Mein zweiter Rundbrief

Hallo zusammen,

Mit meinem nächsten Rundbrief zu Weihnachten möchte ich zunächst einmal allen ein Frohes gesegnetes Weihnachtsfest und eine schöne, erholsame Zeit mit der Familie sowie einen guten Rutsch in das kommende Jahr wünschen.

Ich werde die Weihnachtsfeiertage dieses Jahr erstmals nicht zusammen mit meiner Familie verbringen können, was sehr schade ist, aber mit meinen beiden Mit-Freiwilligen wird das mit Sicherheit auch ganz schön.

In den letzten Tagen und Wochen war hier in Manila mächtig was los. Neben einigen weiteren Theaterproben für „A Midsummernight‘s Dream“ von William Shakespeare und dem normalen Unterricht standen etliche Weihnachtsfeiern an. Die erste war mit der jährlich stattfindenden Charity Christmasparty von Puso sa Puso auch zugleich die größte: über 300 Helfer fanden sich am 2. Dezember in der Turnhalle eines Universitätsgeländes zusammen, um mehr als 1000 Kindern aus Pfarreien aus verschiedenen Gegenden in Manila ein paar schöne Stunden zu bereiten. Nachdem die Kinder und ihre begleitenden Freiwilligen das Organisatorische vor dem Eingang geregelt haben, durchliefen sie zehn verschiedene Stationen, an denen sie Spiele spielen und Preise gewinnen oder etwas zu essen sowie Geschenke erhalten konnten. Ich war an der Station, an der jedes Kind einen Luftballon bekam, und habe daher mit einigen anderen Helfern im Laufe des Vormittags der Anzahl der Kinder entsprechend mehr als 1000 Luftballons aufgepumpt und verknotet. Im weiteren Verlauf wurde gegessen und einige Geschenke verlost, gefolgt von der Vorführung eines Artisten und der abschließenden Scienceshow, bei der es verschiedene naturwissenschaftliche Experimente für die Kinder zu bestaunen und auch zum Mitmachen gab. Am Ende war es für die Kinder denke ich eine wirklich gute Veranstaltung und auch für uns als Helfer war es schön mitzuwirken, auch wenn der Anblick von 1000 Kindern auf einem Haufen nicht wirklich alltäglich ist.

Am 13. Dezember folgte dann die Weihnachtsfeier und damit auch der Abschluss des Unterrichtsjahres für die Kinder, die Moritz und ich unterrichten. Dafür haben wir auf dem Platz vor der Sagrada Familia Chapel sieben verschiedene Stationen mit Spielen wie Eierlauf, Dosenwerfen und Reise nach Jerusalem aufgebaut. Damit das Ganze auch einigermaßen zivilisiert ablaufen kann, haben die Kinder am Eingang gleich Bändchen bekommen, welche sie einer bestimmten Gruppe und einem verantwortlichen Helfer zuweist. Mit diesem Helfer konnten die Gruppen dann die Stationen der Reihe nach durchgehen, nachdem die Veranstaltung mit einem Gebet und einigen Sätzen zu Beginn eröffnet wurde. Nach den verschiedenen Stationen konnten die Kinder sich dann mit Spaghetti, hier auf den Philippinen in der Regel süß, Hühnchen und Saft sowie kleinen Snacks stärken. An solch einer Feier für die Kinder dürfen natürlich auch Geschenke nicht fehlen, die von einem Weihnachtsmann gebracht wurden, der Simon verblüffend ähnlich sah. Die Geschenksäckchen enthielten neben Spielzeug, Süßigkeiten und Flipflops auch einige Stifte und Blöcke. Mit der Bescherung war dann auch für die Kinder das Ende der Veranstaltung gekommen, bei der sie, so mein Eindruck, eine Menge Spaß und Freude haben konnten. Sie haben sich auf dieses Event auch schon eine ganze Weile gefreut und dafür auch echt rausgeputzt und sich schick gemacht, da war ich total überrascht.

