Beginn meines MaZ-Dienst

Nach über achtmonatiger Vorbereitungszeit begann am 4. August 2018 endlich mein Auslandsjahr. Ich betrat das Flugzeug mit gemischten Gefühlen. Einerseits habe ich meine Freunde, Familie, Bekannte und mein gewohntes Umfeld für ein Jahr verlassen und werde alles sicherlich auch vermissen, anderseits war die Vorfreude auf Tansania und die neuen Eindrücke riesig. Zweiteres Gefühl überwog deutlich. Zusammen mit Carlotta und Jeanette, zwei Freiwilligen der Steyler- Missionarinnen, die in einem Waisenhaus in Bugoba (nähe Viktoriasee) mithelfen werden, flogen wir vom Münchner Flughafen los. Der Flug verlief ohne Probleme, lediglich das Warten auf das Visum am Flughafen in Dar Es Salaam, oder auch nur Dar, wie es von Einheimischen abgekürzt wird, verzögerte sich etwas. Am Flughafen angekommen wurden wir von Lukas, der 2010 einen Freiwilligendienst in Mkuranga absolviert hatte, abgeholt und nach Kurasini in ein Ordenshaus der Salvatorianer gebracht. Dort trafen wir auf Iris und Philomena, meine „Vorgängerinnen“ aus Mkuranga. Sie haben uns am nächsten Tag mit organisatorischen Dingen wie Geldabheben, Besorgen einer tansanischen Handynummer sowie Kaufen der Bustickets nach Morogoro geholfen. Morogoro liegt circa 5-6 Stunden westlich von Dar Es Salaam entfernt. Dort ist die Sprachschule, in der wir einen knapp vierwöchigen Sprachkurs absolviert haben. Hier wurden uns die Grundkenntnisse des Kishualilis vermittelt. Ein normaler Unterrichtstag sah wie folgt aus: um 8:00 morgens oder auch 2 Uhr Swahilitime begann der Unterricht. Hier wird im Alltag eine andere Zeitrechnung verwendet. So beginnt die Swahili- Zeitrechnung bei Sonnenaufgang, sozusagen mit der Stunde 0 (6 Uhr morgens). Die erste Stunde des Tages endet um 7 Uhr morgens, woraus sich auch die Uhrzeit, nämlich 1 Uhr Swahili- Zeit (saa moja), ableitet. Entsprechend dieser Zeitrechnung (als Eselsbrücke subtrahiert oder addiert man jeweils sechs Stunden zu unserer Zeit) ist also 9 Uhr vormittags die dritte Stunde und 14 Uhr nachmittags die achte Stunde. Besonders in den ersten Wochen hat dies häufig zu Verwirrungen geführt, mittlerweile bereitet es mir kaum noch Probleme. Um 10:00 wurde der Unterricht für eine halbe Stunde pausiert. In der teatime wurde dann gemeinsam mit den Lehrern Tee und Kaffee getrunken zusätzlich gab es noch kleine Snacks. Um 12:00 Uhr endete der Unterricht am Vormittag und die Mittagspause begann. Von 14:30 -16:00 war erneut Unterricht. In der Summe ergab dies fünf Stunden Kishualili- Unterricht pro Tag. Meistens waren wir nach dem Unterricht mental ziemlich erschöpft, denn der Unterricht sowie die Lehrmaterialien waren auf Englisch. Es war deswegen ziemlich anstregend, immer zwischen Kishualili, Englisch und Deutsch zu übersetzen. Die Tatsache, dass wir nur zu dritt Unterricht hatten, hat diesen Effekt nicht verringert. Die Wochenenden in der Sprachschule waren von den Lehrern gut organisiert. So wanderten wir beispielsweise zu einem deutschen Kolonialhaus, das 1911 gebaut wurde und das immer noch bewohnt ist. Obale, ein maasaischer Sprachlehrer, begleitete uns Sprachschüler zu einen lokalen Maasai- Markt, bei dem vor allem Kühe, Ziegen verkauft/gekauft und geschlachtet wurden. Außerdem brachte er uns die Kultur des Maasaistammes und die Aufgaben eines Maasais näher. Das Highlight während der Zeit in der Sprachschule war aber ohne Frage der Besuch des Mikumi-Nationalparks am zweiten Wochenende. Dieser Trip wurde von Philomena, der Vorfreiwilligen, organisiert. Am Samstag ging es dann früh morgens los, da in der Morgendämmerung die Wahrscheinlichkeit am höchsten ist, Tiere in ihrer freien Wildbahn zu sehen. Von den berüchtigten „Big Five“ (Büffel, Elefant, Leopard, Löwe und Nashorn) sahen wir drei in ihrer natürlichen Lebensumgebung, nämlich Büffel, Elefanten und Löwen. Am Sonntag wanderten wir im Udzungwa Mountains Nationalpark zu einem Wasserfall. Nach dem Sprachkurs trennten sich die Wege für Carlotta, Jeanette und mich. Die beiden Mädchen fuhren ins ca. 24 Busstunden entfernte Bukoba, um dort ihr Projekt anzutreten. Für mich dagegen ging es zurück nach Dar Es Salaam. Dort war ich erneut im Ordenshaus der Salvatorianer in Kurasini untergebracht, in dem wir nach der Ankuft bereits gewohnt haben. Hier verbrachte ich weitere neun Nächte. Ziel dieses Aufenthaltes war, das Jahresvisum für mich zu beantragen. Im Unterschied zu Frewilligen in anderen Ländern, die ihr Jahresvisum bereits vor dem Hinflug bekommen haben, ist bei uns Freiwilligen in Tansania das Vorgehen etwas anders. Wir sind mit dem normalen Touristenvisum eingereist, welches drei Monate gültig ist. In diesen drei Monaten kümmert sich der/die Freiwillige um das Jahresvisum. Nachdem meine entsprechenden Unterlagen abgegeben worden waren, wurde ich von meinem Verantwortlichen, Fr. Ayub, nach Mkuranga gebracht. Mittlerweile bin ich schon knapp eine Woche in Mkuranga und hatte bereits meine ersten Tage im Projekt. Ausführlichere Informationen zu meiner Arbeit und Mkuranga kommen im nächsten Bericht.

Kwa heri!
Johannes Wutte

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By | 2018-10-01T10:30:04+00:00 30. September 2018|

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