Paso a Paso – Schritt für Schritt

Chorrillos, den 21.11.2017

Hallo meine Lieben! Wie schnell doch wieder die Wochen seit meinem letzten Eintrag vergangen sind… Es ist unglaublich, wenn ich daran denke, dass ich nun schon seit mehr als drei Monaten hier leben darf. Jeden Tag strömt das Leben auf mich ein in unterschiedlichster Art und Weise, ich genieße es in vollen Zügen und speichere es fest in meinem Herzen. Ich kann jetzt schon sicher sagen, dass Peru immer ein Teil von mir sein wird und mich nicht mehr loslässt.

Umbauarbeiten im Casa

Wie ihr vielleicht schon mitbekommen habt, befindet sich das Haus der Talente ja momentan noch in der Umbauphase, es wurden zwei Stockwerke hinzugefügt, neu verputzt, die alte Küche wurde rausgenommen,… Das dauert einfach seine Zeit. Und wie das mit der lieben Zeit hier so abläuft, kann das Datum der Fertigstellung ziemlich schnell variieren. Natürlich empfinde ich es oft als schade, dass das Casa noch nicht fertig ist, und ich ohne Türen und guten Platz meine Projekte noch nicht umsetzten kann (Geigenunterricht, Englisch-AG) – dazu aber mehr, wenn es wirklich soweit ist. Andererseits ist es ziemlich cool, die Aufbauphase mitzuerleben. Ich erlebe hautnah wie sich Tag für Tag, Schritt für Schritt (paso a paso), das Haus verändert. Momentan sind nun alle Stockwerke fertig gebaut und verputzt, sodass wir bestimmt bald mit dem Streichen beginnen können. Das wird sicherlich toll, da wir Freiwilligen mithelfen dürfen und eigene Ideen einbringen können. Dann bin ich wieder sehr zufrieden, weil es doch ziemlich cool ist diese Phase mitzuerleben. Mit ein bisschen Geduld lässt es sich auch gut aushalten. So ist das mit einigen Dingen hier in Lima. Manches kann ich sofort hier und heute angehen, manches muss aber einfach mit der nötigen Überlegung und Geduld angegangen werden. Ich bekomme immer ein besseres Gespür dafür.

Feste in der Gemeinde

Die letzten Wochen waren wie immer voller Leben und Aktivität. Am 28.10.2017 feierten wir das große 150-jährige Jubiläum der Comboni-Missionare. Als Ministrantin durfte ich dann in der Prozession durch die Straßen Chorrillos laufen, es war eine wunderbare Erfahrung. Auch die Messe, die dieses Mal ganze 2,5 Stunden dauerte, war ein Erlebnis für sich, da Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern präsent waren und circa zehn Pfarrer den Gottesdienst begleiteten. Es wurde viel gesungen und auch getanzt. Jeder Kontinent sollte bei der Gabenbereitung etwas Repräsentatives zeigen, wobei David und ich dann den Wiener Walzer getanzt haben. Mehr oder weniger holprig haben wir es dann bis vor zum Altar geschafft. Die Leute waren aber begeistert und wir wurden von allen Seiten gefilmt. Danach ging das Fest nebenan weiter, bis in die späten Abendstunden. Für mich ist das eine sehr schöne Erinnerung. Bei den Ministranten fühle ich mich sehr wohl, das sind so tolle Leute!

Gleich das nächste Wochenende standen wieder zwei wichtige Feste an. Am Samstag war Bautismo (Taufe), bei der 80 Kinder getauft wurden, dementsprechend hatte ich danach keine Stimme mehr, da unser Chor fast 2,5 Stunden durchgesungen hat. Am darauffolgenden Tag wurde dann die Messe del Senor de los Milagros („der Herr der Wunder“) gefeiert. Dieses katholische Fest wird jedes Jahr am 18. Oktober in Lima gefeiert, wobei die Messen den ganzen Monat über stattfinden. Es geht auf ein Bildnis von einem schwarzen, gekreuzigten Christus zurück, das vermutlich von einem schwarzen Sklaven in eine Lehmmauer gemalt wurde, der durch die Eroberung des Inkareichs mit den Spaniern einwanderte. Der Legende nach überlebte das Gemälde alle Versuche es zu zerstören und letztendlich auch das Erdbeben am 13. November 1655, das fast ganz Lima zerstört hat.

Neue Freiwillige

In der Zwischenzeit haben wir nun viel Zuwachs bekommen: Zwei Handwerker aus Südtirol (Christian und Samuel) wohnen nun in einem kleinem Zimmerchen im Casa und helfen dort beim Aufbau mit bzw. auch in der Gemeinde Santa Rosa beim Umbau der Toiletten und was sonst so ansteht. Mit ihnen haben wir schon einiges unternommen, wie zum Beispiel einen Ausflug in den Canon Autisha, wo wir uns von 170 Metern abgeseilt haben und eine unglaublich schöne Landschaft genießen durften, oder auch das Green Day Konzert zwei Tage später. Seit gestern sind noch zwei Mädchen aus Südtirol (nun sind wir mit fünf Personen deutlich in der Überzahl….), Katja und Lena, die für drei Monate mit im Casa arbeiten werden. Zusammen sind wir eine ziemlich coole Gruppe würde ich sagen, und es ist immer sehr spannend, neue Menschen hier kennenzulernen.

