Schlafsaal, HIV und ein Jubiläum

Hallo meine Lieben,

es ist einiges passiert seit wir im Februar mit dem ersten Schulsemester 2018 begonnen haben. Am 27. April sind die Mädchen nach Hause gefahren bzw. gegangen und wir haben uns für die kommenden drei Wochen voneinander verabschiedet. Die meisten haben sich sehr auf die Ferien und auf zu Hause gefreut, einige wenige jedoch haben keine Möglichkeit nach Hause zu fahren oder haben sich vor zu Hause aufgrund schwieriger Familiensituationen gefürchtet, sodass in den Ferien zwei Schülerinnen im Konvent der Schwestern bleiben und für sie Gartenarbeiten etc. verrichten. Im Gegenzug dürfen sie umsonst hier schlafen und essen und haben ein gut behütetes Umfeld.

Schlafsaal
Als Erstes möchte ich euch ein Update in Bezug auf den Bau des Schlafsaals geben, denn seit ihr das letzte Mal Fotos gesehen habt, ist es gut voran gekommen und das Dach ist drauf. Leider ging es in den letzten zwei Wochen langsamer voran, denn der Preis für den Zement ist in die Höhe geschossen und pro Sack waren es fast 4 Euro mehr als zu Beginn berechnet.
Das war wohl die Folge einiger Anschaffungen in den Zementfabriken, laut der Aussagen der Bauarbeiter gibt es neue Maschinen zum Zement mischen und insgesamt wird sich dadurch eine Senkung des Preises versprochen. Wie auch immer, in der zweiten Maiwoche werden die Bauarbeitet hoffentlich weiter machen und wir wieder neue Fortschritte erkennen können.
Nach wie vor sammeln wir weitere Spenden für die Innenausstattung des Schlafsaals, denn wir möchten den Schülerinnen gerne Stockbetten und Moskitonetze sowie Kleiderhaken und ähnliches zur Verfügung stellen. Also wenn ihr wen kennt, der noch wen kennt, der sich gerne hier in Alenga für junge Mädchen engagieren möchte, meldet euch doch gerne! Euch allen, meinen fleißigen Leserinnen und Lesern, möchte ich jetzt auch für euer Interesse, euer Engagement und eure Unterstützung danken! Ich habe nicht erwartet, dass ich von so vielen Menschen aus der Heimat Rückmeldung und Hilfe bekomme und es ist ein schönes Gefühl zu wissen, dass ihr an mich denkt.

Die folgenden Fotos sprechen für sich sich:

HIV, AIDS und der weiblichen Zyklus
Außerdem habe ich euch im letzten Blogeintrag ja von unseren Extrastunden mit den Schülerinnen erzählt, in denen wir zunächst Geographie und ein bisschen Geschichte behandelt haben. Nun sind wir dazu übergegangen über HIV und AIDS zu sprechen. Im Vorfeld waren wir uns unsicher inwiefern wir über Kondome als Schutz vor Geschlechtskrankheiten sprechen dürfen, da die Schule in katholischer Trägerschaft ist und es im örtlichen Health Centre, das ebenfalls in katholischer Trägerschaft ist, auch keine Kondome gibt. Die dafür von USAID angebrachten Kästen sind stets leer. Generell erfahre ich hier im Austausch mit den Schwestern und einigen der Priestern einen konservativen Katholizismus. Doch man kann so etwas nicht generalisieren und unser Mentor Fr. Stan, der Gemeindepriester Alengas, war begeistert von unserer Idee mit den Mädchen über HIV und AIDS zu sprechen und gab uns den Segen dafür, Kondome als Schutz zu besprechen. Am Ende des Gesprächs lachte er und sagte: „Glaubt nicht, dass nur ihr den Mädchen etwas beibringen werdet. Sie werden euch mit den lokalen Sichtweisen sicherlich auch belehren.“.

Stan sollte Recht behalten. Nachdem wir mit der wohl einfachsten Frage, wofür die beiden Abkürzungen HIV und AIDS denn eigentlich stehen – na, weiß das jeder von euch? – begonnen hatten, erklärten wir die möglichen Übertragungswege und die dafür jeweils verantwortlichen hochinfektiösen Körperflüssigkeiten. Während die große Mehrheit genau wusste, wofür die Abkürzungen stehen, brach bei den Erklärungen zum ersten Mal großes Gelächter aus. Wir machten weiter mit dem Vorkommen von HIV in Uganda, hier sind ca. 1,5 Millionen Menschen infiziert, wobei mit einer großen Dunkelziffer zu rechnen ist. Davon sind 150.000 unter 14 Jahre alt. Der Präsident Ugandas, Yoweri Museveni, hat sich vor einiger Zeit erfolgreich dafür eingesetzt, die Infektionsrate von HIV zu verringern. Mittlerweile jedoch ist die Rate wieder angestiegen und trotz kostenloser Tests, Behandlung und Medikamente kennen viele ihren HIV-Status nicht (ähnlich wie in Deutschland, wo die HIV-Rate übrigens auch steigt statt sinkt…).

