Archiv der Kategorie: 2017

Rückblick auf die letzten Monate

Hallo an Alle,

hier ein kurzer und bündiger Einblick in meine letzten Monate.

Feliz Navidad y prospero Año nuevo!

Ein Lichterweg des Friedens in Emmaus…LEBEN…

Meine LIEBEN

Ich sende Euch liebste weihnachtliche Grüße aus dem „heiligen Land“. 🙂

Damals: Maria, sie soll einen Sohn gebären. Sie hat aber keine Ahnung wie das geschehen soll, sollte sie alleinerziehende Mutter sein? – Sie sagt ein JA und Vertraut. Josef, ihr Verlobter, wollte sich heimlich davon machen, im Traum erfährt er von einem Engel bei Maria zu bleiben? Bildet er sich alles nur ein?- Er sagt JA und Vertraut.

Die „heilige Familie“ ist auf dem Weg… Sie finden keine Unterkunft und sie werden von den Leuten abgelehnt… Sie kommen zu einem STALL. In eine Krippe auf Stroh wird das Baby gelegt. Das sind ärmliche Verhältnisse, in denen Jesus sein Mensch-SEIN startet.

Heute… Negative Schlagzeilen überfluten die Medien und UNS? Was ist hier los, gibt es zu damals eine Verbindung?  Statements findet ihr zu genüge…  Ich werde euch über DAS LEBEN hier schreiben…

Im letzen Eintrag schrieb ich über das „heilige“ Land. Es war ein möglicher Versuch das Wort „heilig“ zu beschreiben. Jesus sagt:“ Ich bin gekommen damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ Joh. 10,10 Eine große HerausFORDERUNG an uns?

Diese Story von der Geburt Jesu, …Weihnachten… damals und die Verbindung von der heutigen Situation im Land, bringt mich besonders in dieser Zeit und doch in diesem „besonderen“ Land zum Um-denken. Wir leben hier mit ALLEN und in ALLEM gut. Wir hatten im Advent eine wunderschöne Nikolausfeier mit ALLEN Mitarbeitern und Bewohnern. Unser Hausmeister war der Nikolaus, er verteilte an ALLE Frauen Süßigkeiten und gute Worte.

Am dritten Adventswochenende veranstalteten wir für Volontäre einen „Abend der 1001 Lichter“. Es war ein besinnlicher Abend mit einem „Lichterweg des Friedens“. Wir zeigten in verschiedene Stationen die Unterschiedlichkeiten des Landes, in der Bibel und in UNS, im Bezug auf Frieden, auf. Es war ein sehr berührender Abend, der mit einem Taizégebet und einem gemütlichen Beisammensein ausklang. Wir haben in Emmaus täglich sehr berührende und besinnliche Gebete und Gottesdienste. Natürlich hat mich heuer wieder das Backfieber gepackt und ich durfte Weihnachtsbäckerei machen. (Liebe Nina, ich muss dich hier speziell erwähnen, ich habe dabei sehr oft an dich gedacht).

Wir feierten den Geburtstag von Wahrde, einer Patientin, begrüßten neue Studentinnen, die hier in Emmaus in der Pflegestation ihr Praktikum absolvieren und freuen uns nun schon auf die Weihnachtstage und die nächsten Gäste.

Das Wetter ist sehr frühlingshaft wo Krokus, Gänseblümchen und Narzissen blühen. Eigentlich sollte es in dieser Jahreszeit regnen. So stellt hier der große Wassermangel ein großes Problem dar. Die Weihnachtstage sind hier im Land für uns Christen besondere Tage.

Mit diesen Grüßen verbleibe ich und wünsche Euch ALLEN ein gesegnetes, frohes und vor allem besinnliches Weihnachtsfest. Ein Fest, dass uns erinnern soll, dass JESUS Mensch wurde und er gekommen ist, um zu bleiben 🙂 und zu SEIN, in uns. Ich bitte Sie/Euch um Euer Gebet, besonders für das ganze Land, die Menschen und alles DRUM HERUM…

…LICHTERWEG des FRIEDENS…

„LIEBE und TU was DU willst…“

Eure Verena

Ob mit oder ohne Schnee – Weihnachten ist überall!

San Genaro, den 17.12.2017

Hallo meine Lieben, hier drüben, bei Sonnenschein und Surfstunden, kann ich es gar nicht so recht glauben, dass nächstes Wochenende schon Weihnachten vor der Tür steht. In Deutschland wäre ich gerade wohl noch im Jahresendspurt, d.h. die letzten Arbeiten in der Schule stünden an und die Geschenkevorbereitungen würden so langsam abgeschlossen. Nebenher noch ein paar Mal auf den Weihnachtsmarkt schlendern und sich dann zu Hause auf ein heißes Bad freuen. Die letzten Wochen bin ich hier noch nicht in Weihnachtsstimmung gekommen, es ist warm und an all den Plastikschmuck muss ich mich erst mal gewöhnen, wo ich doch die echten Tannenbäume aus Deutschland gewohnt bin. Wenn ich dann im Bus sitze und wieder mal denke, dass es doch so langsam Zeit wäre, sich auf Weihnachten einzustellen, merke ich, wie sehr man doch an der Tradition hängt, aber ist ja auch klar, wenn man ein Fest jedes Jahr aufs Neue unter den gleichen Umständen feiert. Deshalb genieße ich es bewusst, das Heilige Fest mal komplett anders zu erleben, so richtig anders. Außerdem kann ich mich so vielleicht noch mehr auf die wahre Botschaft des Festes konzentrieren, und diese liegt nicht im Geschenkekonsum oder im Glühwein des traditionellen Weihnachtsmarktes. Diese liegt in der Geburt Jesu Christi, im Zusammenleben, in der Nächstenliebe und in der Dankbarkeit für dieses wunderbare Leben.

Weihnachtskuchen und Tierverehrung

Weihnachten wird hier eigentlich ziemlich ähnlich wie bei uns zelebriert. An Heilig Abend gibt es eine Messe und danach verbringt man einen gemütlichen Abend im familiären Kreis mit gutem Essen und Bescherung. Typische Mahlzeit ist hier die panetón, eine Art Weihnachtskuchen. Da dieser nicht so teuer ist, können auch die ärmeren Familien in den Genuss kommen. Sonst wird auch gerne pavo al horno (Truthahn im Ofen) oder lechón (Spanferkel) gegessen. Um Mitternacht gibt es dann, im Unterschied zu Deutschland, ein Feuerwerk, welches offiziell jedoch verboten ist. Die Adventszeit wird hier eher nicht so bewusst gefeiert, wie ich das von Deutschland kenne, jedoch merkt man an den Kindern und Jugendlichen, die schon Wochen vor dem Fest ihre Böller und ihr Feuerwerk loslassen, dass sich Weihnachten langsam nähert. Darüber hinaus bleibt noch zu erwähnen, dass die Art und Weise der Feier auch von der Region Perus abhängig ist. So werden zum Beispiel in Ayacucho viele verschiedene Krippen ausgestellt von bekannten Handwerkern, in Cusco gibt es den bekannten Santurantikuy-Markt oder in Orten der Selva, zum Beispiel, die Gemeinschaft der ashaninka, werden die Tiere besonders geehrt in dieser Zeit.

Dieses Jahr werde ich Weihnachten das erste Mal ohne meine Familie an einem anderen Ort der Welt verbringen, und das ist nicht Lima. Heute Abend mache ich mich mit David auf die Reise hoch in den Norden nach Chachapoyas (liegt im Bereich zwischen Bergen und Regenwald), wo wir Franz und Janina besuchen werden, und bei ihnen in der Gemeinschaft feiern werden. Darauf freue ich mich sehr, ich bin auch gespannt, wie die Menschen dort so leben und hoffe, dass es ein schönes und besinnliches Fest wird.

Was es sonst so Neues gibt

Seit Donnerstag sind wir ein Freiwilliger weniger, da sich Jonathan nach drei Monaten Aufenthalt wieder auf den Weg in die Heimat Österreich gemacht hat. An seinem letzten Nachmittag im Casa haben wir alle ein Konzert gegeben, sprich unsere Musik aufgedreht, Luftgitarre gespielt und viel geschwitzt, herrlich. Es war eine tolle Zeit und ich wünsche ihm für seinen weiteren Lebensweg alles Gute 🙂 Und hey Jona, wir sehen uns dann hoffentlich spätestens auf dem Oktoberfest nächstes Jahr!

Die kleine Naisha aus dem Casa sollte theoretisch in den Regenwald zurückkehren, da es ihren Großeltern nicht gut geht, sie selbst ist 2012 nach Lima gekommen. Nun erfuhr ich, dass sie für ein Jahr zurückgehen sollte, kann aber auch für immer sein. Heute wohnt sie aber jetzt doch bei ihrer Tante in Lima und kann da bleiben, zu meiner Freude. Jedoch, als wir beide dachten, dass wir uns nicht mehr sehen würden, waren wir schon traurig und haben die gemeinsame Zeit genutzt. Zusammen mit ihr war ich dann nochmal am Strand in Barranco, nachdem sie mich am selben Morgen wachtelefoniert hat 🙂 Das war sehr schön, zu erfahren, welche Bindung ich zu den Kindern aufgebaut habe bzw. ständig aufbaue. Gleichzeitig bin ich auch für viele Kinder zur engen Bezugsperson geworden, und das ist wunderbar.

Mit den Ministranten bin ich nach wie vor viel unterwegs, jede Woche sehen wir uns mehrmals, weil immer irgendetwas ansteht. Letzte Woche waren viele Erstkommunionen, so durfte ich morgens bei einer ministrieren und die Kinder im Anschluss dazu einladen, Ministrant zu werden, und am Nachmittag in einem anderen Gottesdienst im Chor mitsingen. Dieses Wochenende verbrachte ich fast ausschließlich in der Kirche, da am nächsten Tag eine Hochzeit stattfand und am Tag darauf ein großes Gemeindefest zum Jahresende. Es war sehr anstrengend, aber unglaublich bereichernd und voller Spaß. Außerdem haben wir für Juan noch eine kleine Nachfeier organisiert, was ihn sehr gefreut hat.

Den Wolken nahe

Am 03./04.12.17 haben wir einen Ausflug auf den Berg Marcahuasi gemacht. Nach einem anstrengenden Fußmarsch von 3000m auf 4000m Höhe (mir hat der Höhenunterschied und die Steile zu schaffen gemacht, hehe) kamen wir dann auf dem wunderschönen Berg an und waren fast alleine. Das war vielleicht ein befreiendes Gefühl! Ich war über den Wolken. Die Nacht war wohl eine der schlimmsten in meinem Leben, denn ich bin fast erfroren, ich habe kein Auge zu gemacht und die Minuten gezählt, bis die Sonne aufging. Das tat vielleicht gut, als ich am Morgen ausgebreitet auf einem Felsen lag und die Sonne meinen Körper wieder mit Energie und Wärme versorgte. Aber das war es wert, eine unglaubliche Sicht und vor allem eine wunderbare Stille umgaben mich in diesen zwei Tagen.

Freundschaften und neue Erfahrungen

In den letzten Wochen haben sich einige Freundschaften nochmal intensiviert und ich bin so erfüllt, dass ich so tolle Menschen kennenlernen darf, Menschen, die ich meine richtigen Freunde nennen kann. So bekam ich aber auch mal wieder einen unschönen Einblick in die Realität Limas. Ein Bekannter eines sehr engen Freundes wurde einfach erstochen. Die Täter wollten ihn ausrauben, er hat wahrscheinlich etwas Widerstand geleistet und dann… Weg war er. Grausam. Ich habe meinen Kumpel dann auf seinen Wunsch zum Velorio (Totenwache) begleitet. Die Menschen hier müssen oft einiges mitmachen.  Deshalb ist es für mich umso wichtiger, hautnah mitzuleben, Freundschaften zu intensivieren und gemeinsame Erlebnisse zu sammeln.

Gesundheitlich ging es mir die letzte Woche nicht ganz so gut, da ich irgendetwas Falsches gegessen habe. Nachdem mir bei der Chorprobe nicht so gut war, dachte ich, dass ich einfach schnell nach Hause gehe und mich hinlege. Naja, das mit dem einfach und schnell war wohl nix, da ich mich leider an der zweiten Straßenecke übergebe musste. Da sitz ich dann an der Straße San Genaros und bin mittendrin…

Ein bisschen in Weihnachtsstimmung bin ich gestern bei der Weihnachtsfeier gekommen, an der sowohl Kinder aus dem Haus der Talente als auch die Kinder von der Hausaufgabenbetreuung teilgenommen haben. Das war sehr schön und ich hatte die Gelegenheit, allen ein schönes Fest zu wünschen.

Weihnachten steht vor der Tür

So ganz realisiere ich noch gar nicht, dass ich mich heute schon auf die Reise in den Norden mache und auch Andrea nicht mehr da sein wird, wenn ich wieder komme. Vorher haben wir, wie schon lange geplant, nochmal zusammen einen Ausflug auf den Hügel San Genaros gemacht (alleine als Frau ist das nämlich nicht empfehlenswert, wie ihr auch in meinem vierten Bericht Durchatmen lesen könnt) und wir wurden um einen wunderschönen Ausblick und Stille bereichert. Das Beste war, dass ich die andere Seite San Genaros sehen konnte, somit auch das „andere“ Meer.

Meine lieben Freunde, wir hören uns also im neuen Jahr wieder, bis dahin wünsche ich euch von Herzen eine gesegnete Weihnachtszeit, ein besinnliches Fest mit der Familie und einen guten Rutsch ins Jahr 2018, den ihr ja dieses Mal sechs Stunden früher feiern dürft. Auch wenn ich dieses Jahr bei weitem nicht so gut in Weihnachtsstimmung bin wie in Deutschland, ist es eine wertvolle Erfahrung, da man aufgefordert ist, sich ganz besonders auf das Wesentliche in dieser Zeit zu konzentrieren und ich bin zuversichtlich, dass sich mein Herz, nach der ganzen Reise und beim besinnlichen Zusammenkommen nächste Woche, dann ganz öffnen kann für das Fest der Liebe.

Besonders in dieser Zeit bin ich in Gedanken ganz nah bei meiner Familie und meinen Freunden, die mich durch diese Zeit tragen durch ihre bedingungslose Liebe und Unterstützung. Danke!

Herzlichst

Eure Marlene Helena

In der Arbeit

In der Arbeit (Kazini)

Seit schon mehr als einem Monat arbeite ich im Krankenhaus an der Rezeption. Hier darf ich die Patienten aufnehmen und die Preise für die Medizin berechnen. Anfangs war alles noch ein bisschen viel, die anfänglichen Sprachprobleme und die Einführung in die Arbeit, aber jetzt läuft es schon mit beidem ziemlich gut.

Bei den meisten Patienten läuft es so ab:
Erst begrüßt man sich, dann nehme ich seinen Daten (Name, Alter, Wohnort…) auf, danach geht der Patient zum Doktor. Der Doktor schreibt daraufhin auf was bei dem Kranken getestet werden soll (Blut, Urin, Blutdruck, Blutzucker, Malaria…) und dann kommt dieser wieder zu mir an die Rezeption. Nachdem der die Kosten für die Untersuchung gezahlt hat, wird er ins Labor geschickt. Dort werden die Tests durchgeführt. Sobald die Laborergebnisse fertig sind, wird der Patient meistens noch einmal zum Doktor geschickt, der verschreibt ihm dann die passende Medizin und dann kommt dieser ein letztes Mal zu mir und ich berechne ihm den Preis, den er dafür zahlen muss. Meistens zahlt der Patient gleich, doch manchmal ist es auch so, dass er nur einen Teil des Geldes dabei hat und er deshalb nur einen Teil der Behandlung/Medizin erhält. Ansonsten kommt er am nächsten Tag wieder und bezahlt dann alles. Manchmal nimmt der Patient nur die Hälfte der Medizin und lässt z.B. die vom Arzt verschriebenen Schmerztabletten weg. Denn es muss gespart werden.
Grund: Hier in Tansania gibt es keine Gesetzliche Krankenkasse. Jeder hat für sich die ganze Behandlung zu zahlen. Oft werden dafür Freunde und Familie angepumpt. Denn es heißt hier: Kein Geld, keine Medizin.
Gleich mal ein kleines Dankeschön an unser Gesundheitssystem in Deutschland – auch wenn‘s da auch Probleme gibt.

Nachdem der Patient dann bei mir bezahlt hat, kann er sich die Medizin im nächsten Zimmer abholen. Und das war‘s dann auch schon.

Vicent, der im Labor arbeitet, besucht mich an meinem Arbeitsplatz

Zurzeit greifen mir noch die Krankenschwestern Fabiana oder Inocencia unter die Arme, die mir auch alles erklärt haben und es immer wieder tun. Sie sind sehr nette Arbeitskolleginnen, mit denen ich gut zurechtkomme.
Ansonsten gibt es in dem Krankenhaus noch drei Jungs, die im Labor arbeiten (Vicent, Sande und James), den lieben Bruder Jeremiah, der sich um die Verwaltung kümmert und auch die Chefposition innehat, die Putzfrauen Mama Mariana, Zaituni und Celina, die Restituta von der Apotheke und die Doktorin Schwester Celestina.

In dem kleinen Häuschen neben dem Haupttrakt arbeiten Theresia, Rose und Kwege in der Geburten- und Impfstation. Nachts wird das Krankenhaus von dem Nachtwächter Fabian, mit Spitznamen Mungumungu bewacht.

Vormittags kommen viele Patienten, nachmittags dahingegen meistens nur fünf. Wenn es regnet kann es auch sein, dass nur einer oder keiner kommt. Am Nachmittag habe ich also weniger zu tun, nachmittags sind auch weniger Angestellte im Krankenhaus als vormittags.

