Geteiltes Leid ist halbes Leid

Hallo alle miteinander, nach langer Zeit melde ich mich endlich mal wieder mit einem kleinen Artikel bei euch. Wie ihr vielleicht in Marlenes Artikel gelesen habt, waren wir über die Feiertage in Chachapoyas, in der ceja de selva, und danach in Tarapoto, das bereits komplett in der Selva liegt- das heißt es ist unglaublich heiß; war trotzdem toll!- Heute will ich mich aber auf einen Ausflug beschränken, der gut zeigt, wie wichtig Gemeinschaft ist und wie man zusammen vielleicht nicht alles, aber zumindest ziemlich viel gemeinsam überwinden kann. Wer nicht genau über unsere Reise nach Chachapoyas Bescheid weiß oder bereits viel davon wieder vergessen hat, hier mal die Grundinformationen: Wir haben zwei befreundete Freiwillige namens Franz und Janina dort besucht und während unseres Besuchs viele Tagesreisen unternommen, denn die Umgebung um Chachapoyas ist voll von wirklich schönen Ausflugszielen. So zum Beispiel auch der Catarata Gocta, der drittgrößte Wasserfall der Welt mit ungefähr 770 Meter. Das sind dreiviertel eines Kilometer! Hätte ich 420 mal meine Körpergröße wäre ich nur fast so hoch wie der Wasserfall! Man fährt von Chachapoyas 2 ½ Stunden bis man ein Dorf erreicht von dem aus man den unteren Teil des Wasserfalls besichtigen kann. Um diesen zu erreichen sind es nochmals 2 ½ Stunden Fußweg. Und wie so oft ist auch hier der Weg wenigstens zum Teil das Ziel, denn man durchquert zuerst eine schöne Landschaft mit Weiden für Alpakas, Kühe und Pferde, die dann relativ bald übergeht in den Regenwald. Diese ist gefüllt von Lianen, Bromelien auf den Bäumen und wo man auch hinsieht ist es grün. Für jemanden, der die meiste Zeit der letzten Monate in Lima, einer Millionenstadt an der trockenen, fast vegetationslosen Küste Perus, verbracht hat, ist dies wirklich ein umwerfender Anblick!

So nun zur Geschichte: Franz und ich wollten, nachdem wir unser Ziel, den Catarata Gocta erreicht haben, abenteuerlustig wie wir sind, diesen nochmal aus einer anderen Perspektive betrachten und erklommen einen bewachsenen Hang an der Seite des Wasserfalls. Wirklich gefährlich war das nicht, lediglich schmutzig konnte man werden, sollte man stürzen. Es hat sich im Nachhinein jedoch gelohnt, auch wenn sich Franz‘ bereits marodes Knie beim Abstieg mit Schmerzen seinen Unmut über die rücksichtslose Behandlung kundtat. Aus Mangel an Alternativen machten wir uns dann auf den Rückweg, er unter Schmerzen humpelnd. Die Strecke ist zum Teil wirklich steil und schon mit gesundem Knie schweißtreibend. Bald schon fingen wir an, ähnlich wie in den Tagen zuvor, Insiderwitze der letzten Tage zu machen (es gab unglaublich viele), unsere Lieblingsfilme zu zitieren, Videos zu drehen nach Horrorfilmmanier, und natürlich, derb wie unser Humor ist, uns über sein Knie lustig zu machen, dass wir ihn wohl zum Sterben zurücklassen müssen, und, und , und, …

Ich hätte es nicht geglaubt und natürlich kann man das nicht mit jedem machen, man muss schon einen sehr eigentümlichen Humor teilen, aber es wirkte. Lachend über diese eigentlich schlechte Situation, bestritten wir den anstrengenden Rückweg und schafften es zurück ins Dorf (Wir waren nicht einmal die letzten) und wurden, endlich angekommen mit Trucha, Cecina und einem kühlen Bier belohnt.

Ich will damit nicht sagen, dass unsere Gemeinschaft ihn auf wundersame Weise den Weg zurückgetragen hat, aber zumindest war der Schmerz zum großen Teil vergessen und ich glaube, dieser Tag bleibt noch lange sehr positiv in unserem Gedächtnis. Dieses Ereignis hat mir wieder einmal gezeigt, wie schön und wie wichtig Gemeinschaft sein kann und genau das macht für mich auch einen Teil des MaZ-Einsatzes aus, dass man die guten wie die schlechten Dingen in einer Gemeinschaft teilen kann, denn geteiltes Leid ist halbes Leid.

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By | 2018-04-12T09:03:38+00:00 3. April 2018|

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