Weihnachten in einer neuen Dimension

Liebe Freunde, Verwandte und Interessierte,

…und so kam die Weihnachtszeit über uns!

Lichter und massenhaft Dekoration seit Ende September. Weihnachtslieder in den Straßen seit Mitte August. Ungewohnterweise alles bei mindestens 28 Grad Celsius. Es liegt in der Luft. Die Weihnachtszeit naht.

Warum in den Philippinen Weihnachten in einer neuen Dimension gefeiert wird, liegt vermutlich daran, dass hier generell ALLES groß gefeiert wird, aber nicht zuletzt auch an der Tatsache, dass das Weihnachtsfest die zentralen Werte dieser Kultur -Familie und Glauben- miteinander verbindet.
Um es anders zu formulieren: Die Stromrechnung und der Gürtel werden für einige Wochen vergessen. Ein Massenphänomen.

Wie sieht das aus?

Familien des Mittelstandes feiern die Weihnachtszeit mit einer Vielzahl unterschiedlicher Festessen, die im Rahmen einer ausgedehnten Vorweihnachtszeit wahr- und eingenommen werden.
Alles glitzert und jeder verlässt (wenn möglich) die Stadt, um dem Gedränge und der Überfüllung zu entkommen. Gedränge in einer neuen Dimension!
Auch der Ablauf der einzelnen Feiern unterscheidet sich von dem mir Bekannten – so muss beispielsweise jeder einzelne Teilnehmer seinen Teil zur Abendgestaltung beitragen – egal ob Singen, Tanzen, oder durch eine sonstige „Performance“. Anfangs sehr ungewohnt, sprengt dies aber wiederum alle Barrieren und passt einfach gut zu der offenen und entspannten Kultur, die ich in den letzten Monaten sehr zu schätzen gelernt habe.

Um den Kindern und Familien in unserer Arbeitsgegend eine ähnliche Atmosphäre (wenigstens für kurze Zeit) ermöglichen zu können, haben wir mit unserer Organisation Events organisiert, durch die wir an Bedürftige Essen und Geschenke verteilen konnten. Diese Charity Events haben zwischen 50 und 1.200 Kinder pro Event erreicht und sind durch Spenden finanziert worden.

Im Anschluss an alle Weihnachtsfeiern bzw. um das Jahr gebührend abzurunden, wurde ab dem 20. Dezember eine allgemeine Urlaubsphase eingeläutet.
Obwohl ein Winterschlaf durchaus naheliegend gewesen wäre, haben wir uns in letzter Sekunde aufgerafft, um nach arbeitsintensiven Monaten endlich längere Zeit Kraft zu tanken und die nördlich gelegenenen „100 Islands“ bzw. die Gegend um „La Union“ zu besuchen.

Stolze Zwischenbilanz meiner Verletzungen in dieser Woche:
Nachdem ich beim Schnorcheln unfreiwillig mit einem Seeigel in Kontakt getreten bin (Wortwitz!), hat mir die Tante eines Freundes mit einer Rasierklinge und einer Nadel die Stacheln aus dem Fuss entfernt. Zwei Tage später bekam ich mein eigenes Surfbrett an den Kopf und kann nun stolz behaupten, dass ich nun eine Narbe vom Snowboarden UND eine Narbe vom Surfen habe. Ganz nebenbei – Elon Musk behält recht: „Urlaub bringt Dich um!“
Es gibt eben Dinge, die verändern sich nie!

Übrigens:
Ich habe eine neue Theorie, warum die Zeit so schnell vergeht.
Öffentlicher Nahverkehr, Behördengänge und die allgemeine Umständlichkeit, vor Ort Dinge zu regeln. Dadurch schmilzt die Woche zusammen. Alles komprimiert sich vollends. Beschäftigung lenkt ab – und zwei Sekunden später ist ein weiterer halber Monat ins Land gezogen.

 

Wie läuft der Unterricht?
Der Unterricht bzw. die Unterrichtsplanung in Parola ist nach wie vor sehr abenteuerlich.
Größte Herausforderung nach wie vor: Die Zustände vor Ort sind sehr chaotisch und man muss sich mit dem abfinden, was man eben hat.
Es gibt Kids, die kommen zweimal pro Monat zum Unterricht. Andere erscheinen zweimal und nie wieder. Wiederum andere nehmen täglich teil, sind aber offiziell zu alt, um zur Zielgruppe zu gehören. Montags ist das Gebiet überflutet, Dienstags ist keiner da, Mittwochs ein spontan vereinbarter nationaler Feiertag, Donnerstags streikt der Verkehr… so sehen meine Wochen hin und wieder aus.

Oft wirkt es, als ob das Umfeld eine Lernroutine nicht zulässt und man wäre kein Mensch, wenn man das Ganze nicht etwas kritischer sehen würde.
Trotzdem überwiegen die Tage, in denen einem bewusst wird, dass die Mehrwerte doch abseits eines Protokolls entsteht.

Dass die Kids auch grundsätzliche Dinge, wie beispielsweise Respekt und soziales Verhalten, lernen, ist einer der zahlreichen Nebeneffekte unserer Arbeit.
Wie teilt man? Was heißt es, jemanden nach etwas zu fragen und nicht einfach nur in der Hoffnung, etwas zu erzwingen, zu schlagen?
Die Eltern bekommen Hoffnung und sind sehr dankbar.

Die Kids tragen unsere T-Shirts mit Stolz und freuen sich auf den Unterricht.

Sie bekommen die richtige Aufmerksamkeit und unsere Organisation nicht zuletzt den wichtigen Kontakt zu den Familien, um diese weiter zu unterstützen. Der letzte Punkt ist nicht zu unterschätzen, da man nur schwer Zugang zu der in sich geschlossenen Gemeinschaft erhält.

Ergänzend zum Unterricht haben wir nach wie vor Workshops, die der Vorbereitung auf unsere Schauspielauftritte dienen.
Den Rest meiner Zeit investiere ich in die Bekanntmachung unserer Sache – sowohl in Deutschland, als auch hier vor Ort.

Summa summarum ist alles im Lot. Wenn das so weitergeht, dann wird mich das Land nicht mehr los. Das ist tatsächlich die einzige problematische Frage derzeit: wie schaffe ich es, hier zu bleiben? 🙂

Viele Grüße in die Welt

Simon

Für zusätzliche Fotos: Instagram (Simon_b.g)

Print Friendly, PDF & Email
By | 2018-01-10T15:16:20+00:00 10. Januar 2018|

Leave A Comment