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Zur Heimat und dem Globalen Müllproblem

Heimat

Land, Landesteil oder Ort, in dem man [geboren und] aufgewachsen ist oder sich durch ständigen Aufenthalt zu Hause fühlt (oft als gefühlsbetonter Ausdruck enger Verbundenheit gegenüber einer bestimmten Gegend). – Duden

Als ich vor nun mittlerweile mehr als 11 Monaten die Reise nach Manila angetreten bin war ich mir bewusst dass ich genau dies für ein Jahr hinter mir lassen werde. Der Abreise immer näher kommend muss ich feststellen dass ich nun wieder eine Heimat verlassen werde.

Ich bin ein absolutes Dorfkind. Der Dorftratsch gehörte genauso zu meinem Leben wie die Kühe auf der Weide gegenüber. Ein Bus fährt morgens raus und abends einer wieder rein, ansonsten galt es das Fahrrad oder das Auto zu nutzen. Vom Balkon der Ausblick in die bergige Landschaft des Bayrischen Waldes und wenn etwas Föhn herrschte den Sonnenuntergang mit Sicht auf die Alpen genießen. Metro Manila (ca. 23 Millionen Einwohner) ist davon so ziemich das absolute Gegenteil. Eine Weltmetropole von der es nichts vegleichbares in Deutschland (Berlin: 3,7 Millionen Einwohner, Bayern: 13 Millionen Einwohner) gibt.

Von einer solchen Idylle kommend habe ich nicht damit gerechnet mich jemals zu 100% heimisch zu fühlen doch über die Zeit hat sich genau dieses Gefühl ausgebreitet. Jedes mal wenn ich mit anderen Freiwilligen Reisen war wusste ich mich über die Stadt, den Lärm und den Smog zu beschweren doch wenn ich dann von paradisischen „Postkarten-Locations“ zurück bei meiner Wohnung in Quezon City kam fühlte ich mich dennoch zu Hause. Die Dinge die ich in Deutschland vermissen werde sind genauso unzählig wie die Dinge auf die ich mich schon wieder in Deutschland freue.

Das Globale Müllproblem

Eine Frage die mir häufig gestellt wurde ist, ob denn das Müllproblem hier tatsächlich so dramatisch sei, wie oft in den Medien dargestellt. Klare Antwort: Ja. Es gibt nunmal kein so nettes Müllsystem wie in Deutschland und ja, es liegt auch im vergleich zu Deutschland viel Müll rum. Wir Deutschen machen es uns, wie nahe zu jeder Industriestaat, an dieser Stelle leicht und argumentieren wie schön sauber es denn bei uns sei, wie gut wir auf die Umwelt achten. Im besten Fall zeigen wir noch mit gehobenem Finger auf andere. Die Realität ist aber eine ganz andere!

Als Vergleichsinstrument für solche Statistiken gibt es den Ökologischen Fußabdruck:

  • Während in Deutschland eine Person im Schnitt 5,3 gha (Globale Hektar) benötigt liegt dieser Wert in den Philippinen lediglich bei 1,1 gha. Mehr als 4,8 mal so Hoch!
  • In Deutschland haben wir pro Person eine Kapazität von 1,7 gha.
  • In den Philippinen sind lediglich 0,6 gha vorhanden.
  • Man kommt also auf das Ergebnis dass beide Länder ein sogennantes Ökodefizit aufweisen: -3,6 gha in Deutschland und –0,5 gha auf den Philippinen.
  • D.h. das Ökodefizit eines Deutschen, ist 7,2 mal so hoch wie das das eines Filipinos!

Mir ist bewusst dass ich hier auf eine gewisse Weise Schnitzel mit Reis vergleiche, da ich von reinem Müll auf die gesamte Nachhaltigkeit gesprungen bin (welche den Müll aber einschließt). Und ja, es gibt Länder die noch eine schlechtere Bilanz haben. Mit dem Finger auf andere zeigen und sagen „die sind aber viel schlimmer“ ist aber auch nicht richtig. Als gemeiner Bürger sollte man also sich selbst zur Rechenschaft ziehen und seinen Konsum inklusive dessen Folgen zwei mal Überdenken bevor man über andere Urteilt.

Schöne Grüße aus Manila,

Daniel

 

 

Big City Life – Mein erster Monat

Big City Life – ein Titel, ein Song, eine Einstellung. Das Lied selbst steht dem Großstadtleben sehr kritisch gegenüber. Es handelt von Einsamkeit, Druck und Lieblosigkeit. Dem kann ich jedoch absolut nicht zustimmen. War ich doch vor ungefähr einem Monat noch im Besitz von einem ganz normalen Life, so erhielt es aufgrund des Umzuges nach Manila nicht nur einen ganz normalen sondern den quadrierten akademischen Grad B.C. – ich war nun also im Besitz eines B.C. Life im Ausland. Totales Neuland für den Dorfjungen aus Niederbayern. Es hat sich von heute auf morgen vieles geändert:

Englisch und Tagalog anstatt Deutsch und Bayrisch

Duschen kalt und mit Kübel anstatt warm und mit extra großem XXL Raindance Duschkopf (auf Tagalog übrigens: „draußen“)

Brett mit 5cm Matratze anstatt 300L Wasserbett

Kakerlaken und Ratten anstatt Hund und Katze (streichelt die beiden mal für mich)

Redhorse anstatt Augustiner

Jeepney und Tricycle anstatt Auto mit Klimaanlage

Reis und Reis anstatt Schweinebraten und Schnitzel

Am auffälligsten ist jedoch die vollkommen andere Mentalität der Filipinos im vergleich zu Deutschen. Mir ist es nie aufgefallen und in Deutschland hätte ich auch niemanden zugestimmt wenn mir jemand gesagt hätte wir wären ein mürrisches Volk, aber dem ist im allgemeinen schon eher so. Die Menschen hier sind einfach viel offener, herzlicher und vor allem wird viel mehr gelacht!

Überlege doch einfach mal wann du  das letzte mal durch eine Stadt gegangen bist, dich eine wildfremde Person angelächelt hat und dir im gleichen Atemzug ein simples aber äußerst freundliches „Guten Tag!“ zugeworfen hat. 

       – Du liegst absolut richtig. Das ist dir noch nie passiert! Aber sowas macht dich einfach fröhlich.

Und genau dieses Beispiel zeigt die Mentalität der Menschen hier sehr gut: man wird sich sehr schwer tun eine unfreundliche Person aufzufinden. Wenn man mit Respekt und Höflichkeit durch die Straßen geht kriegt man es doppelt und dreifach zurückgezahlt. 

Zwei der vorherigen Freiwilligen hier haben mich in den ersten Wochen herumgeführt und mir gezeigt wie man diese neuen Lebensumstände am besten meistern kann, was ehrlich gesagt eine unglaublich große Hilfe war/ist. Danke an euch beide noch einmal!

Von Slums und dem Umgang mit dem Tod in dieser Kultur bis hin zu einer atemberaubenden Aussicht auf die Skyline Manilas von einem der vielen Designer Tower habe ich schon vieles erlebt. Man braucht nicht lange um zu verstehen dass genau diese extremen Gegensätze und die gigantische Kluft zwischen arm und reich (obwohl manchmal nur einen Zaun entfernt) die Hauptprobleme der Stadt sind.

Die meiste Zeit habe ich aber nicht auf Erkundungstour sondern in meinem Praktikum im Kindergarten, welches sich nun dem Ende nähert, verbracht. Nun muss ich aber vornweg sagen dass die Kinder zwar eins zu eins das Alter deutscher Kindergärten und Kitas (2-5 Jahre) haben, man es aber definitiv nicht miteinander vergleichen kann. Den Rackern wird unter anderem bereits Lesen, Schreiben und der Unterschied zwischen Vokalen und Konsonanten beigebracht. Für mich war dies sehr praktisch, da ich so nicht nur den Umgang mit Kindern sondern auch gleich das Unterrichten mit verschiedenen Methoden ausprobieren und üben konnte. Ich habe die Zeit dort wirklich genossen, man hatte ziemlich viele Situationen zum lachen und die Arbeit mit den Kids ist einfach toll. Dennoch freue ich mich auch schon sehr darauf meine Arbeit in den Slums anzufangen.

Ich hoffe der Beitrag war halbwegs Interessant und Informativ. Falls aber spezielle Fragen aufgekommen sind kannst du  mir diese natürlich gerne an daniel.manila@web.de stellen. Ich werde diese dann entweder per Mail oder in meinem nächsten Beitrag bzw. Rundbrief beantworten. Falls du diesen Rundbrief auch erhalten möchtest schreibe mir einfach eine Mail an oben genannte Adresse mit „Rundbrief“ im Betreff.

Ansonsten wünsche ich dir beste grüße aus Manila,

vielleicht machst du ja jemand anderem mal eine Freude mit einem „Guten Tag!“

Daniel

Salamat Pilipinas! – Abschied nach 13 Monaten

Hallo zusammen!

In meinem letzten Blogeintrag möchte ich euch einiges über meine letzten Wochen und Monate, aber auch über den bald anstehenden Abschied berichten.

Zugegeben, es fühlt sich schon etwas seltsam an zu wissen bzw. zu realisieren, dass sich meine Zeit hier auf den Philippinen (zumindest vorerst) zu Ende neigt. Es fühlt sich gleichsam wie eine sehr lange aber auch irgendwie kurze Zeit an, vor allem weil einfach unglaublich viel erlebt und gelernt wurde und so einige wichtige Erfahrungen gesammelt wurden. Da kann es einem schon so vorkommen als würde ein ganzes Jahr einfach mal so vorbeiziehen.

Von einigen sehr guten Freunden musste ich in den letzten Tagen und Wochen schon Abschied nehmen, was mir überhaupt nicht leicht fiel und das schon wehmütige Bauchgefühl noch verstärkte. In einigen Tagen werde ich mich dann auch von den Kindern und Familien in Payatas verabschieden müssen, was bestimmt auch nicht so einfach werden wird.

Der Gedanke, dass ich hoffentlich sehr bald wieder hierher zurückkommen kann, tröstet darüber glücklicherweise ein wenig hinweg.

Ich bin unglaublich dankbar und froh, die Gelegenheit ergriffen und mich für die Philippinen entschieden zu haben. Es war und ist eine tolle Erfahrung etwas an die Kinder weiterzugeben können aber auch selbst so unfassbar viel zurückzubekommen und zu lernen.

Noch nach über einem Jahr beeindruckt mich die Art und Lebensweise der Menschen vor Ort immer wieder aufs Neue. Die Aufgeschlossenheit, Bescheidenheit und schlicht, die Fröhlichkeit der Leute trotz den teilweise sehr „einfachen“ und schwierigen Lebensumständen werde ich ganz sicher nie vergessen.

Stets wird gegeben, eingeladen und geteilt, obwohl man selbst nicht besonders viel hat. Man stellt seine eigenen Bedürfnisse teils in den Hintergrund, um ja nicht die Gäste oder gar die eigene Familie zu vernachlässigen. Gerade im Rückblick auf das Jahr werde ich mir dieser Tatsachen immer mehr bewusst und umso mehr bin ich davon beeindruckt. Zufrieden und glücklich zu sein mit dem, was man hat, selbst wenn es nicht sehr viel ist.

Das und vieles mehr werde ich bestimmt bald sehr vermissen.

 

Nun möchte ich aber noch von einem sehr besonderen Event, welches letzten Monat stattgefunden hat, erzählen.

Anfang Juli hatten wir nämlich unsere Abschlussfeier mit den Kids in Payatas. Zusammen mit den Kindern von Jakob fuhren wir mit mehreren Jeepneys zum Ort der Feier. Dank den Spenden konnten wir sogar eine tolle Location mit Swimming Pools organisieren, worüber sich die Kinder mit am Meisten gefreut haben. Alles in allem war es ein sehr gelungener Tag, die Kinder als auch die Eltern, welche als Begleitung dabei waren hatten sehr viel Spaß. Jedes der Kinder durfte seinen Handabdruck auf der großen Leinwand in bunten Farben hinterlassen und anschließend wurden noch eigene Bilder auf kleineren Leinwänden gestaltet. Außerdem erhielten die Kinder ihre Zertifikate als Zeichen der Anerkennung, das Programm absolviert zu haben. Dann gab es noch Geschenktüten mit Schulmaterialien und Süßigkeiten und ein leckeres Mittagessen. Bevor unsere eigentliche Überraschung, eine kleine Clown Show und Gesichtsbemalung an der Reihe war, gab es für alle ungefähr zwei Stunden Zeit um die Swimming Pools ausgiebig zu nutzen. Die Feier beendeten wir mit dem gemeinsamen Singen unseres „Graduation-Songs“, was ein wirklich emotionaler Moment war. Schließlich wurden noch die Zertifikate verteilt, danach ging es dann auch schon wieder zurück nach Payatas.

Da bei diesem Event leider nicht alle meiner und Jakobs Schüler anwesend sein konnten, haben wir ein paar Wochen später ein kleines Nachholevent veranstaltet, um auch mit den übrigen Kindern noch die Bilder zu malen, ihnen ihre Geschenke und Zertifikate auszuteilen und ihnen trotzdem noch eine Freude zu machen, obwohl sie ja das eigentliche Event verpasst hatten.

Nach diesen Veranstaltungen ging es für mich direkt weiter nach Siargao, einer Insel im Süden des Landes, welche als Surfer Paradies bekannt ist. Gesurft wurde dort dann auch so gut wie jeden Tag. Dafür konnte ich mich sogar dazu motivieren früh morgens aufzustehen und kurz nach Sonnenaufgang schon einige Stunden auf dem Wasser zu verbringen um zu üben. Zum Urlaub auf Siargao hier noch eine kleine Auswahl an Bildern:

 

In meinem letzten Blogeintrag habe ich euch außerdem versprochen, das besagte Video endlich mit euch zu teilen. Unter diesem Link kann man sich nun den Trailer ansehen: https://drive.google.com/open?id=1gVBcw98Bml1ZqUncQehXY9VTn7TBi3sb

Das Video entstand zusammen mit den anderen beiden Freiwilligen, Jakob und Simon. Wir haben zwei Tage in Payatas und einen Tag in Parola gefilmt und ich habe mich dann im Anschluss an den Schnitt gesetzt und eine ganze Weile daran herumgebastelt. Deshalb freue ich mich sehr, dieses Projekt nun mit euch teilen zu dürfen und damit hoffentlich einen nochmal besseren Einblick zu geben als mit dem Berichten oder Fotos. Ich wünsche viel Spaß beim Anschauen!

Unterdessen bin ich bereits dabei, mich auf meine baldige Abreise vorzubereiten und versuche mein Bestes um auch den Rest der noch anstehenden Abschiede zu überleben 🙄

 

Einen lieben Gruß nach Deutschland und bis bald,

euer Moritz  😀

Jeepneys, türkisblaues Meer und strahlende Kinderaugen (#6)

Hallo zusammen,

Inzwischen ist mein Jahr auf den Philippinen schon wieder vorbei. Auch wenn ich seit Anfang August zurück in meiner Heimat bin, möchte ich niemandem vorenthalten, wie sich meine letzten Monate auf den Philippinen gestaltet haben. In den Pfingstferien kam meine Familie zu Besuch, worüber meine Mutter in einem ‚Gastbeitrag‘ im Folgenden berichtet:

Als ich mich mit meinen Kindern Mitte Mai auf den Weg zu unserem Jakob auf die Philippinen machte, hatten wir alle keine Ahnung, was uns erwarten würde. Nicht nur, weil Jakob sich das Reiseprogramm für uns überlegt und es bis zum Ende geheim gehalten hatte, sondern auch, weil wir in eine ganz  andere Kultur eingetaucht sind, die mich total fasziniert hat. Jakobs erste Blog-Einträge, mit denen er uns an seiner Welt ein wenig teilhaben ließ, gingen über den Verkehr in Manila und den daran beteiligten Fahrzeugen. Ich muss zugeben, dass ich mich damals etwas darüber gewundert habe. Mittlerweile weiß ich, dass der Verkehr in Manila einen großen Anteil an der Atmosphäre dieser Stadt hat. Natürlich, Großstadtlärm wie in vielen Städten auch bei uns. Aber das Wie ist doch ein komplett anderes. In all dem Gewusel von Autos, Bussen, Tricycles, Jeepneys, Mopeds und dazwischen Fußgängern scheint es kaum Verkehrsregeln zu geben. Es wird rechts und links überholt, die Spuren werden wild gewechselt – aber: es funktioniert. Das Hupen, das permanent durch die Straßen tönt, ist kein aggressives Hupen, sondern eher ein auf sich aufmerksam machen. Und die wichtigste Verkehrsregel scheint zu sein, dass man nicht nur sich im Blick hat, sondern auch die Verkehrsteilnehmer um einen herum. So können Tricycles und Jeepneys ohne Probleme wieder in den fließenden Verkehr einfädeln, wenn sie neue Fahrgäste aufgenommen haben.

Diese Rücksichtnahme und das Aufeinanderschauen haben wir auch in den Begegnungen mit den Menschen auf den Philippinen erfahren. Überall wurden wir freundlich und zuvorkommend behandelt, man war stets bemüht, uns unsere Wünsche zu erfüllen, uns zu helfen, es wurde darauf geachtet,  dass es uns gut geht und wir uns wohl fühlen. Dies führte zu Erfahrungen, die bei uns hier undenkbar wären. So wurden uns, als wir morgens um 5 Uhr in unserer Unterkunft auf der Insel Coron ankamen, Betten in zwei sogenannten „nipa huts“ (traditionelle Häuser aus natürlichen Materialien wie der Nipapalme, deren Blätter häufig für die Dachkonstruktion verwendet werden) zur Verfügung gestellt, damit wir uns ausruhen können, weil unser gebuchtes Zimmer noch nicht frei war. Oder wir konnten einen Nachtisch, den wir schon einmal gegessen hatten und der unglaublich lecker war, aus einem Nachbarrestaurant bestellen. Haben Sie schon einmal versucht, eine Speisekarte aus dem Nachbarlokal zu ordern?

Auch die Menschen in Payatas sind uns mit großer Offenheit und äußerst freundlich begegnet als wir mit Jakob und Moritz einen Tag dort verbrachten und sie bei ihrer Arbeit begleiten durften. Dieser Tag hat mich sehr beeindruckt. Da war zum einen diese ganz andere Art zu leben, unterschiedliche Häuser, Straßen, die befestigt waren, aber auch Wege, die nur aus Erde bestanden. Frauen, die ihre Wäsche in Bottichen auf dem Platz vor dem Haus wuschen und Kinder, die mit einem Gartenschlauch abgeduscht wurden. In all das haben wir einen Einblick bekommen als wir mit den beiden Mazlern die Kinder in ihren Häusern abholten. Zum anderen erlebten wir äußerst offene und gastfreundliche Menschen. Wir wurden herzlich begrüßt, wir durften gerne Fotos machen und am Ende des Tages wurden wir von einer Familie noch zum Essen eingeladen. Kein Misstrauen, keine Zurückhaltung, sondern Offenheit und Wohlwollen schlugen uns entgegen.

Was Moritz und Jakob für die Kinder in Payatas leisten, ist beeindruckend. Die gemeinsamen Unterrichtsstunden, die an vielen völlig unterschiedlichen Plätzen in dieser Gegend stattfinden, sind sehr strukturiert aufgebaut und versuchen die Kinder in unterschiedlichen Bereichen anzusprechen. Nach der Begrüßung „Good morning, Teacher Jakob!“ und einem gemeinsamen Gebet versucht Jakob durch eine kleine Fragerunde über Lieblingsessen, -farben und anderem die Kinder mit der englischen Sprache ein wenig vertraut zu machen.

