Archiv der Kategorie: Manila

Aufbruchsstimmung

Liebe Freunde, Verwandte und Interessierte,

das Glück kommt erneut über Euch – ich habe einen Artikel vollendet!

Da Ihr bestimmt auf der Suche nach einem trockenen Arbeitsbericht seid, möchte ich Euch diesen Gefallen gerne tun.

Heute ist es der 11.10.2017 und meine Zeit in Manila schreitet voran. Was heißt „schreiten“? Die Zeit fliegt!

Sowieso besteht die Theorie, dass die Zeit hier schneller vergeht – was auch die zwei jährlichen Jahreszeiten erklären würde. Es ist Zeit für einen Lagebericht der neuen Art, die Perspektive wird geändert.

Was machen wir aus der Zeit, nicht was macht die Zeit mit uns?

Montag – Freitag 9-14 Uhr: Mit Kindern und Familien in Parola Wissen gegen wertvolle Erfahrungen eintauschen.

Der Wechselkurs ist undefinierbar, die Organisation nach wie vor schleppend. Man muss sehr bedacht Vertrauen gewinnen und wer sagt schon gern zu unbekannten Kids: „Tut mir Leid, Du darfst heute nicht.“?

Pro Unterrichtseinheit ca. 12-15 Kinder. Mal mehr, mal weniger. Mal Unbekannte, mal Bekannte. Gekontert werden diese nicht kalkulierbaren Größen durch die Rekrutierung älterer Kinder, die mich physisch und mental während des Unterrichts unterstützen und als freiwillige Dolmetscher, Krisenmanager, Psychologen und Türsteher tätig sind.
Um auf diese Umstände adäquat reagieren zu können, muss man sagen, dass Klassengröße, Unterrichtszeit etc. von Woche zu Woche variieren – in Bewegung bleiben ist wichtiger denn je.

Die Gestaltung der Unterrichtseinheiten – und warum nur die Hälfte davon offensichtlich ist, wird übrigens im nächsten Artikel behandelt!

Neben den täglichen Hürden, auch außerunterrichtlich (gerade heute habe ich für zwei km Stadtverkehr stolze 1,5 Stunden benötigt), gefällt es mir in der Gegend immer besser. Einige Gesichter sind mittlerweile bekannt, aus verschiedenen Gates grüßen mich Bewohner aller Altersklassen. Manchmal kommt es mir so vor, als würde man sich an die Gegebenheiten und Umstände sehr schnell anpassen. Man fühlt sich wohl. Ist das naiv? Bitte den letzten Artikel lesen.

Was machen wir sonst mit unserer Zeit? Januar bis März steht ein großes Spendenprojekt an – dafür nehmen wir regelmäßig an Workshops teil. Das frisst Zeit. Viel Zeit. Weitere Infos kommen zeitnah, sobald die Verschweigenheitserklärung nicht mehr greift! Des Weiteren beginnen wir bald mit der Organisation unserer Weihnachtsfeier – die Aufgaben hierfür haben wir aufgeteilt und jeder packt mit an!

Darüber hinaus, was tut sich in unseren zwei Learning Centern in Parola und Payatas?

Beide Lernstandorte wachsen. In Payatas wird gerade eine neue Schule gebaut, das bestehende Haus baulich erweitert (die Planung hierfür läuft).
In Parola sind wir gerade eine Kooperation mit sechs weiteren Nichtregierungsorganisationen (NRO) eingegangen, um uns gegenseitig bei unserer Arbeit zu unterstützen. Inhalt der heutigen Besprechung war die „Versetzung“ von 30 Schülern der anderen Organisationen zu Puso sa Puso!

Zusätzlich zu diesem organisatorischen Reingewinn sind auch wir auf der Suche nach einem größeren Learning Center, da es langsam aber sicher an Platz mangelt.

Was soll man dazu sagen?
Der momentane Pioniergeist ist erfrischend und motiviert! Das näherrückende zehnjährige Jubiläum wird mit Sicherheit ein voller Erfolg.
Beeindruckend, was hier tagtäglich geleistet wird.

Viele Grüße in die Welt

Simon

Für zusätzliche Fotos: Instagram (Simon_b.g)

Wir sind naiv!

Liebe Freunde, Verwandte, Interessierte,

…es ist soweit! Es ist tatsächlich passiert!

Ein paar Wochen hat es gedauert und was soll ich sagen….es ist passiert!

Vor zwei Tagen hat mein Mitstreiter Moritz doch tatsächlich abends erstmals den magischen Satz erwähnt. Den Satz, mit dem ich nicht gerechnet hätte: „Simon, irgendwie hab ich gar kein Bock in zehn Monaten wieder das Land zu verlassen!“

TRUE STORY. Insgeheim stimmt es ja. Aber warum kommt der Satz jetzt? Warum nicht erst in fünf Monaten? Wie naiv sind wir?

Schließlich kennen wir noch nicht ansatzweise 1% dieser Stadt, noch nicht 0,0000001% aller schönen Plätze und noch weniger Prozent aller Erfahrungen und Menschen. Tja, vielleicht sind wir naiv. Aber was hat uns – wenn die Annahme überhaupt stimmt – dazu gebracht?

Tja, vielleicht…

…vielleicht ist es die Arbeit und unser veränderter Alltag. Seit einigen Tagen sind wir nun in den Slums von Manila voll eingebunden.

Nach dem Aufstehen um sechs bis sieben Uhr (wer eine Schlummerfunktion besitzt, der versteht die Zeitangabe) begeben wir uns auf den Weg nach Payatas (Jakob und Moritz) bzw. Parola (mein Einsatzort), um dort unserer primären Tätigkeit, dem Unterricht von Kindern der Gegend, nachzugehen.

