Archiv der Kategorie: Peru

Bunte Weihnachten, Navidad colorida!

Meine liebe Familie, liebe Freunde, liebe Unterstützer! Mis queridos amigos del Perú!

 

Wo Grenzen verbinden, statt trennen…

Wo Differenzen nicht abstoßen, sondern bereichern…

Wo Menschen aus ihrer Komfortzone treten…

Wo die Vielfalt der Menschen aufblühen kann…

Wo Weihnachten auch bis in´s Neue Jahr getragen wird…

 

…DA kann sich das Herz öffnen für die Liebe Gottes, die uns stets umgibt.

 

In diesem Sinne wünsche Ich  euch  von Herzen ein besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Start in das Jahr 2019.

Seit August bin Ich nun wieder zurück aus Peru und habe mein dreimonatiges Pflegepraktikum im Ostalbklinikum abgeschlossen. Auch wenn es eine Herausforderung für mich ist, wieder in Deutschland anzukommen, bin ich doch voller Zuversicht. Ich genieße die Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden, die ich ein Jahr nicht gesehen habe. Sie sind Heimat, Rückenwind und durch ihre bedingungslose Liebe tragen sie mich.

Auf einem der Bilder sind vier Freunde aus vier verschiedenen Ländern abgebildet. Pfarrer Juan aus Peru, Schwester Hang aus Vietnam, Schwester Sebastiana aus Brasilien und Ich aus Deutschland. Menschen, die aus unterschiedlichen Kulturen kommen, zusammentreffen und sich gegenseitig ungemein bereichern. Differenzen existieren immer, zwischen Menschen mit unterschiedlicher Herkunft, aber auch innerhalb eines Landes. Diese Unterschiede machen uns einzigartig mit allem was wir sind und was wir tun.  Viel wichtiger als die Frage, wo man Heilig Abend verbringt, ist doch der Gedanke, ob man Weihnachten und die damit verbundene Botschaft im Herzen trägt.

Bald werdet Ihr wieder mehr von mir hören, über die restliche Zeit, die Ich bis August in Peru verbrachte, über mein Ankommen in Deutschland und darüber, wie es nun bei mir weitergeht 🙂 Bis dahin eine gute Zeit Euch, bis bald!

 

Donde fronteras nos hacen unir en lugar de separarnos…

Donde diferencias ayuden en lugar de embargar…

Donde el hombre se escapa del comfort…

Donde la diversidad del ser humano puede dar frutas…

Donde Navidad se lleva todavía al Año Nuevo…

 

…Pues ahí  se puede abrir el corazón por el amor de Dios.

 

Así les deseo cordialmente una feliz Navidad y un buen Año Nuevo 2019.

En agosto regresé a Alemania y de ahí, en diciembre, acabé mis tres meses de práctica trabajando en hospital para ingresar a la universidad (ojalá que pronto). Aunque me cuesta fuerza llegar mentalmente a Alemania, tengo esperanza y fé. Estoy disfrutando el tiempo con mi familia y mis queridos amigos cuales no pude ver por un año. Ellos también son apoyo, hogar y Yo aprecio su amor incondicional.

En una de las fotos se puede ver cuatros amigos de cuatro diferentes países. Padre Juan del Perú, la Hermana Hang del Vietnam, la Hermana Sebastiana del Brasil y Yo de Alemania. Somos personas que vienen de diferentes culturas que se encuentren y que se fondean el uno al otro. Siempre habrá diferencias, entre personas con diferente orígen como también entre hombres dentro de un mismo país. Estas diferencias nos hacen únicos con todo lo que somos y lo que estamos haciendo. Pues, no se trata tanto del lugar donde se pasa la Noche Santa sino mucho más importante es pensar en llevar Navidad y su mensaje en nuestros corazónes.

Un fuerte abrazo a la distancia para mis amigos de mi querido Perú. Nos veremos pronto.

En el Año Nuevo podrán leer más de mi, de mi último tiempo que he pasado allá hasta el agósto, de mi llegada en Alemania y como sigo con mi vidad acá en Alemania. Pues, que tengan un buen tiempo misamigos, hasta pronto!

 

Es grüßt ganz herzlich / Saludos cordiales

Eure Marlene Helena / De la Marlenita

 

Vier Gringas auf den Spuren der Inkas – Unsere Reise im Süden Perus

San Genaro, den 03.06.2018

Rucksack gepackt, Sonnenhut auf und Kamera um den Hals gewickelt? Meine lieben Freunde und Leser, habt ihr euch auch schon einmal so richtig touristisch gefühlt? Seit meinem Aufenthalt hier in Peru habe ich das Gefühl vom „Tourist sein“ irgendwie fast vergessen, meine Reisen bisher waren eher weniger touristisch und das ist wertvoll. Jedoch, um unter anderem eines der sieben Weltwunder zu sehen, war es notwendig, in den sauren Apfel zu beißen, denn wir vier Gringas (üblicher Ausdruck für Ausländer, wurde ursprünglich für die Bürger der Vereinigten Staaten verwendet, ist nicht als abwertend zu verstehen) machten uns auf den Weg ins touristische Zentrum Perus. So viel sei schon mal zu Beginn gesagt: Peru ist reich beschenkt von einer unglaublich wundervollen Natur!

Erste Station: Cusco, Zentrum des peruanischen Hochlandes

Von Meereshöhe flogen wir in einer Stunde nach Cusco, die Hauptstadt des damaligen Inkareichs (indigene urbane Kultur), welche auf circa 3400 Meter liegt. Ein beachtliche Höhe, an die wir uns alle erst einmal gewöhnen mussten. Höhen- und Kopfschmerztabletten gehörten zur täglichen Nahrungsaufnahme. Angekommen in unserer Unterkunft erlebte ich schon die erste Überraschung: Nach mehr als sieben Monaten durfte ich das erste Mal wieder eine richtig heiße Dusche genießen. Meine Haut schien sich aufzulösen, so weich wie sich das angefühlt hat. Freude machte sich in mir breit, ich fühlte mich wie neu geboren.

Den ersten Tag verbrachten wir in der Stadt selbst und schlenderten auf dem Markt herum, auf dem man die beliebten Perupullis usw., übrigens um einiges billiger, bekommt. Sonst haben wir uns einen gemütlichen Tag gemacht, weitere Touren geplant und uns mit Cocatee gestärkt, von dem man aber leider ziemlich oft auf die Toilette musste… Und nein, Cocatee ist keine Droge, bis zum Kokain fehlen einige chemische Verfahren 🙂

Diospi Suyana: Im Vertrauen auf Gott Visionen leben

Am Tag darauf stand für mich ein besonderer, auch persönlicher, Ausflug an. Circa 2,5 Stunden außerhalb Cuscos, in Curahuasi, besuchten wir das Krankenhaus „Diospi Suyana“ (aus dem Quechua: Vertrauen auf Gott), welches von dem deutschen Ärzteehepaar Klaus-Dieter und Martina John gemeinsam mit dem deutschen Trägerverein „Diospi Suyana“ aufgebaut wurde. Mit viel Arbeit, Vertrauen, Privat- und Firmenspenden wurde etwas Wunderbares möglich. Täglich ist das Krankenhaus überbesucht; durch wöchentliche Losungen wird festgelegt, wer einen Termin bekommt. Patienten, die schon länger warten, werden zusätzlich auf eine Liste geschrieben, sodass möglichst alle früher oder später die Möglichkeit haben, untersucht zu werden.

Generell wird versucht, dass die Patienten ihre Kosten selbst übernehmen, jedoch gibt es immer wieder Ausnahmefälle (die von einer Sozialarbeiterin geprüft werden), in denen das Krankenhaus die Kosten übernimmt oder aushilft. Es gibt deutsche, peruanische, chilenische, australische, und international vielfältige Angestellte in Diospi Suyana. Kranke reisen oft von weit weg an (auch teilweise aus dem umgebenden Ausland), um in Curahuasi versorgt zu werden. Um die Wartezeit zu versüßen laufen regelmäßig Filmchen über die Entstehung des Krankenhauses oder biblische Einheiten.

Diospi Suyana besteht aus mehreren Bereichen und ist mit Geräten ausgestattet, die dem deutschen Standard gerecht werden, sogar teils übertreffen. Krankenstation, Notfallaufnahme, OP-Säle, Logopädiezentrum, Zahnarztpraxis, bereitstehende Augenarztpraxis (Augenarzt noch gesucht), EEG (Elektroenzephalografie), Kreissaal, Labore, Bibliothek, eigenes Medienzentrum (es wird viel Öffentlichkeitsarbeit durch Radio, Fernsehen, usw. geleistet), eigene Kapelle (jeden Morgen gibt es eine Messe für Mitarbeiter und Patienten), eigenes Amphitheater für Veranstaltungen: das sind einige der Bereiche die durch jahrelange Arbeit aufgebaut wurden.

Für mich war dieser Tag hochmotivierend und besonders. Mein Wunsch, Medizin zu studieren und selbst mal als Ärztin tätig zu sein, wurde wieder mal bestätigt, auf eine Art und Weise, die mich begeistert und motiviert. Am Schluss konnten wir Martina John noch kurz sehen. Meiner Meinung nach ist sie eine starke Frau, die auch unter Hochstress ihr Lachen, ihre Überzeugung, ihre Motivation und ihren Glauben nicht verliert. Ihr Mann ist die meiste Zeit auf Reisen und hält Vorträge über ihr gemeinsames Projekt.

Machu Picchu: Auf den Spuren der Inkas

Ein Highlight war die alte Inkastätte Machu Picchu, die seit dem 15. Jahrhundert gut erhalten blieb und Anfang des 20. Jahrhunderts wieder entdeckt wurde. Die Inkas herrschten zwischen dem 13.und 16. Jahrhundert, auch über Peru hinaus, bis die Spanier dann das Land eroberten. Machu Picchu (aus dem Quechua: alter Gipfel) liegt auf 2400 Metern und bedarf mehr als einer Tagesreise, um ihn zu bewundern.

So machten wir uns auf den Weg mit dem Combi (Kleinbus) nach Hidroeléctrica. Dort angekommen nach sieben Stunden holpriger Fahrt ging es dann erst richtig los. Rund zehn Kilometer wanderten wir dann an den Zugschienen entlang. Dieser Weg war wunderbar, eine atemberaubende Natur. Ich hätte ewig so laufen können, entlang am Fluss. Am Abend erreichten wir Aguas Calientes, die letzte Station bevor es hoch auf den Berg ging. Nach einer kurzen Nacht standen wir pünktlich um vier Uhr morgens bereit und der Bus brachte uns hoch.

Machu Picchu selbst war sehr eindrücklich und auch mit dem Wetter hatten wir Glück: Erst sehr neblig, jedoch erzeugte dies eine mysteriöse Stimmung, die besonders war. Und dann kam die Sonne raus und wir konnten nun auch den Huayna Picchu betrachten. Nach einer Führung durch die damaligen Häuser, Klassenräume usw. verbrachten wir noch ein Weilchen und genossen den Ausblick.

Dann liefen wir wieder die ganze Wanderstrecke zurück, fuhren von Hidroeléctrica nach Cusco und fielen erschöpft, aber glücklich in unser Bett.

Zweite Station: Puno am Titicacasee

Nachdem wir am letzten Tag in Cusco noch die Salzterrassen bestaunten verbrachten wir eine Nacht im Bus in Richtung Puno. Am Titicacasee waren wir einen Tag und fuhren auf die Inselgruppe „Uros“. Dieser Ausflug hat mich ein wenig enttäuscht muss ich sagen. Der See ist wunderschön, kein Frage. Die Tour zu den Einheimischen der Inseln (noch heute leben dort Menschen und fahren wöchentlich nach Puno rein, um Lebensmittel zu kaufen) war für mich jedoch ein bisschen abschreckend. Statt einfach zu zeigen, wie sie wirklich leben hat es für mich eher wie ein Zirkus zur Bespaßung der Touristen gewirkt, wir wurden fast gedrängt auf ein kleines Boot für ein bisschen Kleingeld zu steigen, um auf dem See zehn Minuten zu fahren.

Für mich war das eine Welt, in der ich mich nicht wohlgefühlt habe und ich bedauere es, dass richtige Touristen nur diesen Einblick in Peru bekommen. Das ist sehr schade. Aber auch über diese Erfahrung bin ich dankbar, da ich so die Unterschiede zwischen den Touristenorten und San Genaro in Chorrillos noch klarer fassen kann.

Jedoch waren wir nur kurz in Puno und haben nur die erste Inselgruppe besucht, David meinte zum Beispiel, dass es ihm sehr gut gefallen hat. Vielleicht hätte ich dort nochmal einen anderen Eindruck bekommen. Deshalb: jeder macht andere Erfahrungen, meine war dieses Mal zwiegespalten, gelohnt hat es sich allemal.

Dritte Station: Arequipa, Besuch bei Patricia

Nach einer weiteren Nacht im Bus, kamen wir in Arequipa an, wo Patricia auf uns wartete. Sie ist eine weitere Freiwillige unserer Organisation und ich freute mich sehr, sie wieder zu sehen und endlich ihr Projekt kennenzulernen. Auch mit Pater Conrado konnte ich Bekanntschaft schließen und besuchte am Abend seinen Gottesdienst. Patricia hat uns die Stadt gezeigt, ich muss sagen Arequipa ist eine der schönsten, die ich bis jetzt gesehen habe.

Colca-Canyon: Touristenschock und wundervolle Natur

Eines der vielen Naturwunder Perus, die man gesehen haben sollte, ist definitiv der Colca-Canyon. Mit bis zu 3.200 Metern Tiefe ist er einer der größten Canyons weltweit. Wir waren zwei Tage unterwegs und es war wirklich schön. Ich saß im Bus und konnte nicht aufhören aus dem Fenster zu schauen und zu staunen. Weite Landschaften, Vulkane und schneebedeckte Berge, Tiere, die man selten sieht,… Am Abend genossen wir die wilde Landschaft von den Thermalbädern aus, die sich im Freien direkt am Fluss befanden. Ein Traum. Am zweiten Tag kamen wir dann am Cruz del Condor an, diejenige Stelle, an der man mit ein bisschen Glück und Geduld die Andenkondore zu Gesicht bekommt. Sie zählen zu einen der schwersten Greifvögel und können eine Spannweite von bis zu über 300 Zentimeter erreichen. Diese Vögel waren beeindruckend und gewaltig.

Der Colca-Canyon hat mir sehr gefallen; einzige Krux an der Sache: Wir waren mit einem Bus voller Touristen unterwegs. Das ist normal, für mich war das aber echt ein kleiner Kulturschock. Bei dem Verhalten der Touristen blieb mir manchmal der Mund offen stehen, eine Frau, die ein Babyalpaka fast gewalttätig festhält, nur um ein perfektes Foto zu schießen war dabei nur eine von vielen Situationen in denen ich mich fremd geschämt habe. Auch, dass der Bus alle zehn Minuten an Verkaufsständen auf dem Weg anhielt (dabei gibt es wirklich bei jedem Stand dasselbe zu erwerben) und alle aus dem Bus rausstürmten als wäre nur heute SALE; das war einfach zu viel.

Ich kam mir noch nie so fremd unter Touristen vor, wie an diesen zwei Tagen. Leichtes Heimweh nach San Genaro machte sich breit :).

Kindergarten und Kloster

Am letzten Tag besuchten wir noch den Kindergarten, in dem Patricia ein Jahr lang als Missionarin auf Zeit arbeitet. In einem Viertel prekärer Verhältnisse befindet sich dieser, direkt neben einer Kapelle der Combonis. Sofort haben wir Mädels uns in die Kinder verliebt. Der Kindergarten gefiel mir gut, er war sehr geräumig, bot gute Spielmöglichkeiten und Gruppenräume. Mein Herz ging auf, als ich sah, dass die Kinder (teils erst drei Jahre alt) schon Paartanz lernen. Es war zu süß… vor allem als dann auf einmal zwei Jungs um die Gunst eines Mädels buhlten. Ach Kind sein ist schon etwas Schönes…

Außerdem besuchten wir noch das Kloster Santa Catalina in Arequipa, in dem noch heute circa 20 Nonnen leben. Es war groß und wirklich schön, eine kleine Stadt in der Stadt.

Schon wieder Abschied…

Die Zeit mit meinen Liebsten verflog viel zu schnell, wie erwartet. Wir verbrachten eine wunderbare Zeit, für mich ist es sehr wertvoll, dass sie gesehen haben, wo ich lebe und arbeite. Die Reise war auch wunderschön, wenn auch anstrengend und für mich mit einem kleinen Tourismusschock verbunden. Jedoch waren ja auch einige Punkte auf dem Programm, die alles andere als touristisch waren, deshalb: Ein super gutes Gefühl bleibt.

Oft kann man dem Tourismus nicht entgehen, aber immer kann man sich selbst treu bleiben und seine Prioritäten setzen.

In diesem Sinne, habt eine schöne Woche meine lieben, grüßt mir die Heimat und bis ganz bald 🙂

Muchos saludos!

Eure Marlene Helena

(Nur) An Ostern Auferstehung? – Fundamente des Glaubens

San Genaro, den 02.06.2018

Warum feiern wir Ostern? Für die einen spielt dieses Fest keine sonderlich große Rolle, für die anderen ist es ein Fest, nach der Fastenzeit endlich wieder naschen zu dürfen, die nächsten feiern es einfach mit, weil es „halt dazu gehört“, wieder andere gehen in die Kirche, und für einige ist Ostern der Tag, an dem Jesus auferstand. Das sind nur wenige der Bedeutungen, die diesem Fest zugeschrieben werden. Oft sind bestimmte Feiern des Jahres so selbstverständlich, dass man sich nicht viele Gedanken um die Bedeutung macht. Dabei geht es nicht um eine generelle Anleitung, sondern vielmehr darum: Wie stehe ich zu Ostern? Ich persönlich, als Christin, bin etwas herausgefordert.

Klar, ich glaube daran, dass Jesus auferstanden ist und Gott dreieinig ist. Aber das hört sich immer sehr platt an, ich kann gut verstehen, dass ein Atheist mit dieser Aussage nicht viel anfangen kann bzw. sofort in der Lage ist mit vielen Argumenten zu kontern. Und dabei wären wir schon bei einer wichtigen Sache: Geht es wirklich immer darum die besten Argumente zu liefern, um den anderen zu überzeugen?

Fragwürdig… denn, meiner Meinung nach, wird ein Atheist nicht durch ein Gespräch mit einer überzeugten christlichen Person zum Gläubigen und anders herum ebenfalls nicht. Vielmehr sollte es doch um den Austausch auf Augenhöhe gehen, der ist oft viel ertrag- und erkenntnisreicher. Jeden da abholen, wo er steht, statt großem Gerede über etwas, zu dem das Gegenüber teilweise nicht den geringsten Bezug hat.

Mit meinen Mädels, die zu Besuch waren (mehr darüber gibt es weiter unten), hatte ich ein interessantes Gespräch zusammen mit einem Christ. Durch meine Freundin lagen dem Gespräch eine atheistische und eine christliche Lebenseinstellung zur Basis. Wir haben über vieles gesprochen wie Familie, Glaube, Sexualleben, und vieles mehr.

Es war sehr interessant und horizonterweiternd, dieses Gespräch werde ich so schnell nicht vergessen. Ich bin sehr dankbar über jede Möglichkeit, mit so viel Achtung und Respekt zu diskutieren, ohne seinen eigenen Standpunkt abzuschwächen oder ihm untreu zu werden. Von meinem Gegenüber konnte ich so manches mitnehmen und lernen. Zuhören, Respekt zeigen und auf Augenhöhe argumentieren. Das fehlt mir so oft in Auseinandersetzungen zwischen Gläubigen unterschiedlicher Religionen oder Nichtgläubigen.

Um zurück zu kommen zum Fest der Auferstehung: Für mich ist Jesus ein Freund, der mich auf Schritt und Tritt begleitet. Ich schöpfe viel Kraft aus meinem Glauben. Ich schöpfe aber auch viel aus Konversationen mit den unterschiedlichsten Menschen. Und wenn du Lust hast, kannst du ja nun mal selbst in dich hinein hören und dich fragen: Was bedeutet Ostern für mich?

Außerdem stellt sich mir auch die Frage, ob wir tief im Herzen nur an einem Tag im Jahr die Auferstehung feiern sollten. Letztendlich ist doch eigentlich jeden Tag Ostern, da ich jeden Tag aufs Neue Jesus an meiner Seite habe.

Und wenn du wirklich überhaupt nichts mit diesem christlichen Fest anfangen kannst? Dann ist das auch vollkommen in Ordnung 🙂 Jeder ist frei und jeder Mensch hat seine berechtigten Gedankengänge und Lebenseinstellungen. Differenzen existieren, immer. Die Aufgabe ist, diese anzunehmen und ihnen nicht den Rücken zuzukehren.

Besuch aus der Heimat

Unglaublich aber wahr, die Zeit rennt. Am 26.03.2018 erwartete ich voller Aufregung meine Schwester Miriam, meine Cousine Anna und meine Freundin Julia. Leider mussten Miri und Anna eine Nacht in Amsterdam bleiben, da es Probleme mit dem Flug gab. So verbrachten Juli, die aus Hamburg einflog, und ich eine Nacht zu zweit:) Am nächsten Tag machten wir mit Juan, Pater José und Roberto einen Ausflug zu „Punta Negra“, ein wirklich wunderschöner Strand, nicht weit entfernt von „Punta Hermosa“ bei dem wir aber leider nie angekommen waren. Dabei waren auch David und seine Familie, die zu dieser Zeit ebenso in Peru war, um ihn zu besuchen. Es war ein wundervoller und heißer Tag an einem Strand wie im Paradies.

Am selben Nachmittag war es dann endlich soweit: Ich konnte meine Schwester und meine Cousine in die Arme schließen. Das war schon besonders. Nach mehr als sieben Monaten war die Wiedersehensfreude groß.

