Archiv der Kategorie: Lima

Den Rhythmus fühlen

Die allermeisten von uns haben irgendwann in ihrem Leben schon einmal einen Tanzkurs besucht und wissen daher auch ungefähr, wie man das Tanzen in Deutschland beigebracht bekommt. Man erlernt erst einen Grundschritt, dann vielleicht ein paar Figuren und der Takt wird eingezählt solange bis es sitzt. Am Wochenende vom 8. Auf den 10. September 2017 wurde mir auf die Frage, wie ich denn zu tanzen hätte, geantwortet, ich müsse mich einfach zum Rhythmus der Musik bewegen.
Marlene und ich hatten nämlich an dem besagten Wochenende die Möglichkeit bekommen bei der Feier der Patronin des Dorf namens Apata in der Nähe von Jauja mitzutanzen. Die Dorfpatronin ist die Virgen Navitad de Cocharcas, also eine der vielen Varianten der Jungfrau Maria in Peru. Ermöglicht wurde uns dies durch Aracelly, die ebenfalls in Lima wohnt, deren Familie jedoch aus Apata stammt. Sie ist die Cousine meiner Spanisch-Tandempartnerin und inzwischen auch eine gute Freundin.

Die Anreise und unsere ersten Schritte auf 3300 Metern
Unsere Reise begann Donnerstagnacht in Lima mit Cruz del Sur. Zu Cruz del Sur ist zu sagen, dass man für einen relativ guten Preis (Rund 80 Soles; das entspricht rund 20 Euro) sehr komfortabel reist. Aracelly hat uns diese Busgesellschaft empfohlen, da der Weg in die Berge häufig schwieriger ist als zurück und durch Sauerstoffanreicherung im Bus sind die Auswirkungen der Höhe geringer, sodass keiner von uns an allzu starker „soroche“ litt. So nennt man hier die Höhenkrankheit und sie macht sich unter anderem durch starke Kopfschmerzen, Kreislaufschwäche und Übelkeit bemerkbar.
In bequemen Sitzen, einer kleinen Filmauswahl und einem Busservice mit Getränken und Essen, waren wir rund sieben Stunden auf dem Weg nach Jauja. Da es die gesamte Zeit über dunkel war, konnten wir von den sich auftürmenden Bergen nur wenig sehen, sodass wir die Zeit nutzten um uns auszuschlafen.
Als dann schließlich die Sonne aufging, konnten wir zum ersten Mal die Landschaft von Jauja bewundern. Tatsächlich überragten die Gipfel der umgebenden Berge uns nicht so sehr, wie man es zum Beispiel von den Alpen kennt, da die lokalen Flüsse große Ebenen zwischen den Bergrücken geschaffen haben. In Jauja angekommen, machten wir nach langem Sitzen unsere ersten Schritte und ich war erstaunt, dass abgesehen von einem leichten Schwächegefühl, das mich auch den restlichen Tag über begleitet hat, nicht viel von der Höhe zu spüren war. Der Bruder von Aracelly, der am vorigen Tag bereits mit seiner Familie angereist war, holte uns ab und brachte uns nach Apata zu dem Haus seiner Großmutter. Dort konnten wir eine Kleinigkeit frühstücken und legten uns danach noch ein bisschen Schlafen um fit zu sein für das Fest am Nachmittag.
Viele Häuser in Apata sind ähnlich in ihrem Aufbau: Es gibt normalerweise einen kleinen Innenhof, in dem sich häufig die Küche in einem überdachten Teil befindet. An den Hof schließen sich rundherum mehrere Zimmer an, in dem die Mitglieder der Familie wohnen. In unserem Fall befanden sich alle Zimmer in einem zweiten Stockwerk und es gab eine weitere kleine Küche in einem der Zimmer.
Unterschiede zu Lima gibt es vor allem auch in dem Material aus dem die Häuser gebaut werden. Während die meisten Häuser in Lima, sowie das Haus von Aracellys Großmutter, aus Ziegelsteinen aufgebaut werden, gibt es in der Region um Jauja auch Häuser, die aus verdichteter Erde bestehen. Damit die Wände stabil genug sind, wird die Erde vorher mit Holzfasern und Steinen vermischt und gebaut wird nur im Winter, weil es dann weitestgehend trocken bleibt. Um alles vor dem Regen zu schützen, werden die Häuser mit Tonziegeln gedeckt und die Dächer ragen etwas über die Außenwände hinaus.

Den Rhythmus fühlen und improvisieren
Für die Austragung der Tänze und für die Musik sind an jedem Tag des Festes verschiedene Familien zuständig und so konnten wir uns bei der Familie von Aracelly beteiligen. Deshalb gingen wir am späten Vormittag mit Aracelly auf die Suche nach der traditionellen Kleidung eines „chutos“. So wird die Rolle genannt, die ich bei dem Tanz übernehmen sollte. Eigentlich hätte einer der Onkel von Aracelly mir vorher noch zeigen sollen, wie man ungefähr tanzt, jedoch bis Marlene ihre Tracht bekam und anlegte, was sich bei einigen Kleidungsschichten als sehr schwierig herausstellt, ging es danach auch direkt los. Das „orchestra“, das bereits den ganzen Tag über in dem kleinen Innenhof geprobt hatte, machte sich spielend auf den Weg zum Dorfplatz und vor ihnen zuerst die „chutos“, gefolgt von den tanzenden Frauen in ihren Trachten und den „mayores“, einer anderen Tanzrolle mit Maskierung. Dort angekommen wird getanzt und tatsächlich ist es nicht schwer den „chuto“ zu tanzen, in den Rhythmus zu kommen war für mich allerdings nicht ganz so leicht. Im Prinzip laufen die Tänze wie folgt ab: Die Geigen und eine Harfe des „orchestras“ beginnen leise zu spielen und alle bringen sich in Position und wenn die Bläser dazu einsetzen, fangen alle Tänzer an zu tanzen. Zu Beginn passiert das alles auf einer Stelle und später wird beim Tanzen dann der Dorfplatz umrundet und an jeder Ecke des Platzes gibt es für die Tänzer dann Bier. Dabei teilen sich immer mehrere eine Flasche Bier und es geht ein Glas reihum in das man einschenkt. Aufgrund der Höhenlage von Apata verzichtete ich allerdings vorerst auf das Bier, weil ich nicht wusste, wie mein Körper darauf reagieren würde. Im Prinzip lief in etwa so der gesamte Abend ab bis um 24:00 Uhr ein sogenanntes „castillo“, bei dem es sich um eine Konstruktion aus Bambusstäben handelt an die verschiedene Feuerwerkskörper befestigt sind, entzündet wurde.

