Immer neue Kraft schöpfen – meine Energiequellen…

San Genaro, den 12.03.2018

Hallöchen ihr da drüben 🙂

Der Titel dieses Blogeintrages mag vielleicht so manche trübe Stimmung hervorrufen und deutet eventuell an, dass man sich nicht 365 Tage im Jahr in einem „Dauerhoch“ befindet. Muss ich mich aber auch nicht, wenn ich ehrlich bin. Wenn ich recht darüber nachdenke, ging es mir hier noch nie schlecht und auch in den letzten Wochen ging es mir gut. Jedoch gab es auch Situationen, in denen ich zu kämpfen hatte. Da ich hier wirklich mittendrin bin im Leben, widerfahren mir natürlich nicht ausschließlich nur die schönsten Dinge. Immer wieder merke ich, dass das Leben hier seine Schwierigkeiten mit sich bringt und man wirklich auf sich aufpassen muss, dass es einfach oft auch gefährlich ist. Leider erfuhr ich auch, dass man nicht jedes Kind beschützen kann und dass jede Fürsorge seine Grenzen hat. Des Weiteren musste ich spüren, dass ich hier nicht allen Menschen vertrauen kann beziehungsweise, dass es eben nicht alle Menschen wertschätzen, wenn man ihnen Vertrauen schenkt. Ein großes Herz trägt manchmal große Leiden. Aber auch das ist es mir wert, denn wenn gelegentliche Enttäuschungen oder seelische Verletzungen das Resultat meiner Offenheit, Herzlichkeit und meiner menschenbezogenen Art sind, dann tut das vielleicht manchmal weh, aber das nehme ich an, so wie es kommt. Das macht es eben aus, die Reise, das Leben hier anzunehmen, mit allem was kommt; mit ganz viel Schönem, aber auch manchmal mit nicht so schönen Dingen. Was ich sagen will ist, dass ich glücklich über alle Erfahrungen hier bin, da sie mir allesamt so einen Reichtum an Erinnerungen, Wissen, Einschätzungsvermögen, kulturellem Hintergrundwissen und vielem mehr bescheren. Das Beste an allem: Zu sehen, wie ich dadurch wachse und immer wieder neue Energie schöpfen kann, scheinbar unendlich. In den letzten Wochen bin ich einige Projekte angegangen und weiß wieder mal ein bisschen besser, was mein Herz wirklich mit Glück und Freude erfüllt…

Mein Start als Geigenlehrerin

Vor zwei Wochen habe ich endlich begonnen, Geigenunterricht zu geben, nachdem ich die Termine organisiert habe. Das war nicht so ganz einfach, da es zurzeit sehr viele Angebote im Haus der Talente gibt, die sich nicht überschneiden sollten. Die ersten Stunden sind toll gelaufen und ich hatte richtig Spaß daran, es übertraf meine Erwartungen. Nach einem kurzen Einstieg, bei dem ich erklärte, welche Bestandteile die Violine überhaupt besitzt und nach einer Einführung in die Notenwerte, ging es auch schon los mit den ersten Tönen. Meine Schüler haben das bis jetzt gut gemacht, Violine ist nicht ganz einfach zu lernen. Während der letzten zwei Wochen erinnere ich mich zurück an meine Anfangszeit, die jetzt tatsächlich schon 13 Jahre zurückliegt 🙂 . Auch David ist neugierig geworden und hat seine ersten Töne gespielt. Es ist sehr interessant zu sehen, mit welcher Begeisterung die Kinder das Instrument lernen wollen, was mich natürlich doppelt freut. Die kleine Alenda würde am liebsten jeden Tag mit mir oben im Zimmer üben. Ich freu mich auf meine weitere Zeit als Geigenlehrerin!

Auf den Spuren der peruanischen Kultur – Tinkus

Seit knapp zwei Wochen tanze ich nun auch Tinkus, ein traditioneller peruanischer Tanz. Tinkus ist ein sehr kraftvoller Tanz mit vielen Sprüngen. Außerdem „schreit“ man immer wieder Wörter während man tanzt („guapear“). Schon zu Beginn des Jahres habe ich mir vorgenommen, diesen Tanz zu lernen, da er mir sehr imponiert, auch wenn es erstmal befremdlich wirkt. Mit Marcos habe ich einen super Tanzlehrer, so tanze ich abends ab sieben Uhr immer mit der kleinen Tinkusgruppe. Es geht sogar schneller voran als gedacht, aber es ist so unfassbar anstrengend. Ich fühle mich wie ein lebendiges Wrack und mir tut alles weh. Aber diese Tanzstunden geben mir so viel, ich bin die ganze Zeit am Strahlen und schlafe mit einem riesen Grinsen ein. Endlich mal wieder sportlich auspowern… das hat mir so sehr gefehlt. Mein Tanzlehrer erwartet, glaube ich, viel von mir, was mich motiviert, alles zu geben. Wenn ich gut vorankomme, kann ich in einigen Wochen vielleicht schon an einer Aufführung teilnehmen, das wäre natürlich wunderbar.