An unserem Besuchstag durften sie eines unserer mitgebrachten Puzzle zusammensetzen und dabei die Tiere auf Englisch benennen. „W“ und „X“ waren die Buchstaben, die sie an diesem Tag bei Jakob wiederholten und auf einem Arbeitsblatt schreiben mussten. Einige der Kinder waren da sehr geschickt, andere mussten sich schon mühen und brauchten Geduld. Viel Freude bereitete ihnen das Ausmalen eines Bildes, das auf dem Arbeitsblatt abgedruckt war – und noch größere Freude, dass sie aus dem Arbeitsblatt einen Papierflieger falten und ihn fliegen lassen durften. Die Gruppen, die auf einem Platz neben dem Friedhof unterrichtet wurden, vertieften die Buchstaben durch Laufspiele und Memoryspielen. Mit Freude lauschten die Kinder Jakob und Moritz als sie Märchen auf Tagalog vorlasen – für uns war es interessant zuzuhören obwohl wir nichts verstanden. Trotz der zum Teil eher schwierigen Umstände (die Kinder stehen um einen wackeligen Tisch, sie sitzen und schreiben auf einem Holzbrett, das über zwei Steine gelegt ist… da wirken unsere Diskussionen über die Ausstattung von Klassenzimmern mit Whiteboard und Beamer etwas befremdlich) gelingt es Moritz und Jakob, den Kindern das für die Einschulung notwendige Wissen zu vermitteln. So konnten die Kinder in Moritz Gruppe fehlende Buchstaben im Alphabet ergänzen und bei Jakob die bereits erlernten Buchstaben bei diversen Spielen wiederholen. Zum Mittagessen waren wir im Center eingeladen – Jeremy hatte für uns ein leckeres Mittagessen gezaubert und wir durften neben den Lehrerinnen und Lehrern, die die Jugendlichen unterrichten, auch Sister Frances kennenlernen.

Jakob zeigte uns nicht nur seine Arbeit und die quirlige Stadt Manila, sondern weitere wunderbare Ecken der Philippinen. Nach einer 14-stündigen Fahrt mit einer Fähre kamen wir auf der Insel Busuanga an. Ein Bummel durch den Ort Coron, der Besuch auf dem örtlichen Markt, nächtliches Kanufahren mit Besichtigen der Glühwürmchen in den Mangrovenbäumen und des faszinierenden fluoreszierenden Planktons standen ebenso auf dem Programm wie ein Besuch auf der Nachbarinsel Culion, auf der über 100 Jahre lang eine Leprakolonie bestand. Einen traumhaften Tag verbrachten wir beim Stand Up Paddeling, bei dem wir durch einsame Lagunen und unter Mangrovenbäumen paddelten. Immer wieder landeten wir auf fantastischen Inseln und wurden auf einer mit einem auf dem Boot zubereiteten leckeren Essen verwöhnt. Das Baden in heißen Quellen rundete diesen einmaligen Tag ab – für manchen Sonnenbrand bedeutete das fast eine homöopathische Behandlung nach Hahnemann „Gleiches mit Gleichem behandeln“. Die Besteigung eines kleinen Hügels während des Sonnenaufgangs bot uns einen phantastischen Blick auf einige der über 7000 Inseln der Philippinen. Unsere nächsten Erlebnisse durfen wir auf der Insel Palawan machen: Islandhopping, Schnorcheln, Besuch eines Wasserfalls und immer wieder Einblicke in das Leben der Menschen.

Unseren letzten Abend verbrachten wir mit „unseren Jungs“ Moritz, Simon und Jakob in „Fred’s Bar“. Leckeres Essen – wie immer auf unserer Reise – gute Gespräche, eine tolle Atmosphäre bei immer noch 30° und viele liebe Menschen um uns herum. So wie an diesem letzten Abend konnte ich auf der ganzen Reise spüren, wie sehr Jakob in diesem fernen Land angekommen war. Er, Moritz und Simon erfüllen ihre Arbeit mit und für die Kinder mit Herzblut. Innerhalb kürzester Zeit haben sie Freunde gefunden und Kontakte geknüpft – an dieser Stelle eine großes Dankeschön an Peter, der uns stolz und voller Begeisterung durch Intramuros und Chinatown führte. Sie erleben das Land und die Menschen in allen Facetten: bei ihrer Arbeit im Slum, beim Weggehen und Party feiern ebenso wie bei ihren Ausflügen und Reisen in verschiedenste Regionen des Landes. Sie verbringen viel Zeit in dem Bergdorf Buscalan, leben dort mit den Menschen und packen mit an, wo ihre Hilfe gebraucht wird. Sie genießen die einmaligen und unbeschreiblich schönen Inseln und setzen sich mit der Frage des Lebensstils auseinander. Nach dem, wie wir Jakob dort erlebt hatten, konnte ich beruhigt wieder nach Hause fliegen. Und es war eine intensive Zeit für uns als Familie – den ganzen Tag (und die Nächte) miteinander verbringen, Fantastisches erleben und viel Zeit zum Reden und Erzählen haben. Nun fiebern wir hier seinem Nachhausekommen in wenigen Tagen entgegen, denn unsere Reise liegt schon einige Wochen zurück. Trotzdem sind unsere Erfahrungen auf den Philippinen noch sehr präsent. Nicht nur, weil ich in meinem Religionsunterricht immer wieder davon erzählt und Bilder gezeigt und vielen Menschen voller Begeisterung berichtete habe, sondern auch, weil diese Reise für mich und Jakobs Geschwister uns in eine neue Welt, in Jakobs Welt, hat eintauchen lassen und uns sehr berührt hat.

Salamat po, Jakob, für diese einmalige, wunderbare Zeit mit

dir auf den Philippinen!

Christine, Paul, Magdalena und Anna

P.S. Inzwischen ist unser Jakob wieder bei uns und wir genießen die gemeinsame Zeit in vollen Zügen!

Buscalan (#5)

Hallo zusammen,

Inzwischen sind schon mehr als 75 % meines Einsatzes hier auf den Philippinen Geschichte. Ganz besondere Erfahrungen, die ich natürlich niemandem vorenthalten möchte, konnte ich in der Kar- und Osterwoche sowie den darauffolgenden Tagen machen. Zum besseren Verständnis und zur besseren Orientierung habe ich eine Karte erstellt, auf der die Orte markiert sind, die ich auf den Philippinen schon besucht habe. 

Gefährten vom Dach

Am Donnerstag vor Palmsonntag machten Simon, Peter und ich uns auf den Weg nach Buscalan. Zum einen wollten wir unseren Freund Theo dort wiedersehen, zum anderen reizte uns die Erfahrung, nachdem uns Theo und Peter schon vieles über das Dorf und die Menschen vor Ort berichtet hatten. Moritz konnte leider nicht mit, weil er den Besuch seiner Eltern erwartete. Früh morgens gegen sechs Uhr kamen wir in Bontoc, der nächstgrößeren Stadt, an. Wir gingen kurz auf den Markt, um noch einiges Gemüse und Obst für unseren einwöchigen Aufenthalt zu besorgen, bevor wir dann gegen viertel acht auf das Dach des Jeepneys kletterten, das uns ein Stück weiter in Richtung Buscalan bringen sollte. Schon vom Dach aus konnten wir eine atemberaubende Landschaft bestaunen, die sich uns überall bot. Die Straße war nicht gerade sonderlich breit, weshalb sich das Ganze manchmal etwas abenteuerlich gestaltete. Nichtsdestotrotz kamen wir wohlbehalten an der nächsten Station, einem kleinen Store an. Dort fanden wir einige Motorradfahrer vor, die darauf warteten, Leute zum sogenannten „Turningpoint“ zu bringen. Inzwischen war unsere Gruppe schon um drei weitere Leute gewachsen, die wir auf dem Dach des Jeepneys kennen lernten. Auch die Fahrt mit dem Motorrad war recht spannend, denn abgesehen vom Zustand der Straße hatten wir einiges an Gepäck dabei. Am Turningpoint kamen wir aber wiederum sicher an. Von dort aus machten wir uns ans letzte Stück Weg, das uns noch vom Dorf trennte, nämlich den Fußweg, der zunächst abwärts in ein schmales Tal mit einem Wasserfall und von dort wieder nach oben ins Dorf führte. Das hört sich alles etwas idyllischer an als es war, denn wir haben einige zig Höhenmeter überwunden, was in aller Herrgottsfrühe um ca. neun Uhr inklusive Gepäck nicht so ohne ist. Buscalan liegt zudem noch auf ca. 1000 Metern Höhe, was dem Aufstieg noch einmal einen eigenen Geschmack verleiht. Aber auch dieses Hindernis konnten wir überwinden und wir erreichten schließlich das Dorf. Dort wurden wir von unserem Freund Theo, der insgesamt schon einige Monate in Buscalan weilt, am Checkpoint empfangen. Da auch Peter im Dorf kein unbeschriebenes Blatt ist, konnten wir ihn als unseren Guide für die Woche nehmen, was die Registrierung beim Checkpoint sehr viel angenehmer machte. Untergebracht wurden wir in einem sogenannten „homestay“, der Übernachtungsmöglichkeit, die sich bei verschiedenen Familien im Dorf dort bietet. Der Preis für die Übernachtung stellt zudem gratis Reis und Kaffee bereit, welches beides im Dorf selbst gepflanzt und weiter verarbeitet wird. Da sich das Dorf vor einige Jahren den Touristen öffnete, um die Kultur mit diesen zu teilen, wurde eine Einrichtung wie der Checkpoint zur besseren Organisation nötig.

Einige Informationen vorab

Buscalan liegt in der Provinz Kalinga und bildet das eigene, gleichnamige Barangay. Dort leben die „Butbut“, eine eigene Volksgruppe mit langer Tradition und sehr interessanter Vergangenheit. Sie sprechen ihre eigene Sprache, ebenfalls „butbut“ genannt. In früheren Zeiten waren die Menschen, die dort leben, vor allem aufgrund ihrer „headhunter“, in der Umgebung berühmt berüchtigt. Als Headhunter bezeichnete man die Krieger des Dorfes. Bei Kämpfen mit benachbarten Dörfern oder anderen Feinden wie beispielsweise den Japanern im zweiten Weltkrieg trennten diese nämlich die Köpfe der getöteten Feinde ab, um diese zur Abschreckung weiterer Angreifer in der Nähe des Dorfes zu postieren. Heutzutage zieht es viele Touristen aufgrund der traditionellen Tattoos dort hin, die Männer zu damaliger Zeit durch Headhunting, Frauen aufgrund ihrer Schönheit erhalten haben. Die Tattoos werden nicht mit einer Maschine, sondern von Hand gestochen. Dazu verwenden die Tätowierer zwei Stöcke: In einem befindet sich ein kleines Loch, in welches ein Dorn gesteckt wird. An diesen wird immer wieder die Farbe geschmiert, die auf ganz natürliche Weise aus Kohle gewonnen wird. Mit dem zweiten Stock wird nun vorsichtig auf den Stock mit dem Dorn geklopft und so die Tinte in die Haut übertragen.

Die Bekannteste und zugleich mit ungefähr 100 Jahren die drittälteste Person im Dorf, Whang-Od tätowiert auch heute noch Touristen. Aufgrund ihrer eingeschränkten Sehfähigkeit und dem großen Andrang an Wochenenden und Feiertagen beschränkt sie sich inzwischen aber nur noch auf kleinere Tattoos. Für größere sind beispielsweise Grace und Elyiang, die das Handwerk ihrer Großtante fortführen möchten, oder auch andere Tattoo-Künstler aus dem Dorf zuständig. Whang-Od ist es selbst ein großes Anliegen, diese Tradition zu bewahren und an die nächste Generation weiterzugeben. Wer sich weitere Informationen zu diesem Thema holen möchte, dem seien diese Dokumentationen empfohlen: 

Im Dorf angekommen

Nach unserer Ankunft machten wir uns zunächst einmal zu unserem Homestay auf, um unser Gepäck abzuladen und die erste Tasse Kaffee zu trinken, die einfach nur hervorragend schmeckte. Danach haben wir uns mit Peter zunächst einmal ein wenig im Dorf umgesehen. Da zwei unserer Gefährten vom Dach bereits am nächsten Tag schon wieder abreisen wollte, begaben wir uns mit diesen auch direkt zu einer der Tattoo-Künstlerinnen. Dort konnten wir dann das erste Mal beobachten, wie die Tattoos gestochen werden. Auf dem Heimweg beobachtete ich dann noch einige Männer beim Schachspielen. Da die anderen schon weitergelaufen waren, konnte ich den Weg zurück zum Homestay aufgrund meiner Verwirrung und mangelnder Ortskenntnis nicht finden. Die Leute vor Ort waren aber sehr freundlich und hilfsbereit, sodass mir ein Mann seinen Sohn voraus schickte, um mir den Weg zu zeigen.

Den Abend ließen wir dann nach dem gemeinsamen Kochen und Essen noch gemütlich ausklingen. Der Reis aus Buscalan ist nicht, wie man ihn üblich kennt weiß, sondern meist rot. Einen wirklichen geschmacklichen Unterschied konnte ich nicht feststellen. Aufgrund der großen Anzahl an Menschen müssen sich die Leute aus dem Dorf aber auch zusätzlich noch mit Reis aus der Umgebung wie z.B. aus Tabuk eindecken. Gemeinsam mit uns im Homestay waren außerdem noch eine französische Tattoo-Künstlerin sowie der Amerikaner Gabriel.

Am nächsten Morgen trafen Simon, Gabriel und ich uns mit Theo, um ihm zu helfen, für den Store der Familie, bei der er lebt, einige Dinge vom Turningpoint abzuholen. Insgesamt liefen wir zwei mal dorthin und wieder nach oben ins Dorf, unterbrochen von einigen Essenspausen am Turningpoint und im Dorf sowie einigen Trinkpausen am Wasserfall. An ebenjenem konnten wir am Nachmittag dann auch noch die Gelegenheit nutzen und Baden gehen. Viele Jungs aus dem Dorf waren auch dort, oft im Adamskostüm unterwegs. Nach dem Baden sammelten sie aus dem Umkreis einer kleinen, trockengelegten Reisterrasse haufenweise Gestrüpp, Blätter und Äste zusammen, um daraus ein Feuer zu machen, an dem man sich wunderbar trocknen konnte.

Am darauffolgenden Tag machten Simon und ich uns zu einer kleinen Wanderung am Vormittag auf, die uns zur ein ganzes Stück oberhalb vom Dorf gelegenen Grundschule führte. Dort genossen wir die wunderbare Aussicht und das wunderbar sonnige Wetter. Gegen Mittag machten wir uns wieder auf den Rückweg ins Dorf, um mit dem Kochen anzufangen. Gabriel und die Französin waren am Morgen schon wieder abgereist. Gemeinsam mit Peter und Jan, einem deutschen Fotografen, machten wir uns am Nachmittag auf den Weg, um uns die Reisterrassen anzusehen, die das Dorf an der oberen Hangseite umgeben. Dort waren noch einige Frauen dabei, den Reis zu pflanzen. Das war wirklich beeindruckend zu sehen, mit was für einer Geschwindigkeit und Geschicklichkeit das vonstatten ging. Das Anpflanzen des Reises ist in Buscalan Sache der erstgeborenen Frauen. Man glaubt, dass das für die Ernte einen besseren Ertrag bringt. Nicht wenig verwunderlich also, dass einige ältere Frauen im Ort unterwegs sind, die extrem gebückt laufen.

Am nächsten Morgen brachen Peter und ich gemeinsam mit Jan, der sich auf den Rückweg begab, früh morgens nach Bontoc auf, um uns die Tickets für die Rückfahrt mit dem Bus zu organisieren.

Nachdem dies erledigt und wir uns wieder auf dem Dach des Jeepneys auf der Rückfahrt befanden, lernten wir bereits schon den nächsten Deutschen kennen. Auch er sollte ein Begleiter für die nächsten Tage sein.

Bei Charlie, dem Captain des Dorfes und dem Betreiber unseres Homestays, verbringen verschiedene Jugendliche ihre Sommer- und damit schulfreien Monate, um sich dort durch Mithilfe ihr Taschengeld aufzubessern. Da Brand, einer dieser Jungs bei Charlie, der Enkel des Captains aus dem Nachbardorf Butbut-Proper ist, bot sich für uns am darauffolgenden Tag die Gelegenheit, eine kleine Wanderung ins Nachbardorf zu unternehmen. Der Weg führte uns über die Reisterrassen und einen Pfad bzw. Straße am Berg entlang. Über die gesamte Zeit konnten wir dort die schöne Landschaft bewundern. Angekommen im Dorf konnte man schon einige deutliche Unterschiede feststellen: Das Dorf insgesamt wirkte schon einmal viel entzerrter und war viel lockerer strukturiert als Buscalan. Auch konnte man bemerken, dass die Dorfbewohner Weiße nicht so oft zu sehen bekommen wie die Leute aus ihrem Nachbarort. Nichtsdestotrotz wurden wir freundlich aufgenommen und vom Captain des Dorfes, Brands Großvater, zu einer Tasse Kaffee und ein paar Keksen eingeladen. Unser Rückweg führte uns dann über das Dorf Loccong, das auf dem Bergkamm oberhalb von Buscalan liegt.

Simon und ich verbrachten den nächsten Tag eigentlich hauptsächlich damit, für den Store von Theos Familie Bierkisten oder für die anstehende Hochzeit Holzstücke hoch zu tragen. Diese Holzstücke waren in etwa 70 cm lang und hatten einen Durchmesser von circa 20-25 cm. Als Dank für die Mithilfe wurden Simon, Peter und ich Abends noch bei der Familie der Braut zum Essen eingeladen.

Da der darauffolgende Tag der Geburtstag von Clarissa, einer der Mädels von Theos Familie, war, durften auch wir mit zur Geburtstagsfeier zum Wasserfall. Bei solch einem Anlass ist es üblich, dass das Geburtstagskind zwei bis drei Hühner für das Essen sponsert. Diese wurden am Wasserfall, über die Reisterrassen oberhalb des Dorfes zu erreichen, direkt gerupft und weiter zu Suppe verarbeitetet. Die Suppe wurde dann zusammen mit, wer hätte es gedacht, Reis gegessen. Wie es sich für so einen Anlass gehört, wurde der Reis und das Hühnchen dann auf Palmblättern, die auf dem Boden ausgebreitet werden, serviert. Bei den Filipinos ist das als „buddle fight“ bekannt. Eingenommen wurde das Mahl mit den Händen.

Obwohl wir uns schon am Nachmittag auf den Weg machten und uns das Warten aufs Essen mit Musik und diversen Getränken vertrieben, war es beim Baden im Wasserfall doch relativ frisch. Danach wurde allerdings wieder ein kleines Feuer gemacht, an dem man sich gut trocknen konnte. Mit der einsetzenden Dämmerung machten wir uns dann wieder auf den Weg zurück ins Dorf.

Am unserem letzten Tag machten Simon und ich uns dann früh morgens wieder auf den Weg zum Turningpoint, um dort das nach Bontoc fahrende Jeepney um neun Uhr zu nehmen.

Ein unerwartetes Event

Wir sollten aber schon am direkt darauffolgenden Freitag nach Buscalan zurückkehren, da wir während unseres ersten Aufenthalts von Charlie zur Hochzeit eines Familienmitglieds am kommenden Freitag und Samstag eingeladen wurden.

So machten Simon und ich uns am Donnerstag wieder auf den Weg in den Norden. Wir kamen wieder am Freitagvormittag im Dorf an und machten uns wieder zum Homestay bei Charlie auf. Dort trafen wir auf Peter, der immer noch dort weilte.

