(Nur) An Ostern Auferstehung? – Fundamente des Glaubens

San Genaro, den 02.06.2018

Warum feiern wir Ostern? Für die einen spielt dieses Fest keine sonderlich große Rolle, für die anderen ist es ein Fest, nach der Fastenzeit endlich wieder naschen zu dürfen, die nächsten feiern es einfach mit, weil es „halt dazu gehört“, wieder andere gehen in die Kirche, und für einige ist Ostern der Tag, an dem Jesus auferstand. Das sind nur wenige der Bedeutungen, die diesem Fest zugeschrieben werden. Oft sind bestimmte Feiern des Jahres so selbstverständlich, dass man sich nicht viele Gedanken um die Bedeutung macht. Dabei geht es nicht um eine generelle Anleitung, sondern vielmehr darum: Wie stehe ich zu Ostern? Ich persönlich, als Christin, bin etwas herausgefordert.

Klar, ich glaube daran, dass Jesus auferstanden ist und Gott dreieinig ist. Aber das hört sich immer sehr platt an, ich kann gut verstehen, dass ein Atheist mit dieser Aussage nicht viel anfangen kann bzw. sofort in der Lage ist mit vielen Argumenten zu kontern. Und dabei wären wir schon bei einer wichtigen Sache: Geht es wirklich immer darum die besten Argumente zu liefern, um den anderen zu überzeugen?

Fragwürdig… denn, meiner Meinung nach, wird ein Atheist nicht durch ein Gespräch mit einer überzeugten christlichen Person zum Gläubigen und anders herum ebenfalls nicht. Vielmehr sollte es doch um den Austausch auf Augenhöhe gehen, der ist oft viel ertrag- und erkenntnisreicher. Jeden da abholen, wo er steht, statt großem Gerede über etwas, zu dem das Gegenüber teilweise nicht den geringsten Bezug hat.

Mit meinen Mädels, die zu Besuch waren (mehr darüber gibt es weiter unten), hatte ich ein interessantes Gespräch zusammen mit einem Christ. Durch meine Freundin lagen dem Gespräch eine atheistische und eine christliche Lebenseinstellung zur Basis. Wir haben über vieles gesprochen wie Familie, Glaube, Sexualleben, und vieles mehr.

Es war sehr interessant und horizonterweiternd, dieses Gespräch werde ich so schnell nicht vergessen. Ich bin sehr dankbar über jede Möglichkeit, mit so viel Achtung und Respekt zu diskutieren, ohne seinen eigenen Standpunkt abzuschwächen oder ihm untreu zu werden. Von meinem Gegenüber konnte ich so manches mitnehmen und lernen. Zuhören, Respekt zeigen und auf Augenhöhe argumentieren. Das fehlt mir so oft in Auseinandersetzungen zwischen Gläubigen unterschiedlicher Religionen oder Nichtgläubigen.

Um zurück zu kommen zum Fest der Auferstehung: Für mich ist Jesus ein Freund, der mich auf Schritt und Tritt begleitet. Ich schöpfe viel Kraft aus meinem Glauben. Ich schöpfe aber auch viel aus Konversationen mit den unterschiedlichsten Menschen. Und wenn du Lust hast, kannst du ja nun mal selbst in dich hinein hören und dich fragen: Was bedeutet Ostern für mich?

Außerdem stellt sich mir auch die Frage, ob wir tief im Herzen nur an einem Tag im Jahr die Auferstehung feiern sollten. Letztendlich ist doch eigentlich jeden Tag Ostern, da ich jeden Tag aufs Neue Jesus an meiner Seite habe.

Und wenn du wirklich überhaupt nichts mit diesem christlichen Fest anfangen kannst? Dann ist das auch vollkommen in Ordnung 🙂 Jeder ist frei und jeder Mensch hat seine berechtigten Gedankengänge und Lebenseinstellungen. Differenzen existieren, immer. Die Aufgabe ist, diese anzunehmen und ihnen nicht den Rücken zuzukehren.

Besuch aus der Heimat

Unglaublich aber wahr, die Zeit rennt. Am 26.03.2018 erwartete ich voller Aufregung meine Schwester Miriam, meine Cousine Anna und meine Freundin Julia. Leider mussten Miri und Anna eine Nacht in Amsterdam bleiben, da es Probleme mit dem Flug gab. So verbrachten Juli, die aus Hamburg einflog, und ich eine Nacht zu zweit:) Am nächsten Tag machten wir mit Juan, Pater José und Roberto einen Ausflug zu „Punta Negra“, ein wirklich wunderschöner Strand, nicht weit entfernt von „Punta Hermosa“ bei dem wir aber leider nie angekommen waren. Dabei waren auch David und seine Familie, die zu dieser Zeit ebenso in Peru war, um ihn zu besuchen. Es war ein wundervoller und heißer Tag an einem Strand wie im Paradies.