Seit ein paar Wochen sind Andrea und ich bei einer Surfschule in Barranco. Das macht einen riesen Spaß, das Meer ist absolut meine Welt. Schon nach der zweiten Stunde konnte ich auf dem Brett stehen und am Samstag (vierte Einheit) konnte ich eine Welle seitwärts reiten. Wir haben auch tolle Surflehrer, die uns individuelle Tips geben, die man gut umsetzen kann. Wenn wir montags gehen, sind wir auch meistens die einzigen, sodass wir die Lehrer ganz für uns haben und somit noch schneller lernen können. Das Surfen gibt mir einen guten Ausgleich, ich brauche das sportliche Auspowern. Langsam ist der Frühling auch richtig angekommen, sodass es um die Mittagszeit schon heiß wird und wenn ich dann nach dem Surfen erschöpft am Strand entlang laufe und die Sonne auf mich scheint… Ach, dieses Gefühl genieße ich in vollen Zügen!

Weltmeisterschaft 2018: Peru ist dabei!

Peru hat zudem seine allerletzte Chance, sich für die WM 2018 in Russland zu qualifizieren mehr als genutzt und Neuseeland in der letzten Partie besiegt. Das war vielleicht eine Feier! Zudem hatte Pater Juan am selben Tag Geburtstag, es war somit ein Freudentag. So viele Menschen haben das Spiel gesehen und danach wurde gefeiert und getanzt was das Zeug hält. Kein Wunder, denn nach 36 Jahren hat Peru endlich wieder die Möglichkeit, bei einer WM mitzuspielen. Auch ich habe mich sehr gefreut, auch wenn mich Fußball an sich nicht sonderlich interessiert. Aber, dass es ein Sport schafft die Nationen und die Menschen innerhalb einer Nation so zu vereinen, dann ist es doch wunderbar. Und wenn ich nächstes Jahr schon nicht in Deutschland bin, ist es ziemlich cool, dass Peru teilnehmen kann. Am nächsten Tag war dann auch frei, das habe ich dann genutzt, um einfach mal allein durch die Stadt und die Märkte zu schlendern. Das habe ich sehr genossen, da man hier eigentlich nie allein unterwegs ist.

Strandbesuch

Letzten Samstag waren wir mit den Kiddies vom Casa am Strand, was für mich unglaublich toll war, da ich mir für die Kinder wünsche, dass sie viel öfters ans Meer können. Die meisten sind sehr ängstlich, da sie nicht schwimmen können. Mayorit und ihrer kleine Schwester Dyana war die Angst ins Gesicht geschrieben. Einzeln habe ich sie dann auf den Arm genommen und bin langsam ins Wasser geglitten, sodass sie sich Stück für Stück daran gewöhnen konnten. Wie Äffchen haben sie sich an mir festgeklammert und immer wieder habe ich sie beruhigt und gesagt, dass nichts passieren kann, weil ich sie festhalte. Und am Ende waren beide mit dem Körper im Meer, und das war ein riesen Erfolg, mein Herz ging auf. Das habe ich eigentlich öfters vor, mit den Kindern ans Meer zu fahren und ihnen auch Schwimmen beizubringen, aber das ist leider sehr schwer umsetzbar. Umso mehr schätze ich die kleinen Schritte wert. Wobei dieser Tag jedoch für Mayorit und ihre Schwester wohl ein großer Schritt war.

Unterwegs als Ministrantin

Gestern gab es einen Marsch por la vida y la paz (für das Leben und den Frieden) für den wir Ministranten am Vorabend noch einige Bastelarbeiten geleistet haben. Wir sind dann von Sagrado Corazon bis nach Santa Rosa gelaufen, wo die Messe stattfand. Danach hat dann jede der 12 Gemeinden einen Tanz vorgeführt. Ich habe mit drei dieser Gemeinden Kontakt: Nuestra Senora de la Evangelización (Kirche neben der ich wohne, in dieser Gemeinde findet auch die Hausaufgabenbetreuung statt), Sagrado Corazón (Kirche unterhalb des Casas, die ich Sonntagabends besuche) und Santa Rosa (Gemeinde meiner Ministrantengruppe).

Mir gehts gut!

Hier ist also nach wie vor einiges los, und ich bin sehr froh, vor allem durch die Ministranten, so in das Gemeindeleben eingebunden zu sein. Und nebenher unternehmen wir viel zusammen in der Freizeit. Kurz gesagt: mir geht es hier total gut und freue mich immer wieder sehr, wenn ich mit meinen Freunden und meiner Familie kommunizieren kann, um so etwas aus meiner Heimat zu erfahren. Ich denke oft an meine Liebsten zu Hause und trage sie bei mir, sodass sie viele Momente miterleben können 🙂

Mein Spanisch klappt schon richtig gut, mittlerweile habe ich auch das Vaterunser gelernt, wobei an der Geschwindigkeit noch zu arbeiten ist, aber wie gesagt: Mit Geduld und Weitsicht geht es voran, wenn auch manchmal nur Schritt für Schritt!

In diesem Sinne eine schöne Zeit euch, mit dem ersten Schnee und Glühwein. Bei mir geht es morgen in die Selva (Regenwald) und ich werde vermutlich sehr schwitzen.

Es grüßt euch herzlich

Eure Marlene Helena

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By | 2017-12-07T12:54:51+00:00 27. November 2017|

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