Die Hochzeit sollte am Freitag Abend beginnen. Bei den Hochzeiten gibt es unterschiedliche Varianten, je nachdem, ob das Pärchen schon Kinder hat oder nicht. Haben die Heiratswilligen schon Töchter bzw. Söhne, so entfällt die eigentliche Zeremonie und es findet nur die Feier statt. Andernfalls erfolgt für das Brautpaar eine Zeremonie. Bei der Hochzeit, an der wir teilnehmen konnten, hatte das Paar schon Kinder, weshalb am Samstag Nachmittag keine Zeremonie stattfand.

Als Vorbereitung auf die Hochzeit ist es Brauch, dass der Bräutigam und seine Freunde zwei bis drei Kalabaw, eine Art Wasserbüffel, der ganz viel zur Arbeit in den Reisfeldern eingesetzt wird, für das Essen stiftet. Für die Braut ist ähnliches angesagt: sie hat circa drei Schweine zu besorgen. Obwohl im ganzen Dorf Schweine unterwegs sind, die dort unterwegs sind wie anderorts Hunde und Katzen, werden diese nicht für diese Zwecke geschlachtet, sondern eigens gesonderte hergeschafft. Die Tradition verlangt es, dass die Freunde der Heiratenden die Tiere aus dem jeweiligen aktuellen Heimatort heranschaffen. Deshalb konnten wir am Freitag immer wieder Männer die Tiere, zum Teil schon geschlachtet und aufgeteilt, zum Teil noch lebend, an dünnen Stämmen den Berg hoch tragen sehen. Wenn man von dem Gewicht eines durchschnittlichen Schweines ausgeht, kann man sich vorstellen, was für eine schweißtreibende Arbeit das ist.

Am Freitag Abend versammelten sich also viele Leute zu Musik und Tanz auf einem kleinen Platz im Dorf, unweit von Charlies Homestay gelegen. Es war eine Abwechslung aus den traditionellen Tänzen mit eigenen Instrumenten, aus Sonderwünschen oder aus für jedermann angebotene Tänze. Zudem gaben ein paar Leute Gesangseinlagen zum Besten. Die traditionellen Instrumente sind Percussion-Instrumente. Sie ähneln ein wenig grifflosen Pfannen aus Kupfer in unterschiedlichen Größen, aufgehängt an einer Schnur. Darauf geschlagen wird mit einem der Größe entsprechenden Stock. Aufgrund der unterschiedlichen Größen und der Art, wie man darauf schlägt, entstehen natürlich unterschiedliche Klangfarben. Diese werden aus drei verschiedenen Pattern zu einem Rhythmus zusammengefügt. Während des Spielens tanzen die Männer hintereinander umher, währenddessen kommen irgendwann die Frauen hinzu, die innerhalb der Schlange der Männer eine eigene Schlange bilden und zur Musik tanzen. Der Tanz besteht aus Vor-und Zurückbewegen der zur Seite hin ausgestreckten Oberarme sowie verschiedenen Schritten der Füße. Die Videoaufnahme sollte den eben beschriebenen Ablauf etwas besser erklären.

Nachdem wir am Samstag Vormittag dann ausschlafen konnten und uns zum gemeinsamen Mittagessen mit Theo und einigen seiner Freunden und Freundinnen trafen, wurden am Samstag die Tänze des Vortages bis in die späte Nacht fortgesetzt. Wie bereits erläutert, entfiel eine Zeremonie für das Brautpaar. Als kleines Geschenk für das Brautpaar brachten wir eine Postkarte von Deutschland, original Bayerisches Bier und eine frisch gekochte Mahlzeit mit.

Am nächsten Morgen ging es für uns dann leider schon wieder zurück, da unsere Kinder und die Arbeit mit ihnen rief. Auf der Rückfahrt konnten wir noch einmal die schöne Aussicht vom Dach des Jeepneys genießen.

Der weitere Verlauf der nächsten Wochen

Den 1. Mai, der wie in der Deutschland Tag der Arbeit und somit Feiertag ist, nutzen wir zu einem verlängerten Wochenende und so machten Peter, Simon und ich uns erstmals gemeinsam mit Moritz auf nach Buscalan. Wir begaben uns am Mittwoch Abend auf unsere erneute Reise und kamen wiederum gegen sieben Uhr in der Früh an. Nach unserem Einkauf auf dem Markt liefen wir zum Jeepney, das uns nach Buscalan bringen sollte und luden unser Gepäck ab. Abfahrt ist um neun Uhr, so der Fahrer, weshalb wir die Zwischenzeit nutzen, um eine Kleinigkeit zu essen.

Als wir gegen dreiviertel neun Uhr die Straße Richtung dem Abfahrtspunkt liefen, sahen wir bereits eines wegfahren. Wir dachten uns zuerst nur: Gut, das wird schon nicht unseres gewesen sein, es fahren ja bestimmt noch andere in diese Richtung. Nachdem wir aber zwei Minuten später ankamen, stellten wir fest, dass es doch unseres war, das nun mit dem Gepäck auf dem Dach davon gefahren ist. Wir schnappten uns also schnell ein Trycicle und folgten dem Fahrzeug. Da nach einigen Kurven schon wieder einige Leute zustiegen, dauerte die Verfolgung nicht lange und wir konnten zu unserem Gepäck aufs Dach klettern. Angesichts der Vielzahl an Leuten im und auf dem Gefährt war es auch nicht weiter verwunderlich, dass der Fahrer nicht mehr auf weitere Passagiere warten wollte. Nach einer schönen, sonnigen Fahrt erreichten wir nach dem kleinen Fußmarsch wieder das Dorf. Auf dem Weg dorthin bemerkten wir, dass der Weg vom Turningpoint zum Dorf mithilfe dreier Bagger bearbeitet und so ein ganzes Stück breiter gemacht werden sollte.

In Buscalan angekommen trafen wir wieder Theo, der uns ein weiteres mal freudig begrüßte. Aufgrund der Vielzahl an Filipinos und anderer Touristen, die wegen des 1. Mais auf die selbe Idee wie wir gekommen sind, kamen wir in Charlies Homestay schon gar nicht mehr unter. Das war kein Problem, denn so kamen wir in Anna‘s Homestay in Theos und auch Charlies Nachbarschaft unter.

Die weiteren Tage waren nicht sonderlich spektakulär: Wir kochten wieder gemeinsam, halfen verschiedenste Dinge vom Turningpoint nach oben zu transportieren, waren unten am Wasserfall beim Baden und ein wenig im Dorf unterwegs. Dabei konnten wir wieder einige sehr interessante Leute kennen lernen. Wie bereits gesagt, waren aber wahnsinnig viele Leute da, was das Ganze etwas unentspannter machte. Die Dorfbewohner hatten alle Hände voll zu tun, alle Homestays waren bis auf des letzte Bett ausgebucht, jeden Tag kamen neue Touristengruppen ins Dorf, es wurde fast rund um die Uhr und überall tätowiert. Wir machten uns am Sonntagnachmittag dann schon wieder auf den Heimweg und waren Montag früh morgens wieder in Manila. Dadurch hatten wir noch genug Zeit, um uns für die Graduation der älteren Schüler und damit Highschool-Absolventen aus dem Center auszuruhen, die am frühen Nachmittag beginnen sollte.

Neben der Graduation war ein weiteres Highlight in den letzten Wochen die Segnung des Centers in Payatas, das Anfang das Jahres renoviert und umgebaut wurde. Neben einem größeren Klassenzimmer im Obergeschoss inklusive einer Toilette wurde im Untergeschoss ein abgeschlossenes Zimmer für die Küche eingerichtet. Der Unterricht mit meinen Kindern nimmt soweit seinen gewohnten Lauf, die Sommerhitze erschwert diesen allerdings etwas. Zum einen sind die Kinder etwas anders drauf und häufig etwas überdreht, zum anderen machen fast alle Kinder einen Mittagsschlaf, weswegen ich die Stunden am Nachmittag manchmal absagen muss.

Viele Grüße aus Manila

Jakob

Update Juni – Lebenszeichen aus Manila

Liebe Leserinnen und Leser, Interessenten und Unterstützer,

Nun ist es wirklich schon eine ganze Weile her, seitdem ich mich zuletzt mit einem Artikel gemeldet habe. In den letzten Wochen und Monaten ist mal wieder sehr viel passiert und ich habe so einiges erlebt und gelernt.

Ich lebe nun seit guten 10 Monaten hier auf den Philippinen und habe mich mittlerweile so sehr an den Alltag und alles drumherum gewöhnt, dass ich mir kaum mehr vorstellen kann in einigen Monaten schon wieder nach Deutschland zurückzukehren. Um ehrlich zu sein, erwische ich mich des Öfteren selbst bei dem Versuch, einfach nicht daran zu denken und jene Tatsache zu unterdrücken. Etwas, was ich mir noch vor der Ausreise letzten August nicht hätte ausmalen können.

Ich bin wirklich dankbar und glücklich, diese Chance bekommen und ergriffen zu haben und es fällt mir wirklich nicht leicht all die Eindrücke und Erlebnisse in einem solchen Artikel zusammenzufassen. Nun ja, ich werde es nun zumindest versuchen, indem ich über Dinge berichte, die mir mehr oder weniger spontan einfallen.

Ein sehr eindrucksvolles Erlebnis waren für mich in den letzten Wochen die Ausflüge nach Buscalan, ein kleines Dorf mitten in den Bergen. Mit dem Bus ungefähr 13 Stunden weg von Manila.

Bekannt für die traditionelle Tattoo – Kunst lockt dieser Ort zwar mehr und mehr Touristen an, nichtsdestotrotz beeindruckte mich, wie ruhig und vergleichsweise langsam das Leben dort vor sich geht. Umso mehr im direkten Vergleich mit dem teilweise eher hektischen Manila.

Die Menschen dort begegnen einem mit einem unvergleichbaren Respekt und ich fühlte mich dort sofort willkommen und aufgenommen, fast so als wäre es meine zweite Heimat.

Diese gesamte Atmosphäre wird durch die tolle Landschaft, das Bergpanorama und die unzähligen Reisterrassen nur noch verstärkt.

Zurück in Manila, befinden wir uns unterdessen bereits in den letzten Unterrichtswochen mit unseren Kindern. Ich habe vor kurzem ein Videoprojekt abgeschlossen, das den Alltag von uns Freiwilligen zeigt, begleitet und sicherlich einen nochmal besseren Eindruck als die Bilder und Berichte geben kann. Ich freue mich schon sehr, euch dieses Video demnächst zeigen zu können bzw. es im Rahmen meines nächsten Blogeintrags zu veröffentlichen.

Des weiteren sind wir gerade dabei, das letzte große Event für unsere Kinder zu organisieren. Einen Ausflug in einen Naturpark oder Zoo mit anschließendem Mittagessen wird es noch geben und direkt im Anschluss findet dann die Graduation (Abschlussfeier) statt. Um diese Veranstaltung zu realisieren und unseren Kindern eine große Freude machen zu können, sind wir auf Spenden angewiesen. Für mich ist dies eine wirkliche Herzensangelegenheit, da vor allem die Abschlussfeier unser letztes Zusammenkommen mit den Kindern sein wird. Wer sich also vorstellen könnte, einen Betrag zu spenden und uns zu unterstützen oder auch ein paar genauere Infos zu den geplanten Events haben möchte, kann sich sehr gerne jederzeit bei mir melden (mo.koerner.blb@gmail.com).

 

Hier noch ein paar besondere Momente, eingefangen während des Unterrichts mit einigen meiner Kids in Payatas. Diese Gruppe unterrichte ich immer morgens von 9-10 Uhr. Jede Menge Spaß aber auch konzentriertes Arbeiten sind garantiert! 😀

Vielen herzlichen Dank im Voraus und liebe Grüße an euch alle,

euer Moritz

Mein dritter Rundbrief

Hallo zusammen,

Inzwischen ist bei uns der Winter mit seinen angenehmen 25-30° C schon wieder vorbei und der Sommer naht mit großen Schritten. Das macht sich mit stetig steigenden Temperaturen sowie steigender Luftfeuchtigkeit bemerkbar. Die Sommermonate sind hauptsächlich April und Mai.

Abgesehen vom Temperaturumschwung hat sich wieder viel getan in den vergangenen Wochen:

Zwischenseminar in La Libertad

Zunächst einmal fand Ende Januar beziehungsweise Anfang Februar unser fünftägiges Zwischenseminar im Ort La Libertad auf der Insel Negros statt. Diese wird zu Visayas, der mittleren der drei großen Inselgruppen, gezählt. Zusammen mit 13 weiteren Freiwilligen, die einen Einsatz in den unterschiedlichsten Teilen der Philippinen absolvieren, verbrachten Moritz, Simon und ich das Seminar unter der Leitung von zwei Betreuern, die beide auch schon über längere Zeit auf den Philippinen gelebt und gearbeitet haben, mit verschiedenen Einheiten rund um unseren Einsatz. Nach dem Kennenlernen der gegenseitigen Einsatzstellen und dem Austausch von dort gemachten Erfahrungen, drehten sich die Einheiten vor allem um die kulturellen Unterschiede, worauf ich aber später noch genauer eingehen möchte. Zusätzlich konnten wir für unsere Arbeit mit den Kindern noch einige Anregungen und Tipps mit nach Hause nehmen. Des Weiteren stand noch ein persönliches Gespräch mit einem der Betreuer über unser Befinden an, um dieses dann unserer Organisation zurückzumelden.

Das Resort, in dem wir untergebracht waren, wird vom Ort La Libertad betrieben und ist eine Art Gemeinschaftsprojekt, das auf der Mithilfe einiger Leute aus den verschiedenen Ortsteilen und Dörfern basiert. Am Donnerstag hatten wir dann auch die Möglichkeit, den Bürgermeister, eine wirklich interessante Persönlichkeit, kennen zu lernen. Er lud uns spontan für einen Tagesausflug zu einer nicht allzu weit entfernten Sandbank ein, auf der die Gemeinde einige Häuser auf Stelzen über dem Wasser an Gäste vermietet. Dort war für Verpflegung reichlich gesorgt: neben Banana cue, Kamote (Süßkartoffeln, beides wird zunächst frittiert und danach durch darüber gegebenen und karamellisierenden Zucker gesüßt), frischer Buko und Bier ergab sich für uns die Möglichkeit, frische Seeigel und Austern zu probieren. Auf der Sandbank bot sich neben dem Schwimmen außerdem eine gute Gelegenheit, um zu Schnorcheln. Dort konnten wir neben Fischen und Seeigeln auch Seesterne finden. Abgerundet wurde unser Tag zurück im Resort dann mit einer Einladung zu Lechon, ein Spanferkel, das der Bürgermeister extra für uns zubereiten ließ, und danach zum Karaoke, welches bei den Filipinos überaus beliebt ist.

Auftritt im Music Museum

Des Weiteren fanden unsere Theaterproben ihren Höhepunkt in der Aufführung im Music Museum. Nach einer Critic ́s Night und einem Auftritt in Cavite, einem Konvent der Salvatorianer in Tagaytay City, sowie weiteren etlichen Proben ging dann am 24. Februar unsere Hauptaufführung im wahrsten Sinne des Wortes über die Bühne. Wir trafen uns bereits am frühen Morgen zum Schminken und zum Kostüme anprobieren, am Nachmittag standen dann ein Durchlauf mit Kopfbügelmikrofonen und allem Drum und Dran auf dem Spiel, bevor ab 19 Uhr die Zuschauer den Saal betraten. Darunter befand sich ein ganz besonderer Gast, nämlich eine Dame, die schon bereits zweimal als „National Artist“ für Theater nominiert wurde. Gegen 20 Uhr begann dann die Aufführung, welche zu unserer vollen Zufriedenheit verlief. Angesichts der Zahl an verkauften Tickets ist davon auszugehen, dass auch der eigentliche Zweck, Spenden für die Organisation zu generieren, erfüllt ist.

Program evaluation in Nasugbu

Vergangene Woche reisten dann das gesamte Personal aus beiden Centern unter der Leitung von Sister Frances und Sister Mila nach Nasugbu zur „Program Evaluation“. Nach der Ankunft am Dienstag in einem sehr schönen und großen Wochenendhaus, das uns eine mit den Salvatorianern befreundete Familie zur Verfügung stellte, drehte es sich die darauffolgenden Tage um die einzelnen Programme von Puso sa Puso: Welche Ziele aus vorangegangenen Plänen wurden erreicht? Welche Neuerungen oder Veränderungen gab es? Wie sieht es mit Plänen für die Zukunft aus? Dabei wurde natürlich auch unser Programm, das „Basic Home Base Tutorial Programm“ unter dem Namen „Eskwelahan ng Buhay“, unter die Lupe genommen und wir konnten unsere Sicht auf die Dinge teilen. Zudem machten wir uns über „non measurable benefits“ Gedanken, also welche Vorteile die Teilnehmer der verschiedenen Programme von Puso sa Puso haben, die nicht beziffert und gemessen werden können.

Zwischen unseren Meetings blieb natürlich immer wieder Freiraum fürs Kochen und gemeinsame Essen, Entspannen oder am Strand oder im Pool schwimmen gehen. Am Donnerstagnachmittag machten wir uns dann wieder auf den Rückweg. Dieser führte uns über den Konvent der Salvatorianer in Cavite, in dem wir eingeladen waren, eine Nacht zu verbringen. Es war schön, mit den dortigen Patern und Schülern ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen. Am nächsten Morgen traten wir dann den letzten Teil unserer Rückreise an, der uns über einige schöne Aussichtsplätze und Attraktionen, wie zum Beispiel den People‘s park in the sky oder Sonya‘s Garden führten, bei denen wir dann jeweils einen kleinen Stopp einlegten. Eine ganz wichtige Station, die bei den Filipinos auf keiner Reise fehlen darf, war dann auch noch das „Pasalubong-Center“. Als „Pasalubong“ bezeichnet man ein Mitbringsel von seiner Reise für Freunde und Familie zuhause. Dies kann von lokalen Essensspezialitäten bis hin zu Schlüsselanhängern alles Mögliche sein.

Abgesehen von diesen außerplanmäßigen Aktivitäten nahm natürlich der Unterricht mit den Kindern ganz normal seinen Lauf. Diese machen weiterhin Schritt für Schritt ihre Fortschritte. Mit dem Alphabet sind wir schon ein ganzes Stück weiter. Ich versuche natürlich während meinen Stunden die bisherigen Inhalte immer wieder zu wiederholen. Auch in anderen Bereichen merke ich deutliche Veränderungen, beispielsweise ihr Verhalten gegenüber den anderen Schülern.

Zu erwähnen ist außerdem noch Lorenz, ein Besucher aus München, der drei Wochen hier auf den Philippinen weilte, um sich Puso sa Puso genauer anzuschauen. Zwei Wochen verbrachte er jetzt hier mit uns in Manila, bevor es für ihn für die Karwoche nach Cavite weiterging.

Kulturelle Unterschiede

Wie angesprochen behandelt dieser Rundbrief die kulturellen Unterschiede, über die wir uns bei unserem Zwischenseminar ausgetauscht haben. Was man sich da zunächst einmal bewusst machen muss, ist die Existenz der anderen Kultur und die damit verbundenen unterschiedlich geprägten Ansichten. Eine unserer Einheiten, die das wunderbar darstellte, lief folgendermaßen ab: Zwei telefonierende Freunde sollen sich anhand einer Karte einen Weg durch eine Stadt bahnen. Allerdings hat Freund A eine Karte mit Beschriftungen, Freund B eine Karte ohne Beschriftungen. Der Clou an der Geschichte war, dass die Karten spiegelverkehrt waren, sprich ein Gesprächspartner redet die ganze Zeit von etwas, was für den anderen nicht klar ersichtlich ist, weil es sich für ihn auf der anderen Seite der Karte befindet. Solange man das nicht realisiert hat, führt das zu sehr viel Verzweiflung und Aufregung und man beginnt, alles Mögliche, auch sich selbst, zu hinterfragen. Wenn man allerdings realisiert hat, was der Unterschied zwischen beiden Karten ist, lässt sich die Aufgabe recht schnell lösen. Im übertragenen Sinne bedeutet das also, dass man sich zunächst einmal darüber im Klaren sein muss, dass die Kultur vor Ort Unterschiede zur eigenen aufweist und man nicht von den gleichen Gegebenheiten ausgehen kann. Hat man dies erst einmal verstanden, so kann ein guter Austausch erfolgen. Wichtig ist allerdings, so unsere Betreuer, seine eigene Kultur nicht komplett für die andere aufzugeben, da so kein Austausch entstehen könne.

