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Jeepneys, türkisblaues Meer und strahlende Kinderaugen (#6)

Hallo zusammen,

Inzwischen ist mein Jahr auf den Philippinen schon wieder vorbei. Auch wenn ich seit Anfang August zurück in meiner Heimat bin, möchte ich niemandem vorenthalten, wie sich meine letzten Monate auf den Philippinen gestaltet haben. In den Pfingstferien kam meine Familie zu Besuch, worüber meine Mutter in einem ‚Gastbeitrag‘ im Folgenden berichtet:

Als ich mich mit meinen Kindern Mitte Mai auf den Weg zu unserem Jakob auf die Philippinen machte, hatten wir alle keine Ahnung, was uns erwarten würde. Nicht nur, weil Jakob sich das Reiseprogramm für uns überlegt und es bis zum Ende geheim gehalten hatte, sondern auch, weil wir in eine ganz  andere Kultur eingetaucht sind, die mich total fasziniert hat. Jakobs erste Blog-Einträge, mit denen er uns an seiner Welt ein wenig teilhaben ließ, gingen über den Verkehr in Manila und den daran beteiligten Fahrzeugen. Ich muss zugeben, dass ich mich damals etwas darüber gewundert habe. Mittlerweile weiß ich, dass der Verkehr in Manila einen großen Anteil an der Atmosphäre dieser Stadt hat. Natürlich, Großstadtlärm wie in vielen Städten auch bei uns. Aber das Wie ist doch ein komplett anderes. In all dem Gewusel von Autos, Bussen, Tricycles, Jeepneys, Mopeds und dazwischen Fußgängern scheint es kaum Verkehrsregeln zu geben. Es wird rechts und links überholt, die Spuren werden wild gewechselt – aber: es funktioniert. Das Hupen, das permanent durch die Straßen tönt, ist kein aggressives Hupen, sondern eher ein auf sich aufmerksam machen. Und die wichtigste Verkehrsregel scheint zu sein, dass man nicht nur sich im Blick hat, sondern auch die Verkehrsteilnehmer um einen herum. So können Tricycles und Jeepneys ohne Probleme wieder in den fließenden Verkehr einfädeln, wenn sie neue Fahrgäste aufgenommen haben.

Diese Rücksichtnahme und das Aufeinanderschauen haben wir auch in den Begegnungen mit den Menschen auf den Philippinen erfahren. Überall wurden wir freundlich und zuvorkommend behandelt, man war stets bemüht, uns unsere Wünsche zu erfüllen, uns zu helfen, es wurde darauf geachtet,  dass es uns gut geht und wir uns wohl fühlen. Dies führte zu Erfahrungen, die bei uns hier undenkbar wären. So wurden uns, als wir morgens um 5 Uhr in unserer Unterkunft auf der Insel Coron ankamen, Betten in zwei sogenannten „nipa huts“ (traditionelle Häuser aus natürlichen Materialien wie der Nipapalme, deren Blätter häufig für die Dachkonstruktion verwendet werden) zur Verfügung gestellt, damit wir uns ausruhen können, weil unser gebuchtes Zimmer noch nicht frei war. Oder wir konnten einen Nachtisch, den wir schon einmal gegessen hatten und der unglaublich lecker war, aus einem Nachbarrestaurant bestellen. Haben Sie schon einmal versucht, eine Speisekarte aus dem Nachbarlokal zu ordern?

Auch die Menschen in Payatas sind uns mit großer Offenheit und äußerst freundlich begegnet als wir mit Jakob und Moritz einen Tag dort verbrachten und sie bei ihrer Arbeit begleiten durften. Dieser Tag hat mich sehr beeindruckt. Da war zum einen diese ganz andere Art zu leben, unterschiedliche Häuser, Straßen, die befestigt waren, aber auch Wege, die nur aus Erde bestanden. Frauen, die ihre Wäsche in Bottichen auf dem Platz vor dem Haus wuschen und Kinder, die mit einem Gartenschlauch abgeduscht wurden. In all das haben wir einen Einblick bekommen als wir mit den beiden Mazlern die Kinder in ihren Häusern abholten. Zum anderen erlebten wir äußerst offene und gastfreundliche Menschen. Wir wurden herzlich begrüßt, wir durften gerne Fotos machen und am Ende des Tages wurden wir von einer Familie noch zum Essen eingeladen. Kein Misstrauen, keine Zurückhaltung, sondern Offenheit und Wohlwollen schlugen uns entgegen.

Was Moritz und Jakob für die Kinder in Payatas leisten, ist beeindruckend. Die gemeinsamen Unterrichtsstunden, die an vielen völlig unterschiedlichen Plätzen in dieser Gegend stattfinden, sind sehr strukturiert aufgebaut und versuchen die Kinder in unterschiedlichen Bereichen anzusprechen. Nach der Begrüßung „Good morning, Teacher Jakob!“ und einem gemeinsamen Gebet versucht Jakob durch eine kleine Fragerunde über Lieblingsessen, -farben und anderem die Kinder mit der englischen Sprache ein wenig vertraut zu machen.

An unserem Besuchstag durften sie eines unserer mitgebrachten Puzzle zusammensetzen und dabei die Tiere auf Englisch benennen. „W“ und „X“ waren die Buchstaben, die sie an diesem Tag bei Jakob wiederholten und auf einem Arbeitsblatt schreiben mussten. Einige der Kinder waren da sehr geschickt, andere mussten sich schon mühen und brauchten Geduld. Viel Freude bereitete ihnen das Ausmalen eines Bildes, das auf dem Arbeitsblatt abgedruckt war – und noch größere Freude, dass sie aus dem Arbeitsblatt einen Papierflieger falten und ihn fliegen lassen durften. Die Gruppen, die auf einem Platz neben dem Friedhof unterrichtet wurden, vertieften die Buchstaben durch Laufspiele und Memoryspielen. Mit Freude lauschten die Kinder Jakob und Moritz als sie Märchen auf Tagalog vorlasen – für uns war es interessant zuzuhören obwohl wir nichts verstanden. Trotz der zum Teil eher schwierigen Umstände (die Kinder stehen um einen wackeligen Tisch, sie sitzen und schreiben auf einem Holzbrett, das über zwei Steine gelegt ist… da wirken unsere Diskussionen über die Ausstattung von Klassenzimmern mit Whiteboard und Beamer etwas befremdlich) gelingt es Moritz und Jakob, den Kindern das für die Einschulung notwendige Wissen zu vermitteln. So konnten die Kinder in Moritz Gruppe fehlende Buchstaben im Alphabet ergänzen und bei Jakob die bereits erlernten Buchstaben bei diversen Spielen wiederholen. Zum Mittagessen waren wir im Center eingeladen – Jeremy hatte für uns ein leckeres Mittagessen gezaubert und wir durften neben den Lehrerinnen und Lehrern, die die Jugendlichen unterrichten, auch Sister Frances kennenlernen.

Jakob zeigte uns nicht nur seine Arbeit und die quirlige Stadt Manila, sondern weitere wunderbare Ecken der Philippinen. Nach einer 14-stündigen Fahrt mit einer Fähre kamen wir auf der Insel Busuanga an. Ein Bummel durch den Ort Coron, der Besuch auf dem örtlichen Markt, nächtliches Kanufahren mit Besichtigen der Glühwürmchen in den Mangrovenbäumen und des faszinierenden fluoreszierenden Planktons standen ebenso auf dem Programm wie ein Besuch auf der Nachbarinsel Culion, auf der über 100 Jahre lang eine Leprakolonie bestand. Einen traumhaften Tag verbrachten wir beim Stand Up Paddeling, bei dem wir durch einsame Lagunen und unter Mangrovenbäumen paddelten. Immer wieder landeten wir auf fantastischen Inseln und wurden auf einer mit einem auf dem Boot zubereiteten leckeren Essen verwöhnt. Das Baden in heißen Quellen rundete diesen einmaligen Tag ab – für manchen Sonnenbrand bedeutete das fast eine homöopathische Behandlung nach Hahnemann „Gleiches mit Gleichem behandeln“. Die Besteigung eines kleinen Hügels während des Sonnenaufgangs bot uns einen phantastischen Blick auf einige der über 7000 Inseln der Philippinen. Unsere nächsten Erlebnisse durfen wir auf der Insel Palawan machen: Islandhopping, Schnorcheln, Besuch eines Wasserfalls und immer wieder Einblicke in das Leben der Menschen.

Unseren letzten Abend verbrachten wir mit „unseren Jungs“ Moritz, Simon und Jakob in „Fred’s Bar“. Leckeres Essen – wie immer auf unserer Reise – gute Gespräche, eine tolle Atmosphäre bei immer noch 30° und viele liebe Menschen um uns herum. So wie an diesem letzten Abend konnte ich auf der ganzen Reise spüren, wie sehr Jakob in diesem fernen Land angekommen war. Er, Moritz und Simon erfüllen ihre Arbeit mit und für die Kinder mit Herzblut. Innerhalb kürzester Zeit haben sie Freunde gefunden und Kontakte geknüpft – an dieser Stelle eine großes Dankeschön an Peter, der uns stolz und voller Begeisterung durch Intramuros und Chinatown führte. Sie erleben das Land und die Menschen in allen Facetten: bei ihrer Arbeit im Slum, beim Weggehen und Party feiern ebenso wie bei ihren Ausflügen und Reisen in verschiedenste Regionen des Landes. Sie verbringen viel Zeit in dem Bergdorf Buscalan, leben dort mit den Menschen und packen mit an, wo ihre Hilfe gebraucht wird. Sie genießen die einmaligen und unbeschreiblich schönen Inseln und setzen sich mit der Frage des Lebensstils auseinander. Nach dem, wie wir Jakob dort erlebt hatten, konnte ich beruhigt wieder nach Hause fliegen. Und es war eine intensive Zeit für uns als Familie – den ganzen Tag (und die Nächte) miteinander verbringen, Fantastisches erleben und viel Zeit zum Reden und Erzählen haben. Nun fiebern wir hier seinem Nachhausekommen in wenigen Tagen entgegen, denn unsere Reise liegt schon einige Wochen zurück. Trotzdem sind unsere Erfahrungen auf den Philippinen noch sehr präsent. Nicht nur, weil ich in meinem Religionsunterricht immer wieder davon erzählt und Bilder gezeigt und vielen Menschen voller Begeisterung berichtete habe, sondern auch, weil diese Reise für mich und Jakobs Geschwister uns in eine neue Welt, in Jakobs Welt, hat eintauchen lassen und uns sehr berührt hat.

Salamat po, Jakob, für diese einmalige, wunderbare Zeit mit

dir auf den Philippinen!

Christine, Paul, Magdalena und Anna

P.S. Inzwischen ist unser Jakob wieder bei uns und wir genießen die gemeinsame Zeit in vollen Zügen!

Zu Hause bei Hebamme Gloria

Kurz bevor ich zurück nach Deutschland geflogen bin, habe ich meine Arbeitskollegin und Freundin Acio Gloria besucht und sie gebeten mich ein bisschen an ihrem Leben teilnehmen zu lassen.

Acio Gloria mit dem Kind einer Freundin

Gloria ist 22 Jahre alt und wurde in Minakulu, im Norden Ugandas geboren. Sie hat 14 Geschwister und typisch für die ugandische Kultur hat ihr Vater zwei Ehefrauen. Polygamie kommt hier sehr häufig vor und ist für mich immer noch sehr schwierig zu verstehen. Gloria hat es einfach im Laufe ihrer Kindheit erfahren, dass ihr Vater noch eine Frau neben ihrer Mutter hat. Ihre Mutter ist die erste Frau und hat neun Kinder,  Gloria ist das sechste Kind. Mit der zweiten Ehefrau (49 Jahre alt) hat der Mann nochmal 5 Kinder. Früher haben die beiden Frauen aufgrund ihrer Jobs weit auseinander gelebt. Glorias Vater ist mittlerweile in Rente und 66 Jahre alt. Ihre Mutter ist mit 58 Jahren noch Grundschullehrerin. Irgendwann hat ihre Mutter einen anderen Job in einer neuen Schule gefunden und jetzt wohnen beide Frauen sehr nah zusammen, jedoch nicht in einem Haus. Gloria kennt alle ihre Geschwister und die ganze Familie trifft sich auch manchmal zusammen, denn die beiden Frauen, so berichtet mir Gloria, hassen sich nicht, sondern kommen miteinander aus. Der Vater ist dann eine Woche lang bei einer Frau und die nächste Woche bei der Zweiten. Ich habe allerdings auch schon erzählt bekommen, dass sich die erste und zweite (dritte, vierte, fünfte,…) Ehefrau oft überhaupt nicht ausstehen können und sich nahezu bekriegen. So habe ich im Health Center auch mal eine Frau gesehen die von ihrer Co-Ehefrau mit heißem Öl übergossen wurde und schlimme Verbrennungen hatte. Außerdem wissen Greta und ich von unseren Freundinnen Mary und Paska, dass sie sich auch von ihren Ehemännern getrennt haben, weil beide eine zweite Frau wollten und Mary und Paska das nicht aushalten konnten.
Auch Gloria erzählt mir, dass sie auf keinen Fall eine zweite Ehefrau haben will weil sie es schrecklich findet und sehr eifersüchtig wäre weil sie dann weniger Aufmerksamkeit von ihrem Ehemann bekommen würde.

So sieht Glorias Alltag aus

Die Hebamme wohnt in einer der vom Health Center gemieteten Wohnungen. Sie hat ein kleines Schlafzimmer in das gerade mal ihr Bett, ein Spiegel und ihre Klamotten passen. Nebenan ist direkt die Küche die sie sich mit einem anderen Bewohner des Hofes teilt. Die Dusche und Toilette befindet sich natürlich draußen und werden auch zusammen genutzt. Der Chef Jaspher, mit Frau Martha und Tochter Michelle, der Fahrer Andrew und die beiden anderen Hebammen Mary und Immaculate wohnen ebenfalls in dem gleichen Innenhof. Das Health Center hat nämlich nur ein kleines Mitarbeiterwohnhaus in das ca. 2 Leute passen und welches gerade renoviert wird. Sie benötigen also dringend weitere eigene Häuser, damit die Mieten nicht jeden Monat anfallen. Viele der Mitarbeiter kommen von weit weg und benötigen deshalb einen Wohnplatz.

Früher stand sie oft um 5 Uhr auf um direkt für eine Stunde auf ihr Feld zu gehen. Da das Feld aber leider eine halbe Stunde entfernt liegt, kam sie dann erst um 7 zurück, ging dann duschen, machte das Haus sauber, und aß ein kleines Frühstück zum Beispiel Cassava (Wurzel) mit Tee.
Zurzeit geht sie nicht besonders viel auf das Feld und wenn dann eher abends gegen 17 Uhr nach der Arbeit. Das heißt sie steht um 6.30 Uhr auf, erledigt ihre Aufgaben zu Hause und geht dann zwischen 8 und 9 Uhr in die Arbeit. Wie ihr ja sicher in meinem ersten Blogeintrag über meine Arbeitsstelle gelesen habt ist das mit der Zeit hier so eine spezielle Sache. Eigentlich sollten alle Angestellten um 8 Uhr im Health Center sein. Als ich dort in meiner ersten Woche erschien, war aber niemand zu sehen…. Ich kam dann auch nie früher als 9 Uhr, denn vorher ist eh niemand dort. Das heißt es ist eigentlich ziemlich locker und man erledigt erst alle Aufgaben die man hat und geht dann ganz entspannt zur Arbeit, wenn man eben fertig ist.
Was am Anfang für mich noch sehr ungewohnt und komisch war, lernte ich im Laufe des Jahres wirklich sehr zu schätzen. Mir ist allerdings bewusst, dass es in Deutschland niemals möglich wäre irgendwann, wenn man bereit ist, zur Arbeit zu erscheinen. Vor allem in Krankenhäusern würde ein riesiges Chaos ausbrechen und Patienten wären in Gefahr, wenn kein Personal da wäre. In Alenga ist das kein Problem: morgens ist eh nicht viel los und falls etwas Schlimmes passieren sollte, weiß eh jeder wo die Krankenschwestern wohnen um Hilfe zu holen.
Gloria kennt die Probleme der Unzuverlässigkeit, der Unpünktlichkeit und der mangelnden Zusammenarbeit der Kolleginnen und Kollegen. Ihre Arbeitszeit geht eigentlich von 8 Uhr bis 14 Uhr und dann sollte die nächste Schicht kommen. Da das Personal nach ihr aber zu spät kommt und oft nur schlecht ausgebildete Krankenhelferinnen sind, muss Gloria mindestens drei Mal die Woche bis 17 Uhr bleiben um die ganze Arbeit alleine fertig zu machen.
Wenn sie von der Arbeit nach Hause kommt kocht sie und geht eventuell noch aufs Feld. Viel Zeit bleibt da aber nicht mehr, da es schon um 18.30 Uhr dunkel wird und das Kochen mit Kohle sehr viel Zeit in Anspruch nimmt.

Gloria besuchte eine staatlich unterstütze Missions-Schule und konnte mit 19 Jahren auf die Hebammen Schule in Gulu gehen. „Ich fand es schrecklich, dass so viele Frauen während der Geburt sterben, obwohl es vermeidbar wäre. Ich wünsche mir, dass ich noch viel mehr Wissen über die Gynäkologie bekomme“, erklärt mir Gloria ihre Entscheidung Hebamme zu werden. Die teure 2 ½ jährige Ausbildung konnte Gloria nur erfolgreich beenden, weil ihre Mutter einen Job hat und weil die Familie extra für sie ein Stück ihres Landes verkauft hat, um genug Geld  zu haben. Das finde ich sehr beeindruckend, denn auch die meisten der anderen Geschwister konnten eine Ausbildung machen beziehungsweise besuchen eine Schule. Ihr jüngstes Geschwisterkind ist 13 Jahre und das älteste 34 Jahre alt. Die eine ist Schneiderin, die andere Krankenschwester, Lehrerin und ein Bruder ist Schreiner. Ihm fehlt leider das Geld um sich Material und Werkzeuge für die Arbeit zu kaufen, weswegen er nicht als Schreiner arbeiten kann. Ihr ältester Bruder hat einen Realschulabschluss, ist aber psychisch krank und arbeitet deswegen nicht sondern macht den ganzen Tag eigentlich gar nichts. Man spürt, die Eltern von Gloria strengen sich wirklich an, dass alle Kinder versorgt werden und eine Chance auf einen Job bekommen.

Als ich in Alenga ankam, gab es nur zwei Hebammen, Sharon und Gloria, und die beiden waren wirklich überfordert und hatten nur ca. 3-4 Tage im Monat frei. Als Sharon in ein staatliches Krankenhaus gewechselt hat, war Gloria die einzige in der Entbindungsstation und das war wirklich die Hölle für sie. Im April kamen dann zum Glück zwei weitere Hebammen: Mary Filda und Immaculate. Das war eine große Entlastung für Gloria und jetzt hat sie ca. 8 freie Tage im Monat.

