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Der Abschied fällt schwer

Wieder zurück in Deutschland
Jetzt bin ich schon wieder seit acht Wochen in Deutschland aber ich denke noch täglich an meine alte Heimat Uganda zurück und vermisse es so sehr. Ich habe dort so viele Erfahrungen gemacht, die mich nachhaltig beeinflusst haben und ich konnte viel lernen. Ich vermisse die lockere, lebensfrohe und herzliche Art zu leben und die Menschen mit denen ich viel Zeit verbracht habe. Uganda ist einfach ein ganz besonderes und facettenreiches Land das man sich nicht entgehen lassen sollte. Ich werde auf jeden Fall zusammen mit Greta, unseren Geschwistern und ein hoffentlich mit ein paar Freunden nächstes Jahr in den Ferien für ein paar Wochen zurück gehen.

Der Abschied
Der Abschied  war unglaublich schwer und für uns beide sehr emotional. Es gab viele Tränen, Abschiedslieder und liebe Worte und ich werde das alles nie vergessen. Die letzten zwei Wochen in Uganda vergingen wie im Flug und wir waren ständig unterwegs und hatten viel zu tun.
Sister Anne und die Schülerinnen waren fleißig am Vorbereiten für die Graduation-Feier (Abschlussfeier) der Abschlussjahrgänge 2016 und 2017 am 20.07. Greta und ich haben ein Schauspiel mit ein paar Liedern und Tänzen mit den Schülerinnen eingeübt. In dem Stück ging es um eine Schülerin die auf einer Party ungewollt schwanger wird, die Schule verlassen muss, sehr unglücklich ist aber am Ende Unterschlupf und Hilfe bei ihrer Tante findet. Es war sehr viel Arbeit die Mädels zum Tanzen und Singen zu motivieren und eine gute Handlung zu bekommen. Wir haben in Gruppen gearbeitet und am Ende hat es zum Glück gut funktioniert.

Am Mittwochabend haben wir uns einen letzten Abschlussabend mit den Mädchen aus der Schule gewünscht. Greta und ich haben Sister Anne etwas Geld gegeben, damit sie gutes Essen mit Fleisch für die Mädels kaufen kann. So gab es richtig leckeres Essen und wir haben noch lange mit den Mädels getanzt und gelacht.

Es war ein großer Wunsch von Father Alberto, dass wir uns bevor wir heim fliegen noch seine Kirche in Bala anschauen. Er hat den Bau der Kirche selber geplant und in seiner Zeit als Priester dort bauen lassen. Die Kirche ist riesig und hat uns richtig gut gefallen. Man hat gemerkt wie stolz er auf sein Gebäude ist, jedoch kam auch deutlich raus, dass er mit vielen Kleinigkeiten nicht sehr zufrieden war. Das liegt einfach an der ugandischen Arbeitsmoral, denn einiges wird eben nicht so genau und detailliert gemacht wie Alberto es aus Europa gewohnt ist. Ich kann es natürlich schon verstehen, dass es enttäuschend sein kann, wenn du alles genau planst, viele Spenden aus Italien bekommst und am Ende einiges nicht deinen Wünschen entspricht. Alberto ist trotzdem glücklich und es war ein schöner Ausflug mit leckerem Essen.

In der letzten Woche versuchten wir natürlich nochmal so viele Freunde wie möglich zu besuchen um sie alle nochmal zu sehen und uns verabschieden zu können.
So besuchten wir den Lehrer der Schneiderinnenschule Sir Samuel zu Hause mit seiner Frau Molly und seiner kleinen Tochter Francesca. Sie ist jetzt ca. 8 Monate alt und sie haben ihr meinen Namen gegeben, was eine sehr große Ehre für mich ist und mich sehr gefreut hat. Bei der Geburt war ich leider nicht dabei aber Greta und ich haben sie im Health Center besucht und ich habe natürlich, wie es sich als Namensvetterin gehört, einige Kleinigkeiten wie Creme, Zucker und Seife vorbei gebracht. In unserer letzten Woche gingen wir einfach nochmal kurz vorbei um auf Wiedersehen zu sagen.

Bye, Bye Arbeit
Am Mittwoch, den 18.7., ging ich das letzte Mal in die Arbeit und es stimmte mich wirklich sehr traurig. Mir wurde richtig bewusst, dass ich nie wieder in Alenga leben und arbeiten werde und, dass diese Zeit jetzt endgültig vorbei ist. Ich liebte die Arbeit im Health Center, auch wenn es oft Herausforderungen, schwierige Momente und Zustände gab die mich sehr verärgert und frustriert haben. Warum sind die Hygiene, die Bezahlung der Angestellten und die Versorgung so schlecht? Wieso muss in Alenga ein Baby nach der Geburt sterben, was in Deutschland locker überlebt hätte??
Viele dieser Dinge haben mich immer wieder vieles hinterfragen lassen und herausgefordert. Man muss letztendlich aber die Situation so akzeptieren wie sie ist und das Beste draus machen, denn sonst kann man in so einem Umfeld nicht leben und arbeiten. Man macht sich natürlich immer Gedanken was man tun kann und auch wir in Deutschland, die so fern von allem Schlimmen sind und die Augen oft verschließen können, weil die große Ungerechtigkeit nicht direkt vor uns auf der Straße stattfindet, sollten nicht denken, dass wir als Einzelner ja eh nichts verändern können und es alles eh nichts bringt!!! Man kann sich nämlich sehr wohl von Deutschland aus für Projekte in fernen und armen Entwicklungsländern einsetzten. Es tut niemandem weh 5 Euro im Monat zu spenden und vor allem ein Bewusstsein für die leidenden Menschen der Welt, die von uns so weit weg sind, zu schaffen.
Es hat mich sehr gefreut, dass das Health Center durch das Voucher Plus Programm von US-Aid viel Geld verdienen konnte und deswegen im Labor, im Büro und im Impfraum die Decken reparieren und alles neu streichen konnte. Dadurch war es gleich etwas hygienischer und gepflegter. Nach und nach wird sich da also noch so einiges verbessern. Es ist schön zu sehen, dass es voran geht und, dass sich etwas ändert. Durch die vielen, vielen Spenden ist es Greta und mir auch möglich das restliche Geld für den Bau des Zaunes für das Health Center zu benutzen. Father Stan wird dieses Projekt in die Hand nehmen und sich darum kümmern. Vielen Dank an alle, die uns finanziell unterstützt haben! Das ist wirklich Wahnsinn und ich hätte nie gedacht, dass so viel zusammen kommt.

Besonders gefreut hat es mich, dass wir nochmal meine Arbeitskollegin Gloria zu Hause besucht haben. Sharon, meine ehemalige Arbeitskollegin, war zum Glück auch da und so genossen wir einen schönen Abend mit leckerem Essen (Schweinefleisch, Greens mit Ei, Kartoffeln), machten ein paar Fotos und tranken sogar Bier! Es war wirklich toll nochmal dort zu sein aber gleichzeitig auch sehr traurig und das Gefühl, dass Greta und ich bald abreisen müssen lag die ganze Zeit in der Luft. Wir versprachen den beiden immer in Kontakt zu bleiben, sie nie zu vergessen und sie nächstes Jahr zu besuchen.

Am nächsten Tag war auch wieder volles Programm angesagt: Greta und ich wuschen unsere Wäsche ein letztes Mal in Uganda. Kaum zu glauben und die Freude auf die Waschmaschine stieg unaufhaltsam. Es gibt eben auch ein paar Sachen auf die man sich in Deutschland freut. 😀

Wir bei Kyeyune

Anschließend besuchten wir meinen ehemaligen Arbeitskollegen Kyeyune Godfrey. Er war mein bester Freund in Uganda und ich war sehr traurig, als er eines Tages nicht mehr zur Arbeit kam. Eigentlich braucht er den Job aber es gab Probleme und Jaspher war nicht mehr zufrieden mit Kyeyune und somit hat er den seine Arbeit verlassen.
Wir haben uns extra nicht angekündigt und sind zusammen mit meinem Kollegen Dickens(Labor) hingegangen. Wir brachten Soda mit und wollten einfach nur zusammen sitzen, jedoch fing die Frau natürlich sofort an zu kochen und briet ein paar Eier mit Chapati. Das war echt lecker. Es ist einfach so typisch und unglaublich nett, dass man immer etwas zu essen bekommt.

En Hoch auf die Absolventinnen
Am 20.7. war es dann soweit: Die langersehnte Graduation Party fand endlich statt. Die letzten zwei Wochen drehte es sich wirklich nur noch um dieses Ereignis und Sister Anne war ständig im Stress damit das ganze Schulgelände wie neu aussieht. Gerade weil Sister Evaline nicht mehr da war, da sie bei ihrem Kurs für die Sekretärinausbildung war, hatte Sister Anne noch mehr alleine zu tun.
Das Fest begann morgens um 10 Uhr mit einer Messe in der die Absolventinnen der letzten beiden Jahre gesegnet wurden. Es kamen immerhin 16 der 25 Absolventinnen um ihrer Abschlusszeugnisse und -zertifikate abzuholen. Die anderen werden ihre staatlich anerkannten Zeugnisse wohl nie abholen. Einige haben keinen Job als Schneiderin gefunden oder erledigen nur kleine Arbeiten in ihrem Heimatdorf.
Nach der Messe ging es dann in einem langen Menschenzug aus Schülerinnen, Lehrern, Eltern der Absolventinnen und Ehrengästen in die Versammlungshalle. Hier gab es ein langes Programm: Unser Theaterstück wurde endlich erfolgreich aufgeführt und außerdem gab es Gedichte, Rätsel, Reden, Lieder, Tänze und noch ein zweites Theaterstück auf Lango, von Sister Anne organisiert. Gegen 16 Uhr gab es dann das Mittagessen für alle und dann verließen die rund 400 Gäste die Schule. Wir waren fix und fertig, denn für die Lehrer, Schülerinnen und uns gab es keine Sitzplätze und auch kein Essen….
Die Schülerinnen fingen dann gleich mit dem Waschen des Geschirrs an und wir aßen noch mit den Lehrern die Reste des Essens. Anschließend tanzten wir noch bis 22 Uhr mit den Mädels auf der Wiese vor der Schule und waren alle ein bisschen traurig, da wir bald gehen mussten. In der Ferne am Zaun der Schule entdeckten wir viele neugierige  Jungs die gerne reingekommen wären und uns richtig angestarrt haben. Natürlich ist es aber nicht erlaubt, dass Jungs einfach so das Gelände betreten und so mussten sie draußen bleiben. Das war sehr lustig anzusehen. 🙂

Sauberkeit muss sein!
Am Samstag hieß es dann natürlich putzen, putzen und putzen. Wir wollten den neuen freiwilligen Fiona und Patricia kein dreckiges zu Hause hinterlassen! Außerdem mussten die letzten persönlichen Gegenstände in den Koffer gepackt werden. Zum Glück waren die Koffer noch nicht so voll, da wir unsere ganze Kleidung aus Deutschland in Alenga ließen. Auch noch mehr Odi (Erdnusscreme) landete im Gepäck und es war so ein unbeschreiblich komisches Gefühl bald wieder zu Hause in Deutschland zu sein. Ich war hin und her gerissen zwischen Freude und Trauer und wusste überhaupt nicht wie ich mich fühlen soll. Alles war so überfordernd!
Nachdem das Haus fertig war, ging ich ins Health Center zu Gloria um das Interview über ihren Alltag zu führen (vorletzter Artikel). Sie schenkte Greta und mir eine Freundschaftsurkunde, die sie in einem Fotoladen extra ausdrucken ließ. Das war sehr süß und rührte mich sehr!
Danach gingen wir zum Katechisten Patrick und seiner Frau Anna. Sie hatten uns natürlich auch noch eingeladen. Wir redeten über das Studieren, über Deutschland und schilderten unsere Gefühle. Patrick und Anna sind zwei so herzliche Menschen und obwohl Anna nicht wirklich Englisch kann war sie auch dabei, Patrick hat für sie übersetzt und wir hatten wirklich Spaß. Wir ließen uns dann noch von Patrick helfen unsere Rede für die Kirche zu übersetzen. Wir wollten am letzten Tag wirklich in Lango reden, aber so fit waren wir in der Sprache leider noch nicht. Umso toller war es, zu merken, dass ich doch schon einige Sätze bilden kann und viel verstehe. Das Übersetzen war nicht so schwierig, aber ohne Hilfe hätte es niemals geklappt. Die Aufregung vor dem Abschied im Gottesdienst stieg!

Apwoyo wunu ducu matek! (Vielen Dank euch allen)
Dann war es soweit: Der letzte Tag in Alenga brach an…
So ein komisches Gefühl: Angst, Aufregung, Trauer, Freude und die Stimme die immer sagt: „Nein, das kann nicht sein, du musst doch noch hier bleiben, das Jahr kann noch nicht vorbei sein! Was! Es geht zurück nach Deutschland????“

Emotionen über Emotionen
Im Gottesdienst liefen die Tränen nach ein paar Minuten unaufhörlich. Die Leute starrten uns an und trösteten uns und haben es überhaupt gar nicht verstanden, dass wir so viel weinten. (Weinen  und generell traurige und auch fröhliche Gefühle zeigen ist eh in der Öffentlichkeit eher nicht üblich und viele halten sich sogar die Hände vor das Gesicht, wenn sie lachen müssen.) Jedes Lied, jeder Tanz und jede Person erinnerten mich an die wundervolle Zeit, die ich das ganze Jahr in Alenga hatte. Ich konnte meine Freunde und die Mädels der Schule gar nicht anschauen, denn das machte mich noch trauriger. Die Schülerinnen waren sogar mit uns am weinen. Father Alberto erklärte dann, dass es der letzte Gottesdienst für uns ist und wir Morgen nach Kampala fahren…
Unsere Rede war sehr schwierig, da wir total aufgelöst waren. Gretas Zettel zitterte so sehr, dass ich dachte er fällt ihr gleich aus der Hand. Die Gemeinde freute sich sehr und klatschte als wir es endlich geschafft hatten mit dem Lango.  Danach sagten ein paar Personen etwas und natürlich auch Alberto. Sister Anna kam nach vorne, umarmte uns und flüsterte „Bleibt stark“ in unsere Ohren. Anschließend gab es noch einen Segen von der ganzen Gemeinde für uns: alle richteten ihre Hände nach vorne in unsere Richtung und Father Alberto sprach einen Segen aus. Wow, das war wirklich ein unglaubliches Gefühl und ich spürte wie die Tränen wieder unaufhaltsam über meine Wangen liefen.
Nach dem Gottesdienst umarmte ich alle meine Freunde und generell alle Menschen die mir noch etwas Liebes mit auf den Weg gaben: „Grüße dein zu Hause“, „Komm wieder zurück“, „Vergiss uns nicht“, „Wir werden euch vermissen“,……. Ich umarmte nochmal meine Arbeitskolleginnen und weinte mit ihnen. Gloria ist einfach eine sehr gute Freundin geworden und ich vermisse sie sehr!
In Alenga habe ich eine zweite Heimat und viel unglaubliche tolle, warmherzige Menschen getroffen. Viele Situationen haben mich zum Nachdenken angeregt und mein Herz berührt. Es gab viele schwierige Situationen: Das Leid, die Armut und Streitigkeiten verschiedener Menschen in der Arbeit, auf den Straßen und im Alltag aber es gab so viele Momente in denen ich mich so frei und glücklich gefühlt habe wie noch nie.

Anna und die Dämonen
Nach dem Gottesdienst machten wir uns auf zu unserer guten Freundin Anna.
Als ich neulich in der Arbeit war, konnte ich meinen Augen nicht trauen: Ihre Tochter, die gerade mal 16 ist, war schwanger! Sie hat sich mit einem Jungen aus Alenga eingelassen, hat die Schule abgebrochen und lebt jetzt bei ihm. Anna war sehr enttäuscht und wütend, da Nancy sich so ihre Zukunft verbaut hat und Anna sogar schon das Schulgeld gezahlt hatte. Nancy hat nur noch ein Schuljahr  bis zum Realschulabschluss gefehlt… ein typisches Schicksal eines jungen Mädchens in Alenga.
Anna leidet seit vier Wochen an Schmerzen in ihrer Hand und ihrem Arm. Nachdem es nicht besser wurde, ging ich mit Anna vor ein paar Wochen zum Ultraschall in Alenga. Die Ärztin fand, wie schon vermutet, heraus, dass es sich um eine Sehnenscheidenentzündung handeln muss und verschrieb ihr Diclofenac und ein anderes entzündungshemmendes Mittel. Sie sagt ihr auch, dass es sicherlich noch einige Zeit dauert, bis alles wieder gut ist. Ich bezahlte Anna die Untersuchung und natürlich auch die Medikamente. Die Arme konnte nicht mal mehr alleine im Feld arbeiten oder Wäsche waschen und in der Nacht hatte sie schlimme Schmerzen!
Als wir am Sonntag bei Anna ankamen sahen wir auf ihrem Grundstück einen Pavillon und viele Leute die kochten. Wir haben gar nicht verstanden was los ist und keiner wollte es uns verraten. Anna war total im Kochen beschäftigt und wir bekamen sie fast nicht zu Gesicht. Auf einmal kamen viele Leute und nahmen draußen Platz. Es waren Annas Freunde. Harriet (meine Arbeitskollegin) brachte uns irgendwann Essen, das wir mit ihr aber leider ohne Anna aßen. Dann gingen wir kurz zu den Leuten um zu beten. Anna erzählte dann von ihrem Arm und betonte, dass sogar die Weißen(Wir) ihr Geld und Medizin gegeben haben aber es nicht besser wurde. Wir gingen zurück in Annas Haus und auf einmal fingen draußen alle an zu Singen und ein evangelischer Katechist hielt Annas Arm hoch und find laut an irgendwas zu schreien. Das war total komisch. Harriet erklärte uns, dass sie denken, dass jemand Anna verzaubert hat und sie deswegen die anhaltenden Schmerzen im Arm hat. Mit diesem Ritual wollen sie den Teufel aus ihrem Arm bekommen. Das war richtig ungewohnt für uns wie ernst die Leute das praktizierten und an die Zauberei glaubten. Als wir später Father Stan davon berichteten, erzählte r uns, dass er damit schon viele Erfahrungen hatte. Die Leute kommen oft zu ihm und sagen, dass er für sie beten soll weil sie krank durch Zauberei sind. Father Stan schickt sie dann immer zum Health Center. Er weiß, dass Zauberei nicht echt sondern oft nur eine Ausrede oder leichte Erklärung ist.  Diese evangelischen Katechisten wissen das auch, aber sie nutzen die Bevölkerung aus und verlangen sehr sehr viel Geld für so eine Austreibung. Es ist reine Abzocke.
Ein weiteres Beispiel ist die Köchin der Schwestern: Sie klagt seit langen über Schmerzen in der Seite und die Schwestern schickten sie in die Krankenstation. Dort wurde Typhus diagnostiziert und ihr Medikamente dafür gegeben. Diese wollte die Köchin dann aber nicht nehmen sondern sie beharrte ständig darauf, dass jemand sie verzaubert hat und umbringen will und dass die Dämonen sie in der Nacht heimsuchen werden.
Father Stan hatte ein anderes Beispiel: „Wenn ein Mann durch den Verkauf von Bohnen 200000 Uganda Schilling bekommt, dann freut er sich sehr und erzählt es seiner Frau. Er geht dann ins Center um seinen Besitz zu feiern und läd alle seine Freunde zu Trinken und Essen ein. Er betrinkt sich immer öfter und die Frau jagt ihn davon. Eines Tages kommt er zu seiner Frau und sagt, dass jemand ihn verzaubert hat und ihm so das ganze Geld geklaut hat, weil derjenige ihm etwas Böses wollte. Das ist praktisch: die Frau wird ihm verzeihen, weil es nicht die Schuld vom Mann ist und auch der Mann wird sich nicht schlecht fühlen, da es ja eine plausible und eindeutige Lösung gibt: Jemand hat ihn verhext! Die Leute glauben da wirklich dran! Es ist also in ihren Augen auch keine Ausrede sondern die Wahrheit!“
Der Besuch bei Anna war wirklich interessant und auch etwas ganz neues für uns. Wir konnten leider nicht viel Zeit mit Anna verbringen und sind dann irgendwann gegangen, weil wir ja noch weiter mussten. Anna gab uns noch Briefe für unsere Familien mit, in denen sie sich für die Hilfe bedankte und schrieb, dass sie nie vergessen sollen, dass Anna jetzt ein Teil unserer Familie ist.

Ein letztes Mal Mary und Paska
Bei Mary und Paska tranken wir einen Tee und redeten noch über dies und das. Wir machten noch viele Bilder und verabschiedeten uns auch von ihrer sehr alten Mutter. Die beiden sind so toll und fortschrittlich! Ich werde immer an sie denken.

Abschiedsfest Konvent
Am Abend gab es natürlich ein großes Fest mit den Priestern und Schwestern im Hof des Konvents. Wir aßen noch ein letztes Mal das leckere Essen der Schwestern und plauderten ein bisschen. Die Schülerinnen kamen auch vorbei und präsentierten extra geschriebene und eingeübte Lieder und Tänze, die etwas traurig waren und hauptsächlich um Abschied gingen. Danach sagt Rebecca noch ein paar Worte und Greta und ich bekamen beide ein Geschenk mit einer gestrickten Tasche, einem Holzschild mit der Aufschrift „Danke für deine Unterstützung“  und einer Kette. Das war wirklich schön und hat uns mal wieder zu Tränen gerührt. Wir mussten dann selbstverständlich auch noch eine Rede für die Schülerinnen halten und bedankten und für die gemeinsame Zeit und die tollen Gespräche und gaben ihnen ein paar Tipps.
Dann übergaben Greta und ich die Geschenke: Ein Fotoalbum für die Schwestern, eins für die Priester und eins für die Schule. Diese Alben haben wir selber gemacht und es war echt viel Arbeit aber es hat sich gelohnt! Sie haben sich riesig gefreut und die Alben gleich angeschaut! Jetzt haben sie viele Erinnerungen an uns.  Dann fielen wir bald sehr müde ein letztes Mal in unser Bett in Alenga…

Kampala
Am Montagmorgen dann der endgültige Abschied. Wir umarmten Schwester Consentina, die Lehrer und die Schülerinnen und sprangen in Albertos Auto. Er nahm uns und Schwester Anne mit nach Kampala. Noch einmal, natürlich weinend, ließ ich das Dorf Alenga, die Landschaft und die Leute an mir vorbei ziehen, fuhr noch einmal mit der Fähre über den wunderschönen Nil und landete im wilden Kampala.

In der Hauptstadt verbrachten wir die letzten Tage und luden Father Alberto und Sister Anne zum Abendessen in eine Pizzeria ein, ließen uns unsere Haare flechten und kauften einige Dinge wie ugandischen Gin, Kaffee, Tee und Stoffe für Deutschland.
Die Zeit verging rasend schnell und am letzten Abend, nachdem doch noch alles mit Mühe und Not in die Koffer gepasst hat und wir uns von den Schwestern, Brüdern und Priestern in Kampala verabschiedet hatten, trafen wir uns mit Bruder Fafa in einem Restaurant und aßen ein letztes Mal Ugandisches Essen.

Ab nach Hause
Später brachte uns ein Taxi zum Flughafen und mir viel ein riesen Stein vom Herzen, nachdem wir durch die Sicherheitskontrolle und Gepäckabgabe kamen. Nach einer kurzen Verspätung startete endlich unser Flugzeug nach Istanbul und wir konnten es kaum glauben.

Durch die Verspätung und eine sehr langsame Landung verpasste ich dann schrecklicherweise meinen Anschlussflug nach München. Zum Glück kam nur vier Stunden später ein nächster Flug und Greta und ich warteten gemeinsam.
Der Abschied voneinander war wirklich schlimm und wir mussten beide unsere Tränen zurück halten. Ein Jahr lang haben wir zusammen gewohnt und fast jede freie Minute miteinander verbracht, sodass wir uns wie Schwestern fühlen. Ich bin wirklich froh, dass ich durch den Freiwilligendienst eine so tolle neue Freundin fürs Leben wie Greta gefunden habe.

Dann endlich: Die Ankunft in München! Wow, unglaublich. Schnell holte ich mein Gepäck (Puhhh, alles angekommen) und rannte zum Ausgang.
Und da waren sie: meine Mama, Papa, meine Nichte Alissa, mein Neffe Felix und meine Freundin Susi standen bereit mit einem übergroßen Schild um mich in Empfang zu nehmen. Die Freude war riesig und es war wunderschön alle wieder zu sehen und in meine Arme schließen zu können.

Anschließend fuhren wir nach Hause und dort wartete der Rest meiner Familie mit einem leckeren Abendessen und wir saßen noch lange zusammen.

Fiona, Patricia, ich und Greta in Augsburg

Am Wochenende kam Greta wieder zu mir (Wir konnten es einfach nicht mehr länger ertragen uns nicht zu sehen) und wir trafen uns mit den zwei neuen Freiwilligen Patricia und Fiona in Augsburg. Die beiden sind mittlerweile sehr gut in Alenga angekommen und genießen die Zeit. Hier der Link zu ihrem Blog, auf dem sie über ihre Erfahrungen berichten: https://fionaundpatricia.wixsite.com/uganda

Leben in Deutschland
Wieder hier in Deutschland zu sein war ein richtiger Kulturschock: viel zu große Supermärkte mit viel zu viel Auswahl, so viele weiße Menschen um mich rum, viele Freunde und Familie zum greifen nah. Vieles hat mich am Anfang sehr überfordert und es war komisch wieder hier zu leben. Noch sehr oft denke ich an mein Leben in Uganda zurück und ich habe Heimweh nach Alenga. Trotzdem ist es auch schön wieder hier zu sein, denn das Leben hier hat natürlich auch sehr viele Vorteile…
Letzte Woche war das Abschlussseminar in Nürnberg und es war wirklich schön alle wiederzusehen. Man spürt deutlich wie alle sich verändert haben und andere Sachen im Leben wichtiger geworden sind. Viele wollen weiterhin in der Entwicklungszusammenarbeit arbeiten und sich engagieren. Ich habe gemerkt wie uns unsere Erfahrungen verbinden und, dass wir alle auf der gleichen Wellenlänge sind und uns die gleichen Gedanken zu Politik, Entwicklung, Armut etc. machen. Mehr dazu findet ihr im Bericht zum Seminar auf cosamaz.de.

Am Donnerstag werde ich nach Heidelberg ziehen um dort mein Zahnmedizin-Studium zu beginnen. Ich bin richtig aufgeregt und gespannt auf die Zeit die kommt und ich freue mich auf eine neue Stadt, neue Leute und viele neue Erfahrungen.

Vielen Dank an alle die immer meine Einträge gelesen haben und mich finanziell aber auch mental in meinem Einsatz unterstützt haben.

Liebe Grüße,

Eure Francesca

Juhuuu, der neue Schlafsaal ist fertig!!!

Na, wenn das mal keine Punktlandung war: Am Sonntag, den 22. Juli, haben wir unsere „Princess Dom “ (den Namen haben sich die Mädchen selbst ausgedacht) eingeweiht.

Im Februar hatten wir mit dem Bau begonnen und seither ging es täglich einen Schritt voran auf der Baustelle. Dank Eurer zahlreichen Spenden konnten wir unsere Idee einen neuen Schlafsaal in Alenga zu bauen super realisieren! Ich habe mich wirklich gefreut, wie viele Menschen aus der Heimat mich unterstützt haben und einen Teil dazu beitragen wollten, damit die Schlafsituation der Mädchen verbessert werden konnte.

Und ich kann euch allen versichern, mit dem neuen Schlafsaal haben wir einen riesigen Fortschritt gemeistert und nicht nur die Direktorin und die Lehrer sondern insbesondere die knapp 60 Mädchen haben sich täglich an der Baustelle gefreut.

Noch einmal zur Erinnerung: Im vorherigen Gebäude mussten die 60 Mädchen auf sehr engem Raum in alten Betten schlafen. Dem Gebäude fehlt jede Isolierung, sodass es sich in der Trockenzeit auf ca. 50 Grad aufheizte. Als ich den Schlafsaal betreten habe, lief mir nach nur zwei Minuten der Schweiß über den Rücken und die Luft war so schlecht, dass ich heilfroh war, als ich wieder nach draußen konnte. Außerdem hat das alte Gebäude viele offene Stellen durch die zuweilen Schlangen, aber vorzugsweise Ratten und andere Tiere ihren Weg ins Innere wagten. Also im Fazit: Ein furchtbarer Zustand und ich bin mehr als froh, dass die Situation nun – dank eurer Hilfe – verändert werden konnte.

Das neue Gebäude kann ca. 60 Mädchen beherbergen, es gibt 20 Dreierstockbetten, die das ermöglichen. Der Saal ist räumlich in zwei Teile geschnitten, damit es ein bisschen mehr Struktur und Ordnung gibt. Hinter den Betten sind an der Wand befestigte Ablageflächen, die dazu dienen, dass die Mädchen ihre Koffer und Taschen abstellen können. Unter der Ablagefläche ist dann Platz für die Kanister zum Wasser holen und die Eimer zum Duschen. Im Zuge des Baus wurden auch die Duschen erneuert, statt 2 Duschkabinen für 60 Mädchen gibt es nun 6 und das „Abflusssystem“ konnte verbessert werden.

Die „Princess Dom“ ist gut isoliert worden und beim Betreten des Gebäudes wurde sofort spürbar, dass die Luft und die Temperatur sehr viel angenehmer sind.

Außerdem konnten wir von den Spendengeldern 40 Moskitonetze kaufen, sodass jedes Bett über zwei Moskitonetze verfügen wird. Diese werden dann so aufgehangen, dass alle drei Mädchen vor den Mücken geschützt sind. Das war uns ein besonderes Anliegen, denn die Schülerinnen haben zuvor nicht alle ein Moskitonetz von zu Hause mitgebracht und so sind Viele an Malaria erkrankt, da die Gefahr ohne ein Netz nochmal deutlich steigt.

Ich denke, dass die nachfolgenden Fotos euch am besten zeigen wie toll der Schlafsaal geworden ist und wie dankbar euch alle in Alenga sind!

Ich spreche meinen Dank hier zum Schluss jetzt einfach nochmal auf Lango aus und sage: „Apwoyo matek!“ (Herzlichen Dank!).

Ganz liebe Grüße

Eure Francesca

Zu Hause bei Hebamme Gloria

Kurz bevor ich zurück nach Deutschland geflogen bin, habe ich meine Arbeitskollegin und Freundin Acio Gloria besucht und sie gebeten mich ein bisschen an ihrem Leben teilnehmen zu lassen.

Acio Gloria mit dem Kind einer Freundin

Gloria ist 22 Jahre alt und wurde in Minakulu, im Norden Ugandas geboren. Sie hat 14 Geschwister und typisch für die ugandische Kultur hat ihr Vater zwei Ehefrauen. Polygamie kommt hier sehr häufig vor und ist für mich immer noch sehr schwierig zu verstehen. Gloria hat es einfach im Laufe ihrer Kindheit erfahren, dass ihr Vater noch eine Frau neben ihrer Mutter hat. Ihre Mutter ist die erste Frau und hat neun Kinder,  Gloria ist das sechste Kind. Mit der zweiten Ehefrau (49 Jahre alt) hat der Mann nochmal 5 Kinder. Früher haben die beiden Frauen aufgrund ihrer Jobs weit auseinander gelebt. Glorias Vater ist mittlerweile in Rente und 66 Jahre alt. Ihre Mutter ist mit 58 Jahren noch Grundschullehrerin. Irgendwann hat ihre Mutter einen anderen Job in einer neuen Schule gefunden und jetzt wohnen beide Frauen sehr nah zusammen, jedoch nicht in einem Haus. Gloria kennt alle ihre Geschwister und die ganze Familie trifft sich auch manchmal zusammen, denn die beiden Frauen, so berichtet mir Gloria, hassen sich nicht, sondern kommen miteinander aus. Der Vater ist dann eine Woche lang bei einer Frau und die nächste Woche bei der Zweiten. Ich habe allerdings auch schon erzählt bekommen, dass sich die erste und zweite (dritte, vierte, fünfte,…) Ehefrau oft überhaupt nicht ausstehen können und sich nahezu bekriegen. So habe ich im Health Center auch mal eine Frau gesehen die von ihrer Co-Ehefrau mit heißem Öl übergossen wurde und schlimme Verbrennungen hatte. Außerdem wissen Greta und ich von unseren Freundinnen Mary und Paska, dass sie sich auch von ihren Ehemännern getrennt haben, weil beide eine zweite Frau wollten und Mary und Paska das nicht aushalten konnten.
Auch Gloria erzählt mir, dass sie auf keinen Fall eine zweite Ehefrau haben will weil sie es schrecklich findet und sehr eifersüchtig wäre weil sie dann weniger Aufmerksamkeit von ihrem Ehemann bekommen würde.

So sieht Glorias Alltag aus

Die Hebamme wohnt in einer der vom Health Center gemieteten Wohnungen. Sie hat ein kleines Schlafzimmer in das gerade mal ihr Bett, ein Spiegel und ihre Klamotten passen. Nebenan ist direkt die Küche die sie sich mit einem anderen Bewohner des Hofes teilt. Die Dusche und Toilette befindet sich natürlich draußen und werden auch zusammen genutzt. Der Chef Jaspher, mit Frau Martha und Tochter Michelle, der Fahrer Andrew und die beiden anderen Hebammen Mary und Immaculate wohnen ebenfalls in dem gleichen Innenhof. Das Health Center hat nämlich nur ein kleines Mitarbeiterwohnhaus in das ca. 2 Leute passen und welches gerade renoviert wird. Sie benötigen also dringend weitere eigene Häuser, damit die Mieten nicht jeden Monat anfallen. Viele der Mitarbeiter kommen von weit weg und benötigen deshalb einen Wohnplatz.