Ein prägender kultureller Unterschied ist zunächst einmal das Zeitgefühl: Wir, die Deutschen, getaktet wie ein Uhrwerk und stets um genaueste Pünktlichkeit bemüht, gegenüber den Filipinos mit ihrer „Philipino time“, welche bedeutet, dass der Treffpunkt nicht auf eine präzise Minute beschränkt ist, sondern diese Minute und außerdem noch weitere eineinhalb Stunden umfasst. Das sind jetzt natürlich nur übertriebene Stereotypen, es gibt selbstverständlich auch hier sehr pünktliche Leute und auch Deutsche wie mich, die bei Weitem nicht zu den Pünktlichsten gehören. Dennoch ist dieser Unterschied hier nicht zu vernachlässigen, gerade bei der Planung gewisser Events. Verstärkt wird dieser Faktor hier in Manila vermutlich noch durch die Verkehrssituation.

Einen weiteren Unterschied stellt der Umgang mit Konfliktsituationen dar: während sich die Deutschen ihren offenen Umgang und das direkte Ansprechen von Problemen und Differenzen geloben, halten die Filipinos sich eher an die indirekte Kommunikation. Ein Problem (oder auch Kritik) wird über eine andere Person mitgeteilt, die im Prinzip als Mittelsmann fungiert.

Des Weiteren nimmt bei Filipinos die Familie einen anderen Stellenwert ein, als wir es hier in Deutschland schon vielerorts gewohnt sind. Die Familie ist der zentrale Dreh- und Angelpunkt im Leben. Die Familie umfasst allerdings nicht nur die Geschwister, Eltern und Großeltern sondern alles bis hin zur Großtante und Großcousine.

Wie ich schon selbst erfahren habe, können derartige Unterschiede leicht zu Verwirrung oder Missverständnissen führen, helfen aber nichtsdestotrotz, die Kultur besser zu verstehen.

Für uns steht in der kommenden Karwoche jetzt auch erst einmal nichts mehr Schultechnisches auf dem Plan. Daher sind Simon und ich am Sonntagabend mit Peter losgezogen und haben uns auf eine weitere Reise begeben, von der ich dann in meinem nächsten Blogeintrag berichten kann. Ich hoffe, Ihr konntet schöne und erholsame Kar- und Ostertage mit euren Familien verbringen!

Viele Grüße aus Manila

Jakob

Sicherheit (#4)

Hallo zusammen,

Inzwischen schreiben wir schon das Jahr 2018 und, wie sollte es anders sein, es hat sich schon wieder so einiges ereignet.

Nachdem wir unseren Marathon an Weihnachtsfeiern erfolgreich absolviert hatten, hatten wir die Woche vor Weihnachten ab dem 20. Dezember bis hin zum 2. Januar frei. Heilig Abend und den ersten Weihnachtsfeiertag haben wir noch in New Manila verbracht. Am 24. Dezember abends haben wir nach der Kirche zusammen Kässpätzle gekocht und deutsches Bier getrunken. Anschließend haben wir noch eine kleine Bescherung gehabt und den Abend gemeinsam mit einem Freund, der noch zu einem kurzen Besuch vorbeikam, ausklingen lassen. Am 25. Dezember bereiteten wir uns am Vormittag ein paar schöne Schnitzel mit Kartoffelsalat zu. Die Schnitzel waren sehr lecker, der Kartoffelsalat in Ordnung, aber auch noch ausbaufähig. Wir haben dann eben doch nicht so viel Erfahrung wie unsere Mamas und Omas… Den Abend des 25. Dezembers haben wir dann noch mit einer kräftigen Brotzeit abgeschlossen, die wir dank einiger Wurst, die ich aus dem Ries noch hatte und welche zu viel für die Gastgeschenke war, in vollen Zügen genießen konnten. Mit von der Partie war unser Freund Peter, mit dem wir uns noch am selben Abend auf die Reise begaben.

Alles in Allem hatte ich mir Weihnachten ohne meine Familie viel schlimmer vorgestellt, aber mit Moritz und Simon habe ich doch ein ganz schönes Fest gehabt. Vielleicht liegt das auch daran, das es einige Dinge gab, welche an die bisherigen Weihnachtsfeste erinnert haben: wie jedes Jahr habe ich wieder viel zu viel gegessen und war nach jedem Mahl einfach nur babbsatt, das Essen und das Bier waren deutsch, was vielleicht noch viel mehr an Weihnachten zu Hause erinnert hat.

Wie bereits gesagt zogen wir noch direkt am Abend des 25. Dezembers los und kamen noch vor dem Morgengrauen des 26. Dezembers in Alaminos in der Nähe von den Hundred Islands in der Provinz Pangasinan an. Wir verbrachten die Tage dort gemeinsam mit Jan, einem deutschen Freund von Peter, bei Peters Tante. Wir sind in der gemeinsamen Zeit dort immer zusammen auf dem Markt zum Einkaufen gegangen und haben viel zusammen gekocht. Für einen Tag sind wir in der Nähe zu einem sehr idyllischen und wahnsinnig schönen Wasserfall gefahren. Das Wasser dort hat mich wegen der Farbe ganz stark an die Plitvicer Seen erinnert, auch die Umgebung war etwas ähnlich. Wir konnten dort baden und einige Zeit an diesem schönen Ort verweilen, bevor es wieder zurück nach Alaminos ging.

Am nächsten Morgen machten wir uns schon sehr früh daran, zu kochen und das Essen einzupacken, denn es sollte schon bald losgehen in den Hafen und von dort weiter zum Islandhopping bei den Hundred Islands. Die Hundred Islands sind ein großer Nationalpark und umfassen ein riesiges Areal von vielen vielen Inseln in unterschiedlichster Form und Ausprägung. Einige der Inseln sind noch so gut wie unberührt, wohingegen andere schon einige Häuser und Dinge wie eine Seilbahn haben, welches den Touristen dient. Mit unserem Bootsmann, der uns über den Tag begleitete und von Insel zu Insel brachte, haben wir auch zunächst zwei Inseln dieser Art besucht, welche wirklich sehr schön, aber von sehr vielen Leuten frequentiert waren. Auf einer konnten wir auf einen kleinen Berg laufen, von welchem sich uns ein wirklich guter Blick auf die wahnsinnig schöne Umgebung bot. Auf einer der Inseln, welche wir bei unserer Fahrt passierten, stand eine riesige Jesus-Statue aus Stein, ähnlich wie die in Rio de Janeiro. Andere Inseln, so erklärte uns Peter, werden aufgrund ihrer Gestalt von den Leuten mit Tieren wie beispielsweise einer Schildkröte verglichen. Die letzte Insel, die wir aufsuchten, war fernab von den vielen Leuten und wir hatten sie fast komplett für uns allein, so war es auch mit Abstand die beste von allen. Das Wasser dort war wahnsinnig klar und der Strand sehr schön. Auf der einen Seite der Insel waren hohe, bewachsene Felsen, auf denen man ein wenig herum klettern konnte. In der Mitte hatte sich das Wasser einen Weg durch die Felsen gebahnt und lief zu einem flachen, etwas größeren Teich in der Mitte zusammen. Die komplette Insel war von sehr flachem Wasser umgeben, was zum Schnorcheln fast schon wieder zu flach, aber nicht weniger schön war. Wir konnten wieder eine tolle Unterwasserwelt sehen und einige schöne Fische bewundern. Simon konnte außerdem schmerzhafte Bekanntschaft mit einem Seeigel machen, eine dauerhafte Freundschaft wurde daraus aber nicht.

Wir haben dort dann den kompletten restlichen Tag mit Essen, Trinken, Klettern, Schnorcheln und Nichtstun verbracht, bis wir uns dann gegen 17:00 Uhr wieder auf den Rückweg machten. Theoretisch hätten wir auch auf einer der Inseln übernachten können, allerdings darf man dann kein Lagerfeuer machen und außerdem zog es Jan am nächsten Tag in aller Früh schon weiter in die Berge, weshalb wir uns dann doch dagegen entschieden. Im Nachhinein dann vielleicht doch ganz gut, denn von Teacher Althea aus dem Konvent in Loyola erfuhr ich einige Zeit später, dass die Inseln des Nachts ganz gerne von Ratten aufgesucht werden.

Von Alaminos ging es am nächsten Tag auch schon wieder weiter nach La Union. Die ca. 130 Kilometer zogen sich in verschiedenen Bussen ganze sieben Stunden, was etwas nervig war. Wir kamen dann gegen 16:30 in der kleinen Ferienwohnung in La Union, genauer gesagt San Juan, an. In dieser Wohnung hatten wir eine kleine Terrasse mit Blick auf das Meer, was wirklich wunderbar war. La Union ist besonders bei Surfern beliebt, da die Gegend bekannt ist für gute Wellen.

Wir machten uns nach unserer Ankunft erst mal auf nach San Fernando, die nächstgrößere Stadt, um dort einzukaufen. Da die Jeepneys alle voll besetzt waren, fuhren wir per Anhalter auf der Ladefläche eines kleinen Trucks mit. Nach dem Einkauf und dem anschließenden Abendessen ließen wir den Abend und die Nacht noch in einer Bar am Strand ausklingen. Im Laufe der nächsten Tage kamen noch weitere Freunde aus Manila, die zum Teil das neue Jahr mit uns in La Union am Strand verbrachten.

Den nächsten Tag verbrachten wir am Strand und dort konnten wir uns auch erstmals am Surfen probieren. Wie so viele Dinge auf der Welt ist das eine Sache, die viel einfacher und lässiger aussieht, als es wirklich ist. Das beginnt schon damit, die richtige Welle und dann auch noch das richtige Timing zu finden. Alles nicht so einfach, aber ich möchte da auf jeden Fall dran bleiben, wenn es geht.

Am Silvesterabend machten wir uns nach dem gemeinsamen Essen wieder auf an den Strand in die Bar und verbrachten dann die ersten Sekunden des neuen Jahres im Wasser, von wo aus wir ein schönes Feuerwerk bewundern konnten. Nach Mitternacht wurden dann am Strand einige Lagerfeuer angezündet, um die sich viele Menschen versammelten. Der Start ins neue Jahr war dieses Jahr ein ganzes Stück anders, als ich es sonst so gewohnt war, am Strand aber auch wirklich cool.

Am Abend des 1. Januars haben wir uns dann auch schon wieder auf den Rückweg gemacht, was recht flott ging und nach fünf Stunden Fahrt waren wir dann schon wieder in Manila.

Für uns und unsere Kids ging es am 3. Januar dann schon wieder mit dem Unterricht los. Ich habe jetzt angefangen, mit meinen Schülern die ersten Buchstaben des ABCs zu schreiben, was eigentlich schon ganz gut klappt. Auch wenn die Stunden manchmal doch sehr durchwachsen waren, denke ich, dass die Kinder schon einige Fortschritte gemacht haben.

Des Weiteren steht unser Theaterstück „A Midsummernight‘s Dream“ kurz vor seiner Premiere. Um für die letzten Details noch einmal einen Blick von Außenstehenden zu bekommen, wurde vergangenes Wochenende zur sogenannten „Critics night“ ins Konvent geladen. Es kam beispielsweise die Frau, die das Stück adaptiert hat, einige Mitarbeiter von Puso sa Puso und Mitglieder der Salvatorianer sowie einige externe Gäste. Unter der Woche hatten schon 15 Schüler aus Payatas die Möglichkeit, an einem Praktikum teilzunehmen, dass ihnen einen Einblick in die Erstellung von Bühnenbild und Requisiten sowie den Ablauf hinter den Kulissen des Stücks gab, bei dem dann in diesem Zuge die benötigten Dinge für unser Stück hergestellt beziehungsweise die Abläufe geübt wurden.

Diesen Freitag fand dann im Konvent in Loyola noch das „feast of languages“ (zu Deutsch: Fest der Sprachen) statt. Hierbei wurden die Länder Dänemark, Indonesien, Sri Lanka, East Timor, Kenia sowie die Philippinen genauer unter die Lupe genommen, was jene Länder und ihre Sprache(n) anbelangt. Die Vorträge wurden von Teacher Althea, welcher sieben Jahre in Dänemark gelebt hat, salvatorianischen Priestern aus Kenia sowie den Englisch-Schülern in Loyola, die aus genannten Ländern in Südostasien stammen, vorbereitet. Auch wir wurden eingeladen und konnten einen Einblick zu Deutschland und seiner Sprache geben.

Was in der Reihe über den Alltag in Manila auch nicht fehlen darf und was einen immensen Unterschied zu Deutschland darstellt, ist der Aspekt der Sicherheit. Hier in Manila steht vor jeder Bank, jedem Supermarkt, jeder Mall, jeder Bahnstation und vielen anderen Geschäften eine Sicherheitsbeamte oder ein Sicherheitsbeamter, der die Leute kontrolliert. Dafür werden meist die Hüften und der Bauch ein wenig abgetastet, wenn man einen Rucksack oder eine Tasche dabei hat, muss man diese öffnen, damit die BeamtInnen den Inhalt mit einem Stock etwas durchgehen können. Bei den Kontrollen vor dem Zug, dem LRT, mussten wir auch schon Geschenke, die wir eingepackt für die Weihnachtsfeier dabei hatten, auspacken und konnten diese dann nach der Kontrolle wieder dort einpacken. Die Sicherheitskräfte sind mindestens mit einem Knüppel, in der Regel aber mit einer Pistole wenn nicht sogar in einigen Fällen mit schwererem Geschütz wie einem Maschinengewehr oder einer Pumpgun bewaffnet. Wie viel Sinn die Kontrollen durch dieses Personal wirklich ergeben, ist die Frage. Allerdings kann man auf jeden Fall festhalten, dass der Sicherheitssektor einen nicht unbedeutenden Wirtschaftsteil darstellt. Dies manifestiert sich auch in den sogenannten Gated communities. Das sind Siedlungen, die Tag und Nacht von Sicherheitspersonal überwacht werden und in denen gerade die reichere Bevölkerungsschicht lebt.

Des Weiteren sieht man auch im Straßenverkehr häufig gepanzerte Fahrzeuge, die Geld für Geschäfte und Banken von A nach B transportieren. Hin und wieder habe ich auch schon Fahrzeuge der Armee in der Stadt herumfahren sehen.

Generell gewöhnt man sich an dieses Bild eigentlich doch recht schnell. In Deutschland habe ich mich eigentlich eher immer unsicherer gefühlt, wenn beispielsweise bewaffnete Polizisten an einem größeren Bahnhof gesehen habe, weil ich mir gedacht habe: Ei, da muss doch was im Busch sein, die laufen doch hier nicht einfach so umher. Hier ist es inzwischen völlig normal und ich fühle mich nicht wirklich unsicherer deswegen, was ich mich in den Gegenden, in denen ich mich hier in der Metro Manila bewege, eigentlich sowieso nie tue.

Für Moritz, Simon und mich geht es jetzt dann erst mal zum Zwischenseminar auf die Insel Negros in die Nähe der Stadt Dumaguete City.

Viele Grüße aus Manila

Jakob

Nach Weihnachten und Neujahr…

Jetzt melde ich mich wieder, um etwas über die letzten Wochen und auch die Weihnachtszeit zu berichten!

Durch die Wintermonate ohne dicke Jacke, Mütze und Handschuhe – stattdessen T-Shirt, Shorts und Flip-Flops.

Das beschreibt eigentlich schon ganz gut, wie die Weihnachtsferien hier verbracht wurden, zunächst möchte ich allerdings noch von einem Event berichten, das noch vor der Weihnachtspause an meiner Arbeitsstelle in Payatas stattgefunden hat: nämlich die Christmasparty mit unseren Kids.

Zusammen mit den Lehrern aus Payatas und Herrn Mayer konnten wir  über 60 unserer Schüler einladen, um gemeinsam das sich zu Ende neigende (Schul-)Jahr zu beenden. Bevor es die Geschenke und eines der Lieblingsgerichte der meisten Kinder (Hühnchen und Spaghetti im Filipino Style) gab, hatten sie eine Menge Spaß an verschiedenen Spielen, welche auf sieben Stationen verteilt wurden. Ich habe davor noch nie alle meine Kindergruppen auf einem Haufen erlebt und hätte ehrlich gesagt eigentlich ein ziemliches Chaos erwartet, aber entgegen meinen Erwartungen verlief alles relativ geordnet.

Die Hauptsache: die Kids hatten viel Spaß und haben sich sehr über Essen und Geschenke gefreut, auch wenn viele nach den Spielestationen schon ziemlich erschöpft wirkten – eigentlich überhaupt kein Wunder bei diesen Temperaturen!

Insgesamt bin ich in den letzten Monaten sicherlich auf mindestens fünf Weihnachtsfeiern gewesen, und das schon bevor das tatsächliche Weihnachtsfest gefeiert wurde – diese Tasache unterstreicht ein weiteres Mal, welch hohe Bedeutung Weihnachten und andere Feste, bei denen die Familie im Zentrum stehen, nach wie vor haben.

Nachdem die Vielzahl an Festen „überstanden“ war, machten wir uns gemeinsam mit einer Gruppe philippinischer Freunde auf den Weg nach Alaminos City, um dort die bekannte Inselgruppe „100 Islands“ zu besichtigen.

Die Bilder sagen an sich wirklich schon genug: atemberaubende Landschaft, tolles Wetter…aaaahh.

Von den 100 Islands ging es dann über Neujahr weiter nach San Juan, La Union, einem bekannten Surfer Spot. Dort wurde dann direkt auch etwas gesurft, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Verletzungstechnisch hatte ich allerdings Glück!

Dank dem el Union Cafe dort kam ich auch endlich in den Genuss des besten Kaffees, den ich seit meiner Ausreise gefunden habe… es besteht also doch noch Hoffnung.

Liebe Grüße und (verspätet :D) ein frohes neues Jahr euch allen!

euer Mo

 

 

Weihnachten in einer neuen Dimension

Liebe Freunde, Verwandte und Interessierte,

…und so kam die Weihnachtszeit über uns!

Lichter und massenhaft Dekoration seit Ende September. Weihnachtslieder in den Straßen seit Mitte August. Ungewohnterweise alles bei mindestens 28 Grad Celsius. Es liegt in der Luft. Die Weihnachtszeit naht.

Warum in den Philippinen Weihnachten in einer neuen Dimension gefeiert wird, liegt vermutlich daran, dass hier generell ALLES groß gefeiert wird, aber nicht zuletzt auch an der Tatsache, dass das Weihnachtsfest die zentralen Werte dieser Kultur -Familie und Glauben- miteinander verbindet.
Um es anders zu formulieren: Die Stromrechnung und der Gürtel werden für einige Wochen vergessen. Ein Massenphänomen.

Wie sieht das aus?

Familien des Mittelstandes feiern die Weihnachtszeit mit einer Vielzahl unterschiedlicher Festessen, die im Rahmen einer ausgedehnten Vorweihnachtszeit wahr- und eingenommen werden.
Alles glitzert und jeder verlässt (wenn möglich) die Stadt, um dem Gedränge und der Überfüllung zu entkommen. Gedränge in einer neuen Dimension!
Auch der Ablauf der einzelnen Feiern unterscheidet sich von dem mir Bekannten – so muss beispielsweise jeder einzelne Teilnehmer seinen Teil zur Abendgestaltung beitragen – egal ob Singen, Tanzen, oder durch eine sonstige „Performance“. Anfangs sehr ungewohnt, sprengt dies aber wiederum alle Barrieren und passt einfach gut zu der offenen und entspannten Kultur, die ich in den letzten Monaten sehr zu schätzen gelernt habe.

