Der Abschied fällt schwer

Wieder zurück in Deutschland
Jetzt bin ich schon wieder seit acht Wochen in Deutschland aber ich denke noch täglich an meine alte Heimat Uganda zurück und vermisse es so sehr. Ich habe dort so viele Erfahrungen gemacht, die mich nachhaltig beeinflusst haben und ich konnte viel lernen. Ich vermisse die lockere, lebensfrohe und herzliche Art zu leben und die Menschen mit denen ich viel Zeit verbracht habe. Uganda ist einfach ein ganz besonderes und facettenreiches Land das man sich nicht entgehen lassen sollte. Ich werde auf jeden Fall zusammen mit Greta, unseren Geschwistern und ein hoffentlich mit ein paar Freunden nächstes Jahr in den Ferien für ein paar Wochen zurück gehen.

Der Abschied
Der Abschied  war unglaublich schwer und für uns beide sehr emotional. Es gab viele Tränen, Abschiedslieder und liebe Worte und ich werde das alles nie vergessen. Die letzten zwei Wochen in Uganda vergingen wie im Flug und wir waren ständig unterwegs und hatten viel zu tun.
Sister Anne und die Schülerinnen waren fleißig am Vorbereiten für die Graduation-Feier (Abschlussfeier) der Abschlussjahrgänge 2016 und 2017 am 20.07. Greta und ich haben ein Schauspiel mit ein paar Liedern und Tänzen mit den Schülerinnen eingeübt. In dem Stück ging es um eine Schülerin die auf einer Party ungewollt schwanger wird, die Schule verlassen muss, sehr unglücklich ist aber am Ende Unterschlupf und Hilfe bei ihrer Tante findet. Es war sehr viel Arbeit die Mädels zum Tanzen und Singen zu motivieren und eine gute Handlung zu bekommen. Wir haben in Gruppen gearbeitet und am Ende hat es zum Glück gut funktioniert.

Am Mittwochabend haben wir uns einen letzten Abschlussabend mit den Mädchen aus der Schule gewünscht. Greta und ich haben Sister Anne etwas Geld gegeben, damit sie gutes Essen mit Fleisch für die Mädels kaufen kann. So gab es richtig leckeres Essen und wir haben noch lange mit den Mädels getanzt und gelacht.

Es war ein großer Wunsch von Father Alberto, dass wir uns bevor wir heim fliegen noch seine Kirche in Bala anschauen. Er hat den Bau der Kirche selber geplant und in seiner Zeit als Priester dort bauen lassen. Die Kirche ist riesig und hat uns richtig gut gefallen. Man hat gemerkt wie stolz er auf sein Gebäude ist, jedoch kam auch deutlich raus, dass er mit vielen Kleinigkeiten nicht sehr zufrieden war. Das liegt einfach an der ugandischen Arbeitsmoral, denn einiges wird eben nicht so genau und detailliert gemacht wie Alberto es aus Europa gewohnt ist. Ich kann es natürlich schon verstehen, dass es enttäuschend sein kann, wenn du alles genau planst, viele Spenden aus Italien bekommst und am Ende einiges nicht deinen Wünschen entspricht. Alberto ist trotzdem glücklich und es war ein schöner Ausflug mit leckerem Essen.

In der letzten Woche versuchten wir natürlich nochmal so viele Freunde wie möglich zu besuchen um sie alle nochmal zu sehen und uns verabschieden zu können.
So besuchten wir den Lehrer der Schneiderinnenschule Sir Samuel zu Hause mit seiner Frau Molly und seiner kleinen Tochter Francesca. Sie ist jetzt ca. 8 Monate alt und sie haben ihr meinen Namen gegeben, was eine sehr große Ehre für mich ist und mich sehr gefreut hat. Bei der Geburt war ich leider nicht dabei aber Greta und ich haben sie im Health Center besucht und ich habe natürlich, wie es sich als Namensvetterin gehört, einige Kleinigkeiten wie Creme, Zucker und Seife vorbei gebracht. In unserer letzten Woche gingen wir einfach nochmal kurz vorbei um auf Wiedersehen zu sagen.

