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Andreas Hoecherl

Über Andreas Hoecherl

Ich war 2012/2013 als Freiwilliger der Salvatorianer in Indien und auf den Philippinen. Zurzeit bin ich wieder auf den Philippinen für einen Teil meines Medizinstudiums. Als "Coach" bin ich in der Organisation des Freiwilligendienstes involviert.

Chirurgie im Philippine General Hospital – Emergency Room

Ich war 2012/2013 als Freiwilliger tätig. Nun bin ich wieder auf den Philippinen für einen Teil meines Medizinstudiums: Das Praktische Jahr. Dabei verbinge ich einen Monat in der Abteilung General Surgery 1, einen Monat in General Surgery 2, einen Monat in General Surgery 3 und einen Monat in Trauma Surgery. 

Emergency  Room

Drei Wochen war ich nun im Emergency Room (Notaufnahme) des Philippine General Hospitals (PGH) unterwegs. Dabei war ich den Chirurgen unterstellt und habe versucht soweit es geht mitzuhelfen. Die meiste Zeit habe ich dabei mit dem Team des „Surgeon on Duty“ (SOD) verbracht, welcher die erste Anlaufstelle für alle chirurgischen Notfälle ist. Das Spektrum ist dabei recht breit und reicht von Blinddarmentzündungen über Brustkrebs bis zu Verkehrsunfällen. Nächste Woche ist bereits meine letzte Woche am PGH. Vermutlich werde ich da zum Abschluss nochmal im OP arbeiten.

Die letzten drei Wochen waren durchaus recht anstrengend für mich, denn die Arbeit in der Notaufnahme des PGH ist ermüdend. Hier sieht man wie das öffentliche philippinische Gesundheitssystem an seine Grenzen stößt. Im Emergency Room – der eigentlich mehr eine Emergency Halle als ein Raum ist – liegen und stehen die Patienten und warten auf eine Behandlung. Der Andrang ist so groß, dass die Patienten auch außerhalb der Notaufnahme in den Gängen, Ecken und Winkeln rundum untergebracht sind. Dort warten sie dann je nach Dringlichkeit teilweise tagelang, bis sie dann hoffentlich endlich operiert werden können. Es kommt vor, dass Patienten mit einer akuten Blinddarmentzündung drei Tage warten müssen bis sie operiert werden. Teilweise versterben Patienten auch beim Warten auf die OP, zum Beispiel Opfer von Verkehrsunfällen. Manchmal habe ich das Gefühl in einem Kriegslazarett zu arbeiten. Leid, Hoffnung, Heilung und Tod liegen hier nah beieinander.

Dabei kann man weder Ärzten noch Pflegern einen Vorwurf machen. Alle arbeiten am Limit für die Versorgung der Patienten. Es mangelt leider schlichtweg am System und der Organisation. Die personelle und technische Ausstattung der Klinik können dem Andrang der Patienten tragischerweise nur mäßig gerecht werden. Es gibt zum Beispiel lediglich ein CT-Gerät für alle Patienten der Klinik. Auch Anzahl der OP-Säle, Chirurgen und OP-Pflegern reicht einfach nicht aus um alle Patienten rechtzeitig zu Behandeln. Medikamente (z.b. zum Intubieren) fehlen. Zudem schlagen viele Patienten in der Notaufnahme auf, die in Deutschland auch z.B. beim Hausarzt behandelt werden könnten (etwa kleine Schnittwunden) und sorgen für zusätzliche Belastung. So kommt es dann auch vor, dass man den Patienten raten muss ein privates Krankenhaus oder Diagnostikzentrum aufzusuchen, denn dort ist die Ausstattung besser und die Behandlung deshalb schneller. Wer sich das aber nicht leisten kann, muss wohl oder übel einfach warten und hoffen. Man kann sich nur wünschen, dass der philippinische Staat es schafft diesen Zustand zu verbessern.

Ich versuche dabei den Spagat zwischen Ausbildung und Mithelfen zu meisten. Zum Beispiel interviewe ich Patienten, nehme Blut ab, lege venöse Zugänge, wechsle Katheter, wechsle Infusionen und habe auch schon zweimal kleinere Wunden nähen dürfen. Dabei schaue ich mit einer Mischung aus Bewunderung und Mitleid auf die philippinischen Ärzte und Studenten die in 12h, 24h und 36h Schichten versuchen die öffentliche medizinische Versorgung der Patienten sicherzustellen.

