgt für das Brautpaar eine Zeremonie. Bei der Hochzeit, an der wir teilnehmen konnten, hatte das Paar schon Kinder, weshalb am Samstag Nachmittag keine Zeremonie stattfand.

Als Vorbereitung auf die Hochzeit ist es Brauch, dass der Bräutigam und seine Freunde zwei bis drei Kalabaw, eine Art Wasserbüffel, der ganz viel zur Arbeit in den Reisfeldern eingesetzt wird, für das Essen stiftet. Für die Braut ist ähnliches angesagt: sie hat circa drei Schweine zu besorgen. Obwohl im ganzen Dorf Schweine unterwegs sind, die dort unterwegs sind wie anderorts Hunde und Katzen, werden diese nicht für diese Zwecke geschlachtet, sondern eigens gesonderte hergeschafft. Die Tradition verlangt es, dass die Freunde der Heiratenden die Tiere aus dem jeweiligen aktuellen Heimatort heranschaffen. Deshalb konnten wir am Freitag immer wieder Männer die Tiere, zum Teil schon geschlachtet und aufgeteilt, zum Teil noch lebend, an dünnen Stämmen den Berg hoch tragen sehen. Wenn man von dem Gewicht eines durchschnittlichen Schweines ausgeht, kann man sich vorstellen, was für eine schweißtreibende Arbeit das ist.

Am Freitag Abend versammelten sich also viele Leute zu Musik und Tanz auf einem kleinen Platz im Dorf, unweit von Charlies Homestay gelegen. Es war eine Abwechslung aus den traditionellen Tänzen mit eigenen Instrumenten, aus Sonderwünschen oder aus für jedermann angebotene Tänze. Zudem gaben ein paar Leute Gesangseinlagen zum Besten. Die traditionellen Instrumente sind Percussion-Instrumente. Sie ähneln ein wenig grifflosen Pfannen aus Kupfer in unterschiedlichen Größen, aufgehängt an einer Schnur. Darauf geschlagen wird mit einem der Größe entsprechenden Stock. Aufgrund der unterschiedlichen Größen und der Art, wie man darauf schlägt, entstehen natürlich unterschiedliche Klangfarben. Diese werden aus drei verschiedenen Pattern zu einem Rhythmus zusammengefügt. Während des Spielens tanzen die Männer hintereinander umher, währenddessen kommen irgendwann die Frauen hinzu, die innerhalb der Schlange der Männer eine eigene Schlange bilden und zur Musik tanzen. Der Tanz besteht aus Vor-und Zurückbewegen der zur Seite hin ausgestreckten Oberarme sowie verschiedenen Schritten der Füße. Die Videoaufnahme sollte den eben beschriebenen Ablauf etwas besser erklären.

Nachdem wir am Samstag Vormittag dann ausschlafen konnten und uns zum gemeinsamen Mittagessen mit Theo und einigen seiner Freunden und Freundinnen trafen, wurden am Samstag die Tänze des Vortages bis in die späte Nacht fortgesetzt. Wie bereits erläutert, entfiel eine Zeremonie für das Brautpaar. Als kleines Geschenk für das Brautpaar brachten wir eine Postkarte von Deutschland, original Bayerisches Bier und eine frisch gekochte Mahlzeit mit.

Am nächsten Morgen ging es für uns dann leider schon wieder zurück, da unsere Kinder und die Arbeit mit ihnen rief. Auf der Rückfahrt konnten wir noch einmal die schöne Aussicht vom Dach des Jeepneys genießen.

Der weitere Verlauf der nächsten Wochen

Den 1. Mai, der wie in der Deutschland Tag der Arbeit und somit Feiertag ist, nutzen wir zu einem verlängerten Wochenende und so machten Peter, Simon und ich uns erstmals gemeinsam mit Moritz auf nach Buscalan. Wir begaben uns am Mittwoch Abend auf unsere erneute Reise und kamen wiederum gegen sieben Uhr in der Früh an. Nach unserem Einkauf auf dem Markt liefen wir zum Jeepney, das uns nach Buscalan bringen sollte und luden unser Gepäck ab. Abfahrt ist um neun Uhr, so der Fahrer, weshalb wir die Zwischenzeit nutzen, um eine Kleinigkeit zu essen.

Als wir gegen dreiviertel neun Uhr die Straße Richtung dem Abfahrtspunkt liefen, sahen wir bereits eines wegfahren. Wir dachten uns zuerst nur: Gut, das wird schon nicht unseres gewesen sein, es fahren ja bestimmt noch andere in diese Richtung. Nachdem wir aber zwei Minuten später ankamen, stellten wir fest, dass es doch unseres war, das nun mit dem Gepäck auf dem Dach davon gefahren ist. Wir schnappten uns also schnell ein Trycicle und folgten dem Fahrzeug. Da nach einigen Kurven schon wieder einige Leute zustiegen, dauerte die Verfolgung nicht lange und wir konnten zu unserem Gepäck aufs Dach klettern. Angesichts der Vielzahl an Leuten im und auf dem Gefährt war es auch nicht weiter verwunderlich, dass der Fahrer nicht mehr auf weitere Passagiere warten wollte. Nach einer schönen, sonnigen Fahrt erreichten wir nach dem kleinen Fußmarsch wieder das Dorf. Auf dem Weg dorthin bemerkten wir, dass der Weg vom Turningpoint zum Dorf mithilfe dreier Bagger bearbeitet und so ein ganzes Stück breiter gemacht werden sollte.

In Buscalan angekommen trafen wir wieder Theo, der uns ein weiteres mal freudig begrüßte. Aufgrund der Vielzahl an Filipinos und anderer Touristen, die wegen des 1. Mais auf die selbe Idee wie wir gekommen sind, kamen wir in Charlies Homestay schon gar nicht mehr unter. Das war kein Problem, denn so kamen wir in Anna‘s Homestay in Theos und auch Charlies Nachbarschaft unter.

Die weiteren Tage waren nicht sonderlich spektakulär: Wir kochten wieder gemeinsam, halfen verschiedenste Dinge vom Turningpoint nach oben zu transportieren, waren unten am Wasserfall beim Baden und ein wenig im Dorf unterwegs. Dabei konnten wir wieder einige sehr interessante Leute kennen lernen. Wie bereits gesagt, waren aber wahnsinnig viele Leute da, was das Ganze etwas unentspannter machte. Die Dorfbewohner hatten alle Hände voll zu tun, alle Homestays waren bis auf des letzte Bett ausgebucht, jeden Tag kamen neue Touristengruppen ins Dorf, es wurde fast rund um die Uhr und überall tätowiert. Wir machten uns am Sonntagnachmittag dann schon wieder auf den Heimweg und waren Montag früh morgens wieder in Manila. Dadurch hatten wir noch genug Zeit, um uns für die Graduation der älteren Schüler und damit Highschool-Absolventen aus dem Center auszuruhen, die am frühen Nachmittag beginnen sollte.

Neben der Graduation war ein weiteres Highlight in den letzten Wochen die Segnung des Centers in Payatas, das Anfang das Jahres renoviert und umgebaut wurde. Neben einem größeren Klassenzimmer im Obergeschoss inklusive einer Toilette wurde im Untergeschoss ein abgeschlossenes Zimmer für die Küche eingerichtet. Der Unterricht mit meinen Kindern nimmt soweit seinen gewohnten Lauf, die Sommerhitze erschwert diesen allerdings etwas. Zum einen sind die Kinder etwas anders drauf und häufig etwas überdreht, zum anderen machen fast alle Kinder einen Mittagsschlaf, weswegen ich die Stunden am Nachmittag manchmal absagen muss.

Viele Grüße aus Manila

Jakob

Mein dritter Rundbrief

Hallo zusammen,

Inzwischen ist bei uns der Winter mit seinen angenehmen 25-30° C schon wieder vorbei und der Sommer naht mit großen Schritten. Das macht sich mit stetig steigenden Temperaturen sowie steigender Luftfeuchtigkeit bemerkbar. Die Sommermonate sind hauptsächlich April und Mai.

Abgesehen vom Temperaturumschwung hat sich wieder viel getan in den vergangenen Wochen:

Zwischenseminar in La Libertad

Zunächst einmal fand Ende Januar beziehungsweise Anfang Februar unser fünftägiges Zwischenseminar im Ort La Libertad auf der Insel Negros statt. Diese wird zu Visayas, der mittleren der drei großen Inselgruppen, gezählt. Zusammen mit 13 weiteren Freiwilligen, die einen Einsatz in den unterschiedlichsten Teilen der Philippinen absolvieren, verbrachten Moritz, Simon und ich das Seminar unter der Leitung von zwei Betreuern, die beide auch schon über längere Zeit auf den Philippinen gelebt und gearbeitet haben, mit verschiedenen Einheiten rund um unseren Einsatz. Nach dem Kennenlernen der gegenseitigen Einsatzstellen und dem Austausch von dort gemachten Erfahrungen, drehten sich die Einheiten vor allem um die kulturellen Unterschiede, worauf ich aber später noch genauer eingehen möchte. Zusätzlich konnten wir für unsere Arbeit mit den Kindern noch einige Anregungen und Tipps mit nach Hause nehmen. Des Weiteren stand noch ein persönliches Gespräch mit einem der Betreuer über unser Befinden an, um dieses dann unserer Organisation zurückzumelden.

Das Resort, in dem wir untergebracht waren, wird vom Ort La Libertad betrieben und ist eine Art Gemeinschaftsprojekt, das auf der Mithilfe einiger Leute aus den verschiedenen Ortsteilen und Dörfern basiert. Am Donnerstag hatten wir dann auch die Möglichkeit, den Bürgermeister, eine wirklich interessante Persönlichkeit, kennen zu lernen. Er lud uns spontan für einen Tagesausflug zu einer nicht allzu weit entfernten Sandbank ein, auf der die Gemeinde einige Häuser auf Stelzen über dem Wasser an Gäste vermietet. Dort war für Verpflegung reichlich gesorgt: neben Banana cue, Kamote (Süßkartoffeln, beides wird zunächst frittiert und danach durch darüber gegebenen und karamellisierenden Zucker gesüßt), frischer Buko und Bier ergab sich für uns die Möglichkeit, frische Seeigel und Austern zu probieren. Auf der Sandbank bot sich neben dem Schwimmen außerdem eine gute Gelegenheit, um zu Schnorcheln. Dort konnten wir neben Fischen und Seeigeln auch Seesterne finden. Abgerundet wurde unser Tag zurück im Resort dann mit einer Einladung zu Lechon, ein Spanferkel, das der Bürgermeister extra für uns zubereiten ließ, und danach zum Karaoke, welches bei den Filipinos überaus beliebt ist.

Auftritt im Music Museum

Des Weiteren fanden unsere Theaterproben ihren Höhepunkt in der Aufführung im Music Museum. Nach einer Critic ́s Night und einem Auftritt in Cavite, einem Konvent der Salvatorianer in Tagaytay City, sowie weiteren etlichen Proben ging dann am 24. Februar unsere Hauptaufführung im wahrsten Sinne des Wortes über die Bühne. Wir trafen uns bereits am frühen Morgen zum Schminken und zum Kostüme anprobieren, am Nachmittag standen dann ein Durchlauf mit Kopfbügelmikrofonen und allem Drum und Dran auf dem Spiel, bevor ab 19 Uhr die Zuschauer den Saal betraten. Darunter befand sich ein ganz besonderer Gast, nämlich eine Dame, die schon bereits zweimal als „National Artist“ für Theater nominiert wurde. Gegen 20 Uhr begann dann die Aufführung, welche zu unserer vollen Zufriedenheit verlief. Angesichts der Zahl an verkauften Tickets ist davon auszugehen, dass auch der eigentliche Zweck, Spenden für die Organisation zu generieren, erfüllt ist.