Bye, Bye Arbeit
Am Mittwoch, den 18.7., ging ich das letzte Mal in die Arbeit und es stimmte mich wirklich sehr traurig. Mir wurde richtig bewusst, dass ich nie wieder in Alenga leben und arbeiten werde und, dass diese Zeit jetzt endgültig vorbei ist. Ich liebte die Arbeit im Health Center, auch wenn es oft Herausforderungen, schwierige Momente und Zustände gab die mich sehr verärgert und frustriert haben. Warum sind die Hygiene, die Bezahlung der Angestellten und die Versorgung so schlecht? Wieso muss in Alenga ein Baby nach der Geburt sterben, was in Deutschland locker überlebt hätte??
Viele dieser Dinge haben mich immer wieder vieles hinterfragen lassen und herausgefordert. Man muss letztendlich aber die Situation so akzeptieren wie sie ist und das Beste draus machen, denn sonst kann man in so einem Umfeld nicht leben und arbeiten. Man macht sich natürlich immer Gedanken was man tun kann und auch wir in Deutschland, die so fern von allem Schlimmen sind und die Augen oft verschließen können, weil die große Ungerechtigkeit nicht direkt vor uns auf der Straße stattfindet, sollten nicht denken, dass wir als Einzelner ja eh nichts verändern können und es alles eh nichts bringt!!! Man kann sich nämlich sehr wohl von Deutschland aus für Projekte in fernen und armen Entwicklungsländern einsetzten. Es tut niemandem weh 5 Euro im Monat zu spenden und vor allem ein Bewusstsein für die leidenden Menschen der Welt, die von uns so weit weg sind, zu schaffen.
Es hat mich sehr gefreut, dass das Health Center durch das Voucher Plus Programm von US-Aid viel Geld verdienen konnte und deswegen im Labor, im Büro und im Impfraum die Decken reparieren und alles neu streichen konnte. Dadurch war es gleich etwas hygienischer und gepflegter. Nach und nach wird sich da also noch so einiges verbessern. Es ist schön zu sehen, dass es voran geht und, dass sich etwas ändert. Durch die vielen, vielen Spenden ist es Greta und mir auch möglich das restliche Geld für den Bau des Zaunes für das Health Center zu benutzen. Father Stan wird dieses Projekt in die Hand nehmen und sich darum kümmern. Vielen Dank an alle, die uns finanziell unterstützt haben! Das ist wirklich Wahnsinn und ich hätte nie gedacht, dass so viel zusammen kommt.

Besonders gefreut hat es mich, dass wir nochmal meine Arbeitskollegin Gloria zu Hause besucht haben. Sharon, meine ehemalige Arbeitskollegin, war zum Glück auch da und so genossen wir einen schönen Abend mit leckerem Essen (Schweinefleisch, Greens mit Ei, Kartoffeln), machten ein paar Fotos und tranken sogar Bier! Es war wirklich toll nochmal dort zu sein aber gleichzeitig auch sehr traurig und das Gefühl, dass Greta und ich bald abreisen müssen lag die ganze Zeit in der Luft. Wir versprachen den beiden immer in Kontakt zu bleiben, sie nie zu vergessen und sie nächstes Jahr zu besuchen.

Am nächsten Tag war auch wieder volles Programm angesagt: Greta und ich wuschen unsere Wäsche ein letztes Mal in Uganda. Kaum zu glauben und die Freude auf die Waschmaschine stieg unaufhaltsam. Es gibt eben auch ein paar Sachen auf die man sich in Deutschland freut. 😀

Wir bei Kyeyune

Anschließend besuchten wir meinen ehemaligen Arbeitskollegen Kyeyune Godfrey. Er war mein bester Freund in Uganda und ich war sehr traurig, als er eines Tages nicht mehr zur Arbeit kam. Eigentlich braucht er den Job aber es gab Probleme und Jaspher war nicht mehr zufrieden mit Kyeyune und somit hat er den seine Arbeit verlassen.
Wir haben uns extra nicht angekündigt und sind zusammen mit meinem Kollegen Dickens(Labor) hingegangen. Wir brachten Soda mit und wollten einfach nur zusammen sitzen, jedoch fing die Frau natürlich sofort an zu kochen und briet ein paar Eier mit Chapati. Das war echt lecker. Es ist einfach so typisch und unglaublich nett, dass man immer etwas zu essen bekommt.

