Fahr Büsschen, fahr! – Abschied auf Umwegen

San Genaro, den 01.06.2018

Hola mis queridos amig@s 🙂 Nun habt ihr euch lange gedulden müssen, bis ich mich endlich wieder melde… aber was soll ich sagen… Das Limaleben lässt mir manchmal keine Zeit. Seither ist wieder einiges passiert, die ersten Abschiede standen an, Feste wurden gefeiert, meine Familie war zu Besuch, Tiefen wurden durchlebt und vieles mehr. Aber nun erstmal zwei Monate zurück: Für Katja und Lena stand nach vier Monaten am 19.03.2018 schon wieder die Abreise zurück nach Südtirol an. Das war dann schon mal der erste Vorgeschmack auf meine Abreise, die gar nicht mehr so weit weg erschien…

Wie es das Schicksal so wollte wurden Christian und Samuel dann tatsächlich rechtzeitig fertig mit ihrem Bus (nach stundenlangem Streichen, unzähligen Besuchen beim Mechaniker, scheinbar endlosem Warten auf die Papiere,…) um am selben Tag der Abreise der zwei Mädels einen Ausflug mit dem Büsschen zu starten. Das Glück schien auf unserer Seite. Auch Juan konnte sich einen Tag frei nehmen, was sehr selten ist und somit für mich auch sehr schön war, da David und ich noch nicht oft in den Genuss kamen so mit ihm Zeit zu verbringen. Motiviert und von der Sonne angelacht starteten wir in Richtung „Punta Hermosa“, ein wunderschöner Strand, zu dem man circa eine Stunde Richtung Süden fährt. An diesem Tag war es echt heiß und der Bus hatte keine Fenster…

Endlich war das Ziel in Sicht, das Ortschild war schon zu erkennen, die Ausfahrt der Autobahn war keine 300 Meter entfernt. Und dann: ein unerträglicher Gestank gemischt mit dem Bild von Rauch der hinten am Motor aufstieg. Für einen kurzen Moment machte sich Panik in mir breit, man weiß ja nie was hier, am anderen Ende der Welt so passiert 🙂 Dann fuhren wir an die Seite ran. Und mal wieder hat der Bus die Jungs und dieses Mal auch uns anderen im Stich gelassen. Dabei waren wir fast am Ziel und alle hatten sich auf eine Abkühlung gefreut. Zwei Stunden warteten wir dann auf den Abschleppwagen. Die Laune ließen wir uns aber nicht verderben und vertrieben uns die Zeit mit italienischem Speck oder auch „Chancho fumigado“ (so nennen es die Kinder 🙂 ) und Witzen über die Situation.

Vor einiger Zeit hätte ich mich in dieser Situation vermutlich innerlich total aufgeregt und wäre enttäuscht. An diesem Tag war das ganz anders und ich habe wieder mal gemerkt, dass ich mich ein wenig verändere. Ich kann nicht alles planen und nicht alles beeinflussen. Was ich aber in der Hand habe ist, wie ich mit den Ereignissen, erwartet oder unerwartet, umgehe und ganz wichtig, wie ich demnach den restlichen Tag gestalte.

Ein unvergesslicher Abschied

So ließen wir uns dann nach Chorrillos abschleppen und der Bus landete mal wieder beim Mechaniker, ich denke er hat ihn einfach so sehr vermisst. Dann sind wir mit Juan und seinem Auto zum hinteren Strand von Chorrillos gefahren. Dort war ich zum ersten Mal und war schwer beeindruckt von den Wellen. Hier ist es gefährlicher zu baden, die Wellen ragen teilweise bis zu vier Meter hoch. Diese Gewalt mit denen sie bricht… Trotzdem wagten wir uns ins Meer ohne den Wellen zu nahe zu kommen. Es war ein unvergessliches Erlebnis und alle waren zusammen. Die Mädels haben es pünktlich zum Flughafen geschafft und hatten ein tolles Ankommen in Südtirol nach ihren Berichten. Die letzte Zeit haben wir gut genutzt denke ich, waren viel unterwegs, noch ein letztes Mal surfen,… Es war eine schöne Zeit, Katja und Lena haben viel beigetragen durch ihren Einsatz; für die Kinder und das Haus der Talente. Noch heute fragen mich die Kiddies nach ihnen und vermissen sie.

Mühsamer Start nach den Sommerferien

Endlich ging es wieder los mit der Hausaufgabenbetreuung. Ich habe die Kinder schon vermisst und freute mich nun wieder mit ihnen zu arbeiten. Es waren auch viele neue Gesichter zu sehen, oft Geschwister der schon bekannten Kinder. Trotz Wiedersehensfreude wurde ich in meiner Motivation ein wenig eingeschränkt. Vor den Sommerferien bin ich mit manchen Kindern echt vorangekommen, sie haben Fortschritte gemacht und meine Geduld schien sich auszuzahlen, und jetzt nach den Ferien… Ich kam mir vor wie im falschen Film. Alles Erarbeitete schien sich in Luft aufgelöst zu haben und ich konnte gefühlt wieder bei null anfangen. Auch die Motivation der Kinder ist teilweise zurückgegangen. Das war schon nicht einfach für mich zu sehen.