Die Ruhe genießen
Am zweiten Tag konnten wir ausschlafen, denn für den Morgen war nichts geplant. Jedenfalls versuchten wir das, denn das „orchestra“ probte wieder morgens direkt unter unserem Zimmer. Gegessen wurde um 12:00 Uhr bei einer Tante von Aracelly mit vielen weiteren Verwandten und es gab jedes Mal sehr große Portionen, die man so aus Deutschland nicht gewohnt ist. Die harte Arbeit als Bauer in der Sierra braucht viel Energie und dementsprechend sind die Portionen. Die Bauern um Jauja herum arbeiten auch an den Wochenenden und außer zu Dorffesten gibt es eigentlich kaum Freizeit. Nach dem Essen wurde im Innenhof zur Musik des „orchestras“ getanzt und anschließend gingen wir mit Aracelly und ihrem Bruder sowie dessen Frau und Tochter auf eine kleine Wanderung zu einem nahe gelegenen Felsen, der in der Vergangenheit die Form einer Marienstatue hatte und deshalb als Wallfahrtsort für die Gemeinde von Apata dient. Dabei war es zum ersten Mal wieder richtig ruhig und man konnte die wunderschöne Landschaft um Apata herum genießen.
Später fuhren wir dann nach Huancayo, das etwa eine Stunde von Apata entfernt liegt und aßen etwas und besichtigten den „Parque de la identidat de huanca“, welcher als Denkmal für die Huanca-Kultur dient, zu der die meisten Menschen in der Region Junín gehören. Am Abend gingen wir wieder auf das Fest nach Apata und feierten mit den anderen.

Mystische Bergseen und ein Besuch auf dem Friedhof
Für den dritten Tag war ein Besuch der „laguna de paca“ geplant, um diese und andere Orte rund um Jauja ragen sich viele Legenden und ich möchte in einem späteren Bericht einmal auf Legenden aus Peru eingehen, denn es gibt eine große Fülle an Geschichten hierzu.
Der Sonntagmorgen lief eigentlich ab wie sonst auch, das „orchestra“ spielte, wir trafen uns bei einer Tante um zu essen und es wurde getanzt. Am frühen Nachmittag machten Aracelly und ich dann einen Spaziergang durch das Dorf und trafen dabei zufällig auf eine ihrer Tanten, die gerade auf dem Weg war um ihre vier Kühe von der Weide zu holen und bot an, dass wir dabei helfen können. Wirklich hilfreich waren wir zwar nicht, denn die Kühe kannten den Weg zurück in den Stall selbst, aber es war schön zu sehen, wie die Felder in Apata aussehen und wie die Tiere gehalten werden.
Anschließend besuchten wir -Aracelly, Marlene und ich- den lokalen Friedhof, um Blumen an den Gräbern von Aracellys verstorbenen Verwandten abzulegen. Danach ging es mit einem „collectivo“ nach Jauja und von dort aus weiter zur „laguna de paca“, wo wir einen Fährmann bezahlten um uns über den See zu fahren und uns ein wenig zum See zu erzählen. Es gibt eine kleine Insel in der Mitte des Sees von der man sagt, dass dort Nixen leben und es gibt einen Berggrat in Sichtweite des Sees der einem schlafenendem Menschen gleicht und deshalb „indio dormido“ genannt wird. Im Anschluss der kleinen Bootsfahrt aßen wir in einem Restaurant am See Pachamanca. Dabei handelt es sich um Fleisch und verschiedenes Gemüse, das in einer Kuhle im Boden mit heißen Steinen gegart wird. Wieder zurück in Apata packten wir nur noch unser Zeug, gingen kurz auf das Fest um nochmal etwas zu essen und ein paar Runden Tischfussball an einem der vielen Stände zu spielen und machten uns dann mit einer anderen Busfahrtgesellschaft auf den Heimweg nach Lima.

 

Hilfe, wir haben kein Dach überm Kopf!

Hallo ihr lieben,

wie ich im einem vorherigen Blogeintrag ja schon vorgekündigt habe, hatte Juan vor das Haus der Talente umzubauen. Da wir hier in Peru sind und solche Aussagen eher wage sind, haben Lisa und ich uns nichts Weiteres dabei gedacht, aber nun, seit circa vier Monaten stehen wir im Haus der Talente in einer kompletten Baustelle.

Täglich wird hier bei uns betoniert, Säulen gezogen, Stützen verlegt und Zement geschleppt. Und für ungefähr zwei Monate hatten wir sogar kein Dach über dem Kopf, was im Winter doch ziemlich kalt und windig wurde.

Jetzt nachdem sich unser Auslandsjahr langsam zu Ende neigt, neigt sich auch der Umbau zu Ende. Mittlerweile haben wir wieder ein Dach über dem Kopf und eine der Tanzsalons wurde gestern fertig.

Natürlich fehlt noch der Feinschliff und das Dach ist auch noch nicht komplett fertig, aber es fliegt nicht mehr überall Staub herum und man muss nicht mehr Angst haben, dass die Kinder von fliegenden Trümmern erschlagen werden (natürlich bestand nie die Gefahr).

