Wir sind naiv!

Liebe Freunde, Verwandte, Interessierte,

…es ist soweit! Es ist tatsächlich passiert!

Ein paar Wochen hat es gedauert und was soll ich sagen….es ist passiert!

Vor zwei Tagen hat mein Mitstreiter Moritz doch tatsächlich abends erstmals den magischen Satz erwähnt. Den Satz, mit dem ich nicht gerechnet hätte: „Simon, irgendwie hab ich gar kein Bock in zehn Monaten wieder das Land zu verlassen!“

TRUE STORY. Insgeheim stimmt es ja. Aber warum kommt der Satz jetzt? Warum nicht erst in fünf Monaten? Wie naiv sind wir?

Schließlich kennen wir noch nicht ansatzweise 1% dieser Stadt, noch nicht 0,0000001% aller schönen Plätze und noch weniger Prozent aller Erfahrungen und Menschen. Tja, vielleicht sind wir naiv. Aber was hat uns – wenn die Annahme überhaupt stimmt – dazu gebracht?

Tja, vielleicht…

…vielleicht ist es die Arbeit und unser veränderter Alltag. Seit einigen Tagen sind wir nun in den Slums von Manila voll eingebunden.

Nach dem Aufstehen um sechs bis sieben Uhr (wer eine Schlummerfunktion besitzt, der versteht die Zeitangabe) begeben wir uns auf den Weg nach Payatas (Jakob und Moritz) bzw. Parola (mein Einsatzort), um dort unserer primären Tätigkeit, dem Unterricht von Kindern der Gegend, nachzugehen.

Von Anfang an haben wir hier bei der Umsetzung unseres „Lehrauftrags“ freie Hand, was Organisation und Umsetzung anbelangt. Einzige Voraussetzung: der Unterricht muss im Gebiet stattfinden, ohne feste Klassenräume. Die Tatsache, dass nichts zu 100% planbar ist, zieht sich dabei durch den Tag, Klassen werden größer, die Häuser, in denen wir unterrichten, müssen gewechselt werden und vieles mehr.

Diese vermeintlichen Probleme machen in letzter Konsequenz Spaß, bestärkt durch die Tatsache, dass alles durch eine gewisse Grundentspannung angegangen wird. Ich korrigiere den letzten Satz. Macht nicht immer Spaß.

Wie dem auch sei, es ist nicht immer alles komplett entspannt. Hört sich auch viel zu romantisch an.

Die Gegend ist sehr arm, Kriminalität und Gewalt gehören leider zur Tagesordnung. Man sieht definitv viel.

Aber nichtsdestotrotz sind die Bewohner der Gegend freundlich – war klar, dass der Satz kommt, oder? So selbstverständlich ist das gar nicht.
Insgesamt mag ich es, in Parola zu arbeiten, vor Ort Zeit zu verbringen und durch die engen Gassen zu schlendern – stets mit fünf bis zehn Kindern um mich herum: die besten Securities, die man sich in dieser Gegend vorstellen kann. Die Arbeit macht Spaß, die Atmosphäre ist auf eine gewisse Weise einzigartig und der Adrenalinpegel hoch. Ich würde nicht tauschen wollen.

Gerade kümmere ich mich nach wie vor um die Einteilung der Klassen und Erstellung eines Lernplans. Hierbei unterscheide ich nach Vorkenntnissen und Alter. So die Theorie …

Neben dem Arbeitsalltag gibt es ebenfalls eine positive Form der Routine, die gerade Stück für Stück einzieht:

1. Logistische Zeiteffizienz: Der Umgang mit dem Nahverkehr wird routinierter, was im Endeffekt heißt, dass man schneller günstige Transportmöglichkeiten und schnellere Routen findet.

2. Heranschleichende Kosteneffizienz: Es werden nach und nach Einsparpotentiale entdeckt, so wurden beispielsweise die Wäschereikosten nach Betrachtung des Wettbewerbsmarkts erfolgreich um 37,5% reduziert.

3. Wachsende Kontinuität: Nach zwei Wochen Sprachkurs, mehreren Wochen Vorbereitung im Kindergarten etc. tut es gut, nun etwas über einen längeren Zeitraum aufbauen zu können.

4. Wir haben super viele neue Leute kennen gelernt!

Sind es diese Gründe, die uns bereits nach 15,3% der Zeit diesen voreiligen Schluss ziehen lassen?
Naja. Wohl mehr eine Vermutung, die sich gerade beginnt zu bestätigen.

Abschließend hier ein kurzes Dankwort an Alex Meisinger, unseren Vorgänger und guten Kumpel.
Er hat sich für unsere Eingewöhnungszeit sehr viel Zeit genommen und uns viel gezeigt. An dieser offiziellen Stelle nochmal vielen Dank für deine Ratschläge und Deine Zeit!
Wünschen wir ihm alle viel Erfolg bei seinem Studium in Regensburg – und jeder, der diesen Text liest und in Regensburg wohnt, möge ihm Bitte ein Bier ausgeben – das macht die philippinisch-deutsche Preisdifferenz gleich erträglicher.

Viele Grüße in die Welt!

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