Wenn sie frei hat fährt sie gerne zu ihrer Familie in die Nähe von Gulu. Dort hat sie auch ihren 30 Jahre alten Freund James kennen gelernt. Er war damals in der Nähe ihres Elternhauses bei Freunden zu Besuch und so trafen sie sich das erste Mal. „Wir haben dann öfter etwas unternommen und irgendwann hat er mich gefragt, ob ich mit ihm zusammen sein will. Ich habe „ja“ gesagt und jetzt sind wir schon seit zwei Jahren ein Paar.“, berichtet sie mir.
Gerade in meiner Arbeit sehe ich oft sehr junge Frauen, die gezwungen wurden einen 15 Jahre älteren Mann zu heiraten und keine Wahl hatten. Als ich Gloria frage, ob sie eine Wahl hatte, antwortet sie ganz klar: „Ja, ich hatte eine Wahl aber ich wollte mit ihm zusammen sein!“ Gloria erklärt mir, dass es etwas mit dem Bildungsstand der Leute zu tun hat. Beide sind gebildet und haben einen Job (er ist Lehrer), während viele der jungen Mädchen in Alenga  nur drei Jahre in der Schule waren und somit keine Perspektive haben. Sie können keine Ausbildung machen, kein Geld verdienen und sind abhängig von ihrem Partner. Viele Eltern kümmern sich nicht richtig um ihre Kinder und wollen nur den Brautpreis haben und so landen die 16-jährigen Mädchen das erste Mal schwanger mit ihrem 45-jährigen Ehemann bei Gloria und mir bei der Schwangerschaftsvorsorge. Sowas war für mich immer schrecklich zu sehen und es gibt mir ein bisschen Hoffnung, dass es in den Städten und bei gebildeten Ugandern mittlerweile anders laufen kann.
Gloria und James machen schon richtige Zukunftspläne: strahlend erzählt sie mir, dass die beiden ein Stück Land in Dokolo, eine Stunde von Lira, gekauft haben und dort ein Haus bauen wollen. „Ich will eine eigene Familie gründen“, sagt  sie stolz. Sie wünscht sich drei Kinder, James will nur zwei aber das wird sich sicher noch regeln. „Das  nächste Mal, wenn du nach Uganda kommst, bin ich schwanger“, verspricht sie mir. Ich finde es toll, dass sie so glücklich ist und ich kaufe es ihr wirklich ab.
Mich interessiert natürlich, ob es eine Art Hierarchie in ihrer Beziehung gibt. In Alenga ist es kaum zu übersehen, dass Männer mehr wert sind als Frauen. Wenn ein Ehepaar zur Untersuchung kommt setzt sich der Mann auf den Stuhl und lässt seine schwangere Frau einfach stehen. In Deutschland würde fast jeder der schwangeren Frau den Stuhl anbieten aber hier ist es ganz normal, dass der Mann es bequem haben muss und die Frau sich zurück nimmt. Es gibt natürlich auch hier Ausnahmen aber das andere überwiegt leider. Zudem gibt es viel häusliche Gewalt und viele Männer schlagen ihre Frauen, wenn sie nicht das machen was er will. Gloria sagt, dass James nicht so sei und auch noch nie Handgreiflich geworden ist. Ich bekräftige sie und sage ihr, dass sie sich das niemals gefallen lassen soll, falls mal etwas passiert. Daraufhin lächelt sie nur.
Außerdem erkläre ich ihr meinen Eindruck des Hinkniens der Frauen in der Lango Kultur. Wenn eine Frau einen Mann oder eine höhergestellt Person  begrüßt, kniet sie sich hin und gibt ihm die Hand. Ein Mann jedoch, muss sich niemals hinknien. Aus meiner Sicht zeigt das ganz deutlich eine Unterordnung der Frau, denn wenn beide gleich wären, könnte sich der Mann ja auch hinknien. Diese Thematik beschäftigt mich seit Anfang an und viele Langi sagen mir, dass es nichts mit Hierarchie zu tun hat sondern einfach die Kultur ist. Zuerst sagt Gloria mir, dass sie sich auch in seltenen Fällen vor Personen kniet, wenn die Person wirklich hoch angesehen ist und sie sagt auch mir, dass es einfach Teil der Kultur sei. Nach meiner Erklärung gibt sie jedoch zu, dass sie denkt, dass man schon eine gewisse Unterordnung der Frau erkennen kann und, dass diese sehr tief in der Kultur verwurzelt ist. Viele andere Freiwillige oder Tutoren sagen Greta und mir, dass es Kultur ist und, dass wir es nicht ändern dürfen, uns nicht einmischen sollen, damit wir die Kultur nicht zerstören oder europäisieren. Aber ist es so schlimm, wenn man den Teil einer Kultur ein bisschen ändert, um Frauen in der Gesellschaft mit mehr Respekt und Gleichberechtigung behandeln zu können? Ist das wirklich ein Kulturverlust oder nicht eher eine Kulturbereicherung??? Natürlich sagen wir keinem Menschen in Alenga: „Nein, du darfst dich auf keinen Fall hinknien, das ist sehr schlecht!“, denn das wäre wirklich eine Einmischung in die Kultur. Aber wir versuchen mit den Schülerinnen oder Freunden mit Respekt vor ihrer Kultur darüber zu reden um zu zeigen, dass es auch anders geht, was es bedeutet und wie es bei uns in Deutschland so ist, denn das interessiert sie ja auch.

Gloria ärgert sich oft über das Gesundheitssystem in Uganda und über die Politik. Sie findet es gut, dass der Staat die HIV- und Malaria-Tests und auch die Medikamente sowie die Impfungen für Kinder zahlt jedoch ist sie oft überfordert und allein gelassen. Ihr Traum wäre es in einem staatlichen Krankenhaus zu arbeiten, denn dort gibt es geregelte Arbeitszeiten, besseres Gehalt und eine Rente ab einem Alter von 65 Jahren. Wenn man nicht in einer staatlichen Einrichtung arbeitet bekommt man nämlich überhaupt keine Rente und muss so lange arbeiten wie man kann. Auch einige der Mitarbeiter im Health Center sind über 70 Jahre alt und können noch nicht an den Ruhestand denken, da sie sonst auf der Straße landen würden.
Natürlich belastet Gloria auch die Politik mit der überall spürbaren Korruption und der Aufhebung der Altersbegrenzung für den 73-jährigen Präsidenten. Viele Menschen haben nach 32  Jahren genug von Museveni und sagen es wird Zeit, dass er sein Amt verlässt. Seit seiner Amtszeit hat er die ugandische Verfassung mehrmals geändert, um weiterhin Präsident bleiben zu können, denn eigentlich hätte er 2021 nicht mehr zur Wahl antreten können, da das Alterslimit bei 75 Jahren lag. Nachdem er diese Regelung aber im Dezember 2017 nach einer gewaltvollen Auseinandersetzung im Parlament  aufgehoben hat, kann er nun theoretisch lebenslang als Staatsoberhaupt regieren.

Nun bin ich auch schon wieder am Ende meines Berichtes angelangt. Ich hoffe es war interessant mal einen persönlichen Einblick in das Leben von Gloria zu bekommen. Ich vermisse Alenga unglaublich stark und bin auch noch nicht so richtig in Deutschland angekommen, das wird sicher noch etwas dauern. Ein Update zum Schlafsaal und ein Artikel zum Abschied von Alenga werden auch bald noch kommen.

Liebe Grüße, vielleicht trifft man sich ja mal!

Eure Francesca

Geschützt ins Leben

Hallo nach Hause,

in ein paar Tagen geht es zurück nach Deutschland. Ich möchte euch aber noch unbedingt etwas von meiner Arbeitsstelle im Health Center erzählen. Wie schon in meinem ersten Artikel erwähnt, gibt es immer an verschiedenen Tagen unterschiedliche Aufgaben. Genauer möchte ich heute auf den Donnerstag eingehen: Den Impftag.

Die Impfungen gehören zum Gesundheitsprogramm von Uganda das die minimale medizinische Versorgung für jeden gewährleisten soll. So sollen Babys vor ihrem ersten Geburtstag fünf Mal zum Impfen gehen, alle Frauen im gebärfähigen Alter (auch Schwangere) zum Schutz des Neugeborenen und der Mutter gegen Tetanus geimpft sein und alle Mädchen im Alter von 10 Jahren die HPV Impfung bekommen. Das Ganze ist kostenlos und wird vom Staat bezahlt.
Ab und zu gehen ein paar Mitarbeiter der Krankenstation in eine Grundschule oder kleinere Dörfer, um dort die Kinder gegen Tetanus und die Mädchen ab 9 Jahren gegen Gebärmutterhalskrebs(HPV) zu impfen und ihnen Tabletten zum entwurmen zu geben.

Die ersten Male war ich wirklich immer wieder überrascht und geschockt wie viele Mütter mit ihren Babys kommen und wie laut die Kinder schreien können!!
So gut wie jede Woche ist in der Krankenstation am Donnerstag die Hölle los. Die lange Bank in der Ambulanz reicht nie aus und viele Frauen sitzen auf dem Boden und warten bis sie an der Reihe sind. Natürlich hat auch wieder jedes Kind ein eigenes Heft, in dem die Impfungen und Termine aufgeschrieben werden. So bekommen die Babys Die Impfung gegen Kinderlähmung, Hepatitis B, Rotaviren, Tuberkulose, Influenza, Masern, Pneumokokken,  und Keuchhusten/Tetanus/Diphtherie und für Mädchen zwischen 9 und 14 die HPV Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs.

Natürlich läuft das bei uns im Health Center nicht immer so rund. Oft fehlen die Impfungen oder Spritzen oder es gibt nicht genügend für alle. Letzte Woche gab es im ganzen Distrikt keine einzige Impfung gegen Tetanus mehr… Zudem wurde zum Beispiel die Rotavirus Impfung eingeführt. Dafür wurden eine Hebamme und eine Schwesternhelferin in der nächsten Stadt über den Virus und den Möglichen Schutz aufgeklärt. Sie bekamen Informationsmaterial und auch eine Praxiseinführung. Dieses Wissen gaben sie dann an alle Mitarbeiter weiter. Leider gab es nur eine Box mit dem Impfstoff und die ist jetzt natürlich leer. Dazu kommt die schlechte Lagerung. Ein Kühlschrank fällt immer wieder aus und die Kühlkette wird dadurch oft unterbrochen und die Impfungen zu warm  aufbewahrt.

Wenn die Mütter aufgerufen werden, kommen sie in den Impfraum und setzten sich dort mit vielen weiteren Frauen auf eine Bank. Dann wird ein Kind nach dem anderen geimpft, was natürlich immer mit lautem Geschrei und nassen Windeln (oder Tüchern) endet bis die Nächsten an der Reihe sind. Es mangelt auch hier wieder einmal an Hygiene, da sich die Krankenschwestern zwischendurch nicht die Hände waschen sondern wie am Fließband arbeiten (Es gibt immer neue Spritzen!!) Jedes Kind wird in einem unserer zahlreichen Registern aufgeschrieben, damit man auch sehen kann welche Impfungen es wirklich bekommen hat. Anschließend bekommen sie den nächsten Termin mitgeteilt. Die ersten Impfungen gegen Tuberkulose und Polio bekommen sie gleich am ersten Donnerstag nach der Geburt und müssen dann nach sechs Wochen wiederkommen. Hebamme Gloria erzählte mir, dass sehr viele Mütter am Anfang zum impfen kommen aber nur ganz Wenige die Immunisierung vervollständigen und viele nicht wieder kommen, obwohl noch Impfungen fehlen. Der Grund dafür: vielen Frauen fehlt das nötige Transportmittel um die Krankenstation zu erreichen. Vor Allem aber fehlt es an Wissen über die Wichtigkeit von einem vollständigen Impfschutz. Die Mütter kennen die Vorteile dieser Impfungen nicht und denken es sei nicht so bedeutend. Gloria und ihre Kollegen versuchen aber immer die Patienten über Impfungen aufzuklären und Bewusstsein zu vermitteln.

Mir tun die Babys immer unglaublich leid, wenn sie gepikst werden und anfangen zu weinen. Deswegen versuche ich diese Aufgabe immer jemand anderem zu überlassen 🙂
Nach so einem Tag bin ich immer ziemlich froh, wenn ich aus der lauten Krankenstation (sogar Greta hört das Geschrei noch in der Schule) nach Hause gehen und meine Ohren entspannen kann. 😛

Liebe Grüße und bis bald!

Eure Francesca

Wie kommt die Erdnuss in die Tüte?

Liebe Leserinnen und Leser,

 

heute möchte ich euch ganz kurz davon berichten, was die letzten Wochen hier im Konvent vor sich gegangen ist. Für mich hat das wieder einmal gezeigt wie unbewusst und einfach wir uns in Deutschland Lebensmittel beschaffen. Da heißt es nämlich, wenn man abends Lust auf irgendetwas hat: „Ich fahr noch schnell in den Supermarkt, bin gleich wieder da.“. Dann greift man schnell ins Regal, nimmt sich noch eine Dose gesalzene Erdnüsse als Snack mit und zu Hause auf dem Sofa genießt man diese dann.
Wo die Erdnüsse herkommen, wo sie gepflanzt wurden, wer sie geerntet, getrocknet, geschält, sortiert und gesalzen hat, das spielt keine Rolle und den Großteil haben vermutlich sowieso Maschinen übernommen – unfassbar, wie technisiert und schnell (immer auf dem Sprung, stets im Stress des Alltags gefangen) wir leben.

Die Ernährung in Alenga steht im krassen Kontrast dazu. Und deshalb möchte ich euch heute davon erzählen wie Schwester Consentina und schließlich auch Greta und ich in den letzten beiden Wochen mit der Erdnuss-Ernte beschäftigt waren.

Die Erdnüsse wurden nach dem Ende der Trockenzeit (im Februar) gesät und dann regelmäßig von Unkraut befreit, während sie wuchsen.
Vor ca. zwei Wochen hat die 85-jährige Sister Con schließlich angefangen die fertigen Erdnusspflanzen im Feld zu ernten und in den Innenhof zum Trocknen zu legen. Nach einiger Zeit war der gesamte Platz im Innenhof belegt und Sister hat die Pflanzen regelmäßig in der prallen Mittagssonne gedreht, damit die Erdnüsse trocknen.
Eine Woche später war alles gut getrocknet und Sister begann die Nüsse, die an der Wurzel unter der Erde wachsen, von der Erde und der Pflanze zu befreien. Dabei halfen wir ihr dann gemeinsam mit einigen Schülerinnen und da wir uns um diese Zeit normalerweise alle in der Kirche zum Rosenkranz beten befinden, haben wir gleich mal den Rosenkranz mit der Arbeit verknüpft. Ungefähr 2 Stunden brauchten wir mit allen 20 Helfern um die Erdnüsse zu sortieren.
Die Erdnüsse haben wir dann auf einem großen Haufen auf der Terrasse gesammelt. Anschließend werden die Nüsse geschält. Das ist eine ziemlich ermüdende Arbeit, denn nach der 150. Nuss schmerzen die Finger sehr und der Ertrag erscheint winzig im Vergleich zur Mühe, die man mit der Erdnuss-Ernte hat.

Die im Norden Ugandas bekannteste Verarbeitungsform der Erdnüsse ist das sogenannte Odi. Um Odi zu produzieren, werden die geschälten Nüsse geröstet und dann durch langes Reiben und anschließendes Sieben von ihrer Haut befreit. Dann bringt man die Nüsse zur Mühle. Odi besteht allerdings nicht nur aus Erdnuss sondern auch aus Sesam. Zum Mahlvorgang gibt man also auch zuvor gerösteten Sesam dazu. Nach ungefähr 15 Minuten erhält man das fertige und super leckere Odi, was hauptsächlich zum Frühstück zusammen mit Süßkartoffeln oder Cassava genossen wird oder zum Kochen der ebenfalls für den Norden Ugandas typischen Speise Malakwan (Spinat ähnliche Blätter mit Odi gemischt).

Das war es auch schon zur Erdnuss 🙂 . Mich werden diese Erfahrungen deutlich bewusster und verändert durch den Supermarkt laufen lassen.

Ganz liebe Grüße in die Heimat, in die ich in weniger als zwei Wochen ja auch schon zurückkehre,

Eure Francesca

Buscalan (#5)

Hallo zusammen,

Inzwischen sind schon mehr als 75 % meines Einsatzes hier auf den Philippinen Geschichte. Ganz besondere Erfahrungen, die ich natürlich niemandem vorenthalten möchte, konnte ich in der Kar- und Osterwoche sowie den darauffolgenden Tagen machen. Zum besseren Verständnis und zur besseren Orientierung habe ich eine Karte erstellt, auf der die Orte markiert sind, die ich auf den Philippinen schon besucht habe. 

Gefährten vom Dach

Am Donnerstag vor Palmsonntag machten Simon, Peter und ich uns auf den Weg nach Buscalan. Zum einen wollten wir unseren Freund Theo dort wiedersehen, zum anderen reizte uns die Erfahrung, nachdem uns Theo und Peter schon vieles über das Dorf und die Menschen vor Ort berichtet hatten. Moritz konnte leider nicht mit, weil er den Besuch seiner Eltern erwartete. Früh morgens gegen sechs Uhr kamen wir in Bontoc, der nächstgrößeren Stadt, an. Wir gingen kurz auf den Markt, um noch einiges Gemüse und Obst für unseren einwöchigen Aufenthalt zu besorgen, bevor wir dann gegen viertel acht auf das Dach des Jeepneys kletterten, das uns ein Stück weiter in Richtung Buscalan bringen sollte. Schon vom Dach aus konnten wir eine atemberaubende Landschaft bestaunen, die sich uns überall bot. Die Straße war nicht gerade sonderlich breit, weshalb sich das Ganze manchmal etwas abenteuerlich gestaltete. Nichtsdestotrotz kamen wir wohlbehalten an der nächsten Station, einem kleinen Store an. Dort fanden wir einige Motorradfahrer vor, die darauf warteten, Leute zum sogenannten „Turningpoint“ zu bringen. Inzwischen war unsere Gruppe schon um drei weitere Leute gewachsen, die wir auf dem Dach des Jeepneys kennen lernten. Auch die Fahrt mit dem Motorrad war recht spannend, denn abgesehen vom Zustand der Straße hatten wir einiges an Gepäck dabei. Am Turningpoint kamen wir aber wiederum sicher an. Von dort aus machten wir uns ans letzte Stück Weg, das uns noch vom Dorf trennte, nämlich den Fußweg, der zunächst abwärts in ein schmales Tal mit einem Wasserfall und von dort wieder nach oben ins Dorf führte. Das hört sich alles etwas idyllischer an als es war, denn wir haben einige zig Höhenmeter überwunden, was in aller Herrgottsfrühe um ca. neun Uhr inklusive Gepäck nicht so ohne ist. Buscalan liegt zudem noch auf ca. 1000 Metern Höhe, was dem Aufstieg noch einmal einen eigenen Geschmack verleiht. Aber auch dieses Hindernis konnten wir überwinden und wir erreichten schließlich das Dorf. Dort wurden wir von unserem Freund Theo, der insgesamt schon einige Monate in Buscalan weilt, am Checkpoint empfangen. Da auch Peter im Dorf kein unbeschriebenes Blatt ist, konnten wir ihn als unseren Guide für die Woche nehmen, was die Registrierung beim Checkpoint sehr viel angenehmer machte. Untergebracht wurden wir in einem sogenannten „homestay“, der Übernachtungsmöglichkeit, die sich bei verschiedenen Familien im Dorf dort bietet. Der Preis für die Übernachtung stellt zudem gratis Reis und Kaffee bereit, welches beides im Dorf selbst gepflanzt und weiter verarbeitet wird. Da sich das Dorf vor einige Jahren den Touristen öffnete, um die Kultur mit diesen zu teilen, wurde eine Einrichtung wie der Checkpoint zur besseren Organisation nötig.

Einige Informationen vorab

Buscalan liegt in der Provinz Kalinga und bildet das eigene, gleichnamige Barangay. Dort leben die „Butbut“, eine eigene Volksgruppe mit langer Tradition und sehr interessanter Vergangenheit. Sie sprechen ihre eigene Sprache, ebenfalls „butbut“ genannt. In früheren Zeiten waren die Menschen, die dort leben, vor allem aufgrund ihrer „headhunter“, in der Umgebung berühmt berüchtigt. Als Headhunter bezeichnete man die Krieger des Dorfes. Bei Kämpfen mit benachbarten Dörfern oder anderen Feinden wie beispielsweise den Japanern im zweiten Weltkrieg trennten diese nämlich die Köpfe der getöteten Feinde ab, um diese zur Abschreckung weiterer Angreifer in der Nähe des Dorfes zu postieren. Heutzutage zieht es viele Touristen aufgrund der traditionellen Tattoos dort hin, die Männer zu damaliger Zeit durch Headhunting, Frauen aufgrund ihrer Schönheit erhalten haben. Die Tattoos werden nicht mit einer Maschine, sondern von Hand gestochen. Dazu verwenden die Tätowierer zwei Stöcke: In einem befindet sich ein kleines Loch, in welches ein Dorn gesteckt wird. An diesen wird immer wieder die Farbe geschmiert, die auf ganz natürliche Weise aus Kohle gewonnen wird. Mit dem zweiten Stock wird nun vorsichtig auf den Stock mit dem Dorn geklopft und so die Tinte in die Haut übertragen.