Program evaluation in Nasugbu

Vergangene Woche reisten dann das gesamte Personal aus beiden Centern unter der Leitung von Sister Frances und Sister Mila nach Nasugbu zur „Program Evaluation“. Nach der Ankunft am Dienstag in einem sehr schönen und großen Wochenendhaus, das uns eine mit den Salvatorianern befreundete Familie zur Verfügung stellte, drehte es sich die darauffolgenden Tage um die einzelnen Programme von Puso sa Puso: Welche Ziele aus vorangegangenen Plänen wurden erreicht? Welche Neuerungen oder Veränderungen gab es? Wie sieht es mit Plänen für die Zukunft aus? Dabei wurde natürlich auch unser Programm, das „Basic Home Base Tutorial Programm“ unter dem Namen „Eskwelahan ng Buhay“, unter die Lupe genommen und wir konnten unsere Sicht auf die Dinge teilen. Zudem machten wir uns über „non measurable benefits“ Gedanken, also welche Vorteile die Teilnehmer der verschiedenen Programme von Puso sa Puso haben, die nicht beziffert und gemessen werden können.

Zwischen unseren Meetings blieb natürlich immer wieder Freiraum fürs Kochen und gemeinsame Essen, Entspannen oder am Strand oder im Pool schwimmen gehen. Am Donnerstagnachmittag machten wir uns dann wieder auf den Rückweg. Dieser führte uns über den Konvent der Salvatorianer in Cavite, in dem wir eingeladen waren, eine Nacht zu verbringen. Es war schön, mit den dortigen Patern und Schülern ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen. Am nächsten Morgen traten wir dann den letzten Teil unserer Rückreise an, der uns über einige schöne Aussichtsplätze und Attraktionen, wie zum Beispiel den People‘s park in the sky oder Sonya‘s Garden führten, bei denen wir dann jeweils einen kleinen Stopp einlegten. Eine ganz wichtige Station, die bei den Filipinos auf keiner Reise fehlen darf, war dann auch noch das „Pasalubong-Center“. Als „Pasalubong“ bezeichnet man ein Mitbringsel von seiner Reise für Freunde und Familie zuhause. Dies kann von lokalen Essensspezialitäten bis hin zu Schlüsselanhängern alles Mögliche sein.

Abgesehen von diesen außerplanmäßigen Aktivitäten nahm natürlich der Unterricht mit den Kindern ganz normal seinen Lauf. Diese machen weiterhin Schritt für Schritt ihre Fortschritte. Mit dem Alphabet sind wir schon ein ganzes Stück weiter. Ich versuche natürlich während meinen Stunden die bisherigen Inhalte immer wieder zu wiederholen. Auch in anderen Bereichen merke ich deutliche Veränderungen, beispielsweise ihr Verhalten gegenüber den anderen Schülern.

Zu erwähnen ist außerdem noch Lorenz, ein Besucher aus München, der drei Wochen hier auf den Philippinen weilte, um sich Puso sa Puso genauer anzuschauen. Zwei Wochen verbrachte er jetzt hier mit uns in Manila, bevor es für ihn für die Karwoche nach Cavite weiterging.

Kulturelle Unterschiede

Wie angesprochen behandelt dieser Rundbrief die kulturellen Unterschiede, über die wir uns bei unserem Zwischenseminar ausgetauscht haben. Was man sich da zunächst einmal bewusst machen muss, ist die Existenz der anderen Kultur und die damit verbundenen unterschiedlich geprägten Ansichten. Eine unserer Einheiten, die das wunderbar darstellte, lief folgendermaßen ab: Zwei telefonierende Freunde sollen sich anhand einer Karte einen Weg durch eine Stadt bahnen. Allerdings hat Freund A eine Karte mit Beschriftungen, Freund B eine Karte ohne Beschriftungen. Der Clou an der Geschichte war, dass die Karten spiegelverkehrt waren, sprich ein Gesprächspartner redet die ganze Zeit von etwas, was für den anderen nicht klar ersichtlich ist, weil es sich für ihn auf der anderen Seite der Karte befindet. Solange man das nicht realisiert hat, führt das zu sehr viel Verzweiflung und Aufregung und man beginnt, alles Mögliche, auch sich selbst, zu hinterfragen. Wenn man allerdings realisiert hat, was der Unterschied zwischen beiden Karten ist, lässt sich die Aufgabe recht schnell lösen. Im übertragenen Sinne bedeutet das also, dass man sich zunächst einmal darüber im Klaren sein muss, dass die Kultur vor Ort Unterschiede zur eigenen aufweist und man nicht von den gleichen Gegebenheiten ausgehen kann. Hat man dies erst einmal verstanden, so kann ein guter Austausch erfolgen. Wichtig ist allerdings, so unsere Betreuer, seine eigene Kultur nicht komplett für die andere aufzugeben, da so kein Austausch entstehen könne.

Ein prägender kultureller Unterschied ist zunächst einmal das Zeitgefühl: Wir, die Deutschen, getaktet wie ein Uhrwerk und stets um genaueste Pünktlichkeit bemüht, gegenüber den Filipinos mit ihrer „Philipino time“, welche bedeutet, dass der Treffpunkt nicht auf eine präzise Minute beschränkt ist, sondern diese Minute und außerdem noch weitere eineinhalb Stunden umfasst. Das sind jetzt natürlich nur übertriebene Stereotypen, es gibt selbstverständlich auch hier sehr pünktliche Leute und auch Deutsche wie mich, die bei Weitem nicht zu den Pünktlichsten gehören. Dennoch ist dieser Unterschied hier nicht zu vernachlässigen, gerade bei der Planung gewisser Events. Verstärkt wird dieser Faktor hier in Manila vermutlich noch durch die Verkehrssituation.

Einen weiteren Unterschied stellt der Umgang mit Konfliktsituationen dar: während sich die Deutschen ihren offenen Umgang und das direkte Ansprechen von Problemen und Differenzen geloben, halten die Filipinos sich eher an die indirekte Kommunikation. Ein Problem (oder auch Kritik) wird über eine andere Person mitgeteilt, die im Prinzip als Mittelsmann fungiert.

Des Weiteren nimmt bei Filipinos die Familie einen anderen Stellenwert ein, als wir es hier in Deutschland schon vielerorts gewohnt sind. Die Familie ist der zentrale Dreh- und Angelpunkt im Leben. Die Familie umfasst allerdings nicht nur die Geschwister, Eltern und Großeltern sondern alles bis hin zur Großtante und Großcousine.

Wie ich schon selbst erfahren habe, können derartige Unterschiede leicht zu Verwirrung oder Missverständnissen führen, helfen aber nichtsdestotrotz, die Kultur besser zu verstehen.

Für uns steht in der kommenden Karwoche jetzt auch erst einmal nichts mehr Schultechnisches auf dem Plan. Daher sind Simon und ich am Sonntagabend mit Peter losgezogen und haben uns auf eine weitere Reise begeben, von der ich dann in meinem nächsten Blogeintrag berichten kann. Ich hoffe, Ihr konntet schöne und erholsame Kar- und Ostertage mit euren Familien verbringen!

Viele Grüße aus Manila

Jakob

Joy to the world-ein besonderes Weihnachtsfest in Alenga

Liebe Leserinnen und Leser,

ich hoffe, dass ihr eine schöne und besinnliche Weihnachtszeit im Kreise eurer Lieben verbracht habt. Das Weihnachtsfest ist ja immer ein besonderer Anlass um alle wiederzutreffen und gemeinsame Tage zu genießen.

Trotz der vielen Kilometer, die mich in diesem Jahr von meiner Familie in der Heimat getrennt haben, konnte auch ich die Advents- und Weihnachtszeit auf eine neue und sehr aufregende Art genießen.
Dank vieler Pakete unserer Familien haben wir die Wohnung schön dekoriert und viele Plätzchen, Christstollen und Schokolade gegessen. Da kam sogar richtig Weihnachtsstimmung auf, wenn wir abends im Kerzenschein zusammen saßen. Sobald wir die Wohnung verließen, schlugen uns allerdings die Hitze, die von der Trockenzeit geprägte Landschaft und ein völlig undekoriertes Alenga entgegen. Da fühlte es sich sofort eher nach Hochsommer als nach Weihnachtszeit an.

Gewöhnungsbedürftiger Weihnachtsschmuck

Als wir die Schwestern in der Adventszeit abends zum Essen einluden, fanden sie unsere Dekoration zwar sehr schön, aber Schwester Anne fragte uns deutlich verwundert, warum wir denn so früh geschmückt hätten. Sie kennen unseren Brauch z.B. vom Adventskranz schon, aber hier ist das nicht üblich. Auch in der Kirche fehlte der Adventskranz. Diese war lediglich in lila gehalten.
Die Schwestern begannen erst am 23. Dezember ihre Kapelle und ihren Speisesaal zu schmücken. Mit Begeisterung baten sie uns um etwas Hilfe, ihren Tannenbaum und ihre Krippe aufzustellen. Schwester Anne warnte uns zwar schon vor dem eher scheußlichen Plastiktannenbaum, doch uns stand der Schock wohl ziemlich ins Gesicht geschrieben, als sie die Deko auspackten, denn sie forderte uns gleich auf, sie bitte nicht auszulachen.
Mit Müh und Not verzierten wir das Plastikgebilde mit bunten Glitzer-Plastikgirlanden, Plastikkugeln und eine bunte, nicht funktionsfähige Lichterkette durfte natürlich auch nicht fehlen… Die gleichen Girlanden fanden sich auch im Esszimmer wieder. Die Schwestern schienen sehr glücklich mit der Dekoration und der Vorfreude auf das anstehende Weihnachtsfest!

Zuvor hatten wir auch schon Pater Justin dabei geholfen, ihre Krippe aufzustellen, wofür wir ein bisschen Grünzeug aus dem Wald gesammelt hatten. Die Krippe der Priester besteht aus drei Porzellanfiguren und ist sehr geschmackvoll.
All diese Dekorationen haben uns mehr und mehr auf das Weihnachtsfest eingestimmt.

Geschenke und Chorproben

Außerdem verbrachten Greta und ich viel Zeit mit den täglichen Chorproben für das Weihnachtsfest und es war deutlich zu spüren, dass sich alle in der Gemeinde auf das Fest freuten und Vorbereitungen trafen wie zum Beispiel Unmengen an Lebensmitteln auf dem Markt einzukaufen und das Haus zu putzen.
Dadurch, dass wir die letzten zwei Wochen vor dem Weihnachtsfest gemeinsam in der Krankenstation gearbeitet haben und nebenbei auch sehr beschäftigt waren, hatten wir gar keine Zeit um traurig zu sein, dass wir zu Hause alles verpassen.

Schon Anfang Dezember verließen uns unsere Schülerinnen, die für die großen Ferien bis Februar nach Hause fuhren.
Zum Abschied verbrachten wir einen lustigen Tanzabend mit ihnen, schauten „Aristocats“ und überreichten ihnen unsere Weihnachtsgeschenke. Für jede hatten wir ein Foto ausgedruckt, einen kleinen Brief geschrieben und dank der Idee Sister Annes hatten wir auch für jede zwei Binden gekauft. Diese Binden aus besonderen Materialien und Stoff sind mehrmals verwendbar, gut auswaschbar und angesichts der sanitären Anlagen hier eine hygienische Lösung. Für Mädchen und Frauen aus den Dörfern Ugandas bringt die Menstruation deutlich größere Probleme mit sich als wir uns vorstellen konnten. Die erwerblichen Binden sind zu teuer, so dass oft nur eine einzige Binde während der gesamten Periode getragen wird oder komplett auf die Binden verzichtet wird und beispielsweise nur ein altes T- shirt in die Unterhose gelegt wird.