Um den Kindern und Familien in unserer Arbeitsgegend eine ähnliche Atmosphäre (wenigstens für kurze Zeit) ermöglichen zu können, haben wir mit unserer Organisation Events organisiert, durch die wir an Bedürftige Essen und Geschenke verteilen konnten. Diese Charity Events haben zwischen 50 und 1.200 Kinder pro Event erreicht und sind durch Spenden finanziert worden.

Im Anschluss an alle Weihnachtsfeiern bzw. um das Jahr gebührend abzurunden, wurde ab dem 20. Dezember eine allgemeine Urlaubsphase eingeläutet.
Obwohl ein Winterschlaf durchaus naheliegend gewesen wäre, haben wir uns in letzter Sekunde aufgerafft, um nach arbeitsintensiven Monaten endlich längere Zeit Kraft zu tanken und die nördlich gelegenenen „100 Islands“ bzw. die Gegend um „La Union“ zu besuchen.

Stolze Zwischenbilanz meiner Verletzungen in dieser Woche:
Nachdem ich beim Schnorcheln unfreiwillig mit einem Seeigel in Kontakt getreten bin (Wortwitz!), hat mir die Tante eines Freundes mit einer Rasierklinge und einer Nadel die Stacheln aus dem Fuss entfernt. Zwei Tage später bekam ich mein eigenes Surfbrett an den Kopf und kann nun stolz behaupten, dass ich nun eine Narbe vom Snowboarden UND eine Narbe vom Surfen habe. Ganz nebenbei – Elon Musk behält recht: „Urlaub bringt Dich um!“
Es gibt eben Dinge, die verändern sich nie!

Übrigens:
Ich habe eine neue Theorie, warum die Zeit so schnell vergeht.
Öffentlicher Nahverkehr, Behördengänge und die allgemeine Umständlichkeit, vor Ort Dinge zu regeln. Dadurch schmilzt die Woche zusammen. Alles komprimiert sich vollends. Beschäftigung lenkt ab – und zwei Sekunden später ist ein weiterer halber Monat ins Land gezogen.

 

Wie läuft der Unterricht?
Der Unterricht bzw. die Unterrichtsplanung in Parola ist nach wie vor sehr abenteuerlich.
Größte Herausforderung nach wie vor: Die Zustände vor Ort sind sehr chaotisch und man muss sich mit dem abfinden, was man eben hat.
Es gibt Kids, die kommen zweimal pro Monat zum Unterricht. Andere erscheinen zweimal und nie wieder. Wiederum andere nehmen täglich teil, sind aber offiziell zu alt, um zur Zielgruppe zu gehören. Montags ist das Gebiet überflutet, Dienstags ist keiner da, Mittwochs ein spontan vereinbarter nationaler Feiertag, Donnerstags streikt der Verkehr… so sehen meine Wochen hin und wieder aus.

Oft wirkt es, als ob das Umfeld eine Lernroutine nicht zulässt und man wäre kein Mensch, wenn man das Ganze nicht etwas kritischer sehen würde.
Trotzdem überwiegen die Tage, in denen einem bewusst wird, dass die Mehrwerte doch abseits eines Protokolls entsteht.

Dass die Kids auch grundsätzliche Dinge, wie beispielsweise Respekt und soziales Verhalten, lernen, ist einer der zahlreichen Nebeneffekte unserer Arbeit.
Wie teilt man? Was heißt es, jemanden nach etwas zu fragen und nicht einfach nur in der Hoffnung, etwas zu erzwingen, zu schlagen?
Die Eltern bekommen Hoffnung und sind sehr dankbar.

Die Kids tragen unsere T-Shirts mit Stolz und freuen sich auf den Unterricht.

Sie bekommen die richtige Aufmerksamkeit und unsere Organisation nicht zuletzt den wichtigen Kontakt zu den Familien, um diese weiter zu unterstützen. Der letzte Punkt ist nicht zu unterschätzen, da man nur schwer Zugang zu der in sich geschlossenen Gemeinschaft erhält.

Ergänzend zum Unterricht haben wir nach wie vor Workshops, die der Vorbereitung auf unsere Schauspielauftritte dienen.
Den Rest meiner Zeit investiere ich in die Bekanntmachung unserer Sache – sowohl in Deutschland, als auch hier vor Ort.

Summa summarum ist alles im Lot. Wenn das so weitergeht, dann wird mich das Land nicht mehr los. Das ist tatsächlich die einzige problematische Frage derzeit: wie schaffe ich es, hier zu bleiben? 🙂

Viele Grüße in die Welt

Simon

Für zusätzliche Fotos: Instagram (Simon_b.g)

Mein zweiter Rundbrief

Hallo zusammen,

Mit meinem nächsten Rundbrief zu Weihnachten möchte ich zunächst einmal allen ein Frohes gesegnetes Weihnachtsfest und eine schöne, erholsame Zeit mit der Familie sowie einen guten Rutsch in das kommende Jahr wünschen.

Ich werde die Weihnachtsfeiertage dieses Jahr erstmals nicht zusammen mit meiner Familie verbringen können, was sehr schade ist, aber mit meinen beiden Mit-Freiwilligen wird das mit Sicherheit auch ganz schön.

In den letzten Tagen und Wochen war hier in Manila mächtig was los. Neben einigen weiteren Theaterproben für „A Midsummernight‘s Dream“ von William Shakespeare und dem normalen Unterricht standen etliche Weihnachtsfeiern an. Die erste war mit der jährlich stattfindenden Charity Christmasparty von Puso sa Puso auch zugleich die größte: über 300 Helfer fanden sich am 2. Dezember in der Turnhalle eines Universitätsgeländes zusammen, um mehr als 1000 Kindern aus Pfarreien aus verschiedenen Gegenden in Manila ein paar schöne Stunden zu bereiten. Nachdem die Kinder und ihre begleitenden Freiwilligen das Organisatorische vor dem Eingang geregelt haben, durchliefen sie zehn verschiedene Stationen, an denen sie Spiele spielen und Preise gewinnen oder etwas zu essen sowie Geschenke erhalten konnten. Ich war an der Station, an der jedes Kind einen Luftballon bekam, und habe daher mit einigen anderen Helfern im Laufe des Vormittags der Anzahl der Kinder entsprechend mehr als 1000 Luftballons aufgepumpt und verknotet. Im weiteren Verlauf wurde gegessen und einige Geschenke verlost, gefolgt von der Vorführung eines Artisten und der abschließenden Scienceshow, bei der es verschiedene naturwissenschaftliche Experimente für die Kinder zu bestaunen und auch zum Mitmachen gab. Am Ende war es für die Kinder denke ich eine wirklich gute Veranstaltung und auch für uns als Helfer war es schön mitzuwirken, auch wenn der Anblick von 1000 Kindern auf einem Haufen nicht wirklich alltäglich ist.

Am 13. Dezember folgte dann die Weihnachtsfeier und damit auch der Abschluss des Unterrichtsjahres für die Kinder, die Moritz und ich unterrichten. Dafür haben wir auf dem Platz vor der Sagrada Familia Chapel sieben verschiedene Stationen mit Spielen wie Eierlauf, Dosenwerfen und Reise nach Jerusalem aufgebaut. Damit das Ganze auch einigermaßen zivilisiert ablaufen kann, haben die Kinder am Eingang gleich Bändchen bekommen, welche sie einer bestimmten Gruppe und einem verantwortlichen Helfer zuweist. Mit diesem Helfer konnten die Gruppen dann die Stationen der Reihe nach durchgehen, nachdem die Veranstaltung mit einem Gebet und einigen Sätzen zu Beginn eröffnet wurde. Nach den verschiedenen Stationen konnten die Kinder sich dann mit Spaghetti, hier auf den Philippinen in der Regel süß, Hühnchen und Saft sowie kleinen Snacks stärken. An solch einer Feier für die Kinder dürfen natürlich auch Geschenke nicht fehlen, die von einem Weihnachtsmann gebracht wurden, der Simon verblüffend ähnlich sah. Die Geschenksäckchen enthielten neben Spielzeug, Süßigkeiten und Flipflops auch einige Stifte und Blöcke. Mit der Bescherung war dann auch für die Kinder das Ende der Veranstaltung gekommen, bei der sie, so mein Eindruck, eine Menge Spaß und Freude haben konnten. Sie haben sich auf dieses Event auch schon eine ganze Weile gefreut und dafür auch echt rausgeputzt und sich schick gemacht, da war ich total überrascht.

Ein Fest für Menschen, die auf der Straße leben

Unserer eigene Weihnachtsfeier folgte dann die Weinachtsfeier von Simon und weiteren Freiwilligen aus Parola, die nach einem ähnlichen Prinzip am Samstag stattfand.

Am Donnerstag war in Parola dann eine Weihnachtsfeier für Menschen, die, so wie ich es verstanden habe, alle auf der Straße leben. Für diese 30 Familien hat das Team aus Parola ein Programm vorbereitet, das nach einigen Spielen und Vorführungen mit Essen sowie Geschenk- beziehungsweise Versorgungspaketen für alle abgerundet wurde. Im Anschluss daran hatten die Lehrer aus Parola dann noch mit ihren Schülern einen kleinen Jahresabschluss.

Ähnlich wie am Donnerstag wurden auch am darauffolgenden Tag in Payatas verschiedene Hilfspakete an Befürftige verteilt, was von den Schülern aus dem Center übernommen wurde. Für diese fand am Nachmittag dann wiederum ihre Weihnachtsfeier vor der Sagrada Family Chapel statt. Das Programm bestand wiederum aus Spielen, Essen und Musik, da sich unter den Schülern eine eigene Band zusammengefunden hat. Hier ist es bei solchen Feiern typisch, dass die Teilnehmer eine Darbietung geben, weshalb wir sowohl einige Tänze als auch Lieder zu sehen und hören bekamen, die die Schüler vorbereitet haben.

Weihnachtsfeier mit deutschen Liedern

Für die Mitarbeiter von Puso sa Puso war dann am darauffolgenden Montag die Weihnachtsfeier im Konvent bei Father Artur. Nach einem Gottesdienst in der Hauskapelle und anschließendem Essen fanden sich alle zusammen, um sich die gegenseitigen Darbietungen anzusehen. Auch wir kamen um diesen Spaß nicht herum und trällerten daher mit unseren engelsgleichen Stimmen zwei deutsche Weihnachtslieder. Um dem Ganzen etwas mehr Volumen zu verleihen, haben wir einige der Anwesenden dazu geholt und dazu gebracht, unsere deutschen Lieder mitzusingen, was dann so eine ganz lustige Sache war. Im Anschluss daran wurde noch gewichtelt, sprich, jeder hat ein Geschenk vorbereitet, das dann an einen anderen verlost wurde.

Weihnachtsfeier in Parola

Den endgültigen Abschluss dieses Marathons an Feiern bildete dann am Mittwoch eine Weihnachtsfeier in Parola, die von einem Priester für Kinder zwischen acht und zwölf Jahren ausgerichtet wurde. Hierfür mussten wir lediglich 100 Kinder organisieren und zur Veranstaltungshalle bringen. Deshalb haben wir uns, zusammen mit den Praktikantinnen, in die Gates aufgemacht, um die Kinder zusammen zu sammeln. Im Center in Parola helfen für einige Monate zehn Studentinnen von der Uni mit, sie begleiten Simon zum Beispiel im Unterricht oder wirken bei Veranstaltungen wie den Weihnachtsfeiern mit. In dem Gate, in dem Simon arbeitet, waren Moritz und ich bisher noch nie und es unterscheidet sich doch ein wenig von dem, was ich aus Payatas kenne, alles ist etwas enger und dunkler, die Leute aber auch hier allesamt sehr nett und hilfsbereit.

Nachdem wir unsere über 30 Kinder aus diesem Gate beisammen hatten, haben wir vier Tricycles organisiert, die die Kinder zum Veranstaltungsort bringen sollten. Das war dann etwas abenteuerlich, denn pro Tricycle mussten circa acht Kinder Platz finden, der Fahrer saß daher fast schon auf der Lenkstange und wir Freiwilligen konnten uns nur außen an die Kabine stellen. Am Ende lief aber dann doch alles gut und alle Kinder konnten nach der Veranstaltung mit Essen und Geschenken wieder wohlbehalten am Gate abgeliefert werden.

Rückblick auf fünf Monate auf den Philippinen

Inzwischen sind es nun schon fast fünf Monate, die vergangen sind und daher möchte ich an diesem Punkt eine kurze Reflexion über meinen bisherigen Aufenthalt anbringen.

Was ich auf jeden Fall sagen kann, ist, dass ich schon eine ganze Menge Erfahrung sammeln konnte und einiges erlebt habe. Für mich gab es hier viele Dinge, die neu waren und an die ich mich erst einmal gewöhnen musst. Nicht nur die fremde Kultur, die neue und schier nicht enden wollende Metropole und ein neues Land, sondern auch getrennt zu sein von Familie und Freunden, die ich in so manchem Moment doch schmerzlich vermisse. Hinzu kommt, nicht mehr zuhause bei den Eltern zu wohnen, sondern in einer WG. Das beinhaltet natürlich auch, sich selbst um Essen, Einkaufen, Wäsche (was hier zum Glück sehr einfach geht), Wohnung putzen und noch vieles mehr zu kümmern, was mich so bisher nur zum Teil betraf. Andere Dinge, bei denen man sich umgewöhnen muss, sind zum Beispiel der viele Reis und das man beispielsweise kein Wasser aus der Leitung trinken darf. Das war allerdings etwas, an das man sich recht schnell gewöhnt hat.

Weiter ist natürlich die Umgebung, in der ich jetzt lebe, eine völlig andere und der Alltag hat sich sehr verändert. Man lernt hier viel über die Kultur der Menschen vor Ort und im Umkehrschluss auch über seine eigene. Man merkt, wie organisiert und geplant vieles in Deutschland im Gegensatz zu den Philippinen abläuft. Dennoch funktioniert es hier, nervt aber zum Teil auch stark, wenn man etwas organisieren möchte. Eine weitere Sache, die man hier lernt, ist definitiv zu warten, egal ob im Jeepney im Verkehrschaos, auf die Kinder im Unterricht, auf den Bus, bis er endlich mit Passagieren voll ist und losfahren kann und noch vieles mehr.

Der nächste Schritt war dann die Arbeit im Slum, der eine Umgebung darstellt, die man so aus Deutschland überhaupt nicht gewohnt ist und mit der ich ohne diesen Freiwilligendienst wohl auch nie in Berührung gekommen wäre. Die Arbeit mit den Kindern gestaltete sich am Anfang etwas schwierig, aber mit der Zeit findet man schon rein.

Hier auf den Philippinen hatte ich außerdem die Chance, wahnsinnig viele neue und total interessante Leute aus allen möglichen Ländern kennen zu lernen und auch echt gute, neue Freunde zu finden.

Ich würde meine Entscheidung, diesen Einsatz zu machen, daher nicht bereuen, auch wenn es mit Sicherheit nicht immer einfach ist und war. Ich hoffe auch, weiterhin noch eine Menge Erfahrung sammeln zu können, und noch weitere schöne Flecken dieses Landes kennen zu lernen.

Falls auch ihr jemanden kennt oder selbst daran interessiert seid, eine solche Erfahrung zu machen, dem kann ich nur den Orientierungstag meiner Organisation am 13.01.2018 in Nürnberg empfehlen. Weitere Infos dazu finden sich auch unter cosamaz.org.

Für mich geht es jetzt nach den Feiertagen erst einmal wieder auf Reisen, von denen ich euch im neuen Jahr dann berichten kann. Bis dahin wünsche ich euch Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr! Außerdem möchte ich mich noch einmal für die Unterstützung bedanken, die ich von euch in jeglicher Form erhalten habe. Vielen, vielen Dank!

Viele Grüße aus Manila

Jakob

Das Tricycle (#3)

Hallo zusammen,

Inzwischen ist es schon wieder eine ganze Weile her, dass ich meinen letzten Eintrag geschrieben habe. Es tut mir leid, dass ich euch wiederum so lange auf Neuigkeiten von den Philippinen habe warten lassen müssen. Eine Sache, die ich aber zunächst noch unbedingt erwähnen muss, sind die Orientierungstage für alle Interessierten am MaZ-Programm für den kommenden Sommer. Diese finden am 02.12.2017 beziehungsweise 13.01.2018 in Nürnberg statt. Weitere Details dazu finden sich unter cosamaz.org. Bitte auch gerne im Bekannten- und Freundeskreis Werbung dafür machen und es verbreiten! Dankeschön.

ABC- und Zahlenunterricht mit Dreijährigen

In den letzten Wochen lerne ich die Kinder im Unterricht immer besser kennen und zum Teil auch besser unter Kontrolle zu halten. Dies gelingt natürlich nicht immer, man darf schließlich auch nicht vergessen, dass die Kinder zum Teil erst drei Jahre alt sind und in was für einer Umgebung sie aufwachsen. In diesen Fällen helfen mir die Eltern sehr oft weiter, die mir inzwischen schon viel mehr vertrauen, was sich dadurch bemerkbar macht, dass sie sich im Hintergrund halten oder die Kinder nur zum Unterricht bringen und kaum noch in den Unterricht eingreifen. Derzeit versuche ich meinen Kindern durch Memory die ersten Buchstaben des ABC beizubringen. Ich hoffe, dass sie so die Buchstaben zunächst kennen lernen, was das Schreibenlernen später hoffentlich erleichtert. Ein weiterer fester Bestandteil ist weiterhin das Gebet zu Beginn und zum Schluss der Stunde sowie das Nachfahren von Linien und Ausmalen von Bildern. Durch letzteres soll die Fertigkeit im Stifthalten und Handhaben trainiert werden. Hierbei habe ich auch angefangen, den Kindern beizubringen nach den Stiften höflich zu fragen, bevor sie diese bekommen, was inzwischen schon ganz gut funktioniert. Sowohl beim Memory als auch bei anderen Spielen wie Domino oder bei Puzzles binde ich es immer wieder mit ein, die Kinder etwas zählen zu lassen, um auch die Zahlen im Zahlenraum von eins bis zwanzig zu verfestigen. Da Simon schon vergangene Woche frei hatte, in welcher Moritz und ich gearbeitet haben, während wir diese Woche keinen Unterricht haben und Simon arbeitet, konnte Simon uns beide einen Tag bei unserer Arbeit begleiten und einige Fotos mit uns und den Kindern machen, auf die viele von euch sicherlich schon sehnsüchtig gewartet haben. Ich hoffe, es kann auch einen ganz guten Eindruck in die Stunden mit den Kindern geben.

Probenmarathon und Landerkundung

Weiterhin investieren wir viel Zeit und Mühe in die Tanz- und Theaterproben für das Theaterstück im kommenden Jahr. Die letzten drei Tage hatten wir einen wahren Probenmarathon von morgens bis abends und zudem hatten wir die erste Darbietung der „Rohversion“ vor zwei Personen, die unser Spiel das erste Mal gesehen haben und so konstruktive Kritik üben konnten. Bis zu unserer ersten Aufführung im Februar werden nun die Feinheiten und Details weiter ausgearbeitet und vertieft.