Die Bekannteste und zugleich mit ungefähr 100 Jahren die drittälteste Person im Dorf, Whang-Od tätowiert auch heute noch Touristen. Aufgrund ihrer eingeschränkten Sehfähigkeit und dem großen Andrang an Wochenenden und Feiertagen beschränkt sie sich inzwischen aber nur noch auf kleinere Tattoos. Für größere sind beispielsweise Grace und Elyiang, die das Handwerk ihrer Großtante fortführen möchten, oder auch andere Tattoo-Künstler aus dem Dorf zuständig. Whang-Od ist es selbst ein großes Anliegen, diese Tradition zu bewahren und an die nächste Generation weiterzugeben. Wer sich weitere Informationen zu diesem Thema holen möchte, dem seien diese Dokumentationen empfohlen: 

Im Dorf angekommen

Nach unserer Ankunft machten wir uns zunächst einmal zu unserem Homestay auf, um unser Gepäck abzuladen und die erste Tasse Kaffee zu trinken, die einfach nur hervorragend schmeckte. Danach haben wir uns mit Peter zunächst einmal ein wenig im Dorf umgesehen. Da zwei unserer Gefährten vom Dach bereits am nächsten Tag schon wieder abreisen wollte, begaben wir uns mit diesen auch direkt zu einer der Tattoo-Künstlerinnen. Dort konnten wir dann das erste Mal beobachten, wie die Tattoos gestochen werden. Auf dem Heimweg beobachtete ich dann noch einige Männer beim Schachspielen. Da die anderen schon weitergelaufen waren, konnte ich den Weg zurück zum Homestay aufgrund meiner Verwirrung und mangelnder Ortskenntnis nicht finden. Die Leute vor Ort waren aber sehr freundlich und hilfsbereit, sodass mir ein Mann seinen Sohn voraus schickte, um mir den Weg zu zeigen.

Den Abend ließen wir dann nach dem gemeinsamen Kochen und Essen noch gemütlich ausklingen. Der Reis aus Buscalan ist nicht, wie man ihn üblich kennt weiß, sondern meist rot. Einen wirklichen geschmacklichen Unterschied konnte ich nicht feststellen. Aufgrund der großen Anzahl an Menschen müssen sich die Leute aus dem Dorf aber auch zusätzlich noch mit Reis aus der Umgebung wie z.B. aus Tabuk eindecken. Gemeinsam mit uns im Homestay waren außerdem noch eine französische Tattoo-Künstlerin sowie der Amerikaner Gabriel.

Am nächsten Morgen trafen Simon, Gabriel und ich uns mit Theo, um ihm zu helfen, für den Store der Familie, bei der er lebt, einige Dinge vom Turningpoint abzuholen. Insgesamt liefen wir zwei mal dorthin und wieder nach oben ins Dorf, unterbrochen von einigen Essenspausen am Turningpoint und im Dorf sowie einigen Trinkpausen am Wasserfall. An ebenjenem konnten wir am Nachmittag dann auch noch die Gelegenheit nutzen und Baden gehen. Viele Jungs aus dem Dorf waren auch dort, oft im Adamskostüm unterwegs. Nach dem Baden sammelten sie aus dem Umkreis einer kleinen, trockengelegten Reisterrasse haufenweise Gestrüpp, Blätter und Äste zusammen, um daraus ein Feuer zu machen, an dem man sich wunderbar trocknen konnte.

Am darauffolgenden Tag machten Simon und ich uns zu einer kleinen Wanderung am Vormittag auf, die uns zur ein ganzes Stück oberhalb vom Dorf gelegenen Grundschule führte. Dort genossen wir die wunderbare Aussicht und das wunderbar sonnige Wetter. Gegen Mittag machten wir uns wieder auf den Rückweg ins Dorf, um mit dem Kochen anzufangen. Gabriel und die Französin waren am Morgen schon wieder abgereist. Gemeinsam mit Peter und Jan, einem deutschen Fotografen, machten wir uns am Nachmittag auf den Weg, um uns die Reisterrassen anzusehen, die das Dorf an der oberen Hangseite umgeben. Dort waren noch einige Frauen dabei, den Reis zu pflanzen. Das war wirklich beeindruckend zu sehen, mit was für einer Geschwindigkeit und Geschicklichkeit das vonstatten ging. Das Anpflanzen des Reises ist in Buscalan Sache der erstgeborenen Frauen. Man glaubt, dass das für die Ernte einen besseren Ertrag bringt. Nicht wenig verwunderlich also, dass einige ältere Frauen im Ort unterwegs sind, die extrem gebückt laufen.

Am nächsten Morgen brachen Peter und ich gemeinsam mit Jan, der sich auf den Rückweg begab, früh morgens nach Bontoc auf, um uns die Tickets für die Rückfahrt mit dem Bus zu organisieren.

Nachdem dies erledigt und wir uns wieder auf dem Dach des Jeepneys auf der Rückfahrt befanden, lernten wir bereits schon den nächsten Deutschen kennen. Auch er sollte ein Begleiter für die nächsten Tage sein.

Bei Charlie, dem Captain des Dorfes und dem Betreiber unseres Homestays, verbringen verschiedene Jugendliche ihre Sommer- und damit schulfreien Monate, um sich dort durch Mithilfe ihr Taschengeld aufzubessern. Da Brand, einer dieser Jungs bei Charlie, der Enkel des Captains aus dem Nachbardorf Butbut-Proper ist, bot sich für uns am darauffolgenden Tag die Gelegenheit, eine kleine Wanderung ins Nachbardorf zu unternehmen. Der Weg führte uns über die Reisterrassen und einen Pfad bzw. Straße am Berg entlang. Über die gesamte Zeit konnten wir dort die schöne Landschaft bewundern. Angekommen im Dorf konnte man schon einige deutliche Unterschiede feststellen: Das Dorf insgesamt wirkte schon einmal viel entzerrter und war viel lockerer strukturiert als Buscalan. Auch konnte man bemerken, dass die Dorfbewohner Weiße nicht so oft zu sehen bekommen wie die Leute aus ihrem Nachbarort. Nichtsdestotrotz wurden wir freundlich aufgenommen und vom Captain des Dorfes, Brands Großvater, zu einer Tasse Kaffee und ein paar Keksen eingeladen. Unser Rückweg führte uns dann über das Dorf Loccong, das auf dem Bergkamm oberhalb von Buscalan liegt.

Simon und ich verbrachten den nächsten Tag eigentlich hauptsächlich damit, für den Store von Theos Familie Bierkisten oder für die anstehende Hochzeit Holzstücke hoch zu tragen. Diese Holzstücke waren in etwa 70 cm lang und hatten einen Durchmesser von circa 20-25 cm. Als Dank für die Mithilfe wurden Simon, Peter und ich Abends noch bei der Familie der Braut zum Essen eingeladen.

Da der darauffolgende Tag der Geburtstag von Clarissa, einer der Mädels von Theos Familie, war, durften auch wir mit zur Geburtstagsfeier zum Wasserfall. Bei solch einem Anlass ist es üblich, dass das Geburtstagskind zwei bis drei Hühner für das Essen sponsert. Diese wurden am Wasserfall, über die Reisterrassen oberhalb des Dorfes zu erreichen, direkt gerupft und weiter zu Suppe verarbeitetet. Die Suppe wurde dann zusammen mit, wer hätte es gedacht, Reis gegessen. Wie es sich für so einen Anlass gehört, wurde der Reis und das Hühnchen dann auf Palmblättern, die auf dem Boden ausgebreitet werden, serviert. Bei den Filipinos ist das als „buddle fight“ bekannt. Eingenommen wurde das Mahl mit den Händen.

Obwohl wir uns schon am Nachmittag auf den Weg machten und uns das Warten aufs Essen mit Musik und diversen Getränken vertrieben, war es beim Baden im Wasserfall doch relativ frisch. Danach wurde allerdings wieder ein kleines Feuer gemacht, an dem man sich gut trocknen konnte. Mit der einsetzenden Dämmerung machten wir uns dann wieder auf den Weg zurück ins Dorf.

Am unserem letzten Tag machten Simon und ich uns dann früh morgens wieder auf den Weg zum Turningpoint, um dort das nach Bontoc fahrende Jeepney um neun Uhr zu nehmen.

Ein unerwartetes Event

Wir sollten aber schon am direkt darauffolgenden Freitag nach Buscalan zurückkehren, da wir während unseres ersten Aufenthalts von Charlie zur Hochzeit eines Familienmitglieds am kommenden Freitag und Samstag eingeladen wurden.

So machten Simon und ich uns am Donnerstag wieder auf den Weg in den Norden. Wir kamen wieder am Freitagvormittag im Dorf an und machten uns wieder zum Homestay bei Charlie auf. Dort trafen wir auf Peter, der immer noch dort weilte.

Die Hochzeit sollte am Freitag Abend beginnen. Bei den Hochzeiten gibt es unterschiedliche Varianten, je nachdem, ob das Pärchen schon Kinder hat oder nicht. Haben die Heiratswilligen schon Töchter bzw. Söhne, so entfällt die eigentliche Zeremonie und es findet nur die Feier statt. Andernfalls erfolgt für das Brautpaar eine Zeremonie. Bei der Hochzeit, an der wir teilnehmen konnten, hatte das Paar schon Kinder, weshalb am Samstag Nachmittag keine Zeremonie stattfand.

Als Vorbereitung auf die Hochzeit ist es Brauch, dass der Bräutigam und seine Freunde zwei bis drei Kalabaw, eine Art Wasserbüffel, der ganz viel zur Arbeit in den Reisfeldern eingesetzt wird, für das Essen stiftet. Für die Braut ist ähnliches angesagt: sie hat circa drei Schweine zu besorgen. Obwohl im ganzen Dorf Schweine unterwegs sind, die dort unterwegs sind wie anderorts Hunde und Katzen, werden diese nicht für diese Zwecke geschlachtet, sondern eigens gesonderte hergeschafft. Die Tradition verlangt es, dass die Freunde der Heiratenden die Tiere aus dem jeweiligen aktuellen Heimatort heranschaffen. Deshalb konnten wir am Freitag immer wieder Männer die Tiere, zum Teil schon geschlachtet und aufgeteilt, zum Teil noch lebend, an dünnen Stämmen den Berg hoch tragen sehen. Wenn man von dem Gewicht eines durchschnittlichen Schweines ausgeht, kann man sich vorstellen, was für eine schweißtreibende Arbeit das ist.

Am Freitag Abend versammelten sich also viele Leute zu Musik und Tanz auf einem kleinen Platz im Dorf, unweit von Charlies Homestay gelegen. Es war eine Abwechslung aus den traditionellen Tänzen mit eigenen Instrumenten, aus Sonderwünschen oder aus für jedermann angebotene Tänze. Zudem gaben ein paar Leute Gesangseinlagen zum Besten. Die traditionellen Instrumente sind Percussion-Instrumente. Sie ähneln ein wenig grifflosen Pfannen aus Kupfer in unterschiedlichen Größen, aufgehängt an einer Schnur. Darauf geschlagen wird mit einem der Größe entsprechenden Stock. Aufgrund der unterschiedlichen Größen und der Art, wie man darauf schlägt, entstehen natürlich unterschiedliche Klangfarben. Diese werden aus drei verschiedenen Pattern zu einem Rhythmus zusammengefügt. Während des Spielens tanzen die Männer hintereinander umher, währenddessen kommen irgendwann die Frauen hinzu, die innerhalb der Schlange der Männer eine eigene Schlange bilden und zur Musik tanzen. Der Tanz besteht aus Vor-und Zurückbewegen der zur Seite hin ausgestreckten Oberarme sowie verschiedenen Schritten der Füße. Die Videoaufnahme sollte den eben beschriebenen Ablauf etwas besser erklären.

Nachdem wir am Samstag Vormittag dann ausschlafen konnten und uns zum gemeinsamen Mittagessen mit Theo und einigen seiner Freunden und Freundinnen trafen, wurden am Samstag die Tänze des Vortages bis in die späte Nacht fortgesetzt. Wie bereits erläutert, entfiel eine Zeremonie für das Brautpaar. Als kleines Geschenk für das Brautpaar brachten wir eine Postkarte von Deutschland, original Bayerisches Bier und eine frisch gekochte Mahlzeit mit.

Am nächsten Morgen ging es für uns dann leider schon wieder zurück, da unsere Kinder und die Arbeit mit ihnen rief. Auf der Rückfahrt konnten wir noch einmal die schöne Aussicht vom Dach des Jeepneys genießen.

Der weitere Verlauf der nächsten Wochen

Den 1. Mai, der wie in der Deutschland Tag der Arbeit und somit Feiertag ist, nutzen wir zu einem verlängerten Wochenende und so machten Peter, Simon und ich uns erstmals gemeinsam mit Moritz auf nach Buscalan. Wir begaben uns am Mittwoch Abend auf unsere erneute Reise und kamen wiederum gegen sieben Uhr in der Früh an. Nach unserem Einkauf auf dem Markt liefen wir zum Jeepney, das uns nach Buscalan bringen sollte und luden unser Gepäck ab. Abfahrt ist um neun Uhr, so der Fahrer, weshalb wir die Zwischenzeit nutzen, um eine Kleinigkeit zu essen.

Als wir gegen dreiviertel neun Uhr die Straße Richtung dem Abfahrtspunkt liefen, sahen wir bereits eines wegfahren. Wir dachten uns zuerst nur: Gut, das wird schon nicht unseres gewesen sein, es fahren ja bestimmt noch andere in diese Richtung. Nachdem wir aber zwei Minuten später ankamen, stellten wir fest, dass es doch unseres war, das nun mit dem Gepäck auf dem Dach davon gefahren ist. Wir schnappten uns also schnell ein Trycicle und folgten dem Fahrzeug. Da nach einigen Kurven schon wieder einige Leute zustiegen, dauerte die Verfolgung nicht lange und wir konnten zu unserem Gepäck aufs Dach klettern. Angesichts der Vielzahl an Leuten im und auf dem Gefährt war es auch nicht weiter verwunderlich, dass der Fahrer nicht mehr auf weitere Passagiere warten wollte. Nach einer schönen, sonnigen Fahrt erreichten wir nach dem kleinen Fußmarsch wieder das Dorf. Auf dem Weg dorthin bemerkten wir, dass der Weg vom Turningpoint zum Dorf mithilfe dreier Bagger bearbeitet und so ein ganzes Stück breiter gemacht werden sollte.

In Buscalan angekommen trafen wir wieder Theo, der uns ein weiteres mal freudig begrüßte. Aufgrund der Vielzahl an Filipinos und anderer Touristen, die wegen des 1. Mais auf die selbe Idee wie wir gekommen sind, kamen wir in Charlies Homestay schon gar nicht mehr unter. Das war kein Problem, denn so kamen wir in Anna‘s Homestay in Theos und auch Charlies Nachbarschaft unter.

Die weiteren Tage waren nicht sonderlich spektakulär: Wir kochten wieder gemeinsam, halfen verschiedenste Dinge vom Turningpoint nach oben zu transportieren, waren unten am Wasserfall beim Baden und ein wenig im Dorf unterwegs. Dabei konnten wir wieder einige sehr interessante Leute kennen lernen. Wie bereits gesagt, waren aber wahnsinnig viele Leute da, was das Ganze etwas unentspannter machte. Die Dorfbewohner hatten alle Hände voll zu tun, alle Homestays waren bis auf des letzte Bett ausgebucht, jeden Tag kamen neue Touristengruppen ins Dorf, es wurde fast rund um die Uhr und überall tätowiert. Wir machten uns am Sonntagnachmittag dann schon wieder auf den Heimweg und waren Montag früh morgens wieder in Manila. Dadurch hatten wir noch genug Zeit, um uns für die Graduation der älteren Schüler und damit Highschool-Absolventen aus dem Center auszuruhen, die am frühen Nachmittag beginnen sollte.

Neben der Graduation war ein weiteres Highlight in den letzten Wochen die Segnung des Centers in Payatas, das Anfang das Jahres renoviert und umgebaut wurde. Neben einem größeren Klassenzimmer im Obergeschoss inklusive einer Toilette wurde im Untergeschoss ein abgeschlossenes Zimmer für die Küche eingerichtet. Der Unterricht mit meinen Kindern nimmt soweit seinen gewohnten Lauf, die Sommerhitze erschwert diesen allerdings etwas. Zum einen sind die Kinder etwas anders drauf und häufig etwas überdreht, zum anderen machen fast alle Kinder einen Mittagsschlaf, weswegen ich die Stunden am Nachmittag manchmal absagen muss.

Viele Grüße aus Manila

Jakob

Update Juni – Lebenszeichen aus Manila

Liebe Leserinnen und Leser, Interessenten und Unterstützer,

Nun ist es wirklich schon eine ganze Weile her, seitdem ich mich zuletzt mit einem Artikel gemeldet habe. In den letzten Wochen und Monaten ist mal wieder sehr viel passiert und ich habe so einiges erlebt und gelernt.

Ich lebe nun seit guten 10 Monaten hier auf den Philippinen und habe mich mittlerweile so sehr an den Alltag und alles drumherum gewöhnt, dass ich mir kaum mehr vorstellen kann in einigen Monaten schon wieder nach Deutschland zurückzukehren. Um ehrlich zu sein, erwische ich mich des Öfteren selbst bei dem Versuch, einfach nicht daran zu denken und jene Tatsache zu unterdrücken. Etwas, was ich mir noch vor der Ausreise letzten August nicht hätte ausmalen können.

Ich bin wirklich dankbar und glücklich, diese Chance bekommen und ergriffen zu haben und es fällt mir wirklich nicht leicht all die Eindrücke und Erlebnisse in einem solchen Artikel zusammenzufassen. Nun ja, ich werde es nun zumindest versuchen, indem ich über Dinge berichte, die mir mehr oder weniger spontan einfallen.

Ein sehr eindrucksvolles Erlebnis waren für mich in den letzten Wochen die Ausflüge nach Buscalan, ein kleines Dorf mitten in den Bergen. Mit dem Bus ungefähr 13 Stunden weg von Manila.

Bekannt für die traditionelle Tattoo – Kunst lockt dieser Ort zwar mehr und mehr Touristen an, nichtsdestotrotz beeindruckte mich, wie ruhig und vergleichsweise langsam das Leben dort vor sich geht. Umso mehr im direkten Vergleich mit dem teilweise eher hektischen Manila.

Die Menschen dort begegnen einem mit einem unvergleichbaren Respekt und ich fühlte mich dort sofort willkommen und aufgenommen, fast so als wäre es meine zweite Heimat.

Diese gesamte Atmosphäre wird durch die tolle Landschaft, das Bergpanorama und die unzähligen Reisterrassen nur noch verstärkt.

Zurück in Manila, befinden wir uns unterdessen bereits in den letzten Unterrichtswochen mit unseren Kindern. Ich habe vor kurzem ein Videoprojekt abgeschlossen, das den Alltag von uns Freiwilligen zeigt, begleitet und sicherlich einen nochmal besseren Eindruck als die Bilder und Berichte geben kann. Ich freue mich schon sehr, euch dieses Video demnächst zeigen zu können bzw. es im Rahmen meines nächsten Blogeintrags zu veröffentlichen.

Des weiteren sind wir gerade dabei, das letzte große Event für unsere Kinder zu organisieren. Einen Ausflug in einen Naturpark oder Zoo mit anschließendem Mittagessen wird es noch geben und direkt im Anschluss findet dann die Graduation (Abschlussfeier) statt. Um diese Veranstaltung zu realisieren und unseren Kindern eine große Freude machen zu können, sind wir auf Spenden angewiesen. Für mich ist dies eine wirkliche Herzensangelegenheit, da vor allem die Abschlussfeier unser letztes Zusammenkommen mit den Kindern sein wird. Wer sich also vorstellen könnte, einen Betrag zu spenden und uns zu unterstützen oder auch ein paar genauere Infos zu den geplanten Events haben möchte, kann sich sehr gerne jederzeit bei mir melden (mo.koerner.blb@gmail.com).