Gern hätten Lisa und ich dem Haus einen neuen Anstrich verpasst, aber dass fällt jetzt wohl auf die neunen Freiwilligen Marlene und David, die sich hier übrigens schon sehr gut eingelebt haben.

Diese letzten Monate vergingen viel zu schnell und man schaut jetzt schon ein bisschen angsterfüllt auf den Abschied von unseren lieben Kindern und Oscar und allen anderen, die wir hier ins Herz geschlossen haben.

Ich hoffe es geht euch allen gut, un fuerzo abrazo

Miriam

Cada día zancos!

Chorrillos, den 21.08.17

Hola mis amigos! Kaum zu glauben, aber nach einer langen Zeit der Vorbereitung sitze ich nun auf meinem neuen Bett (einer Matratze auf Kartons, aber größer als mein altes Bett!) in einer – momentan noch – 4-er-WG (David, Lisa, Miriam und ich).

Die letzten Tage in Deutschland durfte ich wundervolle Abschiede erleben, die mich unter anderem durch diese Reise tragen werden. Unser letzter Vortrag in Oberkochen, am 06.08.17, war sehr erfreulich für David und mich, da viele Besucher und Unterstützer ihr Interesse an unserem Vorhaben und unserem Engagement gezeigt haben. An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank für das Kommen und die Spenden. Auch der Aussendungsgottesdienst in meiner Gemeinde war schön gestaltet und ein weiterer Zuspruch für mich, auch besonders von Pfarrer Macho, welcher mich und auch David unterstützt hat, wo es nur möglich war.

Nachdem dann die Koffer gepackt waren und ich einen unvergesslichen Familienabend verbracht habe, ging es dann am Mittwoch (16.08.17) auf nach München, wo der Flieger auf mich wartete, oder wohl eher gesagt ich auf den Flieger, da dieser nach zwei Stunden Verspätung endlich mit mir abhob – in Richtung Westen. Auch wenn ich mich schon seit einem guten halben Jahr auf diese große Reise vorbereite, muss ich sagen, dass dieser Tag der erste war, an dem ich wirklich sagen konnte: Jetzt geht es tatsächlich los! Davor war immer noch einiges zu erledigen, sodass ich es nicht wirklich realisieren konnte (das tu ich jetzt noch nicht mal ganz).  Nachdem David und ich durch den gefühlt kompletten Amsterdamer Flughafen gerannt sind, haben wir doch wider Erwarten  unseren Anschlussflug nach Lima erreicht. Wie sich nach 12 Stunden Flug herausstellte, war dies bei unserem Gepäck leider nicht der Fall. Deshalb durften wir am nächsten Abend dieses abholen, nachdem wir am selbigen Morgen ebenfalls auf der Matte standen, das Gepäck aber immer noch nicht angekommen war. Natürlich erleichterte es mir diese Kofferpanne nicht, die ersten Eindrücke zu verarbeiten. Große Menschenmassen auf einem Fleck, verhandelnde Taxifahrer, für mich chaotische Fahrstile, hupende Autos, unangenehme Gerüche und Müll an den verschiedensten Flecken; Großstadt halt. Von Bildern wusste ich, dass man Lima nicht mit deutschen Großstädten vergleichen kann, aber es ist einfach ein anderes Gefühl, wirklich angekommen zu sein und zu wissen, dass ich hier ein Jahr leben werde. Zu Hause haben Miri und Lisa (zwei deutsche Freiwillige, die ein Jahr hier waren und im September zurück nach Deutschland reisen werden) alles toll hergerichtet, sodass ich mich hier sofort wohlfühlen konnte. Gleich am zweiten Tag, noch bevor ich meinen Koffer auspacken konnte, ging es schon ins lang erwartete „Casa de los Talentos“ (Haus der Talente). Von den Räumlichkeiten war ich etwas enttäuscht, da das ganze Haus momentan eine Baustelle ist, also konnte ich diesbezüglich nicht viel sehen. Ich darf also gespannt sein, wie es nach den Bauarbeiten aussehen wird.

Jedoch durfte ich an meinem zweiten Tag am „anderen Ende der Welt“ schon einen prägenden Moment erleben: Die Kinder, die das Casa täglich besuchen, haben mich gleich herzlich mit üblichem Backenkuss begrüßt und wollten wissen, wer wir denn seien. Mir ging das Herz auf und in diesem Moment wusste ich, dass mir diese Kinder im Laufe des Jahres vermutlich noch sehr wichtig werden würden und ich durch sie viel empfangen kann.  Außerdem reden die Kinder immer mit mir, auch wenn ich sie fast nicht verstehe – meine Spanischkenntnisse lassen noch zu wünschen übrig, da ich neben meinem Abitur nicht die notwendige Zeit aufbringen konnte, die neue Sprache richtig zu lernen. Dennoch bin ich optimistisch, dass ich mit meinen sonstigen Sprachkenntnissen und meinem Willen Fortschritte machen werde. Padre Juán (unser Ansprechpartner und Gründer der Casa) meinte auch, dass wir einen Lehrer bekommen würden, worüber ich mich sehr freue.

Die Kinder laufen jeden Tag mit den Zancos (Stelzen) auf dem Sportplatz, dazu belebende Musik; sie haben so viel Freude daran und stecken mich damit an. Oscar, ein Mitarbeiter in der Casa, macht mit ihnen oft einige Übungen mit den Stelzen, die auch die Gemeinschaft stärken. Danach wird meistens auch Karten gespielt oder es wird gesungen – mit oder ohne Licht. Freitagabend ist der Strom ausgefallen,  demnach durften wir zu Hause in romantischem Kerzenschein chaufa aeropuerto (ein typisch peruanisches Reisgericht mit Gemüse und Hühnchen) genießen. Gestern Mittag gab es frischen Fisch vom „mercado“.