Früher stand sie oft um 5 Uhr auf um direkt für eine Stunde auf ihr Feld zu gehen. Da das Feld aber leider eine halbe Stunde entfernt liegt, kam sie dann erst um 7 zurück, ging dann duschen, machte das Haus sauber, und aß ein kleines Frühstück zum Beispiel Cassava (Wurzel) mit Tee.
Zurzeit geht sie nicht besonders viel auf das Feld und wenn dann eher abends gegen 17 Uhr nach der Arbeit. Das heißt sie steht um 6.30 Uhr auf, erledigt ihre Aufgaben zu Hause und geht dann zwischen 8 und 9 Uhr in die Arbeit. Wie ihr ja sicher in meinem ersten Blogeintrag über meine Arbeitsstelle gelesen habt ist das mit der Zeit hier so eine spezielle Sache. Eigentlich sollten alle Angestellten um 8 Uhr im Health Center sein. Als ich dort in meiner ersten Woche erschien, war aber niemand zu sehen…. Ich kam dann auch nie früher als 9 Uhr, denn vorher ist eh niemand dort. Das heißt es ist eigentlich ziemlich locker und man erledigt erst alle Aufgaben die man hat und geht dann ganz entspannt zur Arbeit, wenn man eben fertig ist.
Was am Anfang für mich noch sehr ungewohnt und komisch war, lernte ich im Laufe des Jahres wirklich sehr zu schätzen. Mir ist allerdings bewusst, dass es in Deutschland niemals möglich wäre irgendwann, wenn man bereit ist, zur Arbeit zu erscheinen. Vor allem in Krankenhäusern würde ein riesiges Chaos ausbrechen und Patienten wären in Gefahr, wenn kein Personal da wäre. In Alenga ist das kein Problem: morgens ist eh nicht viel los und falls etwas Schlimmes passieren sollte, weiß eh jeder wo die Krankenschwestern wohnen um Hilfe zu holen.
Gloria kennt die Probleme der Unzuverlässigkeit, der Unpünktlichkeit und der mangelnden Zusammenarbeit der Kolleginnen und Kollegen. Ihre Arbeitszeit geht eigentlich von 8 Uhr bis 14 Uhr und dann sollte die nächste Schicht kommen. Da das Personal nach ihr aber zu spät kommt und oft nur schlecht ausgebildete Krankenhelferinnen sind, muss Gloria mindestens drei Mal die Woche bis 17 Uhr bleiben um die ganze Arbeit alleine fertig zu machen.
Wenn sie von der Arbeit nach Hause kommt kocht sie und geht eventuell noch aufs Feld. Viel Zeit bleibt da aber nicht mehr, da es schon um 18.30 Uhr dunkel wird und das Kochen mit Kohle sehr viel Zeit in Anspruch nimmt.

Gloria besuchte eine staatlich unterstütze Missions-Schule und konnte mit 19 Jahren auf die Hebammen Schule in Gulu gehen. „Ich fand es schrecklich, dass so viele Frauen während der Geburt sterben, obwohl es vermeidbar wäre. Ich wünsche mir, dass ich noch viel mehr Wissen über die Gynäkologie bekomme“, erklärt mir Gloria ihre Entscheidung Hebamme zu werden. Die teure 2 ½ jährige Ausbildung konnte Gloria nur erfolgreich beenden, weil ihre Mutter einen Job hat und weil die Familie extra für sie ein Stück ihres Landes verkauft hat, um genug Geld  zu haben. Das finde ich sehr beeindruckend, denn auch die meisten der anderen Geschwister konnten eine Ausbildung machen beziehungsweise besuchen eine Schule. Ihr jüngstes Geschwisterkind ist 13 Jahre und das älteste 34 Jahre alt. Die eine ist Schneiderin, die andere Krankenschwester, Lehrerin und ein Bruder ist Schreiner. Ihm fehlt leider das Geld um sich Material und Werkzeuge für die Arbeit zu kaufen, weswegen er nicht als Schreiner arbeiten kann. Ihr ältester Bruder hat einen Realschulabschluss, ist aber psychisch krank und arbeitet deswegen nicht sondern macht den ganzen Tag eigentlich gar nichts. Man spürt, die Eltern von Gloria strengen sich wirklich an, dass alle Kinder versorgt werden und eine Chance auf einen Job bekommen.

Als ich in Alenga ankam, gab es nur zwei Hebammen, Sharon und Gloria, und die beiden waren wirklich überfordert und hatten nur ca. 3-4 Tage im Monat frei. Als Sharon in ein staatliches Krankenhaus gewechselt hat, war Gloria die einzige in der Entbindungsstation und das war wirklich die Hölle für sie. Im April kamen dann zum Glück zwei weitere Hebammen: Mary Filda und Immaculate. Das war eine große Entlastung für Gloria und jetzt hat sie ca. 8 freie Tage im Monat.

Wenn sie frei hat fährt sie gerne zu ihrer Familie in die Nähe von Gulu. Dort hat sie auch ihren 30 Jahre alten Freund James kennen gelernt. Er war damals in der Nähe ihres Elternhauses bei Freunden zu Besuch und so trafen sie sich das erste Mal. „Wir haben dann öfter etwas unternommen und irgendwann hat er mich gefragt, ob ich mit ihm zusammen sein will. Ich habe „ja“ gesagt und jetzt sind wir schon seit zwei Jahren ein Paar.“, berichtet sie mir.
Gerade in meiner Arbeit sehe ich oft sehr junge Frauen, die gezwungen wurden einen 15 Jahre älteren Mann zu heiraten und keine Wahl hatten. Als ich Gloria frage, ob sie eine Wahl hatte, antwortet sie ganz klar: „Ja, ich hatte eine Wahl aber ich wollte mit ihm zusammen sein!“ Gloria erklärt mir, dass es etwas mit dem Bildungsstand der Leute zu tun hat. Beide sind gebildet und haben einen Job (er ist Lehrer), während viele der jungen Mädchen in Alenga  nur drei Jahre in der Schule waren und somit keine Perspektive haben. Sie können keine Ausbildung machen, kein Geld verdienen und sind abhängig von ihrem Partner. Viele Eltern kümmern sich nicht richtig um ihre Kinder und wollen nur den Brautpreis haben und so landen die 16-jährigen Mädchen das erste Mal schwanger mit ihrem 45-jährigen Ehemann bei Gloria und mir bei der Schwangerschaftsvorsorge. Sowas war für mich immer schrecklich zu sehen und es gibt mir ein bisschen Hoffnung, dass es in den Städten und bei gebildeten Ugandern mittlerweile anders laufen kann.
Gloria und James machen schon richtige Zukunftspläne: strahlend erzählt sie mir, dass die beiden ein Stück Land in Dokolo, eine Stunde von Lira, gekauft haben und dort ein Haus bauen wollen. „Ich will eine eigene Familie gründen“, sagt  sie stolz. Sie wünscht sich drei Kinder, James will nur zwei aber das wird sich sicher noch regeln. „Das  nächste Mal, wenn du nach Uganda kommst, bin ich schwanger“, verspricht sie mir. Ich finde es toll, dass sie so glücklich ist und ich kaufe es ihr wirklich ab.
Mich interessiert natürlich, ob es eine Art Hierarchie in ihrer Beziehung gibt. In Alenga ist es kaum zu übersehen, dass Männer mehr wert sind als Frauen. Wenn ein Ehepaar zur Untersuchung kommt setzt sich der Mann auf den Stuhl und lässt seine schwangere Frau einfach stehen. In Deutschland würde fast jeder der schwangeren Frau den Stuhl anbieten aber hier ist es ganz normal, dass der Mann es bequem haben muss und die Frau sich zurück nimmt. Es gibt natürlich auch hier Ausnahmen aber das andere überwiegt leider. Zudem gibt es viel häusliche Gewalt und viele Männer schlagen ihre Frauen, wenn sie nicht das machen was er will. Gloria sagt, dass James nicht so sei und auch noch nie Handgreiflich geworden ist. Ich bekräftige sie und sage ihr, dass sie sich das niemals gefallen lassen soll, falls mal etwas passiert. Daraufhin lächelt sie nur.
Außerdem erkläre ich ihr meinen Eindruck des Hinkniens der Frauen in der Lango Kultur. Wenn eine Frau einen Mann oder eine höhergestellt Person  begrüßt, kniet sie sich hin und gibt ihm die Hand. Ein Mann jedoch, muss sich niemals hinknien. Aus meiner Sicht zeigt das ganz deutlich eine Unterordnung der Frau, denn wenn beide gleich wären, könnte sich der Mann ja auch hinknien. Diese Thematik beschäftigt mich seit Anfang an und viele Langi sagen mir, dass es nichts mit Hierarchie zu tun hat sondern einfach die Kultur ist. Zuerst sagt Gloria mir, dass sie sich auch in seltenen Fällen vor Personen kniet, wenn die Person wirklich hoch angesehen ist und sie sagt auch mir, dass es einfach Teil der Kultur sei. Nach meiner Erklärung gibt sie jedoch zu, dass sie denkt, dass man schon eine gewisse Unterordnung der Frau erkennen kann und, dass diese sehr tief in der Kultur verwurzelt ist. Viele andere Freiwillige oder Tutoren sagen Greta und mir, dass es Kultur ist und, dass wir es nicht ändern dürfen, uns nicht einmischen sollen, damit wir die Kultur nicht zerstören oder europäisieren. Aber ist es so schlimm, wenn man den Teil einer Kultur ein bisschen ändert, um Frauen in der Gesellschaft mit mehr Respekt und Gleichberechtigung behandeln zu können? Ist das wirklich ein Kulturverlust oder nicht eher eine Kulturbereicherung??? Natürlich sagen wir keinem Menschen in Alenga: „Nein, du darfst dich auf keinen Fall hinknien, das ist sehr schlecht!“, denn das wäre wirklich eine Einmischung in die Kultur. Aber wir versuchen mit den Schülerinnen oder Freunden mit Respekt vor ihrer Kultur darüber zu reden um zu zeigen, dass es auch anders geht, was es bedeutet und wie es bei uns in Deutschland so ist, denn das interessiert sie ja auch.

Gloria ärgert sich oft über das Gesundheitssystem in Uganda und über die Politik. Sie findet es gut, dass der Staat die HIV- und Malaria-Tests und auch die Medikamente sowie die Impfungen für Kinder zahlt jedoch ist sie oft überfordert und allein gelassen. Ihr Traum wäre es in einem staatlichen Krankenhaus zu arbeiten, denn dort gibt es geregelte Arbeitszeiten, besseres Gehalt und eine Rente ab einem Alter von 65 Jahren. Wenn man nicht in einer staatlichen Einrichtung arbeitet bekommt man nämlich überhaupt keine Rente und muss so lange arbeiten wie man kann. Auch einige der Mitarbeiter im Health Center sind über 70 Jahre alt und können noch nicht an den Ruhestand denken, da sie sonst auf der Straße landen würden.
Natürlich belastet Gloria auch die Politik mit der überall spürbaren Korruption und der Aufhebung der Altersbegrenzung für den 73-jährigen Präsidenten. Viele Menschen haben nach 32  Jahren genug von Museveni und sagen es wird Zeit, dass er sein Amt verlässt. Seit seiner Amtszeit hat er die ugandische Verfassung mehrmals geändert, um weiterhin Präsident bleiben zu können, denn eigentlich hätte er 2021 nicht mehr zur Wahl antreten können, da das Alterslimit bei 75 Jahren lag. Nachdem er diese Regelung aber im Dezember 2017 nach einer gewaltvollen Auseinandersetzung im Parlament  aufgehoben hat, kann er nun theoretisch lebenslang als Staatsoberhaupt regieren.

Nun bin ich auch schon wieder am Ende meines Berichtes angelangt. Ich hoffe es war interessant mal einen persönlichen Einblick in das Leben von Gloria zu bekommen. Ich vermisse Alenga unglaublich stark und bin auch noch nicht so richtig in Deutschland angekommen, das wird sicher noch etwas dauern. Ein Update zum Schlafsaal und ein Artikel zum Abschied von Alenga werden auch bald noch kommen.

Liebe Grüße, vielleicht trifft man sich ja mal!

Eure Francesca

Geschützt ins Leben

Hallo nach Hause,

in ein paar Tagen geht es zurück nach Deutschland. Ich möchte euch aber noch unbedingt etwas von meiner Arbeitsstelle im Health Center erzählen. Wie schon in meinem ersten Artikel erwähnt, gibt es immer an verschiedenen Tagen unterschiedliche Aufgaben. Genauer möchte ich heute auf den Donnerstag eingehen: Den Impftag.

Die Impfungen gehören zum Gesundheitsprogramm von Uganda das die minimale medizinische Versorgung für jeden gewährleisten soll. So sollen Babys vor ihrem ersten Geburtstag fünf Mal zum Impfen gehen, alle Frauen im gebärfähigen Alter (auch Schwangere) zum Schutz des Neugeborenen und der Mutter gegen Tetanus geimpft sein und alle Mädchen im Alter von 10 Jahren die HPV Impfung bekommen. Das Ganze ist kostenlos und wird vom Staat bezahlt.
Ab und zu gehen ein paar Mitarbeiter der Krankenstation in eine Grundschule oder kleinere Dörfer, um dort die Kinder gegen Tetanus und die Mädchen ab 9 Jahren gegen Gebärmutterhalskrebs(HPV) zu impfen und ihnen Tabletten zum entwurmen zu geben.

Die ersten Male war ich wirklich immer wieder überrascht und geschockt wie viele Mütter mit ihren Babys kommen und wie laut die Kinder schreien können!!
So gut wie jede Woche ist in der Krankenstation am Donnerstag die Hölle los. Die lange Bank in der Ambulanz reicht nie aus und viele Frauen sitzen auf dem Boden und warten bis sie an der Reihe sind. Natürlich hat auch wieder jedes Kind ein eigenes Heft, in dem die Impfungen und Termine aufgeschrieben werden. So bekommen die Babys Die Impfung gegen Kinderlähmung, Hepatitis B, Rotaviren, Tuberkulose, Influenza, Masern, Pneumokokken,  und Keuchhusten/Tetanus/Diphtherie und für Mädchen zwischen 9 und 14 die HPV Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs.

Natürlich läuft das bei uns im Health Center nicht immer so rund. Oft fehlen die Impfungen oder Spritzen oder es gibt nicht genügend für alle. Letzte Woche gab es im ganzen Distrikt keine einzige Impfung gegen Tetanus mehr… Zudem wurde zum Beispiel die Rotavirus Impfung eingeführt. Dafür wurden eine Hebamme und eine Schwesternhelferin in der nächsten Stadt über den Virus und den Möglichen Schutz aufgeklärt. Sie bekamen Informationsmaterial und auch eine Praxiseinführung. Dieses Wissen gaben sie dann an alle Mitarbeiter weiter. Leider gab es nur eine Box mit dem Impfstoff und die ist jetzt natürlich leer. Dazu kommt die schlechte Lagerung. Ein Kühlschrank fällt immer wieder aus und die Kühlkette wird dadurch oft unterbrochen und die Impfungen zu warm  aufbewahrt.

Wenn die Mütter aufgerufen werden, kommen sie in den Impfraum und setzten sich dort mit vielen weiteren Frauen auf eine Bank. Dann wird ein Kind nach dem anderen geimpft, was natürlich immer mit lautem Geschrei und nassen Windeln (oder Tüchern) endet bis die Nächsten an der Reihe sind. Es mangelt auch hier wieder einmal an Hygiene, da sich die Krankenschwestern zwischendurch nicht die Hände waschen sondern wie am Fließband arbeiten (Es gibt immer neue Spritzen!!) Jedes Kind wird in einem unserer zahlreichen Registern aufgeschrieben, damit man auch sehen kann welche Impfungen es wirklich bekommen hat. Anschließend bekommen sie den nächsten Termin mitgeteilt. Die ersten Impfungen gegen Tuberkulose und Polio bekommen sie gleich am ersten Donnerstag nach der Geburt und müssen dann nach sechs Wochen wiederkommen. Hebamme Gloria erzählte mir, dass sehr viele Mütter am Anfang zum impfen kommen aber nur ganz Wenige die Immunisierung vervollständigen und viele nicht wieder kommen, obwohl noch Impfungen fehlen. Der Grund dafür: vielen Frauen fehlt das nötige Transportmittel um die Krankenstation zu erreichen. Vor Allem aber fehlt es an Wissen über die Wichtigkeit von einem vollständigen Impfschutz. Die Mütter kennen die Vorteile dieser Impfungen nicht und denken es sei nicht so bedeutend. Gloria und ihre Kollegen versuchen aber immer die Patienten über Impfungen aufzuklären und Bewusstsein zu vermitteln.

Mir tun die Babys immer unglaublich leid, wenn sie gepikst werden und anfangen zu weinen. Deswegen versuche ich diese Aufgabe immer jemand anderem zu überlassen 🙂
Nach so einem Tag bin ich immer ziemlich froh, wenn ich aus der lauten Krankenstation (sogar Greta hört das Geschrei noch in der Schule) nach Hause gehen und meine Ohren entspannen kann. 😛

Liebe Grüße und bis bald!

Eure Francesca

Wie kommt die Erdnuss in die Tüte?

Liebe Leserinnen und Leser,

 

heute möchte ich euch ganz kurz davon berichten, was die letzten Wochen hier im Konvent vor sich gegangen ist. Für mich hat das wieder einmal gezeigt wie unbewusst und einfach wir uns in Deutschland Lebensmittel beschaffen. Da heißt es nämlich, wenn man abends Lust auf irgendetwas hat: „Ich fahr noch schnell in den Supermarkt, bin gleich wieder da.“. Dann greift man schnell ins Regal, nimmt sich noch eine Dose gesalzene Erdnüsse als Snack mit und zu Hause auf dem Sofa genießt man diese dann.
Wo die Erdnüsse herkommen, wo sie gepflanzt wurden, wer sie geerntet, getrocknet, geschält, sortiert und gesalzen hat, das spielt keine Rolle und den Großteil haben vermutlich sowieso Maschinen übernommen – unfassbar, wie technisiert und schnell (immer auf dem Sprung, stets im Stress des Alltags gefangen) wir leben.

Die Ernährung in Alenga steht im krassen Kontrast dazu. Und deshalb möchte ich euch heute davon erzählen wie Schwester Consentina und schließlich auch Greta und ich in den letzten beiden Wochen mit der Erdnuss-Ernte beschäftigt waren.

Die Erdnüsse wurden nach dem Ende der Trockenzeit (im Februar) gesät und dann regelmäßig von Unkraut befreit, während sie wuchsen.
Vor ca. zwei Wochen hat die 85-jährige Sister Con schließlich angefangen die fertigen Erdnusspflanzen im Feld zu ernten und in den Innenhof zum Trocknen zu legen. Nach einiger Zeit war der gesamte Platz im Innenhof belegt und Sister hat die Pflanzen regelmäßig in der prallen Mittagssonne gedreht, damit die Erdnüsse trocknen.
Eine Woche später war alles gut getrocknet und Sister begann die Nüsse, die an der Wurzel unter der Erde wachsen, von der Erde und der Pflanze zu befreien. Dabei halfen wir ihr dann gemeinsam mit einigen Schülerinnen und da wir uns um diese Zeit normalerweise alle in der Kirche zum Rosenkranz beten befinden, haben wir gleich mal den Rosenkranz mit der Arbeit verknüpft. Ungefähr 2 Stunden brauchten wir mit allen 20 Helfern um die Erdnüsse zu sortieren.
Die Erdnüsse haben wir dann auf einem großen Haufen auf der Terrasse gesammelt. Anschließend werden die Nüsse geschält. Das ist eine ziemlich ermüdende Arbeit, denn nach der 150. Nuss schmerzen die Finger sehr und der Ertrag erscheint winzig im Vergleich zur Mühe, die man mit der Erdnuss-Ernte hat.

Die im Norden Ugandas bekannteste Verarbeitungsform der Erdnüsse ist das sogenannte Odi. Um Odi zu produzieren, werden die geschälten Nüsse geröstet und dann durch langes Reiben und anschließendes Sieben von ihrer Haut befreit. Dann bringt man die Nüsse zur Mühle. Odi besteht allerdings nicht nur aus Erdnuss sondern auch aus Sesam. Zum Mahlvorgang gibt man also auch zuvor gerösteten Sesam dazu. Nach ungefähr 15 Minuten erhält man das fertige und super leckere Odi, was hauptsächlich zum Frühstück zusammen mit Süßkartoffeln oder Cassava genossen wird oder zum Kochen der ebenfalls für den Norden Ugandas typischen Speise Malakwan (Spinat ähnliche Blätter mit Odi gemischt).

Das war es auch schon zur Erdnuss 🙂 . Mich werden diese Erfahrungen deutlich bewusster und verändert durch den Supermarkt laufen lassen.

Ganz liebe Grüße in die Heimat, in die ich in weniger als zwei Wochen ja auch schon zurückkehre,

Eure Francesca

Vom Feld zum Mund, von der Nuss zum Odi

Hallo ihr Lieben,
heute möchte ich euch ganz kurz davon berichten, was die letzten Wochen hier im Konvent vor sich gegangen ist. Für mich hat das wieder einmal gezeigt wie unbewusst und einfach wir in Deutschland Nahrung zu uns nehmen können. Da heißt es nämlich, wenn man abends Lust auf irgendetwas hat: „Ich fahr noch schnell in den Supermarkt, bin gleich wieder da.“. Dann greift man schnell zweimal ins Regal, nimmt sich noch eine Dose gesalzene Erdnüsse als Snack mit und zu Hause auf dem Sofa genießt man diese dann. Wo die Erdnüsse herkommen, wo sie gepflanzt wurden, wer sie geerntet, getrocknet, geschält, sortiert und gesalzen hat, das spielt keine Rolle und den Großteil haben vermutlich sowieso Maschinen übernommen – unfassbar, wie technisiert und schnell (immer auf dem Sprung, stets im Stress des Alltags gefangen) wir leben.
Die Ernährung in Alenga steht im krassen Kontrast dazu. Und deshalb möchte ich euch heute davon erzählen wie Schwester Concentina und schließlich auch wir in den letzten beiden Wochen mit der Erdnuss-Ernte beschäftigt waren.
Die Erdnüsse wurden nach dem Ende der Trockenzeit (im Februar) gesät und dann regelmäßig von Unkraut befreit, während sie wuchsen. Vor ca. zwei Wochen hat die 85-jährige Sister Con schließlich angefangen die fertigen Erdnusspflanzen im Feld zu ernten und in den Innenhof zum Trocknen zu legen. Nach einiger Zeit war der gesamte Platz im Innenhof belegt und Sister hat die Pflanzen regelmäßig in der prallen Mittagssonne gedreht, damit die Erdnüsse trocknen. Eine Woche später war alles gut getrocknet und Sister begann die Nüsse, die an der Wurzel unter der Erde wachsen, von der Erde und der Pflanze zu befreien. Dabei halfen wir ihr dann gemeinsam mit einigen Schülerinnen und da wir uns um diese Zeit normalerweise alle in der Kirche zum Rosenkranz beten befinden, haben wir gleich mal den Rosenkranz mit der Arbeit verknüpft. Ungefähr 2 Stunden brauchten wir mit allen 20 Helfern um die Erdnüsse zu sortieren. Die Erdnüsse haben wir dann auf einem großen Haufen auf der Terrasse gesammelt. Anschließend werden die Nüsse geschält. Das ist eine ziemlich ermüdende Arbeit, denn nach der 150. Nuss schmerzen die Finger sehr und der Ertrag erscheint winzig im Vergleich zur Mühe, die man mit der Erdnuss-Ernte hat.
Die im Norden Ugandas bekannteste Verarbeitungsform der Erdnüsse ist das sogenannte Odi. Um Odi zu produzieren, werden die geschälten Nüsse geröstet und dann durch langes Reiben und anschließendes Sieben von ihrer Haut befreit. Dann bringt man die Nüsse zur Mühle. Odi besteht allerdings nicht nur aus Erdnuss sondern auch aus Sesam. Zum Mahlvorgang gibt man also auch zuvor gerösteten Sesam dazu. Nach ungefähr 15 Minuten erhält man das fertige und super leckere Odi, was hauptsächlich zum Frühstück zusammen mit Süßkartoffeln oder Cassava genossen wird oder zum Kochen der ebenfalls für den Norden Ugandas typischen Speise Malakwan (Spinat ähnliche Blätter mit Odi gemischt).

Das war es auch schon zur Erdnuss 🙂 . Mich werden diese Erfahrungen deutlich bewusster und verändert durch den Supermarkt laufen lassen… und euch?

Ganz liebe Grüße in die Heimat, in die ich in weniger als zwei Wochen ja auch schon zurückkehren werde,

eure Greta

Herzlich Willkommen in meinem neuen zu Hause

Hallo ihr Lieben,
heute möchte ich euch von der schönen, abwechslungsreichen und aufregenden Zeit mit unseren Familien erzählen.

Drei Tage nach Gretas Geburtstag brachen wir nach Kampala auf. Hier besuchten wir unsere Freundinnen Linda und Maike, die zentral in Kampala wohnen und gingen anlässlich des Geburtstages auch nochmal feiern, was in Alenga ja absolut nicht möglich ist und sich ein bisschen mehr wie eine normale Geburtstagsfeier angefühlt hat: Mit Freunden Bier, Pizza und Kuchen genießen und danach zum Tanzen in den Club. Gemeinsam hatten wir einen richtig schönen Abend! Am Tag danach brachen wir nach Entebbe auf, was ca. eine Stunde von Kampala entfernt ist. Wir fuhren also schon mal in unsere schöne Unterkunft, genossen die warme Dusche und das kuschelige Bett und holten dann unsere Familie vom Flughafen ab! Das war vielleicht ein tolles Gefühl, bekannte Gesichter wiederzusehen und in den Arm zu nehmen. Vorher waren wir aufgeregter als bei unserer eigenen Ankunft: Ob sie es wohl schaffen würden, durch die Kontrolle zu kommen, ob sie mit dem Visum alles richtig gemacht hatten usw. .. 🙂 . Zum Glück hat alles gut geklappt und die Vier (Mama und mein Bruder Leon, Tina und Robert(Gretas Eltern)) schienen sogar einen angenehmen Flug gehabt zu haben.

 

Entebbe und Kampala

Gemeinsam verbrachten wir zwei Tage im schönen Entebbe, das direkt am Viktoriasee liegt. Da Grtea und ich ja Silvester hier gefeiert haben, kannten wir uns gut aus und führten unseren Besuch zu all den schönen Plätzen. Es war ein tolles Gefühl für mich, die ja unseren Besuch herumzuführen, ihnen Dinge zu erklären und die Planung zu übernehmen. Wir besuchten den botanischen Garten Entebbes und unsere Mütter bestaunten eigentlich den ganzen Tag lang, wie schön denn alles blühe und wie grün die Natur sei! Ja, Uganda ist wirklich ein traumhaftes Land! Außerdem gingen wir an den Strand, aßen frischen Viktoriaseebarsch und feierten am Pfingstsonntag einen schönen Gottesdienst in Entebbe.

Danach brachen wir dann nach Kampala auf. Für unsere Eltern ein ziemlicher Schock und ich war froh, dass wir erst ein wenig in Entebbe waren, damit sie sich eingewöhnen konnten. Die Hauptstadt Ugandas, sie ist einfach laut, voll, dreckig und beim ersten Mal ziemlich überfordernd. Zum Glück kennen Greta und ich uns ja inzwischen aus, haben ein paar Freunde vor Ort und so verbrachten wir in Kampala sehr spannende Tage. Wir stellten unsere Eltern den Combonis und den Schwestern in Kampala vor, die sie sehr herzlich begrüßten und willkommen hießen. Außerdem fuhren wir mit ihnen im Matatu (öffentliches Taxi/Kleinbus) bis in das Stadtzentrum, wo wir die schönen Stoffe und Kleider auf dem belebten Markt bewunderten und gleich auch was einkauften. Natürlich fing ich auf dem Markt an zu handeln, erstens weil einem als Weiße grundsätzlich der doppelte Preis genannt wird und zweitens weil ich inzwischen die echten Preise für Stoffe gut kenne und mich deshalb erst nicht über den Tisch ziehen lassen möchte. Daran die Eltern sich erstmal gewöhnen und es war ihnen zunächst auch etwas unangenehm. Außerdem waren unsere Familien sehr begeistert von dem schönen Markt mitten in Kampala, und froh, denn ohne unsere Kenntnisse würden sie sich nie auf so einen lauten und lebhaften Markt trauen. Dort gibt es alle möglichen Früchte und einheimischen Spezialitäten, die sie gleich mal auskosten durften. Darunter der typische Kochbananenbrei (Matooke), Erdnusssoße, Chapati/Rolex und ein Obstsalat mit Zuckerrohr, Stinkfrucht, Papaya, Avocado und vielem mehr. Hmm… ein kulinarischer Exkurs.

Am Ende unseres ausgiebigen Tages in der Innenstadt erlebten unsere Eltern dann noch die Rush-Hour Kampalas. Aus dem Zentrum sind es, bei wenig Verkehr, ca. 15 Minuten bis nach Mbuya Hill, wo die Combonis wohnen. Wir haben dafür dann eine geschlagene Stunde gebraucht. Greta und ich schlugen gleich zu Beginn vor, dass wir doch am besten ein Boda nehmen sollten, weil die Autos zu dieser Zeit im Stau stecken bleiben würden. Schon in Entebbe waren wir kurze Strecken mit dem Boda gefahren und Papa und Leon hatten auch richtig Gefallen daran gefunden. Doch die Mütter streikten. Also machten wir uns durch den Verkehr und die Menschenmassen auf die Suche nach dem richtigen Matatu. Als wir im Taxi saßen, ging es dann natürlich nur schleppend voran. Der Taxifahrer war typisch ugandisch, bremste in der letzten Sekunde und so auch ganz kurz vor einem die Straße überquerenden Laster.  „Also diese Verkehrssituation ist so erschreckend, furchtbar, das muss doch bald alles zusammenbrechen und kollabieren…“ kommentierten unsere leicht verschreckten Eltern. Lange Rede, kurzer Sinn: Wir kamen in der Dunkelheit völlig erschöpft, aber voll von unvergesslichen Eindrücken an und rundeten den Tag mit einem gemütlichen Abendessen beim Inder und einer weiteren heiklen Uber-Fahrt (zu siebt gequetscht in ein Auto) ab. J

Am nächsten Tag machten wir Kulturprogramm. Gemeinsam besichtigten wir die Kasubi Tombs, wo wir viel über die hochspannende Kultur der Buganda (die größte Volksgruppe Ugandas) und ihrer Könige lernten. In den Tombs werden die Könige beerdigt und auf dem ganzen Gelände verteilt ihre zahlreichen Frauen und Kinder. Die ganzen Frauen oder immer eine Vertreterin aus der Familie der Frauen der Könige leben noch heute auf dem Gelände. Die Buganda verehren ihre Könige schon seit ewigen Zeiten und sind ihren alten Traditionen und Bräuchen noch heute treu und legen viel Wert darauf.

Im Anschluss besuchten wir noch das ugandische Nationalmuseum, das auch für Greta und mich noch einmal viele neue Erkenntnisse über dieses vielfältige und facettenreiche Land brachte.  Abends gingen wir dann gemeinsam mit Stan und Fafa (den wir zufällig bei den Combonis getroffen hatten) sehr lecker essen. Für uns war es schön, dass unsere Eltern bereits Stan gut kennenlernten, der ja für das ganze Jahr unser Mentor und unsere Bezugsperson ist, und außerdem zufällig die Chance bekamen Fafa kennenzulernen, der sich zuvor so lieb um uns gekümmert hatte. Zusammen gingen wir in ein sehr besonderes Restaurant Kampalas, in dem Greta und ich gleich mal einen kleinen Kulturschock bekamen, weil alles so europäisch und elegant eingerichtet und zubereitet war. Das Essen war sehr lecker und Fafa, Stan, Greta und ich probierten gemeinsam die Frösche, deren Fleisch erstaunlich nach saftigem Hühnchen geschmeckt hat.

Der Abend war sehr schön und ein toller Abschluss für die Tage in Kampala. Denn am nächsten Morgen war es schon soweit, dass wir gemeinsam mit Stan nach Alenga aufbrechen wollten. Die Aufregung bei allen stieg… !

 

Mit Mama und Leon in unserem zu Hause

Am Mittwoch kamen wir gegen Mittag in Alenga an. Nach einer Fahrt, die schonmal einen kleinen Vorgeschmack auf die Straßen Ugandas gab. Durchgerüttelt und durchgeschüttelt wurden wir von den Schülerinnen und Schwestern in Empfang genommen, die mit Jubel und Gesang gleich mal alle neuen Gäste in den Arm nahmen, so wie es hier eben üblich ist. Im Anschluss lernten unsere Eltern die anderen beiden Priester und die Köchinnen bei einem schönen gemeinsamen Mittagessen kennen. Nachdem wir die vollgepackten großen Koffer ausgepackt und Mitbringsel, Spenden, Geschenke und Leckereien sortiert hatten, machten wir eine kleine Alenga-Rundtour und gingen im Anschluss auf den kleinen Wochenmarkt. Hier zeigten wir unserem Besuch die typischen Leckereien und einige unserer Freunde. Natürlich kommt es hier nicht alle Tage vor, dass sechs Deutsche den kleinen Dorfmarkt besuchen und auch wenn sich die Bewohner Alengas schon an Greta und mich gewöhnt haben, erregten wir viel Aufsehen und zogen die Aufmerksamkeit auf uns. Für unsere Eltern war der Markt mit Sicherheit ein aufwühlendes Erlebnis, denn dort wird man sehr mit der Armut und dem Leben von der Subsistenzwirtschaft hier konfrontiert. Meinen Vater bedrückte anschließend, dass er mehrmals nach Geld gefragt wurde oder danach, etwas für jemanden zu kaufen. Das passiert auch mir noch gelegentlich (inzwischen seltener) und zeigt das Bild des wohlhabenden Weißen, das tief in vielen Köpfen verankert ist.

Am nächsten Tag zeigten wir unseren Eltern den Schlafsaal. Sie waren nachdrücklich begeistert wie weit das Projekt inzwischen gekommen ist und wie viel mit Hilfe eurer Spenden zustande kommen konnte! Geschockt waren sie davon, dass in dem jetzigen Schlafsaal auf engstem Raum 60 Mädchen schlafen müssen. Die Vorfreude der Mädchen in den neuen Saal zu ziehen steigt auch täglich…!

Außerdem besuchten wir alle gemeinsam meinen Arbeitsplatz, die Krankenstation. Ich zeigte und erklärte ihnen das Gelände, die einzelnen Abteilungen, von Labor zur Medikamentenausgabe und zur Entbindungsstation. Besonders genau schauten sie sich das Labor an, wo Dickens und Bernard, meine Kollegen, stolz ihr Equipment präsentierten. Von der Handzentrifuge bis zum Malariatest hatte ich die Chance Vieles zu erklären.
Gretas Mutter war von der Tatsache geschockt, dass alle den Geburtenraum einfach betreten dürfen ohne Kleidung oder Schuhe zu wechseln. Die Gesundheitsversorgung hier im Dorf ist mit den deutschen Standards eben absolut nicht zu vergleichen und gerade auf die Sterilisation wird kein großer Wert gelegt. So schlafen auch alle Patientinnen in einem Raum, aufgeteilt nach Müttern, die entbunden haben, und Schwangeren mit Komplikationen, und Keime können sich schnell vermehren. Beeindruckt waren sie auch davon wie viele Schwangere zum Vorsorgetermin kamen und auf dem Boden saßen um dort stundenlang auf die Untersuchung zu warten. Die Schwangeren zeigen während der langen Wartezeit keine schlechte Laune, sondern unterhalten sich und tauschen die neuesten Geschichten aus. Es war wirklich schön und wichtig meiner Mama und meinem Bruder meine Arbeitsstelle zu zeigen. So wissen sie jetzt genau wo ich arbeite und können sich alles besser vorstellen und nachvollziehen.