En Hoch auf die Absolventinnen
Am 20.7. war es dann soweit: Die langersehnte Graduation Party fand endlich statt. Die letzten zwei Wochen drehte es sich wirklich nur noch um dieses Ereignis und Sister Anne war ständig im Stress damit das ganze Schulgelände wie neu aussieht. Gerade weil Sister Evaline nicht mehr da war, da sie bei ihrem Kurs für die Sekretärinausbildung war, hatte Sister Anne noch mehr alleine zu tun.
Das Fest begann morgens um 10 Uhr mit einer Messe in der die Absolventinnen der letzten beiden Jahre gesegnet wurden. Es kamen immerhin 16 der 25 Absolventinnen um ihrer Abschlusszeugnisse und -zertifikate abzuholen. Die anderen werden ihre staatlich anerkannten Zeugnisse wohl nie abholen. Einige haben keinen Job als Schneiderin gefunden oder erledigen nur kleine Arbeiten in ihrem Heimatdorf.
Nach der Messe ging es dann in einem langen Menschenzug aus Schülerinnen, Lehrern, Eltern der Absolventinnen und Ehrengästen in die Versammlungshalle. Hier gab es ein langes Programm: Unser Theaterstück wurde endlich erfolgreich aufgeführt und außerdem gab es Gedichte, Rätsel, Reden, Lieder, Tänze und noch ein zweites Theaterstück auf Lango, von Sister Anne organisiert. Gegen 16 Uhr gab es dann das Mittagessen für alle und dann verließen die rund 400 Gäste die Schule. Wir waren fix und fertig, denn für die Lehrer, Schülerinnen und uns gab es keine Sitzplätze und auch kein Essen….
Die Schülerinnen fingen dann gleich mit dem Waschen des Geschirrs an und wir aßen noch mit den Lehrern die Reste des Essens. Anschließend tanzten wir noch bis 22 Uhr mit den Mädels auf der Wiese vor der Schule und waren alle ein bisschen traurig, da wir bald gehen mussten. In der Ferne am Zaun der Schule entdeckten wir viele neugierige  Jungs die gerne reingekommen wären und uns richtig angestarrt haben. Natürlich ist es aber nicht erlaubt, dass Jungs einfach so das Gelände betreten und so mussten sie draußen bleiben. Das war sehr lustig anzusehen. 🙂

Sauberkeit muss sein!
Am Samstag hieß es dann natürlich putzen, putzen und putzen. Wir wollten den neuen freiwilligen Fiona und Patricia kein dreckiges zu Hause hinterlassen! Außerdem mussten die letzten persönlichen Gegenstände in den Koffer gepackt werden. Zum Glück waren die Koffer noch nicht so voll, da wir unsere ganze Kleidung aus Deutschland in Alenga ließen. Auch noch mehr Odi (Erdnusscreme) landete im Gepäck und es war so ein unbeschreiblich komisches Gefühl bald wieder zu Hause in Deutschland zu sein. Ich war hin und her gerissen zwischen Freude und Trauer und wusste überhaupt nicht wie ich mich fühlen soll. Alles war so überfordernd!
Nachdem das Haus fertig war, ging ich ins Health Center zu Gloria um das Interview über ihren Alltag zu führen (vorletzter Artikel). Sie schenkte Greta und mir eine Freundschaftsurkunde, die sie in einem Fotoladen extra ausdrucken ließ. Das war sehr süß und rührte mich sehr!
Danach gingen wir zum Katechisten Patrick und seiner Frau Anna. Sie hatten uns natürlich auch noch eingeladen. Wir redeten über das Studieren, über Deutschland und schilderten unsere Gefühle. Patrick und Anna sind zwei so herzliche Menschen und obwohl Anna nicht wirklich Englisch kann war sie auch dabei, Patrick hat für sie übersetzt und wir hatten wirklich Spaß. Wir ließen uns dann noch von Patrick helfen unsere Rede für die Kirche zu übersetzen. Wir wollten am letzten Tag wirklich in Lango reden, aber so fit waren wir in der Sprache leider noch nicht. Umso toller war es, zu merken, dass ich doch schon einige Sätze bilden kann und viel verstehe. Das Übersetzen war nicht so schwierig, aber ohne Hilfe hätte es niemals geklappt. Die Aufregung vor dem Abschied im Gottesdienst stieg!

