Traditionen hautnah erleben: Hochzeit!

Hallihallo,

heute erwartet euch ein spannender Bericht über meine Erlebnisse bei einer traditionellen ugandischen Hochzeit:

Am dritten Advent waren Greta und ich bei Jasper, dem Chef der Krankenstation, und seiner Verlobten Martha zur traditionellen Hochzeit eingeladen. Diese dient der offiziellen Vorstellung des Mannes bei den Eltern der zukünftigen Ehefrau.
Für Hochzeiten suchen alle ihre schönsten Gomas (traditionelle Kleider) oder Kleider heraus und auch wir zogen unsere nagelneuen Kleider aus Lira zum ersten Mal an.
Zuvor beschäftigten uns natürlich viele Fragen und so holten wir uns den Rat von einer Freundin, was man denn mitbringen könnte. Sie riet uns unter anderem zu Geschirr, so dass wir in Lira einige Teller besorgten.
Durch meine Arbeitskolleginnen, Sharon und Gloria, erfuhren wir dann aber, dass es angemessener ist, dem Bräutigam schon vorher Geld zu geben, um ihn finanziell bei der Vorbereitung des Festes zu unterstützen. Also gaben wir Jasper jede etwas Geld und zu unserer Verwunderung schrieb er uns und den Betrag auf eine Liste mit allen Mitarbeitern der Krankenstation.
Hier ist es üblich, dass der Bräutigam in vollem Umfang für das Hochzeitsfest aufkommt und der Familie der Frau eine großzügigen „Brautpreis“ anbietet. Dieser besteht unter Anderem aus Kühen, Hühnern, Ziegen und anderen materiellen Dingen, deren Anzahl sich am Bildungsgrad der Frau misst.

Mit DJ und Moderator gehts in den Hafen der Ehe

Das Fest fand in Marthas Heimatdorf statt und wir fuhren ca. zwei Stunden lang mit dem Krankenwagen der Krankenstation. Wir hofften inständig, dass an diesem Tag niemand in ein größeres Krankenhaus verlegt werden musste. Mit 14 Personen saßen wir auf engstem Raum hinten in dem Krankenwagen und dank der drückenden Hitze wurde die Fahrt auch richtig unangenehm. Umso glücklicher waren wir, als das Ziel endlich erreicht war und wir das wunderbar dekorierte Festgelände mit vielen Zelten erblickten. Sogar ein roter Teppich und ein Torbogen, durch den jeder Gast schreiten musste, um einen pinken Blumenanstecker zu bekommen, waren aufgebaut. Die ganze Zeit wurde das Fest von zwei sehr lauten Moderatoren auf Lango geleitet, die das Programm bekannt gaben und das Publikum bespaßen und bei Laune halten sollten. Natürlich ließen sie auch die Chance nicht aus, mit uns ihre Witze zu machen. Für Greta und mich waren solche Moderatoren sehr ungewohnt und etwas anstrengend, da sie die ganze Zeit laut geredet haben, der DJ im Hintergrund Lacher eingespielt hat und es wirklich keine freie Minute gab. Aber zu einem gelungenen Fest scheinen hier solche Moderatoren dazu zu gehören.

Der erste Programmpunkt war die Diskussion der männlichen Familienoberhäupter darüber, ob der von Jasper gebrachte Brautpreis ausreichend ist. Dafür zogen diese sich eine Weile zurück und die Gäste warteten geduldig auf ihre Entscheidung. Nachdem die Männer übereingekommen waren, wurden die Mütter von Jasper und Martha zusammengeführt und alle Frauen haben diese Feier sehr lebendig mit viel Tanz und Jubel begleitet. Die beiden Mütter standen dabei im Mittelpunkt des Tanzkreises und haben sich umarmt.

Wo ist die Braut?!

Als nächstes kam die sogenannte Brautsuche, bei der die ca. fünfzehn Brautjungfern in verschiedenen Gruppen in gleichen Kleidern in die Mitte des Festplatzes getanzt sind und sich dort auf eine Matte knien mussten. Dann suchten einige Freunde des Bräutigams in lustiger Atmosphäre nach der Braut. Sobald sie verneinten, dass Martha dabei sei, tanzte die Gruppe zurück und kam in neuer Konstellation wieder. Das geschah ca. fünfmal. Auf einmal kamen die Brautjungfern von allen Seiten des Festplatzes und tanzten in dessen Mitte. Und in einer Reihe waren auch unverkennbar Martha und ihre Trauzeugin. Es war leicht zu erkennen, sie hatten die schönsten Gomas an, waren aufwändig geschminkt und hatten teuren Haarschmuck. Die beiden knieten sich in die Mitte der Matte, während alle Brautjungfern sie umkreisten und mit Musik um sie herumtanzten und sie so versteckten. Nach einer langen Zeit der „Suche“ konnten Jasper und sein Trauzeuge endlich den Kreis der Brautjungfern durchbrechen und bahnten sich den Weg zu Martha. Um allen seinen Erfolg zu zeigen, hob Jasper seine Verlobte hoch und schritt mit ihr über den Festplatz. Am Tag nach der Hochzeit erzählten uns die Schwestern, dass die Braut normalerweise wirklich unter den Brautjungfern versteckt wird und diese dann sogar Masken und Tücher tragen, um es den Männern wirklich schwer zu machen.