Das wars erst mal allgemein zu meiner Arbeit. 😀

Liebe Grüße aus Mkuranga!

Dezember 2017

Von Spontanität und Gastfreundschaft

Hallo liebe Leser,

im Kindergarten sind zur Zeit Ferien und da haben wir kurzerhand entschlossen, verschiedene Häuser der Salvatorianer in Tansania zu besuchen. Wir haben lange überlegt, wo wir unsere Reise beginnen sollen und haben uns dann für die Stadt Masasi im Süden Tansanias entschieden. Dort ist ein großes Haus, wo alle Salvatorianer Brüder Tansanias ihr Gelübte ablegen. Demnach war praktisch schon jedes Mitglied dieses Ordens dort.

Bruder Jeremiah aus Mkuranga hat uns deshalb am Sonntag zur Busstation begleitet, um dort mit uns ein Busticket für den nächsten Tag zu bekommen. Da zur Weihnachtszeit viele Menschen hier Urlaub haben, vor allem sehr viele Schüler, und zu ihren Familien reisen, hatten wir das Pech, dass es keine Tickets mehr gab. Alle haben uns empfohlen, einfach noch einen Tag zu warten, um am Dienstag ein sicheres Ticket zu bekommen. Wir blieben aber stur und wollten trotzdem schon am Montag nach Masasi reisen. Es gibt nämlich Busse, die keine festen Abfahrtszeiten haben, bei denen man mit viel Glück spontan mitreisen kann. Dieses Glück hatten wir nicht. Am Montagmorgen warteten wir seit sieben Uhr voller Hoffnung auf einen Bus nach Masasi, in dem noch zwei Plätze frei waren. Nach fünf Stunden haben wir uns sehr gefreut, als uns mitgeteilt wurde, dass ein Bus mit freien Plätzen auf dem Weg ist. Zu früh gefreut. Kurz vor Mkuranga hatte dieser Bus eine Reifenpanne und der Angestellte der Busstation teilte uns mit, dass dies unsere letzte Mitfahrgelegenheit gewesen wäre. Immer noch stur wollten wir einfach unsere Reise heute starten. Deshalb haben wir kurzerhand beschlossen, nach Morogoro zu fahren, um dort ein anderes Haus der Salvatorianer zu besuchen. In Tansania ist oftmals Spontanität gefragt… 😀 Dort gab es dann keine Komplikationen mehr. Binnen einer halben Stunde war der Bus da und wir sind schnurstracks nach Morogoro gefahren. Bruder Jeremiah hat uns wieder weitergeholfen und uns in besagter Stadt angekündigt.

Gastfreundschaft wird hier groß geschrieben, egal ob man Gäste erwartet oder nicht, es nimmt sich immer jemand Zeit. Um sieben Uhr abends wurden wir von Bruder Daniel von der Busstation abgeholt und zu der Jordan University (Haus der Salvatorianer in Morogoro) gebracht. Auf dem Weg dorthin hat er uns noch zum Essen eingeladen. Wir wurden hier sehr herzlich aufgenommen und auch gleich vom Chef des Hauses begrüßt, wie es hier zu Lande üblich ist. Wir sind immer wieder aufs neue überrascht, wie viel Zeit sich die Brüder für uns nehmen, um uns willkommen zu heißen.

Heute früh haben wir uns dann auf die Suche nach dem Frühstücksraum gemacht. Dabei sind wir auf Bruder Raphael gestoßen, der sich ganze zwei Stunden Zeit genommen hat, um uns den Campus der Universität zu zeigen. In der Jordan University studieren rund 3000 bis 4000 Studenten. Darunter 216 angehende Brüder verschiedener Ordensgemeinschaften. Man kann hier Theologie, Jura und auch Wirtschaft und ähnliches studieren. Das Haus, die Universität und das ganze Gelände sind beeindruckend groß und ungewohnt still, da die Hauptstraße weit entfernt ist. Wir haben uns gefreut, dass unsere Reise, trotz kleinen anfänglichen Schwierigkeiten, doch noch so schön wurde und wir durch all diese Zufälle die Möglichkeit bekommen haben, eine tansanische Universität zu besichtigen.

Wir sind gespannt, wo es uns die nächsten Tage hintreiben wird.

Liebe Grueße aus Morogoro,

Philo und Iris

Unsere Familie

Unsere Familie! Familia yangu!

Mittlerweile haben Iris und ich uns schon gut eingelebt in unseren Alltag.

Wir haben, wie gesagt, unser eigenes Zimmer und Bad. Die Brüder/Brother und Pfarrer/Father haben wir mittlerweile auch schon besser kennengelernt.

Kurz eine kleine Vorstellungsrunde:

Die Fathers

Father Ayub ist unser offizieller Verantwortlicher hier, er hat als oberster Pfarrer eigentlich immer viel zu tun, ist sehr nett und hat ein Lachen, das einen mitreißen kann. Auch in der Kirche bringt er die Leute oft zum Lachen, was ziemlich bewundernswert ist. Er hat sich auch hauptsächlich mit uns um unser Visum gekümmert, hat uns die Stadt gezeigt und nimmt uns immer noch oft mit. Hat sich also wirklich Zeit genommen. Hier in der Gemeinschaft hat er das Sagen und die Verantwortung unter den Brüdern. Wir haben das Gefühl, dass er mit jedem gut klarkommt, und auch mit den Kindern aus dem Kindergarten kann er gut umgehen und sie zum Lachen bringen. Vor allem am Anfang waren wir echt froh, dass er unser Verantwortlicher ist.

Es gibt auch noch einen zweiten Pfarrer, den Father Kisima (zu Deutsch heißt Kisima übrigens „Brunnen“). Dieser ist neu in der Gemeinschaft in Mkuranga und ist erst seit vier Monaten hier. Auch voll lieb, er versucht uns immer beim Frühstück dazu zu bringen, mehr zu essen, was er auch schafft. Bis Ende Dezember gibt er noch Englischunterricht in der Schneiderschule, den Iris und ich dann im Januar übernehmen werden. Mittlerweile haben wir ihn auch schon etwas besser kennengelernt.

Die Brothers

Nun zu den Brüdern. Brother Jeremiah arbeitet mit mir im Dispensary (eine kleine Krankenstation). Er ist dort der Chef und die Verwaltung. Immer wenn man ihn fragt nimmt er sich Zeit und lacht ganz lieb, sodass man sich überhaupt nicht dumm vorkommt irgendwas zu fragen. Mit ihm haben wir auch schon einige lange Gespräche geführt. Er ist seit 2001 Bruder und seit 2010 hier in Mkuranga.

Brother Mikel arbeitet als Schreiner in der Schreinerei. Die werden wir demnächst auch besichtigen. Ihn sehen wir nicht ganz so oft wie die anderen, weil die Schreinerei ein bisschen weiter weg ist. Wenn wir aber mit ihm reden, ist er auch nett.

Zu allerletzt ist da noch Brother Mwenda Pole. Er arbeitet als Schneiderlehrer in der Schneiderschule (also ein Zimmer mit Schneiderschülern), das direkt am Kindergarten liegt, also gleich bei Iris Arbeitsstelle. Wenn er keinen Unterricht hält, arbeitet er entweder in der Shamba (so eine Art Farm) oder näht Kleidung für Mitbrüder oder Freunde. Seinen Namen finden wir ziemlich cool, er bedeutet wörtlich übersetzt „der langsam Gehende“, wohingegen er immer ziemlich fit und lustig drauf ist. Wenn man mit ihm redet, macht er meistens Späße mit uns, so ein bisschen ein Scherzkeks. Seit 2009/10 ist er in unserer Gemeinschaft in Mkuranga.

Wir habens gut getroffen mit der Zusammensetzung unserer kleinen Gruppe!

Liebe Grüße an alle!

Dezember 2017

Das Leben in Mkuranga

Hallo liebe Leser!

Nun habt ihr schon lange nichts mehr von mir gehört, aber jetzt will ich euch von unseren ersten paar Wochen und unserem Alltag hier in Mkuranga erzählen.

Wir leben hier mit Father Ayub, Father Kisima, Brother Mwenda Pole, Brother Michael und Brother Jeremaya in einem Haus. Die Brüder und Pfarrer sind alle sehr nett und haben uns sehr herzlich aufgenommen. Sie sind unsere Ansprechpartner, falls wir Fragen über alles Mögliche haben. Mit ihnen zusammen essen wir jeden Tag Morgens, Mittags und Abends. Philo und ich teilen uns ein Zimmer und das Bad. Unser Zimmer ist klein aber fein. 😉 Susi und Happy sind die zwei Köchinnen für unser Haus. Die beiden sind sehr lieb und Happy gibt uns auch immer gerne mal „Mode-Tipps“, da wir noch nicht ganz mit dem Gebrauch von Kangas und Kitenge vertraut sind.  Das sind gemusterte Stoffe, welche man sich beispielsweise über den Rock wickeln kann. Ein Must Have für jedes Mädchen und jede Frau in Tansania. Einmal zogen wir es falsch herum an, das andere Mal hatten wir es zu weit oben gebunden, wie es anscheinend nur ältere Frauen machen… man lernt jeden Tag dazu! 😀

Bei uns gibts viele Tiere und Früchte

Das Grundstück der Salvatorianer ist sehr groß. Es gibt hier eine Farm, wo Semanai, Fabi und Ima arbeiten. Diese drei wechseln sich ab mit der Arbeit auf der Farm und der Nachtwache. Auf der Farm haben wir Ananas, Bananen, Mangos, Papaya und viele weitere Früchte. Zudem haben wir rund 30 Hühner, Ziegen, Schweine, Hasen und zwei Hunde. Brother Jeremaya hat uns vor ein paar Wochen einen Welpen mitgebracht, um den Philo und ich uns jetzt immer kümmern. Und auch der Kindergarten und das Dispensary, unsere Arbeitsstellen, sind auf dem Grundstück der Salvatorianer. Neben den Brüdern gibt es auch noch ein Schwesternhaus der Salvatorianer in Mkuranga. Eine der Schwestern ist Sister Dativa. Sie arbeitet mit mir zusammen im Kindergarten.

Die Arbeit im Kindergarten

Jeden Morgen werde ich mit einem Ansturm von Kindern begrüßt. Alle rufen „Mwalimuuuu“ (=Lehrerin) rennen auf mich zu und umarmen mich. Solche strahlenden und aufgeweckten Kinder versüßen mir den Morgen jeden Tag aufs Neue. Die anderen Lehrer sind Sister Dativa, Lukas, Shakira und Saida. Ima ist der Mann für alles. Er ist wie ein Hausmeister, hilft aber auch im Unterricht mit. Also auch irgendwie eine Art Lehrer. Und dann gibt es hier noch Helena, die jeden Tag für die Kinder und die Lehrer kocht. Im Moment sind im Kindergarten um die 70 Kinder, welche in zwei Klassen aufgeteilt sind. In meiner Klasse, die „Ngorongoro“ Klasse sind 37 Kinder, wobei ich ein Kind noch nie gesehen habe, da die Eltern seit zwei Monaten das Schulgeld nicht mehr bezahlen konnten und somit das Kind den Kindergarten nicht mehr besuchen kann. So ein Fall ist keine Seltenheit. Viele Kinder kommen erst mitten im Jahr in den Kindergarten oder müssen schon vor Jahresende wieder aufhören, weil das nötige Geld fehlt. Ein Kindergarten in Tansania unterscheidet sich von dem Konzept der deutschen Kindergärten. Man kann das eher mit der ersten Klasse oder der Vorschule vergleichen, da die Kinder hier schon richtigen Unterricht bekommen. Jeden Tag werden die Kinder um ca. acht Uhr mit Pikipikis (Motorrädern) zur Schule gebracht. Father Ayub hat schon öfter erwähnt, dass er sich einen Bus für die Kinder wünscht, da es sehr gefährlich ist, wenn zwei bis drei Kinder auf einem Motorrad zur Schule und nach Hause fahren müssen.

Um acht Uhr wird mit den Kindern draußen gesungen. Erst Bewegungslieder wie z. B. „Head and shoulders“ auf Kiswahili und Englisch. Im Anschluss singen die Kinder noch die Hymne der Schule und von Tansania. Den Kindern wird hier schon sehr früh Disziplin beigebracht. Die Kinder, welche im Januar in die Primary School kommen, marschieren jeden Morgen im Gleichschritt in ihr Klassenzimmer. Bei den Jüngeren klappt das allerdings noch nicht ganz so gut. Um 8:30 Uhr geht es dann mit dem Unterricht los. Die Ngorongoro Klasse ist die Klasse mit den jüngeren Kindern. Der Wochenplan sieht so aus:

Montag:              Englisch
Dienstag:            Mathematik
Mittwoch:          Kiswahili
Donnerstag:      Englisch
Freitag:              Malen

Meine Aufgaben

Ich mache den Englischunterricht. Dort bringe ich ihnen bei, wie man sich vorstellt, das englische Alphabet und andere Basics wie die Begrüßung und erste einfache Wörter. Am Anfang war ich mir nicht ganz sicher, ob ich das so hinbekomme mit dem Unterrichten, da ich noch keine Erfahrungen damit gemacht habe. Aber mittlerweile habe ich schon Spaß am Unterrichten und es gelingt mir immer besser, die Aufmerksamkeit der Kinder zu bekommen! Das liegt unter anderem daran, dass mein Kiswahili schon besser geworden ist und ich mehr mit den Kindern reden kann. Ich unterrichte ca. zwei Stunden. Währenddessen schreiben die anderen Lehrer Lukas und Ima die Aufgaben für die Kinder in ihre Hefte, die sie nach dem Unterricht machen müssen.  Wenn sie die Aufgaben erledigt haben geht es zum Chai (Teepause). Helena ist die Köchin für den Kindergarten. Sie kocht in der gleichen Küche wie Susi und Happy und bringt jeden Tag um zehn Uhr den Tee und etwas zum Essen dazu. Es gibt beispielsweise Maandasi (süßes Gebäck), Muhogo, Toast, Uji oder eine Art Maisbrei. Zum Essen sitzen alle Kinder in einem Klassenzimmer auf dem Boden und beten davor noch. Nach dem Chai haben die Kinder noch Zeit zum Spielen draußen und danach geht es mit dem Chor weiter.

Im Moment proben die Kinder für den Auftritt, da die Verabschiedung der älteren Kinder vor der Tür steht. Die Kinder singen und tanzen und sieben Kinder präsentieren zusammen ein Gedicht. Auch ein paar Kinder aus meiner Klasse werden etwas vorführen.

Um 12:30 Uhr fährt ca. die Hälfte der Kinder nach Hause und ich mache bis 14:30 Uhr Mittagspause. Die Kinder, die nachmittags dort bleiben, schlafen bis 13:30 Uhr und bekommen danach Mittagessen und haben Freizeit. Um 15:00 Uhr ist dann nochmal Chor bis 16:00 Uhr. Danach wird dann auch der Rest der Kinder abgeholt.

An den Tagen, an denen ich nicht unterrichte, schreibe ich immer mit den anderen Lehrern die Aufgaben für die Kinder. Und vor allem im Kiswahili Unterricht kann ich auch immer ganz gut mitlernen. Mit den anderen Lehrern verstehe ich mich sehr gut. Wenn ich nicht unterrichte, versuche ich immer Wörter aus dem Unterricht aufzuschnappen und schreibe sie mir auf die Hand, so kann ich mein Kiswahili verbessern. Auch die anderen Lehrer helfen mir dabei und nehmen sich immer Zeit um mir Wörter zu erklären.

Unser Chor

Die meisten, die mich kennen, wissen, dass ich gerne singe, deswegen bin ich zusammen mit Philo gleich in der ersten Woche zu einem der beiden Kirchenchöre gegangen. Wir wussten nicht wann und wo sie proben. Als wir dann einmal nachmittags im Zimmer waren, haben wir Menschen singen gehört und sind einfach dem Gesang gefolgt, so haben wir dann unseren Chor, den „Don-Bosco-Kwaya“, gefunden. In diesem Chor sind die meisten noch sehr jung. Was uns sehr fasziniert hat: Der Chor probt ganze vier Mal die Woche und singt zudem noch jeden Sonntag in der Kirche. Also jeden Dienstag, Mittwoch, Freitag, Samstag und Sonntag wird ungefähr zwei Stunden lang gesungen. Die meisten aus dem Chor können keine Noten lesen, deshalb bekommt auch niemand Notenblätter, was für mich anfangs sehr ungewohnt war. Wir haben Hefte, in denen wir die Liedtexte hineinschreiben. Die Melodie wird von dem Chorleiter beigebracht und die muss man sich dann im Kopf behalten. Und natürlich sind alle Lieder auf Kiswahili, das heißt auch im Chor sind wir fleißig am Sprachelernen. 😀

Auf zum Chorwettbewerb!

