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Francesca Cyris

Über Francesca Cyris

Francesca Cyris aus Neusäß hilft für ein Jahr in der Krankenstation in Alenga (Uganda) mit.

Der Abschied fällt schwer

Wieder zurück in Deutschland
Jetzt bin ich schon wieder seit acht Wochen in Deutschland aber ich denke noch täglich an meine alte Heimat Uganda zurück und vermisse es so sehr. Ich habe dort so viele Erfahrungen gemacht, die mich nachhaltig beeinflusst haben und ich konnte viel lernen. Ich vermisse die lockere, lebensfrohe und herzliche Art zu leben und die Menschen mit denen ich viel Zeit verbracht habe. Uganda ist einfach ein ganz besonderes und facettenreiches Land das man sich nicht entgehen lassen sollte. Ich werde auf jeden Fall zusammen mit Greta, unseren Geschwistern und ein hoffentlich mit ein paar Freunden nächstes Jahr in den Ferien für ein paar Wochen zurück gehen.

Der Abschied
Der Abschied  war unglaublich schwer und für uns beide sehr emotional. Es gab viele Tränen, Abschiedslieder und liebe Worte und ich werde das alles nie vergessen. Die letzten zwei Wochen in Uganda vergingen wie im Flug und wir waren ständig unterwegs und hatten viel zu tun.
Sister Anne und die Schülerinnen waren fleißig am Vorbereiten für die Graduation-Feier (Abschlussfeier) der Abschlussjahrgänge 2016 und 2017 am 20.07. Greta und ich haben ein Schauspiel mit ein paar Liedern und Tänzen mit den Schülerinnen eingeübt. In dem Stück ging es um eine Schülerin die auf einer Party ungewollt schwanger wird, die Schule verlassen muss, sehr unglücklich ist aber am Ende Unterschlupf und Hilfe bei ihrer Tante findet. Es war sehr viel Arbeit die Mädels zum Tanzen und Singen zu motivieren und eine gute Handlung zu bekommen. Wir haben in Gruppen gearbeitet und am Ende hat es zum Glück gut funktioniert.

Am Mittwochabend haben wir uns einen letzten Abschlussabend mit den Mädchen aus der Schule gewünscht. Greta und ich haben Sister Anne etwas Geld gegeben, damit sie gutes Essen mit Fleisch für die Mädels kaufen kann. So gab es richtig leckeres Essen und wir haben noch lange mit den Mädels getanzt und gelacht.

Es war ein großer Wunsch von Father Alberto, dass wir uns bevor wir heim fliegen noch seine Kirche in Bala anschauen. Er hat den Bau der Kirche selber geplant und in seiner Zeit als Priester dort bauen lassen. Die Kirche ist riesig und hat uns richtig gut gefallen. Man hat gemerkt wie stolz er auf sein Gebäude ist, jedoch kam auch deutlich raus, dass er mit vielen Kleinigkeiten nicht sehr zufrieden war. Das liegt einfach an der ugandischen Arbeitsmoral, denn einiges wird eben nicht so genau und detailliert gemacht wie Alberto es aus Europa gewohnt ist. Ich kann es natürlich schon verstehen, dass es enttäuschend sein kann, wenn du alles genau planst, viele Spenden aus Italien bekommst und am Ende einiges nicht deinen Wünschen entspricht. Alberto ist trotzdem glücklich und es war ein schöner Ausflug mit leckerem Essen.

In der letzten Woche versuchten wir natürlich nochmal so viele Freunde wie möglich zu besuchen um sie alle nochmal zu sehen und uns verabschieden zu können.
So besuchten wir den Lehrer der Schneiderinnenschule Sir Samuel zu Hause mit seiner Frau Molly und seiner kleinen Tochter Francesca. Sie ist jetzt ca. 8 Monate alt und sie haben ihr meinen Namen gegeben, was eine sehr große Ehre für mich ist und mich sehr gefreut hat. Bei der Geburt war ich leider nicht dabei aber Greta und ich haben sie im Health Center besucht und ich habe natürlich, wie es sich als Namensvetterin gehört, einige Kleinigkeiten wie Creme, Zucker und Seife vorbei gebracht. In unserer letzten Woche gingen wir einfach nochmal kurz vorbei um auf Wiedersehen zu sagen.

Bye, Bye Arbeit
Am Mittwoch, den 18.7., ging ich das letzte Mal in die Arbeit und es stimmte mich wirklich sehr traurig. Mir wurde richtig bewusst, dass ich nie wieder in Alenga leben und arbeiten werde und, dass diese Zeit jetzt endgültig vorbei ist. Ich liebte die Arbeit im Health Center, auch wenn es oft Herausforderungen, schwierige Momente und Zustände gab die mich sehr verärgert und frustriert haben. Warum sind die Hygiene, die Bezahlung der Angestellten und die Versorgung so schlecht? Wieso muss in Alenga ein Baby nach der Geburt sterben, was in Deutschland locker überlebt hätte??
Viele dieser Dinge haben mich immer wieder vieles hinterfragen lassen und herausgefordert. Man muss letztendlich aber die Situation so akzeptieren wie sie ist und das Beste draus machen, denn sonst kann man in so einem Umfeld nicht leben und arbeiten. Man macht sich natürlich immer Gedanken was man tun kann und auch wir in Deutschland, die so fern von allem Schlimmen sind und die Augen oft verschließen können, weil die große Ungerechtigkeit nicht direkt vor uns auf der Straße stattfindet, sollten nicht denken, dass wir als Einzelner ja eh nichts verändern können und es alles eh nichts bringt!!! Man kann sich nämlich sehr wohl von Deutschland aus für Projekte in fernen und armen Entwicklungsländern einsetzten. Es tut niemandem weh 5 Euro im Monat zu spenden und vor allem ein Bewusstsein für die leidenden Menschen der Welt, die von uns so weit weg sind, zu schaffen.
Es hat mich sehr gefreut, dass das Health Center durch das Voucher Plus Programm von US-Aid viel Geld verdienen konnte und deswegen im Labor, im Büro und im Impfraum die Decken reparieren und alles neu streichen konnte. Dadurch war es gleich etwas hygienischer und gepflegter. Nach und nach wird sich da also noch so einiges verbessern. Es ist schön zu sehen, dass es voran geht und, dass sich etwas ändert. Durch die vielen, vielen Spenden ist es Greta und mir auch möglich das restliche Geld für den Bau des Zaunes für das Health Center zu benutzen. Father Stan wird dieses Projekt in die Hand nehmen und sich darum kümmern. Vielen Dank an alle, die uns finanziell unterstützt haben! Das ist wirklich Wahnsinn und ich hätte nie gedacht, dass so viel zusammen kommt.

Besonders gefreut hat es mich, dass wir nochmal meine Arbeitskollegin Gloria zu Hause besucht haben. Sharon, meine ehemalige Arbeitskollegin, war zum Glück auch da und so genossen wir einen schönen Abend mit leckerem Essen (Schweinefleisch, Greens mit Ei, Kartoffeln), machten ein paar Fotos und tranken sogar Bier! Es war wirklich toll nochmal dort zu sein aber gleichzeitig auch sehr traurig und das Gefühl, dass Greta und ich bald abreisen müssen lag die ganze Zeit in der Luft. Wir versprachen den beiden immer in Kontakt zu bleiben, sie nie zu vergessen und sie nächstes Jahr zu besuchen.

Am nächsten Tag war auch wieder volles Programm angesagt: Greta und ich wuschen unsere Wäsche ein letztes Mal in Uganda. Kaum zu glauben und die Freude auf die Waschmaschine stieg unaufhaltsam. Es gibt eben auch ein paar Sachen auf die man sich in Deutschland freut. 😀

Wir bei Kyeyune

Anschließend besuchten wir meinen ehemaligen Arbeitskollegen Kyeyune Godfrey. Er war mein bester Freund in Uganda und ich war sehr traurig, als er eines Tages nicht mehr zur Arbeit kam. Eigentlich braucht er den Job aber es gab Probleme und Jaspher war nicht mehr zufrieden mit Kyeyune und somit hat er den seine Arbeit verlassen.
Wir haben uns extra nicht angekündigt und sind zusammen mit meinem Kollegen Dickens(Labor) hingegangen. Wir brachten Soda mit und wollten einfach nur zusammen sitzen, jedoch fing die Frau natürlich sofort an zu kochen und briet ein paar Eier mit Chapati. Das war echt lecker. Es ist einfach so typisch und unglaublich nett, dass man immer etwas zu essen bekommt.

En Hoch auf die Absolventinnen
Am 20.7. war es dann soweit: Die langersehnte Graduation Party fand endlich statt. Die letzten zwei Wochen drehte es sich wirklich nur noch um dieses Ereignis und Sister Anne war ständig im Stress damit das ganze Schulgelände wie neu aussieht. Gerade weil Sister Evaline nicht mehr da war, da sie bei ihrem Kurs für die Sekretärinausbildung war, hatte Sister Anne noch mehr alleine zu tun.
Das Fest begann morgens um 10 Uhr mit einer Messe in der die Absolventinnen der letzten beiden Jahre gesegnet wurden. Es kamen immerhin 16 der 25 Absolventinnen um ihrer Abschlusszeugnisse und -zertifikate abzuholen. Die anderen werden ihre staatlich anerkannten Zeugnisse wohl nie abholen. Einige haben keinen Job als Schneiderin gefunden oder erledigen nur kleine Arbeiten in ihrem Heimatdorf.
Nach der Messe ging es dann in einem langen Menschenzug aus Schülerinnen, Lehrern, Eltern der Absolventinnen und Ehrengästen in die Versammlungshalle. Hier gab es ein langes Programm: Unser Theaterstück wurde endlich erfolgreich aufgeführt und außerdem gab es Gedichte, Rätsel, Reden, Lieder, Tänze und noch ein zweites Theaterstück auf Lango, von Sister Anne organisiert. Gegen 16 Uhr gab es dann das Mittagessen für alle und dann verließen die rund 400 Gäste die Schule. Wir waren fix und fertig, denn für die Lehrer, Schülerinnen und uns gab es keine Sitzplätze und auch kein Essen….
Die Schülerinnen fingen dann gleich mit dem Waschen des Geschirrs an und wir aßen noch mit den Lehrern die Reste des Essens. Anschließend tanzten wir noch bis 22 Uhr mit den Mädels auf der Wiese vor der Schule und waren alle ein bisschen traurig, da wir bald gehen mussten. In der Ferne am Zaun der Schule entdeckten wir viele neugierige  Jungs die gerne reingekommen wären und uns richtig angestarrt haben. Natürlich ist es aber nicht erlaubt, dass Jungs einfach so das Gelände betreten und so mussten sie draußen bleiben. Das war sehr lustig anzusehen. 🙂

Sauberkeit muss sein!
Am Samstag hieß es dann natürlich putzen, putzen und putzen. Wir wollten den neuen freiwilligen Fiona und Patricia kein dreckiges zu Hause hinterlassen! Außerdem mussten die letzten persönlichen Gegenstände in den Koffer gepackt werden. Zum Glück waren die Koffer noch nicht so voll, da wir unsere ganze Kleidung aus Deutschland in Alenga ließen. Auch noch mehr Odi (Erdnusscreme) landete im Gepäck und es war so ein unbeschreiblich komisches Gefühl bald wieder zu Hause in Deutschland zu sein. Ich war hin und her gerissen zwischen Freude und Trauer und wusste überhaupt nicht wie ich mich fühlen soll. Alles war so überfordernd!
Nachdem das Haus fertig war, ging ich ins Health Center zu Gloria um das Interview über ihren Alltag zu führen (vorletzter Artikel). Sie schenkte Greta und mir eine Freundschaftsurkunde, die sie in einem Fotoladen extra ausdrucken ließ. Das war sehr süß und rührte mich sehr!
Danach gingen wir zum Katechisten Patrick und seiner Frau Anna. Sie hatten uns natürlich auch noch eingeladen. Wir redeten über das Studieren, über Deutschland und schilderten unsere Gefühle. Patrick und Anna sind zwei so herzliche Menschen und obwohl Anna nicht wirklich Englisch kann war sie auch dabei, Patrick hat für sie übersetzt und wir hatten wirklich Spaß. Wir ließen uns dann noch von Patrick helfen unsere Rede für die Kirche zu übersetzen. Wir wollten am letzten Tag wirklich in Lango reden, aber so fit waren wir in der Sprache leider noch nicht. Umso toller war es, zu merken, dass ich doch schon einige Sätze bilden kann und viel verstehe. Das Übersetzen war nicht so schwierig, aber ohne Hilfe hätte es niemals geklappt. Die Aufregung vor dem Abschied im Gottesdienst stieg!

Apwoyo wunu ducu matek! (Vielen Dank euch allen)
Dann war es soweit: Der letzte Tag in Alenga brach an…
So ein komisches Gefühl: Angst, Aufregung, Trauer, Freude und die Stimme die immer sagt: „Nein, das kann nicht sein, du musst doch noch hier bleiben, das Jahr kann noch nicht vorbei sein! Was! Es geht zurück nach Deutschland????“

Emotionen über Emotionen
Im Gottesdienst liefen die Tränen nach ein paar Minuten unaufhörlich. Die Leute starrten uns an und trösteten uns und haben es überhaupt gar nicht verstanden, dass wir so viel weinten. (Weinen  und generell traurige und auch fröhliche Gefühle zeigen ist eh in der Öffentlichkeit eher nicht üblich und viele halten sich sogar die Hände vor das Gesicht, wenn sie lachen müssen.) Jedes Lied, jeder Tanz und jede Person erinnerten mich an die wundervolle Zeit, die ich das ganze Jahr in Alenga hatte. Ich konnte meine Freunde und die Mädels der Schule gar nicht anschauen, denn das machte mich noch trauriger. Die Schülerinnen waren sogar mit uns am weinen. Father Alberto erklärte dann, dass es der letzte Gottesdienst für uns ist und wir Morgen nach Kampala fahren…
Unsere Rede war sehr schwierig, da wir total aufgelöst waren. Gretas Zettel zitterte so sehr, dass ich dachte er fällt ihr gleich aus der Hand. Die Gemeinde freute sich sehr und klatschte als wir es endlich geschafft hatten mit dem Lango.  Danach sagten ein paar Personen etwas und natürlich auch Alberto. Sister Anna kam nach vorne, umarmte uns und flüsterte „Bleibt stark“ in unsere Ohren. Anschließend gab es noch einen Segen von der ganzen Gemeinde für uns: alle richteten ihre Hände nach vorne in unsere Richtung und Father Alberto sprach einen Segen aus. Wow, das war wirklich ein unglaubliches Gefühl und ich spürte wie die Tränen wieder unaufhaltsam über meine Wangen liefen.
Nach dem Gottesdienst umarmte ich alle meine Freunde und generell alle Menschen die mir noch etwas Liebes mit auf den Weg gaben: „Grüße dein zu Hause“, „Komm wieder zurück“, „Vergiss uns nicht“, „Wir werden euch vermissen“,……. Ich umarmte nochmal meine Arbeitskolleginnen und weinte mit ihnen. Gloria ist einfach eine sehr gute Freundin geworden und ich vermisse sie sehr!
In Alenga habe ich eine zweite Heimat und viel unglaubliche tolle, warmherzige Menschen getroffen. Viele Situationen haben mich zum Nachdenken angeregt und mein Herz berührt. Es gab viele schwierige Situationen: Das Leid, die Armut und Streitigkeiten verschiedener Menschen in der Arbeit, auf den Straßen und im Alltag aber es gab so viele Momente in denen ich mich so frei und glücklich gefühlt habe wie noch nie.

Anna und die Dämonen
Nach dem Gottesdienst machten wir uns auf zu unserer guten Freundin Anna.
Als ich neulich in der Arbeit war, konnte ich meinen Augen nicht trauen: Ihre Tochter, die gerade mal 16 ist, war schwanger! Sie hat sich mit einem Jungen aus Alenga eingelassen, hat die Schule abgebrochen und lebt jetzt bei ihm. Anna war sehr enttäuscht und wütend, da Nancy sich so ihre Zukunft verbaut hat und Anna sogar schon das Schulgeld gezahlt hatte. Nancy hat nur noch ein Schuljahr  bis zum Realschulabschluss gefehlt… ein typisches Schicksal eines jungen Mädchens in Alenga.
Anna leidet seit vier Wochen an Schmerzen in ihrer Hand und ihrem Arm. Nachdem es nicht besser wurde, ging ich mit Anna vor ein paar Wochen zum Ultraschall in Alenga. Die Ärztin fand, wie schon vermutet, heraus, dass es sich um eine Sehnenscheidenentzündung handeln muss und verschrieb ihr Diclofenac und ein anderes entzündungshemmendes Mittel. Sie sagt ihr auch, dass es sicherlich noch einige Zeit dauert, bis alles wieder gut ist. Ich bezahlte Anna die Untersuchung und natürlich auch die Medikamente. Die Arme konnte nicht mal mehr alleine im Feld arbeiten oder Wäsche waschen und in der Nacht hatte sie schlimme Schmerzen!
Als wir am Sonntag bei Anna ankamen sahen wir auf ihrem Grundstück einen Pavillon und viele Leute die kochten. Wir haben gar nicht verstanden was los ist und keiner wollte es uns verraten. Anna war total im Kochen beschäftigt und wir bekamen sie fast nicht zu Gesicht. Auf einmal kamen viele Leute und nahmen draußen Platz. Es waren Annas Freunde. Harriet (meine Arbeitskollegin) brachte uns irgendwann Essen, das wir mit ihr aber leider ohne Anna aßen. Dann gingen wir kurz zu den Leuten um zu beten. Anna erzählte dann von ihrem Arm und betonte, dass sogar die Weißen(Wir) ihr Geld und Medizin gegeben haben aber es nicht besser wurde. Wir gingen zurück in Annas Haus und auf einmal fingen draußen alle an zu Singen und ein evangelischer Katechist hielt Annas Arm hoch und find laut an irgendwas zu schreien. Das war total komisch. Harriet erklärte uns, dass sie denken, dass jemand Anna verzaubert hat und sie deswegen die anhaltenden Schmerzen im Arm hat. Mit diesem Ritual wollen sie den Teufel aus ihrem Arm bekommen. Das war richtig ungewohnt für uns wie ernst die Leute das praktizierten und an die Zauberei glaubten. Als wir später Father Stan davon berichteten, erzählte r uns, dass er damit schon viele Erfahrungen hatte. Die Leute kommen oft zu ihm und sagen, dass er für sie beten soll weil sie krank durch Zauberei sind. Father Stan schickt sie dann immer zum Health Center. Er weiß, dass Zauberei nicht echt sondern oft nur eine Ausrede oder leichte Erklärung ist.  Diese evangelischen Katechisten wissen das auch, aber sie nutzen die Bevölkerung aus und verlangen sehr sehr viel Geld für so eine Austreibung. Es ist reine Abzocke.
Ein weiteres Beispiel ist die Köchin der Schwestern: Sie klagt seit langen über Schmerzen in der Seite und die Schwestern schickten sie in die Krankenstation. Dort wurde Typhus diagnostiziert und ihr Medikamente dafür gegeben. Diese wollte die Köchin dann aber nicht nehmen sondern sie beharrte ständig darauf, dass jemand sie verzaubert hat und umbringen will und dass die Dämonen sie in der Nacht heimsuchen werden.
Father Stan hatte ein anderes Beispiel: „Wenn ein Mann durch den Verkauf von Bohnen 200000 Uganda Schilling bekommt, dann freut er sich sehr und erzählt es seiner Frau. Er geht dann ins Center um seinen Besitz zu feiern und läd alle seine Freunde zu Trinken und Essen ein. Er betrinkt sich immer öfter und die Frau jagt ihn davon. Eines Tages kommt er zu seiner Frau und sagt, dass jemand ihn verzaubert hat und ihm so das ganze Geld geklaut hat, weil derjenige ihm etwas Böses wollte. Das ist praktisch: die Frau wird ihm verzeihen, weil es nicht die Schuld vom Mann ist und auch der Mann wird sich nicht schlecht fühlen, da es ja eine plausible und eindeutige Lösung gibt: Jemand hat ihn verhext! Die Leute glauben da wirklich dran! Es ist also in ihren Augen auch keine Ausrede sondern die Wahrheit!“
Der Besuch bei Anna war wirklich interessant und auch etwas ganz neues für uns. Wir konnten leider nicht viel Zeit mit Anna verbringen und sind dann irgendwann gegangen, weil wir ja noch weiter mussten. Anna gab uns noch Briefe für unsere Familien mit, in denen sie sich für die Hilfe bedankte und schrieb, dass sie nie vergessen sollen, dass Anna jetzt ein Teil unserer Familie ist.

Ein letztes Mal Mary und Paska
Bei Mary und Paska tranken wir einen Tee und redeten noch über dies und das. Wir machten noch viele Bilder und verabschiedeten uns auch von ihrer sehr alten Mutter. Die beiden sind so toll und fortschrittlich! Ich werde immer an sie denken.

Abschiedsfest Konvent
Am Abend gab es natürlich ein großes Fest mit den Priestern und Schwestern im Hof des Konvents. Wir aßen noch ein letztes Mal das leckere Essen der Schwestern und plauderten ein bisschen. Die Schülerinnen kamen auch vorbei und präsentierten extra geschriebene und eingeübte Lieder und Tänze, die etwas traurig waren und hauptsächlich um Abschied gingen. Danach sagt Rebecca noch ein paar Worte und Greta und ich bekamen beide ein Geschenk mit einer gestrickten Tasche, einem Holzschild mit der Aufschrift „Danke für deine Unterstützung“  und einer Kette. Das war wirklich schön und hat uns mal wieder zu Tränen gerührt. Wir mussten dann selbstverständlich auch noch eine Rede für die Schülerinnen halten und bedankten und für die gemeinsame Zeit und die tollen Gespräche und gaben ihnen ein paar Tipps.
Dann übergaben Greta und ich die Geschenke: Ein Fotoalbum für die Schwestern, eins für die Priester und eins für die Schule. Diese Alben haben wir selber gemacht und es war echt viel Arbeit aber es hat sich gelohnt! Sie haben sich riesig gefreut und die Alben gleich angeschaut! Jetzt haben sie viele Erinnerungen an uns.  Dann fielen wir bald sehr müde ein letztes Mal in unser Bett in Alenga…

Kampala
Am Montagmorgen dann der endgültige Abschied. Wir umarmten Schwester Consentina, die Lehrer und die Schülerinnen und sprangen in Albertos Auto. Er nahm uns und Schwester Anne mit nach Kampala. Noch einmal, natürlich weinend, ließ ich das Dorf Alenga, die Landschaft und die Leute an mir vorbei ziehen, fuhr noch einmal mit der Fähre über den wunderschönen Nil und landete im wilden Kampala.

In der Hauptstadt verbrachten wir die letzten Tage und luden Father Alberto und Sister Anne zum Abendessen in eine Pizzeria ein, ließen uns unsere Haare flechten und kauften einige Dinge wie ugandischen Gin, Kaffee, Tee und Stoffe für Deutschland.
Die Zeit verging rasend schnell und am letzten Abend, nachdem doch noch alles mit Mühe und Not in die Koffer gepasst hat und wir uns von den Schwestern, Brüdern und Priestern in Kampala verabschiedet hatten, trafen wir uns mit Bruder Fafa in einem Restaurant und aßen ein letztes Mal Ugandisches Essen.

Ab nach Hause
Später brachte uns ein Taxi zum Flughafen und mir viel ein riesen Stein vom Herzen, nachdem wir durch die Sicherheitskontrolle und Gepäckabgabe kamen. Nach einer kurzen Verspätung startete endlich unser Flugzeug nach Istanbul und wir konnten es kaum glauben.

Durch die Verspätung und eine sehr langsame Landung verpasste ich dann schrecklicherweise meinen Anschlussflug nach München. Zum Glück kam nur vier Stunden später ein nächster Flug und Greta und ich warteten gemeinsam.
Der Abschied voneinander war wirklich schlimm und wir mussten beide unsere Tränen zurück halten. Ein Jahr lang haben wir zusammen gewohnt und fast jede freie Minute miteinander verbracht, sodass wir uns wie Schwestern fühlen. Ich bin wirklich froh, dass ich durch den Freiwilligendienst eine so tolle neue Freundin fürs Leben wie Greta gefunden habe.

Dann endlich: Die Ankunft in München! Wow, unglaublich. Schnell holte ich mein Gepäck (Puhhh, alles angekommen) und rannte zum Ausgang.
Und da waren sie: meine Mama, Papa, meine Nichte Alissa, mein Neffe Felix und meine Freundin Susi standen bereit mit einem übergroßen Schild um mich in Empfang zu nehmen. Die Freude war riesig und es war wunderschön alle wieder zu sehen und in meine Arme schließen zu können.

Anschließend fuhren wir nach Hause und dort wartete der Rest meiner Familie mit einem leckeren Abendessen und wir saßen noch lange zusammen.

Fiona, Patricia, ich und Greta in Augsburg

Am Wochenende kam Greta wieder zu mir (Wir konnten es einfach nicht mehr länger ertragen uns nicht zu sehen) und wir trafen uns mit den zwei neuen Freiwilligen Patricia und Fiona in Augsburg. Die beiden sind mittlerweile sehr gut in Alenga angekommen und genießen die Zeit. Hier der Link zu ihrem Blog, auf dem sie über ihre Erfahrungen berichten: https://fionaundpatricia.wixsite.com/uganda

Leben in Deutschland
Wieder hier in Deutschland zu sein war ein richtiger Kulturschock: viel zu große Supermärkte mit viel zu viel Auswahl, so viele weiße Menschen um mich rum, viele Freunde und Familie zum greifen nah. Vieles hat mich am Anfang sehr überfordert und es war komisch wieder hier zu leben. Noch sehr oft denke ich an mein Leben in Uganda zurück und ich habe Heimweh nach Alenga. Trotzdem ist es auch schön wieder hier zu sein, denn das Leben hier hat natürlich auch sehr viele Vorteile…
Letzte Woche war das Abschlussseminar in Nürnberg und es war wirklich schön alle wiederzusehen. Man spürt deutlich wie alle sich verändert haben und andere Sachen im Leben wichtiger geworden sind. Viele wollen weiterhin in der Entwicklungszusammenarbeit arbeiten und sich engagieren. Ich habe gemerkt wie uns unsere Erfahrungen verbinden und, dass wir alle auf der gleichen Wellenlänge sind und uns die gleichen Gedanken zu Politik, Entwicklung, Armut etc. machen. Mehr dazu findet ihr im Bericht zum Seminar auf cosamaz.de.

Am Donnerstag werde ich nach Heidelberg ziehen um dort mein Zahnmedizin-Studium zu beginnen. Ich bin richtig aufgeregt und gespannt auf die Zeit die kommt und ich freue mich auf eine neue Stadt, neue Leute und viele neue Erfahrungen.

Vielen Dank an alle die immer meine Einträge gelesen haben und mich finanziell aber auch mental in meinem Einsatz unterstützt haben.

Liebe Grüße,

Eure Francesca

Juhuuu, der neue Schlafsaal ist fertig!!!

Na, wenn das mal keine Punktlandung war: Am Sonntag, den 22. Juli, haben wir unsere „Princess Dom “ (den Namen haben sich die Mädchen selbst ausgedacht) eingeweiht.

Im Februar hatten wir mit dem Bau begonnen und seither ging es täglich einen Schritt voran auf der Baustelle. Dank Eurer zahlreichen Spenden konnten wir unsere Idee einen neuen Schlafsaal in Alenga zu bauen super realisieren! Ich habe mich wirklich gefreut, wie viele Menschen aus der Heimat mich unterstützt haben und einen Teil dazu beitragen wollten, damit die Schlafsituation der Mädchen verbessert werden konnte.

Und ich kann euch allen versichern, mit dem neuen Schlafsaal haben wir einen riesigen Fortschritt gemeistert und nicht nur die Direktorin und die Lehrer sondern insbesondere die knapp 60 Mädchen haben sich täglich an der Baustelle gefreut.

Noch einmal zur Erinnerung: Im vorherigen Gebäude mussten die 60 Mädchen auf sehr engem Raum in alten Betten schlafen. Dem Gebäude fehlt jede Isolierung, sodass es sich in der Trockenzeit auf ca. 50 Grad aufheizte. Als ich den Schlafsaal betreten habe, lief mir nach nur zwei Minuten der Schweiß über den Rücken und die Luft war so schlecht, dass ich heilfroh war, als ich wieder nach draußen konnte. Außerdem hat das alte Gebäude viele offene Stellen durch die zuweilen Schlangen, aber vorzugsweise Ratten und andere Tiere ihren Weg ins Innere wagten. Also im Fazit: Ein furchtbarer Zustand und ich bin mehr als froh, dass die Situation nun – dank eurer Hilfe – verändert werden konnte.

Das neue Gebäude kann ca. 60 Mädchen beherbergen, es gibt 20 Dreierstockbetten, die das ermöglichen. Der Saal ist räumlich in zwei Teile geschnitten, damit es ein bisschen mehr Struktur und Ordnung gibt. Hinter den Betten sind an der Wand befestigte Ablageflächen, die dazu dienen, dass die Mädchen ihre Koffer und Taschen abstellen können. Unter der Ablagefläche ist dann Platz für die Kanister zum Wasser holen und die Eimer zum Duschen. Im Zuge des Baus wurden auch die Duschen erneuert, statt 2 Duschkabinen für 60 Mädchen gibt es nun 6 und das „Abflusssystem“ konnte verbessert werden.

Die „Princess Dom“ ist gut isoliert worden und beim Betreten des Gebäudes wurde sofort spürbar, dass die Luft und die Temperatur sehr viel angenehmer sind.

Außerdem konnten wir von den Spendengeldern 40 Moskitonetze kaufen, sodass jedes Bett über zwei Moskitonetze verfügen wird. Diese werden dann so aufgehangen, dass alle drei Mädchen vor den Mücken geschützt sind. Das war uns ein besonderes Anliegen, denn die Schülerinnen haben zuvor nicht alle ein Moskitonetz von zu Hause mitgebracht und so sind Viele an Malaria erkrankt, da die Gefahr ohne ein Netz nochmal deutlich steigt.

Ich denke, dass die nachfolgenden Fotos euch am besten zeigen wie toll der Schlafsaal geworden ist und wie dankbar euch alle in Alenga sind!

Ich spreche meinen Dank hier zum Schluss jetzt einfach nochmal auf Lango aus und sage: „Apwoyo matek!“ (Herzlichen Dank!).

Ganz liebe Grüße

Eure Francesca

Zu Hause bei Hebamme Gloria

Kurz bevor ich zurück nach Deutschland geflogen bin, habe ich meine Arbeitskollegin und Freundin Acio Gloria besucht und sie gebeten mich ein bisschen an ihrem Leben teilnehmen zu lassen.

