In die Lehrerrolle schlüpfen – Vacaciónes Útiles in Trujillo

Lima, den 04.02.18

Buenos días mis amigos! Die letzten drei Wochen durfte ich in Porvenir, in Trujillo, verbringen. Trujillo ist eine sehr süße Stadt nördlich von Lima. Auf Vorschlag von Roberto waren David und ich nun auch in anderen Orten tätig. So verschlug es David nochmal in den Regenwald nach Pangoa. Ich durfte hingegen in Trujillo in die Lehrerrolle schlüpfen. Momentan sind in Peru die großen Sommerferien, jedoch gibt es in den meisten Städten ein Förderprogramm, das sich „Vacaciónes Útiles“ nennt. Hier können Kinder kostenlos, oder für sehr wenig Geld, auch in den Ferien lernen.

Englischlehrer/-in gesucht

In den Schulen wird zwar oft Englisch unterrichtet, jedoch auf einem geringen Niveau, selbst die Lehrkräfte beherrschen größtenteils die Sprache nur ausreichend. Grundsätzlich sprechen wenige Peruaner Englisch, meist nur diejenigen, die an einer Universität studieren. Nach den drei Wochen wird mir erst richtig bewusst, wie wertgeschätzt ich wurde, denn außer mir gab es keine Englischlehrerin für die Vacaciónes Útiles. Gleich am ersten Tag ging es schon los mit der ersten Unterrichtsstunde. Ich hatte eine Klasse mit ca. 20-25 Kindern zwischen 6-13 Jahren. Die Arbeit machte mir sehr Spaß, da ich für alles selbst zuständig und verantwortlich war. Endlich war ich herausgefordert und konnte meinen Ideen freien Lauf lassen und den Unterricht frei gestalten. So fing ich erst mal bei null an, also mit den „Basics“, die Personen, das Verb „to be“, die Zahlen von 1-20, und vieles mehr. Vor allem die Aussprache war den Kindern fremd, deshalb habe ich viel Wert darauf gelegt, die Wörter langsam und genau auszusprechen und es die Schüler wiederholen zu lassen, sodass sie ein Gefühl für die Fremdsprache entwickeln. Regelmäßige Tests gehörten auch zum Programm. Es war eine tolle Erfahrung, mal selbst vorne zu stehen und zu lehren, man bekommt eine ganz andere Perspektive als zu Schulzeiten. Außerdem hat es total Spaß gemacht, den Kindern ein bisschen Englisch beizubringen und zu sehen, wie sehr sich manche angestrengt haben. In dieser Zeit war ich also der „teacher“ oder die „miss“. Ein paar Male gab ich auch Einzelunterricht, wenn sehr junge Kinder kamen.

Über den Englischunterricht hinaus

Die Freiheit und die Verantwortung, die ich in diesen drei Wochen hatte, nutzte ich ebenfalls, um mit den Kindern ein paar wichtige Themen zu besprechen. So schloss ich schon ein paar Tage vor Ende der Zeit mit dem Englischkurs ab und organisierte noch Tageseinheiten. Zum einen sprach ich über die Umwelt, besonders über den vielen Müll, der überall auf den Straßen zu finden ist, das ist ein generelles Problem in Peru. Für mich ist es wichtig, gerade den Kindern immer wieder vor Augen zu führen, dass das der Umwelt schadet, wo doch gerade Peru so ein unglaublich schönes Land mit vielseitiger Natur ist. In diesem Problem übernehmen die Eltern oft nicht die Verantwortung, da sie den Müll manchmal selbst einfach auf die Straße werfen. Somit gilt es für die Kinder folglich als selbstverständlich, dass die offene Straße ein Mülleimer ist. Des Weiteren sprach ich generell über einzelne Themen zur „Umwelt“, beispielsweise über Ökosysteme. Auch den Padres liegt dieses Thema sehr am Herzen, Pater Juan hat sogar ein Kinderbuch geschrieben zum Thema Umwelt und Co. Darüber hinaus gab es dann noch eine Einheit zur Ernährung. Es ist sehr auffällig, dass sich besonders die Kinder immer Kekse kaufen, wenn sie nicht schon selbst welche dabei haben. Stattdessen sollte man Wert darauf legen, dass sie sich zum Beispiel ein Obst mitnehmen, wo das Obst in Peru doch so geschmacksintensiv ist! Am letzten Tag machte ich noch eine kleine Einheit zum christlichen Glauben. Die Quintessenz war, dass wir alle Gott nah sein können, egal ob Papst, Priester, Kind, Mann oder Frau. Abgeschlossen habe ich mit einem Gespräch über Träume und wieder mal war ich überrascht, wie vielfältig die Ideen waren. Fast jedes Kind hatte schon seinen eigenen Traum, etwas zu studieren: Jura, Architektur, Sprachen,… Es war wirklich viel dabei. Den Kindern gab ich noch mit auf den Weg, dass sie nie aufhören sollen zu träumen.