Am Samstag, den 18.11.17, hatten wir eine  Art Chorwettbewerb bzw. einen Vorentscheid, welche Chöre aus der Region zu dem Chorwettbewerb geschickt werden. Das war sehr spannend! Wir hatten Stoffe gekauft und alle Frauen haben sich die gleichen Kleider und alle Männer die gleichen Hemden nähen lassen. Da auch alle Schwarze Ballerinas tragen mussten, sind wir dann noch mit zwei anderen aus dem Chor einkaufen gegangen, da Philo und ich keine hatten. Wir mussten in mindestens fünf Geschäfte gehen um endlich Schuhe zu finden, die zumindest ungefähr gepasst haben. Zudem haben wir in dieser Woche wirklich jeden Tag nach der Arbeit noch bis halb sieben geprobt. Dementsprechend müde waren wir dann die ganze Woche. Da der Chor ein Gospelchor ist, wird natürlich auch dazu getanzt. Das heißt neben dem Schuhe kaufen, zur Schneiderin gehen, Stoffe besorgen, Melodien und Liedtexte lernen mussten wir auch noch verschiedene Tanzschritte lernen…  Am Samstag ging es dann auch schon um sechs Uhr in der Früh los mit der letzten Generalprobe. Mit einem Minibus haben wir unsere Reise nach Kibiti dann auch eine Stunde später gestartet. Schon in dem Minibus wurde viel gesungen und gelacht. In Kibiti angekommen, haben wir erst einmal Tee bekommen und dann haben die Auftritte angefangen. Acht Chöre waren vor Ort. Es hat alles sehr gut geklappt mit dem Singen und Tanzen. Wir haben im ersten Durchgang drei Lieder gesungen, danach gab es ein paar Reden und es kam der zweite Durchgang, wo wieder alle Chöre drei Lieder singen durften. Bei dem zweiten Durchgang waren Philo und ich deutlich nervöser, da wir uns bei diesen Liedern nicht sehr sicher waren. Weder bei den Texten noch beim Tanzen, aber es lief alles glatt… 😀

Kurze Verwirrung auf der Bühne – was passiert da?

Bei unserem letzten Lied ist dann plötzlich ein Mann von einem anderen Chor aufgestanden und auf die Bühne gekommen. Ich habe mich sehr gewundert, warum dieser Mann mitten während des Auftritts auf die Bühne geht… Dann kam er zu mir und hat mir einen Geldschein hingehalten. Ich war komplett verwirrt und habe einfach weitergetanzt. Ich wusste nicht, ob er mir das Geld geben will oder jemand anderem… ich war auf alle Fälle sehr verwirrt und wollte das Geld nicht annehmen. Der Mann war jedoch hartnäckig und hat mir den Geldschein in die Hand gedrückt und ist wieder gegangen. Wie so oft, wenn Philo und ich etwas nicht verstehen, mussten einige schmunzeln (wie auch Philo und ich). Danach hat mir Sister Dativa erklärt, dass das ein Brauch in Tansania ist. Wenn einem ein Auftritt gut gefällt, geht derjenige auf die Bühne und gibt Geld her. Es muss nicht viel sein, umgerechnet waren es ein oder zwei Euro. Ich finde das eigentlich eine sehr schöne Geste, und nach mir haben auch noch einige andere Geld bekommen, aber im ersten Moment war ich einfach verwirrt. 😀

Das wars auch schon wieder von mir und die nächsten Tage werde ich noch von dem Kindergartenfest berichten, da das Schuljahr in Tansania zu Ende geht.

Liebe Grüße

Iris

Eine andere Welt … Ausflug in den Regenwald

San Genaro, den 05.12.2017

Falls ihr jetzt denkt, dass ich fast ganze vier Monate gebraucht habe, um zu merken, dass ich hier in Lima in einer ganz anderen Welt lebe, muss ich gleich eines loswerden: Unsere eine Welt besteht aus so vielen unterschiedlichen Welten mit ihren ganz eigenen Facetten. Und Lima ist definitiv eine andere Welt, wenn auch auf ein und derselben Welt. Das habe ich schon am ersten Tag gespürt. Wovon ich euch heute erzählen will, ist von der Vielfalt Perus.

Das lateinamerikanische Peru, welches geografisch gesehen  ca. 3,5 Mal so groß ist wie Deutschland, ist in Bezug auf seine Vegetation ziemlich vielfältig. Ich wohne hier in der Küstenregion, die sich als schmaler Streifen an der Westküste entlangzieht. Danach kommen dann die Berge (Sierra) und die überwiegende Fläche Perus ist Dschungel/Regenwald (Selva).

Nachdem ich nun schon einiges von Lima sehen konnte, und auch durch Ausflüge (zum Beispiel nach Huancayo, siehe Artikel Schachmatt!) die Bergregion zu Gesicht bekommen habe, durfte ich vom 22.11.17 – 24.11.17 nun auch etwas vom lang ersehnten Regenwald (Selva) kennen lernen. Roberto und Padre José, der langjährig dort gearbeitet hat, nahmen uns mit nach Pangoa, einer Stadt im Regenwald, aber noch ziemlich nah an den Bergen, etwa zwölf Stunden Fahrt mit dem Bus (das war auf der Rückfahrt dann ziemlich anstrengend… 🙁  ).

Ab in den Dschungel

Gleich nach der Ankunft am Mittwochmorgen sind wir gestartet und haben eine Schule besucht (institución educativo integrade n. 31395 Kiatary). Rund 80 Schülerinnen und Schüler kommen hier täglich her, um zu lernen. Hauptsächlich ging es Roberto und Pater José darum, den Kindern und Jugendlichen nahezulegen, gut mit der Umwelt umzugehen. In der Selva werden zurzeit immer mehr Bäume einfach gerodet, um Platz zu schaffen für den Ananasanbau. Ananas deshalb, da sie sich gut verkaufen lässt, die Frucht gehört zum täglichen Konsum, und somit ein Einkommen sichern kann. Dass es für die Umwelt und Biodiversität von großem Nachteil ist, in solchem Maße den Regenwald in seinem natürlichen Zustand einzuschränken, liegt nahe. Des Weiteren wird auch in dieser Region viel Süßes gegessen, das meint Kekse aller Art und vor allem wird viel zu viel Süßes getrunken (die sogenannten gasiosas), somit ist auch hier der Plastikverbrauch sehr hoch.

Darüber hinaus gaben wir den Schülern mit auf den Weg, dass sie träumen sollen und ihre Ziele verfolgen sollen, denn es gibt immer Möglichkeiten, etwas anderes als diese Welt zu sehen. Außerdem hatten die Schüler Zeit, uns Fragen zu stellen, nachdem wir Freiwilligen (Jonathan, David und ich) uns vorgestellt haben und etwas über unsere Motivation erzählt haben; was übrigens sehr Spaß gemacht hat, da auch mein Spanisch gut geklappt hat. Generell war ich erstaunt, wie neugierig die Kinder und Jugendlichen waren und welche Fragen sie stellten, so kam es zu Diskussionen über die einzelnen Länder, die Geschichte Hitlers, Gewalt in Familie und Freizeit, Währungen, …

Umstellung

Nach dem ersten Morgen haben wir einen kurzen Zwischenstopp am Fluss gemacht, nachdem wir gefühlt Stunden lang mitten durch den Dschungel spaziert sind bei gefühlten 40 Grad. Das Klima machte mir schon ein wenig zu schaffen, vor allem die hohe Luftfeuchtigkeit. Da kam der erfrischende Fluss gerade recht, bevor wir ein natives Dorf besuchten. Das war schon ein krasser Einblick, den man als normaler Tourist sicherlich nicht bekommt. Dort leben Menschen in Strohhäusern und in ihren gelben/orangenen Kleidungsstücken; als gäbe es nichts anderes als ihr kleines Dorf und die vielen Kilometer Wald, der sie umgibt. Sie sprechen dort auch ihre eigenen Sprachen (Ashanika oder Notmashoguensa). Eine komische Situation, zum einen eigentlich eine schöne Vorstellung so mitten in der Natur zu leben, aber andererseits irgendwie so fremd für mich.

Unterwegs mit Marlene

Unterwegs waren wir die Tage mit der Lehrerin Marlene (ja sie trägt den gleichen Namen 🙂 nur anders ausgesprochen (Marleni)). Sie unterrichtet in verschiedenen Dörfern und hat uns so durch die einzelnen Klassen geführt. Am nächsten Tag waren wir zum Beispiel in einem anderen Dorf und besuchten verschiedene Klassenstufen, eine Klasse sang uns Beispiel etwas vor, danach waren wir dann an der Reihe, hehe. Auch hier sind wieder tolle Gespräche entstanden und ich merkte schnell, dass durch diesen Trip mein Weltbild nochmal um einiges erweitert wurde! Generell will ich mir kein Bild machen, von einer Welt, die mir fremd ist. Jedoch muss ich mir eingestehen, dass ich unterbewusst, auch wenn ungewollt, ein bestimmtes Bild vor mir hatte, wenn ich an Dörfer im Regenwald denke. Menschen, fernab vom Stadtleben, sehr naturverbunden, alternativ lebend und abgeschnitten von der Außenwelt. Natürlich sind damit auch Frage verbunden wie zum Beispiel: Können die Kinder dort überhaupt richtige Bildung erlangen? Wie leben die Menschen dort? Sind sie glücklich?

Nun kenne ich eine Stadt im Regenwald mit ihren Dörfern und das ist sicherlich kein allgemeiner Fall oder mit allen anderen Städten vergleichbar. Sicherlich gibt es Dörfer, die wirklich fernab von allem leben. Auch diese Erfahrung durfte ich in einem Dorf machen, jedoch war ich umso froher darüber, Pangoa kennenlernen zu dürfen und vor allem zu registrieren, dass Peru in Bezug auf die Bildung in dieser Region Fortschritte gemacht hat. Es lehren dort ausgezeichnete Personen und manchmal schien mir das Niveau der Schüler*innen besser als  ich hier in Lima die Erfahrung gemacht habe. Außerdem konnte ich spüren, dass diese Schüler*innen genauso ihre Träume, Wünsche und Ziele haben, wie wir, auch wenn sie nichts anderes als den Wald kennen. Das war eine schöne Erfahrung, umso mehr motiviert war ich, den Schülern Mut zu machen und zuzusprechen, dass es immer irgendwelche Möglichkeiten gibt, etwas anderes zu sehen und seine Träume zu leben.

Den Nachmittag verbrachten wir mit Diego (einem Schüler) der uns den Hof seiner Familie zeigte, sie haben mehrere Bienenstöcke, Hühner und besitzen eine riesige Landfläche, auf der sie Yuka anpflanzen. Yuka ist eine kartoffelähnliche Pflanze, schmeckt zum Beispiel gut in einer Suppe. Auch mit Diego habe ich ein bisschen gesprochen und erfahren, dass er vor hat nach Lima zu kommen, so wie sein Bruder, und zu studieren. Ich hoffe sehr für ihn, dass er diesen Weg gehen kann. Zum Abschied wurden wir noch reichlich mit Papayas beschenkt, die es hier zu genüge gibt. Mir persönlich schmeckt diese Frucht wirklich überhaupt nicht, aber sehr viele Peruaner fahren richtig darauf ab, haha 🙂

Momente                                                                                                                                      

Die Rückfahrt verbrachten Marlene und ich hinten auf einem Pick-up. Da hielten wir uns dann fest, während wir durch den Dschungel düsten. Meine Haare wehten im Wind, immer wieder flog mir etwas Sand in die Augen und rund herum nichts als grüne Landschaft; welch ein befreiendes Gefühl. Ich kam mir vor wie in einem Film, so einzigartig und wunderbar wie dieser Moment war. Da spüre ich wieder, wie frei, gesegnet ich bin und wie wunderschön das Leben einfach ist. Mit all den Erfahrungen, die ich jetzt schon machen durfte.  Nach der Messe am Abend fiel ich dann völlig erschöpft in mein Bett und habe weiter geschwitzt …

Am letzten Morgen besuchten wir noch ein colegio, das von einem Comboni-Missionar gegründet wurde, der leider schon verstorben ist. Die Kinder waren vor allem von Jonathans Größe fasziniert und haben sich fast darum gestritten, wer als erstes von uns allen drei ein Autogramm bekommt. In einer Klasse haben uns die Kinder gruppenweise etwas vorgesungen, oder eher gesagt vorgerappt. Das war total cool. Kurz vor der Rückfahrt haben wir dann noch einen kleinen Ausflug zum Wasserfall (Catarata) Tina de Piedra gemacht. Nachdem dann jeder die rutschige Überquerung der Steine am Wasserfall (um der Fotos Willen) überstanden hat, ging es dann auch schon wieder zurück in den viel zu stickigen Bus.

Ich war froh, wieder in Lima zu sein, habe meine neue Heimat schon etwas vermisst. Die Reise war nun mal anstrengend, körperlich und mental, da so viele neue Eindrücke aufgenommen wurden. Es war aber so eine wundervolle, prägende und einmalige Erfahrung, die ich auf keinen Fall missen will. Das gesehen zu haben ist für mich sehr wertvoll, da man sich so etwas anderes nicht vorstellen kann, es ist und bleibt eine komplett andere Welt. Dennoch ein und dieselbe Welt, weshalb es ein Reichtum ist, wieder ein Stückchen mehr von ihr zu kennen.

So viel zu dieser Reise in eine etwas andere Welt, mehr zu meiner Welt hier in Lima gibt’s schon bald beim nächsten Eintrag, bis dahin wünsche ich euch von Herzen eine wunderbare Adventszeit, auch mit erholsamen Momenten zwischen all dem vorweihnachtlichen Stress, und ich denke immer wieder an euch. Mal schauen, wann bei mir nun endlich mal Weihnachtsstimmung aufkommt. Die unzähligen Plastikbäume und der, für mich etwas kitschige, Weihnachtsschmuck hat das nämlich bisher noch nicht geschafft :).

Herzliche Grüße

Eure Marlene Helena

It’s not a Goodbye, it’s just a „See you later“

Hallo liebe Leser,

Ehe man sich versieht, geht ein erlebnisreiches Jahr zu Ende und ich bin wieder in Deutschland.

Die letzten Wochen in Uganda waren nochmal sehr abwechslungsreich. Da Pauli einen Monat vor mir zurückgeflogen ist, habe ich ihr vor ihrer Abreise bei allem unter die Arme gegriffen. Eine Woche später habe ich mich nochmal auf den Weg nach Gulu gemacht. Von dort hat mich ein Priester mit nach Moyo in den Norden Ugandas mitgenommen. Dafür bin ich sehr dankbar, denn dort habe ich ein tolles Projekt entdeckt:

Ein Spanier hat vor ein paar Jahren ein Musikschulenprojekt angefangen und jetzt kommen jedes Jahr spanische Freiwillige dort hin, um den Kindern Blasinstrumente und Noten lesen beizubringen. Ich war dort eine Woche dabei und es hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich es ernsthaft in Betracht ziehe, dort irgendwann in den nächsten Jahren mitzumachen.

In Moyo habe ich mich auch mit zwei Comboni-Brüdern getroffen, die eigentlich im Süd-Sudan stationiert sind, aber jetzt mit den Flüchtlingen nach Uganda gekommen sind. Sie haben mich in das Refugee Settlement Palorina mitgenommen. Ich war positiv überrascht, als ich die Siedlung gesehen habe. Jede Familie hat ein Zelt mit circa 20m² und einen kleinen Garten, wo sie ihre Nahrung anpflanzen. Teilweise fangen sie schon an, sich selbst Häuser aus Holz und Lehm zu bauen. Trotzdem brauchen sie noch Unterstützung, denn die Nahrungsmittel sind immer noch knapp. Viel Beschäftigung gibt es abgesehen von dem kleinen Garten auch nicht, aber immerhin leben die Menschen dort in einigermaßen guten Verhältnissen und das ist angesichts der Tatsache, dass man nicht weiß, wann die Situation im Süd-Sudan sich bessert, beruhigend. Ich war nur in einer Flüchtlingssiedlung. Die richtigen Camps, wo die Flüchtlinge am Anfang hinkommen, sehen natürlich wieder anders aus.

Einführung der neuen Freiwilligen

Danach ging die Reise weiter nach Kampala, wo unsere Nachfolgerinnen Greta und Francesca schon gewartet haben. Da unser Verantwortlicher Father Stan noch im Heimaturlaub war, habe ich die beiden mitgenommen, ihnen alles gezeigt und Formalitäten erledigt. In Alenga angekommen sah ich schon ein Stück, wie man sich selbst verändert, wenn Leute frisch von Deutschland mit „normalen“ deutschen Ansichten dazukommen. Dinge, die die beiden überrumpelt haben und die sie ungewohnt oder seltsam fanden, fallen mir gar nicht mehr auf bzw. stören mich nicht mehr. Zum Beispiel wenn wir in Alenga ziemlich viel Stromausfall haben oder wenn die Toilette ausläuft.

Nach drei Wochen Abwesenheit kamen nach dem Sonntagsgottesdienst sehr viele Leute, die ich teilweise noch nicht näher kennengelernt habe, zu mir und haben überschwänglich ihre Freude über meine Rückkehr ausgedrückt. Ich war überrascht und es hat mir nochmal gezeigt, wie wichtig ich den Menschen hier geworden bin und wie sehr sie sich freuen, dass ich unter ihnen bin.

Abschied aus Uganda

Zurück in Alenga waren es für mich nur noch neun Tage in meiner ugandischen Heimat und viele Freunde haben mich nochmal zu sich nach Hause eingeladen. Also habe ich diese wenigen Tagen viel Zeit bei den Leuten verbracht, Greta und Francesca alles mögliche gezeigt und erklärt und auch einfach nur Zeit mit ihnen verbracht, mich von allen verabschiedet und nebenher versucht, meinen Koffer zu organisieren.

Nach zwei Tagen in Kampala, die ich mit den Sisters von dort verbracht habe und in denen ich mich von den anderen Combonis verabschiedet habe, ging es am 20. September ins Flugzeug. Der Flug war in Ordnung und von einem Moment auf den anderen war ich wieder in einer anderen Welt. Die ersten Dinge – sowohl positiv als auch negativ -, die mir am Flughafen aufgefallen sind: alles verläuft reibungslos und mit System. Viele Menschen rauchen, was in Uganda eine Seltenheit war. Die Autos halten am Zebrastreifen. Es ist kalt. Freude über meine Eltern und meine Freundin, die mich am Flughafen abgeholt haben. Trotz wenig Schlaf in der Flugnacht konnte und wollte ich nicht schlafen. Alles war so aufregend neu und gleichzeitig vertraut. In dem Moment, in dem ich zuhause in die Tür gelaufen bin, hatte ich das Gefühl, gestern erst raus gelaufen zu sein.