Vierter Advent und Heiligabend

Am Sonntag, den 24. Dezember, gingen Greta und ich wie immer morgens in den Gottesdienst. Die Gemeinde erwartete hier ein anderes Gesicht, denn Pater Pontianus war zu Weihnachten nach Alenga gekommen. Er hat keine eigene Gemeinde in Lira und deshalb laden ihn die Priester jedes Jahr ein. Er hielt die letzte Adventsmesse und übersetzte einige Teile der Predigt für uns sogar in Englisch, was wir als sehr aufmerksam empfanden.
Die Adventszeit ist auch hier eine besinnliche Zeit, in der man zur Ruhe kommen soll und sich auf die Geburt Jesu Christi vorbereitet. Aus diesem Grund wurde in der Kirche vier Sonntage lang nicht getanzt.
Im Anschluss an den Gottesdienst wurde dann als Vorbereitung für die Nachtmesse die Krippe bestückt – sogar ein Weihnachtsmann fand seinen Platz – und es wurden bunte Girlanden aufgehangen. Die lilane Verkleidung des Altars wurde entfernt und neue Dekorationen fanden ihren Platz.
Nach dem Gottesdienst besuchten wir unsere enge Freundin Anna um mit ihr gemeinsam zu kochen und zu essen und einfach nochmal Zeit miteinander zu verbringen. Wir übergaben ihr ein kleines Weihnachtsgeschenk, über das sie sich sehr freute. Anschließend besuchten wir noch kurz Sharon und Gloria, weil wir auch für die beiden ein Geschenk mit Nagellack vorbereitet haben, da sie unseren zuvor begeistert gelobt hatten.
Total satt zwängten wir uns am Abend in unsere frisch gebügelten Kleider und machten uns auf den Weg zur Kirche. Die Christmette war sehr schön und durch die Dunkelheit kam auch eine einmalig festliche Stimmung auf. Außerdem durfte endlich wieder getanzt werden! Darüber haben sich alle offensichtlich sehr gefreut und tanzten voller Freude über die Geburt Jesu Christi.
Während der Messe wurden noch ca. 40 Neugeborene getauft, was die festliche Atmosphäre verstärkte und in der Weihnachtsnacht auch ein schönes Symbol war. Hier ist es üblich, dass die Priester an Hochfesten oder besonderen Feiertagen viele Kinder auf einmal taufen. Eine einzelne Taufe wie wir sie aus Deutschland kennen, gibt es hier nicht.

Danach saßen wir gemütlich zusammen und haben eine kleine Bescherung gemacht, bevor wir mit unseren Familien telefonierten.

Das Weihnachtsfest

Am Morgen des 25. Dezembers ging es mit unserem Gottesdienstmarathon weiter. Wir verbrachten geschlagene vier Stunden in der Kirche. Zu Beginn kam ein Polizist und verkündete uns, dass alle nochmal das Kirchengebäude verlassen müssten, um die Sicherheitsvorkehrungen zu verstärken, weil in den Städten vermehrte Anzeichen auf Terrororganisationen zu finden seien. Deshalb müssten sich auch in den Dörfern alle Menschen zu schützen wissen und mehr auf die eigene Sicherheit achten. Eher halbherzig wurden dann alle Kirchgänger noch einmal durchsucht bevor sie das Gebäude wieder betreten durften.
Dann wurde eine schöne, lebensfrohe und ausgelassene Messe gefeiert. Für uns war es toll zu sehen, dass die Kirche kaum merklich voller war, als an einem normalen Sonntag und man nicht wie zu Hause einen Unterschied von 500 Leuten in der Weihnachtsmesse hat.

Im Anschluss an die Messe waren wir bei Mary und Pasca, zwei Freundinnen aus Alenga, und ihrer großen Familie zum Weihnachtsfest eingeladen. Hier feiern alle Familien am 25. Dezember und den Kindern werden auch einige Süßigkeiten oder Spielsachen geschenkt. Vom übertriebenen und überfordernden Geschenkewahnsinn, den Kinder in Deutschland oft erleben, ist hier nichts zu spüren. Das war für uns eine ausgesprochen angenehme Erfahrung und etwas, das wir wirklich nicht vermisst haben! Wir brachten für die Familie kleine Geschenke mit, einfach als Aufmerksamkeit und ein bisschen auch aus Gewohnheit.
Den Tag verbrachten wir dann damit, beim Kochen zu helfen, die Familie kennenzulernen und nette Gespräche zu führen. Es war wunderbar zu sehen, dass alle Kinder von Mary nach Alenga gekommen waren, um gemeinsam zu feiern! Die beiden kümmerten sich sogar um den Transport ihrer ältesten Schwester, die schon sehr krank und schwach ist, damit sie am Weihnachtsfest nicht allein sein muss. Das war ein tolles Bild: Vittoria, Mary und Pascas 90-jährige Mutter, feierte gemeinsam mit drei Töchtern, Enkeln und Urenkeln.
Mary und Pasca legen großen Wert auf die Bildung ihrer Kinder und Enkel und geben sich größte Mühe, damit alle eine angesehene Schule besuchen können und später finanziell unabhängig werden. Das ist gerade in Alenga etwas sehr Besonderes.
Beispielsweise Marys ältester Sohn arbeitet als Finanzbuchhalter in Kampala und lebt dort mit Frau und Kindern. Er zahlt nun die Ausbildungsgebühren seiner Schwester und hat zum Beispiel auch dem Fußballverein Alengas einen komplett neuen Trikotsatz mit Schuhen, Schonern und allem was dazu gehört, gesponsert.

Gegen Abend verließen wir die gemütliche Familienatmosphäre und trafen uns mit den Priestern und Schwestern zum gemeinsamen Abendessen. Wie immer an Festtagen gab es genug zu essen und trinken und die Stimmung war ausgelassen und fröhlich. Wir führten zu später Stunde sogar einige deutsche Tänze vor, das klappte eher schlecht als recht, war aber sehr lustig.
Dank der Päckchen unserer Familien konnten wir eine ganze Menge deutscher Süßigkeiten wie zum Beispiel Lebkuchen, Stollen, Marzipan und Zimtsterne mitbringen, über die sich alle sehr gefreut haben. Außerdem brachten wir für alle kleine und liebevoll ausgesuchte Geschenke mit.

Letztendlich wurde es so spät, dass die Priester sogar beschlossen die Morgenmesse ausfallen zu lassen, womit niemand ein Problem zu haben schien, da wir von den Ereignissen der letzten Tage noch total platt und übermüdet waren.

Boxing Day – 26. Dezember

Der zweite Weihnachtsfeiertag wird hier als „Boxing Day“ gefeiert, was gerade unter den Jugendlichen bekannt ist. So beschloss der Chor Alengas am 26. Dezember ein kleines Fest zu veranstalten, bei dem sie für die Schwestern und Priester lecker kochen. Außerdem kamen einige Beamte aus dem Bezirk, um das Projekt, das die Jugend gemeinsam mit Father Justin aufbaut hat, anzuschauen und sie in Theorie und Praxis weiter zu belehren. Dabei geht es um die Herstellung von Ziegeln und deren Weiterverkauf in Alenga und Umgebung. Auch wir waren dabei und brachten zum Nachtisch selbstgemachtes Mandasi (frittiertes Gebäck) und Haribo Gummibärchen mit, die alle mit Begeisterung probierten und genossen.

Ab in den Urlaub

Am 28. Dezember war es dann für uns endlich so weit: Mit gepackten Taschen standen wir um halb sieben an der Straße und warteten auf den Bus nach Kampala.
Über unsere Reise, die verschiedenen Orte und unsere Erlebnisse berichten wir dann im Februar ausführlich!

Am Ende möchte ich mich noch ganz herzlich bei allen bedanken, die dieses Weihnachtsfest nach meinen Zeitungsartikeln und dem Blogaufrug als Anregung gesehen haben, unser Projekt in Alenga in Form einer Patenschaft oder einer Spende für den Schlafsaal finanziell zu unterstützen! Ich freue mich unglaublich darüber, wie viele Menschen ihr Interesse zeigen und wie viel wir dadurch hier in Bewegung setzen können. Es ist ein schönes Gefühl zu wissen, dass das eigene Projekt in der Heimat Unterstützung findet und besprochen wird. Gerne könnt ihr mir bei Fragen und Anregungen unter Francesca.Cyris@yahoo.com schreiben!

Nun sende ich euch ganz liebe und gut erholte Grüße von den Ssese- Inseln im Viktoriasee, wünsche euch ein glückliches und gesundes Jahr 2018 und freue mich von euch zu hören!

Eure Francesca

von Veränderungen und zu viel Reis …

Hallo allerseits!

Nach guten drei Monaten auf den Philippinen melde ich mich nun wieder mit einem neuen Artikel…

Inzwischen hat sich hier viel getan – einfacher wäre es aufzuzählen, was gleich geblieben ist. Das wären dann in erster Linie die hohen Temperaturen, das zurzeit sehr verregnete Wetter und die Tatsache, dass die Zeit nach wie vor rasend schnell vergeht. Vom vielen Reis, welcher nach wie vor zu fast jeder Mahlzeit verspeist wird, darf man selbstverständlich auch nicht absehen.

Mittlerweile unterrichte ich seit fast zwei Monaten in Payatas – eine Arbeit, die erfüllt und gleichzeitig sehr viel Spaß macht. Die Begegnungen mit den Menschen und insbesondere den Kindern sind jedes Mal aufs Neue eine tolle Erfahrung.

Die besondere Gastfreundschaft fällt mir täglich unter vielem anderen wieder dadurch auf, dass, selbst wenn man schon lange keinen Hunger mehr hat, nochmal jemand auftaucht, der einem (oft selbstgekochtes) leckeres Essen anbietet – da fällt es wirklich schwer nein zu sagen. Es wird also viel ausprobiert und gegessen 😀

Der Verkehr und die lange Zeit, die man dadurch in Jeepneys und sonstigen „Gefährten“ verbringt, lassen einen auf jeden Fall sehr viel geduldiger werden. Nicht nur auf dem Hin- und Rückweg zur Arbeit, sondern auch wenn wir mal wieder auf dem Weg zum Konvent der Salvatorianer sind.

Dort haben wir in den letzten Tagen und Wochen sehr viel Zeit verbracht, um für ein großes Theaterprojekt zu proben, welches im Frühjahr 2018 mit den ersten Auftritten anläuft. Das tolle daran – auch hier haben wir wieder einmal die Möglichkeit nicht nur sehr viel für uns selbst mitzunehmen und zu lernen, sondern vielmehr werden die gesamten Einnahmen direkt in die Projekte von Puso sa Puso fließen, sprich ohne Abstriche für den guten Zweck eingesetzt.

Trotz alldem schaffen wir es immer mal wieder, an freien Wochenenden aus der Stadt rauszukommen und unseren Lungen ein wenig frische Luft zu gönnen. Die Landschaften sind wirklich beeindruckend und es gibt wahrlich noch sehr viel zu entdecken.

Strandszene am Hafen von Batangas

Ich glaube, wenn in Manila nicht schon längst alles weihnachtlich geschmückt wäre, hätte ich völlig vergessen, dass Weihnachten ja nun wirklich schon bald vor der Tür steht. Wahrscheinlich spielt die Tatsache, dass es hier nicht anfangen wird zu schneien, auch eine nicht unbedeutende Rolle.

Letztens sind wir in der Stadt doch tatsächlich über etwas gestolpert, was ein wenig an einen Weihnachtsmarkt erinnert hat. Allerdings haben wir vergeblich nach Dingen wie Glühwein oder Bratwürsten Ausschau gehalten – das kann man vermutlich als Anzeichen dafür deuten, dass mir das deutsche Essen und insbesondere auch guter Kaffee irgendwie fehlen …

Liebe Grüße aus Manila,

euer Mo

Safari ya Tanzania inaanza – die Reise nach Tansania hat begonnen

Nimefika – Ich bin angekommen

Hallo ihr Lieben!
Es wird Zeit, dass ich euch von meinem ersten Monat hier berichte!
Am 28. August bin ich mit dem Flieger in München nach Istanbul gestartet und dann weiter nach Dar Es Salaam. Dort hat mich dann zuverlässig meine Mitfreiwillige Iris Wallner abgeholt, ich war richtig froh, dass sie das gemacht hat und ich nicht auf irgendwen anderes warten musste. Nach einer Nacht in Dar Es Salaam sind wir weiter nach Morogoro in die Sprachschule gefahren. Dort habe ich den letzten Monat verbringen dürfen.

Shuleni ya lugha – in der Sprachschule
In der Sprachschule in Morogoro sollten wir nun die Grundlagen für Kiswahili lernen, denn in unserem späteren Einsatzort Mkuranga spricht so gut wie keiner Englisch.