Von Anfang an haben wir hier bei der Umsetzung unseres „Lehrauftrags“ freie Hand, was Organisation und Umsetzung anbelangt. Einzige Voraussetzung: der Unterricht muss im Gebiet stattfinden, ohne feste Klassenräume. Die Tatsache, dass nichts zu 100% planbar ist, zieht sich dabei durch den Tag, Klassen werden größer, die Häuser, in denen wir unterrichten, müssen gewechselt werden und vieles mehr.

Diese vermeintlichen Probleme machen in letzter Konsequenz Spaß, bestärkt durch die Tatsache, dass alles durch eine gewisse Grundentspannung angegangen wird. Ich korrigiere den letzten Satz. Macht nicht immer Spaß.

Wie dem auch sei, es ist nicht immer alles komplett entspannt. Hört sich auch viel zu romantisch an.

Die Gegend ist sehr arm, Kriminalität und Gewalt gehören leider zur Tagesordnung. Man sieht definitv viel.

Aber nichtsdestotrotz sind die Bewohner der Gegend freundlich – war klar, dass der Satz kommt, oder? So selbstverständlich ist das gar nicht.
Insgesamt mag ich es, in Parola zu arbeiten, vor Ort Zeit zu verbringen und durch die engen Gassen zu schlendern – stets mit fünf bis zehn Kindern um mich herum: die besten Securities, die man sich in dieser Gegend vorstellen kann. Die Arbeit macht Spaß, die Atmosphäre ist auf eine gewisse Weise einzigartig und der Adrenalinpegel hoch. Ich würde nicht tauschen wollen.

Gerade kümmere ich mich nach wie vor um die Einteilung der Klassen und Erstellung eines Lernplans. Hierbei unterscheide ich nach Vorkenntnissen und Alter. So die Theorie …

Neben dem Arbeitsalltag gibt es ebenfalls eine positive Form der Routine, die gerade Stück für Stück einzieht:

1. Logistische Zeiteffizienz: Der Umgang mit dem Nahverkehr wird routinierter, was im Endeffekt heißt, dass man schneller günstige Transportmöglichkeiten und schnellere Routen findet.

2. Heranschleichende Kosteneffizienz: Es werden nach und nach Einsparpotentiale entdeckt, so wurden beispielsweise die Wäschereikosten nach Betrachtung des Wettbewerbsmarkts erfolgreich um 37,5% reduziert.

3. Wachsende Kontinuität: Nach zwei Wochen Sprachkurs, mehreren Wochen Vorbereitung im Kindergarten etc. tut es gut, nun etwas über einen längeren Zeitraum aufbauen zu können.

4. Wir haben super viele neue Leute kennen gelernt!

Sind es diese Gründe, die uns bereits nach 15,3% der Zeit diesen voreiligen Schluss ziehen lassen?
Naja. Wohl mehr eine Vermutung, die sich gerade beginnt zu bestätigen.

Abschließend hier ein kurzes Dankwort an Alex Meisinger, unseren Vorgänger und guten Kumpel.
Er hat sich für unsere Eingewöhnungszeit sehr viel Zeit genommen und uns viel gezeigt. An dieser offiziellen Stelle nochmal vielen Dank für deine Ratschläge und Deine Zeit!
Wünschen wir ihm alle viel Erfolg bei seinem Studium in Regensburg – und jeder, der diesen Text liest und in Regensburg wohnt, möge ihm Bitte ein Bier ausgeben – das macht die philippinisch-deutsche Preisdifferenz gleich erträglicher.

Viele Grüße in die Welt!

Der Verkehr in Manila (#1)

Hallo zusammen,

Inzwischen bin ich nun schon die siebte Woche auf den Philippinen. Das Praktikum im Kindergarten ging am Freitag zu Ende, bald werden wir unsere Arbeit im Slum beginnen. Im Kindergarten konnte ich gute Einblicke in die Arbeit mit Kindern im Alter von zwei bis sechs Jahre erhalten, was die Anforderungen an die Kinder sind, was konkret von ihnen erwartet wird. Als ich gesehen habe, welchem Leistungsdruck die Kinder schon in solchem Alter ausgesetzt sind, war ich manchmal richtig froh um meine Kindergartenjahre, die ich als sehr gut in Erinnerung habe. Ich denke, man sollte das System, Kindern in solch jungen Jahren schon so viel beibringen zu wollen, auf jeden Fall kritisch überdenken. Ich hoffe ich kann meinen Unterricht so gestalten, dass die Kinder relativ stress- und druckfrei lernen können.

Neben der Arbeit mit den Kindern laufen gerade die Vorbereitungen für ein Theaterstück, das im Frühjahr aufgeführt werden soll. Dadurch sollen Spenden für „Puso sa Puso“ generiert werden. Das Projekt wird sehr professionell angegangen, es gibt verschiedene Verantwortliche für Bühne, Performance, Kostüme und vieles mehr. Der erste Part der Vorbereitung war ein Workshop sowie das Vorsprechen und Maßenehmen im Konvent letzten Donnerstag- und Freitagnachmittag.

Des Weiteren konnte ich schon sehr viele weitere interessante Leute kennen lernen und weitere schöne Orte entdecken, die gar nicht so weit entfernt von Manila liegen. Letzten Samstag beispielsweise war ich gemeinsam mit meinen Mit-Freiwilligen Simon und Moritz sowie Christina und Aldrin beim Wandern beziehungsweise Klettern auf dem „Mount Pamitinan“. Trotz der Tatsache, dass wir den Aufstieg schon um circa sieben Uhr morgens begannen, um nicht in voller Hitze den 426 Meter hohen Berg zu überwinden, machten uns die Temperatur und die hohe Luftfeuchtigkeit doch sehr zu schaffen.