Am Abend wurde ich von einer geheimen Willkommensparty total überrascht, aber es war so toll, gleich meine Verwandten und Freunde zu sehen und es war ein wunderbarer Abend. Anschließend durfte ich in meinem schönen weichen Bett schlafen. Die erste Dusche war auch ein Traum! In den Genuss schleicht sich aber immer wieder ein schlechtes Gewissen über den hohen Wasserverbrauch ein, weil ich jetzt weiß, dass man mit 4 Litern Wasser genauso sauber wird.

Zurück im alten Leben

Jetzt bin ich schon wieder 10 Wochen zuhause und ich merke, dass man so schnell wieder in das

deutsche System und die alten Verhaltensmuster zurückkommt. Seit acht Wochen arbeite ich jetzt schon auf der Baustelle und habe meine Hobbys wieder aufgenommen und ich bin sehr zufrieden damit. Was aber bleibt, ist die Einstellung, die sich meiner Meinung total ins Positive verändert hat. Außerdem wird das Selbstbewusstsein durch so ein Jahr sehr gestärkt, was eine tolle Entwicklung ist.

Es ist ein sehr seltsames Gefühl, an dem Ort, der meine Heimat geworden ist, seine Zelte abbrechen zu müssen und in eine hochtechnisierte Welt mit Staubsauger und Waschmaschine zurück zu kehren, in der vieles auf Effizienz und Leistung ausgerichtet ist. Auch wenn es in diesem Jahr Krisen und schlechte Momente gab, war es so wertvoll und frei und ich würde es sofort wieder tun. In der Schule lernt man so vieles, das man nie wieder braucht,

aber während des Freiwilligendienstes lernt man so viel fürs Leben und sich selbst viel besser kennen. Außerdem beginnt man, seinen Lebensstandard zu schätzen. Manchmal habe ich mich hier schlecht gefühlt, dass ich fast unverdient in so guten Verhältnissen lebe und mir zum Beispiel einfach ein neues Smartphone kaufen kann, wenn das alte spinnt oder als Studentin ein Auto haben kann. Eine gute Freundin hier hat gesagt: „Fühle dich nicht schlecht deswegen oder lehne dieses Leben ab, aber sei dankbar für dieses Geschenk und wisse es zu schätzen.“ In meinen Augen betrifft das nicht nur das Materielle, sondern auch Beziehungen zur Familie, zu Freunden und anderen lieben Menschen, die einen unterstützen. Diese und weitere wertvolle Erkenntnisse habe ich in Alenga gewonnen und ich hoffe, einmal an diesen Ort zurückkommen zu können und meine Freunde dort wieder zu sehen, denn leider ist es schwierig, Kontakt zu halten, denn die Kommunikationsmittel sind beschränkt.

Uganda und Deutschland – zwei Paradiese

Wie Father Stan Alenga immer gerne beschreibt: “Have you ever gone to heaven? Now you are, because Alenga is heaven!“ Er hat recht. Das Paradies liegt wie Schönheit im Auge des Betrachters und es gibt verschiedenste Formen von Paradiesen. Sowohl Deutschland als auch Uganda sind ein Paradies. Uganda ist ein Paradies mit ganz viel Grün und tropischen Früchten, mit sehr großer Gastfreundschaft und der Freiheit von Leistungsdruck. Deutschland ist das Paradies für das „bequeme“ Leben, in dem man auf tollen Straßen in einer kurzen Zeit weite Wege zurücklegen kann, sich (fast) keine Sorgen um Malaria machen muss und in dem es viele Arbeitsplätze gibt. Natürlich zeigt jedes Land auch noch andere Aspekte, aber die guten Dinge sind es, für die man dankbar sein kann. Ich weiß jetzt beide Paradiese zu schätzen.

Auf diesem Weg möchte ich mich nochmal ganz herzlich bei allen bedanken, die mich in diesem Jahr begleitet haben, die an mich gedacht haben, die für mich gebetet haben, die gespendet haben. Ich habe das volle Ausmaß während meiner Abwesenheit gar nicht gesehen, aber es wird jetzt in den Gesprächen deutlich, wie gut ich begleitet war und es freut mich unheimlich und ich bin sehr dankbar dafür!

Das war mein letzter Bericht auf dem Blog, aber ich bin ja jetzt um den Weg und bin offen für Begegnungen und Gespräche.

Wir sehen uns!

Eure Kadda

Mit viel Prozent in den Advent

Hallöchen ihr Lieben,
heute ein kleiner Bericht von eurem Dreamteam aus Alenga zu unserem ersten Advent:

Morgens gingen wir wie jeden Sonntag um acht Uhr in die Kirche. Da wir Teil des Chors sind, haben wir deshalb eigentlich immer gute Sitzplätze und es ist ein schönes Gefühl auf diese Weise in die Gemeinde integriert zu sein. Leider hing kein riesiger Adventskranz am Altar, auf dem die erste Kerze brannte, weil der Brauch hier nicht bekannt ist. In den Adventsgottesdiensten darf aufgrund der besinnlichen Vorbereitungszeit auf Christi Geburt nicht getanzt werden, was wir schade und ungewohnt fanden. Wir freuen uns schon darauf, wenn in der Weihnachtsmesse dann alle wieder voller Elan und Freude singen, tanzen und klatschen.

Erste Erfahrungen als Schnapsbrennerin

Danach besuchten wir unsere Freundin Anna, wo wir auch Walter und Brown trafen, ebenfalls Freunde von hier. Anna hatte uns eingeladen, mit ihr gemeinsam zu kochen und zu essen und dieses Mal auch Schnaps zu brauen. Wir waren sofort begeistert und freuten uns sehr auf den Besuch.

Als wir ankamen, hatte Anna bereits einige Flaschen Schnaps hergestellt und so gesellten wir uns einfach dazu, schauten zu, stellten Fragen und halfen mit, wo es ging. Der Schnaps wird aus Cassava gebraut. Cassava ist eine Pflanze und gehört zu den Wolfsmilchgewächsen. Das hat hier eigentlich jeder im Garten, sie wird gegessen und gekocht wie Kartoffel und wir finden sie super lecker.

Für den Schnaps wird die Cassava gemahlen, mit Wasser vermengt und dieser Mix wird eine Woche lang stehen gelassen, um zu gären. Dann füllt man es in sogenannte „Gulus“, die man fest verschließt und erhitzt. Wenn es innen so heiß ist, dass der Dampf aus dem Topf kommt, führt man einen Schlauch ein, über den der Dampf in eine Schüssel mit kaltem Wasser geleitet wird, abkühlt und dann in kondensierte Form als Schnaps aus dem Topf in die Flasche läuft (s. Fotos). Chemikalisch ist das sicher nicht perfekt ausgedrückt, dafür hätten wir in der Schule wohl besser aufpassen müssen.
Jedenfalls ist das Ganze ziemlich viel Arbeit, aber der Schnaps schmeckt gar nicht schlecht und lässt sich laut Anna sehr gut im Dorf verkaufen. Wir haben ihn warm probiert und fanden ihn auch ganz schön stark, aber trotzdem besser als erwartet.
Nebenbei haben wir noch gemeinsam gekocht und dann – wie immer bei Anna – super lecker und viel zu viel gegessen. Zufrieden und glücklich gingen wir am späten Nachmittag wieder Heim.

Ein schöner und lustiger erster Advent bei 35 Grad im Schatten. Hier kommt durch die Päckchen unserer Eltern mit Plätzchen, Dekoration und Adventskalender im Haus sogar ein bisschen Weihnachtsstimmung auf, sobald man das Haus aber verlässt, sieht man keine Deko oder Vorbereitungen, wie wir sie gewöhnt sind, sodass man schnell vergisst, dass Dezember ist.

Sonnige Grüße aus Alenga in die kalte Heimat,

Francesca und Greta

Selbstgebrautes zum ersten Advent

Hallihallo ihr Lieben,

heute ein kleiner Bericht von eurem Dreamteam aus Alenga zu unserem ersten Advent:

Morgens gingen wir wie jeden Sonntag um acht Uhr in die Kirche. Da wir Teil des Chors sind, haben wir eigentlich immer gute Sitzplätze und es ist ein schönes Gefühl, auf diese Weise in die Gemeinde integriert zu sein. Leider hing kein riesiger Adventskranz am Altar, auf dem die erste Kerze brannte, weil der Brauch hier nicht bekannt ist.

In den Adventsgottesdiensten darf aufgrund der besinnlichen Vorbereitungszeit auf Christi Geburt nicht getanzt werden, was wir schade und ungewohnt fanden. Wir freuen uns schon darauf, wenn in der Weihnachtsmesse dann alle wieder voller Elan und Freude singen, tanzen und klatschen.

Erste Erfahrungen als Schnapsbrennerinnen

Danach besuchten wir unsere Freundin Anna, wo wir auch Walter und Brown trafen, ebenfalls Freunde von hier. Anna hatte uns eingeladen, mit ihr gemeinsam zu kochen und zu essen und dieses Mal auch Schnaps zu brauen. Wir waren sofort begeistert und freuten uns sehr auf den Besuch. Als wir ankamen, hatte Anna bereits einige Flaschen Schnaps hergestellt und so gesellten wir uns einfach dazu, schauten zu, stellten Fragen und halfen mit, wo es ging. Der Schnaps wird aus Cassava gebraut. Cassava ist eine Pflanze und gehört zu den Wolfsmilchgewächsen. Das hat hier eigentlich jeder im Garten, sie wird gegessen und gekocht wie Kartoffeln und wir finden sie super lecker.
Für den Schnaps wird die Cassava gemahlen, mit Wasser vermengt und dieser Mix wird eine Woche lang stehen gelassen, um zu gären.
Dann füllt man es in sogenannte „Gulus“, die man fest verschließt und erhitzt. Wenn es so heiß ist, dass der Dampf aus dem Topf kommt, führt man einen Schlauch ein, über den der Dampf in eine Schüssel mit kalten Wasser geleitet wird, abkühlt und dann in kondensierter Form als Schnaps in die Flasche läuft (s. Fotos).
Chemikalisch ist das sicher nicht perfekt ausgedrückt, dafür hätten wir in der Schule wohl besser aufpassen müssen.
Jedenfalls ist das Ganze ziemlich viel Arbeit, aber der Schnaps schmeckt gar nicht schlecht und lässt sich laut Anna sehr gut im Dorf verkaufen.
Wir haben ihn warm probiert und fanden ihn ganz schön stark, aber trotzdem besser als erwartet.

Nebenbei haben wir noch gemeinsam gekocht und dann – wie immer bei Anna – super lecker und viel zu viel gegessen. Zufrieden und glücklich gingen wir am späten Nachmittag wieder Heim.

Ein schöner und lustiger erster Advent bei 35 Grad im Schatten. Hier kommt durch die Päckchen unserer Eltern mit Plätzchen, Deko und Adventskalender im Haus sogar ein bisschen Weihnachtsstimmung auf, sobald man das Haus aber verlässt, sieht man keine Deko oder Vorbereitungen, wie wir sie gewöhnt sind, sodass man schnell vergisst, dass Dezember ist.

Sonnige Grüße aus Alenga in die kalte Heimat,

Francesca und Greta

Viele Infos und neue Perspektiven

Unser erster Info- und Orientierungstag für eine Ausreise im Sommer 2018 fand diesen Samstag, 02.12.17, in Nürnberg statt. Fünf junge Frauen kamen nach Nürnberg, um sich über unseren Freiwilligendienst MissionarIn auf Zeit (MaZ) zu informieren. Es war ein schöner Tag in familiärer Atmosphäre, in der wir uns gegenseitig kennengelernt haben.

Gestartet sind wir mit einer kleinen Vorstellungsrunde und dann ging es auch gleich weiter mit Infos rund um MaZ. Nach dem gemeinsamen Mittagessen stellten wir das WELTbild der Teilnehmerinnen auf den Kopf und besprachen, dass ein Perspektivwechsel manchmal notwendig ist, um Dinge neu zu sehen. Auch während des Freiwilligendienstes im Ausland werden die Freiwilligen mit vielen, ihnen neuen, Perspektiven auf das Leben und den Glauben konfrontiert werden – eine große Bereicherung!

Danach stellten wir die aktuellen Projekte vor und sprachen über Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Projekte. Nun können sich die Teilnehmerinnen überlegen, ob unser Freiwilligendienst sie anspricht und sich bewerben.

Für alle Interessierten an unserem Freiwilligendienst bieten wir einen weiteren Informationstag am 13.01.2018 an. Weitere Infos dazu gibts hier. Bewerbungsfrist ist der 15.01.2018.

Den Blick in die Welt richten

Liebe Leserinnen und Leser,

meine erste Zeit in Alenga verging wie im Flug und inzwischen rückt auch die Weihnachtszeit immer näher, mit der wir uns dieses Jahr ohne Tannenbaum, Weihnachtsmarkt und Kälte auf eine ganz neue Weise beschäftigen.

Weihnachten, was heißt das eigentlich? Hektische Geschenkejagd am 23. Dezember, dichtes Gedränge auf dem Weihnachtsmarkt und endlose Wunschzettel verwöhnter Kinder? Wohl nicht nur, natürlich auch Familienzeit, gemütliches Plätzchenbacken im Leuchten des Adventskranzes und strahlende Kinderaugen voller Vorfreude auf die Bescherung!

Für uns steht fest: Weihnachten ist ein Fest der Liebe und der Freude.

Wir wollen die Chance, dass wir dieses Weihnachtsfest in einer anderen Kultur verbringen dürfen, nutzen, um Sie einzuladen, nicht nur den Liebsten zu Hause eine Freude zu bereiten, sondern den Blick auch auf andere Umstände in der Welt zu richten.

In diesem Blogeintrag geht es also um unsere Projektideen für Alenga und am Ende des Artikels ist die Spendenadresse zu finden, auf die in den bereits veröffentlichten Zeitungsartikeln verwiesen wurde. Gerne darf überall Werbung gemacht werden, wenn es euch begeistert. Bei Fragen und Anmerkungen, meldet euch doch einfach oder kommentiert den Eintrag!

Patenschaftsprojekte

Pate werden für eine meiner Schülerinnen

Durch meine Arbeit als Freiwillige in der Schneiderinnenschule, liegt mir insbesondere die Unterstützung meiner Schülerinnen am Herzen. Die Berufsschule ist hier eine große Chance, aus armen Familienverhältnissen zu entkommen und als Frau selbstständig Geld verdienen zu können.

Problematisch ist, dass in Uganda Schulgebühren gefordert werden müssen, weil der Staat nicht genug in den Bildungssektor investiert. Hier ist es keine Ausnahme, dass die Mädchen nur einen geringen Teil der Gebühren bezahlen können und deshalb zu spät nach den Ferien ins Internat zurückkehren, während der Schulzeit nach Hause geschickt werden müssen und sie mit fünfzehn bis achtzehn Jahren täglich große Sorgen belasten.

Hier vor Ort ist es den Schwestern und Father Stan, unserem Mentor, ein Anliegen, dass selbst sehr armen Mädchen mit familiär belastetem Hintergrund die Möglichkeit geboten werden kann zur Schule zu gehen. Damit dieses Konzept weiterhin gelingt, möchten wir ein Patenschaftsprojekt zusammen mit Father Stan in die Wege leiten. Dieses Projekt unterstützt einige der Mädchen des Abschlussjahrganges 2018 finanziell und mental, mit denen ich momentan den Großteil meiner Zeit verbringe. Es kann ein Kontakt über Skype, Briefe etc. zwischen den Paten und ihren Patenkindern hergestellt werden, was für beide Seiten eine tolle Möglichkeit ist, aus der Unterstützung mehr als nur eine Spende zu machen.

Für den Jahrgang, der in diesem Jahr die zweijährige Ausbildung beendet hat, mussten wir feststellen, dass von den 26 Mädchen, die 2016 angefangen haben, nur zwölf die Abschlussprüfungen absolvierten. Die restlichen Mädchen haben die Schule aufgrund finanzieller oder familiärer Schwierigkeiten, einer Schwangerschaft oder einer Heirat auf Wunsch der Eltern abgebrochen. Diese Zustände sind aus deutscher Sicht schwer nachzuvollziehen und machen oft traurig, wenn man miterlebt, wie die Situation für junge Mädchen in vielen Gebieten Ugandas ist.

Unser Anliegen ist nun, dass alle neunzehn Mädchen, die in zwei Wochen für die Ferien nach Hause fahren werden, im Februar wieder kommen können und so im November des kommenden Jahres die Schulausbildung erfolgreich beenden können.

Wenn jemand zu dieser Art der Patenschaft Fragen hat oder das Interesse schon geweckt wurde, meldet euch doch einfach privat bei mir, dann kann ich genauere Informationen zu einzelnen Mädchen und ihrer Situation geben. Die Kosten für eine einjährige Patenschaft würden sich auf ca. 280 Euro für alle Kosten (medizinische Gebühr, Schulgebühr, Nahrung, Material fürs Nähen und die Examensgebühr) belaufen. Es gäbe auch die Möglichkeit, als Pate nur einen Teil dieser Gebühr zu übernehmen oder die Mädchen noch über den Abschluss an der Schule hier zu fördern, so dass ihnen beispielsweise eine Karriere als Berufsschullehrerin offen stehen würde. Das alles ist individuell nach eurem Belieben regelbar.

Pate werden für Timothy oder Oscar

Seit einigen Wochen kennen wir auch Timothy und Oscar, zwei sechsjährige Jungs. Beide hatten aufgrund zu geringer finanzieller Möglichkeiten bislang nicht die Chance die Vorschule zu besuchen, die hier sehr wichtig ist, um lesen und schreiben zu lernen und erste Englischkenntnisse zu erwerben.