Von Montag bis Freitag hatten wir Schule. Ich hatte ständig Einzelunterricht, da keiner mit mir zu der Zeit begonnen hatte Kiswahili zu lernen. Das war zwar anstrengend aber auch lustig, weil man mit den Lehrern auch Späße machen konnte. Jede Woche wechselt auch der Lehrer, damit ein bisschen durchgemischt wird.

Der Tagesplan sieht so aus:

08:00 – 10:00 Uhr Unterricht
10:00 – 10:30 Uhr Chai (Tee)
10:30 – 12:00 Uhr Unterricht
12:00 – 14:30 Uhr Mittagessen und Pause
14:30 – 16:00 Uhr Unterricht
16:00 Uhr Chai(Tee) und Pause
18:00 Uhr Abendessen

…also ziemlich viel Unterricht 😀

Mwisho wa wiki – Wochenende in der Sprachschule
Die Wochenenden in der Sprachschule waren nie langweilig. Den einen Tag sind wir in die Stadt (Morogoro) gefahren, dann waren wir Wandern in den Bergen oder auch auf dem Massaimarkt, alles in Begleitung der Lehrer. Es wurde sehr viel von der Schule aus organisiert.

Chakula – Essen
Nun zu einem der Grundbedürfnisse des Menschen: Essen. Hier in der Sprachschule in Morogoro gibt es fünf Mal am Tag etwas zu Essen, also reichlich!
Zum Frühstück gibt es wie bei uns Müsli, Brot mit Belag, Kaffee und Kaba (Kakao). Also wie in Deutschland – bis auf Wurst- oder Käseaufschnitte, die hab ich hier noch nicht gesehen.
Beim Chai (Tee) gibt es immer Tee, Kaffee und eine kleine Beilage wie Popcorn, süßes Brot oder Kekse.
Mittagessen und Abendessen sind hier warm und sehr europäisch geprägt. Was es immer gibt ist Reis, eine Soße mit Gemüse oder Fleisch, und so Grünzeugs. Dazu gibt’s abwechselnd Fisch, Fleisch, Pizza oder Lasagne.
Verhungern tut hier in der Sprachschule jedenfalls keiner – wie man erahnen kann.

Pesa – Geld
In Tansania gibt es Tansanische Schilling als Geldwährung. Momentan entsprechen 10 000 Tansanische Schilling 3,8 Euro.

Magari na kipilefti – Autos und Kreisverkehr
Hier in Tansania herrscht Linksverkehr, das ist definitiv eine Umstellung.
Selbst nach einer Woche bin ich in der Stadt noch erschrocken, wenn ich ein fahrerloses Auto hab rollen sehen, wobei der Fahrer natürlich einfach nur auf der anderen Seite am Lenkrad saß …
Wenn man am Beifahrersitz mitfährt und volle Sicht auf die Straße hat, hat man das Gefühl, man wäre ein Geisterfahrer und würde gleich mit den entgegenkommenden Fahrzeugen kollabieren.
Auch die Fahrweise hier ist anderes als in Deutschland, hier geht vieles durcheinander, und normalerweise schnallt sich keiner an, auch wenn Gurte da wären.
In Tansania ist die Geschwindigkeit auf 70 km/h begrenzt, auch in den Überlandstrecken. Ein Lehrer hat mir erzählt, dass der Staat diese Regelung erst vor ein paar Jahren eingeführt hat, da vorher so viele Unfälle passiert sind. Seitdem dauert das Reisen zwischen den Städten länger als zuvor.
Auf den Straßen sind hier hauptsächlich Pikipikis (Motorräder), Bagagis, normale Autos, Dalladallas, Basis (Kleinbusse), oder Lastwägen unterwegs. Regierungswagen erkennt man sofort an ihrem noblen Aussehen.
Die großen Straßen in Tansania sind gut ausgebaut. Ich finde, sie sind von der Qualität vergleichbar mit unseren Überlandstraßen. Also z. B. die von Schierling nach Eggmühl. So was wie unsere Autobahnen gibt’s hier nicht.

Kwa mara ya kwanza Malaria – zum ersten Mal Malaria
Diesen Montag war ich das erste Mal hier krank. Ich hab‘ mich gleich testen lassen auf Malaria. Die Malariateststation war ein kleines Häuschen direkt auf dem Schulcampus. Das Ergebnis war jedoch negativ. Also musste es etwas Anderes sein. Als es am Dienstag noch nicht besser war, bin ich noch mal mit Iris zum Malariatest. Um Malaria zu testen, stach der Doktor in meinen Mittelfinger und tat das Blut dann auf so eine Glasscheibe. Danach musste man nur zehn Minuten warten bis das Ergebnis fertig war. Diesmal ist das Ergebnis dann positiv ausgefallen. Wie mir der Doktor erklärt hat, hat sich das Malaria noch nicht sehr ausgebreitet gehabt und deshalb konnte er es gestern noch nicht erkennen. Als Medizin bekam ich ganz normal Tabletten. Mittwochabend war ich dann schon wieder ziemlich fit.

PS: Eigentlich habe ich bis jetzt immer ganz brav meine Malariaprophylaxe zu mir genommen, hab jetzt aber trotzdem Malaria bekommen. Jetzt hör ich erst mal auf damit, weil ich nicht denke, dass die Tabletten bei mir etwas nutzen.

„It’s not up to you“ – ,,Das ist nicht dein Problem”
Vorgestern, am Donnerstag, sind Iris und ich von Morogoro nach Dar Es Salaam gefahren, da wir in Dar Es Salaam noch Dokumente für das Visum nachreichen mussten. Danach soll es dann endlich in unsere Einsatzstelle nach Mkuranga gehen. Nach fünf Stunden Busfahrt sind wir in Dar Es Salaam angekommen. Dann mussten wir aber noch auf unseren Freund warten, der uns abholen sollte, denn er steckte im Verkehr fest. Der Busfahrer, mit dem wir beide mitgefahren sind, hat uns angeboten, bei ihm drinnen im Bus zu warten, da er meinte, dass es für zwei Weiße draußen im Dunkeln am Busbahnhof mit vier großen Koffern mit höchstwahrscheinlich teurem Inhalt, zu gefährlich sei. Im Bus haben wir uns noch zu dritt einen verpackten Kuchen geteilt, den wir als Abendessen gegessen haben. Irgendwann sind wir dann kurz draußen gestanden, weil wir uns ein anderes Taxi holen wollten. Jedenfalls hatte ich noch immer die Verpackung vom Essen in der Hand, und ich sah keinen Mülleimer, wo ich das wegschmeißen konnte. Also fragte ich den Busfahrer, wo ich das hinlegen sollte. Der lachte, nahm es mir aus der Hand, schmiss es auf die Straße und sagte: „It’s not up to you.“(=„Das ist nicht dein Problem“). In dem Moment fühlte ich mich richtig deutsch und ordentlich.

Den Rhythmus fühlen

Die allermeisten von uns haben irgendwann in ihrem Leben schon einmal einen Tanzkurs besucht und wissen daher auch ungefähr, wie man das Tanzen in Deutschland beigebracht bekommt. Man erlernt erst einen Grundschritt, dann vielleicht ein paar Figuren und der Takt wird eingezählt solange bis es sitzt. Am Wochenende vom 8. Auf den 10. September 2017 wurde mir auf die Frage, wie ich denn zu tanzen hätte, geantwortet, ich müsse mich einfach zum Rhythmus der Musik bewegen.
Marlene und ich hatten nämlich an dem besagten Wochenende die Möglichkeit bekommen bei der Feier der Patronin des Dorf namens Apata in der Nähe von Jauja mitzutanzen. Die Dorfpatronin ist die Virgen Navitad de Cocharcas, also eine der vielen Varianten der Jungfrau Maria in Peru. Ermöglicht wurde uns dies durch Aracelly, die ebenfalls in Lima wohnt, deren Familie jedoch aus Apata stammt. Sie ist die Cousine meiner Spanisch-Tandempartnerin und inzwischen auch eine gute Freundin.

Die Anreise und unsere ersten Schritte auf 3300 Metern
Unsere Reise begann Donnerstagnacht in Lima mit Cruz del Sur. Zu Cruz del Sur ist zu sagen, dass man für einen relativ guten Preis (Rund 80 Soles; das entspricht rund 20 Euro) sehr komfortabel reist. Aracelly hat uns diese Busgesellschaft empfohlen, da der Weg in die Berge häufig schwieriger ist als zurück und durch Sauerstoffanreicherung im Bus sind die Auswirkungen der Höhe geringer, sodass keiner von uns an allzu starker „soroche“ litt. So nennt man hier die Höhenkrankheit und sie macht sich unter anderem durch starke Kopfschmerzen, Kreislaufschwäche und Übelkeit bemerkbar.
In bequemen Sitzen, einer kleinen Filmauswahl und einem Busservice mit Getränken und Essen, waren wir rund sieben Stunden auf dem Weg nach Jauja. Da es die gesamte Zeit über dunkel war, konnten wir von den sich auftürmenden Bergen nur wenig sehen, sodass wir die Zeit nutzten um uns auszuschlafen.
Als dann schließlich die Sonne aufging, konnten wir zum ersten Mal die Landschaft von Jauja bewundern. Tatsächlich überragten die Gipfel der umgebenden Berge uns nicht so sehr, wie man es zum Beispiel von den Alpen kennt, da die lokalen Flüsse große Ebenen zwischen den Bergrücken geschaffen haben. In Jauja angekommen, machten wir nach langem Sitzen unsere ersten Schritte und ich war erstaunt, dass abgesehen von einem leichten Schwächegefühl, das mich auch den restlichen Tag über begleitet hat, nicht viel von der Höhe zu spüren war. Der Bruder von Aracelly, der am vorigen Tag bereits mit seiner Familie angereist war, holte uns ab und brachte uns nach Apata zu dem Haus seiner Großmutter. Dort konnten wir eine Kleinigkeit frühstücken und legten uns danach noch ein bisschen Schlafen um fit zu sein für das Fest am Nachmittag.
Viele Häuser in Apata sind ähnlich in ihrem Aufbau: Es gibt normalerweise einen kleinen Innenhof, in dem sich häufig die Küche in einem überdachten Teil befindet. An den Hof schließen sich rundherum mehrere Zimmer an, in dem die Mitglieder der Familie wohnen. In unserem Fall befanden sich alle Zimmer in einem zweiten Stockwerk und es gab eine weitere kleine Küche in einem der Zimmer.
Unterschiede zu Lima gibt es vor allem auch in dem Material aus dem die Häuser gebaut werden. Während die meisten Häuser in Lima, sowie das Haus von Aracellys Großmutter, aus Ziegelsteinen aufgebaut werden, gibt es in der Region um Jauja auch Häuser, die aus verdichteter Erde bestehen. Damit die Wände stabil genug sind, wird die Erde vorher mit Holzfasern und Steinen vermischt und gebaut wird nur im Winter, weil es dann weitestgehend trocken bleibt. Um alles vor dem Regen zu schützen, werden die Häuser mit Tonziegeln gedeckt und die Dächer ragen etwas über die Außenwände hinaus.

Den Rhythmus fühlen und improvisieren
Für die Austragung der Tänze und für die Musik sind an jedem Tag des Festes verschiedene Familien zuständig und so konnten wir uns bei der Familie von Aracelly beteiligen. Deshalb gingen wir am späten Vormittag mit Aracelly auf die Suche nach der traditionellen Kleidung eines „chutos“. So wird die Rolle genannt, die ich bei dem Tanz übernehmen sollte. Eigentlich hätte einer der Onkel von Aracelly mir vorher noch zeigen sollen, wie man ungefähr tanzt, jedoch bis Marlene ihre Tracht bekam und anlegte, was sich bei einigen Kleidungsschichten als sehr schwierig herausstellt, ging es danach auch direkt los. Das „orchestra“, das bereits den ganzen Tag über in dem kleinen Innenhof geprobt hatte, machte sich spielend auf den Weg zum Dorfplatz und vor ihnen zuerst die „chutos“, gefolgt von den tanzenden Frauen in ihren Trachten und den „mayores“, einer anderen Tanzrolle mit Maskierung. Dort angekommen wird getanzt und tatsächlich ist es nicht schwer den „chuto“ zu tanzen, in den Rhythmus zu kommen war für mich allerdings nicht ganz so leicht. Im Prinzip laufen die Tänze wie folgt ab: Die Geigen und eine Harfe des „orchestras“ beginnen leise zu spielen und alle bringen sich in Position und wenn die Bläser dazu einsetzen, fangen alle Tänzer an zu tanzen. Zu Beginn passiert das alles auf einer Stelle und später wird beim Tanzen dann der Dorfplatz umrundet und an jeder Ecke des Platzes gibt es für die Tänzer dann Bier. Dabei teilen sich immer mehrere eine Flasche Bier und es geht ein Glas reihum in das man einschenkt. Aufgrund der Höhenlage von Apata verzichtete ich allerdings vorerst auf das Bier, weil ich nicht wusste, wie mein Körper darauf reagieren würde. Im Prinzip lief in etwa so der gesamte Abend ab bis um 24:00 Uhr ein sogenanntes „castillo“, bei dem es sich um eine Konstruktion aus Bambusstäben handelt an die verschiedene Feuerwerkskörper befestigt sind, entzündet wurde.