Am selben Nachmittag war es dann endlich soweit: Ich konnte meine Schwester und meine Cousine in die Arme schließen. Das war schon besonders. Nach mehr als sieben Monaten war die Wiedersehensfreude groß.

Einblick in mein Leben gewähren

Die erste Woche verbrachten wir in Lima. Ich zeigte ihnen das Haus der Talente, die Kinder bastelten mit Davids Familie Osterkerzen. Gleich am zweiten Tag waren wir auch surfen in Barranco, bei meinen Freunden. Das war sehr schön und die Mädels haben eine super Figur auf den Brettern gemacht 🙂 Eine Fahrt ins Zentrum von Lima gehörte auch zum Programm. Es war schön, die „Organisatorin“ zu sein und Einblick in meine zweite Heimat zu gewähren, den sprachlichen Teil zu übernehmen und immer wieder kleine Geschichten von meinem bisherigen Aufenthalt zu erzählen.

Meine Mädels waren super drauf und haben sich interessiert. Ich bin so dankbar, dass sie sich auf die Reise zu mir gemacht haben. Auch meine Freundin Paty haben sie kennengelernt. Paty´s Schwester war ganz begeistert vom deutschen Nutella, das mir die Mädels mitgebracht haben, und hat ihr Nutellabrot genüsslich gegessen. Ich übrigens auch, hehe.

Ab in die Wüste

Innerhalb der ersten Woche waren wir noch zwei Tage in Ica, Huacachina. Das war wundervoll, ich war noch nie in der Wüste. Und mittendrin eine Oase, einfach ein Paradies. Es war leider sehr touristisch, aber trotzdem wunderschön. Die Sandbuggytour war genial, mit Vollgas mitten im Sand, unendliche Weite. Am Abend sind wir ein Stückchen hochgelaufen, um den Sonnenuntergang zu genießen. Danach sind wir wieder in die größere Stadt Ica reingefahren, um dort im viel zu heißen Hostel zu übernachten.

Ostermesse in Santa Rosa

Die Ostermesse war sehr wichtig für mich, da ich an den anderen Tage nicht an den Aktivitäten der Gemeinde teilnehmen konnte (zum Beispiel einen Kreuzweg hoch auf den Hügel zur Jesusstatue). Nun konnten mich meine Mädels auch ministrieren sehen. Außerdem hatte ich eine kleine Überraschung geplant. So sang ich im Gottesdienst das Aleluya auf Spanisch. Ein paar Wochen davor habe ich mir ein Gitarrist gesucht und mit Juan gesprochen. Ich war sehr aufgeregt, es war mein erster Soloauftritt, bisher sang ich unter der Dusche und nicht mehr. Den Leuten schien es gefallen zu haben. Das wichtigste war für mich jedoch, dass es zum einen für meine Mädels war und zum anderen vor allem, um ein weiteres kleines Zeichen zu setzen, dass wir alle zusammen gehören, egal von welchem Land. Es war ein Zeichen, dass ich hier angekommen bin und mich sehr wohlfühle in der Gemeinde.

WG wird wieder kleiner

Da David und seine Familie in die Berge reisten, nahmen sie unsere Babykatzen samt Mutter Chilli mit. Sie wurden im Dorf einer Freundin untergebracht und blieben fast alle zusammen. Früher oder später müssten die Katzen eh raus aus unserer Wohnung, das war die beste Lösung. In den Bergen wird es ihnen sicherlich gut gehen. Ich muss sagen ich vermiss sie ein bisschen, süß waren sie allemal, das kann ich nicht abstreiten. Aber wenn ich ehrlich bin überwiegt die Freude darüber, dass nun nicht mehr fünf Katzen die Wohnung vollpinkeln und alles zerkratzen, generell oft nerven und schreien. Für mich war es eine Erleichterung und ich habe geduldig auf diesen Tag gewartet… Und nein ich hasse Katzen nicht 🙂 Ich liebe sie nur nicht so unsterblich wie manch andere hehe.

Eine unvergessliche Reise steht an

Wie erwartet verflog die Zeit mit Miri, Anna und Juli noch schneller als gedacht und schon waren sie eine Woche hierin meiner Heimat. Noch immer kann ich es nicht wirklich glauben, dass nun schon so viel Zeit vergangen ist…

Auf jeden Fall stand nun eine ganz besondere Reise an, die so manche Überraschungen bereit hatte. Aber dazu könnt ihr im nächsten Blogeintrag mehr lesen.

Bis dahin, habt eine schöne Zeit.

Eure Marlene Helena

Print Friendly, PDF & Email
By | 2018-06-07T11:02:32+00:00 7. Juni 2018|

Leave A Comment