Uganda – Ein Kontinent mit 500 Einwohnern

Hallo ihr treuen LeserInnen,

heute möchte ich euch kurz von den zusätzlichen Unterrichtsstunden erzählen, die Greta und ich seit Februar am Freitagabend mit den Mädchen machen.

Schon seit Beginn meines Einsatzes in Alenga ist mir immer wieder – egal, ob in der Freizeit oder durch Gretas Erzählungen aus dem Unterricht – aufgefallen, dass die Schülerinnen große Lücken in Bezug auf Allgemeinwissen haben, das für mich selbstverständlich schien.
Beispiele dafür sind, dass sie keinerlei Vorstellung haben wie die Welt abgesehen von Uganda und seinen Nachbarländern aussieht oder, dass sie nicht wissen was eine Fähre ist und wofür sie verwendet werden kann. Das trifft natürlich nicht auf alle zu, sondern variiert von Person zu Person und den unterschiedlichen Stufen der Schulausbildung.
Aber da in der Berufsschule auch Mädchen sind, die nur vier Jahre lang die Grundschule besucht haben, fallen große Lücken schnell auf. Generell empfinde ich, dass ein Vorstellungsvermögen für all das fehlt, was hinter Alenga und der nächsten Großstadt Lira in der Welt alles kommt.
In Deutschland hatte ich das Privileg, theoretische Erkenntnisse beispielsweise über Geographie in der Schule zu gewinnen und die dann praktisch durch Reisen in andere Länder, sogar auf andere Kontinente zu vertiefen. Das – was für viele Deutsche zum Leben dazu gehört – scheint für die Schülerinnen hier in Alenga unerreichbar und wie ein weit entfernter Traum.
Dennoch haben Greta und ich beschlossen: Die grundlegende Theorie können wir liefern und mit Spiel und Spaß interessant gestalten.

Also begannen wir mit einer ganz generell gefassten Unterrichtsstunde über „Die Welt“. Dank einer großzügigen Spende der Buchhandlung Terwelp in Cloppenburg, konnten wir dafür sogar tolle Weltkarten verteilen, in die wir Notizen, Kreuze und Kreise machten. Wir bauten diese Stunde als Quiz auf, was den Mädchen gut gefallen hat. Frage Nummer 1 war: Wie viele Kontinente gibt es und was sind ihre Namen?
Für einige wenige, ein Klacks. Andere waren verzweifelt: „Francesca, was ist ein Kontinent?“, wurde ich gefragt. Andere fragten nicht, sondern schrieben nach einer kurzen Diskussion in der Kleingruppe auf: „Es gibt 53 Kontinente.“, dann folgten die Namen einiger Länder Afrikas, die sie aus der Karte abschrieben. „Brasilien, Uganda, Russland und Australien“ war eine weitere Antwort.
Wie ihr seht, ein kunterbunter Mix aus weitgehend falschen Vermutungen. Das schockte uns schon sehr. Klar, auch in Deutschland gibt es riesige Lücken an Allgemeinwissen, ich gebe zu, dass auch ich – trotz 12 Jahren Schule und einem Abitur in der Tasche – viele Dinge nicht weiß und mein Allgemeinwissen auffrischen sollte. Aber sind denn die Namen der Kontinente nicht einfach jedem klar, fragte ich mich? Sie sind wohl so „klar“, wie hier jedem bewusst ist, wie man seinen Garten am besten bepflanzt, was welches Gewächs ist sobald man in die Natur schaut und wie man Bohnen und Posho kocht. Wenn mich jemand danach fragt, sind meine Antworten meist auch kreativer Unsinn. In Alenga ist eben ein anderes Wissen altäglich viel wichtiger, da ist es nicht von Bedeutung, wie die Hauptstadt der Mongolei heißt, sonder in welchem Boden Cassava am besten wächst und wie man Reis am besten von Steinen und Körnern befreit, bevor man ihn auf einer Feuerstelle kocht. Was dieses Wissen und harte körperliche Arbeit betrifft, kennen sich die Schülerinnen bestens aus und haben ein starkes Durchhaltevermögen.
Ich durfte also lernen, dass grundlegendes Wissen sich unterscheidet und der Mensch eben gern das behält, was für ihn gerade wichtig ist.
Im Verlauf der weiteren Unterrichtsstunde kam es auch zu anderen lustigen Antworten. „Auf der Welt leben 7000 Menschen.“, „Der höchste Berg ist der Mt. Rwenzori in Westuganda“ etc. Aber es gab auch viele richtige Antworten, beispielsweise war allen klar, dass der längste Fluss der Welt der Nil ist.
Die Weltkarten waren jedenfalls eine super Idee, begeistert haben die Mädchen nach verschiedenen Ländern gesucht, ein Kreuz am Kaspischen Meer und im Himalaya Gebirge gesetzt.

In der darauffolgenden Stunde beschäftigten wir uns dann nur mit dem Kontinent Afrika. Wieder gestalteten wir die Stunde als ein Quiz und merkten gleich zu Beginn, dass es den Mädchen etwas leichter fiel. Wir fragten nach der Gesamtanzahl aller Länder Afrikas, nach den größten Hauptstädten, dem höchsten Berg, dem größten See und die Antworten kamen, z.T. mit etwas Hilfe durch die Karten, bei den Hauptstädten sehr flüssig. Gerade den Viktoriasee und den Ursprung des Nils in ihm kennen alle gut, wenn auch viele noch nicht da waren. Bei all dem halfen auch wieder unsere Weltkarten. Auf die Frage, wie viele Menschen in Afrika insgesamt leben, haben wir Antworten von 500 Menschen bis eine Billionen bekommen. Das Vorstellungsvermögen für Zahlen scheint auch ausbaufähig zu sein.