Die Ruhe genießen
Am zweiten Tag konnten wir ausschlafen, denn für den Morgen war nichts geplant. Jedenfalls versuchten wir das, denn das „orchestra“ probte wieder morgens direkt unter unserem Zimmer. Gegessen wurde um 12:00 Uhr bei einer Tante von Aracelly mit vielen weiteren Verwandten und es gab jedes Mal sehr große Portionen, die man so aus Deutschland nicht gewohnt ist. Die harte Arbeit als Bauer in der Sierra braucht viel Energie und dementsprechend sind die Portionen. Die Bauern um Jauja herum arbeiten auch an den Wochenenden und außer zu Dorffesten gibt es eigentlich kaum Freizeit. Nach dem Essen wurde im Innenhof zur Musik des „orchestras“ getanzt und anschließend gingen wir mit Aracelly und ihrem Bruder sowie dessen Frau und Tochter auf eine kleine Wanderung zu einem nahe gelegenen Felsen, der in der Vergangenheit die Form einer Marienstatue hatte und deshalb als Wallfahrtsort für die Gemeinde von Apata dient. Dabei war es zum ersten Mal wieder richtig ruhig und man konnte die wunderschöne Landschaft um Apata herum genießen.
Später fuhren wir dann nach Huancayo, das etwa eine Stunde von Apata entfernt liegt und aßen etwas und besichtigten den „Parque de la identidat de huanca“, welcher als Denkmal für die Huanca-Kultur dient, zu der die meisten Menschen in der Region Junín gehören. Am Abend gingen wir wieder auf das Fest nach Apata und feierten mit den anderen.

Mystische Bergseen und ein Besuch auf dem Friedhof
Für den dritten Tag war ein Besuch der „laguna de paca“ geplant, um diese und andere Orte rund um Jauja ragen sich viele Legenden und ich möchte in einem späteren Bericht einmal auf Legenden aus Peru eingehen, denn es gibt eine große Fülle an Geschichten hierzu.
Der Sonntagmorgen lief eigentlich ab wie sonst auch, das „orchestra“ spielte, wir trafen uns bei einer Tante um zu essen und es wurde getanzt. Am frühen Nachmittag machten Aracelly und ich dann einen Spaziergang durch das Dorf und trafen dabei zufällig auf eine ihrer Tanten, die gerade auf dem Weg war um ihre vier Kühe von der Weide zu holen und bot an, dass wir dabei helfen können. Wirklich hilfreich waren wir zwar nicht, denn die Kühe kannten den Weg zurück in den Stall selbst, aber es war schön zu sehen, wie die Felder in Apata aussehen und wie die Tiere gehalten werden.
Anschließend besuchten wir -Aracelly, Marlene und ich- den lokalen Friedhof, um Blumen an den Gräbern von Aracellys verstorbenen Verwandten abzulegen. Danach ging es mit einem „collectivo“ nach Jauja und von dort aus weiter zur „laguna de paca“, wo wir einen Fährmann bezahlten um uns über den See zu fahren und uns ein wenig zum See zu erzählen. Es gibt eine kleine Insel in der Mitte des Sees von der man sagt, dass dort Nixen leben und es gibt einen Berggrat in Sichtweite des Sees der einem schlafenendem Menschen gleicht und deshalb „indio dormido“ genannt wird. Im Anschluss der kleinen Bootsfahrt aßen wir in einem Restaurant am See Pachamanca. Dabei handelt es sich um Fleisch und verschiedenes Gemüse, das in einer Kuhle im Boden mit heißen Steinen gegart wird. Wieder zurück in Apata packten wir nur noch unser Zeug, gingen kurz auf das Fest um nochmal etwas zu essen und ein paar Runden Tischfussball an einem der vielen Stände zu spielen und machten uns dann mit einer anderen Busfahrtgesellschaft auf den Heimweg nach Lima.

 

Angekommen in Manila – vom Dorf in die Millionenstadt

Liebe LeserInnen,

kamusta kayo? – zu deutsch: Wie geht’s euch?

Ich bin mittlerweile auf den Philippinen angekommen, die ersten Tage/Wochen sind gut überstanden und nun melde ich mich hier mit meinem ersten Blogeintrag.

Die Zeit vergeht hier unglaublich schnell – kaum in Manila angekommen, waren die ersten 3 Wochen auch schon vorbei und der Tagalog-Crashkurs absolviert. Bis jetzt gefällt es mir richtig gut hier, man wird mit einer großen Herzlichkeit und Gastfreundschaft behandelt und das doch sehr reislastige Essen mundet, auch wenn ich noch eine Weile brauchen werde bis alles probiert ist.

Das Klima ist zurzeit relativ mild – wir hatten das Glück, in der Regenzeit anzukommen, in welcher sich die Hitze meist in Grenzen hält (der blitzartig und häufig auftretende Regen leider nicht). Nichtsdestotrotz sind meistens Temperaturen über 30 Grad angesagt, welche man in Kombination mit der sehr hohen Luftfeuchtigkeit definitiv als gewöhungsbedürftig bezeichnen kann.

Die Stadt selbst ist kaum mit meinem Heimatort, dem 700-Seelen-Dorf Sonderbuch zu vergleichen, allein der Lärmpegel hier und die Menge der Menschen auf den Straßen, lässt ihn fast schon wie eine ausgestorbene und verlassene Siedlung erscheinen. Egal welches Verkehrsmittel man hier wählt, man sollte stets mehr Zeit einplanen, da Verzögerungen im Verkehr Alltag sind. Zum Glück genügt es oft, das Wort „Traffic“ auszusprechen und schon hat man einen überaus akzeptablen Grund für eventuelles Zuspätkommen angegeben.

In der kurzen Zeit sind wir schon ein wenig herumgekommen, an einem der ersten Wochenenden verschlug es uns bereits nach Batangas, ein Ort der ungefähr zwei Stunden außerhalb von Manila liegt. Dort durften wir an einem Teambuilding-Event teilnehmen und hatten gleichzeitig die Chance, das gesamte Puso sa Puso Team kennenzulernen.

Batangas Landschaft

 

Shercon Resort Batangas

 

Die nächsten Wochen schauen wir in einem Kindergarten in Manila den Teachers dort über die Schulter und versuchen uns einige Lernmethoden für unseren eigenen Unterricht anzueignen bzw. allgemein Erfahrungen im Umgang mit Kindern zu sammeln, bevor es dann mit der richtigen Arbeit in Payatas bzw. Parola losgeht…

Danke fürs Lesen und bis bald,

Moritz

 

Mein erster Rundbrief

Hallo!

Mit meinem ersten von vier Rundbriefen schicke ich viele Grüße von den Philippinen und einen herzlichen Dank an alle, die bisher Teil meines Unterstützerkreises sind oder es vielleicht noch werden (hierfür könnt ihr mich einfach über die Verantwortlichen kontaktieren). Um zusätzlich benachrichtigt zu werden, wenn ein neuer Blogeintrag von mir erscheint, könnt ihr mir auf der Seite cosamaz.org folgen, dann werdet ihr automatisch benachrichtigt. Nicht erschrecken, diese sollten zwei mal im Monat erscheinen, dabei handelt es sich aber nur um einen kurzen Text von circa einer halben Seite, also bei weitem nicht so lange wie die Rundbriefe.

Woche 1 
Meine Reise begann gemeinsam mit meinen Mit-
Freiwilligen Simon und Moritz wie geplant mit der Ausreise am 2. August.  Wir flogen abends gegen 22:00 Uhr von München aus über Maskat im Oman nach Manila und kamen dort wie geplant zur Ortszeit am Donnerstag gegen 21:00 Uhr an, die reine Reisedauer betrug damit circa 16 Stunden. Am Flughafen konnten wir gleich Father Artur, den Verantwortlichen für das Projekt und uns Freiwillige,  sowie Alex, einen der Freiwilligen aus dem Vorjahr, kennen lernen. Es ist wirklich super, dass Alex bis Ende August verlängern konnte, weil er uns so alles zeigen kann und wir nicht von Anfang an auf uns alleine gestellt sind, was die Sache deutlich erschweren würde. Vom Flughafen aus ging es für uns dann direkt in die Wohnung. Bei der Autofahrt konnte ich schon deutlich merken, wie sehr sich der Verkehr im allgemeinen und besonders die Fahrgewohnheiten der Verkehrsteilnehmer in Manila sich von meinem gewohnten Bild aus Deutschland unterscheidet. In der Wohnung angekommen, lernten wir gleich unsere weiteren Mitbewohner, zwei polnische Freiwillige namens Danusia und Piotr kennen, die bis Ende September in der philippinischen Metropole bleiben werden. Unser Appartement befindet sich in der Stadt Quezon City, einer der zwölf Städte in die Metropolregion Manila. Dort wiederum leben wir im Stadtteil New Manila, einer relativ neuen und wirklich sicheren Gegend. Unsere Wohnung selbst ist eine Anliegerwohnung einer netten Professorin, deren Haus sich direkt an unsere Wohnung anschließt. Das Appartement selbst besteht aus einem großen Wohnraum im Erdgeschoss, der sowohl Küche und Essbereich als auch Wohnzimmer und Arbeitszimmer verbindet. Außerdem befindet sich im Erdgeschoss noch unser Bad mit Dusche und WC. In den beiden Schlafzimmern im 1. Stock schlafen im Moment die beiden Polen sowie Alex und Simon. Aufgrund der momentanen Wohnsituation in der Wohnung schlafen Moritz und ich noch auf einer Matratze beziehungsweise einem Schlafsofa unten im Wohnzimmer, aber wir werden die Zimmer oben beziehen, wenn Alex beziehungsweise Danusia und Piotr abgereist sind. Meiner Meinung nach ist die Wohnung echt super, wirklich sauber und geräumig, sodass es im Moment mit sechs statt vier Leuten völlig in Ordnung ist. Die Lage ist außerdem klasse, weil man ungefähr gleich weit von den Einsatzstellen in Parola und Payatas entfernt ist, die Zugstation ist in weniger als fünf Minuten per Fuß zu erreichen, genau wie ein Supermarkt, eine Wäscherei,  die riesige Mall „Robinsons Magnolia“ und eine Eatery. Als Eatery bezeichnet man ein kleines Restaurant, in dem Filipinas oder Filipinos eine bestimmte Auswahl an Gerichten kochen, von welchen man sich eines oder mehrere aussuchen kann und in der Regel mit Reis kombiniert. Meine Erfahrung mit diesen Restaurants ist bisher wirklich gut, das Essen ist total lecker und zudem preiswert. All diese Dinge zeigte uns Alex in unseren ersten Tagen in Manila, außerdem noch wie wir zu Father Artur ins Konvent kommen, wie und wo wir kostenlos Geld abheben können, wo man Geld wechseln kann, wie und wo man das WLAN oder die Kosten für Strom bezahlt und noch vieles mehr. Auch aus diesem Grund bin ich Alex wirklich sehr dankbar, dass er sich dafür eingesetzt hat, noch länger in Manila bleiben zu dürfen. 