Acio Gloria mit dem Kind einer Freundin

Gloria ist 22 Jahre alt und wurde in Minakulu, im Norden Ugandas geboren. Sie hat 14 Geschwister und typisch für die ugandische Kultur hat ihr Vater zwei Ehefrauen. Polygamie kommt hier sehr häufig vor und ist für mich immer noch sehr schwierig zu verstehen. Gloria hat es einfach im Laufe ihrer Kindheit erfahren, dass ihr Vater noch eine Frau neben ihrer Mutter hat. Ihre Mutter ist die erste Frau und hat neun Kinder,  Gloria ist das sechste Kind. Mit der zweiten Ehefrau (49 Jahre alt) hat der Mann nochmal 5 Kinder. Früher haben die beiden Frauen aufgrund ihrer Jobs weit auseinander gelebt. Glorias Vater ist mittlerweile in Rente und 66 Jahre alt. Ihre Mutter ist mit 58 Jahren noch Grundschullehrerin. Irgendwann hat ihre Mutter einen anderen Job in einer neuen Schule gefunden und jetzt wohnen beide Frauen sehr nah zusammen, jedoch nicht in einem Haus. Gloria kennt alle ihre Geschwister und die ganze Familie trifft sich auch manchmal zusammen, denn die beiden Frauen, so berichtet mir Gloria, hassen sich nicht, sondern kommen miteinander aus. Der Vater ist dann eine Woche lang bei einer Frau und die nächste Woche bei der Zweiten. Ich habe allerdings auch schon erzählt bekommen, dass sich die erste und zweite (dritte, vierte, fünfte,…) Ehefrau oft überhaupt nicht ausstehen können und sich nahezu bekriegen. So habe ich im Health Center auch mal eine Frau gesehen die von ihrer Co-Ehefrau mit heißem Öl übergossen wurde und schlimme Verbrennungen hatte. Außerdem wissen Greta und ich von unseren Freundinnen Mary und Paska, dass sie sich auch von ihren Ehemännern getrennt haben, weil beide eine zweite Frau wollten und Mary und Paska das nicht aushalten konnten.
Auch Gloria erzählt mir, dass sie auf keinen Fall eine zweite Ehefrau haben will weil sie es schrecklich findet und sehr eifersüchtig wäre weil sie dann weniger Aufmerksamkeit von ihrem Ehemann bekommen würde.

So sieht Glorias Alltag aus

Die Hebamme wohnt in einer der vom Health Center gemieteten Wohnungen. Sie hat ein kleines Schlafzimmer in das gerade mal ihr Bett, ein Spiegel und ihre Klamotten passen. Nebenan ist direkt die Küche die sie sich mit einem anderen Bewohner des Hofes teilt. Die Dusche und Toilette befindet sich natürlich draußen und werden auch zusammen genutzt. Der Chef Jaspher, mit Frau Martha und Tochter Michelle, der Fahrer Andrew und die beiden anderen Hebammen Mary und Immaculate wohnen ebenfalls in dem gleichen Innenhof. Das Health Center hat nämlich nur ein kleines Mitarbeiterwohnhaus in das ca. 2 Leute passen und welches gerade renoviert wird. Sie benötigen also dringend weitere eigene Häuser, damit die Mieten nicht jeden Monat anfallen. Viele der Mitarbeiter kommen von weit weg und benötigen deshalb einen Wohnplatz.

Früher stand sie oft um 5 Uhr auf um direkt für eine Stunde auf ihr Feld zu gehen. Da das Feld aber leider eine halbe Stunde entfernt liegt, kam sie dann erst um 7 zurück, ging dann duschen, machte das Haus sauber, und aß ein kleines Frühstück zum Beispiel Cassava (Wurzel) mit Tee.
Zurzeit geht sie nicht besonders viel auf das Feld und wenn dann eher abends gegen 17 Uhr nach der Arbeit. Das heißt sie steht um 6.30 Uhr auf, erledigt ihre Aufgaben zu Hause und geht dann zwischen 8 und 9 Uhr in die Arbeit. Wie ihr ja sicher in meinem ersten Blogeintrag über meine Arbeitsstelle gelesen habt ist das mit der Zeit hier so eine spezielle Sache. Eigentlich sollten alle Angestellten um 8 Uhr im Health Center sein. Als ich dort in meiner ersten Woche erschien, war aber niemand zu sehen…. Ich kam dann auch nie früher als 9 Uhr, denn vorher ist eh niemand dort. Das heißt es ist eigentlich ziemlich locker und man erledigt erst alle Aufgaben die man hat und geht dann ganz entspannt zur Arbeit, wenn man eben fertig ist.
Was am Anfang für mich noch sehr ungewohnt und komisch war, lernte ich im Laufe des Jahres wirklich sehr zu schätzen. Mir ist allerdings bewusst, dass es in Deutschland niemals möglich wäre irgendwann, wenn man bereit ist, zur Arbeit zu erscheinen. Vor allem in Krankenhäusern würde ein riesiges Chaos ausbrechen und Patienten wären in Gefahr, wenn kein Personal da wäre. In Alenga ist das kein Problem: morgens ist eh nicht viel los und falls etwas Schlimmes passieren sollte, weiß eh jeder wo die Krankenschwestern wohnen um Hilfe zu holen.
Gloria kennt die Probleme der Unzuverlässigkeit, der Unpünktlichkeit und der mangelnden Zusammenarbeit der Kolleginnen und Kollegen. Ihre Arbeitszeit geht eigentlich von 8 Uhr bis 14 Uhr und dann sollte die nächste Schicht kommen. Da das Personal nach ihr aber zu spät kommt und oft nur schlecht ausgebildete Krankenhelferinnen sind, muss Gloria mindestens drei Mal die Woche bis 17 Uhr bleiben um die ganze Arbeit alleine fertig zu machen.
Wenn sie von der Arbeit nach Hause kommt kocht sie und geht eventuell noch aufs Feld. Viel Zeit bleibt da aber nicht mehr, da es schon um 18.30 Uhr dunkel wird und das Kochen mit Kohle sehr viel Zeit in Anspruch nimmt.

Gloria besuchte eine staatlich unterstütze Missions-Schule und konnte mit 19 Jahren auf die Hebammen Schule in Gulu gehen. „Ich fand es schrecklich, dass so viele Frauen während der Geburt sterben, obwohl es vermeidbar wäre. Ich wünsche mir, dass ich noch viel mehr Wissen über die Gynäkologie bekomme“, erklärt mir Gloria ihre Entscheidung Hebamme zu werden. Die teure 2 ½ jährige Ausbildung konnte Gloria nur erfolgreich beenden, weil ihre Mutter einen Job hat und weil die Familie extra für sie ein Stück ihres Landes verkauft hat, um genug Geld  zu haben. Das finde ich sehr beeindruckend, denn auch die meisten der anderen Geschwister konnten eine Ausbildung machen beziehungsweise besuchen eine Schule. Ihr jüngstes Geschwisterkind ist 13 Jahre und das älteste 34 Jahre alt. Die eine ist Schneiderin, die andere Krankenschwester, Lehrerin und ein Bruder ist Schreiner. Ihm fehlt leider das Geld um sich Material und Werkzeuge für die Arbeit zu kaufen, weswegen er nicht als Schreiner arbeiten kann. Ihr ältester Bruder hat einen Realschulabschluss, ist aber psychisch krank und arbeitet deswegen nicht sondern macht den ganzen Tag eigentlich gar nichts. Man spürt, die Eltern von Gloria strengen sich wirklich an, dass alle Kinder versorgt werden und eine Chance auf einen Job bekommen.

Als ich in Alenga ankam, gab es nur zwei Hebammen, Sharon und Gloria, und die beiden waren wirklich überfordert und hatten nur ca. 3-4 Tage im Monat frei. Als Sharon in ein staatliches Krankenhaus gewechselt hat, war Gloria die einzige in der Entbindungsstation und das war wirklich die Hölle für sie. Im April kamen dann zum Glück zwei weitere Hebammen: Mary Filda und Immaculate. Das war eine große Entlastung für Gloria und jetzt hat sie ca. 8 freie Tage im Monat.

Wenn sie frei hat fährt sie gerne zu ihrer Familie in die Nähe von Gulu. Dort hat sie auch ihren 30 Jahre alten Freund James kennen gelernt. Er war damals in der Nähe ihres Elternhauses bei Freunden zu Besuch und so trafen sie sich das erste Mal. „Wir haben dann öfter etwas unternommen und irgendwann hat er mich gefragt, ob ich mit ihm zusammen sein will. Ich habe „ja“ gesagt und jetzt sind wir schon seit zwei Jahren ein Paar.“, berichtet sie mir.
Gerade in meiner Arbeit sehe ich oft sehr junge Frauen, die gezwungen wurden einen 15 Jahre älteren Mann zu heiraten und keine Wahl hatten. Als ich Gloria frage, ob sie eine Wahl hatte, antwortet sie ganz klar: „Ja, ich hatte eine Wahl aber ich wollte mit ihm zusammen sein!“ Gloria erklärt mir, dass es etwas mit dem Bildungsstand der Leute zu tun hat. Beide sind gebildet und haben einen Job (er ist Lehrer), während viele der jungen Mädchen in Alenga  nur drei Jahre in der Schule waren und somit keine Perspektive haben. Sie können keine Ausbildung machen, kein Geld verdienen und sind abhängig von ihrem Partner. Viele Eltern kümmern sich nicht richtig um ihre Kinder und wollen nur den Brautpreis haben und so landen die 16-jährigen Mädchen das erste Mal schwanger mit ihrem 45-jährigen Ehemann bei Gloria und mir bei der Schwangerschaftsvorsorge. Sowas war für mich immer schrecklich zu sehen und es gibt mir ein bisschen Hoffnung, dass es in den Städten und bei gebildeten Ugandern mittlerweile anders laufen kann.
Gloria und James machen schon richtige Zukunftspläne: strahlend erzählt sie mir, dass die beiden ein Stück Land in Dokolo, eine Stunde von Lira, gekauft haben und dort ein Haus bauen wollen. „Ich will eine eigene Familie gründen“, sagt  sie stolz. Sie wünscht sich drei Kinder, James will nur zwei aber das wird sich sicher noch regeln. „Das  nächste Mal, wenn du nach Uganda kommst, bin ich schwanger“, verspricht sie mir. Ich finde es toll, dass sie so glücklich ist und ich kaufe es ihr wirklich ab.
Mich interessiert natürlich, ob es eine Art Hierarchie in ihrer Beziehung gibt. In Alenga ist es kaum zu übersehen, dass Männer mehr wert sind als Frauen. Wenn ein Ehepaar zur Untersuchung kommt setzt sich der Mann auf den Stuhl und lässt seine schwangere Frau einfach stehen. In Deutschland würde fast jeder der schwangeren Frau den Stuhl anbieten aber hier ist es ganz normal, dass der Mann es bequem haben muss und die Frau sich zurück nimmt. Es gibt natürlich auch hier Ausnahmen aber das andere überwiegt leider. Zudem gibt es viel häusliche Gewalt und viele Männer schlagen ihre Frauen, wenn sie nicht das machen was er will. Gloria sagt, dass James nicht so sei und auch noch nie Handgreiflich geworden ist. Ich bekräftige sie und sage ihr, dass sie sich das niemals gefallen lassen soll, falls mal etwas passiert. Daraufhin lächelt sie nur.
Außerdem erkläre ich ihr meinen Eindruck des Hinkniens der Frauen in der Lango Kultur. Wenn eine Frau einen Mann oder eine höhergestellt Person  begrüßt, kniet sie sich hin und gibt ihm die Hand. Ein Mann jedoch, muss sich niemals hinknien. Aus meiner Sicht zeigt das ganz deutlich eine Unterordnung der Frau, denn wenn beide gleich wären, könnte sich der Mann ja auch hinknien. Diese Thematik beschäftigt mich seit Anfang an und viele Langi sagen mir, dass es nichts mit Hierarchie zu tun hat sondern einfach die Kultur ist. Zuerst sagt Gloria mir, dass sie sich auch in seltenen Fällen vor Personen kniet, wenn die Person wirklich hoch angesehen ist und sie sagt auch mir, dass es einfach Teil der Kultur sei. Nach meiner Erklärung gibt sie jedoch zu, dass sie denkt, dass man schon eine gewisse Unterordnung der Frau erkennen kann und, dass diese sehr tief in der Kultur verwurzelt ist. Viele andere Freiwillige oder Tutoren sagen Greta und mir, dass es Kultur ist und, dass wir es nicht ändern dürfen, uns nicht einmischen sollen, damit wir die Kultur nicht zerstören oder europäisieren. Aber ist es so schlimm, wenn man den Teil einer Kultur ein bisschen ändert, um Frauen in der Gesellschaft mit mehr Respekt und Gleichberechtigung behandeln zu können? Ist das wirklich ein Kulturverlust oder nicht eher eine Kulturbereicherung??? Natürlich sagen wir keinem Menschen in Alenga: „Nein, du darfst dich auf keinen Fall hinknien, das ist sehr schlecht!“, denn das wäre wirklich eine Einmischung in die Kultur. Aber wir versuchen mit den Schülerinnen oder Freunden mit Respekt vor ihrer Kultur darüber zu reden um zu zeigen, dass es auch anders geht, was es bedeutet und wie es bei uns in Deutschland so ist, denn das interessiert sie ja auch.

Gloria ärgert sich oft über das Gesundheitssystem in Uganda und über die Politik. Sie findet es gut, dass der Staat die HIV- und Malaria-Tests und auch die Medikamente sowie die Impfungen für Kinder zahlt jedoch ist sie oft überfordert und allein gelassen. Ihr Traum wäre es in einem staatlichen Krankenhaus zu arbeiten, denn dort gibt es geregelte Arbeitszeiten, besseres Gehalt und eine Rente ab einem Alter von 65 Jahren. Wenn man nicht in einer staatlichen Einrichtung arbeitet bekommt man nämlich überhaupt keine Rente und muss so lange arbeiten wie man kann. Auch einige der Mitarbeiter im Health Center sind über 70 Jahre alt und können noch nicht an den Ruhestand denken, da sie sonst auf der Straße landen würden.
Natürlich belastet Gloria auch die Politik mit der überall spürbaren Korruption und der Aufhebung der Altersbegrenzung für den 73-jährigen Präsidenten. Viele Menschen haben nach 32  Jahren genug von Museveni und sagen es wird Zeit, dass er sein Amt verlässt. Seit seiner Amtszeit hat er die ugandische Verfassung mehrmals geändert, um weiterhin Präsident bleiben zu können, denn eigentlich hätte er 2021 nicht mehr zur Wahl antreten können, da das Alterslimit bei 75 Jahren lag. Nachdem er diese Regelung aber im Dezember 2017 nach einer gewaltvollen Auseinandersetzung im Parlament  aufgehoben hat, kann er nun theoretisch lebenslang als Staatsoberhaupt regieren.

Nun bin ich auch schon wieder am Ende meines Berichtes angelangt. Ich hoffe es war interessant mal einen persönlichen Einblick in das Leben von Gloria zu bekommen. Ich vermisse Alenga unglaublich stark und bin auch noch nicht so richtig in Deutschland angekommen, das wird sicher noch etwas dauern. Ein Update zum Schlafsaal und ein Artikel zum Abschied von Alenga werden auch bald noch kommen.

Liebe Grüße, vielleicht trifft man sich ja mal!

Eure Francesca

Geschützt ins Leben

Hallo nach Hause,

in ein paar Tagen geht es zurück nach Deutschland. Ich möchte euch aber noch unbedingt etwas von meiner Arbeitsstelle im Health Center erzählen. Wie schon in meinem ersten Artikel erwähnt, gibt es immer an verschiedenen Tagen unterschiedliche Aufgaben. Genauer möchte ich heute auf den Donnerstag eingehen: Den Impftag.

Die Impfungen gehören zum Gesundheitsprogramm von Uganda das die minimale medizinische Versorgung für jeden gewährleisten soll. So sollen Babys vor ihrem ersten Geburtstag fünf Mal zum Impfen gehen, alle Frauen im gebärfähigen Alter (auch Schwangere) zum Schutz des Neugeborenen und der Mutter gegen Tetanus geimpft sein und alle Mädchen im Alter von 10 Jahren die HPV Impfung bekommen. Das Ganze ist kostenlos und wird vom Staat bezahlt.
Ab und zu gehen ein paar Mitarbeiter der Krankenstation in eine Grundschule oder kleinere Dörfer, um dort die Kinder gegen Tetanus und die Mädchen ab 9 Jahren gegen Gebärmutterhalskrebs(HPV) zu impfen und ihnen Tabletten zum entwurmen zu geben.

Die ersten Male war ich wirklich immer wieder überrascht und geschockt wie viele Mütter mit ihren Babys kommen und wie laut die Kinder schreien können!!
So gut wie jede Woche ist in der Krankenstation am Donnerstag die Hölle los. Die lange Bank in der Ambulanz reicht nie aus und viele Frauen sitzen auf dem Boden und warten bis sie an der Reihe sind. Natürlich hat auch wieder jedes Kind ein eigenes Heft, in dem die Impfungen und Termine aufgeschrieben werden. So bekommen die Babys Die Impfung gegen Kinderlähmung, Hepatitis B, Rotaviren, Tuberkulose, Influenza, Masern, Pneumokokken,  und Keuchhusten/Tetanus/Diphtherie und für Mädchen zwischen 9 und 14 die HPV Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs.

Natürlich läuft das bei uns im Health Center nicht immer so rund. Oft fehlen die Impfungen oder Spritzen oder es gibt nicht genügend für alle. Letzte Woche gab es im ganzen Distrikt keine einzige Impfung gegen Tetanus mehr… Zudem wurde zum Beispiel die Rotavirus Impfung eingeführt. Dafür wurden eine Hebamme und eine Schwesternhelferin in der nächsten Stadt über den Virus und den Möglichen Schutz aufgeklärt. Sie bekamen Informationsmaterial und auch eine Praxiseinführung. Dieses Wissen gaben sie dann an alle Mitarbeiter weiter. Leider gab es nur eine Box mit dem Impfstoff und die ist jetzt natürlich leer. Dazu kommt die schlechte Lagerung. Ein Kühlschrank fällt immer wieder aus und die Kühlkette wird dadurch oft unterbrochen und die Impfungen zu warm  aufbewahrt.

Wenn die Mütter aufgerufen werden, kommen sie in den Impfraum und setzten sich dort mit vielen weiteren Frauen auf eine Bank. Dann wird ein Kind nach dem anderen geimpft, was natürlich immer mit lautem Geschrei und nassen Windeln (oder Tüchern) endet bis die Nächsten an der Reihe sind. Es mangelt auch hier wieder einmal an Hygiene, da sich die Krankenschwestern zwischendurch nicht die Hände waschen sondern wie am Fließband arbeiten (Es gibt immer neue Spritzen!!) Jedes Kind wird in einem unserer zahlreichen Registern aufgeschrieben, damit man auch sehen kann welche Impfungen es wirklich bekommen hat. Anschließend bekommen sie den nächsten Termin mitgeteilt. Die ersten Impfungen gegen Tuberkulose und Polio bekommen sie gleich am ersten Donnerstag nach der Geburt und müssen dann nach sechs Wochen wiederkommen. Hebamme Gloria erzählte mir, dass sehr viele Mütter am Anfang zum impfen kommen aber nur ganz Wenige die Immunisierung vervollständigen und viele nicht wieder kommen, obwohl noch Impfungen fehlen. Der Grund dafür: vielen Frauen fehlt das nötige Transportmittel um die Krankenstation zu erreichen. Vor Allem aber fehlt es an Wissen über die Wichtigkeit von einem vollständigen Impfschutz. Die Mütter kennen die Vorteile dieser Impfungen nicht und denken es sei nicht so bedeutend. Gloria und ihre Kollegen versuchen aber immer die Patienten über Impfungen aufzuklären und Bewusstsein zu vermitteln.

Mir tun die Babys immer unglaublich leid, wenn sie gepikst werden und anfangen zu weinen. Deswegen versuche ich diese Aufgabe immer jemand anderem zu überlassen 🙂
Nach so einem Tag bin ich immer ziemlich froh, wenn ich aus der lauten Krankenstation (sogar Greta hört das Geschrei noch in der Schule) nach Hause gehen und meine Ohren entspannen kann. 😛

Liebe Grüße und bis bald!

Eure Francesca

Wie kommt die Erdnuss in die Tüte?

Liebe Leserinnen und Leser,

 

heute möchte ich euch ganz kurz davon berichten, was die letzten Wochen hier im Konvent vor sich gegangen ist. Für mich hat das wieder einmal gezeigt wie unbewusst und einfach wir uns in Deutschland Lebensmittel beschaffen. Da heißt es nämlich, wenn man abends Lust auf irgendetwas hat: „Ich fahr noch schnell in den Supermarkt, bin gleich wieder da.“. Dann greift man schnell ins Regal, nimmt sich noch eine Dose gesalzene Erdnüsse als Snack mit und zu Hause auf dem Sofa genießt man diese dann.
Wo die Erdnüsse herkommen, wo sie gepflanzt wurden, wer sie geerntet, getrocknet, geschält, sortiert und gesalzen hat, das spielt keine Rolle und den Großteil haben vermutlich sowieso Maschinen übernommen – unfassbar, wie technisiert und schnell (immer auf dem Sprung, stets im Stress des Alltags gefangen) wir leben.

Die Ernährung in Alenga steht im krassen Kontrast dazu. Und deshalb möchte ich euch heute davon erzählen wie Schwester Consentina und schließlich auch Greta und ich in den letzten beiden Wochen mit der Erdnuss-Ernte beschäftigt waren.

Die Erdnüsse wurden nach dem Ende der Trockenzeit (im Februar) gesät und dann regelmäßig von Unkraut befreit, während sie wuchsen.
Vor ca. zwei Wochen hat die 85-jährige Sister Con schließlich angefangen die fertigen Erdnusspflanzen im Feld zu ernten und in den Innenhof zum Trocknen zu legen. Nach einiger Zeit war der gesamte Platz im Innenhof belegt und Sister hat die Pflanzen regelmäßig in der prallen Mittagssonne gedreht, damit die Erdnüsse trocknen.
Eine Woche später war alles gut getrocknet und Sister begann die Nüsse, die an der Wurzel unter der Erde wachsen, von der Erde und der Pflanze zu befreien. Dabei halfen wir ihr dann gemeinsam mit einigen Schülerinnen und da wir uns um diese Zeit normalerweise alle in der Kirche zum Rosenkranz beten befinden, haben wir gleich mal den Rosenkranz mit der Arbeit verknüpft. Ungefähr 2 Stunden brauchten wir mit allen 20 Helfern um die Erdnüsse zu sortieren.
Die Erdnüsse haben wir dann auf einem großen Haufen auf der Terrasse gesammelt. Anschließend werden die Nüsse geschält. Das ist eine ziemlich ermüdende Arbeit, denn nach der 150. Nuss schmerzen die Finger sehr und der Ertrag erscheint winzig im Vergleich zur Mühe, die man mit der Erdnuss-Ernte hat.

Die im Norden Ugandas bekannteste Verarbeitungsform der Erdnüsse ist das sogenannte Odi. Um Odi zu produzieren, werden die geschälten Nüsse geröstet und dann durch langes Reiben und anschließendes Sieben von ihrer Haut befreit. Dann bringt man die Nüsse zur Mühle. Odi besteht allerdings nicht nur aus Erdnuss sondern auch aus Sesam. Zum Mahlvorgang gibt man also auch zuvor gerösteten Sesam dazu. Nach ungefähr 15 Minuten erhält man das fertige und super leckere Odi, was hauptsächlich zum Frühstück zusammen mit Süßkartoffeln oder Cassava genossen wird oder zum Kochen der ebenfalls für den Norden Ugandas typischen Speise Malakwan (Spinat ähnliche Blätter mit Odi gemischt).

Das war es auch schon zur Erdnuss 🙂 . Mich werden diese Erfahrungen deutlich bewusster und verändert durch den Supermarkt laufen lassen.

Ganz liebe Grüße in die Heimat, in die ich in weniger als zwei Wochen ja auch schon zurückkehre,

Eure Francesca

Herzlich Willkommen in meinem neuen zu Hause

Hallo ihr Lieben,
heute möchte ich euch von der schönen, abwechslungsreichen und aufregenden Zeit mit unseren Familien erzählen.

Drei Tage nach Gretas Geburtstag brachen wir nach Kampala auf. Hier besuchten wir unsere Freundinnen Linda und Maike, die zentral in Kampala wohnen und gingen anlässlich des Geburtstages auch nochmal feiern, was in Alenga ja absolut nicht möglich ist und sich ein bisschen mehr wie eine normale Geburtstagsfeier angefühlt hat: Mit Freunden Bier, Pizza und Kuchen genießen und danach zum Tanzen in den Club. Gemeinsam hatten wir einen richtig schönen Abend! Am Tag danach brachen wir nach Entebbe auf, was ca. eine Stunde von Kampala entfernt ist. Wir fuhren also schon mal in unsere schöne Unterkunft, genossen die warme Dusche und das kuschelige Bett und holten dann unsere Familie vom Flughafen ab! Das war vielleicht ein tolles Gefühl, bekannte Gesichter wiederzusehen und in den Arm zu nehmen. Vorher waren wir aufgeregter als bei unserer eigenen Ankunft: Ob sie es wohl schaffen würden, durch die Kontrolle zu kommen, ob sie mit dem Visum alles richtig gemacht hatten usw. .. 🙂 . Zum Glück hat alles gut geklappt und die Vier (Mama und mein Bruder Leon, Tina und Robert(Gretas Eltern)) schienen sogar einen angenehmen Flug gehabt zu haben.

 

Entebbe und Kampala

Gemeinsam verbrachten wir zwei Tage im schönen Entebbe, das direkt am Viktoriasee liegt. Da Grtea und ich ja Silvester hier gefeiert haben, kannten wir uns gut aus und führten unseren Besuch zu all den schönen Plätzen. Es war ein tolles Gefühl für mich, die ja unseren Besuch herumzuführen, ihnen Dinge zu erklären und die Planung zu übernehmen. Wir besuchten den botanischen Garten Entebbes und unsere Mütter bestaunten eigentlich den ganzen Tag lang, wie schön denn alles blühe und wie grün die Natur sei! Ja, Uganda ist wirklich ein traumhaftes Land! Außerdem gingen wir an den Strand, aßen frischen Viktoriaseebarsch und feierten am Pfingstsonntag einen schönen Gottesdienst in Entebbe.

Danach brachen wir dann nach Kampala auf. Für unsere Eltern ein ziemlicher Schock und ich war froh, dass wir erst ein wenig in Entebbe waren, damit sie sich eingewöhnen konnten. Die Hauptstadt Ugandas, sie ist einfach laut, voll, dreckig und beim ersten Mal ziemlich überfordernd. Zum Glück kennen Greta und ich uns ja inzwischen aus, haben ein paar Freunde vor Ort und so verbrachten wir in Kampala sehr spannende Tage. Wir stellten unsere Eltern den Combonis und den Schwestern in Kampala vor, die sie sehr herzlich begrüßten und willkommen hießen. Außerdem fuhren wir mit ihnen im Matatu (öffentliches Taxi/Kleinbus) bis in das Stadtzentrum, wo wir die schönen Stoffe und Kleider auf dem belebten Markt bewunderten und gleich auch was einkauften. Natürlich fing ich auf dem Markt an zu handeln, erstens weil einem als Weiße grundsätzlich der doppelte Preis genannt wird und zweitens weil ich inzwischen die echten Preise für Stoffe gut kenne und mich deshalb erst nicht über den Tisch ziehen lassen möchte. Daran die Eltern sich erstmal gewöhnen und es war ihnen zunächst auch etwas unangenehm. Außerdem waren unsere Familien sehr begeistert von dem schönen Markt mitten in Kampala, und froh, denn ohne unsere Kenntnisse würden sie sich nie auf so einen lauten und lebhaften Markt trauen. Dort gibt es alle möglichen Früchte und einheimischen Spezialitäten, die sie gleich mal auskosten durften. Darunter der typische Kochbananenbrei (Matooke), Erdnusssoße, Chapati/Rolex und ein Obstsalat mit Zuckerrohr, Stinkfrucht, Papaya, Avocado und vielem mehr. Hmm… ein kulinarischer Exkurs.

Am Ende unseres ausgiebigen Tages in der Innenstadt erlebten unsere Eltern dann noch die Rush-Hour Kampalas. Aus dem Zentrum sind es, bei wenig Verkehr, ca. 15 Minuten bis nach Mbuya Hill, wo die Combonis wohnen. Wir haben dafür dann eine geschlagene Stunde gebraucht. Greta und ich schlugen gleich zu Beginn vor, dass wir doch am besten ein Boda nehmen sollten, weil die Autos zu dieser Zeit im Stau stecken bleiben würden. Schon in Entebbe waren wir kurze Strecken mit dem Boda gefahren und Papa und Leon hatten auch richtig Gefallen daran gefunden. Doch die Mütter streikten. Also machten wir uns durch den Verkehr und die Menschenmassen auf die Suche nach dem richtigen Matatu. Als wir im Taxi saßen, ging es dann natürlich nur schleppend voran. Der Taxifahrer war typisch ugandisch, bremste in der letzten Sekunde und so auch ganz kurz vor einem die Straße überquerenden Laster.  „Also diese Verkehrssituation ist so erschreckend, furchtbar, das muss doch bald alles zusammenbrechen und kollabieren…“ kommentierten unsere leicht verschreckten Eltern. Lange Rede, kurzer Sinn: Wir kamen in der Dunkelheit völlig erschöpft, aber voll von unvergesslichen Eindrücken an und rundeten den Tag mit einem gemütlichen Abendessen beim Inder und einer weiteren heiklen Uber-Fahrt (zu siebt gequetscht in ein Auto) ab. J

Am nächsten Tag machten wir Kulturprogramm. Gemeinsam besichtigten wir die Kasubi Tombs, wo wir viel über die hochspannende Kultur der Buganda (die größte Volksgruppe Ugandas) und ihrer Könige lernten. In den Tombs werden die Könige beerdigt und auf dem ganzen Gelände verteilt ihre zahlreichen Frauen und Kinder. Die ganzen Frauen oder immer eine Vertreterin aus der Familie der Frauen der Könige leben noch heute auf dem Gelände. Die Buganda verehren ihre Könige schon seit ewigen Zeiten und sind ihren alten Traditionen und Bräuchen noch heute treu und legen viel Wert darauf.

Im Anschluss besuchten wir noch das ugandische Nationalmuseum, das auch für Greta und mich noch einmal viele neue Erkenntnisse über dieses vielfältige und facettenreiche Land brachte.  Abends gingen wir dann gemeinsam mit Stan und Fafa (den wir zufällig bei den Combonis getroffen hatten) sehr lecker essen. Für uns war es schön, dass unsere Eltern bereits Stan gut kennenlernten, der ja für das ganze Jahr unser Mentor und unsere Bezugsperson ist, und außerdem zufällig die Chance bekamen Fafa kennenzulernen, der sich zuvor so lieb um uns gekümmert hatte. Zusammen gingen wir in ein sehr besonderes Restaurant Kampalas, in dem Greta und ich gleich mal einen kleinen Kulturschock bekamen, weil alles so europäisch und elegant eingerichtet und zubereitet war. Das Essen war sehr lecker und Fafa, Stan, Greta und ich probierten gemeinsam die Frösche, deren Fleisch erstaunlich nach saftigem Hühnchen geschmeckt hat.

Der Abend war sehr schön und ein toller Abschluss für die Tage in Kampala. Denn am nächsten Morgen war es schon soweit, dass wir gemeinsam mit Stan nach Alenga aufbrechen wollten. Die Aufregung bei allen stieg… !

 

Mit Mama und Leon in unserem zu Hause

Am Mittwoch kamen wir gegen Mittag in Alenga an. Nach einer Fahrt, die schonmal einen kleinen Vorgeschmack auf die Straßen Ugandas gab. Durchgerüttelt und durchgeschüttelt wurden wir von den Schülerinnen und Schwestern in Empfang genommen, die mit Jubel und Gesang gleich mal alle neuen Gäste in den Arm nahmen, so wie es hier eben üblich ist. Im Anschluss lernten unsere Eltern die anderen beiden Priester und die Köchinnen bei einem schönen gemeinsamen Mittagessen kennen. Nachdem wir die vollgepackten großen Koffer ausgepackt und Mitbringsel, Spenden, Geschenke und Leckereien sortiert hatten, machten wir eine kleine Alenga-Rundtour und gingen im Anschluss auf den kleinen Wochenmarkt. Hier zeigten wir unserem Besuch die typischen Leckereien und einige unserer Freunde. Natürlich kommt es hier nicht alle Tage vor, dass sechs Deutsche den kleinen Dorfmarkt besuchen und auch wenn sich die Bewohner Alengas schon an Greta und mich gewöhnt haben, erregten wir viel Aufsehen und zogen die Aufmerksamkeit auf uns. Für unsere Eltern war der Markt mit Sicherheit ein aufwühlendes Erlebnis, denn dort wird man sehr mit der Armut und dem Leben von der Subsistenzwirtschaft hier konfrontiert. Meinen Vater bedrückte anschließend, dass er mehrmals nach Geld gefragt wurde oder danach, etwas für jemanden zu kaufen. Das passiert auch mir noch gelegentlich (inzwischen seltener) und zeigt das Bild des wohlhabenden Weißen, das tief in vielen Köpfen verankert ist.