Einblick in mein Leben gewähren

Die erste Woche verbrachten wir in Lima. Ich zeigte ihnen das Haus der Talente, die Kinder bastelten mit Davids Familie Osterkerzen. Gleich am zweiten Tag waren wir auch surfen in Barranco, bei meinen Freunden. Das war sehr schön und die Mädels haben eine super Figur auf den Brettern gemacht 🙂 Eine Fahrt ins Zentrum von Lima gehörte auch zum Programm. Es war schön, die „Organisatorin“ zu sein und Einblick in meine zweite Heimat zu gewähren, den sprachlichen Teil zu übernehmen und immer wieder kleine Geschichten von meinem bisherigen Aufenthalt zu erzählen.

Meine Mädels waren super drauf und haben sich interessiert. Ich bin so dankbar, dass sie sich auf die Reise zu mir gemacht haben. Auch meine Freundin Paty haben sie kennengelernt. Paty´s Schwester war ganz begeistert vom deutschen Nutella, das mir die Mädels mitgebracht haben, und hat ihr Nutellabrot genüsslich gegessen. Ich übrigens auch, hehe.

Ab in die Wüste

Innerhalb der ersten Woche waren wir noch zwei Tage in Ica, Huacachina. Das war wundervoll, ich war noch nie in der Wüste. Und mittendrin eine Oase, einfach ein Paradies. Es war leider sehr touristisch, aber trotzdem wunderschön. Die Sandbuggytour war genial, mit Vollgas mitten im Sand, unendliche Weite. Am Abend sind wir ein Stückchen hochgelaufen, um den Sonnenuntergang zu genießen. Danach sind wir wieder in die größere Stadt Ica reingefahren, um dort im viel zu heißen Hostel zu übernachten.

Ostermesse in Santa Rosa

Die Ostermesse war sehr wichtig für mich, da ich an den anderen Tage nicht an den Aktivitäten der Gemeinde teilnehmen konnte (zum Beispiel einen Kreuzweg hoch auf den Hügel zur Jesusstatue). Nun konnten mich meine Mädels auch ministrieren sehen. Außerdem hatte ich eine kleine Überraschung geplant. So sang ich im Gottesdienst das Aleluya auf Spanisch. Ein paar Wochen davor habe ich mir ein Gitarrist gesucht und mit Juan gesprochen. Ich war sehr aufgeregt, es war mein erster Soloauftritt, bisher sang ich unter der Dusche und nicht mehr. Den Leuten schien es gefallen zu haben. Das wichtigste war für mich jedoch, dass es zum einen für meine Mädels war und zum anderen vor allem, um ein weiteres kleines Zeichen zu setzen, dass wir alle zusammen gehören, egal von welchem Land. Es war ein Zeichen, dass ich hier angekommen bin und mich sehr wohlfühle in der Gemeinde.

WG wird wieder kleiner

Da David und seine Familie in die Berge reisten, nahmen sie unsere Babykatzen samt Mutter Chilli mit. Sie wurden im Dorf einer Freundin untergebracht und blieben fast alle zusammen. Früher oder später müssten die Katzen eh raus aus unserer Wohnung, das war die beste Lösung. In den Bergen wird es ihnen sicherlich gut gehen. Ich muss sagen ich vermiss sie ein bisschen, süß waren sie allemal, das kann ich nicht abstreiten. Aber wenn ich ehrlich bin überwiegt die Freude darüber, dass nun nicht mehr fünf Katzen die Wohnung vollpinkeln und alles zerkratzen, generell oft nerven und schreien. Für mich war es eine Erleichterung und ich habe geduldig auf diesen Tag gewartet… Und nein ich hasse Katzen nicht 🙂 Ich liebe sie nur nicht so unsterblich wie manch andere hehe.

Eine unvergessliche Reise steht an

Wie erwartet verflog die Zeit mit Miri, Anna und Juli noch schneller als gedacht und schon waren sie eine Woche hierin meiner Heimat. Noch immer kann ich es nicht wirklich glauben, dass nun schon so viel Zeit vergangen ist…

Auf jeden Fall stand nun eine ganz besondere Reise an, die so manche Überraschungen bereit hatte. Aber dazu könnt ihr im nächsten Blogeintrag mehr lesen.

Bis dahin, habt eine schöne Zeit.

Eure Marlene Helena

Fahr Büsschen, fahr! – Abschied auf Umwegen

San Genaro, den 01.06.2018

Hola mis queridos amig@s 🙂 Nun habt ihr euch lange gedulden müssen, bis ich mich endlich wieder melde… aber was soll ich sagen… Das Limaleben lässt mir manchmal keine Zeit. Seither ist wieder einiges passiert, die ersten Abschiede standen an, Feste wurden gefeiert, meine Familie war zu Besuch, Tiefen wurden durchlebt und vieles mehr. Aber nun erstmal zwei Monate zurück: Für Katja und Lena stand nach vier Monaten am 19.03.2018 schon wieder die Abreise zurück nach Südtirol an. Das war dann schon mal der erste Vorgeschmack auf meine Abreise, die gar nicht mehr so weit weg erschien…

Wie es das Schicksal so wollte wurden Christian und Samuel dann tatsächlich rechtzeitig fertig mit ihrem Bus (nach stundenlangem Streichen, unzähligen Besuchen beim Mechaniker, scheinbar endlosem Warten auf die Papiere,…) um am selben Tag der Abreise der zwei Mädels einen Ausflug mit dem Büsschen zu starten. Das Glück schien auf unserer Seite. Auch Juan konnte sich einen Tag frei nehmen, was sehr selten ist und somit für mich auch sehr schön war, da David und ich noch nicht oft in den Genuss kamen so mit ihm Zeit zu verbringen. Motiviert und von der Sonne angelacht starteten wir in Richtung „Punta Hermosa“, ein wunderschöner Strand, zu dem man circa eine Stunde Richtung Süden fährt. An diesem Tag war es echt heiß und der Bus hatte keine Fenster…

Endlich war das Ziel in Sicht, das Ortschild war schon zu erkennen, die Ausfahrt der Autobahn war keine 300 Meter entfernt. Und dann: ein unerträglicher Gestank gemischt mit dem Bild von Rauch der hinten am Motor aufstieg. Für einen kurzen Moment machte sich Panik in mir breit, man weiß ja nie was hier, am anderen Ende der Welt so passiert 🙂 Dann fuhren wir an die Seite ran. Und mal wieder hat der Bus die Jungs und dieses Mal auch uns anderen im Stich gelassen. Dabei waren wir fast am Ziel und alle hatten sich auf eine Abkühlung gefreut. Zwei Stunden warteten wir dann auf den Abschleppwagen. Die Laune ließen wir uns aber nicht verderben und vertrieben uns die Zeit mit italienischem Speck oder auch „Chancho fumigado“ (so nennen es die Kinder 🙂 ) und Witzen über die Situation.

Vor einiger Zeit hätte ich mich in dieser Situation vermutlich innerlich total aufgeregt und wäre enttäuscht. An diesem Tag war das ganz anders und ich habe wieder mal gemerkt, dass ich mich ein wenig verändere. Ich kann nicht alles planen und nicht alles beeinflussen. Was ich aber in der Hand habe ist, wie ich mit den Ereignissen, erwartet oder unerwartet, umgehe und ganz wichtig, wie ich demnach den restlichen Tag gestalte.

Ein unvergesslicher Abschied

So ließen wir uns dann nach Chorrillos abschleppen und der Bus landete mal wieder beim Mechaniker, ich denke er hat ihn einfach so sehr vermisst. Dann sind wir mit Juan und seinem Auto zum hinteren Strand von Chorrillos gefahren. Dort war ich zum ersten Mal und war schwer beeindruckt von den Wellen. Hier ist es gefährlicher zu baden, die Wellen ragen teilweise bis zu vier Meter hoch. Diese Gewalt mit denen sie bricht… Trotzdem wagten wir uns ins Meer ohne den Wellen zu nahe zu kommen. Es war ein unvergessliches Erlebnis und alle waren zusammen. Die Mädels haben es pünktlich zum Flughafen geschafft und hatten ein tolles Ankommen in Südtirol nach ihren Berichten. Die letzte Zeit haben wir gut genutzt denke ich, waren viel unterwegs, noch ein letztes Mal surfen,… Es war eine schöne Zeit, Katja und Lena haben viel beigetragen durch ihren Einsatz; für die Kinder und das Haus der Talente. Noch heute fragen mich die Kiddies nach ihnen und vermissen sie.

Mühsamer Start nach den Sommerferien

Endlich ging es wieder los mit der Hausaufgabenbetreuung. Ich habe die Kinder schon vermisst und freute mich nun wieder mit ihnen zu arbeiten. Es waren auch viele neue Gesichter zu sehen, oft Geschwister der schon bekannten Kinder. Trotz Wiedersehensfreude wurde ich in meiner Motivation ein wenig eingeschränkt. Vor den Sommerferien bin ich mit manchen Kindern echt vorangekommen, sie haben Fortschritte gemacht und meine Geduld schien sich auszuzahlen, und jetzt nach den Ferien… Ich kam mir vor wie im falschen Film. Alles Erarbeitete schien sich in Luft aufgelöst zu haben und ich konnte gefühlt wieder bei null anfangen. Auch die Motivation der Kinder ist teilweise zurückgegangen. Das war schon nicht einfach für mich zu sehen.

Bei einem Kind mache ich mir echt Sorgen, da die Eltern sich auch nicht darum kümmern, dass es zur Schule geht, sondern vergeblich auf einen Platz in einem Internat warten. Das Kind hat seine Schwierigkeiten beim Lernen und vor allem beim Konzentrieren, ja, aber es ist absolut lernfähig und kann auch, wenn es will. Darum finde ich es sehr schade, wie sich das momentan entwickelt. Trotzdem versuche ich jeden Tag Geduld zu haben, auch wenn es mir nicht immer so gelingt, wie ich es mir wünsche. Auch das ist ein Lernprozess… So lerne ich einiges und probiere mich aus, was dem Kind helfen könnte und was vielleicht eher nicht hilfreich ist.

Ebenso gibt es aber auch einige Kinder die nach wie vor mit Fleiß ihre Aufgaben erledigen und gute Ergebnisse erzielen.

Ostern naht: Palmsonntag in Chorrillos

Heute ging es sehr früh aus dem Bett für die Palmsonntagsprozession und –messe. Es war warmes Wetter und alle standen mit ihren „Palmwedel“ bereit. Unterschied zu Deutschland: Hier waren es richtige Palmenwedel, richtig groß und wunderschön. Das hat mich beeindruckt und machte die Prozession irgendwie lebendiger. An diesem Tag habe ich bewusst nicht ministriert, da ich ein Fest mal als Gast genießen wollte, und das war echt schön. Von Juan wurde ich dann gleich zweimal gesegnet, er hatte sichtlich Spaß daran mich nass zu machen. Nach der Prozession gab es dann eine lange Messe in der Kirche „Santa Rosa“ (Gemeinde, in der ich als Ministrantin tätig bin). Pater Juan hat gepredigt, er begeistert mich wirklich jedes Mal, egal ob es ein großes Fest oder eine normale Abendmesse ist… An diesem Tag appellierte er unter anderem daran, die Osterwoche für sich und seine Seele zu nutzen. Zur Ruhe zu kommen und sich wirklich Zeit für sich zu nehmen, und für den Glauben. Er lud dazu ein, sich Gedanken darüber zu machen, wo man im Glauben steht und in welchen Punkten man vielleicht noch wachsen will oder noch kritisch ist. Die Kirche war wirklich voll und die Messe war ein richtiges Fest; voller Leben, Gesang und Tanz. Ich habe es genossen. Eine gute Einstimmung auf Ostern, eines der wichtigsten Feste für mich als Christin.

Die Vielfalt lebt

Im Haus der Talente finden trotz Umbauarbeiten weiterhin die unterschiedlichen Aktivitäten statt. So backen die Kinder und die Frauen weiterhin fleißig, Sophia kommt jeden Mittwoch und bastelt mit den Kindern (immer passend zu Festen, zu Jahreszeit,… und immer mit einer Lerneinheit), abends wird getanzt, usw. und auch mein Geigenunterricht läuft voran. Mittlerweile haben sich aus den zwanzig vorerst angemeldeten Kindern circa sieben herausgesiebt, die nun regelmäßig meinen Unterricht besuchen. Nach dem Einstieg über die Bestandteile der Violine fing ich nun an mit den einzelnen Saiten und die Kinder können schon den ersten Rhythmus spielen, manchen fällt es leichter, manchen eher schwerer. Dabei ist es sehr interessant zu sehen, wie unterschiedlich die Kinder doch lernen und vor allem welche Methoden sie benutzen, um den Rhythmus zu treffen. So bin ich dann gefordert, zu erkennen, wer an welcher Stelle Probleme hat und zu überlegen, wie ich es auf die beste Weise beibringe. Das ist eine Herausforderung aber auch unglaublich spannend. Der Geigenunterricht erfreut mich jedes Mal, eine Schülerin fragt immer schon ganz ungeduldig, wann denn endlich die nächste Stunde sei… 🙂

Als wäre ich schon lange Teil der Gruppe…

In der letzten Märzwoche war ich zum Geburtstag meines Tanzlehrers eingeladen. Es war ein gemütlicher Abend in Gemeinschaft. Es hat mich wirklich gefreut, dass ich so erwünscht war. Die ganze Tinkus-Gruppe besteht aus so lieben Menschen und alle haben mich von Anfang an so selbstverständlich aufgenommen. Das ist ein großes Geschenk und ich fühle mich sehr wohl in der Gruppe. An dieser Stelle ein Dankeschön an meinen Trainer Marcos, der es oft nicht einfach mit mir hat, wenn ich mich total trottelig anstelle mit den Tanzschritten oder mal wieder die einfachsten Schrittfolgen vergesse…

Über meine Erfahrungen sprechen: Podcast mit Janik Henneberger

Janik ist ein Freund von mir, den ich in der Vorbereitungszeit kennengelernt habe und auch beim Zwischenseminar wieder gesehen habe. Er ist oben im Norden Perus, in Piura, als Freiwilliger tätig und macht regelmäßig einen Podcast über seine Zeit in Peru und die Erfahrungen, die er bis jetzt gemacht hat. Seine Idee war es, auch einmal ein Interview mit anderen Freiwilligen zu machen. Somit startete er mit mir und über Skype sprachen wir dann über meine Erfahrungen. Den Podcast könnt ihr ganz leicht über folgenden Link abrufen (https://1nvba7a.podcaster.de/beaware/37-interview-mit-marlene-mangold/). Vielen Dank schon mal fürs Reinhören. Ein besonderes Dankeschön an Janik für die Möglichkeit.

Ich wünsche euch noch ein schönes Wochenende, bleibt wohl auf und denkt dran: Das Ziel ist nicht immer der direkte Weg, Umwege können einen auf wunderschöne Straßen führen! 🙂

Ich denke an euch, be blessed!

Eure Marlene Helena

 

 

 

 

Geteiltes Leid ist halbes Leid

Hallo alle miteinander, nach langer Zeit melde ich mich endlich mal wieder mit einem kleinen Artikel bei euch. Wie ihr vielleicht in Marlenes Artikel gelesen habt, waren wir über die Feiertage in Chachapoyas, in der ceja de selva, und danach in Tarapoto, das bereits komplett in der Selva liegt- das heißt es ist unglaublich heiß; war trotzdem toll!- Heute will ich mich aber auf einen Ausflug beschränken, der gut zeigt, wie wichtig Gemeinschaft ist und wie man zusammen vielleicht nicht alles, aber zumindest ziemlich viel gemeinsam überwinden kann. Wer nicht genau über unsere Reise nach Chachapoyas Bescheid weiß oder bereits viel davon wieder vergessen hat, hier mal die Grundinformationen: Wir haben zwei befreundete Freiwillige namens Franz und Janina dort besucht und während unseres Besuchs viele Tagesreisen unternommen, denn die Umgebung um Chachapoyas ist voll von wirklich schönen Ausflugszielen. So zum Beispiel auch der Catarata Gocta, der drittgrößte Wasserfall der Welt mit ungefähr 770 Meter. Das sind dreiviertel eines Kilometer! Hätte ich 420 mal meine Körpergröße wäre ich nur fast so hoch wie der Wasserfall! Man fährt von Chachapoyas 2 ½ Stunden bis man ein Dorf erreicht von dem aus man den unteren Teil des Wasserfalls besichtigen kann. Um diesen zu erreichen sind es nochmals 2 ½ Stunden Fußweg. Und wie so oft ist auch hier der Weg wenigstens zum Teil das Ziel, denn man durchquert zuerst eine schöne Landschaft mit Weiden für Alpakas, Kühe und Pferde, die dann relativ bald übergeht in den Regenwald. Diese ist gefüllt von Lianen, Bromelien auf den Bäumen und wo man auch hinsieht ist es grün. Für jemanden, der die meiste Zeit der letzten Monate in Lima, einer Millionenstadt an der trockenen, fast vegetationslosen Küste Perus, verbracht hat, ist dies wirklich ein umwerfender Anblick!

So nun zur Geschichte: Franz und ich wollten, nachdem wir unser Ziel, den Catarata Gocta erreicht haben, abenteuerlustig wie wir sind, diesen nochmal aus einer anderen Perspektive betrachten und erklommen einen bewachsenen Hang an der Seite des Wasserfalls. Wirklich gefährlich war das nicht, lediglich schmutzig konnte man werden, sollte man stürzen. Es hat sich im Nachhinein jedoch gelohnt, auch wenn sich Franz‘ bereits marodes Knie beim Abstieg mit Schmerzen seinen Unmut über die rücksichtslose Behandlung kundtat. Aus Mangel an Alternativen machten wir uns dann auf den Rückweg, er unter Schmerzen humpelnd. Die Strecke ist zum Teil wirklich steil und schon mit gesundem Knie schweißtreibend. Bald schon fingen wir an, ähnlich wie in den Tagen zuvor, Insiderwitze der letzten Tage zu machen (es gab unglaublich viele), unsere Lieblingsfilme zu zitieren, Videos zu drehen nach Horrorfilmmanier, und natürlich, derb wie unser Humor ist, uns über sein Knie lustig zu machen, dass wir ihn wohl zum Sterben zurücklassen müssen, und, und , und, …

Ich hätte es nicht geglaubt und natürlich kann man das nicht mit jedem machen, man muss schon einen sehr eigentümlichen Humor teilen, aber es wirkte. Lachend über diese eigentlich schlechte Situation, bestritten wir den anstrengenden Rückweg und schafften es zurück ins Dorf (Wir waren nicht einmal die letzten) und wurden, endlich angekommen mit Trucha, Cecina und einem kühlen Bier belohnt.

Ich will damit nicht sagen, dass unsere Gemeinschaft ihn auf wundersame Weise den Weg zurückgetragen hat, aber zumindest war der Schmerz zum großen Teil vergessen und ich glaube, dieser Tag bleibt noch lange sehr positiv in unserem Gedächtnis. Dieses Ereignis hat mir wieder einmal gezeigt, wie schön und wie wichtig Gemeinschaft sein kann und genau das macht für mich auch einen Teil des MaZ-Einsatzes aus, dass man die guten wie die schlechten Dingen in einer Gemeinschaft teilen kann, denn geteiltes Leid ist halbes Leid.

Immer neue Kraft schöpfen – meine Energiequellen…

San Genaro, den 12.03.2018

Hallöchen ihr da drüben 🙂

Der Titel dieses Blogeintrages mag vielleicht so manche trübe Stimmung hervorrufen und deutet eventuell an, dass man sich nicht 365 Tage im Jahr in einem „Dauerhoch“ befindet. Muss ich mich aber auch nicht, wenn ich ehrlich bin. Wenn ich recht darüber nachdenke, ging es mir hier noch nie schlecht und auch in den letzten Wochen ging es mir gut. Jedoch gab es auch Situationen, in denen ich zu kämpfen hatte. Da ich hier wirklich mittendrin bin im Leben, widerfahren mir natürlich nicht ausschließlich nur die schönsten Dinge. Immer wieder merke ich, dass das Leben hier seine Schwierigkeiten mit sich bringt und man wirklich auf sich aufpassen muss, dass es einfach oft auch gefährlich ist. Leider erfuhr ich auch, dass man nicht jedes Kind beschützen kann und dass jede Fürsorge seine Grenzen hat. Des Weiteren musste ich spüren, dass ich hier nicht allen Menschen vertrauen kann beziehungsweise, dass es eben nicht alle Menschen wertschätzen, wenn man ihnen Vertrauen schenkt. Ein großes Herz trägt manchmal große Leiden. Aber auch das ist es mir wert, denn wenn gelegentliche Enttäuschungen oder seelische Verletzungen das Resultat meiner Offenheit, Herzlichkeit und meiner menschenbezogenen Art sind, dann tut das vielleicht manchmal weh, aber das nehme ich an, so wie es kommt. Das macht es eben aus, die Reise, das Leben hier anzunehmen, mit allem was kommt; mit ganz viel Schönem, aber auch manchmal mit nicht so schönen Dingen. Was ich sagen will ist, dass ich glücklich über alle Erfahrungen hier bin, da sie mir allesamt so einen Reichtum an Erinnerungen, Wissen, Einschätzungsvermögen, kulturellem Hintergrundwissen und vielem mehr bescheren. Das Beste an allem: Zu sehen, wie ich dadurch wachse und immer wieder neue Energie schöpfen kann, scheinbar unendlich. In den letzten Wochen bin ich einige Projekte angegangen und weiß wieder mal ein bisschen besser, was mein Herz wirklich mit Glück und Freude erfüllt…

Mein Start als Geigenlehrerin

Vor zwei Wochen habe ich endlich begonnen, Geigenunterricht zu geben, nachdem ich die Termine organisiert habe. Das war nicht so ganz einfach, da es zurzeit sehr viele Angebote im Haus der Talente gibt, die sich nicht überschneiden sollten. Die ersten Stunden sind toll gelaufen und ich hatte richtig Spaß daran, es übertraf meine Erwartungen. Nach einem kurzen Einstieg, bei dem ich erklärte, welche Bestandteile die Violine überhaupt besitzt und nach einer Einführung in die Notenwerte, ging es auch schon los mit den ersten Tönen. Meine Schüler haben das bis jetzt gut gemacht, Violine ist nicht ganz einfach zu lernen. Während der letzten zwei Wochen erinnere ich mich zurück an meine Anfangszeit, die jetzt tatsächlich schon 13 Jahre zurückliegt 🙂 . Auch David ist neugierig geworden und hat seine ersten Töne gespielt. Es ist sehr interessant zu sehen, mit welcher Begeisterung die Kinder das Instrument lernen wollen, was mich natürlich doppelt freut. Die kleine Alenda würde am liebsten jeden Tag mit mir oben im Zimmer üben. Ich freu mich auf meine weitere Zeit als Geigenlehrerin!