Das Wochenende zuvor verbrachte ich mit Moritz, Simon, Christina, Anna, Janzky, Tere und Mirko im „Bus Stop Dive Resort“ nahe Lemery City, circa zwei bis drei Stunden von Manila entfernt. Wir machten uns wieder früh morgens auf den Weg und waren gegen neun Uhr morgens an unserer Unterkunft für Samstag und Sonntag. Das Resort befindet sich in einer kleinen Bucht, zu der man circa 15-30 Minuten mit dem Boot unterwegs ist. Man könnte die Bucht auch zu Fuß durch den Wald erreichen, allerdings mit Gepäck etwas unbequem und mit drei Stunden Dauer auch etwas lang. Direkt vor der Haustür des Resorts befindet sich das felsige Meer mit einem riesigen, wunderschönen Korallenriff. Hier kann man sehr gut tauchen und schnorcheln. Wir haben uns auf Letzteres beschränkt, schon diese Erfahrung war einfach der Hammer! Das Korallenriff sah wahnsinnig schön aus, überall konnte man Fische unterschiedlichster Farbe und Größe bewundern, sogar einen Tintenfisch habe ich kurz gesehen. Da Mirko und Tere professionell Videos produzieren, haben sie auch diesen Ort in tollen Bildern festgehalten, welche ihr unter folgendem Link auf ihrem Blog finden könnt: Life of Mirco and Tere. Gerade weil man in dieser Bucht „nur“ Tauchen, Schnorcheln und Baden konnte, waren die zwei Tage, die wir dort verbrachten sehr ruhig und entspannend. Generell ist es sehr erholsam, wenn man einige Zeit aus dem lauten und oft sehr dreckigen Manila raus in die Natur kommt.

Neben einem kurzen Überblick über meine persönliche momentane Situation und mein Tun möchte ich in Blogeinträgen eben auch einige Dinge zur Stadt sowie zu Land und Leute erzählen beziehungsweise erklären. Beginnen möchte ich mit der Verkehrssituation in der Metro Manila: Nahezu jedes öffentliche Verkehrsmittel rollt hier über die Straße. Einzige Ausnahme stellen hier LRT beziehungsweise MRT dar. Diese Zugnetze lassen sich ein wenig mit deutschen S-Bahnen vergleichen. Aber auf diese Bahn werde ich, wie auf alle anderen Verkehrsmittel, noch einmal gesondert in den nächsten Blogeinträgen eingehen. Da alle anderen öffentlichen, mir bekannten Verkehrsmittel in der Metro Manila auf der Straße fahren, führt das gerade in der Rushhour zu lästigen Staus. Egal ob man also Taxi, Jeepney, Bus, Moped oder Tricycle fährt, wie schnell man ankommt bestimmt die aktuelle Verkehrslage. Die viel befahrenen Straßen sind oft gut ausgebaut, es gibt überall Ampeln und Zebrastreifen. Die Ampeln zeigen hier sogar oft an, wie viele Sekunden man noch warten muss, bis wieder grün ist. Außerdem schalten die Fußgängerampeln von grün auf ein rotes Blinkemännchen um, damit man weiß, dass man jetzt dann doch besser nicht mehr oder sehr schnell die Straße überquert. Was ich aus Deutschland nur vom Hören kenne, hier in Manila aber Normalität ist, sind Polizisten, die den Verkehr an großen Kreuzungen regeln. Zum Fahrverhalten der Verkehrsteilnehmer hier passt folgende Regel, die mir Sister Frances gesagt hat: „if there’s some space, it’s yours“. Auf Deutsch bedeutet das so viel wie „Wenn irgendwo Platz ist, dann ist es deiner“. Der Verkehr hier richtet sich, so scheint es mir, ein wenig nach ungeschriebenen Regeln, es läuft alles nicht so geordnet ab wie in Deutschland, aber es läuft. Für jeden Fahrer das anscheinend wichtigste Element des Autos ist die Hupe. Egal was, egal wo, es wird gehupt. Dabei hupt man nicht nur, um dem anderen seinen Unmut zu zeigen sondern hier hupt man glaube ich prinzipiell viel mehr, um auf sich aufmerksam zu machen, also andere Verkehrsteilnehmer zu warnen. So hupen manche Fahrer beispielsweise kurz bevor sie eine leere Kreuzung überqueren, um zu signalisieren: Obacht, hier komme ich. Durch die vielen Fahrzeuge mit ihren Abgasen ist hier die Luftverschmutzung logischerweise auch entsprechend heftig. Gerade wenn man kurz an einer Ampel wartet, riecht man schon, wie unsauber die Luft ist. Vorbeifahrende Fahrzeuge, die dunkle Rußwolken ausspucken, wenn Gas gegeben wird, veranschaulichen das Ganze. Als wir vom Gipfel des Berges vergangenes Wochenende Richtung Metro Manila blickten, konnte man über dem gesamten Gebiet den Smog in Form einer dunklen Wolke sehen.

Bisher konnten wir immer ein Stück des Weges mit dem LRT fahren, was vieles einfacher und bequemer machte, allerdings ändert sich das, wenn die Arbeit im Slum beginnt.

Viele Grüße aus Manila

Jakob

Konsequentes Teilen und Klima-Ping-Pong

Heute ist der 12. September 2017 und mittlerweile befinden wir uns in der sechsten Aufenthaltswoche in Manila auf den Philippinen. Nachdem meine Mitstreiter Jakob und Moritz ausführlich unter anderem über unser bisheriges Programm berichtet haben, hier mein persönlicher erster Eindruck:

Manila, AKA die Stadt mit dem chaotischsten Verkehr, den ich je erleben werde
– aber dazu später mehr.

Vorletzte Woche Freitag haben wir unseren Sprachkurs beendet und in einem Kindergarten im Nordosten der Stadt ein Praktikum angefangen, um unsere theoretischen Kenntnisse anzuwenden. Der erste Umgang mit Kindern unserer Lernzielgruppe bereitet uns auf unseren näherrückenden Einsatz vor und wird voraussichtlich einige Wochen in Anspruch nehmen.

Ebenfalls durften wir an einem Team Building der Pusa sa Puso Inc. teilnehmen, was uns nicht nur viele neue Freunde, sondern auch einen ersten Überblick bezüglich der Organisation gegeben hat. Was hier in wenigen Jahren aufgebaut wurde ist wirklich beachtlich!

