Herzlich Willkommen in meinem neuen zu Hause

Hallo ihr Lieben,
heute möchte ich euch von der schönen, abwechslungsreichen und aufregenden Zeit mit unseren Familien erzählen.

Drei Tage nach Gretas Geburtstag brachen wir nach Kampala auf. Hier besuchten wir unsere Freundinnen Linda und Maike, die zentral in Kampala wohnen und gingen anlässlich des Geburtstages auch nochmal feiern, was in Alenga ja absolut nicht möglich ist und sich ein bisschen mehr wie eine normale Geburtstagsfeier angefühlt hat: Mit Freunden Bier, Pizza und Kuchen genießen und danach zum Tanzen in den Club. Gemeinsam hatten wir einen richtig schönen Abend! Am Tag danach brachen wir nach Entebbe auf, was ca. eine Stunde von Kampala entfernt ist. Wir fuhren also schon mal in unsere schöne Unterkunft, genossen die warme Dusche und das kuschelige Bett und holten dann unsere Familie vom Flughafen ab! Das war vielleicht ein tolles Gefühl, bekannte Gesichter wiederzusehen und in den Arm zu nehmen. Vorher waren wir aufgeregter als bei unserer eigenen Ankunft: Ob sie es wohl schaffen würden, durch die Kontrolle zu kommen, ob sie mit dem Visum alles richtig gemacht hatten usw. .. 🙂 . Zum Glück hat alles gut geklappt und die Vier (Mama und mein Bruder Leon, Tina und Robert(Gretas Eltern)) schienen sogar einen angenehmen Flug gehabt zu haben.

 

Entebbe und Kampala

Gemeinsam verbrachten wir zwei Tage im schönen Entebbe, das direkt am Viktoriasee liegt. Da Grtea und ich ja Silvester hier gefeiert haben, kannten wir uns gut aus und führten unseren Besuch zu all den schönen Plätzen. Es war ein tolles Gefühl für mich, die ja unseren Besuch herumzuführen, ihnen Dinge zu erklären und die Planung zu übernehmen. Wir besuchten den botanischen Garten Entebbes und unsere Mütter bestaunten eigentlich den ganzen Tag lang, wie schön denn alles blühe und wie grün die Natur sei! Ja, Uganda ist wirklich ein traumhaftes Land! Außerdem gingen wir an den Strand, aßen frischen Viktoriaseebarsch und feierten am Pfingstsonntag einen schönen Gottesdienst in Entebbe.

Danach brachen wir dann nach Kampala auf. Für unsere Eltern ein ziemlicher Schock und ich war froh, dass wir erst ein wenig in Entebbe waren, damit sie sich eingewöhnen konnten. Die Hauptstadt Ugandas, sie ist einfach laut, voll, dreckig und beim ersten Mal ziemlich überfordernd. Zum Glück kennen Greta und ich uns ja inzwischen aus, haben ein paar Freunde vor Ort und so verbrachten wir in Kampala sehr spannende Tage. Wir stellten unsere Eltern den Combonis und den Schwestern in Kampala vor, die sie sehr herzlich begrüßten und willkommen hießen. Außerdem fuhren wir mit ihnen im Matatu (öffentliches Taxi/Kleinbus) bis in das Stadtzentrum, wo wir die schönen Stoffe und Kleider auf dem belebten Markt bewunderten und gleich auch was einkauften. Natürlich fing ich auf dem Markt an zu handeln, erstens weil einem als Weiße grundsätzlich der doppelte Preis genannt wird und zweitens weil ich inzwischen die echten Preise für Stoffe gut kenne und mich deshalb erst nicht über den Tisch ziehen lassen möchte. Daran die Eltern sich erstmal gewöhnen und es war ihnen zunächst auch etwas unangenehm. Außerdem waren unsere Familien sehr begeistert von dem schönen Markt mitten in Kampala, und froh, denn ohne unsere Kenntnisse würden sie sich nie auf so einen lauten und lebhaften Markt trauen. Dort gibt es alle möglichen Früchte und einheimischen Spezialitäten, die sie gleich mal auskosten durften. Darunter der typische Kochbananenbrei (Matooke), Erdnusssoße, Chapati/Rolex und ein Obstsalat mit Zuckerrohr, Stinkfrucht, Papaya, Avocado und vielem mehr. Hmm… ein kulinarischer Exkurs.