 

Hier noch ein paar besondere Momente, eingefangen während des Unterrichts mit einigen meiner Kids in Payatas. Diese Gruppe unterrichte ich immer morgens von 9-10 Uhr. Jede Menge Spaß aber auch konzentriertes Arbeiten sind garantiert! 😀

Vielen herzlichen Dank im Voraus und liebe Grüße an euch alle,

euer Moritz

Mein dritter Rundbrief

Hallo zusammen,

Inzwischen ist bei uns der Winter mit seinen angenehmen 25-30° C schon wieder vorbei und der Sommer naht mit großen Schritten. Das macht sich mit stetig steigenden Temperaturen sowie steigender Luftfeuchtigkeit bemerkbar. Die Sommermonate sind hauptsächlich April und Mai.

Abgesehen vom Temperaturumschwung hat sich wieder viel getan in den vergangenen Wochen:

Zwischenseminar in La Libertad

Zunächst einmal fand Ende Januar beziehungsweise Anfang Februar unser fünftägiges Zwischenseminar im Ort La Libertad auf der Insel Negros statt. Diese wird zu Visayas, der mittleren der drei großen Inselgruppen, gezählt. Zusammen mit 13 weiteren Freiwilligen, die einen Einsatz in den unterschiedlichsten Teilen der Philippinen absolvieren, verbrachten Moritz, Simon und ich das Seminar unter der Leitung von zwei Betreuern, die beide auch schon über längere Zeit auf den Philippinen gelebt und gearbeitet haben, mit verschiedenen Einheiten rund um unseren Einsatz. Nach dem Kennenlernen der gegenseitigen Einsatzstellen und dem Austausch von dort gemachten Erfahrungen, drehten sich die Einheiten vor allem um die kulturellen Unterschiede, worauf ich aber später noch genauer eingehen möchte. Zusätzlich konnten wir für unsere Arbeit mit den Kindern noch einige Anregungen und Tipps mit nach Hause nehmen. Des Weiteren stand noch ein persönliches Gespräch mit einem der Betreuer über unser Befinden an, um dieses dann unserer Organisation zurückzumelden.

Das Resort, in dem wir untergebracht waren, wird vom Ort La Libertad betrieben und ist eine Art Gemeinschaftsprojekt, das auf der Mithilfe einiger Leute aus den verschiedenen Ortsteilen und Dörfern basiert. Am Donnerstag hatten wir dann auch die Möglichkeit, den Bürgermeister, eine wirklich interessante Persönlichkeit, kennen zu lernen. Er lud uns spontan für einen Tagesausflug zu einer nicht allzu weit entfernten Sandbank ein, auf der die Gemeinde einige Häuser auf Stelzen über dem Wasser an Gäste vermietet. Dort war für Verpflegung reichlich gesorgt: neben Banana cue, Kamote (Süßkartoffeln, beides wird zunächst frittiert und danach durch darüber gegebenen und karamellisierenden Zucker gesüßt), frischer Buko und Bier ergab sich für uns die Möglichkeit, frische Seeigel und Austern zu probieren. Auf der Sandbank bot sich neben dem Schwimmen außerdem eine gute Gelegenheit, um zu Schnorcheln. Dort konnten wir neben Fischen und Seeigeln auch Seesterne finden. Abgerundet wurde unser Tag zurück im Resort dann mit einer Einladung zu Lechon, ein Spanferkel, das der Bürgermeister extra für uns zubereiten ließ, und danach zum Karaoke, welches bei den Filipinos überaus beliebt ist.

Auftritt im Music Museum

Des Weiteren fanden unsere Theaterproben ihren Höhepunkt in der Aufführung im Music Museum. Nach einer Critic ́s Night und einem Auftritt in Cavite, einem Konvent der Salvatorianer in Tagaytay City, sowie weiteren etlichen Proben ging dann am 24. Februar unsere Hauptaufführung im wahrsten Sinne des Wortes über die Bühne. Wir trafen uns bereits am frühen Morgen zum Schminken und zum Kostüme anprobieren, am Nachmittag standen dann ein Durchlauf mit Kopfbügelmikrofonen und allem Drum und Dran auf dem Spiel, bevor ab 19 Uhr die Zuschauer den Saal betraten. Darunter befand sich ein ganz besonderer Gast, nämlich eine Dame, die schon bereits zweimal als „National Artist“ für Theater nominiert wurde. Gegen 20 Uhr begann dann die Aufführung, welche zu unserer vollen Zufriedenheit verlief. Angesichts der Zahl an verkauften Tickets ist davon auszugehen, dass auch der eigentliche Zweck, Spenden für die Organisation zu generieren, erfüllt ist.

Program evaluation in Nasugbu

Vergangene Woche reisten dann das gesamte Personal aus beiden Centern unter der Leitung von Sister Frances und Sister Mila nach Nasugbu zur „Program Evaluation“. Nach der Ankunft am Dienstag in einem sehr schönen und großen Wochenendhaus, das uns eine mit den Salvatorianern befreundete Familie zur Verfügung stellte, drehte es sich die darauffolgenden Tage um die einzelnen Programme von Puso sa Puso: Welche Ziele aus vorangegangenen Plänen wurden erreicht? Welche Neuerungen oder Veränderungen gab es? Wie sieht es mit Plänen für die Zukunft aus? Dabei wurde natürlich auch unser Programm, das „Basic Home Base Tutorial Programm“ unter dem Namen „Eskwelahan ng Buhay“, unter die Lupe genommen und wir konnten unsere Sicht auf die Dinge teilen. Zudem machten wir uns über „non measurable benefits“ Gedanken, also welche Vorteile die Teilnehmer der verschiedenen Programme von Puso sa Puso haben, die nicht beziffert und gemessen werden können.

Zwischen unseren Meetings blieb natürlich immer wieder Freiraum fürs Kochen und gemeinsame Essen, Entspannen oder am Strand oder im Pool schwimmen gehen. Am Donnerstagnachmittag machten wir uns dann wieder auf den Rückweg. Dieser führte uns über den Konvent der Salvatorianer in Cavite, in dem wir eingeladen waren, eine Nacht zu verbringen. Es war schön, mit den dortigen Patern und Schülern ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen. Am nächsten Morgen traten wir dann den letzten Teil unserer Rückreise an, der uns über einige schöne Aussichtsplätze und Attraktionen, wie zum Beispiel den People‘s park in the sky oder Sonya‘s Garden führten, bei denen wir dann jeweils einen kleinen Stopp einlegten. Eine ganz wichtige Station, die bei den Filipinos auf keiner Reise fehlen darf, war dann auch noch das „Pasalubong-Center“. Als „Pasalubong“ bezeichnet man ein Mitbringsel von seiner Reise für Freunde und Familie zuhause. Dies kann von lokalen Essensspezialitäten bis hin zu Schlüsselanhängern alles Mögliche sein.

Abgesehen von diesen außerplanmäßigen Aktivitäten nahm natürlich der Unterricht mit den Kindern ganz normal seinen Lauf. Diese machen weiterhin Schritt für Schritt ihre Fortschritte. Mit dem Alphabet sind wir schon ein ganzes Stück weiter. Ich versuche natürlich während meinen Stunden die bisherigen Inhalte immer wieder zu wiederholen. Auch in anderen Bereichen merke ich deutliche Veränderungen, beispielsweise ihr Verhalten gegenüber den anderen Schülern.

Zu erwähnen ist außerdem noch Lorenz, ein Besucher aus München, der drei Wochen hier auf den Philippinen weilte, um sich Puso sa Puso genauer anzuschauen. Zwei Wochen verbrachte er jetzt hier mit uns in Manila, bevor es für ihn für die Karwoche nach Cavite weiterging.

Kulturelle Unterschiede

Wie angesprochen behandelt dieser Rundbrief die kulturellen Unterschiede, über die wir uns bei unserem Zwischenseminar ausgetauscht haben. Was man sich da zunächst einmal bewusst machen muss, ist die Existenz der anderen Kultur und die damit verbundenen unterschiedlich geprägten Ansichten. Eine unserer Einheiten, die das wunderbar darstellte, lief folgendermaßen ab: Zwei telefonierende Freunde sollen sich anhand einer Karte einen Weg durch eine Stadt bahnen. Allerdings hat Freund A eine Karte mit Beschriftungen, Freund B eine Karte ohne Beschriftungen. Der Clou an der Geschichte war, dass die Karten spiegelverkehrt waren, sprich ein Gesprächspartner redet die ganze Zeit von etwas, was für den anderen nicht klar ersichtlich ist, weil es sich für ihn auf der anderen Seite der Karte befindet. Solange man das nicht realisiert hat, führt das zu sehr viel Verzweiflung und Aufregung und man beginnt, alles Mögliche, auch sich selbst, zu hinterfragen. Wenn man allerdings realisiert hat, was der Unterschied zwischen beiden Karten ist, lässt sich die Aufgabe recht schnell lösen. Im übertragenen Sinne bedeutet das also, dass man sich zunächst einmal darüber im Klaren sein muss, dass die Kultur vor Ort Unterschiede zur eigenen aufweist und man nicht von den gleichen Gegebenheiten ausgehen kann. Hat man dies erst einmal verstanden, so kann ein guter Austausch erfolgen. Wichtig ist allerdings, so unsere Betreuer, seine eigene Kultur nicht komplett für die andere aufzugeben, da so kein Austausch entstehen könne.

Ein prägender kultureller Unterschied ist zunächst einmal das Zeitgefühl: Wir, die Deutschen, getaktet wie ein Uhrwerk und stets um genaueste Pünktlichkeit bemüht, gegenüber den Filipinos mit ihrer „Philipino time“, welche bedeutet, dass der Treffpunkt nicht auf eine präzise Minute beschränkt ist, sondern diese Minute und außerdem noch weitere eineinhalb Stunden umfasst. Das sind jetzt natürlich nur übertriebene Stereotypen, es gibt selbstverständlich auch hier sehr pünktliche Leute und auch Deutsche wie mich, die bei Weitem nicht zu den Pünktlichsten gehören. Dennoch ist dieser Unterschied hier nicht zu vernachlässigen, gerade bei der Planung gewisser Events. Verstärkt wird dieser Faktor hier in Manila vermutlich noch durch die Verkehrssituation.

Einen weiteren Unterschied stellt der Umgang mit Konfliktsituationen dar: während sich die Deutschen ihren offenen Umgang und das direkte Ansprechen von Problemen und Differenzen geloben, halten die Filipinos sich eher an die indirekte Kommunikation. Ein Problem (oder auch Kritik) wird über eine andere Person mitgeteilt, die im Prinzip als Mittelsmann fungiert.

Des Weiteren nimmt bei Filipinos die Familie einen anderen Stellenwert ein, als wir es hier in Deutschland schon vielerorts gewohnt sind. Die Familie ist der zentrale Dreh- und Angelpunkt im Leben. Die Familie umfasst allerdings nicht nur die Geschwister, Eltern und Großeltern sondern alles bis hin zur Großtante und Großcousine.

Wie ich schon selbst erfahren habe, können derartige Unterschiede leicht zu Verwirrung oder Missverständnissen führen, helfen aber nichtsdestotrotz, die Kultur besser zu verstehen.

Für uns steht in der kommenden Karwoche jetzt auch erst einmal nichts mehr Schultechnisches auf dem Plan. Daher sind Simon und ich am Sonntagabend mit Peter losgezogen und haben uns auf eine weitere Reise begeben, von der ich dann in meinem nächsten Blogeintrag berichten kann. Ich hoffe, Ihr konntet schöne und erholsame Kar- und Ostertage mit euren Familien verbringen!

Viele Grüße aus Manila

Jakob

Sicherheit (#4)

Hallo zusammen,

Inzwischen schreiben wir schon das Jahr 2018 und, wie sollte es anders sein, es hat sich schon wieder so einiges ereignet.

Nachdem wir unseren Marathon an Weihnachtsfeiern erfolgreich absolviert hatten, hatten wir die Woche vor Weihnachten ab dem 20. Dezember bis hin zum 2. Januar frei. Heilig Abend und den ersten Weihnachtsfeiertag haben wir noch in New Manila verbracht. Am 24. Dezember abends haben wir nach der Kirche zusammen Kässpätzle gekocht und deutsches Bier getrunken. Anschließend haben wir noch eine kleine Bescherung gehabt und den Abend gemeinsam mit einem Freund, der noch zu einem kurzen Besuch vorbeikam, ausklingen lassen. Am 25. Dezember bereiteten wir uns am Vormittag ein paar schöne Schnitzel mit Kartoffelsalat zu. Die Schnitzel waren sehr lecker, der Kartoffelsalat in Ordnung, aber auch noch ausbaufähig. Wir haben dann eben doch nicht so viel Erfahrung wie unsere Mamas und Omas… Den Abend des 25. Dezembers haben wir dann noch mit einer kräftigen Brotzeit abgeschlossen, die wir dank einiger Wurst, die ich aus dem Ries noch hatte und welche zu viel für die Gastgeschenke war, in vollen Zügen genießen konnten. Mit von der Partie war unser Freund Peter, mit dem wir uns noch am selben Abend auf die Reise begaben.

Alles in Allem hatte ich mir Weihnachten ohne meine Familie viel schlimmer vorgestellt, aber mit Moritz und Simon habe ich doch ein ganz schönes Fest gehabt. Vielleicht liegt das auch daran, das es einige Dinge gab, welche an die bisherigen Weihnachtsfeste erinnert haben: wie jedes Jahr habe ich wieder viel zu viel gegessen und war nach jedem Mahl einfach nur babbsatt, das Essen und das Bier waren deutsch, was vielleicht noch viel mehr an Weihnachten zu Hause erinnert hat.

Wie bereits gesagt zogen wir noch direkt am Abend des 25. Dezembers los und kamen noch vor dem Morgengrauen des 26. Dezembers in Alaminos in der Nähe von den Hundred Islands in der Provinz Pangasinan an. Wir verbrachten die Tage dort gemeinsam mit Jan, einem deutschen Freund von Peter, bei Peters Tante. Wir sind in der gemeinsamen Zeit dort immer zusammen auf dem Markt zum Einkaufen gegangen und haben viel zusammen gekocht. Für einen Tag sind wir in der Nähe zu einem sehr idyllischen und wahnsinnig schönen Wasserfall gefahren. Das Wasser dort hat mich wegen der Farbe ganz stark an die Plitvicer Seen erinnert, auch die Umgebung war etwas ähnlich. Wir konnten dort baden und einige Zeit an diesem schönen Ort verweilen, bevor es wieder zurück nach Alaminos ging.

Am nächsten Morgen machten wir uns schon sehr früh daran, zu kochen und das Essen einzupacken, denn es sollte schon bald losgehen in den Hafen und von dort weiter zum Islandhopping bei den Hundred Islands. Die Hundred Islands sind ein großer Nationalpark und umfassen ein riesiges Areal von vielen vielen Inseln in unterschiedlichster Form und Ausprägung. Einige der Inseln sind noch so gut wie unberührt, wohingegen andere schon einige Häuser und Dinge wie eine Seilbahn haben, welches den Touristen dient. Mit unserem Bootsmann, der uns über den Tag begleitete und von Insel zu Insel brachte, haben wir auch zunächst zwei Inseln dieser Art besucht, welche wirklich sehr schön, aber von sehr vielen Leuten frequentiert waren. Auf einer konnten wir auf einen kleinen Berg laufen, von welchem sich uns ein wirklich guter Blick auf die wahnsinnig schöne Umgebung bot. Auf einer der Inseln, welche wir bei unserer Fahrt passierten, stand eine riesige Jesus-Statue aus Stein, ähnlich wie die in Rio de Janeiro. Andere Inseln, so erklärte uns Peter, werden aufgrund ihrer Gestalt von den Leuten mit Tieren wie beispielsweise einer Schildkröte verglichen. Die letzte Insel, die wir aufsuchten, war fernab von den vielen Leuten und wir hatten sie fast komplett für uns allein, so war es auch mit Abstand die beste von allen. Das Wasser dort war wahnsinnig klar und der Strand sehr schön. Auf der einen Seite der Insel waren hohe, bewachsene Felsen, auf denen man ein wenig herum klettern konnte. In der Mitte hatte sich das Wasser einen Weg durch die Felsen gebahnt und lief zu einem flachen, etwas größeren Teich in der Mitte zusammen. Die komplette Insel war von sehr flachem Wasser umgeben, was zum Schnorcheln fast schon wieder zu flach, aber nicht weniger schön war. Wir konnten wieder eine tolle Unterwasserwelt sehen und einige schöne Fische bewundern. Simon konnte außerdem schmerzhafte Bekanntschaft mit einem Seeigel machen, eine dauerhafte Freundschaft wurde daraus aber nicht.

Wir haben dort dann den kompletten restlichen Tag mit Essen, Trinken, Klettern, Schnorcheln und Nichtstun verbracht, bis wir uns dann gegen 17:00 Uhr wieder auf den Rückweg machten. Theoretisch hätten wir auch auf einer der Inseln übernachten können, allerdings darf man dann kein Lagerfeuer machen und außerdem zog es Jan am nächsten Tag in aller Früh schon weiter in die Berge, weshalb wir uns dann doch dagegen entschieden. Im Nachhinein dann vielleicht doch ganz gut, denn von Teacher Althea aus dem Konvent in Loyola erfuhr ich einige Zeit später, dass die Inseln des Nachts ganz gerne von Ratten aufgesucht werden.

Von Alaminos ging es am nächsten Tag auch schon wieder weiter nach La Union. Die ca. 130 Kilometer zogen sich in verschiedenen Bussen ganze sieben Stunden, was etwas nervig war. Wir kamen dann gegen 16:30 in der kleinen Ferienwohnung in La Union, genauer gesagt San Juan, an. In dieser Wohnung hatten wir eine kleine Terrasse mit Blick auf das Meer, was wirklich wunderbar war. La Union ist besonders bei Surfern beliebt, da die Gegend bekannt ist für gute Wellen.

Wir machten uns nach unserer Ankunft erst mal auf nach San Fernando, die nächstgrößere Stadt, um dort einzukaufen. Da die Jeepneys alle voll besetzt waren, fuhren wir per Anhalter auf der Ladefläche eines kleinen Trucks mit. Nach dem Einkauf und dem anschließenden Abendessen ließen wir den Abend und die Nacht noch in einer Bar am Strand ausklingen. Im Laufe der nächsten Tage kamen noch weitere Freunde aus Manila, die zum Teil das neue Jahr mit uns in La Union am Strand verbrachten.

Den nächsten Tag verbrachten wir am Strand und dort konnten wir uns auch erstmals am Surfen probieren. Wie so viele Dinge auf der Welt ist das eine Sache, die viel einfacher und lässiger aussieht, als es wirklich ist. Das beginnt schon damit, die richtige Welle und dann auch noch das richtige Timing zu finden. Alles nicht so einfach, aber ich möchte da auf jeden Fall dran bleiben, wenn es geht.

Am Silvesterabend machten wir uns nach dem gemeinsamen Essen wieder auf an den Strand in die Bar und verbrachten dann die ersten Sekunden des neuen Jahres im Wasser, von wo aus wir ein schönes Feuerwerk bewundern konnten. Nach Mitternacht wurden dann am Strand einige Lagerfeuer angezündet, um die sich viele Menschen versammelten. Der Start ins neue Jahr war dieses Jahr ein ganzes Stück anders, als ich es sonst so gewohnt war, am Strand aber auch wirklich cool.

Am Abend des 1. Januars haben wir uns dann auch schon wieder auf den Rückweg gemacht, was recht flott ging und nach fünf Stunden Fahrt waren wir dann schon wieder in Manila.

Für uns und unsere Kids ging es am 3. Januar dann schon wieder mit dem Unterricht los. Ich habe jetzt angefangen, mit meinen Schülern die ersten Buchstaben des ABCs zu schreiben, was eigentlich schon ganz gut klappt. Auch wenn die Stunden manchmal doch sehr durchwachsen waren, denke ich, dass die Kinder schon einige Fortschritte gemacht haben.