Auf den Spuren der peruanischen Kultur – Tinkus

Seit knapp zwei Wochen tanze ich nun auch Tinkus, ein traditioneller peruanischer Tanz. Tinkus ist ein sehr kraftvoller Tanz mit vielen Sprüngen. Außerdem „schreit“ man immer wieder Wörter während man tanzt („guapear“). Schon zu Beginn des Jahres habe ich mir vorgenommen, diesen Tanz zu lernen, da er mir sehr imponiert, auch wenn es erstmal befremdlich wirkt. Mit Marcos habe ich einen super Tanzlehrer, so tanze ich abends ab sieben Uhr immer mit der kleinen Tinkusgruppe. Es geht sogar schneller voran als gedacht, aber es ist so unfassbar anstrengend. Ich fühle mich wie ein lebendiges Wrack und mir tut alles weh. Aber diese Tanzstunden geben mir so viel, ich bin die ganze Zeit am Strahlen und schlafe mit einem riesen Grinsen ein. Endlich mal wieder sportlich auspowern… das hat mir so sehr gefehlt. Mein Tanzlehrer erwartet, glaube ich, viel von mir, was mich motiviert, alles zu geben. Wenn ich gut vorankomme, kann ich in einigen Wochen vielleicht schon an einer Aufführung teilnehmen, das wäre natürlich wunderbar.

Kochabend im Casa

Letzte Woche hat uns ein Kumpel beigebracht, wie man Lomo Saltado (mein Lieblingsgericht hier, hehe 🙂 ) kocht. Das ist Rindfleisch mit Tomate, Zwiebeln, Kräutern, Pommes und Reis. Juan Carlos hat viel Ahnung vom Kochen und hat David und mir einige Tipps gegeben, von denen ich noch nichts wusste. Es hat auf jeden Fall lecker geschmeckt und es war ein schöner Abend.

Día de la mujer

Letzte Woche, am 08. März, war Weltfrauentag und ich war überrascht, dass das hier so gefeiert wurde. Man saß zusammen, es gab Kuchen, und hat über den Wert der Frau gesprochen. Das hat mir sehr gut gefallen. Völlig überraschend habe ich dann auch noch Blumen von Frauen des Casas bekommen als Wertschätzung meiner Person und meiner Arbeit. Auch meine Freundin Paty kam auf einmal mit einem Röschen im Casa vorbei. Das hat mich sehr gefreut. Ich wünsche mir, dass die Emanzipation der Frauen für immer weniger ein Fremdwort ist.

Pater Juan in meinem Zuhause

Pater Juan war drei Wochen in Deutschland und hat meine Familie an einem Sonntagmittag besucht. Das war total crazy für mich, dass er in meinem Zuhause ist, in meinem Zimmer, meine ganze Familie kennenlernt. Wahnsinn, einfach total schön. Jetzt kennt er schon meine Schwester; Miriam kommt mich in zwei Wochen besuchen, langsam werde ich aufgeregt 🙂 .

Wie immer, pures Leben

Sonst ist wieder mal einiges passiert. Bis in die Nacht habe ich unsere Wohnungswand bemalt, da unsere Vorfreiwillige Miriam die Idee hatte, eine Bilderwand der Freiwilligen zu gestalten. Da dachte ich mir, dass man über die Bilder noch einen Schriftzug unserer Organisation gestalten könnte. Das hat Spaß gemacht und nun fehlen nur noch die Bilderrahmen. Oscar hat mir letzte Woche ein paar grundlegende Rhythmen mit der Trommel beigebracht und mit der Gitarre probiere ich mich momentan selbst aus. Letzten Sonntag habe ich mich mit einer anderen deutschen Freiwilligen getroffen und wir haben zusammen einen Gottesdienst in Miraflores besucht. Das war nicht der typische Kirchengottesdienst, sondern gestaltet von einer Gemeinde namens „Camino de vida“, die ähnliche Strukturen wie die Hillsonggemeinden haben. Das läuft ähnlich wie bei Jugendgottesdiensten ab. Es gibt einen Prediger, eine Band und am Schluss Möglichkeit zum Austausch. Uns hat es gut gefallen. Am Abend war ich dann noch beim Barbecue der Surfer mit Paty und Samu. Den Abend ließen wir dann mit einem kleinen Spaziergang oberhalb des Strandes ausklingen.

Im Haus der Talente geht es voran, die Farbe des Daches sitzt. Vielen Dank für eure Unterstützung, die Spendengelder fließen jetzt erstmal hauptsächlich in den Umbau (Toiletten, Spiegel, Fenster, Boden, Wandfarbe,…), aber wie gesagt, da werde ich euch auf dem Laufenden halten 🙂

Davids Familie kam am Freitag an, das war schön. Momentan sind sie nun in Cusco. Nächste Woche werde ich dann allein sein, wenn die Mädels wieder in Italien sind und die Jungs nach Ecuador reisen. Bis dahin genießen wir die Zeit noch zusammen.

Um zurück zukommen auf meine Energiequellen: Das sind meine Freunde (hier und in Deutschland), meine Projekte, die ich starte, Begegnungen, die Musik, der Tanz und vor allem ich selbst zu bleiben.

Und schon sind sieben Monate vergangen, unfassbar… Ich bin unglaublich glücklich hier und allezeit gestärkt. Ich danke meiner Familie und meinen Freunden von ganzem Herzen, dafür, dass sie mich stets begleiten, unterstützen, lieben und sich genauso freuen, mich wieder zu sehen, wie ich sie. Ich liebe euch!

Macht´s gut, besitos 🙂

Eure Marlene Helena

 

 

Als wäre ich nie weg gewesen… Mein Start in die zweite Hälfte

San Genaro, den 06.03.2018

Buenas tardes mis amigos! Mein Leben ist aufregend. Jeder Tag, jede Begegnung ist ein Geschenk. Im Vergleich zu meiner Lebensdauer, ist ein Jahr nicht sehr viel. Jedoch ist es ein ganz besonderes Jahr, was ich jeden Tag spüren darf. Ein Jahr voller aufregender Ereignisse, Erkenntnisse, prägender Momente. Es passiert einfach so viel und ich denke, das wird noch lange nachwirken, wenn ich wieder in Deutschland bin.

Highlight für Groß und Klein: Ausflug ins Freibad

Vorweg, mir geht es nach wie vor total gut. Nachdem ich nach einem Monat (Trujillo und Zwischenseminar) nun endlich wieder zurück nach Lima kam, war es, als wäre ich nie weg gewesen. Sofort wieder mittendrin im Leben, im Geschehen, bei den Kiddies und meinen Freunden. Gleich am nächsten Tag, den 10.02.2018, fand ein Highlight für Kinder und Eltern statt: Der Ausflug in ein Sportzentrum. Dank euch und eurer Unterstützung war es David und mir möglich, einen Ausflug zu organisieren. Insgesamt waren wir circa 70 Leute und die Stimmung war schon zu Beginn des Tages super. Der Tag war ein voller Erfolg, die Kinder hatten viel Spaß, es gab mehrere Schwimmbecken und eine Rasenfläche, so konnten sich die Kinder nach Lust und Laune austoben. Mein persönliches Highlight an diesem Tag war, dass ich nun endlich etwas von meinem Traum, Schwimmen beizubringen, umsetzen konnte, und so die meiste Zeit mit den Kindern im Wasser verbrachte, Bein- und Armübungen machte, oder die kleine Mary einfach nur durch das Wasser gleiten lies, oder aber auch ein paar Figuren mit Oscar im Becken machte. Man konnte die Kinder mit den einfachsten Kunststücken beeindrucken, was mein Herz sehr glücklich machte. Ich bin dankbar für diesen Tag, und die Möglichkeit, die wir durch die finanzielle Unterstützung hatten. Mit geringen Mitteln konnten wir so einen ganz besonderen Tag gestalten, der für Kinder und Eltern nicht so schnell in Vergessenheit geraten wird.

Bewegende Momente

Am Montag darauf war ich dann mit den Ministranten in einem Schwimmbad, David und Pater Juan waren auch dabei. Mich hat es sehr gefreut, dass Juan wirklich mal einen Tag frei hatte (normalerweise arbeitet er an seinem einzigen freien Tag auch) und ihn mit seinen Ministranten genießen konnte, wir hatten eine super schöne Zeit. Dieser Tag bot mir eine sehr schöne Erfahrung: Ein guter Freund von mir hat richtige Panik vor dem Wasser, verkrampft augenblicklich, wenn er Wasser ins Gesicht bekommt und auch wenn er den Grund unter den Füßen spürt hat er sichtlich Angst. Mit ihm habe ich einige Übungen gemacht, dass er ein besseres Gefühl für das Wasser bekommt. Das heißt, erstmal in Rückenlage legen und versuchen alle Glieder von sich zu strecken. Und tatsächlich nach einiger Zeit und viel Zuspruch, hat es am Schluss richtig gut geklappt und er konnte für eine gewisse Zeit relativ entspannt im Wasser liegen während ich ihn gehalten habe. Auch ein zweites Mal konnte er sich überwinden ins Wasser zu steigen. Es war offensichtlich, dass er unbedingt daran arbeiten wollte, er kämpfte sehr mit sich selbst und seiner Angst. Ich war unglaublich froh über diese kleinen großen Fortschritte, die er an diesem Tag gemacht hat. Es erfüllt mich mit Stolz, da ich weiß, dass es umso schwerer ist seine Angst vor dem Wasser zu überwinden, wenn man kein Kind mehr ist. Außerdem hat mir mein Kumpel an diesem Tag sehr viel Vertrauen entgegengebracht, was ich sehr schätze.

Bevor ich nach Deutschland zurückgehe wünsche ich mir, ihm schwimmen beigebracht zu haben. So wie einigen anderen peruanischen Freunden auch.

WG-Zuwachs

In der Zwischenzeit hat unsere Hauskatze Chilli endlich ihre Babys bekommen. Es sind vier wunderschöne, gesunde Babykätzchen, eines für jeden WG-ler hehe 🙂 Wenn alles klappt, kommen Chilli und ihre Jungen in die Sierra zur Familie einer Freundin, da sind sie dann gut aufgehoben.

Ansonsten wird sich in nächster Zeit etwas ändern an der Wohnsituation, in zwei Wochen werden Katja und Lena leider schon wieder nach Italien fliegen (übrigens haben die zwei einen ganz tollen Blog, da könnt ihr gerne mal vorbeischauen unter: 2gringasenperu.wordpress.com) und auch Andrea befindet sich momentan in Panama und wird nicht mehr lange in Lima verbringen. Auch die Südtiroler gehen bald auf Reisen und werden nun nicht mehr ständig im Casa sein, sodass unterm Strich bald nur noch David und ich übrig bleiben. Wenn ich ehrlich bin, denke ich, dass es angenehm wird, wenn mal etwas weniger los ist, war teilweise auch anstrengend. Jedoch muss ich auch gestehen, dass mir die anderen schon sehr ans Herz gewachsen sind, die Mädels sowie die Jungs. Wir haben dann doch einige Zeit zusammen hier verbracht und einiges erlebt, das verbindet einfach. Zudem sind es total coole und wunderbare Menschen, ich bin froh, sie kennengelernt haben zu dürfen und hoffe, dass man in der Heimat wieder von einander hört 🙂

Mit Katja und Lena verbrachte ich letzte Woche einen schönen Tag in Barranco, wir waren mit zwei von ihren Freundinnen unterwegs und spazierten oberhalb vom Strand entlang. Es war ein wunderschöner, sonniger Tag und ich habe die Zeit sehr genossen mit den Mädels.

Die ersten Abschiede

Im Keller des Casas gibt es ein Therapiezentrum, das sich lange im Umbau befand und nun eigentlich fertig ist. Es sieht echt toll aus, mit Hilfe von Christian und Samuel wurde ein neuer Boden (Fliesen) gelegt. Alle Zimmer wurden neu gestrichen und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Andrea gibt dort Therapien für Kinder mit Behinderung. Vor zwei Wochen fand ein kleines Abschiedsfest statt, da Andrea nun gegangen ist (nach Panama) und wohl nicht mehr zu ihrer Arbeit zurückkehren wird. Bei diesem Anlass wurde ihr und auch den Jungs nochmal speziell gedankt für ihre Unterstützung. Alle drei haben große Arbeit geleistet und ich bin mir sicher, dass die Therapiestunden mit Andrea für die Kinder sehr besonders waren.

Die Party geht weiter…

Auch sonst wurde viel gefeiert die letzten Wochen, und damit meine ich nicht nur die letzten Discobesuche als große Gruppe. Samu hatte Geburtstag, welchen wir im Casa mit seinen, auch peruanischen, Freunden feierten. Seit längerer Zeit hatten die Kinder auch wieder einen Auftritt mit den Zancos, zum Abschluss der „Vacaciónes Útiles“ (siehe Bericht über Trujillo), was natürlich ein einziges Fest für die Kiddies war 🙂 Innerlich feierte ich zudem ein kleines Fest, so groß war meine Freude darüber, dass das Weihnachtspaket meiner Patentante nach 2,5 Monaten doch noch ankam, wider Erwarten. Ebenfalls ein Brief meiner Eltern erreichte mich doch tatsächlich unversehrt. Ein Wunder, da hier oft die Post nicht ankommt, da sie geöffnet wird (wenn der Absender auf Europa verweist), in der Hoffnung, Geld darin zu finden. Was für ein Glück, dass dies bei mir nicht der Fall war. Ich habe mich so sehr über das Paket und meine Lieblingsplätzchen gefreut, und am meisten über die lieben Worte meiner Eltern, meiner Tante und Onkel, und meinen zuckersüßen Cousins Hannes und Malte. DANKE! Meine Mutter feierte derweil auch ihren 50er groß. Das war schon schade, nicht live dabei gewesen sein zu können, aber deshalb habe ich ein paar kleine Videos für sie gedreht und ich denke, die Überraschung war gelungen 🙂 Meine Ministranten haben mir dabei geholfen, es wird schwer werden, mich von ihnen zu verabschieden, sind sie doch zu sehr engen Freunden für mich geworden.

Wie gesagt, Schritt für Schritt

Wenn man die kleinen Fortschritte im Casa sieht, ist man ganz zufrieden mit der Entwicklung, ich zumindest. Das Dach ist nun fast komplett gestrichen. Vor zwei Wochen durften David, Katja, Lena und ich dann Inventur in der Abstellkammer machen. Ich muss sagen, es gibt schönere Aufgaben, denn in diesem Raum herrscht absolutes Chaos, meiner Meinung nach mit viel zu viel Schrott bzw. Müll, aber ich habe das Gefühl, hier hebt man wirklich alle Dinge sehr gerne auf. Das kommt ja aber auch nicht von nirgendwo her, wenn man die peruanische Geschichte betrachtet, demnach verständlich. Jedoch war ich schon froh, mal ordentlich ausgemistet zu haben, sodass man sich jetzt gut umdrehen kann ohne, dass einem zehn Dinge entgegenkommen 🙂 Nach drei Abenden war es dann auch endlich geschafft, und wir waren oft sehr überrascht, welche Sachen und Utensilien wir im Casa besitzen, also dafür hat es sich auf jeden Fall gelohnt.

Und das ist erst der Anfang…

Wie ihr seht, ist weiterhin jeder Tag mit vollem Leben gefüllt, als wäre ich nie weg gewesen. Und das soll erst der Anfang sein von der zweiten Hälfte voller Action, Herzblut und Freude. Ihr könnt gespannt sein auf meinen nächsten Blogeintrag, es wird vielfältig und emotional.

Meine Lieben, macht´s gut, ich bin in Gedanken bei euch und sende euch Sonnenstrahlen nach Deutschland, die könnt ihr ja momentan echt gebrauchen 🙂

PS: Bei Fragen oder Anmerkungen meldet euch bitte bei mir, ich freue mich auf euch! (m.mangold-infomaz@gmx.de)

Es grüßt euch herzlichst

Eure Marlene Helena

Halbzeit – Reflexion und Zeit für sich selbst

San Genaro, den 28.02.2018

Hola meine Lieben! Kaum aus Trujillo zurück, ging es schon zwei Tage später, am 05. Februar, für David und mich los zum Zwischenseminar. Dieses fand etwas außerhalb von Lima statt. Es war eine sehr gelungene und motivierende Woche.

Wiedersehensfreude und neue Kontakte knüpfen

Auf dem Hinweg gabelten wir Patricia auf, da sie direkt aus Arequipa morgens anreiste. Es war schön, sie wieder zu sehen, da wir sie ja das letzte Mal auf dem Aussendungsseminar in Deutschland gesehen haben. Angekommen, war die Wiedersehensfreude erstmal sehr groß: Ich habe Janina und Franz sehr vermisst. Aber auch Clara und Jannik (alias Ed Sheeran, warum, siehe Bild) kannte ich schon vom Länderseminar in Deutschland und habe die Woche sehr genossen, mit ihnen Zeit zu verbringen. Und dann waren da noch zehn andere Freiwillige, die aus den unterschiedlichsten Ecken Perus kamen, alles wunderbare Menschen, die ich sofort ins Herz geschlossen habe. Im Laufe der Woche, nein eigentlich schon während des ersten Tages, sind wir zu einer super Gruppe zusammen gewachsen, die sich schon seit Langem zu kennen schien. Jeder war so unterschiedlich und doch fügten wir uns zu einer einmaligen, harmonierenden Gruppe zusammen, was die Woche unvergesslich machte.

Organisation durch die Hiltruper

Begleitet haben uns in dieser Woche Anna und Jana von den Hiltrupern. Ich war absolut glücklich damit, da sie die Woche sehr familiär, offen, locker und mit viel Raum für Gespräche bzw. Diskussionen gestaltet haben. Gleich am ersten Nachmittag wurde die Woche mit einem, mal etwas anderem, Kennenlernspiel eingeleitet. So wurden einem gegenseitig nach Bauchgefühl bestimmte Aussagen und Eigenschaften zugeordnet und alle Gruppen lagen gar nicht mal so falsch 🙂 Auch wenn ich Lima sehr vermisste und mir wünschte, nun endlich wieder dort zu Hause zu sein, war ich dennoch froh hier zu sein, da ich mich schon länger auf das Seminar freute. Nach einem langen nächtlichen Gespräch mit Janina, mit der ich das Zimmer die Woche teilte, schlief ich zufrieden ein. Sie ist zu einer guten Freundin für mich geworden und der gegenseitige Austausch, die vielen intensiven Gespräche haben mir sehr gut getan und mich gestärkt. Ich denke, wir werden uns in Deutschland sicherlich wieder sehen!

Ganz unterschiedliche Projekte und Einsatzorte

Unsere Gruppe war glücklicherweise sehr vielfältig: Die Freiwilligen kommen aus den unterschiedlichsten Orten Perus mit interessanten Projekten. Der zweite Seminartag bestand aus Präsentationen über die einzelnen Einsatzstellen. Das hatte es in sich, es war anstrengend, aber unglaublich spannend, was die anderen berichteten. Auch unter der Woche blieb viel Raum, um sich auszutauschen über Erfahrungen und Erlebnisse.

Problembewältigung und neue Motivation

Grundsätzlich geht es allen Freiwilligen sehr gut und sie sind froh, in  Peru zu sein. Jedoch hatte auch jeder so sein Päckchen mit dabei an Problemen, Konflikten oder Sorgen. Die einen etwas leichter, die anderen etwas schwerer zu lösen. In dieser Woche war ich ganz speziell dankbar, dass es mir so gut geht. Wenn ich gesehen habe, dass es auch ernstere Probleme gab, etwa mit dem Zusammenleben mit Schwestern, war ich umso mehr froh, dass ich so zufrieden sein kann, sowohl mit dem Projekt, als auch mit meiner Wohnsituation. Am vorletzten Tag lehrten uns Jana und Anna eine Methode zum Umgang mit Problemen bzw. dessen Bewältigung. So konnten unter den Freiwilligen persönliche Probleme angesprochen werden und in kleineren Gruppen nach möglichen Lösungen gesucht werden. Anfangs etwas ungewöhnlich und scheinbar sehr oberflächlich, schien die neue Methode jedoch gefruchtet zu haben und wir konnten uns mit konstruktiven Vorschlägen und Beiträgen gegenseitig helfen, stützen und motivieren. Das war eine geniale Erfahrung.

Selbstreflexion und viel Freiraum

Besonders gefallen hat mir, dass das Seminar zwar strukturiert und mit viel Inhalt gefüllt war, jedoch gleichzeitig viel Raum für Reflexion, Gespräche und Zeit für sich selbst bot. Neben Einheiten wie den Präsentationen oder der Diskussion über die sozialpolitische Lage Perus mit einer Fachfrau (das war übrigens höchstinteressant und mir persönlich sehr wichtig, da ich bisher nicht viel Zeit hatte, mich mit der politischen Situation Perus auseinanderzusetzen, aber es mich brennend interessierte) gab es viele Aufgaben, die es verlangten über das vergangene halbe Jahr zu reflektieren. Oh man, das hört sich komisch an. Ein halbes Jahr ist doch tatsächlich schon vergangen, die Zeit scheint zu fliegen…   Jedenfalls gab es schöne Einheiten, zum Beispiel verbrachten wir einen ganzen Morgen damit, unsere Körpersilhouette mit Farben zu füllen; so wie wir uns an derjenigen Körperstelle fühlen. Eine simple und doch vielverlangende Aufgabe. Oder ein Nachmittag gab es bewusst kein Programm, sodass jeder seinen Raum hatte, Zeit für sich zu nehmen, für Beschäftigungen, zu denen man in letzter Zeit eher weniger gekommen ist. Ich war eine Runde schwimmen, das war toll, mitten in der schöneren Natur Limas. Ich nutzte die Woche für mich, um zu reflektieren und mir einige Dinge von der Seele zu reden in tollen Gesprächen. Einen Morgen habe ich zum ersten Mal meditiert mit Jannik, der das schon eine Zeit lang macht. Generell hatte ich Raum, intensiver als sonst zu registrieren, was ich in diesem halben Jahr schon alles erlebt habe, welch ein Glück ich doch habe, hier zu sein und dass ich doch schon so manches erreicht habe, aber auch, was ich noch erleben bzw. erreichen möchte.