Ein Fest für Menschen, die auf der Straße leben

Unserer eigene Weihnachtsfeier folgte dann die Weinachtsfeier von Simon und weiteren Freiwilligen aus Parola, die nach einem ähnlichen Prinzip am Samstag stattfand.

Am Donnerstag war in Parola dann eine Weihnachtsfeier für Menschen, die, so wie ich es verstanden habe, alle auf der Straße leben. Für diese 30 Familien hat das Team aus Parola ein Programm vorbereitet, das nach einigen Spielen und Vorführungen mit Essen sowie Geschenk- beziehungsweise Versorgungspaketen für alle abgerundet wurde. Im Anschluss daran hatten die Lehrer aus Parola dann noch mit ihren Schülern einen kleinen Jahresabschluss.

Ähnlich wie am Donnerstag wurden auch am darauffolgenden Tag in Payatas verschiedene Hilfspakete an Befürftige verteilt, was von den Schülern aus dem Center übernommen wurde. Für diese fand am Nachmittag dann wiederum ihre Weihnachtsfeier vor der Sagrada Family Chapel statt. Das Programm bestand wiederum aus Spielen, Essen und Musik, da sich unter den Schülern eine eigene Band zusammengefunden hat. Hier ist es bei solchen Feiern typisch, dass die Teilnehmer eine Darbietung geben, weshalb wir sowohl einige Tänze als auch Lieder zu sehen und hören bekamen, die die Schüler vorbereitet haben.

Weihnachtsfeier mit deutschen Liedern

Für die Mitarbeiter von Puso sa Puso war dann am darauffolgenden Montag die Weihnachtsfeier im Konvent bei Father Artur. Nach einem Gottesdienst in der Hauskapelle und anschließendem Essen fanden sich alle zusammen, um sich die gegenseitigen Darbietungen anzusehen. Auch wir kamen um diesen Spaß nicht herum und trällerten daher mit unseren engelsgleichen Stimmen zwei deutsche Weihnachtslieder. Um dem Ganzen etwas mehr Volumen zu verleihen, haben wir einige der Anwesenden dazu geholt und dazu gebracht, unsere deutschen Lieder mitzusingen, was dann so eine ganz lustige Sache war. Im Anschluss daran wurde noch gewichtelt, sprich, jeder hat ein Geschenk vorbereitet, das dann an einen anderen verlost wurde.

Weihnachtsfeier in Parola

Den endgültigen Abschluss dieses Marathons an Feiern bildete dann am Mittwoch eine Weihnachtsfeier in Parola, die von einem Priester für Kinder zwischen acht und zwölf Jahren ausgerichtet wurde. Hierfür mussten wir lediglich 100 Kinder organisieren und zur Veranstaltungshalle bringen. Deshalb haben wir uns, zusammen mit den Praktikantinnen, in die Gates aufgemacht, um die Kinder zusammen zu sammeln. Im Center in Parola helfen für einige Monate zehn Studentinnen von der Uni mit, sie begleiten Simon zum Beispiel im Unterricht oder wirken bei Veranstaltungen wie den Weihnachtsfeiern mit. In dem Gate, in dem Simon arbeitet, waren Moritz und ich bisher noch nie und es unterscheidet sich doch ein wenig von dem, was ich aus Payatas kenne, alles ist etwas enger und dunkler, die Leute aber auch hier allesamt sehr nett und hilfsbereit.

Nachdem wir unsere über 30 Kinder aus diesem Gate beisammen hatten, haben wir vier Tricycles organisiert, die die Kinder zum Veranstaltungsort bringen sollten. Das war dann etwas abenteuerlich, denn pro Tricycle mussten circa acht Kinder Platz finden, der Fahrer saß daher fast schon auf der Lenkstange und wir Freiwilligen konnten uns nur außen an die Kabine stellen. Am Ende lief aber dann doch alles gut und alle Kinder konnten nach der Veranstaltung mit Essen und Geschenken wieder wohlbehalten am Gate abgeliefert werden.