Oscar ist Waise und lebt bei seiner Großmutter. Timothy ist Halbwaise und Sohn der Schulköchin und spielt jeden Tag auf dem Schulgelände herum. Oft merke ich, dass ihm sehr langweilig ist und der tägliche Kontakt zu Gleichaltrigen ihm sicher gut tun würde.

Für beide Jungen würde es mich unfassbar freuen, wenn sie die Chance auf einen Paten hätten! Ohne finanzielle Unterstützung wird Oscar gar nicht zur Schule gehen können und Timothy könnte nur die staatliche Grundschule in Alenga ermöglicht werden, in der leider nicht genügend Wert auf die Unterstützung des Einzelnen und den Erwerb von Englisch gelegt wird.

So eine Patenschaft muss allerdings gut überlegt sein und es ist wichtig, dass man sich auch aus der Ferne der Verantwortung bewusst ist, die man damit übernimmt. Man würde einem der Jungen zunächst drei Jahre „Nursery School“ finanzieren, ohne die ihnen nicht nur die nötigen Grundlagen, sondern auch die Erlaubnis fehlen würde, auf eine private Grundschule zu gehen, dann die siebenjährige, private „Primary School“ und im Anschluss die „Secondary School“, die man entweder nach vier Jahren (vergleichbar mit der Realschule) oder nach sechs Jahren (A-Levels = britisches Abitur) mit einem entsprechenden Abschluss beendet.

Eine Patenschaft für Timothy oder Oscar würde also zu einer gesamten Unterstützung ihrer Schullaufbahn werden und muss deshalb gut überlegt sein. Allerdings ist eine so intensive Patenschaft natürlich auch eine tolle Möglichkeit für engen Kontakt zum Schützling, man könnte sogar über einen Besuch in Uganda nachdenken.

Da ich nur in diesem Jahr hier vor Ort sein kann, wird die Patenschaft danach über Father Stan laufen, der viel Erfahrung in diesem Gebiet hat und für Fragen, Probleme oder ähnliches ein offenes Ohr hat.

Für genauere Informationen zu der Situation der beiden Jungen und der Organisation einer solchen Patenschaft sowie den auf euch zukommenden Kosten meldet euch doch bitte privat bei mir.

Ein neuer Schlafsaal

Außerdem planen wir zusammen mit Father Stan den Neubau des Schlafsaals der Mädchen. Momentan schlafen am Anfang des Schuljahres ca. 60 Mädchen auf engstem Raum in einem baufälligen Gebäude, das nicht richtig isoliert und deshalb immer unerträglich heiß ist. So haben Krankheiten schnell die Chance sich zu verbreiten und es gibt keinerlei Rückzugsmöglichkeiten für die Mädchen. Sie schlafen zum Teil in Dreifachstockbetten und ihre Koffer stehen direkt daneben auf dem Boden.

Zunächst werden wir uns auf einen ganz neuen Schlafsaal konzentrieren und wenn die finanziellen Mittel ausreichen, möchten wir auch das alte Gebäude renovieren. So wird den Schülerinnen ein angenehmer Schlafplatz, an dem sie sich wohlfühlen können, ermöglicht. Für den neuen Saal werden wir insbesondere auf eine angemessene Isolation achten und versuchen außerdem, einige Wünsche der Schülerinnen in die Planung mit aufzunehmen.

Wenn ihr Lust habt, den Bau des Schlafsaals finanziell zu unterstützen, spendet gerne an folgende Adresse:

Comboni-Missionare KöR, 73479 Ellwangen

IBAN: DE66 6145 0050 0110 6170 15

BIC: OASPDE6AXXX

Verwendungszweck: MaZ Margareta Berges (628) Alenga, Uganda

Gebt doch bei der Überweisung bitte eure Adresse an, wenn ihr eine Spendenquittung benötigt.

Ich danke allen LeserInnen für das große Interesse und die Unterstützung!

Genießt die Adventszeit und trinkt doch einen Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt für mich mit!

Eure Greta

„Zu Weihnachten anderen eine Freude bereiten“

Weihnachten, was heißt das eigentlich? Hektische Geschenkejagd am 23. Dezember, dichtes Gedränge auf dem Weihnachtsmarkt und endlose Wunschzettel verwöhnter Kinder? Wohl nicht nur, natürlich auch Familienzeit, gemütliches Plätzchenbacken im Leuchten des Adventskranzes und strahlende Kinderaugen voller Vorfreude auf die Bescherung!
Für uns steht fest: Weihnachten ist ein Fest der Liebe und der Freude.

Wir wollen die Chance, dass wir dieses Weihnachtsfest in einer anderen Kultur verbringen dürfen, nutzen, um Euch einzuladen, nicht nur den Liebsten zu Hause eine Freude zu bereiten, sondern den Blick auch auf andere Umstände in der Welt zu richten.

Patenschaftsprojekte

Pate werden für eine der Schülerinnen

Durch Gretas Arbeit als Freiwillige in der Näherinnenschule Alengas, in der sie Englisch- und Computerunterricht gibt und ich mit ihr Sport und Musik unterrichte, liegt uns insbesondere die Unterstützung unserer Schülerinnen am Herzen. Die Berufsschule ist hier eine große Chance, aus armen Familienverhältnissen zu entkommen und als Frau selbstständig Geld verdienen zu können.

Problematisch ist, dass in Uganda Schulgebühren gefordert werden müssen, weil der Staat nicht genug in den Bildungssektor investiert. Hier ist es keine Ausnahme, dass die Mädchen nur einen geringen Teil der Gebühren bezahlen können und deshalb zu spät nach den Ferien ins Internat zurückkehren, während der Schulzeit nach Hause geschickt werden müssen und sie mit fünfzehn bis achtzehn Jahren täglich große Sorgen belasten.

Hier vor Ort ist es den Schwestern und Father Stan, unserem Mentor, ein Anliegen, dass selbst sehr armen Mädchen mit familiär belastetem Hintergrund die Möglichkeit geboten werden kann zur Schule zu gehen. Damit dieses Konzept weiterhin gelingt, möchten wir ein Patenschaftsprojekt in die Wege leiten. Dieses Projekt unterstützt einige der Mädchen des Abschlussjahrganges 2018 finanziell und mental, mit denen wir momentan den Großteil unserer Zeit verbringen. Es kann ein Kontakt über Skype, Briefe etc. zwischen den Paten und ihren Patenkindern hergestellt werden, was für beide Seiten eine tolle Möglichkeit ist, aus der Unterstützung mehr als nur eine Spende zu machen.

Für den Jahrgang, der in diesem Jahr die zweijährige Ausbildung beendet hat, mussten wir feststellen, dass von den 26 Mädchen, die 2016 angefangen haben, nur zwölf die Abschlussprüfungen absolvierten. Die restlichen Mädchen haben die Schule aufgrund finanzieller oder familiärer Schwierigkeiten, einer Schwangerschaft oder einer Heirat auf Wunsch der Eltern abgebrochen. Diese Zustände sind aus deutscher Sicht schwer nachzuvollziehen und machen oft traurig, wenn man miterlebt, wie die Situation für junge Mädchen in vielen Gebieten Ugandas ist.

Unser Anliegen ist nun, dass alle neunzehn Mädchen, die in zwei Wochen für die Ferien nach Hause fahren werden, im Februar wieder kommen können und so im November des kommenden Jahres die Schulausbildung erfolgreich beenden können.

Wenn jemand zu dieser Art der Patenschaft Fragen hat oder das Interesse schon geweckt wurde, meldet euch doch einfach privat bei mir (Francesca.Cyris@yahoo.com), dann kann ich genauere Informationen zu einzelnen Mädchen und ihrer Situation geben.
Die Kosten für eine einjährige Patenschaft würden sich auf ca. 280 Euro für alle Kosten (medizinische Gebühr, Schulgebühr, Nahrung, Material fürs Nähen und die Examensgebühr) belaufen. Es gäbe auch die Möglichkeit, als Pate nur einen Teil dieser Gebühr zu übernehmen oder die Mädchen noch über den Abschluss an der Schule hier zu fördern, so dass ihnen beispielsweise eine Karriere als Berufsschullehrerin offen stehen würde. Das alles ist individuell nach eurem Belieben regelbar.

Pate werden für Timothy oder Oscar

Seit einigen Wochen kennen wir auch Timothy und Oscar, zwei sechsjährige Jungs. Beide hatten aufgrund zu geringer finanzieller Möglichkeiten bislang nicht die Chance die Vorschule zu besuchen, die hier sehr wichtig ist, um lesen und schreiben zu lernen und erste Englischkenntnisse zu erwerben.

Oscar ist ein Waisenkind und lebt bei seiner Großmutter. Timothy ist Halbwaise und Sohn der Schulköchin und spielt jeden Tag auf dem Schulgelände herum. Oft merke ich, dass ihm sehr langweilig ist und der tägliche Kontakt zu Gleichaltrigen ihm gut tun würde.

Für beide Jungen würde es mich unfassbar freuen, wenn sie die Chance auf einen Paten hätten! Ohne finanzielle Unterstützung wird Oscar gar nicht zur Schule gehen können und Timothy könnte nur die staatliche Grundschule in Alenga ermöglicht werden, in der leider nicht genügend Wert auf die Unterstützung des Einzelnen und den Erwerb von Englisch gelegt wird. So eine Patenschaft muss allerdings gut überlegt sein und es ist wichtig, dass man sich auch aus der Ferne der Verantwortung bewusst ist, die man damit übernimmt. Zum Erlernen der Grundlagen, wie Lesen, Schreiben und etwas Englisch müssen die beiden, trotz ihres Alters, noch drei Jahre in die Nursery School (Kindergarten/Vorschule) gehen. Danch würden die Jungen in die siebenjährige, private „Primary School“ kommen. Im Anschluss wäre es natürlich toll, wenn ihnen auch die „Secondary School“ ermöglicht werden kann, die man entweder nach vier Jahren (vergleichbar mit der Realschule) oder nach sechs Jahren (A-Levels = britisches Abitur) mit einem entsprechenden Abschluss beendet.
Eine Patenschaft für Timothy oder Oscar würde also zu einer gesamten Unterstützung ihrer Schullaufbahn werden. So eine intensive Patenschaft ist dementsprechend auch eine tolle Möglichkeit für engen Kontakt zum Schützling und man könnte sogar über einen Besuch in Uganda nachdenken.

Für genauere Informationen zu der Situation der beiden Jungen und der Organisation einer solchen Patenschaft meldet euch doch bitte privat bei mir.

Ein neuer Schlafsaal

Außerdem planen wir zusammen mit Father Stan den Neubau des Schlafsaals der Mädchen. Momentan schlafen am Anfang des Schuljahres ca. 60 Mädchen auf engstem Raum in einem baufälligen Gebäude, das nicht richtig isoliert und deshalb immer unerträglich heiß ist. So haben Krankheiten schnell die Chance sich zu verbreiten und es gibt keinerlei Rückzugsmöglichkeiten für die Mädchen. Sie schlafen zum Teil in Dreifachstockbetten und ihre Koffer stehen direkt daneben auf dem Boden.

Zunächst werden wir uns auf einen ganz neuen Schlafsaal konzentrieren und wenn die finanziellen Mittel ausreichen, möchten wir auch das alte Gebäude renovieren. So wird den Schülerinnen ein angenehmer Schlafplatz, an dem sie sich wohlfühlen können, ermöglicht. Für den neuen Saal werden wir insbesondere auf eine angemessene Isolation achten und versuchen außerdem, einige Wünsche der Schülerinnen in die Planung mit aufzunehmen.

Wenn ihr Lust habt, den Bau des Schlafsaals finanziell zu unterstützen, spendet gerne an folgende Adresse:

Comboni-Missionare KöR, 73479 Ellwangen
KSK Ostalp
IBAN: DE66 6145 0050 0110 6170 15
BIC: OASPDE6AXXX
Verwendungszweck: MaZ Francesca Cyris (631) Alenga, Uganda

Ich freue mich auf die Verwirklichung unserer Pläne durch Eure Hilfe und bin überzeugt, dass gerade Projekte wie die Patenschaft eine Möglichkeit zum besseren Verständnis zwischen den beiden Ländern führen, die sich gerade in Bezug auf den Bildungsstandard und die Chancen für Mädchen gravierend unterscheiden.

Ich danke allen LeserInnen für das große Interesse und die Unterstützung!

Genießt die Advents- und Weihnachtszeit und trinkt einen oder zwei Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt für mich mit!

Eure Francesca

Paso a Paso – Schritt für Schritt

Chorrillos, den 21.11.2017

Hallo meine Lieben! Wie schnell doch wieder die Wochen seit meinem letzten Eintrag vergangen sind… Es ist unglaublich, wenn ich daran denke, dass ich nun schon seit mehr als drei Monaten hier leben darf. Jeden Tag strömt das Leben auf mich ein in unterschiedlichster Art und Weise, ich genieße es in vollen Zügen und speichere es fest in meinem Herzen. Ich kann jetzt schon sicher sagen, dass Peru immer ein Teil von mir sein wird und mich nicht mehr loslässt.

Umbauarbeiten im Casa

Wie ihr vielleicht schon mitbekommen habt, befindet sich das Haus der Talente ja momentan noch in der Umbauphase, es wurden zwei Stockwerke hinzugefügt, neu verputzt, die alte Küche wurde rausgenommen,… Das dauert einfach seine Zeit. Und wie das mit der lieben Zeit hier so abläuft, kann das Datum der Fertigstellung ziemlich schnell variieren. Natürlich empfinde ich es oft als schade, dass das Casa noch nicht fertig ist, und ich ohne Türen und guten Platz meine Projekte noch nicht umsetzten kann (Geigenunterricht, Englisch-AG) – dazu aber mehr, wenn es wirklich soweit ist. Andererseits ist es ziemlich cool, die Aufbauphase mitzuerleben. Ich erlebe hautnah wie sich Tag für Tag, Schritt für Schritt (paso a paso), das Haus verändert. Momentan sind nun alle Stockwerke fertig gebaut und verputzt, sodass wir bestimmt bald mit dem Streichen beginnen können. Das wird sicherlich toll, da wir Freiwilligen mithelfen dürfen und eigene Ideen einbringen können. Dann bin ich wieder sehr zufrieden, weil es doch ziemlich cool ist diese Phase mitzuerleben. Mit ein bisschen Geduld lässt es sich auch gut aushalten. So ist das mit einigen Dingen hier in Lima. Manches kann ich sofort hier und heute angehen, manches muss aber einfach mit der nötigen Überlegung und Geduld angegangen werden. Ich bekomme immer ein besseres Gespür dafür.

Feste in der Gemeinde

Die letzten Wochen waren wie immer voller Leben und Aktivität. Am 28.10.2017 feierten wir das große 150-jährige Jubiläum der Comboni-Missionare. Als Ministrantin durfte ich dann in der Prozession durch die Straßen Chorrillos laufen, es war eine wunderbare Erfahrung. Auch die Messe, die dieses Mal ganze 2,5 Stunden dauerte, war ein Erlebnis für sich, da Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern präsent waren und circa zehn Pfarrer den Gottesdienst begleiteten. Es wurde viel gesungen und auch getanzt. Jeder Kontinent sollte bei der Gabenbereitung etwas Repräsentatives zeigen, wobei David und ich dann den Wiener Walzer getanzt haben. Mehr oder weniger holprig haben wir es dann bis vor zum Altar geschafft. Die Leute waren aber begeistert und wir wurden von allen Seiten gefilmt. Danach ging das Fest nebenan weiter, bis in die späten Abendstunden. Für mich ist das eine sehr schöne Erinnerung. Bei den Ministranten fühle ich mich sehr wohl, das sind so tolle Leute!

Gleich das nächste Wochenende standen wieder zwei wichtige Feste an. Am Samstag war Bautismo (Taufe), bei der 80 Kinder getauft wurden, dementsprechend hatte ich danach keine Stimme mehr, da unser Chor fast 2,5 Stunden durchgesungen hat. Am darauffolgenden Tag wurde dann die Messe del Senor de los Milagros („der Herr der Wunder“) gefeiert. Dieses katholische Fest wird jedes Jahr am 18. Oktober in Lima gefeiert, wobei die Messen den ganzen Monat über stattfinden. Es geht auf ein Bildnis von einem schwarzen, gekreuzigten Christus zurück, das vermutlich von einem schwarzen Sklaven in eine Lehmmauer gemalt wurde, der durch die Eroberung des Inkareichs mit den Spaniern einwanderte. Der Legende nach überlebte das Gemälde alle Versuche es zu zerstören und letztendlich auch das Erdbeben am 13. November 1655, das fast ganz Lima zerstört hat.

Neue Freiwillige

In der Zwischenzeit haben wir nun viel Zuwachs bekommen: Zwei Handwerker aus Südtirol (Christian und Samuel) wohnen nun in einem kleinem Zimmerchen im Casa und helfen dort beim Aufbau mit bzw. auch in der Gemeinde Santa Rosa beim Umbau der Toiletten und was sonst so ansteht. Mit ihnen haben wir schon einiges unternommen, wie zum Beispiel einen Ausflug in den Canon Autisha, wo wir uns von 170 Metern abgeseilt haben und eine unglaublich schöne Landschaft genießen durften, oder auch das Green Day Konzert zwei Tage später. Seit gestern sind noch zwei Mädchen aus Südtirol (nun sind wir mit fünf Personen deutlich in der Überzahl….), Katja und Lena, die für drei Monate mit im Casa arbeiten werden. Zusammen sind wir eine ziemlich coole Gruppe würde ich sagen, und es ist immer sehr spannend, neue Menschen hier kennenzulernen.