Am Ende unseres ausgiebigen Tages in der Innenstadt erlebten unsere Eltern dann noch die Rush-Hour Kampalas. Aus dem Zentrum sind es, bei wenig Verkehr, ca. 15 Minuten bis nach Mbuya Hill, wo die Combonis wohnen. Wir haben dafür dann eine geschlagene Stunde gebraucht. Greta und ich schlugen gleich zu Beginn vor, dass wir doch am besten ein Boda nehmen sollten, weil die Autos zu dieser Zeit im Stau stecken bleiben würden. Schon in Entebbe waren wir kurze Strecken mit dem Boda gefahren und Papa und Leon hatten auch richtig Gefallen daran gefunden. Doch die Mütter streikten. Also machten wir uns durch den Verkehr und die Menschenmassen auf die Suche nach dem richtigen Matatu. Als wir im Taxi saßen, ging es dann natürlich nur schleppend voran. Der Taxifahrer war typisch ugandisch, bremste in der letzten Sekunde und so auch ganz kurz vor einem die Straße überquerenden Laster.  „Also diese Verkehrssituation ist so erschreckend, furchtbar, das muss doch bald alles zusammenbrechen und kollabieren…“ kommentierten unsere leicht verschreckten Eltern. Lange Rede, kurzer Sinn: Wir kamen in der Dunkelheit völlig erschöpft, aber voll von unvergesslichen Eindrücken an und rundeten den Tag mit einem gemütlichen Abendessen beim Inder und einer weiteren heiklen Uber-Fahrt (zu siebt gequetscht in ein Auto) ab. J

Am nächsten Tag machten wir Kulturprogramm. Gemeinsam besichtigten wir die Kasubi Tombs, wo wir viel über die hochspannende Kultur der Buganda (die größte Volksgruppe Ugandas) und ihrer Könige lernten. In den Tombs werden die Könige beerdigt und auf dem ganzen Gelände verteilt ihre zahlreichen Frauen und Kinder. Die ganzen Frauen oder immer eine Vertreterin aus der Familie der Frauen der Könige leben noch heute auf dem Gelände. Die Buganda verehren ihre Könige schon seit ewigen Zeiten und sind ihren alten Traditionen und Bräuchen noch heute treu und legen viel Wert darauf.

Im Anschluss besuchten wir noch das ugandische Nationalmuseum, das auch für Greta und mich noch einmal viele neue Erkenntnisse über dieses vielfältige und facettenreiche Land brachte.  Abends gingen wir dann gemeinsam mit Stan und Fafa (den wir zufällig bei den Combonis getroffen hatten) sehr lecker essen. Für uns war es schön, dass unsere Eltern bereits Stan gut kennenlernten, der ja für das ganze Jahr unser Mentor und unsere Bezugsperson ist, und außerdem zufällig die Chance bekamen Fafa kennenzulernen, der sich zuvor so lieb um uns gekümmert hatte. Zusammen gingen wir in ein sehr besonderes Restaurant Kampalas, in dem Greta und ich gleich mal einen kleinen Kulturschock bekamen, weil alles so europäisch und elegant eingerichtet und zubereitet war. Das Essen war sehr lecker und Fafa, Stan, Greta und ich probierten gemeinsam die Frösche, deren Fleisch erstaunlich nach saftigem Hühnchen geschmeckt hat.

Der Abend war sehr schön und ein toller Abschluss für die Tage in Kampala. Denn am nächsten Morgen war es schon soweit, dass wir gemeinsam mit Stan nach Alenga aufbrechen wollten. Die Aufregung bei allen stieg… !