Da wir vergangenen Montag sowie diese Woche frei hatten, nutzten wir die freie Zeit, um uns wieder einige Flecken dieses Landes anzusehen. Zum einen haben Moritz, Simon, einige andere Freunde und ich uns auf die Insel Tingloy zum Masasa Beach aufgemacht. Dort haben wir eine Nacht verbracht und waren die beiden Tage, die wir auf dieser Insel verbracht haben, vor allem am Strand. Der helle Sand sowie das klare Wasser dort waren sehr beeindruckend. Auch die Bootsfahrt zu der Insel war wirklich gut, weil wir um die gesamte Insel zunächst herumfuhren, um auf die Südseite zu gelangen. Auf diese Weise haben wir sehr viel zu Gesicht bekommen.

Als ich einmal auf dem Weg zum Strand war und den Weg an einer etwa drei Meter hohen Felswand entlang lief, fiel plötzlich aus heiterem Himmel eine riesige, schwarze Echse mit gelben Punkten mit einem lauten Klatscher neben dem Weg in den Sand. Das Tier war locker über sechzig Zentimeter lang und ich war genauso erstaunt wie die anderen Leute in der Nähe und als ich wirklich registriert hatte, was passiert ist, war die Echse auch schon wieder zwischen die Felsen geschlüpft und verschwunden.

Atemberaubende Landschaft

In der Nacht auf Sonntag habe ich mich gemeinsam mit Mirko und Tere auf den Weg zur Insel „Cagbalete Island“ zu Teres Tante gemacht. Diese betreibt dort das sehr schöne Resort „Villa Noe Beach“, in dem wir zwei Nächte verbringen konnten. Den ersten Tag sind wir wieder die letzte Strecke mit dem Boot angereist und konnten von diesem aus wieder die wunderschöne Gegend begutachten. Vom Boot aus mussten wir die letzten hundert Meter zum Strand waten, da bereits die Ebbe eingesetzt hatte und das Boot nicht näher an den Strand fahren konnte. Das Wasser dort war wieder wahnsinnig klar, der Sand total hell und überall Palmen mit Kokosnüssen. Am ersten Tag haben wir die Zimmer bezogen und den Strand ein bisschen erkundet. Außerdem haben wir nach Norden durch eine weite Gras- und Waldlandschaft in den kleinen Hafen aufgemacht, um dort etwas zu essen und uns diesen ein wenig anzusehen. Wegen des Regens der Tage zuvor waren die Wege zum Teil unter Wasser gestanden, was das ganze etwas hinauszögerte.

Nachdem wir zurück im Resort waren und mit zurückkommender Flut noch etwas badeten, ging ich auch schon gleich nach dem Abendessen ins Bett, da mir die Tante den Sonnenaufgang empfahl, der zwischen 4:30 und 5:00 Uhr morgens beginnen sollte. Das frühe Aufstehen für diesen hat sich auch wirklich gelohnt, es war wirklich wunderschön, langsam die Sonne hinter den Bergen und über dem Meer aufgehen zu sehen.

Um 7:30 Uhr haben wir uns dann außerdem schon wieder zum sogenannten „island hopping“ aufgemacht. Wörtlich übersetzt heißt das „Insel-hüpfen“ und beschreibt eigentlich ganz gut, was man dabei macht: Man fährt mit dem Boot von Insel zu Insel und schaut sich die sehenswerten Dinge dort an. In unserem Fall waren es nur zwei Inseln, was auch kein Problem und echt toll war. Zunächst haben wir uns eine beeindruckende Felsformation mit einer Höhle angeschaut. Von dort aus war der Plan eigentlich, zu einem Wasserfall zu fahren, aufgrund des starken Wellengangs war dies leider nicht möglich, weshalb wir direkt zum nächsten Strand weitergefahren sind.

An diesem Strand war mit zunehmender Ebbe nicht nur eine riesige Sandbank aus leuchtend weißem Sand sowie glasklares Wasser zu finden sondern auch überall Mangrovenbäume in den unterschiedlichsten Formen und Größen, angefangen von kleinen, aus dem Sand sprießenden Sprossen bis hin zu sehr alten Bäumen mit einem riesigen Wurzelsystem. Aufgrund ihrer Einzigartigkeit stehen die Mangrovenwälder dort auch unter strengem Naturschutz, hat Teres Tante mir erklärt.

Bald darauf machten wir uns auch schon wieder auf den Weg zu der kleinen Stadt am Hafen, um dort etwas zu Mittag zu Essen bevor es einige hundert Meter entfernt von der Küste dann wieder zum Schnorcheln ging. Auch hier gab es, wie beim letzten Mal auch schon, wahnsinnig viele und sehr unterschiedliche Fische und Korallen zu bewundern.

Da Tere und Mirko ihrerseits von der Produktion von kurzen Videos zu bestimmten Reisezielen in den Philippinen leben, könnt ihr hier auch ein Video zu unserem Ausflug finden.

Dieses Mal gehts ums Trycicle

Das nächste Verkehrsmittel, das ich euch im Zuge dieses Eintrags vorstellen möchte, ist das Trycicle. Ein Tricycle ist im Prinzip ein Motorad oder Moped mit einem Beiwagen, das Personen von A nach B transportiert. Je nachdem, in welcher Gegend man sich befindet, fahren diese Fahrzeuge ihre Passagiere über kürzere oder längere Distanzen. Hier in Manila beschränkt sich dies zumeist auf einen bestimmten Stadtteil, den die Fahrzeuge befahren. Je nach Stadtteil variiert dann auch die Farbe der Tricyles. Bei uns in der Gegend beispielsweise sind sie grün, wenn wir in die Arbeit fahren blau oder wenn wir ins Konvent möchten weiß.

In der Provinz legen die Tricycles dann auch oft weitere Strecken zurück. In Baler beispielsweise wurden wir jeweils über eine halbe Stunde zu unseren Ausflugszielen hin und zurück gefahren.

Abhängig von der Zahl der zurückgelegten Kilometer und der mitfahrenden Gäste variiert dann auch der Preis pro Passagier. Auf dem Weg nach Payatas beispielsweise sind es 9 Pesos (ca. 15 Eurocent) pro Person, wenn mehr als fünf Fahrgäste mit von der Partie sind.

Wie genau die Tricycles aufgebaut sind, hängt auch von der Gegend ab, in der man sich gerade befindet. In der Regel ist der Beiwagen des Tricycles eher eine kleine Kabine, zum Teil sogar mit einer Tür. Darin befindet sich eine Sitzbank, auf die sich zwei Leute mit Blick in Fahrtrichtung mehr oder weniger quetschen. Mit Blick zur äußeren Straßenseite sitzt dann in er Regel noch eine weitere Person im Innenraum auf einer schmalen Sitzfläche. Zum Teil haben die Tricycles hinter der Kabine dann auch noch eine Ablage für Gepäckstücke angebracht, was ich sehr praktisch finde, gerade, wenn man mit etwas mehr unterwegs ist. In der Provinz habe ich auch schon Tricycles gesehen, die nach hinten offen waren und eine weitere Sitzbank dort hatten, sodass die Passagiere im Prinzip Rücken an Rücken sitzen. Es kommt auch manchmal vor, dass sich ein Fahrgast, der noch mit möchte, hinten auf die Kabine stellt und dort mitfährt.

Hinter dem Fahrer sitzen dann normalerweise noch zwei weitere Personen quer zur Fahrtrichtung. Damit diese ein wenig mehr Platz haben, sind an die meisten Tricycles noch eine Verlängerung der Sitzbank hinzugefügt. Zusammen mit dieser Verlängerung ist zumeist auch das Dach über dem Fahrzeug angebracht, manchmal sieht man sogar noch eine daran angebrachte Frontscheibe für den Fahrer.

Falls es regnen sollte, hat in der Regel jeder Fahrer einige Planen dabei, die er dann am Dachgestell befestigt, um sich und die Passagiere hinter sich vor dem Gröbsten zu schützen.

Neben der Funktion des Transports von Passagieren werden Trycicles zum Transport von allen möglichen Dingen im Alltag verwendet, dann besteht der Beiwagen meist aus einem Gestell, das die zu transportierenden Dinge besser fasst. Oft werden sie genutzt, um Trinkwasserkanister oder Gasflaschen zu transportieren, man sieht aber auch alle möglichen anderen Dinge wie zum Beispiel Metallstäbe darauf herumfahren.

Meiner Meinung nach sind Trycicles sehr oft ziemlich eng und unbequem, was vermutlich aber auch an meiner Körpergröße und daraus resultierenden Schwierigkeiten liegen mag.

Viele Grüße aus Manila

Jakob

von Veränderungen und zu viel Reis …

Hallo allerseits!

Nach guten drei Monaten auf den Philippinen melde ich mich nun wieder mit einem neuen Artikel…

Inzwischen hat sich hier viel getan – einfacher wäre es aufzuzählen, was gleich geblieben ist. Das wären dann in erster Linie die hohen Temperaturen, das zurzeit sehr verregnete Wetter und die Tatsache, dass die Zeit nach wie vor rasend schnell vergeht. Vom vielen Reis, welcher nach wie vor zu fast jeder Mahlzeit verspeist wird, darf man selbstverständlich auch nicht absehen.

Mittlerweile unterrichte ich seit fast zwei Monaten in Payatas – eine Arbeit, die erfüllt und gleichzeitig sehr viel Spaß macht. Die Begegnungen mit den Menschen und insbesondere den Kindern sind jedes Mal aufs Neue eine tolle Erfahrung.

Die besondere Gastfreundschaft fällt mir täglich unter vielem anderen wieder dadurch auf, dass, selbst wenn man schon lange keinen Hunger mehr hat, nochmal jemand auftaucht, der einem (oft selbstgekochtes) leckeres Essen anbietet – da fällt es wirklich schwer nein zu sagen. Es wird also viel ausprobiert und gegessen 😀

Der Verkehr und die lange Zeit, die man dadurch in Jeepneys und sonstigen „Gefährten“ verbringt, lassen einen auf jeden Fall sehr viel geduldiger werden. Nicht nur auf dem Hin- und Rückweg zur Arbeit, sondern auch wenn wir mal wieder auf dem Weg zum Konvent der Salvatorianer sind.

Dort haben wir in den letzten Tagen und Wochen sehr viel Zeit verbracht, um für ein großes Theaterprojekt zu proben, welches im Frühjahr 2018 mit den ersten Auftritten anläuft. Das tolle daran – auch hier haben wir wieder einmal die Möglichkeit nicht nur sehr viel für uns selbst mitzunehmen und zu lernen, sondern vielmehr werden die gesamten Einnahmen direkt in die Projekte von Puso sa Puso fließen, sprich ohne Abstriche für den guten Zweck eingesetzt.

Trotz alldem schaffen wir es immer mal wieder, an freien Wochenenden aus der Stadt rauszukommen und unseren Lungen ein wenig frische Luft zu gönnen. Die Landschaften sind wirklich beeindruckend und es gibt wahrlich noch sehr viel zu entdecken.

Strandszene am Hafen von Batangas

Ich glaube, wenn in Manila nicht schon längst alles weihnachtlich geschmückt wäre, hätte ich völlig vergessen, dass Weihnachten ja nun wirklich schon bald vor der Tür steht. Wahrscheinlich spielt die Tatsache, dass es hier nicht anfangen wird zu schneien, auch eine nicht unbedeutende Rolle.

Letztens sind wir in der Stadt doch tatsächlich über etwas gestolpert, was ein wenig an einen Weihnachtsmarkt erinnert hat. Allerdings haben wir vergeblich nach Dingen wie Glühwein oder Bratwürsten Ausschau gehalten – das kann man vermutlich als Anzeichen dafür deuten, dass mir das deutsche Essen und insbesondere auch guter Kaffee irgendwie fehlen …

Liebe Grüße aus Manila,

euer Mo

Was für ein Jahr

So schnell können 13 Monate an einem vorbeiziehen. Bereits drei Wochen bin ich zudem auch schon wieder in der Heimat Niederbayern, Passau, Obernzell, Kleindorf Ederlsdorf. Unglaublich, wie die Zeit vergeht. Das würde ich sagen, wenn ich auf mein Gefühl vertrauen würde. Mein Tagebuch jedoch sagt etwas ganz anderes. Während dem Heimflug habe ich mein drittes Buch bis auf die letzten Seiten vollgeschrieben und auch das Vierte ist bereits mit Erlebnissen und Eindrücken seit meiner Anreise gut gefüllt.

Hinter all den Seiten verstecken sich unzählige Geschichten und Erfahrungen über ein sehr schönes, bereicherndes freiwilliges Jahr auf den Philippinen.

Ab dem ersten Tag, 06. August 2017, hat mich das Land Philippinen und seine Mentalität beeindruckt, inspiriert und auch verändert.

Mehr als 80 Prozent Katholiken leben auf den Philippinen. Die wichtigsten Prioritäten sind Zusammenhalt und Gastfreundlichkeit. Das “WIR” wird hier großgeschrieben. Man könnte meinen, dass eine düstere Stimmung in einem Armutsviertel herrscht, aber nicht auf den Philippinen. Die meisten Filipinos würden wortwörtlich Ihr letztes Hemd opfern, um den Aufenthalt so schön wie möglich zu gestalten.

Dabei spielen materielle Sachen weniger eine Rolle. Das Motto “wenigere Gegenstände, wenigere Probleme” spiegelt sich dadurch sehr gut wider. Wichtiger dafür ist die Akzeptanz und der Familienzusammenhalt.

Schätzen, was man hat – Nicht, was man nicht hat.

Gegenseitiges Unterstützen, wenn jemand sich in einer Zwickmühle befindet.

Genau diese Merkmale haben mich in meinem Verhalten sehr bereichert. Dabei habe ich mich selbst, wie in einer großen Familie integriert gefühlt.

Über 40 Kinder habe ich in meinem Freiwilligendienst unterrichten dürfen. Stellt man sich leichter vor, als getan. Wie viel Energie Kinder besitzen, erfährt man erst, wenn man mit ihnen zu tun hat. Ohne Kaffee hätte ich wahrscheinlich nie die Energie gehabt, mit den Kindern auf einem Level zu sein.

Die Entschädigung für den erhöhten Kaffeekonsum bekommt man aber sehr schnell. Dieses Gefühl, wenn du schrittweise die Entwicklung der unterrichteten Kinder siehst, wie sie langsam an Fähigkeiten, wie Lesen, Schreiben und Rechnen dazugewinnen – unbeschreiblich. Es gibt eben solche Dinge, die man sich mit Geld nicht kaufen kann.

Genau solche Momente halten für die Ewigkeit in der Erinnerung und bringen jedes mal ein Lächeln hervor, wenn ich daran denken muss.

Die Abschiedsparty mit den Kindern war daher einer der schwierigsten Abschnitte. Gemeinsam haben wir das Jahr mit Tanz und Gesang beendet. Zudem haben mich die Kinder noch mit einem selbstgeschriebenen Gedicht überrascht und emotional überwältigt.

Man muss nicht Reich sein, um Glücklich zu sein. Es reicht bereits, wenn man die kleinen Dinge im Leben bemerkt und wertschätzt. Diese Erfahrung habe ich bereits Weihnachten spüren dürfen. Normalerweise war Weihnachten für mich wie jedes Jahr.

Habe  daran vorbeigeschaut, wie schön es eigentlich ist, wenn die ganze Familie am Fest zusammenkommt.

Nicht jeder auf der Erde hat noch das Glück, eine Familie zu haben. Deswegen ist es umso wichtiger, solche Momente wertzuschätzen.

Auch die Tatsache, dass man in solch guten, sauberen und sicheren Umständen aufgewachsen ist, darf man keinesfalls vergessen. Es hätte theoretisch auch anders laufen können.

Der Abschied/die Ankunft beinhaltet ein weinendes und ein lachendes Auge.

Natürlich habe ich mich auf meine Heimat/Familie/Freunde gefreut. Nur alles wieder loszulassen, was man in einem Jahr aufgebaut hat, ging tief unter die Haut. Auch die Tatsache, dass ich noch einen Monat verlängert habe, um die neuen Freiwilligen in Manila zu empfangen, hat die Situationen nicht besser gemacht. Dadurch habe ich alles noch stärker reflektiert, wie alles mit meinem Freiwilligendienst begann.

Kulturschock in Deutschland? Definitiv!

Keiner wusste, wann ich in meiner Heimat wieder antreffe. Keiner, außer meine Schwester.

Der Flug am 29. August 2017 ging von Manila, Philippinen über Taipei, Taiwan nach Deutschland. Nach 17 Stunden bin ich dann endlich in Frankfurt angekommen.

Ganz ungewohnt, alles wieder in Deutsch zu lesen.

Mit dem Zug ging es anschließend zur Endstation Passau. Konnte es noch überhaupt nicht fassen, wieder im Lande zu sein. Alles so schön grün, blauer Himmel, sogar die Sonne hat geschienen. Ein Buch im Zug zu lesen war so gut wie unmöglich. Die ganze Zeit habe ich im Endeffekt nur damit verbracht, die Natur zu bestaunen. Habe es komplett vergessen, was für eine schöne Landschaft wir in Deutschland haben. Unglaublich.

Den ersten Kulturschock erlitt ich in Nürnberg. Zwischenstopp, schnell raus, um den Hunger zu stillen. Erst Subway, zu teuer. Dann REWE, zu teuer. Im Endeffekt habe ich mir im Lidl eine Semmel und ein Wasser gekauft.

Automatisch habe ich alles auf die philippinische Währung umgerechnet und beschlossen, dass es viel zu teuer ist.

Nach einem kurzen Stopp ging es endlich weiter nach Passau, wo meine Schwester und ihr Mann am Bahnhof gewartet haben.

Mit jedem Meter ist die Anspannung größer geworden, bis ich schließlich in den Armen von meiner Schwester war. Was für ein Wiedersehen. Unbeschreiblich. Kann mich noch genau an den Tag erinnern, als ob es gestern gewesen wäre.

Nächster Halt – Ederlsdorf, wo meine Eltern noch nichts ahnten.

Mit Grillausstattung sind wir letztendlich daheim ankommen. Ein voller Erfolg!

Langsam komme ich auch wieder gut zurecht zuhause. Anstatt einer 20 Millionenstadt mit sehr viel Lärm, 100 Einwohner ruhiges Kleindorf Ederlsdorf.

Nur mit dem Klima habe ich noch ein bisschen zu kämpfen.

Zum Glück haben mich meine Eltern auf den Philippinen besucht. Somit können sie einiges nachvollziehen und sich meine Erlebnisse besser vorstellen.

Und jetzt?

Neues Kapitel.

Ende September habe ich das das Reflexionsseminar von meiner Organisation in Nürnberg besucht und seit Anfang Oktober studiere ich in Regensburg im Studiengang “Regenerative Energietechnik & Energieeffizienz”. Besonders Manila, geprägt von starker Luftverschmutzung und wenig Grünflächen, hat mich dazu inspiriert, mich mehr auf die Umwelt zu fokussieren.

Fazit:

Hätte ich nochmal die Wahl nach Manila zu gehen, dann würde ich den gleichen Weg wieder einschlagen. Danke für all die Spenden, die mein Projekt unterstützt haben und dass so viele an mich gedacht haben während des Jahres!

Ein Jeepney (#2)

Hallo zusammen,

Inzwischen ist es schon wieder einige Wochen her, dass ich mich mit meinem letzten Blogeintrag gemeldet habe, und so einiges ist passiert. Ich und meine Mit-Freiwilligen stecken nun schon mitten in der Arbeit, die Vorbereitungen für das Theater sind intensiv angelaufen, wir finden uns inzwischen schon ein ganzes Stück besser zurecht, lernen weiter viele neue Dinge kennen und die Sprache Tagalog, mit der ich durch die Arbeit häufiger in Kontakt bin, verstehe ich schon ein ganzes Stück besser.