Am nächsten Tag zeigten wir unseren Eltern den Schlafsaal. Sie waren nachdrücklich begeistert wie weit das Projekt inzwischen gekommen ist und wie viel mit Hilfe eurer Spenden zustande kommen konnte! Geschockt waren sie davon, dass in dem jetzigen Schlafsaal auf engstem Raum 60 Mädchen schlafen müssen. Die Vorfreude der Mädchen in den neuen Saal zu ziehen steigt auch täglich…!

Außerdem besuchten wir alle gemeinsam meinen Arbeitsplatz, die Krankenstation. Ich zeigte und erklärte ihnen das Gelände, die einzelnen Abteilungen, von Labor zur Medikamentenausgabe und zur Entbindungsstation. Besonders genau schauten sie sich das Labor an, wo Dickens und Bernard, meine Kollegen, stolz ihr Equipment präsentierten. Von der Handzentrifuge bis zum Malariatest hatte ich die Chance Vieles zu erklären.
Gretas Mutter war von der Tatsache geschockt, dass alle den Geburtenraum einfach betreten dürfen ohne Kleidung oder Schuhe zu wechseln. Die Gesundheitsversorgung hier im Dorf ist mit den deutschen Standards eben absolut nicht zu vergleichen und gerade auf die Sterilisation wird kein großer Wert gelegt. So schlafen auch alle Patientinnen in einem Raum, aufgeteilt nach Müttern, die entbunden haben, und Schwangeren mit Komplikationen, und Keime können sich schnell vermehren. Beeindruckt waren sie auch davon wie viele Schwangere zum Vorsorgetermin kamen und auf dem Boden saßen um dort stundenlang auf die Untersuchung zu warten. Die Schwangeren zeigen während der langen Wartezeit keine schlechte Laune, sondern unterhalten sich und tauschen die neuesten Geschichten aus. Es war wirklich schön und wichtig meiner Mama und meinem Bruder meine Arbeitsstelle zu zeigen. So wissen sie jetzt genau wo ich arbeite und können sich alles besser vorstellen und nachvollziehen.

Zudem unterrichtete Greta am Freitag zwei Stunden Computer im ersten Jahrgang und so bekam unser Besuch die Chance sich den Computerunterricht anzuschauen. In den ersten Stunden nach den Ferien wird in allen Fächern zunächst das Examen vom  letzten Term besprochen und so alter Unterrichtsstoff wiederholt. Anschließend arbeiteten die Mädchen praktisch an den Laptops und Greta versuchte die Kontrolle zu behalten. Das ist nämlich nicht immer leicht, wenn wie im ersten Jahr 36 Mädchen an 9 Laptops arbeiten, nach Möglichkeit alle mitmachen sollen und die Stromversorgung auch nicht immer klappt. Da heißt es dann oft „Greta, come here!“, „No, first come here, our power is off!“ und sie erklärt eigentlich gerade einer anderen Gruppe noch die Aufgabe. Nichtdestotrotz macht Greta der Computerunterricht viel Spaß und den Schülerinnen erst recht. Leon war besonders erstaunt, dass er immer die Möglichkeit hatte allein an einem Computer in der Schule zu arbeiten, während die Mädchen in fünfer Gruppen arbeiten müssen. Aber hier ist es so besonders, dass Computer überhaupt unterrichtet wird, dass es bei vielen der Grund ist, warum sie unsere Schule in Alenga auswählen.

Nicht nur Greta sollte während der gemeinsamen Tage in Alenga den Mädchen etwas beibringen, sondern auch ihr Vater, der von Beruf Zahnarzt ist. Die kleine Aufklärungsstunde über Mund- und Zahnhygiene sowie den Aufbau des Gebisses war uns ein besonderes Anliegen, weil eigentlich jede Woche ein Mädchen über Zahnschmerzen klagt und die generelle Aufklärung über einfachste Zahnhygiene sehr schlecht ist. Zuvor haben mir die Mädchen berichtet: Ich putze meine Zähne nur morgens. Wenn das wenigstens für alle stimmen würde… Nach Roberts Unterricht wissen sie jetzt zumindest wie wichtig es ist sich mindestens zweimal pro Tag die Zähne zu putzen und wie das richtig geht.
Schon Säuglinge bekommen süße Getränke und man kann bei vielen der Grundschulkinder schon schwarze Verfärbungen an den Schneidezähnen beobachten. Einige unserer Freunde, die kaum über 20 sind, haben schon verfaulte Zähne und riesige Zahnlücken.

 

Freitagabends luden die Schwestern uns und die Priester zu einem Festessen im Hof ein. Es gab die leckeren Gerichte der Schwestern wie zum Beispiel gegrilltes Hühnchen, Viktoriabarsch, Chapati und natürlich einen riesigen Kuchen zum Nachtisch, den unsere Mütter ganz romantisch zu zweit anschnitten und darüber lachten, dass das in Deutschland Brauch auf Hochzeiten ist. Nachdem alle völlig überfuttert in ihren Stühle saßen, kamen die Schülerinnen und hießen unsere Familien mit vielen Tänzen, Gedichten und Liedern willkommen. Diese liebevolle Geste rührte sie natürlich (mal wieder- wie eigentlich alles die ganze Zeit) sehr.

Am Samstag nahm Fr. Stan uns mit zu einer kirchlichen Hochzeit. Dies war auch für Greta und mich die erste Chance eine kirchliche Hochzeit zu sehen, denn zuvor waren wir immer auf den traditionellen Introductions gewesen. Die Messe war etwas außerhalb von Alenga in einer der kleineren Kapellen und die Gemeinde feierte das Brautpaar sehr euphorisch. Das Brautpaar war schon seit vielen Jahren traditionell verheiratet und hatte sich jetzt mit über 60 Jahren noch zur kirchlichen Trauung in Weiß entschlossen. Im Anschluss an die wunderbar lebhafte Messe begaben wir uns zum Brautpaar nach Hause, wo es reichlich Programm, welches den Introductions ähnlich ist, und leckeres ugandisches Essen gab, von dem unsere Eltern natürlich eine viel zu kleine Portion nahmen. Es war eine wunderbare Gelegenheit für unseren Besuch so in die Kultur der Langi hineinschauen zu dürfen und wir wurden auch herzlich aufgenommen und behandelt, obwohl uns niemand kannte und wir für alle Fremde waren. Diese Offenheit und Gastfreundschaft in der Kultur ist ein großartiges Geschenk und wurde mir während dieser Tage wieder besonders bewusst.

Am Sonntag war es dann soweit, das Highlight in Alenga stand an: Der Gottesdienst. Während Greta und ich auf unseren Stammplätzen beim Chor Platz nahmen, saßen unsere Eltern bei den Schwestern, denn von dort aus hat man die beste Sicht auf das wunderbare Geschehen in der Messe. Während Mama zu Tränen gerührt das Hosanna mitsang, schoss Leon fleißig Fotos und Gretas Eltern begnügten sich damit die Lesung auf Englisch im Buch zu verfolgen, denn natürlich war die ganze Messe auf Lango.
Nach der Messe stimmte unsere Freundin Paska noch ein Lied an und schon waren alle begeistert in der Kirche am Tanzen und forderten unsere Familien zum Mitmachen auf. Für mich war es sehr schön zu sehen, dass meine Freunde hier sich so über den Besuch meiner Eltern freuten, euphorisch mit ihnen tanzten und sangen und alle die Zeit so in vollen Zügen genossen.

 

Die Zeit in Alenga sollte besonders schön abgerundet werden durch Besuche bei unseren besten Freundinnen, Anna sowie die Schwestern Mary und Paska. Alle wollten uns unbedingt einladen und haben, zunächst zur Sorge unserer Eltern, weil die Angst hatten, dass gleich zwei Ziegen und Hühner für sie geschlachtet werden, auch kein Nein akzeptiert. Im Nachhinein waren sie dann aber doch sehr froh, dass sie die Chance mitgenommen hatten, denn die Besuche verraten natürlich nochmal viel über das Leben der Bewohner Alengas. Wie immer wurden wir alle sehnsüchtig erwartet, es gab unglaublich viel zu erzählen und reichlich zu essen. Leon machte sich wieder viele kleine Freunde, indem er Luftballons und Süßigkeiten verteilte und Fotos machte und sie den Kindern im Anschluss zeigte, was stets für große Begeisterung sorgt.

Besonders beeindruckt waren alle, weil die Gastgeber gerne und mit vollem Herzen alles für ihre Gäste geben und schön machen. Hier ist es Brauch, dass man die Gäste so herzlich willkommen heißt wie man kann und nie geizig mit Besitz und Eigentum umgeht. Alles wird gerne geteilt und zubereitet. Meine Mama war sehr angetan davon, dass die Menschen so viel mehr im JETZT leben und dadurch den Augenblick viel mehr genießen können als wir, die von der stressigen Konsumgesellschaft geprägt sind. Während viele der Deutschen die Einstellung haben stets zu sparen, zu sparen, zu sparen und den letzten Cent umzudrehen, auch wenn sie das nicht müssten, wird hier verbraucht, was da ist und nicht gegeizt. In Deutschland wird aus meiner Sicht oft unnötig gespart.  Vielleicht ein Euro macht den Unterschied an der Fleischtheke zwischen Biofleisch und Massentierhaltungsfleisch aus und gekauft wird natürlich, obwohl man es besser wissen müsste, das Billigere.  Ein runder Geburtstag wird nicht gefeiert, weil auf ein neues Auto gespart werden müsse. Hier erfahre ich alltäglich, wie unwichtig Materielles wird, solange man genug hat um seine Familie zu ernähren und für die Kinder eine Bildung garantieren zu können. Es ist so viel schöner, wenn man den Moment lebt, ihn mit seinen Liebsten genießt, statt sich ständig Sorgen zu machen. Von der Lebensfreude, die die Menschen hier verspüren, obwohl einige nicht wissen wie sie ihren Kindern die Schulbildung finanzieren sollen oder existenzielle Probleme nicht lösen können, könnte sich (fast) jeder Deutsche, der um seine Luxusprobleme kreist, eine Scheibe abschneiden.

 

Unsere erlebnisreiche Zeit in Alenga neigte sich dem Ende zu und nach einem für unsere Eltern sehr schweren und tränenreichen Abschied machten wir uns in unserem schicken Safariauto, das uns in Alenga abholte, auf in den Urlaub!

 

Safari Uganda- schöne Tage und viele platte Reifen

Die nächste Woche verbrachten wir in der wunderschönen und vielseitigen Natur Ugandas. Für Greta und mich war es zum einen ein großes Geschenk, dass wir nun noch einmal intensive Tage des Austausches verbringen konnten und nach einer so langen Zeit ohne Familie wieder gemeinsam etwas erlebten. Zum anderen wissen wir es sehr wertzuschätzen, dass wir so einen großen Teil des Westens Ugandas und seiner reichen Naturschätze sehen durften. Winston Churchill sagte einmal, dass Uganda die Perle Afrikas sei und auch wenn ich viele Teile des Kontinents noch nicht gesehen habe, würde ich diese Aussage nach dem Urlaub ohne nachzudenken bestätigen. Von übergrüner, weiter Graslandschaft am Albertnil zu hügeliger Vulkanlandschaft mit Kraterseen zu dichtem Regenwald, Uganda ist mit einer Vielfalt gesegnet, die mich immer wieder beeindruckt.
Ja, wir hatten tatsächlich fünf Platte Reifen und es war immer an der gleichen Stelle des Autos (unter Gretas Hintern)!! Zauberei oder war Greta einfach nur zu schwer? Nachdem Tina ihren Rosenkranz umgehängt hatte und Greta und ich Platz getauscht haben ging den Rest der Fahrt alles gut.

Mir als Freiwillige fiel es nicht leicht als Touristin in Uganda unterwegs zu sein. Denn dadurch, dass ich mich hier inzwischen so zu Hause fühle, beschäftige ich mich auch viel mit der Rassismus- Problematik. Da bekommt man beim Tourismus oft Angst, dass die Kultur der Ugander nicht genügend wertgeschätzt wird, dass über sie hinweg bestimmt wird oder sie ausgenutzt und als Zootiere ausgestellt werden. Gerade die Beobachtung, dass die Besucher der Nationalparks zu 90% weiß sind, ist für mich eine traurige Tatsache, die das große Gefälle in unserer globalisierten Welt zeigt.

Meine Erfahrungen nach dieser Reise bestätigen aber, dass viele der Ugander (vielleicht auch durch ihre tolle Gastfreundschaft bedingt) den Tourismus sehr wertschätzen und ihre Natur gerne der Welt öffnen möchten, solange sie bewahrt bleibt. Der Tourismus ist natürlich auch hier – wie in so vielen Ländern der Erde – eine begehrte Einnahmequelle, die dabei hilft Infrastrukturen zu verbessern, die umliegenden Dörfer zu unterstützen und die Nationalparks zu schützen. Uganda ist zwar ein noch sehr unentdecktes Reiseland, was wohl durch den langen Krieg und die Größe bedingt ist, hat aber inzwischen 1,3 Millionen Touristen pro Jahr. Durch den aufblühenden Tourismus werden natürlich auch Arbeitsplätze geschaffen und viele junge Leute erhalten die Chance auf einen guten Job.

Es ist sehr wichtig beide Seiten Ugandas sehen zu können. Für uns Freiwillige wäre es eine verpasste Chance, wenn wir das ganze Jahr in Alenga bleiben würden und so nur eine Seite dieses vielseitigen Landes entdecken können. Mir wäre dann der Eindruck hängen geblieben, dass es in Uganda hauptsächlich Armut und Dorfleben gibt. Und das stimmt nicht!! Denn es gibt riesige, gut entwickelte Städte, große Einkaufsmalls, wunderschöne Anlagen in den Parks und auch richtig gute Krankenhäuser und Universitäten. Hier entwickelt sich sehr viel und ich bin gespannt wie Alenga in zehn Jahren aussieht.

 

Nun ist der Besuch von unseren Familien schon wieder vorbei, die Zeit verging so schnell. Ich bin sehr dankbar, dass meine Mama und Leon hier in Alenga waren, denn nur so bekommen sie nochmal einen richtigen Einblick in mein Leben und können es viel besser verstehen und nachvollziehen was ich alles erlebt habe. So wird es sicherlich leichter hier Abschied zu nehmen, weil Mama und Leon dann zu Hause auch wissen was ich vermisse und was ich meine, wenn ich etwas erzähle. Außerdem bekommt man als Tourist sonst nie die Chance so in das Leben und die Kultur der Leute einzutauchen wie hier in Alenga während meines Freiwilligendienstes. Ich bin so froh, dass sie hier waren und alles sehen konnten.

 

Unser Projekt der Schlafsaal

Dank Eurer großen Unterstützung ist der Schlafsaal nun fast fertig. Die Wände sind verputzt, die Stromleitungen verlegt und wenn alles in zwei Wochen getrocknet ist, wird gestrichen und eine Einweihungsparty gefeiert! Auch die 18 Dreistockbetten werden schon gebaut und die Moskitonetze sind bestellt. Ihr seht also: Es neigt sich dem Ende zu!

Zukunftspläne

Und auch in diesem Artikel möchte ich noch einmal um Spenden bitten. Die Meisten von euch haben schon so viel gegeben und das freut mich jeden Tag aufs Neue, aber seit das Sammeln der Spenden so erfolgreich läuft, kommen uns auch viele neue Ideen in den Kopf. Zum Einen möchten wir dem Health Center gerne ca. 2500 Euro bereitstellen, damit ein Zaun um das Gelände gebaut werden kann. Momentan fehlt dieser Zaun und so laufen erstens ständig Kühe, Schweine oder streunende Hunde, die Krankheitserreger übertragen, über das Gelände und zweitens sind die Nachtschwestern nicht geschützt und fühlen sich sehr unsicher, wenn sie die ganze Nacht alleine Dienst haben.

Zum Anderen gibt es die Möglichkeit für zwei Mädchen eine Patenschaft für das dritte Ausbildungsjahr, das seit diesem Februar neu bei uns an der Schule ist, zu übernehmen. Dort erlangen sie zusätzlich zur Schneiderinnenausbildung eine Designlehre. Die Kosten für das dritte Ausbildungsjahr belaufen sich auf 280 Euro. Das Geld kann gerne auch in Raten bezahlt werden. Bei Interesse an einer Patenschaft, meldet euch gerne bei mir unter Francesca.cyris@yahoo.com

Die Spendenadresse ist:

Comboni-Missionare KöR, 73479 Ellwangen
IBAN: DE66 6145 0050 0110 6170 15
BIC: OASPDE6AXXX
Verwendungszweck: MaZ Francesca Cyris (631) Alenga, Uganda

So meine Lieben, das war es auch schon wieder von mir.  Ich bin auf der einen Seite seeehr traurig, dass mir nun nur noch 4 Wochen in Uganda bleiben und kann es gar nicht fassen. Auf der anderen Seite wächst natürlich auch mit der Zeit ein bisschen die Vorfreude auf zu Hause und darauf alle wieder zu treffen… Jedenfalls werde ich die letzten Wochen hier noch einmal sehr mit meiner Arbeit im Health Center und unseren Freunden genießen. Ich möchte gar nicht daran denken, dass ich das alle bald verlassen muss und hier nie wieder leben werde, sondern nur noch als Gast wiederkomme-das aber hoffentlich sehr bald. Außerdem stehen noch ein paar Feste an: Momentan bereiten wir gerade die Examensfeier für die Jahrgänge aus 2016 und 2017 vor, die im Juli stattfinden wird.

 

Bis dann ihr alle,

Eure Francesca

P.S. Wir sind auch sehr traurig wegen der WM. Wir haben das Spiel gerade eben im Center  mit ein paar Freunden angeschaut…. Lasst den Kopf nicht hängen. 🙂

Greta und Francesca unterwegs im Norden Ugandas

Hallo liebe Leser,

heute melde ich mich nach einiger Zeit endlich mal wieder mit einem Bericht über die letzten Wochen. Wie ihr ja schon aus dem letzten Bericht wisst, haben wir die Schulferien genutzt und sind Anfang Mai in den Norden Ugandas aufgebrochen. Und dann, am 18. Mai, bekamen Greta und ich endlich Besuch aus der Heimat von unseren Familien! Schööön wars.. und viel haben wir erlebt:

Auf nach Gulu

Am Montag Mittag kamen wir in Gulu an, wo wir von Sister Katherine, eine junge Schwester der Little Sisters of Mary Immaculate Gulu, sehr herzlich empfangen wurden. Mit Nonnen dieses Ordens sind wir gut vertraut, weil diesem auch unsere drei Schwestern in Alenga angehören und wir in Kampala stets bei ihnen unterkommen dürfen.
Sister Katherine zeigte uns die verschiedenen Klöster des Ordens und wir wurden überall liebevoll begrüßt. Die Häuser sind sehr schön gestaltet und im Innenhof werden stets Blumen angepflanzt, die die Schwestern versorgen. Als wir die Äbtissin trafen, hatten wir eine sehr lustige Begegnung. Wir sind hier in Uganda nämlich schon ein bisschen berühmt! 🙂 So betraten wir gemeinsam mit Sister Katherine den Raum und wollten uns gerade vorstellen, als sie uns verdutzt anschaute und fragte: „Seid ihr nicht die Mädchen aus dem Leadership Magazine?“. „Ja, die sind wir.“, antworteten wir ihr und mussten lachen, zum einen, weil wir den Artikel zu dem Zeitpunkt selbst noch nicht gelesen hatten und zum anderen, weil uns jetzt wildfremde Personen aus der Zeitung kennen.

Krieg und Zerstörung in Gulu

Es war sehr beeindruckend zu sehen was die Schwestern alles aufbauen und leisten und wie warmherzig sie sich um alte und kranke Mitschwestern kümmern. Dieses Kloster liegt direkt in der Nähe des berühmten Krankenhauses St. Mary Hospital Lacor, das während der Terrorherrschaft Idi Amins 1959 von italienischen Missionaren aufgebaut wurde.  Zu dieser Zeit gab es allerdings nur 30 Betten und die nötigste Grundversorgung. In den folgenden Jahren übernahm das Ehepaar Piero und Lucille Corti (ein italienischer Kinderarzt und eine kanadische Chirugin) die Leitung.
In den späten 1980er und 1990er Jahren war der Norden Ugandas geprägt vom Bürgerkrieg der LRA (Lord’s Resistance Army) und deren Anführer Joseph Kony. Dabei wurde auch das Krankenhaus immer wieder Opfer der furchtbaren Anschläge und Entführungen von Mitarbeitern. Noch heute spürt man in ganz Gulu die Auswirkungen der Rebellen und ihrer Anschläge. Joseph Kony hat zahlreiche Kinder entführt und sie als Soldaten und Sexsklaven missbraucht, sodass 66.000 Kindersoldaten für ihm kämpfen mussten. Aus dem Norden Ugandas sind in dieser Zeit 2 Millionen Menschen in den Süden geflohen. Seit 2006 hat sich die LRA aus Uganda zurückgezogen.
Im Jahr 2000 wurde das Krankenhaus auch Opfer der großen Ebola-Epidemie, sodass 224 Menschen starben. Darunter waren auch 13 der 100 freiwillig in Lacor gebliebenen Mitarbeiter unter ihnen auch der ugandische Leiter Dr. Lukwiya.
Auch wir hatten während unserer Tage in Gulu die Möglichkeit das Krankenhaus zu besichtigen. Heute gibt es über 400 Betten, 600 Mitarbeiter und weit mehr als 300.000 Patienten pro Jahr. Die Patienten warten in riesigen Schlangen vor den Behandlungszimmern. Oft kommen sie schon früh morgens, um überhaupt eine Chance auf die Behandlung zu haben. Viele müssen abends wieder nach Hause gehen ohne einen Arzt gesehen zu haben. Dann kommen sie am folgenden Tag wieder und die Warterei geht von vorn los.
Das Gelände ist riesengroß und es gibt viele Spezialabteilungen für beispielsweise Tuberkulose-, HIV/AIDS Patienten und Schwangere. Außerdem werden KrankenpflegerInnen, Laborfachkräfte und MedizinstudentInnen ausgebildet. Der besonders gute Ruf des Krankenhauses – es galt lange als eines der Besten in Ostafrika- bringt ihm stets noch viele Patienten ein, auch wenn die Versorgungslage mittlerweile schlechter geworden ist und die Möglichkeiten durch das ugandische Gesundheitssystem begrenzt sind.
Für Greta und mich war es besonders spannend dieses Krankenhaus zu sehen, tiefere Einblicke in die Gesundheitsversorgung Ugandas zu bekommen und hat unseren gemeinsamen Wunsch Ärztinnen zu werden auch nochmal verstärkt. (Fotos gibt es leider nicht, es war nicht erlaubt zu fotografieren.)

Außer der Besichtigung des Krankenhauses unternahmen wir natürlich auch noch andere Dinge in Gulu. Gemeinsam mit Sister Katherine waren wir auf dem riesigen Markt der Stadt wo es von Fisch über Früchten zu Trommeln und anderen ugandischen Musikinstrumenten wirklich alles gibt. Außerdem erkundeten wir die Stadt ein bisschen auf eigene Faust und da Gulu wirklich übersichtlich aufgebaut ist, fanden wir uns auch ganz schnell gut zurecht.

Excel with Peace

Dank unserer Freundin, Schwester Mary, die wir schon seit September aus Kampala kennen, hatten wir noch die Möglichkeit eine Grundschule etwas außerhalb von Gulu zu besuchen. So fuhren wir mit dem Boda über 45 Minuten aus Gulu hinaus und mitten hinein in die umliegenden Dörfer und ins Grüne. Bei der Grundschule angekommen, nahm Schwester Angelina uns sehr herzlich in Empfang und zeigte uns das tolle Gelände der immer größer werdenden Schule. Beim Anblick der schön gestalteten Klassenräume, des luxuriösen Lehrerzimmers (sogar mit Sofa und Fernseher!!!) und dem Ausblick auf die grüne Natur ringsrum wurde ich fast ein bisschen wehmütig und neidisch. Zum einen, weil meine Schule zu Hause nie so wunderbar in der Natur lag und auch nicht so schön war und zum anderen, weil die Möglichkeiten in Alenga deutlich begrenzter sind.
Sister Angelina, die bereits 75 Jahre alt ist, ist eine sehr engagierte Schulleiterin, die sich stets für das Wohl ihrer Schüler einsetzt. So waren, obwohl es ja Ferienzeit war, immer noch knapp 20 Schüler und Schülerinnen vor Ort, die keine Möglichkeit hatten nach Hause zu kommen (beispielsweise Waisen) oder die lernschwach sind und so noch zusätzliche Unterstützung bekommen.
Die Schule wurde gemeinsam mit dem angehängten Health Centre nach dem Ende der Rebellenzeit mit Hilfe amerikanischer Sponsoren gegründet und trägt deshalb den hoffnungsvollen Namen Maria- Mutter des Friedens.

Zu Besuch bei Bruder Konrad in Layibi

Als Comboni- Freiwillige sind wir auch in ganz Uganda (und fast überall auf der Welt) immer gleich mit neuen Missionaren verknüpft, die sich für uns verantwortlich fühlen und gerne bei sich auf nehmen. Das ist ein total großes Geschenk und wurde uns bei dieser Reise nochmal so richtig bewusst.

So kam es, dass wir während unserer Tage in Gulu den deutschen Comboni Missionar Bruder Konrad in seiner Arbeitsstelle besuchen durften. Bruder Konrad leitet in Gulu eine riesige Berufsschule, in der alle möglichen Berufe ausgebildet werden: Vom Tischler zum KfZ- Mechaniker, vom Frisör zum Koch, vom Elektriker zum Schneider. Diese Berufsschule bietet vielen jungen Menschen eine Perspektive und vor allem nicht nur eine Ausbildung, sondern danach auch eine sichere Arbeitsstelle, da die Berufsschule angehängte Betriebe hat und so alle Schüler übernehmen kann. Besondere Unterstützung gibt es hier auch für geistig und körperlich Behinderte sowie für die aus der Zeit der LRA übrig gebliebenen Kindersoldaten, die schwer traumatisiert sind. Bruder Konrad berichtete, dass es sehr problematisch sei, die ehemaligen Kindersoldaten in die Schulalltag einzugliedern und, dass es an psychologischer Betreuung mangle. Die Schule wurde weitesgehend mit Hilfe von Spenden aus Italien und Deutschland aufgebaut, gerade die zahlreichen Maschinen wurden importiert, aber mittlerweile finanziert sie sich durch Schulgebühren und Aufträge fast ausschließlich selbst.
Danach lernten wir noch die Mitbrüder von Konrad kennen und trafen Bruder Hans- Dieter Ritterbecks, den wir im Laufe der Vorbereitung in Ellwangen kennengelernt hatten, per Zufall ebenfalls an. So verbrachten wir noch eine schöne Zeit mit den Missionaren in Layibi und sahen bei dieser Gelegenheit auch das Hauptversammlungshaus der Combonis in Uganda, was wunderschön angelegt und gepflegt hinter der Berufsschule steht.

Bunte Perlen und Stoffe

Im Anschluss fuhren wir auf Rat von Bruder Konrad noch zu den Comboni Samaritans of Gulu. Dies ist eine Berufsstätte für behinderte Menschen, HIV/AIDS Erkrankte und benachteiligte Erwachsene. Dort wird jede Menge kunstvolle Handarbeit hergestellt. Einen Großteil davon machen Textilien aus, es wird gestrickt, genäht, gefärbt, gewebt und bedruckt. Außerdem werden alte Werbeplakate zu Schmuck verarbeitet und aus Bananenblättern werden Taschen und Postkarten hergestellt. Das haben wir gleich mal ausgenutzt, um den angehängten Shop leer zu räumen.
Leider konnten wir nicht mit der zuständigen Comboni Schwester sprechen, aber wir erkundeten das Gelände auf eigene Faust und trafen einen Lagermitarbeiter, der uns erklärte, dass die Arbeiter und Arbeiterinnen hier ein festes Gehalt bekämen und Sozialarbeiter diese aus den umliegenden Gemeinden holten, um ihnen eine Perspektive statt Arbeitslosigkeit zu bieten.

Dieser Tag in Gulu war voller Eindrücke und Erlebnisse, die mir wieder einmal vor Augen führten, welch großartige Arbeit die Combonis hier in Uganda leisten und wieviel Hoffnung und Möglichkeiten sie mit sich bringen.

So kam auch das Ende unserer Tage in Gulu und schweren Herzens verabschiedeten wir uns von Sister Katherine bevor wir in den Bus nach Moyo stiegen.

Moyo- Palorinya- Die Grenze zum Südsudan

Nach einer mal wieder ziemlich anstrengenden Busfahrt (ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, wie das ohne Panne klappen konnte) kamen wir in Moyo an, wo wir von Bruder Fafa in Empfang genommen wurden. Fafa ist ein Comboni Missionar, der ebenso wie unser Mentor Stan aus Togo stammt. Bruder Fafa, Bruder Erich Fischschnaller (aus Schwaben) sowie Father Jesus (Mexiko) und Father Martin (Spanien) sind im Februar 2017 aus ihrer Gemeinde im Südsudan geflohen, nachdem die politische Situation für sie selbst zu gefährlich wurde. Der Sudan ist schon lange Zeit ein Krisengebiet und viele Menschen haben sich nach der Unabhängigkeit des Südsudans 2011 eine Besserung versprochen. Doch seit 2013 bekämpfen sich die Regierungspartei und die Opposition aufgrund der Machtverteilung und Besitztümer der Ölvorkommen und obwohl 2015 ein Friedensvertrag unterschrieben wurde, herrscht ein Bürgerkrieg unermesslichen Ausmaßes. Da im Südsudan seit Februar 2017 eine Dürre vorherrscht, ist außerdem über die Hälfte der Bevölkerung von einer großen Hungersnot bedroht und auf zugeteilte Nahrung angewiesen, mehr als eine Millionen Jungen und Mädchen sind akut unterernährt. Aus dem Südsudan sind bereits 2,5 Millionen Menschen in die Nachbarländer geflohen sowie weitere 2 Millionen, die im Land selbst fliehen mussten. Somit ist ein Drittel der Bevölkerung entwurzelt. Uganda hat davon 1,4 Millionen Flüchtlinge aufgenommen. Im Südsudan treffen also Krieg und Hungersnot zusammen und treiben die Menschen in die Flucht.