 

Mit Mama und Leon in unserem zu Hause

Am Mittwoch kamen wir gegen Mittag in Alenga an. Nach einer Fahrt, die schonmal einen kleinen Vorgeschmack auf die Straßen Ugandas gab. Durchgerüttelt und durchgeschüttelt wurden wir von den Schülerinnen und Schwestern in Empfang genommen, die mit Jubel und Gesang gleich mal alle neuen Gäste in den Arm nahmen, so wie es hier eben üblich ist. Im Anschluss lernten unsere Eltern die anderen beiden Priester und die Köchinnen bei einem schönen gemeinsamen Mittagessen kennen. Nachdem wir die vollgepackten großen Koffer ausgepackt und Mitbringsel, Spenden, Geschenke und Leckereien sortiert hatten, machten wir eine kleine Alenga-Rundtour und gingen im Anschluss auf den kleinen Wochenmarkt. Hier zeigten wir unserem Besuch die typischen Leckereien und einige unserer Freunde. Natürlich kommt es hier nicht alle Tage vor, dass sechs Deutsche den kleinen Dorfmarkt besuchen und auch wenn sich die Bewohner Alengas schon an Greta und mich gewöhnt haben, erregten wir viel Aufsehen und zogen die Aufmerksamkeit auf uns. Für unsere Eltern war der Markt mit Sicherheit ein aufwühlendes Erlebnis, denn dort wird man sehr mit der Armut und dem Leben von der Subsistenzwirtschaft hier konfrontiert. Meinen Vater bedrückte anschließend, dass er mehrmals nach Geld gefragt wurde oder danach, etwas für jemanden zu kaufen. Das passiert auch mir noch gelegentlich (inzwischen seltener) und zeigt das Bild des wohlhabenden Weißen, das tief in vielen Köpfen verankert ist.

Am nächsten Tag zeigten wir unseren Eltern den Schlafsaal. Sie waren nachdrücklich begeistert wie weit das Projekt inzwischen gekommen ist und wie viel mit Hilfe eurer Spenden zustande kommen konnte! Geschockt waren sie davon, dass in dem jetzigen Schlafsaal auf engstem Raum 60 Mädchen schlafen müssen. Die Vorfreude der Mädchen in den neuen Saal zu ziehen steigt auch täglich…!

Außerdem besuchten wir alle gemeinsam meinen Arbeitsplatz, die Krankenstation. Ich zeigte und erklärte ihnen das Gelände, die einzelnen Abteilungen, von Labor zur Medikamentenausgabe und zur Entbindungsstation. Besonders genau schauten sie sich das Labor an, wo Dickens und Bernard, meine Kollegen, stolz ihr Equipment präsentierten. Von der Handzentrifuge bis zum Malariatest hatte ich die Chance Vieles zu erklären.
Gretas Mutter war von der Tatsache geschockt, dass alle den Geburtenraum einfach betreten dürfen ohne Kleidung oder Schuhe zu wechseln. Die Gesundheitsversorgung hier im Dorf ist mit den deutschen Standards eben absolut nicht zu vergleichen und gerade auf die Sterilisation wird kein großer Wert gelegt. So schlafen auch alle Patientinnen in einem Raum, aufgeteilt nach Müttern, die entbunden haben, und Schwangeren mit Komplikationen, und Keime können sich schnell vermehren. Beeindruckt waren sie auch davon wie viele Schwangere zum Vorsorgetermin kamen und auf dem Boden saßen um dort stundenlang auf die Untersuchung zu warten. Die Schwangeren zeigen während der langen Wartezeit keine schlechte Laune, sondern unterhalten sich und tauschen die neuesten Geschichten aus. Es war wirklich schön und wichtig meiner Mama und meinem Bruder meine Arbeitsstelle zu zeigen. So wissen sie jetzt genau wo ich arbeite und können sich alles besser vorstellen und nachvollziehen.

