Als wäre ich nie weg gewesen… Mein Start in die zweite Hälfte

San Genaro, den 06.03.2018

Buenas tardes mis amigos! Mein Leben ist aufregend. Jeder Tag, jede Begegnung ist ein Geschenk. Im Vergleich zu meiner Lebensdauer, ist ein Jahr nicht sehr viel. Jedoch ist es ein ganz besonderes Jahr, was ich jeden Tag spüren darf. Ein Jahr voller aufregender Ereignisse, Erkenntnisse, prägender Momente. Es passiert einfach so viel und ich denke, das wird noch lange nachwirken, wenn ich wieder in Deutschland bin.

Highlight für Groß und Klein: Ausflug ins Freibad

Vorweg, mir geht es nach wie vor total gut. Nachdem ich nach einem Monat (Trujillo und Zwischenseminar) nun endlich wieder zurück nach Lima kam, war es, als wäre ich nie weg gewesen. Sofort wieder mittendrin im Leben, im Geschehen, bei den Kiddies und meinen Freunden. Gleich am nächsten Tag, den 10.02.2018, fand ein Highlight für Kinder und Eltern statt: Der Ausflug in ein Sportzentrum. Dank euch und eurer Unterstützung war es David und mir möglich, einen Ausflug zu organisieren. Insgesamt waren wir circa 70 Leute und die Stimmung war schon zu Beginn des Tages super. Der Tag war ein voller Erfolg, die Kinder hatten viel Spaß, es gab mehrere Schwimmbecken und eine Rasenfläche, so konnten sich die Kinder nach Lust und Laune austoben. Mein persönliches Highlight an diesem Tag war, dass ich nun endlich etwas von meinem Traum, Schwimmen beizubringen, umsetzen konnte, und so die meiste Zeit mit den Kindern im Wasser verbrachte, Bein- und Armübungen machte, oder die kleine Mary einfach nur durch das Wasser gleiten lies, oder aber auch ein paar Figuren mit Oscar im Becken machte. Man konnte die Kinder mit den einfachsten Kunststücken beeindrucken, was mein Herz sehr glücklich machte. Ich bin dankbar für diesen Tag, und die Möglichkeit, die wir durch die finanzielle Unterstützung hatten. Mit geringen Mitteln konnten wir so einen ganz besonderen Tag gestalten, der für Kinder und Eltern nicht so schnell in Vergessenheit geraten wird.

Bewegende Momente

Am Montag darauf war ich dann mit den Ministranten in einem Schwimmbad, David und Pater Juan waren auch dabei. Mich hat es sehr gefreut, dass Juan wirklich mal einen Tag frei hatte (normalerweise arbeitet er an seinem einzigen freien Tag auch) und ihn mit seinen Ministranten genießen konnte, wir hatten eine super schöne Zeit. Dieser Tag bot mir eine sehr schöne Erfahrung: Ein guter Freund von mir hat richtige Panik vor dem Wasser, verkrampft augenblicklich, wenn er Wasser ins Gesicht bekommt und auch wenn er den Grund unter den Füßen spürt hat er sichtlich Angst. Mit ihm habe ich einige Übungen gemacht, dass er ein besseres Gefühl für das Wasser bekommt. Das heißt, erstmal in Rückenlage legen und versuchen alle Glieder von sich zu strecken. Und tatsächlich nach einiger Zeit und viel Zuspruch, hat es am Schluss richtig gut geklappt und er konnte für eine gewisse Zeit relativ entspannt im Wasser liegen während ich ihn gehalten habe. Auch ein zweites Mal konnte er sich überwinden ins Wasser zu steigen. Es war offensichtlich, dass er unbedingt daran arbeiten wollte, er kämpfte sehr mit sich selbst und seiner Angst. Ich war unglaublich froh über diese kleinen großen Fortschritte, die er an diesem Tag gemacht hat. Es erfüllt mich mit Stolz, da ich weiß, dass es umso schwerer ist seine Angst vor dem Wasser zu überwinden, wenn man kein Kind mehr ist. Außerdem hat mir mein Kumpel an diesem Tag sehr viel Vertrauen entgegengebracht, was ich sehr schätze.

Bevor ich nach Deutschland zurückgehe wünsche ich mir, ihm schwimmen beigebracht zu haben. So wie einigen anderen peruanischen Freunden auch.

WG-Zuwachs

In der Zwischenzeit hat unsere Hauskatze Chilli endlich ihre Babys bekommen. Es sind vier wunderschöne, gesunde Babykätzchen, eines für jeden WG-ler hehe 🙂 Wenn alles klappt, kommen Chilli und ihre Jungen in die Sierra zur Familie einer Freundin, da sind sie dann gut aufgehoben.