Des Weiteren steht unser Theaterstück „A Midsummernight‘s Dream“ kurz vor seiner Premiere. Um für die letzten Details noch einmal einen Blick von Außenstehenden zu bekommen, wurde vergangenes Wochenende zur sogenannten „Critics night“ ins Konvent geladen. Es kam beispielsweise die Frau, die das Stück adaptiert hat, einige Mitarbeiter von Puso sa Puso und Mitglieder der Salvatorianer sowie einige externe Gäste. Unter der Woche hatten schon 15 Schüler aus Payatas die Möglichkeit, an einem Praktikum teilzunehmen, dass ihnen einen Einblick in die Erstellung von Bühnenbild und Requisiten sowie den Ablauf hinter den Kulissen des Stücks gab, bei dem dann in diesem Zuge die benötigten Dinge für unser Stück hergestellt beziehungsweise die Abläufe geübt wurden.

Diesen Freitag fand dann im Konvent in Loyola noch das „feast of languages“ (zu Deutsch: Fest der Sprachen) statt. Hierbei wurden die Länder Dänemark, Indonesien, Sri Lanka, East Timor, Kenia sowie die Philippinen genauer unter die Lupe genommen, was jene Länder und ihre Sprache(n) anbelangt. Die Vorträge wurden von Teacher Althea, welcher sieben Jahre in Dänemark gelebt hat, salvatorianischen Priestern aus Kenia sowie den Englisch-Schülern in Loyola, die aus genannten Ländern in Südostasien stammen, vorbereitet. Auch wir wurden eingeladen und konnten einen Einblick zu Deutschland und seiner Sprache geben.

Was in der Reihe über den Alltag in Manila auch nicht fehlen darf und was einen immensen Unterschied zu Deutschland darstellt, ist der Aspekt der Sicherheit. Hier in Manila steht vor jeder Bank, jedem Supermarkt, jeder Mall, jeder Bahnstation und vielen anderen Geschäften eine Sicherheitsbeamte oder ein Sicherheitsbeamter, der die Leute kontrolliert. Dafür werden meist die Hüften und der Bauch ein wenig abgetastet, wenn man einen Rucksack oder eine Tasche dabei hat, muss man diese öffnen, damit die BeamtInnen den Inhalt mit einem Stock etwas durchgehen können. Bei den Kontrollen vor dem Zug, dem LRT, mussten wir auch schon Geschenke, die wir eingepackt für die Weihnachtsfeier dabei hatten, auspacken und konnten diese dann nach der Kontrolle wieder dort einpacken. Die Sicherheitskräfte sind mindestens mit einem Knüppel, in der Regel aber mit einer Pistole wenn nicht sogar in einigen Fällen mit schwererem Geschütz wie einem Maschinengewehr oder einer Pumpgun bewaffnet. Wie viel Sinn die Kontrollen durch dieses Personal wirklich ergeben, ist die Frage. Allerdings kann man auf jeden Fall festhalten, dass der Sicherheitssektor einen nicht unbedeutenden Wirtschaftsteil darstellt. Dies manifestiert sich auch in den sogenannten Gated communities. Das sind Siedlungen, die Tag und Nacht von Sicherheitspersonal überwacht werden und in denen gerade die reichere Bevölkerungsschicht lebt.

Des Weiteren sieht man auch im Straßenverkehr häufig gepanzerte Fahrzeuge, die Geld für Geschäfte und Banken von A nach B transportieren. Hin und wieder habe ich auch schon Fahrzeuge der Armee in der Stadt herumfahren sehen.

Generell gewöhnt man sich an dieses Bild eigentlich doch recht schnell. In Deutschland habe ich mich eigentlich eher immer unsicherer gefühlt, wenn beispielsweise bewaffnete Polizisten an einem größeren Bahnhof gesehen habe, weil ich mir gedacht habe: Ei, da muss doch was im Busch sein, die laufen doch hier nicht einfach so umher. Hier ist es inzwischen völlig normal und ich fühle mich nicht wirklich unsicherer deswegen, was ich mich in den Gegenden, in denen ich mich hier in der Metro Manila bewege, eigentlich sowieso nie tue.

Für Moritz, Simon und mich geht es jetzt dann erst mal zum Zwischenseminar auf die Insel Negros in die Nähe der Stadt Dumaguete City.

Viele Grüße aus Manila

Jakob

Mein zweiter Rundbrief

Hallo zusammen,

Mit meinem nächsten Rundbrief zu Weihnachten möchte ich zunächst einmal allen ein Frohes gesegnetes Weihnachtsfest und eine schöne, erholsame Zeit mit der Familie sowie einen guten Rutsch in das kommende Jahr wünschen.

Ich werde die Weihnachtsfeiertage dieses Jahr erstmals nicht zusammen mit meiner Familie verbringen können, was sehr schade ist, aber mit meinen beiden Mit-Freiwilligen wird das mit Sicherheit auch ganz schön.

In den letzten Tagen und Wochen war hier in Manila mächtig was los. Neben einigen weiteren Theaterproben für „A Midsummernight‘s Dream“ von William Shakespeare und dem normalen Unterricht standen etliche Weihnachtsfeiern an. Die erste war mit der jährlich stattfindenden Charity Christmasparty von Puso sa Puso auch zugleich die größte: über 300 Helfer fanden sich am 2. Dezember in der Turnhalle eines Universitätsgeländes zusammen, um mehr als 1000 Kindern aus Pfarreien aus verschiedenen Gegenden in Manila ein paar schöne Stunden zu bereiten. Nachdem die Kinder und ihre begleitenden Freiwilligen das Organisatorische vor dem Eingang geregelt haben, durchliefen sie zehn verschiedene Stationen, an denen sie Spiele spielen und Preise gewinnen oder etwas zu essen sowie Geschenke erhalten konnten. Ich war an der Station, an der jedes Kind einen Luftballon bekam, und habe daher mit einigen anderen Helfern im Laufe des Vormittags der Anzahl der Kinder entsprechend mehr als 1000 Luftballons aufgepumpt und verknotet. Im weiteren Verlauf wurde gegessen und einige Geschenke verlost, gefolgt von der Vorführung eines Artisten und der abschließenden Scienceshow, bei der es verschiedene naturwissenschaftliche Experimente für die Kinder zu bestaunen und auch zum Mitmachen gab. Am Ende war es für die Kinder denke ich eine wirklich gute Veranstaltung und auch für uns als Helfer war es schön mitzuwirken, auch wenn der Anblick von 1000 Kindern auf einem Haufen nicht wirklich alltäglich ist.

Am 13. Dezember folgte dann die Weihnachtsfeier und damit auch der Abschluss des Unterrichtsjahres für die Kinder, die Moritz und ich unterrichten. Dafür haben wir auf dem Platz vor der Sagrada Familia Chapel sieben verschiedene Stationen mit Spielen wie Eierlauf, Dosenwerfen und Reise nach Jerusalem aufgebaut. Damit das Ganze auch einigermaßen zivilisiert ablaufen kann, haben die Kinder am Eingang gleich Bändchen bekommen, welche sie einer bestimmten Gruppe und einem verantwortlichen Helfer zuweist. Mit diesem Helfer konnten die Gruppen dann die Stationen der Reihe nach durchgehen, nachdem die Veranstaltung mit einem Gebet und einigen Sätzen zu Beginn eröffnet wurde. Nach den verschiedenen Stationen konnten die Kinder sich dann mit Spaghetti, hier auf den Philippinen in der Regel süß, Hühnchen und Saft sowie kleinen Snacks stärken. An solch einer Feier für die Kinder dürfen natürlich auch Geschenke nicht fehlen, die von einem Weihnachtsmann gebracht wurden, der Simon verblüffend ähnlich sah. Die Geschenksäckchen enthielten neben Spielzeug, Süßigkeiten und Flipflops auch einige Stifte und Blöcke. Mit der Bescherung war dann auch für die Kinder das Ende der Veranstaltung gekommen, bei der sie, so mein Eindruck, eine Menge Spaß und Freude haben konnten. Sie haben sich auf dieses Event auch schon eine ganze Weile gefreut und dafür auch echt rausgeputzt und sich schick gemacht, da war ich total überrascht.

Ein Fest für Menschen, die auf der Straße leben

Unserer eigene Weihnachtsfeier folgte dann die Weinachtsfeier von Simon und weiteren Freiwilligen aus Parola, die nach einem ähnlichen Prinzip am Samstag stattfand.

Am Donnerstag war in Parola dann eine Weihnachtsfeier für Menschen, die, so wie ich es verstanden habe, alle auf der Straße leben. Für diese 30 Familien hat das Team aus Parola ein Programm vorbereitet, das nach einigen Spielen und Vorführungen mit Essen sowie Geschenk- beziehungsweise Versorgungspaketen für alle abgerundet wurde. Im Anschluss daran hatten die Lehrer aus Parola dann noch mit ihren Schülern einen kleinen Jahresabschluss.

Ähnlich wie am Donnerstag wurden auch am darauffolgenden Tag in Payatas verschiedene Hilfspakete an Befürftige verteilt, was von den Schülern aus dem Center übernommen wurde. Für diese fand am Nachmittag dann wiederum ihre Weihnachtsfeier vor der Sagrada Family Chapel statt. Das Programm bestand wiederum aus Spielen, Essen und Musik, da sich unter den Schülern eine eigene Band zusammengefunden hat. Hier ist es bei solchen Feiern typisch, dass die Teilnehmer eine Darbietung geben, weshalb wir sowohl einige Tänze als auch Lieder zu sehen und hören bekamen, die die Schüler vorbereitet haben.

Weihnachtsfeier mit deutschen Liedern

Für die Mitarbeiter von Puso sa Puso war dann am darauffolgenden Montag die Weihnachtsfeier im Konvent bei Father Artur. Nach einem Gottesdienst in der Hauskapelle und anschließendem Essen fanden sich alle zusammen, um sich die gegenseitigen Darbietungen anzusehen. Auch wir kamen um diesen Spaß nicht herum und trällerten daher mit unseren engelsgleichen Stimmen zwei deutsche Weihnachtslieder. Um dem Ganzen etwas mehr Volumen zu verleihen, haben wir einige der Anwesenden dazu geholt und dazu gebracht, unsere deutschen Lieder mitzusingen, was dann so eine ganz lustige Sache war. Im Anschluss daran wurde noch gewichtelt, sprich, jeder hat ein Geschenk vorbereitet, das dann an einen anderen verlost wurde.

Weihnachtsfeier in Parola

Den endgültigen Abschluss dieses Marathons an Feiern bildete dann am Mittwoch eine Weihnachtsfeier in Parola, die von einem Priester für Kinder zwischen acht und zwölf Jahren ausgerichtet wurde. Hierfür mussten wir lediglich 100 Kinder organisieren und zur Veranstaltungshalle bringen. Deshalb haben wir uns, zusammen mit den Praktikantinnen, in die Gates aufgemacht, um die Kinder zusammen zu sammeln. Im Center in Parola helfen für einige Monate zehn Studentinnen von der Uni mit, sie begleiten Simon zum Beispiel im Unterricht oder wirken bei Veranstaltungen wie den Weihnachtsfeiern mit. In dem Gate, in dem Simon arbeitet, waren Moritz und ich bisher noch nie und es unterscheidet sich doch ein wenig von dem, was ich aus Payatas kenne, alles ist etwas enger und dunkler, die Leute aber auch hier allesamt sehr nett und hilfsbereit.

Nachdem wir unsere über 30 Kinder aus diesem Gate beisammen hatten, haben wir vier Tricycles organisiert, die die Kinder zum Veranstaltungsort bringen sollten. Das war dann etwas abenteuerlich, denn pro Tricycle mussten circa acht Kinder Platz finden, der Fahrer saß daher fast schon auf der Lenkstange und wir Freiwilligen konnten uns nur außen an die Kabine stellen. Am Ende lief aber dann doch alles gut und alle Kinder konnten nach der Veranstaltung mit Essen und Geschenken wieder wohlbehalten am Gate abgeliefert werden.

Rückblick auf fünf Monate auf den Philippinen

Inzwischen sind es nun schon fast fünf Monate, die vergangen sind und daher möchte ich an diesem Punkt eine kurze Reflexion über meinen bisherigen Aufenthalt anbringen.

Was ich auf jeden Fall sagen kann, ist, dass ich schon eine ganze Menge Erfahrung sammeln konnte und einiges erlebt habe. Für mich gab es hier viele Dinge, die neu waren und an die ich mich erst einmal gewöhnen musst. Nicht nur die fremde Kultur, die neue und schier nicht enden wollende Metropole und ein neues Land, sondern auch getrennt zu sein von Familie und Freunden, die ich in so manchem Moment doch schmerzlich vermisse. Hinzu kommt, nicht mehr zuhause bei den Eltern zu wohnen, sondern in einer WG. Das beinhaltet natürlich auch, sich selbst um Essen, Einkaufen, Wäsche (was hier zum Glück sehr einfach geht), Wohnung putzen und noch vieles mehr zu kümmern, was mich so bisher nur zum Teil betraf. Andere Dinge, bei denen man sich umgewöhnen muss, sind zum Beispiel der viele Reis und das man beispielsweise kein Wasser aus der Leitung trinken darf. Das war allerdings etwas, an das man sich recht schnell gewöhnt hat.

Weiter ist natürlich die Umgebung, in der ich jetzt lebe, eine völlig andere und der Alltag hat sich sehr verändert. Man lernt hier viel über die Kultur der Menschen vor Ort und im Umkehrschluss auch über seine eigene. Man merkt, wie organisiert und geplant vieles in Deutschland im Gegensatz zu den Philippinen abläuft. Dennoch funktioniert es hier, nervt aber zum Teil auch stark, wenn man etwas organisieren möchte. Eine weitere Sache, die man hier lernt, ist definitiv zu warten, egal ob im Jeepney im Verkehrschaos, auf die Kinder im Unterricht, auf den Bus, bis er endlich mit Passagieren voll ist und losfahren kann und noch vieles mehr.

Der nächste Schritt war dann die Arbeit im Slum, der eine Umgebung darstellt, die man so aus Deutschland überhaupt nicht gewohnt ist und mit der ich ohne diesen Freiwilligendienst wohl auch nie in Berührung gekommen wäre. Die Arbeit mit den Kindern gestaltete sich am Anfang etwas schwierig, aber mit der Zeit findet man schon rein.

Hier auf den Philippinen hatte ich außerdem die Chance, wahnsinnig viele neue und total interessante Leute aus allen möglichen Ländern kennen zu lernen und auch echt gute, neue Freunde zu finden.

Ich würde meine Entscheidung, diesen Einsatz zu machen, daher nicht bereuen, auch wenn es mit Sicherheit nicht immer einfach ist und war. Ich hoffe auch, weiterhin noch eine Menge Erfahrung sammeln zu können, und noch weitere schöne Flecken dieses Landes kennen zu lernen.

Falls auch ihr jemanden kennt oder selbst daran interessiert seid, eine solche Erfahrung zu machen, dem kann ich nur den Orientierungstag meiner Organisation am 13.01.2018 in Nürnberg empfehlen. Weitere Infos dazu finden sich auch unter cosamaz.org.

Für mich geht es jetzt nach den Feiertagen erst einmal wieder auf Reisen, von denen ich euch im neuen Jahr dann berichten kann. Bis dahin wünsche ich euch Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr! Außerdem möchte ich mich noch einmal für die Unterstützung bedanken, die ich von euch in jeglicher Form erhalten habe. Vielen, vielen Dank!

Viele Grüße aus Manila

Jakob

Mein Alltag in der Krankenstation: Babygeschrei und jede Menge Neues

Hallo ihr Lieben,

Nun bin ich schon seit drei Monaten in Uganda und arbeite schon neun Wochen in Alenga. Heute möchte ich euch etwas über meine Arbeit, was ich da so mache und was mir alles sofort aufgefallen ist, erzählen.

Die Struktur des Gesundheitssystems in Uganda

In diesem Teil möchte ich euch das Gesundheitssystem von Uganda etwas erläutern.
Uganda ist unterteilt in vier große Regionen: Norden, Osten, Süden, Westen. Diese Regionen sind wiederrum in 112 Districts (Bezirke) und diese in Counties (Landkreise) unterteilt. Die nächste Abstufung sind Sub-Counties, danach Parishes (Gemeinden) und als letztes die Villages (Dörfer).

In Uganda gibt es ca. 4500 Gesundheitseinrichtungen. 155 davon sind Krankenhäuser.
In den 65 Krankenhäusern im öffentlichen Sektor, von der Regierung finanziert, wurden die Gebühren abgeschafft, wodurch die Zahl der Patienten in den ambulanten Einrichtungen dramatisch angestiegen ist.
Private, nicht gewinnorientierte Anbieter besitzen 63 der Krankenhäuser. 75% der Anbieter sind religiöse Einrichtungen, die größten Anbieter sind das Uganda Catholic Medical Bureau (katholisch), das Uganda Protestant Medical Bureau (evangelisch), das Uganda Muslim Medical Bureau (muslimisch) und das Uganda orthodox medical bureau (orthodox).
Private gewinnorientierte Anbieter besitzen 27 der 155 Krankenhäuser.

Das Gesundheitssystem ist in ein nationales und ein in Distrikten orientiertes System unterteilt.
Der unterste Rang des in Distrikten organisierten Bereichs sind die Village Health Teams. Das sind freiwillige Gesundheitsarbeiter, die vor allem dafür sorgen sollen, dass die Gemeinschaft Wissen und Aufklärung über Krankheiten wie Durchfall, Malaria, Lungenentzündung und andere tropische Erkrankungen erhält. Sie verweisen die Kranken zum nächsten Health Center. Jedes Dorf sollte so ein Team haben, dieses ist somit für 1000 Leute zuständig.
Das nächste Level ist das Health Center II. Hier sollten eine Krankenschwester/-pfleger, eine Hebamme und mehrere Gesundheitsassistenten arbeiten. Diese ambulante Klinik behandelt übliche Krankheiten wie Malaria und bietet Schwangerschaftsvorsorge an. Sie ist zuständig für die Versorgung von ca. 5000 Einwohnern und jedes Parish sollte eines haben.
Das Health Center III sollte in jedem Sub-Countie vorhanden sein und bietet zu den Leistungen des HC II noch eine stationäre Aufnahme, ein Labor und eine gesundheitliche Versorgung speziell für Mütter. Ein HC III sollte 18 Mitarbeiter haben, geleitet von einem Clinical Officer. Clinical Officers haben eine Ausbildung zwischen einer Krankenschwester/Krankenpfleger und einem Arzt/ einer Ärztin.
Auf dem vorletzten Level sind die Health Center IV. Jedes County sollte eines haben und damit 100.000 Einwohner medizinisch versorgen. Zusätzlich zum HC III ist es hier möglich chirurgische Eingriffe, Notfalloperationen und eine umfassende Notfall-Geburtshilfe durchzuführen, sowie Bluttransfusionen zu geben.
Die letzte Stufe sind die Krankenhäuser. Hier werden zusätzlich zu den Leistungen des HC IV Gesundheitsprobleme erforscht, besprochen und Fortbildungen angeboten.

Auf nationaler Ebene gibt es zwei Arten von Krankenhäusern mit verschieden Stationen und Abteilungen. Zum Ersten die Regional Referral Hospitals, davon gibt es 14 im ganzen Land, und zum Zweiten die National Referral Hospitals, wovon es nur zwei gibt, die sich beide in der Hauptstadt Kampala befinden. Eins davon ist eine psychiatrische Klinik und das andere das beste und größte Krankenhaus von Uganda mit den besten Ärzten des Landes.

Das ist die Theorie. Die Realität sieht in Uganda ganz anders aus.

Meine persönliche Erfahrung

Ich arbeite in der Krankenstation des Dorfes Alenga. Es gehört dem Uganda Catholic Medical Bureau, ist ein Health Center III und damit eine sehr wichtige und schon etwas größere Einrichtung.