Gemeinsam mit den Menschen ihrer Gemeinde und den Katechisten haben Bruder Fafa und Bruder Erich eine traumatisierende Flucht erleben müssen. Nach und nach haben sie ihr Hab und Gut aus dem Haus im Südsudan nach Moyo gebracht, die Fahrt über die Grenze ist stets gefährlich, Fafa kündigt sich vorher bei den Grenzsoldaten an und klärt alles gut ab. Zum Glück haben die Brüder wichtige Kontakte vor Ort, die ihnen dabei helfen alles über die Grenze zu transportieren. Ihr Haus wurde geplündert, die Soldaten und Rebellen klauen und zerstören alles. Jetzt bauen sie sich in Palorinya, nahe des Flüchtlingscamps, ein neues Leben auf. Natürlich hoffen alle bald in den Südsudan zurückkehren zu können, aber das wird nach Einschätzung Fafas wohl noch mehr als fünf Jahre dauern. Deshalb bauen sie gerade eine Unterkunft für die Comboni- Missionare. Dazu gehört auch ein großes Landwirtschaftsprojekt, mit Kühen, Schweinen, Ziegen, Hasen, Hühnern und Feldern. An diesem Projekt arbeiten viele gut ausgebildete Südsudanesen mit, die Fafa mit dieser Arbeit unterstützt, damit sie ihre Traumata überwinden können. Bruder Fafa erklärte uns, dass es im Camp an psychologischer Hilfe mangelt und deshalb eine sinnvolle Aufgabe und tägliche Beschäftigung die beste Chance sei, um das Erlebte zu verarbeiten. Fafa kümmerte sich sehr liebevoll um seine zwei Gäste und zeigte uns voller Energie sein Projekt. Er selbst hat das Haus mitkonstruiert und beaufsichtigt täglich den Bau.
Außerdem durften wir die ebenfalls geflohenen Comboni Schwestern kennenlernen. Diese engagieren sich stark und setzen sich vor allem für die geflüchteten Frauen ein, indem sie diesen Mikrokredite bereitstellen, um ein eigenes Geschäft wie zum Beispiel einen Lebensmittelladen, einen Frisörsalon oder ähnliches aufzubauen. All diese Initiativen werden geleistet, obwohl die Flüchtlinge keine Arbeitserlaubnis haben. Es ist allerdings der einzige Weg, sich eine eigene Existenz aufzubauen und kleines Geld zu verdienen. Außerdem finanzieren sie mit Hilfe ausländischer Sponsoren für viele der Mädchen eine gute Schulausbildung.
Generell sind die Möglichkeiten für die Kinder zur Schule zu gehen gut, jedes Kind kann eine Schule besuchen. Allerdings sind die Schulen so überfüllt und es gibt Platz- und Lehrermangel, sodass die eine Hälfte der SchülerInnen am Vormittag unterricht wird und die andere Hälfte erst am Nachmittag kommt und bis zum Abend Unterricht hat.
Bruder Fafa zeigte uns mit dem Auto das riesige Flüchtlingscamp Palorinya und am Sonntag feierten wir gemeinsam mit Father Martin eine schöne Messe in einer improvisierten Kirche aus Holzstöcken und zerrissenen Planen. Die Kirche war sehr gut besucht, es gab einen Chor und die Katechisten begleiteten den Gesang mit der Trommel. Eigentlich war die Messe auf Englisch. Allerdings wurden die Gebete auf Arabisch gesprochen und die Predigt hielt Father Martin dann auf Englisch.  Drei Gemeindemitglieder übersetzten seine Worte dann auf Sudanesisch-Arabisch, Dschuba-Arabisch und Madi (Sprache in der Grenzregion Uganda-Südsudan). Das machte es zwar auf der einen Seite etwas schwer der Predigt zu folgen, war aber auf der anderen Seite ein ganz außergewöhnliches Erlebnis. So werden die Hoffnung bringenden Worte des Priesters an alle weitergegeben.

Die Fahrt durch das Camp beeindruckte mich nachhaltig. Jedem Flüchtling, der in der Erstaufnahmestation ankommt, wird mit seiner Familie ein Stück Land zuteil, dass er bebauen darf. Dazu werden ihm die nötigen Materialien für ein Haus sowie einige Samen beispielsweise für den Maisanbau zugeteilt.  Inzwischen hat Palorinya ein richtiges Stadtzentrum entwickelt, in dem es allerlei Läden, eine KfZ-Werkstatt und Krankenhäuser gibt. Das Camp ist also wie eine eigene Stadt etwas außerhalb von Moyo und ist so groß, dass über 200.000 Menschen darin Platz finden.
Die Ugander haben also große Teile ihres Landes abgegeben, damit sich die Südsudanesen ein neues Leben hier aufbauen können. Außerdem hat Fafa uns berichtet, dass die Ugander die Südsudanesen sehr gut aufgenommen haben und er weder mit Auseinandersetzungen im Camp noch mit Auseinandersetzungen zwischen Ugandern und Südsudanesen Probleme hat. Rund 76,8% der Flüchtlinge sind Christen ( 21% Naturreligionen, 2,2% Muslime), was das friedliche Zusammenleben im Camp begünstigt, da es so kaum religiöse Auseinandersetzungen gibt. Und alle vereint die starke Hoffnung, dass sie bald wieder in ihre Heimat zurückkehren können.
Erschreckend waren die langen Schlangen an den Wasserpumpen. Über 200 der großen Kanister standen dort und warteten darauf gefüllt zu werden. Den Menschen mangelt es also an Wasser, vor allem weil es wenig regnet. Wenn der Regen kommt, bringt er allerdings auch große Probleme für die Menschen mit, deren Häuser noch nicht befestigt sind, da sie unterspült und weggeschwemmt werden. Dann sind die Straßen nicht mehr befahrbar und die Helfer können kein sauberes Wasser in die Wassertanks bringen und auch andere Hilfsgüter bleiben aus. Zudem kann kein Feuer gemacht werden um Wasser oder Essen zu kochen und die Leute müssen dreckiges Regenwasser trinken, weshalb sich Krankheitserreger sehr schnell verbreiten können.

Bruder Fafa würde sich sehr über finanzielle Unterstützung freuen, die unter anderem der Wasserversorgung im Camp zu gute kommt! Wenn ihr etwas spezielles unterstützen möchtet, könnt ihr das natürlich auch auf Englisch im Verwendungszweck angeben. Der Bankaccount ist:

Bank: Stanbic Bank
Kontobezeichnung: Comboni Missionaries Moyo
Kontonummer: 9030014148298
SWIFT Adresse: SBICUGKX

Wir verbrachten sehr schöne, lehrreiche und beeindruckende Tage bei Bruder Fafa in Moyo, die uns für immer im Gedächtnis bleiben werden.

Gretas 19. Geburtstag in Alenga

Am 14. Mai wurde Greta zarte 19 Jahre alt. Das hatten die Schwestern und Priester mit der Zeit auch irgendwie (durch meine super Initiative!) rausbekommen und so wurde es ein richtig schöner Tag. Gestartet haben Greta und ich mit einem ausgiebigen Frühstück. Ich hatte die Küche extra heimlich in der Nacht mit sehr viel Liebe dekoriert und wir genossen Toast, Spiegeleier und was es so gab. Während des Frühstücks kamen schon Babra, Sharon und Morine vorbei und sangen Greta ein kleines Ständchen. Die drei Mädchen sind während der Ferien im Konvent untergekommen. Während Babra und Sharon Schülerinnen, der Näherinnenschule sind, die sich zu Hause nicht wohl fühlen und gebeten haben über die Ferien bei den Schwestern leben zu dürfen, ist Morine noch etwas jünger und geht auf die Apele P/S, über die wir auch schon berichtet haben. Sie wohnt schon seit zwei Jahren bei den Schwestern und nennt alle drei auch ganz frei Mama, was total niedlich ist. Jedenfalls sangen die Drei Greta ein wunderbares Happy Birthday und überreichten frisch aus dem Garten gepflückte Blumen.
Danach kam dann der etwas unerfreuliche Teil des Tages: Wir mussten die ganzen Gästezimmer putzen. Fegen, wischen und nochmal wischen. Mit Musik und viel Hilfe der drei Mädchen war die Putzaktion dann doch nicht so schlecht und weil wir ja schließlich für unsere Eltern wischten, ließ es sich erst recht aushalten. Die Vorfreude stieg nämlich täglich sehr, auch wenn ich es gar nicht realisieren konnte, dass sie in wenigen Tagen in Uganda sein würden.
Am Abend gab es dann ein kleines Fest gemeinsam mit den Schwestern und Priestern. Sister Evaline, Sister Anne  und Ich hatten vorher einen kleinen Tanz für Greta einstudiert und es gab leckeren Kuchen! Glücklich und erschöpft nach der langen Putzaction fielen wir am Abend ins Bett.

Apwoyo kwano! Vielen Dank fürs Lesen und viel Spaß beim nächsten Artikel, in dem ich vom Besuch unserer Eltern berichten werde.

Liebe Grüße,
Eure Francesca

Schlafsaal, HIV und ein Jubiläum

Hallo meine Lieben,

es ist einiges passiert seit wir im Februar mit dem ersten Schulsemester 2018 begonnen haben. Am 27. April sind die Mädchen nach Hause gefahren bzw. gegangen und wir haben uns für die kommenden drei Wochen voneinander verabschiedet. Die meisten haben sich sehr auf die Ferien und auf zu Hause gefreut, einige wenige jedoch haben keine Möglichkeit nach Hause zu fahren oder haben sich vor zu Hause aufgrund schwieriger Familiensituationen gefürchtet, sodass in den Ferien zwei Schülerinnen im Konvent der Schwestern bleiben und für sie Gartenarbeiten etc. verrichten. Im Gegenzug dürfen sie umsonst hier schlafen und essen und haben ein gut behütetes Umfeld.

Schlafsaal
Als Erstes möchte ich euch ein Update in Bezug auf den Bau des Schlafsaals geben, denn seit ihr das letzte Mal Fotos gesehen habt, ist es gut voran gekommen und das Dach ist drauf. Leider ging es in den letzten zwei Wochen langsamer voran, denn der Preis für den Zement ist in die Höhe geschossen und pro Sack waren es fast 4 Euro mehr als zu Beginn berechnet.
Das war wohl die Folge einiger Anschaffungen in den Zementfabriken, laut der Aussagen der Bauarbeiter gibt es neue Maschinen zum Zement mischen und insgesamt wird sich dadurch eine Senkung des Preises versprochen. Wie auch immer, in der zweiten Maiwoche werden die Bauarbeitet hoffentlich weiter machen und wir wieder neue Fortschritte erkennen können.
Nach wie vor sammeln wir weitere Spenden für die Innenausstattung des Schlafsaals, denn wir möchten den Schülerinnen gerne Stockbetten und Moskitonetze sowie Kleiderhaken und ähnliches zur Verfügung stellen. Also wenn ihr wen kennt, der noch wen kennt, der sich gerne hier in Alenga für junge Mädchen engagieren möchte, meldet euch doch gerne! Euch allen, meinen fleißigen Leserinnen und Lesern, möchte ich jetzt auch für euer Interesse, euer Engagement und eure Unterstützung danken! Ich habe nicht erwartet, dass ich von so vielen Menschen aus der Heimat Rückmeldung und Hilfe bekomme und es ist ein schönes Gefühl zu wissen, dass ihr an mich denkt.

Die folgenden Fotos sprechen für sich sich:

HIV, AIDS und der weiblichen Zyklus
Außerdem habe ich euch im letzten Blogeintrag ja von unseren Extrastunden mit den Schülerinnen erzählt, in denen wir zunächst Geographie und ein bisschen Geschichte behandelt haben. Nun sind wir dazu übergegangen über HIV und AIDS zu sprechen. Im Vorfeld waren wir uns unsicher inwiefern wir über Kondome als Schutz vor Geschlechtskrankheiten sprechen dürfen, da die Schule in katholischer Trägerschaft ist und es im örtlichen Health Centre, das ebenfalls in katholischer Trägerschaft ist, auch keine Kondome gibt. Die dafür von USAID angebrachten Kästen sind stets leer. Generell erfahre ich hier im Austausch mit den Schwestern und einigen der Priestern einen konservativen Katholizismus. Doch man kann so etwas nicht generalisieren und unser Mentor Fr. Stan, der Gemeindepriester Alengas, war begeistert von unserer Idee mit den Mädchen über HIV und AIDS zu sprechen und gab uns den Segen dafür, Kondome als Schutz zu besprechen. Am Ende des Gesprächs lachte er und sagte: „Glaubt nicht, dass nur ihr den Mädchen etwas beibringen werdet. Sie werden euch mit den lokalen Sichtweisen sicherlich auch belehren.“.

Stan sollte Recht behalten. Nachdem wir mit der wohl einfachsten Frage, wofür die beiden Abkürzungen HIV und AIDS denn eigentlich stehen – na, weiß das jeder von euch? – begonnen hatten, erklärten wir die möglichen Übertragungswege und die dafür jeweils verantwortlichen hochinfektiösen Körperflüssigkeiten. Während die große Mehrheit genau wusste, wofür die Abkürzungen stehen, brach bei den Erklärungen zum ersten Mal großes Gelächter aus. Wir machten weiter mit dem Vorkommen von HIV in Uganda, hier sind ca. 1,5 Millionen Menschen infiziert, wobei mit einer großen Dunkelziffer zu rechnen ist. Davon sind 150.000 unter 14 Jahre alt. Der Präsident Ugandas, Yoweri Museveni, hat sich vor einiger Zeit erfolgreich dafür eingesetzt, die Infektionsrate von HIV zu verringern. Mittlerweile jedoch ist die Rate wieder angestiegen und trotz kostenloser Tests, Behandlung und Medikamente kennen viele ihren HIV-Status nicht (ähnlich wie in Deutschland, wo die HIV-Rate übrigens auch steigt statt sinkt…).

Weiter haben Greta und ich dann versucht Ratschläge zu geben wie man sich am besten vor HIV schützen kann und bestmögliche Verhaltensweisen, wenn man positiv getestet wurde. Ausschlaggebend war für uns, den Mädchen zu vermitteln, dass sie ihren Freund zunächst nach seinem HIV-Status befragen und auch den Eigenen testen ohne sich zu schämen oder Angst zu haben. Außerdem versuchten wir klar zu machen wie wichtig Kondome in Bezug auf jegliche Geschlechtskrankheiten sind und, dass sie den Männern nicht glauben sollten, wenn diese behaupten negativ zu sein, die Übertragung von HI-Viren durch ihr jeweiliges Verhalten zu vermeiden oder Kondome generell ablehnen.

Im Anschluss ließen wir Zeit für Fragen, denn schon während unserer Erläuterungen merkten wir, dass die Mädchen z.T. deutlich andere Vorstellungen und vor allem allerlei Fragen an uns hatten. Das war der Moment, der mich schockierte und mir vor Augen führte welch ein Glück ich habe, dass ich so gut aufgeklärt wurde, mit meinen Eltern und Lehrern offen über diese Themen sprechen konnte und das Internet als Antwort auf Fragen jeder Art nutzen kann. Die Mädchen erzählten mir, dass sie es erkennen würden, wenn jemand an AIDS erkrankt sei, denn die Farbe der Lippen würde sich verändern und dieses Erkennen genüge als Schutz. Weiter ging es damit, dass der Bruder eines Mädchens ihr erzählt habe, dass man bis zum 18. Lebensjahr das erste Mal gehabt haben müsse, ansonsten würde die Vagina der Frau zu klein werden und man könne niemals mit einem Mann schlafen. Ich wurde außerdem gefragt, ob es stimmen würde, dass Männer sterben würden, wenn man ihnen nicht, wann immer sie es wünschen, sexuelle Befriedigung gibt. Ich versuchte nach bestem Wissen souverän auf diese Fragen zu antworten. Davon abgesehen wurde ich auch viel über den weiblichen Zyklus gefragt, warum nur Frauen ihre Blutungen bekommen, warum das Ganze manchmal mit Schmerzen verbunden ist und so weiter. Demnach kamen wir auf die Idee, in der nächsten Stunde über das weibliche Geschlechtsorgan, den Zyklus und unterschiedliche Verhütungsmethoden bzw. Familienplanung zu sprechen. Anhand des Plakates könnt ihr sehen, dass wir den Verlauf des Zyklus erklärt haben, einmal im „Normallfall“ (unbefruchtet) und einmal mit befruchteter Eizelle. Außerdem zeigten wir anhand einiger Bilder die prenatale Entwicklung von der Zelle zum Baby. Gerade beim Ultraschallbild staunten sie sehr und erkannten den Fötus nicht. Im Anschluss führten wir die Benutzung eines Kondoms an einer Karotte vor, was zur allgemeinen Erheiterung führte, aber auch sichtbar das Interesse weckte. Abgesehen vom Kondom stellten wir auch weitere Verhütungsmethoden wie z.B. die Anti-Baby-Pille, die Drei-Monats-Spritze und die Spirale vor, die alle vor Ort in den staattlichen Krankenstationen erhältlich und größtenteils umsonst sind. Der Staat stellt diese Dinge unter dem Oberbegriff „Family Planning“ frei zur Verfügung, um die Fertilitätsrate von 5,6 (bei uns in der ruralen Gegend liegt sie eher bei 7) zu senken, da die Bevölkerung zu schnell wächst. Vergleicht man den Altersdurchschnitt zwischen Uganda und Deutschland, stellt man schnell fest, dass die Ugander eine besonders junge Bevölkerung sind, eine Studie im Jahr 2005 hat Uganda als jüngstes Land hervorgehoben. In Deutschland liegt der Altersdurchschnitt bei 42,1 Jahren, während er in Uganda bei 14,8 Jahren liegt. Die Hälfte aller Ugander ist 16 Jahre oder jünger, während die Hälfte der Deutschen jünger als 47 Jahre ist.
Im Anschluss stellten die Mädchen uns wieder interessante Fragen, beispielsweise ob man als Frau sterben würde, wenn das Kondom in der Vagina stecken bleiben würde oder wie oft man ein Kondom benutzen könne. Als wir diese Frage in die Klasse zurück gaben, erhielten wir als Antwort „10 Mal!!“, was wir natürlich schnell richtig stellten.

Nach den Ferien werden wir mit diesen Themen weitermachen, wer noch Ideen und Anregungen hat, darf sich jederzeit gerne melden!

Golden Jubilee – 50 Jahre Diözese Lira
Das Jahr 2018 ist das goldene Jubiläum unserer Diözese Lira, hier in Nordwest Uganda. Dafür reist der Bischof von Gemeinde zu Gemeinde um diesen Anlass ausgiebig zu feiern. Wir merkten hier schon Wochen zuvor die Aufregung über das anstehende Ereignis. So begannen wir vier Wochen vor dem 15. April schon mit den Chorproben. Dabei waren wir viele Sängerinnen und Sänger aus der ganzen Gemeinde und hatten sogar einen richtigen Chorleiter. Dieser war sehr ambitioniert und bemüht, dass der Chor einen exzellenten Auftritt abliefern wird, was ihm nicht nur Sympathiepunkte unter uns Mitgliedern einbrachte. Aber das viele Üben (bis zu sieben Stunden am Tag), die zahlreichen Vorbereitungen und Meetings haben sich gelohnt. Der Bischof wurde herzlich in Empfang genommen, das Gelände war wunderbar geschmückt, alle hatten sich fein rausgeputzt und sogar wichtige Politiker waren in unser kleines Dorf gekommen, um an der Spendensammlung teilzunehmen. Während der Messe wurde der Bischof mit Geschenken überhäuft, er bekam sechs Wassermelonen, hunderte Avocados und Bananen sowie Ziegen, Hühner und allerlei anderes. Die Christen Alengas haben mit Jubel, Tanz und Großzügigkeit ihre Dankbarkeit gegenüber dem italienischen Bischof Franzelli ausgedrückt. Dabei kam sogar der hochrespektierte König der Langi und hielt eine längere Rede über die Wahrung der Kultur. Um das Programm bunt zu gestalten, haben Artisten, die Frauengilde, unsere Schülerinnen und die Jugend der Charismatischen Christen jeweils etwas aufgeführt, gesungen und getanzt.  Im Anschluss gab es, wie bei jedem Fest hier, ein riesiges Festmahl, das leider nicht für die zahlreichen Besucher gereicht hat, so dass am Ende einige Kinder leer ausgingen. Dann halfen wir ganz schnell wieder beim Abbau der Festzelte und einige Stunden nach Ende des Festes, sah es auch schon wieder aus wie immer.

Fingerabdrücke in Alenga hinterlassen
Vergangene Woche haben Greta und ich unsere kreative Ader ausgelassen. Dabei gestalteten wir ein Freiwilligenbord, auf dem wir uns mit unseren Fingerabdrücke verewigt haben. Die Bedeutung ist sehr symbolisch zu betrachten: Die Pusteblumen stehen für uns Freiwillige (Greta und ich sind bereits Nummer 5 und 6 der Freiwilligen in Alenga), die hier jeweils eine neue Heimat gefunden haben, sich selbst verwirklichen können und ihre Samenschirme in die Welt tragen möchten, welche wiederum Blüten tragen werden. Die Samen sind unsere Fingerabdrücke, da jeder seine individuellen Spuren hinterlässt. Nun fehlen nur noch  unsere Fotos, dann ist das Freiwilligenbrett komplett.

Ihr Lieben, das war es auch schon wieder von mir. Morgen brechen wir in den Norden Ugandas auf. Dabei werden wir nach Gulu und Moyo reisen, einige Schwestern besuchen und gemeinsam mit zwei Comboni Brüdern das größte Flüchtlingscamp der Welt in Moyo besuchen. Wir freuen uns auf diese Erfahrungen sehr und werden anschließend berichten.

Herzliche Grüße

Eure Francesca

Den eigenen Horizont erweitern (Teil 1)

Liebe Leserinnen und Leser,

mit der Zeit bin ich das wirklich: Eingetaucht, Abgetaucht in die Kultur der Langi hier in Alenga. Dennoch wird man eigentlich täglich mit kulturellen Unterschieden konfrontiert, wir haben unseren voll gepackten kulturellen Rucksack eben stets dabei und tragen ihn manchmal gern, manchmal ungern mit uns herum. Heute möchte ich euch gerne einen kurzen Einblick in die Kultur dieser kleinen Volksgruppe (6% der Ugander gehören zu den Langi) geben. Leider verstehe ich auch nach einiger Zeit hier noch immer nicht alles, dafür ist die sprachliche Barriere zu groß. Dennoch ist mir an vielen Stellen etwas aufgefallen, an das ich mich nun schon gewöhnt habe. Einige Verhaltensweisen habe ich sogar angenommen. Also gut, ich möchte starten mit einem Einblick in das allseits bekannte und in den Augen mancher platt diskutierte Thema Zeit:

Das Zeitverständnis – Morgenmuffel, nein danke!
Samstag Morgen, gegen halb 10 ein gemütliches Familienfrühstück, die Kinder noch im Schlafanzug, die Eltern in ihre Zeitung vertieft und alle sind glücklich darüber, dass sie heute mal wieder so richtig ausschlafen konnten… Nein, das würde wohl allen hier in Alenga sehr komisch und skuril vorkommen.
Hier läuft es eher so: Samstags wird um 6 Uhr aufgestanden und nach einer kurzen Katzenwäsche und eventuell einer Kleinigkeit zu Essen macht sich die ganze Familie auf, um im Garten zu arbeiten. Dann wird gesäht, gegraben, umgegraben, geerntet, bewässert und körperlich richtig hart gearbeitet. Wenn es mittags richtig heiß wird, kehren sie heim und essen zu Mittag, ruhen sich aus oder erledigen kleinere Arbeiten im Haus, waschen und putzen. Nachmittags geht es nochmal in den Garten oder vielleicht auf den Markt im nahe gelegenen Ort Ibuje entweder zum Verkaufen oder zum Einkaufen von selbstangebauter Ware.
Richtig ausschlafen und sich erholen, das ist wenn man bis 7 Uhr geschlafen hat und danach nicht in den Garten musste, sondern direkt damit beginnen konnte z.B. Erdnüsse zu schälen und zu rösten.
Mein Körper hat sich seit ich in Alenga lebe zwar umgestellt, ich wache eigentlich täglich mit der Sonne auf, aber dann kann ich mich auch gut nochmal kurz umdrehen und weiter dösen. Eine Anpassung an das Frühaufstehen kommt fast automatisch, da wir mit Schwestern zusammenleben, die jeden Tag um halb 7 zum Morgengebet aufbrechen, und die Schülerinnen auch täglich um viertel vor 7 in die Messe gehen. Wenn man erst gegen 9 Uhr morgens das Haus verlässt, heißt es gleich: „You were lost! Why?“. Daran sieht man auch, dass es hier überhaupt nicht üblich ist Zeit im Haus zu verbringen. Während man in Deutschland viele Arbeiten auch im Haus verrichten kann und oft viel Zeit drinnen verbringt, nutzen die Langi ihr Haus hier auf dem Dorf weitestgehend zum Schlafen und ein anderes zum Kochen. Ansonsten werden alle Arbeiten draußen verrichtet.

Was ich zugeben muss: ich freue mich wieder auf ein gemütliches Frühstück am Samstagmorgen im Schlafanzug!!

Die Uhr in Ostafrika
Wenn ich 10 Uhr morgens sage, meine ich auch 10 Uhr morgens. Jaaa, schön wärs. Das klappt auf der einen Seite nicht, weil niemand pünktlich da sein würde und auf der anderen Seite nicht, weil die Uhr auf Swahili und auf Lango anders gelesen wird. 7 Uhr morgens ist auf Lango nämlich „cawa acel“ (die erste Stunde). Von dort an wird dann bis 12 gezählt und 7 Uhr abends ist dann wieder die erste Stunde. Leicht verwirrend, so etwas habe ich in Deutschland noch nie gehört. Aber wenn man sich auf Englisch unterhält, benutzen alle das britische a.m und p.m. und meinen dann auch 10 Uhr morgens, wenn sie 10 Uhr morgens sagen. Da wäre dann nur noch die Pünktlichkeit…
Wie wir in unserem Osterartikel schon beschrieben haben, passt das Sprichwort „Die Europäer haben Uhren, die Afrikaner haben die Zeit“ hier oft wirklich. Wenn eine Chorprobe auf 4 Uhr nachmittags angesetzt ist, sollte man frühestens zwei Stunden später mal schauen, ob die ersten schon eingetrudelt sind. Dann wird natürlich auch nicht mit den wenigen, die da sind, begonnen, sondern sich lieber noch unterhalten und Witze gemacht, bis dann irgendwann genug da sind, um zu beginnen oder aber es fällt aus, weil einfach nicht alle gekommen sind.
Natürlich ist das Thema der Pünktlichkeit in Afrika ein großes Klischee, aber für uns hat es sich hier häufig bestätigt. Unsere Arbeitsstellen sind perfekte Beispiele dafür, dass es zweierlei Einstellungen gibt: Während bei mir der offizielle Arbeitsbeginn 8 Uhr ist, aber alle erst gegen halb 10 gemütlich eintrudeln, beginnen Gretas Unterrichtsstunden um halb 9 und keine Minute später. Die Lehrer sind immer schon früh morgens in der Schule und achten sehr genau darauf, dass pünktlich begonnen wird. Mittlerweile haben sich auch alle Schülerinnen daran gewöhnt, dass sie pünktlich im Klassenraum sitzen müssen. Zu Beginn konnte Greta deutlich merken, dass ihnen das schwer fiel.

Hexerei – die Lösung für alles
Dieses Thema war wirklich völlig neu für uns. Die Langi neigen dazu jegliche Ereignisse, die ihnen komisch vorkommen, mit dem Satz „That was witchcraft!“ -> „Das war Hexerei“ abzutun.
So muss zum Beispiel bei der Heirat gut aufgepasst werden, dass man sich nicht mit einer Hexerfamilie verbündet. Als wir eine Freundin auf dieses Thema ansprachen, sagte sie uns, dass diese Familien dann alles Böse auf dich übertragen könnten. Wenn man ihn einem Konflikt mit ihnen stünde oder sie eine persönliche Abneigung gegen jemanden hätten, käme es nicht selten vor, dass sie diese Person vergiften oder verhexten, sodass diese am nächsten Tag schwerst krank oder gar tot sei.
Außerdem erzählte unsere Freundin Grace uns, dass sie in Kampala mithilfe von Hexerei ausgeraubt wurde. Jemand fragte sie auf der Straße, ob sie ihm Geld wechseln könne. Das tat sie. Einige Minuten später wollte sie an der Ladenkasse bezahlen und fand in ihrer Tasche statt Geld nur Zeitschriften. Ihre Erklärung: Die Frau hatte einen Hexentrank auf das getauschte Geld geschmiert und so das Geld aus ihrer Tasche gehext und die Zeitschriften hinein. Falls jetzt jemand denkt, dass ich scherze: Nein, das ist mein Ernst. Die Leute glauben fest an die Hexerei und es sind dann auch keine Vermutungen,  sondern es heißt stets „Ich weiß, dass diese Person mich verhexen wollte…“.
Einer meiner Kollegen hat mir auf diese Weise auch erklärt, wie es hier in Uganda zu psychischen Krankheiten komme: Es gäbe Dämonen, die nachts auf die Terrasse kommen, laut schreien und tanzen. Der Betroffene winde sich dann im Schlaf, versuche sich zu wehren, schaffe es aber nicht und dann übernehme der Dämon den Geist des Betroffenen. Außerdem kann es auch passieren, dass dich deine Nachbarn verhexen, weil sie z.B. neidisch auf dein Geld sind, und du dann dadurch verrückt wirst. Deshalb war sich mein Kollege auch sicher, dass es in Deutschland keine psychischen Krankheiten gäbe, weil es dort ja keine Dämonen geben könne.
Es ist für mich unfassbar wie sehr der Glauben an Hexerei verwurzelt ist und ständig als Erklärung verwendet wird.

 

Die Subsistenzwirtschaft und der Alkoholismus – Gehen sie Hand in Hand?
80% der Ugander sind in der Landwirtschaft tätig. Deren Anteil am Bruttoinlandsprodukt liegt bei rund 40 %. Die fruchtbaren vulkanischen Böden vielerorts sichern gute Ernten. Doch gerade momentan bleibt in Alenga trotz der Regenzeit der Regen aus und die Bauern müssen die Auswirkungen der Erderwärmung schmerzlich spüren. Freunde erzählten uns, dass sie bis vor zwei Jahren keinen Nieselregen gekannt hätten. Doch mittlerweile sind die Folgen der Erderwärmung so gravierend, dass viele schlechtere Ernten haben als zuvor.

Fast alle Bauern bauen nur für den eigenen Bedarf an (Subsistenzwirtschaft). Die Hauptanbaufrüchte sind Kochbananen (Matooke), Reis, Cassava und Bohnen.

Wichtigste Exportprodukte Ugandas sind Kaffee, Baumwolle, Tabak und Tee. Bekannt unter dem Namen „Victoriasee-Barsch“ ist an den europäischen Fischtheken außerdem der Tilapia.

