Von der LIEBE im LEBEN begleitet…

Im letzten Blog habe ich von meiner Ankunft berichtet. Nun ist ein sehr bunter „All-tag“ eingekehrt. Das Wort Alltag wird oft sehr negativ assoziiert. Hier ist es sehr wichtig für die Bewohnerinnen. Es gibt Sicherheit und Halt, einen geregelten Ablauf leben zu können.

Die Bewohnerinnen, wen und was meine ich hier überhaupt?

Dienstag 04.30 Uhr, durch das geöffnete Fenster kommt eine kühle Brise, es ist ein sanftes Erwachen, durch die Klänge aus der Moschee im Dorf. Das Morgengebet wird hier bei Sonnenaufgang gebetet. Da weiß ich, ich kann noch ein wenig schlafen. Um 6.00 Uhr werde ich dann von dem Glockenklang aus der Emmauskirche geweckt, die Vögel versuchen diesen Klang immer zu übertönen. 🙂

Morgengebet

Um 6.30 Uhr beten wir in der Hauskapelle, das gemeinsame Morgengebet. Die Kraftportion für den ganzen Tag. Danach gibt es ein köstliches Frühstück.

Um 7.30 Uhr startet der Arbeitstag. Wir beginnen ihn immer mit einem Meeting, einem Bericht der Nachtschicht. Ach ja, was heißt wir: Das sind die arabischen Mitarbeiterinnen, Schwestern und Volontärinnen.

Nun gibt es Frühstück für die Habibdis (die Bewohnerinnen) und danach geht es an die erste Runde der Morgenhygiene. Am Vormittag geht es ab in den Garten oder zu einem langen Spaziergang im Gartengelände. Für die mobilen Frauen ist es ein Genuss am noch etwas angenehmeren Vormittag, vor der großen Hitze, durch den wundervollen gepflegten Garten unter den Olivenbäumen zu spazieren. Da erlebt man oft so manches Abenteuer und Erlebnis oder es ergibt sich ein Gespräch, bei dem das Zuhören eine ganz wichtige Rolle spielt. Noch verstehe ich nicht viel von der Sprache, aber für die Frauen ist es einfach wichtig, dass man ihnen zuhört. Es ist ein gemeinsames Lachen, Weinen, Spielen… LEBEN eben. 😊

Spaziergang am Vormittag

Nun geht es für uns MitarbeiterInnen in die Pause. Die Pausengespräche, bei Kaffee, manchmal auch arabischen Kaffee und Keksen, gehen über „Gott und die Welt“ und natürlich über unsere doch verschiedenen Kulturen, wo wir doch alle gleich sind und immer wieder auf Gemeinsamkeiten stoßen. Es sind sehr interessante Gespräche und immer ein Austausch. Natürlich ergibt sich in der Pause auch immer die Gelegenheit, ein paar neue Vokabeln zu üben.

Danach werden unsere Habibdis mit dem Mittagessen versorgt, um sie für die Siesta oder Freizeit vorzubereiten. Die Glocke zum gemeinsamen Mittagessen mit der Gemeinschaft läutet, so ist es nun auch für uns Zeit.

Zu meinem Lieblingsgericht habe ich hier, den hausgemachten Humus, die Oliven aus dem Garten, Falaffel und das Pitabrot gemacht. Das Essen hier, ist täglich ein Genuss und ein Augenschmaus. Außerdem sind wir hier reich gesegnet mit Früchten. Wobei ich mir die Frage stelle, wie um Himmelswillen 🙂 es möglich ist, dass solch ein wundervolles Geschenk an Früchten, bei so wenig Wasser, möglich ist. Ein spezieller Ort eben ;-).

Das Auge isst hier immer mit.

Danach heißt es auch für uns ein wenig ausruhen. Das ist jetzt bei den warmen  😉Temperaturen ein richtiger Segen. Am Nachmittag geht es zur Freizeitgestaltung. Die Habibdis sind sehr kreativ. Fatima die für ihr Leben gerne malt. Neeh ma die immer alle und überall anweist. Der Boss der Crew. Sie zeigt ihren Mitbewohnerinnen, mit viel Geduld, wie man schöne Halsketten bastelt. Das lieben fast alle Damen und es entstehen geradezu Kunstwerke. Suad die alle Kügelchen am Boden aufsammelt. Tamani die Lego liebt. Margo die ihr Bild steckt und viele mehr, so hat jeder seine Vorlieben. Ein ganz besonderes Erlebnis war die Geburtstagsparty von Margo.