Am Sonntag war das erste Highlight: Der Gottesdienst am Abend, mit Herzblut von Pater Juán gestaltet. Für mich repräsentiert er einen lebendigen Glauben im Zusammenspiel mit Gemeinschaft, Nähe, Lebensfreude und allgemeiner Zugänglichkeit. Die Kirche war voll, Menschen standen bis in die Straßen hinaus. Oscar leitet den Chor, in welchem ich am Abend zuvor reingeschnuppert habe. Oscar meinte dann auf einmal, dass ich eine Strophe von „Aquí estoy, Señor“ solo singen solle. Das war für mich eine ehrenvolle Aufgabe, Miriam und ich hatten somit jeweils einen Solopart im Gottesdienst. Gegen Ende wurden wir dann von Juán der Gemeinde vorgestellt und herzlich empfangen.

Nächste Woche wird vermutlich Martin – ein Lehrer – mit uns Spanisch lernen und ich freue mich riesig darauf, denn ich habe Lust, mich mit den Menschen hier gut unterhalten zu können und mehr als Bruchteile der Konversationen zu verstehen.

Die ersten Tage waren schon sehr eindrucksvoll, es gibt viel zu staunen, zu verarbeiten und zu danken. Ich bin glücklich, dass ich nun gut angekommen bin und anfange, mich hier einzuleben. Ich bin gespannt, was mich in nächster Zeit erwarten wird und werde bald wieder von mir hören lassen! Bis dahin, macht´s gut, ihr könnt euch auch gerne für ein Gebet für mich, David und das Projekt Zeit nehmen, ich würde mich sehr freuen.

In Gedanken,

eure Marlene Helena

Die Heldin, die ich bin

Buenas,

hier bin ich wieder.

Es ist nun auch schon ein kleines Weilchen her, aber vor einiger Zeit wurde mir die Aufgabe gegeben noch eine weitere Wand in der Kirche in Santa Rosa mit Blumen zu behängen. Weiterlesen

Die ersten Abschiede

Guten Tag,

heute geht es um ein etwas traurigeres Thema. Nämlich Abschied.

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Ein Stückchen Tirol mitten im Regenwald oder wie ich Peru besser kennen gelernt hab Teil 2

Lange Verschnaufspause nach meiner Familie hatte ich nicht. Kaum war eine Woche vergangen, kamen auch schon Lisas Eltern und circa eine Woche danach Anton, ein Comboni-Missionar aus Deutschland.

Ziemlich unerwartet bekam ich ein Angebot, dass ich nicht ablehnen konnte. Weiterlesen

Wie ich Peru besser kennengelernt habe

Hallihallo meine Lieben,

ja ich weiß, es ist lange her, aber dürft ihr euch gleich über zwei Einträge freuen.

Am ersten April war es so weit. Ich stand erwartungsvoll am Flughafen in Lima. Wohl erst sechs Stunden später als gedacht, weil die Flugzeuggesellschaft (oder wer immer dafür zuständig war) sich einen kleinen Aprilscherz erlaubt hatte.

Wie gebannt starrte ich auf die große schwarze Tafel, die in gelber verwaschener Schrift anzeigte, ob man noch weitere fünf Stunden warten darf oder endlich von der Qual erlöst wird.

„Flug aus Madrid – Ankunft 6:45 – delayed“, stand da in Großbuchstaben. Circa um halb zwölf stand ich mit dem Fahrer da und wartete.

Die Minuten waren wie langgezogener Kaugummi und um 12:30 Uhr stand ich von meinem Platz in der Nische auf und setzte mich direkt vor die schwarze Tafel und schaute sie alle zwei Minuten vorwurfsvoll an, bis sie das lang ersehnte Zeichen anzeigte: 12:45 Uhr Ankunft des Fliegers aus Madrid.

Circa zehn Minuten nach Ankunftszeit war die Tafel wieder so gnädig und zeigte „gelandet“ an.

Und zehn Minuten später sah ich sie endlich durch die mit Milchglas verglaste Tür des Ankunftsterminals schreiten. Ich sah meine Familie schon früher und winkte ihnen zu. Als sie mich entdeckten, wurden ihre Schritte kaum merklich zügiger.

Es folgte natürlich ein langes Umarmen und es kullerten vielleicht ein, zwei Tränen, doch schon kurz darauf saßen wir alle in dem großen Wagen und es ging ab nach Chorrillos, nach Hause.

Natürlich wurde ein bisschen über die Hitze geklagt und ab und zu ein Wörtchen über Limas Verkehr verloren, aber wir kamen doch heil im 1 ½ Stunden entfernten Chorrillos an.

Nach ein wenig Eingewöhnungszeit ging es schon nach zwei Tagen zurück in den Flieger, auch für mich. Der Flieger brachte uns direkt nach Arequipa, der weißen Stadt. Dort hatten wir leider auch nur eine kurze Zeit, um uns ein wenig umzusehen, denn kurz darauf ging es schon mit einem Guide für drei Tage ins Colca Tal.

Doch genug Zeit war, um sich die Stadt ein wenig genauer anzuschauen und Lena, einer anderen Freiwilligen, kurz in ihrem Projekt Hallo zu sagen.

Und schon saßen wir in einem Bus, der uns bis nach Chiway brachte und von dort aus ging es mit dem Auto direkt weiter in den Colca Cannon.

Dort sind wir mit unserem sehr lieben Guide drei Tage herumgewandert und haben uns einfach mal umgeschaut.

Schon viel zu bald mussten wir uns von ihm verabschieden und sind weiter nach Puno gefahren, die Stadt direkt am Titi Kaka See. All die Tage war das Wetter mit uns gnädig gewesen und wir hatten strahlende Sonnenschein, obwohl die Regenzeit noch nicht ganz zu Ende war. Auch hier in Puno enttäuschte uns das Wetter nicht.