Fazit PJ-Tertial am Philippine General Hospital

Ich habe in den letzten 4 Monate einiges im PGH erlebt und gelernt. Für mich waren nicht alle Eindrücke leicht zu verdauen und teilweise war die Arbeit auch psychisch und physisch belastend. Vielleicht auch deshalb weil ich mich bemüht habe aktiv mitzuarbeiten und nicht nur Zuschauer zu sein. Trotzdem würde ich es sofort wieder machen. Die Arbeit hat mir Spaß gemacht hat und ich habe auch viel gelernt. Die philippinischen Ärzte waren fast fast ausschließlich nett zu mir, trotz ihres wahnsinnigen Arbeitspensums. Nun freue ich mich aber auch wieder auf Daheim und auf alle meine Freunde und Verwandten dort!

Chirurgie im Philippine General Hospital – General Surgery 3

Ich war 2012/2013 als Freiwilliger tätig. Nun bin ich wieder auf den Philippinen für einen Teil meines Medizinstudiums: Das Praktische Jahr. Dabei verbinge ich einen Monat in der Abteilung General Surgery 1 (GS1), einen Monat in General Surgery 2, einen Monat in General Surgery 3 und einen Monat in Trauma Surgery. 

General Surgery 3 – Galle, Leber und Pankreas

Die letzten 4 Wochen war ich – außer einer Woche Urlaub – in der Abteilung General Surgery 3 untergebracht. Hier werden hauptsächlich Erkrankungen der Gallenblase, Leber und des Pankreas (Bauchspeicheldrüße) behandelt. Das heißt im großen OP Bereich werden sehr viele Gallenblasen und Gallensteine entfernt. Hierbei ist eine Besonderheit, dass es durch die Verbreitung des Spulwurms (Ascaris lumbricoides) anders als in Europa auch zu Gallensteinen außerhalb der Gallenblase kommen kann. Z.B. direkt in der Leber. Der Grund dafür ist wohl, dass der Spulwurm, der als Parasit zunächìst den Darm befällt, sich manchmal auch vom Darm aus in die Gallenwege verirrt. Er stirbt dann dort ab und führt so zu einer Entzündung die im Laufe der Jahrzehnte wohl die Bildung solcher Gallensteine bedingt. Erstaunlich ist auch, dass sich einige Seemänner die Gallenblase und den Blinddarm wohl prophylaktisch entfernen lassen, da sie auf hoher See keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben.

Bei den Operationen der Leber und der Bauchspeicheldrüße handelt es sich meistens um die Entfernung von Tumoren. Dabei sind diese Operationen oft sehr langwierig. Eine sogenannte Whipple OP (bei Bauchspeicheldrüßenkrebs) kann schonmal 8h dauern. Ein besonderer Fall war die Entfernung einer sehr großen Zyste an der Leber. Die Zyste entwickelte sich durch einen langjährigen Befall eines Bandwurms. Dies ist wohl typisch bei Filipinos die als Oversea Filipino Worker (OFW) in arabischen Ländern arbeiten, da der Bandwurm dort häufig im Darm der Kamele haust.

Im Ambulanten OP Bereich werden Donnerstag Vormittags Leistenbrüche operiert. Außerdem werden dort auch täglich kleinere Hauttumore durch Studenten entfernt. Letzte Woche hatte ich glücklicherweise auch mal die Möglichkeit dort teilzunehmen. So durfte ich unter der Anleitung eines Residents gemeinsam mit einer Studentin eine murmelgroße Talgzyste (Atherom) entfernen! In den ambulanten Sprechstunden Montags und Donnerstags darf ich wieder viel mit Patienten reden, was eine willkommene Abwechslung ist. Hier bin ich froh, dass mein Filipino ausreicht um mich anständig mit den Patienten zu unterhalten.

Da ich auch mal sehen wollte was Nachts im Krankenhaus passiert, habe ich auch eine Nachtschicht begleitet. Hierbei haben wohl die ganzen Residents einer Abteilung (z.B. GS3) Nachtdienst und jeder hat etwas andere Aufgaben. Jeden dritten Tag fällt solch ein Dienst auf die Abteilung. Die Residents sind dabei 36h durchgängig im Dienst. Also vom Morgen des ersten Tages bis zum Abend des zweiten Tages. Je nach Arbeitsaufkommen können sie wohl zwischendurch jeweils für ein paar Stunden schlafen. Dass der Schlaf dabei aber oft zu kurz kommt, sieht man den Residents am nächsten Tag aber deutlich an. So schlafen manche im Sitzen oder sogar im Stehen ein, z.B. beim Warten auf eine OP oder bei der Konferenz. Auch merkt man dass die Residents dann deutlich angespannter sind, was sich nicht gerade günstig auf die Zusammenarbeit im Team und den Umgang mit den Patienten auswirkt. Ich muss sagen, dass ich froh bin, dass es in Deutschland mittlerweile Regelungen gibt die 36h Dienste verbieten. Denn der Schlafmangel wirkt sich meiner Meinung nach negativ sowohl auf Ärzte als auch auf Patienten aus.