Eindrücke aus Payatas
Die Arbeitsstelle von mir und Moritz ist der Slum Payatas, einem Gebiet in Manila, in dem sich wahnsinnig viel um Müll dreht. Man hat den Eindruck, dass die gesamte Metro Manila hier ihren Müll ablädt, wenn man auf dem Weg zur Arbeit zahlreiche Deponien und Mülllaster passiert. Das Gebiet, in dem wir zuständig sind, stellt dabei allerdings nur einen wahnsinnig kleinen Teil dar. Für uns ist dort der Orientierungspunkt neben der „Sagrada Familia Chapel“, einer kleinen, einfachen Kirche, das Center. Dieses zweistöckige Gebäude umfasst zwei große Zimmer, die sowohl Klassenzimmer als auch Arbeitsplatz darstellen. Außerdem gibt es neben drei Toiletten eine Küchenzeile, in der täglich Reis für das Ulam, also das eigentliche Gericht zum Reis, gekocht wird. In den Klassenzimmern unterrichten neben einigen freiwilligen Helfern und Referenten vor allem die drei Lehrer Erika, Jeremy und Edwin. Diese bereiten gerade die älteren Schüler auf die Prüfungen kommenden November vor. Im Center trifft man außerdem Sister Frances, hier für Puso sa Puso verantwortlich, sowie die Social Workerin Celine an, die ganz viel im Kontakt mit den Familien steht. Celine war es auch, die uns am ersten Tag mit einer kleinen Orientierung einführte, uns zu den Plätzen mitnahm, an denen wir unterrichten sollten, und uns den Familien vor Ort vorstellte. So hatten wir die Möglichkeit, einen ersten Blick auf die neue und für uns ungewohnte Umgebung zu werfen. Viele der Familien dort leben in Häusern aus unverputzem Stein, andere in welchen, die aus Blech und Holz gebaut wurden. Manche Häuser sind mehrstöckig, die Mehrheit aber einstöckig, Einige haben Fenster aus Fensterglas, andere einen Vorhang, um es zu verschließen.

Den Rest unserer Woche konnten wir uns auf unsere erste Unterrichtseinheit mit den Kindern am Freitag vorbereiten und Ideen und Material im Center sammeln. Die Gruppen, die wir unterrichten, haben bis zu ihrer Abreise die beiden polnischen Freiwilligen Danusia und Piotr unterrichtet. Pro Tag unterrichten wir, so der Plan, fünf Klassen mit insgesamt 28 Schülern. Dass dieser Plan nicht immer einfach umzusetzen ist, liegt daran, dass zum Teil Stunden nicht stattfinden können, weil sich die Kinder im Moment irgendwo anders herumtreiben oder gerade schlafen. Zum eigentlichen Stundenbeginn waren, zumindest am Anfang, die Schüler sowieso noch nicht da. Inzwischen funktioniert das aber in einigen Klassen ganz gut, oft sind die Eltern auch stark dahinter her. Zum Teil läuft es aber auch nicht nach der geplanten Liste, weil einige der Kinder noch nie aufgetaucht sind, aus welchen Gründen weiß ich nicht. Dafür nehmen oft andere Kinder an meinem Unterricht teil, zum Teil sind sie eigentlich zu alt dafür. Ein weiterer Grund dafür, dass der Unterricht nicht stattfinden kann, sind Taifunwarnungen oder Streiks im Nahverkehr, die es jetzt wie heute schon mehrere Male gegeben hat.

Unterrichtsbedingungen in den Familien
Die Plätze, an denen ich unterrichte, unterscheiden sich ganz stark voneinander. Bei zwei der Familien gibt es für alle Kinder einen Sitzplatz auf einem Stuhl oder auf einer Bank am Tisch. Eine Klasse hat aber zum Beispiel meist nur einen Tisch, um den die Kinder stehen, zwei andere wiederum unterrichte ich am selben Platz, einer Bank, der gegenüber ich mich auf einen Stuhl setze, einen Tisch gibt es hier nicht. Alle Klassen werden bei guten Wetter draußen unterrichtet, was den Unterricht oft erschwert, weil die Kinder durch alles Mögliche abgelenkt werden können wie zum Beispiel Leute oder Tiere, die vorbeilaufen, oder Fahrzeuge, die vorbeifahren. In meiner Anfangszeit merke ich gerade, dass es überhaupt sehr schwierig ist, die Aufmerksamkeit der Kinder zu gewinnen und diese ständig zu haben, da die Aufmerksamkeitsspanne in diesem Alter unglaublich kurz ist. Daher probiere ich viele verschiedene Sachen aus, wie ich es am besten anstelle. Generell besteht der Inhalt meiner Stunden derzeit noch daraus, herauszufinden, wie viel die Kinder schon wissen oder können. Dabei können meine Schüler, aber auch die Eltern, einen schier zur Weißglut bringen: Die Kinder, wenn sie sich nicht anständig benehmen, überhaupt nicht aufpassen oder etwas komplett anderes machen, als ich ihnen sage; die Eltern, die oft mit von der Partie sind, weil sie ihre Kinder selbst unter Druck setzen, damit diese beispielsweise schon nach einer Sekunde das Richtige sagen und tun, ihnen die Lösung vorplappern, die noch nicht einmal stimmen muss, oder aber, weil sie sich mit den anderen Eltern im Hintergrund lautstark unterhalten und so den Lärmpegel, der ohnehin schon hoch ist, weiter steigern.

Gerade am Anfang waren die Stunden des Öfteren sehr frustrierend, aber das gehört zu diesem Lernprozess einfach dazu. Ich merke im Moment aber schon eine Verbesserung, tue mich auch mit der Vorbereitung der Stunden leichter und die Arbeit bereitet mir manchmal wirklich Freude. Ich hoffe das bleibt so.

Stimm- und Tanzübungen für ein Theaterstück
Eine Sache, die im Moment einen großen Teil unserer Freizeit einnimmt, sind die Vorbereitungen auf das Theaterstück „A Midsummernight’s Dream“ von William Shakespeare. Hierfür absolvieren wir gerade mit den angehenden Priestern aus dem Konvent in Loyola und den Kollegen aus Payatas und Parola immer wieder Workshops. Diese zielen darauf ab, unsere Fertigkeiten im Bereich Stimmbeherrschung und -variation sowie Tanz und Bewegung zu verbessern. Eigens dafür gibt es einen professionellen Tanzlehrer und einen Coach, der sich beruflich dem Theater spielen hingibt und uns dieses, mit allem was dazugehört, näher bringen möchte. Daher sollen wir im Moment auch unsere Textstellen lernen und üben. Die Freizeit, die für uns übrig bleibt, lohnt sich nicht wirklich, um am Wochenende große Ausflüge zu machen. Was sich aber perfekt eignet und was wir jetzt schon zwei mal mit Aldrin unternommen haben, sind Trips zu einer Wakeboard-Anlage in der Nähe von Manila. Es macht wahnsinnig viel Spaß, auch wenn ich erst beim zweiten Mal wirklich mehr als 20 Meter gefahren bin. Auch dies ist wiederum ein echt guter Weg, eine Weile aus der Stadt zu kommen und sich auszupowern.
Ansonsten gab es in letzter Zeit einige Momente, in denen ich wirklich Sehnsucht nach Zuhause hatte, nach Familie, Freunden und vielen anderen Dingen. Ich vermisse hier einfache Dinge wie Brot, da die Philippinen ein Land sind, das vom Weiß- und Toastbrot beherrscht wird. Da tut es ganz gut, wenn man hin und wieder ein bisschen Blasmusik hören kann. Auch die deutsche Wurst, die ich als Gastgeschenk dabei hatte und die wir letztens im Center mit den anderen gegessen haben, hat einfach fabelhaft geschmeckt.

Typisch für die Philippinen: das Jeepney
Wie versprochen, möchte ich in den Blogeinträgen immer einiges erklären, was typisch für die Philippinen ist. Heute ist das Jeepney an der Reihe. Ein Jeepney, kurz Jeep genannt, ist ein Fahrzeug, das im öffentlichen Nahverkehr eine tragende Rolle spielt, man sieht sie hier überall herumfahren. Ihren Ursprung haben die Jeepneys in den amerikanischen Armeetrucks, die nach Abzug der Amerikaner auf den Philippinen blieben und munter umgebaut wurden. Die Fahrzeuge sind weitaus länger als die ursprünglichen Trucks und in dieser Form kaum wiederzuerkennen. Elementare Dinge, die jedes Jeepney besitzt und ausmacht, ist der mittige Einstieg am hinteren Ende des Fahrzeugs und zwei lange Sitzbänke rechter- und linkerhand dieses Einstiegs, die bis zum Fahrersitz reichen, dazu parallel zwei Stangen an der Decke, an denen man sich während der Fahrt festhalten kann. Weiter ist unter der Windschutzscheibe und an den Seiten angeschrieben, zwischen welchen beiden Punkten das Jeepney hin und her pendelt. Um zu erfahren, welche markanten Punkte auf dem Weg dieser festgelegten Route liegen, schaut man auf die Windschutzscheibe, hier werden nämlich immer Schildchen geklemmt, auf denen diese Information steht. Hat man ein Jeepney erblickt, dass diese Route fährt, winkt man einfach kurz dem Fahrer und dieser hält schnellstmöglich an, dabei ist es ihm meist völlig egal, ob er gerade mitten auf einer Kreuzung steht beziehungsweise andere Fahrzeuge blockiert. Möchte man bezahlen, sagt man einfach kurz „bayad po“ und das Geld wird nach vorne durchgereicht. Sagt man „para po“ oder zieht man an einer Leine, die in vielen Jeepneys an der Decke befestigt ist und ein Lämpchen beim Fahrer aufblinken lässt, so hält das Jeepney an und lässt die Fahrgäste aussteigen. Ein Jeepney fasst in der Regel circa zwanzig Fahrgäste, dann sitzt man allerdings auch drin wie in einer Sardinenbüchse.

Kreative Gestaltung der Jeepneys
Bei der sonstigen Gestaltung der Jeepneys ist der Kreativität der Besitzer keine Grenze gesetzt. Von sehr schlicht gehaltenen über total verchromten bis hin zu mit knallbunten Grafittiybildern bemalten Fahrzeugen findet man alles. Häufig wird auf dem Kühlergrill oder an der Seitenwand ein großer Mercedes-Stern befestigt, auf der Motorhaube sieht man oft viele Pferdefiguren oder mehrere sehr lang gezogene Hupen. Die Hupe hat nicht nur teilweise sehr seltsame Klänge sondern wird auch ganz unterschiedlich betätigt, oft wurde sie so umgebaut, dass man an einem Strick oder einer Kette an der Decke ziehen muss. Manche Jeepneys sind tiefer gelegt oder fahren beispielsweise vorne mit kleineren Reifen als hinten. Der Auspuff einiger Jeeps wurde derart bearbeitet, dass er nicht nur wahnsinnig laut ist, sondern auch ein eher röhrendes Geräusch von sich gibt. Je nach Fahrzeug sind zum Teil fette Boxen verbaut, aus denen laute Musik schallt, passend dazu manchmal blinkende Lichter an der Decke. Die Decke der Jeepneys ist manchmal mit Leder überzogen, dazwischen eventuell einige Spiegelvarianten, manchmal besteht er aus bemaltem Holz. Verglaste Fenster hat ein Jeepney in der Regel, abgesehen von der Windschutzscheibe und eventuell den Scheiben der Fahrer- beziehungsweise Beifahrertür nicht. Manchmal sieht man Schiebefenster aus Plastik, der Standard ist aber eigentlich kein Fenster. Falls das Wetter umschlägt und es regnet, werden einfach durchsichtige Plastikplanen, die oben am Fensterrahmen befestigt sind, ausgerollt.

Ein weiterer Punkt, der ganz stark von Gefährt zu Gefährt variiert, ist der Komfort: einige Jeepneys sind sehr bequem und gut gepolstert, bei anderen wiederum hat man das Gefühl, auf einem Brett zu sitzen. Aufgrund meiner Größe habe ich auch das Gefühl, dass ich zum Jeepneyfahren nicht geeignet bin, da ich des Öfteren nicht aufrecht sitzen kann oder meine Füße sehr weit in den Gang ragen und die Leute nur schwer daran vorbeikommen. Das Aussteigen bleibt meinem Kopf auch manchmal in schmerzhafter Erinnerung.

Wahnsinnig bequem ist das Jeepneyfahren generell eigentlich nicht, es hängt natürlich immer von den Fahrkünsten des Fahrers ab, wobei ich finde, dass Fahrkomfort und -gefühl eher an einen Bulldog als an ein Auto erinnern.

Der Preis für eine Fahrt variiert je nach Strecke zwischen acht und zwanzig Pesos, so meine Erfahrung. Manche der Fahrgäste bezahlen auch wirklich erst, wenn sie am Zielort angekommen sind. Bemerkenswert ist aber wirklich, dass jeder bezahlt. Ich bezweifle, dass das in Deutschland genau so funktionieren könnte, ob da auch wirklich alle Menschen so ehrlich wären.

Der enge Gottesbezug der Filipinos zeigt sich auch bei den Jeepneys. An fast jedem findet man einen Rosenkranz, eine Marien- oder Jesusfigur sowie Sprüche wie „God bless our trip“ (=Gott segne unsere Fahrt) angebracht. Viele Fahrer machen beispielsweise zudem ein Kreuzzeichen, bevor sie losfahren.

Über die Fahrer und das Begleitpersonal
Bei den Fahrern hat man das Gefühl, dass es eine ganz eigene Community und ein ganz eigener Schlag Leute ist, nicht selten sieht man einen Fahrer auf der Rückbank seines Jeepneys übernachten. Oft unterhalten sich die Fahrer zweier Jeepneys, wenn sie gerade zufällig nebeneinander im Verkehr zum Stehen kommen oder rufen sich im Vorbeifahren etwas zu. Am Geschäft mit den Gefährten sind aber nicht nur die Fahrer, sondern weitaus mehr Personen beteiligt. So gibt es des Öfteren Fahrer, die neben sich auf dem Beifahrersitz jemanden haben, der für sie das Geld kassiert, die Schilder wechselt, die Punkte auf der Route für die mögliche Fahrgäste auf der Straße ausruft oder für die Musik zuständig ist. An Punkten, an denen viele Jeepneys ihre Kunden aufgabeln, stehen auch häufig Leute, die die Passagiere in die richtigen Fahrzeuge weisen und diese füllen, um so von jedem Fahrer ein bisschen Geld zu bekommen. Wiederum andere verkaufen auf den Straßen gekühltes Wasser, Snacks, Zeitungen oder stapelweise Lappen, mit denen die Fahrer häufig über das Lenkrad oder den Schaltknauf wischen. Laut meinem Reiseführer sind es circa 60.000 Jeepneys, die täglich in Manila unterwegs sind, also ein wahnsinnig wichtiger Teil der öffentlichen Verkehrsmittel. Da ist es klar, dass viele Menschen aufgrund eines Streiks der Fahrer nur schwer ihren Zielort erreichen können. Heute und gestern zum Beispiel hatten wir frei, weil die Fahrer streiken, um sich so gegen Pläne der Regierung zu wehren, die alle Jeepneys, die älter als 15 Jahre alt sind, aus dem Verkehr ziehen möchten und diese durch modernisierte Versionen ersetzen möchten. Diese sieht man vereinzelt schon, haben allerdings weitaus weniger Charme, sind nicht mehr einzigartig sondern standardisiert und würden Manila ein Stück Kultur und eine eigene Lebensweise rauben. Dafür spricht allerdings, dass so die Luft ein gutes Stück weit entlastet werden würde, da Jeepneys sicher nicht zu den Fahrzeugen mit den besten Abgaswerten gehören. Es wird mit Sicherheit eine spannende Frage bleiben.

Viele Grüße aus Manila

Jakob

Aufbruchsstimmung

Liebe Freunde, Verwandte und Interessierte,

das Glück kommt erneut über Euch – ich habe einen Artikel vollendet!

Da Ihr bestimmt auf der Suche nach einem trockenen Arbeitsbericht seid, möchte ich Euch diesen Gefallen gerne tun.

Heute ist es der 11.10.2017 und meine Zeit in Manila schreitet voran. Was heißt „schreiten“? Die Zeit fliegt!

Sowieso besteht die Theorie, dass die Zeit hier schneller vergeht – was auch die zwei jährlichen Jahreszeiten erklären würde. Es ist Zeit für einen Lagebericht der neuen Art, die Perspektive wird geändert.

Was machen wir aus der Zeit, nicht was macht die Zeit mit uns?

Montag – Freitag 9-14 Uhr: Mit Kindern und Familien in Parola Wissen gegen wertvolle Erfahrungen eintauschen.

Der Wechselkurs ist undefinierbar, die Organisation nach wie vor schleppend. Man muss sehr bedacht Vertrauen gewinnen und wer sagt schon gern zu unbekannten Kids: „Tut mir Leid, Du darfst heute nicht.“?

Pro Unterrichtseinheit ca. 12-15 Kinder. Mal mehr, mal weniger. Mal Unbekannte, mal Bekannte. Gekontert werden diese nicht kalkulierbaren Größen durch die Rekrutierung älterer Kinder, die mich physisch und mental während des Unterrichts unterstützen und als freiwillige Dolmetscher, Krisenmanager, Psychologen und Türsteher tätig sind.
Um auf diese Umstände adäquat reagieren zu können, muss man sagen, dass Klassengröße, Unterrichtszeit etc. von Woche zu Woche variieren – in Bewegung bleiben ist wichtiger denn je.

Die Gestaltung der Unterrichtseinheiten – und warum nur die Hälfte davon offensichtlich ist, wird übrigens im nächsten Artikel behandelt!

Neben den täglichen Hürden, auch außerunterrichtlich (gerade heute habe ich für zwei km Stadtverkehr stolze 1,5 Stunden benötigt), gefällt es mir in der Gegend immer besser. Einige Gesichter sind mittlerweile bekannt, aus verschiedenen Gates grüßen mich Bewohner aller Altersklassen. Manchmal kommt es mir so vor, als würde man sich an die Gegebenheiten und Umstände sehr schnell anpassen. Man fühlt sich wohl. Ist das naiv? Bitte den letzten Artikel lesen.

Was machen wir sonst mit unserer Zeit? Januar bis März steht ein großes Spendenprojekt an – dafür nehmen wir regelmäßig an Workshops teil. Das frisst Zeit. Viel Zeit. Weitere Infos kommen zeitnah, sobald die Verschweigenheitserklärung nicht mehr greift! Des Weiteren beginnen wir bald mit der Organisation unserer Weihnachtsfeier – die Aufgaben hierfür haben wir aufgeteilt und jeder packt mit an!

Darüber hinaus, was tut sich in unseren zwei Learning Centern in Parola und Payatas?

Beide Lernstandorte wachsen. In Payatas wird gerade eine neue Schule gebaut, das bestehende Haus baulich erweitert (die Planung hierfür läuft).
In Parola sind wir gerade eine Kooperation mit sechs weiteren Nichtregierungsorganisationen (NRO) eingegangen, um uns gegenseitig bei unserer Arbeit zu unterstützen. Inhalt der heutigen Besprechung war die „Versetzung“ von 30 Schülern der anderen Organisationen zu Puso sa Puso!

Zusätzlich zu diesem organisatorischen Reingewinn sind auch wir auf der Suche nach einem größeren Learning Center, da es langsam aber sicher an Platz mangelt.

Was soll man dazu sagen?
Der momentane Pioniergeist ist erfrischend und motiviert! Das näherrückende zehnjährige Jubiläum wird mit Sicherheit ein voller Erfolg.
Beeindruckend, was hier tagtäglich geleistet wird.

Viele Grüße in die Welt

Simon

Für zusätzliche Fotos: Instagram (Simon_b.g)

Wir sind naiv!

Liebe Freunde, Verwandte, Interessierte,

…es ist soweit! Es ist tatsächlich passiert!

Ein paar Wochen hat es gedauert und was soll ich sagen….es ist passiert!