Der erste wirkliche Programmpunkt war für uns am Tag nach unserer Ankunft das Mittagessen im Konvent, bei dem wir uns mit Father Artur unterhalten konnten und er uns seine Wünsche und Regeln für eine gute Zeit und Zusammenarbeit mit ihm mitteilte. Im Konvent wurden wir an diesem Tag von allen total nett empfangen und begrüßt, dort leben neben Father Artur und einem weiteren Pater junge Männer aus Nachbarstaaten der Philippinen oder aus den Philippinen selbst, die anstreben Priester zu werden. Hierfür erhalten sie für mindestens ein Jahr im Konvent Englischunterricht. Das Wochenende und den darauffolgenen Montag hatten wir noch frei, um uns ein Stück weit einzugewöhnen war das wirklich sehr gut. Am Tag unserer Ankunft beziehungsweise am Tag danach kamen neben uns auch Alex‘ deutsche Freunde auf die Philippinen. Mit ihnen haben wir am Wochenende etwas unternommen, bevor sie am Sonntag losgereist sind, um ans Meer zu gehen. Alex hat uns außerdem seinen philippinischen Freund Jansky vorgestellt, mit dem wir den Sonntag verbracht haben. Mit ihm zusammen haben wir Adobo gekocht, ein typisch philippinsches und richtig leckeres Gericht mit Hühnchen oder Schwein und Soyasoße. Am Sonntagabend bin ich mit Moritz noch in eine nahe gelegene Kirche gegangen und ich war auch wirklich überrascht, wie viele Gottesdienstbesucher im Vergleich zu Deutschland da waren.

Woche 2
Unser Sprachkurs fand dann ab Dienstag im Konvent statt und wurde von den beiden Lehrerinnen Nica und Erika abgehalten. Hier lernten wir für zwei Wochen die Grundbegriffe und einige grammatikalische Strukturen, die uns im Alltag helfen sollten. Bis wir Tagalog wirklich fließend sprechen können, wird es mit Sicherheit noch lange dauern. Das stellt sich aber als kein schwerwiegendes Problem heraus, da in Manila sehr viel „Taglish“ gesprochen wird, also die Mischform aus Tagalog und Englisch. Doch gerade wenn die Arbeit im Slum beginnt, wird Tagalog mit Sicherheit sehr viel wichtiger werden.

Am Samstag starteten wir gemeinsam mit den Lehrern, die in Payatas, Parola und im Konvent arbeiten, zu einem dreitägigen Teambuilding-Seminar nach Batangas, circa 90 Kilometer von Quezon-City entfernt. Das gesamte Seminar verbrachten wir im tollen „Shercon Resort und Ecology Parc“. Neben den verschiedenen Programmpunkten und Vorträgen konnten wir alle Lehrer und Verantwortliche kennen lernen. Ursprünglich wollten wir am Tag unserer Abreise noch eine nahegelgene Vulkaninsel mit See im See anschauen, aufgrund der Wetterlage haben wir dieses Vorhaben dann aber vertagt.

Der Sprachkurs ging nach diesem verlängerten Wochenende in die zweite Runde, am Freitag wurde im Konvent der Todestag des Gründungsvaters der Salvatorianermissionen in Asien, Otto Hopfenmüller, zelebriert. Nach dem Gottesdienst in der Früh wurde dann neben Hopfenmüllers Leben die Philippinen, ihre Feste und die Gewohnheiten der Filipinos vorgestellt und die Feier mit dem Mittagessen abgerundet. Bei dem Vortrag wurden manche Stereotypen stärker oder weniger stark bedient, würde ich jetzt behaupten.

Woche 3
Da der vergangene Montag wiederum einen Feiertag darstellte, nutzten wir das verlängerte Wochenende, um nach Baler, einem Ort an der Ostküste von unserer Insel Luzon, circa 140 Kilometer Luftlinie entfernt von Manila, zu reisen. Wir, also Moritz, Simon, Anna, eine deutsche Bekannte von Simons Bruder, Alex und Peter, einer von Alex deutschen Freunden, sowie Aldrin, ein mit Alex befreundeter Filipino, starteten Freitag nachts mit dem Bus und waren in der früh um kurz nach fünf in der Unterkunft und zum Sonnenaufgang schon am Strand. Neben entspannen und am Meer sein haben wir uns am Samstag und Sonntag zwei Sehenswürdigkeiten in der Region angesehen: zum einen gibt es einen extrem schönen Wasserfall, genannt „Mother Falls„, der in einer gebirgigen Waldgegend gelegen ist. Hier waren wir außerdem Baden, was wirklich toll war, weil das Wasser im Vergleich zum Meer erfrischend kalt war. Am nächsten Tag haben wir uns den „Old Balete Tree„, einen über 600 Jahre alten Baum mit circa 12-15 Meter Durchmesser angeschaut, der im Prinzip aus tausenden Ästen besteht, die über diese lange Zeit so fest zusammengewachsen sind, dass man sowohl im Inneren als auch Außen gut herumklettern kann. 

Für diese Woche war eigentlich das Praktikum im Kindergarten angesetzt, das uns helfen soll uns an den Umgang mit den Kindern zu gewöhnen und die Aufgabe besser zu verstehen. Aufgrund von Unwettern war der Kindergarten Dienstags und Mittwochs geschlossen. Am Mittwoch sind Moritz, Simon und ich deshalb los, um uns „Parola“, den Slum in der Hafengegend, von Alex zeigen zu lassen. Da die angesetzte Messe im sogenannten Center, eine Wohnung die sich mit einem Lehrerzimmer vergleichen lässt, ausgefallen ist, sind wir vor dem Mittagessen mit den Lehrern schon los zum Slum. Parola an sich ist unterteilt in über 60 Gates, also Eingängen in den Slum, die sich entlang einer breiten Straße zum Hafen reihen. Ein Gate selbst haben wir nicht betreten, da Alex bereits schon seit einigen Wochen nicht mehr unterrichtet und deswegen nicht regelmäßig in sein Gate geht. Daher sind wir nur an allen Gates vorbeigelaufen, aber in keines reingegangen, doch auch diese Bilder waren schon sehr prägend.

Am Donnerstag stand der erste Tag im Kindergarten an. Bei diesem handelt es sich um einen privaten Kindergarten, die Kinder stammen also alle aus besseren Verhältnissen, weshalb zuhause teilweise nur Englisch gesprochen wird. Wie wir später erfuhren, ist das zum Teil ein Problem, da einige Kinder so kein Tagalog verstehen. Nach einer kurzen Vorstellung und ersten Einblicken durfte ich dann auch schon selbst an den Einheiten für die Kinder mitwirken. Neben spielen und essen waren einige Übungen zum Umgang mit dem Stift Bestandteil des Programms. Nachdem die Kinder dann abgeholt wurden, sind wir zum Essen mit den Erzieherinnen bei der Leiterin des Kindergartens eingeladen worden. Für nächste Woche sollten jeder von uns einige typisch deutsche Spiele oder Lieder vorbereiten, um diese den Kindern zu zeigen.

Am Freitag sind meine Mit-Freiwilligen, die beiden polnischen Freiwilligen und ich zu einer Jubiläumsfeier in den Slum „Payatas“ aufgebrochen. Gefeiert wurde das fünfjährige Bestehen von „Alsa Buhay“ in Payatas. Bei Alsa Buhay handelt es sich um ein Teilprojekt von Puso sa Puso und meiner eigentlichen Aufgabe, Kinder im Slum zuhause zu unterrichten und dadurch Bildung zu ermöglichen. Nach einer feierlichen Messe, bei der neben Father Artur und einigen Schwestern auch die Lehrer aus Parola sowie ein Großteil der Familien anwesend waren, folgten einige Aufführungen von verschiedenen Gruppen, die Teil von Puso sa Puso sind. Anschließend sind wir wiederum zum Essen mit den Schwestern und Lehrern eingeladen gewesen. Auch wenn ich noch keine wirklichen Einblicke in ein Gate in Parola hatte, konnte ich doch feststellen, dass die Struktur im Slum in Payatas eine andere ist, da die Menschen, die dort leben, nicht wie in Parola meist aus der Provence kommen und es als Übergang in die Stadt wahrnehmen, sondern über längere Zeit dort leben, weshalb der Aufbau und gewisse Strukturen schon verfestigen konnten.

Allgemein
Generell gefällt es mir bisher sehr gut hier auf den Philippinen. An die Klimaumstellung habe ich mich inzwischen ganz gut gewöhnt, mein Körper hat sich zwar nicht wirklich umgestellt denke ich, aber man stört sich nicht mehr so stark daran, dass man ständig schwitzt. Außerdem ist im Moment noch „wet season“, also die Regenzeit, das bedeutet, das Klima ist von weniger heißen Temperaturen („nur“ circa 30 ° C), viel Niederschlag und hoher Luftfeuchtigkeit (circa 85%) geprägt. Was ich in Manila als eher störend empfinde ist der Verkehrslärm und die hohe Luftverschmutzung, mit der man im Alltag ständig konfrontiert ist. Zum Teil mag das bestimmt auch daran liegen, dass ich bisher noch nie (bewusst) in einer Großstadt gelebt habe. Wiederum ein Vorteil an der hohen Verkehrsdichte ist, dass man zu jeder Tages- und Nachtzeit jeden Ort in Manila erreichen kann, sei es über Taxi, Bahn, Jeepneys, Tricycles oder Bus. Ein weiterer Aspekt, der den Alltag sehr positiv beeinflusst, ist, dass die meisten Filipinos wahnsinnig freundliche Leute sind, egal ob sie dich zum ersten Mal sehen, ob sie dich kennen oder nicht, egal wer, jeder hat immer ein Lächeln oder ein „Hallo, wie geht’s, wo kommst du her“ parat. Hier spielt vermutlich auch ein Stück mit rein, dass wir als Weiße oft ein Stück anders behandelt werden, egal ob wir es möchten oder nicht. Eine weitere Sache, an die ich mich (für mich) überraschend schnell gewöhnt habe, ist Reis, der in
nahezu jeder Mahlzeit enthalten ist. Das Essen generell ist hier richtig lecker und in Eaterys mindestens genau so günstig, wie wenn man es selbst zuhause zubereiten würde. Für mich ist das daher optimal, weil es kostet nicht viel Geld, ich muss es nicht selbst kochen und kann jeden Tag etwas anderes essen.

In den kommenden Wochen steht für uns dann noch das Praktikum im Kindergarten an, daraufhin wird für uns die wirkliche Arbeit an der Einsatzstelle beginnen. Bis dahin euch alles Gute, vielen Dank und bei Wünschen, Fragen oder Anregungen einfach kurz bei mir melden. 

Viele Grüße

Jakob 

 

P.S. Weitere Bilder findet ihr in den Einträgen meiner Mitstreiter oder über die verlinkten Begriffe 🙂

Was passiert eigentlich mit euren Spenden? – Teil 2

Hallo liebe Leser und Freunde,

Das Gebäude ist nun komplett fertig!

Am 2. Juli war das Haus zwar noch nicht ganz fertig, aber wir haben trotzdem mit der ganzen Schule eine kleine Einweihungsfeier gemacht. Die Schülerinnen haben am Vormittag gute Speisen gekocht und es wurde extra eine Ziege geschlachtet. Sister Anna und wir beiden wurden am Tor zur Schule für eine Prozession abgeholt und wir sind gemeinsam singend und tanzend zur Baustelle marschiert, haben das Gebäude einmal umrundet und anschließend auf der Veranda getanzt, um es zu segnen. Die eigentliche Feier folgte aufgrund des Schattens im vorderen Teil des Schulgeländes. Mit Essen, kurzen Reden, Liedern und Tänzen und lustigen Spielen war die Feier perfekt. Die Mädchen haben sich sehr bemüht und einiges vorbereitet und wir durften als Ehrengäste alles genießen.

Ein paar Tage später sind wir einmal von der Schule zum Convent gelaufen und dachten im Vorbeigehen: „Wow! Ist das ein schönes Haus!“ bis uns wieder einfiel, dass das ja das neue Haus ist. An diesem Tag konnten wir den ersten, weißen Anstrich genießen.

Danach waren wir ein paar Tage nicht in Alenga und bei unserer Rückkehr haben wir das Haus mit dem orangenen Anstrich in seiner strahlenden Pracht vorgefunden.