Ansonsten wird sich in nächster Zeit etwas ändern an der Wohnsituation, in zwei Wochen werden Katja und Lena leider schon wieder nach Italien fliegen (übrigens haben die zwei einen ganz tollen Blog, da könnt ihr gerne mal vorbeischauen unter: 2gringasenperu.wordpress.com) und auch Andrea befindet sich momentan in Panama und wird nicht mehr lange in Lima verbringen. Auch die Südtiroler gehen bald auf Reisen und werden nun nicht mehr ständig im Casa sein, sodass unterm Strich bald nur noch David und ich übrig bleiben. Wenn ich ehrlich bin, denke ich, dass es angenehm wird, wenn mal etwas weniger los ist, war teilweise auch anstrengend. Jedoch muss ich auch gestehen, dass mir die anderen schon sehr ans Herz gewachsen sind, die Mädels sowie die Jungs. Wir haben dann doch einige Zeit zusammen hier verbracht und einiges erlebt, das verbindet einfach. Zudem sind es total coole und wunderbare Menschen, ich bin froh, sie kennengelernt haben zu dürfen und hoffe, dass man in der Heimat wieder von einander hört 🙂

Mit Katja und Lena verbrachte ich letzte Woche einen schönen Tag in Barranco, wir waren mit zwei von ihren Freundinnen unterwegs und spazierten oberhalb vom Strand entlang. Es war ein wunderschöner, sonniger Tag und ich habe die Zeit sehr genossen mit den Mädels.

Die ersten Abschiede

Im Keller des Casas gibt es ein Therapiezentrum, das sich lange im Umbau befand und nun eigentlich fertig ist. Es sieht echt toll aus, mit Hilfe von Christian und Samuel wurde ein neuer Boden (Fliesen) gelegt. Alle Zimmer wurden neu gestrichen und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Andrea gibt dort Therapien für Kinder mit Behinderung. Vor zwei Wochen fand ein kleines Abschiedsfest statt, da Andrea nun gegangen ist (nach Panama) und wohl nicht mehr zu ihrer Arbeit zurückkehren wird. Bei diesem Anlass wurde ihr und auch den Jungs nochmal speziell gedankt für ihre Unterstützung. Alle drei haben große Arbeit geleistet und ich bin mir sicher, dass die Therapiestunden mit Andrea für die Kinder sehr besonders waren.

Die Party geht weiter…

Auch sonst wurde viel gefeiert die letzten Wochen, und damit meine ich nicht nur die letzten Discobesuche als große Gruppe. Samu hatte Geburtstag, welchen wir im Casa mit seinen, auch peruanischen, Freunden feierten. Seit längerer Zeit hatten die Kinder auch wieder einen Auftritt mit den Zancos, zum Abschluss der „Vacaciónes Útiles“ (siehe Bericht über Trujillo), was natürlich ein einziges Fest für die Kiddies war 🙂 Innerlich feierte ich zudem ein kleines Fest, so groß war meine Freude darüber, dass das Weihnachtspaket meiner Patentante nach 2,5 Monaten doch noch ankam, wider Erwarten. Ebenfalls ein Brief meiner Eltern erreichte mich doch tatsächlich unversehrt. Ein Wunder, da hier oft die Post nicht ankommt, da sie geöffnet wird (wenn der Absender auf Europa verweist), in der Hoffnung, Geld darin zu finden. Was für ein Glück, dass dies bei mir nicht der Fall war. Ich habe mich so sehr über das Paket und meine Lieblingsplätzchen gefreut, und am meisten über die lieben Worte meiner Eltern, meiner Tante und Onkel, und meinen zuckersüßen Cousins Hannes und Malte. DANKE! Meine Mutter feierte derweil auch ihren 50er groß. Das war schon schade, nicht live dabei gewesen sein zu können, aber deshalb habe ich ein paar kleine Videos für sie gedreht und ich denke, die Überraschung war gelungen 🙂 Meine Ministranten haben mir dabei geholfen, es wird schwer werden, mich von ihnen zu verabschieden, sind sie doch zu sehr engen Freunden für mich geworden.

Wie gesagt, Schritt für Schritt

Wenn man die kleinen Fortschritte im Casa sieht, ist man ganz zufrieden mit der Entwicklung, ich zumindest. Das Dach ist nun fast komplett gestrichen. Vor zwei Wochen durften David, Katja, Lena und ich dann Inventur in der Abstellkammer machen. Ich muss sagen, es gibt schönere Aufgaben, denn in diesem Raum herrscht absolutes Chaos, meiner Meinung nach mit viel zu viel Schrott bzw. Müll, aber ich habe das Gefühl, hier hebt man wirklich alle Dinge sehr gerne auf. Das kommt ja aber auch nicht von nirgendwo her, wenn man die peruanische Geschichte betrachtet, demnach verständlich. Jedoch war ich schon froh, mal ordentlich ausgemistet zu haben, sodass man sich jetzt gut umdrehen kann ohne, dass einem zehn Dinge entgegenkommen 🙂 Nach drei Abenden war es dann auch endlich geschafft, und wir waren oft sehr überrascht, welche Sachen und Utensilien wir im Casa besitzen, also dafür hat es sich auf jeden Fall gelohnt.

Und das ist erst der Anfang…

Wie ihr seht, ist weiterhin jeder Tag mit vollem Leben gefüllt, als wäre ich nie weg gewesen. Und das soll erst der Anfang sein von der zweiten Hälfte voller Action, Herzblut und Freude. Ihr könnt gespannt sein auf meinen nächsten Blogeintrag, es wird vielfältig und emotional.

Meine Lieben, macht´s gut, ich bin in Gedanken bei euch und sende euch Sonnenstrahlen nach Deutschland, die könnt ihr ja momentan echt gebrauchen 🙂

PS: Bei Fragen oder Anmerkungen meldet euch bitte bei mir, ich freue mich auf euch! (m.mangold-infomaz@gmx.de)

Es grüßt euch herzlichst

Eure Marlene Helena

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By | 2018-03-09T09:59:13+00:00 9. März 2018|

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