Hier in der ruralen Gegend Alengas ist die Subsistenzwirtschaft nicht nur weit verbreitet, sondern Teil jedes Haushaltes. Wir kennen niemanden hier, der keinen eigenen Garten hat und dort Essen für sich und seine Familie anbaut. Da wird dann auch zwischen Familienmitglieder hin und her getauscht, Süßkartoffeln gegen Cassava etc.. Bei manchen bleibt im Garten etwas übrig. Dann verkaufen sie es auf dem Markt oder einfach in der Nachbarschaft. Daraus folgt, was ich ganz wunderbar finde, dass man bei fast allen Produkten weiß, wo sie herkommen, wer sie angebaut hat und, dass der Einkauf die lokale Produktion unterstützt. Dieses Bewusstsein wird mich bei meinen zukünftigen Lebensmitteleinkäufen in Deutschland begleiten. Wieso nicht den Apfel kaufen, der vielleicht zweite Klasse ist, aber aus dem Landkreis kommt, statt einen Apfel, der aus Brasilien eingeflogen wurde? So trägt man zur geringeren Umweltverschmutzung bei, unter der unsere Erde leiden muss.
Viele der Männer und Frauen hier sind also Bauern. Sie arbeiten täglich hart und was an Geld am Ende übrig bleibt, ist oft wenig. Da kommen dann Probleme auf, z.B. wie die Schulgebühren für die Kinder bezahlt werden können oder die Gebühren im Krankenhaus. Gerade in Bezug auf die medizinische Versorgung spürt man, dass die Menschen hier auf das Arbeiten im Feld angewiesen sind. Wenn es in der Nacht geregnet hat, weiß ich schon, dass wir heute nur wenige Patienten haben werden, da diese sich dann zunächst um ihren Garten kümmern müssen, bevor sie ins Krankenhaus kommen können. Auch Schwangere arbeiten oft bis kurz vor der Geburt sowie direkt nach der Geburt wieder und verpassen deshalb auch einige der Vorsorgetermine. Wenn ich die Hebamme Gloria frage, warum so viele Frauen eine Fehlgeburt oder Schmerzen im Bauch und Rücken haben, ist die Antwort meistens: weil sie zu viel arbeiten.
Wie man sieht, ist die Beschäftigung der Menschen hier sehr ähnlich. Manche haben natürlich einen größeren Garten und gleichzeitig noch einen anderen Job, so dass sie besser verdienen oder sich zumindest durch ein Nebenbusiness – wie beispielsweise unsere Freundin Anna, die durch das Brauen des Cassavaschnaps’ eine weitere Einnahmequelle hat – etwas dazu verdienen. Dennoch leben viele der Einwohner Alengas und der Dörfer der Umgebung an der Armutsgrenze. Das bringt nicht nur die oben genannten Probleme der fehlenden Schulgebühren für die Kinder, sondern noch zwei weitere: 1. Die Fortpflanzungsrate steigt, da es an anderen Freizeitbeschäftigungen fehlt (so hat Father Stan es uns erklärt). Abends wird es schon gegen sieben dunkel und dann haben die Leute kein Licht und natürlich auch keinen Fernseher oder ähnliches. 2. Der Alkoholkonsum der Männer steigt. Diese begeben sich oft abends ins Center (die „Stadtmitte“ Alengas mit kleinen Bars) und betrinken sich dort, bevor sie nachts völlig betrunken nach Hause kommen. Frauen sieht man dort eigentlich nie. Als verheiratete Frau gehört es sich nicht mehr auszugehen und auch vorher ist das in Alenga schwierig, da gerne Gerüchte verbreitet werden und man sehr auf seinen Ruf und den der Familie achten muss. Meine Kolleginnen können abends nie rausgehen und in der Öffentlichkeit ein Bier trinken oder im Center sitzen, da sie sonst in ihrem Job nicht mehr ernst genommen werden und einen schlechten Ruf bekommen. In kleineren Städten wie Apac aber, sei es durchaus üblich, dass unverheiratete Frauen abends auch in den Club oder eine Bar gingen, berichtete unsere Freundin Grace. Der hohe Alkoholkonsum der Langi-Männer wird häufig von den Schwestern oder anderen bemängelt. Hebamme Gloria z.B. kommt nicht aus dem Langi Gebiet und hat uns erzählt, dass sie niemals einen  Mann von hier heiraten würde aufgrund der Neigung zum zu viel trinken am Abend. Häufig hört man, wie die Leute in ihren Gesprächen bemängeln, dass dieser oder jener ein „drunko“ sei oder wie sie über die Kinder des „drunko“ reden. Nach meinem Gefühl, findet der Alkoholismus hier weniger versteckt statt, als ich es aus Deutschland von Alkoholikern kenne. Wenn man vormittags auf der Hauptstraße Richtung Ibuje läuft, kann es gut vorkommen, dass man einem völlig betrunkenen Mann mit Waragi (ugandischer Schnaps aus Cassava) in der Hand begegnet. Dieser Alkoholkonsum hat sicher noch weitere Ursprünge, abgesehen von der Frustration über die Armut und die Arbeitslosigkeit, aber dies scheint wohl oft ausschlaggebend. Abgesehen von der Arbeit auf dem Feld gibt es hier wenig Jobmöglichkeiten, man kann sein eigenes Geschäft als kleiner Lebensmittelhändlern oder als Schneiderin eröffnen, als  Krankenschwester in der lokalen Krankenstation arbeiten, aber dafür braucht man eben eine gute Schulausbildung, die mit Kosten verbunden ist und deshalb vielen hier fehlt. Uganda, das jüngste Land auf der Welt, mit 77%, die jünger als 30 Jahre sind, hat auch mit großer Landflucht zu kämpfen. Denn gut bezahlte Jobs, für die man eine bestimmte Ausbildung braucht, findet man nur in den Städten. Eine schockierende Zahl ist die Arbeitslosigkeitsrate der Jugend und jungen Erwachsenen: Sie liegt bei 83% für alle zwischen 15 und 25 Jahren.

Am Ende dieses Absatzes möchte ich Nelson Mandela zitieren, der einmal gesagt hat: „Education is the most powerful weapon to change this world.“.

Ihr Lieben, das war es auch schon wieder von mir. Ich freue mich über eure Kommentare zu dieser ersten Sammlung kultureller Eindrücke aus Alenga.  Ich kann euch schon jetzt versprechen, es wird bei Gelegenheit eine Fortsetzung geben.

Ganz liebe Grüße in die Heimat

Francesca

Uganda – Ein Kontinent mit 500 Einwohnern

Hallo ihr treuen LeserInnen,

heute möchte ich euch kurz von den zusätzlichen Unterrichtsstunden erzählen, die Greta und ich seit Februar am Freitagabend mit den Mädchen machen.

Schon seit Beginn meines Einsatzes in Alenga ist mir immer wieder – egal, ob in der Freizeit oder durch Gretas Erzählungen aus dem Unterricht – aufgefallen, dass die Schülerinnen große Lücken in Bezug auf Allgemeinwissen haben, das für mich selbstverständlich schien.
Beispiele dafür sind, dass sie keinerlei Vorstellung haben wie die Welt abgesehen von Uganda und seinen Nachbarländern aussieht oder, dass sie nicht wissen was eine Fähre ist und wofür sie verwendet werden kann. Das trifft natürlich nicht auf alle zu, sondern variiert von Person zu Person und den unterschiedlichen Stufen der Schulausbildung.
Aber da in der Berufsschule auch Mädchen sind, die nur vier Jahre lang die Grundschule besucht haben, fallen große Lücken schnell auf. Generell empfinde ich, dass ein Vorstellungsvermögen für all das fehlt, was hinter Alenga und der nächsten Großstadt Lira in der Welt alles kommt.
In Deutschland hatte ich das Privileg, theoretische Erkenntnisse beispielsweise über Geographie in der Schule zu gewinnen und die dann praktisch durch Reisen in andere Länder, sogar auf andere Kontinente zu vertiefen. Das – was für viele Deutsche zum Leben dazu gehört – scheint für die Schülerinnen hier in Alenga unerreichbar und wie ein weit entfernter Traum.
Dennoch haben Greta und ich beschlossen: Die grundlegende Theorie können wir liefern und mit Spiel und Spaß interessant gestalten.

Also begannen wir mit einer ganz generell gefassten Unterrichtsstunde über „Die Welt“. Dank einer großzügigen Spende der Buchhandlung Terwelp in Cloppenburg, konnten wir dafür sogar tolle Weltkarten verteilen, in die wir Notizen, Kreuze und Kreise machten. Wir bauten diese Stunde als Quiz auf, was den Mädchen gut gefallen hat. Frage Nummer 1 war: Wie viele Kontinente gibt es und was sind ihre Namen?
Für einige wenige, ein Klacks. Andere waren verzweifelt: „Francesca, was ist ein Kontinent?“, wurde ich gefragt. Andere fragten nicht, sondern schrieben nach einer kurzen Diskussion in der Kleingruppe auf: „Es gibt 53 Kontinente.“, dann folgten die Namen einiger Länder Afrikas, die sie aus der Karte abschrieben. „Brasilien, Uganda, Russland und Australien“ war eine weitere Antwort.
Wie ihr seht, ein kunterbunter Mix aus weitgehend falschen Vermutungen. Das schockte uns schon sehr. Klar, auch in Deutschland gibt es riesige Lücken an Allgemeinwissen, ich gebe zu, dass auch ich – trotz 12 Jahren Schule und einem Abitur in der Tasche – viele Dinge nicht weiß und mein Allgemeinwissen auffrischen sollte. Aber sind denn die Namen der Kontinente nicht einfach jedem klar, fragte ich mich? Sie sind wohl so „klar“, wie hier jedem bewusst ist, wie man seinen Garten am besten bepflanzt, was welches Gewächs ist sobald man in die Natur schaut und wie man Bohnen und Posho kocht. Wenn mich jemand danach fragt, sind meine Antworten meist auch kreativer Unsinn. In Alenga ist eben ein anderes Wissen altäglich viel wichtiger, da ist es nicht von Bedeutung, wie die Hauptstadt der Mongolei heißt, sonder in welchem Boden Cassava am besten wächst und wie man Reis am besten von Steinen und Körnern befreit, bevor man ihn auf einer Feuerstelle kocht. Was dieses Wissen und harte körperliche Arbeit betrifft, kennen sich die Schülerinnen bestens aus und haben ein starkes Durchhaltevermögen.
Ich durfte also lernen, dass grundlegendes Wissen sich unterscheidet und der Mensch eben gern das behält, was für ihn gerade wichtig ist.
Im Verlauf der weiteren Unterrichtsstunde kam es auch zu anderen lustigen Antworten. „Auf der Welt leben 7000 Menschen.“, „Der höchste Berg ist der Mt. Rwenzori in Westuganda“ etc. Aber es gab auch viele richtige Antworten, beispielsweise war allen klar, dass der längste Fluss der Welt der Nil ist.
Die Weltkarten waren jedenfalls eine super Idee, begeistert haben die Mädchen nach verschiedenen Ländern gesucht, ein Kreuz am Kaspischen Meer und im Himalaya Gebirge gesetzt.

In der darauffolgenden Stunde beschäftigten wir uns dann nur mit dem Kontinent Afrika. Wieder gestalteten wir die Stunde als ein Quiz und merkten gleich zu Beginn, dass es den Mädchen etwas leichter fiel. Wir fragten nach der Gesamtanzahl aller Länder Afrikas, nach den größten Hauptstädten, dem höchsten Berg, dem größten See und die Antworten kamen, z.T. mit etwas Hilfe durch die Karten, bei den Hauptstädten sehr flüssig. Gerade den Viktoriasee und den Ursprung des Nils in ihm kennen alle gut, wenn auch viele noch nicht da waren. Bei all dem halfen auch wieder unsere Weltkarten. Auf die Frage, wie viele Menschen in Afrika insgesamt leben, haben wir Antworten von 500 Menschen bis eine Billionen bekommen. Das Vorstellungsvermögen für Zahlen scheint auch ausbaufähig zu sein.

Unser nächster Schritt war eine Stunde über Uganda, in der wir uns nicht so sehr auf die Geographie konzentrierten, sondern auf generelle Informationen, die wir in einer Mindmap an der Tafel festhielten. Wir haben einige Fragen gestellt und dann zahlreiche Antworten bekommen. Nachbarländer, wichtigste historische Personen und Ereignisse schienen bekannt zu sein. Außerdem präsentierten wir auch ein paar Fakten wie zum Beispiel die Kindersterblichkeitsrate, die mit ca. 13% die höchste in Ostafrika ist. Über diese hohe Zahl freuten sich die Mädels erst, bis wir erklärten, was das bedeutet und dass es an Krankheiten und schlechter medizinischer Versorgung liegt.
Als wir die Geschichte Ugandas präsentierten, wussten sie sehr gut, dass Uganda von 1890- 1962 britisches Protektorat war und danach durch Obote und Idi Amin eine Zeit der grausamen Bürgerkriege kam. Als Greta erzählte, dass in dieser Zeit von 1971- 1986 eine halbe Millionen Ugander starben, fehlte aber wieder etwas das Vorstellungsvermögen für eine solche Ziffer.
Außerdem präsentierten wir die HIV-Rate Ugandas, 1,46 Millionen Menschen von 36 Millionen Ugandern sind offiziell infiziert, als Auftakt für unsere nächste Unterrichtseinheit. Wir werden einige Aufklärungsstunden zur Fortpflanzung, zu HIV und AIDS, zu Verhütung und dem verantwortungsvollen Umgang mit Sexualität machen.

Das war es auch schon wieder von uns. Gerne dürft ihr euch melden, falls ihr Anregungen und Ideen für die Extrastunden habt.

Viele liebe Grüße

Eure Francesca

Aber der Engel sprach zu den Frauen: „Fürchtet euch nicht!“ – Mt 28, 5-6

Liebe Leserinnen und Leser,
ich hoffe, dass ihr eine schöne Osterzeit mit all euren Lieben verbracht habt. Heute möchte ich euch erzählen, wie ich hier in Alenga die Fastenzeit und das Osterfest verbracht habe.

Die Fastenzeit

Am Aschermittwoch begannen wir die Fastenzeit mit einem schönen Gottesdienst am Morgen. Der Beginn der enthaltsamen Fastenzeit bedeutete, wie schon in der besinnlichen Adventszeit, dass in der Kirche nicht mehr getanzt werden durfte. Stattdessen gab es jeden Freitag Nachmittag einen Kreuzweg mit anschließendem Rosenkranz beten und der Möglichkeit zur Beichte.  Uns hat überrascht, wie viele Kinder und Jugendliche während dieser Zeit fast wöchentlich gebeichtet haben. Das kennen wir aus Deutschland nicht.

Während sich in Deutschland viele ein festes Fastenziel vornehmen, wie das Verzichten auf Alkohol oder Süßigkeiten, haben wir hier kein derartiges Verzichten mitbekommen. Sister Anne hat mir erzählt, dass die Schülerinnen während des Religionsunterrichts auf die Frage, wie sie ihre Fastenzeit gestalten wollen, geantwortet haben, dass sie so arm seien, dass sie doch auf nichts verzichten können, sie haben ja sowieso nichts und würden nur Maisbrei mit Bohnen essen. Es ist uns hier schon oft aufgefallen, dass ein Standardsatz ist: “Wir sind ja arm, wir haben nichts.“ Das wird gern gesagt, egal ob man einen guten Job hat oder arbeitslos ist.

Die Priester und Schwestern haben die Mädchen stattdessen ermutigt, durch Taten zu Fasten. Das heißt also, anderen zu helfen, den Hass überwinden, Streitereien schlichten und Liebe im Alltag zeigen und leben.

Einweihung von Unterrichtsräumen in einer Primary School

Am 22. März waren wir gemeinsam mit Sister Anne, Sister Evaline und Father Stan an der Apele Primary School, über die wir schon zu Beginn im Blog berichtet haben, um an einer Einweihungsfeier für drei neue Klassenräume teilzunehmen, die dort mit Stans Hilfe entstanden sind. Eine deutsche Organisation namens „Vier Steine für Afrika“ (www.viersteinefuerafrika.de) hat das Geld für dieses Gebäude gesammelt, und durch Stan als Kontaktmann vor Ort können solche Projekte hier gelingen und verwirklicht werden.

Es war ein wirklich schönes Fest, alle SchülerInnen haben etwas vorbereitet und auf Englisch gesungen, getanzt und Gedichte aufgesagt. Sogar die ganz Kleinen aus der Nursery School (Kindergarten) haben ein englisches Lied mit passendem Tanz aufgeführt. Auch die Eltern haben Showbeiträge geliefert und durch Reden und ein leckeres Essen wurde das Fest abgerundet. Zu guter Letzt durften noch alle wichtigen und einflussreichen Besucher wie beispielsweise der Vorsitzende der Grundschulen des Apac Districts und eine lokale Politikerin und alle weißen Anwesenden (wir zwei) ein Stück Land kaufen und mit einem kleinen Blümchen bepflanzen. Das Geld kommt der Entwicklung der Schule zu gute. Als wir zum Einpflanzen die Hacke schwangen, wurden wir ziemlich ausgelacht und wir schafften zwei Hiebe, bevor uns ein besorgter Mann die Hacke aus der Hand riss und sich selbst an die Arbeit machte. Wir werden dank unserer Hautfarbe oft als empfindlich und zart eingestuft und dementsprechend körperlich unterschätzt.

Introduction von Francis – endlich Tanzen!

Am folgenden Wochenende waren wir wieder mal auf eine Introduction (traditionelle Hochzeit) eingeladen. Dieses Mal heiratete unser Freund Francis, der gemeinsam mit uns im Chor ist und immer während der Messe das Keyboard spielt. Die Hochzeit fand bei Francis zu Hause statt, was ungewöhnlich ist, normalerweise wird die Hochzeit im Heimatdorf der Frau ausgerichtet. Hier gab es weniger traditionelle Programmpunkte als bei Jaspers und Marthas Hochzeit, über die wir im Januar berichtet haben. Zu Beginn schnitten die Gäste das Band durch und wurden mit viel Jubel in den Festbereich geführt. Anschließend folgte eine ewig lange Vorstellungsrunde von allen anwesenden Gästen und den verschiedenen Verwandtschaftsverhältnissen. Der Katechist Alengas, Patrick, segnete das Brautpaar und predigte darüber, wie wichtig es sei mit der, für die Hochzeit auserwählten Frau, zusammen zu bleiben und für ein stabiles und harmonisches Zusammenleben zu sorgen, statt sie gegen eine andere Frau auszutauschen und sie mit den Kindern allein zu lassen. Eine solche Verantwortungslosigkeit in Bezug auf die Ehe und die Familie gibt es hier häufiger, viele der Schülerinnen leben allein mit der Mutter, mit ihrem Vater und Stiefmutter Nummer drei oder gar bei Großeltern oder entfernten Verwandten, weil beide Eltern nach dem Ende der Ehe verschwunden sind.

Da die Hochzeit bei Francis stattfand, wurden dann einige Männer für die „Brautsuche“ unter einer Decke vorgebracht und die Brautjungfern  haben nach dem Bräutigam Ausschau gehalten. Als Francis als Letzter unter der Decke hervorkam, wurde gejubelt, getanzt und das offizielle Programm war beendet, sodass Greta und ich uns mit Freunden von Francis unterhielten und Fotos machten. Als es Essen gab, wurden wir wie besondere Ehrengäste behandelt, was uns eher unangenehm war, aber sich nicht ändern ließ, und durften mit einigen Männern separat Essen. Wir unterhielten uns mit ihnen über Sprachen und sie waren sich sehr einig darin, dass man, wenn man Deutsch beherrscht, keinerlei Probleme mehr hat. Sie entwarfen endgültig Zukunftsträume, wie sie eines Tages in Deutschland leben würden, als wir ihnen erzählten, dass der Mann bei uns keine teure Mitgift für die Zukünftige bezahlen muss.

Im Anschluss wurde dann richtig ausgelassen getanzt, worüber auch wir uns freuten, denn bei Jasper mussten wir ja schon vor dem Tanz aufbrechen. Zunächst tanzten nur die Frauen und reichten Flaschen mit Alkohol umher, während die Männer etwas abseits saßen und dort den lokalen Schnaps aus Eimern genossen. Später aber tanzten auch die Männer, wobei Frauen und Männer keineswegs zusammen tanzten und man deutlich gemerkt hat, dass viele Männer, je später es wurde, betrunkener und unangenehmer wurden. Gegen neun Uhr verließen wir das Fest, schließlich wohnen wir ja bei Schwestern und müssen auf unseren Ruf achten, was hier wirklich nicht leicht ist, da alles gleich im ganzen Dorf rumerzählt wird.

Fun Fact: In letzter Zeit haben wir viel gebacken und dementsprechend viele Eier gekauft. Dann wurde ich in der Arbeit gleich mal darauf angesprochen, dass wir so viele Eier äßen und davon dick würden und, dass wir sie bei Jasper kaufen sollten, statt vorne im Center. Ach ja, das Dorfleben ist doch wunderbar.

Palmsonntag – Beginn der Karwoche

Den Palmsonntag begannen wir mit einer fröhlichen und ausgelassenen Prozession. Ein bisschen von der Kirche entfernt, standen wir zum anfänglichen Gebet in der Sonne und schwangen unsere Palmzweige – endlich mal ein Palmsonntag mit richtigen Palmblättern statt Palmbuschen aus Palmkätzchen und Buchsbaum. Viele Kinder und auch die Schülerinnen hatten ihre Palmwedel wunderschön mit Blüten verziert und gemeinsam mit den fröhlichen Liedern des Palmsonntags kam eine tolle Atmosphäre während der Prozession auf. Ungefähr auf der Hälfte der Prozession entschied sich dann aber ein Teil der Gläubigen, schnell eine Abkürzung zu nehmen, um in der Kirche noch einen guten Sitzplatz zu bekommen, denn es war unfassbar viel los. Die Messe war lebhaft und, wie eigentlich immer hier, sehr lang. Danach gönnten wir uns ein leckeres Frühstück und einen entspannten Tag, bevor wir abends für die Priester lecker kochten.

Gründonnerstag – Fußwaschung und die Feier des letzten Abendmahls

Karfreitag – Er starb für uns am Kreuz

Nachdem Greta am Vormittag noch unterrichten musste, während ich frei hatte, – ja, auch in Uganda ist Karfreitag ein Feiertag, aber in Sister Annes Internat gibt es selten auch „unterrichtsfrei“ – machten wir uns um zwölf Uhr zum großen Kreuzweg auf. Wir gingen ca. zwei Kilometer und passierten dabei die 14 Stationen des Kreuzwegs. Bei jeder Station wurde angehalten, die passende Bibelstelle verlesen und gebetet. Anschließend trugen verschiedene Gläubige das Kreuz bis zur nächsten Station und so kamen wir gleichzeitig mit dem Gewitter in der Kirche an.

Dann begannen wir mit der Karfreitagsliturgie. Die Lesung wurde von Mitgliedern des Chors vorgetragen, leider nicht so schön und feierlich wie ich es von zu Hause gewohnt bin. Zur Kreuzverehrung kamen die Gläubigen auf Knien nach vorn an den Altar und berührten und küssten den Gekreuzigten. Am Ende wurde die am Gründonnerstag geweihte Hostie aus dem Tabernakel, dessen Platz Greta Donnerstag Vormittag mit den Sisters dekoriert hatte, geholt und verteilt. Die super Konstruktion mit Tesafilm hielt leider nicht, so dass die Tücher schon halb abfielen. Aber daran störte sich niemand.
Zum Schluss wurde dann der Altar leer geräumt und alle verließen nach und nach die Kirche.

Introduction von Brown – Von Gewohnheiten und kulturellen Unterschieden

Am Samstag waren Greta und ich dann erneut auf eine Hochzeit eingeladen. Als unser Freund Brown uns einlud, sagte er uns, dass die Besucher um elf Uhr ankommen sollten und um zwölf Uhr werde die Hochzeit beginnen. Wir verabredeten uns um zehn Uhr mit unserer Freundin Anna, um dann gemeinsam auf Brown zu warten, der uns mit einem Auto für die Feier abholen wollte. Anna war, obwohl wir eine halbe Stunde zu spät waren und uns schon Sorgen machten, noch im Garten am Arbeiten und begrüßte uns um halb zwölf mit den Worten „Ihr seid aber früh!“ Dann bekamen wir erst mal ein kleines Frühstück und sie stellte sich doch glatt in die Küche, um uns ein Mittagessen zuzubereiten. So genossen wir noch gemeinsame und schöne Stunden bei Anna, die sich nach und nach ganz gemütlich fertig machte, wir machten noch ein Mittagsschläfchen und um halb vier holte Brown uns dann auch mal mit dem Taxi ab. Kaum zu glauben, dass wir nach sieben Monaten in Alenga immer noch derartige Anfängerfehler machen, aber man wird solche deutschen Gewohnheiten, die sich neunzehn Jahre lang eingebrannt haben, einfach nicht so schnell wieder los. Wie sagt man noch gleich? „Die Europäer haben die Uhr, die Afrikaner haben die Zeit.“

Als wir auf dem Hochzeitsgelände ankamen, mit 15 Leuten (inklusive Bräutigam, auf den für den Beginn der Feier gewartet wurde) stiegen wir aus einem Wagen für neun,  ging es dann auch gleich mit viel Jubel, Tanz und Partyatmosphäre los und es begann ein schön gestaltetes Fest. Es gab einen lustigen Moderator, der besonders begeistert davon war, zwei deutsche Mädchen unter den Besuchern zu entdecken und deshalb auch alles auf Englisch übersetzte. Die Verhandlung der ältesten Männer der Familien über die Mitgift zu Beginn dauerte wieder Ewigkeiten, Brown musste für seine Verlobte drei Kühe und neun Ziegen und natürlich noch alles mögliche andere bringen. Nach einigen Reden und offiziellerem Programm, begann die lustig gestaltete Brautsuche, bei der viele Brautjungfern kamen, unter denen die Freunde des Bräutigams die wirkliche Braut zu entdecken versuchten. In einer Runde verkleideten sich drei Frauen als Alte und spielten das Ganze wirklich richtig gut, samt zitterigen Händen und verlangsamter Sprache. Als die richtige Braut, Sharon, gefunden wurde, folgte die Vorstellung des Mannes bei den Eltern der Braut und umgekehrt, wobei Browns Eltern bereits beide verstorben sind, sodass seine Tante und sein Onkel stattdessen anwesend waren.

Dann übergaben sich die beiden kleine Hochzeitsgeschenke und die Hochzeitstorte wurde unter den Gästen verteilt. Es ist hier üblich, dass mehrere kleine Kuchen gebacken werden, damit die besonderen Gästen wie z.B. der Katechist oder Kollegen, einen Kuchen mit nach Hause nehmen können.

Danach wurde es für uns schon stressig, denn um 19 Uhr begann die Osternacht (und die Gottesdienste beginnen tatsächlich immer pünktlich, auch wenn viele Gläubige grundsätzlich eine halbe Stunde zu spät kommen). Natürlich durften wir nicht gehen bevor wir gegessen hatten, auch wenn das Buffet erst um viertel vor sieben aufgebaut wurde und wir, um die Sisters nicht zu enttäuschen, wirklich gehen wollten. Also aßen wir in Rekordgeschwindigkeit um dann einen der Männer vom Essen abzuhalten, damit er uns mit dem Motorrad zur Kirche bringen konnte. Gerade rechtzeitig kamen wir an der Kirche an und entdeckten die Gläubigen draußen am Osterfeuer. Im selben Moment kamen Father Justin und die Messdiener, um die Osternacht zu beginnen.

Die Osternacht – eine Explosion der Lebensfreude

Draußen am Osterfeuer weihte Father Justin die Osterkerze und wir entzündeten unsere Osterkerzen. Wie überall auf der Welt in der Osternacht war die Stimmung unverwechselbar schön und das Wissen darüber, dass nun überall Christen versammelt waren, um die Auferstehung ihres Herrn zu feiern, war dieses Jahr, so fern von zu Hause, toll. Gemeinsam zogen wir in die Kirche ein und begannen die Messe zu feiern. Flavia, eine Freundin, sang die Psalmen der Lesung wunderschön und als später das Licht angemacht wurde und zur Gabenbereitung wieder getanzt werden durfte, explodierten die Menschen. Jubeln, Tanzen, Singen, Klatschen, Trommeln, all das nahm kein Ende mehr und es war wunderbar zu sehen mit was für einer guten Laune wir „Jesus ocer“ (Lango für „Jesus lebt“) verkündeten und verkörperten. Mitten in dieser guten Laune wurden um die 30 Kinder getauft, was zur Auferstehung Christi symbolisch passte. Als der Gottesdienst endete, war zu spüren, dass unsere Tanzlust noch nicht zu Ende war. Also ging es nach dem Auszug des Priesters weiter: Der Chor stimmte Lieder an und die Gemeinde ging auf in den Tänzen zur Auferstehung Christi. Kurz vor Mitternacht taumelten wir, noch berauscht vom Geruch des Weihrauchs und der Musik, aus der Kirche und freuten uns auf eine Dusche und unser Bett, bevor wir am Ostersonntag um acht Uhr die nächste Messe besuchten.

Ostersonntag – Bemalte Eier gibt’s auch in Uganda

Den Ostersonntag begannen wir also mit dem Gottesdienst. Diesmal wurde von Beginn an getanzt und Kinder und Frauen gaben sich besondere Mühe mit dem Gestalten der Tänze. Die feierliche Atmosphäre vom Vortag hatten wir alle noch nicht verloren und brachten damit auch diese Messe wieder zum Leben.

Dieses Mal predigte Father Stan über die Ambivalenzen der Auferstehung. Zu Beginn fragte er uns: „Ist Jesus auferstanden?“ und selbstverständlich antworteten wir alle mit „Ja, Jesus lebt!“ Um die Gemeinde etwas zu provozieren meinte er dann, dass es ja schön sei, dass wir uns damit so sicher seien, aber woher wir dass denn wissen wollen? Schließlich hätten wir ihn ja noch nie gesehen, oder? Es gäbe ja auch viele andere Menschen, die behaupten, ihr Onkel sei auferstanden. Um die Auferstehung zu verkünden reiche es  nicht, nur aus der Bibel vorzulesen und zu sagen „Ja, Jesus lebt“. Nein, wir müssen die Auferstehung (all-)täglich leben, indem wir darauf vertrauen, dass Jesus in uns lebt und wir seine Grundwerte in uns aufnehmen und in der Welt verbreiten. Jesus hatte viele gute Taten vollbracht und Wunder getan, sodass auch wir als Christen uns daran orientieren und Nächstenliebe und Zusammenhalt zeigen sollen. Denn somit ist Jesus auferstanden und lebt in uns weiter. Eine besonders schöne Predigt am Ostersonntag.

Nach einigen weiteren Tänzen im Anschluss an die Messe gingen wir heim und verbrachten den Tag mit den Mädchen in der Schule, dem Vorbereiten einer Pizza und bunt bemalter Eier für die Party mit den Sisters und Fathers am Abend, die wir sehr genossen. Auch hier merkte man die gute Laune angesichts des Osterfestes und die ausgelassene Stimmung. Am Ende versuchten wir uns sogar noch in westafrikanischen Tänzen (Stan und Justin kommen aus Togo und Benin) und tanzten beim Abspülen total satt vom leckeren Essen mit den Sisters weiter zu ugandischer Musik.

Ostermontag – Ein Tag bei Mary und Paska

Am Ostermontag hatten Greta und ich dann auch noch frei und so schliefen wir erstmal ein bisschen aus, bevor wir uns daran machten, Brownies für unsere Freundin Paska zu backen. Paska bedeutet auf Lango Ostern und sie trägt den Namen, weil sie am Ostersonntag morgens geboren ist. Jetzt feiert sie ihren Geburtstag jedes Jahr an Ostern und zur Feier des Tages brachten wir ihr den leckeren Kuchen mit. Als wir ankamen, schälten wir zunächst geschlagene drei Stunden Erdnüsse, die Mary dann röstete und mit Sesam mischte, um sie später zur Mahlmaschine für Odi (die für den Norden Ugandas typische Erdnusspaste, die wir so lieben) zu bringen. Im Anschluss daran gab es Mittagessen und wir unterhielten uns nett mit den beiden und spielten mit Kindern, Enkeln, Neffen und Nichten – bei ihnen ist immer viel los.

Ihr Lieben, das war es auch schon wieder von mir. Ich habe hier ein erlebnisreiches und wunderbares Osterfest verbracht und bin wieder um einige Erfahrungen reicher geworden. Ich freue mich aber auch darauf, dass ich das nächste Osterfest wieder gemeinsam mit meiner Familie zu Hause bei deutschem Essen, Osterlamm und Ostereiern verbringen werde, so ein bisschen fehlen die Traditionen, an die man sich mit der Zeit so sehr gewöhnt, schon.

Ich freue mich von euch zu hören und auch noch über jede weitere Spende für den Schlafsaal (Kontoadresse im Blogeintrag vorher).

An Alle, die in Deutschland im medizinischen Bereich tätig sind: Das Health Center, in dem ich arbeite, kann alles mögliche an Untersuchungsgeräten gebrauchen. Wenn also jemand unbenutzte Blutdruckgeräte, Fieberthermometer oder anderes zu Hause oder in der Praxis rumliegen hat, würde ich mich sehr freuen, wenn diese Dinge an meine Mama Conny weitergegeben werden, damit sie die dann im Mai mitbringen kann (bitte nichts kaufen, Geldspenden gerne -> Verwendungszweck: Alenga, H/C)

Ganz liebe und vor allem von der Sonne und Lebensfreunde gewärmte Grüße

Eure Francesca

 

Eure Spenden: Mit Muskelkraft geht es in großen Schritten voran

Liebe Leserinnen und Leser,

nun ist schon wieder etwas Zeit vergangen und einige von euch fragen sich sicherlich, was denn aus euren Spenden geworden ist. Die Spenden sind alle angekommen und werden auch schon tatkräftig eingesetzt! Auf diesem Weg möchte ich mich nochmal bei allen bedanken, die unsere Projekte hier in Alenga finanziell unterstützen.