Das Health Center
An meinem ersten Tag zeigte mir Jasper, Krankenpfleger und Chef des Health Centers, das Gelände. Auf der einen Seite steht ein Gebäude mit der Dispensary (Arzneiausgabe), dem Untersuchungsraum, dem Büro des Chefs, dem Labor und einem Besprechungszimmer. Hier werden ankommende Patienten von Godfrey in ein Buch aufgenommen und müssen dann im Gang auf einer Bank warten bis sie aufgerufen werden. Im Besprechungszimmer fragt dann Jasper, der Medical Officer Richard oder eine der Hebammen, Sharon oder Gloria,  nach den Beschwerden. Anschließend werden sie oft zu u. A. Blut- oder Urinuntersuchung ins Labor geschickt. Danach kommen sie wieder ins Untersuchungszimmer und es wird die Diagnose gestellt und die Medikation aufgeschrieben. Zuletzt werden die Medikamente in der Dispensary ausgegeben und am Empfang bezahlt.

Auf der anderen Seite befindet sich die Maternity („Mutterschaft“). In diesem Gebäude werden schwangere Frauen untersucht, stationär vor und nach der Geburt behandelt und viele Babys geboren. Ungefähr 12 Betten stehen in dem großen Raum, die die meiste Zeit belegt sind. Nochmal drei Betten gibt es im Raum vor dem Geburtsraum für Frauen, die kurz vor oder nach der Geburt stehen. Außerdem gibt es einen Raum mit Inkubator für ein Frühgeborenes.

Des Weiteren befinden sich auf dem Gelände noch Dusche, Plumpsklo und ein Küchenhaus für die Patienten. Im Gegensatz zu Deutschland sind hier die Familienmitglieder des/der Kranken die meiste Zeit vor Ort. Sie kochen selber und waschen die Wäsche des Patienten. Ich finde es sehr schön, dass die Klienten hier die meiste Zeit nicht allein sein müssen, sondern von ihrer Familie umgeben sind. In Deutschland habe ich bei meiner Arbeit im Krankenhaus oft mitbekommen, dass gerade alte Menschen oft einsam waren und darüber sehr traurig waren.

Zwei Welten treffen aufeinander
Was mir sofort beim Betreten der Gebäude auffiel, war der riesige Unterschied zu den medizinischen Einrichtungen in Deutschland. Dort war ich es gewohnt überall im Krankenhaus Desinfektionsmittelspender und Waschbecken zu finden. Hier jedoch gibt es nur eine Stelle zum Händewaschen und Desinfektionsmittel nur zum Reinigen von Verletzungen und nicht für die Hände.
Als Jasper mir das Maßband zum Messen der Größe in der Maternity zeigte und mich daneben stellte, sagte er mir, dass ich 1,52m groß bin. Ich teilte ihm mit, dass das nicht stimmen kann, da ich 1,66m groß bin. Später an einem anderen Maßband stellte er dann fest, dass ich tatsächlich 1,66m groß bin. Er meinte nur „Oh okey, dann hat das jemand falsch aufgehängt“. Bis heute hängt das Maßband immer noch 14 cm in der Luft und die Frauen sind alle höchstens 1,60m groß. Das ist ein perfektes Beispiel dafür, wie hier oft dokumentiert wird. Alles wird sehr sorgfältig aufgeschrieben, jeder bekommt eine Patientennummer und jeder Besuch wird in einem der unzähligen Bücher registriert. Zudem werden viele Blätter für Studien und Umfragen ausgefüllt und weggeschickt. Das Problem ist dabei nur, dass es kaum jemanden interessiert, wenn die Maße falsch genommen werden. Zudem herrscht oft Zeitdruck, sodass einige Male schon der Blutdruck nur geraten und aufgeschrieben wurde. Ich ärgere mich oft, denn in meinen Augen sind solche Daten schon wichtig für die Krankengeschichte und genau in solchen Situationen merke ich auch, wie deutsch ich eigentlich bin. Ordnung, Sauberkeit und pünktlich sein – gute deutsche Klischeeeigenschaften, die ich vorher nie so bei mir wahrgenommen habe, da ich durchaus jemand bin, dessen Zimmer mal unaufgeräumt ist und die gerne mal zehn Minuten zu spät ist. Mir fiel es sehr schnell auf, wie anders es hier ist. In der Krankenstation stehen sehr viele Kisten mit alten Heften, losen Blättern oder kaputten Dingen. An der bröckelnden Wand hängt ein Dienstplan von Januar 2016. An der anderen ein zerrissenes Plakat einer Kampagne aus dem Jahr 2004. Jedes Mal frage ich mich, ob das sein muss und warum das niemanden außer mir stört.
Was mir außerdem sofort auffiel, war, dass jeder Klient sein eigenes Heft mitbringen muss, denn dort werden die Untersuchungs- und Testergebnisse, Diagnose und die Medikamente aufgeschrieben. Das ersetzt die bei uns in Deutschland übliche Patientenakte. Auf der einen Seite ist das in meinen  Augen eine gute Idee, da viele Leute unterschiedliche Krankenstationen besuchen und dann immer alle Informationen im Heft sind. Außerdem hätte das Health Center niemals genug Platz und vor allem Ordnung, um Akten systematisch aufzubewahren. HIV- Infizierte und AIDS-Kranke sind die Einzigen mit einer Akte im Health Center. Auf der anderen Seite kann man sich leicht vorstellen, dass es alles andere als ordentlich ist mit diesen Heften, denn viele sind zerknittert, gefaltet oder mit Öl befleckt. Außerdem fehlen oft Informationen oder die Hefte gehen verloren und es wird ein neues angefangen.

„Die Europäer haben die Uhr, wir haben die Zeit.“ – afrikanisches Sprichwort
Meine Arbeitszeit ist von 8.00-13.00 Uhr. Die ersten drei Wochen war ich vorbildlich pünktlich um 8.00 Uhr vor Ort und allein. Ich war stets die Erste, die im Health Center erschien, und sogar die Nachtschwester war schon nach Hause gegangen. Natürlich fühlte ich mich nicht sonderlich wohl, wenn ich über eine Stunde allein war, ich hatte Angst, dass auf einmal eine Mutter ihr Kind bekommt oder jemand mit Schmerzen ankommt. Dementsprechend passte ich mein Verhalten an und integrierte mich ganz gut, indem ich mittlerweile auch immer erst um 9.00 Uhr dort bin. In dem Buch, in dem man sich als Mitarbeiter einträgt, wenn man kommt, steht trotzdem die erste Person immer ca. um 8.10 Uhr drin. Soviel zur Dokumentation.

Lango – eine tägliche Herausforderung
Trotz der, in meinen Augen, großen Unordnung, Umständlichkeit, Unpünktlichkeit und mangelhaften Hygiene kommen die anderen Mitarbeiter immer mit einem Lächeln an ihren Arbeitsplatz und begrüßen mich immer fröhlich auf Lango. Mit meinen Sprachkenntnissen in Lango komme ich hier leider noch nicht sehr weit, begrüßen und ein paar einfache Sätze sagen funktioniert schon gut. Deswegen bin  ich sehr froh, dass meine Kollegen alle Englisch können. Das Problem ist, dass die meisten Patienten kein Englisch können. Oft versuchen sie, mit mir zu reden, doch leider verstehe ich es dann meistens nicht. Auch wenn Sharon mit den Patienten spricht und ihnen etwas erklärt, verstehe ich leider oft nur ein paar Wortfetzen. Ich versuche natürlich weiterhin, mein Lango zu verbessern und habe einmal die Woche mit Greta Unterricht bei einem der Lehrer aus der Näherinnenschule, wobei der Unterricht leider nicht so strukturiert und übersichtlich ist wie wir es von Deutschland gewohnt sind – wieder eine typisch deutsche Feststellung.

Mein Arbeitsbereich

Ich arbeite meistens mit Sharon oder Gloria zusammen in der Maternity. Dienstags und Freitag kommen die schwangeren Frauen. Wir messen den Blutdruck, wiegen sie und die Hebamme untersucht den Bauch und die Lage des Kindes mit ihren Händen. Je nachdem, wie weit das Kind vom Nabel der Mutter entfernt ist, kann sie ertasten in welcher Schwangerschaftswoche sie ist. Mit dem Pinard’schen Hörrohr erfasst sie dann noch den Herzschlag des Babys. Samstags wird seit ca. einem Jahr sogar eine Ultraschalluntersuchung für Frauen angeboten, bei denen das Baby schwer zu ertasten ist.

Malaria: eine weit verbreitete Krankheit in Uganda
Außerdem bekommen die Mütter hier ab der 16. Schwangerschaftswoche bei den Vorsorgeuntersuchungen Tabletten zur Malariaprophylaxe. Malaria ist eine durch den Stich der Anophelesmücke übertragene, fieberhafte und tropische Erkrankung. Sie kommt hier sehr häufig vor, kann aber meistens ohne Probleme mit Medikamenten behandelt werden. Laut dem ugandischen Gesundheitsministerium ist Uganda das Land mit dem größten Malariavorkommen weltweit: 478 von 1000 Personen bekommen pro Jahr Malaria. Malaria ist für werdende Mütter besonders gefährlich, da der Verlauf der Erkrankung schwerer ist als bei nicht-Schwangeren. Auch das Ungeborene kann geschädigt werden. Je nach Immunitätslage der Mutter kann der Fötus sich über die Plazenta der Mutter anstecken. Fehlgeburt, Wachstumsverzögerung und Frühgeburt können die Folge sein. Deswegen bekommen alle Schwangeren beim ersten Besuch ein Moskitonetz, um sich vor allem nachts schützen zu können.

HIV, AIDS und das Problem des Stillens
Im Labor werden die Frauen natürlich auch auf Infektionen und HIV getestet. Die Anzahl der Menschen mit HIV (Humanes Immundefizienz-Virus) ist in der Vergangenheit in Alenga immer mehr angestiegen. Das hat mich sehr verwundert, da man eigentlich davon ausgehen müsste, dass durch die bessere Aufklärung heutzutage die Menschen darüber Bescheid wissen wie sich HIV überträgt. HIV lässt sich neben Blut und anderen Körperflüssigkeiten auch über die Muttermilch übertragen, deswegen war ich zuerst sehr schockiert, als ich erfuhr, dass HIV positive Mütter ihr Baby stillen. Die Mutter, aber auch das Baby, um das Risiko einer Übertragung möglichst gering zu halten, müssen in dieser Situation Medikamente nehmen. Was mir schnell klar wurde ist, dass es natürlich für die Menschen hier keine andere Möglichkeit gibt, außer normal weiterzustillen. Babynahrung ist viel zu teuer und auch nicht erhältlich, außerdem hätten die Leute gar nicht das Wissen und die Möglichkeiten die Babynahrung herzustellen und zu lagern.
Zudem sollen die Schwangeren regelmäßig Tabletten zur gesunden Entwicklung des Babys nehmen wie z.B Folsäure und Eisen. Diese erhalten sie bei der Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchung. Jedoch gibt es nicht genügend von diesen Tabletten, deswegen werden oft viel zu wenige bzw. gar keine verteilt. Des Weiteren erhalten die werdenden Mütter regelmäßig eine Impfung gegen Tetanus.

Kinder bekommen Kinder
Erschreckend für mich ist das Alter der Schwangeren Frauen, denn viele von ihnen sind gerade 17 Jahre alt. Die Mädchen haben zum Teil nicht einmal die Primary School (1.-7. Klasse) beendet und sollen dann heiraten und Kinder bekommen, denn oft fehlt das Geld und das Interesse der Eltern um das Kind weiter in die Schule zu schicken. Im Durchschnitt bekommt eine Frau in Uganda 6,7 Kinder und nur 25% aller Frauen nutzen Verhütungsmittel (laut des Gesundheitsministeriums Ministry of Health). Gerade in einem Dorf wie Alenga bekommen die Frauen sehr viele Kinder und nicht selten steht in ihrem Heft, dass sie in der neunten Schwangerschaft sind aber zwei Kinder schon vor oder nach der Geburt verstorben sind.

Hilfe aus aller Welt
Finanziell unterstützt wird das ugandische Gesundheitssystem durch sehr viele Geldgeber aus dem Ausland. So wird das fünfjährige staatliche Uganda Health Systems Strengthening Project (UHSSP) finanziell von der Weltbank unterstützt. Das Ziel ist es, die Erkrankungs- und Sterblichkeitsraten zu senken und jedem Einwohner eine minimale Gesundheitsversorgung zu gewährleisten.
Ein Projekt von USAID ist das Voucher Plus System. Für 4000 Uganda Schilling, ca. einen Euro, können sich die Schwangeren Aufkleber kaufen, mit denen sie vier Vorsorgetermine, sowie Geburt und Nachsorge bezahlt bekommen. Das ist viel günstiger als ohne den Voucher und macht es vielen Frauen erst möglich, sicher in einem Health Center ihr Kind auf die Welt zu bringen. Es war ein schönes Gefühl zu sehen, wie sich eine Mutter letzte Woche gefreut hat als sie erfuhr, dass sie für die Geburt kein Geld mitbringen muss, sondern alles durch den Voucher bezahlt wird.
Auch in den anderen Bereichen der Krankenstation entdecke ich überall Aufkleber und Kartons mit Moskitonetzen der Hilfsorganisationen UK- und USAID.
Diese Unterstützung ist hier dringend nötig, da der Staat nur sehr wenig in  den Gesundheitssektor investiert. Da das Health Center in Alenga eine private Einrichtung ist, müssen die Kranken für ihre Medikamente und Laboruntersuchungen Geld bezahlen. Ein paar Medikamente, wie die der HIV-Infizierten, gibt es kostenlos, sie werden allerdings nicht vom Staat sondern von Hilfsorganisationen finanziert. Die Frage ist natürlich was passiert, wenn nach ein paar Jahren die finanziellen Hilfen aus dem Ausland eingestellt werden?

Große Herausforderungen
Wie ihr sicher aus meinem Artikel entnehmen könnt, ist das Gesundheitssystem alles andere als gut strukturiert und ausreichend. Viele Einwohner nehmen weite Entfernungen, oft zu Fuß, auf sich, um die Krankenstationen zu erreichen und müssen lange Zeit auf die Behandlung warten.
Häufig fehlt den Gesundheitseinrichtungen das Geld, um die nötige Medizin einzukaufen, und gerade in den staatlichen Einrichtungen fehlt es aufgrund der kostenlosen Behandlung und der kostenlosen Medikamente an allen Ecken. Natürlich fehlt auch den Bewohnern der Dörfer das Geld und viele begeben sich nicht einmal in ein Health Center, da sie sich die Behandlung sowieso nicht leisten können.
Zudem hat Uganda viel zu wenig ausgebildete Arbeiter im Gesundheitssektor und aufgrund der schlechten Bezahlung fehlt vielen die Motivation. Deshalb versuchen einige im Ausland zu arbeiten, um einen Arbeitsplatz mit besseren Bedingungen zu finden – ein Problem, das auch Deutschland hat.

Wertvolle Momente und Erfahrungen
Ich bin unglaublich froh, dass ich hier in Alenga einen so guten und interessanten Einblick in die medizinische Versorgung des Landes bekommen kann. Die Arbeit macht mir richtig viel Spaß und mit  Sharon und Gloria habe ich nicht nur supernette Kolleginnen sondern auch erste Freundinnen gefunden.
Ich lerne hier jeden Tag während meiner Arbeit etwas Neues kennen, das ich mir so nie vorgestellt hätte. Das gibt mir viel Stoff zum Nachdenken und macht mich oft wütend oder traurig über die Ungerechtigkeit auf der Welt.
Natürlich fällt es mir manchmal schwer, die Situation vor Ort zu begreifen und die Armut und den Mangel an fast allem so hautnah mitzubekommen. Trotzdem sehe ich viel Wunderbares, Schönes und Spannendes bei meiner Arbeit, wie zum Beispiel die Geburt eines Babys und die glücklichen Gesichter der Frauen, wenn ihnen gesagt wird, dass es ihrem ungeborenen Baby gut geht.

Jetzt ist erst einmal Schluss mit diesem Artikel. In naher Zukunft werde ich noch über weitere aufregende  Themen und unser Projekt in der Schule berichten.
Meine Mitfreiwillige Greta hat in ihrem Beitrag „Earning for the future“ einen sehr interessanten Beitrag über ihre Arbeit in der Näherinnenschule veröffentlicht, den ihr unbedingt lesen solltet!

Vielen Dank an alle fleißigen Leser.
Ich sende allerliebste Grüße in die Heimat und freue mich von euch zu hören,

eure Francesca

 

Das Tricycle (#3)

Hallo zusammen,

Inzwischen ist es schon wieder eine ganze Weile her, dass ich meinen letzten Eintrag geschrieben habe. Es tut mir leid, dass ich euch wiederum so lange auf Neuigkeiten von den Philippinen habe warten lassen müssen. Eine Sache, die ich aber zunächst noch unbedingt erwähnen muss, sind die Orientierungstage für alle Interessierten am MaZ-Programm für den kommenden Sommer. Diese finden am 02.12.2017 beziehungsweise 13.01.2018 in Nürnberg statt. Weitere Details dazu finden sich unter cosamaz.org. Bitte auch gerne im Bekannten- und Freundeskreis Werbung dafür machen und es verbreiten! Dankeschön.

ABC- und Zahlenunterricht mit Dreijährigen

In den letzten Wochen lerne ich die Kinder im Unterricht immer besser kennen und zum Teil auch besser unter Kontrolle zu halten. Dies gelingt natürlich nicht immer, man darf schließlich auch nicht vergessen, dass die Kinder zum Teil erst drei Jahre alt sind und in was für einer Umgebung sie aufwachsen. In diesen Fällen helfen mir die Eltern sehr oft weiter, die mir inzwischen schon viel mehr vertrauen, was sich dadurch bemerkbar macht, dass sie sich im Hintergrund halten oder die Kinder nur zum Unterricht bringen und kaum noch in den Unterricht eingreifen. Derzeit versuche ich meinen Kindern durch Memory die ersten Buchstaben des ABC beizubringen. Ich hoffe, dass sie so die Buchstaben zunächst kennen lernen, was das Schreibenlernen später hoffentlich erleichtert. Ein weiterer fester Bestandteil ist weiterhin das Gebet zu Beginn und zum Schluss der Stunde sowie das Nachfahren von Linien und Ausmalen von Bildern. Durch letzteres soll die Fertigkeit im Stifthalten und Handhaben trainiert werden. Hierbei habe ich auch angefangen, den Kindern beizubringen nach den Stiften höflich zu fragen, bevor sie diese bekommen, was inzwischen schon ganz gut funktioniert. Sowohl beim Memory als auch bei anderen Spielen wie Domino oder bei Puzzles binde ich es immer wieder mit ein, die Kinder etwas zählen zu lassen, um auch die Zahlen im Zahlenraum von eins bis zwanzig zu verfestigen. Da Simon schon vergangene Woche frei hatte, in welcher Moritz und ich gearbeitet haben, während wir diese Woche keinen Unterricht haben und Simon arbeitet, konnte Simon uns beide einen Tag bei unserer Arbeit begleiten und einige Fotos mit uns und den Kindern machen, auf die viele von euch sicherlich schon sehnsüchtig gewartet haben. Ich hoffe, es kann auch einen ganz guten Eindruck in die Stunden mit den Kindern geben.

Probenmarathon und Landerkundung

Weiterhin investieren wir viel Zeit und Mühe in die Tanz- und Theaterproben für das Theaterstück im kommenden Jahr. Die letzten drei Tage hatten wir einen wahren Probenmarathon von morgens bis abends und zudem hatten wir die erste Darbietung der „Rohversion“ vor zwei Personen, die unser Spiel das erste Mal gesehen haben und so konstruktive Kritik üben konnten. Bis zu unserer ersten Aufführung im Februar werden nun die Feinheiten und Details weiter ausgearbeitet und vertieft.

Da wir vergangenen Montag sowie diese Woche frei hatten, nutzten wir die freie Zeit, um uns wieder einige Flecken dieses Landes anzusehen. Zum einen haben Moritz, Simon, einige andere Freunde und ich uns auf die Insel Tingloy zum Masasa Beach aufgemacht. Dort haben wir eine Nacht verbracht und waren die beiden Tage, die wir auf dieser Insel verbracht haben, vor allem am Strand. Der helle Sand sowie das klare Wasser dort waren sehr beeindruckend. Auch die Bootsfahrt zu der Insel war wirklich gut, weil wir um die gesamte Insel zunächst herumfuhren, um auf die Südseite zu gelangen. Auf diese Weise haben wir sehr viel zu Gesicht bekommen.