Daraufhin kamen viele Freunde und hoben die beiden hoch, tanzten, jubelten und zeigten ihre Freude über die Hochzeit.

Hochzeitszeremonie mit Ringtausch

Im Anschluss hielten beide eine kleine Dankesrede an ihre eigenen Eltern und diese kamen zu Wort.
Obwohl die traditionelle Hochzeit kein kirchliches Fest ist, ist sie hier doch Voraussetzung um überhaupt kirchlich heiraten zu können. So war auch ein katholischer Katechist anwesend, der eine Rede hielt, eine Bibelstelle verlas und ein Gebet für die Ehe der beiden sprach. Für uns war sehr befremdlich, dass die Moderaten sogar währenddessen noch ihre Späßchen trieben.
Als nächstes stand der Austausch der Ringe und der Geschenke auf dem Programm, wofür Martha schnell das Kleid gewechselt hatte. Traditionsgemäß knieten Martha und ihre Trauzeugin vor Jasper und dessen Trauzeugen. Während Martha Jasper den Ring ansteckte und ihm eine Uhr und eine Anstecknadel überreichte, zupfte ihr Trauzeugin, die während der ganzen Zeremonie immer mit ihr im Mittelpunkt stand, ständig ihr Kleid, ihre Haare und ihren Schmuck zurecht. Anschließend überreichte Jasper Martha ebenfalls einen Ring und wunderschönen Schmuck aus Glitzersteinen.

Anschließend verschwanden die Braut und ihre Freundin schnell, um noch einmal das Outfit und die Frisur zu wechseln. In neuem Kleid wurden dann die Hochzeitstorten angeschnitten. Ein kleiner Teil wurde unter allen ungefähr 400 Anwesenden verteilt. Die restlichen Torten wurden an besondere Persönlichkeiten oder Gruppierungen verschenkt, z.B. an Marthas Schwestern, die Priester oder an die Mitarbeiter des Health Centers.
Daraufhin wurde von allen Freunden und Tanzbegeisterten die Tanzfläche erobert und ausgelassen das Fest genossen.

Als letzter offizieller Punkt war angesetzt, dass jeder der wollte, dem Brautpaar noch etwas Geld schenken konnte und gratulierte. Anschließend servierte der Catering-Service riesige Portionen verschiedenster ugandischer Speisen für alle Gäste. Dazu gab es Bier und Soda und aus deutscher Gewohnheit griffen wir zum Bier. Erst später bemerkten wir, dass alle anderen Frauen Soda tranken.
Als wir ca. die Hälfte unseres Tellers verspeist hatten, kam unsere Freundin Mary und teilte uns mit, dass wir jetzt mit dem Krankenwagen wieder aufbrechen müssten. Ziemlich verwundert ließen wir unsere Teller stehen und passten uns dem Rest an, in dem wir unser Bier in leere Plastikwasserflaschen umfüllten. Fast fluchtartig verließen alle Gäste sofort das Gelände und stiegen in die Autos. Als wir nach dem Grund fragten, erklärte Mary uns, dass sie die Dunkelheit auf den langen Strecken fürchten und nach dem Essen nur noch engste Familienmitglieder und Anwohner dableiben und bis spät in die Nacht feiern.
Wir fanden das unglaublich schade und waren sehr überrumpelt, weil wir uns auf das Tanzen und die inoffizielle Feier schon den ganzen Tag gefreut hatten.

Relativ erschöpft, aber sehr glücklich darüber, dass wir diesen Tag erleben durften, fielen wir am Abend in Alenga ins Bett.

Uns hat dieses Fest wirklich gut gefallen, weil deutlich wurde, wie sehr die Traditionen hier wertgeschätzt und zelebriert werden. Die Stimmung war unvergleichbar gut und ausgelassen und alle haben es sehr genossen zu tanzen, zu singen und das Brautpaar zu feiern.

Vielen Dank an meine fleißigen Leser und Grüße in die Heimat!

Eure Francesca

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By | 2018-03-23T11:44:27+00:00 11. Januar 2018|

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