Durch die Spenden konnten wir schon einiges realisieren: Greta und mir ist es gelungen, Patenschaften aus Deutschland für  zehn Schülerinnen der Schneiderinnenschule zu finden, um ihnen weiterhin die Möglichkeit zu bieten die Schule zu besuchen.
Zudem konnten die beiden kleinen Jungs Timothy und Oscar auf eine private Primary School geschickt werden!

Und jetzt zu unserem großen Projekt: Der Schlafsaal

Schon vor unserem Urlaub haben wir uns mit Father Stan und einem Architekten zusammengesetzt um die Baupläne zu besprechen. Als wir von unserer Reise zurückkamen, ging es dann auch ziemlich schnell und in einem rasanten Tempo los. Jeden Tag, auch am Wochenende, sieht man auf der Baustelle neben dem alten Schlafsaal viele Männer, die mit harter Muskelkraft Stein um Stein aufeinander bauen. So etwas wie Bagger oder Walzen gibt es hier nämlich nicht!
Greta und ich werfen oft einen oder zwei  äußerst fachkundige und professionelle Blicke auf die oberkörperfreien Bauarbeiter und sehen so, ob alles richtig läuft. Natürlich hat auch Father Stan ein (vielleicht etwas qualifizierteres) Auge darauf.
Jedenfalls sind wir positiv überrascht, da man wirklich schon einiges von dem Schlafsaal sehen kann. Wirklich toll, wie schnell das geht!

So schön das jetzt auch alles klingt, wir brauchen aber immer noch ein paar Spenden, um den Schlafsaal auch vollständig übergeben zu können. Wir haben uns für die etwas teurere Variante des Hauses entschieden, da so auch alles richtig isoliert wird und die 60 Schülerinnen auch in der heißen Trockenzeit nachts einschlafen können und sich nicht nass schwitzen müssen. Wir brauchen noch Spendengelder, zum einen, um die Isolation finanzieren zu können und zum anderen für die Innenausstattung des Saals: Stockbetten, Moskitonetze (momentan schlafen ca. die Hälfte der Mädchen ohne Netz, was das Malariarisiko erheblich steigert) und andere kleine Anschaffungen.
Ich würde mich also sehr freuen, wenn unter meinen Leserinnen und Lesern noch jemand Lust hat zu spenden! Gerne darf das Projekt auch in Freundes-, Familien- oder Nachbarschaftskreise getragen werden.

Comboni-Missionare KöR, 73479 Ellwangen
IBAN: DE66 6145 0050 0110 6170 15
BIC: OASPDE6AXXX
Verwendungszweck: MaZ Francesca Cyris (631) Alenga, Uganda

Bei Fragen oder Anregungen meldet euch einfach bei mir unter Francesca.Cyris@yahoo.com.

Ich wurde nun schon häufig gefragt, ob das Geld denn wirklich bei mir ankommt etc.: Die Spende wird von der Missionsprokura in Deutschland vollständig und ohne Abzug nach Uganda überwiesen. Die Prokura der Comboni-Missionare in Uganda behält dann ca. 5% der Spende für sich als Bearbeitungsgebühr und um Arbeitskräfte zu bezahlen. Daraus folgt, dass 95% der Spende hier bei mir ankommen und direkt in den Schlafsaal fließen. Der Bau wird durch eine einheimische Firma aus unserem Nachbardorf Ibuje geleitet und organisiert, alle Arbeitskräfte stammen aus Alenga und Umgebung.

Vielen Dank an alle Leute, die so oft an mich denken und mich finanziell aber auch mental unterstützten!!!

Ganz liebe Grüße aus dem nassen, verregneten und langsam wieder grünen und zauberhaften Alenga

Eure Francesca

Neue Orte, neue Geschichten: unser Urlaub

Mambo !

Heute möchten wir euch von den Erlebnissen erzählen, die wir während unserer Reise von Ende Dezember bis Anfang Februar sammeln durften.

Am 28. Dezember ging es mit dem Bus aus Alenga nach Kampala los. Das war direkt ein nervenaufreibendes Spektakel für unsere deutschen Herzen:
In Alenga hatte der Bus eine Stunde Verspätung und wir hatten uns schon fast darauf eingestellt, dass wir erst am nächsten Tag fahren werden, als er dann doch noch kam und uns sechs Stunden später im New Taxi Park Kampalas absetzte. Wir waren ziemlich mit Gepäck beladen und wollten nun eins der sehr günstigen öffentlichen Taxis (zugelassen auf 14 Personen, beladen stets mit mehr) in die Richtung unserer Unterkunft bei den Combonis nehmen. Dafür muss man in Kampala in den Old Taxi Park. Da wir uns mit dem Weg nicht ganz sicher waren, fragten wir unseren Busfahrer um Hilfe. Dieser schickte uns mit seinem Freund los. Auf dem Weg beobachteten wir, wie ein Mann einen auf dem Boden schlafenden Mann ausraubte. Er durchsuchte vor den Augen aller seine Taschen und niemand unternahm etwas dagegen, auch wir waren nicht mutig genug. Außerdem öffneten im Gedränge zwischen vielen Menschen, hupenden Autos, Verkaufsständen und aufdringlichen Verkäufern einige Männer unsere Rucksäcke und zogen uns an ihnen zurück. Passiert ist uns aber zum Glück nichts und wir kamen  heil bei den Combonis an. Fest steht, dass Kampala eine anstrengende und überfordernde Großstadt sein kann, wenn man sich nicht gut genug auskennt.

Erster Stop: Entebbe

Silvester verbrachten wir in der am Viktoriasee gelegenen Stadt Entebbe. Dort fanden wir durch unser Hotel schnell einen ugandischen Freund, der Lust hatte mit uns in den nächsten Tagen die Stadt zu erkunden, uns Orte zu zeigen und mit uns ins neue Jahr zu feiern. Also trafen wir uns mit einigen seiner Freunde in einem wirklich coolen Club und es wurde eine lustige Tanznacht. Leider wurde Francesca kurz vor Schluss das Handy geklaut, wie es eben auch so oft in Deutschland im Club passiert.

Dennoch verbrachten wir sehr schöne Tage in Entebbe, besuchten die Botanical Gardens, die Ankunftsstelle der ersten katholischen Missionare in Uganda und das Wildlife Education Centre (WEC). Das WEC ist dafür gedacht, dass einheimische Familien, die sich die hohen Nationalparkgebühren nicht leisten können, auch in Kontakt mit der Tiervielfalt ihres Landes kommen. Leider sind die Gehege, insbesondere für Löwen, Geparden und Schlangen, viel zu klein und nicht sehr gut gepflegt, also taucht hier die Problematik vieler Zoos auf.

Außerdem fuhren wir an den Strand, wo uns sofort die Unterschiede zwischen ländlicher Gegend und der Stadt auffielen. Während in Alenga jede Frau sehr darauf bedacht ist, ihre Knie nicht zu zeigen, sahen wir in Entebbe und gerade am Strand viele Uganderinnen mit kurzen Röcken, Tops und Bikinis. Da merkten wir so richtig, wie uns unsere Umgebung prägt, so viel freie Haut hat uns erstmal geschockt.

An unserem letzten Tag dort machten wir einen Tagesauflug nach Jinja. Jinja ist die zweitgrößte Stadt Ugandas, in der auch viele Menschen indischer Herkunft wohnen. Dort bewunderten wir den Nilursprung und den riesigen Markt im Zentrum der Stadt, auf dem es eine unfassbare Auswahl an Obst, Gemüse und Gewürzen gibt.

Ugandas paradiesische Süßwasser Karibik: Die Ssese-Inseln

Wir verbrachten sechs wunderbar entspannte Tage auf der Hauptinsel der aus 84 Inseln bestehenden Inselgruppe. Wir nutzen die Zeit für Tage am Strand, Spaziergänge durch die Stadt, eine Besichtigung der Höhle des Buganda-Königs, eine aufregende Waldwanderung auf eigene Faust an einen einsamen Strand und eine Bootsfahrt zur „Virgin Island“. Dort sahen wir aus einigen Metern Entfernung ein Krokodil, viele bunte und interessante Vögel und auch sonst beeindruckte uns die unangerührte Flora und Fauna sehr.

Außerdem entschieden wir uns auch für eine Fahrradtour. Dafür liehen wir uns die Mountainbikes eines Freundes, die vielversprechender aussahen als sie waren, und eine grobe Karte der Insel, auf der wir den westlichsten Punkt der Insel als unser Ziel entdeckten. Dort angekommen sind wir leider nie… Erst mühten wir uns einige Stunden auf den Bergen der Insel ab und dann verloren wir den Weg komplett und machten einen kurzen Abstecher in den dichtbewachsenen Palmenwald. Dort überkam uns auch eine Schreckminute, als ein großes Tier direkt neben uns von einer Palme sprang, weshalb wir uns fix wieder auf die Räder schwangen und auf den Rückweg begaben.

Auf dem Weg zurück kamen wir bei „Bery´s Place“ vorbei. Dort nimmt ein deutsch-belgischer Krankenpfleger junge Mädchen zwischen 5 und 22 Jahren auf, die beispielsweise AIDS- Waisen oder Opfer von häuslicher Gewalt oder Missbrauch geworden sind. Die HIV- Rate auf den Ssese- Inseln ist erschreckend hoch, ca. 38 Prozent sind laut Studie positiv und nach Berys Vermutungen liegt die Dunkelziffer bei 50 Prozent. Er hat sich zur Aufgabe gemacht, die Mädchen über ihre Rechte aufzuklären, ihnen Bildung zu ermöglichen und auch eine psychologische Betreuung anzubieten. Das Projekt ist sein Lebenswerk und finanziert sich über Sponsoren aus dem Ausland. Uns hat das Projekt und das Gelände direkt am Viktoriasee sehr beeindruckt und inspiriert und durch einige Gespräche mit den Mädchen konnten wir merken, dass auch ihnen das Heim gefällt und sie die Schule genießen und verschiedene Zukunftsträume haben. Wer Interesse an dem Projekt gefunden hat, kann sich auf Berys Website unter www.BerysPlace.org informieren oder ihm eine E-mail an b.glaser@skynet.be schreiben.

Zu Besuch bei Peter: Katende

Auf dem Weg von den Ssese-Inseln nach Kampala blieben wir für eine Nacht bei Peter, einem anderen weltwärts-Freiwilligen, den wir schon während der Vorbereitung in Deutschland kennengelernt hatten.

Er lebt in Katende, einer Kleinstadt im Süden Kampalas, gemeinsam mit einigen Priestern und unterrichtet dort in verschiedenen Schulen Mathematik, Informatik und Deutsch. Uns fiel direkt ein großer Unterschied zu unserem Umfeld auf: Die Schulen Katendes sind teure Privatschulen und eine der Secondary Schools gehört zu den besten 15 Schulen Ugandas. Das Gelände dieser Secondary School war größer, gepflegter und moderner als meine Schule zu Hause. Auf dem Grundstück sahen wir überall Mottos und Denkanstöße für die SchülerInnen, wie zum Beispiel „Keep being a virgin.“(„bleibe Jungfrau“), aber auch „Everyone is equal.“(„Jeder ist gleich“).

Außerdem merkten wir im Austausch mit Peter und den Menschen aus seinem Umfeld auch, dass zwischen dem Süden und Norden Ugandas viele Unterschiede bestehen. Dies sieht man beispielsweise an der Infrastruktur, die im Süden deutlich besser ausgebaut ist. In der Umgebung Kampalas sind weitestgehend alle Straßen geteert und selbst in den kleinen Dörfern besteht eine gute Taxianbindung. Dadurch, dass es im wirtschaftlich starken Süden mehr und bessere Arbeitsplätze gibt, hat ein größerer Teil der Bevölkerung einen festen Job, was auch im äußeren Erscheinungsbild zu erkennen ist, weil z.B. mehr Frauen im Salon gemachte Frisuren aus Kunsthaar haben. In Alenga und Umgebung hingegen leben viele Menschen von Subsistenzwirtschaft und haben keine festen Arbeitsstellen.
Wir verbrachten einen schönen Abend mit Peter und einigen der Priester in einer der zahlreichen Bars Katendes und genossen es, die Möglichkeit zu haben am Abend ausgehen zu können, da das für uns in Alenga so nicht möglich ist.

Next Stop: Tansania

Am Ende einer anstrengenden und nervenaufreibenden 36-stündigen Busfahrt durch einen Großteil von Tansania, auf der maximal fünfminütige Toilettenpausen eingelegt wurden, fielen wir in Dar Es Salaam unseren Freundinnen Philo und Iris in die Arme. Gemeinsam verbrachten wir zwei schöne Tage in Dar Es Salaam. Die Stadt liegt wunderbar am Indischen Ozean und von ihrer Lage profitiert auch die Wirtschaft der Stadt. Ein ganz anderes Großstadtbild zeichnet sich hier ab, als wir es von Kampala gewöhnt sind.

Wir erkundeten unter anderem den riesigen Fischmarkt und stellten uns ein leckeres Picknick zusammen, was wir dann wirklich völlig aus Versehen auf der Polizeimarinestation genossen, auf der Suche nach einem schönen Plätzchen mit Ausblick aufs Meer. Dank unseres überragenden Charmes, Philos und Iris sehr guten Kisuaheli Kenntnissen und eines Mandasis durften wir dann tatsächlich unser Picknick dort zu Ende genießen. Die diensthabenden Polizisten hat der Anblick vier weißer Mädels, die Fisch, Früchte und andere Leckereien verschlingen, offenbar sehr erheitert.

Wo wir aus dem Staunen nicht mehr herauskamen: Sansibar

Zu viert wollten wir uns einige Tage Urlaub auf der Trauminsel Sansibar gönnen. Schon bei der Fährüberfahrt von Dar Es Salaam aus waren wir völlig im Urlaubsglück angekommen und der Wind des indischen Ozeans wehte so richtig durch unser Haar.

Nungwi

Unser erstes Ziel war Nungwi, ganz im Norden der Insel, wo wir uns eine ganz schöne Unterkunft direkt am Strand ausgesucht hatten. Sofort verliebten wir uns in den weitläufigen Strand und das türkisfarbene Meer unter strahlend blauem Himmel. Wie herrlich war es, endlich wieder schwimmen zu gehen, schließlich war das auf den Ssese-Inseln wegen der hohen Bilharziosegefahr im Viktoriasee nicht möglich gewesen.

Doch der Kulturschock holte uns schnell ein: Greta und ich sind es gewöhnt, stets die einzigen Weißen zu sein und davon kann man auf Sansibar wohl kaum sprechen. Überall Touristen und wir mittendrin, jetzt eben auch als Touristen. Wir mussten uns erstmal daran gewöhnen, dass man jetzt auf Deutsch nicht mehr sagen kann was man will, denn die Gefahr, dass es jemand versteht, war ja akut gestiegen. Doch der Schock war schnell überwunden, schließlich waren wir ja auch als Urlauber dort.

Besonderes Highlight in Nungwi war unsere Schnorcheltour nach Memba Island. Die Fahrt mit einem Holzsegelboot war ziemlich stürmisch, so dass doch glatt ein Drittel der Besatzung seekrank wurde. Leider gehörte ich auch dazu, aber mir ging es schnell wieder besser. Trotzdem genossen alle das Schnorcheln sehr: Bunte und vielfältige Fischarten in Korallenriffen, Wasserpflanzen und vieles mehr. Die Krönung war das anschließende Barbecue, was wir auf dem Dach des Schiffes genossen. Es gab Thunfisch, Chapati, Salat und Obst zum satt essen. Wirklich lecker! Die Heimfahrt verlief dann zum Glück auch etwas ruhiger, sodass niemandem mehr übel wurde und alle die Sonne und den Wind des Meeres genossen.
Generell war es für uns alle ein wirkliches Highlight in dieser Woche wieder europäisch essen zu können. Leider auch zu europäischen Preisen, aber Pizza, Pasta, Fisch und Eis genossen wir trotzdem.

Kulturen prallen aufeinander: Stone Town

Zum Abschluss unserer Tage auf Sansibar verbrachten wir auch noch zwei Nächte in der historisch geprägten Hauptstadt. Zuerst machten wir eine Stadttour, bei der wir die Beeinflussung der Architektur durch Araber, Inder und Sansibaris bewundern konnten. Typisch für Stone Town sind die verschiedenen Türstile der Gebäude und die engen, verschlungenen Gassen, die man ansonsten in Ostafrika nicht sieht. Außerdem hatten wir die Chance, den alten Sklavenmarkt der Stadt und das zugehörige Museum zu besichtigen. Das war zutiefst bedrückend, aber auch sehr interessant. Die Anglikanische Kathedrale wurde 1873-1880 von der „Universities Mission“ des bekannten David Livingstone und dem britischen Bischof Edward Steere auf dem früheren Sklavenmarkt erbaut. Als David Livingstone 1856 nach Sansibar kam, begann er politischen Druck auf den Sultan auszuüben, der den Sklavenhandel am 06. Juni 1873 endgültig verbot. Am Standplatz des Altars soll früher der Baum gestanden haben, an dem die Sklaven zum Verkauf angekettet wurden. In den Kellergebäuden besichtigten wir die Räume, in denen ca. 75 Sklaven auf engstem Raum bis zu ihrem Verkauf einquartiert wurden.

Wir sahen außerdem das bekannte House of Wonders (Weltkulturerbe), das das erste Haus in Ostafrika mit Elektrizität und fließendem Wasser war, den Arabischen Fort, den Sultanspalast und die Old Dispensary. Stone Town ist eine kulturell und historisch sehr beeindruckende Stadt und auf jeden Fall eine Reise wert.

Abends lockte es uns auf die beliebten Forodhani Gardens der Stadt, auf denen es alle möglichen Leckereien wie frischen Fisch, sansibarische Pizza, Eintopf und frischgepresste Säfte mit Kokosnuss, Passionsfrucht und Drachenfrucht gibt.
Kurz vor der Abreise machten wir noch das typische Touriangebot mit: Die Spice-Tour. Durch den Einfluss der Araber und Inder ist Sansibar ein Paradies der Gewürze. So bewunderten wir z.B. Vanille-, Zimt-, Pfeffer-, Ingwer-, Muskatnuss-, Kümmel- und Nelkenpflanzen. Wir durften auch alles probieren und zum krönenden Abschluss gab es frischgepflückte Kokosnuss und Prinzessinnenausstattung aus Blättern.

Zu Besuch bei Philo und Iris: Mkuranga

Natürlich wollten Greta und ich auch die Einsatzstelle unserer Freundinnen besuchen und gingen mit ihnen an ihre Arbeitsplätze. Während Iris in einem Kindergarten unterrichtet, arbeitet Philomena in der örtlichen Krankenstation. Die beiden scheinen auch sehr gut in ihrer Einsatzstelle angekommen zu sein und es hat uns viel Spaß gemacht, im Kindergarten für gute Laune und Unterhaltung zu sorgen. Es fiel uns schwer zu sehen, wie hart die Kinder aus erzieherischen Maßnahmen auf Hand und Schulter geschlagen werden und, dass dies zum Alltag gehört, genau wie das vom Lehrer angeleitete Ausbuhen von Kindern durch ihre Mitschüler.
Wir hatten eine wunderbare Zeit zu viert und es war toll, so eine intensive Möglichkeit zum Austausch zu haben. Gerne könnt ihr auch ihren Blog hier auf der Website lesen.

Zwischenseminar in Nairobi

Dieser Austausch ging beim Zwischenseminar weiter. Gemeinsam mit 17 weiteren Freiwilligen aus Uganda und Kenia verbrachten wir eine Woche  in Nairobi. Wir wohnten im Luxusviertel Nairobis bei Benediktinerschwestern und waren überwältigt von den riesigen Villen, der nahegelegenen Shoppingmall und den Bewohner dieses Viertels, schließlich sind wir als Freiwillige in ganz anderen Verhältnissen der Einsatzländer untergebracht. Kurz hatten wir einen Kulturschock, denn es hat sich angefühlt als hätte uns jemand in ein Flugzeug in die USA gesetzt.

Während des Seminars hatten wir die Chance, die bisherigen sechs Monate zu reflektieren, viele wichtige Themen wie z.B. globale Ungerechtigkeit, Gewalt in der Erziehung, politische Situationen der Einsatzländer oder Geschlechterrollen zu diskutieren und auch einen Ausblick auf unsere kommende Zeit hier zu werfen. Diese Gespräche haben uns sehr dabei geholfen, sich an den Sinn des Dienstes zu erinnern und wichtige Informationen aus der Vorbereitung wieder ins Gedächtnis zu rufen. Beispielsweise das Respektieren der Kultur mit gleichzeitigem Austausch über unsere Kulturkreise ohne etwas der deutschen Standards aufzwingen zu wollen. Greta und mir fällt das gerade in Bezug auf die vor Männern knienden Frauen in Alenga sehr schwer. Für uns wirkt es wie eine Erniedrigung der Frau, hier ist es ein Zeichen von Respekt und tief in der Kultur verwurzelt.
Bei diesen komplexen Themen brachen oft kontroverse Diskussionen aus, an denen man merken konnte, dass es nicht leicht ist, sich eine eindeutige Meinung zu bilden, da es viele verschiedene Blickwinkel gibt.

Am letzten Abend feierten wir noch alle gemeinsam in meinen 20. Geburtstag rein, während wir am Tag meines Geburtstags leider den ganzen Tag im Bus saßen auf dem Rückweg nach Kampala.

Zurück in der Heimat

Seit vergangenem Samstag sind wir wieder in unserer neuen Heimat Alenga. Es war wunderbar, hier die vertrauten Gesichter wiederzutreffen, neue Schülerinnen kennenzulernen und wieder im Alltag anzukommen. Inzwischen ist es schon fast als wären wir gar nicht weg gewesen, auch wenn wir unsere Langokenntnisse wieder etwas auffrischen müssen.
Wir können gar nicht fassen, dass schon die Hälfte unseres Einsatzes vorbei ist, die Zeit rast!!! Die kommenden sechs Monate werden wir in vollen Zügen genießen und freuen uns auch schon auf das Osterfest in Alenga und den Besuch unserer Eltern im Mai.

Ausblick auf einen neuen Schlafsaal

Zurück in der neuen Heimat bedeutet auch zurück im Projekt: Jetzt beginnen wir mit dem Bau des neuen Schlafsaals für die Mädchen und möchten uns bei allen Spendern herzlich bedanken. Gerne darf, wer möchte, auch jetzt noch für den Schlafsaal und seine Ausstattung spenden. Wir freuen uns sehr über euer Interesse und eure Unterstützung.

Comboni-Missionare KöR, 73479 Ellwangen

IBAN: DE66 6145 0050 0110 6170 15

BIC: OASPDE6AXXX

Verwendungszweck: MaZ Francesca Cyris (631) Alenga, Uganda

Ich melde mich bald wieder und freue mich auch von euch zu hören!

Ganz liebe und gut erholte Grüße
Eure Francesca

 

Joy to the world-ein besonderes Weihnachtsfest in Alenga

Liebe Leserinnen und Leser,

ich hoffe, dass ihr eine schöne und besinnliche Weihnachtszeit im Kreise eurer Lieben verbracht habt. Das Weihnachtsfest ist ja immer ein besonderer Anlass um alle wiederzutreffen und gemeinsame Tage zu genießen.

Trotz der vielen Kilometer, die mich in diesem Jahr von meiner Familie in der Heimat getrennt haben, konnte auch ich die Advents- und Weihnachtszeit auf eine neue und sehr aufregende Art genießen.
Dank vieler Pakete unserer Familien haben wir die Wohnung schön dekoriert und viele Plätzchen, Christstollen und Schokolade gegessen. Da kam sogar richtig Weihnachtsstimmung auf, wenn wir abends im Kerzenschein zusammen saßen. Sobald wir die Wohnung verließen, schlugen uns allerdings die Hitze, die von der Trockenzeit geprägte Landschaft und ein völlig undekoriertes Alenga entgegen. Da fühlte es sich sofort eher nach Hochsommer als nach Weihnachtszeit an.

Gewöhnungsbedürftiger Weihnachtsschmuck

Als wir die Schwestern in der Adventszeit abends zum Essen einluden, fanden sie unsere Dekoration zwar sehr schön, aber Schwester Anne fragte uns deutlich verwundert, warum wir denn so früh geschmückt hätten. Sie kennen unseren Brauch z.B. vom Adventskranz schon, aber hier ist das nicht üblich. Auch in der Kirche fehlte der Adventskranz. Diese war lediglich in lila gehalten.
Die Schwestern begannen erst am 23. Dezember ihre Kapelle und ihren Speisesaal zu schmücken. Mit Begeisterung baten sie uns um etwas Hilfe, ihren Tannenbaum und ihre Krippe aufzustellen. Schwester Anne warnte uns zwar schon vor dem eher scheußlichen Plastiktannenbaum, doch uns stand der Schock wohl ziemlich ins Gesicht geschrieben, als sie die Deko auspackten, denn sie forderte uns gleich auf, sie bitte nicht auszulachen.
Mit Müh und Not verzierten wir das Plastikgebilde mit bunten Glitzer-Plastikgirlanden, Plastikkugeln und eine bunte, nicht funktionsfähige Lichterkette durfte natürlich auch nicht fehlen… Die gleichen Girlanden fanden sich auch im Esszimmer wieder. Die Schwestern schienen sehr glücklich mit der Dekoration und der Vorfreude auf das anstehende Weihnachtsfest!

Zuvor hatten wir auch schon Pater Justin dabei geholfen, ihre Krippe aufzustellen, wofür wir ein bisschen Grünzeug aus dem Wald gesammelt hatten. Die Krippe der Priester besteht aus drei Porzellanfiguren und ist sehr geschmackvoll.
All diese Dekorationen haben uns mehr und mehr auf das Weihnachtsfest eingestimmt.

Geschenke und Chorproben

Außerdem verbrachten Greta und ich viel Zeit mit den täglichen Chorproben für das Weihnachtsfest und es war deutlich zu spüren, dass sich alle in der Gemeinde auf das Fest freuten und Vorbereitungen trafen wie zum Beispiel Unmengen an Lebensmitteln auf dem Markt einzukaufen und das Haus zu putzen.
Dadurch, dass wir die letzten zwei Wochen vor dem Weihnachtsfest gemeinsam in der Krankenstation gearbeitet haben und nebenbei auch sehr beschäftigt waren, hatten wir gar keine Zeit um traurig zu sein, dass wir zu Hause alles verpassen.

Schon Anfang Dezember verließen uns unsere Schülerinnen, die für die großen Ferien bis Februar nach Hause fuhren.
Zum Abschied verbrachten wir einen lustigen Tanzabend mit ihnen, schauten „Aristocats“ und überreichten ihnen unsere Weihnachtsgeschenke. Für jede hatten wir ein Foto ausgedruckt, einen kleinen Brief geschrieben und dank der Idee Sister Annes hatten wir auch für jede zwei Binden gekauft. Diese Binden aus besonderen Materialien und Stoff sind mehrmals verwendbar, gut auswaschbar und angesichts der sanitären Anlagen hier eine hygienische Lösung. Für Mädchen und Frauen aus den Dörfern Ugandas bringt die Menstruation deutlich größere Probleme mit sich als wir uns vorstellen konnten. Die erwerblichen Binden sind zu teuer, so dass oft nur eine einzige Binde während der gesamten Periode getragen wird oder komplett auf die Binden verzichtet wird und beispielsweise nur ein altes T- shirt in die Unterhose gelegt wird.

Vierter Advent und Heiligabend

Am Sonntag, den 24. Dezember, gingen Greta und ich wie immer morgens in den Gottesdienst. Die Gemeinde erwartete hier ein anderes Gesicht, denn Pater Pontianus war zu Weihnachten nach Alenga gekommen. Er hat keine eigene Gemeinde in Lira und deshalb laden ihn die Priester jedes Jahr ein. Er hielt die letzte Adventsmesse und übersetzte einige Teile der Predigt für uns sogar in Englisch, was wir als sehr aufmerksam empfanden.
Die Adventszeit ist auch hier eine besinnliche Zeit, in der man zur Ruhe kommen soll und sich auf die Geburt Jesu Christi vorbereitet. Aus diesem Grund wurde in der Kirche vier Sonntage lang nicht getanzt.
Im Anschluss an den Gottesdienst wurde dann als Vorbereitung für die Nachtmesse die Krippe bestückt – sogar ein Weihnachtsmann fand seinen Platz – und es wurden bunte Girlanden aufgehangen. Die lilane Verkleidung des Altars wurde entfernt und neue Dekorationen fanden ihren Platz.
Nach dem Gottesdienst besuchten wir unsere enge Freundin Anna um mit ihr gemeinsam zu kochen und zu essen und einfach nochmal Zeit miteinander zu verbringen. Wir übergaben ihr ein kleines Weihnachtsgeschenk, über das sie sich sehr freute. Anschließend besuchten wir noch kurz Sharon und Gloria, weil wir auch für die beiden ein Geschenk mit Nagellack vorbereitet haben, da sie unseren zuvor begeistert gelobt hatten.
Total satt zwängten wir uns am Abend in unsere frisch gebügelten Kleider und machten uns auf den Weg zur Kirche. Die Christmette war sehr schön und durch die Dunkelheit kam auch eine einmalig festliche Stimmung auf. Außerdem durfte endlich wieder getanzt werden! Darüber haben sich alle offensichtlich sehr gefreut und tanzten voller Freude über die Geburt Jesu Christi.
Während der Messe wurden noch ca. 40 Neugeborene getauft, was die festliche Atmosphäre verstärkte und in der Weihnachtsnacht auch ein schönes Symbol war. Hier ist es üblich, dass die Priester an Hochfesten oder besonderen Feiertagen viele Kinder auf einmal taufen. Eine einzelne Taufe wie wir sie aus Deutschland kennen, gibt es hier nicht.

Danach saßen wir gemütlich zusammen und haben eine kleine Bescherung gemacht, bevor wir mit unseren Familien telefonierten.

Das Weihnachtsfest

Am Morgen des 25. Dezembers ging es mit unserem Gottesdienstmarathon weiter. Wir verbrachten geschlagene vier Stunden in der Kirche. Zu Beginn kam ein Polizist und verkündete uns, dass alle nochmal das Kirchengebäude verlassen müssten, um die Sicherheitsvorkehrungen zu verstärken, weil in den Städten vermehrte Anzeichen auf Terrororganisationen zu finden seien. Deshalb müssten sich auch in den Dörfern alle Menschen zu schützen wissen und mehr auf die eigene Sicherheit achten. Eher halbherzig wurden dann alle Kirchgänger noch einmal durchsucht bevor sie das Gebäude wieder betreten durften.
Dann wurde eine schöne, lebensfrohe und ausgelassene Messe gefeiert. Für uns war es toll zu sehen, dass die Kirche kaum merklich voller war, als an einem normalen Sonntag und man nicht wie zu Hause einen Unterschied von 500 Leuten in der Weihnachtsmesse hat.