Das Leben als Laienmissionarin

Nebenbei war ich viel mit Irma unterwegs. Zusammen besuchten wir Familien, beteten, oder besuchten auch Kranke, brachten die Hostie zu älteren Menschen nach Hause. Es war vielfältig und spannend mitzuerleben, wie der Alltag Irmas ausschaut. Vor allem aber auch, dass im eigentlich so „katholischen Peru“, doch sehr viele Menschen überhaupt nichts mit dem Glauben zu tun haben. Umso schöner, trotzdem in Kontakt zu treten. Gemeinsam mit Irma besuchte ich auch einige Gottesdienste, unter anderem natürlich die Messe des Papstes (mehr dazu könnt ihr in meinem vorherigen Bericht „Wir sollten uns nie der Hoffnung berauben lassen“ lesen). Die Bibelzeit bei Irmas Nachbarn war sehr schön, da wir viel diskutieren konnten und auch ich meine Gedanken teilen konnte. Bei ihnen durfte ich mich immer mal wieder Internet klauen, sodass ich weiterhin Berichte verfassen konnte, das war toll. Gelebt habe ich mit Irma zusammen mit ihren Verwandten. Wie selbstverständlich wurde ich von allen herzlich aufgenommen. Es war sehr familiär, was mir gut gefiel. Einmal fuhr ich alleine in die Stadt und auf dem Rückweg haben dann so viele auf mich gewartet vor dem Haus (auch die Nachbarn), dass ich auch ja an der richtigen Stelle aus dem Bus aussteige. Das war ein bewegender Moment. Alle wollten, dass es mir gut geht, und alle waren so erfreut darüber, dass ich dort war, als Lehrerin, aber auch so in ihrem Alltag Teil haben durfte. Überraschenderweise stand an einem Abend, als ich Irma auf ein Treffen der Missionare begleitet habe, Pater José in der Tür, das war ziemlich cool.

Surfen, Fußball und Erdbeben

Sonst war auch noch einiges los. Einen Tag verbrachte ich mit der Familie, die ich beim Papstbesuch kennengelernt habe, in einem Sportzentrum: Das war eine komplett andere Welt, eigentlich so, wie ich es aus Deutschland kenne, aber hier in Peru doch so fremd. Außerdem habe ich mir den für Trujillo bekannten Marinera-Tanz gesehen. Das war schön. Mit Micaela, die aus Lima kommt und gerade bei ihrer Familie zu Besuch ist, war ich an einem Morgen surfen. Trujillo ist ein bekannter Strand zum Surfen, aber leider konnten wir es nicht ganz auskosten, da an diesem Morgen fast keine Wellen da waren. Aber es war trotzdem sehr schön, wieder im Meer zu sein :). Mit den Kiddies spielte ich auch Fußball, obwohl das definitiv nicht zu meinen Talenten gehört, aber sie hatten eine unglaubliche Freude daran mit „teacher Marlene“ zu spielen. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag habe ich dann mein zweites Erdbeben in Peru erlebt, dieses Mal aber habe ich es gleich registriert. Verhältnismäßig soll es ein starkes gewesen sein. Jedenfalls schien die Erde eine Ewigkeit zu wackeln, kein Wunder, dass mich dies direkt aus dem Schlaf riss. Kurz überlegte ich, das Haus zu verlassen, aber dann hat es glücklicherweise schon aufgehört. Auch wenn ich mich bei Irma sicher gefühlt habe, es war sehr komisch. Solche Gefahren kenne ich von Deutschland nicht.

Emotionale Bindung

Die Zeit war eine sehr schöne Erfahrung, da es mich überwältig, wie sehr mich die Menschen in ihr Herz geschlossen haben und dies auch äußern, in Worten oder Handlungen. Immer wenn mich jemand sah, rief er mich von weitem. Immer ein Lächeln, ein Handzeichen, ein Gespräch,… Es war so herzlich. Die Abschiede waren emotional, die Nachbarn Irmas waren traurig, mich gehen zu lassen und wünschten mir das Beste. Irmas Mutter hatte Tränen in den Augen, sie war immer sehr süß. Auch der kleine Darlyn vom Zimmer nebenan hat eine Bindung aufgebaut und schenkte mir noch ein Armband zum Abschied. Besonders an diesem letzten Tag wurde mir bewusst, wie prägend diese Zeit war, ich habe die Kinder in mein Herz geschlossen und war sehr berührt, als sie mir beim Abschiedsfest so schöne Plakate gestaltet haben. Dieser Moment, als ich mit dem Taxi wegfuhr und alle hinterher gewinkt haben… ach, unvergesslich :). Irma begleitete mich zum Bus und wünschte mir noch Gottes Segen. Sie ist eine wirklich tolle Frau, ich werde sie vermissen.

Mal wieder zurück in der neuen Heimat

Gestern war ich dann wider in der Heimat und habe meine Ministranten wieder gesehen und im Casa war ich auch kurz. Jetzt gibt es ganz viele Angebote und in meine Geigenliste haben sich einige Kinder eingetragen. Dazu bald aber mehr, denn nun geht es morgen schon wieder weiter auf das Zwischenseminar, etwas außerhalb von Lima. Ich bekomme ein bisschen Bauchweh bei dem Gedanken, dass jetzt schon Halbzeit ist 🙁

Meine Lieben, macht´s gut, bald werdet ihr wieder von mir hören. Ich wünsche euch eine schöne Woche!

Herzlichst

Eure Marlene Helena

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By | 2018-02-05T09:36:00+00:00 5. Februar 2018|

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