Zudem unterrichtete Greta am Freitag zwei Stunden Computer im ersten Jahrgang und so bekam unser Besuch die Chance sich den Computerunterricht anzuschauen. In den ersten Stunden nach den Ferien wird in allen Fächern zunächst das Examen vom  letzten Term besprochen und so alter Unterrichtsstoff wiederholt. Anschließend arbeiteten die Mädchen praktisch an den Laptops und Greta versuchte die Kontrolle zu behalten. Das ist nämlich nicht immer leicht, wenn wie im ersten Jahr 36 Mädchen an 9 Laptops arbeiten, nach Möglichkeit alle mitmachen sollen und die Stromversorgung auch nicht immer klappt. Da heißt es dann oft „Greta, come here!“, „No, first come here, our power is off!“ und sie erklärt eigentlich gerade einer anderen Gruppe noch die Aufgabe. Nichtdestotrotz macht Greta der Computerunterricht viel Spaß und den Schülerinnen erst recht. Leon war besonders erstaunt, dass er immer die Möglichkeit hatte allein an einem Computer in der Schule zu arbeiten, während die Mädchen in fünfer Gruppen arbeiten müssen. Aber hier ist es so besonders, dass Computer überhaupt unterrichtet wird, dass es bei vielen der Grund ist, warum sie unsere Schule in Alenga auswählen.

Nicht nur Greta sollte während der gemeinsamen Tage in Alenga den Mädchen etwas beibringen, sondern auch ihr Vater, der von Beruf Zahnarzt ist. Die kleine Aufklärungsstunde über Mund- und Zahnhygiene sowie den Aufbau des Gebisses war uns ein besonderes Anliegen, weil eigentlich jede Woche ein Mädchen über Zahnschmerzen klagt und die generelle Aufklärung über einfachste Zahnhygiene sehr schlecht ist. Zuvor haben mir die Mädchen berichtet: Ich putze meine Zähne nur morgens. Wenn das wenigstens für alle stimmen würde… Nach Roberts Unterricht wissen sie jetzt zumindest wie wichtig es ist sich mindestens zweimal pro Tag die Zähne zu putzen und wie das richtig geht.
Schon Säuglinge bekommen süße Getränke und man kann bei vielen der Grundschulkinder schon schwarze Verfärbungen an den Schneidezähnen beobachten. Einige unserer Freunde, die kaum über 20 sind, haben schon verfaulte Zähne und riesige Zahnlücken.

 

Freitagabends luden die Schwestern uns und die Priester zu einem Festessen im Hof ein. Es gab die leckeren Gerichte der Schwestern wie zum Beispiel gegrilltes Hühnchen, Viktoriabarsch, Chapati und natürlich einen riesigen Kuchen zum Nachtisch, den unsere Mütter ganz romantisch zu zweit anschnitten und darüber lachten, dass das in Deutschland Brauch auf Hochzeiten ist. Nachdem alle völlig überfuttert in ihren Stühle saßen, kamen die Schülerinnen und hießen unsere Familien mit vielen Tänzen, Gedichten und Liedern willkommen. Diese liebevolle Geste rührte sie natürlich (mal wieder- wie eigentlich alles die ganze Zeit) sehr.

Am Samstag nahm Fr. Stan uns mit zu einer kirchlichen Hochzeit. Dies war auch für Greta und mich die erste Chance eine kirchliche Hochzeit zu sehen, denn zuvor waren wir immer auf den traditionellen Introductions gewesen. Die Messe war etwas außerhalb von Alenga in einer der kleineren Kapellen und die Gemeinde feierte das Brautpaar sehr euphorisch. Das Brautpaar war schon seit vielen Jahren traditionell verheiratet und hatte sich jetzt mit über 60 Jahren noch zur kirchlichen Trauung in Weiß entschlossen. Im Anschluss an die wunderbar lebhafte Messe begaben wir uns zum Brautpaar nach Hause, wo es reichlich Programm, welches den Introductions ähnlich ist, und leckeres ugandisches Essen gab, von dem unsere Eltern natürlich eine viel zu kleine Portion nahmen. Es war eine wunderbare Gelegenheit für unseren Besuch so in die Kultur der Langi hineinschauen zu dürfen und wir wurden auch herzlich aufgenommen und behandelt, obwohl uns niemand kannte und wir für alle Fremde waren. Diese Offenheit und Gastfreundschaft in der Kultur ist ein großartiges Geschenk und wurde mir während dieser Tage wieder besonders bewusst.

Am Sonntag war es dann soweit, das Highlight in Alenga stand an: Der Gottesdienst. Während Greta und ich auf unseren Stammplätzen beim Chor Platz nahmen, saßen unsere Eltern bei den Schwestern, denn von dort aus hat man die beste Sicht auf das wunderbare Geschehen in der Messe. Während Mama zu Tränen gerührt das Hosanna mitsang, schoss Leon fleißig Fotos und Gretas Eltern begnügten sich damit die Lesung auf Englisch im Buch zu verfolgen, denn natürlich war die ganze Messe auf Lango.
Nach der Messe stimmte unsere Freundin Paska noch ein Lied an und schon waren alle begeistert in der Kirche am Tanzen und forderten unsere Familien zum Mitmachen auf. Für mich war es sehr schön zu sehen, dass meine Freunde hier sich so über den Besuch meiner Eltern freuten, euphorisch mit ihnen tanzten und sangen und alle die Zeit so in vollen Zügen genossen.

 

Die Zeit in Alenga sollte besonders schön abgerundet werden durch Besuche bei unseren besten Freundinnen, Anna sowie die Schwestern Mary und Paska. Alle wollten uns unbedingt einladen und haben, zunächst zur Sorge unserer Eltern, weil die Angst hatten, dass gleich zwei Ziegen und Hühner für sie geschlachtet werden, auch kein Nein akzeptiert. Im Nachhinein waren sie dann aber doch sehr froh, dass sie die Chance mitgenommen hatten, denn die Besuche verraten natürlich nochmal viel über das Leben der Bewohner Alengas. Wie immer wurden wir alle sehnsüchtig erwartet, es gab unglaublich viel zu erzählen und reichlich zu essen. Leon machte sich wieder viele kleine Freunde, indem er Luftballons und Süßigkeiten verteilte und Fotos machte und sie den Kindern im Anschluss zeigte, was stets für große Begeisterung sorgt.

Besonders beeindruckt waren alle, weil die Gastgeber gerne und mit vollem Herzen alles für ihre Gäste geben und schön machen. Hier ist es Brauch, dass man die Gäste so herzlich willkommen heißt wie man kann und nie geizig mit Besitz und Eigentum umgeht. Alles wird gerne geteilt und zubereitet. Meine Mama war sehr angetan davon, dass die Menschen so viel mehr im JETZT leben und dadurch den Augenblick viel mehr genießen können als wir, die von der stressigen Konsumgesellschaft geprägt sind. Während viele der Deutschen die Einstellung haben stets zu sparen, zu sparen, zu sparen und den letzten Cent umzudrehen, auch wenn sie das nicht müssten, wird hier verbraucht, was da ist und nicht gegeizt. In Deutschland wird aus meiner Sicht oft unnötig gespart.  Vielleicht ein Euro macht den Unterschied an der Fleischtheke zwischen Biofleisch und Massentierhaltungsfleisch aus und gekauft wird natürlich, obwohl man es besser wissen müsste, das Billigere.  Ein runder Geburtstag wird nicht gefeiert, weil auf ein neues Auto gespart werden müsse. Hier erfahre ich alltäglich, wie unwichtig Materielles wird, solange man genug hat um seine Familie zu ernähren und für die Kinder eine Bildung garantieren zu können. Es ist so viel schöner, wenn man den Moment lebt, ihn mit seinen Liebsten genießt, statt sich ständig Sorgen zu machen. Von der Lebensfreude, die die Menschen hier verspüren, obwohl einige nicht wissen wie sie ihren Kindern die Schulbildung finanzieren sollen oder existenzielle Probleme nicht lösen können, könnte sich (fast) jeder Deutsche, der um seine Luxusprobleme kreist, eine Scheibe abschneiden.

 

Unsere erlebnisreiche Zeit in Alenga neigte sich dem Ende zu und nach einem für unsere Eltern sehr schweren und tränenreichen Abschied machten wir uns in unserem schicken Safariauto, das uns in Alenga abholte, auf in den Urlaub!

 

Safari Uganda- schöne Tage und viele platte Reifen

Die nächste Woche verbrachten wir in der wunderschönen und vielseitigen Natur Ugandas. Für Greta und mich war es zum einen ein großes Geschenk, dass wir nun noch einmal intensive Tage des Austausches verbringen konnten und nach einer so langen Zeit ohne Familie wieder gemeinsam etwas erlebten. Zum anderen wissen wir es sehr wertzuschätzen, dass wir so einen großen Teil des Westens Ugandas und seiner reichen Naturschätze sehen durften. Winston Churchill sagte einmal, dass Uganda die Perle Afrikas sei und auch wenn ich viele Teile des Kontinents noch nicht gesehen habe, würde ich diese Aussage nach dem Urlaub ohne nachzudenken bestätigen. Von übergrüner, weiter Graslandschaft am Albertnil zu hügeliger Vulkanlandschaft mit Kraterseen zu dichtem Regenwald, Uganda ist mit einer Vielfalt gesegnet, die mich immer wieder beeindruckt.
Ja, wir hatten tatsächlich fünf Platte Reifen und es war immer an der gleichen Stelle des Autos (unter Gretas Hintern)!! Zauberei oder war Greta einfach nur zu schwer? Nachdem Tina ihren Rosenkranz umgehängt hatte und Greta und ich Platz getauscht haben ging den Rest der Fahrt alles gut.

Mir als Freiwillige fiel es nicht leicht als Touristin in Uganda unterwegs zu sein. Denn dadurch, dass ich mich hier inzwischen so zu Hause fühle, beschäftige ich mich auch viel mit der Rassismus- Problematik. Da bekommt man beim Tourismus oft Angst, dass die Kultur der Ugander nicht genügend wertgeschätzt wird, dass über sie hinweg bestimmt wird oder sie ausgenutzt und als Zootiere ausgestellt werden. Gerade die Beobachtung, dass die Besucher der Nationalparks zu 90% weiß sind, ist für mich eine traurige Tatsache, die das große Gefälle in unserer globalisierten Welt zeigt.

Meine Erfahrungen nach dieser Reise bestätigen aber, dass viele der Ugander (vielleicht auch durch ihre tolle Gastfreundschaft bedingt) den Tourismus sehr wertschätzen und ihre Natur gerne der Welt öffnen möchten, solange sie bewahrt bleibt. Der Tourismus ist natürlich auch hier – wie in so vielen Ländern der Erde – eine begehrte Einnahmequelle, die dabei hilft Infrastrukturen zu verbessern, die umliegenden Dörfer zu unterstützen und die Nationalparks zu schützen. Uganda ist zwar ein noch sehr unentdecktes Reiseland, was wohl durch den langen Krieg und die Größe bedingt ist, hat aber inzwischen 1,3 Millionen Touristen pro Jahr. Durch den aufblühenden Tourismus werden natürlich auch Arbeitsplätze geschaffen und viele junge Leute erhalten die Chance auf einen guten Job.

Es ist sehr wichtig beide Seiten Ugandas sehen zu können. Für uns Freiwillige wäre es eine verpasste Chance, wenn wir das ganze Jahr in Alenga bleiben würden und so nur eine Seite dieses vielseitigen Landes entdecken können. Mir wäre dann der Eindruck hängen geblieben, dass es in Uganda hauptsächlich Armut und Dorfleben gibt. Und das stimmt nicht!! Denn es gibt riesige, gut entwickelte Städte, große Einkaufsmalls, wunderschöne Anlagen in den Parks und auch richtig gute Krankenhäuser und Universitäten. Hier entwickelt sich sehr viel und ich bin gespannt wie Alenga in zehn Jahren aussieht.

 

Nun ist der Besuch von unseren Familien schon wieder vorbei, die Zeit verging so schnell. Ich bin sehr dankbar, dass meine Mama und Leon hier in Alenga waren, denn nur so bekommen sie nochmal einen richtigen Einblick in mein Leben und können es viel besser verstehen und nachvollziehen was ich alles erlebt habe. So wird es sicherlich leichter hier Abschied zu nehmen, weil Mama und Leon dann zu Hause auch wissen was ich vermisse und was ich meine, wenn ich etwas erzähle. Außerdem bekommt man als Tourist sonst nie die Chance so in das Leben und die Kultur der Leute einzutauchen wie hier in Alenga während meines Freiwilligendienstes. Ich bin so froh, dass sie hier waren und alles sehen konnten.

 

Unser Projekt der Schlafsaal

Dank Eurer großen Unterstützung ist der Schlafsaal nun fast fertig. Die Wände sind verputzt, die Stromleitungen verlegt und wenn alles in zwei Wochen getrocknet ist, wird gestrichen und eine Einweihungsparty gefeiert! Auch die 18 Dreistockbetten werden schon gebaut und die Moskitonetze sind bestellt. Ihr seht also: Es neigt sich dem Ende zu!

Zukunftspläne

Und auch in diesem Artikel möchte ich noch einmal um Spenden bitten. Die Meisten von euch haben schon so viel gegeben und das freut mich jeden Tag aufs Neue, aber seit das Sammeln der Spenden so erfolgreich läuft, kommen uns auch viele neue Ideen in den Kopf. Zum Einen möchten wir dem Health Center gerne ca. 2500 Euro bereitstellen, damit ein Zaun um das Gelände gebaut werden kann. Momentan fehlt dieser Zaun und so laufen erstens ständig Kühe, Schweine oder streunende Hunde, die Krankheitserreger übertragen, über das Gelände und zweitens sind die Nachtschwestern nicht geschützt und fühlen sich sehr unsicher, wenn sie die ganze Nacht alleine Dienst haben.

Zum Anderen gibt es die Möglichkeit für zwei Mädchen eine Patenschaft für das dritte Ausbildungsjahr, das seit diesem Februar neu bei uns an der Schule ist, zu übernehmen. Dort erlangen sie zusätzlich zur Schneiderinnenausbildung eine Designlehre. Die Kosten für das dritte Ausbildungsjahr belaufen sich auf 280 Euro. Das Geld kann gerne auch in Raten bezahlt werden. Bei Interesse an einer Patenschaft, meldet euch gerne bei mir unter Francesca.cyris@yahoo.com

Die Spendenadresse ist:

Comboni-Missionare KöR, 73479 Ellwangen
IBAN: DE66 6145 0050 0110 6170 15
BIC: OASPDE6AXXX
Verwendungszweck: MaZ Francesca Cyris (631) Alenga, Uganda

So meine Lieben, das war es auch schon wieder von mir.  Ich bin auf der einen Seite seeehr traurig, dass mir nun nur noch 4 Wochen in Uganda bleiben und kann es gar nicht fassen. Auf der anderen Seite wächst natürlich auch mit der Zeit ein bisschen die Vorfreude auf zu Hause und darauf alle wieder zu treffen… Jedenfalls werde ich die letzten Wochen hier noch einmal sehr mit meiner Arbeit im Health Center und unseren Freunden genießen. Ich möchte gar nicht daran denken, dass ich das alle bald verlassen muss und hier nie wieder leben werde, sondern nur noch als Gast wiederkomme-das aber hoffentlich sehr bald. Außerdem stehen noch ein paar Feste an: Momentan bereiten wir gerade die Examensfeier für die Jahrgänge aus 2016 und 2017 vor, die im Juli stattfinden wird.

 

Bis dann ihr alle,

Eure Francesca

P.S. Wir sind auch sehr traurig wegen der WM. Wir haben das Spiel gerade eben im Center  mit ein paar Freunden angeschaut…. Lasst den Kopf nicht hängen. 🙂

Besuch aus der Heimat – Karibuni Uganda Mama und Papa

Liebe Leserinnen und Leser,
heute möchte ich euch von der schönen, abwechslungsreichen und aufregenden Zeit mit unseren Familien erzählen.

Drei Tage nach meinem Geburtstag brachen wir nach Kampala auf. Hier besuchten wir unsere Freundinnen Linda und Maike, die zentral in Kampala wohnen und gingen anlässlich meines Geburtstages auch nochmal feiern, was in Alenga ja absolut nicht möglich ist und sich ein bisschen mehr wie eine normale Geburtstagsfeier angefühlt hat: Mit Freunden Bier, Pizza und Kuchen (danke dafür nochmal!!) genießen und danach zum Tanzen in den Club. Gemeinsam hatten wir einen richtig schönen Abend! Am Tag danach brachen wir nach Entebbe auf, was ca. eine Stunde von Kampala entfernt ist. Wir fuhren also schon mal in unsere schöne Unterkunft, genossen die warme Dusche und das kuschelige Bett und holten dann unsere Familie vom Flughafen ab! Das war vielleicht ein tolles Gefühl, bekannte Gesichter wiederzusehen und in den Arm zu nehmen. Vorher waren wir aufgeregter als bei unserer eigenen Ankunft: Ob sie es wohl schaffen würden, durch die Kontrolle zu kommen, ob sie mit dem Visum alles richtig gemacht hatten usw. .. :-D. Zum Glück hat alles gut geklappt und die Vier (Mama, Papa, Conny (Francescas Mama) und Leon (Francescas kleiner Bruder)) schienen sogar einen angenehmen Flug gehabt zu haben.

Entebbe und Kampala

Gemeinsam verbrachten wir zwei Tage im schönen Entebbe, das direkt am Viktoriasee liegt. Da Francesca und ich ja Silvester hier gefeiert haben, kannten wir uns gut aus und führten unseren Besuch zu all den schönen Plätzen. Es war ein lustiges Gefühl für mich, die ja immer die Jüngste in der Familie war, meine Eltern herumzuführen, ihnen Dinge zu erklären und die Planung zu übernehmen. Wir besuchten den botanischen Garten Entebbes und unsere Mütter bestaunten eigentlich den ganzen Tag lang, wie schön denn alles blühe und wie grün die Natur sei! Ja, Uganda ist wirklich ein traumhaftes Land! Außerdem gingen wir an den Strand, aßen frischen Viktoriaseebarsch und feierten am Pfingstsonntag einen schönen Gottesdienst in Entebbe. Danach brachen wir dann nach Kampala auf. Für unsere Eltern ein ziemlicher Schock und ich war froh, dass wir erst ein wenig in Entebbe waren, damit sie sich eingewöhnen konnten. Die Hauptstadt Ugandas, sie ist einfach laut, voll, dreckig und beim ersten Mal ziemlich überfordernd. Zum Glück kennen Francesca und ich uns ja inzwischen aus, haben ein paar Freunde vor Ort und so verbrachten wir in Kampala sehr spannende Tage. Wir stellten unsere Eltern den Combonis und den Schwestern in Kampala vor, die sie sehr herzlich begrüßten und willkommen hießen. Außerdem fuhren wir mit ihnen im Matatu (öffentliches Taxi/Kleinbus) bis in das Stadtzentrum, wo wir die schönen Stoffe und Kleider auf dem belebten Markt bewunderten und gleich auch was einkauften. Natürlich fing ich auf dem Markt an zu handeln, erstens weil einem als Weiße grundsätzlich der doppelte Preis genannt wird und zweitens weil ich inzwischen die echten Preise für Stoffe gut kenne und mich deshalb erst nicht über den Tisch ziehen lassen möchte. Daran mussten Mama und Papa sich erstmal gewöhnen und es war ihnen zunächst auch etwas unangenehm. Außerdem waren unsere Familien sehr begeistert von dem schönen Markt mitten in Kampala. Dort gibt es alle möglichen Früchte und einheimischen Spezialitäten, die sie gleich mal auskosten durften. Darunter der typische Kochbananenbrei (Matooke), Erdnusssoße, Chapati/Rolex und ein Obstsalat mit Zuckerrohr, Stinkfrucht, Papaya, Avocado und vielem mehr. Hmm… ein kulinarischer Exkurs.
Am Ende unseres ausgiebigen Tages in der Innenstadt erlebten unsere Eltern dann noch die Rush-hour Kampalas. Aus dem Zentrum sind es, bei wenig Verkehr, ca. 15 Minuten bis nach Mbuya Hill, wo die Combonis wohnen. Wir haben dafür dann eine geschlagene Stunde gebraucht. Francesca und ich schlugen gleich zu Beginn vor, dass wir doch am besten ein Boda nehmen sollten, weil die Autos zu dieser Zeit im Stau stecken bleiben würden. Schon in Entebbe waren wir kurze Strecken mit dem Boda gefahren und Papa und Leon hatten auch richtig Gefallen daran gefunden. Doch die Mütter streikten. Also machten wir uns durch den Verkehr und die Menschenmassen auf die Suche nach dem richtigen Matatu. Als wir im Taxi saßen, ging es dann natürlich nur schleppend voran. Der Taxifahrer war typisch ugandisch, bremste in der letzten Sekunde und so auch ganz kurz vor einem die Straße überquerenden Laster. „Also diese Verkehrssituation ist so erschreckend, furchtbar, das muss doch bald alles zusammenbrechen und kollabieren…“ kommentierten unsere leicht verschreckten Eltern. Lange Rede, kurzer Sinn: Wir kamen in der Dunkelheit völlig erschöpft, aber voll von unvergesslichen Eindrücken an und rundeten den Tag mit einem gemütlichen Abendessen beim Inder und einer weiteren heiklen Uber-Fahrt ab.  😀
Am nächsten Tag machten wir Kulturprogramm. Gemeinsam besichtigten wir die Kasubi Tombs, wo wir viel über die hochspannende Kultur der Buganda (die größte Volksgruppe Ugandas) und ihrer Könige lernten. In den Tombs werden die Könige beerdigt und auf dem ganzen Gelände verteilt ihre zahlreichen Frauen und Kinder. Die Buganda verehren ihre Könige schon seit ewigen Zeiten und sind ihren alten Traditionen und Bräuchen noch heute treu und legen viel Wert darauf.
Im Anschluss besuchten wir noch das ugandische Nationalmuseum, das auch für Francesca und mich noch einmal viele neue Erkenntnisse über dieses vielfältige und facettenreiche Land brachte. Abends gingen wir dann gemeinsam mit Stan und Fafa (den wir zufällig bei den Combonis getroffen hatten) sehr lecker essen. Für uns war es schön, dass unsere Eltern bereits Stan gut kennenlernten, der ja für das ganze Jahr unser Mentor und unsere Bezugsperson ist, und außerdem zufällig die Chance bekamen Fafa kennenzulernen, der sich zuvor so lieb um uns gekümmert hatte. Zusammen gingen wir in ein sehr besonderes Restaurant Kampalas, in dem Francesca und ich gleich mal einen kleinen Kulturschock bekamen, weil alles so europäisch eingerichtet und zubereitet war. Das Essen war sehr lecker und Fafa, Stan, Francesca und ich probierten gemeinsam die Frösche, deren Fleisch erstaunlich nach saftigem Hühnchen geschmeckt hat.
Der Abend war sehr schön und ein toller Abschluss für die Tage in Kampala. Denn am nächsten Morgen war es schon soweit, dass wir gemeinsam mit Stan nach Alenga aufbrechen wollten. Die Aufregung bei allen stieg… !

Mit Mama und Papa in Alenga

 Am Mittwoch kamen wir gegen Mittag in Alenga an. Nach einer Fahrt, die schonmal einen kleinen Vorgeschmack auf die Straßen Ugandas gab. Durchgerüttelt und durchgeschüttelt wurden wir von den Schülerinnen und Schwestern in Empfang genommen, die mit Jubel und Gesang gleich mal alle neuen Gäste in den Arm nahmen, so wie es hier eben üblich ist. Im Anschluss lernten unsere Eltern die anderen beiden Priester und die Köchinnen bei einem schönen gemeinsamen Mittagessen kennen. Nachdem wir die vollgepackten großen Koffer ausgepackt und Mitbringsel, Geschenke und Leckereien sortiert hatten, machten wir eine kleine Alenga-Rundtour und gingen im Anschluss auf den kleinen Wochenmarkt. Hier zeigten wir unserem Besuch die typischen Leckereien und einige unserer Freunde. Natürlich kommt es hier nicht alle Tage vor, dass sechs Deutsche den kleinen Dorfmarkt besuchen und auch wenn sich die Bewohner Alengas schon an Francesca und mich gewöhnt haben, erregten wir viel Aufsehen und zogen die Aufmerksamkeit auf uns. Für unsere Eltern war der Markt mit Sicherheit ein aufwühlendes Erlebnis, denn dort wird man sehr mit der Armut und dem Leben von der Subsistenzwirtschaft hier konfrontiert. Meinen Vater bedrückte anschließend, dass er mehrmals nach Geld gefragt wurde oder danach, etwas für jemanden zu kaufen. Das passiert auch mir noch gelegentlich (inzwischen seltener) und zeigt das Bild des wohlhabenden Weißen, das tief in vielen Köpfen ist.
Am nächsten Tag zeigten wir unseren Eltern den Schlafsaal. Sie waren nachdrücklich begeistert wie weit das Projekt inzwischen gekommen ist und wie viel mit Hilfe eurer Spenden zustande kommen konnte! Geschockt waren sie davon, dass in dem jetzigen Schlafsaal auf engstem Raum 60 Mädchen schlafen müssen. Die Vorfreude der Mädchen in den neuen Saal zu ziehen steigt auch täglich…!
Außerdem besuchten wir alle gemeinsam Francescas Arbeitsplatz, die Krankenstation. Francesca zeigte und erklärte ihnen das Gelände, die einzelnen Abteilungen, von Labor zur Medikamentenausgabe und zur Entbindungsstation. Besonders genau schauten sie sich das Labor an, wo Dickens und Bernard, Francescas Kollegen, stolz ihr Equipment präsentierten. Von der Handzentrifuge bis zum Malariatest hatte Francesca die Chance Vieles zu erklären.
Meine Mutter war von der Tatsache geschockt, dass alle den Geburtenraum einfach betreten dürfen ohne Kleidung oder Schuhe zu wechseln. Die Gesundheitsversorgung hier im Dorf ist mit den deutschen Standards eben absolut nicht zu vergleichen und gerade auf die Sterilisation wird kein großer Wert gelegt. So schlafen auch alle Patientinnen in einem Raum, aufgeteilt nach Müttern, die entbunden haben, und Schwangeren mit Komplikationen, und Keime können sich schnell vermehren. Beeindruckt waren sie auch davon wie viele Schwangere zum Vorsorgetermin kamen und auf dem Boden saßen um dort stundenlang auf die Untersuchung zu warten. Die Schwangeren zeigen während der langen Wartezeit keine schlechte Laune, sondern unterhalten sich und tauschen die neuesten Geschichten aus.
Zudem unterrichtete ich am Freitag zwei Stunden Computer im ersten Jahrgang und so bekam unser Besuch die Chance sich den Computerunterricht anzuschauen. In den ersten Stunden nach den Ferien wird in allen Fächern zunächst das Examen vom letzten Term besprochen und so alter Unterrichtsstoff wiederholt. Anschließend arbeiteten die Mädchen praktisch an den Laptops und ich versuchte die Kontrolle zu behalten. Das ist nämlich nicht immer leicht, wenn wie im ersten Jahr 36 Mädchen an 9 Laptops arbeiten sollen, nach Möglichkeit alle mitmachen sollen und die Stromversorgung auch nicht immer klappt. Da heißt es dann oft „Greta, come here!“, „No, first come here, our power is off!“ und ich erkläre eigentlich gerade einer anderen Gruppe noch die Aufgabe. Nichtdestotrotz macht mir der Computerunterricht viel Spaß und den Schülerinnen erst recht. Leon war besonders erstaunt, dass er immer die Möglichkeit hatte allein an einem Computer in der Schule zu arbeiten, während die Mädchen in fünfer Gruppen arbeiten müssen. Aber hier ist es so besonders, dass Computer überhaupt unterrichtet wird, dass es bei vielen der Grund ist, warum sie unsere Schule in Alenga auswählen.
Nicht nur ich sollte während der gemeinsamen Tage in Alenga den Mädchen etwas beibringen, sondern auch mein Vater, der von Beruf Zahnarzt ist. Die kleine Aufklärungsstunde über Mund- und Zahnhygiene sowie den Aufbau des Gebisses war mir ein besonderes Anliegen, weil eigentlich jede Woche ein Mädchen über Zahnschmerzen klagt und die generelle Aufklärung über einfachste Zahnhygiene sehr schlecht ist. Zuvor haben mir die Mädchen berichtet: Ich putze meine Zähne nur morgens. Wenn das wenigstens für alle stimmen würde… Nach Papas Unterricht wissen sie jetzt zumindest wie wichtig es ist sich mindestens zweimal pro Tag die Zähne zu putzen und wie das richtig geht.
Schon Säuglinge bekommen süße Getränke und man kann bei vielen der Grundschulkinder schon schwarze Verfärbungen an den Schneidezähnen beobachten. Einige unserer Freunde, die kaum über 20 sind, haben schon verfaulte Zähne und riesige Zahnlücken.

Freitagabends luden die Schwestern uns und die Priester zu einem Festessen im Hof ein. Es gab die leckeren Gerichte der Schwestern wie zum Beispiel gegrilltes Hühnchen, Viktoriabarsch, Chapati und natürlich einen riesigen Kuchen zum Nachtisch, den unsere Mütter ganz romantisch zu zweit anschnitten und darüber lachten, dass das in Deutschland Brauch auf Hochzeiten ist. Nachdem alle völlig überfuttert in ihren Stühle saßen, kamen die Schülerinnen und hießen unsere Familien mit vielen Tänzen, Gedichten und Liedern willkommen. Diese liebevolle Geste rührte sie natürlich (mal wieder- wie eigentlich alles die ganze Zeit) sehr.
Am Samstag nahm Fr. Stan uns mit zu einer kirchlichen Hochzeit. Dies war auch für Francesca und mich die erste Chance eine kirchliche Hochzeit zu sehen, denn zuvor waren wir immer auf den traditionellen Introductions gewesen. Die Messe war etwas außerhalb von Alenga in einer der kleineren Kapellen und die Gemeinde feierte das Brautpaar sehr euphorisch. Das Brautpaar war schon seit vielen Jahren traditionell verheiratet und hatte sich jetzt mit über 60 Jahren noch zur kirchlichen Trauung in Weiß entschlossen. Im Anschluss an die wunderbar lebhafte Messe begaben wir uns zum Brautpaar nach Hause, wo es reichlich Programm, welches den Introductions ähnlich ist, und leckeres ugandisches Essen gab, von dem unsere Eltern natürlich eine viel zu kleine Portion nahmen. Es war eine wunderbare Gelegenheit für unseren Besuch so in die Kultur der Langi hineinschauen zu dürfen und wir wurden auch herzlich aufgenommen und behandelt, obwohl uns niemand kannte und wir für alle Fremde waren. Diese Offenheit und Gastfreundschaft in der Kultur ist ein großartiges Geschenk und wurde mir während dieser Tage wieder besonders bewusst.
Am Sonntag war es dann soweit, das Highlight in Alenga stand an: Der Gottesdienst. Während Francesca und ich auf unseren Stammplätzen beim Chor Platz nahmen, saßen unsere Eltern bei den Schwestern, denn von dort aus hat man die beste Sicht auf das wunderbare Geschehen in der Messe. Während Conny zu Tränen gerührt das Hosanna mitsang, schoss Leon fleißig Fotos und Mama und Papa begnügten sich damit die Lesung auf Englisch im Buch zu verfolgen, denn natürlich war die ganze Messe auf Lango.
Nach der Messe stimmte unsere Freundin Paska noch ein Lied an und schon waren alle begeistert in der Kirche am Tanzen und forderten unsere Familien zum Mitmachen auf. Für mich war es sehr schön zu sehen, dass meine Freunde hier sich so über den Besuch meiner Eltern freuten, euphorisch mit ihnen tanzten und sangen und alle die Zeit so in vollen Zügen genossen.
Die Zeit in Alenga sollte besonders schön abgerundet werden durch Besuche bei unseren besten Freundinnen, Anna sowie die Schwestern Mary und Paska. Alle wollten uns unbedingt einladen und haben, zunächst zum Bedauern unserer Eltern, weil die Angst hatten, dass gleich zwei Ziegen und Hühner für sie geschlachtet werden, auch kein Nein akzeptiert. Im Nachhinein waren sie dann aber doch sehr froh, dass sie die Chance mitgenommen hatten, denn die Besuche verraten natürlich nochmal viel über das Leben der Bewohner Alengas. Wie immer wurden wir alle sehnsüchtig erwartet, es gab unglaublich viel zu erzählen und reichlich zu essen. Leon machte sich wieder viele kleine Freunde, indem er Luftballons und Süßigkeiten verteilte und Fotos machte und sie den Kindern im Anschluss zeigte, was stets für große Begeisterung sorgt.
Besonders beeindruckt waren alle, weil die Gastgeber gerne und mit vollem Herzen alles für ihre Gäste geben und schön machen. Hier ist es Brauch, dass man die Gäste so herzlich willkommen heißt wie man kann und nie geizig mit Besitz und Eigentum umgeht. Alles wird gerne geteilt und zubereitet. Conny war angetan davon, dass die Menschen so viel mehr im JETZT leben und dadurch den Augenblick viel mehr genießen können als wir, die von der stressigen Konsumgesellschaft geprägt sind. Während viele der Deutschen die Einstellung haben stets zu sparen, zu sparen, zu sparen und den letzten Cent umzudrehen, auch wenn sie das nicht müssten, wird hier verbraucht, was da ist und nicht gegeizt. In Deutschland wird aus meiner Sicht oft unnötig gespart. Vielleicht ein Euro macht den Unterschied an der Fleischtheke zwischen Biofleisch und Massentierhaltungsfleisch aus und gekauft wird natürlich, obwohl man es besser wissen müsste, das Billigere. Ein runder Geburtstag wird nicht gefeiert, weil auf ein neues Auto gespart werden müsse. Hier erfahre ich alltäglich, wie unwichtig Materielles wird, solange man genug hat um seine Familie zu ernähren und für die Kinder eine Bildung garantieren zu können. Es ist so viel schöner, wenn man den Moment lebt, ihn mit seinen Liebsten genießt, statt sich ständig Sorgen zu machen. Von der Lebensfreude, die die Menschen hier verspüren, obwohl einige nicht wissen wie sie ihren Kindern die Schulbildung finanzieren sollen oder existenzielle Probleme nicht lösen können, könnte sich (fast) jeder Deutsche, der um seine Luxusprobleme kreist, eine Scheibe abschneiden.
Unsere erlebnisreiche Zeit in Alenga, die mir noch einmal vor Augen geführt hat, wie gut ich hier angekommen bin, wie sehr ich hier zu Hause bin und was für ein Geschenk all meine lieben Freunde hier sind,  neigte sich dem Ende zu und nach einem für unsere Eltern sehr schweren Abschied machten wir uns in unserem schicken Safariauto, das uns in Alenga abholte, auf in den Urlaub!

