Eine Reise nach Kenia

Hallo ihr Lieben, diesen Blog werdet ihr ausnahmsweise nicht aus meiner Sicht lesen. Leon, ein Schulfreund von mir, hat mich im März für drei Wochen in Kenia besucht. Seine Eindrücke von dem Land und meinem Einsatz hat er hier zusammengefasst. In Kursivschrift seht ihr ein paar Anmerkungen und Erklärungen von mir. Viele Grüße, euer Niko.

Kalt. Das war mein erster Gedanke als ich mich morgens um 6:00 Uhr in Berlin auf den Weg zum Flughafen machte. Ohne Jacke, ohne Schal – na gut eine Regenjacke hatte ich an, aber meine Winterjacke wollte ich kaum mitnehmen in einem der heißesten Monate des Jahres in Kenia. Die Vorfreude auf Kenia wuchs, als mir der stärker werdende Schneeregen die letzte Wärme aus dem Körper raubte. Es war der 7. März und ich stand kurz vor meiner ersten, selbstorganisierten Reise auf einen anderen Kontinent. Besonders freute ich mich auf Niko, den ich seit einem halben Jahr nicht mehr gesehen habe. Noch trennten uns über 6000 Kilometer. Es war ein beruhigendes Gefühl zu wissen, dass Niko an meinem Zielflughafen in Nairobi wartete, denn ich hatte gehörigen Respekt vor Nairobi und habe vermutlich viel zu viel Zeit damit verbracht, die Gefahren dort zu studieren.

Der Flug verlief ereignislos und die Anspannung fiel von mir, als ich nach allen Kontrollen mit meinem Gepäck den Flughafen verließ. Warme, angenehme Abendluft strömte mir entgegen und ich  kämpfte mich an ein paar Taxifahrern vorbei, die mir ihr Taxi anbieten wollten. Schnell fand ich Niko. Ich war froh und erleichtert. Wir fuhren etwa eine Dreiviertelstunde zu unserer Unterkunft. Schon nach zwei Minuten sah ich ein Zebra, das mitten auf der Straße stand. Ich tippte Niko an und fragte ihn: „Ist das normal?“ Er machte große Augen und verneinte. Die Vorfreude stieg.

Die erste Nacht war unglaublich heiß (Ich fand es ziemlich kalt. Besonders nachts ist Nairobi viel kälter als Kacheliba). Als ich gerade einschlief, klingelte auch schon wieder der Wecker um 5:00 Uhr. Dann ging es ohne Frühstück in den chaotischen Berufsverkehr von Nairobi.

Wir fuhren zuerst mit einem sogenannten „TukTuk“. Das ist ein kleiner Dreiräder, der es gerade so den Hügel bei unserer Unterkunft hoch schaffte. Es war eine Mischung aus Unbehagen und Faszination. Einerseits hatte ich Angst, dass mein Rucksack aus dem provisorischen Kofferraum herausfällt, anderseits war es ein tolles Gefühl bei aufgehender Sonne zu unserem nächsten Ziel, nach Kacheliba zu fahren, wo Niko den Großteil des letzten halben Jahres verbracht hat. Als wir in den Bus wechselten, war alles für mich nur noch Chaos. Von allen Seiten wurde ich bedrängt und zu verschiedenen Bussen gezerrt, in denen viel zu laute Musik lief. Auffällig war auch, dass ich auf dem ganzen Weg zur Fernbusstation keinen einzigen Weißen zu Gesicht bekam (Ich glaube Leon hat einfach geschlafen oder nicht aus dem Fenster geguckt. In Nairobi gibt es tausende Weiße). Da fragt man sich schon irgendwann, ob man was im Gesicht hat, so stark wie man angestarrt wird. Daran gewöhnte ich mich im Verlauf der nächsten Tage jedoch sehr schnell. Die zwölfstündige Busfahrt war entspannt und komfortabel. Wir trafen im Bus Fritzie und Janina, die mit uns nach Kacheliba fuhren. Die Beiden sind Freunde von Jemboy, einem Missionar, der mit Niko in Kacheliba lebt. Die Landschaft war toll. Es war interessant zu sehen, wie die an der Straße gebauten Dörfer zunehmend einfacher wurden. Der Plastikmüll wurde vor den kleinen Lehm- oder Wellblechhäusern verbrannt, weshalb zeitweise ein eigenartiger Geruch in der Luft lag. In einem Supermarkt ernteten wir komische Blicke als wir für 500 Keniaschilling (ca. 5 Euro) etliche Gebäckstückchen kauften. Interessant war auch die Sicherheitskontrolle vor vielen Supermärkten, die mit fast so vielen Sicherheitsleuten wie im Flugzeug war. Allerdings konnte ich durchlaufen, ohne meinen Rucksack zu öffnen, geschweige denn anderweitig kontrolliert zu werden. Auch wenn der Metalldetektor mehrmals piept, wird man einfach durchgewunken. Sinn der Kontrollen aus meiner Sicht verfehlt! In den Buspausen erhielten wir viele Angebote für Essen, Kleidung und andere Sachen von aufdringlichen, aber stets freundlichen Verkäufern. Die Speed-Breaker auf den Straßen waren das Einzige, was mir manchmal die Geduld nahm, da diese gefühlt alle 500 Meter auftauchen. Darüber regt sich sogar Niko nach einem halben Jahr noch auf.