Apwoyo wunu ducu matek! (Vielen Dank euch allen)
Dann war es soweit: Der letzte Tag in Alenga brach an…
So ein komisches Gefühl: Angst, Aufregung, Trauer, Freude und die Stimme die immer sagt: „Nein, das kann nicht sein, du musst doch noch hier bleiben, das Jahr kann noch nicht vorbei sein! Was! Es geht zurück nach Deutschland????“

Emotionen über Emotionen
Im Gottesdienst liefen die Tränen nach ein paar Minuten unaufhörlich. Die Leute starrten uns an und trösteten uns und haben es überhaupt gar nicht verstanden, dass wir so viel weinten. (Weinen  und generell traurige und auch fröhliche Gefühle zeigen ist eh in der Öffentlichkeit eher nicht üblich und viele halten sich sogar die Hände vor das Gesicht, wenn sie lachen müssen.) Jedes Lied, jeder Tanz und jede Person erinnerten mich an die wundervolle Zeit, die ich das ganze Jahr in Alenga hatte. Ich konnte meine Freunde und die Mädels der Schule gar nicht anschauen, denn das machte mich noch trauriger. Die Schülerinnen waren sogar mit uns am weinen. Father Alberto erklärte dann, dass es der letzte Gottesdienst für uns ist und wir Morgen nach Kampala fahren…
Unsere Rede war sehr schwierig, da wir total aufgelöst waren. Gretas Zettel zitterte so sehr, dass ich dachte er fällt ihr gleich aus der Hand. Die Gemeinde freute sich sehr und klatschte als wir es endlich geschafft hatten mit dem Lango.  Danach sagten ein paar Personen etwas und natürlich auch Alberto. Sister Anna kam nach vorne, umarmte uns und flüsterte „Bleibt stark“ in unsere Ohren. Anschließend gab es noch einen Segen von der ganzen Gemeinde für uns: alle richteten ihre Hände nach vorne in unsere Richtung und Father Alberto sprach einen Segen aus. Wow, das war wirklich ein unglaubliches Gefühl und ich spürte wie die Tränen wieder unaufhaltsam über meine Wangen liefen.
Nach dem Gottesdienst umarmte ich alle meine Freunde und generell alle Menschen die mir noch etwas Liebes mit auf den Weg gaben: „Grüße dein zu Hause“, „Komm wieder zurück“, „Vergiss uns nicht“, „Wir werden euch vermissen“,……. Ich umarmte nochmal meine Arbeitskolleginnen und weinte mit ihnen. Gloria ist einfach eine sehr gute Freundin geworden und ich vermisse sie sehr!
In Alenga habe ich eine zweite Heimat und viel unglaubliche tolle, warmherzige Menschen getroffen. Viele Situationen haben mich zum Nachdenken angeregt und mein Herz berührt. Es gab viele schwierige Situationen: Das Leid, die Armut und Streitigkeiten verschiedener Menschen in der Arbeit, auf den Straßen und im Alltag aber es gab so viele Momente in denen ich mich so frei und glücklich gefühlt habe wie noch nie.