Safari Uganda- schöne Tage und viele platte Reifen

Die nächste Woche verbrachten wir in der wunderschönen und vielseitigen Natur Ugandas. Für Francesca und mich war es zum einen ein großes Geschenk, dass wir nun noch einmal intensive Tage des Austausches verbringen konnten und nach einer so langen Zeit ohne Familie wieder gemeinsam etwas erlebten. Zum anderen wissen wir es sehr wertzuschätzen, dass wir so einen großen Teil des Westens Ugandas und seiner reichen Naturschätze sehen durften. Winston Churchill sagte einmal, dass Uganda die Perle Afrikas sei und auch wenn ich viele Teile des Kontinents noch nicht gesehen habe, würde ich diese Aussage nach dem Urlaub ohne nachzudenken bestätigen. Von übergrüner, weiter Graslandschaft am Albertnil zu hügeliger Vulkanlandschaft mit Kraterseen zu dichtem Regenwald, Uganda ist mit einer Vielfalt gesegnet, die mich immer wieder beeindruckt.
Mir als Freiwillige fiel es nicht leicht als Touristin in Uganda unterwegs zu sein. Denn dadurch, dass ich mich hier inzwischen so zu Hause fühle, beschäftige ich mich auch viel mit der Rassismus- Problematik. Da bekommt man beim Tourismus oft Angst, dass die Kultur der Ugander nicht genügend wertgeschätzt wird, dass über sie hinweg bestimmt wird oder sie ausgenutzt und als Zootiere ausgestellt werden. Gerade die Beobachtung, dass die Besucher der Nationalparks zu 90% weiß sind, ist für mich eine traurige Tatsache, die das große Gefälle in unserer globalisierten Welt zeigt.
Meine Erfahrungen nach dieser Reise bestätigen aber, dass viele der Ugander (vielleicht auch durch ihre tolle Gastfreundschaft bedingt) den Tourismus sehr wertschätzen und ihre Natur gerne der Welt öffnen möchten, solange sie bewahrt bleibt. Der Tourismus ist natürlich auch hier – wie in so vielen Ländern der Erde – eine begehrte Einnahmequelle, die dabei hilft Infrastrukturen zu verbessern, die umliegende Dörfer zu unterstützen und die Nationalparks zu schützen. Uganda ist zwar ein noch sehr unentdecktes Reiseland, was wohl durch den langen Krieg und die Größe bedingt ist, hat aber inzwischen 1,3 Millionen Touristen pro Jahr. Durch den aufblühenden Tourismus werden natürlich auch Arbeitsplätze geschaffen und viele junge Leute erhalten die Chance auf einen guten Job.
Es ist sehr wichtig beide Seiten Ugandas sehen zu können. Für uns Freiwillige wäre es eine verpasste Chance, wenn wir das ganze Jahr in Alenga bleiben würden und so nur eine Seite dieses vielseitigen Landes entdecken können. Mir wäre dann der Eindruck hängen geblieben, dass es in Uganda hauptsächlich Armut und Dorfleben gibt. Dabei gibt es riesige, gut entwickelte Städte, wunderschöne Anlagen in den Parks und auch richtig gute Krankenhäuser und Universitäten. Hier entwickelt sich sehr viel und ich bin gespannt wie Alenga in zehn Jahren aussieht.

Ein kurzer Blick auf den Schlafsaal

Dank eurer großen Unterstützung – vielen Dank auch noch einmal an alle, die anlässlich meines Geburtstages gespendet haben, das hat mich sehr gefreut! – ist der Schlafsaal nun fast fertig. Die Wände sind verputzt, die Stromleitungen verlegt und wenn alles in zwei Wochen getrocket ist, wird gestrichen und eine Einweihungsparty gefeiert! Auch die 18 Dreistockbetten werden schon gebaut und die Moskitonetze sind bestellt. Ihr seht also: Es neigt sich dem Ende zu!

Zukunftspläne

Und auch in diesem Artikel möchte ich noch einmal um Spenden bitten. Die Meisten von euch haben schon so viel gegeben und das freut mich jeden Tag aufs Neue, aber seit das Sammeln der Spenden so erfolgreich läuft, kommen uns auch viele neue Ideen in den Kopf. Zum Einen möchten wir dem Health Centre gerne ca. 2500 Euro bereitstellen, damit ein Zaun um das Gelände gebaut werden kann. Momentan fehlt dieser Zaun und so laufen erstens ständig Kühe, Schweine oder streunende Hunde, die Krankheitserreger übertragen, über das Gelände und zweitens sind die Krankenschwestern nicht geschützt und fühlen sich sehr unsicher, wenn sie die ganze Nacht alleine Dienst haben.

Zum Anderen gibt es die Möglichkeit für zwei Mädchen eine Patenschaft für das dritte Ausbildungsjahr, das seit diesem Februar neu bei uns an der Schule ist, zu übernehmen. Dort erlangen sie zusätzlich zur Schneiderinnenausbildung eine Designlehre. Die Kosten für das dritte Ausbildungsjahr belaufen sich auf 280 Euro. Das Geld kann gerne auch in Raten bezahlt werden. Bei Interesse an einer Patenschaft, meldet euch gerne bei mir unter greta.berges@gmx.de.

Die Spendenadresse ist:

Comboni-Missionare KöR, 73479 Ellwangen

IBAN: DE66 6145 0050 0110 6170 15

BIC: OASPDE6AXXX

Verwendungszweck: MaZ Margareta Berges (628) Alenga, Uganda

So meine Lieben, das war es auch schon wieder von mir. Ich bin auf der einen Seite seeehr traurig, dass mir nun nur noch 4 Wochen in Uganda bleiben. Auf der anderen Seite wächst natürlich auch mit der Zeit ein bisschen die Vorfreude auf zu Hause und darauf alle wieder zu treffen… Jedenfalls werde ich die letzten Wochen hier noch einmal genießen, da die Schule ja wieder angefangen hat, arbeite ich bis zum Ende noch einmal besonders intensiv, was mich aber sehr freut, da die Arbeit als Lehrerin mir während des Jahres große Freude bereitet hat. Außerdem stehen noch ein paar Feste an: Momentan bereiten wir gerade die Examensfeier für die Jahrgänge aus 2016 und 2017 vor, die im Juli stattfinden wird. Dort werden wir dann auch unser Theaterstück mit den Mädchen vorführen.

Bis ganz bald, ich freue mich von euch zu hören,

eure Greta

Auf den Spuren der spannenden politischen Lage Ugandas

Hallo ihr Lieben,

heute melde ich mich nach einiger Zeit endlich mal wieder mit einem Bericht über die letzten Wochen. Wie ihr ja schon aus dem letzten Bericht wisst, haben wir die Schulferien genutzt und sind Anfang Mai in den Norden Ugandas aufgebrochen. Schööön wars.. und viel haben wir erlebt:

Besuch in Gulu

Am Montag Mittag kamen wir in Gulu an, wo wir von Sister Katherine, eine junge Schwester der Little Sisters of Mary Immaculate Gulu, sehr herzlich empfangen wurden. Mit Nonnen dieses Ordens sind wir gut vertraut, weil diesem auch unsere drei Schwestern in Alenga angehören und wir in Kampala stets bei ihnen unterkommen dürfen.

Sister Katherine zeigte uns die verschiedenen Klöster des Ordens und wir wurden überall liebevoll begrüßt. Die Häuser sind sehr schön gestaltet und im Innenhof werden stets Blumen angepflanzt, die die Schwestern versorgen. Als wir die Äbtissin trafen, hatten wir eine sehr lustige Begegnung. Wir sind hier in Uganda nämlich schon ein bisschen berühmt .. J. So betraten wir gemeinsam mit Sister Katherine den Raum und wollten uns gerade vorstellen, als sie uns verdutzt anschaute und fragte: „Seid ihr nicht die Mädchen aus dem Leadership Magazine?“. „Ja, die sind wir.“, antworteten wir ihr und mussten lachen, zum einen, weil wir den Artikel zu dem Zeitpunkt selbst noch nicht gelesen hatten und zum anderen, weil uns jetzt wildfremde Personen aus der Zeitung kennen.

Die Auswirkungen LRA auf ein Krankenhaus in Gulu

Es war sehr beeindruckend zu sehen was die Schwestern alles aufbauen und leisten und wie warmherzig sie sich um alte und kranke Mitschwestern kümmern. Dieses Kloster liegt direkt in der Nähe des berühmten Krankenhauses St. Mary Hospital Lacor, das während der Terrorherrschaft Idi Amins 1959 von italienischen Missionaren aufgebaut wurde. Zu dieser Zeit gab es allerdings nur 30 Betten und die nötigste Grundversorgung. In den folgenden Jahren übernahm das Ehepaar Piero und Lucille Corti (ein italienischer Pädiater und eine kanadische Chirugin) die Leitung.
In den späten 1980er und 1990er Jahren war der Norden Ugandas geprägt vom Bürgerkrieg der LRA (Lord’s Resistance Army) und deren Anführer Joseph Kony. Dabei wurde auch das Krankenhaus immer wieder Opfer der furchtbaren Anschläge und Entführungen von Mitarbeitern. Noch heute spürt man in ganz Gulu die Auswirkungen der Rebellen und ihrer Anschläge. Joseph Kony hat zahlreiche Kinder entführt und sie zu Soldaten ausgebildet, sodass 66.000 Kindersoldaten für ihm kämpfen mussten. Aus dem Norden Ugandas sind in dieser Zeit 2 Millionen Menschen in den Süden geflohen. Seit 2006 hat sich die LRA aus Uganda zurückgezogen.
Im Jahr 2000 wurde das Krankenhaus auch Opfer der großen Ebola-Epidemie, sodass 224 Menschen starben. Darunter waren auch 13 der 100 freiwillig in Lacor gebliebenen Mitarbeiter unter ihnen auch der ugandische Leiter Dr. Lukwiya.
Auch wir hatten während unserer Tage in Gulu die Möglichkeit das Krankenhaus zu besichtigen. Heute gibt es über 400 Betten, 600 Mitarbeiter und weit mehr als 300.000 Patienten pro Jahr. Die Patienten warten in riesigen Schlangen vor den Behandlungszimmern. Oft kommen sie schon früh morgens, um überhaupt eine Chance auf die Behandlung zu haben. Viele müssen abends wieder nach Hause gehen ohne einen Arzt gesehen zu haben. Dann kommen sie am folgenden Tag wieder und die Warterei geht von vorn los.
Das Gelände ist riesengroß und es gibt viele Spezialabteilungen für beispielsweise Tuberkulose-, HIV/AIDS Patienten und Schwangere. Außerdem werden KrankenpflegerInnen, Laborfachkräfte und MedizinstudentInnen ausgebildet. Der besonders gute Ruf des Krankenhauses – es galt lange als eines der Besten in Ostafrika- bringt ihm stets noch viele Patienten ein, auch wenn die Versorgungslage mittlerweile schlechter geworden ist und die Möglichkeiten durch das ugandische Gesundheitssystem begrenzt sind.
Für Francesca und mich war es besonders spannend dieses Krankenhaus zu sehen, tiefere Einblicke in die Gesundheitsversorgung Ugandas zu bekommen und hat meinen Wunsch Ärztin zu werden auch nochmal verstärkt. (Fotos gibt es leider nicht, es war nicht erlaubt zu fotografieren.)Außer der Besichtigung des Krankenhauses unternahmen wir natürlich auch noch andere Dinge in Gulu. Gemeinsam mit Sister Katherine waren wir auf dem riesigen Markt der Stadt wo es von Fisch über Früchten zu Trommeln und anderen ugandischen Musikinstrumenten wirklich alles gibt. Außerdem erkundeten wir die Stadt ein bisschen auf eigene Faust und da Gulu wirklich übersichtlich aufgebaut ist, fanden wir uns auch ganz schnell gut zurecht.

Mary – Queen of Peace P/S

Dank unserer Freundin, Schwester Mary, die wir schon seit September aus Kampala kennen, hatten wir noch die Möglichkeit eine Grundschule etwas außerhalb von Gulu zu besuchen. So fuhren wir mit dem Boda über 45 Minuten aus Gulu hinaus und mitten hinein in die umliegenden Dörfer und ins Grüne. Bei der Grundschule angekommen, nahm Schwester Angelina uns sehr herzlich in Empfang und zeigte uns das tolle Gelände der immer größer werdenden Schule. Beim Anblick der schön gestalteten Klassenräume, des luxuriösen Lehrerzimmers (sogar mit Sofa und Fernseher!!!) und dem Ausblick auf die grüne Natur ringsrum wurde ich fast ein bisschen wehmütig und neidisch. Zum einen, weil meine Schule zu Hause nie so wunderbar in der Natur lag und zum anderen, weil die Möglichkeiten in Alenga deutlich begrenzter sind.
Sister Angelina, die bereits 75 Jahre alt ist, ist eine sehr engagierte Schulleiterin, die sich stets für das Wohl ihrer Schüler einsetzt. So waren, obwohl es ja Ferienzeit war, immer noch knapp 20 Schüler und Schülerinnen vor Ort, die keine Möglichkeit hatten nach Hause zu kommen (beispielsweise Waisen) oder die lernschwach sind und so noch zusätzliche Unterstützung bekommen.
Die Schule wurde gemeinsam mit dem angehängten Health Centre nach dem Ende der Rebellenzeit mit Hilfe amerikanischer Sponsoren gegründet und trägt deshalb den hoffnungsvollen Namen Maria- Mutter des Friedens.

Zu Besuch bei Bruder Konrad in Layibi

Als Comboni- Freiwillige sind wir auch in ganz Uganda (und fast überall auf der Welt) immer gleich mit neuen Missionaren verknüpft, die sich für uns verantwortlich fühlen und gerne bei sich auf nehmen. Das ist ein total großes Geschenk und wurde uns bei dieser Reise nochmal so richtig bewusst.
So kam es, dass wir während unserer Tage in Gulu den deutschen Comboni Missionar Bruder Konrad in seiner Arbeitsstelle besuchen durften. Bruder Konrad leitet in Gulu eine riesige Berufsschule, in der alle möglichen Berufe ausgebildet werden: Vom Tischler zum KfZ- Mechaniker, vom Frisör zum Koch, vom Elektriker zum Schneider. Diese Berufsschule bietet vielen jungen Menschen eine Perspektive und vor allem nicht nur eine Ausbildung, sondern danach auch eine sichere Arbeitsstelle, da die Berufsschule angehängte Betriebe hat und so alle Schüler übernehmen kann. Besondere Unterstützung gibt es hier auch für geistig und körperlich Behinderte sowie für die aus der Zeit der LRA übrig gebliebenen Kindersoldaten, die schwer traumatisiert sind. Bruder Konrad berichtete, dass es sehr problematisch sei, die ehemaligen Kindersoldaten in die Schulalltag einzugliedern und, dass es an psychologischer Betreuung mangle. Die Schule wurde weitesgehend mit Hilfe von Spenden aus Italien und Deutschland aufgebaut, gerade die zahlreichen Maschinen wurden importiert, aber mittlerweile finanziert sie sich durch Schulgebühren und Aufträge fast ausschließlich selbst.
Danach lernten wir noch die Mitbrüder von Konrad kennen und trafen Bruder Hans- Dieter Ritterbecks, den wir im Laufe der Vorbereitung in Ellwangen kennengelernt hatten, per Zufall ebenfalls an. So verbrachten wir noch eine schöne Zeit mit den Missionaren in Layibi und sahen bei dieser Gelegenheit auch das Hauptversammlungshaus der Combonis in Uganda, was wunderschön angelegt und gepflegt hinter der Berufsschule steht.
Im Anschluss fuhren wir auf Rat von Bruder Konrad noch zu den Comboni Samaritans of Gulu. Dies ist eine Berufsstätte für behinderte Menschen, HIV/AIDS Erkrankte und benachteiligte Erwachsene. Dort wird jede Menge kunstvolle Handarbeit hergestellt. Einen Großteil davon machen Textilien aus, es wird gestrickt, genäht, gefärbt, gewebt und bedruckt. Außerdem werden alte Werbeplakate zu Schmuck verarbeitet und aus Bananenblättern werden Taschen und Postkarten hergestellt. Das haben wir gleich mal ausgenutzt, um den angehängten Shop leer zu räumen. Leider konnten wir nicht mit der zuständigen Comboni Schwester sprechen, aber wir erkundeten das Gelände auf eigene Faust und trafen einen Lagermitarbeiter, der uns erklärte, dass die Arbeiter und Arbeiterinnen hier ein festes Gehalt bekämen und Sozialarbeiter diese aus den umliegenden Gemeinden holten, um ihnen eine Perspektive statt Arbeitslosigkeit zu bieten.
Dieser Tag in Gulu war voller Eindrücke und Erlebnisse, die mir wieder einmal vor Augen führten, welch großartige Arbeit die Combonis hier in Uganda leisten und wieviel Hoffnung und Möglichkeiten sie mit sich bringen.

So kam auch das Ende unserer Tage in Gulu und schweren Herzens verabschiedeten wir uns von Sister Katherine bevor wir in den Bus nach Moyo stiegen.

Moyo- Palorinya- Die Grenze zum Südsudan

Nach einer mal wieder ziemlich anstrengenden Busfahrt (ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, wie das ohne Panne klappen konnte) kamen wir in Moyo an, wo wir von Bruder Fafa in Empfang genommen wurden. Fafa ist ein Comboni Missionar, der ebenso wie unser Mentor Stan aus Togo stammt. Bruder Fafa, Bruder Erich Fischschnaller (aus Schwaben) sowie Father Jesus (Mexiko) und Father Martin (Spanien) sind im Februar 2017 aus ihrer Gemeinde im Südsudan geflohen, nachdem die politische Situation für sie selbst zu gefährlich wurde. Der Sudan ist schon lange Zeit ein Krisengebiet und viele Menschen haben sich nach der Unabhängigkeit des Südsudans 2011 eine Besserung versprochen. Doch seit 2013 bekämpfen sich die Regierungspartei und die Opposition aufgrund der Machtverteilung und Besitztümer der Ölvorkommen und obwohl 2015 ein Friedensvertrag unterschrieben wurde, herrscht ein Bürgerkrieg unermesslichen Ausmaßes. Da im Südsudan seit Februar 2017 eine Dürre vorherrscht, ist außerdem über die Hälfte der Bevölkerung von einer großen Hungersnot bedroht und auf zugeteilte Nahrung angewiesen, mehr als eine Millionen Jungen und Mädchen sind akut unterernährt. Aus dem Südsudan sind bereits 2,5 Millionen Menschen in die Nachbarländer geflohen sowie weitere 2 Millionen, die im Land selbst fliehen mussten. Somit ist ein Drittel der Bevölkerung entwurzelt. Uganda hat davon 1,4 Millionen Flüchtlinge aufgenommen. Im Südsudan treffen also Krieg und Hungersnot zusammen und treiben die Menschen in die Flucht.
Gemeinsam mit den Menschen ihrer Gemeinde und den Katechisten haben Bruder Fafa und Bruder Erich eine traumatisierende Flucht erleben müssen. Nach und nach haben sie ihr Hab und Gut aus dem Haus im Südsudan nach Moyo gebracht, die Fahrt über die Grenze ist stets gefährlich, Fafa kündigt sich vorher bei den Grenzsoldaten an und klärt alles gut ab. Zum Glück haben die Brüder wichtige Kontakte vor Ort, die ihnen dabei helfen alles über die Grenze zu transportieren. Ihr Haus wurde geplündert, die Soldaten und Rebellen klauen und zerstören alles. Jetzt bauen sie sich in Palorinya, nahe des Flüchtlingscamps, ein neues Leben auf. Natürlich hoffen alle bald in den Südsudan zurückkehren zu können, aber das wird nach Einschätzung Fafas wohl noch mehr als fünf Jahre dauern. Deshalb bauen sie gerade eine Unterkunft für die Comboni- Missionare. Dazu gehört auch ein großes Landwirtschaftsprojekt, mit Kühen, Schweinen, Ziegen, Hasen, Hühnern und Feldern. An diesem Projekt arbeiten viele gut ausgebildete Südsudanesen mit, die Fafa mit dieser Arbeit unterstützt, damit sie ihre Traumata überwinden können. Bruder Fafa erklärte uns, dass es im Camp an psychologischer Hilfe mangelt und deshalb eine sinnvolle Aufgabe und tägliche Beschäftigung die beste Chance sei, um das Erlebte zu verarbeiten. Fafa kümmerte sich sehr liebevoll um seine zwei Gäste und zeigte uns voller Energie sein Projekt. Er selbst hat das Haus mitkonstruiert und beaufsichtigt täglich den Bau.

Außerdem durften wir die ebenfalls geflohenen Comboni Schwestern kennenlernen. Diese engagieren sich stark und setzen sich vor allem für die geflüchteten Frauen ein, indem sie diesen Mikrokredite bereitstellen, um ein eigenes Geschäft wie zum Beispiel einen Lebensmittelladen, einen Frisörsalon oder ähnliches aufzubauen. All diese Initiativen werden geleistet, obwohl die Flüchtlinge keine Arbeitserlaubnis haben. Es ist allerdings der einzige Weg, sich eine eigene Existenz aufzubauen und kleines Geld zu verdienen. Außerdem finanzieren sie mit Hilfe ausländischer Sponsoren für viele der Mädchen eine gute Schulausbildung.
Generell sind die Möglichkeiten für die Kinder zur Schule zu gehen gut, jedes Kind kann eine Schule besuchen. Allerdings sind die Schulen so überfüllt und es gibt Platz- und Lehrermangel, sodass die eine Hälfte der SchülerInnen am Vormittag unterricht wird und die andere Hälfte erst am Nachmittag kommt und bis zum Abend Unterricht hat.
Bruder Fafa zeigte uns mit dem Auto das riesige Flüchtlingscamp Palorinya und am Sonntag feierten wir gemeinsam mit Father Martin eine schöne Messe in einer improvisierten Kirche aus Holzstöcken und zerrissenen Planen. Die Kirche war sehr gut besucht, es gab einen Chor und die Katechisten begleiteten den Gesang mit der Trommel. Eigentlich war die Messe auf Englisch. Allerdings wurden die Gebete auf Arabisch gesprochen und die Predigt hielt Father Martin dann auf Englisch. Drei Gemeindemitglieder übersetzten seine Worte dann auf Sudanesisch-Arabisch, Dschuba-Arabisch und Madi (Sprache in der Grenzregion Uganda-Südsudan). Das machte es zwar auf der einen Seite etwas schwer der Predigt zu folgen, war aber auf der anderen Seite ein ganz außergewöhnliches Erlebnis. So werden die Hoffnung bringenden Worte des Priesters an alle weitergegeben.
Die Fahrt durch das Camp beeindruckte mich nachhaltig. Jedem Flüchtling, der in der Erstaufnahmestation ankommt, wird mit seiner Familie ein Stück Land zuteil, dass er bebauen darf. Dazu werden ihm die nötigen Materialien für ein Haus sowie einige Samen beispielsweise für den Maisanbau zugeteilt. Inzwischen hat Palorinya ein richtiges Stadtzentrum entwickelt, in dem es allerlei Läden, eine KfZ-Werkstatt und Krankenhäuser gibt. Das Camp ist also wie eine eigene Stadt etwas außerhalb von Moyo und ist so groß, dass über 200.000 Menschen darin Platz finden.
Die Ugander haben also große Teile ihres Landes abgegeben, damit sich die Südsudanesen ein neues Leben hier aufbauen können. Außerdem hat Fafa uns berichtet, dass die Ugander die Südsudanesen sehr gut aufgenommen haben und er weder mit Auseinandersetzungen im Camp noch mit Auseinandersetzungen zwischen Ugandern und Südsudanesen Probleme hat. Rund 76,8% der Flüchtlinge sind Christen, was das friedliche Zusammenleben im Camp begünstigt. Und alle vereint die starke Hoffnung, dass sie bald wieder in ihre Heimat zurückkehren können.
Erschreckend waren die langen Schlangen an den Wasserpumpen. Über 200 der großen Kanister standen dort und warteten darauf gefüllt zu werden. Den Menschen mangelt es also an Wasser, vor allem weil es in der Zeit wenig geregnet hatte. Wenn der Regen kommt, bringt er allerdings auch große Probleme für die Menschen mit, deren Häuser noch nicht befestigt sind, da sie unterspült und weggeschwemmt werden.
Bruder Fafa würde sich sehr über finanzielle Unterstützung freuen, die unter anderem der Wasserversorgung im Camp zu gute kommt! Wenn ihr etwas spezielles unterstützen möchtet, könnt ihr das natürlich auch auf Englisch im Verwendungszweck angeben. Der Bankaccount ist:

Bank: Stanbic Bank

Account name: Comboni Missionaries Moyo

Account number: 9030014148298

SWIFT Adresse: SBICUGKX

 Wir verbrachten sehr schöne, lehrreiche und beeindruckende Tage bei Bruder Fafa in Moyo, die uns für immer im Gedächtnis bleiben werden.

Mein 19. Geburtstag in Alenga

Am 14. Mai war es dann soweit: ich bin 19 Jahre alt geworden. Das hatten die Schwestern und Priester mit der Zeit auch irgendwie rausbekommen und so wurde es ein richtig schöner Tag. Gestartet haben Francesca und ich mit einem ausgiebigen Frühstück, Francesca hatte die Küche mit sehr viel Liebe dekoriert und wir genossen Toast, Spiegeleier und was es so gab. Während des Frühstücks kamen schon Babra, Sharon und Morine vorbei und sangen mir ein kleines Ständchen. Die drei Mädchen sind während der Ferien im Konvent untergekommen. Während Babra und Sharon Schülerinnen, der Näherinnenschule sind, die sich zu Hause nicht wohl fühlen und gebeten haben über die Ferien bei den Schwestern leben zu dürfen, ist Morine noch etwas jünger und geht auf die Apele P/S, über die wir auch schon berichtet haben. Sie wohnt schon seit zwei Jahren bei den Schwestern und nennt alle drei auch ganz frei Mama, was total niedlich ist. Jedenfalls sangen die Drei mir ein wunderbares Happy Birthday und überreichten frisch aus dem Garten gepflückte Blumen.
Danach kam dann der etwas unerfreuliche Teil des Tages: Wir mussten die ganzen Gästezimmer putzen. Fegen, wischen und nochmal wischen. Mit Musik war die Putzaktion dann doch nicht so schlecht und weil wir ja schließlich für unsere Eltern wischten, ließ es sich erst recht aushalten. Die Vorfreude stieg nämlich täglich sehr, auch wenn ich es gar nicht realisieren konnte, dass sie in wenigen Tagen in Uganda sein würden.
Am Abend gab es dann ein kleines Fest für mich gemeinsam mit den Schwestern und Priestern, Francesca, Sister Evaline und Sister Anne tanzten sogar für mich und es gab leckeren Kuchen! Glücklich und erschöpft nach der langen Putzaction fielen wir am Abend ins Bett.

Apwoyo kwano! Vielen Dank fürs Lesen und viel Spaß beim nächsten Artikel, in dem ich vom Besuch unserer Eltern berichten werde.

Eure Greta

Schlafsaal, HIV und ein Jubiläum

Hallo meine Lieben,

es ist einiges passiert seit wir im Februar mit dem ersten Schulsemester 2018 begonnen haben. Am 27. April sind die Mädchen nach Hause gefahren bzw. gegangen und wir haben uns für die kommenden drei Wochen voneinander verabschiedet. Die meisten haben sich sehr auf die Ferien und auf zu Hause gefreut, einige wenige jedoch haben keine Möglichkeit nach Hause zu fahren oder haben sich vor zu Hause aufgrund schwieriger Familiensituationen gefürchtet, sodass in den Ferien zwei Schülerinnen im Konvent der Schwestern bleiben und für sie Gartenarbeiten etc. verrichten. Im Gegenzug dürfen sie umsonst hier schlafen und essen und haben ein gut behütetes Umfeld.

Schlafsaal
Als Erstes möchte ich euch ein Update in Bezug auf den Bau des Schlafsaals geben, denn seit ihr das letzte Mal Fotos gesehen habt, ist es gut voran gekommen und das Dach ist drauf. Leider ging es in den letzten zwei Wochen langsamer voran, denn der Preis für den Zement ist in die Höhe geschossen und pro Sack waren es fast 4 Euro mehr als zu Beginn berechnet.
Das war wohl die Folge einiger Anschaffungen in den Zementfabriken, laut der Aussagen der Bauarbeiter gibt es neue Maschinen zum Zement mischen und insgesamt wird sich dadurch eine Senkung des Preises versprochen. Wie auch immer, in der zweiten Maiwoche werden die Bauarbeitet hoffentlich weiter machen und wir wieder neue Fortschritte erkennen können.
Nach wie vor sammeln wir weitere Spenden für die Innenausstattung des Schlafsaals, denn wir möchten den Schülerinnen gerne Stockbetten und Moskitonetze sowie Kleiderhaken und ähnliches zur Verfügung stellen. Also wenn ihr wen kennt, der noch wen kennt, der sich gerne hier in Alenga für junge Mädchen engagieren möchte, meldet euch doch gerne! Euch allen, meinen fleißigen Leserinnen und Lesern, möchte ich jetzt auch für euer Interesse, euer Engagement und eure Unterstützung danken! Ich habe nicht erwartet, dass ich von so vielen Menschen aus der Heimat Rückmeldung und Hilfe bekomme und es ist ein schönes Gefühl zu wissen, dass ihr an mich denkt.

Die folgenden Fotos sprechen für sich sich:

HIV, AIDS und der weiblichen Zyklus
Außerdem habe ich euch im letzten Blogeintrag ja von unseren Extrastunden mit den Schülerinnen erzählt, in denen wir zunächst Geographie und ein bisschen Geschichte behandelt haben. Nun sind wir dazu übergegangen über HIV und AIDS zu sprechen. Im Vorfeld waren wir uns unsicher inwiefern wir über Kondome als Schutz vor Geschlechtskrankheiten sprechen dürfen, da die Schule in katholischer Trägerschaft ist und es im örtlichen Health Centre, das ebenfalls in katholischer Trägerschaft ist, auch keine Kondome gibt. Die dafür von USAID angebrachten Kästen sind stets leer. Generell erfahre ich hier im Austausch mit den Schwestern und einigen der Priestern einen konservativen Katholizismus. Doch man kann so etwas nicht generalisieren und unser Mentor Fr. Stan, der Gemeindepriester Alengas, war begeistert von unserer Idee mit den Mädchen über HIV und AIDS zu sprechen und gab uns den Segen dafür, Kondome als Schutz zu besprechen. Am Ende des Gesprächs lachte er und sagte: „Glaubt nicht, dass nur ihr den Mädchen etwas beibringen werdet. Sie werden euch mit den lokalen Sichtweisen sicherlich auch belehren.“.

Stan sollte Recht behalten. Nachdem wir mit der wohl einfachsten Frage, wofür die beiden Abkürzungen HIV und AIDS denn eigentlich stehen – na, weiß das jeder von euch? – begonnen hatten, erklärten wir die möglichen Übertragungswege und die dafür jeweils verantwortlichen hochinfektiösen Körperflüssigkeiten. Während die große Mehrheit genau wusste, wofür die Abkürzungen stehen, brach bei den Erklärungen zum ersten Mal großes Gelächter aus. Wir machten weiter mit dem Vorkommen von HIV in Uganda, hier sind ca. 1,5 Millionen Menschen infiziert, wobei mit einer großen Dunkelziffer zu rechnen ist. Davon sind 150.000 unter 14 Jahre alt. Der Präsident Ugandas, Yoweri Museveni, hat sich vor einiger Zeit erfolgreich dafür eingesetzt, die Infektionsrate von HIV zu verringern. Mittlerweile jedoch ist die Rate wieder angestiegen und trotz kostenloser Tests, Behandlung und Medikamente kennen viele ihren HIV-Status nicht (ähnlich wie in Deutschland, wo die HIV-Rate übrigens auch steigt statt sinkt…).

Weiter haben Greta und ich dann versucht Ratschläge zu geben wie man sich am besten vor HIV schützen kann und bestmögliche Verhaltensweisen, wenn man positiv getestet wurde. Ausschlaggebend war für uns, den Mädchen zu vermitteln, dass sie ihren Freund zunächst nach seinem HIV-Status befragen und auch den Eigenen testen ohne sich zu schämen oder Angst zu haben. Außerdem versuchten wir klar zu machen wie wichtig Kondome in Bezug auf jegliche Geschlechtskrankheiten sind und, dass sie den Männern nicht glauben sollten, wenn diese behaupten negativ zu sein, die Übertragung von HI-Viren durch ihr jeweiliges Verhalten zu vermeiden oder Kondome generell ablehnen.

Im Anschluss ließen wir Zeit für Fragen, denn schon während unserer Erläuterungen merkten wir, dass die Mädchen z.T. deutlich andere Vorstellungen und vor allem allerlei Fragen an uns hatten. Das war der Moment, der mich schockierte und mir vor Augen führte welch ein Glück ich habe, dass ich so gut aufgeklärt wurde, mit meinen Eltern und Lehrern offen über diese Themen sprechen konnte und das Internet als Antwort auf Fragen jeder Art nutzen kann. Die Mädchen erzählten mir, dass sie es erkennen würden, wenn jemand an AIDS erkrankt sei, denn die Farbe der Lippen würde sich verändern und dieses Erkennen genüge als Schutz. Weiter ging es damit, dass der Bruder eines Mädchens ihr erzählt habe, dass man bis zum 18. Lebensjahr das erste Mal gehabt haben müsse, ansonsten würde die Vagina der Frau zu klein werden und man könne niemals mit einem Mann schlafen. Ich wurde außerdem gefragt, ob es stimmen würde, dass Männer sterben würden, wenn man ihnen nicht, wann immer sie es wünschen, sexuelle Befriedigung gibt. Ich versuchte nach bestem Wissen souverän auf diese Fragen zu antworten. Davon abgesehen wurde ich auch viel über den weiblichen Zyklus gefragt, warum nur Frauen ihre Blutungen bekommen, warum das Ganze manchmal mit Schmerzen verbunden ist und so weiter. Demnach kamen wir auf die Idee, in der nächsten Stunde über das weibliche Geschlechtsorgan, den Zyklus und unterschiedliche Verhütungsmethoden bzw. Familienplanung zu sprechen. Anhand des Plakates könnt ihr sehen, dass wir den Verlauf des Zyklus erklärt haben, einmal im „Normallfall“ (unbefruchtet) und einmal mit befruchteter Eizelle. Außerdem zeigten wir anhand einiger Bilder die prenatale Entwicklung von der Zelle zum Baby. Gerade beim Ultraschallbild staunten sie sehr und erkannten den Fötus nicht. Im Anschluss führten wir die Benutzung eines Kondoms an einer Karotte vor, was zur allgemeinen Erheiterung führte, aber auch sichtbar das Interesse weckte. Abgesehen vom Kondom stellten wir auch weitere Verhütungsmethoden wie z.B. die Anti-Baby-Pille, die Drei-Monats-Spritze und die Spirale vor, die alle vor Ort in den staattlichen Krankenstationen erhältlich und größtenteils umsonst sind. Der Staat stellt diese Dinge unter dem Oberbegriff „Family Planning“ frei zur Verfügung, um die Fertilitätsrate von 5,6 (bei uns in der ruralen Gegend liegt sie eher bei 7) zu senken, da die Bevölkerung zu schnell wächst. Vergleicht man den Altersdurchschnitt zwischen Uganda und Deutschland, stellt man schnell fest, dass die Ugander eine besonders junge Bevölkerung sind, eine Studie im Jahr 2005 hat Uganda als jüngstes Land hervorgehoben. In Deutschland liegt der Altersdurchschnitt bei 42,1 Jahren, während er in Uganda bei 14,8 Jahren liegt. Die Hälfte aller Ugander ist 16 Jahre oder jünger, während die Hälfte der Deutschen jünger als 47 Jahre ist.
Im Anschluss stellten die Mädchen uns wieder interessante Fragen, beispielsweise ob man als Frau sterben würde, wenn das Kondom in der Vagina stecken bleiben würde oder wie oft man ein Kondom benutzen könne. Als wir diese Frage in die Klasse zurück gaben, erhielten wir als Antwort „10 Mal!!“, was wir natürlich schnell richtig stellten.

