Gottes Segen für die Prüflinge

Hallo ihr Lieben,

heute möchten Greta und ich euch etwas über unsere Erfahrungen mit der Examensvorbereitung der SchülerInnen in Uganda berichten.

Besuch einer Privatschule

Letzten Donnerstag besuchten wir gemeinsam mit den Sisters und Father Justin eine besonders angesehene private Primary School in Apele. Durch den Kolonialismus, in dem die Briten das britische Bildungssystem in Uganda installiert haben, orientiert sich das ugandische noch heute am britischen Schulsystem und die Primary School geht von der ersten bis zur siebten Klasse. Die Sisters kennen den Schulleiter gut und auch wir durften ihn zuvor schon kennenlernen, so dass er uns ausdrücklich eingeladen hatte und sich sehr über den Besuch freute.
Anlass des Besuchs war das sogenannte „Dedication Prayer“. Das wurde hier vor einigen Jahren eingeführt und dient der mentalen Vorbereitung auf das Abschlussexamen, indem man Gott um seinen Beistand bittet und für die Chance auf Bildung dankt.
Bei der Ankunft fiel Greta und mir sofort auf, dass das ganze Schulgelände besonders sorgfältig angelegt und gepflegt ist. Bei näherem Kontakt mit den SchülerInnen bemerkten wir schnell, dass hier mit mehr Druck Englisch gelehrt wird als in der staatlichen Primary School Alengas und es den SchülerInnen leichter fiel, sich mit uns zu unterhalten.

Die SchülerInnen haben große Träume
Die Feier begann mit einer langen Messe, in der Father Justin die 40 SchülerInnen des Abschlussjahrgangs und auch ihre Hefte und Stifte segnete.  Am Ende fragte Father Justin die angehenden Absolventinnen und Absolventen nach ihren Berufswünschen. Die Jungen und Mädchen haben große Träume. Bei den Mädchen war insbesondere der Beruf der Krankenschwester beliebt, während die Jungs vielfältigere Pläne wie zum Beispiel Arzt, Pilot, Bankmanager, Priester und sogar Präsident haben.
Nach der Messe durfte jeder Gast, Lehrer und der Schulleiter eine kleine Rede halten. So durften auch wir zu Wort kommen und haben dabei von unseren ersten Lango Kenntnissen Gebrauch gemacht. Als kleinen Motivationsschub verteilten wir anschließend Süßigkeiten an die Prüflinge.
Nach einer kleinen Führung über das Schulgelände und einer ewig andauernden Fotosession, in der wir uns fühlten wie die Attraktion des Jahres, lud uns der Schulleiter zu sich zum Mittagessen ein.

Den SchülerInnen der Apele Primary School wünschen wir, dass ihre Eltern weiterhin Wert auf gute Bildung legen und sie deshalb finanziell unterstützen und nicht dazu zwingen, zu Hause oder auf dem Feld arbeiten zu müssen. Außerdem ist die Gefahr gerade bei Mädchen groß, dass sie schon unter 18 Jahren verheiratet werden und Kinder bekommen, weil vielen Eltern der Profit durch die Kühe der Familie des Ehemanns besonders wichtig ist. Kühe sind hier ein Symbol für Reichtum und Ansehen und somit sehr begehrt.

Die Feier für unsere Mädchen

Diesen Mittwoch fand dann ein ähnliches Fest für den Abschlussjahrgang der Nähschule in Alenga statt. Da unsere Schülerinnen ein buntes Programm für den Gottesdienst vorbereiteten, durften auch Greta und ich daran teilnehmen, indem wir uns der Tänzer-Gruppe anschlossen.
Nach einigen Proben fühlten wir uns immer noch sehr unsicher und wacklig auf den Beinen, während die Mädchen in ihren traditionellen Tänzen voll aufgehen konnten. Der Chor trommelte, rasselte und sang voller Elan und uns lief der Schweiß hinunter. Trotz unserer leichten Unbeholfenheit und Aufregung machte das Tanzen uns großen Spaß und alle Anwesenden waren von unseren Tänzen begeistert. Greta und ich bekamen viel Lob, und die Gemeinschaft freute sich, dass wir uns so gut mit den Schülerinnen verstehen und uns in die Kultur integrieren.