Mit Energie in die zweite Hälfte

Die Woche verflog, wie sie es immer tut, wenn man sie mit wunderbaren Menschen verbringt. Am letzten Tag konnte jeder für jeden ein Kompliment, einen Gedanken oder eine Motivation aufschreiben und was ich nun in der Hand halte ist ein DIN A4 Blatt mit wunderbaren Worten, welche mir eine unglaubliche Kraft und Motivation für das kommende halbe Jahr geben. Ich weiß, was ich noch machen möchte und gehe das mit Tatendrang an. Die Woche war für mich und meine Seele Balsam und ich denke, sie tat Jedem gut. Bevor die anderen Freiwilligen am nächsten Morgen zurückfuhren verbrachten wir (einige der Teilnehmer) noch einen Abend in Barranco, das war ein schöner Abschied!

Nun bin ich endlich wieder in der Heimat und bin froh darüber. In letzter Zeit war ich sehr viel unterwegs und freue mich wieder, eine Weile hier in Lima zu sein. Jetzt kann ich mit viel Energie und Tatendrang in die zweite Hälfte starten. Was ich mir für diese Zeit vornehme und welche Projekte ich schon bald angehe, darüber werde ich im nächsten Blogeintrag berichten, ihr könnt gespannt sein 🙂

Bis dahin, alles Liebe, ich hoffe ihr übersteht den „Deutschlandfrost“ gut.

In Gedanken grüßt euch herzlichst

Eure Marlene Helena

 

In die Lehrerrolle schlüpfen – Vacaciónes Útiles in Trujillo

Lima, den 04.02.18

Buenos días mis amigos! Die letzten drei Wochen durfte ich in Porvenir, in Trujillo, verbringen. Trujillo ist eine sehr süße Stadt nördlich von Lima. Auf Vorschlag von Roberto waren David und ich nun auch in anderen Orten tätig. So verschlug es David nochmal in den Regenwald nach Pangoa. Ich durfte hingegen in Trujillo in die Lehrerrolle schlüpfen. Momentan sind in Peru die großen Sommerferien, jedoch gibt es in den meisten Städten ein Förderprogramm, das sich „Vacaciónes Útiles“ nennt. Hier können Kinder kostenlos, oder für sehr wenig Geld, auch in den Ferien lernen.

Englischlehrer/-in gesucht

In den Schulen wird zwar oft Englisch unterrichtet, jedoch auf einem geringen Niveau, selbst die Lehrkräfte beherrschen größtenteils die Sprache nur ausreichend. Grundsätzlich sprechen wenige Peruaner Englisch, meist nur diejenigen, die an einer Universität studieren. Nach den drei Wochen wird mir erst richtig bewusst, wie wertgeschätzt ich wurde, denn außer mir gab es keine Englischlehrerin für die Vacaciónes Útiles. Gleich am ersten Tag ging es schon los mit der ersten Unterrichtsstunde. Ich hatte eine Klasse mit ca. 20-25 Kindern zwischen 6-13 Jahren. Die Arbeit machte mir sehr Spaß, da ich für alles selbst zuständig und verantwortlich war. Endlich war ich herausgefordert und konnte meinen Ideen freien Lauf lassen und den Unterricht frei gestalten. So fing ich erst mal bei null an, also mit den „Basics“, die Personen, das Verb „to be“, die Zahlen von 1-20, und vieles mehr. Vor allem die Aussprache war den Kindern fremd, deshalb habe ich viel Wert darauf gelegt, die Wörter langsam und genau auszusprechen und es die Schüler wiederholen zu lassen, sodass sie ein Gefühl für die Fremdsprache entwickeln. Regelmäßige Tests gehörten auch zum Programm. Es war eine tolle Erfahrung, mal selbst vorne zu stehen und zu lehren, man bekommt eine ganz andere Perspektive als zu Schulzeiten. Außerdem hat es total Spaß gemacht, den Kindern ein bisschen Englisch beizubringen und zu sehen, wie sehr sich manche angestrengt haben. In dieser Zeit war ich also der „teacher“ oder die „miss“. Ein paar Male gab ich auch Einzelunterricht, wenn sehr junge Kinder kamen.

Über den Englischunterricht hinaus

Die Freiheit und die Verantwortung, die ich in diesen drei Wochen hatte, nutzte ich ebenfalls, um mit den Kindern ein paar wichtige Themen zu besprechen. So schloss ich schon ein paar Tage vor Ende der Zeit mit dem Englischkurs ab und organisierte noch Tageseinheiten. Zum einen sprach ich über die Umwelt, besonders über den vielen Müll, der überall auf den Straßen zu finden ist, das ist ein generelles Problem in Peru. Für mich ist es wichtig, gerade den Kindern immer wieder vor Augen zu führen, dass das der Umwelt schadet, wo doch gerade Peru so ein unglaublich schönes Land mit vielseitiger Natur ist. In diesem Problem übernehmen die Eltern oft nicht die Verantwortung, da sie den Müll manchmal selbst einfach auf die Straße werfen. Somit gilt es für die Kinder folglich als selbstverständlich, dass die offene Straße ein Mülleimer ist. Des Weiteren sprach ich generell über einzelne Themen zur „Umwelt“, beispielsweise über Ökosysteme. Auch den Padres liegt dieses Thema sehr am Herzen, Pater Juan hat sogar ein Kinderbuch geschrieben zum Thema Umwelt und Co. Darüber hinaus gab es dann noch eine Einheit zur Ernährung. Es ist sehr auffällig, dass sich besonders die Kinder immer Kekse kaufen, wenn sie nicht schon selbst welche dabei haben. Stattdessen sollte man Wert darauf legen, dass sie sich zum Beispiel ein Obst mitnehmen, wo das Obst in Peru doch so geschmacksintensiv ist! Am letzten Tag machte ich noch eine kleine Einheit zum christlichen Glauben. Die Quintessenz war, dass wir alle Gott nah sein können, egal ob Papst, Priester, Kind, Mann oder Frau. Abgeschlossen habe ich mit einem Gespräch über Träume und wieder mal war ich überrascht, wie vielfältig die Ideen waren. Fast jedes Kind hatte schon seinen eigenen Traum, etwas zu studieren: Jura, Architektur, Sprachen,… Es war wirklich viel dabei. Den Kindern gab ich noch mit auf den Weg, dass sie nie aufhören sollen zu träumen.

Das Leben als Laienmissionarin

Nebenbei war ich viel mit Irma unterwegs. Zusammen besuchten wir Familien, beteten, oder besuchten auch Kranke, brachten die Hostie zu älteren Menschen nach Hause. Es war vielfältig und spannend mitzuerleben, wie der Alltag Irmas ausschaut. Vor allem aber auch, dass im eigentlich so „katholischen Peru“, doch sehr viele Menschen überhaupt nichts mit dem Glauben zu tun haben. Umso schöner, trotzdem in Kontakt zu treten. Gemeinsam mit Irma besuchte ich auch einige Gottesdienste, unter anderem natürlich die Messe des Papstes (mehr dazu könnt ihr in meinem vorherigen Bericht „Wir sollten uns nie der Hoffnung berauben lassen“ lesen). Die Bibelzeit bei Irmas Nachbarn war sehr schön, da wir viel diskutieren konnten und auch ich meine Gedanken teilen konnte. Bei ihnen durfte ich mich immer mal wieder Internet klauen, sodass ich weiterhin Berichte verfassen konnte, das war toll. Gelebt habe ich mit Irma zusammen mit ihren Verwandten. Wie selbstverständlich wurde ich von allen herzlich aufgenommen. Es war sehr familiär, was mir gut gefiel. Einmal fuhr ich alleine in die Stadt und auf dem Rückweg haben dann so viele auf mich gewartet vor dem Haus (auch die Nachbarn), dass ich auch ja an der richtigen Stelle aus dem Bus aussteige. Das war ein bewegender Moment. Alle wollten, dass es mir gut geht, und alle waren so erfreut darüber, dass ich dort war, als Lehrerin, aber auch so in ihrem Alltag Teil haben durfte. Überraschenderweise stand an einem Abend, als ich Irma auf ein Treffen der Missionare begleitet habe, Pater José in der Tür, das war ziemlich cool.

Surfen, Fußball und Erdbeben

Sonst war auch noch einiges los. Einen Tag verbrachte ich mit der Familie, die ich beim Papstbesuch kennengelernt habe, in einem Sportzentrum: Das war eine komplett andere Welt, eigentlich so, wie ich es aus Deutschland kenne, aber hier in Peru doch so fremd. Außerdem habe ich mir den für Trujillo bekannten Marinera-Tanz gesehen. Das war schön. Mit Micaela, die aus Lima kommt und gerade bei ihrer Familie zu Besuch ist, war ich an einem Morgen surfen. Trujillo ist ein bekannter Strand zum Surfen, aber leider konnten wir es nicht ganz auskosten, da an diesem Morgen fast keine Wellen da waren. Aber es war trotzdem sehr schön, wieder im Meer zu sein :). Mit den Kiddies spielte ich auch Fußball, obwohl das definitiv nicht zu meinen Talenten gehört, aber sie hatten eine unglaubliche Freude daran mit „teacher Marlene“ zu spielen. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag habe ich dann mein zweites Erdbeben in Peru erlebt, dieses Mal aber habe ich es gleich registriert. Verhältnismäßig soll es ein starkes gewesen sein. Jedenfalls schien die Erde eine Ewigkeit zu wackeln, kein Wunder, dass mich dies direkt aus dem Schlaf riss. Kurz überlegte ich, das Haus zu verlassen, aber dann hat es glücklicherweise schon aufgehört. Auch wenn ich mich bei Irma sicher gefühlt habe, es war sehr komisch. Solche Gefahren kenne ich von Deutschland nicht.

Emotionale Bindung

Die Zeit war eine sehr schöne Erfahrung, da es mich überwältig, wie sehr mich die Menschen in ihr Herz geschlossen haben und dies auch äußern, in Worten oder Handlungen. Immer wenn mich jemand sah, rief er mich von weitem. Immer ein Lächeln, ein Handzeichen, ein Gespräch,… Es war so herzlich. Die Abschiede waren emotional, die Nachbarn Irmas waren traurig, mich gehen zu lassen und wünschten mir das Beste. Irmas Mutter hatte Tränen in den Augen, sie war immer sehr süß. Auch der kleine Darlyn vom Zimmer nebenan hat eine Bindung aufgebaut und schenkte mir noch ein Armband zum Abschied. Besonders an diesem letzten Tag wurde mir bewusst, wie prägend diese Zeit war, ich habe die Kinder in mein Herz geschlossen und war sehr berührt, als sie mir beim Abschiedsfest so schöne Plakate gestaltet haben. Dieser Moment, als ich mit dem Taxi wegfuhr und alle hinterher gewinkt haben… ach, unvergesslich :). Irma begleitete mich zum Bus und wünschte mir noch Gottes Segen. Sie ist eine wirklich tolle Frau, ich werde sie vermissen.

Mal wieder zurück in der neuen Heimat

Gestern war ich dann wider in der Heimat und habe meine Ministranten wieder gesehen und im Casa war ich auch kurz. Jetzt gibt es ganz viele Angebote und in meine Geigenliste haben sich einige Kinder eingetragen. Dazu bald aber mehr, denn nun geht es morgen schon wieder weiter auf das Zwischenseminar, etwas außerhalb von Lima. Ich bekomme ein bisschen Bauchweh bei dem Gedanken, dass jetzt schon Halbzeit ist 🙁

Meine Lieben, macht´s gut, bald werdet ihr wieder von mir hören. Ich wünsche euch eine schöne Woche!

Herzlichst

Eure Marlene Helena

„Wir sollten uns nie unserer Hoffnung berauben lassen“ – Papa Francisco, 20.01.2018

Trujillo, den 26.01.2018

Hallo meine Lieben! Momentan befinde ich mich ca. zehn Stunden Busfahrt südlich von Lima. Hier, in Trujillo, verbringe ich drei Wochen bei Schwester Irma (Comboni-Laienmissionarin) und  gebe Englischunterricht als Teil der sogenannten „Vacaciónes Útiles“, in denen die Kinder auch in den Ferien etwas lernen können. Zu meiner Arbeit, meinen Herausforderungen und den Erfahrungen, die ich hier sammele gibt es dann im nächsten Blogeintrag mehr 🙂

Ein ganz besonderer Besuch

Am letzten Samstag bzw. auch Freitag, den 19./20.01.2018, fand ein ganz besonderes Ereignis statt, das ich wohl nie vergessen werde. Viele Vorbereitungen wurden schon lange davor getroffen und nun war es soweit: Papst Franziskus kam nach Trujillo. Nach den starken Überschwemmungen aufgrund des Naturphänomens „El Niño“ waren Peru und Chile schwer betroffen und viel Zerstörung blieb zurück. Viele verloren ihr Zuhause und in einigen Städten kann man jetzt noch deutliche Spuren des letzten Jahres sehen. Das war der Hauptgrund, weshalb es dem derzeitigen Papst ein Herzensanliegen war, diese zwei Länder zu besuchen. Ein schönes Zeichen seinerseits.

Sich früh auf den Weg machen

Wir schreiben Freitag, den 19.01.2018 um 14:00 Uhr. Bleiben noch 20 Stunden, bis der Papst seine Messe hält. Da machen wir uns doch tatsächlich schon auf den Weg nach Huanchaco an den Strand, ein Stadtteil Trujillos, in dem schon am Tag davor die Hostien in der Iglesia de Huanchaco gesegnet wurden. Schwester Irma, einige weitere Frauen aus der Kirchengemeinde und ich. Mir erschien es völlig verrückt, uns so früh auf den Weg zu machen, aber wenn schon Abenteuer, dann wohl richtig. Letztendlich konnte sich auch keiner wirklich vorstellen, welches Ausmaß dieses Event annehmen wird, deshalb lieber rechtzeitig los. Obwohl es so viele Stunden zuvor gewesen ist, waren die Straßen schon ziemlich voll, aber das ist ja kein Problem; man kann ja auch einfach die Gegenspur benutzen, um nicht an Tempo zu verlieren. Schließlich waren wir dann um drei Uhr mittags am Strand von Huanchaco angekommen, einige transportierten schon ihre sogenannten Virgens (heiligen Jungfrauen), welche stets pompös verziert waren, und ich stand da und dachte mir: Was bitte soll ich hier die nächsten 19 Stunden machen?

Eine anstrengende Wartezeit steht bevor

Gleich machten wir uns auf die Suche nach dem bestmöglichen Platz, und waren dann schließlich mit unserer Wahl zufrieden. Dann hieß es: warten. Es war recht angenehm, da sich jeder respektiert hat, und es kein Gedränge gab. Alles schien friedlich und angenehm abzulaufen… Aber man sollte sich ja nicht zu früh freuen. Nachdem wir die ersten Stunde verbracht hatten, natürlich war ich nicht ganz unvorbereitet und hatte mein Buch dabei, und die Nacht einbrach, fing es leider an zu regnen. Na toll… Alles zusammenpacken, schnell einen Regenschirm schnorren, aufstehen und warten. Was dann passierte, zeichnete die Einmaligkeit dieses Events aus. Laute Musik lief, Gott wurde gepriesen, Regen sei ein Zeichen von Segen, und die Menschenmasse tanzte. Wider Erwarten hat es dann eine Stunde später auch wieder aufgehört zu regnen. Immer wieder dachte ich mir: Wie verrückt ist das hier bitte … Jedenfalls schien einer, mehr oder weniger, angenehmen Nacht nichts mehr im Wege zu stehen, auch wenn der Boden viel zu hart, und die Musik viel zu laut war. Erwarten die wirklich von mir, dass ich die ganze Nacht singe, tanze und springe, um morgen überhaupt nichts mehr von der Predigt mitnehmen zu können? Spirit hin oder her, der menschliche Körper hat seine Grenzen…

Den Sinn aus den Augen verloren

Um vier Uhr nachts wurde ich von streitenden Menschen geweckt. Da kam doch tatsächlich mehr als zwölf Stunden später eine riesen Menschenmasse und dachte wirklich, sie könne Anspruch auf unsere Plätze erheben, wo doch alles so ruhig und zivilisiert ablief. Links und rechts von der Bühne war unglaublich viel Platz frei, für mich ist es selbstverständlich, dass dieser Bereich dann von denjenigen gefüllt werden sollte, die später kommen. An dieser Stelle haben die Sicherheitsleute der Marine und der Polizei meiner Meinung nach keine gute Arbeit geleistet, indem sie die große Menge an hinzukommenden Menschen einfach in den Bereich gelassen hat, wo doch alles eigentlich gut abgesperrt war. Anstatt diese Menschenmasse auf freie Bereiche, etwas weiter weg (das muss den Leuten doch aber klar sein?), zu verweisen, entwickelte sich an unserem Platz alles zum kompletten Chaos: Menschen, die drängeln, die sich streiten, die respektlos miteinander umgehen. Die Atmosphäre schlug um und ich habe es bedauert. Man war eigentlich hilflos, denn selbst auf die Toilette konnte man nicht mehr, da es zu eng war. Aus den Gittern in der Nähe haben sie dann plötzlich auch niemanden mehr rausgelassen. Und wenn man sich durchquetschen wollte, wurde man von allen Seiten beschimpft. Außerdem waren die Sicherheitsleute nicht die geringste Hilfe.

Auf´s Bauchgefühl hören

Als ich es dann tatsächlich auf die Toilette raus schaffte, bin ich nicht wieder zurückgekehrt: Für mich verlor es an Sinn. Ich bin wegen des Papstes hier, wegen meines Glaubens, um Papst Franziskus Gehör zu schenken, um denjenigen ein bisschen besser kennenzulernen, der die katholische Kirche weltweit vertritt. Und nicht, um mit Menschen zu diskutieren (klappt sogar schon mit meinem Spanisch, wenn auch noch sehr ausbaufähig), die einem ohne Respekt und Ruhe gegenübertreten. So distanzierte ich mich, lief zum Meer und verweilte dort die letzten Stunden allein. Ob nun ein bisschen weiter weg von der Bühne, und obgleich ich für diesen Platz auch zwölf Stunden später hätte kommen können, war es mir dann echt gleichgültig. Ich wollte den Papst vor allem hören.

Wichtiger Appell: Wir alle sind Lichter!

Überpünktlich kam der Papst dann direkt über uns eingeflogen, im Anhang zwei Düsenjets. Sehr beeindruckend! Nachdem er dann einfuhr, ging die Messe auch schon los. Hauptaussagen seinerseits waren: Wir alle seien Lichter in dieser Welt. Wir sollten den Glauben weitertragen. Allein könnten wir zwar nicht viel sehen, das Licht sei zu schwach, aber wenn wir alle zusammen leuchteten, könnten wir den Weg erkennen. Wir sollten das Licht bzw. die Glut immer bewahren, dass sie nie erlösche, denn auch in schweren Zeiten bestehe die Hoffnung, sie immer wieder erneut zu entfachen. Besonders im Leid sei uns Jesus nahe, da er für uns am Kreuz gelitten habe. Vor allem aber sollten wir uns nie unserer Hoffnung berauben lassen. Eine wunderbare Nachricht, besonders nach der schweren Zeit im letzten Jahr. Vor allem zeigte Papst Franziskus so, dass er einen Bezug zu diesen Ländern hat und ihm die Menschen am Herzen liegen. Mir gefiel seine Art zu sprechen sehr, er hat die Menschen mit einbezogen, sodass sich jeder angesprochen fühlen konnte. Man merkte, dass er offen ist, einen Blick hat für ganz unterschiedliche Länder, arm oder reich. Insbesondere aber brachte er, in meinen Augen, eine ganz wichtige Botschaft rüber- eine Botschaft, die einen Grundbaustein des christlichen Glaubens darstellt: Jeder gehört dazu, jeder kann Gott nahe sein, egal wo er steht, was zählt ist der Glaube. Auch wenn wir am Boden sind, gibt es Hoffnung. Gott macht keine Unterschiede bei den Menschen. Am Schluss hat es sogar geklappt, dass ich eine Hostie bekommen konnte 🙂

Freude und Erschöpfung

Für mich war es ein schönes Erlebnis, nicht nur, weil der Glaube eine wichtige Rolle in meinem Leben spielt. So viele Menschen auf einem Fleck versammelt, so lange zu warten, das alles war sehr eindrücklich. Jedoch war ich danach ziemlich kaputt, und auch die folgenden Tage habe ich die Auswirkungen dieser Anstrengung gespürt, das war für den Körper einfach ein bisschen zu viel. Dieser Tag wird wohl lange in Erinnerung bleiben. Vor allem aber erinnert er daran, dass wir doch alle einfach auf ein und derselben Welt leben, auf der wir es anstreben sollten, friedlich und respektvoll miteinander umzugehen und das ein oder andere Mal den Blickwinkel etwas zu schärfen oder zu erweitern, wenn man beispielsweise darüber klagt, dass man ein ganzes Haus zu putzen hat oder die Wäsche noch aufgehängt werden muss.

In diesem Sinne, wünsche ich euch eine schöne Woche, bei mir ist es mittlerweile sehr warm, ich sende euch viele sonnige Grüße aus Trujillo.

Bis bald!