Nach den Ferien werden wir mit diesen Themen weitermachen, wer noch Ideen und Anregungen hat, darf sich jederzeit gerne melden!

Golden Jubilee – 50 Jahre Diözese Lira
Das Jahr 2018 ist das goldene Jubiläum unserer Diözese Lira, hier in Nordwest Uganda. Dafür reist der Bischof von Gemeinde zu Gemeinde um diesen Anlass ausgiebig zu feiern. Wir merkten hier schon Wochen zuvor die Aufregung über das anstehende Ereignis. So begannen wir vier Wochen vor dem 15. April schon mit den Chorproben. Dabei waren wir viele Sängerinnen und Sänger aus der ganzen Gemeinde und hatten sogar einen richtigen Chorleiter. Dieser war sehr ambitioniert und bemüht, dass der Chor einen exzellenten Auftritt abliefern wird, was ihm nicht nur Sympathiepunkte unter uns Mitgliedern einbrachte. Aber das viele Üben (bis zu sieben Stunden am Tag), die zahlreichen Vorbereitungen und Meetings haben sich gelohnt. Der Bischof wurde herzlich in Empfang genommen, das Gelände war wunderbar geschmückt, alle hatten sich fein rausgeputzt und sogar wichtige Politiker waren in unser kleines Dorf gekommen, um an der Spendensammlung teilzunehmen. Während der Messe wurde der Bischof mit Geschenken überhäuft, er bekam sechs Wassermelonen, hunderte Avocados und Bananen sowie Ziegen, Hühner und allerlei anderes. Die Christen Alengas haben mit Jubel, Tanz und Großzügigkeit ihre Dankbarkeit gegenüber dem italienischen Bischof Franzelli ausgedrückt. Dabei kam sogar der hochrespektierte König der Langi und hielt eine längere Rede über die Wahrung der Kultur. Um das Programm bunt zu gestalten, haben Artisten, die Frauengilde, unsere Schülerinnen und die Jugend der Charismatischen Christen jeweils etwas aufgeführt, gesungen und getanzt.  Im Anschluss gab es, wie bei jedem Fest hier, ein riesiges Festmahl, das leider nicht für die zahlreichen Besucher gereicht hat, so dass am Ende einige Kinder leer ausgingen. Dann halfen wir ganz schnell wieder beim Abbau der Festzelte und einige Stunden nach Ende des Festes, sah es auch schon wieder aus wie immer.

Fingerabdrücke in Alenga hinterlassen
Vergangene Woche haben Greta und ich unsere kreative Ader ausgelassen. Dabei gestalteten wir ein Freiwilligenbord, auf dem wir uns mit unseren Fingerabdrücke verewigt haben. Die Bedeutung ist sehr symbolisch zu betrachten: Die Pusteblumen stehen für uns Freiwillige (Greta und ich sind bereits Nummer 5 und 6 der Freiwilligen in Alenga), die hier jeweils eine neue Heimat gefunden haben, sich selbst verwirklichen können und ihre Samenschirme in die Welt tragen möchten, welche wiederum Blüten tragen werden. Die Samen sind unsere Fingerabdrücke, da jeder seine individuellen Spuren hinterlässt. Nun fehlen nur noch  unsere Fotos, dann ist das Freiwilligenbrett komplett.

Ihr Lieben, das war es auch schon wieder von mir. Morgen brechen wir in den Norden Ugandas auf. Dabei werden wir nach Gulu und Moyo reisen, einige Schwestern besuchen und gemeinsam mit zwei Comboni Brüdern das größte Flüchtlingscamp der Welt in Moyo besuchen. Wir freuen uns auf diese Erfahrungen sehr und werden anschließend berichten.

Herzliche Grüße

Eure Francesca

Den eigenen Horizont erweitern (Teil 1)

Liebe Leserinnen und Leser,

mit der Zeit bin ich das wirklich: Eingetaucht, Abgetaucht in die Kultur der Langi hier in Alenga. Dennoch wird man eigentlich täglich mit kulturellen Unterschieden konfrontiert, wir haben unseren voll gepackten kulturellen Rucksack eben stets dabei und tragen ihn manchmal gern, manchmal ungern mit uns herum. Heute möchte ich euch gerne einen kurzen Einblick in die Kultur dieser kleinen Volksgruppe (6% der Ugander gehören zu den Langi) geben. Leider verstehe ich auch nach einiger Zeit hier noch immer nicht alles, dafür ist die sprachliche Barriere zu groß. Dennoch ist mir an vielen Stellen etwas aufgefallen, an das ich mich nun schon gewöhnt habe. Einige Verhaltensweisen habe ich sogar angenommen. Also gut, ich möchte starten mit einem Einblick in das allseits bekannte und in den Augen mancher platt diskutierte Thema Zeit:

Das Zeitverständnis – Morgenmuffel, nein danke!
Samstag Morgen, gegen halb 10 ein gemütliches Familienfrühstück, die Kinder noch im Schlafanzug, die Eltern in ihre Zeitung vertieft und alle sind glücklich darüber, dass sie heute mal wieder so richtig ausschlafen konnten… Nein, das würde wohl allen hier in Alenga sehr komisch und skuril vorkommen.
Hier läuft es eher so: Samstags wird um 6 Uhr aufgestanden und nach einer kurzen Katzenwäsche und eventuell einer Kleinigkeit zu Essen macht sich die ganze Familie auf, um im Garten zu arbeiten. Dann wird gesäht, gegraben, umgegraben, geerntet, bewässert und körperlich richtig hart gearbeitet. Wenn es mittags richtig heiß wird, kehren sie heim und essen zu Mittag, ruhen sich aus oder erledigen kleinere Arbeiten im Haus, waschen und putzen. Nachmittags geht es nochmal in den Garten oder vielleicht auf den Markt im nahe gelegenen Ort Ibuje entweder zum Verkaufen oder zum Einkaufen von selbstangebauter Ware.
Richtig ausschlafen und sich erholen, das ist wenn man bis 7 Uhr geschlafen hat und danach nicht in den Garten musste, sondern direkt damit beginnen konnte z.B. Erdnüsse zu schälen und zu rösten.
Mein Körper hat sich seit ich in Alenga lebe zwar umgestellt, ich wache eigentlich täglich mit der Sonne auf, aber dann kann ich mich auch gut nochmal kurz umdrehen und weiter dösen. Eine Anpassung an das Frühaufstehen kommt fast automatisch, da wir mit Schwestern zusammenleben, die jeden Tag um halb 7 zum Morgengebet aufbrechen, und die Schülerinnen auch täglich um viertel vor 7 in die Messe gehen. Wenn man erst gegen 9 Uhr morgens das Haus verlässt, heißt es gleich: „You were lost! Why?“. Daran sieht man auch, dass es hier überhaupt nicht üblich ist Zeit im Haus zu verbringen. Während man in Deutschland viele Arbeiten auch im Haus verrichten kann und oft viel Zeit drinnen verbringt, nutzen die Langi ihr Haus hier auf dem Dorf weitestgehend zum Schlafen und ein anderes zum Kochen. Ansonsten werden alle Arbeiten draußen verrichtet.

Was ich zugeben muss: ich freue mich wieder auf ein gemütliches Frühstück am Samstagmorgen im Schlafanzug!!

Die Uhr in Ostafrika
Wenn ich 10 Uhr morgens sage, meine ich auch 10 Uhr morgens. Jaaa, schön wärs. Das klappt auf der einen Seite nicht, weil niemand pünktlich da sein würde und auf der anderen Seite nicht, weil die Uhr auf Swahili und auf Lango anders gelesen wird. 7 Uhr morgens ist auf Lango nämlich „cawa acel“ (die erste Stunde). Von dort an wird dann bis 12 gezählt und 7 Uhr abends ist dann wieder die erste Stunde. Leicht verwirrend, so etwas habe ich in Deutschland noch nie gehört. Aber wenn man sich auf Englisch unterhält, benutzen alle das britische a.m und p.m. und meinen dann auch 10 Uhr morgens, wenn sie 10 Uhr morgens sagen. Da wäre dann nur noch die Pünktlichkeit…
Wie wir in unserem Osterartikel schon beschrieben haben, passt das Sprichwort „Die Europäer haben Uhren, die Afrikaner haben die Zeit“ hier oft wirklich. Wenn eine Chorprobe auf 4 Uhr nachmittags angesetzt ist, sollte man frühestens zwei Stunden später mal schauen, ob die ersten schon eingetrudelt sind. Dann wird natürlich auch nicht mit den wenigen, die da sind, begonnen, sondern sich lieber noch unterhalten und Witze gemacht, bis dann irgendwann genug da sind, um zu beginnen oder aber es fällt aus, weil einfach nicht alle gekommen sind.
Natürlich ist das Thema der Pünktlichkeit in Afrika ein großes Klischee, aber für uns hat es sich hier häufig bestätigt. Unsere Arbeitsstellen sind perfekte Beispiele dafür, dass es zweierlei Einstellungen gibt: Während bei mir der offizielle Arbeitsbeginn 8 Uhr ist, aber alle erst gegen halb 10 gemütlich eintrudeln, beginnen Gretas Unterrichtsstunden um halb 9 und keine Minute später. Die Lehrer sind immer schon früh morgens in der Schule und achten sehr genau darauf, dass pünktlich begonnen wird. Mittlerweile haben sich auch alle Schülerinnen daran gewöhnt, dass sie pünktlich im Klassenraum sitzen müssen. Zu Beginn konnte Greta deutlich merken, dass ihnen das schwer fiel.

Hexerei – die Lösung für alles
Dieses Thema war wirklich völlig neu für uns. Die Langi neigen dazu jegliche Ereignisse, die ihnen komisch vorkommen, mit dem Satz „That was witchcraft!“ -> „Das war Hexerei“ abzutun.
So muss zum Beispiel bei der Heirat gut aufgepasst werden, dass man sich nicht mit einer Hexerfamilie verbündet. Als wir eine Freundin auf dieses Thema ansprachen, sagte sie uns, dass diese Familien dann alles Böse auf dich übertragen könnten. Wenn man ihn einem Konflikt mit ihnen stünde oder sie eine persönliche Abneigung gegen jemanden hätten, käme es nicht selten vor, dass sie diese Person vergiften oder verhexten, sodass diese am nächsten Tag schwerst krank oder gar tot sei.
Außerdem erzählte unsere Freundin Grace uns, dass sie in Kampala mithilfe von Hexerei ausgeraubt wurde. Jemand fragte sie auf der Straße, ob sie ihm Geld wechseln könne. Das tat sie. Einige Minuten später wollte sie an der Ladenkasse bezahlen und fand in ihrer Tasche statt Geld nur Zeitschriften. Ihre Erklärung: Die Frau hatte einen Hexentrank auf das getauschte Geld geschmiert und so das Geld aus ihrer Tasche gehext und die Zeitschriften hinein. Falls jetzt jemand denkt, dass ich scherze: Nein, das ist mein Ernst. Die Leute glauben fest an die Hexerei und es sind dann auch keine Vermutungen,  sondern es heißt stets „Ich weiß, dass diese Person mich verhexen wollte…“.
Einer meiner Kollegen hat mir auf diese Weise auch erklärt, wie es hier in Uganda zu psychischen Krankheiten komme: Es gäbe Dämonen, die nachts auf die Terrasse kommen, laut schreien und tanzen. Der Betroffene winde sich dann im Schlaf, versuche sich zu wehren, schaffe es aber nicht und dann übernehme der Dämon den Geist des Betroffenen. Außerdem kann es auch passieren, dass dich deine Nachbarn verhexen, weil sie z.B. neidisch auf dein Geld sind, und du dann dadurch verrückt wirst. Deshalb war sich mein Kollege auch sicher, dass es in Deutschland keine psychischen Krankheiten gäbe, weil es dort ja keine Dämonen geben könne.
Es ist für mich unfassbar wie sehr der Glauben an Hexerei verwurzelt ist und ständig als Erklärung verwendet wird.

 

Die Subsistenzwirtschaft und der Alkoholismus – Gehen sie Hand in Hand?
80% der Ugander sind in der Landwirtschaft tätig. Deren Anteil am Bruttoinlandsprodukt liegt bei rund 40 %. Die fruchtbaren vulkanischen Böden vielerorts sichern gute Ernten. Doch gerade momentan bleibt in Alenga trotz der Regenzeit der Regen aus und die Bauern müssen die Auswirkungen der Erderwärmung schmerzlich spüren. Freunde erzählten uns, dass sie bis vor zwei Jahren keinen Nieselregen gekannt hätten. Doch mittlerweile sind die Folgen der Erderwärmung so gravierend, dass viele schlechtere Ernten haben als zuvor.

Fast alle Bauern bauen nur für den eigenen Bedarf an (Subsistenzwirtschaft). Die Hauptanbaufrüchte sind Kochbananen (Matooke), Reis, Cassava und Bohnen.

Wichtigste Exportprodukte Ugandas sind Kaffee, Baumwolle, Tabak und Tee. Bekannt unter dem Namen „Victoriasee-Barsch“ ist an den europäischen Fischtheken außerdem der Tilapia.

Hier in der ruralen Gegend Alengas ist die Subsistenzwirtschaft nicht nur weit verbreitet, sondern Teil jedes Haushaltes. Wir kennen niemanden hier, der keinen eigenen Garten hat und dort Essen für sich und seine Familie anbaut. Da wird dann auch zwischen Familienmitglieder hin und her getauscht, Süßkartoffeln gegen Cassava etc.. Bei manchen bleibt im Garten etwas übrig. Dann verkaufen sie es auf dem Markt oder einfach in der Nachbarschaft. Daraus folgt, was ich ganz wunderbar finde, dass man bei fast allen Produkten weiß, wo sie herkommen, wer sie angebaut hat und, dass der Einkauf die lokale Produktion unterstützt. Dieses Bewusstsein wird mich bei meinen zukünftigen Lebensmitteleinkäufen in Deutschland begleiten. Wieso nicht den Apfel kaufen, der vielleicht zweite Klasse ist, aber aus dem Landkreis kommt, statt einen Apfel, der aus Brasilien eingeflogen wurde? So trägt man zur geringeren Umweltverschmutzung bei, unter der unsere Erde leiden muss.
Viele der Männer und Frauen hier sind also Bauern. Sie arbeiten täglich hart und was an Geld am Ende übrig bleibt, ist oft wenig. Da kommen dann Probleme auf, z.B. wie die Schulgebühren für die Kinder bezahlt werden können oder die Gebühren im Krankenhaus. Gerade in Bezug auf die medizinische Versorgung spürt man, dass die Menschen hier auf das Arbeiten im Feld angewiesen sind. Wenn es in der Nacht geregnet hat, weiß ich schon, dass wir heute nur wenige Patienten haben werden, da diese sich dann zunächst um ihren Garten kümmern müssen, bevor sie ins Krankenhaus kommen können. Auch Schwangere arbeiten oft bis kurz vor der Geburt sowie direkt nach der Geburt wieder und verpassen deshalb auch einige der Vorsorgetermine. Wenn ich die Hebamme Gloria frage, warum so viele Frauen eine Fehlgeburt oder Schmerzen im Bauch und Rücken haben, ist die Antwort meistens: weil sie zu viel arbeiten.
Wie man sieht, ist die Beschäftigung der Menschen hier sehr ähnlich. Manche haben natürlich einen größeren Garten und gleichzeitig noch einen anderen Job, so dass sie besser verdienen oder sich zumindest durch ein Nebenbusiness – wie beispielsweise unsere Freundin Anna, die durch das Brauen des Cassavaschnaps’ eine weitere Einnahmequelle hat – etwas dazu verdienen. Dennoch leben viele der Einwohner Alengas und der Dörfer der Umgebung an der Armutsgrenze. Das bringt nicht nur die oben genannten Probleme der fehlenden Schulgebühren für die Kinder, sondern noch zwei weitere: 1. Die Fortpflanzungsrate steigt, da es an anderen Freizeitbeschäftigungen fehlt (so hat Father Stan es uns erklärt). Abends wird es schon gegen sieben dunkel und dann haben die Leute kein Licht und natürlich auch keinen Fernseher oder ähnliches. 2. Der Alkoholkonsum der Männer steigt. Diese begeben sich oft abends ins Center (die „Stadtmitte“ Alengas mit kleinen Bars) und betrinken sich dort, bevor sie nachts völlig betrunken nach Hause kommen. Frauen sieht man dort eigentlich nie. Als verheiratete Frau gehört es sich nicht mehr auszugehen und auch vorher ist das in Alenga schwierig, da gerne Gerüchte verbreitet werden und man sehr auf seinen Ruf und den der Familie achten muss. Meine Kolleginnen können abends nie rausgehen und in der Öffentlichkeit ein Bier trinken oder im Center sitzen, da sie sonst in ihrem Job nicht mehr ernst genommen werden und einen schlechten Ruf bekommen. In kleineren Städten wie Apac aber, sei es durchaus üblich, dass unverheiratete Frauen abends auch in den Club oder eine Bar gingen, berichtete unsere Freundin Grace. Der hohe Alkoholkonsum der Langi-Männer wird häufig von den Schwestern oder anderen bemängelt. Hebamme Gloria z.B. kommt nicht aus dem Langi Gebiet und hat uns erzählt, dass sie niemals einen  Mann von hier heiraten würde aufgrund der Neigung zum zu viel trinken am Abend. Häufig hört man, wie die Leute in ihren Gesprächen bemängeln, dass dieser oder jener ein „drunko“ sei oder wie sie über die Kinder des „drunko“ reden. Nach meinem Gefühl, findet der Alkoholismus hier weniger versteckt statt, als ich es aus Deutschland von Alkoholikern kenne. Wenn man vormittags auf der Hauptstraße Richtung Ibuje läuft, kann es gut vorkommen, dass man einem völlig betrunkenen Mann mit Waragi (ugandischer Schnaps aus Cassava) in der Hand begegnet. Dieser Alkoholkonsum hat sicher noch weitere Ursprünge, abgesehen von der Frustration über die Armut und die Arbeitslosigkeit, aber dies scheint wohl oft ausschlaggebend. Abgesehen von der Arbeit auf dem Feld gibt es hier wenig Jobmöglichkeiten, man kann sein eigenes Geschäft als kleiner Lebensmittelhändlern oder als Schneiderin eröffnen, als  Krankenschwester in der lokalen Krankenstation arbeiten, aber dafür braucht man eben eine gute Schulausbildung, die mit Kosten verbunden ist und deshalb vielen hier fehlt. Uganda, das jüngste Land auf der Welt, mit 77%, die jünger als 30 Jahre sind, hat auch mit großer Landflucht zu kämpfen. Denn gut bezahlte Jobs, für die man eine bestimmte Ausbildung braucht, findet man nur in den Städten. Eine schockierende Zahl ist die Arbeitslosigkeitsrate der Jugend und jungen Erwachsenen: Sie liegt bei 83% für alle zwischen 15 und 25 Jahren.

Am Ende dieses Absatzes möchte ich Nelson Mandela zitieren, der einmal gesagt hat: „Education is the most powerful weapon to change this world.“.

Ihr Lieben, das war es auch schon wieder von mir. Ich freue mich über eure Kommentare zu dieser ersten Sammlung kultureller Eindrücke aus Alenga.  Ich kann euch schon jetzt versprechen, es wird bei Gelegenheit eine Fortsetzung geben.

Ganz liebe Grüße in die Heimat

Francesca

Eingetaucht in eine fremde Kultur

Liebe Leserinnen und Leser,

mit der Zeit bin ich das wirklich: Eingetaucht, Abgetaucht in die Kultur der Langi hier in Alenga. Dennoch wird man eigentlich täglich mit kulturellen Unterschieden konfrontiert, wir haben unseren voll gepackten kulturellen Rucksack eben stets dabei und tragen ihn manchmal gern, manchmal ungern mit uns herum. Heute möchte ich euch gerne einen kurzen Einblick in die Kultur dieser kleinen Volksgruppe (6% der Ugander gehören zu den Langi) geben. Leider verstehe ich auch nach einiger Zeit hier noch immer nicht alles, dafür ist die sprachliche Barriere zu groß. Dennoch ist mir an vielen Stellen etwas aufgefallen, an das ich mich nun schon gewöhnt habe, einige Verhaltensweisen sogar angenommen habe. Also gut, ich möchte starten mit einem Einblick in das allseits bekannte und in den Augen mancher platt diskutierte Thema Zeit:

Das Zeitverständnis

Morgenmuffel, nein danke!

Samstag Morgen, gegen halb 10 ein gemütliches Familienfrühstück, die Kinder noch im Schlafanzug, die Eltern in ihre Zeitung vertieft und alle sind glücklich darüber, dass sie heute mal wieder so richtig ausschlafen konnten… Nein, das würde wohl allen hier in Alenga sehr komisch und skuril vorkommen.

Hier läuft es eher so: Samstags wird um 6 Uhr aufgestanden und nach einer kurzen Katzenwäsche und eventuell einer Kleinigkeit zu Essen macht sich die ganze Familie auf, um im Garten zu arbeiten. Dann wird gesäht, gegraben, umgegraben, geerntet, bewässert und körperlich richtig hart gearbeitet. Wenn es mittags richtig heiß wird, kehren sie heim und essen zu Mittag, ruhen sich aus oder erledigen kleinere Arbeiten im Haus, waschen und putzen. Nachmittags geht es nochmal in den Garten oder vielleicht auf den Markt im nahe gelegenen Ort Ibuje entweder zum Verkaufen oder zum Einkaufen von selbstangebauter Ware.

Richtig ausschlafen und sich erholen, das ist wenn man bis 7 Uhr geschlafen hat und danach nicht in den Garten musste, sondern direkt damit beginnen konnte z.B. Erdnüsse zu schälen und zu rösten.

Mein Körper hat sich seit ich in Alenga lebe zwar umgestellt, ich wache eigentlich täglich mit der Sonne auf, aber dann kann ich mich auch gut nochmal kurz umdrehen und weiter dösen. Eine Anpassung an das Frühaufstehen kommt fast automatisch, da wir mit Schwestern zusammenleben, die jeden Tag um halb 7 zum Morgengebet aufbrechen, und die Schülerinnen auch täglich um viertel vor 7 in die Messe gehen. Wenn man erst gegen 9 Uhr morgens das Haus verlässt, heißt es gleich: „You were lost! Why?“. Daran sieht man auch, dass es hier überhaupt nicht üblich ist Zeit im Haus zu verbringen. Während man in Deutschland viele Arbeiten auch im Haus verrichten kann und oft viel Zeit drinnen verbringt, nutzen die Langi ihr Haus hier auf dem Dorf weitesgehend zum Schlafen und ein anderes zum Kochen. Ansonsten werden alle Arbeiten draußen verrichtet.
Was ich zugeben muss: ich freue mich wieder auf ein gemütliches Frühstück am Samstagmorgen im Schlafanzug!! J

Die Uhr in Ostafrika

Wenn ich 10 Uhr morgens sage, meine ich auch 10 Uhr morgens. Jaaa, schön wärs. Das klappt auf der einen Seite nicht, weil niemand pünktlich da sein würde und auf der anderen Seite nicht, weil die Uhr auf Swahili und auf Lango anders gelesen wird. 7 Uhr morgens ist auf Lango nämlich „cawa acel“ (die erste Stunde). Von dort an wird dann bis 12 gezählt und 7 Uhr abends ist dann wieder die erste Stunde. Leicht verwirrend, so etwas habe ich in Deutschland noch nie gehört. Aber wenn man sich auf Englisch unterhält, benutzen alle das britische a.m und p.m. und meinen dann auch 10 Uhr morgens, wenn sie 10 Uhr morgens sagen. Da wäre dann nur noch die Pünktlichkeit…
Wie wir in unserem Osterartikel schon beschrieben haben, passt das Sprichwort „Die Europäer haben Uhren, die Afrikaner haben die Zeit“ hier oft wirklich. Wenn eine Chorprobe auf 4 Uhr nachmittags angesetzt ist, sollte man frühestens zwei Stunden später mal schauen, ob die ersten schon eingetrudelt sind. Dann wird natürlich auch nicht mit den wenigen, die da sind, begonnen, sondern sich lieber noch unterhalten und Witze gemacht, bis dann irgendwann genug da sind, um zu beginnen oder aber es fällt aus, weil einfach nicht alle gekommen sind.
Natürlich ist das Thema der Pünktlichkeit in Afrika ein großes Klischee, aber für uns hat es sich hier häufig bestätigt. Unsere Arbeitsstellen sind perfekte Beispiele dafür, dass es zweierlei Einstellungen gibt: Während bei Francesca der offizielle Arbeitsbeginn 8 Uhr ist, aber alle erst gegen halb 10 gemütlich eintrudeln, beginnen meine Unterrichtsstunden um halb 9 und keine Minute später. Die Lehrer sind immer schon früh morgens in der Schule und achten sehr genau darauf, dass pünktlich begonnen wird. Mittlerweile haben sich auch alle Schülerinnen daran gewöhnt, dass sie pünktlich im Klassenraum sitzen müssen. Zu Beginn konnte ich deutlich merken, dass ihnen das schwer fiel.

Hexerei – die Lösung für alles

Dieses Thema war wirklich völlig neu für uns. Die Langi neigen dazu jegliche Ereignisse, die ihnen komisch vorkommen, mit dem Satz „That was witchcraft!“ abzutun.
So muss zum Beispiel bei der Heirat gut aufgepasst werden, damit man sich nicht mit einer Hexerfamilie verbündet. Als wir eine Freundin auf dieses Thema ansprachen, sagte sie uns, dass diese Familien dann alles Böse auf dich übertragen könnten. Wenn man ihn einem Konflikt mit ihnen stünde oder sie eine persönliche Abneigung gegen jemanden hätten, käme es nicht selten vor, dass sie diese Person vergiften oder verhexten, sodass diese am nächsten Tag schwerst krank oder gar tot sei.
Außerdem erzählte unsere Freundin Grace uns, dass sie in Kampala mithilfe von Hexerei ausgeraubt wurde. Jemand fragte sie auf der Straße, ob sie ihm Geld wechseln könne. Das tat sie. Einige Minuten später wollte sie an der Ladenkasse bezahlen und fand in ihrer Tasche statt Geld nur Zeitschriften. Ihre Erklärung: Die Frau hatte einen Hexentrunk auf das getauschte Geld geschmiert und so hat dieser das Geld aus ihrer Tasche gehext und die Zeitschriften hinein. Falls jetzt jemand denkt, dass ich scherze: Nein, das ist mein Ernst. Die Leute glauben fest an die Hexerei und es sind dann auch keine Vermutungen, die darüber angestellt werden, sondern es heißt stets „Ich weiß, dass diese Person mich verhexen wollte…“.
Einer der Kollegen Francescas hat ihr auf diese Weise auch erklärt, wie es hier in Uganda zu psychischen Krankheiten komme: Es gäbe Dämonen, die nachts auf die Terrasse kommen, laut schreien und tanzen, der Betroffene winde sich dann im Schlaf, versuche sich zu wehren, schaffe es aber nicht und dann übernehme der Dämon den Geist des Betroffenen. Deshalb war sich ihr Kollege auch sicher, dass es in Deutschland keine psychischen Krankheiten gäbe, weil es dort ja keine Dämonen geben könne.
Es ist für mich unfassbar wie sehr der Glauben an Hexerei verwurzelt ist und ständig als Erklärung verwendet wird.

Die Subsistenzwirtschaft und der Alkoholismus- Gehen sie Hand in Hand?

80% der Ugander sind in der Landwirtschaft tätig. Deren Anteil am Bruttoinlandsprodukt liegt bei rund 40 %. Die fruchtbaren vulkanischen Böden vielerorts sichern gute Ernten. Doch gerade momentan bleibt in Alenga trotz der Regenzeit der Regen aus und die Bauern müssen die Auswirkungen der Erderwärmung schmerzlich spüren. Freunde erzählten uns, dass sie bis vor zwei Jahren keinen Nieselregen gekannt hätten. Doch mittlerweile sind die Folgen der Erderwärmung so gravierend, dass viele schlechtere Ernten haben als zuvor.
Fast alle Bauern bauen nur für den eigenen Bedarf an (Subsistenzwirtschaft). Die Hauptanbaufrüchte sind Kochbananen (Matooke), Reis, Cassava und Bohnen. Wichtigste Exportprodukte Ugandas sind Kaffee, Baumwolle, Tabak und Tee. Bekannt unter dem Namen „Victoriasee-Barsch“ist an den europäischen Fischtheken außerdem der Tilapia.
Hier in der ruralen Gegend Alengas ist die Subsistenzwirtschaft nicht nur weit verbreitet, sondern Teil jedes Haushaltes. Wir kennen niemanden hier, der keinen eigenen Garten hat und dort Essen für sich und seine Familie anbaut. Da wird dann auch zwischen Familienmitglieder hin und her getauscht, Süßkartoffeln gegen Cassava etc.. Bei manchen bleibt im Garten etwas übrig. Dann verkaufen sie es auf dem Markt oder einfach in der Nachbarschaft. Daraus folgt, was ich ganz wunderbar finde, dass man bei fast allen der Produkte weiß, wo sie herkommen, wer sie angebaut hat und, dass der Einkauf die lokale Produktion unterstützt. Dieses Bewusstsein wird mich bei meinen zukünftigen Lebensmitteleinkäufen in Deutschland begleiten. Wieso nicht den Apfel kaufen, der vielleicht zweite Klasse ist, aber aus dem Landkreis kommt, statt einen Apfel der aus Brasilien eingeflogen wurde und so zur geringeren Umweltverschmutzung beitragen, unter der unsere Erde leiden muss.
Viele der Männer und Frauen hier sind also Bauern. Sie arbeiten täglich hart und was an Geld am Ende übrig bleibt ist oft wenig. Da kommen dann Probleme auf, z.B. wie die Schulgebühren für die Kinder bezahlt werden können oder die Gebühren im Krankenhaus. Gerade in Bezug auf die medizinische Versorgung spürt man, dass die Menschen hier auf das Arbeiten im Feld angewiesen sind. Wenn es in der Nacht geregnet hat, weiß Francesca schon, dass sie heute nur wenige Patienten haben wird, da diese sich dann zunächst um ihren Garten kümmern müssen, bevor sie ins Krankenhaus kommen können. Auch Schwangere arbeiten oft bis kurz vor der Geburt sowie direkt nach der Geburt wieder und verpassen deshalb auch einige der Vorsorgetermine.
Wie man sieht, ist die Beschäftigung der Menschen hier sehr ähnlich. Manche haben natürlich einen größeren Garten und gleichzeitig noch einen anderen Job, so dass sie besser verdienen oder sich zumindest durch ein Nebenbusiness – wie beispielsweise unsere Freundin Anna, die durch das Brauen des Cassavaschnaps’ eine weitere Einnahmequelle hat – etwas dazu verdienen. Dennoch leben viele der Einwohner Alengas und der Dörfer der Umgebung an der Armutsgrenze. Das bringt nicht nur die oben genannten Probleme der fehlenden Schulgebühren für die Kinder, sondern noch zwei weitere: 1. Die Fortpflanzungsrate steigt, da es an anderen Freizeitbeschäftigungen fehlt (so hat Father Stan es uns erklärt) und 2., der Alkoholkonsum der Männer steigt. Diese begeben sich oft abends ins Centre (die „Stadtmitte“ Alengas mit kleinen Bars) und betrinken sich dort, bevor sie nachts völlig betrunken nach Hause kommen. Frauen sieht man dort eigentlich nie, als verheiratete Frau gehört es sich nicht mehr auszugehen und auch vorher ist das in Alenga schwierig, da gerne Gerüchte verbreitet werden und man sehr auf seinen Ruf und den der Familie achten muss. In kleineren Städten wie Apac aber, sei es durchaus üblich, dass unverheiratete Frauen abends auch in den Club oder eine Bar gingen, berichtete unsere Freundin Grace. Der hohe Alkoholkonsum der Langi-Männer wird häufig von den Schwestern oder anderen bemängelt. Francescas Kollegin Gloria z.B. kommt nicht aus dem Langi Gebiet und hat uns erzählt, dass sie niemals einen Mann von hier heiraten würde aufgrund der Neigung zum Saufen am Abend. Häufig hört man, wie die Leute in ihren Gesprächen bemängeln, dass dieser oder jener ein „drunko“ sei oder wie sie über die Kinder des „drunko“ reden. Nach meinem Gefühl, findet der Alkoholismus hier weniger versteckt statt, als ich es aus Deutschland von Alkoholikern kenne. Wenn man vormittags auf der Hauptstraße Richtung Ibuje läuft, kann es gut vorkommen, dass man einem völlig betrunkenen Mann mit Waragi (ugandischer Schnaps aus Cassava) in der Hand begegnet. Dieser Alkoholkonsum hat sicher noch weitere Ursprünge, abgesehen von der Frustration über die Armut und die Arbeitslosigkeit, aber dies scheint wohl oft ausschlaggebend. Abgesehen von der Arbeit auf dem Feld gibt es hier wenig Jobmöglichkeiten, man kann sein eigenes Geschäft als kleiner Lebensmittelhändlern oder als Schneiderin eröffnen, als Krankenschwester in der lokalen Krankenstation arbeiten, aber dafür braucht man eben eine gute Schulausbildung, die mit Kosten verbunden ist und deshalb vielen hier fehlt. Uganda, das jüngste Land auf der Welt, mit 77%, die jünger als 30 Jahre sind, hat auch mit großer Landflucht zu kämpfen. Denn gut bezahlte Jobs, für die man eine bestimmte Ausbildung braucht, findet man nur in den Städten. Eine schockende Zahl ist die Arbeitslosigkeitsrate der Jugend und jungen Erwachsenen: Sie liegt bei 83% für alle zwischen 15 und 25 Jahren.
Am Ende dieses Absatzes möchte ich Nelson Mandela zitieren, der einmal gesagt hat: „Education is the most powerful weapon to change this world.“.

