Was für ein Jahr

So schnell können 13 Monate an einem vorbeiziehen. Bereits drei Wochen bin ich zudem auch schon wieder in der Heimat Niederbayern, Passau, Obernzell, Kleindorf Ederlsdorf. Unglaublich, wie die Zeit vergeht. Das würde ich sagen, wenn ich auf mein Gefühl vertrauen würde. Mein Tagebuch jedoch sagt etwas ganz anderes. Während dem Heimflug habe ich mein drittes Buch bis auf die letzten Seiten vollgeschrieben und auch das Vierte ist bereits mit Erlebnissen und Eindrücken seit meiner Anreise gut gefüllt.

Hinter all den Seiten verstecken sich unzählige Geschichten und Erfahrungen über ein sehr schönes, bereicherndes freiwilliges Jahr auf den Philippinen.

Ab dem ersten Tag, 06. August 2017, hat mich das Land Philippinen und seine Mentalität beeindruckt, inspiriert und auch verändert.

Mehr als 80 Prozent Katholiken leben auf den Philippinen. Die wichtigsten Prioritäten sind Zusammenhalt und Gastfreundlichkeit. Das “WIR” wird hier großgeschrieben. Man könnte meinen, dass eine düstere Stimmung in einem Armutsviertel herrscht, aber nicht auf den Philippinen. Die meisten Filipinos würden wortwörtlich Ihr letztes Hemd opfern, um den Aufenthalt so schön wie möglich zu gestalten.

Dabei spielen materielle Sachen weniger eine Rolle. Das Motto “wenigere Gegenstände, wenigere Probleme” spiegelt sich dadurch sehr gut wider. Wichtiger dafür ist die Akzeptanz und der Familienzusammenhalt.

Schätzen, was man hat – Nicht, was man nicht hat.

Gegenseitiges Unterstützen, wenn jemand sich in einer Zwickmühle befindet.

Genau diese Merkmale haben mich in meinem Verhalten sehr bereichert. Dabei habe ich mich selbst, wie in einer großen Familie integriert gefühlt.

Über 40 Kinder habe ich in meinem Freiwilligendienst unterrichten dürfen. Stellt man sich leichter vor, als getan. Wie viel Energie Kinder besitzen, erfährt man erst, wenn man mit ihnen zu tun hat. Ohne Kaffee hätte ich wahrscheinlich nie die Energie gehabt, mit den Kindern auf einem Level zu sein.

Die Entschädigung für den erhöhten Kaffeekonsum bekommt man aber sehr schnell. Dieses Gefühl, wenn du schrittweise die Entwicklung der unterrichteten Kinder siehst, wie sie langsam an Fähigkeiten, wie Lesen, Schreiben und Rechnen dazugewinnen – unbeschreiblich. Es gibt eben solche Dinge, die man sich mit Geld nicht kaufen kann.

Genau solche Momente halten für die Ewigkeit in der Erinnerung und bringen jedes mal ein Lächeln hervor, wenn ich daran denken muss.

Die Abschiedsparty mit den Kindern war daher einer der schwierigsten Abschnitte. Gemeinsam haben wir das Jahr mit Tanz und Gesang beendet. Zudem haben mich die Kinder noch mit einem selbstgeschriebenen Gedicht überrascht und emotional überwältigt.

Man muss nicht Reich sein, um Glücklich zu sein. Es reicht bereits, wenn man die kleinen Dinge im Leben bemerkt und wertschätzt. Diese Erfahrung habe ich bereits Weihnachten spüren dürfen. Normalerweise war Weihnachten für mich wie jedes Jahr.

Habe  daran vorbeigeschaut, wie schön es eigentlich ist, wenn die ganze Familie am Fest zusammenkommt.

Nicht jeder auf der Erde hat noch das Glück, eine Familie zu haben. Deswegen ist es umso wichtiger, solche Momente wertzuschätzen.