Rückblick auf fünf Monate auf den Philippinen

Inzwischen sind es nun schon fast fünf Monate, die vergangen sind und daher möchte ich an diesem Punkt eine kurze Reflexion über meinen bisherigen Aufenthalt anbringen.

Was ich auf jeden Fall sagen kann, ist, dass ich schon eine ganze Menge Erfahrung sammeln konnte und einiges erlebt habe. Für mich gab es hier viele Dinge, die neu waren und an die ich mich erst einmal gewöhnen musst. Nicht nur die fremde Kultur, die neue und schier nicht enden wollende Metropole und ein neues Land, sondern auch getrennt zu sein von Familie und Freunden, die ich in so manchem Moment doch schmerzlich vermisse. Hinzu kommt, nicht mehr zuhause bei den Eltern zu wohnen, sondern in einer WG. Das beinhaltet natürlich auch, sich selbst um Essen, Einkaufen, Wäsche (was hier zum Glück sehr einfach geht), Wohnung putzen und noch vieles mehr zu kümmern, was mich so bisher nur zum Teil betraf. Andere Dinge, bei denen man sich umgewöhnen muss, sind zum Beispiel der viele Reis und das man beispielsweise kein Wasser aus der Leitung trinken darf. Das war allerdings etwas, an das man sich recht schnell gewöhnt hat.

Weiter ist natürlich die Umgebung, in der ich jetzt lebe, eine völlig andere und der Alltag hat sich sehr verändert. Man lernt hier viel über die Kultur der Menschen vor Ort und im Umkehrschluss auch über seine eigene. Man merkt, wie organisiert und geplant vieles in Deutschland im Gegensatz zu den Philippinen abläuft. Dennoch funktioniert es hier, nervt aber zum Teil auch stark, wenn man etwas organisieren möchte. Eine weitere Sache, die man hier lernt, ist definitiv zu warten, egal ob im Jeepney im Verkehrschaos, auf die Kinder im Unterricht, auf den Bus, bis er endlich mit Passagieren voll ist und losfahren kann und noch vieles mehr.

Der nächste Schritt war dann die Arbeit im Slum, der eine Umgebung darstellt, die man so aus Deutschland überhaupt nicht gewohnt ist und mit der ich ohne diesen Freiwilligendienst wohl auch nie in Berührung gekommen wäre. Die Arbeit mit den Kindern gestaltete sich am Anfang etwas schwierig, aber mit der Zeit findet man schon rein.

Hier auf den Philippinen hatte ich außerdem die Chance, wahnsinnig viele neue und total interessante Leute aus allen möglichen Ländern kennen zu lernen und auch echt gute, neue Freunde zu finden.

Ich würde meine Entscheidung, diesen Einsatz zu machen, daher nicht bereuen, auch wenn es mit Sicherheit nicht immer einfach ist und war. Ich hoffe auch, weiterhin noch eine Menge Erfahrung sammeln zu können, und noch weitere schöne Flecken dieses Landes kennen zu lernen.

Falls auch ihr jemanden kennt oder selbst daran interessiert seid, eine solche Erfahrung zu machen, dem kann ich nur den Orientierungstag meiner Organisation am 13.01.2018 in Nürnberg empfehlen. Weitere Infos dazu finden sich auch unter cosamaz.org.

Für mich geht es jetzt nach den Feiertagen erst einmal wieder auf Reisen, von denen ich euch im neuen Jahr dann berichten kann. Bis dahin wünsche ich euch Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr! Außerdem möchte ich mich noch einmal für die Unterstützung bedanken, die ich von euch in jeglicher Form erhalten habe. Vielen, vielen Dank!

Viele Grüße aus Manila

Jakob

Print Friendly, PDF & Email
By | 2018-01-09T14:54:09+00:00 9. Januar 2018|

Leave A Comment