Ihr Lieben, das war es auch schon wieder von mir. Ich freue mich über eure Kommentare zu dieser ersten Sammlung kultureller Eindrücke aus Alenga. Ich kann euch schon jetzt versprechen, es wird bei Gelegenheit eine Fortsetzung geben.

Ganz liebe Grüße in die Heimat

eure Greta

Allerlei Neues aus Alenga

Hallo meine Lieben,

es ist einiges passiert seit wir im Februar mit dem ersten Schulsemester 2018 begonnen haben. Am 27. April sind die Mädchen nach Hause gefahren bzw. gegangen und wir haben uns für die kommenden drei Wochen voneinander verabschiedet. Die meisten haben sich sehr auf die Ferien und auf zu Hause gefreut, einige wenige jedoch haben keine Möglichkeit nach Hause zu fahren oder haben sich vor zu Hause aufgrund schwieriger Familiensituationen gefürchtet, sodass in den Ferien zwei Schülerinnen im Konvent der Schwestern bleiben und für sie Gartenarbeiten etc. verrichten. Im Gegenzug dürfen sie umsonst hier schlafen und essen und haben ein gut behütetes Umfeld.

Schlafsaal

Als Erstes möchte ich euch ein Update in Bezug auf den Bau des Schlafsaals geben, denn seit ihr das letzte Mal Fotos gesehen habt, ist es gut voran gekommen und das Dach ist drauf. Leider ging es in den letzten zwei Wochen langsamer voran, denn der Preis für den Zement ist in die Höhe geschossen und pro Sack waren es fast 4 Euro mehr als zu Beginn berechnet.
Das war wohl die Folge einiger Anschaffungen in den Zementfabriken. Laut Aussagen der Bauarbeiter gibt es neue Maschinen zum Zement mischen und insgesamt wird sich dadurch eine Senkung des Preises versprochen. Wie auch immer, in der zweiten Maiwoche werden die Bauarbeiten hoffentlich weiterlaufen und wir wieder neue Fortschritte erkennen können.
Nach wie vor sammeln wir weitere Spenden für die Innenausstattung des Schlafsaals, denn wir möchten den Schülerinnen gerne Stockbetten und Moskitonetze sowie Kleiderhaken und ähnliches zur Verfügung stellen. Also wenn ihr wen kennt, der noch wen kennt, der sich gerne hier in Alenga für junge Mädchen engagieren möchte, meldet euch doch gerne! Euch allen, meinen fleißigen Leserinnen und Lesern, möchte ich jetzt auch für euer Interesse, euer Engagement und eure Unterstützung danken! Ich habe nicht erwartet, dass ich von so vielen Menschen aus der Heimat Rückmeldung und Hilfe bekomme. Es ist ein schönes Gefühl zu wissen, dass ihr an mich denkt.
Die Fotos sprechen für sich selbst, der Baufortschritt ist fantastisch.

Über HIV und AIDS zum weiblichen Zyklus

Außerdem habe ich euch im letzten Blogeintrag von unseren Extrastunden mit den Schülerinnen erzählt, in denen wir zunächst Geographie und ein bisschen Geschichte behandelt haben. Nun sind wir dazu übergegangen, über HIV und AIDS zu sprechen. Im Vorfeld waren wir uns unsicher, inwiefern wir über Kondome als Schutz vor Geschlechtskrankheiten sprechen dürfen, da die Schule in katholischer Trägerschaft ist und es im örtlichen Health Centre, das ebenfalls in katholischer Trägerschaft ist, auch keine Kondome gibt. Die dafür von USAID angebrachten Kästen sind stets leer. Generell erfahre ich hier im Austausch mit den Schwestern und einigen der Priester einen konservativen Katholizismus. Doch man kann so etwas nicht generalisieren und unser Mentor Fr. Stan, der Gemeindepriester Alengas, war begeistert von unserer Idee mit den Mädchen über HIV und AIDS zu sprechen und gab uns den Segen dafür, Kondome als Schutz zu besprechen. Am Ende des Gesprächs lachte er und sagte: „Glaubt nicht, dass nur ihr den Mädchen etwas beibringen werdet. Sie werden euch mit den lokalen Sichtweisen sicherlich auch belehren.“

Stan sollte Recht behalten. Nachdem wir mit der wohl einfachsten Frage, wofür die beiden Abkürzungen HIV und AIDS denn eigentlich stehen – na, weiß das jeder von euch? – begonnen hatten, erklärten wir die möglichen Übertragungswege und die dafür jeweils verantwortlichen hochinfektiösen Körperflüssigkeiten. Während die große Mehrheit genau wusste, wofür die Abkürzungen stehen, brach bei den Erklärungen zum ersten Mal großes Gelächter aus. Wir machten weiter mit dem Vorkommen von HIV in Uganda, hier sind ca. 1,5 Millionen Menschen infiziert, wobei mit einer großen Dunkelziffer zu rechnen ist. Davon sind 150.000 unter 14 Jahre alt. Der Präsident Ugandas, Yoweri Museveni, hat sich vor einiger Zeit erfolgreich dafür eingesetzt, die Infektionsrate von HIV zu verringern. Mittlerweile jedoch ist die Rate wieder angestiegen und trotz kostenloser Tests, Behandlung und Medikamente kennen viele ihren HIV-Status nicht (ähnlich wie in Deutschland, wo die HIV-Rate übrigens auch steigt statt sinkt…).

Weiter haben wir dann versucht Ratschläge zu geben, wie man sich am besten vor HIV schützen kann und bestmögliche Verhaltensweisen, wenn man positiv getestet wurde. Ausschlaggebend war für uns, den Mädchen zu vermitteln, dass sie ihren Freund zunächst nach seinem HIV-Status befragen und auch den Eigenen testen, ohne sich zu schämen oder Angst zu haben. Außerdem versuchten wir klar zu machen wie wichtig Kondome in Bezug auf jegliche Geschlechtskrankheiten sind und, dass sie den Männern nicht glauben sollten, wenn diese behaupten HIV-negativ zu sein, die Übertragung von HI-Viren durch ihr jeweiliges Verhalten zu vermeiden oder Kondome generell ablehnen.

Im Anschluss ließen wir Zeit für Fragen, denn schon während unserer Erläuterungen merkten wir, dass die Mädchen z.T. deutlich andere Vorstellungen und vor allem allerlei Fragen an uns hatten. Das war der Moment, der mich schockierte und mir vor Augen führte, welch ein Glück ich habe, dass ich so gut aufgeklärt wurde, mit meinen Eltern und Lehrern offen über diese Themen sprechen konnte und das Internet als Antwort auf Fragen jeder Art nutzen kann. Die Mädchen erzählten mir, dass sie es erkennen würden, wenn jemand an AIDS erkrankt sei, denn die Farbe der Lippen würde sich verändern und dieses Erkennen genüge als Schutz. Weiter ging es damit, dass der Bruder eines Mädchens ihr erzählt habe, dass man bis zum 18. Lebensjahr das erste Mal gehabt haben müsse, ansonsten würde die Vagina der Frau zu klein werden und man könne niemals mit einem Mann schlafen. Ich wurde außerdem gefragt, ob es stimmen würde, dass Männer sterben würden, wenn man ihnen nicht, wann immer sie es wünschen, sexuelle Befriedigung gibt. Ich versuchte nach bestem Wissen souverän auf diese Fragen zu antworten. Davon abgesehen wurde ich auch viel über den weiblichen Zyklus gefragt, warum nur Frauen ihre Blutungen bekommen, warum das Ganze manchmal mit Schmerzen verbunden ist und so weiter. Demnach kamen wir auf die Idee, in der nächsten Stunde über das weibliche Geschlechtsorgan, den Zyklus und unterschiedliche Verhütungsmethoden bzw. über Familienplanung zu sprechen. Anhand des Plakates könnt ihr sehen, dass wir den Verlauf des Zyklus erklärt haben, einmal im „Normalfall“ (unbefruchtet) und einmal mit befruchteter Eizelle. Außerdem zeigten wir anhand einiger Bilder die prenatale Entwicklung von der Zelle zum Baby. Gerade beim Ultraschallbild staunten sie sehr und erkannten den Fötus nicht. Im Anschluss führten wir die Benutzung eines Kondoms an einer Karotte vor, was zur allgemeinen Erheiterung führte, aber auch sichtbar das Interesse weckte. Abgesehen vom Kondom stellten wir auch weitere Verhütungsmethoden wie z.B. die Anti-Baby-Pille, die Drei-Monats-Spritze und die Spirale vor, die alle vor Ort in den staatlichen Krankenstationen erhältlich und größtenteils umsonst sind. Der Staat stellt diese Dinge unter dem Oberbegriff „Family Planning“ frei zur Verfügung, um die Fertilitätsrate von 5,6 (bei uns in der ruralen Gegend liegt sie eher bei 7) zu senken, da die Bevölkerung zu schnell wächst. Vergleicht man den Altersdurchschnitt zwischen Uganda und Deutschland, stellt man schnell fest, dass die Ugander eine besonders junge Bevölkerung sind. Eine Studie im Jahr 2005 hat Uganda als jüngstes Land hervorgehoben. In Deutschland liegt der Altersdurchschnitt bei 42,1 Jahren, während er in Uganda bei 14,8 Jahren liegt. Die Hälfte aller Ugander ist 16 Jahre oder jünger, während die Hälfte der Deutschen jünger als 47 Jahre ist.
Im Anschluss stellten die Mädchen uns wieder interessante Fragen, beispielsweise ob man als Frau sterben würde, wenn das Kondom in der Vagina stecken bleiben würde oder wie oft man ein Kondom benutzen könne. Als wir diese Frage in die Klasse zurück gaben, erhielten wir als Antwort „10 Mal!!“, was wir natürlich schnell richtig stellten.
Nach den Ferien werden wir mit diesen Themen weitermachen, wer noch Ideen und Anregungen hat, darf sich jederzeit gerne melden!

Golden Jubilee – 50 Jahre Diözese Lira

Das Jahr 2018 ist das goldene Jubiläum unserer Diözese Lira, hier in Nordwest Uganda. Dafür reist der Bischof von Gemeinde zu Gemeinde um diesen Anlass ausgiebig zu feiern. Wir merkten hier schon Wochen zuvor die Aufregung über das anstehende Ereignis. So begannen wir vier Wochen vor dem 15. April schon mit den Chorproben. Dabei waren viele Sängerinnen und Sänger aus der ganzen Gemeinde und wir hatten sogar einen richtigen Chorleiter. Dieser war sehr ambitioniert und bemüht, dass der Chor einen exzellenten Auftritt abliefern wird, was ihm nicht nur Sympathiepunkte unter uns Mitgliedern einbrachte. Aber das viele Üben (bis zu sieben Stunden am Tag), die zahlreichen Vorbereitungen und Meetings haben sich gelohnt. Der Bischof wurde herzlich in Empfang genommen, das Gelände war wunderbar geschmückt, alle hatten sich fein rausgeputzt und sogar wichtige Politiker waren in unser kleines Dorf gekommen, um an der Spendensammlung teilzunehmen. Während der Messe wurde der Bischof mit Geschenken überhäuft, er bekam sechs Wassermelonen, hunderte Avocados und Bananen sowie Ziegen, Hühner und allerlei anderes. Die Christen Alengas haben mit Jubel, Tanz und Großzügigkeit ihre Dankbarkeit gegenüber dem italienischen Bischof Franzelli ausgedrückt. Dabei kam sogar der hochrespektierte König der Langi und hielt eine längere Rede über die Wahrung der Kultur. Um das Programm bunt zu gestalten, haben Artisten, die Frauengilde, unsere Schülerinnen und die Jugend der Charismatischen Christen jeweils etwas aufgeführt, gesungen und getanzt. Im Anschluss gab es, wie bei jedem Fest hier, ein riesiges Festmahl, das leider nicht für die zahlreichen Besucher gereicht hat, so dass am Ende einige Kinder leer ausgingen. Dann halfen wir ganz schnell wieder beim Abbau der Festzelte und einige Stunden nach Ende des Festes, sah es auch schon wieder aus wie immer.

Fingerabdrücke in Alenga hinterlassen

Vergangene Woche haben wir unsere kreative Ader ausgelassen. Dabei gestalteten wir ein Freiwilligenbord, auf dem wir uns mit unseren Fingerabdrücke verewigt haben. Die Bedeutung ist sehr symbolisch zu betrachten: Die Pusteblumen stehen für uns Freiwillige (Francesca und ich sind bereits Nummer 5 und 6 der Freiwilligen in Alenga), die hier jeweils eine neue Heimat gefunden haben, sich selbst verwirklichen können und ihre Samenschirme in die Welt tragen möchten, welche wiederum Blüten tragen werden. Die Samen sind unsere Fingerabdrücke, da jeder seine individuellen Spuren hinterlässt. Nun fehlen nur noch unsere Fotos, dann ist das Freiwilligenbrett komplett.

Ihr Lieben, das war es auch schon wieder von mir. Morgen brechen wir in den Norden Ugandas auf. Dabei werden wir nach Gulu und Moyo reisen, einige Schwestern besuchen und gemeinsam mit zwei Comboni Brüdern das größte Flüchtlingscamp der Welt in Moyo besuchen. Wir freuen uns auf diese Erfahrungen sehr und werden anschließend berichten.

Ganz liebe Grüße

Eure Greta

Uganda – Ein Kontinent mit 500 Einwohnern

Hallo ihr treuen LeserInnen,

heute möchte ich euch kurz von den zusätzlichen Unterrichtsstunden erzählen, die Greta und ich seit Februar am Freitagabend mit den Mädchen machen.

Schon seit Beginn meines Einsatzes in Alenga ist mir immer wieder – egal, ob in der Freizeit oder durch Gretas Erzählungen aus dem Unterricht – aufgefallen, dass die Schülerinnen große Lücken in Bezug auf Allgemeinwissen haben, das für mich selbstverständlich schien.
Beispiele dafür sind, dass sie keinerlei Vorstellung haben wie die Welt abgesehen von Uganda und seinen Nachbarländern aussieht oder, dass sie nicht wissen was eine Fähre ist und wofür sie verwendet werden kann. Das trifft natürlich nicht auf alle zu, sondern variiert von Person zu Person und den unterschiedlichen Stufen der Schulausbildung.
Aber da in der Berufsschule auch Mädchen sind, die nur vier Jahre lang die Grundschule besucht haben, fallen große Lücken schnell auf. Generell empfinde ich, dass ein Vorstellungsvermögen für all das fehlt, was hinter Alenga und der nächsten Großstadt Lira in der Welt alles kommt.
In Deutschland hatte ich das Privileg, theoretische Erkenntnisse beispielsweise über Geographie in der Schule zu gewinnen und die dann praktisch durch Reisen in andere Länder, sogar auf andere Kontinente zu vertiefen. Das – was für viele Deutsche zum Leben dazu gehört – scheint für die Schülerinnen hier in Alenga unerreichbar und wie ein weit entfernter Traum.
Dennoch haben Greta und ich beschlossen: Die grundlegende Theorie können wir liefern und mit Spiel und Spaß interessant gestalten.

Also begannen wir mit einer ganz generell gefassten Unterrichtsstunde über „Die Welt“. Dank einer großzügigen Spende der Buchhandlung Terwelp in Cloppenburg, konnten wir dafür sogar tolle Weltkarten verteilen, in die wir Notizen, Kreuze und Kreise machten. Wir bauten diese Stunde als Quiz auf, was den Mädchen gut gefallen hat. Frage Nummer 1 war: Wie viele Kontinente gibt es und was sind ihre Namen?
Für einige wenige, ein Klacks. Andere waren verzweifelt: „Francesca, was ist ein Kontinent?“, wurde ich gefragt. Andere fragten nicht, sondern schrieben nach einer kurzen Diskussion in der Kleingruppe auf: „Es gibt 53 Kontinente.“, dann folgten die Namen einiger Länder Afrikas, die sie aus der Karte abschrieben. „Brasilien, Uganda, Russland und Australien“ war eine weitere Antwort.
Wie ihr seht, ein kunterbunter Mix aus weitgehend falschen Vermutungen. Das schockte uns schon sehr. Klar, auch in Deutschland gibt es riesige Lücken an Allgemeinwissen, ich gebe zu, dass auch ich – trotz 12 Jahren Schule und einem Abitur in der Tasche – viele Dinge nicht weiß und mein Allgemeinwissen auffrischen sollte. Aber sind denn die Namen der Kontinente nicht einfach jedem klar, fragte ich mich? Sie sind wohl so „klar“, wie hier jedem bewusst ist, wie man seinen Garten am besten bepflanzt, was welches Gewächs ist sobald man in die Natur schaut und wie man Bohnen und Posho kocht. Wenn mich jemand danach fragt, sind meine Antworten meist auch kreativer Unsinn. In Alenga ist eben ein anderes Wissen altäglich viel wichtiger, da ist es nicht von Bedeutung, wie die Hauptstadt der Mongolei heißt, sonder in welchem Boden Cassava am besten wächst und wie man Reis am besten von Steinen und Körnern befreit, bevor man ihn auf einer Feuerstelle kocht. Was dieses Wissen und harte körperliche Arbeit betrifft, kennen sich die Schülerinnen bestens aus und haben ein starkes Durchhaltevermögen.
Ich durfte also lernen, dass grundlegendes Wissen sich unterscheidet und der Mensch eben gern das behält, was für ihn gerade wichtig ist.
Im Verlauf der weiteren Unterrichtsstunde kam es auch zu anderen lustigen Antworten. „Auf der Welt leben 7000 Menschen.“, „Der höchste Berg ist der Mt. Rwenzori in Westuganda“ etc. Aber es gab auch viele richtige Antworten, beispielsweise war allen klar, dass der längste Fluss der Welt der Nil ist.
Die Weltkarten waren jedenfalls eine super Idee, begeistert haben die Mädchen nach verschiedenen Ländern gesucht, ein Kreuz am Kaspischen Meer und im Himalaya Gebirge gesetzt.

In der darauffolgenden Stunde beschäftigten wir uns dann nur mit dem Kontinent Afrika. Wieder gestalteten wir die Stunde als ein Quiz und merkten gleich zu Beginn, dass es den Mädchen etwas leichter fiel. Wir fragten nach der Gesamtanzahl aller Länder Afrikas, nach den größten Hauptstädten, dem höchsten Berg, dem größten See und die Antworten kamen, z.T. mit etwas Hilfe durch die Karten, bei den Hauptstädten sehr flüssig. Gerade den Viktoriasee und den Ursprung des Nils in ihm kennen alle gut, wenn auch viele noch nicht da waren. Bei all dem halfen auch wieder unsere Weltkarten. Auf die Frage, wie viele Menschen in Afrika insgesamt leben, haben wir Antworten von 500 Menschen bis eine Billionen bekommen. Das Vorstellungsvermögen für Zahlen scheint auch ausbaufähig zu sein.

Unser nächster Schritt war eine Stunde über Uganda, in der wir uns nicht so sehr auf die Geographie konzentrierten, sondern auf generelle Informationen, die wir in einer Mindmap an der Tafel festhielten. Wir haben einige Fragen gestellt und dann zahlreiche Antworten bekommen. Nachbarländer, wichtigste historische Personen und Ereignisse schienen bekannt zu sein. Außerdem präsentierten wir auch ein paar Fakten wie zum Beispiel die Kindersterblichkeitsrate, die mit ca. 13% die höchste in Ostafrika ist. Über diese hohe Zahl freuten sich die Mädels erst, bis wir erklärten, was das bedeutet und dass es an Krankheiten und schlechter medizinischer Versorgung liegt.
Als wir die Geschichte Ugandas präsentierten, wussten sie sehr gut, dass Uganda von 1890- 1962 britisches Protektorat war und danach durch Obote und Idi Amin eine Zeit der grausamen Bürgerkriege kam. Als Greta erzählte, dass in dieser Zeit von 1971- 1986 eine halbe Millionen Ugander starben, fehlte aber wieder etwas das Vorstellungsvermögen für eine solche Ziffer.
Außerdem präsentierten wir die HIV-Rate Ugandas, 1,46 Millionen Menschen von 36 Millionen Ugandern sind offiziell infiziert, als Auftakt für unsere nächste Unterrichtseinheit. Wir werden einige Aufklärungsstunden zur Fortpflanzung, zu HIV und AIDS, zu Verhütung und dem verantwortungsvollen Umgang mit Sexualität machen.

Das war es auch schon wieder von uns. Gerne dürft ihr euch melden, falls ihr Anregungen und Ideen für die Extrastunden habt.

Viele liebe Grüße

Eure Francesca

1. Frage

Wie viele Länder hat Afrika?

Der afrikanische Kontinent hat 54 Länder. Jüngstes Land ist der Südsudan: er erlangte 2011 seine Unabhängigkeit vom Sudan.

2. Frage

Wie viele Menschen leben in Uganda?

In Uganda leben 36 Millionen Menschen.

3. Frage

Aus was wird Posho hergestellt?

Posho ist Maisbrei und wird somit aus Maismehl gekocht.

4. Frage

Wie viel Prozent der Ugander sind Christen?

In Uganda sind 84% Christen. Davon sind 40% katholisch und 32% evangelisch. 12% gehören zum Beispiel den Pfingstlergemeinden oder anderen christlichen Gemeinden an. 13% der Bevölkerung sind Muslimisch und 3% haben eine Naturreligion.

5. Frage

Seit wann ist Yoweri Museveni der präsident Ugandas?

Museveni ist seit 1986 der präsident Ugandas. Vergangenes Jahr hat er Gesetze umgeschrieben, damit es keine Alterbegrenzung mehr gibt und er trotz seiner 73 Jahren nochmal gewählt werden kann.

6. Frage

Wie hoch ist die Fertilitätsrate?

Die Fertilitätsrate liegt bei 5,7. Hier in Alenga auf dem Land bekommen viele Frauen allerdings mehr als 6 Kinder und nicht selten sehe ich bei meiner Arbeit, dass die Frau gerade ihre 10. Schwangerschaft austrägt. In den Städten Ugandas nutzen immer mehr Menschen die Möglichkeiten der Medizin, um weniger Kinder zu bekommen und eine Familie zu planen, damit auch genug Geld da ist, um jedes Kind in die Schule schicken zu können.

7. Frage

Wie viele ethnische Gruppen leben in Uganda?

In Uganda leben vier Völker mit mehr als 45 ethnische Gruppen. Diese vier sind: Bantu, Sudanische Gruppe, Niloten, Pygmäen.

8. Frage

Was sind die Nachbarländer von Uganda?

Die Nachbarländer sind: Demokratische Republik Kongo, Tansania, Kenia, Ruanda, Südsudan.

9. Frage

Wie viele Sprachen werden in Uganda gesprochen?

In Uganda werden über 70 Sprachen gesprochen. Zum Beispiel Luganda (Süden/Kampala), Luo: Lango, Acholi, Alur, etc.

10. Frage

Wie viele Flüchtlinge hat Uganda aufgenommen?

Uganda hat bereits über 1 Millionen registrierte Flüchtlinge aus den Ländern Sudan, Südsudan, Congo, Ethiopien, Eritrea, Burundi und Ruanda aufgenommen. In echt sind es wahrscheinlich noch viel mehr. Uganda hat aus dem Südsudan ca. 489’000 Flüchtlinge aufgenommen, während „nur“ 362’000 Menschen die Flucht über das Mittelmeer nach Europa angetreten haben….

11. Frage

Welche Bedeutung haben die Farben der ugandischen Flagge?

Schwarz=Die Farbe der Menschen
Gelb=Sonnenlicht
Rot=Steht für das Blut über das die Menschen in Uganda untereinander und mit der ganzen Welt verbunden sind, für Bruderschaft

12. Frage

Welche vom Aussterben bedrohte Tierart lebt in den Bergen Ugandas?

In Uganda leben mehr als die Hälfte der auf der Welt lebenden Berggorillas (ca.400).

Und, wie viele Kontinente hat unsere Erde eigentlich?

Hallo ihr Lieben,

heute möchte ich euch kurz von den zusätzlichen Unterrichtsstunden erzählen, die Francesca und ich seit Februar am Freitag Abend mit den Mädchen machen. Schon seit Beginn meines Einsatzes in Alenga ist mir immer wieder – egal, ob während des Unterrichts oder in der Freizeit – aufgefallen, dass die Schülerinnen große Lücken in Bezug auf Allgemeinwissen haben, das für mich selbstverständlich schien. Beispiele dafür sind, dass sie keinerlei Vorstellung haben wie die Welt abgesehen von Uganda und seinen Nachbarländern aussieht oder, dass sie nicht wissen was eine Fähre ist und wofür sie verwendet werden kann. Das trifft natürlich nicht auf alle zu, sondern variiert von Person zu Person und den unterschiedlichen Stufen der Schulausbildung.
Aber da ich auf der Berufsschule auch Mädchen unterrichte, die nur vier Jahre lang die Grundschule besucht haben, fallen große Lücken schnell auf. Generell empfinde ich, dass ein Vorstellungsvermögen für all das fehlt, was hinter Alenga und der nächsten Großstadt Lira in der Welt alles kommt.
Ich habe erleben dürfen, dass theoretische Erkenntnisse beispielsweise über Geographie in der Schule gewonnen werden und die dann praktisch durch Reisen in andere Länder, sogar auf andere Kontinente vertieft wurden. Das – was für viele Deutsche zum Leben dazu gehört – scheint für die Schülerinnen hier in Alenga unerreichbar und wie ein weit entfernter Traum.
Dennoch haben Francesca und ich beschlossen: Die grundlegende Theorie können wir liefern und mit Spiel und Spaß interessant gestalten. Also begannen wir mit einer ganz generell gefassten Unterrichtsstunde über „Die Welt“. Dank einer großzügigen Spende der Buchhandlung Terwelp in Cloppenburg, konnten wir dafür sogar tolle Weltkarten verteilen, in die wir Notizen, Kreuze und Kreise machten. Wir bauten diese Stunde als Quiz auf, was den Mädchen gut gefallen hat. Frage Nummer 1 war: Wie viele Kontinente gibt es und was sind ihre Namen?
Für einige wenige, ein Klacks. Andere waren verzweifelt: „Greta, was ist ein Kontinent?“, wurde ich gefragt. Andere fragten nicht, sondern schrieben nach einer kurzen Diskussion in der Kleingruppe auf: „Es gibt 53 Kontinente.“, dann folgten die Namen einiger Länder Afrikas, die sie aus der Karte abschrieben. „Brasilien, Uganda, Russland und Australien“ war eine weitere Antwort.
Wie ihr seht, ein kunterbunter Mix aus weitgehend falschen Vermutungen. Das schockte uns schon sehr. Klar, auch in Deutschland gibt es riesige Lücken an Allgemeinwissen, ich gebe zu, dass auch ich – trotz 12 Jahren Schule und einem Abitur in der Tasche – viele Dinge nicht weiß und mein Allgemeinwissen auffrischen sollte. Aber sind denn die Namen der Kontinente nicht einfach jedem klar, fragte ich mich? Sie sind wohl so „klar“, wie hier jedem bewusst ist, wie man seinen Garten am besten bepflanzt, was welches Gewächs ist sobald man in die Natur schaut und wie man Bohnen und Posho kocht. Wenn mich jemand danach fragt, sind meine Antworten meist auch kreativer Unsinn.
Ich durfte also lernen, dass grundlegendes Wissen sich unterscheidet und der Mensch eben gern das behält, was für ihn gerade wichtig ist. In Alenga ist eben ein anderes Wissen alltäglich viel wichtiger, da ist es nicht von Bedeutung, wie die Hauptstadt der Mongolei heißt, sondern in welchem Boden Cassava am besten wächst und wie man Reis am schnellsten von Steinen und Körnern befreit bevor man ihn auf einer Feuerholzstelle kocht. Was dieses Wissen und praktische sowie körperliche Arbeit betrifft, kennen sich die Schülerinnen bestens aus und haben ein starkes Durchhaltevermögen.
Im Verlauf der weiteren Unterrichtsstunde kam es auch zu anderen lustigen Antworten. „Auf der Welt leben 7000 Menschen.“, „Der höchste Berg ist der Mt. Rwenzori in Westuganda“ etc..Aber es gab auch viele richtige Antworten, beispielsweise war allen klar, dass der längste Fluss der Welt der Nil ist.
Die Weltkarten waren jedenfalls ein super Idee, begeistert haben die Mädchen nach verschiedenen Ländern gesucht, ein Kreuz am Kaspischen Meer und im Himalaya Gebirge gesetzt.
In der darauffolgenden Stunde beschäftigten wir uns dann nur mit dem Kontinent Afrika. Wieder gestalteten wir die Stunde als ein Quiz und merkten gleich zu Beginn, dass es den Mädchen etwas leichter fiel. Wir fragten nach der Gesamtanzahl aller Länder Afrikas, nach den größten Hauptstädten, dem höchsten Berg, dem größten See und die Antworten kamen z.T. mit etwas Hilfe bei den Hauptstädten sehr flüssig. Gerade den Viktoriasee und den Ursprung des Nils in ihm kennen alle gut, wenn auch viele noch nicht da waren. Bei all dem halfen auch wieder unsere Weltkarten. Auf die Frage wie viele Menschen in Afrika insgesamt leben haben wir Antworten von 500 Menschen bis eine Billionen bekommen. Das Vorstellungsvermögen für Zahlen scheint auch ausbaufähig zu sein.
Unser nächster Schritt war eine Stunde über Uganda, in der wir uns nicht so sehr auf die Geographie konzentrierten, sondern auf generelle Informationen, die wir in einer Mindmap an der Tafel festhielten. Wir haben einige Fragen gestellt und dann zahlreiche Antworten bekommen. Nachbarländer, wichtigste historische Personen und Ereignisse schienen bekannt zu sein. Außerdem präsentierten wir auch ein paar Fakten wie zum Beispiel die Kindersterblichkeitsrate, die mit ca. 13% die höchste in Ostafrika ist. Über diese hohe Zahl freuten sich die Mädels erst, bis wir erklärten, was das bedeutet und dass es an Krankheiten und schlechter medizinischer Versorgung liegt.
Als wir die Geschichte Ugandas präsentierten, wussten sie sehr gut, dass Uganda von 1890- 1962 britisches Protektorat war und danach durch Obote und Idi Amin eine Zeit der grausamen Bürgerkriege kam. Als ich erzählte, dass in dieser Zeit von 1971- 1986 eine halbe Millionen Ugander starben, fehlte aber wieder etwas das Vorstellungsvermögen für eine solche Ziffer.
Außerdem präsentierten wir die HIV-Rate Ugandas, 1,46 Millionen Menschen von 36 Millionen Ugandern sind offiziell infiziert, als Auftakt für unsere nächste Unterrichtseinheit. Wir werden einige Aufklärungsstunden zur Fortpflanzung, zu HIV und AIDS, zu Verhütung und dem verantwortungsvollem Umgang mit Sexualität machen.

Liebe Leserinnen und Leser, zum Abschluss dieses Artikels möchte ich euch einladen, einmal euer Wissen zu Afrika und Uganda zu testen. Wir haben euch ein kleines Quiz dazu erstellt. Viel Spaß dabei 🙂

Das war es auch schon wieder von mir. Gerne dürft ihr euch melden, falls ihr Anregungen und Ideen für die Extrastunden habt.

Seid ganz lieb gegrüßt

eure Greta

1. Frage

Wie viele Länder hat der afrikanische Kontinent?

Der afrikanische Kontinent hat 54 Länder. Jüngstes Land ist der Südsudan: er erlangte 2011 seine Unabhängigkeit vom Sudan.

2. Frage

Wie viele Menschen leben in Uganda?

In Uganda leben 36 Millionen Menschen.

3. Frage

Aus was wird der in Ostafrika bekannte Posho hergestellt?

Posho ist Maisbrei und wird somit aus Maismehl gekocht.

4. Frage

Wie viel Prozent der Ugander sind Christen?

In Uganda sind 84% Christen. Davon sind 40% katholisch und 32% evangelisch. 12% gehören zum Beispiel den Pfingstlergemeinden oder anderen christlichen Gemeinden an. 13% der Bevölkerung sind Muslimisch und 3% haben eine Naturreligion.

5. Frage

Seit wann ist Yoweri Museveni der Präsident Ugandas?

Museveni ist seit 1986 der präsident Ugandas. Vergangenes Jahr hat er Gesetze umgeschrieben, damit es keine Alterbegrenzung mehr gibt und er trotz seiner 73 Jahren nochmal gewählt werden kann.

6. Frage

Wie hoch ist die Fertilitätsrate?

Die Fertilitätsrate liegt bei 5,7. Hier in Alenga auf dem Land bekommen viele Frauen allerdings mehr als 6 Kinder und nicht selten sieht Francesca bei ihrer Arbeit, dass die Frau gerade ihre 10. Schwangerschaft austrägt. In den Städten Ugandas nutzen immer mehr Menschen die Möglichkeiten der Medizin, um weniger Kinder zu bekommen und eine Familie zu planen, damit auch genug Geld da ist, um jedes Kind in die Schule schicken zu können.

7. Frage

Wie viele ethnische Gruppen leben in Uganda?

In Uganda leben vier Völker mit mehr als 45 ethnische Gruppen. Diese vier sind: Bantu, Sudanische Gruppe, Niloten, Pygmäen.

8. Frage

Was sind die Namen der Nachbarländer Ugandas?

Die Nachbarländer sind: Demokratische Republik Kongo, Tansania, Kenia, Ruanda und Südsudan.

9. Frage

Wie viele Sprachen werden in Uganda gesprochen?

In Uganda werden über 70 Sprachen gesprochen. Zum Beispiel Luganda (Süden/Kampala), Luo: Lango, Acholi, Alur, etc.

10. Frage

Wie viele Flüchtlinge hat Uganda aufgenommen?

Uganda hat bereits über 1 Millionen registrierte Flüchtlinge aus den Ländern Sudan, Südsudan, Congo, Ethiopien, Eritrea, Burundi und Ruanda aufgenommen. In echt sind es wahrscheinlich noch viel mehr. Uganda hat aus dem Südsudan ca. 489’000 Flüchtlinge aufgenommen, während „nur“ 362’000 Menschen die Flucht über das Mittelmeer nach Europa angetreten haben….