Anna und die Dämonen
Nach dem Gottesdienst machten wir uns auf zu unserer guten Freundin Anna.
Als ich neulich in der Arbeit war, konnte ich meinen Augen nicht trauen: Ihre Tochter, die gerade mal 16 ist, war schwanger! Sie hat sich mit einem Jungen aus Alenga eingelassen, hat die Schule abgebrochen und lebt jetzt bei ihm. Anna war sehr enttäuscht und wütend, da Nancy sich so ihre Zukunft verbaut hat und Anna sogar schon das Schulgeld gezahlt hatte. Nancy hat nur noch ein Schuljahr  bis zum Realschulabschluss gefehlt… ein typisches Schicksal eines jungen Mädchens in Alenga.
Anna leidet seit vier Wochen an Schmerzen in ihrer Hand und ihrem Arm. Nachdem es nicht besser wurde, ging ich mit Anna vor ein paar Wochen zum Ultraschall in Alenga. Die Ärztin fand, wie schon vermutet, heraus, dass es sich um eine Sehnenscheidenentzündung handeln muss und verschrieb ihr Diclofenac und ein anderes entzündungshemmendes Mittel. Sie sagt ihr auch, dass es sicherlich noch einige Zeit dauert, bis alles wieder gut ist. Ich bezahlte Anna die Untersuchung und natürlich auch die Medikamente. Die Arme konnte nicht mal mehr alleine im Feld arbeiten oder Wäsche waschen und in der Nacht hatte sie schlimme Schmerzen!
Als wir am Sonntag bei Anna ankamen sahen wir auf ihrem Grundstück einen Pavillon und viele Leute die kochten. Wir haben gar nicht verstanden was los ist und keiner wollte es uns verraten. Anna war total im Kochen beschäftigt und wir bekamen sie fast nicht zu Gesicht. Auf einmal kamen viele Leute und nahmen draußen Platz. Es waren Annas Freunde. Harriet (meine Arbeitskollegin) brachte uns irgendwann Essen, das wir mit ihr aber leider ohne Anna aßen. Dann gingen wir kurz zu den Leuten um zu beten. Anna erzählte dann von ihrem Arm und betonte, dass sogar die Weißen(Wir) ihr Geld und Medizin gegeben haben aber es nicht besser wurde. Wir gingen zurück in Annas Haus und auf einmal fingen draußen alle an zu Singen und ein evangelischer Katechist hielt Annas Arm hoch und find laut an irgendwas zu schreien. Das war total komisch. Harriet erklärte uns, dass sie denken, dass jemand Anna verzaubert hat und sie deswegen die anhaltenden Schmerzen im Arm hat. Mit diesem Ritual wollen sie den Teufel aus ihrem Arm bekommen. Das war richtig ungewohnt für uns wie ernst die Leute das praktizierten und an die Zauberei glaubten. Als wir später Father Stan davon berichteten, erzählte r uns, dass er damit schon viele Erfahrungen hatte. Die Leute kommen oft zu ihm und sagen, dass er für sie beten soll weil sie krank durch Zauberei sind. Father Stan schickt sie dann immer zum Health Center. Er weiß, dass Zauberei nicht echt sondern oft nur eine Ausrede oder leichte Erklärung ist.  Diese evangelischen Katechisten wissen das auch, aber sie nutzen die Bevölkerung aus und verlangen sehr sehr viel Geld für so eine Austreibung. Es ist reine Abzocke.
Ein weiteres Beispiel ist die Köchin der Schwestern: Sie klagt seit langen über Schmerzen in der Seite und die Schwestern schickten sie in die Krankenstation. Dort wurde Typhus diagnostiziert und ihr Medikamente dafür gegeben. Diese wollte die Köchin dann aber nicht nehmen sondern sie beharrte ständig darauf, dass jemand sie verzaubert hat und umbringen will und dass die Dämonen sie in der Nacht heimsuchen werden.
Father Stan hatte ein anderes Beispiel: „Wenn ein Mann durch den Verkauf von Bohnen 200000 Uganda Schilling bekommt, dann freut er sich sehr und erzählt es seiner Frau. Er geht dann ins Center um seinen Besitz zu feiern und läd alle seine Freunde zu Trinken und Essen ein. Er betrinkt sich immer öfter und die Frau jagt ihn davon. Eines Tages kommt er zu seiner Frau und sagt, dass jemand ihn verzaubert hat und ihm so das ganze Geld geklaut hat, weil derjenige ihm etwas Böses wollte. Das ist praktisch: die Frau wird ihm verzeihen, weil es nicht die Schuld vom Mann ist und auch der Mann wird sich nicht schlecht fühlen, da es ja eine plausible und eindeutige Lösung gibt: Jemand hat ihn verhext! Die Leute glauben da wirklich dran! Es ist also in ihren Augen auch keine Ausrede sondern die Wahrheit!“
Der Besuch bei Anna war wirklich interessant und auch etwas ganz neues für uns. Wir konnten leider nicht viel Zeit mit Anna verbringen und sind dann irgendwann gegangen, weil wir ja noch weiter mussten. Anna gab uns noch Briefe für unsere Familien mit, in denen sie sich für die Hilfe bedankte und schrieb, dass sie nie vergessen sollen, dass Anna jetzt ein Teil unserer Familie ist.

