Events der letzten Monate

Es ist schon viel zu lange her seit ich meinen letzten Bericht geschrieben habe. Es ist eine Menge passiert in den letzten Monaten und darüber möchte ich in diesem Eintrag berichten.

Ereignisse in der Kirche
Mitte April hatte Jemboy seine Weihe zum Diakon, in sechs Monaten wird er dann zum Priester geweiht. Es war ein großes Fest hier mit 1000 Leuten, die aus Nah und Fern gekommen sind.

Besonders war, dass Jemboys Ausbilder, Father Dave, extra aus den Philippinen für die Ordination angereist ist. Auch der Generalobere der Comboni-Missionare, Pater Tesfaye Tadesse Gebresilasie aus Äthiopien, ist von Rom aus bis nach Kacheliba gekommen. Wer mehr über die Struktur der Comboni-Missionare erfahren möchte, wird unter diesem Link fündig.

Das Fest war wirklich schön und ich fand es sehr interessant, so viele Comboni-Missionare aus  verschiedenen Ländern kennenzulernen.

 Die Comboni-Missionare vor der  Sakristei

Eine internationle Feier! Von Links nach Rechts: Father Bliss aus Kacheliba (Ghanese), Father Hubert aus Amakuriat (Deutscher), Father Dave aus Manila (Portugiese), Diakon Jemboy, Kacheliba (Philippino), Father Dino, ebenfalls Kacheliba (Italiener), Diakon Gervais aus Amakuriat (Kongolese)

Jemboy, traditionell als Pokot gekleidet

In der nächsten Woche war dann Ostern. Naja, das war ungefähr so spannend wie Weihnachten, also eigentlich gar nicht. Es gab eine Messe, die noch länger war als unsere normalen Messen und wieder wurden ca. 50 Kinder getauft. Mit dem Chor habe ich das Lied „Bleibet hier“ für den Gründonnerstag einstudiert. Wir konnten es aber erst am Karfreitag vortragen, weil am Donnerstag kaum jemand zur Messe gekommen ist. Nach der Messe am Ostersonntag haben wir gemeinsam mit den Schwestern gegessen, aber dann wars das auch mitfFeiern und jeder ist in seinen normalen Tagesrhythmus zurückgekehrt. Man merkt, dass die Leute hier sehr glaübig sind, Sonntags geht wirklich jeder in die Kirche. Aber trotzdem ist auch zu spüren, dass die Kirche immer noch etwas relativ Neues in der Region ist und sie ist nicht so tief mit der Kultur verwurzelt, wie es in Deutschland oder anderen europäischen Ländern der Fall ist. Das ist mir besonders bei den Festen aufgefallen, wo zwar jeder in die Kirche geht, aber es eigentlich nur eine normale Messe ist und nicht tagelang gefeiert wird.

Hochzeit!
Am nächsten Wochenende gab es schon das nächste Ereignis. Renson, der hier so eine Art „Bürgermeister“ ist, hat in unserer Kirche geheiratet. Zu diesem Fest kamen noch mehr Leute als zu Ostern. Die Messe hat mir nicht wirklich gefallen, da viele Politiker anwesend waren, die in der Messe bereits Reden gehalten haben. Diese haben sich aber leider nicht um das Paar oder um die Kirche gedreht sondern nur um Politik und die anstehenden Wahlen. Nach vielen weiteren Reden und Fotoshootings außerhalb der Kirche wurde auch noch die Hochzeitstorte angeschnitten. Naja, Kenia ist wirklich keine Kuchennation und die Torte war ziemlich trocken und bröselig. Trotzdem wollte jeder unbedingt ein Stückchen haben und es gab ein richtiges Durcheinander, als sich die Kinder alle auf das Kuchentablett geworfen haben. Im Endeffekt fand ich die Hochzeitsfeier sehr fremd aber es hat trotzdem irgendwie Spaß gemacht, weil ich viele Freunde auf dem Fest getroffen haben und es durchgehend gute Stimmung gab.

Das Paar: Renson und Dorcus

Besuch aus Uganda
Im Mai wurde ich von Judit, Pauli und Katharina in Kacheliba besucht. Die drei sind als MaZ bei den Comboni-Missionaren in Uganda. Ich habe mich sehr über den Besuch gefreut und wir hatten viel Spaß. Ich habe ihnen Kacheliba und meine Schule gezeigt, wovon sie, glaube ich, sehr beeindruckt waren. Außerdem sind wir auf den Mount Kacheliba gestiegen und haben dort die Aussicht genossen. Das absolute Highlight war, dass wir Kässpätzle gemacht haben. Am Ende haben wir die Portion für acht Leute zu viert aufgegessen. Im Beitrag von Katharina auf diesem Blog könnt ihr davon lesen und euch die viele Bilder anschauen, die wir zusammen gemacht haben.