Bei einem Kind mache ich mir echt Sorgen, da die Eltern sich auch nicht darum kümmern, dass es zur Schule geht, sondern vergeblich auf einen Platz in einem Internat warten. Das Kind hat seine Schwierigkeiten beim Lernen und vor allem beim Konzentrieren, ja, aber es ist absolut lernfähig und kann auch, wenn es will. Darum finde ich es sehr schade, wie sich das momentan entwickelt. Trotzdem versuche ich jeden Tag Geduld zu haben, auch wenn es mir nicht immer so gelingt, wie ich es mir wünsche. Auch das ist ein Lernprozess… So lerne ich einiges und probiere mich aus, was dem Kind helfen könnte und was vielleicht eher nicht hilfreich ist.

Ebenso gibt es aber auch einige Kinder die nach wie vor mit Fleiß ihre Aufgaben erledigen und gute Ergebnisse erzielen.

Ostern naht: Palmsonntag in Chorrillos

Heute ging es sehr früh aus dem Bett für die Palmsonntagsprozession und –messe. Es war warmes Wetter und alle standen mit ihren „Palmwedel“ bereit. Unterschied zu Deutschland: Hier waren es richtige Palmenwedel, richtig groß und wunderschön. Das hat mich beeindruckt und machte die Prozession irgendwie lebendiger. An diesem Tag habe ich bewusst nicht ministriert, da ich ein Fest mal als Gast genießen wollte, und das war echt schön. Von Juan wurde ich dann gleich zweimal gesegnet, er hatte sichtlich Spaß daran mich nass zu machen. Nach der Prozession gab es dann eine lange Messe in der Kirche „Santa Rosa“ (Gemeinde, in der ich als Ministrantin tätig bin). Pater Juan hat gepredigt, er begeistert mich wirklich jedes Mal, egal ob es ein großes Fest oder eine normale Abendmesse ist… An diesem Tag appellierte er unter anderem daran, die Osterwoche für sich und seine Seele zu nutzen. Zur Ruhe zu kommen und sich wirklich Zeit für sich zu nehmen, und für den Glauben. Er lud dazu ein, sich Gedanken darüber zu machen, wo man im Glauben steht und in welchen Punkten man vielleicht noch wachsen will oder noch kritisch ist. Die Kirche war wirklich voll und die Messe war ein richtiges Fest; voller Leben, Gesang und Tanz. Ich habe es genossen. Eine gute Einstimmung auf Ostern, eines der wichtigsten Feste für mich als Christin.

Die Vielfalt lebt

Im Haus der Talente finden trotz Umbauarbeiten weiterhin die unterschiedlichen Aktivitäten statt. So backen die Kinder und die Frauen weiterhin fleißig, Sophia kommt jeden Mittwoch und bastelt mit den Kindern (immer passend zu Festen, zu Jahreszeit,… und immer mit einer Lerneinheit), abends wird getanzt, usw. und auch mein Geigenunterricht läuft voran. Mittlerweile haben sich aus den zwanzig vorerst angemeldeten Kindern circa sieben herausgesiebt, die nun regelmäßig meinen Unterricht besuchen. Nach dem Einstieg über die Bestandteile der Violine fing ich nun an mit den einzelnen Saiten und die Kinder können schon den ersten Rhythmus spielen, manchen fällt es leichter, manchen eher schwerer. Dabei ist es sehr interessant zu sehen, wie unterschiedlich die Kinder doch lernen und vor allem welche Methoden sie benutzen, um den Rhythmus zu treffen. So bin ich dann gefordert, zu erkennen, wer an welcher Stelle Probleme hat und zu überlegen, wie ich es auf die beste Weise beibringe. Das ist eine Herausforderung aber auch unglaublich spannend. Der Geigenunterricht erfreut mich jedes Mal, eine Schülerin fragt immer schon ganz ungeduldig, wann denn endlich die nächste Stunde sei… 🙂

Als wäre ich schon lange Teil der Gruppe…

In der letzten Märzwoche war ich zum Geburtstag meines Tanzlehrers eingeladen. Es war ein gemütlicher Abend in Gemeinschaft. Es hat mich wirklich gefreut, dass ich so erwünscht war. Die ganze Tinkus-Gruppe besteht aus so lieben Menschen und alle haben mich von Anfang an so selbstverständlich aufgenommen. Das ist ein großes Geschenk und ich fühle mich sehr wohl in der Gruppe. An dieser Stelle ein Dankeschön an meinen Trainer Marcos, der es oft nicht einfach mit mir hat, wenn ich mich total trottelig anstelle mit den Tanzschritten oder mal wieder die einfachsten Schrittfolgen vergesse…

Über meine Erfahrungen sprechen: Podcast mit Janik Henneberger

Janik ist ein Freund von mir, den ich in der Vorbereitungszeit kennengelernt habe und auch beim Zwischenseminar wieder gesehen habe. Er ist oben im Norden Perus, in Piura, als Freiwilliger tätig und macht regelmäßig einen Podcast über seine Zeit in Peru und die Erfahrungen, die er bis jetzt gemacht hat. Seine Idee war es, auch einmal ein Interview mit anderen Freiwilligen zu machen. Somit startete er mit mir und über Skype sprachen wir dann über meine Erfahrungen. Den Podcast könnt ihr ganz leicht über folgenden Link abrufen (https://1nvba7a.podcaster.de/beaware/37-interview-mit-marlene-mangold/). Vielen Dank schon mal fürs Reinhören. Ein besonderes Dankeschön an Janik für die Möglichkeit.

Ich wünsche euch noch ein schönes Wochenende, bleibt wohl auf und denkt dran: Das Ziel ist nicht immer der direkte Weg, Umwege können einen auf wunderschöne Straßen führen! 🙂

Ich denke an euch, be blessed!

Eure Marlene Helena

 

 

 

 

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By | 2018-06-04T16:35:21+00:00 4. Juni 2018|

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