Weiter haben Greta und ich dann versucht Ratschläge zu geben wie man sich am besten vor HIV schützen kann und bestmögliche Verhaltensweisen, wenn man positiv getestet wurde. Ausschlaggebend war für uns, den Mädchen zu vermitteln, dass sie ihren Freund zunächst nach seinem HIV-Status befragen und auch den Eigenen testen ohne sich zu schämen oder Angst zu haben. Außerdem versuchten wir klar zu machen wie wichtig Kondome in Bezug auf jegliche Geschlechtskrankheiten sind und, dass sie den Männern nicht glauben sollten, wenn diese behaupten negativ zu sein, die Übertragung von HI-Viren durch ihr jeweiliges Verhalten zu vermeiden oder Kondome generell ablehnen.

Im Anschluss ließen wir Zeit für Fragen, denn schon während unserer Erläuterungen merkten wir, dass die Mädchen z.T. deutlich andere Vorstellungen und vor allem allerlei Fragen an uns hatten. Das war der Moment, der mich schockierte und mir vor Augen führte welch ein Glück ich habe, dass ich so gut aufgeklärt wurde, mit meinen Eltern und Lehrern offen über diese Themen sprechen konnte und das Internet als Antwort auf Fragen jeder Art nutzen kann. Die Mädchen erzählten mir, dass sie es erkennen würden, wenn jemand an AIDS erkrankt sei, denn die Farbe der Lippen würde sich verändern und dieses Erkennen genüge als Schutz. Weiter ging es damit, dass der Bruder eines Mädchens ihr erzählt habe, dass man bis zum 18. Lebensjahr das erste Mal gehabt haben müsse, ansonsten würde die Vagina der Frau zu klein werden und man könne niemals mit einem Mann schlafen. Ich wurde außerdem gefragt, ob es stimmen würde, dass Männer sterben würden, wenn man ihnen nicht, wann immer sie es wünschen, sexuelle Befriedigung gibt. Ich versuchte nach bestem Wissen souverän auf diese Fragen zu antworten. Davon abgesehen wurde ich auch viel über den weiblichen Zyklus gefragt, warum nur Frauen ihre Blutungen bekommen, warum das Ganze manchmal mit Schmerzen verbunden ist und so weiter. Demnach kamen wir auf die Idee, in der nächsten Stunde über das weibliche Geschlechtsorgan, den Zyklus und unterschiedliche Verhütungsmethoden bzw. Familienplanung zu sprechen. Anhand des Plakates könnt ihr sehen, dass wir den Verlauf des Zyklus erklärt haben, einmal im „Normallfall“ (unbefruchtet) und einmal mit befruchteter Eizelle. Außerdem zeigten wir anhand einiger Bilder die prenatale Entwicklung von der Zelle zum Baby. Gerade beim Ultraschallbild staunten sie sehr und erkannten den Fötus nicht. Im Anschluss führten wir die Benutzung eines Kondoms an einer Karotte vor, was zur allgemeinen Erheiterung führte, aber auch sichtbar das Interesse weckte. Abgesehen vom Kondom stellten wir auch weitere Verhütungsmethoden wie z.B. die Anti-Baby-Pille, die Drei-Monats-Spritze und die Spirale vor, die alle vor Ort in den staattlichen Krankenstationen erhältlich und größtenteils umsonst sind. Der Staat stellt diese Dinge unter dem Oberbegriff „Family Planning“ frei zur Verfügung, um die Fertilitätsrate von 5,6 (bei uns in der ruralen Gegend liegt sie eher bei 7) zu senken, da die Bevölkerung zu schnell wächst. Vergleicht man den Altersdurchschnitt zwischen Uganda und Deutschland, stellt man schnell fest, dass die Ugander eine besonders junge Bevölkerung sind, eine Studie im Jahr 2005 hat Uganda als jüngstes Land hervorgehoben. In Deutschland liegt der Altersdurchschnitt bei 42,1 Jahren, während er in Uganda bei 14,8 Jahren liegt. Die Hälfte aller Ugander ist 16 Jahre oder jünger, während die Hälfte der Deutschen jünger als 47 Jahre ist.
Im Anschluss stellten die Mädchen uns wieder interessante Fragen, beispielsweise ob man als Frau sterben würde, wenn das Kondom in der Vagina stecken bleiben würde oder wie oft man ein Kondom benutzen könne. Als wir diese Frage in die Klasse zurück gaben, erhielten wir als Antwort „10 Mal!!“, was wir natürlich schnell richtig stellten.