Von Puno ging‘s ziemlich schnell weiter nach Cusco, der Touristenhochburg Perus. Ich hatte das Gefühl, es laufen mehr Touristen durch die Stadt, als Einheimische. Natürlich konnte man trotzdem das besonderen Flair der Stadt aufschnappen. Ich muss sagen, ich finde Cusco die schönste Stadt Perus, von denen, in denen ich bis jetzt gewesen bin.

Obwohl Cusco sehr schön anzusehen ist, ging es natürlich weiter mit unserer Reise und kurze Zeit später befanden wir uns im Zug nach Aguas Calientes, der Stadt direkt am Fuße von Machu Picchu.

Ich muss gestehen, es war ein atemberaubender Ausblick, vor allem der Aufstieg auf den Waynapicchu (ein Berg genau neben Machu Picchu. Für den Aufstieg braucht man, wenn man gemütlich geht, circa eine Stunde), den ich nur empfehlen kann.

Leider wurden wir mittags von einem ziemlich heftigen Regenschauer erwischt, der uns wirklich bis auf die Knochen durchnässt hat und wie ein Haufen begossene Pudel zogen wir den Rückzug ins Hostel an.

Nachdem wir uns abgetrocknet und einen kompletten Kleidungswechsel vollzogen hatten, die Schuhe ausgeschlossen (was wirklich ausgesprochen ungemütlich und eklig war) befanden wir uns auch schon wieder im Zug und im anschließenden Bus nach Cusco, wo uns eine weitere unliebsame Überraschung erwartete. In unserem Hotel gab es einen Buchungsfehler und wir standen auf einmal ohne Zimmer da. Gott sei Dank organisierte uns das Hotel gleich eine neue Bleibe und chauffierte uns direkt vor die Tür der neuen Zimmer.

Am nächsten Tag ging es schon wieder zurück nach Lima. Nach viel zu kurzer Zeit, wenn ihr mich fragt.

Dort machten wir uns noch ein paar schöne Tage und erkundeten die Stadt und meine Familie konnte einen kleinen Einblick in mein alltägliches Leben hier erhaschen, als sie mit mir ins Haus der Talente ging.

Ein weiteres Highlight waren natürlich auch die Gottesdienste hier, die während der Osterzeit hier stattfinden. So ganz anders als in Deutschland.

Wirklich viel zu bald musste ich uns wieder eine Fahrgelegenheit zum Flugharfen organisieren und als Juan und Jorge (unser Hausmeister) dann vor der Haustür abwartend standen, konnte ich es noch nicht so wirklich begreifen. Erst am Flughafen dann, als ich meine Familie in der kilometerlangen Check-In Schlange stehen lassen musste, weil Juan schon wieder zu seinem nächsten Termin musste, kamen die Tränen und der Abschied bestand aus vielem Drücken und nach Luft schnappen.

Im Auto zurück nach Chorrillos musste ich mich ein wenig zusammenreißen und unsere Wohnung kam mir auf einmal ganz leer vor, aber nach einer halben Woche war ich wieder vollkommen in meiner Arbeit versunken und meine Vorfreude auf meine Familie und Freunde ist noch genauso groß wie vorher.

Ein Vulkan aus Mehl und Mentos

Hola, Chicos und Chicas!

Heute melde ich mich nach einiger Zeit mal wieder mit einem kleinen Projekt, das ich im Haus der Talente organisiert habe als Miris Familie da war.

Die Kiddies und wir (Ich und David, ein Nicht-MaZ-Freiwilliger, der schon seit Januar hier ist, falls ich das noch nicht erwähnt habe) haben nämlich einen Pappmachévulkan gebaut, weil das der Go-to-Move ist, wenn man überall – und ich meine ÜBERALL – Kleber haben will. Denn was gibt es Schöneres, mein Freund? Was gibt es Schöneres?

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Ostern und drei Kilo Eier

Lieber Leser,

hier ein kleiner Rückblick auf mein Ostern oder besser gesagt den Dienstag und Mittwoch vor Ostern. Miriam war mit ihrer Familie auf Reisen und ich bin mit David zurückgeblieben. Das Haus der Talente war aufgrund der Osterfeiertage nur Dienstag und Mittwoch in der Semana Santa geöffnet. Wir wollten etwas Besonderes machen und wie das so ist, wenn man mit Kindern arbeitet und es Ostern ist, haben wir uns fürs Eier bemalen entschieden – zuerst muss man diese natürlich ausblasen, weil die Sauerei sonst nicht groß genug ist, wie wir alle wissen.  Weiterlesen

Es hat geregnet, deshalb gibt es kein Wasser.

Padre  Juans Brief über die Überflutungen an Freunde in Deutschland

Liebe Freunde!

Ein grosser Teil Perus steht wortwörtlich unter Wasser. Mehr als eine halbe Million Betroffene, fast 100 000 Opfer, 75 Tote, 157.000 beschadigte Häuser, 1.900 Kilometer zerstörte Straßen und 157 zusammengebrochene Brücken. Einige kleine Ortschaften sind begraben. Jeden Tag steigen die Zahlen. Die schockierenden Zahlen beschreiben die bei weitem schlimmste Klimatragödie seit den 90er Jahren. Die schweren Regenfälle toben seit Dezember vor allem im Norden des Landes, aber dennoch sind alle 24 Regionen Perus betroffen. Weiterlesen

Urlaubsschule – als man schon dachte, man sei endlich frei nach dem Abi

Guten Tag, mein lieber Leser!

Ich bin zurück mit einer neuen Geschichte:

Als wir vor Weihnachten mit Juan besprochen haben, was wir zu tun haben, ist neben dem Haus der Talente auch ‚vaccaciones utiles‘ aufgetaucht.

Neben der wörtlichen Übersetzung – nützliche Ferien – beschreiben diese zwei Wörter kurz gesagt „Urlaubsschule“.