Kochabend im Casa

Letzte Woche hat uns ein Kumpel beigebracht, wie man Lomo Saltado (mein Lieblingsgericht hier, hehe 🙂 ) kocht. Das ist Rindfleisch mit Tomate, Zwiebeln, Kräutern, Pommes und Reis. Juan Carlos hat viel Ahnung vom Kochen und hat David und mir einige Tipps gegeben, von denen ich noch nichts wusste. Es hat auf jeden Fall lecker geschmeckt und es war ein schöner Abend.

Día de la mujer

Letzte Woche, am 08. März, war Weltfrauentag und ich war überrascht, dass das hier so gefeiert wurde. Man saß zusammen, es gab Kuchen, und hat über den Wert der Frau gesprochen. Das hat mir sehr gut gefallen. Völlig überraschend habe ich dann auch noch Blumen von Frauen des Casas bekommen als Wertschätzung meiner Person und meiner Arbeit. Auch meine Freundin Paty kam auf einmal mit einem Röschen im Casa vorbei. Das hat mich sehr gefreut. Ich wünsche mir, dass die Emanzipation der Frauen für immer weniger ein Fremdwort ist.

Pater Juan in meinem Zuhause

Pater Juan war drei Wochen in Deutschland und hat meine Familie an einem Sonntagmittag besucht. Das war total crazy für mich, dass er in meinem Zuhause ist, in meinem Zimmer, meine ganze Familie kennenlernt. Wahnsinn, einfach total schön. Jetzt kennt er schon meine Schwester; Miriam kommt mich in zwei Wochen besuchen, langsam werde ich aufgeregt 🙂 .

Wie immer, pures Leben

Sonst ist wieder mal einiges passiert. Bis in die Nacht habe ich unsere Wohnungswand bemalt, da unsere Vorfreiwillige Miriam die Idee hatte, eine Bilderwand der Freiwilligen zu gestalten. Da dachte ich mir, dass man über die Bilder noch einen Schriftzug unserer Organisation gestalten könnte. Das hat Spaß gemacht und nun fehlen nur noch die Bilderrahmen. Oscar hat mir letzte Woche ein paar grundlegende Rhythmen mit der Trommel beigebracht und mit der Gitarre probiere ich mich momentan selbst aus. Letzten Sonntag habe ich mich mit einer anderen deutschen Freiwilligen getroffen und wir haben zusammen einen Gottesdienst in Miraflores besucht. Das war nicht der typische Kirchengottesdienst, sondern gestaltet von einer Gemeinde namens „Camino de vida“, die ähnliche Strukturen wie die Hillsonggemeinden haben. Das läuft ähnlich wie bei Jugendgottesdiensten ab. Es gibt einen Prediger, eine Band und am Schluss Möglichkeit zum Austausch. Uns hat es gut gefallen. Am Abend war ich dann noch beim Barbecue der Surfer mit Paty und Samu. Den Abend ließen wir dann mit einem kleinen Spaziergang oberhalb des Strandes ausklingen.

Im Haus der Talente geht es voran, die Farbe des Daches sitzt. Vielen Dank für eure Unterstützung, die Spendengelder fließen jetzt erstmal hauptsächlich in den Umbau (Toiletten, Spiegel, Fenster, Boden, Wandfarbe,…), aber wie gesagt, da werde ich euch auf dem Laufenden halten 🙂

Davids Familie kam am Freitag an, das war schön. Momentan sind sie nun in Cusco. Nächste Woche werde ich dann allein sein, wenn die Mädels wieder in Italien sind und die Jungs nach Ecuador reisen. Bis dahin genießen wir die Zeit noch zusammen.

Um zurück zukommen auf meine Energiequellen: Das sind meine Freunde (hier und in Deutschland), meine Projekte, die ich starte, Begegnungen, die Musik, der Tanz und vor allem ich selbst zu bleiben.

Und schon sind sieben Monate vergangen, unfassbar… Ich bin unglaublich glücklich hier und allezeit gestärkt. Ich danke meiner Familie und meinen Freunden von ganzem Herzen, dafür, dass sie mich stets begleiten, unterstützen, lieben und sich genauso freuen, mich wieder zu sehen, wie ich sie. Ich liebe euch!

Macht´s gut, besitos 🙂

Eure Marlene Helena

 

 

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By | 2018-03-17T05:46:15+00:00 15. März 2018|

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