Sonstige Katastrophen

Wie viele bestimmt mitbekommen habe, war im Januar auf den Philippinen einiges geboten. Zunächst brach der Vulkan Taal aus. Nach dem einem, vergleichsweise kleinen Vulkanausbruch, ging man davon aus, dass der Vulkan irgendwann noch einmal stärker explodiert. Inzwischen hat sich die Lage aber etwas beruhigt. Viele Menschen in der Nähe des Vulkans sind nach wie vor evakuiert. Einige Häuser wurden wohl durch Asche und Erdbeben beschädigt. Aber in Manila war von alledem nichts zu spüren, außer einem leichten Ascheregen.

Asche in Manila am Tag nach dem Vulkanausbruch

 

Inmitten der Nachrichten um den Vulkan wurden dann Meldungen zum neuartigen Coronavirus in Wuhan immer lauter. Aber auch hier ist die Lage in Manila momentan alles andere als dramatisch. Es gibt zwar auf den Philippinen ca. 300 Verdachtsfälle. Bestätigt sind aber blos 3. Einer der drei ist leider verstorben ist und ein weiterer inzwischen gesund. Mittlerweile gibt es auch eine Einreisestopp für Reisende aus China, Hong Kong und Macau. Im Philippine General Hospital gibt es meines Wissens noch keinen einzigen Fall. Ich fühle mich also sicher und mache mir keine Sorgen. Trotzdem verhalte ich mich natürlich vorsichtig und achte auf Hygiene, besonders im öffentlichen Nahverkehr.

Obwohl mich diese zwei Vorfälle glücklicherweise nicht betreffen, habe ich seit dieser Woche trotzdem ein kleines Problem. Ich habe mich nämlich wohl durch unsauberes Trinkwasser (wohl im Urlaub) mit einem Keim infiziert. Die Infektion ist dann am Samstag Abend ausgebrochen, was sich durch Bauchschmerzen und unangenehmen Durchfall bemerkbar macht. Inzwischen war ich beim Arzt, wurde positiv auf Amöben getestet und bekomme Antibiotika. Dadurch geht es mir jetzt bereits viel besser als am Wochenende. Leider kann ich dadurch diese Woche nicht arbeiten. Aber wenigstens hatte ich so Zeit um diesen Artikel zu schreiben.

Chirurgie im Philippine General Hospital – General Surgery 2

Ich war 2012/2013 als Freiwilliger tätig. Nun bin ich wieder auf den Philippinen für einen Teil meines Medizinstudiums: Das Praktische Jahr. Dabei verbinge ich einen Monat in der Abteilung General Surgery 1 (GS1), einen Monat in General Surgery 2, einen Monat in General Surgery 3 und einen Monat in Trauma Surgery. 

Mein Alltag in General Surgery 2

Nun bin ich schon zwei Monate als „Intern“ (Student im Praktischen Jahr) im Philippine General Hospital (PGH) unterwegs. Gestern ist nun auch mein Monat in General Surgery 2 zu Ende gegangen. General Surgery 2 (GS2) ist die Abteilung für Kolorektale Chirurgie.

Das ich mich immernoch in der Chirurgie befinde findet mein Alltag hauptsächlich im OP Komplex des PGH statt. Entsprechend des Schwerpunktes der Abteilung werden in den OP Sälen von GS2 hauptsächlich Kolorektale Tumore (Darmkrebs) operiet. Das ist durchaus eine wichtige Aufgabe, denn Darmkrebs ist einer der häufigsten Krebsarten weltweit. Dabei sind häufige Operationen das Entfernen des Tumors, das Zusammenähen der übriggebliebenen Darmanteile, sowie das Anlegen und Zurückverlagern von künstlichen Darmausgängenv (Stoma). Häufig wird dabei offen operiert, d.h. mittel einem langen Längsschnitt wird der Bauch in der Mitte eröffnet. Wenn ein erfahrener Chirurg operiert, dann wird manchmal auch laparoskopisch, sprich minimalinvasiv mittels mehreren kleinen Schnitten und Endoskopen operiert. Für Tumore im Bereich des Rektums wird dabei auch der DaVinci OP Roboter des PGH verwendet. Hier versprechen sich die Chirurgen einen Vorteil, da man bei diesen OPs oft auf engem Raum operieren muss.