Die ersten Tage

Primär ist mir das Klima aufgefallen. Ein Schritt aus dem Flughafen auf die Straße und man kann vermuten, was einen klimatisch ungefähr erwartet. Was sich sehr banal anhört, fällt tatsächlich am öftesten auf. Jedes Mal, wenn man Gebäude oder geschlossene Fortbewegungsmittel verlässt, werden aus anfänglich 20 Grad mindestens 30 Grad (mit 85 Prozent Luftfeuchtigkeit). Der ständige Wechsel zwischen heiß und kalt verlangt dem Kreislauf zwar einiges ab, dieser wird aber wiederum von der sehr nahrhaften Ernährung gestärkt. Duschen ist am Tag mindestens zweimal angesagt, niedrige Verbraucherpreise im Bereich Reingung und Wasser ebnen uns jedoch den Weg zu einer hygienisch ertragbaren Situation. Unser wichtigstes elektronisches Gerät ist neben dem Computer mit Sicherheit die Air Condition, welche für kurze Zeit die Temperatur unserer Wohnung auf ein angenehmes Niveau senken kann.

Neben der klimatischen Situation ist es auch die Intensität der Stadt an sich, die beeindruckt. Manila ist eine riesige Metropole, die ohne eine Minute Pause 24 Stunden am Tag pulsiert. Durch die chaotische Straßenführung schieben sich tausende Autos und nahezu jeder Teil der Stadt ist nur mit Verzögerung erreichbar. Jeder Bürgersteig ist voller Menschen und Geschäfte und durch das rege Treiben entsteht ein hoher Geräuschpegel.

Der Verkehr, hierzulande „traffic“ genannt, verschlingt jeden Tag einige Stunden Zeit und wirkt am Anfang einschüchternd, da man von Deutschland ein anderes Maß an Verkehrsregeln gewohnt ist. Nicht jedoch in Manila. Das Gesetz des Stärkeren bzw. Schnelleren scheint zu zählen und ein jeder Teilnehmer kommt auf den zahlreichen RIESIGEN Kreuzungen schonmal ins Schwitzen, wenn der Nachbar zu einem unerwartenden Überholmanöver ansetzt.

Hört sich aber schlimmer an als es ist. Wenn man sich daran gewöhnt hat, sieht man ein, dass man vielleicht genau nach solchen Unregelmäßigkeiten gesucht hat. Und wenn man diese Unregelmäßigkeit regelmäßig erlebt, wird auch hieraus eine Konstante in unserem zu 100% verschwitzten Alltag.

Sucht man hier auf den ersten Blick vergeblich nach vermeintlichen Standards, so wird einem schnell bewusst, was man von der Kultur und den hier lebenden Menschen viel lernen kann. Die Einwohner dieses Landes, die ich bisher kennenlernen durfte, sind wie erwartet sehr freundlich und es wird aus Prinzip alles ohne zu Fagen geteilt – auch der Spotify Premium Account! Thank you Aldrin! Gastfreundlichkeit wird hier intensiv gelebt und sehr selbstverständlich praktiziert – unabhängig davon, wie viel man hat!

Wenn man die Möglichkeit bekommt hier viel zu lernen, dann hat das nur zu einem kleinen Teil mit Sprache und Straßenverkehr zu tun…

Die ersten Tage in dieser neuen Kultur lassen einen viele Vergleiche ziehen. Worin unterscheidet sich Manila von deutschen Städten? Essen. Straßen. Menschen. Zahl der Obdachlosen. Flughafen. Preise. Essen. Zuverlässichkeit der Müllabfuhr. Zahl der Toiletten in Restaurants. Wie lapidar!

Warum bin ich eigentlich hier?

Nach Vergleich der Tatsachen macht es den Eindruck, dass trotz vieler Herausforderungen die Menschen in Manila oft glücklicher sind. Thanks for having us!

Wir freuen uns auf die baldige Aufnahme unserer Arbeit! Nähere Infos im Anmarsch…
Eindruck: 10/10

Für zusätzliche Fotos: Instagram (Simon_b.g) (moritz.koerner) (Jakob überzeugen wir noch)

Angekommen in Manila – vom Dorf in die Millionenstadt

Liebe LeserInnen,

kamusta kayo? – zu deutsch: Wie geht’s euch?

Ich bin mittlerweile auf den Philippinen angekommen, die ersten Tage/Wochen sind gut überstanden und nun melde ich mich hier mit meinem ersten Blogeintrag.

Die Zeit vergeht hier unglaublich schnell – kaum in Manila angekommen, waren die ersten 3 Wochen auch schon vorbei und der Tagalog-Crashkurs absolviert. Bis jetzt gefällt es mir richtig gut hier, man wird mit einer großen Herzlichkeit und Gastfreundschaft behandelt und das doch sehr reislastige Essen mundet, auch wenn ich noch eine Weile brauchen werde bis alles probiert ist.

Das Klima ist zurzeit relativ mild – wir hatten das Glück, in der Regenzeit anzukommen, in welcher sich die Hitze meist in Grenzen hält (der blitzartig und häufig auftretende Regen leider nicht). Nichtsdestotrotz sind meistens Temperaturen über 30 Grad angesagt, welche man in Kombination mit der sehr hohen Luftfeuchtigkeit definitiv als gewöhungsbedürftig bezeichnen kann.

Die Stadt selbst ist kaum mit meinem Heimatort, dem 700-Seelen-Dorf Sonderbuch zu vergleichen, allein der Lärmpegel hier und die Menge der Menschen auf den Straßen, lässt ihn fast schon wie eine ausgestorbene und verlassene Siedlung erscheinen. Egal welches Verkehrsmittel man hier wählt, man sollte stets mehr Zeit einplanen, da Verzögerungen im Verkehr Alltag sind. Zum Glück genügt es oft, das Wort „Traffic“ auszusprechen und schon hat man einen überaus akzeptablen Grund für eventuelles Zuspätkommen angegeben.