Seit ein paar Wochen sind Andrea und ich bei einer Surfschule in Barranco. Das macht einen riesen Spaß, das Meer ist absolut meine Welt. Schon nach der zweiten Stunde konnte ich auf dem Brett stehen und am Samstag (vierte Einheit) konnte ich eine Welle seitwärts reiten. Wir haben auch tolle Surflehrer, die uns individuelle Tips geben, die man gut umsetzen kann. Wenn wir montags gehen, sind wir auch meistens die einzigen, sodass wir die Lehrer ganz für uns haben und somit noch schneller lernen können. Das Surfen gibt mir einen guten Ausgleich, ich brauche das sportliche Auspowern. Langsam ist der Frühling auch richtig angekommen, sodass es um die Mittagszeit schon heiß wird und wenn ich dann nach dem Surfen erschöpft am Strand entlang laufe und die Sonne auf mich scheint… Ach, dieses Gefühl genieße ich in vollen Zügen!

Weltmeisterschaft 2018: Peru ist dabei!

Peru hat zudem seine allerletzte Chance, sich für die WM 2018 in Russland zu qualifizieren mehr als genutzt und Neuseeland in der letzten Partie besiegt. Das war vielleicht eine Feier! Zudem hatte Pater Juan am selben Tag Geburtstag, es war somit ein Freudentag. So viele Menschen haben das Spiel gesehen und danach wurde gefeiert und getanzt was das Zeug hält. Kein Wunder, denn nach 36 Jahren hat Peru endlich wieder die Möglichkeit, bei einer WM mitzuspielen. Auch ich habe mich sehr gefreut, auch wenn mich Fußball an sich nicht sonderlich interessiert. Aber, dass es ein Sport schafft die Nationen und die Menschen innerhalb einer Nation so zu vereinen, dann ist es doch wunderbar. Und wenn ich nächstes Jahr schon nicht in Deutschland bin, ist es ziemlich cool, dass Peru teilnehmen kann. Am nächsten Tag war dann auch frei, das habe ich dann genutzt, um einfach mal allein durch die Stadt und die Märkte zu schlendern. Das habe ich sehr genossen, da man hier eigentlich nie allein unterwegs ist.

Strandbesuch

Letzten Samstag waren wir mit den Kiddies vom Casa am Strand, was für mich unglaublich toll war, da ich mir für die Kinder wünsche, dass sie viel öfters ans Meer können. Die meisten sind sehr ängstlich, da sie nicht schwimmen können. Mayorit und ihrer kleine Schwester Dyana war die Angst ins Gesicht geschrieben. Einzeln habe ich sie dann auf den Arm genommen und bin langsam ins Wasser geglitten, sodass sie sich Stück für Stück daran gewöhnen konnten. Wie Äffchen haben sie sich an mir festgeklammert und immer wieder habe ich sie beruhigt und gesagt, dass nichts passieren kann, weil ich sie festhalte. Und am Ende waren beide mit dem Körper im Meer, und das war ein riesen Erfolg, mein Herz ging auf. Das habe ich eigentlich öfters vor, mit den Kindern ans Meer zu fahren und ihnen auch Schwimmen beizubringen, aber das ist leider sehr schwer umsetzbar. Umso mehr schätze ich die kleinen Schritte wert. Wobei dieser Tag jedoch für Mayorit und ihre Schwester wohl ein großer Schritt war.

Unterwegs als Ministrantin

Gestern gab es einen Marsch por la vida y la paz (für das Leben und den Frieden) für den wir Ministranten am Vorabend noch einige Bastelarbeiten geleistet haben. Wir sind dann von Sagrado Corazon bis nach Santa Rosa gelaufen, wo die Messe stattfand. Danach hat dann jede der 12 Gemeinden einen Tanz vorgeführt. Ich habe mit drei dieser Gemeinden Kontakt: Nuestra Senora de la Evangelización (Kirche neben der ich wohne, in dieser Gemeinde findet auch die Hausaufgabenbetreuung statt), Sagrado Corazón (Kirche unterhalb des Casas, die ich Sonntagabends besuche) und Santa Rosa (Gemeinde meiner Ministrantengruppe).

Mir gehts gut!

Hier ist also nach wie vor einiges los, und ich bin sehr froh, vor allem durch die Ministranten, so in das Gemeindeleben eingebunden zu sein. Und nebenher unternehmen wir viel zusammen in der Freizeit. Kurz gesagt: mir geht es hier total gut und freue mich immer wieder sehr, wenn ich mit meinen Freunden und meiner Familie kommunizieren kann, um so etwas aus meiner Heimat zu erfahren. Ich denke oft an meine Liebsten zu Hause und trage sie bei mir, sodass sie viele Momente miterleben können 🙂

Mein Spanisch klappt schon richtig gut, mittlerweile habe ich auch das Vaterunser gelernt, wobei an der Geschwindigkeit noch zu arbeiten ist, aber wie gesagt: Mit Geduld und Weitsicht geht es voran, wenn auch manchmal nur Schritt für Schritt!

In diesem Sinne eine schöne Zeit euch, mit dem ersten Schnee und Glühwein. Bei mir geht es morgen in die Selva (Regenwald) und ich werde vermutlich sehr schwitzen.

Es grüßt euch herzlich

Eure Marlene Helena

Mein Alltag in der Krankenstation: Babygeschrei und jede Menge Neues

Hallo ihr Lieben,

Nun bin ich schon seit drei Monaten in Uganda und arbeite schon neun Wochen in Alenga. Heute möchte ich euch etwas über meine Arbeit, was ich da so mache und was mir alles sofort aufgefallen ist, erzählen.

Die Struktur des Gesundheitssystems in Uganda

In diesem Teil möchte ich euch das Gesundheitssystem von Uganda etwas erläutern.
Uganda ist unterteilt in vier große Regionen: Norden, Osten, Süden, Westen. Diese Regionen sind wiederrum in 112 Districts (Bezirke) und diese in Counties (Landkreise) unterteilt. Die nächste Abstufung sind Sub-Counties, danach Parishes (Gemeinden) und als letztes die Villages (Dörfer).

In Uganda gibt es ca. 4500 Gesundheitseinrichtungen. 155 davon sind Krankenhäuser.
In den 65 Krankenhäusern im öffentlichen Sektor, von der Regierung finanziert, wurden die Gebühren abgeschafft, wodurch die Zahl der Patienten in den ambulanten Einrichtungen dramatisch angestiegen ist.
Private, nicht gewinnorientierte Anbieter besitzen 63 der Krankenhäuser. 75% der Anbieter sind religiöse Einrichtungen, die größten Anbieter sind das Uganda Catholic Medical Bureau (katholisch), das Uganda Protestant Medical Bureau (evangelisch), das Uganda Muslim Medical Bureau (muslimisch) und das Uganda orthodox medical bureau (orthodox).
Private gewinnorientierte Anbieter besitzen 27 der 155 Krankenhäuser.

Das Gesundheitssystem ist in ein nationales und ein in Distrikten orientiertes System unterteilt.
Der unterste Rang des in Distrikten organisierten Bereichs sind die Village Health Teams. Das sind freiwillige Gesundheitsarbeiter, die vor allem dafür sorgen sollen, dass die Gemeinschaft Wissen und Aufklärung über Krankheiten wie Durchfall, Malaria, Lungenentzündung und andere tropische Erkrankungen erhält. Sie verweisen die Kranken zum nächsten Health Center. Jedes Dorf sollte so ein Team haben, dieses ist somit für 1000 Leute zuständig.
Das nächste Level ist das Health Center II. Hier sollten eine Krankenschwester/-pfleger, eine Hebamme und mehrere Gesundheitsassistenten arbeiten. Diese ambulante Klinik behandelt übliche Krankheiten wie Malaria und bietet Schwangerschaftsvorsorge an. Sie ist zuständig für die Versorgung von ca. 5000 Einwohnern und jedes Parish sollte eines haben.
Das Health Center III sollte in jedem Sub-Countie vorhanden sein und bietet zu den Leistungen des HC II noch eine stationäre Aufnahme, ein Labor und eine gesundheitliche Versorgung speziell für Mütter. Ein HC III sollte 18 Mitarbeiter haben, geleitet von einem Clinical Officer. Clinical Officers haben eine Ausbildung zwischen einer Krankenschwester/Krankenpfleger und einem Arzt/ einer Ärztin.
Auf dem vorletzten Level sind die Health Center IV. Jedes County sollte eines haben und damit 100.000 Einwohner medizinisch versorgen. Zusätzlich zum HC III ist es hier möglich chirurgische Eingriffe, Notfalloperationen und eine umfassende Notfall-Geburtshilfe durchzuführen, sowie Bluttransfusionen zu geben.
Die letzte Stufe sind die Krankenhäuser. Hier werden zusätzlich zu den Leistungen des HC IV Gesundheitsprobleme erforscht, besprochen und Fortbildungen angeboten.

Auf nationaler Ebene gibt es zwei Arten von Krankenhäusern mit verschieden Stationen und Abteilungen. Zum Ersten die Regional Referral Hospitals, davon gibt es 14 im ganzen Land, und zum Zweiten die National Referral Hospitals, wovon es nur zwei gibt, die sich beide in der Hauptstadt Kampala befinden. Eins davon ist eine psychiatrische Klinik und das andere das beste und größte Krankenhaus von Uganda mit den besten Ärzten des Landes.

Das ist die Theorie. Die Realität sieht in Uganda ganz anders aus.

Meine persönliche Erfahrung

Ich arbeite in der Krankenstation des Dorfes Alenga. Es gehört dem Uganda Catholic Medical Bureau, ist ein Health Center III und damit eine sehr wichtige und schon etwas größere Einrichtung.

Das Health Center
An meinem ersten Tag zeigte mir Jasper, Krankenpfleger und Chef des Health Centers, das Gelände. Auf der einen Seite steht ein Gebäude mit der Dispensary (Arzneiausgabe), dem Untersuchungsraum, dem Büro des Chefs, dem Labor und einem Besprechungszimmer. Hier werden ankommende Patienten von Godfrey in ein Buch aufgenommen und müssen dann im Gang auf einer Bank warten bis sie aufgerufen werden. Im Besprechungszimmer fragt dann Jasper, der Medical Officer Richard oder eine der Hebammen, Sharon oder Gloria,  nach den Beschwerden. Anschließend werden sie oft zu u. A. Blut- oder Urinuntersuchung ins Labor geschickt. Danach kommen sie wieder ins Untersuchungszimmer und es wird die Diagnose gestellt und die Medikation aufgeschrieben. Zuletzt werden die Medikamente in der Dispensary ausgegeben und am Empfang bezahlt.

Auf der anderen Seite befindet sich die Maternity („Mutterschaft“). In diesem Gebäude werden schwangere Frauen untersucht, stationär vor und nach der Geburt behandelt und viele Babys geboren. Ungefähr 12 Betten stehen in dem großen Raum, die die meiste Zeit belegt sind. Nochmal drei Betten gibt es im Raum vor dem Geburtsraum für Frauen, die kurz vor oder nach der Geburt stehen. Außerdem gibt es einen Raum mit Inkubator für ein Frühgeborenes.

Des Weiteren befinden sich auf dem Gelände noch Dusche, Plumpsklo und ein Küchenhaus für die Patienten. Im Gegensatz zu Deutschland sind hier die Familienmitglieder des/der Kranken die meiste Zeit vor Ort. Sie kochen selber und waschen die Wäsche des Patienten. Ich finde es sehr schön, dass die Klienten hier die meiste Zeit nicht allein sein müssen, sondern von ihrer Familie umgeben sind. In Deutschland habe ich bei meiner Arbeit im Krankenhaus oft mitbekommen, dass gerade alte Menschen oft einsam waren und darüber sehr traurig waren.

Zwei Welten treffen aufeinander
Was mir sofort beim Betreten der Gebäude auffiel, war der riesige Unterschied zu den medizinischen Einrichtungen in Deutschland. Dort war ich es gewohnt überall im Krankenhaus Desinfektionsmittelspender und Waschbecken zu finden. Hier jedoch gibt es nur eine Stelle zum Händewaschen und Desinfektionsmittel nur zum Reinigen von Verletzungen und nicht für die Hände.
Als Jasper mir das Maßband zum Messen der Größe in der Maternity zeigte und mich daneben stellte, sagte er mir, dass ich 1,52m groß bin. Ich teilte ihm mit, dass das nicht stimmen kann, da ich 1,66m groß bin. Später an einem anderen Maßband stellte er dann fest, dass ich tatsächlich 1,66m groß bin. Er meinte nur „Oh okey, dann hat das jemand falsch aufgehängt“. Bis heute hängt das Maßband immer noch 14 cm in der Luft und die Frauen sind alle höchstens 1,60m groß. Das ist ein perfektes Beispiel dafür, wie hier oft dokumentiert wird. Alles wird sehr sorgfältig aufgeschrieben, jeder bekommt eine Patientennummer und jeder Besuch wird in einem der unzähligen Bücher registriert. Zudem werden viele Blätter für Studien und Umfragen ausgefüllt und weggeschickt. Das Problem ist dabei nur, dass es kaum jemanden interessiert, wenn die Maße falsch genommen werden. Zudem herrscht oft Zeitdruck, sodass einige Male schon der Blutdruck nur geraten und aufgeschrieben wurde. Ich ärgere mich oft, denn in meinen Augen sind solche Daten schon wichtig für die Krankengeschichte und genau in solchen Situationen merke ich auch, wie deutsch ich eigentlich bin. Ordnung, Sauberkeit und pünktlich sein – gute deutsche Klischeeeigenschaften, die ich vorher nie so bei mir wahrgenommen habe, da ich durchaus jemand bin, dessen Zimmer mal unaufgeräumt ist und die gerne mal zehn Minuten zu spät ist. Mir fiel es sehr schnell auf, wie anders es hier ist. In der Krankenstation stehen sehr viele Kisten mit alten Heften, losen Blättern oder kaputten Dingen. An der bröckelnden Wand hängt ein Dienstplan von Januar 2016. An der anderen ein zerrissenes Plakat einer Kampagne aus dem Jahr 2004. Jedes Mal frage ich mich, ob das sein muss und warum das niemanden außer mir stört.
Was mir außerdem sofort auffiel, war, dass jeder Klient sein eigenes Heft mitbringen muss, denn dort werden die Untersuchungs- und Testergebnisse, Diagnose und die Medikamente aufgeschrieben. Das ersetzt die bei uns in Deutschland übliche Patientenakte. Auf der einen Seite ist das in meinen  Augen eine gute Idee, da viele Leute unterschiedliche Krankenstationen besuchen und dann immer alle Informationen im Heft sind. Außerdem hätte das Health Center niemals genug Platz und vor allem Ordnung, um Akten systematisch aufzubewahren. HIV- Infizierte und AIDS-Kranke sind die Einzigen mit einer Akte im Health Center. Auf der anderen Seite kann man sich leicht vorstellen, dass es alles andere als ordentlich ist mit diesen Heften, denn viele sind zerknittert, gefaltet oder mit Öl befleckt. Außerdem fehlen oft Informationen oder die Hefte gehen verloren und es wird ein neues angefangen.

„Die Europäer haben die Uhr, wir haben die Zeit.“ – afrikanisches Sprichwort
Meine Arbeitszeit ist von 8.00-13.00 Uhr. Die ersten drei Wochen war ich vorbildlich pünktlich um 8.00 Uhr vor Ort und allein. Ich war stets die Erste, die im Health Center erschien, und sogar die Nachtschwester war schon nach Hause gegangen. Natürlich fühlte ich mich nicht sonderlich wohl, wenn ich über eine Stunde allein war, ich hatte Angst, dass auf einmal eine Mutter ihr Kind bekommt oder jemand mit Schmerzen ankommt. Dementsprechend passte ich mein Verhalten an und integrierte mich ganz gut, indem ich mittlerweile auch immer erst um 9.00 Uhr dort bin. In dem Buch, in dem man sich als Mitarbeiter einträgt, wenn man kommt, steht trotzdem die erste Person immer ca. um 8.10 Uhr drin. Soviel zur Dokumentation.

Lango – eine tägliche Herausforderung
Trotz der, in meinen Augen, großen Unordnung, Umständlichkeit, Unpünktlichkeit und mangelhaften Hygiene kommen die anderen Mitarbeiter immer mit einem Lächeln an ihren Arbeitsplatz und begrüßen mich immer fröhlich auf Lango. Mit meinen Sprachkenntnissen in Lango komme ich hier leider noch nicht sehr weit, begrüßen und ein paar einfache Sätze sagen funktioniert schon gut. Deswegen bin  ich sehr froh, dass meine Kollegen alle Englisch können. Das Problem ist, dass die meisten Patienten kein Englisch können. Oft versuchen sie, mit mir zu reden, doch leider verstehe ich es dann meistens nicht. Auch wenn Sharon mit den Patienten spricht und ihnen etwas erklärt, verstehe ich leider oft nur ein paar Wortfetzen. Ich versuche natürlich weiterhin, mein Lango zu verbessern und habe einmal die Woche mit Greta Unterricht bei einem der Lehrer aus der Näherinnenschule, wobei der Unterricht leider nicht so strukturiert und übersichtlich ist wie wir es von Deutschland gewohnt sind – wieder eine typisch deutsche Feststellung.

Mein Arbeitsbereich

Ich arbeite meistens mit Sharon oder Gloria zusammen in der Maternity. Dienstags und Freitag kommen die schwangeren Frauen. Wir messen den Blutdruck, wiegen sie und die Hebamme untersucht den Bauch und die Lage des Kindes mit ihren Händen. Je nachdem, wie weit das Kind vom Nabel der Mutter entfernt ist, kann sie ertasten in welcher Schwangerschaftswoche sie ist. Mit dem Pinard’schen Hörrohr erfasst sie dann noch den Herzschlag des Babys. Samstags wird seit ca. einem Jahr sogar eine Ultraschalluntersuchung für Frauen angeboten, bei denen das Baby schwer zu ertasten ist.