Zudem unterrichtete Greta am Freitag zwei Stunden Computer im ersten Jahrgang und so bekam unser Besuch die Chance sich den Computerunterricht anzuschauen. In den ersten Stunden nach den Ferien wird in allen Fächern zunächst das Examen vom  letzten Term besprochen und so alter Unterrichtsstoff wiederholt. Anschließend arbeiteten die Mädchen praktisch an den Laptops und Greta versuchte die Kontrolle zu behalten. Das ist nämlich nicht immer leicht, wenn wie im ersten Jahr 36 Mädchen an 9 Laptops arbeiten, nach Möglichkeit alle mitmachen sollen und die Stromversorgung auch nicht immer klappt. Da heißt es dann oft „Greta, come here!“, „No, first come here, our power is off!“ und sie erklärt eigentlich gerade einer anderen Gruppe noch die Aufgabe. Nichtdestotrotz macht Greta der Computerunterricht viel Spaß und den Schülerinnen erst recht. Leon war besonders erstaunt, dass er immer die Möglichkeit hatte allein an einem Computer in der Schule zu arbeiten, während die Mädchen in fünfer Gruppen arbeiten müssen. Aber hier ist es so besonders, dass Computer überhaupt unterrichtet wird, dass es bei vielen der Grund ist, warum sie unsere Schule in Alenga auswählen.

Nicht nur Greta sollte während der gemeinsamen Tage in Alenga den Mädchen etwas beibringen, sondern auch ihr Vater, der von Beruf Zahnarzt ist. Die kleine Aufklärungsstunde über Mund- und Zahnhygiene sowie den Aufbau des Gebisses war uns ein besonderes Anliegen, weil eigentlich jede Woche ein Mädchen über Zahnschmerzen klagt und die generelle Aufklärung über einfachste Zahnhygiene sehr schlecht ist. Zuvor haben mir die Mädchen berichtet: Ich putze meine Zähne nur morgens. Wenn das wenigstens für alle stimmen würde… Nach Roberts Unterricht wissen sie jetzt zumindest wie wichtig es ist sich mindestens zweimal pro Tag die Zähne zu putzen und wie das richtig geht.
Schon Säuglinge bekommen süße Getränke und man kann bei vielen der Grundschulkinder schon schwarze Verfärbungen an den Schneidezähnen beobachten. Einige unserer Freunde, die kaum über 20 sind, haben schon verfaulte Zähne und riesige Zahnlücken.

 

Freitagabends luden die Schwestern uns und die Priester zu einem Festessen im Hof ein. Es gab die leckeren Gerichte der Schwestern wie zum Beispiel gegrilltes Hühnchen, Viktoriabarsch, Chapati und natürlich einen riesigen Kuchen zum Nachtisch, den unsere Mütter ganz romantisch zu zweit anschnitten und darüber lachten, dass das in Deutschland Brauch auf Hochzeiten ist. Nachdem alle völlig überfuttert in ihren Stühle saßen, kamen die Schülerinnen und hießen unsere Familien mit vielen Tänzen, Gedichten und Liedern willkommen. Diese liebevolle Geste rührte sie natürlich (mal wieder- wie eigentlich alles die ganze Zeit) sehr.

Am Samstag nahm Fr. Stan uns mit zu einer kirchlichen Hochzeit. Dies war auch für Greta und mich die erste Chance eine kirchliche Hochzeit zu sehen, denn zuvor waren wir immer auf den traditionellen Introductions gewesen. Die Messe war etwas außerhalb von Alenga in einer der kleineren Kapellen und die Gemeinde feierte das Brautpaar sehr euphorisch. Das Brautpaar war schon seit vielen Jahren traditionell verheiratet und hatte sich jetzt mit über 60 Jahren noch zur kirchlichen Trauung in Weiß entschlossen. Im Anschluss an die wunderbar lebhafte Messe begaben wir uns zum Brautpaar nach Hause, wo es reichlich Programm, welches den Introductions ähnlich ist, und leckeres ugandisches Essen gab, von dem unsere Eltern natürlich eine viel zu kleine Portion nahmen. Es war eine wunderbare Gelegenheit für unseren Besuch so in die Kultur der Langi hineinschauen zu dürfen und wir wurden auch herzlich aufgenommen und behandelt, obwohl uns niemand kannte und wir für alle Fremde waren. Diese Offenheit und Gastfreundschaft in der Kultur ist ein großartiges Geschenk und wurde mir während dieser Tage wieder besonders bewusst.