Als ich einmal auf dem Weg zum Strand war und den Weg an einer etwa drei Meter hohen Felswand entlang lief, fiel plötzlich aus heiterem Himmel eine riesige, schwarze Echse mit gelben Punkten mit einem lauten Klatscher neben dem Weg in den Sand. Das Tier war locker über sechzig Zentimeter lang und ich war genauso erstaunt wie die anderen Leute in der Nähe und als ich wirklich registriert hatte, was passiert ist, war die Echse auch schon wieder zwischen die Felsen geschlüpft und verschwunden.

Atemberaubende Landschaft

In der Nacht auf Sonntag habe ich mich gemeinsam mit Mirko und Tere auf den Weg zur Insel „Cagbalete Island“ zu Teres Tante gemacht. Diese betreibt dort das sehr schöne Resort „Villa Noe Beach“, in dem wir zwei Nächte verbringen konnten. Den ersten Tag sind wir wieder die letzte Strecke mit dem Boot angereist und konnten von diesem aus wieder die wunderschöne Gegend begutachten. Vom Boot aus mussten wir die letzten hundert Meter zum Strand waten, da bereits die Ebbe eingesetzt hatte und das Boot nicht näher an den Strand fahren konnte. Das Wasser dort war wieder wahnsinnig klar, der Sand total hell und überall Palmen mit Kokosnüssen. Am ersten Tag haben wir die Zimmer bezogen und den Strand ein bisschen erkundet. Außerdem haben wir nach Norden durch eine weite Gras- und Waldlandschaft in den kleinen Hafen aufgemacht, um dort etwas zu essen und uns diesen ein wenig anzusehen. Wegen des Regens der Tage zuvor waren die Wege zum Teil unter Wasser gestanden, was das ganze etwas hinauszögerte.

Nachdem wir zurück im Resort waren und mit zurückkommender Flut noch etwas badeten, ging ich auch schon gleich nach dem Abendessen ins Bett, da mir die Tante den Sonnenaufgang empfahl, der zwischen 4:30 und 5:00 Uhr morgens beginnen sollte. Das frühe Aufstehen für diesen hat sich auch wirklich gelohnt, es war wirklich wunderschön, langsam die Sonne hinter den Bergen und über dem Meer aufgehen zu sehen.

Um 7:30 Uhr haben wir uns dann außerdem schon wieder zum sogenannten „island hopping“ aufgemacht. Wörtlich übersetzt heißt das „Insel-hüpfen“ und beschreibt eigentlich ganz gut, was man dabei macht: Man fährt mit dem Boot von Insel zu Insel und schaut sich die sehenswerten Dinge dort an. In unserem Fall waren es nur zwei Inseln, was auch kein Problem und echt toll war. Zunächst haben wir uns eine beeindruckende Felsformation mit einer Höhle angeschaut. Von dort aus war der Plan eigentlich, zu einem Wasserfall zu fahren, aufgrund des starken Wellengangs war dies leider nicht möglich, weshalb wir direkt zum nächsten Strand weitergefahren sind.

An diesem Strand war mit zunehmender Ebbe nicht nur eine riesige Sandbank aus leuchtend weißem Sand sowie glasklares Wasser zu finden sondern auch überall Mangrovenbäume in den unterschiedlichsten Formen und Größen, angefangen von kleinen, aus dem Sand sprießenden Sprossen bis hin zu sehr alten Bäumen mit einem riesigen Wurzelsystem. Aufgrund ihrer Einzigartigkeit stehen die Mangrovenwälder dort auch unter strengem Naturschutz, hat Teres Tante mir erklärt.

Bald darauf machten wir uns auch schon wieder auf den Weg zu der kleinen Stadt am Hafen, um dort etwas zu Mittag zu Essen bevor es einige hundert Meter entfernt von der Küste dann wieder zum Schnorcheln ging. Auch hier gab es, wie beim letzten Mal auch schon, wahnsinnig viele und sehr unterschiedliche Fische und Korallen zu bewundern.

Da Tere und Mirko ihrerseits von der Produktion von kurzen Videos zu bestimmten Reisezielen in den Philippinen leben, könnt ihr hier auch ein Video zu unserem Ausflug finden.

Dieses Mal gehts ums Trycicle

Das nächste Verkehrsmittel, das ich euch im Zuge dieses Eintrags vorstellen möchte, ist das Trycicle. Ein Tricycle ist im Prinzip ein Motorad oder Moped mit einem Beiwagen, das Personen von A nach B transportiert. Je nachdem, in welcher Gegend man sich befindet, fahren diese Fahrzeuge ihre Passagiere über kürzere oder längere Distanzen. Hier in Manila beschränkt sich dies zumeist auf einen bestimmten Stadtteil, den die Fahrzeuge befahren. Je nach Stadtteil variiert dann auch die Farbe der Tricyles. Bei uns in der Gegend beispielsweise sind sie grün, wenn wir in die Arbeit fahren blau oder wenn wir ins Konvent möchten weiß.

In der Provinz legen die Tricycles dann auch oft weitere Strecken zurück. In Baler beispielsweise wurden wir jeweils über eine halbe Stunde zu unseren Ausflugszielen hin und zurück gefahren.

Abhängig von der Zahl der zurückgelegten Kilometer und der mitfahrenden Gäste variiert dann auch der Preis pro Passagier. Auf dem Weg nach Payatas beispielsweise sind es 9 Pesos (ca. 15 Eurocent) pro Person, wenn mehr als fünf Fahrgäste mit von der Partie sind.

Wie genau die Tricycles aufgebaut sind, hängt auch von der Gegend ab, in der man sich gerade befindet. In der Regel ist der Beiwagen des Tricycles eher eine kleine Kabine, zum Teil sogar mit einer Tür. Darin befindet sich eine Sitzbank, auf die sich zwei Leute mit Blick in Fahrtrichtung mehr oder weniger quetschen. Mit Blick zur äußeren Straßenseite sitzt dann in er Regel noch eine weitere Person im Innenraum auf einer schmalen Sitzfläche. Zum Teil haben die Tricycles hinter der Kabine dann auch noch eine Ablage für Gepäckstücke angebracht, was ich sehr praktisch finde, gerade, wenn man mit etwas mehr unterwegs ist. In der Provinz habe ich auch schon Tricycles gesehen, die nach hinten offen waren und eine weitere Sitzbank dort hatten, sodass die Passagiere im Prinzip Rücken an Rücken sitzen. Es kommt auch manchmal vor, dass sich ein Fahrgast, der noch mit möchte, hinten auf die Kabine stellt und dort mitfährt.

Hinter dem Fahrer sitzen dann normalerweise noch zwei weitere Personen quer zur Fahrtrichtung. Damit diese ein wenig mehr Platz haben, sind an die meisten Tricycles noch eine Verlängerung der Sitzbank hinzugefügt. Zusammen mit dieser Verlängerung ist zumeist auch das Dach über dem Fahrzeug angebracht, manchmal sieht man sogar noch eine daran angebrachte Frontscheibe für den Fahrer.

Falls es regnen sollte, hat in der Regel jeder Fahrer einige Planen dabei, die er dann am Dachgestell befestigt, um sich und die Passagiere hinter sich vor dem Gröbsten zu schützen.

Neben der Funktion des Transports von Passagieren werden Trycicles zum Transport von allen möglichen Dingen im Alltag verwendet, dann besteht der Beiwagen meist aus einem Gestell, das die zu transportierenden Dinge besser fasst. Oft werden sie genutzt, um Trinkwasserkanister oder Gasflaschen zu transportieren, man sieht aber auch alle möglichen anderen Dinge wie zum Beispiel Metallstäbe darauf herumfahren.

Meiner Meinung nach sind Trycicles sehr oft ziemlich eng und unbequem, was vermutlich aber auch an meiner Körpergröße und daraus resultierenden Schwierigkeiten liegen mag.

Viele Grüße aus Manila

Jakob

Ein Jeepney (#2)

Hallo zusammen,

Inzwischen ist es schon wieder einige Wochen her, dass ich mich mit meinem letzten Blogeintrag gemeldet habe, und so einiges ist passiert. Ich und meine Mit-Freiwilligen stecken nun schon mitten in der Arbeit, die Vorbereitungen für das Theater sind intensiv angelaufen, wir finden uns inzwischen schon ein ganzes Stück besser zurecht, lernen weiter viele neue Dinge kennen und die Sprache Tagalog, mit der ich durch die Arbeit häufiger in Kontakt bin, verstehe ich schon ein ganzes Stück besser.

Eindrücke aus Payatas
Die Arbeitsstelle von mir und Moritz ist der Slum Payatas, einem Gebiet in Manila, in dem sich wahnsinnig viel um Müll dreht. Man hat den Eindruck, dass die gesamte Metro Manila hier ihren Müll ablädt, wenn man auf dem Weg zur Arbeit zahlreiche Deponien und Mülllaster passiert. Das Gebiet, in dem wir zuständig sind, stellt dabei allerdings nur einen wahnsinnig kleinen Teil dar. Für uns ist dort der Orientierungspunkt neben der „Sagrada Familia Chapel“, einer kleinen, einfachen Kirche, das Center. Dieses zweistöckige Gebäude umfasst zwei große Zimmer, die sowohl Klassenzimmer als auch Arbeitsplatz darstellen. Außerdem gibt es neben drei Toiletten eine Küchenzeile, in der täglich Reis für das Ulam, also das eigentliche Gericht zum Reis, gekocht wird. In den Klassenzimmern unterrichten neben einigen freiwilligen Helfern und Referenten vor allem die drei Lehrer Erika, Jeremy und Edwin. Diese bereiten gerade die älteren Schüler auf die Prüfungen kommenden November vor. Im Center trifft man außerdem Sister Frances, hier für Puso sa Puso verantwortlich, sowie die Social Workerin Celine an, die ganz viel im Kontakt mit den Familien steht. Celine war es auch, die uns am ersten Tag mit einer kleinen Orientierung einführte, uns zu den Plätzen mitnahm, an denen wir unterrichten sollten, und uns den Familien vor Ort vorstellte. So hatten wir die Möglichkeit, einen ersten Blick auf die neue und für uns ungewohnte Umgebung zu werfen. Viele der Familien dort leben in Häusern aus unverputzem Stein, andere in welchen, die aus Blech und Holz gebaut wurden. Manche Häuser sind mehrstöckig, die Mehrheit aber einstöckig, Einige haben Fenster aus Fensterglas, andere einen Vorhang, um es zu verschließen.

Den Rest unserer Woche konnten wir uns auf unsere erste Unterrichtseinheit mit den Kindern am Freitag vorbereiten und Ideen und Material im Center sammeln. Die Gruppen, die wir unterrichten, haben bis zu ihrer Abreise die beiden polnischen Freiwilligen Danusia und Piotr unterrichtet. Pro Tag unterrichten wir, so der Plan, fünf Klassen mit insgesamt 28 Schülern. Dass dieser Plan nicht immer einfach umzusetzen ist, liegt daran, dass zum Teil Stunden nicht stattfinden können, weil sich die Kinder im Moment irgendwo anders herumtreiben oder gerade schlafen. Zum eigentlichen Stundenbeginn waren, zumindest am Anfang, die Schüler sowieso noch nicht da. Inzwischen funktioniert das aber in einigen Klassen ganz gut, oft sind die Eltern auch stark dahinter her. Zum Teil läuft es aber auch nicht nach der geplanten Liste, weil einige der Kinder noch nie aufgetaucht sind, aus welchen Gründen weiß ich nicht. Dafür nehmen oft andere Kinder an meinem Unterricht teil, zum Teil sind sie eigentlich zu alt dafür. Ein weiterer Grund dafür, dass der Unterricht nicht stattfinden kann, sind Taifunwarnungen oder Streiks im Nahverkehr, die es jetzt wie heute schon mehrere Male gegeben hat.

Unterrichtsbedingungen in den Familien
Die Plätze, an denen ich unterrichte, unterscheiden sich ganz stark voneinander. Bei zwei der Familien gibt es für alle Kinder einen Sitzplatz auf einem Stuhl oder auf einer Bank am Tisch. Eine Klasse hat aber zum Beispiel meist nur einen Tisch, um den die Kinder stehen, zwei andere wiederum unterrichte ich am selben Platz, einer Bank, der gegenüber ich mich auf einen Stuhl setze, einen Tisch gibt es hier nicht. Alle Klassen werden bei guten Wetter draußen unterrichtet, was den Unterricht oft erschwert, weil die Kinder durch alles Mögliche abgelenkt werden können wie zum Beispiel Leute oder Tiere, die vorbeilaufen, oder Fahrzeuge, die vorbeifahren. In meiner Anfangszeit merke ich gerade, dass es überhaupt sehr schwierig ist, die Aufmerksamkeit der Kinder zu gewinnen und diese ständig zu haben, da die Aufmerksamkeitsspanne in diesem Alter unglaublich kurz ist. Daher probiere ich viele verschiedene Sachen aus, wie ich es am besten anstelle. Generell besteht der Inhalt meiner Stunden derzeit noch daraus, herauszufinden, wie viel die Kinder schon wissen oder können. Dabei können meine Schüler, aber auch die Eltern, einen schier zur Weißglut bringen: Die Kinder, wenn sie sich nicht anständig benehmen, überhaupt nicht aufpassen oder etwas komplett anderes machen, als ich ihnen sage; die Eltern, die oft mit von der Partie sind, weil sie ihre Kinder selbst unter Druck setzen, damit diese beispielsweise schon nach einer Sekunde das Richtige sagen und tun, ihnen die Lösung vorplappern, die noch nicht einmal stimmen muss, oder aber, weil sie sich mit den anderen Eltern im Hintergrund lautstark unterhalten und so den Lärmpegel, der ohnehin schon hoch ist, weiter steigern.

Gerade am Anfang waren die Stunden des Öfteren sehr frustrierend, aber das gehört zu diesem Lernprozess einfach dazu. Ich merke im Moment aber schon eine Verbesserung, tue mich auch mit der Vorbereitung der Stunden leichter und die Arbeit bereitet mir manchmal wirklich Freude. Ich hoffe das bleibt so.

Stimm- und Tanzübungen für ein Theaterstück
Eine Sache, die im Moment einen großen Teil unserer Freizeit einnimmt, sind die Vorbereitungen auf das Theaterstück „A Midsummernight’s Dream“ von William Shakespeare. Hierfür absolvieren wir gerade mit den angehenden Priestern aus dem Konvent in Loyola und den Kollegen aus Payatas und Parola immer wieder Workshops. Diese zielen darauf ab, unsere Fertigkeiten im Bereich Stimmbeherrschung und -variation sowie Tanz und Bewegung zu verbessern. Eigens dafür gibt es einen professionellen Tanzlehrer und einen Coach, der sich beruflich dem Theater spielen hingibt und uns dieses, mit allem was dazugehört, näher bringen möchte. Daher sollen wir im Moment auch unsere Textstellen lernen und üben. Die Freizeit, die für uns übrig bleibt, lohnt sich nicht wirklich, um am Wochenende große Ausflüge zu machen. Was sich aber perfekt eignet und was wir jetzt schon zwei mal mit Aldrin unternommen haben, sind Trips zu einer Wakeboard-Anlage in der Nähe von Manila. Es macht wahnsinnig viel Spaß, auch wenn ich erst beim zweiten Mal wirklich mehr als 20 Meter gefahren bin. Auch dies ist wiederum ein echt guter Weg, eine Weile aus der Stadt zu kommen und sich auszupowern.
Ansonsten gab es in letzter Zeit einige Momente, in denen ich wirklich Sehnsucht nach Zuhause hatte, nach Familie, Freunden und vielen anderen Dingen. Ich vermisse hier einfache Dinge wie Brot, da die Philippinen ein Land sind, das vom Weiß- und Toastbrot beherrscht wird. Da tut es ganz gut, wenn man hin und wieder ein bisschen Blasmusik hören kann. Auch die deutsche Wurst, die ich als Gastgeschenk dabei hatte und die wir letztens im Center mit den anderen gegessen haben, hat einfach fabelhaft geschmeckt.

Typisch für die Philippinen: das Jeepney
Wie versprochen, möchte ich in den Blogeinträgen immer einiges erklären, was typisch für die Philippinen ist. Heute ist das Jeepney an der Reihe. Ein Jeepney, kurz Jeep genannt, ist ein Fahrzeug, das im öffentlichen Nahverkehr eine tragende Rolle spielt, man sieht sie hier überall herumfahren. Ihren Ursprung haben die Jeepneys in den amerikanischen Armeetrucks, die nach Abzug der Amerikaner auf den Philippinen blieben und munter umgebaut wurden. Die Fahrzeuge sind weitaus länger als die ursprünglichen Trucks und in dieser Form kaum wiederzuerkennen. Elementare Dinge, die jedes Jeepney besitzt und ausmacht, ist der mittige Einstieg am hinteren Ende des Fahrzeugs und zwei lange Sitzbänke rechter- und linkerhand dieses Einstiegs, die bis zum Fahrersitz reichen, dazu parallel zwei Stangen an der Decke, an denen man sich während der Fahrt festhalten kann. Weiter ist unter der Windschutzscheibe und an den Seiten angeschrieben, zwischen welchen beiden Punkten das Jeepney hin und her pendelt. Um zu erfahren, welche markanten Punkte auf dem Weg dieser festgelegten Route liegen, schaut man auf die Windschutzscheibe, hier werden nämlich immer Schildchen geklemmt, auf denen diese Information steht. Hat man ein Jeepney erblickt, dass diese Route fährt, winkt man einfach kurz dem Fahrer und dieser hält schnellstmöglich an, dabei ist es ihm meist völlig egal, ob er gerade mitten auf einer Kreuzung steht beziehungsweise andere Fahrzeuge blockiert. Möchte man bezahlen, sagt man einfach kurz „bayad po“ und das Geld wird nach vorne durchgereicht. Sagt man „para po“ oder zieht man an einer Leine, die in vielen Jeepneys an der Decke befestigt ist und ein Lämpchen beim Fahrer aufblinken lässt, so hält das Jeepney an und lässt die Fahrgäste aussteigen. Ein Jeepney fasst in der Regel circa zwanzig Fahrgäste, dann sitzt man allerdings auch drin wie in einer Sardinenbüchse.

Kreative Gestaltung der Jeepneys
Bei der sonstigen Gestaltung der Jeepneys ist der Kreativität der Besitzer keine Grenze gesetzt. Von sehr schlicht gehaltenen über total verchromten bis hin zu mit knallbunten Grafittiybildern bemalten Fahrzeugen findet man alles. Häufig wird auf dem Kühlergrill oder an der Seitenwand ein großer Mercedes-Stern befestigt, auf der Motorhaube sieht man oft viele Pferdefiguren oder mehrere sehr lang gezogene Hupen. Die Hupe hat nicht nur teilweise sehr seltsame Klänge sondern wird auch ganz unterschiedlich betätigt, oft wurde sie so umgebaut, dass man an einem Strick oder einer Kette an der Decke ziehen muss. Manche Jeepneys sind tiefer gelegt oder fahren beispielsweise vorne mit kleineren Reifen als hinten. Der Auspuff einiger Jeeps wurde derart bearbeitet, dass er nicht nur wahnsinnig laut ist, sondern auch ein eher röhrendes Geräusch von sich gibt. Je nach Fahrzeug sind zum Teil fette Boxen verbaut, aus denen laute Musik schallt, passend dazu manchmal blinkende Lichter an der Decke. Die Decke der Jeepneys ist manchmal mit Leder überzogen, dazwischen eventuell einige Spiegelvarianten, manchmal besteht er aus bemaltem Holz. Verglaste Fenster hat ein Jeepney in der Regel, abgesehen von der Windschutzscheibe und eventuell den Scheiben der Fahrer- beziehungsweise Beifahrertür nicht. Manchmal sieht man Schiebefenster aus Plastik, der Standard ist aber eigentlich kein Fenster. Falls das Wetter umschlägt und es regnet, werden einfach durchsichtige Plastikplanen, die oben am Fensterrahmen befestigt sind, ausgerollt.