Kacheliba war dann wohl der Abschnitt der Reise, den ich im Nachhinein am prägendsten fand. Ich bin unglaublich froh, dass ich das Leben in einem Dorf, weit weg von dem ganzen Tourismus, kennenlernen durfte. Ich war mit den beiden anderen Gästen im Gästehaus untergebracht. Dort gab es zwar kein fließendes Wasser, dafür Kanister, die man auffüllen konnte. Strom gab es. Das Plumpsklo vor dem Haus vermied ich, da Niko mir erzählt hatte, wie er dort schon zwei Mal Schlangen begegnet ist. Toilette und Dusche waren dafür im Haus der Comboni-Missionare vorhanden. In dem Haus wurden wir auch dreimal am Tag von Shikanga, einem überaus sympathischen Koch, versorgt. Das Essen war gut, auch wenn ich mir vorstellen kann, dass es nach ein paar Monaten etwas einseitig wird. Auffällig war für mich, dass alle Getränke unglaublich süß waren. Ich hatte Probleme mich daran zu gewöhnen, dass in einen Tee 4-5 Esslöffel Zucker gehören.

Niko nahm mich auch mit auf die „Comboni Girls Primary School“, wo er unterrichtete. Schon als wir den Schulhof betraten, kam eine Welle aus hunderten von Schülerinnen in blauen Schuluniformen auf uns zu gestürmt und überhäuften uns mit Fragen und Blicken. Besonders die langen Haare unserer zwei Begleiterinnen waren für sie unglaublich interessant, da hier alle Mädchen kurz rasierte Haare haben. Ich lernte sehr nette Lehrer kennen und besuchte anschließend eine Mathestunde von Niko. Gerade als ich mich hinsetzen wollte, sprang ein Mädchen aus der ersten Reihe auf und wischte mir mit ihrem Pullover den Stuhl sauber. Ich war etwas verwirrt (So werden nur Fremde behandelt. Mein Stuhl wurde noch nie abgewischt).

Matheunterricht bei Mr. Niko

Ich war überrascht, wie gut Niko die Klasse im Griff hatte, da er mir erzählt hatte, wie schwer er sich tut, die 65 Mädchen konzentriert zu halten.

Als ich in den folgenden Tagen durch das Dorf lief, wurde ich von fast allen Leuten gegrüßt. Niko brachte mir dann auch ein paar Wörter Kiswahili bei. Somit konnte ich auf die Frage „Habari?“ (Wie geht’s?) immerhin „Nzuri!“ (Gut!) antworten und alle waren zufrieden. Auf der Straße traf ich auch viele Straßenkinder, die mich nach Geld fragten. Es gibt viel zu viele Kinder, deren Eltern sich die Schule einfach nicht leisten können. Der von Korruption geplagte Staat stellt den Schulen leider viel zu wenig Mittel zur Verfügung. Somit haben dann auch viele Kinder tagsüber nichts zu tun und kommen auf blöde Ideen. Janina war ganz begeistert von einem kleinen Hund, der mit den Kindern unterwegs war. Am nächsten Tag haben wir gesehen, dass die Kinder dem Hund die Ohren abgeschnitten haben. Wahrscheinlich um uns zu zeigen, dass sie stärker sind, als wir „verweichlichten Weißen“. Ich war geschockt.