Eine Rede halten – das gehört zu jedem Fest dazu!
Wieder segnete Father Justin die Schülerinnen mit viel Weihwasser, was aufgrund ihres tief verwurzelten Glaubens besonders bedeutungsvoll, schön und wichtig für sie war. Nach Ende der Messe gingen wir gemeinsam in die Versammlungshalle der Schule, wo das Fest durch leckeres Mittagessen, Reden und Tänze abgerundet wurde. Besonders wundervoll war, wie sehr die Mädchen sich darüber freuten mal im Mittelpunkt stehen zu dürfen und ihre eigenen Auftritte vor der Schulgemeinschaft genossen. Auch wir kamen wieder zu Wort und versuchten den Mädchen einige Ratschläge für die Zukunft zu geben. Wir rieten ihnen unter anderem sich einen anständigen Mann auszusuchen, ihre Familie gut zu planen und dabei nie zu vergessen, dass sie durch ihre Ausbildung zur Näherin nun finanziell unabhängige und gut gebildete, noch sehr junge, Frauen sind.
Diese Worte empfinden wir als passend, da es der Schule ein großes Anliegen ist, dass die Mädchen sich durch die Ausbildung aus der in ihren Familien weit verbreiteten Armut befreien. Die Armut wird oft bedingt durch fehlende Bildung und die damit verbundene fehlende Aufklärungsarbeit, so dass Arbeitslosigkeit und mangelnde Verhütungsmethoden das Resultat sind. Weil einige Männer mit ihrer Lebenssituation unzufrieden sind, neigen einige davon hier zum Alkoholismus und es kommt manchmal dazu, dass Männer ihre Frauen schlecht behandeln oder missbrauchen und sich nach einiger Zeit eine neue bzw. zusätzliche Ehefrau suchen, sodass Frau und Kinder auf sich allein gestellt sind. Ein weiteres Ziel der Schule, und etwas, was Sister Anne den Schülerinnen immer versucht einzuprägen, ist, dass sie nicht zu früh heiraten und zu früh Kinder bekommen sollen. Es passiert hier, dass Mädchen, gerade mit niedrigem Bildungsstand, mit 17 Jahren das erste Mal  schwanger werden. Diese jungen Mütter haben kaum eine Perspektive, und ohne Bildung und eventuell auch noch mit einem Ehemann, der zu viel Alkohol trinkt, haben sie nur geringe Chancen auf ein zufriedenstellendes Leben.
Ich denke, nach dieser kurzen Erläuterung wird deutlich, wie wichtig es für Frauen ist (hier, aber auch auf der ganzen Welt), finanziell undabhängig zu sein.
Nach diesen Worten teilten wir zur Motivationsanregung wieder kleine Süßigkeitentüten aus, die die Schülerinnen mit viel Jubel entgegen nahmen.

Wir gehören dazu
Für uns ist es ein besonders schönes Gefühl, nun schon so in die Schulgemeinschaft integriert zu sein und enge Beziehungen zu den Mädchen aufzubauen. Die Proben waren besonders abwechslungsreich und lustig und die lockere Atmosphäre trug dazu bei,  dass wir uns noch wohler fühlen.

Danke fürs Lesen!
Wir werden euch in den nächsten Wochen noch mehr über unsere Arbeitsstellen und das ugandische Schulsystem berichten.

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Von | 2017-10-30T09:39:34+00:00 29. Oktober 2017|

Ein Kommentar

  1. Opa 31. Oktober 2017 um 14:35 Uhr- Antworten

    Du bist ein tolles Kind

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