Ein weiterer Punkt, der ganz stark von Gefährt zu Gefährt variiert, ist der Komfort: einige Jeepneys sind sehr bequem und gut gepolstert, bei anderen wiederum hat man das Gefühl, auf einem Brett zu sitzen. Aufgrund meiner Größe habe ich auch das Gefühl, dass ich zum Jeepneyfahren nicht geeignet bin, da ich des Öfteren nicht aufrecht sitzen kann oder meine Füße sehr weit in den Gang ragen und die Leute nur schwer daran vorbeikommen. Das Aussteigen bleibt meinem Kopf auch manchmal in schmerzhafter Erinnerung.

Wahnsinnig bequem ist das Jeepneyfahren generell eigentlich nicht, es hängt natürlich immer von den Fahrkünsten des Fahrers ab, wobei ich finde, dass Fahrkomfort und -gefühl eher an einen Bulldog als an ein Auto erinnern.

Der Preis für eine Fahrt variiert je nach Strecke zwischen acht und zwanzig Pesos, so meine Erfahrung. Manche der Fahrgäste bezahlen auch wirklich erst, wenn sie am Zielort angekommen sind. Bemerkenswert ist aber wirklich, dass jeder bezahlt. Ich bezweifle, dass das in Deutschland genau so funktionieren könnte, ob da auch wirklich alle Menschen so ehrlich wären.

Der enge Gottesbezug der Filipinos zeigt sich auch bei den Jeepneys. An fast jedem findet man einen Rosenkranz, eine Marien- oder Jesusfigur sowie Sprüche wie „God bless our trip“ (=Gott segne unsere Fahrt) angebracht. Viele Fahrer machen beispielsweise zudem ein Kreuzzeichen, bevor sie losfahren.

Über die Fahrer und das Begleitpersonal
Bei den Fahrern hat man das Gefühl, dass es eine ganz eigene Community und ein ganz eigener Schlag Leute ist, nicht selten sieht man einen Fahrer auf der Rückbank seines Jeepneys übernachten. Oft unterhalten sich die Fahrer zweier Jeepneys, wenn sie gerade zufällig nebeneinander im Verkehr zum Stehen kommen oder rufen sich im Vorbeifahren etwas zu. Am Geschäft mit den Gefährten sind aber nicht nur die Fahrer, sondern weitaus mehr Personen beteiligt. So gibt es des Öfteren Fahrer, die neben sich auf dem Beifahrersitz jemanden haben, der für sie das Geld kassiert, die Schilder wechselt, die Punkte auf der Route für die mögliche Fahrgäste auf der Straße ausruft oder für die Musik zuständig ist. An Punkten, an denen viele Jeepneys ihre Kunden aufgabeln, stehen auch häufig Leute, die die Passagiere in die richtigen Fahrzeuge weisen und diese füllen, um so von jedem Fahrer ein bisschen Geld zu bekommen. Wiederum andere verkaufen auf den Straßen gekühltes Wasser, Snacks, Zeitungen oder stapelweise Lappen, mit denen die Fahrer häufig über das Lenkrad oder den Schaltknauf wischen. Laut meinem Reiseführer sind es circa 60.000 Jeepneys, die täglich in Manila unterwegs sind, also ein wahnsinnig wichtiger Teil der öffentlichen Verkehrsmittel. Da ist es klar, dass viele Menschen aufgrund eines Streiks der Fahrer nur schwer ihren Zielort erreichen können. Heute und gestern zum Beispiel hatten wir frei, weil die Fahrer streiken, um sich so gegen Pläne der Regierung zu wehren, die alle Jeepneys, die älter als 15 Jahre alt sind, aus dem Verkehr ziehen möchten und diese durch modernisierte Versionen ersetzen möchten. Diese sieht man vereinzelt schon, haben allerdings weitaus weniger Charme, sind nicht mehr einzigartig sondern standardisiert und würden Manila ein Stück Kultur und eine eigene Lebensweise rauben. Dafür spricht allerdings, dass so die Luft ein gutes Stück weit entlastet werden würde, da Jeepneys sicher nicht zu den Fahrzeugen mit den besten Abgaswerten gehören. Es wird mit Sicherheit eine spannende Frage bleiben.

Viele Grüße aus Manila

Jakob

Nicht nur ein Tag, sondern ein Monat.

Meine lieben Freunde,

etwas verspätet will ich noch ein wenig über den 28. Juli sprechen. Am 28. Juli ist el dia de la independencia von Peru (allerdings ohne Aliens, wer die Anspielung nicht versteht, sollte mehr Filme schauen). Auch wenn die Unabhängigkeitserklärung am 15. Juli 1821 erstellt wurde, ist sie erst am 28. Juli desselben Jahres in Kraft getreten. Seitdem wird jedes Jahr eben dieser Tag gefeiert, als die Herrschaft der Spanier über dieses schöne Land abgelegt wurde.

Aber da wir hier in Peru sind und sich keine Nachbarn bei Lärmbelästigung beschweren, wird eben nicht nur am 28. Juli gefeiert, sondern einfach im Juli.

Der Tag Perus ist eher der Monat Perus und deshalb gab es jede Woche mindestens zwei Feste, auf denen unsere Stelzentänzer getanzt haben.

Die in den Monaten und Woche davor eingeübten Choreografien gipfelten am 28. Juli in einer großen Vorführung in Santa Rosa, bei der Miri und ich mithelfen durften (wie auch bereits bei den Festen zuvor).

Zusammen mit den Stelzenkindern und einigen Eltern haben wir uns alles Nötige geschnappt und sind nach Santa Rosa gefahren. Wir haben beim Anlegen der Stelzen und Anziehen der bunten Kleidung geholfen und schließlich durften wir in der ersten Reihe zuschauen, wie die Kinder getanzt haben.

Liebe Grüße,

Lisa.

Was passiert eigentlich mit euren Spenden? – Teil 2

Hallo liebe Leser und Freunde,

Das Gebäude ist nun komplett fertig!

Am 2. Juli war das Haus zwar noch nicht ganz fertig, aber wir haben trotzdem mit der ganzen Schule eine kleine Einweihungsfeier gemacht. Die Schülerinnen haben am Vormittag gute Speisen gekocht und es wurde extra eine Ziege geschlachtet. Sister Anna und wir beiden wurden am Tor zur Schule für eine Prozession abgeholt und wir sind gemeinsam singend und tanzend zur Baustelle marschiert, haben das Gebäude einmal umrundet und anschließend auf der Veranda getanzt, um es zu segnen. Die eigentliche Feier folgte aufgrund des Schattens im vorderen Teil des Schulgeländes. Mit Essen, kurzen Reden, Liedern und Tänzen und lustigen Spielen war die Feier perfekt. Die Mädchen haben sich sehr bemüht und einiges vorbereitet und wir durften als Ehrengäste alles genießen.

Ein paar Tage später sind wir einmal von der Schule zum Convent gelaufen und dachten im Vorbeigehen: „Wow! Ist das ein schönes Haus!“ bis uns wieder einfiel, dass das ja das neue Haus ist. An diesem Tag konnten wir den ersten, weißen Anstrich genießen.

Danach waren wir ein paar Tage nicht in Alenga und bei unserer Rückkehr haben wir das Haus mit dem orangenen Anstrich in seiner strahlenden Pracht vorgefunden.

Wir sind sehr glücklich mit der Arbeit und dem Ergebnis und manchmal immer noch überwältigt, dass wir so etwas Großes aufgebaut haben, denn mit so viel Unterstützung hätten wir absolut nicht gerechnet! Wir möchten uns und auch im Namen der Schneiderschule und der ganzen Gemeinschaft in Alenga von ganzem Herzen bei allen Spendern bedanken! Selbst wenn die Gabe noch so klein war, hat sie einen guten Beitrag geleistet.

Am letzten Donnerstag haben wir das Haus offiziell mit einer Feier übergeben. Zu Gast waren unter anderem die Fathers, die Schulräte und alle Beteiligten der Schule. Die Schülerinnen haben wieder gesungen, getanzt und gekocht und es war ein schönes Fest mit traditionellem Band durchschneiden und Kuchen. Damit ist das Projekt offiziell abgeschlossen.

Jetzt wollen wir uns noch um Tische und Bänke bemühen, damit man mit diesem Raum auch etwas anfangen kann. Die Schülerinnen freuen sich schon, dort essen zu können und wer weiß, für was er noch verwendet wird. Möglichkeiten sind Unterricht, wenn die Klasse geteilt wird, Hochzeiten, Meetings und Schulfeste.

Und jetzt noch ein paar nicht mehr ganz so neue Neuigkeiten.

Im Juni hat sich unser Haushaltsalltag noch vergrößert. Seither haben wir immer bei den Priestern mitgegessen, doch jetzt hat sich das geändert. Wir haben einen Gaskocher und sogar einen Kühlschrank in unsere Küche bekommen und sind selbst losgezogen, um Geschirr und alles, was wir brauchen, zu kaufen.

Dafür sind wir auf den Wochenmarkt im nächsten größeren Dorf gegangen. Im Gegensatz zu Deutschland fängt der Markt immer erst nachmittags an und endet spät am Abend mit gemütlichen Bierrunden. Wir gehen allerdings nur zum Einkaufen hin. Auf dem Markt findet man neben Lebensmittel alles Mögliche, zum Beispiel Nägel, Schuhe, Geschirr und Stoffe. Wir haben dort das Meiste für unsere Küche gefunden. Unsere Eltern haben uns Anfang Juni bei ihrem Besuch ein paar wichtige Dinge wie Gewürze und Frühstücksaufstriche mitgebracht. Seitdem versorgen wir uns selbst. Wir versuchen, einheimische und deutsche Gerichte zu kombinieren. Die Auswahl ist nicht so groß, da wir viele Lebensmittel hier nicht finden und Ofengerichte gestalten sich auch schwierig. Was uns aber sehr freut ist die Freundlichkeit der Leute, die uns hin und wieder einfach so Mais oder anderes schenken. Sonntagabends laden wir die Priester immer zu uns zum Essen ein. Am ersten Sonntag haben wir zur Premiere gleich Spätzle aufgetischt.

Für unsere Kücheneinrichtung haben wir auch unsere Freizeitgestaltung eingebracht. Zum Beispiel haben wir die Topflappen selbst gehäkelt. Was uns fehlte, war der Stauraum. Zusammen mit dem Schreiner in Alenga hat Kadda ein Regal gebaut und dabei gleich gesehen, wie dieses Gewerbe hier funktioniert.

Anfang Juni wurde in Alenga ein neuer Jugendchor gegründet. Dort sind wir beigetreten. Das freut Kadda besonders, weil sie dadurch doch noch ihren Wunsch erfüllen und musikalisch aktiv sein kann. Wir lernen viele neue Lieder kennen und können den Text für uns aufschreiben und bringen ihnen manchmal auch unsere Lieder bei. Sehr begeistert sind sie auch von der Gitarre. Wir treffen uns fast jeden Tag mit den Jugendlichen, proben und gehen manchmal anschließend mit aufs Feld, um die Tomaten zu gießen, die sie als Projekt angepflanzt haben.

Macht’s gut und bis bald!

Kadda und Pauli

„Uganda has a lack of technology, but many resources“

Vor ein paar Tagen war ein ganz besonderer Tag. Ich durfte Patrick auf sein Feld begleiten. Seit ein paar Wochen arbeitet er dort sehr hart, um Trocken-Reis anzupflanzen.

Wir wollten ganz früh weg. Ausgemacht war also sechs Uhr morgens. Schlussendlich hieß das sechs Uhr ugandische Zeit, wie die Leute das hier so gerne ausdrücken, und er hat mich um 20 nach sechs am Tor der Sisters abgeholt. Gemeinsam sind wir dann mit dem Fahrrad gefahren. Er hat noch einen Jungen auf dem Gepäckträger mitgenommen, denn ich von der sechsten Klasse kenne. Es stellte sich heraus, dass es sein Neffe Ronald ist und er heute wegen der Feldarbeit nicht zur Schule gehen wird.

Es war etwas ganz Neues für mich, einfach auf der Straße so früh am Morgen mit dem Fahrrad zu fahren. Patrick kommt aus Tarogali und wurde nur durch seine Arbeit als Katechist nach Alenga versetzt. Das bedeutet natürlich auch, dass seine Felder im nächsten Dorf sind und er jeden Tag dort hinfahren muss. Da es am Tag davor und die ganze Nacht stark geregnet hatte, sind wir auf der einfachen, ungeteerten Straße auch durch große Pfützen gefahren. Zum Glück hatte ich mir ausnahmsweise eine Hose und meine Sportschuhe angezogen. Nach ungefähr einer dreiviertel Stunde Fahrt, auf der Patrick gefühlt 100 mal gefragt wurde, was wir denn machen und ob ich auf dem Feld arbeiten kann und wir sehr vielen Leuten, vor allem Schulkindern auf ihrem oft langen Weg zur Schule begegnet sind, kamen wir in Tarogali an.

Während der Fahrt musste Ronald absteigen und den Weg laufen, da das Hinterrad einen Platten bekam. Wir sind dann zu dem Zuhause von Patricks Bruder gefahren, weil dort seine zwei Ochsen und der Ochsenkarren auf uns warteten. Wir trafen dort die Frau seines Bruders waschend an, um sieben Uhr in der Früh und es sah nicht danach aus, als ob sie erst gerade angefangen hätte.

Während Patrick seine Ochsen an den Wagen befestigte, ging langsam die Sonne auf und es wurde immer heller. Mich hat es richtig verwundert, wie die Kühe auf ihn gehört haben und die nächsten Schritte wussten: einen Bogen laufen, um gerade zu stehen, den Kopf herunternehmen, damit sie angeschnallt werden können oder die Kommandos steh, lauf,…

In dieser Zeit kam Ronald auch an und mit einem Bekannten von Patrick sind wir dann zum Feld gelaufen. Die Kühe kannten den Weg, wussten wann sie abbiegen und dass sie links laufen müssen. Am Feld angekommen wurde die Pflugmaschine an die Ochsen gekettet und es ging los. Patrick hat die Pflugmaschine geführt, der Bekannte die Kühe gelenkt und angetrieben und Ronald und ich haben Reis und zwei Reihen Mais per Hand gesät. Es war echt cool. Zum Glück konnte er ein wenig Englisch und wir unterhielten uns gut. Er fragte mich Lango-Vokabeln ab, erzählte mir von seinen Familienverhältnissen, von der Schule, dem Unterrichtsstoff und stellte mir viele Fragen über Deutschland, meine Familie und Allgemeines.

 

Seinen Vater kennt er nicht. Er lebt mit seiner Familie bei den Großeltern, da sein Vater zu viel Alkohol trinkt und daher nicht für seine Schulgebühren bezahlen kann. In der Schule ist er sehr gut, aber es ist jetzt schon klar, dass er die Secondary School nicht besuchen kann. Er hat mir auch einiges über Uganda erklärt, zum Beispiel alle Besonderheiten der Flagge und ich bekam sogar ein Ständchen der ugandischen Nationalhymne (Er ist 14 Jahre alt und gerade im Stimmbruch. Dadurch war es ganz lustig anzuhören). Es kam auch heraus, dass ich in ihm einen kleinen Verehrer gefunden habe. Ich bekam tausend Komplimente, wie schön ich doch sei und dass ich das Haar einer Katze habe.   😆 Und natürlich ist meine Hautfarbe sooo schön. Er hat mir auch gesagt, dass mich jeder Junge in Alenga heiraten möchte. 😉

Leider waren die Gummistiefel, die ich von den Sisters ausgeliehen hatte, viel zu klein… während wir die Reihen hin und her gelaufen sind, wurden die Schmerzen in den Füßen immer stärker, aber ich wollte mir nichts anmerken lassen. Am liebsten wäre ich wie Ronald barfuß gelaufen. Nachdem wir den ganzen Reis gesät hatten, habe ich gemerkt, dass ich fünf Blasen, davon eine fast bis zum bersten große Blase, an den Füßen bekommen habe. Meine Socken habe ich dann ausgezogen und hinten in den Schuh als Ersatzblasenpflaster genutzt. Das hat erstaunlich gut funktioniert.

Am Ende der Arbeit, um 12 Uhr, bekam jeder ein Päckchen mit Keksen und Patrick hat extra ein gekauftes Wasser für mich mitgebracht, da wir Europäer ihr Wasser nicht ungekocht/ungefiltert trinken können.

Wir haben die Kühe zurück gebracht und dann ging es wieder auf den Heimweg. Jetzt jedoch nicht mit dem Fahrrad, sondern mit dem Ochsenkarren. Es war echt witzig und wir haben uns super unterhalten. Zum Beispiel, dass er Angst hatte, dass ich nicht so lange durchhalte, was jedoch wiederlegt wurde. Patrick meinte: “Uganda has a lack of technology, but many resources. Germany has technology, but no resources.“ Worauf ich antwortete: “the technology is coming but the recourses will not come.“ Es ist mir immer wichtig, den Leuten zu zeigen, dass in meinem Fall Deutschland auch nicht nur positive Seiten hat, sowie auch die postiven Seiten ihrer Heimat klar aufzuzeigen. Wir sprachen auch davon, wie schwer es sein kann, einen Menschen zu heiraten, der aus einer anderen Kultur stammt. Auch mein nahender Abschied wurde angesprochen und was ich hier alles gelernt habe und wie sich die Sicht auf die Dinge und das Leben durch mein MaZ-Jahr verändert hat. Patrick hat das richtig schön ausgedrückt. Man braucht ein einfaches Leben zum glücklich sein. Keinen Luxus und Prunk, denn dann strebt man nur immer höher und will mehr und besser sein als andere. Man wird nie zufrieden sein mit dem, was man hat. Daher sollte man ein einfaches, aber glückliches Leben führen. Auf dem Weg kamen wir auch an einer Grundschule vorbei und mindestens 30 Kinder sind unserem Wagen hinterher gelaufen.

Bei dieser Fahrt habe ich mir auch noch ganzschön einen Sonnenbrand eingefangen. Der Vormittag auf dem Feld von Patrick hat mir jedoch richtig gut gefallen und ich bin glücklich, dass ich diese Art von Feldaufbereitung auch noch erleben durfte. Normalerweise gehe ich nur mit den Sisters oder den Lehrern der Schneiderschule ins Feld. Dort hacken wir dann oder ernten etwas. Zum Beispiel durfte ich vor einer Woche Erdnüsse ernten und vom Stängel entfernen, welche ich mit Sister Evaline und den Mädels der Schneiderschule gepflanzt habe. Es ist ein tolles Gefühl, etwas zu ernten, was man selbst durch harte Arbeit gepflanzt hat.

Mit diesen Eindrücken wünsche ich euch noch einen guten Start in die Woche!

Süße Grüße und bis bald!

Die Heldin, die ich bin

Buenas,

hier bin ich wieder.

Es ist nun auch schon ein kleines Weilchen her, aber vor einiger Zeit wurde mir die Aufgabe gegeben noch eine weitere Wand in der Kirche in Santa Rosa mit Blumen zu behängen. Weiterlesen

Was passiert eigentlich mit euren Spenden?

Liebe Freunde, Verwandte und begeisterte Leser,

heute wollen wir euch unsere Projekte näher vorstellen. Weiterlesen

Eure Spenden bewirken viel Gutes hier!

Liebe Freunde, Verwandte und begeisterte Leser,

heute wollen wir euch unsere zwei großen Projekte näher vorstellen. Weiterlesen

Alles rund um meinen Geburtstag

Hallo zusammen!

Ich habe das Gefühl, es passiert jeden Tag etwas Neues spannendes, sodass ich mit dem Tagebuch schreiben schon gar nicht mehr nachkomme. Über ein paar Ereignisse würde ich euch gerne berichten. Weiterlesen

Wieder ein Term vorbei und trotzdem immer etwas zu tun

Hallihallöchen meine Freunde und gern gesehenen Leser,

in diesem Bericht möchte ich euch noch einmal ein bisschen etwas über meine derzeitige Arbeit berichten. Um jedoch alle Hintergründe verstehen zu können, lohnt es sich meinen ersten Bericht über meine tägliche Arbeit und über die Schneiderschule zu lesen. Diesen habe ich schon im Dezember mit dem Namen „Earning for the future“ geschrieben. Weiterlesen