In der kurzen Zeit sind wir schon ein wenig herumgekommen, an einem der ersten Wochenenden verschlug es uns bereits nach Batangas, ein Ort der ungefähr zwei Stunden außerhalb von Manila liegt. Dort durften wir an einem Teambuilding-Event teilnehmen und hatten gleichzeitig die Chance, das gesamte Puso sa Puso Team kennenzulernen.

Batangas Landschaft

 

Shercon Resort Batangas

 

Die nächsten Wochen schauen wir in einem Kindergarten in Manila den Teachers dort über die Schulter und versuchen uns einige Lernmethoden für unseren eigenen Unterricht anzueignen bzw. allgemein Erfahrungen im Umgang mit Kindern zu sammeln, bevor es dann mit der richtigen Arbeit in Payatas bzw. Parola losgeht…

Danke fürs Lesen und bis bald,

Moritz

 

Mein erster Rundbrief

Hallo!

Mit meinem ersten von vier Rundbriefen schicke ich viele Grüße von den Philippinen und einen herzlichen Dank an alle, die bisher Teil meines Unterstützerkreises sind oder es vielleicht noch werden (hierfür könnt ihr mich einfach über die Verantwortlichen kontaktieren). Um zusätzlich benachrichtigt zu werden, wenn ein neuer Blogeintrag von mir erscheint, könnt ihr mir auf der Seite cosamaz.org folgen, dann werdet ihr automatisch benachrichtigt. Nicht erschrecken, diese sollten zwei mal im Monat erscheinen, dabei handelt es sich aber nur um einen kurzen Text von circa einer halben Seite, also bei weitem nicht so lange wie die Rundbriefe.

Woche 1 
Meine Reise begann gemeinsam mit meinen Mit-
Freiwilligen Simon und Moritz wie geplant mit der Ausreise am 2. August.  Wir flogen abends gegen 22:00 Uhr von München aus über Maskat im Oman nach Manila und kamen dort wie geplant zur Ortszeit am Donnerstag gegen 21:00 Uhr an, die reine Reisedauer betrug damit circa 16 Stunden. Am Flughafen konnten wir gleich Father Artur, den Verantwortlichen für das Projekt und uns Freiwillige,  sowie Alex, einen der Freiwilligen aus dem Vorjahr, kennen lernen. Es ist wirklich super, dass Alex bis Ende August verlängern konnte, weil er uns so alles zeigen kann und wir nicht von Anfang an auf uns alleine gestellt sind, was die Sache deutlich erschweren würde. Vom Flughafen aus ging es für uns dann direkt in die Wohnung. Bei der Autofahrt konnte ich schon deutlich merken, wie sehr sich der Verkehr im allgemeinen und besonders die Fahrgewohnheiten der Verkehrsteilnehmer in Manila sich von meinem gewohnten Bild aus Deutschland unterscheidet. In der Wohnung angekommen, lernten wir gleich unsere weiteren Mitbewohner, zwei polnische Freiwillige namens Danusia und Piotr kennen, die bis Ende September in der philippinischen Metropole bleiben werden. Unser Appartement befindet sich in der Stadt Quezon City, einer der zwölf Städte in die Metropolregion Manila. Dort wiederum leben wir im Stadtteil New Manila, einer relativ neuen und wirklich sicheren Gegend. Unsere Wohnung selbst ist eine Anliegerwohnung einer netten Professorin, deren Haus sich direkt an unsere Wohnung anschließt. Das Appartement selbst besteht aus einem großen Wohnraum im Erdgeschoss, der sowohl Küche und Essbereich als auch Wohnzimmer und Arbeitszimmer verbindet. Außerdem befindet sich im Erdgeschoss noch unser Bad mit Dusche und WC. In den beiden Schlafzimmern im 1. Stock schlafen im Moment die beiden Polen sowie Alex und Simon. Aufgrund der momentanen Wohnsituation in der Wohnung schlafen Moritz und ich noch auf einer Matratze beziehungsweise einem Schlafsofa unten im Wohnzimmer, aber wir werden die Zimmer oben beziehen, wenn Alex beziehungsweise Danusia und Piotr abgereist sind. Meiner Meinung nach ist die Wohnung echt super, wirklich sauber und geräumig, sodass es im Moment mit sechs statt vier Leuten völlig in Ordnung ist. Die Lage ist außerdem klasse, weil man ungefähr gleich weit von den Einsatzstellen in Parola und Payatas entfernt ist, die Zugstation ist in weniger als fünf Minuten per Fuß zu erreichen, genau wie ein Supermarkt, eine Wäscherei,  die riesige Mall „Robinsons Magnolia“ und eine Eatery. Als Eatery bezeichnet man ein kleines Restaurant, in dem Filipinas oder Filipinos eine bestimmte Auswahl an Gerichten kochen, von welchen man sich eines oder mehrere aussuchen kann und in der Regel mit Reis kombiniert. Meine Erfahrung mit diesen Restaurants ist bisher wirklich gut, das Essen ist total lecker und zudem preiswert. All diese Dinge zeigte uns Alex in unseren ersten Tagen in Manila, außerdem noch wie wir zu Father Artur ins Konvent kommen, wie und wo wir kostenlos Geld abheben können, wo man Geld wechseln kann, wie und wo man das WLAN oder die Kosten für Strom bezahlt und noch vieles mehr. Auch aus diesem Grund bin ich Alex wirklich sehr dankbar, dass er sich dafür eingesetzt hat, noch länger in Manila bleiben zu dürfen. 