Im Anschluss an die Messe waren wir bei Mary und Pasca, zwei Freundinnen aus Alenga, und ihrer großen Familie zum Weihnachtsfest eingeladen. Hier feiern alle Familien am 25. Dezember und den Kindern werden auch einige Süßigkeiten oder Spielsachen geschenkt. Vom übertriebenen und überfordernden Geschenkewahnsinn, den Kinder in Deutschland oft erleben, ist hier nichts zu spüren. Das war für uns eine ausgesprochen angenehme Erfahrung und etwas, das wir wirklich nicht vermisst haben! Wir brachten für die Familie kleine Geschenke mit, einfach als Aufmerksamkeit und ein bisschen auch aus Gewohnheit.
Den Tag verbrachten wir dann damit, beim Kochen zu helfen, die Familie kennenzulernen und nette Gespräche zu führen. Es war wunderbar zu sehen, dass alle Kinder von Mary nach Alenga gekommen waren, um gemeinsam zu feiern! Die beiden kümmerten sich sogar um den Transport ihrer ältesten Schwester, die schon sehr krank und schwach ist, damit sie am Weihnachtsfest nicht allein sein muss. Das war ein tolles Bild: Vittoria, Mary und Pascas 90-jährige Mutter, feierte gemeinsam mit drei Töchtern, Enkeln und Urenkeln.
Mary und Pasca legen großen Wert auf die Bildung ihrer Kinder und Enkel und geben sich größte Mühe, damit alle eine angesehene Schule besuchen können und später finanziell unabhängig werden. Das ist gerade in Alenga etwas sehr Besonderes.
Beispielsweise Marys ältester Sohn arbeitet als Finanzbuchhalter in Kampala und lebt dort mit Frau und Kindern. Er zahlt nun die Ausbildungsgebühren seiner Schwester und hat zum Beispiel auch dem Fußballverein Alengas einen komplett neuen Trikotsatz mit Schuhen, Schonern und allem was dazu gehört, gesponsert.

Gegen Abend verließen wir die gemütliche Familienatmosphäre und trafen uns mit den Priestern und Schwestern zum gemeinsamen Abendessen. Wie immer an Festtagen gab es genug zu essen und trinken und die Stimmung war ausgelassen und fröhlich. Wir führten zu später Stunde sogar einige deutsche Tänze vor, das klappte eher schlecht als recht, war aber sehr lustig.
Dank der Päckchen unserer Familien konnten wir eine ganze Menge deutscher Süßigkeiten wie zum Beispiel Lebkuchen, Stollen, Marzipan und Zimtsterne mitbringen, über die sich alle sehr gefreut haben. Außerdem brachten wir für alle kleine und liebevoll ausgesuchte Geschenke mit.

Letztendlich wurde es so spät, dass die Priester sogar beschlossen die Morgenmesse ausfallen zu lassen, womit niemand ein Problem zu haben schien, da wir von den Ereignissen der letzten Tage noch total platt und übermüdet waren.

Boxing Day – 26. Dezember

Der zweite Weihnachtsfeiertag wird hier als „Boxing Day“ gefeiert, was gerade unter den Jugendlichen bekannt ist. So beschloss der Chor Alengas am 26. Dezember ein kleines Fest zu veranstalten, bei dem sie für die Schwestern und Priester lecker kochen. Außerdem kamen einige Beamte aus dem Bezirk, um das Projekt, das die Jugend gemeinsam mit Father Justin aufbaut hat, anzuschauen und sie in Theorie und Praxis weiter zu belehren. Dabei geht es um die Herstellung von Ziegeln und deren Weiterverkauf in Alenga und Umgebung. Auch wir waren dabei und brachten zum Nachtisch selbstgemachtes Mandasi (frittiertes Gebäck) und Haribo Gummibärchen mit, die alle mit Begeisterung probierten und genossen.

Ab in den Urlaub

Am 28. Dezember war es dann für uns endlich so weit: Mit gepackten Taschen standen wir um halb sieben an der Straße und warteten auf den Bus nach Kampala.
Über unsere Reise, die verschiedenen Orte und unsere Erlebnisse berichten wir dann im Februar ausführlich!

Am Ende möchte ich mich noch ganz herzlich bei allen bedanken, die dieses Weihnachtsfest nach meinen Zeitungsartikeln und dem Blogaufrug als Anregung gesehen haben, unser Projekt in Alenga in Form einer Patenschaft oder einer Spende für den Schlafsaal finanziell zu unterstützen! Ich freue mich unglaublich darüber, wie viele Menschen ihr Interesse zeigen und wie viel wir dadurch hier in Bewegung setzen können. Es ist ein schönes Gefühl zu wissen, dass das eigene Projekt in der Heimat Unterstützung findet und besprochen wird. Gerne könnt ihr mir bei Fragen und Anregungen unter Francesca.Cyris@yahoo.com schreiben!

Nun sende ich euch ganz liebe und gut erholte Grüße von den Ssese- Inseln im Viktoriasee, wünsche euch ein glückliches und gesundes Jahr 2018 und freue mich von euch zu hören!

Eure Francesca

Traditionen hautnah erleben: Hochzeit!

Hallihallo,

heute erwartet euch ein spannender Bericht über meine Erlebnisse bei einer traditionellen ugandischen Hochzeit:

Am dritten Advent waren Greta und ich bei Jasper, dem Chef der Krankenstation, und seiner Verlobten Martha zur traditionellen Hochzeit eingeladen. Diese dient der offiziellen Vorstellung des Mannes bei den Eltern der zukünftigen Ehefrau.
Für Hochzeiten suchen alle ihre schönsten Gomas (traditionelle Kleider) oder Kleider heraus und auch wir zogen unsere nagelneuen Kleider aus Lira zum ersten Mal an.
Zuvor beschäftigten uns natürlich viele Fragen und so holten wir uns den Rat von einer Freundin, was man denn mitbringen könnte. Sie riet uns unter anderem zu Geschirr, so dass wir in Lira einige Teller besorgten.
Durch meine Arbeitskolleginnen, Sharon und Gloria, erfuhren wir dann aber, dass es angemessener ist, dem Bräutigam schon vorher Geld zu geben, um ihn finanziell bei der Vorbereitung des Festes zu unterstützen. Also gaben wir Jasper jede etwas Geld und zu unserer Verwunderung schrieb er uns und den Betrag auf eine Liste mit allen Mitarbeitern der Krankenstation.
Hier ist es üblich, dass der Bräutigam in vollem Umfang für das Hochzeitsfest aufkommt und der Familie der Frau eine großzügigen „Brautpreis“ anbietet. Dieser besteht unter Anderem aus Kühen, Hühnern, Ziegen und anderen materiellen Dingen, deren Anzahl sich am Bildungsgrad der Frau misst.

Mit DJ und Moderator gehts in den Hafen der Ehe

Das Fest fand in Marthas Heimatdorf statt und wir fuhren ca. zwei Stunden lang mit dem Krankenwagen der Krankenstation. Wir hofften inständig, dass an diesem Tag niemand in ein größeres Krankenhaus verlegt werden musste. Mit 14 Personen saßen wir auf engstem Raum hinten in dem Krankenwagen und dank der drückenden Hitze wurde die Fahrt auch richtig unangenehm. Umso glücklicher waren wir, als das Ziel endlich erreicht war und wir das wunderbar dekorierte Festgelände mit vielen Zelten erblickten. Sogar ein roter Teppich und ein Torbogen, durch den jeder Gast schreiten musste, um einen pinken Blumenanstecker zu bekommen, waren aufgebaut. Die ganze Zeit wurde das Fest von zwei sehr lauten Moderatoren auf Lango geleitet, die das Programm bekannt gaben und das Publikum bespaßen und bei Laune halten sollten. Natürlich ließen sie auch die Chance nicht aus, mit uns ihre Witze zu machen. Für Greta und mich waren solche Moderatoren sehr ungewohnt und etwas anstrengend, da sie die ganze Zeit laut geredet haben, der DJ im Hintergrund Lacher eingespielt hat und es wirklich keine freie Minute gab. Aber zu einem gelungenen Fest scheinen hier solche Moderatoren dazu zu gehören.

Der erste Programmpunkt war die Diskussion der männlichen Familienoberhäupter darüber, ob der von Jasper gebrachte Brautpreis ausreichend ist. Dafür zogen diese sich eine Weile zurück und die Gäste warteten geduldig auf ihre Entscheidung. Nachdem die Männer übereingekommen waren, wurden die Mütter von Jasper und Martha zusammengeführt und alle Frauen haben diese Feier sehr lebendig mit viel Tanz und Jubel begleitet. Die beiden Mütter standen dabei im Mittelpunkt des Tanzkreises und haben sich umarmt.

Wo ist die Braut?!

Als nächstes kam die sogenannte Brautsuche, bei der die ca. fünfzehn Brautjungfern in verschiedenen Gruppen in gleichen Kleidern in die Mitte des Festplatzes getanzt sind und sich dort auf eine Matte knien mussten. Dann suchten einige Freunde des Bräutigams in lustiger Atmosphäre nach der Braut. Sobald sie verneinten, dass Martha dabei sei, tanzte die Gruppe zurück und kam in neuer Konstellation wieder. Das geschah ca. fünfmal. Auf einmal kamen die Brautjungfern von allen Seiten des Festplatzes und tanzten in dessen Mitte. Und in einer Reihe waren auch unverkennbar Martha und ihre Trauzeugin. Es war leicht zu erkennen, sie hatten die schönsten Gomas an, waren aufwändig geschminkt und hatten teuren Haarschmuck. Die beiden knieten sich in die Mitte der Matte, während alle Brautjungfern sie umkreisten und mit Musik um sie herumtanzten und sie so versteckten. Nach einer langen Zeit der „Suche“ konnten Jasper und sein Trauzeuge endlich den Kreis der Brautjungfern durchbrechen und bahnten sich den Weg zu Martha. Um allen seinen Erfolg zu zeigen, hob Jasper seine Verlobte hoch und schritt mit ihr über den Festplatz. Am Tag nach der Hochzeit erzählten uns die Schwestern, dass die Braut normalerweise wirklich unter den Brautjungfern versteckt wird und diese dann sogar Masken und Tücher tragen, um es den Männern wirklich schwer zu machen.

Daraufhin kamen viele Freunde und hoben die beiden hoch, tanzten, jubelten und zeigten ihre Freude über die Hochzeit.

Hochzeitszeremonie mit Ringtausch

Im Anschluss hielten beide eine kleine Dankesrede an ihre eigenen Eltern und diese kamen zu Wort.
Obwohl die traditionelle Hochzeit kein kirchliches Fest ist, ist sie hier doch Voraussetzung um überhaupt kirchlich heiraten zu können. So war auch ein katholischer Katechist anwesend, der eine Rede hielt, eine Bibelstelle verlas und ein Gebet für die Ehe der beiden sprach. Für uns war sehr befremdlich, dass die Moderaten sogar währenddessen noch ihre Späßchen trieben.
Als nächstes stand der Austausch der Ringe und der Geschenke auf dem Programm, wofür Martha schnell das Kleid gewechselt hatte. Traditionsgemäß knieten Martha und ihre Trauzeugin vor Jasper und dessen Trauzeugen. Während Martha Jasper den Ring ansteckte und ihm eine Uhr und eine Anstecknadel überreichte, zupfte ihr Trauzeugin, die während der ganzen Zeremonie immer mit ihr im Mittelpunkt stand, ständig ihr Kleid, ihre Haare und ihren Schmuck zurecht. Anschließend überreichte Jasper Martha ebenfalls einen Ring und wunderschönen Schmuck aus Glitzersteinen.

Anschließend verschwanden die Braut und ihre Freundin schnell, um noch einmal das Outfit und die Frisur zu wechseln. In neuem Kleid wurden dann die Hochzeitstorten angeschnitten. Ein kleiner Teil wurde unter allen ungefähr 400 Anwesenden verteilt. Die restlichen Torten wurden an besondere Persönlichkeiten oder Gruppierungen verschenkt, z.B. an Marthas Schwestern, die Priester oder an die Mitarbeiter des Health Centers.
Daraufhin wurde von allen Freunden und Tanzbegeisterten die Tanzfläche erobert und ausgelassen das Fest genossen.

Als letzter offizieller Punkt war angesetzt, dass jeder der wollte, dem Brautpaar noch etwas Geld schenken konnte und gratulierte. Anschließend servierte der Catering-Service riesige Portionen verschiedenster ugandischer Speisen für alle Gäste. Dazu gab es Bier und Soda und aus deutscher Gewohnheit griffen wir zum Bier. Erst später bemerkten wir, dass alle anderen Frauen Soda tranken.
Als wir ca. die Hälfte unseres Tellers verspeist hatten, kam unsere Freundin Mary und teilte uns mit, dass wir jetzt mit dem Krankenwagen wieder aufbrechen müssten. Ziemlich verwundert ließen wir unsere Teller stehen und passten uns dem Rest an, in dem wir unser Bier in leere Plastikwasserflaschen umfüllten. Fast fluchtartig verließen alle Gäste sofort das Gelände und stiegen in die Autos. Als wir nach dem Grund fragten, erklärte Mary uns, dass sie die Dunkelheit auf den langen Strecken fürchten und nach dem Essen nur noch engste Familienmitglieder und Anwohner dableiben und bis spät in die Nacht feiern.
Wir fanden das unglaublich schade und waren sehr überrumpelt, weil wir uns auf das Tanzen und die inoffizielle Feier schon den ganzen Tag gefreut hatten.

Relativ erschöpft, aber sehr glücklich darüber, dass wir diesen Tag erleben durften, fielen wir am Abend in Alenga ins Bett.

Uns hat dieses Fest wirklich gut gefallen, weil deutlich wurde, wie sehr die Traditionen hier wertgeschätzt und zelebriert werden. Die Stimmung war unvergleichbar gut und ausgelassen und alle haben es sehr genossen zu tanzen, zu singen und das Brautpaar zu feiern.

Vielen Dank an meine fleißigen Leser und Grüße in die Heimat!

Eure Francesca

Mit viel Prozent in den Advent

Hallöchen ihr Lieben,
heute ein kleiner Bericht von eurem Dreamteam aus Alenga zu unserem ersten Advent:

Morgens gingen wir wie jeden Sonntag um acht Uhr in die Kirche. Da wir Teil des Chors sind, haben wir deshalb eigentlich immer gute Sitzplätze und es ist ein schönes Gefühl auf diese Weise in die Gemeinde integriert zu sein. Leider hing kein riesiger Adventskranz am Altar, auf dem die erste Kerze brannte, weil der Brauch hier nicht bekannt ist. In den Adventsgottesdiensten darf aufgrund der besinnlichen Vorbereitungszeit auf Christi Geburt nicht getanzt werden, was wir schade und ungewohnt fanden. Wir freuen uns schon darauf, wenn in der Weihnachtsmesse dann alle wieder voller Elan und Freude singen, tanzen und klatschen.

Erste Erfahrungen als Schnapsbrennerin

Danach besuchten wir unsere Freundin Anna, wo wir auch Walter und Brown trafen, ebenfalls Freunde von hier. Anna hatte uns eingeladen, mit ihr gemeinsam zu kochen und zu essen und dieses Mal auch Schnaps zu brauen. Wir waren sofort begeistert und freuten uns sehr auf den Besuch.

Als wir ankamen, hatte Anna bereits einige Flaschen Schnaps hergestellt und so gesellten wir uns einfach dazu, schauten zu, stellten Fragen und halfen mit, wo es ging. Der Schnaps wird aus Cassava gebraut. Cassava ist eine Pflanze und gehört zu den Wolfsmilchgewächsen. Das hat hier eigentlich jeder im Garten, sie wird gegessen und gekocht wie Kartoffel und wir finden sie super lecker.

Für den Schnaps wird die Cassava gemahlen, mit Wasser vermengt und dieser Mix wird eine Woche lang stehen gelassen, um zu gären. Dann füllt man es in sogenannte „Gulus“, die man fest verschließt und erhitzt. Wenn es innen so heiß ist, dass der Dampf aus dem Topf kommt, führt man einen Schlauch ein, über den der Dampf in eine Schüssel mit kaltem Wasser geleitet wird, abkühlt und dann in kondensierte Form als Schnaps aus dem Topf in die Flasche läuft (s. Fotos). Chemikalisch ist das sicher nicht perfekt ausgedrückt, dafür hätten wir in der Schule wohl besser aufpassen müssen.
Jedenfalls ist das Ganze ziemlich viel Arbeit, aber der Schnaps schmeckt gar nicht schlecht und lässt sich laut Anna sehr gut im Dorf verkaufen. Wir haben ihn warm probiert und fanden ihn auch ganz schön stark, aber trotzdem besser als erwartet.
Nebenbei haben wir noch gemeinsam gekocht und dann – wie immer bei Anna – super lecker und viel zu viel gegessen. Zufrieden und glücklich gingen wir am späten Nachmittag wieder Heim.

Ein schöner und lustiger erster Advent bei 35 Grad im Schatten. Hier kommt durch die Päckchen unserer Eltern mit Plätzchen, Dekoration und Adventskalender im Haus sogar ein bisschen Weihnachtsstimmung auf, sobald man das Haus aber verlässt, sieht man keine Deko oder Vorbereitungen, wie wir sie gewöhnt sind, sodass man schnell vergisst, dass Dezember ist.

Sonnige Grüße aus Alenga in die kalte Heimat,

Francesca und Greta

„Zu Weihnachten anderen eine Freude bereiten“

Weihnachten, was heißt das eigentlich? Hektische Geschenkejagd am 23. Dezember, dichtes Gedränge auf dem Weihnachtsmarkt und endlose Wunschzettel verwöhnter Kinder? Wohl nicht nur, natürlich auch Familienzeit, gemütliches Plätzchenbacken im Leuchten des Adventskranzes und strahlende Kinderaugen voller Vorfreude auf die Bescherung!
Für uns steht fest: Weihnachten ist ein Fest der Liebe und der Freude.

Wir wollen die Chance, dass wir dieses Weihnachtsfest in einer anderen Kultur verbringen dürfen, nutzen, um Euch einzuladen, nicht nur den Liebsten zu Hause eine Freude zu bereiten, sondern den Blick auch auf andere Umstände in der Welt zu richten.

Patenschaftsprojekte

Pate werden für eine der Schülerinnen

Durch Gretas Arbeit als Freiwillige in der Näherinnenschule Alengas, in der sie Englisch- und Computerunterricht gibt und ich mit ihr Sport und Musik unterrichte, liegt uns insbesondere die Unterstützung unserer Schülerinnen am Herzen. Die Berufsschule ist hier eine große Chance, aus armen Familienverhältnissen zu entkommen und als Frau selbstständig Geld verdienen zu können.

Problematisch ist, dass in Uganda Schulgebühren gefordert werden müssen, weil der Staat nicht genug in den Bildungssektor investiert. Hier ist es keine Ausnahme, dass die Mädchen nur einen geringen Teil der Gebühren bezahlen können und deshalb zu spät nach den Ferien ins Internat zurückkehren, während der Schulzeit nach Hause geschickt werden müssen und sie mit fünfzehn bis achtzehn Jahren täglich große Sorgen belasten.

Hier vor Ort ist es den Schwestern und Father Stan, unserem Mentor, ein Anliegen, dass selbst sehr armen Mädchen mit familiär belastetem Hintergrund die Möglichkeit geboten werden kann zur Schule zu gehen. Damit dieses Konzept weiterhin gelingt, möchten wir ein Patenschaftsprojekt in die Wege leiten. Dieses Projekt unterstützt einige der Mädchen des Abschlussjahrganges 2018 finanziell und mental, mit denen wir momentan den Großteil unserer Zeit verbringen. Es kann ein Kontakt über Skype, Briefe etc. zwischen den Paten und ihren Patenkindern hergestellt werden, was für beide Seiten eine tolle Möglichkeit ist, aus der Unterstützung mehr als nur eine Spende zu machen.

Für den Jahrgang, der in diesem Jahr die zweijährige Ausbildung beendet hat, mussten wir feststellen, dass von den 26 Mädchen, die 2016 angefangen haben, nur zwölf die Abschlussprüfungen absolvierten. Die restlichen Mädchen haben die Schule aufgrund finanzieller oder familiärer Schwierigkeiten, einer Schwangerschaft oder einer Heirat auf Wunsch der Eltern abgebrochen. Diese Zustände sind aus deutscher Sicht schwer nachzuvollziehen und machen oft traurig, wenn man miterlebt, wie die Situation für junge Mädchen in vielen Gebieten Ugandas ist.

Unser Anliegen ist nun, dass alle neunzehn Mädchen, die in zwei Wochen für die Ferien nach Hause fahren werden, im Februar wieder kommen können und so im November des kommenden Jahres die Schulausbildung erfolgreich beenden können.

Wenn jemand zu dieser Art der Patenschaft Fragen hat oder das Interesse schon geweckt wurde, meldet euch doch einfach privat bei mir (Francesca.Cyris@yahoo.com), dann kann ich genauere Informationen zu einzelnen Mädchen und ihrer Situation geben.
Die Kosten für eine einjährige Patenschaft würden sich auf ca. 280 Euro für alle Kosten (medizinische Gebühr, Schulgebühr, Nahrung, Material fürs Nähen und die Examensgebühr) belaufen. Es gäbe auch die Möglichkeit, als Pate nur einen Teil dieser Gebühr zu übernehmen oder die Mädchen noch über den Abschluss an der Schule hier zu fördern, so dass ihnen beispielsweise eine Karriere als Berufsschullehrerin offen stehen würde. Das alles ist individuell nach eurem Belieben regelbar.

Pate werden für Timothy oder Oscar

Seit einigen Wochen kennen wir auch Timothy und Oscar, zwei sechsjährige Jungs. Beide hatten aufgrund zu geringer finanzieller Möglichkeiten bislang nicht die Chance die Vorschule zu besuchen, die hier sehr wichtig ist, um lesen und schreiben zu lernen und erste Englischkenntnisse zu erwerben.

Oscar ist ein Waisenkind und lebt bei seiner Großmutter. Timothy ist Halbwaise und Sohn der Schulköchin und spielt jeden Tag auf dem Schulgelände herum. Oft merke ich, dass ihm sehr langweilig ist und der tägliche Kontakt zu Gleichaltrigen ihm gut tun würde.

Für beide Jungen würde es mich unfassbar freuen, wenn sie die Chance auf einen Paten hätten! Ohne finanzielle Unterstützung wird Oscar gar nicht zur Schule gehen können und Timothy könnte nur die staatliche Grundschule in Alenga ermöglicht werden, in der leider nicht genügend Wert auf die Unterstützung des Einzelnen und den Erwerb von Englisch gelegt wird. So eine Patenschaft muss allerdings gut überlegt sein und es ist wichtig, dass man sich auch aus der Ferne der Verantwortung bewusst ist, die man damit übernimmt. Zum Erlernen der Grundlagen, wie Lesen, Schreiben und etwas Englisch müssen die beiden, trotz ihres Alters, noch drei Jahre in die Nursery School (Kindergarten/Vorschule) gehen. Danch würden die Jungen in die siebenjährige, private „Primary School“ kommen. Im Anschluss wäre es natürlich toll, wenn ihnen auch die „Secondary School“ ermöglicht werden kann, die man entweder nach vier Jahren (vergleichbar mit der Realschule) oder nach sechs Jahren (A-Levels = britisches Abitur) mit einem entsprechenden Abschluss beendet.
Eine Patenschaft für Timothy oder Oscar würde also zu einer gesamten Unterstützung ihrer Schullaufbahn werden. So eine intensive Patenschaft ist dementsprechend auch eine tolle Möglichkeit für engen Kontakt zum Schützling und man könnte sogar über einen Besuch in Uganda nachdenken.

Für genauere Informationen zu der Situation der beiden Jungen und der Organisation einer solchen Patenschaft meldet euch doch bitte privat bei mir.

Ein neuer Schlafsaal

Außerdem planen wir zusammen mit Father Stan den Neubau des Schlafsaals der Mädchen. Momentan schlafen am Anfang des Schuljahres ca. 60 Mädchen auf engstem Raum in einem baufälligen Gebäude, das nicht richtig isoliert und deshalb immer unerträglich heiß ist. So haben Krankheiten schnell die Chance sich zu verbreiten und es gibt keinerlei Rückzugsmöglichkeiten für die Mädchen. Sie schlafen zum Teil in Dreifachstockbetten und ihre Koffer stehen direkt daneben auf dem Boden.

Zunächst werden wir uns auf einen ganz neuen Schlafsaal konzentrieren und wenn die finanziellen Mittel ausreichen, möchten wir auch das alte Gebäude renovieren. So wird den Schülerinnen ein angenehmer Schlafplatz, an dem sie sich wohlfühlen können, ermöglicht. Für den neuen Saal werden wir insbesondere auf eine angemessene Isolation achten und versuchen außerdem, einige Wünsche der Schülerinnen in die Planung mit aufzunehmen.

Wenn ihr Lust habt, den Bau des Schlafsaals finanziell zu unterstützen, spendet gerne an folgende Adresse:

Comboni-Missionare KöR, 73479 Ellwangen
KSK Ostalp
IBAN: DE66 6145 0050 0110 6170 15
BIC: OASPDE6AXXX
Verwendungszweck: MaZ Francesca Cyris (631) Alenga, Uganda

Ich freue mich auf die Verwirklichung unserer Pläne durch Eure Hilfe und bin überzeugt, dass gerade Projekte wie die Patenschaft eine Möglichkeit zum besseren Verständnis zwischen den beiden Ländern führen, die sich gerade in Bezug auf den Bildungsstandard und die Chancen für Mädchen gravierend unterscheiden.

Ich danke allen LeserInnen für das große Interesse und die Unterstützung!

Genießt die Advents- und Weihnachtszeit und trinkt einen oder zwei Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt für mich mit!

Eure Francesca

Mein Alltag in der Krankenstation: Babygeschrei und jede Menge Neues

Hallo ihr Lieben,

Nun bin ich schon seit drei Monaten in Uganda und arbeite schon neun Wochen in Alenga. Heute möchte ich euch etwas über meine Arbeit, was ich da so mache und was mir alles sofort aufgefallen ist, erzählen.

Die Struktur des Gesundheitssystems in Uganda

In diesem Teil möchte ich euch das Gesundheitssystem von Uganda etwas erläutern.
Uganda ist unterteilt in vier große Regionen: Norden, Osten, Süden, Westen. Diese Regionen sind wiederrum in 112 Districts (Bezirke) und diese in Counties (Landkreise) unterteilt. Die nächste Abstufung sind Sub-Counties, danach Parishes (Gemeinden) und als letztes die Villages (Dörfer).

In Uganda gibt es ca. 4500 Gesundheitseinrichtungen. 155 davon sind Krankenhäuser.
In den 65 Krankenhäusern im öffentlichen Sektor, von der Regierung finanziert, wurden die Gebühren abgeschafft, wodurch die Zahl der Patienten in den ambulanten Einrichtungen dramatisch angestiegen ist.
Private, nicht gewinnorientierte Anbieter besitzen 63 der Krankenhäuser. 75% der Anbieter sind religiöse Einrichtungen, die größten Anbieter sind das Uganda Catholic Medical Bureau (katholisch), das Uganda Protestant Medical Bureau (evangelisch), das Uganda Muslim Medical Bureau (muslimisch) und das Uganda orthodox medical bureau (orthodox).
Private gewinnorientierte Anbieter besitzen 27 der 155 Krankenhäuser.

Das Gesundheitssystem ist in ein nationales und ein in Distrikten orientiertes System unterteilt.
Der unterste Rang des in Distrikten organisierten Bereichs sind die Village Health Teams. Das sind freiwillige Gesundheitsarbeiter, die vor allem dafür sorgen sollen, dass die Gemeinschaft Wissen und Aufklärung über Krankheiten wie Durchfall, Malaria, Lungenentzündung und andere tropische Erkrankungen erhält. Sie verweisen die Kranken zum nächsten Health Center. Jedes Dorf sollte so ein Team haben, dieses ist somit für 1000 Leute zuständig.
Das nächste Level ist das Health Center II. Hier sollten eine Krankenschwester/-pfleger, eine Hebamme und mehrere Gesundheitsassistenten arbeiten. Diese ambulante Klinik behandelt übliche Krankheiten wie Malaria und bietet Schwangerschaftsvorsorge an. Sie ist zuständig für die Versorgung von ca. 5000 Einwohnern und jedes Parish sollte eines haben.
Das Health Center III sollte in jedem Sub-Countie vorhanden sein und bietet zu den Leistungen des HC II noch eine stationäre Aufnahme, ein Labor und eine gesundheitliche Versorgung speziell für Mütter. Ein HC III sollte 18 Mitarbeiter haben, geleitet von einem Clinical Officer. Clinical Officers haben eine Ausbildung zwischen einer Krankenschwester/Krankenpfleger und einem Arzt/ einer Ärztin.
Auf dem vorletzten Level sind die Health Center IV. Jedes County sollte eines haben und damit 100.000 Einwohner medizinisch versorgen. Zusätzlich zum HC III ist es hier möglich chirurgische Eingriffe, Notfalloperationen und eine umfassende Notfall-Geburtshilfe durchzuführen, sowie Bluttransfusionen zu geben.
Die letzte Stufe sind die Krankenhäuser. Hier werden zusätzlich zu den Leistungen des HC IV Gesundheitsprobleme erforscht, besprochen und Fortbildungen angeboten.

Auf nationaler Ebene gibt es zwei Arten von Krankenhäusern mit verschieden Stationen und Abteilungen. Zum Ersten die Regional Referral Hospitals, davon gibt es 14 im ganzen Land, und zum Zweiten die National Referral Hospitals, wovon es nur zwei gibt, die sich beide in der Hauptstadt Kampala befinden. Eins davon ist eine psychiatrische Klinik und das andere das beste und größte Krankenhaus von Uganda mit den besten Ärzten des Landes.

Das ist die Theorie. Die Realität sieht in Uganda ganz anders aus.

Meine persönliche Erfahrung

Ich arbeite in der Krankenstation des Dorfes Alenga. Es gehört dem Uganda Catholic Medical Bureau, ist ein Health Center III und damit eine sehr wichtige und schon etwas größere Einrichtung.

Das Health Center
An meinem ersten Tag zeigte mir Jasper, Krankenpfleger und Chef des Health Centers, das Gelände. Auf der einen Seite steht ein Gebäude mit der Dispensary (Arzneiausgabe), dem Untersuchungsraum, dem Büro des Chefs, dem Labor und einem Besprechungszimmer. Hier werden ankommende Patienten von Godfrey in ein Buch aufgenommen und müssen dann im Gang auf einer Bank warten bis sie aufgerufen werden. Im Besprechungszimmer fragt dann Jasper, der Medical Officer Richard oder eine der Hebammen, Sharon oder Gloria,  nach den Beschwerden. Anschließend werden sie oft zu u. A. Blut- oder Urinuntersuchung ins Labor geschickt. Danach kommen sie wieder ins Untersuchungszimmer und es wird die Diagnose gestellt und die Medikation aufgeschrieben. Zuletzt werden die Medikamente in der Dispensary ausgegeben und am Empfang bezahlt.

Auf der anderen Seite befindet sich die Maternity („Mutterschaft“). In diesem Gebäude werden schwangere Frauen untersucht, stationär vor und nach der Geburt behandelt und viele Babys geboren. Ungefähr 12 Betten stehen in dem großen Raum, die die meiste Zeit belegt sind. Nochmal drei Betten gibt es im Raum vor dem Geburtsraum für Frauen, die kurz vor oder nach der Geburt stehen. Außerdem gibt es einen Raum mit Inkubator für ein Frühgeborenes.

Des Weiteren befinden sich auf dem Gelände noch Dusche, Plumpsklo und ein Küchenhaus für die Patienten. Im Gegensatz zu Deutschland sind hier die Familienmitglieder des/der Kranken die meiste Zeit vor Ort. Sie kochen selber und waschen die Wäsche des Patienten. Ich finde es sehr schön, dass die Klienten hier die meiste Zeit nicht allein sein müssen, sondern von ihrer Familie umgeben sind. In Deutschland habe ich bei meiner Arbeit im Krankenhaus oft mitbekommen, dass gerade alte Menschen oft einsam waren und darüber sehr traurig waren.