Herzlichst

Eure Marlene Helena

Zurück in der neuen Heimat – Jahresbeginn in Lima

Trujillo, den 17.01.18

Heimat. Ja, Lima ist Heimat für mich. Gerade mal fünf Monate wohne ich hier, und es fühlt sich wie eine Ewigkeit an. Manchmal bin ich ein bisschen traurig, wenn ich daran denke, dass ich „schon“ in sieben Monaten wieder nach Deutschland zurückkehren werde. Auch wenn ich wirklich viele Dinge vermisse, fühle ich mich schon lange angekommen in der Hauptstadt Perus und durch meine Offenheit und viel Eigeninitiative habe ich mir schon ein beachtliches Netzwerk an Kontakten aufgebaut, sei es an meiner Hauptarbeitsstelle, bei den Ministranten oder bei sonstigen Freizeitaktivitäten. Ich lebe mit vollem Herzblut hier und werde mein „zweites Leben“ am anderen Ende der Welt wohl immer vermissen, in meinem Herzen bewahren und immer wieder aufs Neue entflammen, wenn ich Besuche abstatten werde.

Mit Elan neue Ideen angehen

Nach meiner Reise in den Norden habe ich mich super gefühlt, wieder im Alltag angekommen zu sein, habe ich doch meine Kiddies super doll vermisst. Mit voller Motivation zum Jahresbeginn habe ich nun vor, mein Geigenprojekt umzusetzen, da es endlich einige Räume mit Türen gibt und somit Platz, um Geigenunterricht zu geben. Deshalb habe ich ein kleines Plakat gebastelt und eine Liste ausgehängt, in die sich Interessierte eintragen können. Mal schauen, wie es sich dann umsetzen lässt,  auch zeitlich. Vor allem wird es aber schwierig, da bis jetzt nur eine Violine vorhanden ist, nämlich die, die ich von zu Hause mitgebracht habe. Aber davon lasse ich mich nicht unterkriegen und gehe dieses Vorhaben mit Mut und Zuversicht in den nächsten Wochen an.

Sternsingen bei Sonnenschein

Auch bei den Ministranten war die Wiedersehensfreude beiderseits groß, mein Herz ging auf, als ich endlich wieder Gemeinschaft mit meinen Freunden verbringen konnte. Da habe ich dann auch noch mein Wichtelgeschenk nachgereicht bekommen. Am 06. Januar machten wir uns auf den Weg und zogen als “los reyes magos“ (Hl. Drei Könige) los, um die Häuser zu segnen. Dabei sind mir wieder einige Unterschiede zu Deutschland aufgefallen. Zum ersten, klar, anstatt in der Kälte zu erfrieren, liefen wir im T-Shirt und in kurzer Hose umher, die Könige schwitzten unter ihren Gewändern. Außerdem gab es keinen bestimmten Plan, welche Ministranten für welche Häuser verantwortlich sind, insgesamt besuchten wir vielleicht acht Häuser, also sehr wenige, wenn ich im Kopf habe, wie ich damals von Haus zu Haus gezogen bin, stundenlang. Hier läuft das alles eher gemütlich ab, so wie immer hehe 🙂 Das heißt man kehrt erst in das Haus ein, bleibt nicht davor stehen, sagt dann den Text auf (ich habe auch einen Part übernommen), singt ein Liedchen und klebt dann den Segen an die Tür. Fast in jedem Haus gab es dann auch etwas zum Trinken und Naschen als Stärkung, jedoch habe ich mich noch nicht ausgelastet gefühlt, es kam mir eher wie ein ständiges Rasten vor. Was auch auffiel war, dass viele Leute gar nicht wollten, dass die Sternsinger kommen, was mich sehr überraschte, diese aktive Antihaltung. Somit waren wir auch hauptsächlich in Häusern der Gemeindemitglieder. Es war auf jeden Fall toll, dabei gewesen zu sein, somit mitzuerleben, wie es in einem anderen Land abläuft.

Förderung in den Ferien, Vacaciónes Útiles

Momentan sind in Peru Schulferien, währenddessen gibt es von den Gemeinden aus die sogenannten vacaciónes útiles (“nützliche Ferien“). Dort können Kinder für ca. fünf Euro mehrere Wochen gefördert werden, ihren Lerninhalt nochmal wiederholen und vertiefen. Einmal hielt ich schon eine Englischstunde, in der ich die Zahlen von 1-10 lehrte. Was mich störte war, dass der Unterricht eigentlich um acht Uhr beginnt, bis aber alle Kinder gekommen waren und es mal wirklich losging mit Lernen, war es dann auch schon halb zehn. Und die halbstündige Pause wird gerne auf eine Stunde verlängert. Das finde ich dann sehr schade, da viel Zeit verloren geht, die wichtig wäre für die Kinder. Jedoch ist es wertvoll zu sehen, wie es in anderen Kulturen abläuft, Deutschland ist da manchmal ein extremes Gegenbeispiel mit unserer heutigen Leistungsgesellschaft. Da werden ausländische Einwohner dann oft schnell als “faul“ abgestempelt, ohne zu hinterfragen aus welchem Kulturkontext diese Person stammt, ohne zu wissen, dass dort oft ein anderes Verhältnis zur Zeit besteht. Leider werde ich nicht so viel mitbekommen von diesem Ferienprojekt, da ich drei Wochen in Trujillo arbeiten werde, dazu aber im nächsten Eintrag mehr.

Immer Leben…

Sonst habe ich wieder einiges erlebt die letzten zwei Wochen. Im Casa habe ich einen Abend die Chorprobe komplett alleine geleitet, da Oscar im Haus beschäftigt war. Das war so toll! Unvorbereitet mal kurz die komplette Verantwortung und Leitung übernehmen. Da waren dann viele Kompetenzen gefragt: die sprachliche, musikalische, autoritäre,… Genau mein Ding. Das war mal sehr schön, richtig herausgefordert zu sein, etwas selbst in die Hand zu nehmen. Es hat dann auch alles gut geklappt und ich denke, ich konnte den Kindern meine Tips verständlich nahebringen. Einen Sonntag begleitete ich Oscar nach Barranco in seine Gemeinde zum Gottesdienst, da sang ich kurzfristig im Chor mit. Im Haus der Talente habe ich ein E-Piano gefunden und konnte es letzte Woche endlich mal auspacken und anstecken, sodass ich die letzten Tage stundenlang Klavier spielte, habe ich das Musizieren doch schon sehr vermisst. Letzte Woche war ich wieder Schwimmen, jedoch ist es ziemlich kompliziert ins Freibad reinzukommen, da es normal viel kostet und es bisher immer ein Freund von mir gemanagt hat. Einfach nur nervig… Ich vermisse mein regelmäßiges Training im Aquafit Oberkochen sehr! Chiss und Samu haben sich einen Kleinbus gekauft und waren eifrig damit beschäftigt ihn auf Vordermann zu bringen. Während sie in Peru reisen, wird ein Mechaniker die letzten Sachen erledigen und dann können sie mit ihrem neuen Baby starten 🙂 Bevor es für sie losging, waren wir nochmal zusammen surfen, jedoch gab es leider fast keine Wellen. So trieben wir überwiegend auf dem Meer und warteten.

Eine politisch gespaltene Situation

Vielleicht hat ja der eine oder andere von euch mitbekommen, dass es in letzter Zeit Proteste in Lima gab, wegen des Präsidenten. Das wollte ich dann genauer wissen, und habe es ausgenutzt, nicht auf Google angewiesen zu sein. Als ich Juan eine kurze Zeit sah, löcherte ich ihn ein bisschen mit politischen Fragen, es musste schnell gehen, deshalb hier ein grober Überblick der politischen Situation Perus:

Alberto Fujimori, der ehemalige Präsident Perus zur Terrorismuszeiten, saß im Gefängnis, da er Menschen umbringen lassen hat und ein Diktator war zu dieser Zeit. Seine Tochter und sein Sohn sitzen beide in der Opposition der Regierung, wobei die beiden einige Meinungsverschiedenheiten haben, was die Politik betrifft. Während seine Tochter, Keika Sofía Fujimori, die Gründerin der neuen Partei der Opposition ist, sie den sogenannten „Fujimorismus“ eingeführt hat, distanziert sich deren Bruder, Kenji Fujimori, eher von ihr und ist damit beschäftigt, alles daran zu setzen, dass sein Vater freigesprochen wird, was er letztendlich vor Kurzem erreichte. Wie kam es dazu? Die Situation ist ziemlich verwirrend und meiner Meinung nach widersprechen sich einige Handlungen. Jedenfalls wurde ein Misstrauensvotum gegenüber dem aktuellen Präsidenten, Pedro Pablo Kuczynski ausgesprochen. Die Opposition drängt darauf, dass der Präsident seinen Posten abgibt, und stellt sich in vielen Entscheidungen quer. Juan meinte, dass die Opposition dauerhaft für Unruhe sorge, und es eigentlich ausweglos erscheine, irgendwie Kompromisse zu finden, egal welche Entscheidungen Kuczynski träfe. Nun setzte sich der Sohn Fujimoris dafür ein, dass zehn Mitglieder der Opposition für den Präsidenten stimmten, somit das Misstrauensvotum für den Präsidenten ausging. Auch innerhalb der Opposition herrschen Meinungsverschiedenheiten. Letztendlich wurde Fujimori daraufhin vom jetzigen Präsidenten freigesprochen. Deshalb  gab es auch die vielen Proteste gegen Pedro Kuczynski, da viele nun in Angst leben und empört sind, dass Fujimori nun wieder ein freier Mann ist. Man sieht, die Situation ist ziemlich verstrickt und sehr problematisch, da nun ein Großteil der Bevölkerung dem Präsidenten nicht mehr vertraut.

Da bin ich doch wieder sehr froh, in Deutschland zu leben, auch wenn ich immer noch schockiert bin, dass es seit so langer Zeit wieder eine extremistische Partei in den Bundestag geschafft hat.

Mein Jahresbeginn war also ziemlich voller Leben gefüllt, und hat mir bestätigt, dass ich mit Leib und Seele in Lima angekommen bin, meinem Zuhause.

Das heißt natürlich nicht, dass ich mein anderes Zuhause vergesse habe 🙂

In Gedanken grüßt euch herzlich

Eure Marlene Helena

Die schönsten Orte sind die unberührten – Auf Entdeckungstour im Norden Perus

Trujillo, den 14.01.18

Hallo meine Lieben! Erstmal: Feliz Año Nuevo! Ich hoffe, dass ihr alle einen guten Start ins neue Jahr hattet. Mein Jahreswechsel war einmalig und wunderschön, dazu später aber mehr. Seit meinem letzten Bericht ist ja nun schon wieder fast ein Monat vergangen, ein ziemlich aufregender und facettenreicher Monat.

Eine Busfahrt, die es in sich hat

Kurz vor Weihnachten ging es ja für David und mich Richtung Norden. Tatsächlich lag eine lange Reise vor uns. Mit dem Bus fuhren wir erstmal nach Chiclayo, 14 Stunden Fahrt an der Küste Perus entlang. Dort verbrachten wir dann einen Tag, um Luft zu schnappen, und besuchten unter anderem den Strand. Da hatte ich dann schon einen tollen Moment: es war heiß, die Sonne schien, der Strand war schön und ein paar Meter weiter waren einige Peruaner damit beschäftigt, ihre Fischerboote zu entleeren. Das war ein einmaliger Anblick. Den Fischen wird dann erstmal auf den Kopf geschlagen oder der Hals umgedreht, dass sie nicht länger leiden müssen. Ich habe mich wie im Film gefühlt, dazu noch unzählige Vögel, die am Strand umherschwirrten. Danach ging es, mit einem Bus der gefühlt vierten Klasse, nach Chachapoyas, unserem ersten Ziel. Wie es sich für einen Schwaben gehört, wollten David und ich natürlich auch bei den Fahrtkosten sparen, eindeutig ein Fehler, aber wir forderten es ja heraus, am eigenen Leib eine sehr unangenehme Fahrt zu erleben. Letztendlich verbrachten wir weitere zwölf Stunden in einer Schrottkiste, das muss ich jetzt leider so sagen, sonst wird es meinen damaligen Gefühlen nicht gerecht, ohne Klimaanlage, sodass man fast erstickte bei der schlechten Luft, aber natürlich gab es einen kleinen Fernseher, der auf übermäßiger Lautstärke lief und wie nicht anders zu erwarten, war es irgendein Kinderfilm, der mich nicht die Bohne interessierte. Somit wurde ich bis spät in die Nacht wach gehalten und als es dann endlich still war, war die Luft in diesem Bus allmählich so stickig, dass eindeutig keine Chance mehr bestand, zur Ruhe zu kommen. Also, Stöpsel rein, Musik an, an der kalten Busscheibe kleben, und auf den Morgen warten.

Andere Projekte kennenlernen

Endlich angekommen, wartete schon Franz auf uns und brachte uns in unser neues zu Hause für eine Woche. Gleich am ersten Nachmittag gab es eine Chocolatada in einer Schule und David, Janina, Ole und ich durften zusehen, wie Franz mit Herzblut seinem Job als Papa Noel, als Weihnachtsmann, nachging. Auch während der weiteren Tage durfte ich einen kleinen Einblick in die Arbeit der beiden gewinnen, Janina begleitete ich in das Altenheim, wo wir erst den Gottesdienst besuchten und später beim Frühstück halfen. Am Nachmittag begleitete ich Franz in die Schule für Kinder mit Behinderung, und ich muss sagen, das war sehr bewegend. Kinder mit den unterschiedlichsten Behinderungen kamen hier zusammen und hatten eine riesige Freude an den vorweihnachtlichen Veranstaltungen. Mit einem Kind habe ich mich sehr gut verstanden, es war taubstumm, am Schluss haben wir zusammen getanzt; der Kleine war total in seinem Element und hat den Rhythmus gefühlt, ohne die Musik zu hören.

„Gringo-tour“ kann jeder, wir reisen im Norden!

Im Gegensatz zu der üblichen „Gringo-tour“ im Süden Perus (Cusco, Macchu Picchu, Puno,…) ist der Norden Perus eher weniger touristisch, jedoch bietet die Natur wunderschöne Orte, die man gesehen haben sollte. Deshalb bin ich auch sehr froh, dass wir Franz und Janina besuchten, da wir sonst wohl eher nicht in den Norden gereist wären. Als erstes machten wir uns auf den Weg zur Festung von Kuélap, eine der wichtigsten archäologischen Stätten im Norden Perus, mittlerweile auch UNESCO-Welterbe. Eigentlich führt eine Seilbahn dort hoch, jedoch gab es in den Tagen davor ein heftiges Unwetter, wodurch diese zu unsicher wurde. Deshalb fuhren wir (anstatt 20 Minuten mit der Seilbahn) drei Stunden mit einem Combi (Kleinbus) im Slalom nach oben. Eine wahnsinnige Natur! Nach einem kurzen Fußmarsch nach oben konnten wir dann schon auf Entdeckertour gehen und ich durfte am eigenen Leib spüren, dass die sogenannten „Häuser in Originalform“ gar nicht mal so stabil sind, wie man es von Steinen erwartet 🙂

Ein Fußmarsch, der Kräfte verlangt

Die zweite Attraktion bildete der drittgrößte Wasserfall der Welt: la catarata Gocta. Mit 770 Metern, in zwei Abschnitten aufgeteilt, ist er ein wahres Wunder der Natur. Schon die Busfahrt ins davorliegende Tal war unglaublich toll: Mit dem Combi mitten durch den Regenwald, wo man hinsieht alles grün und unberührt. Ich konnte gar nicht mehr aufhören zu staunen, sieht man das doch sonst wenn dann nur in Filmen. Von weitem konnte man den Wasserfall schon sehen, er kann ja nicht allzu weit weg sein; tja falsch gedacht. Die Wege im Regenwald sind nämlich so kurvig, dass wir dann erst noch 2,5 Stunden Fußmarsch vor uns hatten; und der hatte es in sich. Steile Wege bei erstechender Schwüle … das war ein e Herausforderung. Im Unterschied zu früher habe ich erst gar nicht versucht, mit den anderen mitzuhalten, stattdessen habe ich mein eigenes Tempo gefunden und den Wanderweg auch richtig genossen, ab und zu ein Videotagebuch gedreht und hatte nahezu immer ein Lächeln auf dem Gesicht. Verrückt, vor einem halben Jahr saß ich noch im Klassenzimmer, mitten in der Abiphase, und nun laufe ich hier mitten durch den Regenwald, ganz weit weg von zu Hause, mitten durch die unberührte Natur. Immer wieder versuche ich zu begreifen, welch ein Glück ich doch habe, diese Reise genießen zu dürfen und diese Erfahrungen in meinem Album hinzufügen zu können. Als wir dann endlich ankamen, registrierte wir erst, wie gewaltig und hoch dieser Wasserfall doch wirklich war, dabei konnten wir ja nur den unteren Teil davon sehen. Der Rückmarsch hatte es dann nochmal in sich, geregnet hat es auch, sodass ich nur noch ein nasses Säckchen war; ich habe den Regen aber genossen, da er so naturverbindend ist und außerdem in Lima nicht existiert. Welche Tücken und Schwierigkeiten dieser Fußmarsch noch so mit sich brachte, könnt ihr in Davids zweitem Artikel genauer erfahren.

Wer braucht schon einen Reiseführer, wenn man Kontakte hat?

Ein Geheimtipp, der nicht unbedingt in jedem Reiseführer steht, war Huancas, ein Canyon ganz in der Nähe von Chachapoyas (Canon del Sonche). Wie gut, dass wir Janina und Franz hatten, die sich schon sehr gut auskannten in ihrer neuen Heimat und Umgebung. So verbrachten wir den ersten Weihnachtsfeiertag (in Peru gibt es auch nur den ersten, 25.12.) auf einem Felsen des Canyons mit Paneton. Am Vorweihnachtstag besuchten wir noch Mendoza, die Heimat von Ole, einem peruanischen Freund, der ein Jahr in Deutschland als Reversefreiwilliger der Allianza verbracht hatte. In der Umgebung gab es dann eine Höhle zu besichtigen und mitten im Dschungel, neben einem Fluss, gab es dann ein Thermalbad. Ein absoluter Traum, wie man ihn nur aus Filmen kennt.

Besinnliches Weihnachtsfest

Aber nun zum Weihnachtsfest: ihr habt euch bestimmt gefragt, wie und wo ich gefeiert habe und vor allem wie es mir dabei erging. David und ich hatten das große Glück, wie Janina und Franz, bei deren Mentor Andreas und seiner Familie eingeladen zu sein. Andreas ist ein ehemaliger deutscher Freiwilliger und hat sich hier ein Eigenheim aufgebaut mit eigener Familie. Dadurch hatten wir europäisch peruanische Weinachten, das heißt, es gab sogar einen echten Baum, wenn auch mickrig, und zum Essen gab es Raclette, sehr liebevoll zubereitet. Außerdem habe ich an diesem Abend den besten Pisco Sour getrunken, von deutscher Hand gemacht, hehe 🙂 Es war ein sehr gemütlicher Abend und gegen Mitternacht gab es dann sogar Bescherung. Um Punkt zwölf ist es üblich, dass es Feuerwerk gibt, davon haben wir nicht so viel mitbekommen, da es in Chachapoyas ruhiger war. Ein Video von unseren Freunden aus Lima zeigt das komplette Gegenteil. Mir war es aber gerade recht, dass ich Weihnachten ruhig und besinnlich in gemütlicher Runde verbringen konnte. Somit habe ich mich auch sehr wohlgefühlt und die überraschende Post aus der Heimat, die David für mich mitgenommen hat, war wundervoll. Ich bin sehr glücklich über mein Weihnachten in Peru, auch wenn ich das in Deutschland vermisste und mich auf das nächste zusammen mit meiner Familie freue. Der Schnee, die Kälte, das Schnitzel mit Kartoffelsalat, die Weihnachtsmesse haben mir doch schon gefehlt. Und der Gottesdienst am darauffolgenden Abend in Chachapoyas hat mich überhaupt nicht zufrieden gestellt, er war sehr langweilig und einfach gestaltet, so als ob es kein besonderer Tag wäre, und die kitschige Krippe hat den ganzen Gottesdienst lang piepsige Geräusche gemacht. Davor hatte ich immer das Bild von einem unvergesslichen, überaus besonderen Festgottesdienst zu Jesu Geburt. Naja, man wird ja immer wieder eines besseren belehrt.

Immer tiefer in den Regenwald

Nach den Feiertagen kam dann Aracelly nach, eine Freundin aus Lima, und wir düsten am 27.12.17 mit einem Combi weiter in den Regenwald rein, nach Tarapoto. Das war sehr spannend, da ich am Naturbild gut erkennen konnte, dass wir immer weiter östlich in die Selva fuhren, das Landschaftsbild verwandelte sich immer mehr zum Regenwald, wie man ihn im Kopf hat. Mit meinem Husten war ich dann froh, als wir nach acht Stunden in Tarapoto ankamen, und auch noch ein Hostel mit akzeptablem Preis fanden (wir zahlten ca. 5 Euro die Nacht). Wir hatten schöne Tage, besuchten umliegende Orte (Wasserfall (Catarata Ahuashuyacu), ein Schloss (Castillo de Lamas), Moyobamba, eine Lagune (Laguna Azul de Sauce). Jedoch war diese Reise auch sehr anstrengend, da es schwül war, und mein Zimmer so stickig, dass ich in diesen Nächten kaum bis gar nicht geschlafen habe. Dann kam die Frage auf, wo wir Silvester verbringen wollen, und ich muss sagen, ich habe mich immer mehr nach Lima gesehnt. In meinem Leben hatte ich hier in Peru das erste Mal Heimweh, und zwar Heimweh nach Lima. Glücklicherweise, entgegen allen Erwartungen, haben wir doch tatsächlichen einen billigen Flug gefunden, sodass wir am 31.12. nachmittags zurück nach Lima fliegen konnten. Statt 33 Stunden anstrengender Busfahrt, hoben wir nun für eine knappe Stunde in die Wolken ab.