Ein letztes Mal Mary und Paska
Bei Mary und Paska tranken wir einen Tee und redeten noch über dies und das. Wir machten noch viele Bilder und verabschiedeten uns auch von ihrer sehr alten Mutter. Die beiden sind so toll und fortschrittlich! Ich werde immer an sie denken.

Abschiedsfest Konvent
Am Abend gab es natürlich ein großes Fest mit den Priestern und Schwestern im Hof des Konvents. Wir aßen noch ein letztes Mal das leckere Essen der Schwestern und plauderten ein bisschen. Die Schülerinnen kamen auch vorbei und präsentierten extra geschriebene und eingeübte Lieder und Tänze, die etwas traurig waren und hauptsächlich um Abschied gingen. Danach sagt Rebecca noch ein paar Worte und Greta und ich bekamen beide ein Geschenk mit einer gestrickten Tasche, einem Holzschild mit der Aufschrift „Danke für deine Unterstützung“  und einer Kette. Das war wirklich schön und hat uns mal wieder zu Tränen gerührt. Wir mussten dann selbstverständlich auch noch eine Rede für die Schülerinnen halten und bedankten und für die gemeinsame Zeit und die tollen Gespräche und gaben ihnen ein paar Tipps.
Dann übergaben Greta und ich die Geschenke: Ein Fotoalbum für die Schwestern, eins für die Priester und eins für die Schule. Diese Alben haben wir selber gemacht und es war echt viel Arbeit aber es hat sich gelohnt! Sie haben sich riesig gefreut und die Alben gleich angeschaut! Jetzt haben sie viele Erinnerungen an uns.  Dann fielen wir bald sehr müde ein letztes Mal in unser Bett in Alenga…

Kampala
Am Montagmorgen dann der endgültige Abschied. Wir umarmten Schwester Consentina, die Lehrer und die Schülerinnen und sprangen in Albertos Auto. Er nahm uns und Schwester Anne mit nach Kampala. Noch einmal, natürlich weinend, ließ ich das Dorf Alenga, die Landschaft und die Leute an mir vorbei ziehen, fuhr noch einmal mit der Fähre über den wunderschönen Nil und landete im wilden Kampala.

In der Hauptstadt verbrachten wir die letzten Tage und luden Father Alberto und Sister Anne zum Abendessen in eine Pizzeria ein, ließen uns unsere Haare flechten und kauften einige Dinge wie ugandischen Gin, Kaffee, Tee und Stoffe für Deutschland.
Die Zeit verging rasend schnell und am letzten Abend, nachdem doch noch alles mit Mühe und Not in die Koffer gepasst hat und wir uns von den Schwestern, Brüdern und Priestern in Kampala verabschiedet hatten, trafen wir uns mit Bruder Fafa in einem Restaurant und aßen ein letztes Mal Ugandisches Essen.