Malaria: eine weit verbreitete Krankheit in Uganda
Außerdem bekommen die Mütter hier ab der 16. Schwangerschaftswoche bei den Vorsorgeuntersuchungen Tabletten zur Malariaprophylaxe. Malaria ist eine durch den Stich der Anophelesmücke übertragene, fieberhafte und tropische Erkrankung. Sie kommt hier sehr häufig vor, kann aber meistens ohne Probleme mit Medikamenten behandelt werden. Laut dem ugandischen Gesundheitsministerium ist Uganda das Land mit dem größten Malariavorkommen weltweit: 478 von 1000 Personen bekommen pro Jahr Malaria. Malaria ist für werdende Mütter besonders gefährlich, da der Verlauf der Erkrankung schwerer ist als bei nicht-Schwangeren. Auch das Ungeborene kann geschädigt werden. Je nach Immunitätslage der Mutter kann der Fötus sich über die Plazenta der Mutter anstecken. Fehlgeburt, Wachstumsverzögerung und Frühgeburt können die Folge sein. Deswegen bekommen alle Schwangeren beim ersten Besuch ein Moskitonetz, um sich vor allem nachts schützen zu können.

HIV, AIDS und das Problem des Stillens
Im Labor werden die Frauen natürlich auch auf Infektionen und HIV getestet. Die Anzahl der Menschen mit HIV (Humanes Immundefizienz-Virus) ist in der Vergangenheit in Alenga immer mehr angestiegen. Das hat mich sehr verwundert, da man eigentlich davon ausgehen müsste, dass durch die bessere Aufklärung heutzutage die Menschen darüber Bescheid wissen wie sich HIV überträgt. HIV lässt sich neben Blut und anderen Körperflüssigkeiten auch über die Muttermilch übertragen, deswegen war ich zuerst sehr schockiert, als ich erfuhr, dass HIV positive Mütter ihr Baby stillen. Die Mutter, aber auch das Baby, um das Risiko einer Übertragung möglichst gering zu halten, müssen in dieser Situation Medikamente nehmen. Was mir schnell klar wurde ist, dass es natürlich für die Menschen hier keine andere Möglichkeit gibt, außer normal weiterzustillen. Babynahrung ist viel zu teuer und auch nicht erhältlich, außerdem hätten die Leute gar nicht das Wissen und die Möglichkeiten die Babynahrung herzustellen und zu lagern.
Zudem sollen die Schwangeren regelmäßig Tabletten zur gesunden Entwicklung des Babys nehmen wie z.B Folsäure und Eisen. Diese erhalten sie bei der Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchung. Jedoch gibt es nicht genügend von diesen Tabletten, deswegen werden oft viel zu wenige bzw. gar keine verteilt. Des Weiteren erhalten die werdenden Mütter regelmäßig eine Impfung gegen Tetanus.

Kinder bekommen Kinder
Erschreckend für mich ist das Alter der Schwangeren Frauen, denn viele von ihnen sind gerade 17 Jahre alt. Die Mädchen haben zum Teil nicht einmal die Primary School (1.-7. Klasse) beendet und sollen dann heiraten und Kinder bekommen, denn oft fehlt das Geld und das Interesse der Eltern um das Kind weiter in die Schule zu schicken. Im Durchschnitt bekommt eine Frau in Uganda 6,7 Kinder und nur 25% aller Frauen nutzen Verhütungsmittel (laut des Gesundheitsministeriums Ministry of Health). Gerade in einem Dorf wie Alenga bekommen die Frauen sehr viele Kinder und nicht selten steht in ihrem Heft, dass sie in der neunten Schwangerschaft sind aber zwei Kinder schon vor oder nach der Geburt verstorben sind.

Hilfe aus aller Welt
Finanziell unterstützt wird das ugandische Gesundheitssystem durch sehr viele Geldgeber aus dem Ausland. So wird das fünfjährige staatliche Uganda Health Systems Strengthening Project (UHSSP) finanziell von der Weltbank unterstützt. Das Ziel ist es, die Erkrankungs- und Sterblichkeitsraten zu senken und jedem Einwohner eine minimale Gesundheitsversorgung zu gewährleisten.
Ein Projekt von USAID ist das Voucher Plus System. Für 4000 Uganda Schilling, ca. einen Euro, können sich die Schwangeren Aufkleber kaufen, mit denen sie vier Vorsorgetermine, sowie Geburt und Nachsorge bezahlt bekommen. Das ist viel günstiger als ohne den Voucher und macht es vielen Frauen erst möglich, sicher in einem Health Center ihr Kind auf die Welt zu bringen. Es war ein schönes Gefühl zu sehen, wie sich eine Mutter letzte Woche gefreut hat als sie erfuhr, dass sie für die Geburt kein Geld mitbringen muss, sondern alles durch den Voucher bezahlt wird.
Auch in den anderen Bereichen der Krankenstation entdecke ich überall Aufkleber und Kartons mit Moskitonetzen der Hilfsorganisationen UK- und USAID.
Diese Unterstützung ist hier dringend nötig, da der Staat nur sehr wenig in  den Gesundheitssektor investiert. Da das Health Center in Alenga eine private Einrichtung ist, müssen die Kranken für ihre Medikamente und Laboruntersuchungen Geld bezahlen. Ein paar Medikamente, wie die der HIV-Infizierten, gibt es kostenlos, sie werden allerdings nicht vom Staat sondern von Hilfsorganisationen finanziert. Die Frage ist natürlich was passiert, wenn nach ein paar Jahren die finanziellen Hilfen aus dem Ausland eingestellt werden?

Große Herausforderungen
Wie ihr sicher aus meinem Artikel entnehmen könnt, ist das Gesundheitssystem alles andere als gut strukturiert und ausreichend. Viele Einwohner nehmen weite Entfernungen, oft zu Fuß, auf sich, um die Krankenstationen zu erreichen und müssen lange Zeit auf die Behandlung warten.
Häufig fehlt den Gesundheitseinrichtungen das Geld, um die nötige Medizin einzukaufen, und gerade in den staatlichen Einrichtungen fehlt es aufgrund der kostenlosen Behandlung und der kostenlosen Medikamente an allen Ecken. Natürlich fehlt auch den Bewohnern der Dörfer das Geld und viele begeben sich nicht einmal in ein Health Center, da sie sich die Behandlung sowieso nicht leisten können.
Zudem hat Uganda viel zu wenig ausgebildete Arbeiter im Gesundheitssektor und aufgrund der schlechten Bezahlung fehlt vielen die Motivation. Deshalb versuchen einige im Ausland zu arbeiten, um einen Arbeitsplatz mit besseren Bedingungen zu finden – ein Problem, das auch Deutschland hat.

Wertvolle Momente und Erfahrungen
Ich bin unglaublich froh, dass ich hier in Alenga einen so guten und interessanten Einblick in die medizinische Versorgung des Landes bekommen kann. Die Arbeit macht mir richtig viel Spaß und mit  Sharon und Gloria habe ich nicht nur supernette Kolleginnen sondern auch erste Freundinnen gefunden.
Ich lerne hier jeden Tag während meiner Arbeit etwas Neues kennen, das ich mir so nie vorgestellt hätte. Das gibt mir viel Stoff zum Nachdenken und macht mich oft wütend oder traurig über die Ungerechtigkeit auf der Welt.
Natürlich fällt es mir manchmal schwer, die Situation vor Ort zu begreifen und die Armut und den Mangel an fast allem so hautnah mitzubekommen. Trotzdem sehe ich viel Wunderbares, Schönes und Spannendes bei meiner Arbeit, wie zum Beispiel die Geburt eines Babys und die glücklichen Gesichter der Frauen, wenn ihnen gesagt wird, dass es ihrem ungeborenen Baby gut geht.

Jetzt ist erst einmal Schluss mit diesem Artikel. In naher Zukunft werde ich noch über weitere aufregende  Themen und unser Projekt in der Schule berichten.
Meine Mitfreiwillige Greta hat in ihrem Beitrag „Earning for the future“ einen sehr interessanten Beitrag über ihre Arbeit in der Näherinnenschule veröffentlicht, den ihr unbedingt lesen solltet!

Vielen Dank an alle fleißigen Leser.
Ich sende allerliebste Grüße in die Heimat und freue mich von euch zu hören,

eure Francesca

 

Das Tricycle (#3)

Hallo zusammen,

Inzwischen ist es schon wieder eine ganze Weile her, dass ich meinen letzten Eintrag geschrieben habe. Es tut mir leid, dass ich euch wiederum so lange auf Neuigkeiten von den Philippinen habe warten lassen müssen. Eine Sache, die ich aber zunächst noch unbedingt erwähnen muss, sind die Orientierungstage für alle Interessierten am MaZ-Programm für den kommenden Sommer. Diese finden am 02.12.2017 beziehungsweise 13.01.2018 in Nürnberg statt. Weitere Details dazu finden sich unter cosamaz.org. Bitte auch gerne im Bekannten- und Freundeskreis Werbung dafür machen und es verbreiten! Dankeschön.

ABC- und Zahlenunterricht mit Dreijährigen

In den letzten Wochen lerne ich die Kinder im Unterricht immer besser kennen und zum Teil auch besser unter Kontrolle zu halten. Dies gelingt natürlich nicht immer, man darf schließlich auch nicht vergessen, dass die Kinder zum Teil erst drei Jahre alt sind und in was für einer Umgebung sie aufwachsen. In diesen Fällen helfen mir die Eltern sehr oft weiter, die mir inzwischen schon viel mehr vertrauen, was sich dadurch bemerkbar macht, dass sie sich im Hintergrund halten oder die Kinder nur zum Unterricht bringen und kaum noch in den Unterricht eingreifen. Derzeit versuche ich meinen Kindern durch Memory die ersten Buchstaben des ABC beizubringen. Ich hoffe, dass sie so die Buchstaben zunächst kennen lernen, was das Schreibenlernen später hoffentlich erleichtert. Ein weiterer fester Bestandteil ist weiterhin das Gebet zu Beginn und zum Schluss der Stunde sowie das Nachfahren von Linien und Ausmalen von Bildern. Durch letzteres soll die Fertigkeit im Stifthalten und Handhaben trainiert werden. Hierbei habe ich auch angefangen, den Kindern beizubringen nach den Stiften höflich zu fragen, bevor sie diese bekommen, was inzwischen schon ganz gut funktioniert. Sowohl beim Memory als auch bei anderen Spielen wie Domino oder bei Puzzles binde ich es immer wieder mit ein, die Kinder etwas zählen zu lassen, um auch die Zahlen im Zahlenraum von eins bis zwanzig zu verfestigen. Da Simon schon vergangene Woche frei hatte, in welcher Moritz und ich gearbeitet haben, während wir diese Woche keinen Unterricht haben und Simon arbeitet, konnte Simon uns beide einen Tag bei unserer Arbeit begleiten und einige Fotos mit uns und den Kindern machen, auf die viele von euch sicherlich schon sehnsüchtig gewartet haben. Ich hoffe, es kann auch einen ganz guten Eindruck in die Stunden mit den Kindern geben.

Probenmarathon und Landerkundung

Weiterhin investieren wir viel Zeit und Mühe in die Tanz- und Theaterproben für das Theaterstück im kommenden Jahr. Die letzten drei Tage hatten wir einen wahren Probenmarathon von morgens bis abends und zudem hatten wir die erste Darbietung der „Rohversion“ vor zwei Personen, die unser Spiel das erste Mal gesehen haben und so konstruktive Kritik üben konnten. Bis zu unserer ersten Aufführung im Februar werden nun die Feinheiten und Details weiter ausgearbeitet und vertieft.

Da wir vergangenen Montag sowie diese Woche frei hatten, nutzten wir die freie Zeit, um uns wieder einige Flecken dieses Landes anzusehen. Zum einen haben Moritz, Simon, einige andere Freunde und ich uns auf die Insel Tingloy zum Masasa Beach aufgemacht. Dort haben wir eine Nacht verbracht und waren die beiden Tage, die wir auf dieser Insel verbracht haben, vor allem am Strand. Der helle Sand sowie das klare Wasser dort waren sehr beeindruckend. Auch die Bootsfahrt zu der Insel war wirklich gut, weil wir um die gesamte Insel zunächst herumfuhren, um auf die Südseite zu gelangen. Auf diese Weise haben wir sehr viel zu Gesicht bekommen.

Als ich einmal auf dem Weg zum Strand war und den Weg an einer etwa drei Meter hohen Felswand entlang lief, fiel plötzlich aus heiterem Himmel eine riesige, schwarze Echse mit gelben Punkten mit einem lauten Klatscher neben dem Weg in den Sand. Das Tier war locker über sechzig Zentimeter lang und ich war genauso erstaunt wie die anderen Leute in der Nähe und als ich wirklich registriert hatte, was passiert ist, war die Echse auch schon wieder zwischen die Felsen geschlüpft und verschwunden.

Atemberaubende Landschaft

In der Nacht auf Sonntag habe ich mich gemeinsam mit Mirko und Tere auf den Weg zur Insel „Cagbalete Island“ zu Teres Tante gemacht. Diese betreibt dort das sehr schöne Resort „Villa Noe Beach“, in dem wir zwei Nächte verbringen konnten. Den ersten Tag sind wir wieder die letzte Strecke mit dem Boot angereist und konnten von diesem aus wieder die wunderschöne Gegend begutachten. Vom Boot aus mussten wir die letzten hundert Meter zum Strand waten, da bereits die Ebbe eingesetzt hatte und das Boot nicht näher an den Strand fahren konnte. Das Wasser dort war wieder wahnsinnig klar, der Sand total hell und überall Palmen mit Kokosnüssen. Am ersten Tag haben wir die Zimmer bezogen und den Strand ein bisschen erkundet. Außerdem haben wir nach Norden durch eine weite Gras- und Waldlandschaft in den kleinen Hafen aufgemacht, um dort etwas zu essen und uns diesen ein wenig anzusehen. Wegen des Regens der Tage zuvor waren die Wege zum Teil unter Wasser gestanden, was das ganze etwas hinauszögerte.

Nachdem wir zurück im Resort waren und mit zurückkommender Flut noch etwas badeten, ging ich auch schon gleich nach dem Abendessen ins Bett, da mir die Tante den Sonnenaufgang empfahl, der zwischen 4:30 und 5:00 Uhr morgens beginnen sollte. Das frühe Aufstehen für diesen hat sich auch wirklich gelohnt, es war wirklich wunderschön, langsam die Sonne hinter den Bergen und über dem Meer aufgehen zu sehen.

Um 7:30 Uhr haben wir uns dann außerdem schon wieder zum sogenannten „island hopping“ aufgemacht. Wörtlich übersetzt heißt das „Insel-hüpfen“ und beschreibt eigentlich ganz gut, was man dabei macht: Man fährt mit dem Boot von Insel zu Insel und schaut sich die sehenswerten Dinge dort an. In unserem Fall waren es nur zwei Inseln, was auch kein Problem und echt toll war. Zunächst haben wir uns eine beeindruckende Felsformation mit einer Höhle angeschaut. Von dort aus war der Plan eigentlich, zu einem Wasserfall zu fahren, aufgrund des starken Wellengangs war dies leider nicht möglich, weshalb wir direkt zum nächsten Strand weitergefahren sind.

An diesem Strand war mit zunehmender Ebbe nicht nur eine riesige Sandbank aus leuchtend weißem Sand sowie glasklares Wasser zu finden sondern auch überall Mangrovenbäume in den unterschiedlichsten Formen und Größen, angefangen von kleinen, aus dem Sand sprießenden Sprossen bis hin zu sehr alten Bäumen mit einem riesigen Wurzelsystem. Aufgrund ihrer Einzigartigkeit stehen die Mangrovenwälder dort auch unter strengem Naturschutz, hat Teres Tante mir erklärt.

Bald darauf machten wir uns auch schon wieder auf den Weg zu der kleinen Stadt am Hafen, um dort etwas zu Mittag zu Essen bevor es einige hundert Meter entfernt von der Küste dann wieder zum Schnorcheln ging. Auch hier gab es, wie beim letzten Mal auch schon, wahnsinnig viele und sehr unterschiedliche Fische und Korallen zu bewundern.

Da Tere und Mirko ihrerseits von der Produktion von kurzen Videos zu bestimmten Reisezielen in den Philippinen leben, könnt ihr hier auch ein Video zu unserem Ausflug finden.

Dieses Mal gehts ums Trycicle

Das nächste Verkehrsmittel, das ich euch im Zuge dieses Eintrags vorstellen möchte, ist das Trycicle. Ein Tricycle ist im Prinzip ein Motorad oder Moped mit einem Beiwagen, das Personen von A nach B transportiert. Je nachdem, in welcher Gegend man sich befindet, fahren diese Fahrzeuge ihre Passagiere über kürzere oder längere Distanzen. Hier in Manila beschränkt sich dies zumeist auf einen bestimmten Stadtteil, den die Fahrzeuge befahren. Je nach Stadtteil variiert dann auch die Farbe der Tricyles. Bei uns in der Gegend beispielsweise sind sie grün, wenn wir in die Arbeit fahren blau oder wenn wir ins Konvent möchten weiß.

In der Provinz legen die Tricycles dann auch oft weitere Strecken zurück. In Baler beispielsweise wurden wir jeweils über eine halbe Stunde zu unseren Ausflugszielen hin und zurück gefahren.

Abhängig von der Zahl der zurückgelegten Kilometer und der mitfahrenden Gäste variiert dann auch der Preis pro Passagier. Auf dem Weg nach Payatas beispielsweise sind es 9 Pesos (ca. 15 Eurocent) pro Person, wenn mehr als fünf Fahrgäste mit von der Partie sind.