Da das operieren im Bauchraum und das Nähen des Darmes sehr Zeitintensiv ist, dauern die OPs lange – 4h+ sind die Regel. Die elektiven OPs gehen dann oft erst nach 1900 zu Ende. Meine Aufgaben sind dabei recht simpel. So beschränkt sich meine Tätigkeit häufig auf das Halten von OP Haken und Einstellen der Beleuchtung. Wenn ich Glück habe darf ich auch mal Tackern, Faden abschneiden oder den Sauger bedienen. Ein Highlight des vergangenen Monats war, das ich bei einem Tumor der auch den Blinddarm (Appendix) erfasst hat, eben diesen mit dem Skalpel abschneiden durfte. Interessant ist dabei noch, dass sich manchmal erst im Verlauf der OP herausstellt, dass der vermeintliche Krebs eigentliche eine Form von Tuberkulose ist, die den Darm befällt. Dieses Krankheitsbild ist auf den Philippinen wohl häufig. Dabei befallen die Tuberkulose Bakterien manchmal den Darm bevor sie überhaupt die Lunge angreifen.

Neben dem OP bin ich auch im Montag und Donnerstag nachmittags im Out Patien Department (OPD) unterwegs, was so etwas ist wie eine Sprechstunde/Ambulanz. Dort begegnen mir hauptsächlich Hämorrhoiden, Analfisteln, Feigwarzen (Condylomata acumiata), Darmkrebs und Wundkontrollen nach OPs. Hier darf ich selbstständig Patientengespräche führen, Patienten untersuchen (unangenehmerweise auch rektal) und in Rücksprache mit den Residents auch mal das weitere Vorgehen festlegen. Natürlich wird das was ich tue von den Residents kontrolliert und abgestempelt.

Im OPD gibt es auch einen kleinen OP Bereich, in dem jeden Montag vormittag eben Hämorrhoiden, Analfisteln und Feigwarzen operiert werden. Da es sich dabei um einfache Operationen handelt, operieren hier hauptsächlich Residents und Studenten. Was für mich spannend sein kann, denn dann darf ich auch mal etwas mehr zum OP Erfolg beitragen. Es gibt sogar einen Bereich in dem Studenten unter Aufsicht eines Residents kleinere Hauttumoren entfernen.

Als weiteres Tätigkeitsfeld im Rahmen von GS2 gibt es noch das Darmkrebszentrum. Dort wird mit den Patienten die weitere Therapie geplant, Chemotherapie und Bestrahlungsschemen festgelegt sowie Kontrolluntersuchungen duchgeführt. Da dies ziemliches Detailwissen zu den einzelnen Tumoren und Tumorstadien erfordert bin ich hier blos Zuschauer.

Eindrücke zum Nachdenken

Manche Momente die ich hier im PGH erlebt habe, regen mich zum denken an. So ist es schon vorgekommen, dass während der OP der Strom ausfällt. Zum Glück sind die wichtigsten Maschinen mittels Notstromaggregat versorgt. Der Anästhesist muss aber zur Beatmung dann teilweise auf den Beatmungsbeutel zurückgreifen. Teilweise sind die Scheren und Instrumente die das Krankenhaus zur Verfügung stellt schon so alt, dass sie nicht mehr richtig funktionieren. Erstaunlicherweise gibt es dabei einige OP Schwestern, die mit ihrem eigenen Geld neue OP Instrumente kaufen und mitbringen! Auch ist in manchen OP Sälen die Klimaanlage kaputt, im Raum ist dann lediglich ein Ventilator vorhanden. Da kommt man beim Operieren ganz schön ins schwitzen. Das bisher Erstaunlichste sind dabei wohl die Improvisierten Stomabeutel für künstliche Darmausgänge. Diese Woche erst ist mir bei der Visite ein Patient begegnet der anstatt eines normal Stomabeutel lediglich eine Plastiktüte mittels Tape an seinem Bauch befestigt hat. Da diese Fälle häufig sind haben Ärzte des PGH sogar eine Publikation dazu veröffentlicht. (https://doi.org/10.3399/bjgp12X656937)

Was mir desweiteren auffällt ist die Ungleichheit der Patienten im PGH. Es gibt einen großen unterschied zwischen Pay Patienten mit guter privater Krankenversicherung, und Charity Patienten die entweder gar keine oder die magere staatliche Krankenversicherung (PhilHealth) besitzen. Auf der Privat Station gibt es Einzel- und Zweibettzimmer, Klimaanlage und Fernseher. Auf der Charity Station liegen die Patienten Bett an Bett in einer großen Halle, lediglich ein paar Ventilatoren sorgen für ein bisschen Abkühlung im heißen Klima der Philippinen. Auf der Privat Station geht ein Fellow (Oberarzt) Visite, auf der Charity Station die Residents alleine. Privat Patienten werden nur von Consultants (Chefärzte) operiert, Charity Patienten teilweise von Residents alleine. Natürlich passen die Ärzte im PGH auch darauf auf, dass keiner überfordert wird, so werden schwierige Operationen bei Charity Patienten auch von Fellows und Consultants durchgeführt, aber der Unterschied ist dennoch da. Da lernt man das deutsche Versicherungs- und Gesundheitssystem trotz all seiner Schwächen zu schätzen.