Momentan sind hier in Peru Sommerferien und die werden von vielen Lehramtsstudenten für ihr Schulpraktikum genutzt. Aus diesem Umstand heraus entstanden auch dieses Jahr an verschiedenen Orten in Chorrillos Schulen für Kinder, deren Eltern arbeiten müssen oder deren Eltern wollten, dass sie auf das kommende Schuljahr vorbereitet werden.

Die Schulen sind bis auf einen kleinen Aufpreis für Anfahrt und Material der Lehrer kostenlos – was in Peru nicht üblich ist – und bedienen Schüler von Klasse eins bis sechs. Pro Klasse gibt es zwei Lehrer. Es gab drei Unterrichtsfächer: matemáticas (Mathe), comunicación (wäre bei uns Deutsch, ist hier aber natürlich Spanisch) und talleres (Handarbeit).

Miriam und ich wurden als Hilfskräfte an verschiedenen Schulen zur Verfügung gestellt.

Miriams Stelle war direkt vor unserer Haustür im Gebäude links von unserer Wohnung. Sie hatte Montags und Freitags Unterricht.

Meine Stelle war in Räumlichkeiten der Casa de los Talentos und der Kirche Sagrado corazón. Bei mir gab es nur Klasse eins bis fünf. Die Klassenräume der Ersten, Zweiten und Dritten lagen im Rückgebäude der Kirche und die der Vierten und Fünften im Haus der Talente.

Klassenzimmer in der Casa de los Talentos

Meine Unterrichtszeiten gingen von 9 Uhr bis 12:30 Uhr am Montag, Mittwoch und Freitag.

Ich habe jeden Tag in einer anderen Klassenstufe verbracht und ausgeholfen, bis das Rotationssystem wieder von vorne begonnen hat.

Da ich keine ausgebildete Lehrkraft bin, konnte ich natürlich nur bei einzelnen Aufgaben unterstützen und nicht den Unterricht mitvorbereiten. So habe ich meine Zeit damit verbracht, den Kindern beim Lesen und Schreiben zu helfen, Papiere zurechtzuschneiden, Dinge zusammenzukleben, Sachen während talleres anzumalen, Kinder zur Toilette zu begleiten, Blätter kopieren zu gehen, in den Pausen mit den Kindern zu spielen und Früchte zu zerhacken für viele, viele Obstsalate.

Natürlich kamen von den Kindern oft Fragen wie beispielsweise:

Woher kommst du? (Antwort: Aus Deutschland. München, um genau zu sein.)

Wie ist Deutschland? (Schön. Im Moment aber sehr kalt.)

Studierst du hier? (Nein, ich bin Freiwillige und arbeite nachmittags im Haus der Talente.)

Magst du Deutschland? (Ja.)

Was für eine Augenfarbe hast du? (*Kind, das die Frage gestellt hat, schreit die Antwort heraus, bevor ich antworten kann* Grün! *anderes Kind, das daneben steht steigt ein und widerspricht* Nein, braun! *Kinder streiten sich um meine Augenfarbe und ich stehe als die Sätze komplizierter werden verwirrt daneben, weil ich dem Gespräch nicht mehr folgen kann*)

Wo ist deine Familie? (In Deutschland.)

Gibt es in Deutschland Schnee? (Ja. Ich bekomme im Moment ganz viele Fotos vom verschneiten München.)

Sind deine Haare gefärbt? (Nein. Das ist natürlich.)

Was ist dein Lieblingsessen aus Peru? (Arroz Chaufa.)

Kannst du Englisch? (Ja. Ich kann Englisch, Deutsch und lerne Spanisch.)

Magst du tanzen? (Ja, aber ich kann es nicht besonders gut.)

Magst du Volleyball? (Ja, aber ich kann es nicht besonders gut.)

Magst du Fußball? (Ja, aber ich kann es nicht besonders gut.)

Bist du verliebt? (Nein.)

Wieso bist du nicht verliebt? (*stotternde Geräusche, da ich nicht weiß, was ich darauf antworten soll*)

Aber ich wurde auch in die jeweilige Klassengemeinschaft integriert und habe so erfahren, wer in wen verliebt ist und wer mit wem gerade streitet, wer Volleyball mag und wer Fußball bevorzugt.

An sich hat die Urlaubsschule extrem Spaß gemacht, meinen Spanischkenntnissen geholfen und mein Dasein hat ebenfalls viele von den Kindern dazu motiviert, ins Haus der Talente zu gehen.

Die Schule ging bis zum 17. Februar, aber die Prüfungen fanden bereits am 13. statt, was der Grund dafür war, dass es am 15. ein Tanzfest gab, an dem die vielen verschiedenen Schulen in San Genaro zum Sportplatz meiner Stelle gekommen sind und dort gegeneinander angetreten sind.

Es war laut und heiß und ein sehr schöner Abschluss.

Ich habe für die Kinder und Lehrer meiner Schule Brownies gebacken, die sehr gut angekommen sind.

Am 17. wurden Zeugnisse verteilt und kleine Klassenfeste veranstaltet.

Das wars auch schon wieder,

deine Lisa.

Ein paar Spiele zum Mitnehmen bitte

Hallo ihr Lieben,

es wird wieder Zeit für einen neuen Blogeintrag.

Ich habe mir gedacht, ihr habt fast gar nichts über das Haus der Talente gehört.

Was man über das Haus der Talente wissen sollte: Es ist eine Einrichtung für Kinder und Jugendliche. Ein Art Jugendzentrum, geründet von Pater Juan. Weiterlesen

Mauerupdate – Nein, Mexiko zahlt nicht dafür

Buenas, mein Freund!

Wie du – soweit du meine vorherigen Blogeinträge gelesen hast – bereits weißt, haben Miriam und ich eine Mauer in Santa Rosa mit Blumen behängt.

Damit sind wir auch schon vor einiger Zeit fertig geworden.