Nach den Ferien werden wir mit diesen Themen weitermachen, wer noch Ideen und Anregungen hat, darf sich jederzeit gerne melden!

Golden Jubilee – 50 Jahre Diözese Lira
Das Jahr 2018 ist das goldene Jubiläum unserer Diözese Lira, hier in Nordwest Uganda. Dafür reist der Bischof von Gemeinde zu Gemeinde um diesen Anlass ausgiebig zu feiern. Wir merkten hier schon Wochen zuvor die Aufregung über das anstehende Ereignis. So begannen wir vier Wochen vor dem 15. April schon mit den Chorproben. Dabei waren wir viele Sängerinnen und Sänger aus der ganzen Gemeinde und hatten sogar einen richtigen Chorleiter. Dieser war sehr ambitioniert und bemüht, dass der Chor einen exzellenten Auftritt abliefern wird, was ihm nicht nur Sympathiepunkte unter uns Mitgliedern einbrachte. Aber das viele Üben (bis zu sieben Stunden am Tag), die zahlreichen Vorbereitungen und Meetings haben sich gelohnt. Der Bischof wurde herzlich in Empfang genommen, das Gelände war wunderbar geschmückt, alle hatten sich fein rausgeputzt und sogar wichtige Politiker waren in unser kleines Dorf gekommen, um an der Spendensammlung teilzunehmen. Während der Messe wurde der Bischof mit Geschenken überhäuft, er bekam sechs Wassermelonen, hunderte Avocados und Bananen sowie Ziegen, Hühner und allerlei anderes. Die Christen Alengas haben mit Jubel, Tanz und Großzügigkeit ihre Dankbarkeit gegenüber dem italienischen Bischof Franzelli ausgedrückt. Dabei kam sogar der hochrespektierte König der Langi und hielt eine längere Rede über die Wahrung der Kultur. Um das Programm bunt zu gestalten, haben Artisten, die Frauengilde, unsere Schülerinnen und die Jugend der Charismatischen Christen jeweils etwas aufgeführt, gesungen und getanzt.  Im Anschluss gab es, wie bei jedem Fest hier, ein riesiges Festmahl, das leider nicht für die zahlreichen Besucher gereicht hat, so dass am Ende einige Kinder leer ausgingen. Dann halfen wir ganz schnell wieder beim Abbau der Festzelte und einige Stunden nach Ende des Festes, sah es auch schon wieder aus wie immer.

Fingerabdrücke in Alenga hinterlassen
Vergangene Woche haben Greta und ich unsere kreative Ader ausgelassen. Dabei gestalteten wir ein Freiwilligenbord, auf dem wir uns mit unseren Fingerabdrücke verewigt haben. Die Bedeutung ist sehr symbolisch zu betrachten: Die Pusteblumen stehen für uns Freiwillige (Greta und ich sind bereits Nummer 5 und 6 der Freiwilligen in Alenga), die hier jeweils eine neue Heimat gefunden haben, sich selbst verwirklichen können und ihre Samenschirme in die Welt tragen möchten, welche wiederum Blüten tragen werden. Die Samen sind unsere Fingerabdrücke, da jeder seine individuellen Spuren hinterlässt. Nun fehlen nur noch  unsere Fotos, dann ist das Freiwilligenbrett komplett.

Ihr Lieben, das war es auch schon wieder von mir. Morgen brechen wir in den Norden Ugandas auf. Dabei werden wir nach Gulu und Moyo reisen, einige Schwestern besuchen und gemeinsam mit zwei Comboni Brüdern das größte Flüchtlingscamp der Welt in Moyo besuchen. Wir freuen uns auf diese Erfahrungen sehr und werden anschließend berichten.

Herzliche Grüße

Eure Francesca

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By | 2018-05-04T11:29:29+00:00 29. April 2018|

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