Weihnachtsgrüße von Pater Georg

Bereitet dem Herrn den Weg;

Denn siehe, der Herr kommt

gewaltig.“(Jesaja)

Nein, er kommt als Kind.

Am 3. Adventsonntag wollte ich den großen Propheten Jesaja und seine Botschaft vorstellen. Eine Predigtvorlage setzte als Überschrift die Frage: Welchen Gott erwarten wir? Oben im Kästchen ist die Antwort des Jesaja – und wie sie von Jesus beantwortet wurde. Er bietet uns eine echte Alternative zur Gewalt. Seine Gefolgsleute – wir Christen – erwarten einen anderen Gott, eben den, der sich an Weihnachten in der Krippe zeigt.

Das ist das Geheimnis eines Kindes – das ist das Geheimnis dieses Gottes: Es / Er weckt unsere Liebe durch sein bloßes Dasein. Wäre das ein Modell dafür, wie wir mit uns selber umgehen? Geliebt werden dafür, dass wir da sind? Ein Modell dafür, wie wir mit anderen umgehen, ange-fangen in der eigenen Familie bis hin zum Arbeitsplatz und weiter zu den heimatlosen Menschen hier und überall auf dieser Erde? Unser Gründer Pater Jordan sagt: ALLE . Sie alle lieben für nichts anderes als dafür, dass sie da sind. Denn der Herr kommt nicht gewaltig, er kommt als Mensch.

Möge es uns – und vielen weltweit – gelingen, Gott auf diese liebevolle Weise die Tür zu öffnen!

Das wünscht Euch allen an Weihnachten und im kommenden Jahr 2020

Euer P. Georg

Chirurgie im Philippine General Hospital – General Surgery 1

Ich war 2012/2013 als Freiwilliger tätig. Nun bin ich wieder auf den Philippinen für einen Teil meines Medizinstudiums: Das Praktische Jahr. Dabei verbinge ich einen Monat in der Abteilung General Surgery 1 (GS1), einen Monat in General Surgery 2, einen Monat in General Surgery 3 und einen Monat in Trauma Surgery. 

Das Philippine General Hospital

Philippine General Hospital

Das Philippine General Hospital

Das Philippine General Hospital (PGH) ist ein staatliches Krankenhaus der tertiären Versorgung und die größte Universitätsklinik auf den Philippinen. Es ist das Lehrkrankenhaus der University of the Philippines Manila (UPM). Das Krankenhaus befindet sich auf dem Campus der UPM in Ermita, Manila. Das PGH hat 1100 charity Betten, 400 private Betten und versorgt mit ca. 4000 Mitarbeitern ca. 600.000 Patienten Jährlich. Es wurde 1907 von der amerikanischen Kollonialmacht gegründet und ist seitdem durchgehend in Betrieb. Paradoxerweise wurde es im zweiten Weltkrieg von den Amerikanern bombardiert, da sich dort japanische Soldaten verschanzt hatten.