Der erste wirkliche Programmpunkt war für uns am Tag nach unserer Ankunft das Mittagessen im Konvent, bei dem wir uns mit Father Artur unterhalten konnten und er uns seine Wünsche und Regeln für eine gute Zeit und Zusammenarbeit mit ihm mitteilte. Im Konvent wurden wir an diesem Tag von allen total nett empfangen und begrüßt, dort leben neben Father Artur und einem weiteren Pater junge Männer aus Nachbarstaaten der Philippinen oder aus den Philippinen selbst, die anstreben Priester zu werden. Hierfür erhalten sie für mindestens ein Jahr im Konvent Englischunterricht. Das Wochenende und den darauffolgenen Montag hatten wir noch frei, um uns ein Stück weit einzugewöhnen war das wirklich sehr gut. Am Tag unserer Ankunft beziehungsweise am Tag danach kamen neben uns auch Alex‘ deutsche Freunde auf die Philippinen. Mit ihnen haben wir am Wochenende etwas unternommen, bevor sie am Sonntag losgereist sind, um ans Meer zu gehen. Alex hat uns außerdem seinen philippinischen Freund Jansky vorgestellt, mit dem wir den Sonntag verbracht haben. Mit ihm zusammen haben wir Adobo gekocht, ein typisch philippinsches und richtig leckeres Gericht mit Hühnchen oder Schwein und Soyasoße. Am Sonntagabend bin ich mit Moritz noch in eine nahe gelegene Kirche gegangen und ich war auch wirklich überrascht, wie viele Gottesdienstbesucher im Vergleich zu Deutschland da waren.

Woche 2
Unser Sprachkurs fand dann ab Dienstag im Konvent statt und wurde von den beiden Lehrerinnen Nica und Erika abgehalten. Hier lernten wir für zwei Wochen die Grundbegriffe und einige grammatikalische Strukturen, die uns im Alltag helfen sollten. Bis wir Tagalog wirklich fließend sprechen können, wird es mit Sicherheit noch lange dauern. Das stellt sich aber als kein schwerwiegendes Problem heraus, da in Manila sehr viel „Taglish“ gesprochen wird, also die Mischform aus Tagalog und Englisch. Doch gerade wenn die Arbeit im Slum beginnt, wird Tagalog mit Sicherheit sehr viel wichtiger werden.

Am Samstag starteten wir gemeinsam mit den Lehrern, die in Payatas, Parola und im Konvent arbeiten, zu einem dreitägigen Teambuilding-Seminar nach Batangas, circa 90 Kilometer von Quezon-City entfernt. Das gesamte Seminar verbrachten wir im tollen „Shercon Resort und Ecology Parc“. Neben den verschiedenen Programmpunkten und Vorträgen konnten wir alle Lehrer und Verantwortliche kennen lernen. Ursprünglich wollten wir am Tag unserer Abreise noch eine nahegelgene Vulkaninsel mit See im See anschauen, aufgrund der Wetterlage haben wir dieses Vorhaben dann aber vertagt.

Der Sprachkurs ging nach diesem verlängerten Wochenende in die zweite Runde, am Freitag wurde im Konvent der Todestag des Gründungsvaters der Salvatorianermissionen in Asien, Otto Hopfenmüller, zelebriert. Nach dem Gottesdienst in der Früh wurde dann neben Hopfenmüllers Leben die Philippinen, ihre Feste und die Gewohnheiten der Filipinos vorgestellt und die Feier mit dem Mittagessen abgerundet. Bei dem Vortrag wurden manche Stereotypen stärker oder weniger stark bedient, würde ich jetzt behaupten.

Woche 3
Da der vergangene Montag wiederum einen Feiertag darstellte, nutzten wir das verlängerte Wochenende, um nach Baler, einem Ort an der Ostküste von unserer Insel Luzon, circa 140 Kilometer Luftlinie entfernt von Manila, zu reisen. Wir, also Moritz, Simon, Anna, eine deutsche Bekannte von Simons Bruder, Alex und Peter, einer von Alex deutschen Freunden, sowie Aldrin, ein mit Alex befreundeter Filipino, starteten Freitag nachts mit dem Bus und waren in der früh um kurz nach fünf in der Unterkunft und zum Sonnenaufgang schon am Strand. Neben entspannen und am Meer sein haben wir uns am Samstag und Sonntag zwei Sehenswürdigkeiten in der Region angesehen: zum einen gibt es einen extrem schönen Wasserfall, genannt „Mother Falls„, der in einer gebirgigen Waldgegend gelegen ist. Hier waren wir außerdem Baden, was wirklich toll war, weil das Wasser im Vergleich zum Meer erfrischend kalt war. Am nächsten Tag haben wir uns den „Old Balete Tree„, einen über 600 Jahre alten Baum mit circa 12-15 Meter Durchmesser angeschaut, der im Prinzip aus tausenden Ästen besteht, die über diese lange Zeit so fest zusammengewachsen sind, dass man sowohl im Inneren als auch Außen gut herumklettern kann. 

Für diese Woche war eigentlich das Praktikum im Kindergarten angesetzt, das uns helfen soll uns an den Umgang mit den Kindern zu gewöhnen und die Aufgabe besser zu verstehen. Aufgrund von Unwettern war der Kindergarten Dienstags und Mittwochs geschlossen. Am Mittwoch sind Moritz, Simon und ich deshalb los, um uns „Parola“, den Slum in der Hafengegend, von Alex zeigen zu lassen. Da die angesetzte Messe im sogenannten Center, eine Wohnung die sich mit einem Lehrerzimmer vergleichen lässt, ausgefallen ist, sind wir vor dem Mittagessen mit den Lehrern schon los zum Slum. Parola an sich ist unterteilt in über 60 Gates, also Eingängen in den Slum, die sich entlang einer breiten Straße zum Hafen reihen. Ein Gate selbst haben wir nicht betreten, da Alex bereits schon seit einigen Wochen nicht mehr unterrichtet und deswegen nicht regelmäßig in sein Gate geht. Daher sind wir nur an allen Gates vorbeigelaufen, aber in keines reingegangen, doch auch diese Bilder waren schon sehr prägend.