Auch die Tatsache, dass man in solch guten, sauberen und sicheren Umständen aufgewachsen ist, darf man keinesfalls vergessen. Es hätte theoretisch auch anders laufen können.

Der Abschied/die Ankunft beinhaltet ein weinendes und ein lachendes Auge.

Natürlich habe ich mich auf meine Heimat/Familie/Freunde gefreut. Nur alles wieder loszulassen, was man in einem Jahr aufgebaut hat, ging tief unter die Haut. Auch die Tatsache, dass ich noch einen Monat verlängert habe, um die neuen Freiwilligen in Manila zu empfangen, hat die Situationen nicht besser gemacht. Dadurch habe ich alles noch stärker reflektiert, wie alles mit meinem Freiwilligendienst begann.

Kulturschock in Deutschland? Definitiv!

Keiner wusste, wann ich in meiner Heimat wieder antreffe. Keiner, außer meine Schwester.

Der Flug am 29. August 2017 ging von Manila, Philippinen über Taipei, Taiwan nach Deutschland. Nach 17 Stunden bin ich dann endlich in Frankfurt angekommen.

Ganz ungewohnt, alles wieder in Deutsch zu lesen.

Mit dem Zug ging es anschließend zur Endstation Passau. Konnte es noch überhaupt nicht fassen, wieder im Lande zu sein. Alles so schön grün, blauer Himmel, sogar die Sonne hat geschienen. Ein Buch im Zug zu lesen war so gut wie unmöglich. Die ganze Zeit habe ich im Endeffekt nur damit verbracht, die Natur zu bestaunen. Habe es komplett vergessen, was für eine schöne Landschaft wir in Deutschland haben. Unglaublich.

Den ersten Kulturschock erlitt ich in Nürnberg. Zwischenstopp, schnell raus, um den Hunger zu stillen. Erst Subway, zu teuer. Dann REWE, zu teuer. Im Endeffekt habe ich mir im Lidl eine Semmel und ein Wasser gekauft.

Automatisch habe ich alles auf die philippinische Währung umgerechnet und beschlossen, dass es viel zu teuer ist.

Nach einem kurzen Stopp ging es endlich weiter nach Passau, wo meine Schwester und ihr Mann am Bahnhof gewartet haben.

Mit jedem Meter ist die Anspannung größer geworden, bis ich schließlich in den Armen von meiner Schwester war. Was für ein Wiedersehen. Unbeschreiblich. Kann mich noch genau an den Tag erinnern, als ob es gestern gewesen wäre.

Nächster Halt – Ederlsdorf, wo meine Eltern noch nichts ahnten.

Mit Grillausstattung sind wir letztendlich daheim ankommen. Ein voller Erfolg!

Langsam komme ich auch wieder gut zurecht zuhause. Anstatt einer 20 Millionenstadt mit sehr viel Lärm, 100 Einwohner ruhiges Kleindorf Ederlsdorf.

Nur mit dem Klima habe ich noch ein bisschen zu kämpfen.

Zum Glück haben mich meine Eltern auf den Philippinen besucht. Somit können sie einiges nachvollziehen und sich meine Erlebnisse besser vorstellen.

Und jetzt?

Neues Kapitel.

Ende September habe ich das das Reflexionsseminar von meiner Organisation in Nürnberg besucht und seit Anfang Oktober studiere ich in Regensburg im Studiengang “Regenerative Energietechnik & Energieeffizienz”. Besonders Manila, geprägt von starker Luftverschmutzung und wenig Grünflächen, hat mich dazu inspiriert, mich mehr auf die Umwelt zu fokussieren.

Fazit:

Hätte ich nochmal die Wahl nach Manila zu gehen, dann würde ich den gleichen Weg wieder einschlagen. Danke für all die Spenden, die mein Projekt unterstützt haben und dass so viele an mich gedacht haben während des Jahres!

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Von | 2017-10-30T14:44:35+00:00 30. Oktober 2017|

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