Aber – wie das halt so ist – war unsere Arbeit damit noch nicht vorbei.

Am 30. Januar sind wir zusammen mit einem anderen nicht-MaZ-Freiwilligen namens David dorthin zurückgekehrt und haben die abgestorbenen Pflanzen ausgewechselt und ein Mandala an die Wand gemalt.

Die Arbeit hat insgesamt von 13 Uhr bis 22 Uhr gedauert und am Ende – Pater Juan hat uns lieber Weise nach Hause gefahren, weil er gerade vor Ort war – ist auch noch der Farbtopf auf die Sitzbezüge gekippt, weil der Deckel sich nicht richtig hat schließen lassen.

Im Folgenden gibt es ein paar Eindrücke von unserer Arbeit und dem Endprodukt.

Ciao,

deine Lisa.

Feuerwerk an Weihnachten, Strand an Silvester

Fröhliche Weihnachten und ein gutes, neues Jahr! (Ich denke, ein ‚nachträglich‘ wäre hier recht passend.)

Nun doch etwas verspätet – sorry dafür – gibt es jetzt einen kleinen Text über die Feiertage und wie Miri und ich sie hier, in Lima verbracht haben.

Beginnen wir mit Weihnachten:

An sich läuft der Heiligabend in Peru – unseres Wissens nach – so ab:

Den Tag über gibt es keine größeren Mahlzeiten, irgendwann – je nach Haushalt – geht man in eine Weihnachtsmesse und nach Mitternacht – also in gewisser Weise schon am 1. Weihnachtsfeiertag – wird gegessen und es werden Geschenke verteilt. Ebenfalls um, bzw. kurz nach, Mitternacht gibt es überall – eher weniger legale – Feuerwerke und es wird mit der Familie, Freunden und auf der Straße auch mit Nachbarn gefeiert.

Nun zu unserem Heiligabend:

Aufgrund der sommerlichen Hitze – denn, nur um das noch einmal in Erinnerung zu rufen, hier ist im Moment Sommer und die Kinder haben Sommerferien – hat sich weder Miris, noch meine Weihnachtsstimmung an Heiligabend wirklich eingestellt.

Wir hatten zwar einige Komponenten für ein schönes Weihnachtsfest zur Verfügung: freier Tag, Bäumchen (eher Heckchen, aber dazu später mehr), Geschenke, Familie per Skype, Plätzchen, – zumindest für Miriam – Standardweihnachtsessen, Weihnachtsmusik per Internet, …

Aber die Stimmung kam einfach nicht recht auf.

Wir haben den Großteil des Tages eher trübsinnig und still verbracht, weil man an Weihnachten nun einmal gerne mit der Familie zusammen wäre, aber das war leider nicht direkt möglich. Wir konnten zwar mit unseren Eltern skypen, aber irgendwie war es eben nicht das Wahre.

Aber dann, dann kam die Bescherung.

Unter unserer Weihnachtshecke – um dazu eine kurze Vorgeschichte zu geben: In Lima gibt es um diese Jahreszeit keine Tannen und da Hecken mehr oder weniger wie Tannen aussehen, kann man sich eine kleine Hecke kaufen, wenn man keinen Plastikbaum will – hat das Christkind zum Klang von einer Spotify-Playlist die Geschenke deponiert. Es war bereits abends – den Baum haben wir Nachmittags geschmückt – dementsprechend dunkel und die – leider – bunten Lichter unserer kleinen Lichterkette haben unsere goldenen Weihnachtsbirnen feierlich erleuchtet. Neben Weihnachtsbirnen hingen auch noch rot-glitzernde Weihnachtsäpfel, ein Bärchen, ein Kugelpaar, das den Weihnachtsmann darstellen sollte und ein pinker, glitzriger Schmetterling als Stern am Baum – nur um das klar zustellen, da wir sowieso kein richtiges Zuhauseweihnachten haben konnten, haben wir uns die grässlich-schönsten Dinge im Einkaufszentrum besorgt, die wir finden konnten.

Weihnachtsstimmung in Heckenform

Unter unserer in vollkommener Schönheit erstrahlenden Weihnachtshecke lagen nun dank des Christkinds wahrhaft einzigartige Geschenke, die von farbenprächtigen Fabelwesen bis hin zu zweckentfremdeten Glücksspielen schwankten. Da das Christkind uns beiden Essen geschenkt hatte, brachen wir das peruanische Heiligabendfastentum frühzeitig und ergötzten uns am Boden unseres Eingangszimmers an multikulturellen Speisen, die mit teuren Getränken heruntergespült wurden. So und nicht anders haben wir es geschafft, trotz Hitze und Sommerkleidern, trotz fehlender Familie und bunten Lichterketten, ein Weihnachtsgefühl zu haben, das sich als solches beschreiben ließ.

Wir müssen voller Schande und Scham zugeben, dass wir diesen Funken Weihnachten, den wir gespürt haben, nicht aufgeben wollten und deshalb die erste Messe verpasst haben und stattdessen mit einem Freund aus Deutschland geskypt und gefeiert haben. Zu der zweiten Weihnachtsmesse, zu der uns Juan eingeladen hatte, sind wir etwas zu spät gekommen, da entgegen unserer Gewohnheit keine Busse in die Richtung der Kirche gefahren sind und der Weg zu Fuß deutlich länger dauert. Wir haben uns beeilt, haben es aber nicht mehr perfekt geschafft.

Gegen Ende der Messe hat Miriam – ganz im Gegensatz zu meiner Prophezeiung, dass ich in Tränen ausbrechen würde – begonnen zu weinen. Die Messe war schön, aber Heimweh ist nun einmal eine starke Emotion.