Wir sind sehr glücklich mit der Arbeit und dem Ergebnis und manchmal immer noch überwältigt, dass wir so etwas Großes aufgebaut haben, denn mit so viel Unterstützung hätten wir absolut nicht gerechnet! Wir möchten uns und auch im Namen der Schneiderschule und der ganzen Gemeinschaft in Alenga von ganzem Herzen bei allen Spendern bedanken! Selbst wenn die Gabe noch so klein war, hat sie einen guten Beitrag geleistet.

Am letzten Donnerstag haben wir das Haus offiziell mit einer Feier übergeben. Zu Gast waren unter anderem die Fathers, die Schulräte und alle Beteiligten der Schule. Die Schülerinnen haben wieder gesungen, getanzt und gekocht und es war ein schönes Fest mit traditionellem Band durchschneiden und Kuchen. Damit ist das Projekt offiziell abgeschlossen.

Jetzt wollen wir uns noch um Tische und Bänke bemühen, damit man mit diesem Raum auch etwas anfangen kann. Die Schülerinnen freuen sich schon, dort essen zu können und wer weiß, für was er noch verwendet wird. Möglichkeiten sind Unterricht, wenn die Klasse geteilt wird, Hochzeiten, Meetings und Schulfeste.

Und jetzt noch ein paar nicht mehr ganz so neue Neuigkeiten.

Im Juni hat sich unser Haushaltsalltag noch vergrößert. Seither haben wir immer bei den Priestern mitgegessen, doch jetzt hat sich das geändert. Wir haben einen Gaskocher und sogar einen Kühlschrank in unsere Küche bekommen und sind selbst losgezogen, um Geschirr und alles, was wir brauchen, zu kaufen.

Dafür sind wir auf den Wochenmarkt im nächsten größeren Dorf gegangen. Im Gegensatz zu Deutschland fängt der Markt immer erst nachmittags an und endet spät am Abend mit gemütlichen Bierrunden. Wir gehen allerdings nur zum Einkaufen hin. Auf dem Markt findet man neben Lebensmittel alles Mögliche, zum Beispiel Nägel, Schuhe, Geschirr und Stoffe. Wir haben dort das Meiste für unsere Küche gefunden. Unsere Eltern haben uns Anfang Juni bei ihrem Besuch ein paar wichtige Dinge wie Gewürze und Frühstücksaufstriche mitgebracht. Seitdem versorgen wir uns selbst. Wir versuchen, einheimische und deutsche Gerichte zu kombinieren. Die Auswahl ist nicht so groß, da wir viele Lebensmittel hier nicht finden und Ofengerichte gestalten sich auch schwierig. Was uns aber sehr freut ist die Freundlichkeit der Leute, die uns hin und wieder einfach so Mais oder anderes schenken. Sonntagabends laden wir die Priester immer zu uns zum Essen ein. Am ersten Sonntag haben wir zur Premiere gleich Spätzle aufgetischt.

Für unsere Kücheneinrichtung haben wir auch unsere Freizeitgestaltung eingebracht. Zum Beispiel haben wir die Topflappen selbst gehäkelt. Was uns fehlte, war der Stauraum. Zusammen mit dem Schreiner in Alenga hat Kadda ein Regal gebaut und dabei gleich gesehen, wie dieses Gewerbe hier funktioniert.

Anfang Juni wurde in Alenga ein neuer Jugendchor gegründet. Dort sind wir beigetreten. Das freut Kadda besonders, weil sie dadurch doch noch ihren Wunsch erfüllen und musikalisch aktiv sein kann. Wir lernen viele neue Lieder kennen und können den Text für uns aufschreiben und bringen ihnen manchmal auch unsere Lieder bei. Sehr begeistert sind sie auch von der Gitarre. Wir treffen uns fast jeden Tag mit den Jugendlichen, proben und gehen manchmal anschließend mit aufs Feld, um die Tomaten zu gießen, die sie als Projekt angepflanzt haben.

Macht’s gut und bis bald!

Kadda und Pauli

Die Termiten sind los

Hallihallöchen liebe Freunde und Besucher,

heute erzähle ich euch vom Termiten fangen, kochen und essen.

Termiten gehören hier zum ganz normalen Speiseplan, denn sie sind sehr gesund und voll Proteine, schmecken gut und kosten nichts.

Mein erstes Mal Termitenfangen war in der Nacht nach einem ausgiebigen Regentag. Ich kam gerade vom Gelände der Fathers und da ich kein Licht hatte, war ich sehr erfreut als ich sah, dass die Sisters ihr Licht vor dem Haus angelassen hatten. Als ich mich dem Licht jedoch näherte, hielt ich rasch Abstand, denn rund um das Licht schwirrte und raschelte es nur so von Insekten.

Und ich muss zugeben, ich war etwas verunsichert bis ängstlich, was das denn für Tiere sind. Zu meiner Verteidigung: Ich habe hier schon einige unliebsame Tiere kennengelernt!

Als ich um die Ecke bog, lief ich direkt in eine fleißige Gruppe von Kindern. Diese haben die Insekten mit Reißigbündel, welche zum Kehren verwendet werden, zusammen auf einen Haufen gekehrt und anschließend in einen Topf geschmissen.

An drei verschiedenen Stellen im Konvent der Sisters wurden die Termiten eingesammelt. Alle haben zusammen angepackt – die Sisters, die Köchin mit ihrer dreijährigen Enkelin, eine Gruppe von Mädchen aus dem Dorf und natürlich ich. Ich wurde sofort, als sie mich entdeckten, eingespannt.

Die Termiten kommen immer nach einem großem Regenguss an die Erdoberfläche. Sie bauen überall große Termitenhügel, welche unter der Erde miteinander verbunden sind. Würden sie nach dem Regen dort bleiben, würden sie ertrinken. Sobald sie über der Erde sind, fliegen sie zum Licht. Deshalb ist auch kein Ort, Zimmer oder sonst etwas Erleuchtetes vor ihnen sicher. Wenn man Termiten fangen möchte, muss man nur Licht machen, nicht einmal viel. Die Termiten sammeln sich beim Licht und man kann sie leicht fangen.

Am Anfang war es komisch, die Termiten mit ihren länglichen Flügeln und leicht fettigen Körpern mit der Hand zu fangen. Doch nach drei Stunden war es schon relativ normal für mich geworden.

Verarbeitung
Am nächsten Tag wurden sie dann zubereitet. Und dies kann man auf verschiede Art und Weise machen. Ich möchte euch drei Zubereitungsarten davon vorstellen.

(1) Termitenfleischklöße
Gemeinsam mit Sister Anna mussten Katharina und ich die Termiten von ihren Flügeln entfernen. Währenddessen wurden grüner Paprika, Zwiebeln und Chili klein geschnitten. Sister Evaline richtete in dieser Zeit je einen großen flachen und einen faustgroßen Stein her. Darauf wurden dann die teilweise noch lebenden Termiten mit samt dem Gemüse und etwas Salz zerrieben/zermalmt. Dies ergab eine gräuliche Masse, eine Art Termiten-Hackfleisch.

Dieses wurde dann als Klöße in heißes, gesalzenes Wasser gegeben, wo sie den ganzen Vormittag vor sich hin köcheln mussten.

(2) Termiten gekocht oder geröstet
Diese Art der Zubereitung hat die gleiche Vorarbeit und unterscheidet sich lediglich in der Zubereitung über der Feuerstelle. Diese Vorgehensweise ist sehr gut für große Mengen geeignet.

Zuerst werden wieder die Termiten von den Flügeln befreit. Hier eignet sich Teamwork sehr gut. Mehrere Hände Termiten werden in einem Topf mit der Hand im Kreis „gerührt“ damit sie durch die Bewegung den Großteil der Flügel einbüßen. Danach werden sie auf eine Schale aus Holzstöckchen geschüttet, mit welchem dann der Inhalt immer wieder in die Luft geschwenkt wird um die Termitenkörper von den losen Flügel zu trennen. Die Termitenkörper kommen weiter in einen Topf zum Zwischenlagern (Insgesamt sind die frischen Termiten nicht sehr lange haltbar und müssen schnell am nächsten Vormittag verarbeitet werden!).

(a) Im Anschluss werden die entflügelten Termiten im Wasser gekocht, wodurch sie haltbar gemacht werden. Dadurch eigenen sie sich gut als Snack für Zwischendurch oder werden auch gerne in das Essen untergemischt.

(b) Im Anschluss werden die entflügelten Termiten in Öl mit Salz angeröstet. Dadurch eignen sie sich gut als Snack für Zwischendurch, wie bei uns z.B. gesalzene Erdnüsse.

Natürlich musste ich alle Varianten nicht nur einmal probieren bzw. mitessen. Im Prinzip ist es nichts anderes als Fleisch anderer Tiere zu essen. Jedoch musste ich mich zuerst etwas überwinden. Die Termitenfleischklöße haben durch das Gemüse fast wie ganz normale Fleischklöße geschmeckt. Bei den gerösteten Termiten schmeckt man fast nur das Salz und ein Räucher-Aroma, denn hier wird alles über dem offenen Feuer gekocht.

Ich hoffe, ein paar Termiten mit nach Hause nehmen zu können, damit jeder, der sich traut, ein paar probieren und naschen kann.

Laut Sister Anna das beste Essen mit Suchtpotenzial!  😉

Süße Grüße

Pauli

Ein außergewöhnlicher Sonntag

Hey Leute!

Wir waren heute auf Gottesdienstsafari in Arak. Das war so cool. Es ist voll viel passiert und wir haben richtig viel erlebt und gesehen. Also ich fang dann mal an zu erzählen 😀  Weiterlesen

Urlaubsschule – als man schon dachte, man sei endlich frei nach dem Abi

Guten Tag, mein lieber Leser!

Ich bin zurück mit einer neuen Geschichte:

Als wir vor Weihnachten mit Juan besprochen haben, was wir zu tun haben, ist neben dem Haus der Talente auch ‚vaccaciones utiles‘ aufgetaucht.

Neben der wörtlichen Übersetzung – nützliche Ferien – beschreiben diese zwei Wörter kurz gesagt „Urlaubsschule“.

Momentan sind hier in Peru Sommerferien und die werden von vielen Lehramtsstudenten für ihr Schulpraktikum genutzt. Aus diesem Umstand heraus entstanden auch dieses Jahr an verschiedenen Orten in Chorrillos Schulen für Kinder, deren Eltern arbeiten müssen oder deren Eltern wollten, dass sie auf das kommende Schuljahr vorbereitet werden.

Die Schulen sind bis auf einen kleinen Aufpreis für Anfahrt und Material der Lehrer kostenlos – was in Peru nicht üblich ist – und bedienen Schüler von Klasse eins bis sechs. Pro Klasse gibt es zwei Lehrer. Es gab drei Unterrichtsfächer: matemáticas (Mathe), comunicación (wäre bei uns Deutsch, ist hier aber natürlich Spanisch) und talleres (Handarbeit).

Miriam und ich wurden als Hilfskräfte an verschiedenen Schulen zur Verfügung gestellt.

Miriams Stelle war direkt vor unserer Haustür im Gebäude links von unserer Wohnung. Sie hatte Montags und Freitags Unterricht.

Meine Stelle war in Räumlichkeiten der Casa de los Talentos und der Kirche Sagrado corazón. Bei mir gab es nur Klasse eins bis fünf. Die Klassenräume der Ersten, Zweiten und Dritten lagen im Rückgebäude der Kirche und die der Vierten und Fünften im Haus der Talente.

Klassenzimmer in der Casa de los Talentos

Meine Unterrichtszeiten gingen von 9 Uhr bis 12:30 Uhr am Montag, Mittwoch und Freitag.

Ich habe jeden Tag in einer anderen Klassenstufe verbracht und ausgeholfen, bis das Rotationssystem wieder von vorne begonnen hat.

