Halbzeit – Reflexion und Zeit für sich selbst

San Genaro, den 28.02.2018

Hola meine Lieben! Kaum aus Trujillo zurück, ging es schon zwei Tage später, am 05. Februar, für David und mich los zum Zwischenseminar. Dieses fand etwas außerhalb von Lima statt. Es war eine sehr gelungene und motivierende Woche.

Wiedersehensfreude und neue Kontakte knüpfen

Auf dem Hinweg gabelten wir Patricia auf, da sie direkt aus Arequipa morgens anreiste. Es war schön, sie wieder zu sehen, da wir sie ja das letzte Mal auf dem Aussendungsseminar in Deutschland gesehen haben. Angekommen, war die Wiedersehensfreude erstmal sehr groß: Ich habe Janina und Franz sehr vermisst. Aber auch Clara und Jannik (alias Ed Sheeran, warum, siehe Bild) kannte ich schon vom Länderseminar in Deutschland und habe die Woche sehr genossen, mit ihnen Zeit zu verbringen. Und dann waren da noch zehn andere Freiwillige, die aus den unterschiedlichsten Ecken Perus kamen, alles wunderbare Menschen, die ich sofort ins Herz geschlossen habe. Im Laufe der Woche, nein eigentlich schon während des ersten Tages, sind wir zu einer super Gruppe zusammen gewachsen, die sich schon seit Langem zu kennen schien. Jeder war so unterschiedlich und doch fügten wir uns zu einer einmaligen, harmonierenden Gruppe zusammen, was die Woche unvergesslich machte.

Organisation durch die Hiltruper

Begleitet haben uns in dieser Woche Anna und Jana von den Hiltrupern. Ich war absolut glücklich damit, da sie die Woche sehr familiär, offen, locker und mit viel Raum für Gespräche bzw. Diskussionen gestaltet haben. Gleich am ersten Nachmittag wurde die Woche mit einem, mal etwas anderem, Kennenlernspiel eingeleitet. So wurden einem gegenseitig nach Bauchgefühl bestimmte Aussagen und Eigenschaften zugeordnet und alle Gruppen lagen gar nicht mal so falsch 🙂 Auch wenn ich Lima sehr vermisste und mir wünschte, nun endlich wieder dort zu Hause zu sein, war ich dennoch froh hier zu sein, da ich mich schon länger auf das Seminar freute. Nach einem langen nächtlichen Gespräch mit Janina, mit der ich das Zimmer die Woche teilte, schlief ich zufrieden ein. Sie ist zu einer guten Freundin für mich geworden und der gegenseitige Austausch, die vielen intensiven Gespräche haben mir sehr gut getan und mich gestärkt. Ich denke, wir werden uns in Deutschland sicherlich wieder sehen!

Ganz unterschiedliche Projekte und Einsatzorte

Unsere Gruppe war glücklicherweise sehr vielfältig: Die Freiwilligen kommen aus den unterschiedlichsten Orten Perus mit interessanten Projekten. Der zweite Seminartag bestand aus Präsentationen über die einzelnen Einsatzstellen. Das hatte es in sich, es war anstrengend, aber unglaublich spannend, was die anderen berichteten. Auch unter der Woche blieb viel Raum, um sich auszutauschen über Erfahrungen und Erlebnisse.

Problembewältigung und neue Motivation

Grundsätzlich geht es allen Freiwilligen sehr gut und sie sind froh, in  Peru zu sein. Jedoch hatte auch jeder so sein Päckchen mit dabei an Problemen, Konflikten oder Sorgen. Die einen etwas leichter, die anderen etwas schwerer zu lösen. In dieser Woche war ich ganz speziell dankbar, dass es mir so gut geht. Wenn ich gesehen habe, dass es auch ernstere Probleme gab, etwa mit dem Zusammenleben mit Schwestern, war ich umso mehr froh, dass ich so zufrieden sein kann, sowohl mit dem Projekt, als auch mit meiner Wohnsituation. Am vorletzten Tag lehrten uns Jana und Anna eine Methode zum Umgang mit Problemen bzw. dessen Bewältigung. So konnten unter den Freiwilligen persönliche Probleme angesprochen werden und in kleineren Gruppen nach möglichen Lösungen gesucht werden. Anfangs etwas ungewöhnlich und scheinbar sehr oberflächlich, schien die neue Methode jedoch gefruchtet zu haben und wir konnten uns mit konstruktiven Vorschlägen und Beiträgen gegenseitig helfen, stützen und motivieren. Das war eine geniale Erfahrung.