Am Donnerstag stand der erste Tag im Kindergarten an. Bei diesem handelt es sich um einen privaten Kindergarten, die Kinder stammen also alle aus besseren Verhältnissen, weshalb zuhause teilweise nur Englisch gesprochen wird. Wie wir später erfuhren, ist das zum Teil ein Problem, da einige Kinder so kein Tagalog verstehen. Nach einer kurzen Vorstellung und ersten Einblicken durfte ich dann auch schon selbst an den Einheiten für die Kinder mitwirken. Neben spielen und essen waren einige Übungen zum Umgang mit dem Stift Bestandteil des Programms. Nachdem die Kinder dann abgeholt wurden, sind wir zum Essen mit den Erzieherinnen bei der Leiterin des Kindergartens eingeladen worden. Für nächste Woche sollten jeder von uns einige typisch deutsche Spiele oder Lieder vorbereiten, um diese den Kindern zu zeigen.

Am Freitag sind meine Mit-Freiwilligen, die beiden polnischen Freiwilligen und ich zu einer Jubiläumsfeier in den Slum „Payatas“ aufgebrochen. Gefeiert wurde das fünfjährige Bestehen von „Alsa Buhay“ in Payatas. Bei Alsa Buhay handelt es sich um ein Teilprojekt von Puso sa Puso und meiner eigentlichen Aufgabe, Kinder im Slum zuhause zu unterrichten und dadurch Bildung zu ermöglichen. Nach einer feierlichen Messe, bei der neben Father Artur und einigen Schwestern auch die Lehrer aus Parola sowie ein Großteil der Familien anwesend waren, folgten einige Aufführungen von verschiedenen Gruppen, die Teil von Puso sa Puso sind. Anschließend sind wir wiederum zum Essen mit den Schwestern und Lehrern eingeladen gewesen. Auch wenn ich noch keine wirklichen Einblicke in ein Gate in Parola hatte, konnte ich doch feststellen, dass die Struktur im Slum in Payatas eine andere ist, da die Menschen, die dort leben, nicht wie in Parola meist aus der Provence kommen und es als Übergang in die Stadt wahrnehmen, sondern über längere Zeit dort leben, weshalb der Aufbau und gewisse Strukturen schon verfestigen konnten.

Allgemein
Generell gefällt es mir bisher sehr gut hier auf den Philippinen. An die Klimaumstellung habe ich mich inzwischen ganz gut gewöhnt, mein Körper hat sich zwar nicht wirklich umgestellt denke ich, aber man stört sich nicht mehr so stark daran, dass man ständig schwitzt. Außerdem ist im Moment noch „wet season“, also die Regenzeit, das bedeutet, das Klima ist von weniger heißen Temperaturen („nur“ circa 30 ° C), viel Niederschlag und hoher Luftfeuchtigkeit (circa 85%) geprägt. Was ich in Manila als eher störend empfinde ist der Verkehrslärm und die hohe Luftverschmutzung, mit der man im Alltag ständig konfrontiert ist. Zum Teil mag das bestimmt auch daran liegen, dass ich bisher noch nie (bewusst) in einer Großstadt gelebt habe. Wiederum ein Vorteil an der hohen Verkehrsdichte ist, dass man zu jeder Tages- und Nachtzeit jeden Ort in Manila erreichen kann, sei es über Taxi, Bahn, Jeepneys, Tricycles oder Bus. Ein weiterer Aspekt, der den Alltag sehr positiv beeinflusst, ist, dass die meisten Filipinos wahnsinnig freundliche Leute sind, egal ob sie dich zum ersten Mal sehen, ob sie dich kennen oder nicht, egal wer, jeder hat immer ein Lächeln oder ein „Hallo, wie geht’s, wo kommst du her“ parat. Hier spielt vermutlich auch ein Stück mit rein, dass wir als Weiße oft ein Stück anders behandelt werden, egal ob wir es möchten oder nicht. Eine weitere Sache, an die ich mich (für mich) überraschend schnell gewöhnt habe, ist Reis, der in
nahezu jeder Mahlzeit enthalten ist. Das Essen generell ist hier richtig lecker und in Eaterys mindestens genau so günstig, wie wenn man es selbst zuhause zubereiten würde. Für mich ist das daher optimal, weil es kostet nicht viel Geld, ich muss es nicht selbst kochen und kann jeden Tag etwas anderes essen.

In den kommenden Wochen steht für uns dann noch das Praktikum im Kindergarten an, daraufhin wird für uns die wirkliche Arbeit an der Einsatzstelle beginnen. Bis dahin euch alles Gute, vielen Dank und bei Wünschen, Fragen oder Anregungen einfach kurz bei mir melden. 

Viele Grüße

Jakob 

P.S. Weitere Bilder findet ihr in den Einträgen meiner Mitstreiter oder über die verlinkten Begriffe 🙂

Das Ende naht

Hallo ihr Lieben

Nach einer etwas längeren Pause melde ich mich auch wieder zurück.

Jetzt ist es bald soweit den Heimweg anzutreten. Irgendwie ist das ein ganz schön komisches Gefühl. Es fühlt sich noch nicht wirklich real an. Aber ich freue mich jedenfalls schon sehr auf zu Hause. Die letzten Wochen vergingen jetzt doch auch wie im Flug.

Am 3. Juni hatten wir unsere Abschiedsfeier mit unseren Kindern. Wir waren mit den Kindern in einem Park, dank Spenden einiger guter Freunde aus Deutschland. Die Organisation davor war ganz schön anstrengend. Dadurch, dass die Kinder in der Schule auch gerade ihre Graduation hatten, mussten wir unsere zweimal verschieben. Doch schlussendlich hatten wir am 3. Juni unsere Feier.

Das Wetter spielte leider nicht so gut mit… Zu allererst gingen die Eltern mit ihren Kindern eine Runde durch den Park. Sie hatten einen Guide, der ihnen alles erklärte und sie herumführte.

Unterwegs im Eco – Park

In der zwischenzeit haben Simone, die Learners, die anderen Lehrer und ich die Stühle und alles unter dem Pavillion hergerichtet.