Am Sonntag war es dann soweit, das Highlight in Alenga stand an: Der Gottesdienst. Während Greta und ich auf unseren Stammplätzen beim Chor Platz nahmen, saßen unsere Eltern bei den Schwestern, denn von dort aus hat man die beste Sicht auf das wunderbare Geschehen in der Messe. Während Mama zu Tränen gerührt das Hosanna mitsang, schoss Leon fleißig Fotos und Gretas Eltern begnügten sich damit die Lesung auf Englisch im Buch zu verfolgen, denn natürlich war die ganze Messe auf Lango.
Nach der Messe stimmte unsere Freundin Paska noch ein Lied an und schon waren alle begeistert in der Kirche am Tanzen und forderten unsere Familien zum Mitmachen auf. Für mich war es sehr schön zu sehen, dass meine Freunde hier sich so über den Besuch meiner Eltern freuten, euphorisch mit ihnen tanzten und sangen und alle die Zeit so in vollen Zügen genossen.

 

Die Zeit in Alenga sollte besonders schön abgerundet werden durch Besuche bei unseren besten Freundinnen, Anna sowie die Schwestern Mary und Paska. Alle wollten uns unbedingt einladen und haben, zunächst zur Sorge unserer Eltern, weil die Angst hatten, dass gleich zwei Ziegen und Hühner für sie geschlachtet werden, auch kein Nein akzeptiert. Im Nachhinein waren sie dann aber doch sehr froh, dass sie die Chance mitgenommen hatten, denn die Besuche verraten natürlich nochmal viel über das Leben der Bewohner Alengas. Wie immer wurden wir alle sehnsüchtig erwartet, es gab unglaublich viel zu erzählen und reichlich zu essen. Leon machte sich wieder viele kleine Freunde, indem er Luftballons und Süßigkeiten verteilte und Fotos machte und sie den Kindern im Anschluss zeigte, was stets für große Begeisterung sorgt.

Besonders beeindruckt waren alle, weil die Gastgeber gerne und mit vollem Herzen alles für ihre Gäste geben und schön machen. Hier ist es Brauch, dass man die Gäste so herzlich willkommen heißt wie man kann und nie geizig mit Besitz und Eigentum umgeht. Alles wird gerne geteilt und zubereitet. Meine Mama war sehr angetan davon, dass die Menschen so viel mehr im JETZT leben und dadurch den Augenblick viel mehr genießen können als wir, die von der stressigen Konsumgesellschaft geprägt sind. Während viele der Deutschen die Einstellung haben stets zu sparen, zu sparen, zu sparen und den letzten Cent umzudrehen, auch wenn sie das nicht müssten, wird hier verbraucht, was da ist und nicht gegeizt. In Deutschland wird aus meiner Sicht oft unnötig gespart.  Vielleicht ein Euro macht den Unterschied an der Fleischtheke zwischen Biofleisch und Massentierhaltungsfleisch aus und gekauft wird natürlich, obwohl man es besser wissen müsste, das Billigere.  Ein runder Geburtstag wird nicht gefeiert, weil auf ein neues Auto gespart werden müsse. Hier erfahre ich alltäglich, wie unwichtig Materielles wird, solange man genug hat um seine Familie zu ernähren und für die Kinder eine Bildung garantieren zu können. Es ist so viel schöner, wenn man den Moment lebt, ihn mit seinen Liebsten genießt, statt sich ständig Sorgen zu machen. Von der Lebensfreude, die die Menschen hier verspüren, obwohl einige nicht wissen wie sie ihren Kindern die Schulbildung finanzieren sollen oder existenzielle Probleme nicht lösen können, könnte sich (fast) jeder Deutsche, der um seine Luxusprobleme kreist, eine Scheibe abschneiden.

 

Unsere erlebnisreiche Zeit in Alenga neigte sich dem Ende zu und nach einem für unsere Eltern sehr schweren und tränenreichen Abschied machten wir uns in unserem schicken Safariauto, das uns in Alenga abholte, auf in den Urlaub!