11. Frage

Welche Bedeutungen haben die Farben der ugandischen Flagge?

Schwarz=Die Farbe der Menschen
Gelb=Sonnenlicht
Rot=Steht für das Blut über das die Menschen in Uganda untereinander und mit der ganzen Welt verbunden sind; für Brüderschaft

12. Frage

Welche vom Aussterben bedrohte Tierart lebt in den Bergen Ugandas?

In Uganda leben mehr als die Hälfte der auf der Welt lebenden Berggorillas (ca.400).

Aber der Engel sprach zu den Frauen: „Fürchtet euch nicht!“ – Mt 28, 5-6

Liebe Leserinnen und Leser,
ich hoffe, dass ihr eine schöne Osterzeit mit all euren Lieben verbracht habt. Heute möchte ich euch erzählen, wie ich hier in Alenga die Fastenzeit und das Osterfest verbracht habe.

Die Fastenzeit

Am Aschermittwoch begannen wir die Fastenzeit mit einem schönen Gottesdienst am Morgen. Der Beginn der enthaltsamen Fastenzeit bedeutete, wie schon in der besinnlichen Adventszeit, dass in der Kirche nicht mehr getanzt werden durfte. Stattdessen gab es jeden Freitag Nachmittag einen Kreuzweg mit anschließendem Rosenkranz beten und der Möglichkeit zur Beichte.  Uns hat überrascht, wie viele Kinder und Jugendliche während dieser Zeit fast wöchentlich gebeichtet haben. Das kennen wir aus Deutschland nicht.

Während sich in Deutschland viele ein festes Fastenziel vornehmen, wie das Verzichten auf Alkohol oder Süßigkeiten, haben wir hier kein derartiges Verzichten mitbekommen. Sister Anne hat mir erzählt, dass die Schülerinnen während des Religionsunterrichts auf die Frage, wie sie ihre Fastenzeit gestalten wollen, geantwortet haben, dass sie so arm seien, dass sie doch auf nichts verzichten können, sie haben ja sowieso nichts und würden nur Maisbrei mit Bohnen essen. Es ist uns hier schon oft aufgefallen, dass ein Standardsatz ist: “Wir sind ja arm, wir haben nichts.“ Das wird gern gesagt, egal ob man einen guten Job hat oder arbeitslos ist.

Die Priester und Schwestern haben die Mädchen stattdessen ermutigt, durch Taten zu Fasten. Das heißt also, anderen zu helfen, den Hass überwinden, Streitereien schlichten und Liebe im Alltag zeigen und leben.

Einweihung von Unterrichtsräumen in einer Primary School

Am 22. März waren wir gemeinsam mit Sister Anne, Sister Evaline und Father Stan an der Apele Primary School, über die wir schon zu Beginn im Blog berichtet haben, um an einer Einweihungsfeier für drei neue Klassenräume teilzunehmen, die dort mit Stans Hilfe entstanden sind. Eine deutsche Organisation namens „Vier Steine für Afrika“ (www.viersteinefuerafrika.de) hat das Geld für dieses Gebäude gesammelt, und durch Stan als Kontaktmann vor Ort können solche Projekte hier gelingen und verwirklicht werden.

Es war ein wirklich schönes Fest, alle SchülerInnen haben etwas vorbereitet und auf Englisch gesungen, getanzt und Gedichte aufgesagt. Sogar die ganz Kleinen aus der Nursery School (Kindergarten) haben ein englisches Lied mit passendem Tanz aufgeführt. Auch die Eltern haben Showbeiträge geliefert und durch Reden und ein leckeres Essen wurde das Fest abgerundet. Zu guter Letzt durften noch alle wichtigen und einflussreichen Besucher wie beispielsweise der Vorsitzende der Grundschulen des Apac Districts und eine lokale Politikerin und alle weißen Anwesenden (wir zwei) ein Stück Land kaufen und mit einem kleinen Blümchen bepflanzen. Das Geld kommt der Entwicklung der Schule zu gute. Als wir zum Einpflanzen die Hacke schwangen, wurden wir ziemlich ausgelacht und wir schafften zwei Hiebe, bevor uns ein besorgter Mann die Hacke aus der Hand riss und sich selbst an die Arbeit machte. Wir werden dank unserer Hautfarbe oft als empfindlich und zart eingestuft und dementsprechend körperlich unterschätzt.

Introduction von Francis – endlich Tanzen!

Am folgenden Wochenende waren wir wieder mal auf eine Introduction (traditionelle Hochzeit) eingeladen. Dieses Mal heiratete unser Freund Francis, der gemeinsam mit uns im Chor ist und immer während der Messe das Keyboard spielt. Die Hochzeit fand bei Francis zu Hause statt, was ungewöhnlich ist, normalerweise wird die Hochzeit im Heimatdorf der Frau ausgerichtet. Hier gab es weniger traditionelle Programmpunkte als bei Jaspers und Marthas Hochzeit, über die wir im Januar berichtet haben. Zu Beginn schnitten die Gäste das Band durch und wurden mit viel Jubel in den Festbereich geführt. Anschließend folgte eine ewig lange Vorstellungsrunde von allen anwesenden Gästen und den verschiedenen Verwandtschaftsverhältnissen. Der Katechist Alengas, Patrick, segnete das Brautpaar und predigte darüber, wie wichtig es sei mit der, für die Hochzeit auserwählten Frau, zusammen zu bleiben und für ein stabiles und harmonisches Zusammenleben zu sorgen, statt sie gegen eine andere Frau auszutauschen und sie mit den Kindern allein zu lassen. Eine solche Verantwortungslosigkeit in Bezug auf die Ehe und die Familie gibt es hier häufiger, viele der Schülerinnen leben allein mit der Mutter, mit ihrem Vater und Stiefmutter Nummer drei oder gar bei Großeltern oder entfernten Verwandten, weil beide Eltern nach dem Ende der Ehe verschwunden sind.

Da die Hochzeit bei Francis stattfand, wurden dann einige Männer für die „Brautsuche“ unter einer Decke vorgebracht und die Brautjungfern  haben nach dem Bräutigam Ausschau gehalten. Als Francis als Letzter unter der Decke hervorkam, wurde gejubelt, getanzt und das offizielle Programm war beendet, sodass Greta und ich uns mit Freunden von Francis unterhielten und Fotos machten. Als es Essen gab, wurden wir wie besondere Ehrengäste behandelt, was uns eher unangenehm war, aber sich nicht ändern ließ, und durften mit einigen Männern separat Essen. Wir unterhielten uns mit ihnen über Sprachen und sie waren sich sehr einig darin, dass man, wenn man Deutsch beherrscht, keinerlei Probleme mehr hat. Sie entwarfen endgültig Zukunftsträume, wie sie eines Tages in Deutschland leben würden, als wir ihnen erzählten, dass der Mann bei uns keine teure Mitgift für die Zukünftige bezahlen muss.

Im Anschluss wurde dann richtig ausgelassen getanzt, worüber auch wir uns freuten, denn bei Jasper mussten wir ja schon vor dem Tanz aufbrechen. Zunächst tanzten nur die Frauen und reichten Flaschen mit Alkohol umher, während die Männer etwas abseits saßen und dort den lokalen Schnaps aus Eimern genossen. Später aber tanzten auch die Männer, wobei Frauen und Männer keineswegs zusammen tanzten und man deutlich gemerkt hat, dass viele Männer, je später es wurde, betrunkener und unangenehmer wurden. Gegen neun Uhr verließen wir das Fest, schließlich wohnen wir ja bei Schwestern und müssen auf unseren Ruf achten, was hier wirklich nicht leicht ist, da alles gleich im ganzen Dorf rumerzählt wird.

Fun Fact: In letzter Zeit haben wir viel gebacken und dementsprechend viele Eier gekauft. Dann wurde ich in der Arbeit gleich mal darauf angesprochen, dass wir so viele Eier äßen und davon dick würden und, dass wir sie bei Jasper kaufen sollten, statt vorne im Center. Ach ja, das Dorfleben ist doch wunderbar.

Palmsonntag – Beginn der Karwoche

Den Palmsonntag begannen wir mit einer fröhlichen und ausgelassenen Prozession. Ein bisschen von der Kirche entfernt, standen wir zum anfänglichen Gebet in der Sonne und schwangen unsere Palmzweige – endlich mal ein Palmsonntag mit richtigen Palmblättern statt Palmbuschen aus Palmkätzchen und Buchsbaum. Viele Kinder und auch die Schülerinnen hatten ihre Palmwedel wunderschön mit Blüten verziert und gemeinsam mit den fröhlichen Liedern des Palmsonntags kam eine tolle Atmosphäre während der Prozession auf. Ungefähr auf der Hälfte der Prozession entschied sich dann aber ein Teil der Gläubigen, schnell eine Abkürzung zu nehmen, um in der Kirche noch einen guten Sitzplatz zu bekommen, denn es war unfassbar viel los. Die Messe war lebhaft und, wie eigentlich immer hier, sehr lang. Danach gönnten wir uns ein leckeres Frühstück und einen entspannten Tag, bevor wir abends für die Priester lecker kochten.

Gründonnerstag – Fußwaschung und die Feier des letzten Abendmahls

Karfreitag – Er starb für uns am Kreuz

Nachdem Greta am Vormittag noch unterrichten musste, während ich frei hatte, – ja, auch in Uganda ist Karfreitag ein Feiertag, aber in Sister Annes Internat gibt es selten auch „unterrichtsfrei“ – machten wir uns um zwölf Uhr zum großen Kreuzweg auf. Wir gingen ca. zwei Kilometer und passierten dabei die 14 Stationen des Kreuzwegs. Bei jeder Station wurde angehalten, die passende Bibelstelle verlesen und gebetet. Anschließend trugen verschiedene Gläubige das Kreuz bis zur nächsten Station und so kamen wir gleichzeitig mit dem Gewitter in der Kirche an.

Dann begannen wir mit der Karfreitagsliturgie. Die Lesung wurde von Mitgliedern des Chors vorgetragen, leider nicht so schön und feierlich wie ich es von zu Hause gewohnt bin. Zur Kreuzverehrung kamen die Gläubigen auf Knien nach vorn an den Altar und berührten und küssten den Gekreuzigten. Am Ende wurde die am Gründonnerstag geweihte Hostie aus dem Tabernakel, dessen Platz Greta Donnerstag Vormittag mit den Sisters dekoriert hatte, geholt und verteilt. Die super Konstruktion mit Tesafilm hielt leider nicht, so dass die Tücher schon halb abfielen. Aber daran störte sich niemand.
Zum Schluss wurde dann der Altar leer geräumt und alle verließen nach und nach die Kirche.

Introduction von Brown – Von Gewohnheiten und kulturellen Unterschieden

Am Samstag waren Greta und ich dann erneut auf eine Hochzeit eingeladen. Als unser Freund Brown uns einlud, sagte er uns, dass die Besucher um elf Uhr ankommen sollten und um zwölf Uhr werde die Hochzeit beginnen. Wir verabredeten uns um zehn Uhr mit unserer Freundin Anna, um dann gemeinsam auf Brown zu warten, der uns mit einem Auto für die Feier abholen wollte. Anna war, obwohl wir eine halbe Stunde zu spät waren und uns schon Sorgen machten, noch im Garten am Arbeiten und begrüßte uns um halb zwölf mit den Worten „Ihr seid aber früh!“ Dann bekamen wir erst mal ein kleines Frühstück und sie stellte sich doch glatt in die Küche, um uns ein Mittagessen zuzubereiten. So genossen wir noch gemeinsame und schöne Stunden bei Anna, die sich nach und nach ganz gemütlich fertig machte, wir machten noch ein Mittagsschläfchen und um halb vier holte Brown uns dann auch mal mit dem Taxi ab. Kaum zu glauben, dass wir nach sieben Monaten in Alenga immer noch derartige Anfängerfehler machen, aber man wird solche deutschen Gewohnheiten, die sich neunzehn Jahre lang eingebrannt haben, einfach nicht so schnell wieder los. Wie sagt man noch gleich? „Die Europäer haben die Uhr, die Afrikaner haben die Zeit.“

Als wir auf dem Hochzeitsgelände ankamen, mit 15 Leuten (inklusive Bräutigam, auf den für den Beginn der Feier gewartet wurde) stiegen wir aus einem Wagen für neun,  ging es dann auch gleich mit viel Jubel, Tanz und Partyatmosphäre los und es begann ein schön gestaltetes Fest. Es gab einen lustigen Moderator, der besonders begeistert davon war, zwei deutsche Mädchen unter den Besuchern zu entdecken und deshalb auch alles auf Englisch übersetzte. Die Verhandlung der ältesten Männer der Familien über die Mitgift zu Beginn dauerte wieder Ewigkeiten, Brown musste für seine Verlobte drei Kühe und neun Ziegen und natürlich noch alles mögliche andere bringen. Nach einigen Reden und offiziellerem Programm, begann die lustig gestaltete Brautsuche, bei der viele Brautjungfern kamen, unter denen die Freunde des Bräutigams die wirkliche Braut zu entdecken versuchten. In einer Runde verkleideten sich drei Frauen als Alte und spielten das Ganze wirklich richtig gut, samt zitterigen Händen und verlangsamter Sprache. Als die richtige Braut, Sharon, gefunden wurde, folgte die Vorstellung des Mannes bei den Eltern der Braut und umgekehrt, wobei Browns Eltern bereits beide verstorben sind, sodass seine Tante und sein Onkel stattdessen anwesend waren.

Dann übergaben sich die beiden kleine Hochzeitsgeschenke und die Hochzeitstorte wurde unter den Gästen verteilt. Es ist hier üblich, dass mehrere kleine Kuchen gebacken werden, damit die besonderen Gästen wie z.B. der Katechist oder Kollegen, einen Kuchen mit nach Hause nehmen können.

Danach wurde es für uns schon stressig, denn um 19 Uhr begann die Osternacht (und die Gottesdienste beginnen tatsächlich immer pünktlich, auch wenn viele Gläubige grundsätzlich eine halbe Stunde zu spät kommen). Natürlich durften wir nicht gehen bevor wir gegessen hatten, auch wenn das Buffet erst um viertel vor sieben aufgebaut wurde und wir, um die Sisters nicht zu enttäuschen, wirklich gehen wollten. Also aßen wir in Rekordgeschwindigkeit um dann einen der Männer vom Essen abzuhalten, damit er uns mit dem Motorrad zur Kirche bringen konnte. Gerade rechtzeitig kamen wir an der Kirche an und entdeckten die Gläubigen draußen am Osterfeuer. Im selben Moment kamen Father Justin und die Messdiener, um die Osternacht zu beginnen.

Die Osternacht – eine Explosion der Lebensfreude

Draußen am Osterfeuer weihte Father Justin die Osterkerze und wir entzündeten unsere Osterkerzen. Wie überall auf der Welt in der Osternacht war die Stimmung unverwechselbar schön und das Wissen darüber, dass nun überall Christen versammelt waren, um die Auferstehung ihres Herrn zu feiern, war dieses Jahr, so fern von zu Hause, toll. Gemeinsam zogen wir in die Kirche ein und begannen die Messe zu feiern. Flavia, eine Freundin, sang die Psalmen der Lesung wunderschön und als später das Licht angemacht wurde und zur Gabenbereitung wieder getanzt werden durfte, explodierten die Menschen. Jubeln, Tanzen, Singen, Klatschen, Trommeln, all das nahm kein Ende mehr und es war wunderbar zu sehen mit was für einer guten Laune wir „Jesus ocer“ (Lango für „Jesus lebt“) verkündeten und verkörperten. Mitten in dieser guten Laune wurden um die 30 Kinder getauft, was zur Auferstehung Christi symbolisch passte. Als der Gottesdienst endete, war zu spüren, dass unsere Tanzlust noch nicht zu Ende war. Also ging es nach dem Auszug des Priesters weiter: Der Chor stimmte Lieder an und die Gemeinde ging auf in den Tänzen zur Auferstehung Christi. Kurz vor Mitternacht taumelten wir, noch berauscht vom Geruch des Weihrauchs und der Musik, aus der Kirche und freuten uns auf eine Dusche und unser Bett, bevor wir am Ostersonntag um acht Uhr die nächste Messe besuchten.

Ostersonntag – Bemalte Eier gibt’s auch in Uganda

Den Ostersonntag begannen wir also mit dem Gottesdienst. Diesmal wurde von Beginn an getanzt und Kinder und Frauen gaben sich besondere Mühe mit dem Gestalten der Tänze. Die feierliche Atmosphäre vom Vortag hatten wir alle noch nicht verloren und brachten damit auch diese Messe wieder zum Leben.

Dieses Mal predigte Father Stan über die Ambivalenzen der Auferstehung. Zu Beginn fragte er uns: „Ist Jesus auferstanden?“ und selbstverständlich antworteten wir alle mit „Ja, Jesus lebt!“ Um die Gemeinde etwas zu provozieren meinte er dann, dass es ja schön sei, dass wir uns damit so sicher seien, aber woher wir dass denn wissen wollen? Schließlich hätten wir ihn ja noch nie gesehen, oder? Es gäbe ja auch viele andere Menschen, die behaupten, ihr Onkel sei auferstanden. Um die Auferstehung zu verkünden reiche es  nicht, nur aus der Bibel vorzulesen und zu sagen „Ja, Jesus lebt“. Nein, wir müssen die Auferstehung (all-)täglich leben, indem wir darauf vertrauen, dass Jesus in uns lebt und wir seine Grundwerte in uns aufnehmen und in der Welt verbreiten. Jesus hatte viele gute Taten vollbracht und Wunder getan, sodass auch wir als Christen uns daran orientieren und Nächstenliebe und Zusammenhalt zeigen sollen. Denn somit ist Jesus auferstanden und lebt in uns weiter. Eine besonders schöne Predigt am Ostersonntag.

Nach einigen weiteren Tänzen im Anschluss an die Messe gingen wir heim und verbrachten den Tag mit den Mädchen in der Schule, dem Vorbereiten einer Pizza und bunt bemalter Eier für die Party mit den Sisters und Fathers am Abend, die wir sehr genossen. Auch hier merkte man die gute Laune angesichts des Osterfestes und die ausgelassene Stimmung. Am Ende versuchten wir uns sogar noch in westafrikanischen Tänzen (Stan und Justin kommen aus Togo und Benin) und tanzten beim Abspülen total satt vom leckeren Essen mit den Sisters weiter zu ugandischer Musik.

Ostermontag – Ein Tag bei Mary und Paska

Am Ostermontag hatten Greta und ich dann auch noch frei und so schliefen wir erstmal ein bisschen aus, bevor wir uns daran machten, Brownies für unsere Freundin Paska zu backen. Paska bedeutet auf Lango Ostern und sie trägt den Namen, weil sie am Ostersonntag morgens geboren ist. Jetzt feiert sie ihren Geburtstag jedes Jahr an Ostern und zur Feier des Tages brachten wir ihr den leckeren Kuchen mit. Als wir ankamen, schälten wir zunächst geschlagene drei Stunden Erdnüsse, die Mary dann röstete und mit Sesam mischte, um sie später zur Mahlmaschine für Odi (die für den Norden Ugandas typische Erdnusspaste, die wir so lieben) zu bringen. Im Anschluss daran gab es Mittagessen und wir unterhielten uns nett mit den beiden und spielten mit Kindern, Enkeln, Neffen und Nichten – bei ihnen ist immer viel los.

Ihr Lieben, das war es auch schon wieder von mir. Ich habe hier ein erlebnisreiches und wunderbares Osterfest verbracht und bin wieder um einige Erfahrungen reicher geworden. Ich freue mich aber auch darauf, dass ich das nächste Osterfest wieder gemeinsam mit meiner Familie zu Hause bei deutschem Essen, Osterlamm und Ostereiern verbringen werde, so ein bisschen fehlen die Traditionen, an die man sich mit der Zeit so sehr gewöhnt, schon.

Ich freue mich von euch zu hören und auch noch über jede weitere Spende für den Schlafsaal (Kontoadresse im Blogeintrag vorher).

An Alle, die in Deutschland im medizinischen Bereich tätig sind: Das Health Center, in dem ich arbeite, kann alles mögliche an Untersuchungsgeräten gebrauchen. Wenn also jemand unbenutzte Blutdruckgeräte, Fieberthermometer oder anderes zu Hause oder in der Praxis rumliegen hat, würde ich mich sehr freuen, wenn diese Dinge an meine Mama Conny weitergegeben werden, damit sie die dann im Mai mitbringen kann (bitte nichts kaufen, Geldspenden gerne -> Verwendungszweck: Alenga, H/C)

Ganz liebe und vor allem von der Sonne und Lebensfreunde gewärmte Grüße

Eure Francesca

 

Jesus ocer ! – Jesus lebt !

Hallo ihr Lieben,

ich hoffe, dass ihr ein schönes und gesegnetes Osterfest mit euren Familien und Freunden verbracht habt. Ich habe meines sehr genossen und festgestellt, dass Katholiken auch am anderen Ende der Welt die Auferstehung Christi auf eine ähnliche Art und Weise feiern.
Heute möchte ich euch davon erzählen, wie ich hier in Alenga die Fastenzeit und das Osterfest verbringen durfte und was ich sonst noch alles erlebt habe in den letzten Wochen.

Die Fastenzeit

Am Aschermittwoch begannen wir die Fastenzeit mit einem schönen Gottesdienst am Morgen. Der Beginn der enthaltsamen Fastenzeit bedeutete, wie schon in der besinnlichen Adventszeit, dass in der Kirche nicht mehr getanzt werden durfte. Stattdessen gab es jeden Freitag Nachmittag einen Kreuzweg mit anschließendem Rosenkranz beten und der Möglichkeit zur Beichte. Uns hat überrascht, wie viele Kinder und Jugendliche während dieser Zeit fast wöchentlich gebeichtet haben. Das kennen wir aus Deutschland nicht.

Während sich in Deutschland viele ein festes Fastenziel vornehmen, wie das Verzichten auf Alkohol oder Süßigkeiten, haben wir hier kein derartiges Verzichten mitbekommen. Sister Anne hat mir erzählt, dass die Schülerinnen während des Religionsunterrichts auf die Frage, wie sie ihre Fastenzeit gestalten wollen, geantwortet haben, dass sie so arm seien, dass sie doch auf nichts verzichten können, sie haben ja sowieso nichts und würden nur Maisbrei mit Bohnen essen. Es ist uns hier schon oft aufgefallen, dass ein Standardsatz ist: “Wir sind ja arm, wir haben nichts.“ Das wird gern gesagt, egal ob man einen guten Job hat oder wirklich arbeitslos ist.

Die Priester und Schwestern haben die Mädchen stattdessen ermutigt, durch Taten zu Fasten. Das impliziert also, anderen zu helfen, den Hass überwinden, Streitereien schlichten und Liebe im Alltag zeigen und leben.

Einweihung von Unterrichtsräumen in einer Primary School

Am 22. März waren wir gemeinsam mit Sister Anne, Sister Evaline und Father Stan an der Apele Primary School, über die wir schon zu Beginn im Blog berichtet haben, um an einer Einweihungsfeier für drei neue Klassenräume teilzunehmen, die dort mit Stans Hilfe entstanden sind. Eine deutsche Organisation namens „Vier Steine für Afrika“ (www.viersteinefuerafrika.de) hat das Geld für dieses Gebäude gesammelt und durch Stan als Kontaktmann vor Ort können solche Projekte hier gelingen und verwirklicht werden.

Es war ein wirklich schönes Fest, alle SchülerInnen haben etwas vorbereitet und auf Englisch gesungen, getanzt und Gedichte aufgesagt. Sogar die ganz Kleinen aus der Nursery School (Kindergarten) haben ein englisches Lied mit passendem Tanz aufgeführt. Auch die Eltern haben Showbeiträge geliefert und durch Reden und ein leckeres Essen wurde das Fest abgerundet. Zu guter Letzt durften noch alle wichtigen und einflussreichen Besucher wie beispielsweise der Vorsitzende der Grundschulen des Apac Districts und eine lokale Politikerin und alle weißen Anwesenden (wir) ein Stück Land kaufen und mit einem kleinen Blümchen bepflanzen. Das Geld kommt der Entwicklung der Schule zu gute. Als wir zum Einpflanzen die Hacke schwangen, wurden wir ziemlich ausgelacht und wir schafften zwei Hiebe bevor uns ein besorgter Mann die Hacke aus der Hand riss und sich selbst an die Arbeit machte. Wir werden dank unserer Hautfarbe oft als empfindlich und zart eingestuft und dementsprechend körperlich unterschätzt.

Francis‘ Introduction – endlich Tanzen !

Am folgenden Wochenende waren wir wieder mal auf eine Introduction (traditionelle Hochzeit) eingeladen. Dieses Mal heiratete unser Freund Francis, der gemeinsam mit uns im Chor ist und immer während der Messe das Keyboard spielt. Die Hochzeit fand bei Francis zu Hause statt, was ungewöhnlich ist, normalerweise wird die Hochzeit im Heimatdorf der Frau ausgerichtet. Hier gab es weniger traditionelle Programmpunkte als bei Jaspers und Marthas Hochzeit, über die wir im Januar berichtet haben. Zu Beginn schnitten die Gäste das Band durch und wurden mit viel Jubel in den Festbereich geführt. Anschließend folgte eine ewig lange Vorstellungsrunde von allen anwesenden Gästen und den verschiedenen Verwandtschaftsverhältnissen. Der Katechist Alengas, Patrick, segnete das Brautpaar und predigte darüber, wie wichtig es sei mit der, für die Hochzeit auserwählten Frau, zusammen zu bleiben und für ein stabiles und harmonisches Zusammenleben zu sorgen, statt sie gegen eine andere Frau auszutauschen und sie mit den Kindern allein zu lassen. Eine solche Verantwortungslosigkeit in Bezug auf die Ehe und die Familie gibt es hier häufig, viele der Schülerinnen leben allein mit der Mutter, mit ihrem Vater und Stiefmutter Nummer drei oder gar bei Großeltern oder entfernten Verwandten, weil beide Eltern nach dem Ende der Ehe verschwunden sind.

Da die Hochzeit bei Francis stattfand, wurden dann einige Männer für die „Brautsuche“ unter einer Decke vorgebracht und die Brautjungfern haben nach dem Bräutigam Ausschau gehalten. Als Francis als Letzter unter der Decke hervorkam, wurde gejubelt, getanzt und das offizielle Programm war beendet, sodass wir uns mit Freunden von Francis unterhielten und Fotos machten. Als es Essen gab, wurden wir wie besondere Ehrengäste behandelt, was uns eher unangenehm war, aber sich nicht ändern ließ, und durften mit einigen Männern separat Essen. Wir unterhielten uns mit ihnen über Sprachen und sie waren sich sehr einig damit, dass man, wenn man Deutsch beherrscht, keinerlei Probleme mehr hat. Sie entwarfen endgültig Zukunftsträume, wie sie eines Tages in Deutschland leben würden, als wir ihnen erzählten, dass der Mann bei uns keine teure Mitgift für die Zukünftige bezahlen muss.

Im Anschluss wurde dann richtig ausgelassen getanzt, worüber auch wir uns freuten, denn bei Jasper mussten wir ja schon vor dem Tanz aufbrechen. Zunächst tanzten nur die Frauen und reichten Flaschen mit Alkohol umher, während die Männer etwas abseits saßen und dort den lokalen Schnaps aus Eimern genossen. Später aber tanzten auch die Männer, wobei Frauen und Männer keineswegs zusammen tanzten und man deutlich gemerkt hat, dass viele Männer, je später es wurde, betrunkener und unangenehmer wurden. Gegen neun Uhr verließen wir das Fest, schließlich wohnen wir ja bei Schwestern und müssen auf unseren Ruf achten, was hier wirklich nicht leicht ist, da alles gleich im ganzen Dorf rumerzählt wird.

Fun fact: In letzter Zeit haben wir viel gebacken und dementsprechend viele Eier gekauft. Dann wurde Francesca in der Arbeit gleich mal darauf angesprochen, dass wir so viele Eier äßen und davon dick würden und, dass wir sie bei Jasper kaufen sollten, statt vorne im Centre… Ach ja, das Dorfleben ist doch wunderbar.

Palmsonntag – Beginn der Karwoche

Den Palmsonntag begannen wir mit einer fröhlichen und ausgelassenen Prozession. Ein bisschen von der Kirche entfernt standen wir zum anfänglichen Gebet in der Sonne und schwangen unsere Palmzweige – endlich mal ein Palmsonntag mit richtigen Palmblättern statt Buxbaumblättern. Viele Kinder und auch die Schülerinnen hatten ihre Palmwedel wunderschön mit Blüten verziert und gemeinsam mit den fröhlichen Liedern des Palmsonntags kam eine tolle Atmosphäre während der Prozession auf. Ungefähr auf der Hälfte der Prozession entschied sich dann aber ein Teil der Gläubigen, schnell eine Abkürzung zu nehmen, um in der Kirche noch einen guten Sitzplatz zu bekommen, denn es war unfassbar viel los. Die Messe war lebhaft und, wie eigentlich immer hier, sehr lang. Danach gönnten wir uns ein leckeres Frühstück und einen entspannten Tag, bevor wir abends für die Priester lecker kochten.

Gründonnerstag – Fußwaschung und die Feier des letzten Abendmahls

Karfreitag – Er starb für uns am Kreuz

Nachdem ich am Vormittag noch unterrichtet habe – ja, auch in Uganda ist Karfreitag ein Feiertag, aber in Sister Annes Internat gibt es selten auch „unterrichtsfrei“ – machten wir uns um zwölf Uhr zum großen Kreuzweg auf. Wir gingen ca. zwei Kilometer und passierten dabei die 14 Stationen des Kreuzwegs. Bei jeder Station wurde angehalten, die passende Bibelstelle verlesen und gebetet. Anschließend trugen verschiedene Gläubige das Kreuz bis zur nächsten Station und so kamen wir gleichzeitig mit dem Gewitter in der Kirche an.

Dann begannen wir mit der Karfreitagsliturgie. Die Lesung wurde von Mitgliedern des Chors vorgetragen, leider nicht so schön und feierlich wie ich es von zu Hause gewohnt bin. Zur Kreuzverehrung kamen die Gläubigen auf Knien nach vorn an den Altar und berührten und küssten den Gekreuzigten. Am Ende wurde die am Gründonnerstag geweihte Hostie aus dem Tabernakel, dessen Platz ich am Vortag mit den Sisters dekoriert hatte, geholt und verteilt. Unsere super Konstruktion mit Tesafilm hielt leider nicht, sodass die Tücher schon halb abfielen. Aber daran störte sich niemand. Zum Schluss wurde dann der Altar leer geräumt und alle verließen nach und nach die Kirche.

Browns Introduction – Von Gewohnheiten und kulturellen Unterschieden

Am Samstag waren wir dann erneut auf eine Hochzeit eingeladen. Als unser Freund Brown uns einlud, sagte er uns, dass die Besucher um elf Uhr ankommen sollten und um zwölf Uhr werde die Hochzeit beginnen. Wir verabredeten uns um zehn Uhr mit unserer Freundin Anna, um dann gemeinsam auf Brown zu warten, der uns mit einem Auto für die Feier abholen wollte. Anna war, obwohl wir eine halbe Stunde zu spät waren und uns schon Sorgen machten, noch im Garten am Arbeiten und begrüßte uns um halb zwölf mit den Worten „Ihr seid aber früh!“ Dann bekamen wir erst mal ein kleines Frühstück und sie stellte sich doch glatt in die Küche, um uns ein Mittagessen zuzubereiten. So genossen wir noch gemeinsame und schöne Stunden bei Anna, die sich nach und nach ganz gemütlich fertig machte, wir machten noch ein Mittagsschläfchen und um halb vier holte Brown uns dann auch mal mit dem Taxi ab. Kaum zu glauben, dass wir nach sieben Monaten in Alenga immer noch derartige Anfängerfehler machen, aber man wird solche deutschen Gewohnheiten, die sich achtzehn Jahre lang eingebrannt haben, einfach nicht so schnell wieder los. Wie sagt man noch gleich? „Die Europäer haben Uhr, die Afrikaner haben die Zeit.“

Als wir auf dem Hochzeitsgelände ankamen, mit 15 Leuten (inklusive Bräutigam, auf den für den Beginn der Feier gewartet wurde) stiegen wir aus einem Wagen für neun, ging es dann auch gleich mit viel Jubel, Tanz und Partyatmosphäre los und es begann ein schön gestaltetes Fest. Es gab einen lustigen Moderator, der besonders begeistert davon war, zwei deutsche Mädchen unter den Besuchern zu entdecken und deshalb auch alles auf Englisch übersetzte. Die Verhandlung der ältesten Männer der Familien über die Mitgift zu Beginn dauerte wieder Ewigkeiten, Brown musste für seine Verlobte drei Kühe und neun Ziegen und natürlich noch alles mögliche andere bringen. Nach einigen Reden und offiziellerem Programm, begann die lustig gestaltete Brautsuche, bei der viele Brautjungfern kamen unter denen die Freunde des Bräutigams die wirkliche Braut zu entdecken versuchten. In einer Runde verkleideten sich drei Frauen als Alte und spielten das Ganze wirklich richtig gut, samt zitterigen Händen und verlangsamter Sprache. Als die richtige Braut, Sharon, gefunden wurde, folgte die Vorstellung des Mannes bei den Eltern der Braut und umgekehrt, wobei Browns Eltern bereits beide verstorben sind, sodass seine Tante und sein Onkel stattdessen anwesend waren.

Dann übergaben sich die beiden kleine Hochzeitsgeschenke und die Hochzeitstorte wurde unter den Gästen verteilt. Es ist hier üblich, dass mehrere kleine Kuchen gebacken werden, damit die besonderen Gästen wie z.B. der Katechist oder Kollegen, einen Kuchen mit nach Hause nehmen können.
Danach wurde es für uns schon stressig, denn um 19 Uhr begann die Osternacht (und die Kirche beginnt tatsächlich immer pünktlich, auch wenn viele Gläubige grundsätzlich eine halbe Stunde zu spät kommen). Natürlich durften wir nicht gehen bevor wir gegessen hatten, auch wenn das Buffet erst um viertel vor sieben aufgebaut wurde und wir, um die Sisters nicht zu enttäuschen, wirklich gehen wollten. Also aßen wir in Rekordgeschwindigkeit, um dann einen der Männer vom Essen abzuhalten, damit er uns mit dem Motorrad zur Kirche bringen konnte. Gerade rechtzeitig kamen wir an der Kirche an und entdeckten die Gläubigen draußen am Osterfeuer. Im selben Moment kamen Father Justin und die Messdiener, um die Osternacht zu beginnen.