Da ich keine ausgebildete Lehrkraft bin, konnte ich natürlich nur bei einzelnen Aufgaben unterstützen und nicht den Unterricht mitvorbereiten. So habe ich meine Zeit damit verbracht, den Kindern beim Lesen und Schreiben zu helfen, Papiere zurechtzuschneiden, Dinge zusammenzukleben, Sachen während talleres anzumalen, Kinder zur Toilette zu begleiten, Blätter kopieren zu gehen, in den Pausen mit den Kindern zu spielen und Früchte zu zerhacken für viele, viele Obstsalate.

Natürlich kamen von den Kindern oft Fragen wie beispielsweise:

Woher kommst du? (Antwort: Aus Deutschland. München, um genau zu sein.)

Wie ist Deutschland? (Schön. Im Moment aber sehr kalt.)

Studierst du hier? (Nein, ich bin Freiwillige und arbeite nachmittags im Haus der Talente.)

Magst du Deutschland? (Ja.)

Was für eine Augenfarbe hast du? (*Kind, das die Frage gestellt hat, schreit die Antwort heraus, bevor ich antworten kann* Grün! *anderes Kind, das daneben steht steigt ein und widerspricht* Nein, braun! *Kinder streiten sich um meine Augenfarbe und ich stehe als die Sätze komplizierter werden verwirrt daneben, weil ich dem Gespräch nicht mehr folgen kann*)

Wo ist deine Familie? (In Deutschland.)

Gibt es in Deutschland Schnee? (Ja. Ich bekomme im Moment ganz viele Fotos vom verschneiten München.)

Sind deine Haare gefärbt? (Nein. Das ist natürlich.)

Was ist dein Lieblingsessen aus Peru? (Arroz Chaufa.)

Kannst du Englisch? (Ja. Ich kann Englisch, Deutsch und lerne Spanisch.)

Magst du tanzen? (Ja, aber ich kann es nicht besonders gut.)

Magst du Volleyball? (Ja, aber ich kann es nicht besonders gut.)

Magst du Fußball? (Ja, aber ich kann es nicht besonders gut.)

Bist du verliebt? (Nein.)

Wieso bist du nicht verliebt? (*stotternde Geräusche, da ich nicht weiß, was ich darauf antworten soll*)

Aber ich wurde auch in die jeweilige Klassengemeinschaft integriert und habe so erfahren, wer in wen verliebt ist und wer mit wem gerade streitet, wer Volleyball mag und wer Fußball bevorzugt.

An sich hat die Urlaubsschule extrem Spaß gemacht, meinen Spanischkenntnissen geholfen und mein Dasein hat ebenfalls viele von den Kindern dazu motiviert, ins Haus der Talente zu gehen.

Die Schule ging bis zum 17. Februar, aber die Prüfungen fanden bereits am 13. statt, was der Grund dafür war, dass es am 15. ein Tanzfest gab, an dem die vielen verschiedenen Schulen in San Genaro zum Sportplatz meiner Stelle gekommen sind und dort gegeneinander angetreten sind.

Es war laut und heiß und ein sehr schöner Abschluss.

Ich habe für die Kinder und Lehrer meiner Schule Brownies gebacken, die sehr gut angekommen sind.

Am 17. wurden Zeugnisse verteilt und kleine Klassenfeste veranstaltet.

Das wars auch schon wieder,

deine Lisa.

Vom „Kicking Day“ zum „Boxing Day“

Die Allermeisten haben uns zu Weihnachten geschrieben: „Weihnachten mal ganz anders“ oder „es wird bestimmt ein ganz besonderes Weihnachten für dich“. Und sie haben Recht gehabt.

Also, ich fange mal ganz vorne an. Weiterlesen

Feuerwerk an Weihnachten, Strand an Silvester

Fröhliche Weihnachten und ein gutes, neues Jahr! (Ich denke, ein ‚nachträglich‘ wäre hier recht passend.)

Nun doch etwas verspätet – sorry dafür – gibt es jetzt einen kleinen Text über die Feiertage und wie Miri und ich sie hier, in Lima verbracht haben.

Beginnen wir mit Weihnachten:

An sich läuft der Heiligabend in Peru – unseres Wissens nach – so ab:

Den Tag über gibt es keine größeren Mahlzeiten, irgendwann – je nach Haushalt – geht man in eine Weihnachtsmesse und nach Mitternacht – also in gewisser Weise schon am 1. Weihnachtsfeiertag – wird gegessen und es werden Geschenke verteilt. Ebenfalls um, bzw. kurz nach, Mitternacht gibt es überall – eher weniger legale – Feuerwerke und es wird mit der Familie, Freunden und auf der Straße auch mit Nachbarn gefeiert.

Nun zu unserem Heiligabend:

Aufgrund der sommerlichen Hitze – denn, nur um das noch einmal in Erinnerung zu rufen, hier ist im Moment Sommer und die Kinder haben Sommerferien – hat sich weder Miris, noch meine Weihnachtsstimmung an Heiligabend wirklich eingestellt.

Wir hatten zwar einige Komponenten für ein schönes Weihnachtsfest zur Verfügung: freier Tag, Bäumchen (eher Heckchen, aber dazu später mehr), Geschenke, Familie per Skype, Plätzchen, – zumindest für Miriam – Standardweihnachtsessen, Weihnachtsmusik per Internet, …

Aber die Stimmung kam einfach nicht recht auf.

Wir haben den Großteil des Tages eher trübsinnig und still verbracht, weil man an Weihnachten nun einmal gerne mit der Familie zusammen wäre, aber das war leider nicht direkt möglich. Wir konnten zwar mit unseren Eltern skypen, aber irgendwie war es eben nicht das Wahre.

Aber dann, dann kam die Bescherung.

Unter unserer Weihnachtshecke – um dazu eine kurze Vorgeschichte zu geben: In Lima gibt es um diese Jahreszeit keine Tannen und da Hecken mehr oder weniger wie Tannen aussehen, kann man sich eine kleine Hecke kaufen, wenn man keinen Plastikbaum will – hat das Christkind zum Klang von einer Spotify-Playlist die Geschenke deponiert. Es war bereits abends – den Baum haben wir Nachmittags geschmückt – dementsprechend dunkel und die – leider – bunten Lichter unserer kleinen Lichterkette haben unsere goldenen Weihnachtsbirnen feierlich erleuchtet. Neben Weihnachtsbirnen hingen auch noch rot-glitzernde Weihnachtsäpfel, ein Bärchen, ein Kugelpaar, das den Weihnachtsmann darstellen sollte und ein pinker, glitzriger Schmetterling als Stern am Baum – nur um das klar zustellen, da wir sowieso kein richtiges Zuhauseweihnachten haben konnten, haben wir uns die grässlich-schönsten Dinge im Einkaufszentrum besorgt, die wir finden konnten.

Weihnachtsstimmung in Heckenform

Unter unserer in vollkommener Schönheit erstrahlenden Weihnachtshecke lagen nun dank des Christkinds wahrhaft einzigartige Geschenke, die von farbenprächtigen Fabelwesen bis hin zu zweckentfremdeten Glücksspielen schwankten. Da das Christkind uns beiden Essen geschenkt hatte, brachen wir das peruanische Heiligabendfastentum frühzeitig und ergötzten uns am Boden unseres Eingangszimmers an multikulturellen Speisen, die mit teuren Getränken heruntergespült wurden. So und nicht anders haben wir es geschafft, trotz Hitze und Sommerkleidern, trotz fehlender Familie und bunten Lichterketten, ein Weihnachtsgefühl zu haben, das sich als solches beschreiben ließ.

Wir müssen voller Schande und Scham zugeben, dass wir diesen Funken Weihnachten, den wir gespürt haben, nicht aufgeben wollten und deshalb die erste Messe verpasst haben und stattdessen mit einem Freund aus Deutschland geskypt und gefeiert haben. Zu der zweiten Weihnachtsmesse, zu der uns Juan eingeladen hatte, sind wir etwas zu spät gekommen, da entgegen unserer Gewohnheit keine Busse in die Richtung der Kirche gefahren sind und der Weg zu Fuß deutlich länger dauert. Wir haben uns beeilt, haben es aber nicht mehr perfekt geschafft.

Gegen Ende der Messe hat Miriam – ganz im Gegensatz zu meiner Prophezeiung, dass ich in Tränen ausbrechen würde – begonnen zu weinen. Die Messe war schön, aber Heimweh ist nun einmal eine starke Emotion.

Nach nicht allzu langer Zeit haben sich die Tränen gelegt – auch wenn ich wegen eines Kommentars über den heimischen Schweinebraten, den ich dieses Jahr nicht an Weihnachten zu mir nehmen würde, ebenfalls den Tränen nahe war, denn ja, manchmal weint man wegen Essen – und wir sind zusammen mit Pater Juan zurück nach Hause gefahren. Wir haben Miris Lasagne – das Heiligabendessen ihrer Familie – mit zu den Patern genommen und uns um Mitternacht das Feuerwerk vom Dach aus angeschaut. Die Sicht, die wir hatten, war nicht zu toppen, da wir wegen unserer Lage im Viertel bereits erhöht wohnen und das Haus der Paters ebenfalls recht weit nach oben geht. Wir hatten einen wundervollen Panoramablick über Chorrillos und konnten sogar bis nach Miraflores sehen.

Der ganze Himmel hat geleuchtet.

Nachdem wir uns sattgesehen hatten, haben wir zusammen mit den Patern gegessen und haben ihnen ihre Geschenke – vor allem Plätzchen und ein Schreikissen für Juan – übergeben.

Irgendwann sind wir müde ins Bett gefallen.

Die Weihnachtsfeiertage haben wir vorwiegend essend und in der Kirche verbracht.

Jetzt zu Silvester:

Silvester wollten wir in der Innenstadt, in Barranco und Miraflores verbringen.

Wir haben uns zwei Betten in einem Hostel in der Nähe des Strands in Barranco genommen und sind daraufhin zum Kennedypark gefahren. Wir haben nette Leute – teils Peruaner, teils Europäer – kennengelernt und sind in Larcomar ins neue Jahr gerutscht. Larcomar liegt direkt oben an der Hochküste und dementsprechend konnten wir auch hier die Silvesterfeuerwerke in verschiedenen Vierteln beobachten. Einige Leute in Chorrillos haben gleichzeitig fünf Minuten vor Neujahr angefangen die Raketen in die Luft zu schießen. Fünf Minuten später ist dann der Rest gefolgt.

Da wir den ganzen Abend bereits mit einer Flasche Wein durch die Gegend gelaufen sind, haben wir uns nach einem mehr oder weniger kurzen Kampf mit dem Korken an den heimischen Strand gesetzt und dort unseren Wein getrunken. Nachdem die ganze Welt ins neue Jahr gerutscht ist, sind wir schlafen gegangen.

Ciao, mein lieber Leser und liebe Grüße aus dem Sommer,

Lisa

 

„Earning for the future“

Heute möchte ich euch ein wenig einen Einblick in das Schulleben hier in Uganda geben.
Direkt neben dem Gelände der Sisters grenzt das Gelände der „Tailoring School“, also der Schneiderschule, an. Wie die meisten Schulen hier ist auch sie eine Ganztagsschule und vergleichbar mit einem Internat. Die Schülerinnen werden dort mit Essen versorgt und wohnen während der Schulzeit auf dem Gelände.

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Mein Besuch bei Judit in Matany

Hallihallo alle miteinander  😀

Ich möchte euch heute von meinem Besuch im Krankenhaus in Matany erzählen, der Einsatzstelle von Judit. Wie sich viele von euch bestimmt erinnern, bin ich gemeinsam mit Judit in Uganda angekommen, habe den Trennungsschmerz mit ihr überstanden, bin mit ihr gemeinsam vor Aufregung im Flugzeug wach geblieben und habe die erste Woche Uganda mit ihr in Kampala zusammen erlebt.

Nach nun schon geschlagenen zwei Monaten (kaum zu glauben, wie schnell die Zeit vergeht!!) findet nun unser erstes Wiedersehen statt. Klar: Freude pur! Weiterlesen

Meine Eindrücke nach zwei Monaten

Jetzt, wo ich bereits über zwei Monate auf den Philippinen bin, konnte ich schon sehr viele Eindrücke sammeln, unter anderem auch von meiner Arbeit. Ich helfe als Lehrer aus und unterrichte Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren in ihren Häusern in Parola, einem der Slums von Manila.

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