 

Safari Uganda- schöne Tage und viele platte Reifen

Die nächste Woche verbrachten wir in der wunderschönen und vielseitigen Natur Ugandas. Für Greta und mich war es zum einen ein großes Geschenk, dass wir nun noch einmal intensive Tage des Austausches verbringen konnten und nach einer so langen Zeit ohne Familie wieder gemeinsam etwas erlebten. Zum anderen wissen wir es sehr wertzuschätzen, dass wir so einen großen Teil des Westens Ugandas und seiner reichen Naturschätze sehen durften. Winston Churchill sagte einmal, dass Uganda die Perle Afrikas sei und auch wenn ich viele Teile des Kontinents noch nicht gesehen habe, würde ich diese Aussage nach dem Urlaub ohne nachzudenken bestätigen. Von übergrüner, weiter Graslandschaft am Albertnil zu hügeliger Vulkanlandschaft mit Kraterseen zu dichtem Regenwald, Uganda ist mit einer Vielfalt gesegnet, die mich immer wieder beeindruckt.
Ja, wir hatten tatsächlich fünf Platte Reifen und es war immer an der gleichen Stelle des Autos (unter Gretas Hintern)!! Zauberei oder war Greta einfach nur zu schwer? Nachdem Tina ihren Rosenkranz umgehängt hatte und Greta und ich Platz getauscht haben ging den Rest der Fahrt alles gut.

Mir als Freiwillige fiel es nicht leicht als Touristin in Uganda unterwegs zu sein. Denn dadurch, dass ich mich hier inzwischen so zu Hause fühle, beschäftige ich mich auch viel mit der Rassismus- Problematik. Da bekommt man beim Tourismus oft Angst, dass die Kultur der Ugander nicht genügend wertgeschätzt wird, dass über sie hinweg bestimmt wird oder sie ausgenutzt und als Zootiere ausgestellt werden. Gerade die Beobachtung, dass die Besucher der Nationalparks zu 90% weiß sind, ist für mich eine traurige Tatsache, die das große Gefälle in unserer globalisierten Welt zeigt.

Meine Erfahrungen nach dieser Reise bestätigen aber, dass viele der Ugander (vielleicht auch durch ihre tolle Gastfreundschaft bedingt) den Tourismus sehr wertschätzen und ihre Natur gerne der Welt öffnen möchten, solange sie bewahrt bleibt. Der Tourismus ist natürlich auch hier – wie in so vielen Ländern der Erde – eine begehrte Einnahmequelle, die dabei hilft Infrastrukturen zu verbessern, die umliegenden Dörfer zu unterstützen und die Nationalparks zu schützen. Uganda ist zwar ein noch sehr unentdecktes Reiseland, was wohl durch den langen Krieg und die Größe bedingt ist, hat aber inzwischen 1,3 Millionen Touristen pro Jahr. Durch den aufblühenden Tourismus werden natürlich auch Arbeitsplätze geschaffen und viele junge Leute erhalten die Chance auf einen guten Job.

Es ist sehr wichtig beide Seiten Ugandas sehen zu können. Für uns Freiwillige wäre es eine verpasste Chance, wenn wir das ganze Jahr in Alenga bleiben würden und so nur eine Seite dieses vielseitigen Landes entdecken können. Mir wäre dann der Eindruck hängen geblieben, dass es in Uganda hauptsächlich Armut und Dorfleben gibt. Und das stimmt nicht!! Denn es gibt riesige, gut entwickelte Städte, große Einkaufsmalls, wunderschöne Anlagen in den Parks und auch richtig gute Krankenhäuser und Universitäten. Hier entwickelt sich sehr viel und ich bin gespannt wie Alenga in zehn Jahren aussieht.

 

Nun ist der Besuch von unseren Familien schon wieder vorbei, die Zeit verging so schnell. Ich bin sehr dankbar, dass meine Mama und Leon hier in Alenga waren, denn nur so bekommen sie nochmal einen richtigen Einblick in mein Leben und können es viel besser verstehen und nachvollziehen was ich alles erlebt habe. So wird es sicherlich leichter hier Abschied zu nehmen, weil Mama und Leon dann zu Hause auch wissen was ich vermisse und was ich meine, wenn ich etwas erzähle. Außerdem bekommt man als Tourist sonst nie die Chance so in das Leben und die Kultur der Leute einzutauchen wie hier in Alenga während meines Freiwilligendienstes. Ich bin so froh, dass sie hier waren und alles sehen konnten.

