Ugandische Vorlieben und Werte

Hallo ihr Lieben,

meine Zeit in Uganda ist fast vorbei. Bevor ich nächste Woche nach Hause fliege, will ich noch etwas über Dinge erzählen, die mir in diesem Jahr an den Ugandern aufgefallen sind:

Der Spruch „Die Deutschen haben Uhren, die Afrikaner haben Zeit“ kann ich für die Ugander auf jeden Fall bestätigen. Hier ein paar Beispiele.

Am Sonntag beginnt der Gottesdienst um acht Uhr und zumindest in unserer Gemeinde beginnt er dann auch pünktlich (Ich weiß nicht, wie das in anderen Gemeinden ist). Zu diesem Zeitpunkt ist die Kirche so voll wie in Deutschland (also höchstens halbvoll). Wenn man aber dann beim Halleluja um sich schaut, hat sich die Kirche vollständig gefüllt.

Dasselbe gilt für die meisten Veranstaltungen. Pauli hat in den ersten Ferien einen Computerkurs für Außenstehende gegeben und dafür davor Werbung im Radio gemacht, in welcher verkündet wurde, dass man am Montag um acht Uhr morgens zur Anmeldung kommen soll. Am Montag um acht Uhr waren genau zwei Leute da. Die Anderen sind dann den ganzen Tag über eingetrudelt und sogar drei Tage später und am Montag darauf kamen noch Leute.

Es ist hier nicht so wichtig, pünktlich zu sein. Pünktlichkeit gehört hier wahrscheinlich auch nicht unbedingt ins Erziehungsprogramm. Es macht den Leuten auch gar nichts aus, zu warten.

Das Land, das eigentlich missioniert werden sollte, ist Deutschland und nicht „Afrika“.

Unter dem Begriff „Missionar“ versteht man ja im klassischen Sinn eine Person (wahrscheinlich einen Europäer), die in ein – ihrer Meinung nach unterentwickeltes – Land geht und die Menschen, die sie als „heidnisch“ ansieht, von ihrem Glauben überzeugen möchte. Nachdem, was ich hier erfahren habe, wollen die Comboni-Missionare die Menschen nicht mehr von ihrem christlichen Glauben überzeugen. Das ist auch nicht notwendig, weil die meisten Menschen hier sowieso schon katholisch oder Christen sind (75% der Ugander sind Christen). Deswegen teilen sie nur den Glauben und sind zum Beispiel als Gemeindepfarrer aktiv oder arbeiten im Bereich der Entwicklungshilfe, zum Beispiel in Schulen, Krankenhäusern oder anderen Einrichtungen. Das nur am Rande.

Auf jeden Fall trifft man hier so gut wie niemanden, der nicht zur Kirche geht oder nicht gläubig ist. Gott ist hier immer und überall präsent und man vertraut auf ihn. Den Satz „God bless you“ hört man oft und man dankt Gott für alles. Vor und nach jeder Mahlzeit wird gebetet. Auch die Sakramente werden wirklich ernst genommen. Wir waren zum Beispiel auf einer Firmung, bei der knapp 300 Jugendliche gefirmt wurden.

Deswegen kann man ganz klar sagen, dass Uganda nicht mehr missioniert werden muss, wohingegen in Deutschland vielleicht sogar die Mehrheit Atheisten sind, was einen größeren Bedarf weckt, den Glauben dort hinzubringen.

Egal, ob Weihnachtsdeko, generell Dekoration, Kleidung und Schuhe,… alles ist in Uganda vier Stufen kitschiger als in Deutschland. Alles blinkt, glitzert, schimmert,… Sogar die Zertifikate vom Computerkurs sind auf ein schimmerndes und glitzerndes Papier gedruckt. Außerdem stehen die Ugander auf bunte, leuchtende Farben. Deswegen blinkt die Lichterkette auf der Krippe in der Kirche in rot, grün und blau. Auch die Kleider findet man in allen möglichen Farben. (By the way: die meisten Kleider hier sind second hand und kommen aus Industrieländern. Die Meisten davon werden dann hier verkauft. Daneben gibt es auch Kleider, die hier vor Ort genäht werden. Aber man kann ganz klar sehen, woher die Klamotten kommen, wenn jemand zum Beispiel ein Nike-T-Shirt trägt). Aber egal, von wo die Kleider sind, fest steht, dass leuchtende, bunte Farben und auch die Farbe Weiß sich sehr gut mit der ugandischen Hautfarbe kombinieren lassen, wohingegen braune und dunkle Kleider den Träger unscheinbar machen.

Kleiner Fun-Fact: Die Ugander scheinen bei Dunkelheit für mich unsichtbar.

Das war’s wieder von mir. Bis bald!

Kadda

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By | 2017-10-27T16:16:55+00:00 18. September 2017|

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