 

Bei einigen Frauen, ist kein Geburtsdatum bekannt, so feiern wir auch diese Geburtstage an einem beliebigen Tag. Es gab Eis und es wurde viel getanzt. Ich hab sogar eine Showeinlage, ihr kennt mich ja, wie könnte ich anders 😉geliefert, also sagen wir ich habe es versucht „Schuhplattln“. Die Bewohnerinnen hatten sehr viel Spaß, als sie mich herumhüpfen sahen. Da bekam die eine oder andere einen Lachkrampf. 😊

Der Tag neigt sich nun dem Ende zu, und die Bewohnerinnen bekommen Abendessen und werden für das Bett fertig gemacht. Danach gibt es wieder ein kurzes Meeting und die Übergabe an den Nachtdienst. Nun geht es auch für uns an das Ende des Tages, zum gemeinsamen Abendgebet oder zum Gottesdienst.

Zur Gemeinschaft, dem Grundstock des Hauses: 😊

Die Gemeinschaft hier, ist sehr international. Kongo, Sri Lanka, Philippinen, Schweiz, Südtirol, Österreich ein Erlebnis, jedes Gebet und jeder Gottesdienst. Zu den Gottesdiensten kommen manchmal auch Besucher und ein paar der christlichen Bewohnerinnen. Der Gottesdienst wird so in mehreren Sprachen gefeiert und ist doch nie fremd. Diese Gebetszeiten schätze ich sehr, den Tag, wie er war zurückzugeben und Gott zu überlassen, mit ALLEM erlebten.

Danach geht es zum gemeinsamen Abendessen und zusammensitzen. Wir erzählen uns vom Erlebten und tauschen auch hier einfach unser LEBEN aus.

Wie ich anfangs geschrieben habe, ist es für die Bewohnerinnen ein sehr geregelter Ablauf. Dabei muss man auch die Bewohnerinnen verstehen, warum sie diesen Ablauf brauchen. Sie sind unterschiedlicher Verfassung. Es sind einige ältere, bettlägrige Frauen. Jüngere Frauen mit einer körperlichen und/oder geistigen Beeinträchtigung. Bei vielen kennt man die Vorgeschichten nicht bzw. welche Beeinträchtigung sie wirklich haben. Es sind oft sehr traurige Geschichte, die die Menschen natürlich sehr prägt. Doch mit dieser Liebe, die die Frauen hier erleben und die jeder versucht zu geben (HABIBDIS – Liebling) wachsen sie und natürlich wir, täglich.

Es ist ein Geben und ein Nehmen. Es geschehen hier an diesem sehr biblischen Emmaus, sozusagen auch solche Auferstehungserlebnisse. Manchmal kommen auch Reisegruppen zu Besuch. Dabei darf ich auch immer Mithelfen. Das ist immer eine sehr nette Begegnung mit sehr unterschiedlichen Menschen.

Nach einem Gespräch mit einer Studentengruppe des Theologischen Studienjahres, die uns besucht hat, zitiere ich von der Leitung des Beit Emmaus, Schwester Hildegard folgendes Erlebnis:

ALL we need is LOVE

“Eine der Bewohnerinnen, konnte nicht sprechen, man nahm auch an, dass sie es nie lernen würde, doch eines Tages begann sie, wie aus heiterem Himmel, sozusagen.. 😉 zu sprechen, sie kannte alle Namen der Mitarbeiter, der Bewohner, sie sprach plötzlich, das war wie ein Auferstehungserlebnis hier in Emmaus.“

Dem lässt sich nichts mehr hinzufügen… 😉

Das war jetzt ein kleiner Einblick, in mein Leben hier, über die anderen Aufgaben, berichte ich euch das nächste mal. Ich freue mich auf Eure Kommentare und bitte Euch um Euer Gebet, besonders für ALLE Menschen hier.

Eure Verena (Vera, Hasi, Eapfe, Haselmann… 😉)

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By | 2017-10-26T13:02:19+00:00 27. August 2017|

23 Comments

  1. Renate 29. August 2017 at 18:32 - Reply

    Liebe Verena,
    Vielen Dank für Deinr Berichte. Ich war in der Reisegruppe, die Du beschreibst und der Bericht über die Frau, die plötzlich die Sprache fand hatnauch mit sehr berührt und beeindruckt. Ich habe von unserem Besuch eine Mitschrift gemacht und breit verteilt. Und ich erzähle von den Hoffnjngszeichrn, die Beit Emaus in Israel und darüber hinaus aussendet. Danke für Deine lebendigen Berichte.

  2. Fürst Helga 29. August 2017 at 20:29 - Reply

    Hallo liebe Verena

    Du hast sicher einen sehr erfüllten Tag auch anstrengend .
    Morgen kommt Stefan und Julia mit unserer kleinen Emma ich freue mich schon sie ist unser Sonnenschein!
    Sie will schon immer sitzen einen Zahn hat sie auchschon.
    Liebe Grüsse Tante Helga

  3. Annina 30. August 2017 at 19:46 - Reply

    Yeah!! Verena du rockst Emmaus!