Ab nach Hause
Später brachte uns ein Taxi zum Flughafen und mir viel ein riesen Stein vom Herzen, nachdem wir durch die Sicherheitskontrolle und Gepäckabgabe kamen. Nach einer kurzen Verspätung startete endlich unser Flugzeug nach Istanbul und wir konnten es kaum glauben.

Durch die Verspätung und eine sehr langsame Landung verpasste ich dann schrecklicherweise meinen Anschlussflug nach München. Zum Glück kam nur vier Stunden später ein nächster Flug und Greta und ich warteten gemeinsam.
Der Abschied voneinander war wirklich schlimm und wir mussten beide unsere Tränen zurück halten. Ein Jahr lang haben wir zusammen gewohnt und fast jede freie Minute miteinander verbracht, sodass wir uns wie Schwestern fühlen. Ich bin wirklich froh, dass ich durch den Freiwilligendienst eine so tolle neue Freundin fürs Leben wie Greta gefunden habe.

Dann endlich: Die Ankunft in München! Wow, unglaublich. Schnell holte ich mein Gepäck (Puhhh, alles angekommen) und rannte zum Ausgang.
Und da waren sie: meine Mama, Papa, meine Nichte Alissa, mein Neffe Felix und meine Freundin Susi standen bereit mit einem übergroßen Schild um mich in Empfang zu nehmen. Die Freude war riesig und es war wunderschön alle wieder zu sehen und in meine Arme schließen zu können.

Anschließend fuhren wir nach Hause und dort wartete der Rest meiner Familie mit einem leckeren Abendessen und wir saßen noch lange zusammen.

Fiona, Patricia, ich und Greta in Augsburg

Am Wochenende kam Greta wieder zu mir (Wir konnten es einfach nicht mehr länger ertragen uns nicht zu sehen) und wir trafen uns mit den zwei neuen Freiwilligen Patricia und Fiona in Augsburg. Die beiden sind mittlerweile sehr gut in Alenga angekommen und genießen die Zeit. Hier der Link zu ihrem Blog, auf dem sie über ihre Erfahrungen berichten: https://fionaundpatricia.wixsite.com/uganda

Leben in Deutschland
Wieder hier in Deutschland zu sein war ein richtiger Kulturschock: viel zu große Supermärkte mit viel zu viel Auswahl, so viele weiße Menschen um mich rum, viele Freunde und Familie zum greifen nah. Vieles hat mich am Anfang sehr überfordert und es war komisch wieder hier zu leben. Noch sehr oft denke ich an mein Leben in Uganda zurück und ich habe Heimweh nach Alenga. Trotzdem ist es auch schön wieder hier zu sein, denn das Leben hier hat natürlich auch sehr viele Vorteile…
Letzte Woche war das Abschlussseminar in Nürnberg und es war wirklich schön alle wiederzusehen. Man spürt deutlich wie alle sich verändert haben und andere Sachen im Leben wichtiger geworden sind. Viele wollen weiterhin in der Entwicklungszusammenarbeit arbeiten und sich engagieren. Ich habe gemerkt wie uns unsere Erfahrungen verbinden und, dass wir alle auf der gleichen Wellenlänge sind und uns die gleichen Gedanken zu Politik, Entwicklung, Armut etc. machen. Mehr dazu findet ihr im Bericht zum Seminar auf cosamaz.de.

Am Donnerstag werde ich nach Heidelberg ziehen um dort mein Zahnmedizin-Studium zu beginnen. Ich bin richtig aufgeregt und gespannt auf die Zeit die kommt und ich freue mich auf eine neue Stadt, neue Leute und viele neue Erfahrungen.

Vielen Dank an alle die immer meine Einträge gelesen haben und mich finanziell aber auch mental in meinem Einsatz unterstützt haben.

Liebe Grüße,

Eure Francesca