 

Unser Projekt der Schlafsaal

Dank Eurer großen Unterstützung ist der Schlafsaal nun fast fertig. Die Wände sind verputzt, die Stromleitungen verlegt und wenn alles in zwei Wochen getrocknet ist, wird gestrichen und eine Einweihungsparty gefeiert! Auch die 18 Dreistockbetten werden schon gebaut und die Moskitonetze sind bestellt. Ihr seht also: Es neigt sich dem Ende zu!

Zukunftspläne

Und auch in diesem Artikel möchte ich noch einmal um Spenden bitten. Die Meisten von euch haben schon so viel gegeben und das freut mich jeden Tag aufs Neue, aber seit das Sammeln der Spenden so erfolgreich läuft, kommen uns auch viele neue Ideen in den Kopf. Zum Einen möchten wir dem Health Center gerne ca. 2500 Euro bereitstellen, damit ein Zaun um das Gelände gebaut werden kann. Momentan fehlt dieser Zaun und so laufen erstens ständig Kühe, Schweine oder streunende Hunde, die Krankheitserreger übertragen, über das Gelände und zweitens sind die Nachtschwestern nicht geschützt und fühlen sich sehr unsicher, wenn sie die ganze Nacht alleine Dienst haben.

Zum Anderen gibt es die Möglichkeit für zwei Mädchen eine Patenschaft für das dritte Ausbildungsjahr, das seit diesem Februar neu bei uns an der Schule ist, zu übernehmen. Dort erlangen sie zusätzlich zur Schneiderinnenausbildung eine Designlehre. Die Kosten für das dritte Ausbildungsjahr belaufen sich auf 280 Euro. Das Geld kann gerne auch in Raten bezahlt werden. Bei Interesse an einer Patenschaft, meldet euch gerne bei mir unter Francesca.cyris@yahoo.com

Die Spendenadresse ist:

Comboni-Missionare KöR, 73479 Ellwangen
IBAN: DE66 6145 0050 0110 6170 15
BIC: OASPDE6AXXX
Verwendungszweck: MaZ Francesca Cyris (631) Alenga, Uganda

So meine Lieben, das war es auch schon wieder von mir.  Ich bin auf der einen Seite seeehr traurig, dass mir nun nur noch 4 Wochen in Uganda bleiben und kann es gar nicht fassen. Auf der anderen Seite wächst natürlich auch mit der Zeit ein bisschen die Vorfreude auf zu Hause und darauf alle wieder zu treffen… Jedenfalls werde ich die letzten Wochen hier noch einmal sehr mit meiner Arbeit im Health Center und unseren Freunden genießen. Ich möchte gar nicht daran denken, dass ich das alle bald verlassen muss und hier nie wieder leben werde, sondern nur noch als Gast wiederkomme-das aber hoffentlich sehr bald. Außerdem stehen noch ein paar Feste an: Momentan bereiten wir gerade die Examensfeier für die Jahrgänge aus 2016 und 2017 vor, die im Juli stattfinden wird.

 

Bis dann ihr alle,

Eure Francesca

P.S. Wir sind auch sehr traurig wegen der WM. Wir haben das Spiel gerade eben im Center  mit ein paar Freunden angeschaut…. Lasst den Kopf nicht hängen. 🙂

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By | 2018-06-28T17:13:14+00:00 27. Juni 2018|

5 Comments

  1. Ingeborg Wagner 29. Juni 2018 at 16:24 - Reply

    Liebe Francesca,

    ich bin wirklich hellauf begeistert von den Berichten und Erzählungen über deine Arbeit in Uganda. Ich glaube, dass nicht einmal du selbst geglaubt hättest, so viele tolle Erlebnisse und Erfahrungen in diesem doch fremden und armen Land in Afrika zu sammeln – und dass es Dir irgendwann einmal so schwer fallen würde, dieses Land wieder zu verlassen.
    Genieße die letzten Wochen noch mit all Deinen Sinnen und nimm Dir fest vor, nach einer gewissen Zeit dorthin zurückzukehren, um zu schauen, ob eure geleistete Arbeit nachhaltig war.

    Ich wünsche Dir weiterhin viel Glück und Erfolg bei allem, was Du anpackst.

