Chirurgie im Philippine General Hospital – General Surgery 1

Das Philippine General Hospital

Philippine General Hospital

Das Philippine General Hospital

Das Philippine General Hospital (PGH) ist ein staatliches Krankenhaus der tertiären Versorgung und die größte Universitätsklinik auf den Philippinen. Es ist das Lehrkrankenhaus der University of the Philippines Manila (UPM). Das Krankenhaus befindet sich auf dem Campus der UPM in Ermita, Manila. Das PGH hat 1100 charity Betten, 400 private Betten und versorgt mit ca. 4000 Mitarbeitern ca. 600.000 Patienten Jährlich. Es wurde 1907 von der amerikanischen Kollonialmacht gegründet und ist seitdem durchgehend in Betrieb. Paradoxerweise wurde es im zweiten Weltkrieg von den Amerikanern bombardiert, da sich dort japanische Soldaten verschanzt hatten.

Das größte Problem des PGH ist laut Aussage eines Arztes der Geldmangel. Das PGH finanziert sich zum einen durch staatliche Zuschüsse zum anderen durch Spenden und Zahlungen der Patienten. Das es am Geld mangelt sieht man an verschiedenen Stellen, am plakativsten wohl an der teilweise maroden Bausubstanz – der Putz bröckelt wortwörtlich von den Wänden. Trotzdem versucht das PGH seinem Stand als tertiäres Krankenhaus gerecht zu werden und besitzt so durchaus moderne Technik wie CT-Scans, MRT-Scans, Laborutensilien, OP-Technologie, seit neuestem sogar einen DaVinci OP-Roboter. Da die staatliche Versicherung (PhilHealth) der Philippinen nur einen Bruchteil der Kosten übernimmt, die durch die moderne, hoch technologisierte und damit teure Krankenhausbehandlung entsteht, muss ein Großteil dieser Kosten durch andere Mittel finanziert werden. Wer eine gute private Versicherung besitzt hat Glück, die Kosten werden übernommen. Wer nur mittels PhilHealth oder gar garnicht versichter ist, der gilt als Charity (engl. Wohltat) Patient. Netterweise übernimmt das PGH einen großteil der anfallanden Kosten der Charity Patienten. So bekommen durch das PGH Patienten aller sozialen Schichten Zugang zu moderner Medizin. Durch den Geldmangel hat dies allerdings auch seine Grenzen. So können nur eine maxmimal Anzahl an Charity Patienten pro Tag behandelt werden, die übriggebliebenen müssen hoffen an einem anderen Tag behandelt zu werden. Außerdem sind einige Behandlungsschritte (zB Chemotherapie) schlichtweg zu teuer und müssen so irgendwie von den Charity Patienten selbst finanziert werden. Das es am Geld mangelt sieht man auch an der Personalstruktur des Krankenhauses. Im Grunde sind die einzigen Ärzte die ständig anwesend sind, die Residents, welche Assistenzärzten entsprechen. Fellows, quasi Oberärzte, sind zwar tagsüber auch fast durchgängig anwesend, aber nur in geringer Zahl. Consultants, also Berater, sowas wie Chefärzte, sind nur zu ausgewählten Terminen anwesend – z.B. schwierige OPs, private OPs, Lehre. Man kann also sagen, dass ein Großteil der ärztlichen Aufgaben durch Assistenzärzte und Studenten erledigt wird.

Mein Alltag in General Surgery 1

Mein Aufenthalt hier ist ein Teil des Praktischen Jahres, sprich des letzten Abschnitts des Medizinstudium in Deutschland. Ich werde hier mein chirurgisches Tertial verbringen, also vier Monate durch eine Teil der chrirugischen Abteilungen des PGH rotieren. Dabei verbinge ich einen Monat in der Abteilung General Surgery 1 (GS1), einen Monat in General Surgery 2, einen Monat in General Surgery 3 und einen Monat in Trauma Surgery.

General Surgery ist die chrirurgische Abteilung für Tumoren der Brust, Weichteile (Haut, Fett, Muskelgewebe), Hals und Kopf, teilweise auch der Speiseröhre und des Magens. Dabei sind die Tumoren oft sehr ausgeprägt bzw. fortgeschritten.  Es ist nicht selten, dass Patienten mit bereits ulzerierenden (quasi blutenden, eiternden) Tumoren größer als 10cm im Durchmesser in der Aufnahme erscheinen. Dabei bin ich oft überrascht wie die Patienten diese geschickt durch Haare, Kopfbedeckungen und Kleidung vor verurteilenden Blicken schützen. Daneben gibt es noch einen anderen traurigen Schwerpunkt der Abteilung, nämlich das Trinken von Säuren in Form von Reinigungsmitteln in suizidaler Absicht. Diese Patienten werden dann neben der chirurgischen Betreuung auch psychiatrisch untersucht, was oftmals gravierende soziale Probleme offenbart, welche primär nicht durch die Medizin per se beseitigt werden können, sondern durch die Politik und die Gesellschaft angegangen werden müssen.

Allgemeinchirurgen bei der Entfernung eines Tumors

Plastische Chirurgen beim Decken der Wunde

Ich im OP

Ich persönlich erledige dabei im Rahmen meiner Ausbildung verschiedene kleinere Aufgaben. Montags, Dienstags, Donnerstags und Freitags finden OP’s statt – was heißt an diesen Tagen darf ich im OP assistieren. Die OP’s starten um 7:00 morgens, also stehe ich um 5:00 auf, verlasse um 6:00 das Haus um dann um 7:00 pünktlich zur OP fertig angezogen im Operationssaal zu stehen. Dabei dauert es unterschiedlich lange bis alle elektiven Operationen erledigt sind, oft bis 17:00/18:00/19:00. Oft darf ich also bis zu dieser Uhrzeit im OP assistieren, was recht interessant ist, da es viel zu sehen gibt. Da häufige, einfachere OP’s durch Residents und Studenten erledigt werden darf ich bei einigen Schilddrüßen, sowie Brustoperationen die Stelle des ersten Assistenten übernehmen, was für mich recht spannend ist. Die meisten OP’s sind dabei wie gesagt Tumoroperationen, die allermeisten davon Brust- und Schilddrüßentumoren.

Endoskopieturm. Die Deutsche Aussprache der Markennamen trägt zur Belustigung des OP Personals bei.

Nach und vor den Operationen finden Visiten statt, hier versuche ich eigentlich auch teilzunehmen, was mir aber nicht immer gelingt, da ich es oft nicht mitbekomme wenn die Residents ihre Runden gehen, oder ich gerade im OP beschäftigt bin. Täglich gibt es außerdem Brustkrebssprechstunden. Dienstag und Donnerstag nachmittag finden die Sprechstunden bzgl. anderer Tumore statt. Währen der Sprechstunden darf ich Patienten interviewen, oder auch mal einen Tumor biopsieren. Falls ich statt des künstlichen Lichts also kurz das Tageslicht sehen möchte, oder keine Aufgabe für mich im OP vorhanden ist, dann gehe ich zu den Sprechstunden.

Mittwochs ist für mich der langweiligste Tag, dort finden neben der normalen Stationsarbeit nur Konferenzen statt. Das positive ist, dass es oft etwas zu Essen gibt und ich früher nach Hause gehen darf. Letzte Woche gab es eine große Feier, da einer der Consultants in den Ruhestand geht – ab 60 darf man nicht mehr beim Staat angestellt sein. Zu unser aller Freude gab es Lechon (=Spanferkel), das extra aus Cebu eingeflogen wurde.

Lechon Cebu