Der Verkehr in Manila (#1)

Hallo zusammen,

Inzwischen bin ich nun schon die siebte Woche auf den Philippinen. Das Praktikum im Kindergarten ging am Freitag zu Ende, bald werden wir unsere Arbeit im Slum beginnen. Im Kindergarten konnte ich gute Einblicke in die Arbeit mit Kindern im Alter von zwei bis sechs Jahre erhalten, was die Anforderungen an die Kinder sind, was konkret von ihnen erwartet wird. Als ich gesehen habe, welchem Leistungsdruck die Kinder schon in solchem Alter ausgesetzt sind, war ich manchmal richtig froh um meine Kindergartenjahre, die ich als sehr gut in Erinnerung habe. Ich denke, man sollte das System, Kindern in solch jungen Jahren schon so viel beibringen zu wollen, auf jeden Fall kritisch überdenken. Ich hoffe ich kann meinen Unterricht so gestalten, dass die Kinder relativ stress- und druckfrei lernen können.

Neben der Arbeit mit den Kindern laufen gerade die Vorbereitungen für ein Theaterstück, das im Frühjahr aufgeführt werden soll. Dadurch sollen Spenden für „Puso sa Puso“ generiert werden. Das Projekt wird sehr professionell angegangen, es gibt verschiedene Verantwortliche für Bühne, Performance, Kostüme und vieles mehr. Der erste Part der Vorbereitung war ein Workshop sowie das Vorsprechen und Maßenehmen im Konvent letzten Donnerstag- und Freitagnachmittag.

Des Weiteren konnte ich schon sehr viele weitere interessante Leute kennen lernen und weitere schöne Orte entdecken, die gar nicht so weit entfernt von Manila liegen. Letzten Samstag beispielsweise war ich gemeinsam mit meinen Mit-Freiwilligen Simon und Moritz sowie Christina und Aldrin beim Wandern beziehungsweise Klettern auf dem „Mount Pamitinan“. Trotz der Tatsache, dass wir den Aufstieg schon um circa sieben Uhr morgens begannen, um nicht in voller Hitze den 426 Meter hohen Berg zu überwinden, machten uns die Temperatur und die hohe Luftfeuchtigkeit doch sehr zu schaffen.

Das Wochenende zuvor verbrachte ich mit Moritz, Simon, Christina, Anna, Janzky, Tere und Mirko im „Bus Stop Dive Resort“ nahe Lemery City, circa zwei bis drei Stunden von Manila entfernt. Wir machten uns wieder früh morgens auf den Weg und waren gegen neun Uhr morgens an unserer Unterkunft für Samstag und Sonntag. Das Resort befindet sich in einer kleinen Bucht, zu der man circa 15-30 Minuten mit dem Boot unterwegs ist. Man könnte die Bucht auch zu Fuß durch den Wald erreichen, allerdings mit Gepäck etwas unbequem und mit drei Stunden Dauer auch etwas lang. Direkt vor der Haustür des Resorts befindet sich das felsige Meer mit einem riesigen, wunderschönen Korallenriff. Hier kann man sehr gut tauchen und schnorcheln. Wir haben uns auf Letzteres beschränkt, schon diese Erfahrung war einfach der Hammer! Das Korallenriff sah wahnsinnig schön aus, überall konnte man Fische unterschiedlichster Farbe und Größe bewundern, sogar einen Tintenfisch habe ich kurz gesehen. Da Mirko und Tere professionell Videos produzieren, haben sie auch diesen Ort in tollen Bildern festgehalten, welche ihr unter folgendem Link auf ihrem Blog finden könnt: Life of Mirco and Tere. Gerade weil man in dieser Bucht „nur“ Tauchen, Schnorcheln und Baden konnte, waren die zwei Tage, die wir dort verbrachten sehr ruhig und entspannend. Generell ist es sehr erholsam, wenn man einige Zeit aus dem lauten und oft sehr dreckigen Manila raus in die Natur kommt.

Neben einem kurzen Überblick über meine persönliche momentane Situation und mein Tun möchte ich in Blogeinträgen eben auch einige Dinge zur Stadt sowie zu Land und Leute erzählen beziehungsweise erklären. Beginnen möchte ich mit der Verkehrssituation in der Metro Manila: Nahezu jedes öffentliche Verkehrsmittel rollt hier über die Straße. Einzige Ausnahme stellen hier LRT beziehungsweise MRT dar. Diese Zugnetze lassen sich ein wenig mit deutschen S-Bahnen vergleichen. Aber auf diese Bahn werde ich, wie auf alle anderen Verkehrsmittel, noch einmal gesondert in den nächsten Blogeinträgen eingehen. Da alle anderen öffentlichen, mir bekannten Verkehrsmittel in der Metro Manila auf der Straße fahren, führt das gerade in der Rushhour zu lästigen Staus. Egal ob man also Taxi, Jeepney, Bus, Moped oder Tricycle fährt, wie schnell man ankommt bestimmt die aktuelle Verkehrslage. Die viel befahrenen Straßen sind oft gut ausgebaut, es gibt überall Ampeln und Zebrastreifen. Die Ampeln zeigen hier sogar oft an, wie viele Sekunden man noch warten muss, bis wieder grün ist. Außerdem schalten die Fußgängerampeln von grün auf ein rotes Blinkemännchen um, damit man weiß, dass man jetzt dann doch besser nicht mehr oder sehr schnell die Straße überquert. Was ich aus Deutschland nur vom Hören kenne, hier in Manila aber Normalität ist, sind Polizisten, die den Verkehr an großen Kreuzungen regeln. Zum Fahrverhalten der Verkehrsteilnehmer hier passt folgende Regel, die mir Sister Frances gesagt hat: „if there’s some space, it’s yours“. Auf Deutsch bedeutet das so viel wie „Wenn irgendwo Platz ist, dann ist es deiner“. Der Verkehr hier richtet sich, so scheint es mir, ein wenig nach ungeschriebenen Regeln, es läuft alles nicht so geordnet ab wie in Deutschland, aber es läuft. Für jeden Fahrer das anscheinend wichtigste Element des Autos ist die Hupe. Egal was, egal wo, es wird gehupt. Dabei hupt man nicht nur, um dem anderen seinen Unmut zu zeigen sondern hier hupt man glaube ich prinzipiell viel mehr, um auf sich aufmerksam zu machen, also andere Verkehrsteilnehmer zu warnen. So hupen manche Fahrer beispielsweise kurz bevor sie eine leere Kreuzung überqueren, um zu signalisieren: Obacht, hier komme ich. Durch die vielen Fahrzeuge mit ihren Abgasen ist hier die Luftverschmutzung logischerweise auch entsprechend heftig. Gerade wenn man kurz an einer Ampel wartet, riecht man schon, wie unsauber die Luft ist. Vorbeifahrende Fahrzeuge, die dunkle Rußwolken ausspucken, wenn Gas gegeben wird, veranschaulichen das Ganze. Als wir vom Gipfel des Berges vergangenes Wochenende Richtung Metro Manila blickten, konnte man über dem gesamten Gebiet den Smog in Form einer dunklen Wolke sehen.

Bisher konnten wir immer ein Stück des Weges mit dem LRT fahren, was vieles einfacher und bequemer machte, allerdings ändert sich das, wenn die Arbeit im Slum beginnt.

Viele Grüße aus Manila

Jakob

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By | 2017-10-27T16:17:06+00:00 18. September 2017|

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