    Herzliche Grüße aus der Heimat.

    Ingeborg Wagner

    • Francesca Cyris 2. Juli 2018 at 19:42 - Reply

      Vielen lieben Dank! Ja die letzte Zeit werde ich wirklich noch genießen. Liebe Grüße an euch alle!

  2. Conny Cyris 1. Juli 2018 at 20:54 - Reply

    Liebe Francesca, ein toller Eintrag, genau so war es und natürlich könnten wir ganze Bücher füllen mit den Eindrücken und Geschichten dieser Menschen. Ich habe einen intensiven Einblick bekommen in das Leben der Menschen dort und mein Blick hat sich geweitet für alle Menschen, die von diesem Kontinent zu uns kommen. Ich sehe hier ihre fröhlichen Kleider und das Lächeln. Die Kultur bei Euch ist so ganz anders als bei uns und ich stelle mir gerade vor, wie es den Menschen gehen muss, die ihr geliebtes Land in Flucht verlassen müssen und hier zu uns kommen. Es ist wirklich ganz anders. Geblendet von den Auslagen und den tollen Konsum verfällt wohl jeder erstmal in eine Art Koma. Ich kenne dieses Gefühl noch genau, als die Grenzen gefallen sind und der Westen offen zur Besichtigung vor mir lag. Ich war versteinert und erschüttert, dass es so etwas grenzenloses gibt. Gleichzeitig wollte ich keine Entscheidungen mehr treffen und fühlte mich die ersten Jahre oft überfordert. Heute geht es mir auch zum Teil noch so, wenn ich durch die Geschäfte gehe und es 50 Marmeladensorten gibt und vieles vieles was wir nicht brauchen, nur uns zeigen sollen – sei glücklich – kaufe es. Die Menschen, die aus Afrika hier zu uns kommen, müssen ja denken hier ist das Paradies und dies ist ja ein Trugschluss. Glück kann man nicht kaufen, genau sowenig Liebe. Helfen wir da wo es uns möglich ist. Ich glaube, dass hier in Deutschland bisher kein einziger Mensch seitdem Flüchtlinge hier sind, auf irgend etwas verzichten müssen. Das sollte uns alle schon nachdenklich stimmen und die Angst, die gerade geschürt wird – durch die Einwanderer verlieren wir alles. Ein Einwanderungsland sind wir ja schon längst und ich glaube viele freuen sich auch mit so vielen Kulturen zusammen zu kommen und sein eigenes Gesichtsfeld zu erweitern. Es hat mich so gefreut Dein Zuhause in Alenga kennen gelernt zu haben. Mit den tollen Gottesdiensten. Die Menschen jubeln und tanzen und sitzen nicht so still wie bei uns. Ein bißchen Heiterkeit täte uns allen gut und Jesus Christus hätte bestimmt nichts dagegen. Vielen Dank Francesca und Greta

    • Francesca Cyris 2. Juli 2018 at 19:39 - Reply

      Vielen Dank liebe Mama!!! Du hast wirklich Recht. Kuss Kuss

  3. Bernadett Cyris 3. Juli 2018 at 12:29 - Reply

    Was für ein toller Artikel liebe Francesca und liebe Greta! Ich bin schon ziemlich traurig, dass ich nicht dabei sein konnte bei dem Besuch. Diese tollen Erfahrungen, die Mutti und Leon und Gretas Familie mitnehmen konnten sind einfach unbezahlbar. Auch die eindrucksvollen Bilder zeigen wie wunderbar und erlebnisreich die Zeit war. Die Lebensfreude über die einfachen Dinge des Lebens und die große Gastfreundschaft zeigen sich sehr in deinem Bericht und ich habe Muttis Erzählungen total gern gelauscht und auch die Freude der Kinder auf den Fotos hat mich sehr bewegt. Nun ist deine Zeit dort bald zu Ende, Wahnsinn wie schnell sie vergangen ist. Du wirst so viel mitnehmen und brauchst bestimmt eine Weile dich hier in Deutschland wieder einzufinden. Ich freue mich aber auch ganz ganz doll dich bald wieder umarmen zu können , Liebste Schwester!

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