Die Vorbereitung und die Willkommensrede von Simone

Die Eltern und Kidis kamen zurück. Wir starteten mit einer kleinen und kurzen Willkommensrede und gingen dann über zu unserem Überraschungsprogamm. Die Kinder und Eltern durften T-Shirts anmalen und selbstgestalten. Es hat allen, glaube ich, großen Spaß gemacht, da sie wirklich konzentriert und mit Eifer über eine Stunde an ihren T-shirts saßen und diese bemalt haben. Der Kreativität waren keine Grenzen gesetzt und es kamen wirklich die verschiedesten Ideen und Muster heraus.

Anschließend war die Certificate, also die Zeugnisübergabe. Ich fing mit meiner Gruppe an. Jedes Kind, das an meinem Unterricht teilgenommen hatte, bekam eine Urkunde und ein Geschenk, das auch Mithilfe der Spenden mehr geworden ist. Auch ein selbstgestaltetes Portfolio bekamen meine Kinder von mir, indem ich alle Arbeitsblätter und Fotos über das Jahr lang festgehalten hatte. Danach war auch die Zeugnisübergabe von Simones Gruppe.

Jarred & ich

Zeugnisübergabe

Ich werde sie vermissen

Auch ein Video mit vielen Fotos von den Kindern und unserer Arbeit haben wir an diesem Tag gezeigt. Auf einem anderen Video haben wir Danksagungen von Kinder und Eltern festgehalten und haben dieses Video auch vorgeführt. Ein Inspiring Video habe ich kreiert. In diesem Video habe ich versucht, die Kinder weiterhin zu motivieren, fleißig zu bleiben.

Danach aßen wir noch gemeinsam und dann hieß es Abschied nehmen. Alle Eltern und Kinder kamen nochmals zu mir her und bedankten sich. Das war ein ganz schön schwieriger Moment für mich.

Meine Gruppe

Am Ende des Monates werde ich noch mit den Lehrern aus Payatas die Fiesta verbringen und dann auch noch Abschied von ihnen nehmen. Ich glaube, das wird auch noch sehr schwierig für mich.

Auch das Verabschieden von meinen Freunden, die mir hier wirklich sehr ans Herz gewachsen sind, wird noch eine Herausforderung.

Ich versuche mich mit dem Gedanken „Man ist ja nicht aus der Welt, man kann sich ja wiedersehen“ zu trösten.

Das wars wieder von mir.

Bis ganz bald!

Der Abschied naht

Jetzt ist es nur noch drei Wochen, die ich auf den Philippinen verbringen darf. An den Abschied ist leider immer mehr zu denken. Es werden schon die Abschiedsgeschenke und Mitbringsel geplant. Kaum zu glauben, wie lange ich schon hier bin und wie viel ich erlebt habe. Ich kann mich noch genau erinnern, wie aufgeregt ich war vor meinem Abflug und nun denke ich schon wieder an den Rückflug. Noch ganz genau weiß ich, wie unsicher ich in meiner ersten Unterrichtsstunde war. Alles war so unwirklich, die neue Sprache, die neue Umgebung und meine Kinder. Nun habe ich meine letzte Unterrichtsstunde und die Graduation schon hinter mir und alles ist komplett normal geworden. Die Sprache ist nicht mehr fremd, die Umgebung ist mir bekannt und meine Kinder sind mir alle ans Herz gewachsen. Da wir keinen Unterricht mehr haben, sehe ich sie leider nicht mehr jeden Tag, doch immer wenn ich in Payatas durch die Straßen laufe und sie mich sehen, kommen sie auf mich zugelaufen und begrüßen mich mit einer herzlichen Umarmung und einem strahlenden Lächeln.

Meikes und meine Graduation

Gruppenbild mit den selbt bemalten Tshirts

Unsere Graduation hatten wir im Eco Park in der Nähe von Payatas. Wir haben drei Jeepneys gemietet und sind mit den Kindern und jeweils einem Elternteil zum Eco Park gefahren. Dort haben wir einen Pavilion gebucht, sodass alle Kinder und die Eltern Platz hatten. Da eher schlechtes Wetter war und es immer wieder geregnet hat, war das wirklich die beste Entscheidung. Als erstes haben die Kinder eine Eco Park Tour gemacht, sodass wir genug Zeit hatten alles vorzubereiten. Danach haben wir mit den Kindern T-shirts bemalt. Jedes Kind hat zwei Shirts bekommen und konnte es nach den eigenen Wünschen bemalen. Der Kreativität waren keine Grenzen gesetzt. Ich war überrascht wie vielseitig die Shirts bemalt wurden. Die drei besten Shirts haben vom Eco Park sogar einen Preis gewonnen.

Danach haben wir den Kindern ihr Certificate, ein Geschenk und ihr Portfolio übergeben. Meike und ich haben das Jahr über immer die Blätter eingesammelt und es dann für jedes Kind mit ein paar Fotots zusammen gestellt. Alles wurde mit zahlreichen Fotos festgehalten, denn Fotos werden immer und überall gemacht. Deshalb haben Meike und ich auch die besten Fotos von jeweils unseren Kindern zusammen gestellt und ein Video gemacht.

Nach ein paar Danksagungen von den Eltern, den Kindern und von Meike und mir war unsere Graduation auch schon zu Ende. Zum Schluss wurde noch ein Gruppenfoto gemacht.

Es war schön, die Kinder zu einem letzten Event alle nochmal zusammen zu haben, alle haben sich richtig schön rausgeputzt und waren so aufgeregt.

Da es das offizielle Ende von unserer Arbeit mit den Kindern war, hat mich das schon etwas traurig gestimmt. Doch andererseits war ich auch super glücklich, denn ich habe so viel von meinen Kindern gelernt und ich hatte so viel Spaß zusammen mit ihnen, dass die Graduation das perfekte Ende war.

Liebe Grüße aus Manila

Simone