Vor zwei Tagen hat mein Mitstreiter Moritz doch tatsächlich abends erstmals den magischen Satz erwähnt. Den Satz, mit dem ich nicht gerechnet hätte: „Simon, irgendwie hab ich gar kein Bock in zehn Monaten wieder das Land zu verlassen!“

TRUE STORY. Insgeheim stimmt es ja. Aber warum kommt der Satz jetzt? Warum nicht erst in fünf Monaten? Wie naiv sind wir?

Schließlich kennen wir noch nicht ansatzweise 1% dieser Stadt, noch nicht 0,0000001% aller schönen Plätze und noch weniger Prozent aller Erfahrungen und Menschen. Tja, vielleicht sind wir naiv. Aber was hat uns – wenn die Annahme überhaupt stimmt – dazu gebracht?

Tja, vielleicht…

…vielleicht ist es die Arbeit und unser veränderter Alltag. Seit einigen Tagen sind wir nun in den Slums von Manila voll eingebunden.

Nach dem Aufstehen um sechs bis sieben Uhr (wer eine Schlummerfunktion besitzt, der versteht die Zeitangabe) begeben wir uns auf den Weg nach Payatas (Jakob und Moritz) bzw. Parola (mein Einsatzort), um dort unserer primären Tätigkeit, dem Unterricht von Kindern der Gegend, nachzugehen.

Von Anfang an haben wir hier bei der Umsetzung unseres „Lehrauftrags“ freie Hand, was Organisation und Umsetzung anbelangt. Einzige Voraussetzung: der Unterricht muss im Gebiet stattfinden, ohne feste Klassenräume. Die Tatsache, dass nichts zu 100% planbar ist, zieht sich dabei durch den Tag, Klassen werden größer, die Häuser, in denen wir unterrichten, müssen gewechselt werden und vieles mehr.

Diese vermeintlichen Probleme machen in letzter Konsequenz Spaß, bestärkt durch die Tatsache, dass alles durch eine gewisse Grundentspannung angegangen wird. Ich korrigiere den letzten Satz. Macht nicht immer Spaß.

Wie dem auch sei, es ist nicht immer alles komplett entspannt. Hört sich auch viel zu romantisch an.

Die Gegend ist sehr arm, Kriminalität und Gewalt gehören leider zur Tagesordnung. Man sieht definitv viel.

Aber nichtsdestotrotz sind die Bewohner der Gegend freundlich – war klar, dass der Satz kommt, oder? So selbstverständlich ist das gar nicht.
Insgesamt mag ich es, in Parola zu arbeiten, vor Ort Zeit zu verbringen und durch die engen Gassen zu schlendern – stets mit fünf bis zehn Kindern um mich herum: die besten Securities, die man sich in dieser Gegend vorstellen kann. Die Arbeit macht Spaß, die Atmosphäre ist auf eine gewisse Weise einzigartig und der Adrenalinpegel hoch. Ich würde nicht tauschen wollen.

Gerade kümmere ich mich nach wie vor um die Einteilung der Klassen und Erstellung eines Lernplans. Hierbei unterscheide ich nach Vorkenntnissen und Alter. So die Theorie …

Neben dem Arbeitsalltag gibt es ebenfalls eine positive Form der Routine, die gerade Stück für Stück einzieht:

1. Logistische Zeiteffizienz: Der Umgang mit dem Nahverkehr wird routinierter, was im Endeffekt heißt, dass man schneller günstige Transportmöglichkeiten und schnellere Routen findet.

2. Heranschleichende Kosteneffizienz: Es werden nach und nach Einsparpotentiale entdeckt, so wurden beispielsweise die Wäschereikosten nach Betrachtung des Wettbewerbsmarkts erfolgreich um 37,5% reduziert.

3. Wachsende Kontinuität: Nach zwei Wochen Sprachkurs, mehreren Wochen Vorbereitung im Kindergarten etc. tut es gut, nun etwas über einen längeren Zeitraum aufbauen zu können.

4. Wir haben super viele neue Leute kennen gelernt!

Sind es diese Gründe, die uns bereits nach 15,3% der Zeit diesen voreiligen Schluss ziehen lassen?
Naja. Wohl mehr eine Vermutung, die sich gerade beginnt zu bestätigen.

Abschließend hier ein kurzes Dankwort an Alex Meisinger, unseren Vorgänger und guten Kumpel.
Er hat sich für unsere Eingewöhnungszeit sehr viel Zeit genommen und uns viel gezeigt. An dieser offiziellen Stelle nochmal vielen Dank für deine Ratschläge und Deine Zeit!
Wünschen wir ihm alle viel Erfolg bei seinem Studium in Regensburg – und jeder, der diesen Text liest und in Regensburg wohnt, möge ihm Bitte ein Bier ausgeben – das macht die philippinisch-deutsche Preisdifferenz gleich erträglicher.

Viele Grüße in die Welt!

Der Verkehr in Manila (#1)

Hallo zusammen,

Inzwischen bin ich nun schon die siebte Woche auf den Philippinen. Das Praktikum im Kindergarten ging am Freitag zu Ende, bald werden wir unsere Arbeit im Slum beginnen. Im Kindergarten konnte ich gute Einblicke in die Arbeit mit Kindern im Alter von zwei bis sechs Jahre erhalten, was die Anforderungen an die Kinder sind, was konkret von ihnen erwartet wird. Als ich gesehen habe, welchem Leistungsdruck die Kinder schon in solchem Alter ausgesetzt sind, war ich manchmal richtig froh um meine Kindergartenjahre, die ich als sehr gut in Erinnerung habe. Ich denke, man sollte das System, Kindern in solch jungen Jahren schon so viel beibringen zu wollen, auf jeden Fall kritisch überdenken. Ich hoffe ich kann meinen Unterricht so gestalten, dass die Kinder relativ stress- und druckfrei lernen können.

Neben der Arbeit mit den Kindern laufen gerade die Vorbereitungen für ein Theaterstück, das im Frühjahr aufgeführt werden soll. Dadurch sollen Spenden für „Puso sa Puso“ generiert werden. Das Projekt wird sehr professionell angegangen, es gibt verschiedene Verantwortliche für Bühne, Performance, Kostüme und vieles mehr. Der erste Part der Vorbereitung war ein Workshop sowie das Vorsprechen und Maßenehmen im Konvent letzten Donnerstag- und Freitagnachmittag.

Des Weiteren konnte ich schon sehr viele weitere interessante Leute kennen lernen und weitere schöne Orte entdecken, die gar nicht so weit entfernt von Manila liegen. Letzten Samstag beispielsweise war ich gemeinsam mit meinen Mit-Freiwilligen Simon und Moritz sowie Christina und Aldrin beim Wandern beziehungsweise Klettern auf dem „Mount Pamitinan“. Trotz der Tatsache, dass wir den Aufstieg schon um circa sieben Uhr morgens begannen, um nicht in voller Hitze den 426 Meter hohen Berg zu überwinden, machten uns die Temperatur und die hohe Luftfeuchtigkeit doch sehr zu schaffen.

Das Wochenende zuvor verbrachte ich mit Moritz, Simon, Christina, Anna, Janzky, Tere und Mirko im „Bus Stop Dive Resort“ nahe Lemery City, circa zwei bis drei Stunden von Manila entfernt. Wir machten uns wieder früh morgens auf den Weg und waren gegen neun Uhr morgens an unserer Unterkunft für Samstag und Sonntag. Das Resort befindet sich in einer kleinen Bucht, zu der man circa 15-30 Minuten mit dem Boot unterwegs ist. Man könnte die Bucht auch zu Fuß durch den Wald erreichen, allerdings mit Gepäck etwas unbequem und mit drei Stunden Dauer auch etwas lang. Direkt vor der Haustür des Resorts befindet sich das felsige Meer mit einem riesigen, wunderschönen Korallenriff. Hier kann man sehr gut tauchen und schnorcheln. Wir haben uns auf Letzteres beschränkt, schon diese Erfahrung war einfach der Hammer! Das Korallenriff sah wahnsinnig schön aus, überall konnte man Fische unterschiedlichster Farbe und Größe bewundern, sogar einen Tintenfisch habe ich kurz gesehen. Da Mirko und Tere professionell Videos produzieren, haben sie auch diesen Ort in tollen Bildern festgehalten, welche ihr unter folgendem Link auf ihrem Blog finden könnt: Life of Mirco and Tere. Gerade weil man in dieser Bucht „nur“ Tauchen, Schnorcheln und Baden konnte, waren die zwei Tage, die wir dort verbrachten sehr ruhig und entspannend. Generell ist es sehr erholsam, wenn man einige Zeit aus dem lauten und oft sehr dreckigen Manila raus in die Natur kommt.

Neben einem kurzen Überblick über meine persönliche momentane Situation und mein Tun möchte ich in Blogeinträgen eben auch einige Dinge zur Stadt sowie zu Land und Leute erzählen beziehungsweise erklären. Beginnen möchte ich mit der Verkehrssituation in der Metro Manila: Nahezu jedes öffentliche Verkehrsmittel rollt hier über die Straße. Einzige Ausnahme stellen hier LRT beziehungsweise MRT dar. Diese Zugnetze lassen sich ein wenig mit deutschen S-Bahnen vergleichen. Aber auf diese Bahn werde ich, wie auf alle anderen Verkehrsmittel, noch einmal gesondert in den nächsten Blogeinträgen eingehen. Da alle anderen öffentlichen, mir bekannten Verkehrsmittel in der Metro Manila auf der Straße fahren, führt das gerade in der Rushhour zu lästigen Staus. Egal ob man also Taxi, Jeepney, Bus, Moped oder Tricycle fährt, wie schnell man ankommt bestimmt die aktuelle Verkehrslage. Die viel befahrenen Straßen sind oft gut ausgebaut, es gibt überall Ampeln und Zebrastreifen. Die Ampeln zeigen hier sogar oft an, wie viele Sekunden man noch warten muss, bis wieder grün ist. Außerdem schalten die Fußgängerampeln von grün auf ein rotes Blinkemännchen um, damit man weiß, dass man jetzt dann doch besser nicht mehr oder sehr schnell die Straße überquert. Was ich aus Deutschland nur vom Hören kenne, hier in Manila aber Normalität ist, sind Polizisten, die den Verkehr an großen Kreuzungen regeln. Zum Fahrverhalten der Verkehrsteilnehmer hier passt folgende Regel, die mir Sister Frances gesagt hat: „if there’s some space, it’s yours“. Auf Deutsch bedeutet das so viel wie „Wenn irgendwo Platz ist, dann ist es deiner“. Der Verkehr hier richtet sich, so scheint es mir, ein wenig nach ungeschriebenen Regeln, es läuft alles nicht so geordnet ab wie in Deutschland, aber es läuft. Für jeden Fahrer das anscheinend wichtigste Element des Autos ist die Hupe. Egal was, egal wo, es wird gehupt. Dabei hupt man nicht nur, um dem anderen seinen Unmut zu zeigen sondern hier hupt man glaube ich prinzipiell viel mehr, um auf sich aufmerksam zu machen, also andere Verkehrsteilnehmer zu warnen. So hupen manche Fahrer beispielsweise kurz bevor sie eine leere Kreuzung überqueren, um zu signalisieren: Obacht, hier komme ich. Durch die vielen Fahrzeuge mit ihren Abgasen ist hier die Luftverschmutzung logischerweise auch entsprechend heftig. Gerade wenn man kurz an einer Ampel wartet, riecht man schon, wie unsauber die Luft ist. Vorbeifahrende Fahrzeuge, die dunkle Rußwolken ausspucken, wenn Gas gegeben wird, veranschaulichen das Ganze. Als wir vom Gipfel des Berges vergangenes Wochenende Richtung Metro Manila blickten, konnte man über dem gesamten Gebiet den Smog in Form einer dunklen Wolke sehen.

Bisher konnten wir immer ein Stück des Weges mit dem LRT fahren, was vieles einfacher und bequemer machte, allerdings ändert sich das, wenn die Arbeit im Slum beginnt.

Viele Grüße aus Manila

Jakob

Konsequentes Teilen und Klima-Ping-Pong

Heute ist der 12. September 2017 und mittlerweile befinden wir uns in der sechsten Aufenthaltswoche in Manila auf den Philippinen. Nachdem meine Mitstreiter Jakob und Moritz ausführlich unter anderem über unser bisheriges Programm berichtet haben, hier mein persönlicher erster Eindruck:

Manila, AKA die Stadt mit dem chaotischsten Verkehr, den ich je erleben werde
– aber dazu später mehr.

Vorletzte Woche Freitag haben wir unseren Sprachkurs beendet und in einem Kindergarten im Nordosten der Stadt ein Praktikum angefangen, um unsere theoretischen Kenntnisse anzuwenden. Der erste Umgang mit Kindern unserer Lernzielgruppe bereitet uns auf unseren näherrückenden Einsatz vor und wird voraussichtlich einige Wochen in Anspruch nehmen.

Ebenfalls durften wir an einem Team Building der Pusa sa Puso Inc. teilnehmen, was uns nicht nur viele neue Freunde, sondern auch einen ersten Überblick bezüglich der Organisation gegeben hat. Was hier in wenigen Jahren aufgebaut wurde ist wirklich beachtlich!

Die ersten Tage

Primär ist mir das Klima aufgefallen. Ein Schritt aus dem Flughafen auf die Straße und man kann vermuten, was einen klimatisch ungefähr erwartet. Was sich sehr banal anhört, fällt tatsächlich am öftesten auf. Jedes Mal, wenn man Gebäude oder geschlossene Fortbewegungsmittel verlässt, werden aus anfänglich 20 Grad mindestens 30 Grad (mit 85 Prozent Luftfeuchtigkeit). Der ständige Wechsel zwischen heiß und kalt verlangt dem Kreislauf zwar einiges ab, dieser wird aber wiederum von der sehr nahrhaften Ernährung gestärkt. Duschen ist am Tag mindestens zweimal angesagt, niedrige Verbraucherpreise im Bereich Reingung und Wasser ebnen uns jedoch den Weg zu einer hygienisch ertragbaren Situation. Unser wichtigstes elektronisches Gerät ist neben dem Computer mit Sicherheit die Air Condition, welche für kurze Zeit die Temperatur unserer Wohnung auf ein angenehmes Niveau senken kann.

Neben der klimatischen Situation ist es auch die Intensität der Stadt an sich, die beeindruckt. Manila ist eine riesige Metropole, die ohne eine Minute Pause 24 Stunden am Tag pulsiert. Durch die chaotische Straßenführung schieben sich tausende Autos und nahezu jeder Teil der Stadt ist nur mit Verzögerung erreichbar. Jeder Bürgersteig ist voller Menschen und Geschäfte und durch das rege Treiben entsteht ein hoher Geräuschpegel.

Der Verkehr, hierzulande „traffic“ genannt, verschlingt jeden Tag einige Stunden Zeit und wirkt am Anfang einschüchternd, da man von Deutschland ein anderes Maß an Verkehrsregeln gewohnt ist. Nicht jedoch in Manila. Das Gesetz des Stärkeren bzw. Schnelleren scheint zu zählen und ein jeder Teilnehmer kommt auf den zahlreichen RIESIGEN Kreuzungen schonmal ins Schwitzen, wenn der Nachbar zu einem unerwartenden Überholmanöver ansetzt.

Hört sich aber schlimmer an als es ist. Wenn man sich daran gewöhnt hat, sieht man ein, dass man vielleicht genau nach solchen Unregelmäßigkeiten gesucht hat. Und wenn man diese Unregelmäßigkeit regelmäßig erlebt, wird auch hieraus eine Konstante in unserem zu 100% verschwitzten Alltag.

Sucht man hier auf den ersten Blick vergeblich nach vermeintlichen Standards, so wird einem schnell bewusst, was man von der Kultur und den hier lebenden Menschen viel lernen kann. Die Einwohner dieses Landes, die ich bisher kennenlernen durfte, sind wie erwartet sehr freundlich und es wird aus Prinzip alles ohne zu Fagen geteilt – auch der Spotify Premium Account! Thank you Aldrin! Gastfreundlichkeit wird hier intensiv gelebt und sehr selbstverständlich praktiziert – unabhängig davon, wie viel man hat!

Wenn man die Möglichkeit bekommt hier viel zu lernen, dann hat das nur zu einem kleinen Teil mit Sprache und Straßenverkehr zu tun…

Die ersten Tage in dieser neuen Kultur lassen einen viele Vergleiche ziehen. Worin unterscheidet sich Manila von deutschen Städten? Essen. Straßen. Menschen. Zahl der Obdachlosen. Flughafen. Preise. Essen. Zuverlässichkeit der Müllabfuhr. Zahl der Toiletten in Restaurants. Wie lapidar!

Warum bin ich eigentlich hier?

Nach Vergleich der Tatsachen macht es den Eindruck, dass trotz vieler Herausforderungen die Menschen in Manila oft glücklicher sind. Thanks for having us!

Wir freuen uns auf die baldige Aufnahme unserer Arbeit! Nähere Infos im Anmarsch…
Eindruck: 10/10

Für zusätzliche Fotos: Instagram (Simon_b.g) (moritz.koerner) (Jakob überzeugen wir noch)

Angekommen in Manila – vom Dorf in die Millionenstadt

Liebe LeserInnen,

kamusta kayo? – zu deutsch: Wie geht’s euch?

Ich bin mittlerweile auf den Philippinen angekommen, die ersten Tage/Wochen sind gut überstanden und nun melde ich mich hier mit meinem ersten Blogeintrag.

Die Zeit vergeht hier unglaublich schnell – kaum in Manila angekommen, waren die ersten 3 Wochen auch schon vorbei und der Tagalog-Crashkurs absolviert. Bis jetzt gefällt es mir richtig gut hier, man wird mit einer großen Herzlichkeit und Gastfreundschaft behandelt und das doch sehr reislastige Essen mundet, auch wenn ich noch eine Weile brauchen werde bis alles probiert ist.

Das Klima ist zurzeit relativ mild – wir hatten das Glück, in der Regenzeit anzukommen, in welcher sich die Hitze meist in Grenzen hält (der blitzartig und häufig auftretende Regen leider nicht). Nichtsdestotrotz sind meistens Temperaturen über 30 Grad angesagt, welche man in Kombination mit der sehr hohen Luftfeuchtigkeit definitiv als gewöhungsbedürftig bezeichnen kann.

Die Stadt selbst ist kaum mit meinem Heimatort, dem 700-Seelen-Dorf Sonderbuch zu vergleichen, allein der Lärmpegel hier und die Menge der Menschen auf den Straßen, lässt ihn fast schon wie eine ausgestorbene und verlassene Siedlung erscheinen. Egal welches Verkehrsmittel man hier wählt, man sollte stets mehr Zeit einplanen, da Verzögerungen im Verkehr Alltag sind. Zum Glück genügt es oft, das Wort „Traffic“ auszusprechen und schon hat man einen überaus akzeptablen Grund für eventuelles Zuspätkommen angegeben.

In der kurzen Zeit sind wir schon ein wenig herumgekommen, an einem der ersten Wochenenden verschlug es uns bereits nach Batangas, ein Ort der ungefähr zwei Stunden außerhalb von Manila liegt. Dort durften wir an einem Teambuilding-Event teilnehmen und hatten gleichzeitig die Chance, das gesamte Puso sa Puso Team kennenzulernen.

Batangas Landschaft

 

Shercon Resort Batangas

 

Die nächsten Wochen schauen wir in einem Kindergarten in Manila den Teachers dort über die Schulter und versuchen uns einige Lernmethoden für unseren eigenen Unterricht anzueignen bzw. allgemein Erfahrungen im Umgang mit Kindern zu sammeln, bevor es dann mit der richtigen Arbeit in Payatas bzw. Parola losgeht…

Danke fürs Lesen und bis bald,

Moritz