Rechtzeitig zum Jahreswechsel in der neuen Heimat

Das war ein wunderbares Gefühl, wieder in Lima zu sein. Die Reise war wirklich toll, jedoch ist es gerade in den letzten Tagen ziemlich anstrengend geworden und ich hatte eine intensive Zeit hinter mir, die mich prägt. Kurz den Rucksack ausgepackt, in Schale geworfen und schon gings ins Casa, wo die Gringos auf uns gewartet haben. Bei selbstgemachter Pizza stimmten wir den Abend ein, bevor es mit Schokofondue auf das Hausdach der Padres ging. Zusammen mit Juan sichteten wir dann das Feuerwerk. Was für ein Anblick! Danach tanzten wir in Barranco bis in die Morgenstunden. Übrigens gibt es einen Brauch an Silvester: Viele Peruaner tragen in dieser Nacht gelbe Unterwäsche, das soll Glück im nächsten Jahr bringen. Überall auf den Straßen wird deshalb gelbe Unterwäsche verkauft. Oder rote, die steht für die Liebe, oder auch grüne, für gutes Geld im folgenden Jahr. Wir haben uns dann doch lieber für eine gelbe Blume im Haar entschieden 🙂

Was passiert mit euren Spenden?

Nun freue ich mich, wieder im Haus der Talente tätig zu sein und neue Projekte anzugehen. An dieser Stelle möchte ich nochmal meinen Dank aussprechen für die bisherige finanzielle Unterstützung für mein Projekt. Den Jahreswechsel möchte ich gerne dafür nutzen, um erneut einen kleinen Spendenaufruf zu starten und ein wenig darüber zu informieren, wie eure finanzielle Unterstützung eingesetzt wird vor Ort. Generell wird natürlich momentan immer Geld gebraucht für den Umbau des Hauses, es geht gut voran, jedoch fehlt noch einiges bis zur Fertigstellung, zum Beispiel muss ein Teil vom ersten Stock komplett rausgerissen werden, da er einsturzgefährdet ist. Das sind aber nicht einkalkulierte Kosten und somit verzögert es sich. In den kommenden Monaten haben David und ich auch vor, Spenden einzusetzen für den Umbau und Neukauf der Stelzen, da sie Hauptmerkmal des Casas sind. Mit den Stelzen haben die Kinder ihre Auftritte und repräsentieren das Haus der Talente. Des Weiteren werden wir am 10. Februar einen großen Ausflug organisieren zu einem Freizeitgelände. Dort waren die Kinder und auch Pater Juan erst einmal vor einigen Jahren, da vor allem die Hinfahrt mit dem Bus etwas kostet und die Kinder sich das nicht leisten können. Uns lag es am Herzen, auch etwas dazu beitragen zu können, dass die Kinder mal ein bisschen weiter rauskommen aus Chorrillos. Des Weiteren kam mir die Idee, eine Art „Gesundheitskasse“ aufzubauen. Gerade als Ärztin Karin da war, habe ich gemerkt, dass es oft an kleinen Beträgen scheitert, die jedoch ausschlaggebend für die Entwicklung der Kinder sind, seien es Einlagen für die Füße oder Wachstumshormone bei einem Kleinwüchsigen… Selbst kleinste Kosten können die Familien oft nicht tragen. So habe ich mit Juan gesprochen und werde organisieren, dass ein bisschen Geld zurückgelegt wird für Zeiten, in denen Karin oder auch andere Fachleute hier in der Gemeinde sind, dass sie dann auf etwas zurückgreifen können bei Bedarf.

Das sind momentan die Baustellen, wo wir eure Spenden einsetzen und es werden bestimmt noch ein paar Ideen hinzukommen. Ihr könnt sehen, eure finanzielle Unterstützung fällt auf fruchtbaren Boden, und ich werde euch immer wieder darüber informieren. Auch wenn Fragen aufkommen, schreibt mir jederzeit auf m.mangold-infomaz@gmx.de. Eure Unterstützung ist also gerne gesehen und wird sehr wertgeschätzt!

Comboni-Missionare KöR, 73479 Ellwangen                                                                                                           IBAN: DE66 6145 0050 0110 6170 15                                                                                                                      BIC: OASPDE6AXXX                                                                                                                              Verwendungszweck: *** Marlene Mangold (630), Peru ***

Herzlichen Dank auch für eure sonstige Unterstützung, sei es durch anhaltenden Kontakt oder durch Erzählen von mir und meinem Projekt.

Ich wünsche euch eine gute Zeit, einen guten Jahresbeginn, ich denke viel an euch meine liebe Familie, Freunde und Unterstützer!

PS: Wenn ihr das nächste Mal durch den Wald lauft oder draußen unterwegs seid, genießt doch mal die Natur bewusst. Das kann eine tolle Erfahrung sein.

Es grüßt euch herzlich

Eure Marlene Helena

Rückblick auf die letzten Monate

Hallo an Alle,

hier ein kurzer und bündiger Einblick in meine letzten Monate.

Feliz Navidad y prospero Año nuevo!

Ob mit oder ohne Schnee – Weihnachten ist überall!

San Genaro, den 17.12.2017

Hallo meine Lieben, hier drüben, bei Sonnenschein und Surfstunden, kann ich es gar nicht so recht glauben, dass nächstes Wochenende schon Weihnachten vor der Tür steht. In Deutschland wäre ich gerade wohl noch im Jahresendspurt, d.h. die letzten Arbeiten in der Schule stünden an und die Geschenkevorbereitungen würden so langsam abgeschlossen. Nebenher noch ein paar Mal auf den Weihnachtsmarkt schlendern und sich dann zu Hause auf ein heißes Bad freuen. Die letzten Wochen bin ich hier noch nicht in Weihnachtsstimmung gekommen, es ist warm und an all den Plastikschmuck muss ich mich erst mal gewöhnen, wo ich doch die echten Tannenbäume aus Deutschland gewohnt bin. Wenn ich dann im Bus sitze und wieder mal denke, dass es doch so langsam Zeit wäre, sich auf Weihnachten einzustellen, merke ich, wie sehr man doch an der Tradition hängt, aber ist ja auch klar, wenn man ein Fest jedes Jahr aufs Neue unter den gleichen Umständen feiert. Deshalb genieße ich es bewusst, das Heilige Fest mal komplett anders zu erleben, so richtig anders. Außerdem kann ich mich so vielleicht noch mehr auf die wahre Botschaft des Festes konzentrieren, und diese liegt nicht im Geschenkekonsum oder im Glühwein des traditionellen Weihnachtsmarktes. Diese liegt in der Geburt Jesu Christi, im Zusammenleben, in der Nächstenliebe und in der Dankbarkeit für dieses wunderbare Leben.

Weihnachtskuchen und Tierverehrung

Weihnachten wird hier eigentlich ziemlich ähnlich wie bei uns zelebriert. An Heilig Abend gibt es eine Messe und danach verbringt man einen gemütlichen Abend im familiären Kreis mit gutem Essen und Bescherung. Typische Mahlzeit ist hier die panetón, eine Art Weihnachtskuchen. Da dieser nicht so teuer ist, können auch die ärmeren Familien in den Genuss kommen. Sonst wird auch gerne pavo al horno (Truthahn im Ofen) oder lechón (Spanferkel) gegessen. Um Mitternacht gibt es dann, im Unterschied zu Deutschland, ein Feuerwerk, welches offiziell jedoch verboten ist. Die Adventszeit wird hier eher nicht so bewusst gefeiert, wie ich das von Deutschland kenne, jedoch merkt man an den Kindern und Jugendlichen, die schon Wochen vor dem Fest ihre Böller und ihr Feuerwerk loslassen, dass sich Weihnachten langsam nähert. Darüber hinaus bleibt noch zu erwähnen, dass die Art und Weise der Feier auch von der Region Perus abhängig ist. So werden zum Beispiel in Ayacucho viele verschiedene Krippen ausgestellt von bekannten Handwerkern, in Cusco gibt es den bekannten Santurantikuy-Markt oder in Orten der Selva, zum Beispiel, die Gemeinschaft der ashaninka, werden die Tiere besonders geehrt in dieser Zeit.

Dieses Jahr werde ich Weihnachten das erste Mal ohne meine Familie an einem anderen Ort der Welt verbringen, und das ist nicht Lima. Heute Abend mache ich mich mit David auf die Reise hoch in den Norden nach Chachapoyas (liegt im Bereich zwischen Bergen und Regenwald), wo wir Franz und Janina besuchen werden, und bei ihnen in der Gemeinschaft feiern werden. Darauf freue ich mich sehr, ich bin auch gespannt, wie die Menschen dort so leben und hoffe, dass es ein schönes und besinnliches Fest wird.

Was es sonst so Neues gibt

Seit Donnerstag sind wir ein Freiwilliger weniger, da sich Jonathan nach drei Monaten Aufenthalt wieder auf den Weg in die Heimat Österreich gemacht hat. An seinem letzten Nachmittag im Casa haben wir alle ein Konzert gegeben, sprich unsere Musik aufgedreht, Luftgitarre gespielt und viel geschwitzt, herrlich. Es war eine tolle Zeit und ich wünsche ihm für seinen weiteren Lebensweg alles Gute 🙂 Und hey Jona, wir sehen uns dann hoffentlich spätestens auf dem Oktoberfest nächstes Jahr!

Die kleine Naisha aus dem Casa sollte theoretisch in den Regenwald zurückkehren, da es ihren Großeltern nicht gut geht, sie selbst ist 2012 nach Lima gekommen. Nun erfuhr ich, dass sie für ein Jahr zurückgehen sollte, kann aber auch für immer sein. Heute wohnt sie aber jetzt doch bei ihrer Tante in Lima und kann da bleiben, zu meiner Freude. Jedoch, als wir beide dachten, dass wir uns nicht mehr sehen würden, waren wir schon traurig und haben die gemeinsame Zeit genutzt. Zusammen mit ihr war ich dann nochmal am Strand in Barranco, nachdem sie mich am selben Morgen wachtelefoniert hat 🙂 Das war sehr schön, zu erfahren, welche Bindung ich zu den Kindern aufgebaut habe bzw. ständig aufbaue. Gleichzeitig bin ich auch für viele Kinder zur engen Bezugsperson geworden, und das ist wunderbar.

Mit den Ministranten bin ich nach wie vor viel unterwegs, jede Woche sehen wir uns mehrmals, weil immer irgendetwas ansteht. Letzte Woche waren viele Erstkommunionen, so durfte ich morgens bei einer ministrieren und die Kinder im Anschluss dazu einladen, Ministrant zu werden, und am Nachmittag in einem anderen Gottesdienst im Chor mitsingen. Dieses Wochenende verbrachte ich fast ausschließlich in der Kirche, da am nächsten Tag eine Hochzeit stattfand und am Tag darauf ein großes Gemeindefest zum Jahresende. Es war sehr anstrengend, aber unglaublich bereichernd und voller Spaß. Außerdem haben wir für Juan noch eine kleine Nachfeier organisiert, was ihn sehr gefreut hat.

Den Wolken nahe

Am 03./04.12.17 haben wir einen Ausflug auf den Berg Marcahuasi gemacht. Nach einem anstrengenden Fußmarsch von 3000m auf 4000m Höhe (mir hat der Höhenunterschied und die Steile zu schaffen gemacht, hehe) kamen wir dann auf dem wunderschönen Berg an und waren fast alleine. Das war vielleicht ein befreiendes Gefühl! Ich war über den Wolken. Die Nacht war wohl eine der schlimmsten in meinem Leben, denn ich bin fast erfroren, ich habe kein Auge zu gemacht und die Minuten gezählt, bis die Sonne aufging. Das tat vielleicht gut, als ich am Morgen ausgebreitet auf einem Felsen lag und die Sonne meinen Körper wieder mit Energie und Wärme versorgte. Aber das war es wert, eine unglaubliche Sicht und vor allem eine wunderbare Stille umgaben mich in diesen zwei Tagen.

Freundschaften und neue Erfahrungen

In den letzten Wochen haben sich einige Freundschaften nochmal intensiviert und ich bin so erfüllt, dass ich so tolle Menschen kennenlernen darf, Menschen, die ich meine richtigen Freunde nennen kann. So bekam ich aber auch mal wieder einen unschönen Einblick in die Realität Limas. Ein Bekannter eines sehr engen Freundes wurde einfach erstochen. Die Täter wollten ihn ausrauben, er hat wahrscheinlich etwas Widerstand geleistet und dann… Weg war er. Grausam. Ich habe meinen Kumpel dann auf seinen Wunsch zum Velorio (Totenwache) begleitet. Die Menschen hier müssen oft einiges mitmachen.  Deshalb ist es für mich umso wichtiger, hautnah mitzuleben, Freundschaften zu intensivieren und gemeinsame Erlebnisse zu sammeln.

Gesundheitlich ging es mir die letzte Woche nicht ganz so gut, da ich irgendetwas Falsches gegessen habe. Nachdem mir bei der Chorprobe nicht so gut war, dachte ich, dass ich einfach schnell nach Hause gehe und mich hinlege. Naja, das mit dem einfach und schnell war wohl nix, da ich mich leider an der zweiten Straßenecke übergebe musste. Da sitz ich dann an der Straße San Genaros und bin mittendrin…

Ein bisschen in Weihnachtsstimmung bin ich gestern bei der Weihnachtsfeier gekommen, an der sowohl Kinder aus dem Haus der Talente als auch die Kinder von der Hausaufgabenbetreuung teilgenommen haben. Das war sehr schön und ich hatte die Gelegenheit, allen ein schönes Fest zu wünschen.

Weihnachten steht vor der Tür

So ganz realisiere ich noch gar nicht, dass ich mich heute schon auf die Reise in den Norden mache und auch Andrea nicht mehr da sein wird, wenn ich wieder komme. Vorher haben wir, wie schon lange geplant, nochmal zusammen einen Ausflug auf den Hügel San Genaros gemacht (alleine als Frau ist das nämlich nicht empfehlenswert, wie ihr auch in meinem vierten Bericht Durchatmen lesen könnt) und wir wurden um einen wunderschönen Ausblick und Stille bereichert. Das Beste war, dass ich die andere Seite San Genaros sehen konnte, somit auch das „andere“ Meer.

Meine lieben Freunde, wir hören uns also im neuen Jahr wieder, bis dahin wünsche ich euch von Herzen eine gesegnete Weihnachtszeit, ein besinnliches Fest mit der Familie und einen guten Rutsch ins Jahr 2018, den ihr ja dieses Mal sechs Stunden früher feiern dürft. Auch wenn ich dieses Jahr bei weitem nicht so gut in Weihnachtsstimmung bin wie in Deutschland, ist es eine wertvolle Erfahrung, da man aufgefordert ist, sich ganz besonders auf das Wesentliche in dieser Zeit zu konzentrieren und ich bin zuversichtlich, dass sich mein Herz, nach der ganzen Reise und beim besinnlichen Zusammenkommen nächste Woche, dann ganz öffnen kann für das Fest der Liebe.

Besonders in dieser Zeit bin ich in Gedanken ganz nah bei meiner Familie und meinen Freunden, die mich durch diese Zeit tragen durch ihre bedingungslose Liebe und Unterstützung. Danke!

Herzlichst

Eure Marlene Helena

Eine andere Welt … Ausflug in den Regenwald

San Genaro, den 05.12.2017

Falls ihr jetzt denkt, dass ich fast ganze vier Monate gebraucht habe, um zu merken, dass ich hier in Lima in einer ganz anderen Welt lebe, muss ich gleich eines loswerden: Unsere eine Welt besteht aus so vielen unterschiedlichen Welten mit ihren ganz eigenen Facetten. Und Lima ist definitiv eine andere Welt, wenn auch auf ein und derselben Welt. Das habe ich schon am ersten Tag gespürt. Wovon ich euch heute erzählen will, ist von der Vielfalt Perus.

Das lateinamerikanische Peru, welches geografisch gesehen  ca. 3,5 Mal so groß ist wie Deutschland, ist in Bezug auf seine Vegetation ziemlich vielfältig. Ich wohne hier in der Küstenregion, die sich als schmaler Streifen an der Westküste entlangzieht. Danach kommen dann die Berge (Sierra) und die überwiegende Fläche Perus ist Dschungel/Regenwald (Selva).

Nachdem ich nun schon einiges von Lima sehen konnte, und auch durch Ausflüge (zum Beispiel nach Huancayo, siehe Artikel Schachmatt!) die Bergregion zu Gesicht bekommen habe, durfte ich vom 22.11.17 – 24.11.17 nun auch etwas vom lang ersehnten Regenwald (Selva) kennen lernen. Roberto und Padre José, der langjährig dort gearbeitet hat, nahmen uns mit nach Pangoa, einer Stadt im Regenwald, aber noch ziemlich nah an den Bergen, etwa zwölf Stunden Fahrt mit dem Bus (das war auf der Rückfahrt dann ziemlich anstrengend… 🙁  ).

Ab in den Dschungel

Gleich nach der Ankunft am Mittwochmorgen sind wir gestartet und haben eine Schule besucht (institución educativo integrade n. 31395 Kiatary). Rund 80 Schülerinnen und Schüler kommen hier täglich her, um zu lernen. Hauptsächlich ging es Roberto und Pater José darum, den Kindern und Jugendlichen nahezulegen, gut mit der Umwelt umzugehen. In der Selva werden zurzeit immer mehr Bäume einfach gerodet, um Platz zu schaffen für den Ananasanbau. Ananas deshalb, da sie sich gut verkaufen lässt, die Frucht gehört zum täglichen Konsum, und somit ein Einkommen sichern kann. Dass es für die Umwelt und Biodiversität von großem Nachteil ist, in solchem Maße den Regenwald in seinem natürlichen Zustand einzuschränken, liegt nahe. Des Weiteren wird auch in dieser Region viel Süßes gegessen, das meint Kekse aller Art und vor allem wird viel zu viel Süßes getrunken (die sogenannten gasiosas), somit ist auch hier der Plastikverbrauch sehr hoch.

Darüber hinaus gaben wir den Schülern mit auf den Weg, dass sie träumen sollen und ihre Ziele verfolgen sollen, denn es gibt immer Möglichkeiten, etwas anderes als diese Welt zu sehen. Außerdem hatten die Schüler Zeit, uns Fragen zu stellen, nachdem wir Freiwilligen (Jonathan, David und ich) uns vorgestellt haben und etwas über unsere Motivation erzählt haben; was übrigens sehr Spaß gemacht hat, da auch mein Spanisch gut geklappt hat. Generell war ich erstaunt, wie neugierig die Kinder und Jugendlichen waren und welche Fragen sie stellten, so kam es zu Diskussionen über die einzelnen Länder, die Geschichte Hitlers, Gewalt in Familie und Freizeit, Währungen, …

Umstellung

Nach dem ersten Morgen haben wir einen kurzen Zwischenstopp am Fluss gemacht, nachdem wir gefühlt Stunden lang mitten durch den Dschungel spaziert sind bei gefühlten 40 Grad. Das Klima machte mir schon ein wenig zu schaffen, vor allem die hohe Luftfeuchtigkeit. Da kam der erfrischende Fluss gerade recht, bevor wir ein natives Dorf besuchten. Das war schon ein krasser Einblick, den man als normaler Tourist sicherlich nicht bekommt. Dort leben Menschen in Strohhäusern und in ihren gelben/orangenen Kleidungsstücken; als gäbe es nichts anderes als ihr kleines Dorf und die vielen Kilometer Wald, der sie umgibt. Sie sprechen dort auch ihre eigenen Sprachen (Ashanika oder Notmashoguensa). Eine komische Situation, zum einen eigentlich eine schöne Vorstellung so mitten in der Natur zu leben, aber andererseits irgendwie so fremd für mich.

Unterwegs mit Marlene

Unterwegs waren wir die Tage mit der Lehrerin Marlene (ja sie trägt den gleichen Namen 🙂 nur anders ausgesprochen (Marleni)). Sie unterrichtet in verschiedenen Dörfern und hat uns so durch die einzelnen Klassen geführt. Am nächsten Tag waren wir zum Beispiel in einem anderen Dorf und besuchten verschiedene Klassenstufen, eine Klasse sang uns Beispiel etwas vor, danach waren wir dann an der Reihe, hehe. Auch hier sind wieder tolle Gespräche entstanden und ich merkte schnell, dass durch diesen Trip mein Weltbild nochmal um einiges erweitert wurde! Generell will ich mir kein Bild machen, von einer Welt, die mir fremd ist. Jedoch muss ich mir eingestehen, dass ich unterbewusst, auch wenn ungewollt, ein bestimmtes Bild vor mir hatte, wenn ich an Dörfer im Regenwald denke. Menschen, fernab vom Stadtleben, sehr naturverbunden, alternativ lebend und abgeschnitten von der Außenwelt. Natürlich sind damit auch Frage verbunden wie zum Beispiel: Können die Kinder dort überhaupt richtige Bildung erlangen? Wie leben die Menschen dort? Sind sie glücklich?

Nun kenne ich eine Stadt im Regenwald mit ihren Dörfern und das ist sicherlich kein allgemeiner Fall oder mit allen anderen Städten vergleichbar. Sicherlich gibt es Dörfer, die wirklich fernab von allem leben. Auch diese Erfahrung durfte ich in einem Dorf machen, jedoch war ich umso froher darüber, Pangoa kennenlernen zu dürfen und vor allem zu registrieren, dass Peru in Bezug auf die Bildung in dieser Region Fortschritte gemacht hat. Es lehren dort ausgezeichnete Personen und manchmal schien mir das Niveau der Schüler*innen besser als  ich hier in Lima die Erfahrung gemacht habe. Außerdem konnte ich spüren, dass diese Schüler*innen genauso ihre Träume, Wünsche und Ziele haben, wie wir, auch wenn sie nichts anderes als den Wald kennen. Das war eine schöne Erfahrung, umso mehr motiviert war ich, den Schülern Mut zu machen und zuzusprechen, dass es immer irgendwelche Möglichkeiten gibt, etwas anderes zu sehen und seine Träume zu leben.