Das größte Problem des PGH ist laut Aussage eines Arztes der Geldmangel. Das PGH finanziert sich zum einen durch staatliche Zuschüsse zum anderen durch Spenden und Zahlungen der Patienten. Das es am Geld mangelt sieht man an verschiedenen Stellen, am plakativsten wohl an der teilweise maroden Bausubstanz – der Putz bröckelt wortwörtlich von den Wänden. Trotzdem versucht das PGH seinem Stand als tertiäres Krankenhaus gerecht zu werden und besitzt so durchaus moderne Technik wie CT-Scans, MRT-Scans, Laborutensilien, OP-Technologie, seit neuestem sogar einen DaVinci OP-Roboter. Da die staatliche Versicherung (PhilHealth) der Philippinen nur einen Bruchteil der Kosten übernimmt, die durch die moderne, hoch technologisierte und damit teure Krankenhausbehandlung entsteht, muss ein Großteil dieser Kosten durch andere Mittel finanziert werden. Wer eine gute private Versicherung besitzt hat Glück, die Kosten werden übernommen. Wer nur mittels PhilHealth oder gar garnicht versichter ist, der gilt als Charity (engl. Wohltat) Patient. Netterweise übernimmt das PGH einen großteil der anfallanden Kosten der Charity Patienten. So bekommen durch das PGH Patienten aller sozialen Schichten Zugang zu moderner Medizin. Durch den Geldmangel hat dies allerdings auch seine Grenzen. So können nur eine maxmimal Anzahl an Charity Patienten pro Tag behandelt werden, die übriggebliebenen müssen hoffen an einem anderen Tag behandelt zu werden. Außerdem sind einige Behandlungsschritte (zB Chemotherapie) schlichtweg zu teuer und müssen so irgendwie von den Charity Patienten selbst finanziert werden. Das es am Geld mangelt sieht man auch an der Personalstruktur des Krankenhauses. Im Grunde sind die einzigen Ärzte die ständig anwesend sind, die Residents, welche Assistenzärzten entsprechen. Fellows, quasi Oberärzte, sind zwar tagsüber auch fast durchgängig anwesend, aber nur in geringer Zahl. Consultants, also Berater, sowas wie Chefärzte, sind nur zu ausgewählten Terminen anwesend – z.B. schwierige OPs, private OPs, Lehre. Man kann also sagen, dass ein Großteil der ärztlichen Aufgaben durch Assistenzärzte und Studenten erledigt wird.

Mein Alltag in General Surgery 1

General Surgery 1 ist die chrirurgische Abteilung für Tumoren der Brust, Weichteile (Haut, Fett, Muskelgewebe), Hals und Kopf, teilweise auch der Speiseröhre und des Magens. Dabei sind die Tumoren oft sehr ausgeprägt bzw. fortgeschritten.  Es ist nicht selten, dass Patienten mit bereits ulzerierenden (quasi blutenden, eiternden) Tumoren größer als 10cm im Durchmesser in der Aufnahme erscheinen. Dabei bin ich oft überrascht wie die Patienten diese geschickt durch Haare, Kopfbedeckungen und Kleidung vor verurteilenden Blicken schützen. Daneben gibt es noch einen anderen traurigen Schwerpunkt der Abteilung, nämlich das Trinken von Säuren in Form von Reinigungsmitteln in suizidaler Absicht. Diese Patienten werden dann neben der chirurgischen Betreuung auch psychiatrisch untersucht, was oftmals gravierende soziale Probleme offenbart, welche primär nicht durch die Medizin per se beseitigt werden können, sondern durch die Politik und die Gesellschaft angegangen werden müssen.

Ich im OP

Ich persönlich erledige dabei im Rahmen meiner Ausbildung verschiedene kleinere Aufgaben. Montags, Dienstags, Donnerstags und Freitags finden OP’s statt – was heißt an diesen Tagen darf ich im OP assistieren. Die OP’s starten um 7:00 morgens, also stehe ich um 5:00 auf, verlasse um 6:00 das Haus um dann um 7:00 pünktlich zur OP fertig angezogen im Operationssaal zu stehen. Dabei dauert es unterschiedlich lange bis alle elektiven Operationen erledigt sind, oft bis 17:00/18:00/19:00. Oft darf ich also bis zu dieser Uhrzeit im OP assistieren, was recht interessant ist, da es viel zu sehen gibt. Da häufige, einfachere OP’s durch Residents und Studenten erledigt werden darf ich bei einigen Schilddrüßen, sowie Brustoperationen die Stelle des ersten Assistenten übernehmen, was für mich recht spannend ist. Die meisten OP’s sind dabei wie gesagt Tumoroperationen, die allermeisten davon Brust- und Schilddrüßentumoren.

Nach und vor den Operationen finden Visiten statt, hier versuche ich eigentlich auch teilzunehmen, was mir aber nicht immer gelingt, da ich es oft nicht mitbekomme wenn die Residents ihre Runden gehen, oder ich gerade im OP beschäftigt bin. Täglich gibt es außerdem Brustkrebssprechstunden. Dienstag und Donnerstag nachmittag finden die Sprechstunden bzgl. anderer Tumore statt. Währen der Sprechstunden darf ich Patienten interviewen, oder auch mal einen Tumor biopsieren. Falls ich statt des künstlichen Lichts also kurz das Tageslicht sehen möchte, oder keine Aufgabe für mich im OP vorhanden ist, dann gehe ich zu den Sprechstunden.