Unser nächster Schritt war eine Stunde über Uganda, in der wir uns nicht so sehr auf die Geographie konzentrierten, sondern auf generelle Informationen, die wir in einer Mindmap an der Tafel festhielten. Wir haben einige Fragen gestellt und dann zahlreiche Antworten bekommen. Nachbarländer, wichtigste historische Personen und Ereignisse schienen bekannt zu sein. Außerdem präsentierten wir auch ein paar Fakten wie zum Beispiel die Kindersterblichkeitsrate, die mit ca. 13% die höchste in Ostafrika ist. Über diese hohe Zahl freuten sich die Mädels erst, bis wir erklärten, was das bedeutet und dass es an Krankheiten und schlechter medizinischer Versorgung liegt.
Als wir die Geschichte Ugandas präsentierten, wussten sie sehr gut, dass Uganda von 1890- 1962 britisches Protektorat war und danach durch Obote und Idi Amin eine Zeit der grausamen Bürgerkriege kam. Als Greta erzählte, dass in dieser Zeit von 1971- 1986 eine halbe Millionen Ugander starben, fehlte aber wieder etwas das Vorstellungsvermögen für eine solche Ziffer.
Außerdem präsentierten wir die HIV-Rate Ugandas, 1,46 Millionen Menschen von 36 Millionen Ugandern sind offiziell infiziert, als Auftakt für unsere nächste Unterrichtseinheit. Wir werden einige Aufklärungsstunden zur Fortpflanzung, zu HIV und AIDS, zu Verhütung und dem verantwortungsvollen Umgang mit Sexualität machen.

Das war es auch schon wieder von uns. Gerne dürft ihr euch melden, falls ihr Anregungen und Ideen für die Extrastunden habt.

Viele liebe Grüße

Eure Francesca

1. Frage

Wie viele Länder hat Afrika?

Der afrikanische Kontinent hat 54 Länder. Jüngstes Land ist der Südsudan: er erlangte 2011 seine Unabhängigkeit vom Sudan.

2. Frage

Wie viele Menschen leben in Uganda?

In Uganda leben 36 Millionen Menschen.

3. Frage

Aus was wird Posho hergestellt?

Posho ist Maisbrei und wird somit aus Maismehl gekocht.

4. Frage

Wie viel Prozent der Ugander sind Christen?

In Uganda sind 84% Christen. Davon sind 40% katholisch und 32% evangelisch. 12% gehören zum Beispiel den Pfingstlergemeinden oder anderen christlichen Gemeinden an. 13% der Bevölkerung sind Muslimisch und 3% haben eine Naturreligion.

5. Frage

Seit wann ist Yoweri Museveni der präsident Ugandas?

Museveni ist seit 1986 der präsident Ugandas. Vergangenes Jahr hat er Gesetze umgeschrieben, damit es keine Alterbegrenzung mehr gibt und er trotz seiner 73 Jahren nochmal gewählt werden kann.

6. Frage

Wie hoch ist die Fertilitätsrate?

Die Fertilitätsrate liegt bei 5,7. Hier in Alenga auf dem Land bekommen viele Frauen allerdings mehr als 6 Kinder und nicht selten sehe ich bei meiner Arbeit, dass die Frau gerade ihre 10. Schwangerschaft austrägt. In den Städten Ugandas nutzen immer mehr Menschen die Möglichkeiten der Medizin, um weniger Kinder zu bekommen und eine Familie zu planen, damit auch genug Geld da ist, um jedes Kind in die Schule schicken zu können.

7. Frage

Wie viele ethnische Gruppen leben in Uganda?

In Uganda leben vier Völker mit mehr als 45 ethnische Gruppen. Diese vier sind: Bantu, Sudanische Gruppe, Niloten, Pygmäen.

8. Frage

Was sind die Nachbarländer von Uganda?

Die Nachbarländer sind: Demokratische Republik Kongo, Tansania, Kenia, Ruanda, Südsudan.

9. Frage

Wie viele Sprachen werden in Uganda gesprochen?

In Uganda werden über 70 Sprachen gesprochen. Zum Beispiel Luganda (Süden/Kampala), Luo: Lango, Acholi, Alur, etc.

10. Frage

Wie viele Flüchtlinge hat Uganda aufgenommen?

Uganda hat bereits über 1 Millionen registrierte Flüchtlinge aus den Ländern Sudan, Südsudan, Congo, Ethiopien, Eritrea, Burundi und Ruanda aufgenommen. In echt sind es wahrscheinlich noch viel mehr. Uganda hat aus dem Südsudan ca. 489’000 Flüchtlinge aufgenommen, während „nur“ 362’000 Menschen die Flucht über das Mittelmeer nach Europa angetreten haben….

11. Frage

Welche Bedeutung haben die Farben der ugandischen Flagge?

Schwarz=Die Farbe der Menschen
Gelb=Sonnenlicht
Rot=Steht für das Blut über das die Menschen in Uganda untereinander und mit der ganzen Welt verbunden sind, für Bruderschaft

12. Frage

Welche vom Aussterben bedrohte Tierart lebt in den Bergen Ugandas?

In Uganda leben mehr als die Hälfte der auf der Welt lebenden Berggorillas (ca.400).

Print Friendly, PDF & Email
By | 2018-04-09T08:10:30+00:00 5. April 2018|

Leave A Comment