Meine 8. Klasse

Pauli, Niko, Judit und Jemboy auf dem Mount Kacheliba

Ereignisse mit der Schule
Mitte Mai bin ich gemeinsam mit dem „Orchester“ meiner Grundschule in die nächste Stadt gefahren, wo der Musikwettbewerb von den Grundschulen ausgetragen wurde. Es gab viele Vorträge in Traditionellem- und Popgesang, wie auch Instrumentalauftritte als Solo oder Gruppe. Der Gesang hat mich nicht sehr beeindruckt, da viele der Schüler sehr leichte Lieder gesungen haben, die nicht wirklich sauber waren. Faszinierend fand ich aber die Auftritte mit den traditionellen Instrumenten, die auch musikalisch anspruchsvoller waren. Unsere Schule hat den Wettbewerb gewonnen und vertritt jetzt die Region im nationalen Wettbewerb, der im Juli in Nairobi stattfinden wird. Am Ende waren wir alle zusammen essen und die Schüler haben sich sehr über das „Nyama Choma“ gefreut (kenianisch zubereitetes Fleisch, vielleicht mit Gulasch zu vergleichen). Dass ich den Schülern am Ende noch Bonbons gekauft habe, hat den Tag für alle perfekt gemacht und die Stimmung auf der Rückfahrt war super. Der Tag war einer der prägendsten Momente in meiner Zeit hier.

Unser Schulorchester

Eine Woche später bin ich gemeinsam mit den Jungs der Holy Cross Secondary School nach Amakuriat, direkt an der Grenze von Uganda, gefahren. Als Trainer habe ich meine Jungs bei den Tischtennis-, Badminton- und Tennisspielen unterstützt. Es war ein großes Sportfest, bei dem fast 15 Schulen gegeneinander angetreten sind. Es war super, den Jungs und Mädchen zuzugucken, auch wenn sich die Art, wie sie z.B. Fußball oder Tennis spielen, deutlich von Deutschland unterscheidet. Hier ist mir so richtig aufgefallen, was ein ausgebilteder Sportlehrer oder ein richtiger Trainer bewirken kann. In Deutschland werden uns die Regeln und Technik der meisten Sportarten von Lehrern oder Trainern im Verein beigebracht. Hier gibt es das überhaupt nicht, alles ist selbst beigebracht und auch die Regeln sind nicht jedem bekannt. Im Endeffekt wurde ich als Schiedsrichter für Tennis eingesetzt, da ich der einzige war, der die Regeln wirklich kannte. Dank dieser besseren sportlichen Bildung kann ich auch in allen Sportarten mit den anderen Jungs mithalten. Das ist auf der einen Seite natürlich ziemlich cool aber es ist auch irgendwie schade, da viele von den Jungs wirklich Potential haben, aber es niemanden gibt, der ihnen die Sportart richtig beibringen kann. Deswegen gehe ich jeden Nachmittag zu der Schule, um den Jungs das Wenige, das ich weiß, beizubringen. Die Fortschritte, die sie in nur wenigen Wochen gemacht haben, sind gewaltig.

Unsere offizielle Tischtennisplatte

In der nächsten Woche war dann die nächste Stufe des Turniers. Die Sieger der jeweiligen Bezirke haben sich in Kacheliba zum Turnier des Countys (vergleichbar mit einem Bundesland in Deutschland) getroffen. Es war cool, dass die Meisterschaften in unserem Ort stattgefunden haben und ich fußläufig nur eine Minute entfernt vom Spielfeld war. Auch das Niveau war deutlich höher, da hier nur die Sieger der jeweiligen Bezirke zusammenkamen. Meine Jungs hatten aber gegen die professionell trainierten Jungs aus der Stadt keine Chance und sind in allen Sportarten ausgeschieden. Ein Moment, der mir besonders in Erinnerung geblieben ist, war der Regen, der am Nachmittag des Turniers begonnen hat. Für das Sportfest sind Tausende Leute in die Schule gekommen und haben ihre Teams angefeuert. Doch als der erste Regentropfen gefallen ist, hat sich die ganze Menschenmenge in Bewegung gesetzt und in weniger als einer Minute war das gesamte Schulgelände wie leer gefegt. Die Leute haben wirklich Angst vor dem Regen und alle Spiele wurden in der Zeit unterbrochen. Ich fand das irgendwie ziemlich witzig und bin lachend durch den Regen nach Hause gegangen, was mir viele fragende Blicke von den Leuten beschert hat, die sich unter den Häusern vor dem Regen schützten.

Den neuen Tennisplatz haben wir zwei Tage vor dem Turnier fertiggemacht

 Jetzt sind es nur noch fünf Wochen, bis meine Familie mich besuchen kommt, worauf ich mich wirklich wahnsinnig freue. Dass ich in zwei Monaten wieder in Deutschland bin, ist auch wirklich toll, aber die Zeit vergeht jetzt echt schnell hier und es gibt noch so viele Dinge, die ich hier mit den Leuten machen möchte. Ich werde euch auf dem Laufenden halten, was mir in den letzten Wochen noch passiert, bis dahin wünsche ich euch alles Gute,

euer Niko

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By | 2017-10-26T12:44:05+00:00 18. Juni 2017|

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