Den Nachmittag verbrachten wir mit Diego (einem Schüler) der uns den Hof seiner Familie zeigte, sie haben mehrere Bienenstöcke, Hühner und besitzen eine riesige Landfläche, auf der sie Yuka anpflanzen. Yuka ist eine kartoffelähnliche Pflanze, schmeckt zum Beispiel gut in einer Suppe. Auch mit Diego habe ich ein bisschen gesprochen und erfahren, dass er vor hat nach Lima zu kommen, so wie sein Bruder, und zu studieren. Ich hoffe sehr für ihn, dass er diesen Weg gehen kann. Zum Abschied wurden wir noch reichlich mit Papayas beschenkt, die es hier zu genüge gibt. Mir persönlich schmeckt diese Frucht wirklich überhaupt nicht, aber sehr viele Peruaner fahren richtig darauf ab, haha 🙂

Momente                                                                                                                                      

Die Rückfahrt verbrachten Marlene und ich hinten auf einem Pick-up. Da hielten wir uns dann fest, während wir durch den Dschungel düsten. Meine Haare wehten im Wind, immer wieder flog mir etwas Sand in die Augen und rund herum nichts als grüne Landschaft; welch ein befreiendes Gefühl. Ich kam mir vor wie in einem Film, so einzigartig und wunderbar wie dieser Moment war. Da spüre ich wieder, wie frei, gesegnet ich bin und wie wunderschön das Leben einfach ist. Mit all den Erfahrungen, die ich jetzt schon machen durfte.  Nach der Messe am Abend fiel ich dann völlig erschöpft in mein Bett und habe weiter geschwitzt …

Am letzten Morgen besuchten wir noch ein colegio, das von einem Comboni-Missionar gegründet wurde, der leider schon verstorben ist. Die Kinder waren vor allem von Jonathans Größe fasziniert und haben sich fast darum gestritten, wer als erstes von uns allen drei ein Autogramm bekommt. In einer Klasse haben uns die Kinder gruppenweise etwas vorgesungen, oder eher gesagt vorgerappt. Das war total cool. Kurz vor der Rückfahrt haben wir dann noch einen kleinen Ausflug zum Wasserfall (Catarata) Tina de Piedra gemacht. Nachdem dann jeder die rutschige Überquerung der Steine am Wasserfall (um der Fotos Willen) überstanden hat, ging es dann auch schon wieder zurück in den viel zu stickigen Bus.

Ich war froh, wieder in Lima zu sein, habe meine neue Heimat schon etwas vermisst. Die Reise war nun mal anstrengend, körperlich und mental, da so viele neue Eindrücke aufgenommen wurden. Es war aber so eine wundervolle, prägende und einmalige Erfahrung, die ich auf keinen Fall missen will. Das gesehen zu haben ist für mich sehr wertvoll, da man sich so etwas anderes nicht vorstellen kann, es ist und bleibt eine komplett andere Welt. Dennoch ein und dieselbe Welt, weshalb es ein Reichtum ist, wieder ein Stückchen mehr von ihr zu kennen.

So viel zu dieser Reise in eine etwas andere Welt, mehr zu meiner Welt hier in Lima gibt’s schon bald beim nächsten Eintrag, bis dahin wünsche ich euch von Herzen eine wunderbare Adventszeit, auch mit erholsamen Momenten zwischen all dem vorweihnachtlichen Stress, und ich denke immer wieder an euch. Mal schauen, wann bei mir nun endlich mal Weihnachtsstimmung aufkommt. Die unzähligen Plastikbäume und der, für mich etwas kitschige, Weihnachtsschmuck hat das nämlich bisher noch nicht geschafft :).

Herzliche Grüße

Eure Marlene Helena

Paso a Paso – Schritt für Schritt

Chorrillos, den 21.11.2017

Hallo meine Lieben! Wie schnell doch wieder die Wochen seit meinem letzten Eintrag vergangen sind… Es ist unglaublich, wenn ich daran denke, dass ich nun schon seit mehr als drei Monaten hier leben darf. Jeden Tag strömt das Leben auf mich ein in unterschiedlichster Art und Weise, ich genieße es in vollen Zügen und speichere es fest in meinem Herzen. Ich kann jetzt schon sicher sagen, dass Peru immer ein Teil von mir sein wird und mich nicht mehr loslässt.

Umbauarbeiten im Casa

Wie ihr vielleicht schon mitbekommen habt, befindet sich das Haus der Talente ja momentan noch in der Umbauphase, es wurden zwei Stockwerke hinzugefügt, neu verputzt, die alte Küche wurde rausgenommen,… Das dauert einfach seine Zeit. Und wie das mit der lieben Zeit hier so abläuft, kann das Datum der Fertigstellung ziemlich schnell variieren. Natürlich empfinde ich es oft als schade, dass das Casa noch nicht fertig ist, und ich ohne Türen und guten Platz meine Projekte noch nicht umsetzten kann (Geigenunterricht, Englisch-AG) – dazu aber mehr, wenn es wirklich soweit ist. Andererseits ist es ziemlich cool, die Aufbauphase mitzuerleben. Ich erlebe hautnah wie sich Tag für Tag, Schritt für Schritt (paso a paso), das Haus verändert. Momentan sind nun alle Stockwerke fertig gebaut und verputzt, sodass wir bestimmt bald mit dem Streichen beginnen können. Das wird sicherlich toll, da wir Freiwilligen mithelfen dürfen und eigene Ideen einbringen können. Dann bin ich wieder sehr zufrieden, weil es doch ziemlich cool ist diese Phase mitzuerleben. Mit ein bisschen Geduld lässt es sich auch gut aushalten. So ist das mit einigen Dingen hier in Lima. Manches kann ich sofort hier und heute angehen, manches muss aber einfach mit der nötigen Überlegung und Geduld angegangen werden. Ich bekomme immer ein besseres Gespür dafür.

Feste in der Gemeinde

Die letzten Wochen waren wie immer voller Leben und Aktivität. Am 28.10.2017 feierten wir das große 150-jährige Jubiläum der Comboni-Missionare. Als Ministrantin durfte ich dann in der Prozession durch die Straßen Chorrillos laufen, es war eine wunderbare Erfahrung. Auch die Messe, die dieses Mal ganze 2,5 Stunden dauerte, war ein Erlebnis für sich, da Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern präsent waren und circa zehn Pfarrer den Gottesdienst begleiteten. Es wurde viel gesungen und auch getanzt. Jeder Kontinent sollte bei der Gabenbereitung etwas Repräsentatives zeigen, wobei David und ich dann den Wiener Walzer getanzt haben. Mehr oder weniger holprig haben wir es dann bis vor zum Altar geschafft. Die Leute waren aber begeistert und wir wurden von allen Seiten gefilmt. Danach ging das Fest nebenan weiter, bis in die späten Abendstunden. Für mich ist das eine sehr schöne Erinnerung. Bei den Ministranten fühle ich mich sehr wohl, das sind so tolle Leute!

Gleich das nächste Wochenende standen wieder zwei wichtige Feste an. Am Samstag war Bautismo (Taufe), bei der 80 Kinder getauft wurden, dementsprechend hatte ich danach keine Stimme mehr, da unser Chor fast 2,5 Stunden durchgesungen hat. Am darauffolgenden Tag wurde dann die Messe del Senor de los Milagros („der Herr der Wunder“) gefeiert. Dieses katholische Fest wird jedes Jahr am 18. Oktober in Lima gefeiert, wobei die Messen den ganzen Monat über stattfinden. Es geht auf ein Bildnis von einem schwarzen, gekreuzigten Christus zurück, das vermutlich von einem schwarzen Sklaven in eine Lehmmauer gemalt wurde, der durch die Eroberung des Inkareichs mit den Spaniern einwanderte. Der Legende nach überlebte das Gemälde alle Versuche es zu zerstören und letztendlich auch das Erdbeben am 13. November 1655, das fast ganz Lima zerstört hat.

Neue Freiwillige

In der Zwischenzeit haben wir nun viel Zuwachs bekommen: Zwei Handwerker aus Südtirol (Christian und Samuel) wohnen nun in einem kleinem Zimmerchen im Casa und helfen dort beim Aufbau mit bzw. auch in der Gemeinde Santa Rosa beim Umbau der Toiletten und was sonst so ansteht. Mit ihnen haben wir schon einiges unternommen, wie zum Beispiel einen Ausflug in den Canon Autisha, wo wir uns von 170 Metern abgeseilt haben und eine unglaublich schöne Landschaft genießen durften, oder auch das Green Day Konzert zwei Tage später. Seit gestern sind noch zwei Mädchen aus Südtirol (nun sind wir mit fünf Personen deutlich in der Überzahl….), Katja und Lena, die für drei Monate mit im Casa arbeiten werden. Zusammen sind wir eine ziemlich coole Gruppe würde ich sagen, und es ist immer sehr spannend, neue Menschen hier kennenzulernen.

Seit ein paar Wochen sind Andrea und ich bei einer Surfschule in Barranco. Das macht einen riesen Spaß, das Meer ist absolut meine Welt. Schon nach der zweiten Stunde konnte ich auf dem Brett stehen und am Samstag (vierte Einheit) konnte ich eine Welle seitwärts reiten. Wir haben auch tolle Surflehrer, die uns individuelle Tips geben, die man gut umsetzen kann. Wenn wir montags gehen, sind wir auch meistens die einzigen, sodass wir die Lehrer ganz für uns haben und somit noch schneller lernen können. Das Surfen gibt mir einen guten Ausgleich, ich brauche das sportliche Auspowern. Langsam ist der Frühling auch richtig angekommen, sodass es um die Mittagszeit schon heiß wird und wenn ich dann nach dem Surfen erschöpft am Strand entlang laufe und die Sonne auf mich scheint… Ach, dieses Gefühl genieße ich in vollen Zügen!

Weltmeisterschaft 2018: Peru ist dabei!

Peru hat zudem seine allerletzte Chance, sich für die WM 2018 in Russland zu qualifizieren mehr als genutzt und Neuseeland in der letzten Partie besiegt. Das war vielleicht eine Feier! Zudem hatte Pater Juan am selben Tag Geburtstag, es war somit ein Freudentag. So viele Menschen haben das Spiel gesehen und danach wurde gefeiert und getanzt was das Zeug hält. Kein Wunder, denn nach 36 Jahren hat Peru endlich wieder die Möglichkeit, bei einer WM mitzuspielen. Auch ich habe mich sehr gefreut, auch wenn mich Fußball an sich nicht sonderlich interessiert. Aber, dass es ein Sport schafft die Nationen und die Menschen innerhalb einer Nation so zu vereinen, dann ist es doch wunderbar. Und wenn ich nächstes Jahr schon nicht in Deutschland bin, ist es ziemlich cool, dass Peru teilnehmen kann. Am nächsten Tag war dann auch frei, das habe ich dann genutzt, um einfach mal allein durch die Stadt und die Märkte zu schlendern. Das habe ich sehr genossen, da man hier eigentlich nie allein unterwegs ist.

Strandbesuch

Letzten Samstag waren wir mit den Kiddies vom Casa am Strand, was für mich unglaublich toll war, da ich mir für die Kinder wünsche, dass sie viel öfters ans Meer können. Die meisten sind sehr ängstlich, da sie nicht schwimmen können. Mayorit und ihrer kleine Schwester Dyana war die Angst ins Gesicht geschrieben. Einzeln habe ich sie dann auf den Arm genommen und bin langsam ins Wasser geglitten, sodass sie sich Stück für Stück daran gewöhnen konnten. Wie Äffchen haben sie sich an mir festgeklammert und immer wieder habe ich sie beruhigt und gesagt, dass nichts passieren kann, weil ich sie festhalte. Und am Ende waren beide mit dem Körper im Meer, und das war ein riesen Erfolg, mein Herz ging auf. Das habe ich eigentlich öfters vor, mit den Kindern ans Meer zu fahren und ihnen auch Schwimmen beizubringen, aber das ist leider sehr schwer umsetzbar. Umso mehr schätze ich die kleinen Schritte wert. Wobei dieser Tag jedoch für Mayorit und ihre Schwester wohl ein großer Schritt war.

Unterwegs als Ministrantin

Gestern gab es einen Marsch por la vida y la paz (für das Leben und den Frieden) für den wir Ministranten am Vorabend noch einige Bastelarbeiten geleistet haben. Wir sind dann von Sagrado Corazon bis nach Santa Rosa gelaufen, wo die Messe stattfand. Danach hat dann jede der 12 Gemeinden einen Tanz vorgeführt. Ich habe mit drei dieser Gemeinden Kontakt: Nuestra Senora de la Evangelización (Kirche neben der ich wohne, in dieser Gemeinde findet auch die Hausaufgabenbetreuung statt), Sagrado Corazón (Kirche unterhalb des Casas, die ich Sonntagabends besuche) und Santa Rosa (Gemeinde meiner Ministrantengruppe).

Mir gehts gut!

Hier ist also nach wie vor einiges los, und ich bin sehr froh, vor allem durch die Ministranten, so in das Gemeindeleben eingebunden zu sein. Und nebenher unternehmen wir viel zusammen in der Freizeit. Kurz gesagt: mir geht es hier total gut und freue mich immer wieder sehr, wenn ich mit meinen Freunden und meiner Familie kommunizieren kann, um so etwas aus meiner Heimat zu erfahren. Ich denke oft an meine Liebsten zu Hause und trage sie bei mir, sodass sie viele Momente miterleben können 🙂

Mein Spanisch klappt schon richtig gut, mittlerweile habe ich auch das Vaterunser gelernt, wobei an der Geschwindigkeit noch zu arbeiten ist, aber wie gesagt: Mit Geduld und Weitsicht geht es voran, wenn auch manchmal nur Schritt für Schritt!

In diesem Sinne eine schöne Zeit euch, mit dem ersten Schnee und Glühwein. Bei mir geht es morgen in die Selva (Regenwald) und ich werde vermutlich sehr schwitzen.

Es grüßt euch herzlich

Eure Marlene Helena

Durchatmen

Barranco, den 23.10.2017

Endlich! Intensiv spüre ich, wie sich die Ruhe und Zufriedenheit in mir breit macht, wenn das Wasser an meinem Körper entlanggleitet. Wie ich es, als langjährige Schwimmerin, vermisst habe. Und dann auch noch im pazifischen Ozean. Der Geruch und Geschmack nach Salz, und der Sand unter mir lassen mich frei fühlen. Nach langer Verzögerung scheint sich der Frühling hier durchzusetzen und es wird warm. Trotz Morgenkühle und Nebel hält mich nichts mehr davon ab, ins kühle Meer zu schreiten, um dann doch noch von der Sonne und einem blauem Himmel begrüßt zu werden. Der erste Badetag in Barranco ist sehr schön. Zudem ist es auch eine Möglichkeit, mal durchzuatmen, es ist kaum etwas los, demnach relativ ruhig. Das brauche ich hier auch mal ab und zu: Abschalten und Ruhe. Dafür werde ich mir zukünftig auch immer wieder bewusst Zeit nehmen. Ich liebe Action und Abenteuer, wenn etwas passiert und es nie langweilig wird. Genauso aber bin ich gerne mal in Stille und lasse meine Seele baumeln.

Hallo meine Freunde, es gibt mal wieder einiges zu erzählen!
Letzte Woche habe ich einen Versuch gestartet, mal eine Zeit lang in Ruhe zu verbringen. Dafür habe ich mich auf den Weg hoch nach 27 de Junio gemacht,  auf den Sandhügel (dort wohnen einige Kinder vom Casa). Beim letzten Mal war es da oben sehr still im Vergleich zu unten und ich dachte mir, das ist eine gute Möglichkeit, um abzuschalten. Oben angekommen, gab es einen Stein, der einlud, sich hier eine Zeit lang niederzulassen. Leider machten mir einige Hunde einen Strich durch die Rechnung und da ich es nicht riskieren wollte, gebissen zu werden, entschloss ich mich dazu, wieder runterzugehen. Nicht ganz der eigentliche Plan, aber nun ja. Umso toller war der Morgen dann am Meer, drei Tage später.

Ruhe und Stille waren theoretisch auch für Sonntag, den 22.10.2017 vorprogrammiert, denn in ganz Peru war die Volkszählung (el censo). Das heißt, viele Freiwillige, Schüler und Mitarbeiter ziehen um die Häuser, klopfen und zählen die Menschen. Demnach galt es von morgens 8:00 Uhr bis 17:00 Uhr in den Häusern zu bleiben. So blieben auch wir in unserer Wohnung. Schon krass die Vorstellung, dass Lima auf einmal menschenleer ist. Trotzdem liefen auf den Straßen Leute herum, wahrscheinlich waren sie schon gezählt. An so eine Durchführung wäre in Deutschland nie zu denken. Und letztendlich wusste keiner genau, wie es ablaufen würde. Vor allem kamen Fragen auf wie zum Beispiel: Was machen Touristen, die an diesem Tag am Flughafen landen oder eine Tour nach Macchu Picchu gebucht haben? Für mich war das eine komische Situation und ich bezweifle auch, dass jedes Haus abgeklappert wurde… Aber es war auch cool, wann bekommt man schon mal eine Volkszählung auf diese Art mit? Jedenfalls waren die Straßen San Genaros trotzdem nicht menschenleer, wenn auch um einiges leerer als sonst. Ich würde echt gerne wissen, wie viele Busse an diesem Tag gefahren sind, eine krasse Vorstellung, dass in ganz Peru für ein paar Stunden der Verkehr lahm liegt.

Ministrantendienst in Santa Rosa
Seit letzter Woche bin ich bei den Ministranten der Gemeinde Santa Rosa, ich habe dort eine Freundin und da ich in Deutschland einige Zeit ministriert habe und mir das Leben in der Gemeinde schon immer wichtig gewesen ist, war es ein Wunsch von mir, dort teilzunehmen. Herzlich wurde ich aufgenommen und schon nach dem ersten Treffen war mir klar, dass das eine ziemlich coole Gruppe ist. Gleich am Freitag (20.10.2017) durfte ich dann zum ersten Mal ministrieren. Dass ich allein sein würde, hatte mir jedoch niemand gesagt. So musste ich dann, nach einer einminütigen Einweisung vor dem Gottesdienst, auf meine Kenntnisse aus Deutschland vertrauen. Mit ein paar kleinen Fehlern und Verzögerungen ging es aber dann doch erstaunlich gut und es war schön, das auf eigene Faust organisiert zu haben. Es hat sehr Spaß gemacht. Mit meinem Spanisch ist nun doch schon einiges möglich. Am Sonntag gab es einen internationalen Gottesdienst, in dem ich sogar etwas vorlesen durfte. Es war eine besondere Ehre für mich, dass mir schon so früh die Aufgabe zu Teil wurde, der Gemeinde etwas vorzutragen. Gegen Ende des Gottesdienstes habe ich dann mein erstes Erdbeben erlebt, wobei ich erst im Nachhinein registriert habe, dass es eines war. Auf einmal standen die Menschen auf und ich wusste nicht, was los war, es ist schwer zu beschreiben, weil ich sowas natürlich nicht gewohnt bin. Schon komisch, dass das, was für mich schon immer felsenfest und sicher war, auf einmal zu beben beginnt. Daran denkt man in Deutschland gar nicht. Ein einziges Abenteuer hier!

Das Fußballspiel (Peru gegen Kolumbien) ging übrigens 1:1 aus, somit müssen sich die Peruaner bis Mitte November gedulden. Da wird dann das entscheidende Spiel über die WM-Qualifikation gegen Neuseeland stattfinden.

Besuch einer Militärbasis
Am Sonntag, 15.10.2017, haben David und ich mit Aracelly und ihrem Vater die Marinebasis in Lima (Callao) besucht, da Tag der offenen Tür war. Das war interessant zu sehen, vor allem gab es auch ein U-boot, das in Deutschland produziert wurde. Wie die Dinge um die Welt gehen… Es ist schön, Aracelly zu kennen, da wir immer wieder etwas zusammen unternehmen und viel von ihr über Peru und die Menschen erfahren.

Seit letztem Sonntag wohnen wir hier zu viert in der WG, da Andrea (aus Südtirol), eine Ergotherapeutin, für drei Monate hier leben wird. Sie ist mit der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ hier. Wir verstehen uns super, es ist auch toll, weibliche Unterstützung zu haben, hehe. Aber auch zu viert sind wir eine tolle Gruppe! Andrea wird dann hauptsächlich in einem Therapiezentrum in der Nähe arbeiten.

Mit den Kindern wird es nach wie vor nicht langweilig: letzten Mittwoch bereicherten sie mit ihrem Auftritt ein Fest hier in der Gemeinde. Ein Fest für behinderte Kinder (fiesta de los niños con habilidades diferentes). Das war mal ’ne Party! Schön zu sehen, wie viel Wert darauf gelegt wird, zwischenmenschliche Beziehungen zu pflegen, obgleich gesund oder krank, arm oder reich(er). Hier kommt es auf die Gemeinschaft an, und das erfüllt das Herz wirklich.

Krankenbesuche
Des Weiteren ist zurzeit eine österreichische Ärztin (Karin) da. Sie war schon mehrmals auf eigene Faust hier und hilft, wo sie kann. Ich habe das Glück, ein bisschen mit ihr unterwegs sein zu können. Ich bewundere sie für ihren Einsatz und ihre Leidenschaft. Gerade für mich ist es sehr wertvoll und interessant, Einblick in ihre Arbeit hier zu bekommen, da ich gerne Medizin studieren würde. Vor allem aber identifiziere ich mich mit ihrer Motivation hinter dem Arztsein. So laufen wir, nur ein paar Straßen unterhalb meiner Wohnung, über Sand und Stein und besuchen Kranke. Diese Bilder werde ich nie vergessen. Oft werden einfache Krankheiten lange nicht therapiert, da kein Geld und keine Unterstützung da ist. So leben die Menschen mit den Krankheiten und die niedrigen hygienischen Standards machen die Situation dann auch nicht besser. Sehr auffällig ist hier unter anderem der Zustand der Zähne. Vielen Kindern fehlen schon Zähne weil sie verfault waren und rausgenommen wurden. Karin und ich haben für die Kinder der Hausaugabenbetreuung Zahnbürsten und  –creme besorgt, die Kinder sind voll darauf abgefahren. Einer Familie wurde zudem ein Engel geschickt: Karin fiel in einem Gottesdienst ein kleines Mädchen (drei Jahre alt) mit einem gutartigen Tumor im Gesicht auf. Die Mutter ist sehr besorgt und wartet schon seit der Geburt ihrer ersten Tochter darauf, dass etwas passiert. Geändert hat sich bis jetzt jedoch nur die Farbe und Größe des Tumors. Generell wissen hier einige Ärzte oft auch nicht wirklich Bescheid, empfehlen absurde Therapiemöglichkeiten und versuchen so, sogar den ärmsten das Geld aus der Tasche zu ziehen (nach Berichten Karins). Traurig. Bei einem Gespräch über Befund und weiteres Verfahren habe ich dann die Rolle der Übersetzerin eingenommen, und ich war erstaunt, wie gut es geklappt hat. Letztendlich wird es wahrscheinlich daraus hinauslaufen, dass Karin die Kleine nach Österreich holt und eine Operation organisiert. Durch eine kurze Begegnung wird nun also das Leben einer Familie verändert und genau das sind diese Momente, an denen man festhalten sollte.