Wie genau die Tricycles aufgebaut sind, hängt auch von der Gegend ab, in der man sich gerade befindet. In der Regel ist der Beiwagen des Tricycles eher eine kleine Kabine, zum Teil sogar mit einer Tür. Darin befindet sich eine Sitzbank, auf die sich zwei Leute mit Blick in Fahrtrichtung mehr oder weniger quetschen. Mit Blick zur äußeren Straßenseite sitzt dann in er Regel noch eine weitere Person im Innenraum auf einer schmalen Sitzfläche. Zum Teil haben die Tricycles hinter der Kabine dann auch noch eine Ablage für Gepäckstücke angebracht, was ich sehr praktisch finde, gerade, wenn man mit etwas mehr unterwegs ist. In der Provinz habe ich auch schon Tricycles gesehen, die nach hinten offen waren und eine weitere Sitzbank dort hatten, sodass die Passagiere im Prinzip Rücken an Rücken sitzen. Es kommt auch manchmal vor, dass sich ein Fahrgast, der noch mit möchte, hinten auf die Kabine stellt und dort mitfährt.

Hinter dem Fahrer sitzen dann normalerweise noch zwei weitere Personen quer zur Fahrtrichtung. Damit diese ein wenig mehr Platz haben, sind an die meisten Tricycles noch eine Verlängerung der Sitzbank hinzugefügt. Zusammen mit dieser Verlängerung ist zumeist auch das Dach über dem Fahrzeug angebracht, manchmal sieht man sogar noch eine daran angebrachte Frontscheibe für den Fahrer.

Falls es regnen sollte, hat in der Regel jeder Fahrer einige Planen dabei, die er dann am Dachgestell befestigt, um sich und die Passagiere hinter sich vor dem Gröbsten zu schützen.

Neben der Funktion des Transports von Passagieren werden Trycicles zum Transport von allen möglichen Dingen im Alltag verwendet, dann besteht der Beiwagen meist aus einem Gestell, das die zu transportierenden Dinge besser fasst. Oft werden sie genutzt, um Trinkwasserkanister oder Gasflaschen zu transportieren, man sieht aber auch alle möglichen anderen Dinge wie zum Beispiel Metallstäbe darauf herumfahren.

Meiner Meinung nach sind Trycicles sehr oft ziemlich eng und unbequem, was vermutlich aber auch an meiner Körpergröße und daraus resultierenden Schwierigkeiten liegen mag.

Viele Grüße aus Manila

Jakob

„Earning for the future“ – Meine Arbeitsstelle

Ihr Lieben,

heute möchte ich euch einen kleinen Einblick in meine Arbeit als Lehrerin im Father Egidio Vocational Training Center Alenga geben, von dem ihr ja schon einiges im letzten Artikel „Kraft tanken vor wichtigen Prüfungen“ gehört habt.

Die Nähschule ist ein privates Internat, das von Sister Anne geleitet wird, die hier im Konvent lebt und aus Kenia stammt. Neben Sister Anne und mir gibt es noch drei weitere Lehrer, die in Theorie und Praxis Nähen und Stricken lehren. Die Schulgebühren betragen pro Term (ca. drei Monate) 150.000 UGX, das sind umgerechnet ca. 38 Euro und im Vergleich zu anderen Schulen sind diese Gebühren eher gering. Trotzdem haben viele Familien Schwierigkeiten das Geld aufzubringen.

Die Mädchen sind normalerweise zwischen 15 und 18 Jahre alt und haben Schulabschlüsse, familiäre Hintergründe und Erfahrungen ganz unterschiedlicher Art. So kommt es, dass das Leistungsniveau von einem großen Gefälle bestimmt wird (einige haben lediglich sechs oder sieben Jahre an der Primary School teilgenommen, während andere für einige Jahre die Secondary School besuchen konnten). Nach der zweijährigen Ausbildung hier planen viele noch weiter zur Schule oder sogar Universität zu gehen, um beispielsweise eine Berufsschullehrerin zu werden. Ich hoffe sehr, dass ihnen das gelingt, um Türen heraus aus der Armut und dem oft einfachen Leben im Dorf zu schaffen. Diejenigen, die nicht mit der Schulausbildung fortfahren, arbeiten beispielsweise als Schneiderinnen in ihrem Heimatort und helfen der Familie oder heiraten, ziehen um und bauen eine eigene Familie auf.

Kurzer Einblick in den Tagesablauf der Mädchen

Der Tag der Schülerinnen beginnt täglich um sechs Uhr. Sie waschen sich und machen sich fertig, um um sieben Uhr gemeinsam mit den Schwestern und Priestern eine halbstündige Messe zu feiern. Danach arbeiten sie entweder im Garten oder auf dem Gelände, bevor pünktlich um halb neun der Unterricht beginnt. Frühstück gibt es erst um halb elf und gegessen wird dabei Porridge (Maismehl mit Wasser). Mittags und abends gibt es diesen Maisbrei in fester Form mit Bohnen. Gelegentlich gibt es dazu auch anderes Gemüse oder Cassava, bzw. Süßkartoffeln. Der Unterricht geht täglich bis 16 oder 17 Uhr, danach arbeiten sie auf dem Gelände, haben Freizeit und duschen. Um 18 Uhr versammeln sich alle Schülerinnen zum Rosenkranzbeten in der Kirche. Unter der Woche machen sie abends Schularbeiten. Sister Annes Devise, dass die Mädchen rund um die Uhr beschäftigt sein sollen, um nicht zu viel an zu Hause zu denken oder Zeit haben, sich mit den Jungen in Alenga zu treffen, ist also deutlich spürbar.

Computerkurs – mit den Basics beginnen

Mehrere Stunden die Woche habe ich die Möglichkeit, mit den Mädchen an acht Laptops zu arbeiten, was nicht nur ihren Horizont in Richtung der technisierten Welt erweitert, sondern ihnen insbesondere helfen soll, wenn sie für eine Arbeitsstelle auf Computerkenntnisse angewiesen sind. Im ersten Jahrgang habe ich ganz von vorne angefangen. Zwar hatten sie durch meine Vorgängerin Paulina schon einige Vorkenntnisse, dennoch war es sinnvoll, ihnen noch einmal zu zeigen, wie der Laptop aufgebaut ist, wo er an und aus geht, was man mit der Maus alles machen kann und wie man die Tastatur überhaupt benutzt. Da Paulina schon mehr Zeit mit dem zweiten Jahrgang an den Notebooks verbracht hat, kann ich mit ihnen das Zehn- Finger-Schreiben üben und richtige Texte auf Word verfassen, ich habe sie beispielsweise mit den verschiedenen Schriftarten, -größen, Listen etc. vertraut gemacht und diktiere jetzt oft Texte, die sie dann in bestimmten Formen oder Farben tippen sollen, so dass ich gleichzeitig Tippen, Englisch und Allgemeinwissen trainiere. Für diese Stunden brauche ich viel Geduld und erkläre oft drei- oder viermal, bevor etwas funktioniert. Langsam verstehe ich, wie meine Lehrer sich manchmal gefühlt haben müssen.

Englischunterricht – wer braucht schon Satzzeichen und Grammatik?

Wie ich bereits berichtet habe ist das Level der Schülerinnen sehr unterschiedlich. Das Schriftenglisch variiert von einem geheimnisvollen Mix aus Lango und ausgedachter Sprache bis zu gut lesbaren Texten. Meine Herausforderung hier ist also irgendwie alle Mädels zu erreichen und zu fördern und nicht einige auf der Strecke zu lassen oder andere zu sehr zu langweilen. Dennoch ist besonders auffällig, dass alle Mädchen sich mit den englischen Satzzeichen wie Komma, Apostroph und insbesondere dem Punkt am Ende des Satzes schwer tun, obwohl dieser auch in Lango gemacht wird.

Im ersten Jahrgang habe ich momentan sechs Schülerinnen, die kaum bzw. gar kein Englisch beherrschen. Für sie habe ich eine Nachhilfestunde ein- oder zweimal die Woche eingerichtet. In dieser Stunde übe ich die Grundlagen. Zum Beispiel: Wie sage und schreibe ich, wer ich bin, wie alt ich bin, woher ich komme etc.. Da viele der Mädchen nur die Chance hatten, eine staatliche Primary School zu besuchen, in der oft weniger Wert auf das Erlernen von Englisch gelegt wird, das immerhin Amtssprache Ugandas ist, schämen sie sich oft oder haben Angst, wenn man sie zum Englisch sprechen auffordert. Wenn man bedenkt, dass sie sich in der Lokalsprache Lango nur mit weniger als sechs Prozent der Bevölkerung Ugandas unterhalten können, ist das aus deutscher Sicht eigentlich unvorstellbar. Diese Beobachtung konnte ich während der Debatte machen, die einmal wöchentlich stattfindet und die sich so von meinen deutschen Erfahrungen unterscheidet, dass sie einen eigenen Artikel wert ist.

Sportunterricht – unsere Lieblingsstunde

Der Sportunterricht findet zweimal wöchentlich für eine Stunde statt und besteht aus 50 Minuten Netball (ähnlich wie Basketball, nur ohne prellen und mit ständigem Ballwechsel zwischen den Spielern) oder Volleyball. Es gibt leider keine richtigen Felder, sodass wir des Öfteren an einem Stein umknicken oder nicht ganz klar ist, ob der Ball nun im Aus ist oder nicht. Danach machen wir noch kurz Muskelübungen und zum Abschluss dehnen wir uns. Francesca und mir macht die Sportstunde besonders Spaß, wir spielen jedes Mal mit und sind dabei nicht wirklich als Lehrkräfte gebraucht, sondern eher als weitere Spielerinnen, die einfach für die Gruppe verantwortlich sind. Man merkt, dass einige Mädchen beim Sport richtig aufblühen und dass allen diese lockere Stunden des „Auspowerns“ gut tut.

Und sonst so?

Außer diesen Stunden verbringen wir Zeit mit den Mädchen in einer „Musik, Spiel und Spaß“- Stunde, aus der wir im nächsten Jahr gerne eine Theaterstunde machen möchten- ich werde dann berichten- sowie im Nähunterricht, in dem wir ab und an unser Glück versuchen und sogar schon eine Tasche und Vorhänge für unsere Regale fertig gebracht haben, und in unserer Freizeit. Wir versuchen den Tagesablauf der Mädchen kennenzulernen und mitzuerleben, so dass wir auch mit ihnen Feuerholz sammeln gehen, Süßkartoffeln ernten, kochen, sticken, singen, tanzen oder einen Film schauen, also immer das, was gerade so ansteht oder worauf sie Lust haben.

Außerdem planen wir eine Art „Aufklärungsarbeit“ für das nächste Jahr. Dort möchte ich einmal wöchentlich mit den Mädchen über Themen wie HIV und AIDS, Familienplanung und Allgemeinwissen wie Geografie, Geschichte etc. sprechen. Während meiner Stunden ist mir häufiger aufgefallen, dass für uns selbstverständliches Allgemeinwissen bei dem Großteil der Schülerinnen nicht gefestigt ist. Sie konnten mir beispielsweise nicht sagen, wie viele Kontinente es auf der Erde gibt oder was deren Namen sind.
Ich lerne eigentlich jeden Tag während meiner Arbeit etwas Neues kennen, das ich mir so nie vorgestellt hätte. Das gibt mir viel Stoff zum Nachdenken und macht mich oft wütend oder traurig über die ungleichen Chancen für Kinder und Jugendliche auf der Welt. Es ist unfassbar spannend, Genaueres über die familiären Hintergründe der Mädchen, ihre Träume, Wünsche, Interessen und Ansichten zu erfahren. Auch mit den Lehrern verbringe ich gerne Zeit, sie sind aufgeschlossen, freundlich, lustig und jederzeit bereit, mir meine Fragen zu beantworten. Die Lehrer und Sister Anne können aus erzieherischen Gründen sehr streng zu den Mädchen sein und mir werden einige Lehrmethoden einfach fremd bleiben. Im Vergleich zu meiner Schule merke ich, dass die Schülerinnen deutlich disziplinierter sind und auf angemessenes, der Hierarchie einer Schule angepasstes Verhalten mehr Wert gelegt wird. Es kommt zum Beispiel nicht selten vor, dass ein Mädchen nur fünf Minuten ihrer Pause nutzen kann, weil sie dann für die Lehrer etwas erledigen muss. Die Atmosphäre in der Schule empfinde ich bis jetzt dennoch die meiste Zeit über als ausgesprochen angenehm.

Ich sende allerliebste Grüße in die Heimat und freue mich von euch zu hören,

eure Greta

 

von Veränderungen und zu viel Reis …

Hallo allerseits!

Nach guten drei Monaten auf den Philippinen melde ich mich nun wieder mit einem neuen Artikel…

Inzwischen hat sich hier viel getan – einfacher wäre es aufzuzählen, was gleich geblieben ist. Das wären dann in erster Linie die hohen Temperaturen, das zurzeit sehr verregnete Wetter und die Tatsache, dass die Zeit nach wie vor rasend schnell vergeht. Vom vielen Reis, welcher nach wie vor zu fast jeder Mahlzeit verspeist wird, darf man selbstverständlich auch nicht absehen.

Mittlerweile unterrichte ich seit fast zwei Monaten in Payatas – eine Arbeit, die erfüllt und gleichzeitig sehr viel Spaß macht. Die Begegnungen mit den Menschen und insbesondere den Kindern sind jedes Mal aufs Neue eine tolle Erfahrung.

Die besondere Gastfreundschaft fällt mir täglich unter vielem anderen wieder dadurch auf, dass, selbst wenn man schon lange keinen Hunger mehr hat, nochmal jemand auftaucht, der einem (oft selbstgekochtes) leckeres Essen anbietet – da fällt es wirklich schwer nein zu sagen. Es wird also viel ausprobiert und gegessen 😀

Der Verkehr und die lange Zeit, die man dadurch in Jeepneys und sonstigen „Gefährten“ verbringt, lassen einen auf jeden Fall sehr viel geduldiger werden. Nicht nur auf dem Hin- und Rückweg zur Arbeit, sondern auch wenn wir mal wieder auf dem Weg zum Konvent der Salvatorianer sind.

Dort haben wir in den letzten Tagen und Wochen sehr viel Zeit verbracht, um für ein großes Theaterprojekt zu proben, welches im Frühjahr 2018 mit den ersten Auftritten anläuft. Das tolle daran – auch hier haben wir wieder einmal die Möglichkeit nicht nur sehr viel für uns selbst mitzunehmen und zu lernen, sondern vielmehr werden die gesamten Einnahmen direkt in die Projekte von Puso sa Puso fließen, sprich ohne Abstriche für den guten Zweck eingesetzt.

Trotz alldem schaffen wir es immer mal wieder, an freien Wochenenden aus der Stadt rauszukommen und unseren Lungen ein wenig frische Luft zu gönnen. Die Landschaften sind wirklich beeindruckend und es gibt wahrlich noch sehr viel zu entdecken.

Strandszene am Hafen von Batangas

Ich glaube, wenn in Manila nicht schon längst alles weihnachtlich geschmückt wäre, hätte ich völlig vergessen, dass Weihnachten ja nun wirklich schon bald vor der Tür steht. Wahrscheinlich spielt die Tatsache, dass es hier nicht anfangen wird zu schneien, auch eine nicht unbedeutende Rolle.

Letztens sind wir in der Stadt doch tatsächlich über etwas gestolpert, was ein wenig an einen Weihnachtsmarkt erinnert hat. Allerdings haben wir vergeblich nach Dingen wie Glühwein oder Bratwürsten Ausschau gehalten – das kann man vermutlich als Anzeichen dafür deuten, dass mir das deutsche Essen und insbesondere auch guter Kaffee irgendwie fehlen …

Liebe Grüße aus Manila,

euer Mo

Coaches-Treffen in Nürnberg

Wie jedes Jahr fand im Herbst (03.11.17 – 05.11.2017) das traditionelle Coaches-Treffen statt, nun bereits zum dritten Mal in Nürnberg. Nach einem eher gemütlichen Freitag Abend, bei dem die persönlichen Empfindlichkeiten und Erfahrungen im Vordergrund standen, wurde am Samstag sehr intensiv gearbeitet. Ein besonderer Fokus lag hierbei auf der Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit. So haben wir uns gemeinsam Gedanken gemacht, wie es gelingen kann, neue Bewerber*innen zu erreichen. Und siehe da, bereits am Sonntag kam Pater Georg ins Gespräch mit einer jungen interessierten Kirchenbesucherin. Wir hoffen, dass unsere Arbeit Früchte trägt und auch noch viele weitere junge Menschen für ein Jahr als MaZ begeistert werden können.

Ein weiteres wichtiges Thema war außerdem die pädagogische Begleitung der aktuellen MaZ, in der Vorbereitung sowie aktuell im Einsatz. Sehr erfreut hat uns die Auswertung der Reflexionsbögen der Seminare, da wir dadurch die Bestätigung hatten, dass unsere bisherige Arbeit durchaus gut angekommen und auch von einzelnen extra wertgeschätzt worden ist. Treuer Begleiter bei diesem Seminar war Lindas Hund Cäsar, weshalb wir auch einen ausgiebigen Spaziergang machen konnten und so mehr über die Geschichte Nürnbergs erfahren konnten. Und zu guter Letzt muss noch erwähnt werden, dass wir bereits mit den Vorbereitungen für das Ehemaligentreffen begonnen haben, welches über Pfingsten in Nittendorf bei Regensburg stattfinden wird, wozu alle ehemaligen MaZ der Salvatorianer und Comboni-Missionare herzlich eingeladen sind.

Insgesamt war dieses Wochenende sehr konstruktiv und wir sind alle motiviert nach Hause gegangen, und freuen uns bereits auf die nächsten Vorbereitungsseminare, bei denen wir wieder dabei sein dürfen.

Melanie Simon