Die Osternacht – eine Explosion der Lebensfreude

Draußen am Osterfeuer weihte Father Justin die Osterkerze und wir entzündeten unsere Osterkerzen. Wie überall auf der Welt in der Osternacht war die Stimmung unverwechselbar schön und das Wissen darüber, dass nun überall Christen versammelt waren, um die Auferstehung ihres Herrn zu feiern, war dieses Jahr so fern von zu Hause toll. Gemeinsam zogen wir in die Kirche ein und begannen die Messe zu feiern. Flavia, eine Freundin, sang die Psalmen der Lesung wunderschön und als später das Licht angemacht wurde und zur Gabenbereitung wieder getanzt werden durfte, explodierten die Menschen. Jubeln, Tanzen, Singen, Klatschen, Trommeln, all das nahm kein Ende mehr und es war wunderbar zu sehen mit was für einer guten Laune wir „Jesus ocer“ (Lango für „Jesus lebt“) verkündeten und verkörperten. Mitten in dieser guten Laune wurden um die 30 Kinder getauft, was symbolisch zur Auferstehung Christi passte. Als der Gottesdienst endete, war zu spüren, dass unsere Tanzlust noch nicht zu Ende war. Also ging es nach dem Auszug des Priesters weiter: Der Chor stimmte Lieder an und die Gemeinde ging auf in den Tänzen zur Auferstehung Christi. Kurz vor Mitternacht taumelten wir, noch berauscht vom Geruch des Weihrauchs und der Musik aus der Kirche, und freuten uns auf eine Dusche und unser Bett, bevor wir am Ostersonntag um acht Uhr die nächste Messe besuchten.

Ostersonntag – Bemalte Eier gibt’s auch in Uganda

Den Ostersonntag begannen wir also mit dem Gottesdienst. Diesmal wurde von Beginn an getanzt und Kinder und Frauen gaben sich besondere Mühe mit dem Gestalten der Tänze. Die feierliche Atmosphäre vom Vortag hatten wir alle noch nicht verloren und brachten damit auch diese Messe wieder zum Leben.

Dieses Mal predigte Father Stan über die Ambivalenzen der Auferstehung. Zu Beginn fragte er uns: „Ist Jesus auferstanden?“ und selbstverständlich antworteten wir alle mit „Ja, Jesus lebt!“. Um die Gemeinde etwas zu provozieren meinte er dann, dass es ja schön sei, dass wir uns damit so sicher seien, aber woher wir dass denn wissen wollen? Schließlich hätten wir ihn ja noch nie gesehen, oder? Es gäbe ja auch viele andere Menschen, die behaupten ihr Onkel sei auferstanden. Um die Auferstehung zu verkünden reiche es nicht, nur aus der Bibel vorzulesen und zu sagen „Ja, Jesus lebt“. Nein, wir müssen die Auferstehung (all-)täglich leben, indem wir darauf vertrauen, dass Jesus in uns lebt und wir seine Grundwerte in uns aufnehmen und in der Welt verbreiten. Eine besonders schöne Predigt am Ostersonntag.

Nach einigen weiteren Tänzen im Anschluss an die Messe gingen wir heim und verbrachten den Tag mit den Mädchen in der Schule, dem Vorbereiten einer Pizza und bunt bemalter Eier für die Party mit den Sisters und Fathers am Abend, die wir sehr genossen. Auch hier merkte man die gute Laune angesichts des Osterfestes und die ausgelassene Stimmung. Am Ende versuchten wir uns sogar noch in westafrikanischen Tänzen (Stan und Justin kommen aus Togo und Benin) und tanzten beim Abspülen total satt vom leckeren Essen mit den Sisters weiter zu ugandischer Musik.

Ostermontag – Ein Tag bei Mary und Paska

Am Ostermontag hatte ich dann doch noch frei und so schliefen wir erstmal ein bisschen aus, bevor wir uns daran machten, Brownies für unsere Freundin Paska zu backen. Paska bedeutet auf Lango Ostern und sie trägt den Namen, weil sie am Ostersonntag morgens geboren ist. Jetzt feiert sie ihren Geburtstag jedes Jahr an Ostern und zur Feier des Tages brachten wir ihr den leckeren Kuchen mit. Als wir ankamen, schälten wir zunächst geschlagene drei Stunden Erdnüsse, die Mary dann röstete und mit Sesam mischte, um sie später zur Mahlmaschine für Odi (die für den Norden Ugandas typische Erdnusspaste, die wir so lieben) zu bringen. Im Anschluss daran gab es Mittagessen und wir unterhielten uns nett mit den beiden und spielten mit Kindern, Enkeln, Neffen und Nichten – bei ihnen ist immer viel los.

Ihr Lieben, das war es auch schon wieder von mir. Ich habe hier ein erlebnisreiches und wunderbares Osterfest verbracht und bin wieder um einige Erfahrungen reicher geworden. Ich freue mich aber auch darauf, dass ich das nächste Osterfest wieder gemeinsam mit meiner Familie zu Hause bei deutschem Essen, Osterlamm und Ostereiern verbringen werde, so ein bisschen fehlen die Traditionen, an die man sich mit der Zeit so sehr gewöhnt, schon.
Ich freue mich, von euch zu hören und auch noch über jede weitere finanzielle Unterstützung für den Schlafsaal (Kontoadresse im Blogeintrag vorher).

Ganz liebe und vor allem von Sonne, Glück, Dankbarkeit und Lebensfreude gewärmte Grüße

Eure Greta

Eure Spenden: Mit Muskelkraft geht es in großen Schritten voran

Liebe Leserinnen und Leser,

nun ist schon wieder etwas Zeit vergangen und einige von euch fragen sich sicherlich, was denn aus euren Spenden geworden ist. Die Spenden sind alle angekommen und werden auch schon tatkräftig eingesetzt! Auf diesem Weg möchte ich mich nochmal bei allen bedanken, die unsere Projekte hier in Alenga finanziell unterstützen.

Durch die Spenden konnten wir schon einiges realisieren: Greta und mir ist es gelungen, Patenschaften aus Deutschland für  zehn Schülerinnen der Schneiderinnenschule zu finden, um ihnen weiterhin die Möglichkeit zu bieten die Schule zu besuchen.
Zudem konnten die beiden kleinen Jungs Timothy und Oscar auf eine private Primary School geschickt werden!

Und jetzt zu unserem großen Projekt: Der Schlafsaal

Schon vor unserem Urlaub haben wir uns mit Father Stan und einem Architekten zusammengesetzt um die Baupläne zu besprechen. Als wir von unserer Reise zurückkamen, ging es dann auch ziemlich schnell und in einem rasanten Tempo los. Jeden Tag, auch am Wochenende, sieht man auf der Baustelle neben dem alten Schlafsaal viele Männer, die mit harter Muskelkraft Stein um Stein aufeinander bauen. So etwas wie Bagger oder Walzen gibt es hier nämlich nicht!
Greta und ich werfen oft einen oder zwei  äußerst fachkundige und professionelle Blicke auf die oberkörperfreien Bauarbeiter und sehen so, ob alles richtig läuft. Natürlich hat auch Father Stan ein (vielleicht etwas qualifizierteres) Auge darauf.
Jedenfalls sind wir positiv überrascht, da man wirklich schon einiges von dem Schlafsaal sehen kann. Wirklich toll, wie schnell das geht!

So schön das jetzt auch alles klingt, wir brauchen aber immer noch ein paar Spenden, um den Schlafsaal auch vollständig übergeben zu können. Wir haben uns für die etwas teurere Variante des Hauses entschieden, da so auch alles richtig isoliert wird und die 60 Schülerinnen auch in der heißen Trockenzeit nachts einschlafen können und sich nicht nass schwitzen müssen. Wir brauchen noch Spendengelder, zum einen, um die Isolation finanzieren zu können und zum anderen für die Innenausstattung des Saals: Stockbetten, Moskitonetze (momentan schlafen ca. die Hälfte der Mädchen ohne Netz, was das Malariarisiko erheblich steigert) und andere kleine Anschaffungen.
Ich würde mich also sehr freuen, wenn unter meinen Leserinnen und Lesern noch jemand Lust hat zu spenden! Gerne darf das Projekt auch in Freundes-, Familien- oder Nachbarschaftskreise getragen werden.

Comboni-Missionare KöR, 73479 Ellwangen
IBAN: DE66 6145 0050 0110 6170 15
BIC: OASPDE6AXXX
Verwendungszweck: MaZ Francesca Cyris (631) Alenga, Uganda

Bei Fragen oder Anregungen meldet euch einfach bei mir unter Francesca.Cyris@yahoo.com.

Ich wurde nun schon häufig gefragt, ob das Geld denn wirklich bei mir ankommt etc.: Die Spende wird von der Missionsprokura in Deutschland vollständig und ohne Abzug nach Uganda überwiesen. Die Prokura der Comboni-Missionare in Uganda behält dann ca. 5% der Spende für sich als Bearbeitungsgebühr und um Arbeitskräfte zu bezahlen. Daraus folgt, dass 95% der Spende hier bei mir ankommen und direkt in den Schlafsaal fließen. Der Bau wird durch eine einheimische Firma aus unserem Nachbardorf Ibuje geleitet und organisiert, alle Arbeitskräfte stammen aus Alenga und Umgebung.

Vielen Dank an alle Leute, die so oft an mich denken und mich finanziell aber auch mental unterstützten!!!

Ganz liebe Grüße aus dem nassen, verregneten und langsam wieder grünen und zauberhaften Alenga

Eure Francesca

Erste Fortschritte sind sichtbar

Liebe Leserinnen und Leser,

zu Beginn dieses Artikels möchte ich mich erst einmal bei den zahlreichen Spendern bedanken, die das Projekt in Alenga bereits unterstützt haben!

Ich habe mich über die vielen Reaktionen auf meinen Zeitungsartikel und die Rundmail gefreut und am Ende ist tatsächlich so viel zusammengekommen, dass wir nun nicht nur die beiden kleinen Jungen, Timothy und Oscar, zu einer privaten Schule schicken konnten, sondern auch Paten für neun der Schülerinnen, die ich unterrichte, gefunden haben. Diese Patenschaften sind etwas ganz Besonderes und nehmen den Mädchen einige Sorgen, so dass sie sich in der Schule hoffentlich freier fühlen und ganz auf das Lernen konzentrieren können.

Eine Baustelle auf dem Schulgelände

Außerdem haben wir ausreichend Spenden bekommen, um mit dem Bau des Schlafsaals starten zu können. Direkt nach unserem Urlaub haben wir gemeinsam mit unserem Mentor, Father Stan, ein Gespräch mit dem Architekten geführt und alles in die Wege geleitet.

Inzwischen lassen sich die Baufortschritte wirklich sehen, so dass ich beschlossen habe, euch ein kleines Zwischenupdate zu geben:

Tatsächlich fehlt uns aber immer noch Geld für den Bau des Schlafsaals. Wir haben uns von vornherein für die etwas teurere Option entschieden, die eine Isolation des Gebäudes beinhaltet. Der jetzige Schlafraum hat keine ausreichenden Lüftungsmöglichkeiten und wenn knapp 60 Mädchen dort schlafen, kann man sich vorstellen, dass es wirklich unangenehm ist. Gerade in der Trockenzeit, die jetzt hinter uns liegt, bleibt es auch nachts so heiß, dass man im Sitzen anfängt zu schwitzen. Nun hat die Regenzeit begonnen, was nicht nur eine angenehme Auswirkung auf die Temperaturen zeigt, sondern auch die Natur ist endlich wieder grün und die Landwirtschaft kann beginnen.

Nun vom Wetterbericht wieder zurück zum Thema: Wir brauchen noch Spendengelder, zum einen, um die Isolation finanzieren zu können und zum anderen für die Innenausstattung des Saals: Stockbetten, Moskitonetze (momentan schlafen ca. die Hälfte der Mädchen ohne Netz) und andere kleine Anschaffungen.
Ich würde mich also sehr freuen, wenn unter meinen Leserinnen und Lesern noch jemand Lust hat zu spenden! Gerne darf das Projekt auch in Freundes-, Familien- oder Nachbarschaftskreise getragen werden.

Comboni-Missionare KöR, 73479 Ellwangen

IBAN: DE66 6145 0050 0110 6170 15

BIC: OASPDE6AXXX

Verwendungszweck: MaZ Margareta Berges (628) Alenga, Uganda

Bei Fragen oder Anregungen meldet euch einfach bei mir unter greta.berges[@]gmx.de.

Ich wurde nun schon häufig gefragt, ob das Geld denn wirklich bei mir ankommt etc.: Die Spende wird von der Missionsprokura in Deutschland vollständig und ohne Abzug nach Uganda überwiesen. Die Prokura der Comboni-Missionare in Uganda behält dann ca. 5% der Spende für sich als Bearbeitungsgebühr und um Arbeitskräfte zu bezahlen. Daraus folgt, dass 95% der Spende hier bei mir ankommen und direkt in den Schlafsaal fließen. Der Bau wird durch eine einheimische Firma aus unserem Nachbardorf Ibuje geleitet und organisiert, alle Arbeitskräfte stammen aus Alenga und Umgebung.

Noch kurz zu mir und zur Schule

Abgesehen vom äußerst professionellen Betrachten der Baustelle, was sich dank meiner Unkenntnis eher darauf beläuft oberkörperfreien Männern ein freundliches „Apwoyo tic“ (Danke für Ihre Arbeit) zuzurufen – keine Sorge, Father Stan kennt sich besser aus und hat ein Auge auf die Baustelle geworfen – geht es mir hier in Alenga nach wie vor richtig gut!
In der Schule stehen diese Woche schon die „Mid Term Exams“ an, was mir mal wieder gezeigt hat, dass die Zeit viel zu schnell vergeht. Klausur stellen und korrigieren, das macht mir am wenigsten Spaß an meiner Arbeit. Ja, dieses Jahr hilft mir tatsächlich auch Empathie für meine ehemaligen Lehrer zu entwickeln. Etwas spät zwar, aber für die Universität reicht es ja noch. 🙂

Ansonsten verbringe ich gerne Zeit in der Schule, egal, ob mit den Mädchen während des Unterrichts und in ihrer Freizeit, mit den Lehrern in den Pausen oder an der Nähmaschine. Als Freiwillige stehe ich etwas zwischen den Stühlen – schließlich bin ich kaum älter als die meisten Mädels und habe selbst gerade erst die Schule beendet, aber auf der anderen Seite stehe ich vormittags als Autoritätsperson vor der Klasse, ermahne störende Schülerinnen und vergebe Noten. Das ist nicht immer ganz leicht, aber ich habe mich gut eingefunden, versuche den Mittelweg zu finden und wurde von Sister Anne „senior woman teacher“ getauft, was das ganz genau bedeutet, habe ich aber noch nicht rausgefunden.

Am Sonntag, den 4. März, haben wir eine Einführungsparty für die neuen Erstklässler, die seit Februar bei uns sind, gefeiert. Es war ein schönes Fest mit kurzen Reden, viel Tanz, Musik und leckerem Essen, das wir zuvor alle gemeinsam gekocht hatten. Ich habe den Tag mit den Mädchen sehr genossen. Besonders lustig war es, als sie Fotos auf meinem Handy angeschaut haben und mich in Hot Pans und Top irgendwo in Berlin gesehen haben. Danach haben sie mich detailliert zum deutschen Kleidungsstil ausgefragt und ich musste viel lachen. Inzwischen habe ich mich schon so an meine knielangen Röcke gewöhnt, dass selbst ich kurz aufschrecke, wenn ich ein Foto von mir in Hot Pans sehe. Penina, ein besonders aufgewecktes Mädchen, hat mich direkt mal gefragt, ob sie meine Hot Pans haben könne. Sie würde dann nach Entebbe an den Strand fahren und sie dort tragen.

Ihr Lieben, vielen Dank für euer Interesse, eure Unterstützung und alle lieben Nachrichten, die ich hier empfange.

Ganz liebe Grüße aus dem wunderschönen Alenga,

eure Greta

Neue Orte, neue Geschichten: unser Urlaub

Mambo !

Heute möchten wir euch von den Erlebnissen erzählen, die wir während unserer Reise von Ende Dezember bis Anfang Februar sammeln durften.

Am 28. Dezember ging es mit dem Bus aus Alenga nach Kampala los. Das war direkt ein nervenaufreibendes Spektakel für unsere deutschen Herzen:
In Alenga hatte der Bus eine Stunde Verspätung und wir hatten uns schon fast darauf eingestellt, dass wir erst am nächsten Tag fahren werden, als er dann doch noch kam und uns sechs Stunden später im New Taxi Park Kampalas absetzte. Wir waren ziemlich mit Gepäck beladen und wollten nun eins der sehr günstigen öffentlichen Taxis (zugelassen auf 14 Personen, beladen stets mit mehr) in die Richtung unserer Unterkunft bei den Combonis nehmen. Dafür muss man in Kampala in den Old Taxi Park. Da wir uns mit dem Weg nicht ganz sicher waren, fragten wir unseren Busfahrer um Hilfe. Dieser schickte uns mit seinem Freund los. Auf dem Weg beobachteten wir, wie ein Mann einen auf dem Boden schlafenden Mann ausraubte. Er durchsuchte vor den Augen aller seine Taschen und niemand unternahm etwas dagegen, auch wir waren nicht mutig genug. Außerdem öffneten im Gedränge zwischen vielen Menschen, hupenden Autos, Verkaufsständen und aufdringlichen Verkäufern einige Männer unsere Rucksäcke und zogen uns an ihnen zurück. Passiert ist uns aber zum Glück nichts und wir kamen  heil bei den Combonis an. Fest steht, dass Kampala eine anstrengende und überfordernde Großstadt sein kann, wenn man sich nicht gut genug auskennt.

Erster Stop: Entebbe

Silvester verbrachten wir in der am Viktoriasee gelegenen Stadt Entebbe. Dort fanden wir durch unser Hotel schnell einen ugandischen Freund, der Lust hatte mit uns in den nächsten Tagen die Stadt zu erkunden, uns Orte zu zeigen und mit uns ins neue Jahr zu feiern. Also trafen wir uns mit einigen seiner Freunde in einem wirklich coolen Club und es wurde eine lustige Tanznacht. Leider wurde Francesca kurz vor Schluss das Handy geklaut, wie es eben auch so oft in Deutschland im Club passiert.

Dennoch verbrachten wir sehr schöne Tage in Entebbe, besuchten die Botanical Gardens, die Ankunftsstelle der ersten katholischen Missionare in Uganda und das Wildlife Education Centre (WEC). Das WEC ist dafür gedacht, dass einheimische Familien, die sich die hohen Nationalparkgebühren nicht leisten können, auch in Kontakt mit der Tiervielfalt ihres Landes kommen. Leider sind die Gehege, insbesondere für Löwen, Geparden und Schlangen, viel zu klein und nicht sehr gut gepflegt, also taucht hier die Problematik vieler Zoos auf.

Außerdem fuhren wir an den Strand, wo uns sofort die Unterschiede zwischen ländlicher Gegend und der Stadt auffielen. Während in Alenga jede Frau sehr darauf bedacht ist, ihre Knie nicht zu zeigen, sahen wir in Entebbe und gerade am Strand viele Uganderinnen mit kurzen Röcken, Tops und Bikinis. Da merkten wir so richtig, wie uns unsere Umgebung prägt, so viel freie Haut hat uns erstmal geschockt.

An unserem letzten Tag dort machten wir einen Tagesauflug nach Jinja. Jinja ist die zweitgrößte Stadt Ugandas, in der auch viele Menschen indischer Herkunft wohnen. Dort bewunderten wir den Nilursprung und den riesigen Markt im Zentrum der Stadt, auf dem es eine unfassbare Auswahl an Obst, Gemüse und Gewürzen gibt.

Ugandas paradiesische Süßwasser Karibik: Die Ssese-Inseln

Wir verbrachten sechs wunderbar entspannte Tage auf der Hauptinsel der aus 84 Inseln bestehenden Inselgruppe. Wir nutzen die Zeit für Tage am Strand, Spaziergänge durch die Stadt, eine Besichtigung der Höhle des Buganda-Königs, eine aufregende Waldwanderung auf eigene Faust an einen einsamen Strand und eine Bootsfahrt zur „Virgin Island“. Dort sahen wir aus einigen Metern Entfernung ein Krokodil, viele bunte und interessante Vögel und auch sonst beeindruckte uns die unangerührte Flora und Fauna sehr.

Außerdem entschieden wir uns auch für eine Fahrradtour. Dafür liehen wir uns die Mountainbikes eines Freundes, die vielversprechender aussahen als sie waren, und eine grobe Karte der Insel, auf der wir den westlichsten Punkt der Insel als unser Ziel entdeckten. Dort angekommen sind wir leider nie… Erst mühten wir uns einige Stunden auf den Bergen der Insel ab und dann verloren wir den Weg komplett und machten einen kurzen Abstecher in den dichtbewachsenen Palmenwald. Dort überkam uns auch eine Schreckminute, als ein großes Tier direkt neben uns von einer Palme sprang, weshalb wir uns fix wieder auf die Räder schwangen und auf den Rückweg begaben.

Auf dem Weg zurück kamen wir bei „Bery´s Place“ vorbei. Dort nimmt ein deutsch-belgischer Krankenpfleger junge Mädchen zwischen 5 und 22 Jahren auf, die beispielsweise AIDS- Waisen oder Opfer von häuslicher Gewalt oder Missbrauch geworden sind. Die HIV- Rate auf den Ssese- Inseln ist erschreckend hoch, ca. 38 Prozent sind laut Studie positiv und nach Berys Vermutungen liegt die Dunkelziffer bei 50 Prozent. Er hat sich zur Aufgabe gemacht, die Mädchen über ihre Rechte aufzuklären, ihnen Bildung zu ermöglichen und auch eine psychologische Betreuung anzubieten. Das Projekt ist sein Lebenswerk und finanziert sich über Sponsoren aus dem Ausland. Uns hat das Projekt und das Gelände direkt am Viktoriasee sehr beeindruckt und inspiriert und durch einige Gespräche mit den Mädchen konnten wir merken, dass auch ihnen das Heim gefällt und sie die Schule genießen und verschiedene Zukunftsträume haben. Wer Interesse an dem Projekt gefunden hat, kann sich auf Berys Website unter www.BerysPlace.org informieren oder ihm eine E-mail an b.glaser@skynet.be schreiben.

Zu Besuch bei Peter: Katende

Auf dem Weg von den Ssese-Inseln nach Kampala blieben wir für eine Nacht bei Peter, einem anderen weltwärts-Freiwilligen, den wir schon während der Vorbereitung in Deutschland kennengelernt hatten.

Er lebt in Katende, einer Kleinstadt im Süden Kampalas, gemeinsam mit einigen Priestern und unterrichtet dort in verschiedenen Schulen Mathematik, Informatik und Deutsch. Uns fiel direkt ein großer Unterschied zu unserem Umfeld auf: Die Schulen Katendes sind teure Privatschulen und eine der Secondary Schools gehört zu den besten 15 Schulen Ugandas. Das Gelände dieser Secondary School war größer, gepflegter und moderner als meine Schule zu Hause. Auf dem Grundstück sahen wir überall Mottos und Denkanstöße für die SchülerInnen, wie zum Beispiel „Keep being a virgin.“(„bleibe Jungfrau“), aber auch „Everyone is equal.“(„Jeder ist gleich“).

Außerdem merkten wir im Austausch mit Peter und den Menschen aus seinem Umfeld auch, dass zwischen dem Süden und Norden Ugandas viele Unterschiede bestehen. Dies sieht man beispielsweise an der Infrastruktur, die im Süden deutlich besser ausgebaut ist. In der Umgebung Kampalas sind weitestgehend alle Straßen geteert und selbst in den kleinen Dörfern besteht eine gute Taxianbindung. Dadurch, dass es im wirtschaftlich starken Süden mehr und bessere Arbeitsplätze gibt, hat ein größerer Teil der Bevölkerung einen festen Job, was auch im äußeren Erscheinungsbild zu erkennen ist, weil z.B. mehr Frauen im Salon gemachte Frisuren aus Kunsthaar haben. In Alenga und Umgebung hingegen leben viele Menschen von Subsistenzwirtschaft und haben keine festen Arbeitsstellen.
Wir verbrachten einen schönen Abend mit Peter und einigen der Priester in einer der zahlreichen Bars Katendes und genossen es, die Möglichkeit zu haben am Abend ausgehen zu können, da das für uns in Alenga so nicht möglich ist.

Next Stop: Tansania

Am Ende einer anstrengenden und nervenaufreibenden 36-stündigen Busfahrt durch einen Großteil von Tansania, auf der maximal fünfminütige Toilettenpausen eingelegt wurden, fielen wir in Dar Es Salaam unseren Freundinnen Philo und Iris in die Arme. Gemeinsam verbrachten wir zwei schöne Tage in Dar Es Salaam. Die Stadt liegt wunderbar am Indischen Ozean und von ihrer Lage profitiert auch die Wirtschaft der Stadt. Ein ganz anderes Großstadtbild zeichnet sich hier ab, als wir es von Kampala gewöhnt sind.

Wir erkundeten unter anderem den riesigen Fischmarkt und stellten uns ein leckeres Picknick zusammen, was wir dann wirklich völlig aus Versehen auf der Polizeimarinestation genossen, auf der Suche nach einem schönen Plätzchen mit Ausblick aufs Meer. Dank unseres überragenden Charmes, Philos und Iris sehr guten Kisuaheli Kenntnissen und eines Mandasis durften wir dann tatsächlich unser Picknick dort zu Ende genießen. Die diensthabenden Polizisten hat der Anblick vier weißer Mädels, die Fisch, Früchte und andere Leckereien verschlingen, offenbar sehr erheitert.

Wo wir aus dem Staunen nicht mehr herauskamen: Sansibar

Zu viert wollten wir uns einige Tage Urlaub auf der Trauminsel Sansibar gönnen. Schon bei der Fährüberfahrt von Dar Es Salaam aus waren wir völlig im Urlaubsglück angekommen und der Wind des indischen Ozeans wehte so richtig durch unser Haar.

Nungwi

Unser erstes Ziel war Nungwi, ganz im Norden der Insel, wo wir uns eine ganz schöne Unterkunft direkt am Strand ausgesucht hatten. Sofort verliebten wir uns in den weitläufigen Strand und das türkisfarbene Meer unter strahlend blauem Himmel. Wie herrlich war es, endlich wieder schwimmen zu gehen, schließlich war das auf den Ssese-Inseln wegen der hohen Bilharziosegefahr im Viktoriasee nicht möglich gewesen.

Doch der Kulturschock holte uns schnell ein: Greta und ich sind es gewöhnt, stets die einzigen Weißen zu sein und davon kann man auf Sansibar wohl kaum sprechen. Überall Touristen und wir mittendrin, jetzt eben auch als Touristen. Wir mussten uns erstmal daran gewöhnen, dass man jetzt auf Deutsch nicht mehr sagen kann was man will, denn die Gefahr, dass es jemand versteht, war ja akut gestiegen. Doch der Schock war schnell überwunden, schließlich waren wir ja auch als Urlauber dort.

Besonderes Highlight in Nungwi war unsere Schnorcheltour nach Memba Island. Die Fahrt mit einem Holzsegelboot war ziemlich stürmisch, so dass doch glatt ein Drittel der Besatzung seekrank wurde. Leider gehörte ich auch dazu, aber mir ging es schnell wieder besser. Trotzdem genossen alle das Schnorcheln sehr: Bunte und vielfältige Fischarten in Korallenriffen, Wasserpflanzen und vieles mehr. Die Krönung war das anschließende Barbecue, was wir auf dem Dach des Schiffes genossen. Es gab Thunfisch, Chapati, Salat und Obst zum satt essen. Wirklich lecker! Die Heimfahrt verlief dann zum Glück auch etwas ruhiger, sodass niemandem mehr übel wurde und alle die Sonne und den Wind des Meeres genossen.
Generell war es für uns alle ein wirkliches Highlight in dieser Woche wieder europäisch essen zu können. Leider auch zu europäischen Preisen, aber Pizza, Pasta, Fisch und Eis genossen wir trotzdem.

Kulturen prallen aufeinander: Stone Town

Zum Abschluss unserer Tage auf Sansibar verbrachten wir auch noch zwei Nächte in der historisch geprägten Hauptstadt. Zuerst machten wir eine Stadttour, bei der wir die Beeinflussung der Architektur durch Araber, Inder und Sansibaris bewundern konnten. Typisch für Stone Town sind die verschiedenen Türstile der Gebäude und die engen, verschlungenen Gassen, die man ansonsten in Ostafrika nicht sieht. Außerdem hatten wir die Chance, den alten Sklavenmarkt der Stadt und das zugehörige Museum zu besichtigen. Das war zutiefst bedrückend, aber auch sehr interessant. Die Anglikanische Kathedrale wurde 1873-1880 von der „Universities Mission“ des bekannten David Livingstone und dem britischen Bischof Edward Steere auf dem früheren Sklavenmarkt erbaut. Als David Livingstone 1856 nach Sansibar kam, begann er politischen Druck auf den Sultan auszuüben, der den Sklavenhandel am 06. Juni 1873 endgültig verbot. Am Standplatz des Altars soll früher der Baum gestanden haben, an dem die Sklaven zum Verkauf angekettet wurden. In den Kellergebäuden besichtigten wir die Räume, in denen ca. 75 Sklaven auf engstem Raum bis zu ihrem Verkauf einquartiert wurden.

Wir sahen außerdem das bekannte House of Wonders (Weltkulturerbe), das das erste Haus in Ostafrika mit Elektrizität und fließendem Wasser war, den Arabischen Fort, den Sultanspalast und die Old Dispensary. Stone Town ist eine kulturell und historisch sehr beeindruckende Stadt und auf jeden Fall eine Reise wert.

Abends lockte es uns auf die beliebten Forodhani Gardens der Stadt, auf denen es alle möglichen Leckereien wie frischen Fisch, sansibarische Pizza, Eintopf und frischgepresste Säfte mit Kokosnuss, Passionsfrucht und Drachenfrucht gibt.
Kurz vor der Abreise machten wir noch das typische Touriangebot mit: Die Spice-Tour. Durch den Einfluss der Araber und Inder ist Sansibar ein Paradies der Gewürze. So bewunderten wir z.B. Vanille-, Zimt-, Pfeffer-, Ingwer-, Muskatnuss-, Kümmel- und Nelkenpflanzen. Wir durften auch alles probieren und zum krönenden Abschluss gab es frischgepflückte Kokosnuss und Prinzessinnenausstattung aus Blättern.

Zu Besuch bei Philo und Iris: Mkuranga

Natürlich wollten Greta und ich auch die Einsatzstelle unserer Freundinnen besuchen und gingen mit ihnen an ihre Arbeitsplätze. Während Iris in einem Kindergarten unterrichtet, arbeitet Philomena in der örtlichen Krankenstation. Die beiden scheinen auch sehr gut in ihrer Einsatzstelle angekommen zu sein und es hat uns viel Spaß gemacht, im Kindergarten für gute Laune und Unterhaltung zu sorgen. Es fiel uns schwer zu sehen, wie hart die Kinder aus erzieherischen Maßnahmen auf Hand und Schulter geschlagen werden und, dass dies zum Alltag gehört, genau wie das vom Lehrer angeleitete Ausbuhen von Kindern durch ihre Mitschüler.
Wir hatten eine wunderbare Zeit zu viert und es war toll, so eine intensive Möglichkeit zum Austausch zu haben. Gerne könnt ihr auch ihren Blog hier auf der Website lesen.

Zwischenseminar in Nairobi

Dieser Austausch ging beim Zwischenseminar weiter. Gemeinsam mit 17 weiteren Freiwilligen aus Uganda und Kenia verbrachten wir eine Woche  in Nairobi. Wir wohnten im Luxusviertel Nairobis bei Benediktinerschwestern und waren überwältigt von den riesigen Villen, der nahegelegenen Shoppingmall und den Bewohner dieses Viertels, schließlich sind wir als Freiwillige in ganz anderen Verhältnissen der Einsatzländer untergebracht. Kurz hatten wir einen Kulturschock, denn es hat sich angefühlt als hätte uns jemand in ein Flugzeug in die USA gesetzt.

Während des Seminars hatten wir die Chance, die bisherigen sechs Monate zu reflektieren, viele wichtige Themen wie z.B. globale Ungerechtigkeit, Gewalt in der Erziehung, politische Situationen der Einsatzländer oder Geschlechterrollen zu diskutieren und auch einen Ausblick auf unsere kommende Zeit hier zu werfen. Diese Gespräche haben uns sehr dabei geholfen, sich an den Sinn des Dienstes zu erinnern und wichtige Informationen aus der Vorbereitung wieder ins Gedächtnis zu rufen. Beispielsweise das Respektieren der Kultur mit gleichzeitigem Austausch über unsere Kulturkreise ohne etwas der deutschen Standards aufzwingen zu wollen. Greta und mir fällt das gerade in Bezug auf die vor Männern knienden Frauen in Alenga sehr schwer. Für uns wirkt es wie eine Erniedrigung der Frau, hier ist es ein Zeichen von Respekt und tief in der Kultur verwurzelt.
Bei diesen komplexen Themen brachen oft kontroverse Diskussionen aus, an denen man merken konnte, dass es nicht leicht ist, sich eine eindeutige Meinung zu bilden, da es viele verschiedene Blickwinkel gibt.

Am letzten Abend feierten wir noch alle gemeinsam in meinen 20. Geburtstag rein, während wir am Tag meines Geburtstags leider den ganzen Tag im Bus saßen auf dem Rückweg nach Kampala.

Zurück in der Heimat

Seit vergangenem Samstag sind wir wieder in unserer neuen Heimat Alenga. Es war wunderbar, hier die vertrauten Gesichter wiederzutreffen, neue Schülerinnen kennenzulernen und wieder im Alltag anzukommen. Inzwischen ist es schon fast als wären wir gar nicht weg gewesen, auch wenn wir unsere Langokenntnisse wieder etwas auffrischen müssen.
Wir können gar nicht fassen, dass schon die Hälfte unseres Einsatzes vorbei ist, die Zeit rast!!! Die kommenden sechs Monate werden wir in vollen Zügen genießen und freuen uns auch schon auf das Osterfest in Alenga und den Besuch unserer Eltern im Mai.

Ausblick auf einen neuen Schlafsaal

Zurück in der neuen Heimat bedeutet auch zurück im Projekt: Jetzt beginnen wir mit dem Bau des neuen Schlafsaals für die Mädchen und möchten uns bei allen Spendern herzlich bedanken. Gerne darf, wer möchte, auch jetzt noch für den Schlafsaal und seine Ausstattung spenden. Wir freuen uns sehr über euer Interesse und eure Unterstützung.

Comboni-Missionare KöR, 73479 Ellwangen

IBAN: DE66 6145 0050 0110 6170 15

BIC: OASPDE6AXXX

Verwendungszweck: MaZ Francesca Cyris (631) Alenga, Uganda

Ich melde mich bald wieder und freue mich auch von euch zu hören!

Ganz liebe und gut erholte Grüße
Eure Francesca