Am Wochenende wird das 150-jährige Jubiläum der Combonimissionare gefeiert, das wird bestimmt ein tolles Fest! Ich freue mich schon, die Prozession als Ministrantin begleiten zu dürfen.

Wie ihr seht, sind meine Tage nach wie vor mit purem Leben und purer Leidenschaft gefüllt. Zwischen all dem Stress, den Aufgaben und Verpflichtungen: Gönnt euch immer wieder Momente für euch selbst, atmet durch und genießt das Leben. Es ist verdammt gut!

In diesem Sinne, bis bald und ganz herzliche Grüße

Eure Marlene Helena

 

Abgehärtet!

San Genaro, den 08.10.2017
Mein Kopf brummt, ständig muss ich husten, mir ist heiß und kalt, ich schwitze und doch bekomme ich Gänsehaut; ich bin erkältet. Zu meinem Glück sollte ich ausgerechnet jetzt Duschen gehen. Zu Hause würde ich mich freuen; an dieser Stelle käme ein heißes Erkältungsbad mit Früchtetee und entspannender Musik. Hier kostet es jedes Mal eine Menge Überwindung, sich unter die Dusche zu stellen und zu versuchen, sich irgendwie auf den Winter vorzubereiten, der gleich auf einen einströmen wird. Bei mir in Lima neigt sich der Winter dem Ende zu, langsam fängt der Frühling an, wobei hier genaugenommen nicht von vier Jahreszeiten die Rede ist, sondern von Sommer und Winter. Unterscheidungsmerkmal: Im Sommer ist der Himmel blau, im Winter bleibt er immer grau. Wie auch immer, ich spreche hier von Winter, da unser Duschwasser eiskalt ist. Ist man dann erstmal ein bisschen nass, entscheidet sich das gute Wasser des Öfteren mal um, doch nicht mehr zu kommen. Da steh ich dann, nass und krank, in der Hoffnung, dass dieser Duschgang doch endlich bald beendet ist.

Hallo meine lieben Freunde, mittlerweile bin ich wieder einigermaßen gesund, aber ich kann euch sagen, auch ohne Schnupfen, Husten oder sonstige Beschwerden ist das Duschen hier kein Traum. Aber es geht, man gewöhnt sich daran. Immerhin sollen kalte Duschen ja gesund sein…Was ich sagen will ist, dass ich nach zwei Monaten schon ziemlich abgehärtet bin. Nicht nur was das Duschen betrifft. Viele alltägliche Dinge erlebe ich hier anders als in Deutschland. So muss ich akzeptieren, dass die Wohnung immer etwas staubig sein wird, Lima ist eine sehr sandige Stadt, vor allem Chorrillos, oder, dass die Klospülung mal keine Lust hat, dass auch mal im Dunkeln gekocht werden muss, dass die Organisation hier einfach anders läuft, als ich es gewohnt bin, dass ich hier nie dunkles Brot finden werde, dass ich das Leitungswasser hier nicht trinken kann, da es Schwermetalle enthält, dass das Internet macht, was es will, dass es 24/7 laut ist (seien es hupende Autos, schreiende Kinder, bellende Hunde, laute Musik, diverse Alarmsirenen oder Feuerwerk). Manchmal wünsche ich mir schon, zu Hause auf meinem Sofa zu liegen, in den blauen Himmel zu schauen und vor allem eines zu hören: Nichts. Es ist gut, ein bisschen an zu Hause zu denken. Aber das ist auch die Erfahrung, die ich gesucht habe. Andere Umstände akzeptieren zu müssen, und trotzdem dieses Leben lieben zu lernen.

Am meisten werde ich hier jedoch abgehärtet, sehen zu können, wie manche Menschen leben. Da können sich die kleinen alltäglichen Hürden ganz schnell minimieren. Auch wenn mich die Kinder und Jugendlichen so oft zum Lachen bringen, lerne ich doch immer mehr über die individuellen Personen und deren Leben kennen und muss oft feststellen, dass jede(r) doch ihr (sein) ganz eigenes Kreuz zu tragen hat, sei es ein fehlender Vater, eine kriselnde Familiensituation, mangelndes Selbstbewusstsein, Einsamkeit, um einige zu nennen. Umso glücklicher bin ich, dass genau diese Menschen das Haus der Talente besuchen und ich Teil davon sein darf, ihnen eine Perspektive zu bieten.

In den letzten zwei Wochen habe ich wieder einiges erlebt und immer wieder bin ich erstaunt und gleichzeitig so dankbar, da es rückblickend einfach unglaublich ist. Nach diesen paar Wochen habe ich das große Glück, schon ziemlich gute Freundschaften aufgebaut zu haben bzw. aufzubauen. Da merke ich, dass das ein maßgeblicher Teil vom „Nehmen“ ist. Ich lebe hier mit Herzblut und habe viele Ideen. Gleichzeitig empfange ich jetzt schon so viel Herzlichkeit, Vertrauen und Freundschaft.

Am 30. September fand morgens eine kleine Ausstellung zum Thema Umwelt statt, welche sowohl Kinder aus dem Casa, als auch von der Hausaufgabenbetreuung besuchten. Das war eine schöne Konstellation. Diese Thementage, so will ich sie jetzt mal nennen, finden vier Mal im Jahr statt und werden hauptsächlich von der Sozialarbeiterin Ana Maria und Sophia  (sie macht auch die Bastelstunden im Casa) organisiert. Dieses Mal ging es um die Umwelt. Mit Quiz, Bitten für die Umwelt und Bastelwettbewerben wurden die Kinder an das Thema herangeführt. Mir hat es sehr gefallen, da es in meinen Augen wichtig ist, den Blick für die Umwelt zu schärfen, schon allein wenn man die Situation mit dem Müll hier betrachtet (man bekommt wirklich überall Plastiktüten, der Müll wird auf der Straße gesammelt, es gibt keine Mülltrennung).

Seit gestern kümmern David, Jonathan und ich uns um das Casa, da Oskar unseren Hausmeister für eine Woche vertritt. Das ist schon ein bisschen anstrengend muss ich sagen, aber es macht natürlich auch Spaß und ich übernehme gerne (auch viel) Verantwortung. Ich denke, Jonathan ist hier gut angekommen und das Zusammenleben klappt gut, auch wenn manchmal die Vorstellungen, was den Haushalt betrifft, auseinander gehen. Man findet seine Wege, mit Offenheit und Ehrlichkeit kommt man ein ganzes Stück weit.

Die letzten zwei Sonntage waren wieder Feste in den Gemeinden, bei denen die Kinder mit ihren Stelzen getanzt haben, aber auch andere Gruppen vom Casa (Modern Dance, Ballett, Breakdance, Tinkus, traditioneller Tanz) haben ihr Können unter Beweis gestellt. Mittlerweile weiß ich schon genau, was zu tun ist und welche Vorbereitungen getroffen werden müssen für einen gelingenden Auftritt. Gerade die letzten Male haben mir wieder gezeigt, dass ich hier absolut richtig bin. Das Haus der Talente bietet eine wahnsinnige Vielfalt, sodass für jeden Geschmack etwas dabei ist und jeder seinen Platz finden kann- früher oder später. Wenn ich sehe, mit welcher Begeisterung die Kinder und Jugendliche ihre Talente entfalten, geht mir das Herz auf. Das fehlt mir manchmal in Deutschland: Das bloße Ausüben eines Talentes mit purer Herzensfreude, ganz ohne versteifte, kompetitive Denkmuster und die Möglichkeit, dass jeder und zu jeder Zeit einsteigen und mitmachen kann. Erst nach so kurzer Zeit kann ich mit ein bisschen Scharfsinnigkeit erkennen, wie Kinder und Jugendliche Fortschritte machen und sich gegenseitig helfen. Das ist sehr schön.

Am Dienstag wird es nochmal spannend hier, da die Nationalmannschaft Perus gegen Kolumbien ein Spiel hat (hier in Lima), und sich dadurch für die Fußballweltmeisterschaft 2018 qualifizieren will. Es wäre natürlich ein großes Fest und eine einmalige Situation für mich, wenn Peru gewinnen würde. Deshalb, immer schön die Daumen drücken: Arriba Peru!

Jeder Tag ist also mit Leben, Action und vielem mehr gefüllt, ich habe jetzt schon einiges vor und bin gespannt, was sich davon realisieren lässt. Mehr dazu in den nächsten Einträgen. Bis dahin eine gute Zeit, wenn ihr ins Gespräch kommt, erzählt gerne von mir und meinen Erfahrungen, das schlägt Brücken, die gedankliche Grenzen lösen.

Ich denke an euch.

Herzlichst

Eure Marlene Helena

Friede, Freude, Eierkuchen

Hallo meine Lieben,

Ich bin wieder zurück!

Das Jahr ist zu Ende gegangen und so schnell, dass ich gar nicht weiß, wo die Zeit hingeflossen ist.

Kaum stand ich am Flugharfen in Lima, schon sind wir in München gelandet, wo mich meine Familie und Freunde herzlich begrüßt haben. Wenn auch vollkommen übermüdet, war ich richtig glücklich und zufrieden in dem Moment und einfach nur froh gut wieder angekommen zu sein.

Selbstgemachter Lebkuchen 😛

Alle Abschiede in Lima sind toll verlaufen und ich konnte sie mit einem guten Gefühl von wegen „die werden das schon schaukeln“ zurücklassen und dann noch eine gelungene Ankunft. Hätte nicht besser laufen können.

Aber ich bin hier in Deutschland doch erst seit zehn Tagen und kann noch nicht behaupten, dass ich mich eingelebt hätte. Es kommen doch noch immer ab und zu Oh-Momente in denen ich ein bisschen überfordert oder überrascht auf Dinge reagiere, die für mich mein ganzes Leben lang normal waren. Warme Dusche, Klopapier, dass man in die Toilette Toilettenpapier werfen darf, Menschen, die mit einem Deutsch sprechen, S-Bahnen, die pünktlich kommen (oder manchmal auch nicht) und und und….

Mir ist es jetzt schon ein Paar mal passiert, dass ich auf Spanisch geantwortet habe, nur kleine Phrasen, aber das führt doch zu Verwirrungen, auf beiden Zeiten.

Peru fühlt sich nach diesen paar Tagen irgendwie schon sehr weit weg an und doch irgendwie sehr nah, das ist doch recht seltsam. Aber das wird sich auch noch ändern.

Das Leben hier geht so schnell weiter und ich studiere bald und die neuen Freiwilligen haben sich gut eingelebt und alles geht so schnell!

Als Fazit kann ich sagen, dass ich das Jahr genossen habe und die Erfahrungen mir viel gebracht haben. Auch wenn ich noch nicht genau weiß, wie und ob ich mich verändert habe, bin ich schon sehr gespannt, wie es mir so die nächsten Wochen mit dem Wiedereinleben gehen wird.

Ich hoffe es geht euch allen gut und wir werden uns sicherlich sehen

Liebe Grüße

Miriam

 

Schachmatt!

San Genaro, den 20.09.2017

Hallo meine Freunde! Wahnsinn, wie die Zeit vergeht und ich schon meine sechste Woche hier verbringe. Vorab ein kleiner Einblick in eine alltägliche Situation: Schach. Da habe ich doch tatsächlich angefangen, Schach zu mögen. Feliciano, ein zehnjähriger Junge aus der Hausaufgabenbetreuung (jeden Morgen findet diese von 9:00-12:00 Uhr statt und ist für Kinder aus sehr armen Familien), kann fast nicht genug davon bekommen und fordert mich täglich zu einer Partie heraus, nachdem er sein Aufgaben erledigt hat. Anfangs war es noch leichtes Spiel, er machte oft Fehler, die hätten verhindert werden können. Nun ja eine Meisterin des Schachs bin ich nicht, aber ich kann sagen: Dieser Junge steigert sich von Mal zu Mal. Schon nach zwei Wochen besiegte er mich das erste Mal. Generell bin ich ja am Gewinnen bei Spielen interessiert, das ist meistens das primäre Ziel einer Partie. Jedoch muss ich sagen, dass ich beim Schach auch sehr gerne mal verliere. Es zeigt, dass der Junge immer mehr lernt und einen gezielteren Blick auf die Figuren und Zugmöglichkeiten erlangt. Was für mich persönlich ein wichtiger Ausblick ist. An dieser Stelle ist es mir ein Anliegen, etwas über die Bildung in Peru zu erzählen (ich habe auch von Martin, unserem Spanischlehrer, viel darüber erfahren): Ein grundlegender Unterschied zu Deutschland ist, dass die Bildung nicht einheitlich ist, oft maßgebliche Unterschiede bestehen, vor allem zwischen der Küsten- und Bergregion. Des Weiteren ist Bildung hier nicht kostenlos und die guten Schulen sind meistens private, deshalb noch teurer. Hinzu kommt, dass die Lehrer hier keine bestimmte Auszeichnung oder Zertifikate benötigen, um in Schulen lehren zu können, demnach bestehen die unterschiedlichsten Niveaus und Lehrmethoden. Diesbezüglich erwähnte Martin, dass der jahrelange Terrorismus die Bildung maßgeblich zurückgedrängt habe. Kleine Fortschritte sind jedoch sichtbar: Mittlerweile braucht man immer häufiger eine Auszeichnung, um lehren zu können und in der Sierra wurden immer mal wieder Schulen gebaut, auch die Infrastruktur dort hat sich gebessert.

Um auf die Wichtigkeit kleiner Fortschritte (beim Schach) zurückzukommen: Ich persönlich sehe im peruanischen Bildungssystem einige Probleme (natürlich ist mein Blick noch eingeschränkt, schließlich bin ich erst seit einem Monat hier). Mit Miri und Lisa war ich ein paar Mal in einer Schule, wo sie halfen Englisch zu unterrichten. Dadurch habe ich einen guten Einblick bekommen. Mein Eindruck ist, dass die Schüler hier oft sehr wenig verstehen, obwohl der Lehrinhalt für uns in Deutschland oft einfach wäre, im Verhältnis zum Alter des Schülers. Wenn sie etwas nicht wissen, fragen sie den Lehrer und der löst dann die Aufgabe für sie. Für mich liegt es dann nahe, dass der Lernerfolg eher mager ausfällt. Ein Kind von der Hausaufgabenbetreuung zum Beispiel muss oft Aufgaben erledigen, bei denen er schreiben und lesen muss. Lesen kann er nicht (er ist acht Jahre alt) und beim (Ab)Schreiben hat er kein Gefühl, was er da überhaupt aufschreibt. Kurzerhand habe ich mich dazu entschlossen, erst einmal das ABC mit ihm durchzugehen; bis zum Buchstabe F hat er es mir vorlesen können.

Soviel zu meinen Erfahrungen hierzu: Es fällt mir oft schwer, zu sehen, wie hier „gelernt“ wird. Ich kann doch nicht die Aufgaben für die Kinder lösen? Dann lernen sie es ja nicht. Dann die Frage: Wie verhalte ich mich nun? Zeige ich dem Kind, dass es sich anstrengen soll, dass es so schwer nicht ist? Andererseits kann es ja nichts dafür, dass es vielleicht nicht so viel weiß. Aber in Watte packen? Bringt ja auch nichts… Diese Gedanken schwirren mir dann Tag für Tag durch den Kopf und ich muss sagen, es ist manchmal komisch, aber auch sehr spannend, da ich lerne, mit diesen Unterschieden umzugehen. Stets führe ich mir vor Augen, dass ich schließlich aus einem ganz anderen Hintergrund komme, mit anderen Normen, Werten und Bildungsmöglichkeiten. Wie auch immer, es ist mir wichtig, mit den Kindern zu arbeiten, und sie zu fördern. Gleichzeitig erweitert es meinen Horizont.

Deshalb: Man muss nicht immer gewinnen, um freudig zu sein.

Außerdem gibt es durchaus einige Kinder und Schüler, die schnell lernen, sorgfältig sind und motiviert Aufgaben lösen wollen!

Sonst passiert hier so einiges. Am 30. August 2017 war das Fest der „Santa Rosa de Lima“, die Patronin von Lima, das vor der Kirche der Gemeinde Santa Rosa gefeiert wurde. Hier hatten die Kinder einen Auftritt mit den Stelzen und auch andere Gruppen vom Casa (Breakdancer und Tinku-Tanzgruppe) stellten ihr Können unter Beweis.

Am Sonntag gab es dann eine Erstkommunion, die für Kinder mit Behinderung war. Das war sehr besonders und bewegend, zu sehen, wie die Kinder von ihren Familien begleitet wurden, wie sie geliebt werden, und wie sich alle über das Fest freuten. Es war auch sehr schön zu sehen, wie Juan auf die Kinder zugegangen ist. Ein einziges Freudenfest, ganz allein für die Kinder.

Außerdem hatten wir für zwei Tage Besuch von Freiwilligen einer anderen Organisation, die wir bei einem Seminar kennengelernt haben (Janina und Franz). Sie waren auf der Durchreise nach Chachapoyas im Norden Perus, begleitet von Olegario (ein Peruaner, der ein Jahr in Deutschland als Reverse-Freiwilliger verbracht hatte). Mit ihnen erkundeten wir unter anderem die Altstadt und erfuhren etwas über die Santa Rosa. Es gibt zum Beispiel den Brauch, dass man einen Brief mit Bitten, Sorgen, Sünden und weiteres in einen Brunnen wirft.

Vorletztes Wochenende durften David und ich Teil am peruanischen Landleben haben. Zusammen mit Aracelly (die Cousine von Davids Tandempartnerin aus der Uni in Deutschland) ging es nach Apata, einem kleinen Dorf, das zu Jauja gehört und ganz in der Nähe der nächst größeren Stadt Huancayo liegt. Die Busfahrt dorthin war leider alles andere als gemütlich, da mir der Fahrstil und die Höhe dann doch sehr zusetzten (wir befanden uns dann auf ca. 3000-3300 Meter Höhe). Grund für diese Reise war hauptsächlich das Dorffest de la „Virgin de la Natividad“ (die heilige Jungfrau Maria wird also geehrt). Schon am ersten Tag wurden wir komplett eingekleidet, ich habe mich wie ein Ballon gefühlt, da ich drei Röcke trug. Man kam sich schon etwas komisch vor in diesen Klamotten (Bluse, Hut mit Schleier, kleines Tuch für die Hand, hohe Schuhe, Umhang,…), aber als es zum Fest ging hat man sich dazugehörig gefühlt und das gemeinsame Tanzen hat sehr Spaß gemacht. Über dieses Fest und das Wochenende im Allgemeinen gibt es sehr viel zu berichten, ich würde ausschweifen. Mehr hierzu gibt´s bei Davids erstem Blogeintrag zu lesen. Eines bleibt noch zu sagen: Es war eine sehr wertvolle Erfahrung und ein Einblick, den man so sonst nicht bekommen kann. Außerdem war es doch sehr anstrengend und als ich in Lima angekommen bin, habe ich mich zu Hause gefühlt. Ein Zeichen, dass ich hier nun wirklich angekommen bin. Dieses Gefühl war unglaublich toll.

Die letzte Woche haben wir bewusst noch genossen, da Miri und Lisa seit Montag wieder in Deutschland angekommen sind. Wir haben nochmal die schönsten Orte und Restaurants abgeklappert und im Casa gab es auch ein Abschiedsfest, für die Mädels war es natürlich nicht ganz einfach, von all den Kindern und Jugendlichen Abschied zu nehmen, die sie ein Jahr lang begleitet haben und wachsen gesehen haben. Jedoch war ihre Vorfreude auf die Heimat sichtlich groß. Es war unglaublich wertvoll, sie noch hier gehabt zu haben, davon profitiere ich sehr. Es ist auch eine Freundschaft der etwas anderen Art entstanden, denn sie entwickelte sich ja unter besonderen Umständen. In diesem Sinne nochmal ein riesiges DANKE an euch! Ihr habt hier einiges geleistet und bewirkt.

Nun sind David und ich erstmal zu zweit, aber in zwei Wochen kommt Jonathan aus der Nähe von Wien für zweieinhalb Monate und wird sowohl bei uns wohnen, als auch im Haus der Talente mithelfen. Hier ist einfach immer etwas los. Die Arbeit im Casa macht sehr viel Spaß, es kommen jetzt auch wieder mehr Jugendliche, da es wieder mehr Platz zum Tanzen gibt. Auch hier gibt es zurzeit täglich eine Partie Schach mit Williams, ebenfalls ein Breakdancer, den ich jetzt schon ins Herz geschlossen habe.

Am Sonntag werde ich eine Wahlparty in Miraflores besuchen, um mitzubekommen, was in Deutschland passiert. Meine Wahlunterlagen haben es überraschenderweise heute zu mir geschafft, ich bezweifle jedoch, dass sie bis Sonntagabend wieder in Deutschland ankommen werden. Mir ist es aber wichtig, keine Möglichkeit zu versäumen, mein Wahlrecht in Anspruch zu nehmen, da die Meinung von jedem zählt und nur darauf eine Demokratie basieren kann, die repräsentativ ist.

Kurzum: Egal, ob in Deutschland oder hier, es ist immer etwas los, und das ist auch gut so, denn ich bin gerne aktiv. Mein Spanisch macht Fortschritte und ich freue mich auf die kommenden Wochen, auch auf unseren Zuwachs, denn das macht die Zeit hier spannend.

Bleibt wohl auf meine Freunde, ich werde bald wieder von mir hören lassen, und denkt dran: Verlieren ist auch eine Option, solange man Spaß am Spiel hat und die Gemeinschaft bereichert!

Herzlichst

Eure Marlene Helena