Ein weiteres Highlight war das Besteigen des „Mount Kacheliba“. Ein kniffliger Aufstieg, der allerdings mit einer tollen Aussicht auf Kacheliba und das ganze Tal belohnt wird.       

  

Auf dem Weg zurück nach Nairobi bekam Niko Malaria. Malaria war der einzige Grund, weshalb ich ab und zu nervös war und mich unsicher gefühlt habe, da ich wusste, dass ich es nicht in der Hand habe. Irgendwann wird man halt gestochen. Nach einer schlimmen Fahrt zurück nach Nairobi fanden wir glücklicherweise schnell einen Arzt, der Niko schnell behandelte.  Somit war Niko wieder recht schnell auf den Beinen.

In Nairobi haben wir dann ein paar Sachen unternommen. Wir waren in einem Elefanten-Orphanage, in der man junge Elefanten, die ihre Eltern verloren haben, beobachten und streicheln konnte. Dann waren wir in einem Giraffencenter, in dem man die Giraffen auf Augenhöhe sehen und füttern konnte. Außerdem waren wir noch auf einem kenianischen Markt, in dem wir alles Mögliche an Second-Hand Kleidung für ziemlich gute Preise kaufen konnten.

Am 17.03.17 sind wir von Nairobi nach Mombasa an die Ostküste Kenias gefahren. Rund um die Stadt Mombasa war alles viel touristischer als im Westen. Wir trafen in allen Unterkünften deutsche Touristen, die hier wirklich überall waren; manche sympathischer als andere. (Ich hatte gehofft, dass die Leute einen hier „normal“ und nicht nur als den reichen Weißen behandeln, da es so viele Touristen gibt. Leider war das nicht so. Viele sind auf uns zugekommen, haben nach Geld gefragt, Sachen zu überteuerten Preisen angeboten und immer wieder die gleichen Sprüche rausgelassen: Wir sind gleich wie Ihr Weißen, nur dass ihr alle Millionäre seid. Wir sind keine Kannibalen… Danke für die Informationen.)

Der Ausblick von unserer Unterkunft an der Küste

Gleich bei der Ankunft in Mombasa hatte ich das Gefühl, eine klebrige Maske aufzuhaben, so feucht war es hier. Dieser Abschnitt der Reise war pure Erholung. Das Meer war traumhaft, auch wenn Niko und ich die Hitze etwas unterschätzten und uns gleich einen Sonnenbrand holten, der erste in unser beider Leben. Der Strandurlaub war nichts Neues mehr. Die wirklich prägenden Erlebnisse hatte ich im Westen Kenias (Für mich war es aber was Neues! Ich bin in der ganzen Zeit in Kenia noch nie schwimmen gegangen und hab das Wasser total genossen).

Dann kam noch die kleine Safari, die wir ans Ende der Reise gelegt hatten. Ich hatte große Erwartungen, da die Safari teurer war als alles andere zusammengerechnet, was ich in den drei Wochen ausgegeben habe. Doch ich wurde nicht enttäuscht. Ich sah alle Tiere, die ich mir gewünscht hatte. Löwen, Elefanten, Zebras, sogar ein Gepard war dabei. Ein Nashorn hätte ich mir vielleicht noch gewünscht. Im Großen und Ganzen war ich trotzdem sehr zufrieden. Hier sind ein paar Bilder:

Um Kenia wirklich kennenzulernen, reichen drei Wochen natürlich nicht, deshalb war ich auch etwas traurig, als es schon vorbei war. Aber ich denke, ich habe einen Eindruck von einem Land bekommen, das mit Natur, Artenvielfalt und aufgeschlossenen Menschen besticht, allerdings mit Korruption, Arbeitslosigkeit und einem hohen Bevölkerungswachstum viele Probleme hat, die sich nach meinem ersten Eindruck nicht bessern.

Es ist komisch und fremd, wieder in Deutschland zu sein. Es ist komisch, jetzt zu realisieren, wie verwöhnt man hier in Deutschland doch eigentlich ist.

Leon

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By | 2017-10-26T12:45:22+00:00 24. April 2017|

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