Nach nicht allzu langer Zeit haben sich die Tränen gelegt – auch wenn ich wegen eines Kommentars über den heimischen Schweinebraten, den ich dieses Jahr nicht an Weihnachten zu mir nehmen würde, ebenfalls den Tränen nahe war, denn ja, manchmal weint man wegen Essen – und wir sind zusammen mit Pater Juan zurück nach Hause gefahren. Wir haben Miris Lasagne – das Heiligabendessen ihrer Familie – mit zu den Patern genommen und uns um Mitternacht das Feuerwerk vom Dach aus angeschaut. Die Sicht, die wir hatten, war nicht zu toppen, da wir wegen unserer Lage im Viertel bereits erhöht wohnen und das Haus der Paters ebenfalls recht weit nach oben geht. Wir hatten einen wundervollen Panoramablick über Chorrillos und konnten sogar bis nach Miraflores sehen.

Der ganze Himmel hat geleuchtet.

Nachdem wir uns sattgesehen hatten, haben wir zusammen mit den Patern gegessen und haben ihnen ihre Geschenke – vor allem Plätzchen und ein Schreikissen für Juan – übergeben.

Irgendwann sind wir müde ins Bett gefallen.

Die Weihnachtsfeiertage haben wir vorwiegend essend und in der Kirche verbracht.

Jetzt zu Silvester:

Silvester wollten wir in der Innenstadt, in Barranco und Miraflores verbringen.

Wir haben uns zwei Betten in einem Hostel in der Nähe des Strands in Barranco genommen und sind daraufhin zum Kennedypark gefahren. Wir haben nette Leute – teils Peruaner, teils Europäer – kennengelernt und sind in Larcomar ins neue Jahr gerutscht. Larcomar liegt direkt oben an der Hochküste und dementsprechend konnten wir auch hier die Silvesterfeuerwerke in verschiedenen Vierteln beobachten. Einige Leute in Chorrillos haben gleichzeitig fünf Minuten vor Neujahr angefangen die Raketen in die Luft zu schießen. Fünf Minuten später ist dann der Rest gefolgt.

Da wir den ganzen Abend bereits mit einer Flasche Wein durch die Gegend gelaufen sind, haben wir uns nach einem mehr oder weniger kurzen Kampf mit dem Korken an den heimischen Strand gesetzt und dort unseren Wein getrunken. Nachdem die ganze Welt ins neue Jahr gerutscht ist, sind wir schlafen gegangen.

Ciao, mein lieber Leser und liebe Grüße aus dem Sommer,

Lisa

 

Nebel oder nicht Nebel, egal die Sonne scheint immer

Ich musste ehrlich gesagt lange überlegen, über was ich schreiben soll. Mittlerweile ist alles so normal geworden, dass man sich über vieles einfach nicht mehr wundert oder einfach nur vor sich hinlächelt, wenn man das ein oder andere sieht oder hört.

Etwas kleines Besonderes ist diese Wochen aber doch passiert. Lisa und ich waren das erste Mal am Strand schwimmen.

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Denn Zeit ist Leben. Und das Leben wohnt im Herzen. – Momo, Michael Ende

Hola, lieber Leser! Wie gehts, wie stehts?

Der 23. Oktober war ein ruhiger Sonntag. Ein etwas zu ruhiger Sonntag. Wir haben uns nämlich ziemlich gelangweilt in unserer Wohnung. Und wie wir Neunzigerkinder im Laufe unseres Lebens gelernt haben, ist die Lösung für Langweile das Internet (du weißt doch, dass ich nur die Wahrheit sage, auch wenn es dir nicht gefällt).

Nun ja, zurück zum Thema.

An diesem Sonntag habe ich also ein wenig im Internet gesurft und ein – meiner Meinung nach – sehr cooles Upcycling-Projekt gefunden. Es ist nämlich möglich, aus großen Trinkplastikflaschen (von denen wir zur genüge haben, da wir das Wasser aus dem Hahn nicht trinken können) Blumentöpfe zu machen. Man benötigt nur eine Schere eine Nadel und einen stabilen Faden sowie – natürlich – die Flasche. Weiterlesen

Karaoke, Weihnachtsplätzchen, Theater und einiges mehr

Hallihallo meine Lieben,

endlich habe ich auch mal geschafft wieder zu updaten.

Hier ist einfach so viel los, dass man das fast vergisst, fast.

In den letzten Wochen haben wir uns hauptsächlich auf zwei Sachen konzentriert, das Theater und einen hängenden Blumengarten in Santa Rosa der Kirche mit dem neuen Fenster.

Das Theater macht mir riesigen Spaß. Wir führen am 16. Dezember Jesus Christus Superstar auf und die Proben sind gerade im Endspurt.

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Verlieren ist keine Option

Hola mis amigos, ¿Qué tal?

Endlich sind wir auch als letzte in unserem Einsatzland angekommen.

In Peru, genauer gesagt Lima, die Hauptstadt.

In diesen zwei kurzen Wochen haben wir schon so viel erlebt, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Ich habe so viele neue Menschen kennen gelernt und genauso viele Namen auch schon wieder vergessen.

Der erste Eindruck als wir aus dem Flugzeug gestiegen und endlich peruanischen Boden betreten haben, war: Es ist voll.

Lima hat ca. 9 Millionen offizielle Einwohner, inoffiziell sind es vielleicht 10-11 Millionen. Ich muss sagen, ich war mir dessen nicht ganz so bewusst bis ich gesehen habe, was das bedeutet. All diese Menschen konzentrieren sich auf eine Fläche, die so groß ist wie Luxemburg, Weiterlesen

Lang lebe die Kartoffel! – Meine ersten 2 Wochen in Lima, Peru

Buenos dias./Buenas tardes./Buenas noches. (Such es dir aus, lieber Leser, je nach deiner bevorzugten Zeitzone!)

Vor zwei Wochen hat sich Futur in Präsens gewandelt und nun muss ich anstatt: ‚Ich werde nach Peru gehen.‘, sagen: ‚Ich bin in Peru.‘. Weiterlesen