  4. Sr. Martina Winklehner sds 30. August 2017 at 23:04 - Reply

    Liebe Verena.
    Du schilderst so lebendig vom Leben in Emmaus. Da hab ich das Gefühl, auch wieder dort zu sein. Danke dir. Und gerne bete ich für dich und Euer Wirken in Emmaus. So können wir Brücken bauen zwischen zwei Welten, die doch zusammen gehören.

    • Verena Haselmann
      Verena Haselmann 31. August 2017 at 12:30 - Reply

      Liebe Martina, schön von Dir zu lesen, ja ich bitte Dich um diese Gebete. Danke für Euren Dienst 😉 Alles Liebe Verena =)

    • Verena Haselmann
      Verena Haselmann 20. September 2017 at 19:58 - Reply

      Ja liebe Martina, dass denke ich auch,… die bestimmt zusammen gehören… =)
      Vielen Lieben Dank,
      einen gesegneten Gruß aus Emmaus nach Linz =)

  5. Sr. Brigitte Thalhammer sds 31. August 2017 at 09:12 - Reply

    Liebe Verena,

    danke für dein Erzählen! Da bekomm’ ich richtig Fernweh … oder ist es Heimweh? 🙂
    alles Gute … und freu mich schon aufs Weiterlesen

    lieben Gruß
    Sr. Brigitte

    • Verena Haselmann
      Verena Haselmann 31. August 2017 at 12:28 - Reply

      Liebe Brigitte, vielen Dank für Dein Kommentar. Das freut mich =)
      Alles Liebe Dir. Verena =)

    • Verena Haselmann
      Verena Haselmann 20. September 2017 at 19:56 - Reply

      Liebe Sr. Brigitte, welches Wehwehchen einsetzt,… ich denke ich ahne welches =D =) =)
      Liebe Grüße an Euch alle =) aus Emmaus =)

  6. Beate 31. August 2017 at 10:49 - Reply

    Hallo Verena,
    beim Durchlesen deines Beitrages war für mich das Gefühl da, als würdest du neben mir stehen und dies alles erzählen…bin total fasziniert von deiner neuen Aufgabe! Deine Begeisterung ist ansteckend!! Wünsch dir noch eine schöne Zeit und freu mich auf den nächsten Beitrag von dir.
    Alles Liebe und grüße aus dem Wald4tel Beate

    • Verena Haselmann
      Verena Haselmann 31. August 2017 at 12:20 - Reply

      Liebe Beate, vielen Dank für die Grüße =) Das freut mich, also schön weiterverfolgen. 😉
      Alles Liebe Euch =) Verena

    • Verena Haselmann
      Verena Haselmann 20. September 2017 at 19:54 - Reply

      Danke Beate =) der kommt bestimmt =) liebe Grüße ins W4 =D

  7. Maria Schlackl sds 31. August 2017 at 12:59 - Reply

    Liebe Verena! Ja, das ist ‘O-Ton Vernea’!!! Die Lebendigkeit überträgt sich direkt auf mich :-)! Schön, dass du das salvatorianische Wirken mit deiner Präsez bereicherst! Ich schick dir tausend leibe Grüße und viele gute Segenswünsche! i denk an di 🙂 Maria sds aus Linz

    • Verena Haselmann
      Verena Haselmann 6. September 2017 at 14:02 - Reply

      Liebe Maria, vielen lieben Dank =) oh, das ist schön. 😉 Danke Dir. =)
      LG Verena =)

  8. Kail Irmgard 1. September 2017 at 23:07 - Reply

    Liebe Verena Danke für Deine spannenden Berichte die ich natürlich alle mit großem Interesse lese. Sicherlich sehr beeindruckende, prägende und unvergessliche Erfahrungen. Wir wünschen Dir weiterhin alles Gute und viel Kraft immer verbunden mit Gottes reichlichem Segen.
    Alles Liebe wünschen Dir Fam. Kail

  9. Mopfi 10. September 2017 at 14:56 - Reply

    Weiter so, Hasi!!! =D

  10. Christina Dietl 12. September 2017 at 08:53 - Reply

    Hummus, Falafel, Oliven, Pitabrot – soo lecker!!! 🙂 Da ist man ja richtig neidisch, dass du das dort so frisch bekommst. 😉
    Ich finde es hier auch wieder so großartig, wie du vom Zwischenmenschlichen berichtest. Da bekommt man Tränen in den Augen beim Lesen. 🙂

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