Zwei Welten treffen aufeinander
Was mir sofort beim Betreten der Gebäude auffiel, war der riesige Unterschied zu den medizinischen Einrichtungen in Deutschland. Dort war ich es gewohnt überall im Krankenhaus Desinfektionsmittelspender und Waschbecken zu finden. Hier jedoch gibt es nur eine Stelle zum Händewaschen und Desinfektionsmittel nur zum Reinigen von Verletzungen und nicht für die Hände.
Als Jasper mir das Maßband zum Messen der Größe in der Maternity zeigte und mich daneben stellte, sagte er mir, dass ich 1,52m groß bin. Ich teilte ihm mit, dass das nicht stimmen kann, da ich 1,66m groß bin. Später an einem anderen Maßband stellte er dann fest, dass ich tatsächlich 1,66m groß bin. Er meinte nur „Oh okey, dann hat das jemand falsch aufgehängt“. Bis heute hängt das Maßband immer noch 14 cm in der Luft und die Frauen sind alle höchstens 1,60m groß. Das ist ein perfektes Beispiel dafür, wie hier oft dokumentiert wird. Alles wird sehr sorgfältig aufgeschrieben, jeder bekommt eine Patientennummer und jeder Besuch wird in einem der unzähligen Bücher registriert. Zudem werden viele Blätter für Studien und Umfragen ausgefüllt und weggeschickt. Das Problem ist dabei nur, dass es kaum jemanden interessiert, wenn die Maße falsch genommen werden. Zudem herrscht oft Zeitdruck, sodass einige Male schon der Blutdruck nur geraten und aufgeschrieben wurde. Ich ärgere mich oft, denn in meinen Augen sind solche Daten schon wichtig für die Krankengeschichte und genau in solchen Situationen merke ich auch, wie deutsch ich eigentlich bin. Ordnung, Sauberkeit und pünktlich sein – gute deutsche Klischeeeigenschaften, die ich vorher nie so bei mir wahrgenommen habe, da ich durchaus jemand bin, dessen Zimmer mal unaufgeräumt ist und die gerne mal zehn Minuten zu spät ist. Mir fiel es sehr schnell auf, wie anders es hier ist. In der Krankenstation stehen sehr viele Kisten mit alten Heften, losen Blättern oder kaputten Dingen. An der bröckelnden Wand hängt ein Dienstplan von Januar 2016. An der anderen ein zerrissenes Plakat einer Kampagne aus dem Jahr 2004. Jedes Mal frage ich mich, ob das sein muss und warum das niemanden außer mir stört.
Was mir außerdem sofort auffiel, war, dass jeder Klient sein eigenes Heft mitbringen muss, denn dort werden die Untersuchungs- und Testergebnisse, Diagnose und die Medikamente aufgeschrieben. Das ersetzt die bei uns in Deutschland übliche Patientenakte. Auf der einen Seite ist das in meinen  Augen eine gute Idee, da viele Leute unterschiedliche Krankenstationen besuchen und dann immer alle Informationen im Heft sind. Außerdem hätte das Health Center niemals genug Platz und vor allem Ordnung, um Akten systematisch aufzubewahren. HIV- Infizierte und AIDS-Kranke sind die Einzigen mit einer Akte im Health Center. Auf der anderen Seite kann man sich leicht vorstellen, dass es alles andere als ordentlich ist mit diesen Heften, denn viele sind zerknittert, gefaltet oder mit Öl befleckt. Außerdem fehlen oft Informationen oder die Hefte gehen verloren und es wird ein neues angefangen.

„Die Europäer haben die Uhr, wir haben die Zeit.“ – afrikanisches Sprichwort
Meine Arbeitszeit ist von 8.00-13.00 Uhr. Die ersten drei Wochen war ich vorbildlich pünktlich um 8.00 Uhr vor Ort und allein. Ich war stets die Erste, die im Health Center erschien, und sogar die Nachtschwester war schon nach Hause gegangen. Natürlich fühlte ich mich nicht sonderlich wohl, wenn ich über eine Stunde allein war, ich hatte Angst, dass auf einmal eine Mutter ihr Kind bekommt oder jemand mit Schmerzen ankommt. Dementsprechend passte ich mein Verhalten an und integrierte mich ganz gut, indem ich mittlerweile auch immer erst um 9.00 Uhr dort bin. In dem Buch, in dem man sich als Mitarbeiter einträgt, wenn man kommt, steht trotzdem die erste Person immer ca. um 8.10 Uhr drin. Soviel zur Dokumentation.

Lango – eine tägliche Herausforderung
Trotz der, in meinen Augen, großen Unordnung, Umständlichkeit, Unpünktlichkeit und mangelhaften Hygiene kommen die anderen Mitarbeiter immer mit einem Lächeln an ihren Arbeitsplatz und begrüßen mich immer fröhlich auf Lango. Mit meinen Sprachkenntnissen in Lango komme ich hier leider noch nicht sehr weit, begrüßen und ein paar einfache Sätze sagen funktioniert schon gut. Deswegen bin  ich sehr froh, dass meine Kollegen alle Englisch können. Das Problem ist, dass die meisten Patienten kein Englisch können. Oft versuchen sie, mit mir zu reden, doch leider verstehe ich es dann meistens nicht. Auch wenn Sharon mit den Patienten spricht und ihnen etwas erklärt, verstehe ich leider oft nur ein paar Wortfetzen. Ich versuche natürlich weiterhin, mein Lango zu verbessern und habe einmal die Woche mit Greta Unterricht bei einem der Lehrer aus der Näherinnenschule, wobei der Unterricht leider nicht so strukturiert und übersichtlich ist wie wir es von Deutschland gewohnt sind – wieder eine typisch deutsche Feststellung.

Mein Arbeitsbereich

Ich arbeite meistens mit Sharon oder Gloria zusammen in der Maternity. Dienstags und Freitag kommen die schwangeren Frauen. Wir messen den Blutdruck, wiegen sie und die Hebamme untersucht den Bauch und die Lage des Kindes mit ihren Händen. Je nachdem, wie weit das Kind vom Nabel der Mutter entfernt ist, kann sie ertasten in welcher Schwangerschaftswoche sie ist. Mit dem Pinard’schen Hörrohr erfasst sie dann noch den Herzschlag des Babys. Samstags wird seit ca. einem Jahr sogar eine Ultraschalluntersuchung für Frauen angeboten, bei denen das Baby schwer zu ertasten ist.

Malaria: eine weit verbreitete Krankheit in Uganda
Außerdem bekommen die Mütter hier ab der 16. Schwangerschaftswoche bei den Vorsorgeuntersuchungen Tabletten zur Malariaprophylaxe. Malaria ist eine durch den Stich der Anophelesmücke übertragene, fieberhafte und tropische Erkrankung. Sie kommt hier sehr häufig vor, kann aber meistens ohne Probleme mit Medikamenten behandelt werden. Laut dem ugandischen Gesundheitsministerium ist Uganda das Land mit dem größten Malariavorkommen weltweit: 478 von 1000 Personen bekommen pro Jahr Malaria. Malaria ist für werdende Mütter besonders gefährlich, da der Verlauf der Erkrankung schwerer ist als bei nicht-Schwangeren. Auch das Ungeborene kann geschädigt werden. Je nach Immunitätslage der Mutter kann der Fötus sich über die Plazenta der Mutter anstecken. Fehlgeburt, Wachstumsverzögerung und Frühgeburt können die Folge sein. Deswegen bekommen alle Schwangeren beim ersten Besuch ein Moskitonetz, um sich vor allem nachts schützen zu können.

HIV, AIDS und das Problem des Stillens
Im Labor werden die Frauen natürlich auch auf Infektionen und HIV getestet. Die Anzahl der Menschen mit HIV (Humanes Immundefizienz-Virus) ist in der Vergangenheit in Alenga immer mehr angestiegen. Das hat mich sehr verwundert, da man eigentlich davon ausgehen müsste, dass durch die bessere Aufklärung heutzutage die Menschen darüber Bescheid wissen wie sich HIV überträgt. HIV lässt sich neben Blut und anderen Körperflüssigkeiten auch über die Muttermilch übertragen, deswegen war ich zuerst sehr schockiert, als ich erfuhr, dass HIV positive Mütter ihr Baby stillen. Die Mutter, aber auch das Baby, um das Risiko einer Übertragung möglichst gering zu halten, müssen in dieser Situation Medikamente nehmen. Was mir schnell klar wurde ist, dass es natürlich für die Menschen hier keine andere Möglichkeit gibt, außer normal weiterzustillen. Babynahrung ist viel zu teuer und auch nicht erhältlich, außerdem hätten die Leute gar nicht das Wissen und die Möglichkeiten die Babynahrung herzustellen und zu lagern.
Zudem sollen die Schwangeren regelmäßig Tabletten zur gesunden Entwicklung des Babys nehmen wie z.B Folsäure und Eisen. Diese erhalten sie bei der Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchung. Jedoch gibt es nicht genügend von diesen Tabletten, deswegen werden oft viel zu wenige bzw. gar keine verteilt. Des Weiteren erhalten die werdenden Mütter regelmäßig eine Impfung gegen Tetanus.

Kinder bekommen Kinder
Erschreckend für mich ist das Alter der Schwangeren Frauen, denn viele von ihnen sind gerade 17 Jahre alt. Die Mädchen haben zum Teil nicht einmal die Primary School (1.-7. Klasse) beendet und sollen dann heiraten und Kinder bekommen, denn oft fehlt das Geld und das Interesse der Eltern um das Kind weiter in die Schule zu schicken. Im Durchschnitt bekommt eine Frau in Uganda 6,7 Kinder und nur 25% aller Frauen nutzen Verhütungsmittel (laut des Gesundheitsministeriums Ministry of Health). Gerade in einem Dorf wie Alenga bekommen die Frauen sehr viele Kinder und nicht selten steht in ihrem Heft, dass sie in der neunten Schwangerschaft sind aber zwei Kinder schon vor oder nach der Geburt verstorben sind.

Hilfe aus aller Welt
Finanziell unterstützt wird das ugandische Gesundheitssystem durch sehr viele Geldgeber aus dem Ausland. So wird das fünfjährige staatliche Uganda Health Systems Strengthening Project (UHSSP) finanziell von der Weltbank unterstützt. Das Ziel ist es, die Erkrankungs- und Sterblichkeitsraten zu senken und jedem Einwohner eine minimale Gesundheitsversorgung zu gewährleisten.
Ein Projekt von USAID ist das Voucher Plus System. Für 4000 Uganda Schilling, ca. einen Euro, können sich die Schwangeren Aufkleber kaufen, mit denen sie vier Vorsorgetermine, sowie Geburt und Nachsorge bezahlt bekommen. Das ist viel günstiger als ohne den Voucher und macht es vielen Frauen erst möglich, sicher in einem Health Center ihr Kind auf die Welt zu bringen. Es war ein schönes Gefühl zu sehen, wie sich eine Mutter letzte Woche gefreut hat als sie erfuhr, dass sie für die Geburt kein Geld mitbringen muss, sondern alles durch den Voucher bezahlt wird.
Auch in den anderen Bereichen der Krankenstation entdecke ich überall Aufkleber und Kartons mit Moskitonetzen der Hilfsorganisationen UK- und USAID.
Diese Unterstützung ist hier dringend nötig, da der Staat nur sehr wenig in  den Gesundheitssektor investiert. Da das Health Center in Alenga eine private Einrichtung ist, müssen die Kranken für ihre Medikamente und Laboruntersuchungen Geld bezahlen. Ein paar Medikamente, wie die der HIV-Infizierten, gibt es kostenlos, sie werden allerdings nicht vom Staat sondern von Hilfsorganisationen finanziert. Die Frage ist natürlich was passiert, wenn nach ein paar Jahren die finanziellen Hilfen aus dem Ausland eingestellt werden?

Große Herausforderungen
Wie ihr sicher aus meinem Artikel entnehmen könnt, ist das Gesundheitssystem alles andere als gut strukturiert und ausreichend. Viele Einwohner nehmen weite Entfernungen, oft zu Fuß, auf sich, um die Krankenstationen zu erreichen und müssen lange Zeit auf die Behandlung warten.
Häufig fehlt den Gesundheitseinrichtungen das Geld, um die nötige Medizin einzukaufen, und gerade in den staatlichen Einrichtungen fehlt es aufgrund der kostenlosen Behandlung und der kostenlosen Medikamente an allen Ecken. Natürlich fehlt auch den Bewohnern der Dörfer das Geld und viele begeben sich nicht einmal in ein Health Center, da sie sich die Behandlung sowieso nicht leisten können.
Zudem hat Uganda viel zu wenig ausgebildete Arbeiter im Gesundheitssektor und aufgrund der schlechten Bezahlung fehlt vielen die Motivation. Deshalb versuchen einige im Ausland zu arbeiten, um einen Arbeitsplatz mit besseren Bedingungen zu finden – ein Problem, das auch Deutschland hat.

Wertvolle Momente und Erfahrungen
Ich bin unglaublich froh, dass ich hier in Alenga einen so guten und interessanten Einblick in die medizinische Versorgung des Landes bekommen kann. Die Arbeit macht mir richtig viel Spaß und mit  Sharon und Gloria habe ich nicht nur supernette Kolleginnen sondern auch erste Freundinnen gefunden.
Ich lerne hier jeden Tag während meiner Arbeit etwas Neues kennen, das ich mir so nie vorgestellt hätte. Das gibt mir viel Stoff zum Nachdenken und macht mich oft wütend oder traurig über die Ungerechtigkeit auf der Welt.
Natürlich fällt es mir manchmal schwer, die Situation vor Ort zu begreifen und die Armut und den Mangel an fast allem so hautnah mitzubekommen. Trotzdem sehe ich viel Wunderbares, Schönes und Spannendes bei meiner Arbeit, wie zum Beispiel die Geburt eines Babys und die glücklichen Gesichter der Frauen, wenn ihnen gesagt wird, dass es ihrem ungeborenen Baby gut geht.

Jetzt ist erst einmal Schluss mit diesem Artikel. In naher Zukunft werde ich noch über weitere aufregende  Themen und unser Projekt in der Schule berichten.
Meine Mitfreiwillige Greta hat in ihrem Beitrag „Earning for the future“ einen sehr interessanten Beitrag über ihre Arbeit in der Näherinnenschule veröffentlicht, den ihr unbedingt lesen solltet!

Vielen Dank an alle fleißigen Leser.
Ich sende allerliebste Grüße in die Heimat und freue mich von euch zu hören,

eure Francesca

 

Gottes Segen für die Prüflinge

Hallo ihr Lieben,

heute möchten Greta und ich euch etwas über unsere Erfahrungen mit der Examensvorbereitung der SchülerInnen in Uganda berichten.

Besuch einer Privatschule

Letzten Donnerstag besuchten wir gemeinsam mit den Sisters und Father Justin eine besonders angesehene private Primary School in Apele. Durch den Kolonialismus, in dem die Briten das britische Bildungssystem in Uganda installiert haben, orientiert sich das ugandische noch heute am britischen Schulsystem und die Primary School geht von der ersten bis zur siebten Klasse. Die Sisters kennen den Schulleiter gut und auch wir durften ihn zuvor schon kennenlernen, so dass er uns ausdrücklich eingeladen hatte und sich sehr über den Besuch freute.
Anlass des Besuchs war das sogenannte „Dedication Prayer“. Das wurde hier vor einigen Jahren eingeführt und dient der mentalen Vorbereitung auf das Abschlussexamen, indem man Gott um seinen Beistand bittet und für die Chance auf Bildung dankt.
Bei der Ankunft fiel Greta und mir sofort auf, dass das ganze Schulgelände besonders sorgfältig angelegt und gepflegt ist. Bei näherem Kontakt mit den SchülerInnen bemerkten wir schnell, dass hier mit mehr Druck Englisch gelehrt wird als in der staatlichen Primary School Alengas und es den SchülerInnen leichter fiel, sich mit uns zu unterhalten.

Die SchülerInnen haben große Träume
Die Feier begann mit einer langen Messe, in der Father Justin die 40 SchülerInnen des Abschlussjahrgangs und auch ihre Hefte und Stifte segnete.  Am Ende fragte Father Justin die angehenden Absolventinnen und Absolventen nach ihren Berufswünschen. Die Jungen und Mädchen haben große Träume. Bei den Mädchen war insbesondere der Beruf der Krankenschwester beliebt, während die Jungs vielfältigere Pläne wie zum Beispiel Arzt, Pilot, Bankmanager, Priester und sogar Präsident haben.
Nach der Messe durfte jeder Gast, Lehrer und der Schulleiter eine kleine Rede halten. So durften auch wir zu Wort kommen und haben dabei von unseren ersten Lango Kenntnissen Gebrauch gemacht. Als kleinen Motivationsschub verteilten wir anschließend Süßigkeiten an die Prüflinge.
Nach einer kleinen Führung über das Schulgelände und einer ewig andauernden Fotosession, in der wir uns fühlten wie die Attraktion des Jahres, lud uns der Schulleiter zu sich zum Mittagessen ein.

Den SchülerInnen der Apele Primary School wünschen wir, dass ihre Eltern weiterhin Wert auf gute Bildung legen und sie deshalb finanziell unterstützen und nicht dazu zwingen, zu Hause oder auf dem Feld arbeiten zu müssen. Außerdem ist die Gefahr gerade bei Mädchen groß, dass sie schon unter 18 Jahren verheiratet werden und Kinder bekommen, weil vielen Eltern der Profit durch die Kühe der Familie des Ehemanns besonders wichtig ist. Kühe sind hier ein Symbol für Reichtum und Ansehen und somit sehr begehrt.

Die Feier für unsere Mädchen

Diesen Mittwoch fand dann ein ähnliches Fest für den Abschlussjahrgang der Nähschule in Alenga statt. Da unsere Schülerinnen ein buntes Programm für den Gottesdienst vorbereiteten, durften auch Greta und ich daran teilnehmen, indem wir uns der Tänzer-Gruppe anschlossen.
Nach einigen Proben fühlten wir uns immer noch sehr unsicher und wacklig auf den Beinen, während die Mädchen in ihren traditionellen Tänzen voll aufgehen konnten. Der Chor trommelte, rasselte und sang voller Elan und uns lief der Schweiß hinunter. Trotz unserer leichten Unbeholfenheit und Aufregung machte das Tanzen uns großen Spaß und alle Anwesenden waren von unseren Tänzen begeistert. Greta und ich bekamen viel Lob, und die Gemeinschaft freute sich, dass wir uns so gut mit den Schülerinnen verstehen und uns in die Kultur integrieren.

Eine Rede halten – das gehört zu jedem Fest dazu!
Wieder segnete Father Justin die Schülerinnen mit viel Weihwasser, was aufgrund ihres tief verwurzelten Glaubens besonders bedeutungsvoll, schön und wichtig für sie war. Nach Ende der Messe gingen wir gemeinsam in die Versammlungshalle der Schule, wo das Fest durch leckeres Mittagessen, Reden und Tänze abgerundet wurde. Besonders wundervoll war, wie sehr die Mädchen sich darüber freuten mal im Mittelpunkt stehen zu dürfen und ihre eigenen Auftritte vor der Schulgemeinschaft genossen. Auch wir kamen wieder zu Wort und versuchten den Mädchen einige Ratschläge für die Zukunft zu geben. Wir rieten ihnen unter anderem sich einen anständigen Mann auszusuchen, ihre Familie gut zu planen und dabei nie zu vergessen, dass sie durch ihre Ausbildung zur Näherin nun finanziell unabhängige und gut gebildete, noch sehr junge, Frauen sind.
Diese Worte empfinden wir als passend, da es der Schule ein großes Anliegen ist, dass die Mädchen sich durch die Ausbildung aus der in ihren Familien weit verbreiteten Armut befreien. Die Armut wird oft bedingt durch fehlende Bildung und die damit verbundene fehlende Aufklärungsarbeit, so dass Arbeitslosigkeit und mangelnde Verhütungsmethoden das Resultat sind. Weil einige Männer mit ihrer Lebenssituation unzufrieden sind, neigen einige davon hier zum Alkoholismus und es kommt manchmal dazu, dass Männer ihre Frauen schlecht behandeln oder missbrauchen und sich nach einiger Zeit eine neue bzw. zusätzliche Ehefrau suchen, sodass Frau und Kinder auf sich allein gestellt sind. Ein weiteres Ziel der Schule, und etwas, was Sister Anne den Schülerinnen immer versucht einzuprägen, ist, dass sie nicht zu früh heiraten und zu früh Kinder bekommen sollen. Es passiert hier, dass Mädchen, gerade mit niedrigem Bildungsstand, mit 17 Jahren das erste Mal  schwanger werden. Diese jungen Mütter haben kaum eine Perspektive, und ohne Bildung und eventuell auch noch mit einem Ehemann, der zu viel Alkohol trinkt, haben sie nur geringe Chancen auf ein zufriedenstellendes Leben.
Ich denke, nach dieser kurzen Erläuterung wird deutlich, wie wichtig es für Frauen ist (hier, aber auch auf der ganzen Welt), finanziell undabhängig zu sein.
Nach diesen Worten teilten wir zur Motivationsanregung wieder kleine Süßigkeitentüten aus, die die Schülerinnen mit viel Jubel entgegen nahmen.

Wir gehören dazu
Für uns ist es ein besonders schönes Gefühl, nun schon so in die Schulgemeinschaft integriert zu sein und enge Beziehungen zu den Mädchen aufzubauen. Die Proben waren besonders abwechslungsreich und lustig und die lockere Atmosphäre trug dazu bei,  dass wir uns noch wohler fühlen.

Danke fürs Lesen!
Wir werden euch in den nächsten Wochen noch mehr über unsere Arbeitsstellen und das ugandische Schulsystem berichten.

Erste Eindrücke von Uganda

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

nun sind wir schon über drei Wochen in Uganda und ihr wartet sicher schon gespannt auf unseren Bericht:

Nachdem Greta und ich uns schweren Herzens am Flughafen von unseren Familien verabschieden mussten, begann die aufregende Reise. Wir waren sehr froh, als wir uns endlich in Istanbul wiedertrafen, um dann gemeinsam nach Entebbe zu fliegen.

Im regnerischen und dunklen Entebbe angekommen, warteten wir eine gefühlte Ewigkeit an der Immigration auf unsere Visa. Danach der erste Glücksmoment: unser gesamtes Gepäck war unversehrt angekommen und auch den Fahrer der Combonis fanden wir sofort. Völlig erledigt fielen wir an diesem Abend im Provincial House der Combonis in Kampala ins Bett.

Am Montag nahmen uns die Combonis herzlich in Empfang und zeigten uns schon ein Stück der Umgebung.  Abends kam unsere Vorgängerin Katharina Hutter in Kampala an, worüber wir sehr glücklich waren.  Gemeinsam erledigten wir in den nächsten Tagen wichtige Formalitäten wie die Arbeitserlaubnis, kauften Lebensmittel, eine Simkarte und erkundeten die Hauptstadt. Dabei besichtigten wir auch das Namugongo Denkmal für die christlichen Märtyrer Ugandas. Dort werden mindestens 45 Märtyrer geehrt, die zwischen 1885 und 1887 durch den König Mwanga II. aufgrund ihres Glaubens verbrannt worden waren. Für die Ugander ist dies ein sehr bedeutender Ort, der auch als Pilgerstätte genutzt wird und wir haben unserem Guide angemerkt, wie stolz er auf dieses Denkmal ist, insbesondere weil es bereits von drei Päpsten besucht und gesegnet wurde.

Als Transportmittel nutzten wir dabei hauptsächlich das Boda Boda (Motorrad) oder die landesüblichen Taxis (Kleinbusse für bis zu 15 Personen) und bemerkten sowohl den chaotischen und lauten Verkehr als auch die extreme Luftverschmutzung Kampalas. Boda Bodas haben den Vorteil, dass sie sich durch den dichten Verkehrsstau drängeln können, was zwar schneller zum Ziel führt, andererseits aber auch einige Schreckensmomente bei uns hervorrief.

Auf diese Weise gelangten wir zu den verschiedensten Märkten und konnten wunderschöne Stoffe, eine Vielzahl von Früchten und interessante Gerichte bewundern. Auffällig für uns war, wie die Leute uns aufgrund unserer Hautfarbe anstarrten und musterten.

Außerdem lernten Greta und ich durch die Little Sisters of Mary Immaculate of Gulu schon das einheimische Essen kennen. Hier ist es üblich, drei Mal pro Tag warm zu essen. Das bedeutet also beispielsweise morgens Millet (fester Getreidebrei) und Matooke (Kochbanane), mittags Greens, Reis und Cassava und abends Bohnen, Kraut und Kartoffeln.

 

„Karibuni Alenga“ (Willkommen in Alenga)
Freitags ging es gemeinsam mit Father Justin, der am Mittwoch aus Alenga anreiste, und Katharina nach Alenga. Nach vier Stunden Autofahrt erreichten wir den Nil und setzten mit einer kleinen Fähre über. Von dort aus dauerte es noch ca. eine Stunde nach Alenga, während dieser Zeit betrachteten wir aufmerksam die wunderschöne, grüne und in weiten Teilen wohl unberührte Landschaft Ugandas. In Alenga angekommen, lernten wir den wirklich lieben Father Alberto kennen, der alles direkt mit seinem Smartphone dokumentierte und auf Facebook postete.  Auch die drei Sisters nahmen Greta und mich herzlich in Empfang. Katharina zeigte uns daraufhin die Wohnung, in der wir das nächste Jahr leben werden. Da das Haus drei Wochen lang nicht bewohnt war, bekamen wir gleich den allerersten großen Schock: In jeder Ecke Spinnenweben, Spinnen, Käfer, Geckos, Staub und noch mehr Spinnen. Gemeinsam machten wir uns also zuerst daran, die Wohnung zu putzen und wieder auf Vordermann zu bringen, bevor wir einräumten und bei den Fathers zu Abend aßen.

Das erste Highlight war dann der Gottesdienst am Sonntag. Zwar fühlten wir uns etwas verloren, da wir kein Wort verstanden (der Gottesdienst wird auf Lango zelebriert) und somit auch die Gebete und Abläufe nicht richtig nachvollziehen konnten, aber die Art, wie die Menschen hier ihren Glauben feiern und ausleben, ist so beeindruckend und voller Freude, dass wir von dieser Ausgelassenheit angesteckt wurden. Während der Messe wird unheimlich viel getanzt, geklatscht, gesungen und gejubelt. Man spürt sofort, dass der Glaube hier tiefer verwurzelt und  von größerer Bedeutung für die Menschen ist.

Am Ende der Messe sollten Greta und ich uns vorstellen, wir bemerkten die neugierigen Blicke der Gemeinde und waren sehr aufgeregt, wurden aber durch erneuten Jubel und lautes Klatschen herzlich in Empfang genommen.

Nach der Messe umringte uns eine Kinderschar, wir lernten viele Freunde von Katharina kennen und einige kamen auch von sich aus auf uns zu und begrüßten uns.

In der folgenden Woche bekamen wir die Möglichkeit, viele Freunde von Katharina zu Hause zu besuchen, wurden viel zum Essen eingeladen und so konnte sie sich noch einmal von allen verabschieden und wir erste Kontakte knüpfen.

Besonders in Erinnerung geblieben ist uns ein Besuch bei Anna. Wir durften erfahren, wie anstrengend es hier ist zu kochen, während wir unsere mitgebrachten Erdnüsse bei praller Hitze zu Mehl zerstampften und Anna beim Kochen in dem verrauchten Küchenhaus halfen. Sie zeigte uns mit viel Geduld, wie sie ihr super leckeres Chapati (eine Art frittiertes Fladenbrot) zubereitet. Danach genossen wir gemeinsam das frisch zubereitete Essen, es gab Hühnchen, Chapati, Bohnen, Erdnusssoße, Süßkartoffeln und Soda – ein echtes Festmahl.

Dienstag liefen wir drei nach Ibuje, um dort einen kleinen Berg zu besteigen. Wir kämpften uns ganz schön durch das Gestrüpp, während einige Kinder federleicht den Berg hochliefen und uns belustigt beobachteten. Aber für die Aussicht hatte es sich wirklich gelohnt, wir erhielten einen tollen Eindruck von der Weitläufigkeit der grünen Landschaft und konnten sogar den Nil sehen.

Außerdem organisierte Father Justin für Greta und mich einige Unterrichtsstunden Lango, was unseren Ehrgeiz, die lokale Sprache zu lernen, ankurbelte, auch wenn es wirklich schwierig ist, sich mit einer so anderen Sprachfamilie vertraut zu machen.

 

Allein in Alenga
Am Montag ist Katharina für ihren Heimflug nach Kampala aufgebrochen. In den folgenden Tagen verbrachten wir viel Zeit mit dem Chor und lernten fleißig Lango, wobei uns die Jugendlichen des Chors unterstützten, was besonders lustig war und für viele Lacher sorgte.

Am Freitag wurden wir dann offiziell in der Schule von Sister Anna und Father Justin vorgestellt. Dabei lernten wir die drei Lehrer und einige der Schülerinnen der Father Egidio Memorial Vocational Training School kennen. Obwohl am Montag offizieller Schulbeginn war, sind viele Schülerinnen noch nicht da, weil sie beispielsweise zu Hause helfen müssen oder die Schulgebühren für den neuen Term noch nicht aufbringen können. Die anwesenden Schülerinnen nahmen uns mit zwei wunderschönen Liedern in Empfang und begrüßten uns mit vielen Umarmungen besonders herzlich. Im Anschluss spielten wir direkt einige Spiele mit ihnen und lernten sie so ein Stück weit kennen.

Samstag brachten uns Sister Anne und Sister Evaline bei, wie sie ihr Chapati und ihren Kuchen zubereiten. Wir durften sie dabei tatkräftig unterstützen und am Ende genossen wir gemeinsam die frisch gebratenen Chapati mit Bohnen. Es hat uns sehr viel Spaß gemacht, die ugandische Küche zu entdecken und wir konnten viel von den Sisters lernen, mit ihnen lachen und die Zeit genießen.

Als Abschluss unserer dritten Woche hier nahm Father Justin uns mit auf Gottesdienstsafari nach Wigweng. Die Kapelle ist deutlich kleiner und einfacher als unsere Kirche in Alenga, aber wir spürten von Beginn an, wie sehr die Leute sich auf den Besuch des Priesters freuten. Ganz nach ugandischem Brauch begrüßten sie uns mit fröhlichen Gesängen und nach Ende der Messe bekamen wir reichlich zu essen. Die hohe Gastfreundschaft, deren Bedeutung tief in der Kultur verankert ist, beeindruckt und begeistert uns immer wieder, auch wenn wir uns manchmal unwohl fühlen.

Es löst beispielsweise Unbehagen in uns aus, wenn Mädchen in unserem Alter oder erwachsene Frauen sich vor uns knien, um uns beim Händewaschen zu helfen oder das Essen zu servieren. Außerdem schlachten die Menschen oft ein Huhn oder sogar eine Ziege für ihre Besucher, obwohl sie zusätzlich noch eine große Familie mit knappen Ressourcen versorgen müssen.

Anschließend fuhren wir gemeinsam mit Father Justin zum Lake Kwania, wo uns ein paar Fischer mit ihren Booten hinaus auf den wunderschönen und großen See brachten. Es war ein kurzweiliges Abenteuer, bei dem wir etwas Angst davor hatten, aus den schmalen Booten ins Wasser zu fallen oder ungewünscht Krokodilen zu begegnen.

Abends richteten Sisters und Fathers eine Willkommensparty für Greta und mich aus. Wir genossen gemeinsam ein abwechslungsreiches Abendessen, das aus Fisch, Huhn, Reis, Salat, Millet, Chapati, Guacamole, Kürbis, Greens mit Erdnüssen und Gemüse bestand. Dazu gab es sehr leckeres ugandisches Bier und als Dessert den Kuchen, den wir am Vortag gemeinsam mit den Sisters gebacken hatten.

Erschöpft, gesättigt und glücklich fielen Greta und ich an diesem Sonntag ins Bett.

Die Zeit verging wie im Flug und wir haben schon zahlreiche Eindrücke sammeln können. In diesen ersten Wochen unserer Eingewöhnungsphase konnte natürlich noch kein geregelter Alltag entstehen und wir freuen uns darauf, nun mit der Arbeit im Health Center und in der Schule zu beginnen, um uns besser einzuleben, einzuarbeiten und einzugewöhnen.

Apwoyo kwano. (Danke fürs Lesen)

Eure Francesca und Greta