Selbstreflexion und viel Freiraum

Besonders gefallen hat mir, dass das Seminar zwar strukturiert und mit viel Inhalt gefüllt war, jedoch gleichzeitig viel Raum für Reflexion, Gespräche und Zeit für sich selbst bot. Neben Einheiten wie den Präsentationen oder der Diskussion über die sozialpolitische Lage Perus mit einer Fachfrau (das war übrigens höchstinteressant und mir persönlich sehr wichtig, da ich bisher nicht viel Zeit hatte, mich mit der politischen Situation Perus auseinanderzusetzen, aber es mich brennend interessierte) gab es viele Aufgaben, die es verlangten über das vergangene halbe Jahr zu reflektieren. Oh man, das hört sich komisch an. Ein halbes Jahr ist doch tatsächlich schon vergangen, die Zeit scheint zu fliegen…   Jedenfalls gab es schöne Einheiten, zum Beispiel verbrachten wir einen ganzen Morgen damit, unsere Körpersilhouette mit Farben zu füllen; so wie wir uns an derjenigen Körperstelle fühlen. Eine simple und doch vielverlangende Aufgabe. Oder ein Nachmittag gab es bewusst kein Programm, sodass jeder seinen Raum hatte, Zeit für sich zu nehmen, für Beschäftigungen, zu denen man in letzter Zeit eher weniger gekommen ist. Ich war eine Runde schwimmen, das war toll, mitten in der schöneren Natur Limas. Ich nutzte die Woche für mich, um zu reflektieren und mir einige Dinge von der Seele zu reden in tollen Gesprächen. Einen Morgen habe ich zum ersten Mal meditiert mit Jannik, der das schon eine Zeit lang macht. Generell hatte ich Raum, intensiver als sonst zu registrieren, was ich in diesem halben Jahr schon alles erlebt habe, welch ein Glück ich doch habe, hier zu sein und dass ich doch schon so manches erreicht habe, aber auch, was ich noch erleben bzw. erreichen möchte.

Mit Energie in die zweite Hälfte

Die Woche verflog, wie sie es immer tut, wenn man sie mit wunderbaren Menschen verbringt. Am letzten Tag konnte jeder für jeden ein Kompliment, einen Gedanken oder eine Motivation aufschreiben und was ich nun in der Hand halte ist ein DIN A4 Blatt mit wunderbaren Worten, welche mir eine unglaubliche Kraft und Motivation für das kommende halbe Jahr geben. Ich weiß, was ich noch machen möchte und gehe das mit Tatendrang an. Die Woche war für mich und meine Seele Balsam und ich denke, sie tat Jedem gut. Bevor die anderen Freiwilligen am nächsten Morgen zurückfuhren verbrachten wir (einige der Teilnehmer) noch einen Abend in Barranco, das war ein schöner Abschied!

Nun bin ich endlich wieder in der Heimat und bin froh darüber. In letzter Zeit war ich sehr viel unterwegs und freue mich wieder, eine Weile hier in Lima zu sein. Jetzt kann ich mit viel Energie und Tatendrang in die zweite Hälfte starten. Was ich mir für diese Zeit vornehme und welche Projekte ich schon bald angehe, darüber werde ich im nächsten Blogeintrag berichten, ihr könnt gespannt sein 🙂

Bis dahin, alles Liebe, ich hoffe ihr übersteht den „Deutschlandfrost“ gut.

In Gedanken grüßt euch herzlichst

Eure Marlene Helena

 

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By | 2018-03-05T13:08:28+00:00 5. März 2018|

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