Mittwochs ist für mich der langweiligste Tag, dort finden neben der normalen Stationsarbeit nur Konferenzen statt. Das positive ist, dass es oft etwas zu Essen gibt und ich früher nach Hause gehen darf. Letzte Woche gab es eine große Feier, da einer der Consultants in den Ruhestand geht – ab 60 darf man nicht mehr beim Staat angestellt sein. Zu unser aller Freude gab es Lechon (=Spanferkel), das extra aus Cebu eingeflogen wurde.

Lechon Cebu

Father Ayub Mwangonda aus Tansania zu Besuch in Deutschland

Im August 2007 kamen die ersten MaZ (Missionare auf Zeit) nach Tansania. Die von uns Salvatorianern betreute Pfarrei Mkuranga bei Daressalam hat seitdem jedes Jahr Freiwillige aufgenommen. Jetzt kam der Pfarrer, Father Ayub Mwangonda SDS, zum fid-Seminar „sexualisierte Gewalt“ nach Köln. Fünf Tage lang tauschten sich Entsender und Partner zu diesem Thema aus. Für die übrigen 10 Tage hatte P. Georg Fichtl ein buntes Programm vorbereitet.

Das erste Ziel war der Illerwinkel im Allgäu. In Lautrach veranstalteten am Samstag vor dem Weltmissionssonntag vier Frauen und zwei Jugendliche den Kinderbibeltag. Da berichteten Frater Ayub von seiner Pfarrarbeit und zwei „seiner“ MaZ von ihrem Einsatz im Kindergarten und im Gesundheitszentrum. Sie zeigten Bilder, sangen mit den 27 Kindern Lieder auf Swahili, bastelten Trommeln und zeigten Kleider. Auf diese Weise wurde die Bibelstelle vom barmherzigen Samariter erschlossen. Denn Jesus hebt da die Hilfsbereitschaft des Ausländers aus Samarien hervor, der die Not des Überfallenen sieht und ohne Wenn und Aber hilft.

Eine Vielzahl von Eindrücken stürzten auf Father Ayub ein: Ehemalige MaZ hießen ihn am Flughafen willkommen. Das gut ausgebaute Straßennetz beeindruckte ihn. Die schön ausgestatteten Kirchen begeisterten ihn. Maria Steinbach mit seiner herrlichen Wallfahrtskirche und der hügeligen, von den Alpen begrenzten Landschaft,  den auf saftigem Grün weidenden Kühen und den riesigen Traktoren hatten es ihm angetan. Da überraschten ihn zwei besondere Mkuranga-Freunde, die ihn schon in Afrika beraten haben und sich jetzt für seine Erfolge interessierten. Ja, es stimmt: Diese Station kann sich mehr und mehr selbst erhalten.

In Messfeiern und Besuchen kam es zu weiteren Begegnungen. Dabei war die Einweihung des „Rössle“ in Lautrach ein Highlight. Das Zusammentreffen mit den Mitbrüdern in Maria Steinbach, Lochau-Hörbranz, München, Wien und Margarethen setzte weitere Akzente. Die Teilnahme an der Wienfahrt der Coaches (= Betreuer der MaZ im Einsatz)und ihrem Klausurtag war ein weiteres herausragendes Ereignis. Im Austausch zeigte sich, wie sehr man miteinander vertraut geworden ist.

Die Abrundung war zuletzt die Trägerkonferenz in Wernau. Wie andere kirchliche Organisationen nehmen wir seit zwei Jahren die Servicestelle des BDKJ der Diözese Rottenburg-Stuttgart in Anspruch, die einen Großteil der Organisation der Freiwilligeneinsätze abwickelt und sich um die beträchtlichen Zuschüsse des deutschen Staates kümmert. Im Austausch wird deutlich, wie gut für die Vorbereitung, Begleitung und Rückkehr, aber auch in Notfällen für die Freiwilligen gesorgt ist. Sorgen bereitet aber vielen die Überalterung im Trägerbereich. Wie gelingt es, für die eigene Einrichtung junge Kräfte zu gewinnen, aber auch vielversprechende Projekte noch mehr auf eigene Füße zu stellen?

P. Georg Fichtl

 

Entsendefeier fünf neuer Freiwilliger

Fünf junge Erwachsene gehen als MaZ (Missionare auf Zeit) für ein Jahr nach Tansania, Indien oder auf die Philippinen. Zusammen mit mehr als 30 anderen Freiwilligen wurden sie von der BDKJ-Servicestelle der Diözese Rottenburg-Stuttgart auf ihren Einsatz vorbereitet und Ende Juli in Heiligkreuztal feierlich ausgesandt. Zu Beginn lernten die angehenden „Salvator-Freiwillige“ in München und Maria Steinbach sich und uns Salvatorianer näher kennen.

Unsere Freiwilligen im Einsatz 2019/2020 sind:

  • Klara Oertel im Kindergarten und Judith Hübner in der Krankenstation in Mkuranga / Tansania,
  • Alice Schneider und Lukas Mauz im Vorschulprojekt von Puso-sa-Puso in Manila / Philippinen
  • Nadja Tschann in unserer Schule in Laitkynsew / Nordostindien.

Wir danken ihnen ganz herzlich für ihren Lerndienst und wünschen eine von Gott gesegnete Zeit!

Coaches- und Ehemaligen-Treffen Pfingsten 2019

Coaches-Treffen Pfingsten 2019

Alle Jahre wieder Treffen sich die Coaches an Pfingsten. Doch dieses Jahr war einiges neu. So war der Treffpunkt eine idyllisch gelegene Hütte in der Nähe von Freising und zwei frisch zurückgekehrte MaZler frischten das Team der Coaches auf. Außerdem war Jakob Knebel, Verantwortlicher der Servicestelle Rottenburg-Stuttgart, mit dabei. Durch diese noch recht neue Kooperation gab es viele Dinge zu klären. Im Fokus stand die Begleitung und Vorbereitung der aktuellen und neuen Freiwilligen. Aber auch Themen wie Rückkehrerarbeit, Partnerdialog und Finanzielles wurden besprochen. Die Termine und Zuständigkeiten für das neue Vorbereitungsjahr wurden festgesetzt, sodass sich Interessierte bereits jetzt auf eine gute und vielfältige Vorbereitung freuen können. Geplant ist wieder ein Informationstag in München, bei dem das Freiwilligenprogramm der Salvatorianer ausführlich vorgestellt wird. Letzte Zweifel von Bewerbern können im Gespräch mit den Coaches an diesem Tag bereits ausgeräumt werden.

Nach getaner Arbeit stand Freitag Abend für die Coaches bereits traditionell ein Biergartenbesuch an. Zum Glück passte das Wetter und so sind wir nach Freising in die Plantage aufgebrochen. Nach einer langen und lustigen Nacht, bei der so manche Spiele gespielt wurden, folgte am Samstag morgen die Vorbereitung des anschließenden Ehemaligentreffens. Die Coaches planten ein Rahmenprogramm, kümmerten sich um den Einkauf und das Mittagessen. Pünktlich mit der Ankunft der ersten Ehemaligen war alles fertig und der unbeschwerte Teil des Treffens konnte beginnen…

Ehemaligentreffen 2019

Was treibt junge Menschen aus ganz Deutschland und sogar Österreich in ein kleines Dorf in der Nähe des Münchner Flughafens? Bepackt mit Rucksäcken und Schlafsäcken, Badesachen und guter Laune? Richtig, die Einladung von Pater Georg zum traditionellen Ehemaligentreffen am Pfingstwochenende. Samstag Mittag ging es mit einer leckeren Stärkung los. Knapp 20 junge Erwachsene machten sich auf den Weg in unbekanntes Gebiet. Eine Wanderung, die mit einem Weg beschildert mit: „Absturzgefahr“ beschildert wurde, begann, schreckte niemanden ab. Zwar waren die Ungläubigen in leichtem Schuhwerk unterwegs, doch kamen alle heil, wenn auch zerstochen und von Brennnesseln gezeichnet, auf dem befestigten Weg an. An der Isar wurde eine Pause eingelegt. Hier fand auch das Highlight des diesjährigen Treffens statt: Eine Pfingstmesse am Fluss ganz unter dem Motto: neue Wege gehen. Die Messe war sehr eindrucksvoll und gab dem ganzen Wochenende einen besonderen Rahmen. Zurück im Haus folgte ein gemütlicher Abend mit Essen, Spiel Spaß und vielen interessanten Gesprächen. Einige lernten sich neue kennen und alte Freundschaften wurden wieder aufgefrischt. Am Sonntag ging es, nach einem ausgedehnten Frühstück, mit einem Autocorso nach Freising. Dort wurden der Domberg und Weihenstephan besichtigt. Anschließend gab es eine Abkühlung im Badesee. Gespeist wurde im Biergarten. Es wurde ein sehr langer und lustiger Abend. Montag ging es nach einem langen Frühstück an die Heimreise. Vielen Dank an Pater Georg und die Coaches, die den Ehemaligen dieses tolle Wochenende mit vielen Erfahrungen ermöglicht haben. Wir freuen uns schon auf nächstes Jahr und hoffen, wieder viele ehemalige Freiwillige der Salvatorianer, Passauer und Comboni zu treffen.